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Fairy Tail - Weg zurück ans Licht

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7 Kapitel - 8.399 Wörter - Erstellt von: Mai Takagy - Aktualisiert am: 2016-09-10 - Entwickelt am: - 627 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

In der Geschichte geht es um Hiatari, dessen Ziel es ist Fairy Tail auszulöschen. Aus diesem Grund schließt sie sich ihnen an, um herauszufinden, wie sich das am Besten machen lässt.

Sie muss jedoch lernen, wie schnell man sich täuschen kann.

    1
    Mein Anfang

    Damals vermochte ich nichts anderes tun, als zu weinen. Nichts konnte ich tun, um die zu retten, die ich liebte. Ich sah, wie mein Zuhause in Flammen aufging, wie die Flammen wüteten und alles vernichteten, was sich ihnen in den Weg stellte. Das war mein Anfang. Ich spürte die sengende Hitze auf meinem Gesicht und hörte auch heute noch die Schreie derer, die ich liebte. Sie alle starben einen qualvollen Tod. Die einzige Person, die das überlebte, war ich.
    An dem Abend war alles in mir wie betäubt, ich fühlte nichts mehr, außer dem Schmerz. Ich spürte weder die Kälte des Winters, noch den Schnee an meinen nackten Füßen. Es gab nur eines, was ich wollte: Nur noch hier weg. Eigentlich wollte ich sie alle beschützen, das hier für immer behalten und niemanden missen. Und nun … nun hatte ich alles verloren, was mir wichtig und wertvoll erschienen war. Ich war allein … und schwach. Zu schwach, als dass ich es hätte verhindern können. Dafür hasste ich mich selbst noch immer.
    Der Rückblick fiel mir nie leicht, es tat noch immer zu sehr weh. Jedes Mal, wenn ich an das Geschehene dachte, wurde ich wütend. Wie ich überlebt hatte, verstand ich auch nicht. Wahrscheinlich gab es nur einen Grund, weshalb ich bis hier her gekommen war: Um den Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Ich wollte es tun, damit ich und die anderen endlich Frieden finden würden. Niemals würde ich wieder schwach und wehrlos sein und Tränen vergießen. Jetzt war ich stark genug, um der Welt zu zeigen, dass man es besser nicht mit mir aufnehmen sollte. Ich hatte ein Ziel … und war bereit, alles zu tun, um es zu erreichen.
    So hatte es mich nach Magnolia verschlagen. Die Informationen, die ich erhalten hatte, reichten mir. Meiner Quelle zufolge hielt er sich in Magnolia auf, in einer Gilde namens Fairy Tail. Das Einzige, was ich vorher über ihn wusste, war, dass er gewaltige Flammen kontrollieren konnte. Es war ein Magier dieser Gilde gewesen, der mir alles genommen hatte, was ich liebte und wofür ich kämpfen würde. Jetzt weiß ich, wie er aussieht und wie er heißt: Natsu Dragneel, er hat rosa Haare, ist ziemlich naiv und leicht wütend zu machen. Jedoch war das Markanteste angeblich, dass er bei jedem Wetter einen Schal trug und immer etwas von einem Feuerdrachen „Salamander“ schwafelte. Ein leichtes Ziel.
    Meine Aufgabe war, ihn von der Gilde wegzulocken und in einen Kampf gegen mich zu verwickeln. Dafür hatte ich Magie in fünf Elementen studiert: Feuer, Wasser, Erde, Eis und Wind. Ich würde ihn töten und so endlich meinen Frieden finden. Doch das Wichtigste war, dass dann endlich Gerechtigkeit herrschen würde.
    So betrat ich also die Stadt Magnolia. Ich musste erst einmal eine Unterkunft finden. Zunächst galt es, mehr Informationen über Fairy Tail selbst und deren Aktivitäten zu bekommen. Dafür sollte ich mich ihnen erst einmal anschließen und deren Vertrauen gewinnen. Es hieß, dass sie jeden, der sich ihnen anschloss und mit der Gilde kämpfte, als Familie ansahen. Wie albern … wie naiv. In dieser Welt gab es wenige, denen man vertrauen konnte. Ich würde ihnen zeigen, dass es falsch war, einfach jeden daher gelaufenen Magier zu akzeptieren.
    Schon vorher hatte ich mich darum gekümmert, eine Bleibe hier zu finden, ich hatte alles vorbereitet. Nichts durfte schief gehen. Fairy Tail stand ihre Vernichtung bevor. Und zwar sehr bald. Eine gewisse Lucy Heartfilia hatte ein Zimmer zu vermieten und ich würde bei ihr unterkommen. Noch einmal schaute ich auf meine Papiere mit den Informationen. „Sie ist also ein Mitglied von Fairy Tail ...“, murmelte ich spöttisch, „wie praktisch!“ Langsam fing es an zu Tröpfeln und der sanfte Regen wurde sehr schnell stärker und dichter.
    Die Regentropfen prasselten auf mich herab und schienen mich niederstrecken zu wollen. Meine kurzen Haare waren schon klatschnass und tropften, meine Kleidung klebte an mir wie eine zweite Haut, doch ich ging unbeirrt weiter. Nicht einmal der Regen würde mich jetzt noch aufhalten können. Ich war meinem Ziel schon zum Greifen nahe. Nun hatte ich ihr Häuschen erreicht. Vor der Tür hielt ich kurz inne, um mir eine freundliche Maske aufzulegen, um nicht gleich aufzufliegen. Niemand durfte von diesem Plan erfahren! Ich atmete noch einmal tief durch und klopfte an. Der erste Schritt zum Untergang Fairy Tails war getan.

    2
    Der entscheidende Unterschied
    Nach einem sehr langen Gespräch, in dem wir Beide uns vorstellten und erzählten, was wir bis jetzt gemacht hatten und was wir in Zukunft machen wollten, hatte ich wieder Zeit für mich, da Lucy noch einmal (wie sie gesagt hatte) zur Gilde wollte. Endlich. Leise ging ich durch ihre Wohnung und sah mir alles an, was sie hatte. Ich schaute sogar in ihre Schränke. Jetzt musste ich Informationen sammeln. Ob sie wohl zu den fähigsten Magiern gehörte? Bestimmt nicht … sie war viel zu naiv, hat mir alles geglaubt, was ich ihr vorhin erzählt hatte. Natürlich habe ich ihr nicht die Wahrheit gesagt.
