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Percy Jackson - Sieger des Olymps Teil 3

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10 Kapitel - 4.331 Wörter - Erstellt von: Lara166 - Aktualisiert am: 2016-07-20 - Entwickelt am: - 495 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

    1
    Nico:
    Ich rammte einem Skelett mein Schwert in den Bauch. Leider hatten sie auf meinem Befehl zu verschwinden nicht gehört. Also: Kampf. Sie hatten es so gewollt. Während Will unsicher sein Schwert hob, um einem anderen Skelett die Beine abzuhacken, war Kassandra mit 3 Skeletten gleichzeitig beschäftigt. "Warum benutzt du nicht deine Macht als 'wahres Ich'? Wäre doch schneller und einfacher als hier erstochen zu werden. Laut Percy schaltet das alle Gegner aus." Kassandra keuchte: "Im Gegensatz zu anderen, vor allem erstrangigen Göttern hat noch nie jemand zu mir gebetet, also ist meine Macht nicht stark genug. Ich hätte es sonst schon längst getan." "Jaja, schon gut, war nur so eine Idee" Ich fragte mich, wie lange wir hier jetzt schon kämpfen. Mein Hals schrie nach Wasser. Endlich gaben die Skelette nach und ließen uns passieren. Wir folgten einem felsigen Weg, bei dem wir aufpassen mussten, dass wir auf der glitschigen Oberfläche nicht ausrutschten.
    Nach einem langen Fußmarsch fanden wir eine offene Fläche, wo wir erstmal blieben. Ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Kassandra setzte sich neben mich, mit einer kleinen Taschenlampe in der Hand. "Hey. Ich wollte dir nur sagen, dass ich dankbar bin. Dafür, dass ihr das hier mit mir durchzieht. Alleine hätte ich wahrscheinlich kläglich versagt trotz Unsterblichkeits-Bonus." "Gern geschehen. Darf ich dich was fragen?" "Nur zu." "Wie alt bist du wirklich?" "Achtzehn. Aber ich nehme die Gestalt als sechszehn-Jährige an, um besser geschützt zu sein. Meine Gestalt, die meinem 'wahren Ich' am ähnlichsten sieht, ist noch um einiges cooler." Sie grinste. "Ich habe etwas für dich. Hier, trink das." Sie drückte mir eine kleine Flasche in die Hand. "Was ist das? Du willst mich doch nicht vergiften, oder?" "Keine Sorge. Das ist ein Trank für einen traumlosen Schlaf. Ich habe ihn noch nie mit jemandem geteilt, aber ich finde, dass Will und du ihn verdient habt, besonders nach heute. Ihr Halbgottkinder müsstet eigentlich vor lauter Alpträume schon Schlafangst haben, oder?" "Aber woher…" "Warst du schon mal bei Medea? Nichte der Kirke und fürchterlich wahnsinnig. Kann aber gute Tränke brauen. Wohnt in Kanada. Sie hat mir von Camp Halfblood erzählt. Und von den ganzen Kriegen", fügte sie noch hinzu.
    Zögernd nahm ich einen Schluck. Die Flüssigkeit hatte die Konsistenz von Sirup und schmeckte nach... pürierten Himbeeren mit Chili im Abgang. Sehr scharf und eklig, aber es wirkte. Fast sofort übermannte mich Müdigkeit. "Ich übernehme die erste Wache. Schlaf gut", hörte ich sie noch sagen, dann war ich weg.

    Als ich aufwachte, sah ich Will, der mit einem Schwert und einer Taschenlampe in den Händen da saß. Kassandra schlief noch. "Morgen." "Eigentlich ist es schon Abend."
    "Echt?" Er hielt mir seine Armbanduhr hin. Tatsächlich, kurz vor acht Uhr abends. "Ich übernehme die nächste Wache. Und du solltest noch etwas schlafen." "Nein, schon gut. Kassandra hat mich erst vor zwei, drei Stunden geweckt. " "Aber dann hat sie ja..." "Über zehn Stunden Wache gehalten", vollendete Will meinen Satz. "Aber wie..." "Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte: Zeit ist bei Göttern nicht dasselbe wie bei Menschen." Ich zuckte mit den Schultern und legte mich wieder hin. Der Trank wirkte noch, also wurde ich nicht von Alpträumen geweckt.

