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Das dunkle Reich

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1 Kapitel - 5.112 Wörter - Erstellt von: Akemi Mizuki - Aktualisiert am: 2016-07-06 - Entwickelt am: - 628 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die New Yorkerin Helen White ist ein junges Mädchen, die schon früh mit all den Problemen des Lebens klarkommen musste. Ihr Bruder lag in einer Art Koma und eines Tages bangen Helen und ihre Mutter um sein Leben.
Helen konnte das Alles nicht mitansehen und lief weg. Eine Höhle in einem Park zog ihre Aufmerksamkeit auf sich und nichtsahnend landete sie in einer anderen Welt.

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    Kapitel 6 habe ich noch einmal dazugefügt, ich hoffe es gefällt euch und ja, ich weiß, es hat was länger gedauert, aber jetzt sind noch einige Kap



    Kapitel 6 habe ich noch einmal dazugefügt, ich hoffe es gefällt euch und ja, ich weiß, es hat was länger gedauert, aber jetzt sind noch einige Kapitel drauf gekommen.:)






    Kapitel 6

    "Meine schöne Helen, Ihr seht umwerfend aus", sagte der König, nahm meine Hand und küsste sie. Okay? Merkwürdig war es schon, aber wieso sollte es denn auch nicht komisch sein? Ich war in einem dunklen Königreich, in einer anderen Welt, oder Zeit oder was auch immer, in einem umwerfenden Kleid, auf irgendeinem Fest und fühlte mich wie im falschen Film. Ich nickte ihm bloß zu, denn ich wusste nicht, wieso ich ihm überhaupt antworten sollte, immerhin hielt er mich hier fest. "Kommt mit mir, Helen, und setzt euch an den Tisch" Er hielt mir seinen Arm hin, aber ich ging an ihm vorbei. Ich spürte den Blick des Königs in meinem Rücken, genau wie die Blicke all der Anderen. Einen Blick fing ich auf, es war die junge Frau mit dem roten Kleid, die Gabriel mit Blicken aufgefressen hatte. Tuscheln wurde am Tisch laut und plötzlich spürte ich eine Hand um meiner Taille. Als ich aufblickte, sah ich in ein grünes und ein blaues Auge, die mich aus dunklen, dichten Wimpern wütend anstarrten. "Was um alles in der Welt sollte das?", zischte er mich an. Ich antwortete nicht, denn er hatte mich eben noch umbringen wollen. Der König trat an meine Seite und führte mich ans Ende des Tisches. Am Kopfende war sein Platz, meiner war an seiner linken Seite und Gabriels an seiner Rechten. Neben ihm saß die junge Frau, die mich mit einem überlegenen Blick ansah. "Helen, das hier ist Ophelia, die Fürstentochter eines verstorbenen Freundes. Sie ist eine begabte Tänzerin", sagte er und schenkte ihr ein Lächeln. Sie lächelte zurück und blickte dann zu Gabriel, der mich grüblerisch anschaute. Stirnrunzelnd erwiderte seinen Blick, wurde aber schnell von Ophelia abgelenkt. "Und woher kommt Ihr?" Ihre Stimme war rauchig und verführerisch, ihre Augen dunkelgrün und ihre Haut gebräunt. Kurz, sie war umwerfend und sie wusste es. "New York", sagte ich knapp. Sie runzelte die Stirn und sah verwirrt aus. "Wo liegt das?" "Weit weg", gab ich zurück und lächelte sie sarkastisch an. Sie merkte natürlich, dass