    Dann vibrierte mein Kommunikationsgerät, deshalb ließ ich das Mikrofon ausfahren und steckte den Hörer in mein Ohr. „Was gibt’s?“, blaffte ich hinein. „Wieder so überaus freundlich“, meldete sich eine bekannte Stimme zu Wort. Es war der Informant, er war der Leiter einer anderen Gilde. Diese war ich beigetreten, um endlich Magie zu erlernen und meine Rache zu bekommen. Nachdem ich eine Weile nichts gesagt hatte, fragte er: „Hast du schon Informationen?“ „Noch nicht“, antwortete ich mit unterkühlter Stimme. Das dauerte mir zu lange. Ich wollte einfach nur Rache. Jetzt. Als er nichts sagte, erklärte ich meine Situation: „ Ich habe mich bei einem Mitglied dieser Gilde niedergelassen. Sie ist gerade in der Gilde. Ich werde mich ihnen vorerst anschließen müssen, um einen Plan zu entwickeln und herauszufinden, welche Magier zuerst im Falle eines Angriffs eliminiert werden müssen herauszufinden, welche ihrer Leute die fähigsten sind.“ „Du sagtest, die, bei der du wohnst, sei ein Mitglied. Ahnt sie, was du vorhast? Gehört sie zu den fähigsten Magiern?“ „Sie ahnt nicht das geringste“, antwortete ich abfällig, „außerdem glaube ich nicht, dass sie zu den fähigsten Magiern Fairy Tails gehört. Für das alles ist die viel zu naiv.“ „Gut gemacht“, sagte er, doch seine Stimme verriet keinerlei Emotionen, „mach weiter so. Aber sei gewarnt, dass mir später nicht auch zu einem dieser Weicheier aus Fairy Tail gehörst.“ „Ich? Wirklich richtig bei Fairy Tail? Niemals! Die sind alle viel zu weich und haben keinen Mumm in den Knochen … was sollte ich denn da?“, rief ich entsetzt. „Sei einfach vorsichtig, denn sonst … na ja, mach einfach weiter und gib mir den Plan, wenn du ihn entwickelt hast.“ „Werde ich machen!“, antwortete ich leise. Dann hörte ich, wie jemand die Tür aufschloss. „Sie ist wieder da, ich muss Schluss machen!“ Dann legte ich auf und versteckte das Ding wieder in meiner Tasche. Jetzt geht’s weiter …
    „Bin wieder da!“, rief Lucy von unten und kam dann hoch. Später, als wir gemeinsam beim Abendessen saßen, fragte ich sie über Fairy Tail aus. „Wer sind eigentlich die fähigsten Magier von Fairy Tail?“, fragte ich, was mir ein erstaunten Blick von ihr einbrachte. „Du interessierst dich für die Gilde, in der ich bin?“ „Es ist doch die beste Gilde Fiores, oder nicht? „Ja, schon …“ „Möchtest du mir antworten?“, fragte ich, als ich noch immer keine Antwort hatte. „J-ja, klar“, meinte sie und lächelte mich an, „ich würde sagen Gildarts, Erza, Natsu … eigentlich relativ viele.“ Natsu … also war mein Ziel einer der fähigsten Magier … das könnte kompliziert werden. Aber schließlich hatte der Informant ja nicht gesagt, dass es einfach werden würde. Des weiteren stellte ich ihr eine Reihe von Fragen, und sie beantwortete mir alle geduldig. Dann kam mir auf einmal eine neue Frage in den Sinn, über die ich vorhin gar nicht nachgedacht hatte, die auch nichts mit meinem Plan zu tun hatte, aber ich stellte sie trotzdem: „Was genau unterscheidet Fairy Tail eigentlich von den anderen Gilden … wie von Mermaid Hel zum Beispiel? Was hat dich in der Gilde so bewegt, dass du geblieben bist? Ich meine jetzt nicht, dass es die berühmteste Gilde ist, sondern … was genau ist der … der entscheidende Unterschied? Was unterscheidet das alles von allem anderen?“ Sie sah mir diekt in die Augen und ihr Ausdruck wurde unergründlich: „Warum interessierst du dich so für eine Gilde? Bist du etwa Magierin und willst dich Fairy Tail anschließen?“ Ich zögerte, um meine Worte genau abzuwägen, aber der daraufhin leuchtende und wissende Ausdruck in ihren Augen brachte mich aus dem Konzept und ins stottern: „Nein … ja … ähm … vielleicht“, dann fing ich mich wieder und brachte klarere Sätze zustande: „Ich … suche eine Gilde und habe überlegt, ob Fairy Tail vielleicht die richtige Gilde ist. Was ist nun der entscheidende Unterschied?“ „Fairy Tail ist … wie eine Familie und alle dort sind dort zu Hause. Wenn sie füreinander und um Fairy Tail kämpfen, wachsen sie … ich meine wir immer wieder einmal mehr über uns hinaus. Fairy Tail ist ein Zuhause für uns, eine Familie. Das ist der Entscheidende Unterschied!“
    Das war es also… es war ein Zuhause? Eigentlich hätte ich das auch gerne …

    3
    Eine laute Gilde
    Am darauffolgenden Tag zeigte mir Lucy die Stadt. Ihre Führung endete in der Gilde Fairy Tail. So eine unorganisierte Gilde hatte ich mein Leben lang noch nie gesehen. Hier chillten die meisten Gildenmitglieder in der Gilde, statt sich um Aufträge zu kümmern. Sie prügelten sich, tranken zu viel und waren viel zu laut … ein unorganisierter Haufen Weicheier. Es sollte nicht schwer werden, diese Gilde dem Erdboden gleich zu machen. Dann jedoch kam mir ein anderer Gedanke wieder in den Sinn. Ich erinnerte mich an das, was Lucy über den entscheidenden Unterschied von Fairy Tail zu anderen gesagt hatte. Es war ein Zuhause für ihre Mitglieder … wollte ich anderen wirklich ihr Zuhause nehmen … so wie man mir meines genommen hatte? Wollte ich ihnen den das selbe Gefühl geben, die gleiche Hoffnungslosigkeit, die gleiche Wut, die gleiche Angst, die auch ich damals empfunden hatte? Was war mit mir los? Das war doch nur sentimentales Gequatsche von Lucy gewesen. Ja, ich wollte das alles! Auf jeden Fall! Nur wer das alles selbst gefühlt hatte, konnte mich verstehen. Erst dann würde die Welt, die mir den Rücken zugekehrt hatte, verstehen, wie man sich fühlte, wenn einem alles genommen worden war!
    Aber andererseits musste ich zugeben, dass in dieser Gilde eine lockere Atmosphäre herrschte. Sie war anders als in der des Informanten. Die Stimmung in seiner Gilde war finster und trübselig, oder es war zu still, weil (fast) keiner sich dort aufhielt. Außerdem starrten sie jeden an, der reinkam, sei es auch zufällig. Wenn er dort nichts zu suchen hatte, wurde er getötet – ein Akt der Gewalt, den ich bis jetzt noch nicht verstanden hatte. Das war das Einzige, was mich immer wieder abstieß. Ehrlich gesagt gefiel mir die lockere Atmosphäre hier, niemand wusste wer ich war und niemand stellte Fragen. Hier konnte niemand mich mit Wissen verletzen, weil niemand etwas über mich wusste. Hier hatte ich keine Vergangenheit… zumindest glaubte ich das für einige Sekunden, bis er herein kam.