    2
    Will:
    Nico nach so langer Zeit wieder ungestört schlafen zu sehen, war für mich ein unbeschreibliches Gefühl der Erleichterung. Er hatte schon so viel in seinem Leben durchgemacht. Er sah so schön aus im Schlaf. Ruhig. Friedlich. Nicht mehr der harte Kerl, der mit hundert Skeletten gleichzeitig fertig wurde. Man hatte ihm wirklich genug angetan und ihm all seiner Kraft beraubt. Mich wunderte es sehr, dass er sich für so etwas doch noch bereit erklärt hatte. Was der Grund war wusste ich nicht, aber ich hob meine Hand und strich ihm sachte über die Wange. Sie war kalt und glatt. Ein Schrei ließ mich zurückzucken und ich setzte mich schnell normal hin. Hoffentlich hat das Kassandra nicht gesehen oder Nico gespürt! Letzterer wachte auf und wollte gerade anfangen zu schimpfen, aber als er Kassandra sah, ließ er es bleiben. Kassandra hatte sich aufgesetzt und rieb sich die Schläfen. "Alles okay?", fragten Nico und ich gleichzeitig. "Dad... irgendetwas stimmt nicht. Ich habe Zeus gesehen, einen Blitz, New York, irgendwas läuft gerade mächtig falsch." "Dad?" Ich habe Zeus' Willen gespürt. "Er... wollte etwas... zerstören. Eine uralte Macht. Und er ist wütend. Sehr wütend. Seine Wut macht ihn aggressiv und er hat...". Kassandra schluchzte auf, holte tief Luft und sprach weiter. "Irgendwas schlimmes ist passiert." Meine Neugier gewann die Oberhand. "Warum kannst du so etwas sehen?", sprach Nico die Frage aus, die in meinem Kopf herumschwirrte. "Wenn jemand etwas will, mehr als alles andere, dann kann ich das spüren. Wie soll es auch anders sein als Göttin der Willenskraft." Sie holte tief Luft. "So, jetzt ist es raus. Ich kann den Willen einer Person deutlich spüren, je mächtiger er ist. Ich kann ihn auch beeinflussen, aber nicht stark genug. Bei Göttern bringt das zwar sowieso nicht viel, aber Hera denkt, ich könnte andere manipulieren und den Olymp angreifen. Sie denkt, ich bin gefährlich für sie. Viel zu gefährlich. Und sie ist wütend, weil ich aus einer unehelichen Beziehung komme, wo sie doch nur die perfekte Familie akzeptiert." Ich zuckte leicht zusammen. Nico schluckte. Wir legten beide einen Arm um sie. Als Nicos Arm meinen berührte, nagte ein mir bisher unbekanntes Gefühl in mir, aber ich beherrschte mich. "Bist du dir sicher?", fragte ich vorsichtig. "Bei so etwas irre ich mich nie." Nico sagte: "Wir müssen uns beeilen. Je schneller wir wieder oben sind, desto schneller können wir helfen." "Worauf warten wir dann noch?" Wir packten unser Zeug zusammen und liefen im Eiltempo weiter. Nach einer Weile hörte man aus der Ferne Gekreische und Geheule. Ich musste schlucken. Aber wir liefen weiter, direkt auf die Geräusche zu. "Der Palast des Hades." Vor uns erhob sich ein schwarzer Palast auf einem hohen Felsen inmitten eines Flammenmeers. "Interessant zu wissen wo dein Vater wohnt", sagte ich. Nico sagte:"Kleine Frage: wie kommen wir heil über den Fluss aus Feuer? Ich war hier an diesem Eingang noch nie und will noch nicht als Brathähnchen enden." Er wandte sich an Kassandra. "Du kannst nicht zufällig fliegen, oder?"
