Lily Allenson - Untrennbar (Kapitel 17)

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1 Kapitel - 1.548 Wörter - Erstellt von: Adhara - Aktualisiert am: 2016-07-08 - Entwickelt am: - 441 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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    »Boss? «, Martha stupste mich drängend an. »Du bist dir sicher, dass das hier der richtige Weg ist, oder? « »Das ist New Jersey, verdammt. Und i
    »Boss? «, Martha stupste mich drängend an. »Du bist dir sicher, dass das hier der richtige Weg ist, oder? «
    »Das ist New Jersey, verdammt. Und ich bin der Götterbote. Ich verlaufe mich nicht. «, entgegnete ich mürrisch.
    Ich lief hier schon seit Stunden herum und war etwas kratzbürstig. Jedenfalls hatte ich nicht viel Lust, mich auch noch mit zwei besserwisserischen Schlangen zu streiten.
    »Aber das tust du ja gerade eben. « George mischte sich ein. »An diesem Hotdog-Stand sind wir schon viermal vorbeigelaufen. «
    »Das sind andere Hotdog-Stände. Die sehen hier nur alle gleich aus. «
    »Nein, ich bin mir ganz sicher. Da ist dieser Senffleck, der aussieht wie Gandalf. «
    Zum ersten Mal seit Stunden blieb ich stehen. »Jetzt mal im Ernst: Wollt ihr mich veräppeln? Ein Senffleck, der aussieht wie Gandalf?«
    Bevor irgendjemand etwas erwidern konnte hörte ich ein Geräusch aus dem Stadtpark, an dem wir angehalten hatten. Es klang ein wenig wie das Krächzen eines Raben.
    Neugierig sah ich mich um. Das Geräusch schien mir in erster Linie nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich war eher, so etwas in einer Großstadt zu hören.
    Ich war eigentlich immer in einer ländlichen Region aufgewachsen. Nur durch die schnelle Industrialisierung hatte ich mich anpassen müssen. Aber ich musste sagen, dass mir die technologischen Erfindungen der Sterblichen durchaus zusagten.
    Nach einer Weile bemerkte ich, dass da auf einem Baum tatsächlich ein großer Rabe saß, der mich eigentlich viel zu intensiv musterte.
    Ich fragte mich ernsthaft-
    »Hallo Hermes. « Eine menschliche Stimme ertönte aus dem Raben. Ich machte einen Satz nach hinten und schrie einige Oktaven höher als geplant.
    Plötzlich kam aus Richtung des Raben ein sehr menschliches und sehr bekanntes Gekicher.
    »Oh das war natürlich sehr männlich! «, sagte die Stimme schrill.
    »Persephone, was habe ich dir gesagt? «, entgegnete eine männliche Stimme sehr genervt. »Das ist ein Botenrabe und nicht Skype! Du nimmst dem Ganzen doch die Theatralik! «
    »Oh, jetzt sei doch nicht so ein Spielverderber! « Ich konnte die Beiden zwar nicht sehen, war mir aber ziemlich sicher, dass Persephone schmollte.
    »Hallo Onkel. «, sagte ich zähneknirschend.
    »Neffe! « Hades klang erfreut. »Du scheinst die erste Aufgabe erledigt zu haben. «
    »Ich muss noch einmal in die Unterwelt. « Ich beschloss gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Vielleicht würde er keine Fragen stellen, wenn ich ihn nur genug überraschen könnte.
    »Was? Wieso?« Mein Onkel klang ernsthaft überrascht. »Ich dachte, du wolltest schleunigst zu deiner nächsten Aufgabe! Ich meine, die Zeit läuft! Lily braucht deine Hilfe! « Oder auch nicht.
    »Es ist der 31. Januar. Ich habe noch genügend Zeit. «, entgegnete ich.
    Er musterte mich misstrauisch. »Was könnte dir nur wichtiger als Lily sein?«
    »Es ist mir nicht wichtiger als sie! «, entfuhr es mir. Ich versuchte meine Stimme zu senken, da die Leute schon zu uns hinüber starrten. »Es wird nicht lange dauern. Mr Calderon wurde doch noch nicht zum Fluss Lethe geführt, oder? «
    »Nein, nein, noch nicht…« Hades klang ernsthaft verwirrt.
    »Gib mir 10 Minuten, dann bin ich wieder bereit für die nächste Mission. « Ich hasste es, so bettelnd klingen zu müssen, aber anscheinend verstand Hades nicht, warum mir das so wichtig war.
    »10 Minuten. «, sagte Hades mahnend. »Nach 10 Minuten wirst du sofort wieder hierher teleportiert. «
    Bevor ich etwas entgegnen konnte, flog der Rabe auf mich zu. Er flatterte mit seinen Flügeln und verlor immer mehr Federn, bis er mich mit der schwarzen weichen Masse umhüllte. Lange Zeit sah ich nur schwarz. Doch dann schälte sich eine Fackel aus der Dunkelheit. Als Zweites sah ich dann endlich Mr Calderon, einen Geist im Rentenalter.
    »Du! «, zischte er und stieß auf mich zu. Plötzlich blitzten Röhren aus Glas auf. Sie sahen aus, als ob sie mit reiner Elektrizität gefüllt wären. Mr Calderon zuckte zurück als er sie berührte.
    »Ich habe ihrer Frau den Ring zurückgebracht. « Ich lächelte traurig.