ich das nicht ernst meinte und blickte mich arrogant an. "Und ... was macht Ihr in Eurer Freizeit, Helen?" Der König blickte mich neugierig an, genau wie dreidutzend andere Menschen. "Ich male", sagte ich und schaute auf meine Hände. Ich redete nicht allzu oft darüber, seitdem das mit meinem Bruder passiert war, hatte ich kaum noch gemalt, ich hatte einfach keine Ideen mehr. "Das ist sehr interessant, was malt Ihr denn so?" Ophelia sah mich gespielt neugierig an. "Alles Mögliche", antwortete ich und lächelte gekünstelt zurück. Ein Kellner kam und bracht mir ein Glas Rotwein. "Ich darf noch keinen ...", setzte ich an und in diesem Moment meldete sich Gabriel nach langer Zeit zu Wort. "Auf einen angenehmen Abend", sagte Gabriel und hob sein Glas an. Alle am Tisch hoben ihr Glas feierlich hoch und ich machte es ihnen nach. Wenn ich nur wüsste, wie ich hier heraus kam. Plötzlich tranken auch noch alle aus dem Glas und ich tat es ihnen gleich. Iiih gitt, das war widerlich! Ophelia bemerkte meine Reaktion und verdrehte die Augen. "Auf die schöne Helen, unsere Waffe" Ich verschluckte mich und riss fragend die Augen auf. "Waffe? Für wen oder was?" Was ist jetzt hier los? "Die Prophezeiung", sagte Ophelia und schnalzte mit der Zunge. Lucinda hatte eben etwas von einer Prophezeiung gesagt, aber ich hatte nicht mehr daran gedacht. "Was hat es mit dieser Prophezeiung auf sich?", fragte ich und blickte den König an. "Ist das der Grund, warum ihr mich hier gegen meinen Willen festhaltet?" Dieses Mal guckte ich zu Gabriel und funkelte ihn wütend an. "Helen, meine Schöne, in dieser Prophezeiung geht es um Euch und wie Ihr meinem Reich helfen werdet." Der König trank einen Schluck von diesem grauenhaften Rotwein und schaute mir in die Augen. "Ich weiß nicht, ob ihr was nicht mitbekommen habt, aber ich bin bloß ein normales Mädchen, aus einer riesigen Stadt. Ich bin sechzehn Jahre, ich geh noch in die Schule, ich muss nach Hause, okay?" Den letzten Satz rief ich durch den ganzen Saal. Der König sah mich entgeistert und völlig bloßgestellt an. Ophelia sah aus als würde sie sich schämen, lächelte aber unter vorgehaltener Hand. Aber Gabriel war es, der aufstand und zu mir kam. "Wir gehen jetzt mal kurz frische Luft schnappen", zischte er mir ins Ohr und packte mich am Arm. Ich wusste nicht, wie ich hier entkommen sollte. Die Blicke, der Anderen ignorierte ich, stattdessen überlegte ich, wie ich hier rauskam. Zuerst musste ich mich hier im Schloss umschauen, mich mit den Fluren vertraut machen, vielleicht geheime Türen finden, egal was, Hauptsache ich kam hier raus. Aber dann wusste ich auch nicht wie ich zurück nach New York kommen sollte, ich wusste nicht mal, ob ich den Weg zu dieser Höhle finden würde. Ich blickte zu Gabriel, er sah wütend aus und ich vermutete, dass er mich gleich ziemlich übel anschreien oder mir drohen würde, mich umzubringen. Das konnte er aber anscheinend auch nicht, ich war so etwas, wie unantastbar für ihn und für jeden anderen auch, denn ich war für dieses Reich aus irgendeinem Grund wertvoll.
