Das Biest und der Tyrann - Teil 36

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1 Kapitel - 4.985 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2016-07-03 - Entwickelt am: - 962 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich habe in diesem Teil einen Fehler gemacht. An zwei oder drei Stellen steht MIA. Die Freundin von Grit heißt aber Pepper. Ich kann das leider nicht mehr ändern. Tut mir Leid! Hoffe das ist nicht so schlimm.

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    Grits Sicht
    „John“, fang ich meine Frage an, doch ich werde gleich unterbrochen. „Denk jetzt nicht schlecht von Kid. Ich meine, das ist eine klare Regel und jedem ist klar, was passiert, wenn man solch eine Tat macht. Es ist zu unserer Sicherheit und so. Und…“ Diesmal bin ich diejenige, welche unterbricht. „Jo-ohn!“, sage ich. „Halt mal den Rand!“ Er schaut mich verdutzt an. „Warum möchte Kid das erst so spät machen und warum sagt er das so für alle an? Sollen wir etwa alle zu gucken?“ Das wäre allerdings in der Tat ziemlich grausam. „Ne, also falls noch jemand zu Chris möchte“, erklärt John. Ich lege meinen Kopf schief. Ach so. Ohne ein weiteres Wort schaue ich auf meinen Teller. Irgendwie ist es komisch darüber zu sprechen. Ich fange mit dem Essen an. Wie es Chris jetzt wohl geht? Bereut er, was er getan hat? War er vielleicht betrunken, als er auf Thomas und Kid losgegangen ist? Aber so früh am Morgen? Wohl kaum. Ich frage mich nur, warum er so was tut? Kid sucht man sich nicht ohne Grund als Feind aus. Und schon gar nicht ohne die Möglichkeit, ihn schlagen zu können. Ich frage mich, wie es Kid geht. Gestern Abend und heute Morgen hat ihn etwas ganz schön beschäftigt. Irgendetwas liegt ihm ziemlich auf dem Magen. Ich würde zu gerne wissen was es ist, vielleicht kann ich ihm ja helfen. Aber vermutlich würde Kid es mir nicht sagen. Ist wahrscheinlich auch besser so. Schließlich ist er der Kapitän und nicht ich. Ich wünschte nur, ich könnte ihm helfen. Ihm vielleicht etwas abnehmen.

    Nach dem Essen gehe ich in die Küche und helfe Markus. Bin heute nämlich eingeteilt. Zum Glück. Es hilft mir, mich ein bisschen abzulenken. Zum einen denke ich die ganze Zeit nach und das ist anstrengend. Zum anderen ist mir ein bisschen schlecht. Ich sehe ein, dass ES nötig ist aber das heißt nicht, dass ich ES besonders toll finde. Eigentlich ist Thomas heute in der Küche dran, aber er ist ganz schön mitgenommen. Niemand verübelt ihm, dass er nicht zum Dienst erscheint. Markus und ich reden, aber es ist nicht wie sonst. Die Witze fehlen. Mir ist aber auch nicht nach lachen zumute. „Markus“, sage ich. „Hm?“, sagt er und gibt mir einen weiteren Teller zum Abtrocknen. „Woher kommst du eigentlich?“ „Aus dem East Blue“, antwortet er. „Und wie bist du in Kids Mannschaft gekommen?“, frage ich weiter. Irgendwie ist mir aufgefallen, dass ich über meine Freunde gar nicht so viel weiß. Markus gibt einen schnaubenden Lacher von sich. „Das ist ne gute Geschichte! Pass auf: als ich zwölf war, wurde ich von Piraten entführt“, fängt Markus an zu erzählen. Ich schaue überrascht auf. „Also die Piraten waren jetzt nicht besonders gefährlich oder bekannt oder so. Eigentlich peinlich, dass sie mich überhaupt schnappen konnten… naja. Ich war halt fünf Jahre bei diesen Piraten, als Küchenjunge. Ich hatte also genug Zeit meine Kochkünste zu verbessern. Es war nicht übel, aber auch ziemlich langweilig. Diese Typen waren echte Luschen.“ Markus stöhnt. „Naja. Dann wurden die halt von der Marine geschnappt. Die sind volle Lotte in einen Hinterhalt gerannt. Eigentlich hatte die Marine den Hinterhalt für weitaus gefährlichere Piraten gelegt, aber die waren nicht so dumm darauf reinzufallen.