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Das Schicksal von Kassiopeia und Sirius

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5 Kapitel - 3.983 Wörter - Erstellt von: Kupferflamme & Korallenblüte - Aktualisiert am: 2017-04-28 - Entwickelt am: - 1.108 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Zwei Junge - zurückgelassen - Schmerz - Einsamkeit. Nachdem Kassiopeia und Sirius alles verloren haben, was sie lieben, bringen sie sich alles bei, was man zum Überleben braucht. Und dann wollen sie sich auch noch an denen rächen, die ihnen das Unglück zugefügt haben...

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    ((big)) ((bold)) Prolog ((ebold)) ((ebig)) Zitternd kauerten sich die Jungen in die Ecke. Sie konnten nur hoffen, dass ihr Angstgeruch nicht bemerkt w
    Prolog

    Zitternd kauerten sich die Jungen in die Ecke. Sie konnten nur hoffen, dass ihr Angstgeruch nicht bemerkt würde. Kassiopeia wusste, dass sie die Kampfgeräusche nie vergessen würde. Die angsterfüllten Schreie, das wilde Knurren, das verzweifelte, gurgelnde Kreischen – all das wurde nur von ihrem rasenden Herzschlag übertönt. Sie konnte sich nur mit Mühe zurückhalten, nicht laut zu keuchen, und bedeutete ihrem Bruder, ebenfalls stillzuhalten. Kassiopeia wusste, dass er genauso verängstigt war wie sie. Sie wünschte, sie wäre älter. Sie wünschte, sie könnte den Katzen helfen, die dort angegriffen wurden. Ihr schien, als würden Blattwechsel vergehen, und als würde der Kampf nie enden. Sie hoffte inbrünstig, dass ihre Hoffnung, ihre einzige Hoffnung, sich erfüllen würde, doch sie war klug genug, um zu wissen, wie es enden würde. Dieses Morden hatte nicht nur einen Zweck. Und die Angreifer hatten nicht die Absicht, Gnade walten zu lassen und diese Absichten zu vergessen. Sie grub die Krallen in den Boden, als sie einen Schrei hörte, der ihr das Blut gefrieren ließ. Sie sank zitternd in sich zusammen, und wünschte, sie könnte einen Laut von sich geben, dann würde sie brüllen, brüllen vor Schmerz, Trauer, Zorn und Verzweiflung für das, was man ihnen antat. Sie hielt sich die Ohren mit ihren Pfoten zu und hoffte, nichts von dem hören zu müssen, was vor sich ging. Sie war mit ihren Nerven endgültig am Ende.
    Nach einer geraumen Weile wurde sie von ihrem Bruder angestupst, der nun noch verängstigter aussah als vorher. Kassiopeia kannte den Grund dafür: der Kampf hatte aufgehört. Sie nahm die Pfoten von den Ohren und setzte sich auf. Tatsächlich: kein einziges Geräusch war mehr zu hören. Totenstille. Da hielt sie es nicht mehr aus. Sie hatte noch immer entsetzliche Angst, Angst vor dem, was sie nun sehen würde, doch sie musste es wissen. Sie stand auf zitternden Beinen auf und taumelte hinaus. «Kassi», flüsterte ihr Bruder, Sirius, erschrocken. Er versuchte trotz allem, noch stark für sie zu sein, das wusste sie, und sie schätzte es auch. Aber sie wusste ebenso, dass er genauso panisch war wie sie. Und trotzdem wollten sie beide wissen, was man ihnen angetan hatte.