    "Nein, kann ich nicht. Aber du bist der Knochenmann, oder? Bau eine Brücke!", bekam er als Antwort. Ich schluckte und sah dabei zu, wie Nico zögernd seine Hände hob. Kurze Zeit später bebte die Erde und Knochen kamen zum Vorschein. Ängstlich, aber auch gleichzeitig fasziniert sah ich ihm dabei zu, wie er vor sich hin murmelte und sich die Knochen langsam aber sicher zu einer Brücke über den Fluss formten. "Nach euch."

    3
    Nico:
    Kassandra setzte vorsichtig einen Fuß auf die Brücke. Sie schien zu halten. "Nico, das ist eine Meisterleistung. Ich wusste gar nicht, dass du so etwas kannst!" "Ich auch nicht", sagte ich. Will hatte inzwischen auch beide Füße auf die Brücke gesetzt und atmete erleichtert auf, als er registrierte, dass sie 2 Personen halten konnte. Vielleicht hatte aber auch Kassandra ihre Finger im Spiel, dass sie so blieb wie sie war. Jetzt betrat auch ich die Knochen-Konstruktion. Sie knarzte ein wenig, aber sie hielt. Ich klopfte mir in Gedanken auf die Schulter. Wir liefen auf den Palast meines Vaters zu. Erst als wir auf der anderen Seite angekommen waren registrierte ich, dass Will die ganze Zeit meine Hand gepackt hatte. Anscheinend hat ihm das Höllenfeuer Angst eingejagt. Blut, dreckige Wunden, die richtig ekelhaft aussahen? Alles kein Problem für ihn. Aber so was? Typisch er. Kassandra grinste, als sie es sah. Verlegen wichen Will und ich auseinander. Ich würde jetzt am liebsten alles dafür geben, mir ein mal ins Gesicht sehen zu können, um zu schauen, ob ich wirklich so rot angelaufen war, wie ich glaubte. Will und ich blieben erstmal auf Sicherheitsabstand, als wir weiterliefen. Ich ging vorne weg, Kassandra ging in der Mitte. Will bildete das Schlusslicht. Aber wir waren vor dem Tor angekommen. Ich legte meine Hand darauf und es öffnete sich knarzend. Kassandra zückte sicherheitshalber ihr Schwert. Will tat es ihr unsicher nach. "Würde Hera nicht existieren, dann wäre ich jetzt nicht hier und würde gleich sterben", sagte Will schwach. "Wäre für uns alle weniger Ärger", fügte ich hinzu. Kassandra sagte: "Apropos Ärger, mich wundert es, dass wir noch keinen haben." "Woran..." "Na, an Fallgruben. Einen Hinterhalt mit noch mehr Skeletten die uns abstechen wollen oder so." Ein Knurren ertönte. Es war laut und nah. "Oder Höllenhunde."

    4
    Will:
    Die beiden Höllenhunde, die uns ins Visier genommen hatten, waren potthässlich und nicht gerade groß. Wären da nicht ihre riesigen Reißzähne... Nico versuchte sein Glück und sagte: "Hey, ihr kennt mich doch noch, oder? Ich bin der Sohn von eurem Boss, also tut mir bitte nichts. Hades würde ganz schön böse werden." Das Knurren wurde lauter. "Er ist es schon", sagte eine weibliche Stimme hinter uns. Wir fuhren herum. "Persephone", sagten Nico und Kassandra gleichzeitig. Hades Ehefrau? So hatte ich sie mir gar nicht vorgestellt. Eine dunkelhaarige Frau in einem schwarzen, aber unheimlich knappen Kleid, kam in nuttigen Pumps auf uns zu stolziert. "Hallo. Warum hören diese Viecher nicht auf mich? Ich dachte ich wäre ein Sohn des Hades und sie hätten mir zu gehorchen." "Hallo Nico, Kassandra." "Woher kennt ihr euch?", platzte es aus mir heraus. "Aha, ein Sohn des Apollo, wie ich sehe. Dein Vater ist momentan echt zu bedauern. Zeus' Wut auf ihn ist unbeschreiblich groß. Und mein Mann", sie schnaubte verächtlich, "wurde von Hera gezwungen die Sicherheitsmaßnahmen hier zu verstärken. Anscheinend hat sie geahnt, dass ihr hier bald aufkreuzt." Sie seufzte. "Schön zu sehen, dass es dir gut geht." Sie umarmte Kassandra kurz und sagte dann: "Ich nehme mal an, ihr wollt ihn sprechen?" "Unbedingt", sagten Kassandra, Nico und ich gleichzeitig. "Dann folgt mir." Wir liefen mit gezückten Schwertern hinter ihr her, durch einen dunklen Gang, der in einen großen Saal endete.

