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UNDER COVER - Gefangen in Büchern

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3 Kapitel - 3.803 Wörter - Erstellt von: Sonnenuntergang - Aktualisiert am: 2016-08-08 - Entwickelt am: - 699 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Vannessa ist ein ganz normales, zwölfjähriges Mädchen, mal abgesehen von ihrer Freundin Lea, der größten WarriorCats-Fanatikerin überhaupt. Als sie schließlich doch mal In die Wildnis aufschlägt, passiert etwas, dass ihr Leben verändern wird...

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    Das ((big))1. KAPITEL((ebig)) dieser Geschichte Ich wartete. Meine Freundin Lea müsste jeden Moment kommen. Nicht, dass das besonders schnell gehen w
    Das 1. KAPITEL dieser Geschichte

    Ich wartete. Meine Freundin Lea müsste jeden Moment kommen. Nicht, dass das besonders schnell gehen würde. Sie bestand darauf, sich jeden Tag erneut Fakten über Warrior Cats anzueignen. Dazu muss ich wohl noch einiges erklären. Ach, und damit du es weißt, wenn ich etwas erkläre, mach ich das meist in Baumform: Berichte erst standfeste Fakten (Stamm), wie es dazu gekommen ist (Wurzeln), und danach noch die Ausläufer in Ästen und Zweigen. Also: Lea ist der größte WarriorCats-Fanatiker überhaupt. Wie es dazu gekommen ist: Da gibt es nicht viel zu erzählen. Sie hat es gelesen und war sofort Feuer und Flamme. Nein, Feuerstern und Flammenschweif. Sogar im Unterricht labert sie davon. Beweis:
    Fr. Lotschek: „Lea, dividiere diese Aufgabe schriftlich.“
    Lea: „... und deshalb wollte Aschenpelz Blattsees Junge umbringen. Ach so, dividieren...
    Eins muss man ihr lassen: Sie kann sich auf Warrior Cats und den Unterricht konzentrieren. Aber ratet mal, was sie dann gesagt hat.
    Lea: „Hmpf. Zweibeinerkram.“
    Die ganze Klasse hat gelacht, sogar ich. Und ich wage es sonst nie, über Warrior Cats zu lachen, sonst ist Lea sofort beleidigt. Aber bitte. Das sagt ja alles. Wir sind beste Freunde, aber trotzdem ist sie echt verrückt. Immer wenn sie den Mund aufmacht, kommen WarriorCats-Fakten raus. Ich persönlich halte nichts von Warrior Cats. Da kämpfen die doch nur, jagen ein bisschen Beute und das war es. Mehr nicht. Das können Hauskatzen auch. Lea sagt dauernd, dass das nicht stimmt. Aber ich bleib dabei.
    Jetzt klingelte es an der Haustür. Sie kam. Ich sprintete nach unten und öffnete die Tür. Wie immer war Lea voll beladen mit einem Haufen Bücher. Ich erhaschte einen Blick auf das oberste Buch. WARRIOR CATS stand mit großen, goldenen Buchstaben darauf. Darunter, in weißer Schrift, IN DIE WILDNIS. Über allem prangte in Grün der Name ERIN HUNTER. Ein jung aussehender, rotbrauner Kater mit grünen Augen zierte einen Großteil des Covers. Im Rest des Bildes war ein dunkler Nadelwald zu sehen. Eine schattenhafte Katze sprang über einen Bach.
    „Hallo Lea“, begrüßte ich sie.