“ Er grinst. Ich muss auch grinsen. „Zum Glück war das auf einer Insel. Ich bin untergetaucht. Drei Jahre lang oder so habe ich mich dann irgendwie durchgeschlagen. Ne. Das muss länger gewesen sein. Keine Ahnung. War halt echt abgeranzt. Hab alles Mögliche gemacht. Dann habe ich so einen durchgeschnappten jungen Kerl getroffen. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Zu der Zeit habe ich in so einer Bar gejobbt. Der Tag war nicht so gut und dann gab es auch noch Stress. Ein Typ wollte seine Rechnung nicht bezahlen. Ich habe ihn gedroht, wenn er nicht zahlt, gibt es Schläge. Zum Beweis, dass ich es ernst meinte, musste ich ihn natürlich wenigstens eine verpassen.“ Markus lacht kurz auf. Gespannt verfolge ich seine Erzählung. „Dieser junge Kerl sprach mich dann an., Kannst du kochen?‘ fragte er. Ich zuckte mit den Schultern. Natürlich konnte ich kochen., Warum vergeudest du dein Talent hier? Hilf mir König der Piraten zu werden.‘ Der Kerl machte einen unglaublichen entschlossenen Eindruck. Ich schmiss alles hin und seitdem bin ich an Bord der Kid Piraten.“ Das ist echt krass. Eine ziemlich gute Geschichte. Mit dem Abwasch sind wir fertig. Ich setze mich auf den Tresen und wir plaudern noch ein bisschen weiter. Nach einiger Zeit schreckt Markus plötzlich auf. „Oh! So spät ist es schon“, sagt er überrascht und macht sich gleich daran Töpfe und Pfannen heraus zu kramen. „Ich muss mit dem Kochen fürs Mittagessen anfangen.“ Ich rutsche vom Tresen und helfe ihm gleich. Markus schüttelt den Kopf und nimmt mir dir Pfanne gleich wieder aus der Hand. „Du bist fertig! Du hast mir genug geholfen“, sagt er. Ich zucke mit den Schultern. „Aber ich WILL dir helfen!“, antworte ich trotzig. Er seufzt. „Also gut! Dann schneide bitte die Zwiebeln. Die sollen angebraten werden.“ Ich fange an die Zwiebeln zu schneiden. Natürlich laufen mir gleich die Tränen in Flüssen runter. „Hier bitte!“, sage ich schließlich nach einer sehr schmerzhaften Prozedur. „Schau mal!“, sagt Markus mit gedämpfter Stimme. Ich drehe mich um. Kid und Chris durchqueren den Raum. Chris geht mit erhobenem Haupt. Ob er Angst hat? Kid dreht mir im Gehen den Kopf zu. Seine Miene ist grimmig. Unsere Augen kreuzen sich, dann wendet er sich wieder ab. Ich räuspere mich leise und wende mich von den Geschehen ab. Geschäftig schmeiße ich den Herd an. Ich will das nicht hören! Das Fett fängt recht schnell an in der Pfanne zu zischen. Ich werfe die Zwiebeln mit rein. Es zischt laut. Energisch rühre ich um. „Peng!“ Mein Herz bleibt stehen. Einen Augenblick verharre ich wie gelähmt. Wir sind Piraten! Damit muss man rechnen! Ich schüttle meinen Kopf, um die unerwünschten Gedanken und Sorgen zu vertreiben und kümmere mich weiter ums Essen.

    Till und Phil nerven. Ich seufze. Sie sitzen schon eine Weile am Tresen und quatschen uns voll. Außerdem wollen sie mir ständig erzählen, wie ich es richtig mache soll. „Ihr nervt!“, seufze ich und gebe die geschnittene Paprika in den Salat. Die beiden kichern. „Ihr könnt schon mal die Männer zum Essen rufen“, sagt Markus geschäftig. Till schaut zu Phil. „Hast du gerade was gehört?“, fragt er. Phil schüttelt den Kopf. „Ne, du etwa?“, fragt er. „Nö!“, antwortet Till. Markus nimmt ein großes Küchenmesser in die Hand und setzt einen sehr bösen Blick auf. „Verschwindet!“, sagt er mit tiefer Stimme. Phil und Till springen sofort auf und eilen nach draußen. Diesmal bin ich diejenige, die kichert. „Geht doch!“, sagt Markus und grinst. Ich durchmische den fertigen Salat noch einmal. Das Essen ist fertig. Wir stellen die Sachen auf den Tisch. Die beiden Spinner haben wohl ihre Aufgabe erfüllt, denn die Jungs kommen von draußen in den Raum und schlendern zu ihren Plätzen.