    Das Erste, was ich von dem Neuankömmling sah, waren seine rosa Haare, und dann wusste ich sofort, wer er war: Natsu Dragneel, der, der mir alles genommen hatte. Ich hatte Mühe, mich zu beherrschen und meine Wut zu unterdrücken, um nicht gleich auf ihn loszugehen. Wenn ich jetzt meine Kontrolle verlor, würde ich mich verraten und meinen Plan nie ausführen können. Denn hier hätte er seine gesamte Gilde hinter sich und, - selbst mit Magie aller fünf Elemente -, würde ich ihn mit diesen ganzen Magiern gegen mich, nicht besiegen können. Das würde mein Ende bedeuten… und das konnte und durfte ich nicht riskieren. „Hi Lucy!“, rief er, und als er auf uns zuging, meldete sich ein Schwarzhaariger zu Wort: „Halt die Klappe, Natsu! Du hast wieder einmal eine halbe Stadt zerstört!“ Der Typ, der das sagte, sah so aus, als trüge er nur Unterwäsche. „Zieh dich wieder an, du Idiot!“ „Wen nennst du hier Idiot!“ Dann gingen beide so heftig auf einander los, dass ich unwillkürlich einige Schritte zurück wich. „Sollte man sie nicht lieber trennen, bevor sie sich oder anderes kaputt machen?“, fragte ich vorsichtig, ohne beide aus den Augen zu lassen. „Nein, das läuft immer so … und jedes Mal zertrümmern sie zum Teil die Inneneinrichtung der Gilde!“, meinte Lucy lachend.
    „Schluss jetzt!“, rief eine kräftige Stimme durch den Raum und eine riesenhaft Gestalt näherte sich. Sofort verstummten alle und man hätte jetzt selbst eine Nadel fallen gehört. „Nur weil er allen befiehlt, still zu sein, hört ihr echt auf? Ihr seid solche Angsthasen!“, rief Natsu grinsend, was er lieber nicht hätte tun sollen. Die Hand der riesenhaften Gestalt traf ihn kurz nachdem er den Satz ausgesprochen hatte und er knallte gegen die Wand. Noch während sich Natsu aufrappelte, wurde der Riese kleiner und kleiner, bis es nur noch ein kleiner, älterer Mann war. Laut meinen Informationen musste er der Master dieser Gilde sein … was sollte ich dazu sagen? Wenn er so viel Magie beherrschte, wie er groß war, dürfte ich kein Problem damit haben, ihn später auszuschalten. Und vor diesem bunten Haufen fürchtete sich der Informant?
    Der Master de Gilde sprang auf das Geländer, dass den oberen Bereich der Gilde abgrenzte, sodass er alles überblicken und jeden ansprechen konnte. Zu meiner Überraschung war seine Landung perfekt. Dann hielt er einen Stapel Blätter hoch und begann zu reden: „Hier habe ich wieder einen Haufen Beschwerden vom hohen Rat! Ihr lasst mich immer wieder als Trottel dastehen, weil ihr immer wieder mehr als nur über euer Ziel hinausschießt!“ Sollte das eine Strafpredigt an die Gilde sein? Ernsthaft? Doch dann tat er etwas, was mich mehr als nur überraschte, sondern auch mein Herz berührte. Vor den Augen von mir und denen der gesamten Gilde ließ er den Stapel Papier in Flammen aufgehen und warf sie in die Menge. Natsu sprang hoch und verspeiste das brennende Papier quasi zum Abendessen … natürlich hätte es mich überrascht, wenn ich mich nicht vorher über seine Magie informiert hätte. Dann sprach der Master weiter: „Fakt ist: Ihr lebt eure Träume. Es ist egal, was der Rat dazu sagt, dass ihr eure Träume lebt, ist mehr, als ich mir wünschen kann!“ Damit war die Ansprache wohl beendet, da alle um mich herum in Jubel ausbrachen. Ich ließ mich mitreißen und stimmte mit ein.
    Nachdem sich die Gildenhalle wieder geleert hatte, kam Natsu wieder auf uns zu. „Wer ist denn deine Freundin?“, fragte er. „Das ist Hiatari. Sie ist Magierin und wollte sich Fairy Tail ansehen.“ „Hi Hiatari“, meinte er daraufhin, „ich bin Natsu und das ist Happy.“ Mit einiger Überwindung brachte ich schließlich eine vernünftige Begrüßung heraus: „Hi … Natsu, hi Happy!“ Später verschwanden die Beiden so schnell wieder, wie sie gekommen waren Dann kam der Master von Fairy Tail auf uns zu. Ich wurde nervös und wappnete mich auf alles – auf Ablehnung, Hochmütigkeit, usw. Aber die Reaktion des Masters war ganz anders, als ich sie erwartet hatte. „Lucy, du bist wieder zurück!“, meinte er und lächelte uns an, „wen hast du mitgebracht? Ist das eine Neue?“ „Nein, aber sie wollte sich die Fairy Tail ansehen“, antwortete sie, dann sprach sie an mich gewandt weiter, „wie findest du Fairy Tail?“ „Also, Fairy Tail ist …“, ich wägte meine Worte genau ab, bevor ich antwortete: „Fairy Tail ist eine laute Gilde!“ Als Lucy und er anfingen zu lachen, konnte ich nicht anders, als mitzulachen…

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    Der erste Auftrag
    Nachdem wir uns wieder beruhigt hatten, kam die entscheidende Frage: „Möchtest du denn unserer Gilde beitreten?“ Das er gleich direkt zur Sache kam und einfach diese Frage stellte, verblüffte mich. Keine Vertrauenstest, keine Fragen über meine Vergangenheit … nichts? „Ähm … nein … das heißt … ja … sehr gerne“, stammelte ich so überzeugend wie möglich. Er sah mir noch kurz prüfend in die Augen, bevor er sagte: „Willkommen bei Fairy Tail!“ Ich gab mir größte Mühe, erfreut und glücklich über die Aufnahme auszusehen … scheinbar hatte es Erfolg. Wenig später wurde mir der Gildenstempel aufgetragen und ich war offiziell dabei.
    Jedoch war etwas am Ausdruck in den Augen des Gildenmeisters, als er mich angesehen hatte. Außerhalb des prüfenden Blicks war Wärme in seinen Augen gewesen, Liebe zu seiner Gilde und Freude, dass Fairy Tail ein weiteres Mitglied gewonnen hatte. Diese Tatsachen hatten mich irritiert, weil in dem Blick des Informanten keines dieser Dinge gelegen hatte, als er mich damals fand. Seine Augen hatten kalt gewirkt, mit keinerlei Emotionen. Wollte ich dem Master wirklich diese Gilde nehmen? Bevor ich hierher kam, war ich der festen Überzeugung gewesen, dass das, was ich hier tat, was ich vorhatte zu tun … richtig war. Es fühlte sich richtig an, diese Rache ausführen zu wollen. Doch jetzt war es anders … mein Verstand sagte mir weiterhin, dass es richtig war, aber mein Herz sagte etwas anderes.
    Gegen Abend gingen Lucy und ich wieder zu ihrer Wohnung, aßen zu Abend und gingen zeitig ins Bett. Sie versuchte mich immer wieder, in ein Gespräch zu verwickeln, doch ich blockte ab unter dem Vorwand, ich sei müde. Meine Gedanken kreisten immer noch um Fairy Tail – ich wurde das Gefühl nicht los, einen Fehler zu machen, wenn ich meinen Plan weiterhin ausführte … irgendwann fiel ich jedoch in einen traumlosen Schlaf.