    Gabriel schleppte mich aber in einen anderen Teil des Schlosses, zu einem Turm. Wollte er mich jetzt darin einsperren? "Wo bringst du mich hin?", fragte ich leicht panisch, denn sein Blick war nicht mehr wütend, sondern beherrscht und ausdruckslos. Er antwortete mir wieder einmal nicht und starrte weiter nach vorne. Im Turm war es eiskalt und mein Atem formte Wölkchen. "Wo sind wir hier, Gabriel? Wenn man mich hier festhält, dann will ich wenigstens in dieses Zimmer, wo es nicht gerade so gruselig war", flüsterte ich und presste meine Arme gekreuzt vor meine Brust. "Mein liebes Mädchen, es ist schön Euch endlich kennenzulernen. Nach all der langen Zeit, wo die Prophezeiung besteht. Kommt näher zu mir, lasst mich Euch ansehen." Ich trat näher an sie heran, dicht gefolgt von Gabriel. Er schien sich nicht ganz wohl in seiner Haut zu fühlen und ich wusste nicht ob es an dieser Atmosphäre lag, oder an dieser Frau, deren Stimme im Kopf nachhallte. "Wer sind Sie?", fragte ich diese seltsame Dame. "Ich bin das Orakel des Königs", sagte sie leise und doch war ihre Stimme laut und schallte durch den Raum. Ich ging noch näher an sie heran und entdeckte, was an ihr so seltsam aussah. Sie hatte keine Augen, sie hatte statt Augen, schwarze Höhlen, die einen anstarrten. Panik und Angst stieg in mir hoch und ich wich einen Schritt zurück und knallte gegen Gabriel. " 'tschuldige", murmelte ich und widmete diesem Orakel wieder meine Aufmerksamkeit. "Ihr seid die Auserwählte, die über dieses Reich und über aller Leben entscheiden wird", verkündete sie und starrte mich direkt, aus diesen schwarzen Augenhöhlen, an. "Ich? Die Auserwählte? Da muss doch ein Fehler vorliegen! Ich bin bloß ein normales Mädchen, ich kann nichts Besonderes, ja, ich habe nicht einmal eine dieser typischen Freundinnen, die jedes Mädchen in meinem Alter hat. Ich bin niemand besonderes, ich will eigentlich nur nach Hause. Meine Mom wartet auf mich und mein Bruder ... ich muss nach Hause sonst ... sonst stirbt er vielleicht", flüsterte ich am Ende und Tränen liefen mir über die Wangen. Plötzlich begann ich zu schluchzen, ich konnte mich einfach nicht mehr bremsen und fing hemmungslos an zu weinen. Es war einfach nur unangenehm vor anderen Menschen zu weinen und es war armselig, wie ich hier stand. In diesem Moment fühlte ich mich noch einsamer, als je zuvor. Auf einmal spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und ich sah auf. Gabriel sah zum ersten Mal ratlos aus und hielt mir ein Taschentuch hin. Großzügig schnützte ich hinein und wischte meine Tränen weg. Seitdem ich hier war, war dass das Netteste, was er je für mich getan hatte. "Ihr seid die Auserwählte und ich spreche mein Beileid aus, für das, was Euch widerfährt in dieser Zeit. Aber Ihr habt eine Aufgabe und Ihr müsst sie bewältigen, um jeden Preis. Gabriel Morgenstern wird Euch beschützen, Ihr müsst Euch vor nichts und niemanden fürchten", sagte sie ruhig und ohne jegliche Emotionen. Warum waren alle hier nur so gefühlskalt? Und Gabriel sollte mich beschützen? Er war der Einzige, vor dem ich mich wirklich fürchtete. Denn ich glaubte seiner Drohung, dass er mich einfach so töten konnte, nur das mit dem Leben aussaugen wollte ich nicht so genau wissen. "Das heißt ihr haltet mich alle hier fest und ich werde erst nach Hause kommen, wenn ich diese Prophezeiung erfüllt habe?" Ich schaute sie völlig entgeistert an und hoffte, dass es nicht wahr war, aber tief in mir wusste ich, dass ich nicht hier heraus kam. "So ist es, Helen White, aus New York", sagte sie ruhig und gleichgültig. "Jetzt kommt wieder mit, Mensch", knurrte Gabriel leise und packte meinen Arm. Er zog mich hastig die Treppen des Turms hinunter und weiter den Flur in den Haupteingang. "Ich habe auch einen Namen", fauchte ich ihn zurück an. Der König wartete im Eingangsbereich auf uns und schaute verwirrt drein. "Ihr wart beim Orakel? Ach, das tut es jetzt nicht zur Sache! Gabriel bringt Euch jetzt auf Ihr Zimmer und wacht über Euch. Ihr scheint sehr aufgewühlt zu sein" Er sah seinen Sohn bedeutsam in die Augen und der führte mich zurück in mein Zimmer, an all den Kunstwerken vorbei. Und dann wurde es mir endgültig klar. Ich kam nicht hier heraus, sei denn, ich musste einen anderen Weg finden.