    „Hi!“, erwiderte sie mit strahlenden Augen. „Rate mal, was ich herausgefunden habe!“
    Ich verdrehte die Augen. „Erzähl es mir in meinem Zimmer.“
    Lea nickte hastig und verabschiedete sich von ihrer Mutter, dann trat sie über die Türschwelle in den Flur. Ihr Stapel Bücher verhinderte, dass sie die Tür zu machen konnte, deshalb tat ich es. Dann wandte ich mich wieder um und nahm ihr seufzend die Hälfte ihrer Bücher ab. Ich zählt drei. Den ganzen Weg über die Treppe bis zu meinem Zimmer starrten mich die grünen Augen unheimlich an. Wie gruselig! Wie konnte Lea das nur aushalten? Da fiel mir ein, dass sie ja selbst vier Katzen besaß und das wahrscheinlich gewohnt war. Gruselig! Ich selbst hatte nur zwei Wellensittiche namens Kiko und Natti, die sich aber auf den Tod hassten. Eine Katze würde da nur stören. Schnell schüttelte ich den Kopf, um meine Gedanken loszuwerden. Ich richtete meinen Blick stur geradeaus, weg von dem Blick der gezeichneten Katze. Nun waren wir im Zimmer und Lea ließ ihre Bücher auf mein Bett fallen. VOR DEM STURM, GEFÄHRLICHE SPUREN und STUNDE DER FINSTERNIS. Ich setzte die Bücher, die ich getragen hatte, etwas sanfter daneben ab. Auf ihnen stand IN DIE WILDNIS – wie erwähnt -, FEUER UND EIS und GEHEIMNIS DES WALDES drauf. Alle samt waren sie mit großen Katzengesichtern verziert. Lea ließ sich ebenfalls aufs Bett fallen. „Also“, begann sie. „Habe ich dir schon erzählt, wer Feuersterns Gefährtin wird?“
    „Nein“, antwortete ich.
    „Sandsturm!“, triumphierte sie. „Zuerst mochte sie ihn nicht, und jetzt doch! Sie liebt ihn sogar! Kannst du dir das vorstellen?“
    „Es gibt ja scheinbar auch Katzen, die Gedanken lesen können, also...“
    „Nein nein, in Gedanken wandeln, nicht lesen. Katzen können nicht lesen.“
    „Und Kitty kann mit Hunden sprechen.“
    Lea schüttelte heftig den Kopf. „Nein, nicht Kitty, Millie! Und sie konnte! Nicht kann!“
    Ich sah aus dem Fenster. „Erzähl ruhig weiter. Ich höre zu.“ In Wahrheit hörte ich kein bisschen zu. Mich interessierte das alles gar nicht! Ich las kaum. Vor allem nicht Warrior Cats. Ich will schließlich nicht den ganzen Tag lang vor einer beschriebenen Seite hocken. Wie dumm ist das denn. Leas Redeschwall strömte auf mich ein, doch ich hörte nur einzelne Wortfetzen raus.
    „Wald der Finsternis... Efeusee... Traum... Flammenschweif... Lichtfell denkt... Häherfeder...“ Sie sah auf. „Was habe ich gerade gesagt?“
    Ich zuckte zusammen. „Oh, äh... Wald der Finsternis träumt von einem See aus Efeu?“
    Sie schnaubte leicht wütend. „Efeusee träumt vom Wald der Finsternis. Und das zweite?“
    „Irgendwas mit Flammenschweif? Lichtfell denkt an Häherfeder?“ Mir wurde heiß. Ich drehte mich um. Leas wütende Augen blitzten mich an. „Ich dachte, dass interessiert dich vielleicht, Vanessa.“
    Vanessa. Sonst sagte sie immer Nessi. Es musste ernst sein. „Ich hab doch...“
    „Nein, hast du nicht“, sagte sie und stürmte aus dem Zimmer.
    Oha. Jetzt wurde es richtig ernst. Was Warrior Cats anging, war Lea so temperamentvoll wie ein Bulle. Ein Bulle, der heulte. Kein guter Bulle. Kein böser Bulle. Ein zutiefst enttäuschter Bulle. Ich wurde ein bisschen traurig. Jetzt würde sie erstmal einige Wochen nicht mehr mit mir reden. Ich schluckte. Vielleicht würde sie sich mit Maria verbünden. Maria war die größte Zicke der Klasse. Ständig schikanierte sie mich und lachte mich aus. Nie war sie nett zu mir. Doch in letzter Zeit war sie besonders nett zu Lea gewesen. Meine Freundin hatte trotzdem immer zu mir gestanden und mich verteidigt. Und jetzt...