    Sie trat hinaus – und brach sogleich zusammen. Es war, wie sie befürchtet hatte. Und da konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Sie jaulte laut auf. Vor Schmerz, Trauer, Verzweiflung, Entsetzen, Hilflosigkeit, Wut, Hass, Verbitterung. All das, was sie in den letzten Stunden gespürt hatte und nicht loswerden konnte, brach nun durch sie hindurch. Sie spürte, wie sie sanft von Sirius zurückgezogen wurde, weg vom Schlachtplatz, wieder in die Sicherheit der Bäume. Er befürchtete wohl, dass die Angreifer zurückkommen würden. Aber sie wollte nicht. Kassiopeia strampelte wild und schlug nach ihrem Wurfgefährten. «Lass mich los!», heulte sie, «Sie werden nicht zurückkommen! Diese Feiglinge doch nicht! Sie haben schließlich, was sie wollten! Und selbst wenn, dann werde ich sie fertigmachen!» Sirius ließ sie sanft zu Boden fallen. Er knurrte: «Das könntest du nicht, und das weißt du. Wir sind viel kleiner und schwächer als sie. Sie würden uns mit einem einzigen Pfotenhieb umbringen. Wie sie es bei unseren Eltern getan haben.» Er sah zu den beiden leblosen Körpern hinüber.
    Kassiopeia wimmerte haltlos und kroch zu den Leichen hinüber. Sie beugte sich über den zerfetzten Körper ihres Vaters. Vergeblich versuchte sie, noch einmal seinen Geruch aufzunehmen, doch es war sinnlos – der Blutgeruch verdeckte alles andere. Dann zog sie sich zum toten Körper ihrer Mutter hin und legte ihren Kopf auf deren erkaltete Flanke. Sie schloss die Augen. Nichts wollte sie lieber als hier einfach zusammenzubrechen und ebenfalls zu sterben. Sie wollte aufgeben. Zu ihren Eltern gehen, wo immer sie sich befinden mochten. Doch da stieß Sirius sie an. «Noch ist nicht alles verloren», flüsterte er.
    Kassiopeia starrte ihn verständnislos an. «Bist du noch ganz bei Trost! Wir haben unsere Eltern verloren! Und das soll nicht alles verloren sein!»
    «So war das nicht gemeint», miaute er düster. «Aber vielleicht…haben sie Andromeda nicht entdeckt.»
    Beim Gedanken an ihre jüngere Schwester sprang Kassiopeia sofort auf. «Wir müssen sie finden! Sofort! Bevor sie von den anderen gefunden wird!» Sie rannte umher und schnupperte überall. Sirius folgte ihr auf der Pfote. Zusammen durchsuchten sie das ganze Lager, und danach, als sie immer noch keine Spur gefunden hatten, auch die nähere Umgebung. Sie riefen immer wieder nach ihr, doch schließlich kamen sie zur Übereinstimmung, dass es keinen Zweck hatte, weiter nach Andromeda zu suchen. Sie ließen beide die Köpfe und Schwänze hängen, als Sirius einfiel: «Abgehauen! Vielleicht ist sie so intelligent gewesen, dass sie sich davongemacht hat, als es zum Kampf kam!» Seine Wurfgefährtin sah ihn unwirsch an und meinte nur: «Dann müssten sie sie bemerkt haben. Als wir sie zuletzt gesehen haben, war das Herzschläge vor dem Kampf und in unserer Nähe. Und selbst wenn sie entkommen konnte, sie ist gerade mal ein paar Sonnenaufgänge alt. Sie kann unmöglich für sich selbst sorgen.» Mit dieser vernichtenden Antwort löschte sie den winzigen Hoffnungsfunken in Sirius’ Augen.
    «Du hast Recht», gab er zu. «Und wie geht es weiter?»
    Seine Schwester antwortete nicht sofort, dann
    wandte sie sich an ihren Wurfgefährten. «Jetzt», erwiderte sie, «werden wir uns darauf vorbereiten, unsere Familie zu rächen.»