    5
    Nico:
    Mein Vater saß in einem Sessel in der Nähe des Feuers mit gequälten Seelen darin. Er hatte sich überhaupt nicht verändert. "Hallo mein Sohn", sagte er, bevor ich den Mund aufmachen konnte. "Hallo Vater." "Wie ich sehe, hast du Besuch mitgebracht." "Ja, das habe ich. Das ist Will Solace. Und Kassandra wirst du glaube ich kennen." "Natürlich. Hallo meine Liebe. Also, was führt euch hierher?" Kassandra neben mir zuckte bei dem Kosenamen zusammen. Ich wollte sie beruhigen, aber sie hatte sich schon wieder gefasst und erklärte so sachlich wie möglich: "Laut einem von Heras Anforderungen, damit sie mich in Ruhe lässt, soll ich das unmögliche tun und einen Toten wieder ins Leben holen. Wir sind uns der Gefahren zwar vollkommen bewusst, es öffentlich und nicht heimlich zu tun, aber Hera will Zeugen als Beweis." "Interessant. Ein Toter, mehr nicht?" Wir nickten alle gleichzeitig. "Ich bin natürlich auf eurer Seite, da mich Heras Aktionen langsam aufregen. Und ihr müsst mir auch gar nicht beweisen, dass ihr das verdient habt, denn dass ihr es trotz verschärfter Vorsichtsmaßnahmen hierher geschafft habt, beeindruckt mich genug. Und ein Toter weniger ist ein Lebender mehr um den sich die Götter kümmern müssen, also auch ein Teil weniger Verantwortung meinerseits. Trotz des, wie sagt man, Handicaps durch ein nicht gerade kampferfahrenes Teammitglied habt ihr euch sehr gut geschlagen. Ich habe nur eine Bedingung: euer Erwählter muss euch freiwillig folgen." Er schaute Will mit seinen schwarzen und kalten Augen an, als er das Wort Handicap sagte. Ich hatte das dringende Bedürfnis, ihm eine zu klatschen, aber Kassandra legte eine Hand auf meinen Arm und ich beruhigte mich schlagartig. Sie übernahm die Kontrolle über meinen Willen. "Also, an welchen Toten habt ihr denn gedacht?" Kassandra ging zu ihm und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Hades beriet sich kurz mit Persephone, diese nickte heftig mit dem Kopf. "Na schön. Aber du übernimmst die Verantwortung!" Kassandra und Persephone nickten gleichzeitig. Sie beugte sich vor und flüsterte Kassandra etwas ins Ohr. Diese kicherte. "Also, auf Wiedersehen sagt man dann wohl." Mit zahlreichen Verabschiedungen und Dankesausdrücken verabschiedeten wir uns. Persephone brachte uns zum Tor. "Viel Glück!" Dann waren wir allein. "Also dann, auf zum Elysium", sagte Kassandra optimistisch und wir setzten uns in Bewegung.

