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Lelya. Traumatisch, Masochistisch, Hufflepuff

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11 Kapitel - 2.482 Wörter - Erstellt von: Alibi11 - Aktualisiert am: 2016-08-02 - Entwickelt am: - 1.443 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Lelya ist vieles. Schlau, mutig, listig...
aber gewiss eines nicht. Treu.

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    „Lelyana… es ist so weit. Komm. So ist es brav…“
    Folions Hand schließt sich um die Hand des kleinen Mädchens. Ihre Augen sind gefüllt mit Tränen, und ihre Lippe bebt. Langsam folgt sie ihrem Bruder, der sie grob mit sich reißt. Man kann ihr ansehen, was sie für Angst hat, und, dass sie überall lieber sein würde als hier. Aber doch wird gegen ihr sträuben angekämpft, und schließlich steht sie mit ihrem Geschwistern und ihrem Vater vor dem Sarg. In ihm liegt ihre Mutter, gestorben bei der Geburt ihres 6. Kindes.
    Sie alle stehen um das geöffnete Grab versammelt.

    Sophaja, die älteste, steht mit ihren 14 Jahren neben ihrem 32 Jährigen Ehemann. Ein Schleier verdeckt ihr Gesicht, aber man kann auch ihrer Haltung entnehmen, dass sie alles hier völlig kalt lässt. Neben ihr steht der Erstgeborene. Obwohl er erst 9 ist, hält Folion Lelyas Hand fest. Wie in einem Schraubstock, wo ihre zerbrechliche Kinderhand übrigens schon mal steckte. Er sieht mit abwertender Miene zum Sarg, so, als wäre es die Schwäche ihrer Mutter der Grund für ihren tot, und nicht die Grippe und Geburt.
    Hinter Lelya steht der 5 jährige Bruder Elektro.
    Seine dunkelbraunen Haare sind verwuschelt, und die Augen verheult. Er ist neben seinen kleinen Schwestern Alena und Alika fast der einzige, der heute unbezahlt eine Träne vergießt. Und auch die beiden, scheinen es eher aus Hunger zu tun. Auch Lelya weint nicht aus Schmerz oder sie Trauer, sie weint aus Angst.
    „…im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Möge sie in Frieden ruhen.“ Die Stimme des Pfarrers bricht ab, und alle beginnen damit, etwas Erde auf den Sarg fallen zu lassen. Dumpf hallt ihr Aufschlag wieder, dumpf wie die leere in Lelyas Kopf. Nicht vor Trauer, nein, aus dem Wissen heraus, was jetzt kommen mag. Die Mutter der Kinder ist die einzige gewesen, die sie aus dem Krieg heraus hielt, der mittlerweile ein ganzes Land zerbrechen ließ. Und jetzt ist sie weg…

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    Und jetzt ist sie weg… Drei Jahre später betritt Lelya im Alter von 6 Jahren das Internat, auf dem sie die restlichen Jahre bis zu ihrer Hochzeit zu verbringen hat.