    Ich atmete tief durch. Schloss die Augen. Ich würde es tun, auch wenn ich es nicht wollte. Für Lea. Langsam, ganz langsam bewegte ich mich auf das Bett zu. Langsam öffnete ich das Buch mit der roten Katze. Mit dem Kater. Plötzlich wusste ich, dass es ein Kater war. Seine Augen funkelten, als wollte er sagen: „Los, tu es!“
    Kaum merklich nickte ich ihm zu. Dann schlug ich das Buch auf. Doch was ich sah, war keine Seite. Dichter Nebel umfasste mich. Ein starker Wind zerrte mich auf den Bauch. Ich atmete hektisch. Blätter tanzen um mich herum, dann schlug ein Blitz ein. Ein Tornado verschlang ihn und presste mich runter. Und dann... schlug ich auf.

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    Die ((big))ERSTEN SEITEN((ebig)) des Buches Hustend stand ich auf. Der Nebel war verschwunden, trotzdem war alles weißes. Ich blickte mich um. In der
    Die ERSTEN SEITEN des Buches

    Hustend stand ich auf. Der Nebel war verschwunden, trotzdem war alles weißes. Ich blickte mich um. In der Ferne schimmerte die weiße Landschaft gelblich, und etwas schien sich dort zu bewegen. Ich lief dorthin, nicht rennend, nicht gehend und nichts dazwischen. Ich glitt. Genau, dass war es! Meine Füße berührten kaum den Boden, doch die glatte, schneeweiße Landschaft flog nur so unter mir hinweg. Mein erster Gedanke war: Wo bin ich hier?, und mein zweiter: Was ist passiert? Verängstigt sah ich mich um. Es gab keinen Himmel, nichts. Nur weißen Boden unter mir. Atmete ich überhaupt Sauerstoff? Atmete ich überhaupt? Ich bekam Panik und fasste mir an die Brust. Es schlug noch. Ganz langsam. Aber seltsam beruhigend. Erleichtert atmete ich aus. Ich lebte also noch. Ich wollte einatmen. Wollte. Nur ging es nicht. Da war nichts, kein Sauerstoff, keine Luft. Doch mein Herz schlug im selben Takt wie eh und je. Ich schloss die Augen. Ich lebte noch. Ich musste mich an diese seltsame Lebensweise gewöhnen. Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich stehen geblieben war. Die gelbliche Fläche lag nur noch fünf Meter vor mir. Ich glitt drüber. Die sich bewegenden Dinge waren weiter links. Ich lief auf sie zu. Doch zu meiner Enttäuschung waren es keine Lebewesen. Nicht wirklich. Ganz oben waren Fotos von einigen Frauen, die in die Kamera lächelten. Darunter eine Schar kämpfender Katzen. Da drunter das Cover des Buches, welches ich aufgeschlagen hatte. Ich rannte weiter. Ich glitt weiter. Vor mir breiteten sich viele Cover aus, allesamt von Warrior Cats. Ganz weit rechts, fast zu übersehen, waren Hörbücher und E-Books abgebildet. Noch weiter rechts das Logo des Beltz & Gelberg-Verlages. Und darunter eine Internetseite, ebenfalls von Warrior Cats. Warrior Cats, Warrior Cats, Warrior Cats. Alles in dieser Welt schrie nach Warrior Cats. Ich glitt an den Covern vorbei. Die gelbliche Landschaft wollte kein Ende nehmen. Dann, etwas weiter hinten, erschienen schon wieder die Bilder der Frauen, die kämpfender Katzen und das Cover von In die Wildnis. Bloß war jetzt unter allem noch das Foto eines Mannes und die Logos der Verlage Gulliver und Beltz & Gelberg. Ich rannte an ihnen vorbei. Diese Gegend wurde immer seltsamer. Wo war ich? Ich wollte fast schreien, konnte aber nicht. Jetzt waren zwei Katzen zu sehen, denen das Buch In die Wildnis überreicht wurde. Dann eine Frau, der die Hand geschüttelt wurde. Ich erkannte sie als einer auf den vorigen Fotos wieder. Darunter waren wieder alle diese Frauen abgebildet. Ja, abgebildet. Das war das richtige Wort. Dahinter prangten einige Bücher mit der Aufschrift SEEKERS. Es waren Bären darauf zu sehen. Darauf folgten wieder ein E-Book, das FSC-Logo und ziemlich