    6
    Will:
    "Warum ins Elysium?", fragte Nico argwöhnisch. "Weil unsere Zielperson im Elysium ist", bekam er als Antwort. Ich schloss die Augen. Geschlafen hatte ich erst vor ein paar Stunden das letzte Mal, aber die Luft im Hades machte einen extrem müde, wie ich festgestellt hatte. Kassandra sagte: "Spätestens jetzt, wenn wir uns aufteilen müssen, solltet ihr wissen, auf wen meine Wahl gefallen ist. Also..." Sie holte Luft (hatte sie das als Göttin unbedingt nötig?) und sagte: "Luke Castellan, der Sohn des Hermes." "Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Dieser Mistkerl hat Kronos auf uns losgelassen!" "Nico, Hades war einverstanden. Und ich werde alle folgenden Konsequenzen tragen. Falls es überhaupt welche geben sollte." "Aber..." "Er braucht eine zweite Chance. Er kann sehr viel wieder gut machen. Und es hat doch irgendwie jeder Dreck am Stecken, oder?" Ich dachte darüber nach, dann merkte ich, dass es stimmte. "Und was machen wir mit ihm, wenn wir hier draußen sind?", fragte ich. "Das entscheiden wir, wenn es so weit ist", antwortete Kassandra. "Jetzt müssen wir ihn erst mal finden." Wir liefen schneller, meine Lunge machte langsam schlapp. Nach einer gefühlten Tagesreise blieben wir stehen. Vor uns erhob sich der wohl schönste Ort in der ganzen Unterwelt. Das Elysium. Prächtige Palastbauten, Tempel und Luxusvillen waren nebeneinander an einen Berghang gebaut. Architektur aus den verschiedensten Jahrhunderten. Die Kinder der Athene wären sicher begeistert. Dann fiel mein Blick auf einen See. Man konnte Seen ja beschreiben. Es gab kleinere und größere. Aber dieses Ungetüm vor uns hätte die Bezeichnung 'superriesig' verdient. In der Mitte des Sees waren... "die Inseln der Seeligen", vollendete Kassandra meine Gedanken. "Also, wir sollten uns aufteilen. Dann sind wir schneller fertig." Sie sagte nicht: Dann können wir Dad schneller helfen. Aber sie dachte es wahrscheinlich. "Und wenn einer von uns Luke gefunden hat?" "Dann gibt er bescheid." "Und wie sollen wir bescheid geben?" "Ihr werdet es merken." Kassandra grinste mich breit an. Ich warf Nico einen fragenden Blick zu. Er zuckte nur mit den Schultern. "Okay, wir teilen uns auf. Will, du übernimmst den linken Teil. Nico, du die Mitte. Ich übernehme den rechten Teil. Sucht alles ab. Falls niemand fündig wird, würde ich sagen, dass wir uns in etwa 3 Stunden wieder hier treffen. Alles klar soweit?" Nico und ich nickten. Ich salutierte scherzhaft. Kassandra grinste. "Alles klar. Dann los!"

    7
    Nico:
    Ich setzte mich in Bewegung und folgte dem Lethe mit einigem Sicherheitsabstand zum Ufer. Ich hatte schon genug Stress mit diesem Wasser gehabt. Es hatte mich mein halbes Leben vergessen lassen. Ein weiteres Bad würde mir den Rest geben. Und auf eine Wiederholung war ich echt nicht aus. Ich begann, die schimmernden Seelen zu beobachten. Derselbe leere Blick, wenn sie aus dem Wasser kamen, unbewusst, wer sie waren und sind. Ich fragte mich, ob ich damals, 1938 (du meine Güte war das lang her), auch so ausgesehen hatte. Mit diesem leeren Blick. Aber Luke konnte ich nicht unter ihnen sehen. Entweder hatte er es schon getan, oder es nicht einmal versucht, worauf ich eher hoffte. Auch auf der gegenüber liegenden Seite hatte ich keinen Erfolg. Ich schlich quer durch einen nahe gelegenen Fichtenwald. Ein paar Geister schwirrten mir entgegen, aber ich versuche sie so unauffällig zu beobachten wie möglich, während ich möglichst gelassen weiterging. Eine Weile lang passierte nichts. Ich irrte durch den Wald und versuchte einen Weg zu den Häusern zu finden. Dann kam mir auf einmal etwas furchtbares