    2

    1. Kapitel

    Er beobachtete die kleine durchsichtige Kugel, die langsam das regennasse Blatt herunterlief. Der Tropfen fiel auf das nächste Blatt und landete schliesslich in Kassiopeias Fell. Doch sie beachtete ihn gar nicht, sie starrte nur durch das grosse Loch im Holunderbusch, hinaus in die graue Mauer aus Regen. Es sah aus, als könnte sie hindurchsehen und als einzige wissen, was dahinter lag. Sirius seufzte und leckte ihr den Tropfen aus dem Pelz. Mit ihren Gefühlen ging es Sirius genau gleich. Nur sie wusste, was sie empfand. Wie gerne würde er ihr jetzt zuhören, sie ihre Wut und Trauer loswerden lassen, damit sie wieder lachen konnte – so wie sie es früher immer getan hatte, wenn ihr etwas auf dem Herzen lag. Doch sie blieb still. Das ging nun schon fast einen Mond lang so. Sie ass nur, wenn er es ihr befahl, sie schlief nur, wenn er sie darum anflehte. Er jagte. Er suchte einen Unterschlupf. Sie trottete nur hinter ihm her, immer mit dem gleichen Ausdruck – wie ein Schatten. Langsam verklang das gleichmässige Geräusch des Regens.
    Vorsichtig wagte sich Sirius aus seiner Deckung. Dann kehrte er zurück und legte seinen Schwanz behutsam auf Kassiopeias Flanke und führte sie hinaus. «Ich gehe jagen», flüsterte er leise. Seine Schwester nickte nur.
    Schnell sprang Sirius in das Farndickicht, erleichtert, der traurigen Atmosphäre zu entkommen. Auch er trauerte, jedes Mal, wenn sie irgendetwas taten, was sie mit ihren Eltern getan hatten. Doch er versuchte, es weniger zu zeigen als seine Schwester. Nach einer Weile roch er eine Maus. Er drehte sich langsam um, um zu ergründen, woher der Geruch stammte. Hinter dem Baum! Vorsichtig setzte er eine Pfote vor die andere. Immer näher und näher. Nur noch eine Mauselänge. Sirius spannte alle seine Muskeln an.
    Plötzlich hörte er ein anderes Geräusch. Er drehte seine Ohren nach hinten. Da war doch etwas? Sein Gehör hatte ihn noch nie getäuscht, im Gegenteil. Die Maus piepste und ver-schwand in einem Loch. Doch Sirius’ Konzentration galt schon längst etwas anderem. Nun hörte er es deutlich! Ein Bellen! Und es kam aus Kassis Richtung! Reflexartig sprintete er los. Fuchs! Atemlos kam er bei seiner Schwester an. Sie war so, wie er sie verlassen hatte. Sirius unterdrückte einen Kloss in seinem Hals, der langsam aufzusteigen drohte. «Wir müssen weg!», brachte er hervor. «Ein Fuchs!» Seine Schwester hob den Kopf, liess ihn dann aber wieder sinken. Sirius wusste, was sie dachte. Oh nein! Ich werde dich nicht gehen lassen! «Wenn du nicht kommst, bleib ich auch!», fauchte er entschlossen. Kassiopeia sprang auf. «Lass uns gehen, Siru!» Erleichtert rannte er los. Da hörte er auch schon ein Jaulen hinter sich. Der Fuchs hatte sie entdeckt! «Schnell! Ich weiss, wo wir uns retten können!», fauchte Sirius, um seine Panik zu überspielen. Hinter einem Felsen bog er ab. Nun hörten sie schon die trappelnden Pfoten des Fuchses. Schneller! Sie mussten es schaffen! Er sah schon die Schlucht, die er ansteuerte. «Jetzt müssen wir klettern!», schrie der Kater seiner Schwester zu. Er beschleunigte noch mehr. Endlich! Der rettende Fels! Er setzte noch ein letztes Mal zum Sprung an. Doch dieses Mal gab er all seine Kraft. Seine