    Kapitel 7

    Das Zimmer war wie ich es verlassen hatte, mit seinem Himmelbett, dem riesigen Schrank und dem weißen Marmorboden. Im Kamin brannte noch immer kein Feuer und es war irgendwie kühler, als vorher. Auf dem Bett lag ein weißes Nachthemd, es bestand aus feinem weißen Stoff und Spitze. Eigentlich ganz hübsch, wäre ich nicht so aufgebracht und so müde. "Macht Euch für das Bett fertig", befahl Gabriel und lehnte sich gegen die Wand. "Du brauchst mir nicht zu sagen, was ich tun soll!", knurrte ich ihn wütend an. Er ignorierte mich erneut und betrachtete die gegenüberliegende Wand sehr interessiert. Ich schnappte mir das Nachthemd und verschwand ins Bad. Es sah komisch an mir aus. Es machte mich noch blasser, als ich ohnehin schon war. Mein Haar floss noch so perfekt über meinen Rücken, wie vorhin, als ich dieses umwerfende Kleid trug. Doch meine dunkelblauen Augen waren müde und trüb. Als ich hinausging, stand Gabriel immer noch an der Wand und ignorierte mich gekonnt. Aus irgendeinem Grund wurde es immer kühler im Raum. Ich ging zum Kamin und legte Holz hinein, aber ich wusste nicht, wie ich das Feuer anbekommen sollte. Seufzend ließ ich mich auf den Boden vor dem Kamin auf die Knie fallen und frierte am ganzen Körper. Ich hörte Schritte hinter mir und drehte mich um. Gabriel stand hinter mir und blickte auf mich herab. Seine eigenartigen Augen sahen mich direkt an, aber was er dachte, konnte ich unmöglich sagen. Er kniete sich neben mich und plötzlich bildete sich auf seiner Handfläche eine Flamme. Erschrocken riss ich meine Augen auf und starrte auf die kleine Flamme, die auf seiner Haut tanzten. Die Flamme wurde immer größer und bedeckte seine ganze Handfläche. Auf einmal schoss das Feuer auf das Holz im Kamin und sofort fing es Feuer. Schockiert blickte ich zwischen dem Feuer und Gabriel hin und her und war auch fasziniert, obwohl ich eigentlich Angst haben sollte. "Wie ... wie hast du das gemacht?", flüsterte ich, denn ich hatte Angst, dass meine Stimme vor Überraschung abbrach. Zuerst antwortete er nicht, aber dann sah er mich an. "Ihr Menschen seid so simpel", sagte er bloß und schaute erneut ins Feuer. "Ja, ja, wir Menschen sind Gefühlspakete, bla, bla, bla. Aber was bist du dann?" Ich hob eine Augenbraue und sah ihn skeptisch an. "Redet nicht so herablassend mit mir!" Seine Augen funkelten mich gereizt an. "Ich beherrsche einige Elemente", murmelte er und blickte wieder ins Feuer. "Also bist du so etwas wie der Avatar oder was?", sagte ich und versuchte ein Lachen zu unterdrücken. Irgendwie war es witzig, sich ihn vorzustellen mit einer Glatze und einem blauen Pfeil auf dem Kopf. "Ich weiß nicht, was Euch daran so amüsiert, aber ich kann Euch sagen, dass ich kein Avatar bin. Ich stamme von Göttern ab" Er stand auf und setzte sich auf den Schreibtisch. Okay, wenn man ihn so ansah, konnte er nur ein Gott oder göttlicher Abstammung sein. Ich meine, so sah kein normaler, junger Mann aus! "Und von welchem Gott stammst du ab?" Irgendwie wunderte mich nichts mehr hier. Ich war zwar erst einen Tag hier, aber es kam mir so vor, als hätte ich das Alles schon einmal gesehen. Es war eigenartig! Das erste Mal an diesem Tag fühlte ich mich so, als kannte ich das hier. Aber das konnte nicht sein! Vielleicht wachte ich gleich auf und würde über all das hier lachen. Ich hoffte zumindest, dass das ein Traum war. Sonst wüsste ich auch nichts mehr. "Ich stamme von Loki ab. Von dem habt Ihr doch wohl gehört", sagte