    Das Mittagessen ist wieder ziemlich lebendig. Mir ist immer noch nicht so ganz nach guter Laune zumute. Das liegt wohl auch daran, dass Kid ziemlich ernst und so ist. Heute ist er der gefürchtete Eustass Käpt'n Kid und nicht der kumpelhafte Käpt'n Kid und schon gar nicht mein süßer Mann. Dabei hatten wir so einen schönen Morgen… ich senke den Kopf und lächle. Meinetwegen hätte das ewig weiter gehen können. Es war so gemütlich. Ich schaue mich um. Das Essen ist so ziemlich vorbei. Ganz ohne Eile nehme ich mein Geschirr und bringe es in die Küche. Ich mache den Stöpsel in den Abfluss des Waschbeckens und lasse schon einmal Wasser für den Abwasch einlaufen. „Was machst du da?“, fragt Markus forsch. Ich drehe mich aufgescheucht um. „Man hast du mich erschreckt“, sage ich. „Ich lass nur schon einmal das Wasser für den Abwasch einlaufen.“ Markus schüttelt den Kopf. Ich schaue ihn überrascht an. Was ist denn los? „Du hast mir heute genug geholfen!“, sagt er. Ich zucke mit den Schultern. „Ach, das macht doch nichts. Außerdem helfe ich dir doch…“, versuche ich die Diskussion zu beenden, aber Markus unterbricht mich. „Nein! Phil und Till dürfen mir jetzt helfen. Diesmal wickelst du mich nicht um deinen Finger“, sagt er klipp und klar und fest entschlossen. Ich ziehe überrascht meine Augenbrauen hoch. Ich wickle ihn um den Finger? Ähm ja… Seufzend gebe diesmal ich nach. „Gut dann halt nicht“, antworte ich. „Bis später!“ Was mach ich jetzt? Draußen ist es arschkalt. Vorhin hat es geschneit und alle die rein kommen sind dick eingepackt. Brrr… Da wird mir doch gleich viel kälter, wenn ich daran denke. Ich könnte mit ein paar Jungs was hier drinnen spielen, aber irgendwie ist mir nicht danach zumute. Seufzend schlendere ich Richtung Kajüte. Vielleicht will ich einfach nur alleine sein. Ich schließe die Tür hinter mir und stelle mich vor den Spiegel. Irgendwie sehe ich ziemlich erschöpft aus. Mir ist kalt. Was soll ich jetzt bloß machen? Hm… Ich habe Perlen und so Zeugs für meine Dreads geholt. Vielleicht sollte ich das mal in meine Haare machen. Ich ziehe mir erst noch dicke Socken an und hole dann die Dose mit den Perlen und Anhängern. Ich mach es mir vorm Spiegel gemütlich und fange an meine Dreads zu schmücken. Leise summend betrachte ich mich im Spiegel. Wann wir wohl auf der nächsten Insel ankommen? Auf jeden Fall wird es arschkalt sein. Ich habe überhaupt kein Geld mehr… Mist! Ach egal. Ich bin Piratin. Ich bekomme schon, was ich will. Wofür habe ich das Geld überhaupt ausgegeben? Hm… auf der letzten Insel war ich ziemlich gut schoppen. Oh! Die Tondiale! Ich schiebe die Perle in meiner Hand auf eine Dread und such meinen Rucksack. Wo ist der bloß? Da! Unterm Tisch. Ich krabble auf allen Vieren dorthin. Mal schauen. Ich habe fast alle Tondiale, die ich in dem Laden finden konnte mitgenommen. Mit der Hand wühle ich ein bisschen in dem Rucksack rum. Die Diale klackern gegeneinander. Ich ziehe eins raus und schaue es an. Lust hätt ich ja schon das mal auszuprobieren. Ich drücke rauf. Es erklingt ein Lied. Ziemlich cool. Der Rhythmus ist echt richtig zum mittanzen. Okay. Es ist beschlossen. Ich brauche eine kleine Dance-Session. Am besten in der Gummizelle. Da ist genug Platz. Plötzlich hämmert jemand gegen die Tür. Ich zucke zusammen. „Grit?