Pfoten flogen durch die Luft. Es war, als wäre plötzlich die Zeit verlangsamt worden. Er konnte hören, wie sich auch Kassiopeia abstiess und sich in die Luft katapultierte. Er fühlte sich, als könnte er fliegen. Als wäre er ein Vogel und seine Probleme wortwörtlich verflogen. Doch da landete er auch schon und er erinnerte sich daran, wo er war. Bitterkeit stieg in ihm auf. Warum? Da hörte er Kassiopeia neben sich keuchen, sie kletterte schon. Er tat es ihr gleich. Plötzlich spürte er einen Luftzug eine Schnurrhaaresbreite unter ihm und hörte Kiefer schnappen. Der Fuchs war ja noch da! Es ging nun wirklich um Leben und Tod! Er zog sich von Vorsprung zu Vorsprung. Seine Schwester kletterte eine Schwanzlänge über ihm. Behutsam achtete er darauf, dass er sie auffangen konnte, falls ihre Pfoten abrutschen würden. Was im nächsten Moment auch schon geschah. Sie kreischte und stürzte. Sirius riss den Kopf herum und packte sie gerade noch im Nackenfell. Ein Augenblick verstrich. «So hat das Papa immer gemacht, wenn er mit uns klettern gegangen ist!», heulte Kassiopeia los. Ihre Körper wurde von ihrem Schluchzen geschüttelt. Sirius konnte sie nur mit Mühe halten, doch da stieg auch in ihm die Trauer auf, sein Mund wollte sich gerade zu einem Klageschrei öffnen. Da wurden seine Augen kalt. Kalt wie Eis. Sie hatten jede Emotion verloren. «Wenn ich jetzt loslasse, ist sie verloren», schoss es ihm durch den Kopf. «Wenn ich meinen Gefühlen jetzt freien Lauf lasse, werde ich keine Schwester jemals mehr in meinem Leben an meinem Pelz spüren». Er packte sie fester und zog sie das letzte Stück hoch. Dort blieb sie wimmernd liegen, Sirius sass regungslos daneben. Er hatte eine Entscheidung getroffen. Er wollte nie mehr in so einer Situation stecken. Er wollte seine Gefühle nie mehr zeigen, oder etwas überhaupt empfinden. Für Kassiopeia. Seine Schwester. Das letzte, was er hatte.

    3
    Kapitel 2

    Sie warf sich leise wimmernd auf dem harten Boden umher. Ihr ganzer Körper spannte sich an und ihre Beine zuckten krampfhaft durch die Luft. Sie zitterte am ganzen Leib und jammerte, als sie wieder vor sich sah, wie ihre Eltern ermordet wurden. Ihre Mutter sah ihr verzweifelt und entsetzt in die Augen, bevor sie zusammenbrach und starb. Es war furchtbar und sie rang nach Atem, doch sie wusste, dass sie etwas wichtiges zu tun hatte, jedes Mal, wenn sie diesen Traum hatte. Sie musste ihre jüngere Schwester Andromeda finden und retten. Sie rannte an den kämpfenden Katzen vorbei und rief so laut sie konnte: «Andromeda! Wo bist du?» Sie hatte keine Angst, getötet zu werden, da es ja nur ein Traum war. Doch der Traum konnte ihr einen Hinweis darauf geben, was aus ihrer kleinen Schwester geworden war. Sie hielt zitternd inne und lauschte. Doch es war so gut wie unmöglich, aus dem Schlachtenlärm etwas herauszuhören. Auf einmal meinte sie, ein leises, schwaches Klagen zu vernehmen. Hysterisch sprang sie auf und jaulte: «Andromeda! Ich bin hier!» Da ertönte es erneut, dieses leise Winseln, und sie sprang auf und stürmte in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatte. Doch kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, verfinsterte sich die ganze Umgebung und der Traum war zu Ende.