    Der Schuldirektor lässt sie, von einer Sekretärin mit einem strengen Dutt, zu sich bringen, ihre Hände sind faltig und die Augen matt. Diese Frau riecht genau wie alles hier nach Mottenkugeln, Schimmel und Blut. Wobei die Mottenkugeln überwiegen.
    Unsicher betritt Lelya den Raum mit dem Schulleiter. Er sitzt mit an einem akkurat aufgeräumten Schreibtisch, und seine Haltung ist so aufrecht, dass es wirkt als ob jemand ihm einen Stock in den Rücken und den Hals gerammt hätte.
    „Guten Tag Lelyana Aquaria Isala Noctem. Es erfreut mich durchaus, dich hier begrüßen zu dürfen.“ Einzig alleine ein Zucken um seine Mundwinkel verrät, dass er kein Computer ist. Seine Stimme ist kalt, gefühlslos und hart. Unbarmherzig, wie er.
    Und die Schule.
    Sie liegt mitten im Niemandsland und zur nächsten bewohnten Gegend dauert es selbst mit dem Jeep mehrere Stunden. Die Schlafsäle liegen in kleinen eingeschossigen Militärbaracken, und der Unterricht findet im einzigen Beheizten Gebäude, dem Haupthaus statt. Die Landschafft ist karg und nirgendwo sind helle oder bunte Dinge zu sehen
    .
    Als Lelya einige Minuten später von der Sekretärin zu ihrer Baracke gebracht wird, ist die Sonne schon untergegangen.
    „Das Essen ist vorbei. Um 6:30 werdet ihr geweckt. Wer eher aufsteht, seine Sache. Um 7:00 ist Frühstück, wer zu spät kommt, bekommt nichts mehr. Um 8:00 beginnt der Unterrich. Wer zu spät kommt, wen Rohrstock besitzen wir nicht ohne Grund. Du gehst in die Klasse 1.C. Hier der Stundenplan. Um 14:00 endet der Unterricht, du wirst dann bis 16:00 Frei haben. Um diese Zeit, findest du dich in der Speise Halle ein. Dort wirst du dann für ein Nachmittagsprogramm bis 18:00 eingeteilt. Um 18:15 gibt es Abendessen und um 19:45 ist für dich Bettzeit. Um 20:00 ist Lichtaus.“
    Mit diesen Worten lässt die Frau das kleine Mädchen alleine in einer neuen, fremden Welt stehen. Leise setzt sich Lelya auf eines der vielen freien Betten, und fängt an, die wenigen Dinge die sie besitzt, auszupacken. Während sie die letzten Erinnerungen an Zuhause in das kleine Regal an der Wand legt, und die grauen Klamotten in die Schubladen unter das Bett legt, beginnt Lelyana zu weinen.

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    Und wieder vergeht die Zeit. Der Krieg spitzt sich zu, und mittlerweile muss sich jeder für eine Seite entscheiden. Staat oder Rebellen, dazwischen gibt es nichts. Lelyas Familie entscheidet sich für die Rebellen, und von nun an, werden Elektro, Lelya, Alena und Alika auf einem Militärstützpunkt mit den Kindern der anderen Kämpfenden privat unterrichtet. Der Stützpunkt wurde zu einer Schule, für all die Kinder/ Druckmittel der Soldaten, Spione oder Offiziere.
    Hier wird die nächste Generation Kämpfer heran gezogen, Mädchen werden in die Heilkunst eingeführt, und Jungen lernen schon mit 6 Jahren, wie man mit einem Gewehr umgeht.
    Allgemein ist der Alltag noch härter als früher, es wird früher aufgestanden und später eingeschlafen, die Strafen sind härter und das Essen weniger.
    Aber, dass Alena und Alika da sind, gibt Lelya Kraft. Die große Schwester gibt sich alle Mühe ihre Kleinen Geschwister vor der härte dort zu schützen. Besonders Alena steht Lelya sehr nah, da die beiden nahezu gleich alt sind. Trotzdem entfernen sie sich alle nach und nach voneinander.
    Langsam werden sie selbst die Schwestern fremd, und als der Staat weiter vorrückt, droht die Lage zu eskalieren. Sophaja reißt mit ihrem Mann an, der ein wichtiger General ist, und von hier aus die Truppen führen soll, und auch Folion kommt mit seiner Sippe, seiner Frau, seinen Freunden... mit Mark.
    Und als die Schule dann unter Belagerung steht, kommt niemand mehr hinein oder hinaus.
    Alles ist wie fest gefroren, die Nahrung wird Rationiert und Strom gespart.
    Und während Lelya versucht, der kranken Alena etwas zu trinken einzuflößen, bekommt sie die Nachricht.