    Den nächsten Tag bei Fairy Tail verbrachte ich damit, einen Auftrag anzugehen. Durch meinen ersten Auftrag musste ich bin ein kleines Dorf reisen, das weit von Magnolia entfernt lag. Es wurde von einem angeblich harmlosen Magier heimgesucht, den einer von Fairy Tail vertreiben sollte. Die Dorfbewohner hatten nun mal Angst vor ihm, weil er sie erniedrigte und wie Sklaven behandelte, weil er eben Magie beherrschte. Magie war etwas, mit dem sie sich nicht auskannten. Bald jedoch musste ich merken, dass an dem Auftrag etwas irgendwie nicht stimmte. Im Dorf fand ich den Namen des angeblich harmlosen Magiers heraus, er selbst war der Auftraggeber. Bei meinen Studien über die Magie der fünf Elemente, die ich beherrschte, war ich auf den Bericht über einen dunklen Magier gestoßen, der sich aus Spaß irgendein Dorf suchte, dass er erst unterdrückte, bei dem er später an irgendeine Gilde einen Auftrag aufgab, damit sie einen Magier schicken und er diesen und das gesamte Dorf auslöschen konnte. Er war so gefährlich, weil er die Magie der Magier, die er tötete, absorbierte und selbst verwendete.
    Bevor ich loszog, um ein kleines Mädchen aus seinen Fängen zu befreien, hatte ich genug Chancen gehabt, die Beine in die Hand zu nehmen und zu verschwinden. Aber ich hatte es nicht getan. Weshalb wusste ich nicht, aber es lag vermutlich daran, dass meine eigene Heimat in dieser Situation war, dass ich selbst meine Heimat und alles, was ich liebte, verlor. Vielleicht wollte ich diesem Mädchen all dies ersparen, den ganzen Kummer und so. Vielleicht wollte ich sie auch nur vor ihm retten. Es war verrückt, dass ich das tat, obwohl ich sie nicht einmal kannte. Dann fand ich sie.
    Das Mädchen war gerade mal fünf, hatte lange, hellblonde Haare und hellgrüne Augen. Eine ungewöhnliche Kombination. Dann erst sah ich ihre leicht spitz zulaufende Ohren und wusste sofort, dass sie ein Elbenkind war. Ihr Gesicht war schmutzig und sie lag wimmernd und gefesselt am Boden. Leise schlich ich mich an und durchschnitt ihre Fesseln. Was hatte er mit ihr angestellt? Sie war angeblich erst seit heute morgen hier und konnte schon jetzt nicht mehr laufen … vermutlich hat er ihre Magie absorbiert, damit er mehr Kraft hatte. Gerade, als ich sie auf meine Schultern laden wollte, um endlich zu verschwinden, erklang ein lauter Knall und die Erde bebte. Kleine Steinbrocken rieselten von der Decke herab. Dann dämmerte es mir: Er machte das Dorf dem Erdboden gleich, während ich hier unten war. Das war eine Ablenkung, damit sein Plan zu 100% aufgehen würde. So schnell es ging, schaffte ich sie und mich an die Oberfläche.
    Draußen war es ohrenbetäubend laut, Explosionen erschütterten die Erde. Als ich mich mit dem Mädchen in Richtung Dorf umwandte, sah ich die Flammen. Es war, als werfe jemand mich zurück in meine Vergangenheit. Ich sah mich durch meine eigene Heimat laufen, auf beiden Seiten brannte alles lichterloh, ich spürte den Zorn, der in mir aufwallte. Alle Gefühle, die ich seit damals verdrängt hatte, kamen wieder hoch.
    Ich versteckte das Mädchen an einem Ort, von dem ich dachte, dass er sicher sei, um mich ihm dann zu stellen. Ich folgte der Hauptstraße des Dorfes. Auf beiden Seiten brannten die Häuser lichterloh. Sie waren beinahe nieder gebrannt, es hatte keinen Sinn mehr, sie zu löschen. Ich brauchte meine gesamte Kraft für den Feind. Die Struktur der Magie war mir teilweise unbekannt, andererseits hatte sie das selbe Muster wie damals. Aber Natsu war nicht hier. Konnte es sein, dass der Informant … dass er mich nur ausgenutzt hatte, weil er selbst das Ziel hatte, Fairy Tail auszulöschen?
    Auf dem Marktplatz des Dorfes stand er schließlich, mit dem Rücken zu mir. Uns trennte gerade mal ein paar hundert Meter, die jeder von uns mit Leichtigkeit überbrücken konnte. „Damals hat also tatsächlich jemand überlebt“, meinte der Magier, während er sich langsam zu mir wandte. „Du warst es? Aber ich dachte, es sei …“, stotterte ich, doch er fuhr ungerührt fort: „Bist groß geworden, Mischling!“ Das Wort Mischling sprach er so abwertend und verachtend aus, dass ich Mühe hatte, nicht einfach auf ihn loszustürmen. „Du dachtest also, es wäre Natsu Dragneel gewesen nicht wahr? Da hat mein Freund dich anscheinend belogen.“ Als er sich dann ganz zu mir umgedreht hatte, sah ich das Gildenzeichen auf seiner Hand. Es war das Gleiche, das ich auf meiner Schulter trug. „Ihr habt also gemeinsame Sache …!“, rief ich, dann brach meine Stimme weg, Tränen liefen mir über die Wangen. Dann konnte ich mich nicht mehr beherrschen und rannte los, um ihn zu töten. Meine Hände waren vollständig in Wasser gehüllt, als ich ihn angriff. Er jedoch bewegte sich in einer Geschwindigkeit, die ich zuvor nur bei meinem Vater gesehen hatte. Innerhalb von Sekunden drückte er mich mit dem Gesicht auf den Boden.
    „Die Magie von deinem Väterchen war mir bis jetzt immer von großem Nutzen“, meinte er, „und ich wusste, dass es sich bei dir erst später lohnen würde. Aber eine Jagd nach dir hast du mir ja jetzt erspart.“ „Ich darf nicht … ich bin doch erst seit ein paar Tagen … ich habe Unrecht, bei ihnen zu bleiben … ich muss Fairy Tail noch die Wahrheit ...“, brachte ich mühsam heraus, doch dann unterbrach er mich: „Glaubst du wirklich, sie wollten dann noch etwas mit dir zu tun haben? Wenn sie erfahren, dass du dich ihnen nur angeschlossen hast, um sie zu vernichten?“ Er hatte recht. Es war naiv und dumm, zu glauben, sie würden mich dann trotzdem als Mitglied ihrer Gilde zählen … verdammt! Ich war so dumm und …
    „Runter von ihr!“, rief eine Stimme, die mir bekannt vor kam. Langsam ließ er mich los, um mich aber dann hochzuziehen, damit ich in das Gesicht meiner Retter schauen konnte. Es waren alles Magier von der Gilde, ganz vorne stand der Master. Weiter hinten hatte jemand das Mädchen im Arm, das ich zuvor in Sicherheit gebracht hatte. „Überlegt euch gut: Wollt ihr sie wirklich retten? Eine, die sich euch nur angeschlossen hat, weil sie eure Gilde nachher zerstören wollte?“, fragt er herausfordernd. „Das glauben wir dir nicht!“, meldete sich Lucy zu Wort, „ich habe sie kennen gelernt und sie hat mir einiges über sich erzählt und …“ „Das war alles gelogen. Sie will eure Gilde vernichten. Das hier ist Beweis genug!“, unterbrach er sie und legte das Gildenzeichen frei, dass auch er trug.