    Strampelnd wachte sie auf, auf dem harten, nackten Erdboden, neben ihrem Bruder, der noch leise schnarchte und Geräusche von sich gab, die darauf hindeuteten, dass er ebenfalls nicht gut schlief. ‘Wie sollte er auch?’, dachte sie. ‘Nach dem schrecklichen Geschehnis vor zwei Monden.’ Sie knurrte frustriert und sprang auf. Mal wieder hatte sie versagt. Sie hatte es nicht geschafft, ihr Ziel zu erreichen: Andromeda. Erschöpft schleppte sie sich zu einer Pfütze in der Nähe und trank gierig. Dann betrachtete sie ihr Spiegelbild. Sie war abgemagert und sah wild aus – wilder als vor ihrem alten Leben. Sie richtete sich auf und hörte ein Kreischen, nur wenige Fuchslängen entfernt. Als sie sich umdrehte, sah sie einen Habicht, der sich auf etwas kleines am Boden stürzte. Sie betrachtete seine langen, glitzernden Klauen, die sich nun um die wehrlose Maus schlossen und sie empor in die Luft trugen. Einen Moment lang blickte sie den beiden hinterher. Dann traf sie die Erkenntnis wie ein Schlag: die ganze Welt war grausam. Und noch eine: Man muss grausam sein, um zu überleben. Tatsache war: Töten oder getötet werden. Und sie wollte nicht diejenige sein, die getötet wurde. Sie betrachtete sich noch einmal in der Pfütze und da sah sie etwas in ihren Augen, was sie zuvor noch nie gesehen hatte: Kälte. Sie fuhr die Krallen aus. Das kratzende Geräusch am steinigen Untergrund schreckte eine weitere Maus auf, die voller Panik aus ihrem Versteck floh. Doch das hätte sie lieber lassen sollen. Die Kätzin liess ihre Krallen heruntersausen, ebenso glänzend wie die Klauen des Habichts, und schlitzte die Maus auf. Emotionslos beobachtete sie, wie das Beutetier zuckte und schliesslich starb. Dann betrachtete sie wieder ihre Krallen, die immer noch glänzten, doch nun rot, vor Blut. Und plötzlich fuhr etwas durch sie hindurch, ein Gefühl, das sie bisher noch nie verspürt hatte, wenn man es denn ein Gefühl nennen konnte: Skrupellosigkeit. Und noch etwas anderes: Rachdurst. Sie sehnte sich danach, ihre Krallen und Zähne in jene Katzen zu schlagen, die ihre Familie ermordet hatten. Fortan sollten sie diese beiden Gefühle ihr Leben lang begleiten. So wurde aus jenem fröhlichen, liebenswerten Jungen eine skrupellose, verbitterte Kätzin. Sie starrte noch einmal in die Richtung, aus der sie und ihr Wurfgefährte gekommen waren, dann wandte sie sich davon ab und lief zu Sirius.
    Sie schaute ihn einfach an. Zunächst. Dies war die einzige Katze, die sie jemals noch lieben würde, das nahm sie sich vor. Und sie würde alles tun, um ihn zu beschützen. Wirklich alles. Denn nun hatte sie keine Gewissensbisse mehr. Jetzt war sie nicht mehr das winselnde, zu Tode geängstigte, abgrundtief traurige Junge. Nein, jetzt war sie die starke Kriegerin, eine echte Kämpferin. Sie stupste Sirius sanft an. «Aufwachen, Schlafmütze.»
    Verschlafen richtete er sich langsam auf. «Ähm, hm? Was ist los? Ziehen wir weiter, Kassi?» Gähnend streckte er sich.
    «Nenn mich nicht so.»
    Fragend sah er sie an. «Was? Kassi?»
    «Kassi. Kassiopeia. Das ist nicht mein Name. Nicht mehr. Nicht seit wir unser altes Leben hinter uns gelassen haben.»
    Langsam nickte er. Er schien nicht überrascht. Offenbar hatte er sich auch schon Gedanken darüber gemacht. «Und wie heisst du jetzt?»
    Sie sah ihn emotionslos an, fast kalt. «Iceheart.»

    4
    Mehrere Monde waren nun vergangen, seit Iceheart und ihr Bruder, der sich inzwischen Orion nannte, ihre Familie verloren hatten. Sie waren stärker geworden, unabhängiger, da sie das harte Leben von Streunern zu führen hatten. Dies hatte sie in Kämpfernaturen verwandelt. Iceheart war nicht besonders gross, doch dafür drahtig, muskulös und sehnig. Orion hingegen war nicht nur von der Breite, sondern auch von der Grösse ziemlich gewachsen. Sie waren nicht mehr die flauschigen, pummeligen, kleinen Jungen, sondern kurzhaarige, schlanke, deutlich muskulöse Katzen. Und nicht nur ihr Äusseres hatte sich verändert. In Icehearts türkisen Augen funkelten Rachsucht und Grausamkeit, während Orion eine kalte, abweisende Aura umgab. Sie blieben nie lange an einem Ort, zogen immer weiter. Doch eines Tages beschlossen sie, in ihre ehemalige Heimat zurückzukehren.