er und blickte mich prüfend an. "Ja, von dem habe ich gehört", murmelte ich und wusste nicht, ob ich mich fürchten sollte, oder nicht. Aber, nach alldem, was ich in Geschichte gelernt hatte über die germanische Mythologie und von den Filmen Thor und Thor- The dark kingdom, wusste ich, dass Loki böse war. Sehr böse. Und Gabriel war auch böse, also passte es doch! Das Feuer wärmte jetzt langsam den Raum und es war nicht mehr so kühl wie vorher. Ich stand jetzt auf und setzte mich auf das Bett. Es war weich und gemütlich und riesig. Ich wirkte winzig auf diesem riesigen, weißen Laken und blickte zu Gabriel rüber. Er blickte mich stumm an und ich fragte mich wieso. "Was ist?", fragte ich nach einiger Zeit, weil es mich nervös machte, wenn er so guckte. "Was meint Ihr?", fragte er und sah mich kalt an. "Wieso guckst du mich so an?", fragte ich und hob die Augenbrauen. "Ich frage mich wie ein Mensch, wie Ihr, unsere Welt retten soll", antwortete er. Ein Mensch wie ich? "Ich bin auch nicht gerade begeistert", antwortete ich schnippisch zurück. "Und wieso sitzt du eigentlich hier so blöd rum? Hast du nichts Besseres zu tun, als mir auf die Nerven zu gehen und mich so herablassend anzusehen?" Er nervte mich einfach nur. Ich wurde noch wahnsinnig, wenn er weiter so mit mir redete, als wäre ich Abschaum. Er war so arrogant! Plötzlich stand er auf und kam auf mich zu. Okay, ich hätte es netter ausdrücken können, dass er mich nervte, aber jetzt war es zu spät. "Was fällt Euch eigentlich ein? Wir geben Euch Herberge, ein Dach über den Kopf und Essen", knurrte er wütend. "Eigentlich hatte ich kein Abendessen, du hast mich vorher ..." Ich verstummte, denn er sah aus, als würde er jeden Moment einen Wutanfall bekommen. "Ihr seid die nervtötenste Person, die mir je untergekommen ist." "Und du bist die arroganteste Person, die mir je untergekommen ist", zischte ich ihn zurück an. Für einen Moment lieferte ich mir ein Blickduell mit ihm. Aber irgendwann wurde sein Blick unangenehm und ich sah weg. Den Blick von jemandem so lange erwidern, konnte ich einfach nicht. Und schon gar nicht, wenn es jemand mit solch seltsamen Augen war. Ich blickte wieder auf und sah dieses Mal unverhohlen in seine Augen. Das linke Auge war grün und das Rechte blau. Durch beide Augen verliefen braune Linien, was sie noch seltsamer erscheinen ließ. Sie sahen mich so kalt an, dass ein unangenehmer Schauer über meinen Rücken lief. "Warum sind deine Augen so eigenartig?", platzte ich heraus. Kurz sah er mich überrascht an, doch schnell fing er sich wieder und sein Blick wurde ausdruckslos. "Schlaft jetzt", befahl er mir und wandte mir den Rücken zu. Noch einen kurzen Moment sah ich ihn an, dann deckte ich mich unter dem weißen Lacken zu. Der Raum wurde mit einem Mal dunkler und das Einzige, was ich noch erkennen konnte, war das Feuer im Kamin. Gabriel war nicht mehr zu sehen, es war so, als wäre er komplett mit der Dunkelheit verschmolzen. Trotzdem spürte ich seine Anwesenheit. Ich schloss meine Augen und versuchte einzuschlafen und aus diesem Albtraum aufzuwachen. Lange wälzte ich mich hin und her, doch ich bekam kein Auge zu. Immerzu dachte ich an meinen Bruder Nathan und an meine Mom. Ob Mom sich sorgen machte? Ob sie die Polizei gerufen hatte? Wie es Nathan ging, ob er überhaupt noch lebte? All diese Fragen schwirrten mir durch den Kopf und auf keine Einzige hatte ich eine Antwort. Tränen rollten mir über die Wangen und stumm begann ich zu weinen.