“, ruft jemand gehetzt. „Ja?“, antworte ich schnell. Was ist bloß los? Werden wir etwa angegriffen? Oder sinken wir? Die Tür wird aufgerissen. John steht gehetzt im Türrahmen. „Wir machen gleich eine Schneeballschlacht und du musst unbedingt dabei sein!“, erklärt er mir schnell. Ich glotze ihn sprachlos an. „Nun komm schon!“, drängt John mich. Ich schaue zu dem Dial in meiner Hand, dann wieder zu John. Und wieder zum Dial. John verschwindet aus dem Türrahmen und läuft weiter. Ach verdammt! Ich lege das Tondial zurück und ziehe mich in Windeseile an. Schuhe, Mantel, Mütze, Schal und Handschuhe. Ich laufe nach draußen. Bäm! Gleich den ersten Schneeball abbekommen. „GRIT! HIER!“, ruft jemand. Verwirrt schaue ich mich um. John winkt mir von hinter einer Schneemauer zu. Ich laufe schnell rüber und werfe mich hinter die schützende Mauer. „Was ist denn hier los?“, frage ich. „Krieg?“ John lacht und sagt: „Könnte man so sagen.“ Ich forme einen Schneeball und werfe ihn ins gegnerische Feld. Es ist eine wilde Schlacht. Man muss hart kämpfen, aber es bringt Spaß. Ich lache und tobe mich aus. Es fühlt sich gut an, mal wieder so rumzutoben. Ich forme den nächsten Ball und werfe, ohne genau zu gucken. Plötzlich wird der ganze Trubel ruhiger. Neugierig schaue ich über die Mauer. Ups! Ich habe Kid getroffen und der sieht gar nicht glücklich aus. Ich klettere über die Mauer. „Entschuldigung Kid!“, sage ich reuevoll. Er schaut zu mir und seine Gesichtszüge entspannen sich ein bisschen. Er ist mir also nicht böse. Kid setzt seinen Weg übers Deck fort. Wir warten mit der Schlacht. Keiner würde es riskieren… Oh scheiße! Es hat doch jemand riskiert und Kid getroffen. Dieser reagiert mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Kid nimmt sich Schnee von Boden, formt einen Schneeball und trifft zielgenau den Dummkopf, welcher Kid abgeworfen hat, auf der Stirn. Der Ball muss mit ziemlicher Kraft geworfen sein, denn er trifft den Typ mit solch einer Stärke, dass dieser nach hinten wegfliegt und wohl erst einmal ausgeknockt ist. Kid schießt mit warnenden und zugleich vernichtenden Blicken um sich. Es ist mucksmäuschenstill auf dem Deck, während Kid weitergeht und schließlich im Speisesaal verschwindet. Ich stehe auf dem Schlachtfeld, unfähig mich zu bewegen. Was ist nur los mit ihm? Ich würde jetzt gerne heulen. Es tut mir weh, Kid so leiden zu sehen. Um mich herum geht die Schneeballschlacht wieder los. Ein Schneeball an der Schulter holt mich aus meiner Starre zurück. Schnell verschwinde ich wieder hinter unserer Mauer. Ich setze mich hin und lehne mich gegen die Schneemauer. Dieser Kerl bereitet mir echt Kopfzerbrechen. „Schnee! Wir brauchen mehr Schnee!“ „Auf dem Hinterdeck müsste noch viel liegen!