    «Glaubst du, dass sie noch da sind?», knurrte Orion, während er mit grossen Schritten voranlief.
    «Wir werden sie finden, ob sie nun an dem Ort sind, wo sie sich immer aufgehalten haben, oder nicht», gab seine kleinere Schwester zur Antwort, die trotz ihrer kürzeren Beine keine Schwierigkeiten hatte, mit dem grossen Kater mitzuhalten.
    Orion blieb kurz stehen. Er fuhr seine Krallen aus. «Und dann werden wir ja sehen, was sie davon hatten.»
    «Das werden wir. Wenn sich unser Verdacht bestätigt.» Die weisse Kätzin mit den blutroten Streifen trabte ein Stück weiter, bevor ihr Wurfgefährte sie aufholte.
    Sie liefen noch eine Weile schweigend weiter, bevor sie in der Ferne einen Zweibeinerort erblickten, in dessen unmittelbarer Umgebung ein kleiner Wald lag. Orion fauchte leise, während sich Icehearts Fell sträubte und sie die Augen verengte. «Na, dann wollen wir doch mal», sprach die Kätzin leise und Seite an Seite brachten sie die Distanz, die sie vom Ort trennte, hinter sich.
    Der kleine Kater erstarrte vor Schreck, als ein gewaltiges Fauchen ertönte und sich gleich darauf ein bedrohlich aussehender Kater vor ihm aufbaute. Er wollte sich umdrehen, doch auch dieser Fluchtweg wurde nun von einer muskulösen Kätzin versperrt. Er sah schnell nach rechts und nach links und überzeugte sich davon, dass eine Flucht keinen Sinn hatte. «W-was wollt ihr?», stotterte er und versuchte, sein Zittern zu unterdrücken.
    «Tja, schön, dich mal wieder zu sehen, Ginger», knurrte der grosse Kater. «Es erstaunt mich, dass du uns anscheinend so schnell vergessen hast.»
    Nun völlig verwirrt, musterte Ginger die beiden fremden Katzen genauer. Er betrachtete den dunkelbraun gestreiften Kater und dessen leuchtend blaue Augen. Dann wandte er sich der Kätzin mit weissem Fell und roten Streifen zu und blickte in ihre funkelnden, türkisfarbenen Augen. Plötzlich erschien ein Leuchten in seinen Augen. «Kann es sein…», miaute er ungläubig, mehr zu sich selbst. Dann sah er sie an. «Sirius? Kassiopeia? Seid ihr das?» Als keine Antwort erfolgte, fuhr er aufgeregt fort: «Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich bin, euch wieder zu sehen. Cookie!» Er wandte sich um, als er nach seiner Gefährtin rief, und bemerkte daher nicht, dass Orion ihn mit einem mörderischen Blick bedachte und dass Iceheart ihre Krallen ausgefahren hatte.
    Nun bog eine rundliche, hellbraune, gescheckte Kätzin um die Ecke des Zweibeinernests, blieb kurz stehen, als sie die zwei Katzen bemerkte, und lief daraufhin zu ihnen am Ende der grasbewachsenen Fläche. Mit strahlenden Augen sprang sie auf die beiden Geschwister zu. «Sirius! Kassiopeia! Die Jungen von Hanna und Solo!» Dann sah sie sich besorgt um. «Wo ist denn Andromeda? Ist sie nicht bei euch?»
    Orion fuhr zornig auf, sodass selbst Iceheart zusammenzuckte. Sie war sich solche Gefühlsaus
    brüche von ihm nicht gewohnt. Mit glühenden Augen, kaum eine Mauselänge von Cookies Gesicht entfernt, fauchte er: «Da fragst du noch! Was denkst du, warum wir hier sind? Um die liebe Nachbarschaft zu pflegen?»
    «Wer hat uns denn voneinander getrennt?», nahm Iceheart den Faden auf. «Ihr wisst genau, was geschehen ist!»