in den Sinn: was wenn er Wiedergeburt beantragt hatte? Aber hätte mein Vater uns das dann nicht gesagt? Und Kassandra müsste doch rein theoretisch auch die Entscheidungen von Geistern bemerken können und sie hatte auch nichts gewusst. Also schlug ich mir diesen absurden und Gedanken aus dem Kopf ging weiter. Laut meinem Zeitgefühl waren zwei Stunden um. Dann kamen mir auf einmal noch ein paar Geister entgegen. Ich war so was von froh, dass ich mich noch im Wald befand, denn so konnte ich hinter einem Baum Deckung suchen. Einer von ihnen sagte, als sie an mir vorbei gingen: "Wir haben es echt nicht verdient, im Elysium zu sein. Ich habe gedacht, dass ich für das, was ich getan habe, auf die Felder der Bestrafung geschickt werde oder so. Aber hier vier Jahre lang hier rumvegetieren ist auch nicht gerade besser." Die anderen nickten und murmelten zustimmend. Ich zuckte zusammen. Diese Stimme würde ich überall erkennen. Ich hatte sie zwar nur selten in meinen Träumen und einmal im wachen Zustand gehört, aber sie hatte sich in mein Hirn eingebrannt. Es war Luke, ganz sicher. Aber in meinem Kopf machte sich die Panik breit. Ich hatte Luke, gut, aber 1. Kassandra und Will waren nicht hier und 2. Luke würde hier auch nicht lange bleiben. Also wie sollte ich ihnen bescheid sagen, ohne von hier weg zu müssen."Psst, Nico!", sagte eine Stimme neben mir. Aber niemand war zu sehen. Woher kam sie? "Hier oben, Dumpfbacke!", zischte eine zweite. Das konnte doch nicht... "Mann Nico!" Kassandras Haare schimmerten in dem dichten Nadelgestrüpp der Fichte, hinter der ich mich versteckte. "Leute, wie seid ihr da hoch gekommen?" "Keine Ahnung", sagte Will. "Ich hörte nur irgendwas in meinem Kopf rumoren und dann bin ich auf einmal hier gelandet." Unsere Blicke wanderten zu Kassandra. Diese grinste. Na super. Tolle Antwort! "Ähm, ich glaube, wir sollten uns besser beeilen, wenn wir Luke heute noch mitnehmen wollen." Kassandra sprang von dem Baum herunter (mindestens 2 Meter) und lief Luke hinterher. Fassungslos schaute ich ihr hinterher. Dann zu Will. "Du weißt nicht zufällig, wie sie das gemacht hat?" "Keine Ahnung ", antwortete ich.

    8
    Will:
    Ich kletterte vorsichtig von dem Baum herunter und Nico und ich liefen Kassandra hinterher. "Oh nein, das tust du..." Nicht, wollte Will noch sagen, aber ich hörte schon was er meinte. "Luke!" Kassandras Stimme war klar und deutlich und unmöglich zu ignorieren. Aber er blieb nicht mal stehen. "Castellan!" Langsam wurde ich unruhig. Warum benutzt Kassandra nicht einfach ihren Willen, damit er stehen bleibt? Aber dann fielen mir Hades' Worte wieder ein: er muss euch freiwillig folgen. Nico zog mich hinter einen Felsen. "Das muss sie allein klären", sagte er. "Luke Castellan, ich rede mit dir!" Endlich drehte er sich um. "Äh, Hallo. Sorry die Frage aber: Wer bist du? Und was hast du hier unten zu suchen?" "Lange Geschichte. Ich erzähle dir mal die Kurzfassung. Hera... verfolgt mich wegen meiner Abstammung schon quasi seit meiner Geburt. Und sie meinte, dass ich etwas erledigen muss, um sie loszuwerden. Also, um es klar auszudrücken, ich soll die Erfolgsversion von Orpheus erledigen." Sogar auf die Entfernung hin konnte ich erkennen, dass Luke die Augenbrauen hochzog. "Und ich bin dein... Opfer?" "So zu sagen." "Und was macht ihr dann mit mir, wenn ich der Aktion zustimmen würde und wir hier draußen sind?" "Erst mal Hera unter die Nase reiben, dass sie verloren hat und dann kannst du entscheiden. Du könntest zu deiner Familie gehen. Oder ins Camp. Oder dein Leben weiterleben. Du bist ein erwachsener Mann. Dann entscheidest du das am besten selbst."