viele Leute, die unterschiedliche Tätigkeiten ausübten. Ich glitt weiter. Meine Füße kribbelten. Als würde gleich etwas außergewöhnliches passieren. Und tatsächlich, ganz oben rechts, war etwas weiter weg etwas unförmiges. Ich glitt schneller. Normalerweise würde mir der Wind um die Ohren sausen, aber das war hier nicht der Fall. Alles war windstill. Nun stand ich direkt vor dem Ding. Es sollte wohl die eckige Form eines Katzenkopfs darstellen, allerdings zog sich ein Blitz diagonal durch. Ich schnaubte herablassend. Wenn das von einem guten Künstler stammen sollte, dann, dann... war das hier der DonnerClan. Ein Zucken durchlief meinen Körper. Aber natürlich! Dies war das Zeichen des DonnerClans, keine Frage. Mit pochendem Herzen lief ich weiter. Eine hübsche, blaugraue Kätzin schwebte in der Luft und drehte sich. Obwohl Katze, war es scheinbar nur ein Schaubild. Ihre dominanten Augen verrieten: Du stehst unter mir! Befolge meinen Befehl! Ich ging weiter und kam an vielen, vielen Katzen vorbei in den unterschiedlichsten Farben. Dann war die Reihe zu ende und ich musste in die Richtung laufen, in die ich eigentlich wollte. Es dauerte lange, bis ich alle Katzen überwunden hatte. Als ich keuchend am Ende stehen blieb, wusste ich nicht mehr, wie lange ich schon in dieser Welt war. Es fühlte sich an wie mindestens zwölf Stunden. Unbewusst schlich ich den Weg weiter. Meine Füße kribbelten mehr denn je. Schon krass, dass die gesamte Hierarchie des ersten Bandes hier aufgezeichnet war. Doch das hier würde noch überraschender werden, das spürte ich.
    Und das wurde es.
    Langsam betrat ich die nächste Schwelle. Sie war besonders groß und in kleinen Buchstaben stand irgendetwas drauf, aber ich wollte es nicht lesen. Ich las kaum, und das sollte sich nicht ändern.
    Langsam trat ich über die Schwelle.
    Der rechte Fuß.
    Der linke Fuß.
    Ich war drüber.

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    Der ((big))PROLOG((ebig)) des Buches Ich sah mich um. Von einer Sekunde auf die nächste war ich in eine völlig andere Welt eingetaucht. Es war Nacht
    Der PROLOG des Buches

    Ich sah mich um. Von einer Sekunde auf die nächste war ich in eine völlig andere Welt eingetaucht. Es war Nacht. Der Halbmond schien auf einige Felsen, die daraufhin silbern glänzten. Überall wuchsen Bäume in die Höhe, Gebüsche versperrten hier und da den Weg. Ein großer, schwarzer Fluss strömte an den Felsen vorbei. Die Bäume ließen ihr Laub knistern. Kein Wesen war zu hören. Nichts geschah. Oder doch. Eine Fliege summte leise und landete auf meiner Hand. Genervt verscheuchte ich sie. Der kühle Nachtwind strich um mich herum. Moment mal – Wind? Ich atmete ein. Ja, es gab Luft! Ich konnte atmen wie ein richtiger Mensch! Neugierig blickte ich in den Wald hinter mir. Er war stockdunkel, nichts war zu sehen. Ich selbst stand hinter einem Gebüsch. Eine Weile passierte nicht. Eine Schnecke kroch neben mir den Baum hoch. Ich bewegte mich nicht, egal aus welchem Grund. Dann geschah etwas. Langsam schlichen viele, schlanke Gestalten aufeinander zu. Ich konnte nicht erkennen, was es waren, aber es war auf keinen Fall normal für diese Tiere. Es ist generell für Tiere seltsam. Plötzlich sprangen die Tiere los. Nasse uns kräftige Leiber prallten gegeneinander und drückten sich zu Boden. Schreie ertönten, Augen blitzten. Ich erschrak, als ich einige Blutspritzer auf den Felsen entdeckte. Aufhören! Diese Worte hätte ich gerne geschrien, aber es ging nicht. Nicht in diesem Moment. An diesem Ort. Ich versuchte, mich zu fassen und konzentrierte mich auf eine der Gestalten, ein großer, dunkelbraun getigerter...