    Cookies Augen huschten panisch von einem Geschwister zum anderen. «Ich… Ich…»
    Ginger stellte sich neben seine Gefährtin.
    Orion begann, langsam um sie herumzuwandern und beobachtete sie dabei stets mit seinen blauen Augen. «Wir sind hergekommen, um uns über das zu unterhalten, was vorgefallen ist. Ihr habt Hanna und Solo, unsere Eltern, erwähnt. Dann erinnert ihr euch sicher noch, was mit ihnen geschehen ist, vor mehreren Monden?»
    Die Augen der kleinen Kätzin weiteten sich und Ginger hob an, um zu protestieren, doch Iceheart fuhr fort: «Sie wurden auf grausame Weise ermordet. Aufgrund der Gier einiger Katzen, und der Feigheit und der Schwäche anderer.» Sie schaute die älteren, eingeschüchterten Katzen an und zischte leise.
    «Ihr habt ihnen die Schwäche unseres Lagers verraten!» Cookie machte vor Schreck einen halben Satz in die Höhe und Ginger keuchte auf. Orion hatte sich dicht hinter ihnen aufgebaut und die Zähne gefletscht. «Andernfalls hätten sie es aufgegeben, unser Territorium an sich zu
    reissen.»
    Da trat Ginger vor und reckte leicht das Kinn. «Sie haben unser Junges entführt und uns dazu gezwungen, es zu tun.» Er senkte den Kopf. «Wir wollten es nicht tun, aber wir hatten keine Wahl».
    «Man hat immer eine Wahl», zischte Iceheart. «Aber stimmt ja, eure Jungen. Nun, es wird euch nichts nützen, sie damals gerettet zu haben. Denn sie werden es sein, die die Vergeltung für unseren Verlust zu spüren bekommen werden. Freunde verrät man nicht einfach so.»
    Orion und sie preschten los. Sie nahmen die Fährte auf, die Cookie hinterlassen hatte auf ihrem Weg dahin. Hinter sich hörten sie einen schrillen Schrei und Pfotengetrappel. An der Ecke zum Zweibeinernest bogen sie ab und zögerten kurz, bevor sie den Geruch wieder fanden.
    «Rennt! Rennt um euer Leben!», ertönte da Cookies Stimme irgendwo vor ihnen. Da stoppte Orion abrupt. Iceheart rannte fast in ihn hinein. «Sie hat eine Abkürzung genommen», fauchte er und rannte weiter. Cookie war an einem Schuppen angelangt, und als sie schliesslich ebenfalls dorthin kamen, war niemand mehr dort ausser der kleinen, heftig keuchenden Kätzin. Iceheart und Orion sprangen über sie hinweg, wobei sie sie beinahe umwarfen.
    Draussen angelangt, hetzten sie dem neuen Geruch weiter hinterher. Über Mauern, durch Gassen und Gärten. Auf einmal sahen sie den Schuppen wieder. Sie waren im Kreis gelaufen. Orion stiess wüste Beschimpfungen aus und Iceheart keuchte heftig. Das war es. Vorerst. Die Spur liess sich nicht mehr verfolgen. Doch der Geruch der Jungen hatte sich in ihr Gedächtnis eingeprägt. Zudem waren sie geduldige Jäger. Und intelligente. Sie wussten, dass sie es nicht alleine schaffen konnten.

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    Diese Geschichte ist die Vorgeschichte von zwei Katzen aus dem RPG Fremde Gefahren von Tüpfelfell. Wir werden die Geschichte noch weiterschreiben, ab
    Diese Geschichte ist die Vorgeschichte von zwei Katzen aus dem RPG Fremde Gefahren von Tüpfelfell.
    Wir werden die Geschichte noch weiterschreiben, aber hinterlasst uns doch einen Kommen-tar und schreibt uns, wie ihr es findet:).*miau* Bis bald!