    „Bitte …“, brachte ich mühsam hervor, „es stimmt. Mich braucht ihr nicht retten. Rettet das Mädchen und lasst mich hier. Es … stimmt, was er sagt. Rettet bitte … nicht jemanden wie mich, geht einfach und lasst mi …“, doch dann unterbrach mich der Master selbst: „Vielleicht magst du dich uns angeschlossen haben, weil du Fairy Tail vernichten möchtest. Aber du hast mir dann noch einiges zu erklären. Also hör auf, so einen Blödsinn zu reden. Gray, du kümmerst dich um sie und bringst sie in Sicherheit.“ Dann begannen sie, gegen ihn zu kämpfen, während Gray mich wegschaffte.

    5
    Was Familie bedeutet
    Er brachte mich in ein sicheres Versteck, von dem aus er die Lage beobachten konnte. „Warum … kämpft ihr für mich?“, fragte ich ihn leise, „ihr habt … doch gerade erfahren, dass ich … dass ich … mich Fairy Tail nur angeschlossen hatte, um die … Gilde … später zu vernichten. Warum bedeute ich euch dann so viel?“ Er antwortete nur mit einer Gegenfrage: „Warum wolltest du unsere Gilde überhaupt zerstören?“ „Das ist … eine lange … Geschichte …“, brachte ich mühsam heraus. Eigentlich wollte ich meine Vergangenheit nicht so offen darlegen, aber ich kam wohl nicht drum herum. „Ich habe Zeit“, meinte er daraufhin und schaute in die Ferne. „Wenn es … sein muss …“, antwortete ich und setzte mich auf. Schmerz durchzuckte mich und ich zog scharf die Luft ein. Dann lehnte ich mich an einen nahe gelegenen Felsen, um ihm in die Augen zu sehen, während ich die Geschichte erzählte.
    „Vor rund 50 Jahren wurde ich in einem kleinen Dorf geboren. Für fünf Jahre … hatte ich eine absolut glückliche Kindheit. Uns mangelte es an nichts. Meine Eltern waren die Leiter einer dort ansässigen, kleinen Gilde. Durch Aufträge brachten sie immer viel Geld ein. Ich spielte auf dem Marktplatz des Dorfes, auf dem sich mittig ein ausgetrockneter Brunnen befand. Ich erinnere mich daran, als wäre es erst gestern gewesen.Ich weiß noch, wie die Erde begann zu beben und mein Vater angelaufen kam. Er sagte, ich solle mich in dem Brunnen verstecken, sie würden das Dorf verteidigen und mich holen, wenn alles vorbei war. Mein Vater kämpfte in der Nähe, ich hörte seine Stimme und die Kampfgeräusche. Dann hörte ich einen lauten Schrei und die Kampfgeräusche verstummten. Wenige Minuten später fiel die Leiche meines Vaters …“, an dieser Stelle brach meine Stimme weg und ich begann wieder zu weinen. Er setzte sich neben mich und nahm mich ohne zu fragen in den Arm, bis meine Tränen versiegten.
    Erst dann hatte ich wieder die Kraft, weiter zu sprechen: „Die Leiche meines Vaters fiel direkt auf mich drauf. Leise wimmerte ich, ich konnte nicht schreien, weil ich wusste, dass der Mörder noch dort war. Dann hörte ich Schritte, die sich entfernten und es begann, um mich herum zu knistern. Langsam hievte ich mich aus dem Brunnen, nur um dann sehen zu müssen, wie alles brannte. Überall lagen Leichen herum, ich war ganz allein. Ich hatte nichts zu tun vermocht, außer zu weinen. Wenn ich doch nur nicht so schwach gewesen wäre!“, schrie ich wütend und schlug mit der Faust auf den Boden, „alles brannte nieder. Später fand mich der Leiter einer Gilde, den ich nur als „Den Informanten“ kenne. Er gab mir Hoffnung … und eine Zukunft. Ich schwor mir an diesem Tag eine Sache: Ich würde demjenigen alles nehmen, so wie man mir alles genommen hatte. Bei dem Informanten studierte ich dann Magie der fünf Elemente, – Wasser, Eis, Feuer, Wind und Erde -, und ich bekam die Information, dass der Täter Natsu Dragneel kam. Ich glaubte es, so wie er mit Feuer umgehen kann, war es plausibel. Also ging ich nach Magnolia, um an Informationen heranzukommen, wen man als Erstes ausschalten musste, – nach dem Prinzip, die Starken zu erst zu beseitigen -, nach Magnolia. Ich schloss mich euch an, um schneller an Informationen zu kommen, wenn es dann zum Kampf kam, wollte der Informant seine Gilde schicken, um euch auszuschalten. Ich sollte mich um Natsu … kümmern. So hätte ich endlich Rache gehabt. Aber als ich bei euch war, an dem Tag, als ich der Gilde beitrat, wusste ich, dass mein Vorhaben an sich nicht richtig war … ich fühlte mich bei euch wohl. Der Master … war so anders als er. Seine Augen waren so warm und freundlich … und hier habe ich dann erfahren, dass sie mich nur manipuliert hatten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Ich war so dumm … ob ihr mir wohl jemals verzeihen könnt?“ „Sonst würden wir nicht kämpfen“, sinnierte er. „Ich hatte vergessen, wie es sich anfühlt eine Familie zu haben“, flüsterte ich und stand dann schwermütig auf.
    „Ich muss kämpfen, das bin ich euch und meiner Heimat schuldig!“, sagte ich mit fester Stimme, „denn durch euch … habe ich wieder gelernt, was … was Familie bedeutet!“

    6
    Auch ich gehöre zu Fairy Tail
    Mühsam schleppte ich mich auf das Kampffeld. Unterwegs brach ich immer wieder zusammen, aber irgendwoher nahm ich die Kraft, einfach weiterzugehen. Dann sah ich alle von Fairy Tail, sie waren über das Kampffeld verstreut und konnten sich nicht bewegen. Ich sah sie sofort. Sie sahen aus … wie diese Art Pollen aus meinem Heimatdorf. Wenn man sie zu lange einatmete, hatten sie einen lähmenden Effekt. Diese Pollen gab es immer für einige Tage in meinem Dorf. Um ihrer Wirkung nicht ausgesetzt zu sein, verwendeten wir immer spezielle Masken. Trotz allem waren diese Pollen doch überlebenswichtig für unser Dorf und dessen Klima. Schon oft hatten sie uns vor einem feindlichen Angriff gerettet. Wir sammelten sie ein und machten daraus eine gute Medizin, die wir in alle Länder exportierten. Bis das Dorf zerstört wurde. Jedenfalls waren sie alle den Pollen zu lange ausgesetzt gewesen und konnten sich daher nicht mehr bewegen. Der Feind ging langsam (zumindest war er außer Atem) auf den Master zu. „Nun ist wohl doch das Ende von Fairy Tail gekommen“, meinte er.