    Kater. Es waren Katzen. Wilde, ungezähmte Katzen. Die so aussahen, als würden sie sich am liebsten vernichten. Ich duckte mich so tief, dass ich gerade noch über das Gebüsch lugen konnte. Gerade drückte der Tigerkater, den ich mir ausgesucht hatte, einen rotbraunen Kater zu Boden. War das etwa der rotbraune Kater auf dem Cover? Ich schüttelte schnell den Kopf. Unsinn. Der auf dem Cover war jünger und mal im ernst: Warum sollte ich einer erfundenen Katze begegnen? Noch dazu einer Clankatze? Jetzt jedenfalls knurrte der Tigerkater und... langsam konnte ich ihn verstehen. Die Katzenlaute verformten sich in meinem Kopf langsam zu Menschenworten. „... du es wagen, auf unserem Territorium zu jagen? Die Sonnenfelsen gehören dem DonnerClan!“
    „Nach heute Nach, Tigerkralle, wird dies ein weiteres Jagdgebiet des FlussClans sein!“
    Ein angst erfüllter Schrei ertönte. „Passt auf! Da kommen noch mehr FlussClan-Krieger!“
    Ich konnte es nicht fassen. Zuerst schlug ich ein Buch auf, landete in einer völlig verrückten Welt, und jetzt war ich bei diesen hyperbrutalen Katzen und konnte ihre Sprache verstehen!
    Ich hörte wieder zu dem Tigerkater, der wohl Tigerkralle hieß. Toller Name. Wer auch immer ihn so genannt hat, er hat keine Fantasie!
    „... du und deine Krieger haben nichts im Wald verloren!“ Er bleckte die Zähne, der Kater unter ihm zappelte. Nach einer Weile sprang Tigerkralle auf und rannte mitten in die Menge auf einen drahtigen Kater zu. Von hier aus konnte ich den Kater nicht so gut erkennen, sah aber, dass der Tigerkater den anderen mit einem Sprung weg stieß, während ihm Blut aus der Nase tropfte. Eklig! Ich konnte nicht hinsehen, war aber wie gebannt von dem Schauspiel, dass sich vor mir bot. Tigerkralle hatte sich trotz seiner Wunde mit den Zähnen in die Hinterbeine seines Gegners gebohrt. Der Kater kreischte auf und schlug nach seinem Kontrahenten, bis er er frei war.
    „Tigerkralle!“, rief ein Kater, der einen auffällig roten Schwanz besaß. Wie der eines Fuchses. Ich wusste nicht, warum mir das so auffiel, aber ich merkte es halt. Da wurde mir bewusst, dass ich auch alles andere viel genauer wahrnahm. „Es ist zwecklos! Es sind zu viele Gegner!“
    „Nein, Rotschweif. Der DonnerClan gibt sich niemals geschlagen!“, tönte es wieder von Tigerkralle, der zu dem Kater mit dem fuchsroten Schwanz sprang. „Dies ist unser Territorium!“ Er schüttelte den Kopf und Blut spritzte über die Felsen.