“ Gemeinsam mit ein paar anderen stehe ich auf und laufe aufs Hinterdeck. Anstatt Schnee zu sammeln, stelle ich mich an die Reling. Ich glaube nicht, dass Kid mir erzählen würde, was genau los ist, selbst wenn ich ihn frage. Am besten ich mache mir nicht zu große Sorgen. Kid ist schließlich stark. Ich muss irgendwie aufhören daran zu denken und ich weiß auch schon wie. Unauffällig stehle ich mich nach drinnen. Ich schüttle den Schnee von meinem Mantel und gehe durch den Speisesaal. Kid sitzt mit dem Rücken zum Raum an Tresen. In der Kajüte ziehe ich mich erst einmal um. Meine Kleidung ist so ziemlich komplett nass. Ich ziehe mir eine Sportleggings und ein langes Kleid ähnliches Oberteil an. Da ich nicht weiß, welches Dial welche Musik abspielt, schnappe ich mir gleich den ganzen Rucksack und setze ihn auf. Ich mach mich auf die Suche nach Steve. Als erstes gehe ich zum alten Schlafsaal. Ich hoffe nur, dass er nicht bei der Schneeballschlacht mitmacht. „Hallo?“, rufe ich in den Raum rein. „Ja?“, ertönt es aus einer Ecke. „Ist Steve hier?“ „Nope! Der pennt im anderen Schlafsaal!“, wird mit geantwortet. „Danke!“, rufe ich zum Abschied. „Kein Problem!“ Ich gehe zum anderen Raum. Die Tür ist nur angelehnt. Ich stoße sie vorsichtig auf. „Hallo?“, frage ich zaghaft. „Hey Grit! Was ist los?“, werde ich gleich herzlich begrüßt. In Gegensatz zum anderen Raum, sind hier ziemlich viele da. Es herrscht reges Treiben. Irgendwie läuft fast jeder halbnackt rum und nicht wenige haben nur ein Handtuch um die Hüfte geschwungen. Steve kommt auf mich zu. Auch er scheint gerade aus der Dusche zu kommen. „Na, wen suchst du?“, fragt er, als wäre es das Normalste auf der Welt. Ich mache die Augen zu, senke den Kopf und halte eine Hand vors Gesicht. Nur um sicher zu gehen… Oh man! MIA hätte jetzt wohl den Spaß ihres Lebens. Ha! Lustig, dass ich gerade jetzt an meine Freundin MIA denke. „Ähm...“, fange ich an. „Ich suche dich.“ Steve lacht. „Keine Sorge! Das Handtuch sitzt fest!“, sagt er. „Reine Vorsichtsmaßname!“, sage ich kurz. „Na was willst du denn von mir?“, fragt Steve und scheint noch immer zu lachen. „Das Musikverstärkerteil. Kann ich mir das für heute ausleihen?“ „Ja klar. Komm mit“, sagt er. „Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich lieber hier stehen bleiben“, erkläre ich. Steve lacht und scheint wegzugehen. Ich höre noch mehr Gelächter. Ist mir egal. Ich fühl mich nicht so ganz wohl mit so viel nackter Haut. Mit so viel männlicher nackter Haut. Mit so viel männlicher nackter Haut, die nicht meinem Mann gehört. Ich werde rot. Bei Kid hätte ich dann eher andere Probleme. Zum Beispiel absolute Abgelenktheit. Langsam wird es mir zu dumm hier so rumzustehen. Ich drehe mich um und mache dir Augen auf. Boah ey! Ich muss grinsen. Schon ganz lustig die Situation eigentlich. Ich höre Stimmen, die vom Gang her näher kommen. Die Jungs von der Schneeballschlacht kommen lachend und gut gelaunt, aber auch total durchnässt. Um ihnen nicht den Weg zu versperren, gehe ich ein Stück zur Seite. „Hey Frostbeule. Was machst du denn hier?“, fragt John, als er an mir vorbeikommt. „Ich leihe mir etwas von Steve aus“, erkläre ich grinsend. „Achso. Komm doch rein“, sagt er und macht eine einladende Geste. Ich schüttle den Kopf. Überrascht zieht er eine Augenbraue hoch. Er lehnt sich zur Seite und schaut in den Raum rein. Es dauert einen kurzen Augenblick, dann fängt er an zu lachen. „Keine Sorge. Solche Handtücher sitzen ziemlich fest, weißt du!“ Ich spüre, wie ich rot werde. Mit einem gezielten Schlag haue ich meinem besten Freund gegen die Schulter. Lachend geht er weiter. Ich verschränke meine Arme vor der Brust. Diese Typen sind einfach verrückt! Wie sollte ich sie nicht mögen? Ich grinse. „Grit!