    Kapitel 8

    Ich musste doch irgendwann eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte, war das Zimmer hell erleuchtet. Im Kamin war das Feuer erloschen. Sofort setzte ich mich auf und erschrak. Da stand Lucinda und lächelte mich freundlich an. "Guten Morgen", murmelte ich und gähnte. "Einen guten Morgen wünsche ich Euch auch, Lady Helen", sagte sie. "Nenne mich einfach Helen", sagte ich und lächelte sie an. "Der König erwartet Euch zum Frühstück, ich muss sie jetzt vorbereiten", sagte sie und zeigte auf ein cremefarbenes Kleid, das auf der Stuhllehne hing. Es bestand ganz aus Spitze und darunter war Seide. Das war zumindest das, was ich von dem Bett aus sehen konnte. Lucinda wies mich darauf hin, ins Bad zu gehen. Ich stand auf und folgte ihr. In einer Hand hielt sie einen Krug und über den anderen Arm das Kleid. Ich wusch mir mein Gesicht, währenddessen Lucinda mein Haar kämmte. Für die Zähne zu putzen, hatten sie so etwas ähnliches, wie eine Zahnbürste und als Zahnpasta, irgendeine widerliche Crème. Danach waren die Zähne tatsächlich sauber, aber der ekelhafte Geschmack im Mund blieb. Jetzt überreichte Lucinda mir das Kleid. Es hatte lange Ärmel und war bis unter das Kinn ganz aus Seide geschnitten. Lucinda half mir in das Kleid hinein zu kommen. Es floss geschmeidig über meinen Körper und lag sehr eng an. Es war ein wunderschönes Kleid und bequemer, als das Kleid gestern. Ich selbst sah müde aus, dunkle Ringe lagen unter meinen Augen und meine Augen waren glasig und leer. Lucinda führte mich wieder durch dieselben Flure, an denselben Gemälden vorbei, bis hin zu der riesigen Doppeltür. Die Wachen an der Türe öffneten sie für mich und ich trat zögernd hinein.
    Der Saal sah aus wie gestern, nur ohne die Musik und die ganzen Leute. Am Tisch saßen der König und Gabriel und beide blickten mich an, als die Türen aufgingen. Meine flachen Ballerinas machten Geräusche, während ich auf den Tisch zuging. Er war reich gedeckt. Frisches Brot, Käse, Schinken, Eier, Salat, alles lag auf dem Tisch. Mein Magen knurrte plötzlich und erst dann bemerkte ich welch großen Hunger ich hatte. "Guten Morgen, meine schöne Helen. Ich hoffe Ihr hatten eine angenehme Nacht!" Der König stand auf und küsste meine Hand. Daran würde ich mich wohl nie gewöhnen! "Setzt Euch", forderte er mich auf und ich setze mich an seine linke Seite. Gabriel saß mir gegenüber und sah mich ruhig an. Sofort kam ein Diener und schenkte mir Wasser in einen feinen Becher. Ich bedankte mich kurz und blickte dann wieder zu Gabriel und dem König. "Wie habt Ihr geschlafen, Helen?" Der König sah mich fragend an und trank einen Schluck aus seinem verzierten Becher. "Ganz okay", murmelte ich. "Bedient Euch, es ist genug da", sagte der König und zeigte auf den überfüllten Tisch. Ich nahm mir eine Scheibe Brot und etwas Käse und belegte es. Plötzlich viel mir wieder etwas von gestern Abend ein. Gabriel stammte von Loki, dem nordischen Gott des Chaos, ab. Er konnte einfach so Feuer machen, so als wäre es normal, dass eine Flamme auf seiner Handfläche rum tänzelte. Er bemerkte, dass ich ihn beobachtete und blickte mich stumm an. "Wann kann ich nach Hause?", fragte ich und sah dem König fest in die Augen. "Wenn wir herausgefunden haben, wie wir dich gegen das feindliche Königreich richten können. Noch wissen sie nicht, dass wir dich besitzen, aber das werden sie bald und solange werden wir dich in die Bibliothek schicken." Was sollte ich machen? Ein anderes