    Ich schauderte. Ich wiederhole es noch einmal: E-kel-haft!
    Rotschweif redete wieder. „Der DonnerClan wird deinen Mut zu würdigen wissen, Tigerkralle, aber wir können es uns nicht leisten, noch mehr Krieger zu verlieren. Blaustern würde niemals ihre Krieger gegen eine derart gewaltige Übermacht kämpfen lassen. Wir werden eine andere Gelegenheit bekommen, uns für diese Niederlage zu rächen.“
    Oh Gott, wie förmlich er das aussprach! Wenn Menschen mit ihrer Moral tatsächlich gegen Katzen ankommen können, bin ich eine Socke. Moment. Jetzt sprach er wieder. Und diesmal war es nicht mal ein richtiger Satz.
    „Rückzug, DonnerClan, Rückzug!“
    Eine Schar der Gestalten rappelten sich auf und liefen knurrend Kater Moral-und-doch-wieder-nicht zurück. Die anderen Katzen schienen verwirrt. Aber hey, ich fand das hier auch komisch. Kämpfende Katzen? Auf Felsen? Die auf einen einzelnen Kater hörten? Hier stimmt was nicht.
    Die anderen Katzen heulten. Es klang so siegessicher, dass ich mir sicher war, dass sie irgendwas gewonnen hatten. Etwas wichtiges. Aber dann dachte ich an Rotschweifs Worte. Dies war nicht die letzte Schlacht, so viel stand fest. Und garantiert auch nicht die ersten. Die Verlierer, was auch immer, sie verloren hatten, liefen in den Wald hinein und verschwanden in den Schatten der Bäume. Tigerkralle folgte ihnen als letzter. Er sah alles andere als glücklich aus. Im Gegenteil. Er drückte Wut aus. Seine gewaltigen Vorderkrallen gruben sich in den Erdboden. Er war wütend aber zugleich... Er dachte nach. Seine Augen schweiften in die Ferne. Sein Schwanz peitschte auf und ab und fand dann Ruhe. Dann folgte er den anderen Katzen hinein in den Wald. Ich bekam Angst. Dieser Kater plante irgendetwas. Etwas, dass seine Wut vielleicht etwas dämpfen würde. Aber nur vielleicht. Ich wollte ihm folgen. Einen Schritt konnte ich machen, dann packte mich etwas von hinten und riss sich mit sich. Es war nicht wie vorher. Eher wie ein Wasserstrudel. Tropfen umkreisten mich immer schneller. Ich schrie. Eine Welle schlug über mir zusammen. Schreiend wollte ich dagegen an schwimmen, aber meine Kräfte schwanden. Ich werde ertrinken. Dann war auf einmal alles vorbei. Ich hockte in der Astgabel einer mächtigen Eiche mit weiten, ausladenden Ästen. Zitternd klammerte ich mich an dem Ast vor mir fest und presste mich nach vorne. Ich saß in der Hocke. Verwirrt lugte ich zwischen den Blättern hervor. Vor mir öffnete sich eine Lichtung. Am einen Ende stand ein großer Felsen, ansonsten war der Rand mit etwas Gestrüpp verstärkt und große Löcher prangten in der Erde. Mitten auf der Lichtung saß eine blaugraue Kätzin mit blauen Augen, die zum Himmel sah. Zuerst sah ich sie nur unscharf, dann erkannte ich sie. Das war die Kätzin, die ich auch bei den Schaubildern gesehen hatte! Nun trat eine schildpattfarbene Kätzin aus den Schatten hervor. Die graue senkte den Kopf. Sie miaute irgendwas, doch langsam konnte ich auch sie verstehen. „... es Mausefell?“
    „Ihre Wunden sind tief, Blaustern.“ Die jüngere legte sich hin.
    So so. Das war also diese Blaustern.