    Langsam näherte ich mich dem Rücken des Masters, sodass der Feind mich direkt sehen konnte. Er erstarrte. „Willst du mir etwa helfen, Fairy Tail auszulöschen? Wie süß“, rief er spöttisch, um den kurzen Moment seiner Unsicherheit zu überspielen. „Falsch!“, antwortete ich mit kalter, fester Stimme, während ich mich vor den Master stellte, „ich bin hier, um die Gilde zu verteidigen. Ich bin hier, um meine Gilde zu verteidigen. Ich gehöre zu Fairy Tail. Und so wird es auch bleiben, egal was passiert!“ „Du willst es mit mir aufnehmen? Du … sieh dich doch an … du klappst doch sowieso gleich zusammen …“ „Ja … denn du wirst weder Fairy Tail vernichten, noch wirst du weiterhin die Magie meiner Eltern so missbrauchen, wie du es bis jetzt getan hast. Deine Zeit ist abgelaufen!“ „Weshalb trittst du für sie ein?“, fragte er voller Hohn, „sie waren deine Feinde, jetzt hast du herausgefunden, dass sie es nicht sein sollten. Eigentlich können sie dir nichts bedeuten!“ „Aber sie hätten niemals meine Feinde sein dürfen. Damals hatte ich davon geträumt, Fairy Tail eines Tages beizutreten, damals … kurz bevor ich alles verlor, was mir wichtig war. Als ich mit Lucy zu ihnen kam, akzeptierten sie mich ohne Vorbehalte. Selbst als meine Intentionen herauskamen, retteten sie mir das Leben. Sie waren so für mich da, wie er es nie gewesen ist. Durch sie habe ich wieder … gelernt … was Familie ist. Fairy Tail ist nicht einfach eine Gilde, Fairy Tail ist eine Familie!“, antwortete ich mit fester Überzeugung. „Ach, und du willst zu dieser „Familie“ gehören? Glaubst du wirklich, dass sie dir verzeihen würden?“
    Genau das war sie. Die Wahrheit, die ich zu verdrängen versuchte. Die Tatsache, dass sie mi bestimmt nicht verzeihen würden. „Nein“, sagte ich leise, damit er nicht dem Schmerz in meiner Stimme hörte, „aber manchmal gibt es keinen anderen Weg …“ Ich ließ den Kopf hängen. Mit dieser Frage … die Erkenntnis dieser Tatsache ließ jeglichen Kampfgeist in mir erlöschen. Danach hatte ich keine Zukunft mehr. Sicher würde ich nicht zu denen zurückkehren, die mich belogen und ausgenutzt hatten. Aber ich konnte auch nicht bei den Personen bleiben, die ich belogen und ausgenutzt hatte. Warum sollten sie mir verzeihen? Jedoch gab mir diese Tatsache keinen Grund, mich zurückzuziehen.
    Er umkreiste uns wie eine Attraktion. „Bist groß geworden“, meinte er nach einer Weile, dann sah er mir in die Augen: „Aber das wird nicht ausreichen, um mich zu bekämpfen!“ Und dann begann der Kampf. Trotz der vielen Jahre, die in der Zeit vergangen waren … durch diesen Kampf merkte ich, dass ich durch die vielen Jahre des Trainings zwar stärker geworden war, aber ich war noch immer nicht stark genug, um ihn zu besiegen. Immer wieder ging ich durch seine Schläge zu Boden.
    Schwer atmend stand ich auf. Ein weiteres Mal aufstehen würde es nicht mehr für mich geben. Ich war am Ende meiner Kräfte. Egal welche Magie ich beherrschte, ich konnte ihn nicht erreichen. Dieses Mal ging ich nur noch mit meinen Fäusten auf ihn los. „Ich hasse dich“, rief ich, dann schlug ich zu. Meinem Schlag wich er geschickt aus, er machte aber keine Anstalten zu kontern. Zwischen jedem Schlag ließ ich immer wieder alles raus: „Ich hasse es, dass ihr mir das angetan habt!“ Wieder ein Schlag. „Ich hasse es, dass ihr mir alles genommen habt!“ Und noch einmal ein Schlag. „Ich hasse es, dass ich die ganzen Jahre leiden musste!“ Dann setzte ich wieder ein Schlag in die Luft, weil er wieder einmal auswich. „Ich hasse es, dass ich nicht stark genug war!“ Und noch einmal ein Schlag. „Ich habe nichts getan, um sie zu beschützen!“ brüllte ich, während ich immer wieder zuschlug, „ich saß nur in diesem verdammten Brunnen, während mein Vater mich gebraucht hat und habe nur geweint. Nichts habe ich getan, um meine Liebsten zu beschützen. Und das wird mir nicht noch einmal passieren!“ Dann schnellte ich nach vorn und schlug ein letztes Mal mit einer Geschwindigkeit und einer Stärke zu, dich mich und ihn überraschte. Er wurde sehr weit fortgeschleudert und ergriff später, als er sich wieder ein wenig erholt hatte, die Flucht.
    In diesem Moment erkannte ich eine sehr wichtige Sache: Wahre Stärke entstand nicht durch Hass, sondern durch Wahrheit. Der Kampf war nun geschlagen. Ich hatte gesiegt … und Fairy Tail beschützt. Aber in einem Punkt musste ich ihm recht geben: Sie würden mich jetzt bestimmt nicht mehr als ein Mitglied akzeptieren. Nicht, nachdem ich sie so belogen und ausgenutzt hatte. Im Grunde genommen unterschied ich mich nicht sehr von der Person mit der ich gerade gekämpft hatte. Tief in meinem Herzen wusste ich, dass ich genau das Gleiche getan hatte wie er: Andere belogen, ausgenutzt und anderen etwas vorgespielt, nur um meine eigenen Ziele zu erreichen. Die kurze Zeit in dieser Gilde hatte mir aber gezeigt, dass das Glück ohne das der Anderen nicht möglich war. Eine Gilde sollte eine Art Familie sein … für einander da sein. Es sollte mehr Gilden wie Fairy Tail geben.
    Langsam sank ich auf die Knie. Eigentlich sollte ich den Moment nutzen, um fortzugehen, ohne lange Erklärungen abzugeben, aber mir fehlte die Kraft dazu. Tränen liefen mir über die Wangen. Es würde sehr lange dauern, bis ich diese Erlebnisse hinter mir lassen könnte. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie die Mitglieder von Fairy Tail ihr Leben riskiert hatten, um mir zu helfen … eher, um mich zu retten.