    "Aber was ist mit Kronos und den Titanen?" "Zerstückelt, vernichtet oder eingesperrt im Tartarus."
    "Die Camp-Leute?"
    "Ein paar leben noch."
    "Scheiße. Und was ist mit Annabeth? Und Thalia? Und...", er schluckte kurz, "meinen Eltern?"
    "Ihnen geht's gut, keine Sorge. Ich weiß nur noch nicht, ob sie deinen Tod überwunden haben."
    "Aber Hermes wird doch bestimmt wütend auf mich sein, oder?"
    "Als die Schlacht zu Ende war, hat Hermes geweint, als er deine... Überreste... gesehen hat und hat gesagt, ich zitiere wörtlich: 'Mein Sohn, mein größter Stolz.' Ich stand im Schatten neben ihm und habe mich ganz sicher nicht verhört. Also ich glaube nicht dass er jemals wütend auf dich war." "Und woher soll ich bitte schön wissen, dass du die Wahrheit sagst?"
    In diesem Moment setzte sich Nico in Bewegung. "Weil wir dabei waren und alles gehört und gesehen haben, was gesagt und getan wurde", sagte er wütend. "Di Angelo?" Ich kam jetzt auch aus dem Vesteck und stellte mich zu Nico und Kassandra. "Solace? Was macht ihr denn hier?" Luke war die Überraschung deutlich anzusehen.

    9
    Nico:
    Nach einer kurzen Phase Verhandeln sagte Kassandra: "Also, dann wäre das jetzt ja geklärt." "Ich fasse noch einmal zusammen: ihr bringt mich jetzt da hoch, zeigt mich Hera damit sie sich selbst überzeugen kann, bringt mich zu meiner Mutter oder sonst wo hin und das war's?" "So ungefähr", meinte Will. "Die Frage ist nur, wie kommen wir jetzt hier raus." "Tja, das Problem gab es schon immer. Hier rein zu kommen ist leicht. Rauskommen, das ist ätzend." Luke schaute eine Weile auf den Boden, anscheinend war er mit den Gedanken komplett woanders. "Nur um das klar zu stellen: wir laufen einfach los, ohne zu wissen wohin?", fragte ich. "Jap", antwortete Kassandra knapp. "Na ganz toll. Bringt uns ja mega weit", sagte ich verächtlich und verdrehte die Augen. "Klappe di Angelo. Du bist doch der Tiefbauexperte. Kannst du keinen Ausgang finden?" "Du kannst doch auch mal den Felsen befehlen, uns den Weg zu räumen", äffte ich sie leise nach. Der Blick, den Kassandra mir zuwarf, hätte töten können. Schuldbewusst zog ich den Kopf ein. "Da es von hier aus keinen Weg nach oben gibt, schlage ich vor, den offiziellen Weg zu benutzen. Irgendwelche Einwände?" Niemand antwortete. "Ich interpretiere das mal als ein Nein." Fragend zog sie die Augenbrauen hoch. Ich nickte nur.

    10
    Will:
    Wir waren schon fast draußen. Wäre da nicht ein klitzekleines riesiges Problem in Form eines großen Hundes, der allem Übel auch noch drei Köpfe hatte. Mir war fast zum Heulen zu mute. Fast draußen, und jetzt das. Hinter ihm schimmerte das Tageslicht, woraus ich schloss, dass wir uns in einem der vielen Nebenausgänge des Hades befanden, ansonsten käme jetzt noch Charon und weitere Gänge. Aber Kassandra spazierte locker neben ihm durch, der Hund schien sich nicht um sie zu kümmern. Ihr Gesicht war hochkonzentriert. "Was denn?", sagte sie, als sie unsere heruntergefallenen Kinnladen sah. "Der Hund ist unter meiner Kontrolle, neben dem könnte eine Bombe hochgehen und er würde nicht mal mit der Wimper zucken. Aber beeilt euch, er hätte gerne etwas Nachtisch und das kann ich nicht ewig kontrollieren." Nico lachte bei der Vorstellung. Von wegen Bombe! Wir rannten so schnell es ging an ihm vorbei und stürzten ins Freie.