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    Mit zitternden Fingern, lasse ich den Zettel sinken. Den Zettel, auf dem in Mark Jenders krakliger Schrift steht, dass er mich sehen will.
    Heute Abend.
    Ich hatte gewusst, dass es irgendwann passieren würde, irgendwann…
    aber so bald? Wollte Mark wirklich mit einer… 12 Jährigen schlafen? Denn selbst, wenn ich für mein alter ungewöhnlich reif war, war ich doch noch immer ein Kind, oder?
    Und außerdem... würde es... ich meine… ich… es würde mein erstes Mal werden. Vielleicht nicht vom Geist her, denn dieser war schon vor Jahren aus dieser Hülle verschwunden, aber vom Körper.

    Während ich versuche, ruhiger zu atmen, stehe ich auf und betrachte mich im Spiegel.
    Meine Haare sind dunkelbraun und fallen in seichten Wellen bis zu meiner Brust, meine Haut ist glatt und pickellos. Eigentlich würde ich normal aussehen. Vielleicht nicht wie eine 12 Jährige, sondern wie eine 14 Jährige, aber normal.
    Wären da nicht die großen, hellblauen Augen, in denen man alles was ich gesehen habe, zu erkennen glaubt. Wissend sehen sie mich aus dem Spiegel heraus an, und unwillkürlich erschaudere ich. Im Wissen, was sie noch alles sehen müssen.
    Aber sicher? Warum müssen sie denn all diese Dinge sehen? Könnte ich mich nicht einfach verkriechen?
    Von hier, aus diesem Leben verschwinden?
    Heute Abend einfach nicht in Marks Zimmer kommen?
    Könnte ich dem allen hier nicht einfach entfliehen?
    Die Antwort ist eigentlich einfach. Ja, ich könnte. Aber ich will nicht.
    Ich kenne nichts anderes hier, und, obwohl ich schon von der Freiheit träumte, wäre ich mit ihr überfordert.
    Hier ist alles einfach.
    Ich bin unten in der Rangordnung, und jeder Mensch ist über mir.
    Und jeder Mensch kann mit mir machen, was er will.

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    Nichts... Sorry guys

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    Nein... Immer noch nichts....

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    Aus Alenas Sicht, Lelyas jüngerer Schwester.
    In dem Moment, in dem mein Bewusstsein zurück kehrt, spüre ich all den Schmerz und die Dunkelheit um mich herum. Seit die Pocken mich haben erblinden lassen, gibt es nichts mehr, was mir Licht bringen kann. Ich bin egal, und wenn es nach meinem Vater und Folion gehen würde, wäre ich schon längst tot. Über die Mauern geworfen worden, und dort verrottet… Aber es geht hier nicht nach ihnen, und da meine Familie nach außen hin so wirkt, als wäre sie liebend und normal, können Vater und Folion das leider nicht tun. Leider?
    Genau, denn ich hasse dieses Leben. Seit Alika vor einigen Wochen verschwunden ist, verheiratet wurde, oder was weiß ich, ist meine einzige Freundin hier weg. Natürlich gibt es auch noch Lelya, aber sie ist trotz des geringen Altersunterschiedes eher Mutter für mich als Freundin oder Schwester. Und außerdem traue ich ihr nicht. Nicht mehr. Nicht seit sie mit ihm geschlafen hat.
    Warum ich ihr nicht vertraue? Ich weiß es selber nicht… aber sie wirkt so anders. Ihre Schritte, ihre Stimme, ihre Art… alles wirkt so Fremd. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber sie ist ein anderer Mensch geworden.
    Den anderen fällt es nicht auf, sie sieht aus wie früher aber ich bemerke ich. Ohne das Sehen sieht man mehr… irgendwie…
    Plötzlich geht die Tür auf, und eine Person betritt den Raum. Ich erkenne das sie es ist, denn etwas anderes, als mir die sich verändernden Schritte der Personen zu merken, kann ich auf meiner einfachen Pritsche im leeren Raum nicht machen.
    Aufmerksam spitze ich die Ohren, und höre, wie sie näher kommt, spüre dann ihre kühle, feingliedrige Hand auf meiner Stirn. „Hallo…“ flüstere ich mit leiser Stimme, während meine Hand nach ihrer tastet. „Wie geht es dir?“ Ihre Stimme ist leise, fest aber kalt, wie sonst auch immer. Seit dieser Nacht verbirgt sie alle Gefühle hinter einer Maske. „Ganz gut…“ murmel ich, und setze mich auf. Wie mir doch das sehen fehlt… „…Folion weiß es.“ Sage ich auf einmal. Eigentlich hatte ich es ihr gar nicht sagen wollen, ich hatte es nicht mal wissen sollen, aber man schnappt immer wieder etwas auf, wenn man lauscht, und irgendwas hat mich dazu veranlasst es ihr zu sagen.
    Sofort reißt sie ihre Hand aus der meinen, und ich kann spüren, dass sie sich hinkauert, die Arme um den Kopf schlingt, dann höre ich leises Schluchzen aus ihrer Richtung. „Hey… nicht weinen… was soll er denn tun? Er kann dir nichts tun… Warum sollte er dir denn etwas tun?“
    Ehe meine Schwester antworten kann, geht die Tür auf, und anhand der Wolke aus Alkohol und Schweiß kann ich mir denken, dass es Folion ist, der den Raum betritt. Ihm folgt eine andere Person, ich kenne ihn nicht gut, weiß aber, dass es der Typ ist, der meine Schwester gefic** hat. Aus Reflex lege ich mich hin, und tue so, als würde ich schlafen.
    Und tue das, was ich immer tue.