    „Aber sie ist jung und stark, sie wird rasch wieder gesund werden.“
    „Und die anderen?“
    „Auch die werden sich alle erholen.“
    Ein Seufzen. „Welch ein Glück, dass wir diesmal keinen unserer Krieger verloren haben. Du bist eine begabte Heilerin, Tüpfelblatt.“ Wieder sah sie in den Nachthimmel. „Ich bin sehr beunruhigt wegen der Niederlage heute Nacht. Noch nie, seit ich den DonnerClan führe, ist er auf seinem eigenen Territorium geschlagen worden. Es sind schwierige Zeiten. Die Blattfrische verspätet sich dieses Jahr und es hat weniger Junge gegeben. Der DonnerClan braucht mehr Krieger, wenn er überleben will.“
    Oh ne. Ernsthaft? Formulieren hier alle so?
    „Aber das Jahr hat doch gerade erst angefangen. Es wird mehr Junge geben, wenn die Blattfrische kommt.“
    Moment mal... Blattfrische? Was ist das? Ich schlug mir den Gedanken aus dem Kopf. Ich würde eh keine Antwort bekommen.
    Blaustern zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hast du ja Recht. Aber die Ausbildung von Jungen zu Kriegern dauert ihre Zeit. Wenn unser Clan sein Territorium verteidigen will, braucht er neue Krieger, so bald wie möglich.“
    „Suchst du nach Antworten beim SternenClan?“
    SternenClan? Was war das denn schon wieder? Mir wurde mulmig zumute. Wo war ich hier überhaupt? Ich wollte hier weg! Doch so sehr ich diesen rätselhaften Ort doch verabscheute, musste ich mir gestehen, dass ich ebenso fasziniert von ihm war. Einige Blätter knisterten um mich herum. Ruhig atmete ich ein. Ich blickte wieder nach draußen zu den beiden Katzen.
    „... Zeiten brauchen wir die Worte der alten Krieger, damit sie uns helfen. Hat der SternenClan zu dir gesprochen?“ Das war Blaustern.
    „Nicht in den letzten Monden.“
    Plötzlich leuchtete eine Sternschnuppe am Himmel auf. Ich wünschte mir nichts. Das sind doch nur Märchen. Und wer weiß, ob diese Welt überhaupt existiert.
    Der Schwanz der Kätzin namens Tüpfelblatt zuckte und ihr Rückenfell sträubte sich.
    Blaustern spitzte die Ohren.
    Tüpfelblatt senkte den Kopf und murmelte: „Das war eine Botschaft vom SternenClan. Nur Feuer kann unseren Clan retten.“
    „Feuer? Aber alle Clans fürchten das Feuer! Wie kann es uns retten?“
    Auch ich war verwirrt. Sollten sie die Wälder der anderen Clans abfackeln? War es das?
    Tüpfelblatt schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Aber das ist die Botschaft, die der SternenClan mir mitgeteilt hat.“
    Blaustern sah sie an. „Du hast dich noch nie geirrt, Tüpfelblatt. Wenn der SternenClan gesprochen hat, dann muss es so sein. Feuer wird unseren Clan retten.“
    Ich rätselte. Feuer wird den Clan retten? Was bedeutete das? Aber Moment mal – hieß die Prophezeiung nicht Feuer kann unseren Clan retten? Warum dachte ich plötzlich etwas anderes?
    Da wurde mir auf einmal einiges klar. Zitternd krallte ich mich in den Ast vor mir. Die Wörter spukten nur so in meinem Kopf herum. Kampf. Tigerkralle. Feuer. Kampf. Tigerkralle. Feuer. Feuer wird den Clan retten. Blaustern. Tüpfelblatt. Lichtung. Clan. Feuer. Feuer kann unseren Clan retten. Feuer wird den Clan retten.
    Mir wurde schwindelig.
    Ich war nicht irgendwo.
    Ich war nicht in irgendeiner Welt.
    Ich war an keinem Ort.
    Ich war in dem Buch.
    Warrior Cats.
    In die Wildnis.
    Da erfasste mich der Strudel von hinten und zog mich mit sich.