    Auf einmal legte sich mir eine Hand auf meine Schulter. Als ich nach hinten blickte, sah ich den Master von Fairy Tail hinter mir stehen. Er sah mir direkt in die Augen: „Du hast heute großen Einsatz für die Gilde gezeigt. Danke.“ Seine Augen waren noch immer warm und freundlich. Er schien es ernst zu meinen. Aber da gab es nichts, wofür man sich bedanken sollte. Schließlich war ich es, die Fairy Tail in derart große Gefahr gebracht hat. Schließlich war ich die Person, die Fairy Tail vernichten wollte. Er konnte noch so freundlich schauen und noch so große Reden schwingen, mir konnte er nicht weiß machen, dass er aus diesem Grund trotzdem nichts gegen mich hatte. An seiner Stelle wäre ich wirklich wütend und hätte die betreffende Person aus der Gilde geworfen. Ich hätte mich an seiner Stelle gehasst.
    „Da gibt es nichts zu Danken“, widersprach ich ihm leise, „schließlich war es meine Schuld. Ich war es doch, die die Gilde in diese immens große Gefahr gebracht hatte. Habt ihr schon vergessen, dass ich ursprünglich Fairy Tail auslöschen wollte? Und dennoch seid ihr gekommen, um mich zu retten …“ „Wir haben es gewusst …“, setzte er an, doch ich fuhr überrascht dazwischen: „Was? Ihr habt es gewusst? Wie …? Woher …?“ „Uns hat jemand kontaktiert, kurz nachdem du wegen deines ersten Auftrags gegangen warst“, erklärte er nüchtern, „diese Person erklärte, dass du vorhattest, unser Vertrauen zu erschleichen und dann uns auslöschen wolltest. Weswegen hat sie nicht gesagt.“ Nach seiner Erklärung dämmerte mir die grausame Wahrheit. Alles in mir sträubte sich dagegen, es anzuerkennen. „Wie nannte sie sich?“, fragte ich leise und unsicher, er antwortete sofort: „Er nannte sich der Informant.“ „Hat er irgendetwas dafür gefordert? Einen Gefallen oder ähnliches?“ „Nein“, meinte der Master sichtlich misstrauisch, „Weshalb fragst du?“ „Weshalb?“, fragte ich zurück, erstaunt, dass er es noch nicht erfahren hatte, „er ist derjenige, der mir die Information gab, dass … Natsu Dragneel … dass Natsu mir… ich meine, dass Natsu meine Heimat und alle in meinem Dorf lebende Bewohner getötet hatte. Deshalb war ich auch hierher gekommen. Weil ich wirklich glaubte, dass er es gewesen sein könnte. Ich war bind … vor Rachsucht.“
    Dann schließlich war ich außerstande, noch irgendeine Erklärung abzugeben. Alles um mich herum begann sich zu drehen und anschließend versank ich in undurchdringlicher Schwärze, die alles um mich herum auslöschte.

    7
    Was ich mir nicht vergeben kann
    Bevor ich meine Augen wieder öffnen konnte, kehrten meine Gedanken zurück. Jedoch konnte ich nicht klar denken, ein pochender Schmerz an meinem Hinterkopf beeinträchtigte mich. Langsam öffnete ich die Augen. Das erste, was ich erblickte, war eine Zimmerdecke. Mir fiel auf, dass ich in einem weichen Bett lag. „Was …?“, flüsterte ich überrascht, als ich bemerkte, dass meine Wunden versorgt worden waren. Dann riss mich eine Stimme aus meinen Gedanken: „Du bist also endlich wach geworden.“ Ich hob den Blick und sah in die Augen einer Frau, die ihre besten Jahre vermutlich schon hinter sich hatte. Misstrauisch sah ich sie an, als sie mir eine Schale mit einer dampfenden Flüssigkeit hinhielt. Sie verdrehte die Augen: „Jetzt trink schon. Weshalb sollte ich deine Wunden versorgen, wenn ich dich später vergiften wollte?“ Dieses Mal ging der Punkt an sie. Vorsichtig nahm ich die Schale aus ihren Händen und leerte sie in ein paar schnellen Zügen. Danach entfernte sie die Verbände über meinen Wunden und starrte für einen Augenblick staunend an die Stelle, an der vor kurzem noch der Verband gewesen war. Als ich ebenfalls dorthin schaute, fiel mir auf, weshalb sie so staunte. Unter dem blutigen Verband hatte eine Wunde sein müssen, aber an dieser Stelle befand sich nur noch eine kleine Narbe. Dann riss sie sich los und schüttelte den Kopf. Anschließend nahm sie die restlichen Verbände ab, nur um wieder das gleiche Ergebnis zu Gesicht zu bekommen. Ich spürte jetzt auch, dass ich wieder genug Kraft hatte. „Wie lange …?“, setzte ich an, aber sie unterbrach mich, bevor ich zu Ende gesprochen hatte: „Etwa zwei Wochen. Makarov hat sich jeden Tag nach deinem Befinden erkundigt.Und da es dir wieder besser geht, kannst du nun gehen.“ „Wie jetzt?“, fragte ich verdutzt. Wollte sie mich etwa rausschmeißen? „Raus. Dir geht es wieder gut. Ich habe meine Arbeit getan und mehr brauche ich nicht tun. Also raus.“
    Nachdem ich aufgestanden war, führte sie mich zur Tür und gab mir einen sanften Schubser nach draußen. Kau war ich über der Türschwelle, schlug sie die Tür hinter mir zu. Und nun stand ich alleine, mitten im Wald, vor dem Haus einer Frau, die ich nicht einmal kannte. In diesem Augenblick trat ein kleiner Mann auf die Lichtung, ich erkannte ihn sofort. Es war der Master von Fairy Tail. Was wollte er denn hier? „Dir geht es also wieder besser“, sagte er, während er auf mich zu kam. Dann schlug alles auf mich ein: Wie ich die Gilde für meinen ersten Auftrag verließ, die Wahrheit, dass Natsu nicht der Schuldige war, wie Fairy Tail sich für mich eingesetzt hatte… einfach alles kehrte mit einem Schlag zurück. „Ich …“, setzte ich an, doch in diesem Moment rannen mir Tränen über die Wangen. „Es tut … es tut mir so leid!“ Ich ließ den Kopf hängen und erinnerte mich an den Moment, als ich die Wahrheit erfuhr, und auch, als dann alle anderen erfuhren, weshalb ich mich wirklich Fairy Tail angeschlossen hatte. „Warum habt ihr mich nicht einfach sterben lassen?“, fragte ich schließlich, als ich es schaffte, meine Gefühle halbwegs unter Kontrolle zu bekommen, „warum habt ihr euch so in Gefahr gebracht, um mich zu retten? Ich meine … ich wollte doch …“ „Deswegen bin ich hier. Ich möchte deine Geschichte hören. Was genau dich bis hierher gebracht hat“, antwortete er und sah mich ernst an. „Hast du die Geschichte nicht von Gray gehört?“, fragte ich erstaunt. „Nun, ich weiß, dass er über deine Vergangenheit Bescheid weiß“, setzte er an, „aber er meinte, du solltest selbst entscheiden können, wie viel du preisgibst. Er sagte lediglich, dass er dein Verhalten verstehen würde. Außerdem möchte ich sie auch lieber von dir hören.“
    „Dann sollten wir uns vielleicht hinsetzen, es ist eine ziemlich lange Geschichte“, setzte ich mit fester Stimme an, dabei ließen wir Beide und auf dem Waldboden nieder. Und während ich erzählte, war es, als durchlebte ich schon wieder meine Vergangenheit…
    Nachdem ich aus dem Brunnen geklettert war, sah ich, wie alles brannte. Ich lief die Hauptstraße hoch und runter, hoffte, dass vielleicht doch irgendjemand überlebt hatte. Doch leider nur vergebens. Die Straßen waren von den Leichen der Dorfbewohner gesäumt. Ihre kalten, leblosen Augen schienen mich klagend anzusehen. In etwa, als würden sie fragen, warum ich nichts unternommen hatte. Warum hatte ich nichts getan? Der Rauch nahm mir die Sicht und brannte mir in den Lungen, woraufhin ich hustend aus dem Dorf stolperte. In diesem Moment schwor ich mir eins: Ich würde denjenigen, der mir das angetan hat, finden und ihm das Gleiche antun. Ich würde ihn genauso leiden lassen, wie er mich hatte leiden lassen.