Kommentare (14)

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Emma Watsen (01087)
vor 18 Tagen
Du hasst die Kapitel richtig toll hingekriegt, mir war grad so langweilig das ich gedacht hab ich muss sterben bis ich diese FF gefunden habe ! Ich hoffe du schreibst eine Fortsetzung!
Lara166 (67364)
vor 305 Tagen
Danke! Vielen Dank! Ich hab mich für den letzten Teil besonders ins Zeug gelegt.
Lilian (59644)
vor 305 Tagen
Der letzte Teil ist der Beste von allen geworden. Der Epilog ist klasse. Und dass mit Luke und Kassandra ist auch eine tolle Idee. Ich hatte schon Angst, Kassandra hätte für den Rest ihres unsterblichen Lebens Liebeskummer.
Lara166 (93560)
vor 306 Tagen
Vielen Dank!
Der letzte Teil ist übrigens draußen, ich hoffe, er gefällt euch!
SeBoss (09473)
vor 321 Tagen
Richtig gut weiter so
Adhara (59260)
vor 352 Tagen
Die Idee für die Fortsetzung finde ich richtig gut und die Geschichte lässt sich auch auch sehr angenehm lesen. Ich fand es nur etwas seltsam, dass du die Gestalt von Persephone aus dem Film gewählt hast und nicht die aus den Büchern^^
Lara166 (26396)
vor 370 Tagen
Danke! Die Idee wegen Luke kam mir ganz spontan, ich fand es schade dass er sterben musste. Und von den Jägerinnen der Artemis werdet ihr auch noch hören, wenn ich weiterschreibe :).
Lilian (09552)
vor 370 Tagen
Würde mich freuen, wenn ihr auch mal bei meiner Fanfiktion vorbeischaut. :D Sie heißt "Silberpfeil" und es geht um die Jägerinnen der Artemis. Bald lade ich den dritten Teil hoch. :)
Percabeth (96659)
vor 371 Tagen
Die Idee mit Luke hatte ich auch schon mal. Nur bin ich zu faul das aufzuschreiben. Die Geschichte ist echt super!
Lara166 (26396)
vor 371 Tagen
Ich habe mir gedacht, dass er sich Annabeths Worte, dass er sich immer zu viel vornimmt, vielleicht ernst genommen hat. Und ich habe mir extra mühe gegeben, dass man sieht mit wem Nico zusammenkommt. Und es freut mich, dass es dir gefällt :).
Lilian (09552)
vor 371 Tagen
Ok, hier wird ja jetzt deutlich klar, dass Nico mit jemand anderem zusammenkommt. ;)
Eigentlich hatte Luke ja vor, Wiedergeburt zu beantragen, aber das bedeutet ja nicht, dass er es dann auch zwingend im Elysium getan hat.
Bin gespannt, wie es ausgeht. :)
Lara166 (75520)
vor 397 Tagen
Danke schön. Ich hatte nicht im Sinn, dass die zwei zuzusammenkommen. Ich wollte es eigentlich nicht verraten, bevor ich an den weiteren Teilen schreibe, aber um dich aufzuklären gebe ich dir einen kleinen Hinweis : Überleg mal, wer gut aussieht und tot ist. Und der in der ersten Reihe "💗 gebaut hat". Ich hoffe das verrät nicht zu viel, aber denk dir den Rest ;).
Lg
Lilian (64792)
vor 397 Tagen
Aber spannend und gut geschrieben ist Deine Fanfiktion trotzdem. :)
Lilian (64792)
vor 397 Tagen
Es läuft ja alles darauf hinaus, dass sich Nico und Kassandra ineinander verlieben.
Du hast offensichtlich alle Bände von Helden des Olymp gelesen und hoffentlich nicht vergessen, dass Nico schwul ist und mit Will zusammen kommt (wie man auch noch einmal in The Trials of Apollo erfährt)!