    (Falls eines der Bilder Copyright hat, schreibt es uns bitte. ;) )
    (links: Korallenblüte, rechts: Kupferflamme)
    Eure Kupferflamme und Korallenblüte ❤

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1473001968
Das Schicksal von Kassiopeia und Sirius
Das Schicksal von Kassiopeia und Sirius
Zwei Junge - zurückgelassen - Schmerz - Einsamkeit. Nachdem Kassiopeia und Sirius alles verloren haben, was sie lieben, bringen sie sich alles bei, was man zum Überleben braucht. Und dann wollen sie sich auch noch an denen rächen, die ihnen das Unglü...
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2016-09-04
406A
Warrior Cats

Kommentare (29)

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Goldpfote 😸 (75880)
vor 187 Tagen
Schade😔 Aber wenn es da ist werde ich die erste sein die es liest und kommentiert 👾👾👾
Kupferflamme & Co. (86733)
vor 200 Tagen
Keine Panik auf der Titanic ^^, wir sind schob am nächsten Kapitel, allerdings macht die Schule uns einen Strich durch die Rechnung, also kann es noch etwas dauern, bis es erscheint
Blutklaue (Suizideheart) (03433)
vor 201 Tagen
Bitte schreibt weiter das war Mega cool
Blütenpfote (99088)
vor 210 Tagen
Bitte schreibt weiter !
Goldpfote 😸 (29449)
vor 293 Tagen
Ich auch. 😹😹😹😸😹. 😹 😸 😼😽😻😹😼
Libellenherz (29918)
vor 299 Tagen
ah, ich weis doch, wer Icehearts Bruder ist
Blütenpfote (29449)
vor 305 Tagen
Voll cool. Ich habe schon so eine Ahnung.
Libellenherz (41078)
vor 305 Tagen
Geilo hammer supertoll! Ich weiß aber trotzdem nicht, wer Icehearts Bruder ist😂
Eisstern (29449)
vor 306 Tagen
Bitteschön😋😋😋😋😋😋
Ich freue mich schon wenn sie weitergeht.
Kupferflamme & Co. (22689)
vor 306 Tagen
Vielen Dank 😊😊😊😊😊😊
Die Geschichte geht weiter, darauf könnt ihr euch verlassen
Eisstern (29449)
vor 307 Tagen
Wow. Das neue Kapitel ist echt der Hammer. Schreibt UNBEDINGT weiter. 👍👍👍👍👍👍👍💓💕💖💗💙💚💛💜💝💞💟❣
Eisstern (17751)
vor 313 Tagen
Ja, bin schon so gespannt. !
Libellenherz (97150)
vor 314 Tagen
Wann schreibt ihr weiter?
Blütenpfote (97258)
vor 318 Tagen
Ich habe schon so eine Ahnung.
Kupferflamme & Co. (22689)
vor 318 Tagen
Übrigens handelt die FF von der Vorgeschichte zweier Katzen aus dem coolen rpg "Fremde Gefahren" von Tüpfelfell
Goldpfote 😸 (97258)
vor 323 Tagen
Geht mir genauso. Wäre nur manchmal interessant zu wissen ob man manche von den Leuten auch im echten Leben kennt.
Kupferflamme & Co. (22689)
vor 323 Tagen
Das habe ich mich tatsächlich manchmal auch schon gefragt ^^ Aber ich kann es nachvollziehen, wenn jemand nicht darauf antworten will, weil ich ebenfalls nicht meinen richtigen Namen angeben möchte
Goldpfote 😸 (97258)
vor 324 Tagen
Ich habe einaml eine Frage, fragt Uhr euch auch manchmal ob ihr Leute von teste.dich kennt, und sie euch auch kennen. Wenn mann dann fragt wer sie sind, hat man dann das Gefühl, sie würden lügen, oder dass es nicht sein könnte. (Ich weiß, verrückt !! 😅😅😅)
Kupferflamme & Co. (22689)
vor 324 Tagen
Sonst hättest du Recht, was die Namen betrifft. Die spielen jedoch noch eine nicht unwichtige Rolle im Verlauf der Geschichte...
Kupferflamme & Co. (22689)
vor 324 Tagen
Nein, haben sie nicht. Sie haben nur mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester zusammengelebt