“ Erschrocken zucke ich zusammen. Ich dreh mich um. Oh Mist! Steve trägt natürlich immer noch nur ein Handtuch. Den Blick bloß nicht sinken lassen. Er hält das Verstärkertrichterdings in den Händen. „Ah! Dankeschön“, sage ich und strecke meine Hände danach aus. „Ich bring ihn dir nachher wieder zurück!“ Steve gibt mir das Teil. „Behalt es ruhig solange du willst“, meint er gelassen. „Du läufst ja nicht davon.“ Er zwinkert mir zu. Ich grinse. Das stimmt allerdings. „Danke. Bis später!“ Zum Abschied hebe ich die Hand und gehe. Ich gehe direkt zur Gummizelle. Vorsichtig schaue ich hinein, aber zum Glück trainiert grad niemand. Soooo. Mal schauen, wie das hier funktioniert. Ich hole ein Dial aus meinem Rucksack. Okay! Also dieser Trichter hat an der schmalen Stelle noch so eine Halterdingsplatte. Ich stelle das Dial da rauf und drücke oben auf die Spitze. Musik ertönt, aber es ist nicht wirklich laut. Normale Lautstärke würde ich sagen. Hm… ich schaue mir den Trichter noch einmal an. Es sieht so aus, als gäbe es bei der kleinen Öffnung einen Schieberegler. Ich drehe ein bisschen dran rum. Die Musik wird lauter. AHA! Das hätte ich schon einmal geschafft. Es stört mich aber immer noch ein bisschen, dass ich nicht weiß, welche Musik auf den Dialen ist. Ich seufze. Das heißt dann wohl, erst einmal alle Diale durchhören. Also gut! Ich höre mir immer ein bisschen der Musik an und sortiere sie dann nach langsameren, schnelleren und doofen Liedern. Die Diale mit doofen Liedern will ich versuchen zu löschen, damit ich neue Musik speichern kann. Mal schauen, ob das funktioniert. Zu Beginn nehme ich ein mittelschnelles Lied und wärme mich auf. Danach mache ich verschiedene schnelle Stücke an und tanze. Es macht unglaublich viel Spaß. Ich denke nur an den Takt der Musik und meinen Körper, spüre, wie beides miteinander verschmilzt. In mir breitet sich ein unglaubliches Lebensgefühl aus. Ich fühle mich frei. Frei von allem. Außer Atem lehne ich mich gegen die Wand. Ich habe die ganze Zeit nur Freestyle getanzt. Vielleicht jetzt etwas Langsames. Aber dafür brauche ich eigentlich einen Tanzpartner. Zu schade, dass ich gerade keinen zur Hand habe. Dann muss es eben ohne gehen. Ich mache ein Dial mit langsamer Musik an und nehme Stellung. Mein linker Arm liegt auf der Schulter meines imaginären Tanzpartners und meine rechte Hand ist mit seiner linker verschränkt. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, es ist Kid, mit dem ich tanze. Zu Beginn des nächsten Taktes setze ich ein. Es ist ein Walzer. Ganz in mich gekehrt tanze ich mich durch den Raum. Wie gerne würde ich tatsächlich mal mit Kid tanzen. Das wäre so schön! „Klick!“ Erschrocken mache ich die Augen auf. Die Tür ist zu, aber da war doch jemand! Mit meinem Haki versuche ich herauszufinden, ob wer hinter der Tür steht. Da ist jemand! Aber er ist schon zu weit weg vom Raum. Ich kann ihn nicht richtig erkennen. Kopfschüttelnd konzentriere ich mich wieder auf den Tanz, aber es gelingt mir nicht so richtig. Naja. Vielleicht reicht es auch einfach für heute. Wie spät ist es eigentlich?