Königreich vernichten, das ich weder kannte, noch mir irgendetwas getan hatte? "Erstens besitzen Sie mich nicht und zweitens, was soll ich in der Bibliothek?", verwirrt blickte ich vom König zu Gabriel und wieder zurück. Ich biss in mein Brot, währenddessen begann der König zu erklären, was er mit mir vorhatte. "Ihr müsst in die Bibliothek um ein spezielles Buch zu lesen, was nur Ihr lesen könnt. Gleich nach dem Frühstück werdet ihr dorthin geführt." Na toll, jetzt durfte ich auch noch irgendein Buch für die lesen. Ich wollte doch bloß hier raus. "Woher wollt ihr alle überhaupt wissen, dass ich es bin, die dieses Buch lesen kann? Vielleicht ist es jemand ganz anderes und ihr haltet mich um sonst hier fest!" Der König runzelte nachdenklich die Stirn, so als hätte ich etwas gesagt, woran er noch nicht gedacht hatte. Nachdem ich mein Brot aufgegessen hatte, führte mich eine Wache in einen anderen Korridor. Hier war es düster, die Schatten in den Ecken schienen zu wachsen und immer finsterer zu werden. Auch die Temperatur schien zu sinken, sodass ich Gänsehaut bekam. Wir hielten vor einer schweren, hölzernen Tür. Als er die Wache sie öffnete, ging sie quietschend auf. Es war dieses typische Horrorfilm quietschen, bei dem man wusste, jetzt würde was passieren. Es passierte aber nichts und so begab ich mich in die Bibliothek. Sie war riesig und unglaublich schön. Es war eine dieser Bibliotheken, von denen Schriftsteller und Leute die gerne lasen, träumten. Selbst ich, die nicht so eine begeisterte Leserin war, war überwältigt von dieser Pracht. Die Regale standen voller Bücher, keine einzige freie Stelle war dort zu sehen. Vor mir erstreckte sich ein langer, offener Gang und ganz weit hinten stand ein Tisch. Zu meiner rechten und linken Seite folgten lange Reihen Bücherregale und an den Wänden standen die Bücher ordentlich aneinander gereiht, bis unter das Dach. Die Bibliothek war der erste Raum, der nicht grau und leer war. Es roch wunderbar nach alten Büchern und plötzlich fühlte ich mich nicht mehr so verloren, wie vorher. Für einen Moment ignorierte ich alles andere und konzentrierte mich bloß auf diesen unglaublichen Anblick. Auch die Wache hinter mir ignorierte ich. Und plötzlich entdeckte ich es, das Buch. Ich wusste nicht woher, aber es kam mir bekannt vor und das machte mir Angst. Ohne nachzudenken, lief ich auf dieses Buch zu, das mich anzog. Es war magisch und meine Gedanken liefen auf Hochtouren. Es war geradeaus vor mir und lag auf einem kleinen Podest. Als ich ankam, zögerte ich einen Moment und betrachtete es mit wild klopfendem Herzen. Es war aus schwarzem, kaltem Leder, aber auf der Titelseite stand nichts, rein gar nichts. Ich schlug es auf und das Erste, was ich sah, waren verschnörkelte Buchstaben, die irgendwie strahlten. Sie strahlten nicht nur, sie leuchteten förmlich. Je genauer ich sie mir ansah, desto mehr Kopfschmerzen bekam ich. Ich blätterte weiter und versuchte nicht mehr so genau hinzusehen, aber ich schaffte es nicht. Wörter bildeten sich in meinem Kopf, sie blitzen auf und verschwanden bevor sie klar in meinem Kopf waren. Plötzlich sah ich nichts mehr, außer diese Buchstaben, alles war schwarz, bis auf diese Buchstaben, die hell in meinem Kopf leuchteten. Ich spürte wie mir der Schweiß ausbrach, wie mir schwindelig wurde. Die Buchstaben brannten sich in mein Hirn, es tat höllisch weh und ich hörte Schreie, schrille Schreie, die einen bis ins Mark erschütterten. Und dann war alles schwarz.