    Mr Calderon sah zu Boden und mied meinen Blick. Er ballte die Hände zu Fäusten und sie zuckten unentschlossen. »Danke. «, knurrte er.
    Dann sah er wieder auf und schien durch meine Augen direkt in meine Seele blicken zu können. »Aber das ändert nichts daran, dass ihr selbstsüchtig und falsch handelt. «
    »Ich kämpfe dennoch auf der Seite der Olympier. Ich gebe nur meine Unsterblichkeit ab. «
    »Aber versteht ihr denn nicht? Ihr bringt das natürliche Gleichgewicht durcheinander! Wer weiß denn schon, welche Auswirkungen das haben wird? Gerade jetzt haben die Olympier doch schon genug Probleme! Ihr lasst sie allein. Sie sind eure Familie! Ist Euch das denn gar nichts wert? «
    »Ich weiß nicht, welche Auswirkungen das haben wird. «, sagte ich ruhig. »Aber Veränderungen gab es doch auch bei den Olympiern schon vorher. Hestia gab einst ihren Sitz für Dionysos ab und es ist dennoch nichts geschehen. «
    »Sind Sie sich da ganz sicher? Das Machtgefüge hat sich damals schon verschoben. Früher gab es genauso viele Göttinnen wie Götter. Weiblichkeit und Männlichkeit befanden sich im Gleichgewicht, aber seit Hestia den Kreis der Olympier verlassen hatte, wurden die Frauen diskriminiert. Sie hatten seitdem nicht mehr viel zu sagen. «
    »Woher wissen sie das alles? «, fragte ich verwundert.
    »Ich war Altertumsforscher, du dummer Narr! Bleib beim Thema, verdammt noch einmal! « Mr Calderons Augen traten aus ihren Höhlen. »Was wird passieren, wenn Sie beschließen mir nichts dir nichts all Ihren Verpflichtungen zu entsagen und ein friedlichen Leben zu führen? Was passiert, wenn ihr versucht, Eure Familie zu meiden? Wer wird Botschaften überbringen? «
    »Iris? « Es klang mehr wie eine Frage.
    »Die will ein neues Hippie-Astro-Öko-Imperium errichten! Sie will nichts mehr mit Zeus und seiner Familie zu tun haben. Sie muss ja ihre Individualität ausleben. Hat sich nie verehrt oder gewürdigt gefühlt, meint sie. Ist das eure Teenagerphase? Eure Art auszubrechen? Denn es ist ganz und gar kindisch. Von Euch hätte ich das als allerletztes erwartet. Dass Ihr all diese Menschen im Stich lassen würdet! « Er schnaubte, doch jetzt klang seine Stimme nur noch resigniert und enttäuscht. »Ihr hört doch sowieso nicht auf mich, nicht wahr? Ich bin nur ein dummer, dummer Sterblicher! Ich kenne nicht die Last der Ewigkeit! « Er spuckte die letzten Worte aus. »Lasst mich nun allein. Ich will Euch nie wieder sehen. «
    Die letzten Worte hatten sich für mich wie Schläge angefühlt. Er hatte genau das ausgesprochen, was ich die ganze Zeit gedacht hatte. Was ich immer mit mir herumgeschleppt hatte. Doch die Bestätigung zu hören, ließ es noch mehr zur Realität werden. Mein Magen fühlte sich wie ein eisiger Klumpen an. Aber dennoch zeigte ich ihm nur mein marmorhartes, ausdruckloses Gesicht. Dann wurde ich wieder nach New Jersey teleportiert.
    Es dauerte eine Weile, bis ich mich an das helle Tageslicht gewohnt hatte, aber auch danach rührte ich mich nicht. Tief in meiner Seele schrie ich. Da wollte ich wegrennen. Da wollte ich meine Fingernägel tief in mich hineinbohren und alles Schlechtes herausziehen. Stattdessen stand ich nur reglos da und starrte vor mich hin. Ich blinzelte nicht einmal. Selbst jetzt, da Etwas in mir zerbrach, selbst jetzt weigerte ich mich, mein Gesicht aus Marmor abzulegen und irgendwelche Gefühlsregungen zu zeigen.
    »Wieso hast du das getan? Wieso wolltest du unbedingt mit Mr Calderon sprechen? Hat es dir neue Eindrücke verschafft? Hast du etwas erfahren können, was du nicht schon vorher wusstest?«, fragte George spöttelnd.
    »Nein. «, sagte ich nüchtern. »Ich hatte gehofft, ihn überzeugen zu können, dass ich das Richtige tue. « Ich hatte das Gefühl, jemand anderes reden zu hören.
    »Warum ist es dir denn so wichtig, was andere Leute von dir denken? Denkst du denn nicht, dass du das Richtige tust? «
    »Ich weiß es nicht. Das ist ja das Problem. « Zum ersten Mal bekam der Marmor Risse. Ich hatte das Gefühl, dass man all meine Zweifel und meine Last aus meinen Augen ablesen konnte.
    »Wirst du das trotzdem noch durchziehen? «
    »Ja.« In diesem Moment gab es einfach keinen Platz mehr für Zweifel. Ich reparierte meinen Marmor. Nicht anhalten. Nicht zweifeln. Weitermachen.
    Ich hoffte nur inständig, dass ich, wenn ich Lily das nächste Mal sehen würde, ihr auch in die Augen blicken konnte.






















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1467927655
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2016-07-07
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Percy Jackson

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