    Kids Sicht
    Ich gehe den Gang zurück zu meiner Kajüte. Die Gummizelle ist ja leider schon besetzt. Grit! Sie war ganz versunken in ihren Tanz. Ich lasse mich in meinen Sessel fallen. Oh man! Was für ein Tag! Die Diskussion vorhin mit Killer brodelt immer noch in mir. Die Diskussion und auch der Sake. Beides! Warum muss Killer bloß immer noch irgendeinen vernünftigen oder zweifelnden Kommentar einbringen? Gestern schon und heute noch einmal. Meine Hände ballen sich zu Fäusten. Und dann—oh wow—ich dachte, meine Männer hätten wenigstens ein bisschen mehr Respekt. Dieser Idiot, der mich abgeworfen hat. Dem hätte ich am liebsten… „Huch!“ Grit reißt die Tür weit auf und bleibt erschreckt im Türrahmen stehen. Sie trägt den Verstärkertrichter von Steven in den Händen. Ich beobachte Grit, während sie die Tür schließt, ihre Sachen aufs Bett legt und dann auf mich zukommt. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit setzt sie sich quer auf meinen Schoss und nimmt alle ihr Dreads auf eine Seite. Sie greift nach einer meiner Hände und streichelt sie zärtlich. Dabei schaut sie mir in die Augen. Ich sehe so viel Liebe und Mitgefühl in ihrem Blick. Es macht mich fertig! „Schau mich nicht so an!“, fahre ich sie ganz leicht an. Ich wende meinen Blick ab und entziehe ihr meine Hand. Aus den Augenwinkeln sehe ich Grits irritierten Gesichtsausdruck. „Was ist los mit dir?“, fragt sie mit forscher Stimme nach. Ich sage nichts. Ich kann es einfach nicht. Nicht in Worte packen. „KID!“ „Ich bin ein beschissener Käpt’n!“, entfährt es mir. „Ich kann nicht einmal garantieren, dass alle unser Ziel erreichen, geschweige denn lebend. Ich weiß noch nicht einmal, was ich wirklich will. Will ich nur Angst und Schrecken verbreiten oder…“ „Klatsch!“ Mit einem Anflug von Wut schaue ich in Grits böse funkelnden Augen. Sie hat mir gerade eine Ohrfeige gegeben. Und die war wirklich nicht ganz ohne. „Jetzt hältst du mal die Klappe! Verstanden?“, fährt sie mich volle Kanne an. Der Überraschungseffekt klappt! Ich bin sprachlos. „Wehe du sagst so etwas noch ein einzige Mal! Du WILLST das One Piece! Du bist der BESTE Kapitän, dem ich jemals gedient habe. Deine Männer folgen dir nicht, damit du sie beschützt. Sie folgen dir, weil du eine Vision, einen Traum hast. Sie folgen dir, weil sie glauben, dass DU König der Piraten wirst. Du behandelst deine Crew nicht wie den letzten Dreck und dafür lieben dich deine Männer. Dafür liebe ICH dich auch! Weißt du eigentlich, wie hoch dein Kopfgeld ist? Ganze 470 MILLIONEN Berry! Weißt du wie viel das ist? Mehr als die Kopfgelder aller anderen Rockies. Hast du eigentlich eine Ahnung, was man machen muss, um so ein hohes Kopfgeld zu bekommen? Du musst entweder die Weltregierung ziemlich ans Bein pinkeln oder einfach unberechenbar stark sein. Verstehst du? DU. BIST. STARK. Wenn du noch einmal irgendetwas anderes behauptest, dann werde ich…“ Weiter lasse ich sie nicht sprechen. Ich ziehe ihren Kopf zu mir ran und küsse sie. Wie ich sie liebe! Sie ist einfach die Beste! Grit ist sofort gefangen vom Kuss und legt ihre Arme um meinen Hals. Ich küsse sie voller Verlangen. Grits Körper ist heiß. Es fühlt sich fast wie Feuer an. Ich vergesse mich total und lege meine Hände unter ihr Oberteil. Grits Haut fühlt sich glatt und makellos an. Meine Hände wandern immer höher und höher. Plötzlich schnappt Grit nach Luft und drückt sich von mir weg. „Nicht“, flüstert sie. Ihr Blick ist wehmütig. Oh scheiße man! Ich bin zu weit gegangen. Verdammt noch einmal! Ich hatte mich nicht unter Kontrolle. Ich hab vergessen, wer sie ist. Wie konnte ich nur? Grit legt ihre Hand an meine Wange und streichelt diese sanft. „Nicht jetzt“, flüstert sie. „Du würdest es nicht aus dem richtigen Grund machen“, erklärt sie mir. Sie hat Recht. Grits erster Sex sollte nicht SO laufen. „Entschuldigung“, sage ich niedergeschlagen. Ich kann auch gar nichts richtig machen. „Schon gut“, antwortet Grit leise und gibt mir einen Kuss auf die Lippen. „Ich liebe dich, weißt du?