    Kapitel 9

    "Helen", hörte ich jemanden meinen Namen rufen, aber ich konnte dieser Stimme kein Gesicht oder Namen zuordnen. "Helen, wacht auf!" Die Stimme drang jetzt lauter zu mir durch. Ich versuchte meine Augen zu öffnen, aber sie waren so schwer, so unendlich schwer. Mit der größten Kraft, die ich aufbekommen konnte, öffnete ich sie. Alles war verschwommen und nichts hatte feste Umrisse. Wo zu Hölle war ich? "Sie kommt zu sich", sagte eine tiefe, kalte Stimme. Über mir wurde die Person wieder klar und ich zuckte zusammen. Gabriel und ich hatten gehofft, dass das alles nur ein verrückter Traum war. Aber nein, ich saß in einem Königreich fest, irgendwo im nirgendwo und meine Familie wusste nicht, wo ich war. Mein Bruder war im Krankenhaus und ich habe ihn im Stich gelassen. Oh Gott, mein Bruder! Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, aber bevor ich weiter nachdenken konnte, bemerkte ich all die Menschen, die um mich standen. Was war passiert? Gabriels sonst so distanzierten, eigenartigen Augen, wirkten besorgt. Besorgt? Gabriel? Vielleicht hatte ich mich auch nur geirrt. Denn jetzt waren seine Augen kalt auf mich gerichtet. "Was habt Ihr gesehen, als Ihr das Buch geöffnet hattet?", fragte er mich und blickte mich kühl an. Diese Kälte ließ mich erschaudern und ich wünschte ich würde noch schlafen. Warte ... das Buch! Ich setzte mich auf und sah das Buch an. Es lag auf dem Boden, geöffnet und still. Es war anders als vorher. "Was ist passiert?" Verwirrt sah ich zuerst ihn, dann all diese Menschen an. Es waren wohl Diener oder so etwas in der Art. "Ihr seid schreiend zusammengebrochen, als Ihr das Buch geöffnet habt, so hatte mir die Wache berichtet. Eure Schreie hat man durch das ganze Schloss gehört und ich bin direkt nach Euch gucken gekommen." Seine Stimme war immer noch eiskalt und seine Augen unergründlich. Wieder drehte ich mich um und sah das Buch an. Langsam kroch ich auf das Buch zu und sah es an. Die Seiten waren leer! Ich meinte, wirklich leer, weiße Seiten. Ich blätterte um, aber nichts, rein gar nichts. Alle Seiten waren leer, wie eine Irre blätterte ich weiter und weiter, aber da war nichts. Wo war diese eigenartige Schrift verschwunden? "Wo war die Schrift?", fragte ich verwirrt. Gabriel runzelte die Stirn. "Helen, in diesem Buch befand sich nie eine Schrift, es war immer leer für uns" Jetzt drehte ich also durch, super! "Ihr habt eine Schrift gesehen?", fragte er und blickte neugierig zum Buch. "Was stand darin?" Etwas in seinen Augen blitzte auf, ganz kurz und kurz danach war es wieder verschwunden. "Ich weiß es nicht ... ich bekam es nicht gelesen", murmelte ich und plötzlich pochte mein Kopf heftig. "Ist mit Euch alles in Ordnung?" Gabriel sah mich besorgt an. Seit wann war er so ... keine Ahnung. Es lag wohl an den Kopfschmerzen, die mich Dinge sehen ließen, die wohl nie da waren. Als ob Gabriel mitfühlend war. "Alles gut", murmelte ich und stand auf. Ich hob das Buch auf und presste es an meinen Körper. Kurz blickte ich diese Leute an und Gabriel und liefen weg. Wieso ich lief, wusste ich nicht und wieso ich mir das Buch geschnappt hatte, wusste ich auch nicht. Das Einzige, was ich wusste, war, dass ich ihr raus musste.

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Das dunkle Reich
Das dunkle Reich
Die New Yorkerin Helen White ist ein junges Mädchen, die schon früh mit all den Problemen des Lebens klarkommen musste. Ihr Bruder lag in einer Art Koma und eines Tages bangen Helen und ihre Mutter um sein Leben. Helen konnte das Alles nicht mitansehe...
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2016-07-05
40B0
Fantasy Magie

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