article
1470152080
UNDER COVER - Gefangen in Büchern
UNDER COVER - Gefangen in Büchern
Vannessa ist ein ganz normales, zwölfjähriges Mädchen, mal abgesehen von ihrer Freundin Lea, der größten WarriorCats-Fanatikerin überhaupt. Als sie schließlich doch mal In die Wildnis aufschlägt, passiert etwas, dass ihr Leben verändern wird...
http://www.testedich.de/quiz43/quiz/1470152080/UNDER-COVER-Gefangen-in-Buechern
http://www.testedich.de/quiz43/picture/pic_1470152080_1.jpg
2016-08-02
406A
Warrior Cats

Kommentare (22)

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Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 446 Tagen
Ich werde bald weiter schreiben!!!!!
Mina Atli ( von: Mina Atli)
vor 460 Tagen
Super mega nice Story!!
Du bist echt gut!
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 472 Tagen
Sorry sorry sorry das ich nicht weiter geschrieben hab! Ist in letzter Zeit sehr schwer für mich, wirklich! Sorry sorry sorry...
Birkenherz (14223)
vor 480 Tagen
Hoffentlich seeeeeehr bald
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 484 Tagen
Ich guck mal, wann ich in nächster Zeit Zeit habe... Moment mal, in meinem letzten Kommentar stand, dass es im 1. Kapitel passieren würde! Sorry Leute, hab mich verschrieben, es passiert erst im 5.
Hellstern ( von: Hellstern_Helli)
vor 484 Tagen
Okay ^^ Mann o mann xD Ich bin so gespannt, wie es wohl weiter geht ^-^
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 485 Tagen
Wird aber erst in der Zeit vom ersten Kapitel von In die Wildnis passieren, bis dahin geschieht erstmal nicht so viel, denk ich.
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 485 Tagen
Keine Sorge, ich hab schon längst einen Plan, wie es weitergeht, jemand anders kann in das Buch hinein sehen, aber jemand anderes...
Regenwasser (71662)
vor 486 Tagen
Super Geschichte! Bitte schreib schnell weiter! Schön wäre es, wenn die Katzen Vanessa irgendwann bemerken. Das könnte dann noch interessanter werden, als wenn du nur beschreibst, wie sie das erste Buch sieht. Außerdem frage ich mich ob Vanessas freundin auch durch die Welt des ersten Bandes hin durch spaziert wie Vanessa.
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 496 Tagen
Mal sehen, wenn ich Zeit hab. Morgen schon mal nicht, voraussichtlich am Wochenende.
Und danke für alle eure Kommentare, ich war positiv sehr überrascht, sie zu sehen. Danke!
Hellstern ( von: Hellstern_Helli)
vor 496 Tagen
Also mir ist bis jetzt nichts derartiges aufgefallen. Wann schreibst du weiter? ^-^
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 496 Tagen
Gibt es noch Verbesserungsvorschläge?
ami (g.) :) ( von: ami (g.) :))
vor 496 Tagen
Ich freue mich schon auf das nächste
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 497 Tagen
Danke :) :) :) :) :)
ami (g.) :) ( von: ami (g.) :))
vor 497 Tagen
Oh,super cool,und spannend.Das neue Kapitel ist voll gut.
Rotpelz (79531)
vor 497 Tagen
Aha, interessant...immer hin kannst du gut schreiben...
Hellstern ( von: Hellstern_Helli)
vor 497 Tagen
Sehr cool! Ich will gleich wissen, wie es weitergeht xD
ami (g.) :) ( von: ami (g.) :))
vor 499 Tagen
Juhu,ich freu mich schon.Jey!!!
Hellstern ( von: Hellstern_Helli)
vor 499 Tagen
Sehr cool! Ich bin davon überzeugt, dass das eine sehr Tolle Geschichte wird :) Bitte schreib unbedingt weiter! :3
Sonnenuntergang ( von: Sonnenuntergang)
vor 500 Tagen
Der nächste Teil wird morgen oder übermorgen rauskommen oder später.