“, sagt sie. Genüsslich schließe ich die Augen. Diese Worte klingen so gut! Ich lege meine Hände an ihre Wangen und führe den Kuss fort. Diesmal sind die Küsse sanfter, ungefährlicher. Von weitem höre ich den Ruf zum Essen. Das ist mir egal. Dann müssen die halt noch ein wenig warten. Ich bin beschäftigt… „Kid“, haucht Grit zwischen zwei Küssen. „Hm?“, antworte ich und küsse sie, damit sie es nicht sagen kann, aber sie weicht ein wenig aus. „Schatz, DU bist der Käpt’n!“, erklärt sie mir flüsternd. „Ich weiß“, sage ich und küsse sie wieder. Grit lächelt. Das spüre ich. Mir ist sehr wohl bewusst, dass sie mich heute zum ersten Mal Schatz genannt hat. Sie kippt ihren Kopf nach vorne und legt ihre Stirn an meine. „Du weißt, dass du gehen musst!“, fragt sie sanft. „Ja“, antworte ich mit ruhiger Stimme. „Gestatte mir nur noch einen Kuss.“ Ich küsse sie erneut. Unsere Lippen legen sich perfekt aufeinander. Sie sind wie für einander gemacht. Langsam entferne ich mich wieder von ihr. Ich wollte nur noch einmal Grits süße Lippen schmecken. Sie schaut mich mit erröteten Wangen an. Ihr Lächeln bringt mich um den Verstand. Ich ziehe eine Augenbraue hoch und schaue sie erwartungsvoll an. Grit räuspert sich und schaut ein wenig verwirrt umher. Der Weg zurück in die Realität scheint für sie ein wenig länger gewesen zu sein. Etwas benommen, wie es scheint, steht sie von meinem Schoss auf. Ich stehe ebenfalls auf. Grit greift nach meiner Hand und verschränkt ihre Finger mit meinen. Sie schaut mich von der Seite an. Ich kann nicht anders. Ich beuge mich zu ihr und gebe ihr einen Kuss auf die Stirn. Ein glückliches Lächeln stiehlt sich augenblicklich auf ihr Gesicht. Das steckt an. Ich mache eine Kopfbewegung zur Tür. Grit nickt kurz und wir gehen los. Der Gang zum Speisesaal ist viel zu kurz. Schon öffne ich die Tür und eine Menge anderer Menschen ist da. Es ist laut. Wie immer. Eines muss ich Grit noch wissen lassen, bevor wir endgültig gestört werden. Ich beuge meinen Kopf runter zu ihrem Ohr. Meine Lippen berühren fast ihre Haut. „Ich liebe dich auch!“, flüstere ich ihr zu. Grit neigt ebenfalls ihren Kopf und ich kann sehen, dass sie breit grinst. Ich beobachte grinsend ihre Reaktion. Es ist süß! „Da bist du ja endlich!“ „Kaum zu glauben! Der Käpt’n zeigt sich auch mal!“ „Wir verhungern schon!“ Ich wende mich der Meute zu. „Der Käpt’n kommt NIE zu spät. Ihr seid einfach zu früh!“, ruft Grit der Crew entgegen, bevor ich etwas sagen kann. Alle die es gehört haben lachen. Ich auch. Anstatt Grit alleine zu ihrem Platz laufen zu lassen, begleite ich sie heute mal und schiebe den Stuhl für sie ran. Als ich an meinem Platz stehe, wird es leiser, auch ohne meine Worte. „Männer! Wir kommen morgen früh auf der nächsten Insel an. Man kann sie bereits am Horizont erkennen. Nach dem Frühstück legen wir also an. Ihr kennt ja das Prozedere. Was für eine Überraschung: es ist eine Winterinsel! Auf der übernächsten Insel werden wir Teddy treffen.“ Sofort erhebt sich ein aufgeregtes Gemurmel. Die beiden Mannschaften haben sich schon lange nicht mehr gesehen. „Wir werden von da an zusammen segeln, also habt ihr genug Zeit zusammen zu saufen“, sage ich mit lauterer Stimme, um das Gemurmel zu übertönen. „Das war alles! Guten Appetit!“

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