    Ich schlug mich in den ersten Jahren als Taschendiebin durch und versuchte, einfach nur, zu überleben. Bis ich auf den Mann traf, den alle nur den Informanten nannten. Er sagte weder seinen richtigen Namen, noch zeigte er jemals sein Gesicht oder irgendwelche Gefühle. Er nahm mich lediglich bei sich auf und gab mir die Möglichkeit, Magie zu studieren. Ich schloss mich seiner Gilde an und er versorgte mich mit der Information, dass Natsu der Schuldige sei. Also schmiedete ich mit ihm einen Plan. Ich sollte mich Fairy Tail anschließen, um herauszufinden, welches die fähigsten Magier dieser Gilde waren. Und Natsu würde er allein mir überlassen. Also führte mich mein Weg nach Magnolia. Ich zog bei Lucy ein und erzählte ihr irgendwas, was glaubhaft wäre. Dann schloss ich mich Fairy Tail an…
    „Ich war so blind vor Rachsucht, dass mir nicht einmal auffiel, dass es zeitlich gar nicht stimmen konnte, dass Natsu mein Dorf zerstört hat. Schließlich liegt das Dorf schon seit etwa 200 Jahren in Schutt und Asche“, beendete ich meine Erzählung. Makarov schien nachzudenken und fragte dann: „Wenn das so lange her ist, wie alt bist du? Und was bist du?“ „Ich … na ja,, bin in etwa 205 Jahre alt. Ich bin zu Teilen ein Mensch, aber auch ein Elb“, antwortete ich, aber er merkte, dass es mir schwer fiel, das zuzugeben. Das gab ihm sicher viel Stoff zum Nachdenken. Nachdem es einige Zeit unangenehm still war, erhob er sich schließlich: „Gehen wir jetzt zurück zur Gilde?“ Er sah mich erwartend an, der Ausdruck in seinen Augen war noch immer warm und freundlich. „Ich kann nicht“, sagte ich leise. Ich glaubte, keine Luft mehr zu bekommen, meine Kehle war wie zugeschnürt und ich fühlte mich, als ob die Trauer mich niederdrücken würde. Makarov schwieg, sah mich aber fragend an. „Das liegt daran, dass ich sie alle ausgenutzt und belogen habe“, erklärte ich mit erstickter Stimme, „auch wenn sie mir … vergeben würden, kann ich mir selbst nicht vergeben, dass ich dermaßen blind vor Rachsucht war. Wenn ich diesen Auftrag nicht gemacht hatte …“ „ … hättest du deinen Plan durchgeführt, aber wir hätten dich aufgehalten“, antwortete er mit fester Stimme.
    „Ich hätte alles zerstören können!“, widersprach ich ihm heftig. „Glaubst du wirklich, dass wir zugelassen hätten, dass jemand unsere Familie zerstört?“, fragte er ruhig zurück und sah mich an, in seinen Augen lag Liebe, als er so von Fairy Tail sprach, „Es kommen hier tagtäglich die unterschiedlichsten Magier vorbei, mit den unterschiedlichsten Träumen. Trotz der Zugehörigkeit zur Gilde hat jeder sein eigenes Ziel. Einige sind hier, die vorher Feinde waren, wie zum Beispiel Juvia. Auch sie hat uns vorher bekämpft. Und so in etwa ist es auch bei dir. Du hast dich Fairy Tail angeschlossen und gehörst nun zu dieser Familie. Auch wenn die Situation eskaliert wäre, die Wahrheit wäre heraus gekommen. Was auch immer passiert wäre oder passiert ist, du gehörst zu Fairy Tail. Nun bist du ein Teil dieser Familie. Die Anderen machen sich schon große Sorgen um dich.“ Sie machen sich wirklich Sorgen um mich? Obwohl …? Mir stiegen Tränen in die Augen und ich schämte mich vor ihm nicht dafür, zu weinen. Ich ließ sie einfach raus. Ich hatte Menschen gefunden, die mich akzeptierten, egal was … ich sollte wirklich mit. „Kommst du dann?“, fragte Makarov geduldig. „Liebend gern“, sagte ich leise, als meine Tränen endlich versiegten. Konnte es sein, dass ich ein Zuhause gefunden hatte?
    Er führte mich aus dem Wald heraus nach Magnolia. Mit jedem Schritt, den wir in Richtung Gilde gingen, wurde ich innerlich immer angespannter, aber auch immer glücklicher. Schließlich standen wir vor der Gilde, und er ließ mir kurz Zeit, um noch einmal tief durchzuatmen. Dann schubste er die Tore auf. In der Gilde war natürlich wieder eine fette Schlägerei im Gange. Natsu legte sich lauthals mit Gray an, Cana saufte wie ein Loch … eben typisch für Fairy Tail. „Zeit, dass wir feiern!“, rief Erza, als sie uns sah, „Hiatari ist zurück!“ Für kurze Zeit war alles still, dann ließen sie von einander ab und feierten. Ich konnte nicht anders, als mitzufeiern. Jetzt war ich das erste Mal vollkommen glücklich.

    An diesem Abend, aber auch schon, als ich mit Makarov die Gilde betrat, war mir eines klar geworden: Ich war angekommen. „Ich … ich bin zu Hause“, flüsterte ich leise und mir kamen die Tränen, „Mama, Papa, ich bin zu Hause.“ In diesem Moment sah ich, dass Makarov neben mir stand und meine Worte wohl gehört hatte. Er lächelte mich herzlich an. Ich drehte mich zu ihm, ging in die Knie und umarmte ihn einfach mit den Worten: „Danke für alles!“ …
    In diesem Moment genoss ich einfach alles und lebte diesen Augenblick. Was auch immer noch geschehen sollte oder was auch immer noch kam, ich würde Fairy Tail, nein … meine Familie an meiner Seite haben. Zusammen … würden wir alles überstehen...

    ---Ende---

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