    Ich lausche.

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    Noch immer aus der Sicht von Alena

    Ich weiß nicht wann ich angefangen habe zu weinen. Aber irgendwann, ist alles um mich herum nass. Die Tränen strömen nur so über meint etwas, so schnell kommen neue nach. Also gebe ich es auf.

    Ich weiß auch nicht, wann die Schreie verstummt sind, aber jetzt höre ich nur noch ein leises wimmern aus der Ecke schräg hinter mir.
    Ich versuchte es zu ignorieren, aber es geht nicht. Die Töne brennen sich in mein Gedächtnis ein, werden unvergesslich.

    Ich bekam vieles mit, Körper, die auf den Boden aufschlugen, hörte diese unvergesslichen Geräusche, wenn Stoff reißt, Metall durch Fleisch schneidet, und wenn Fleisch auf Fleisch trifft.
    Vor lauter Angst, Panik, Wut und Trauer
    (Worum eigentlich? Habe ich denn etwas verloren?
    Ich weiß es nicht… vielleicht hatte ich damals ja schon eine Ahnung was passieren wird…) realisierte ich nur kleine Wortfetzten von wegen: „…Wert gemindert…“ „…Rache…“ "...Heiraten..."„…Sie wollte…“ „…Er sagte…“ „…Vertrauen missbraucht…“ „…töten…“ „…unnützes Ding…“
    Und dann eben Schreie, aufschlagende Körper, wimmern, weinen, schluchzen, flehen, und dann irgendwann legt sich dieses unvergleichbare Gefühl über den Raum, das Gefühl, wenn der Tod eintritt, und eine Seele mit sich fort nimmt.
    Diese kälte…
    die alles zu durchdringen scheint und dich zu lähmen droht.
    Du möchtest Schreien aber wenn du es nicht kannst, weil die lähmende Angst unsere Kehlen zu schnürt.
    Ich wusste damals noch nicht, dass dieses Gefühl noch stärker werden kann. Ich dachte, ein größeres Grauen als in diesem Moment kann mich nicht mehr packen...
    Wie Naiv ich war...
    Denn ich sah nicht, wie sich meine Schwester erhebt, dass Messer aus Marks erschlaffter Hand zieht, und dann vielleicht eine Stunde nach Folion den Raum verlässt.
    Ich wusste nicht, dass sie seine Kammer betritt, sich über ihn beugt, und ihm mitten in einem Schnarchen die Kehle durchschneidet. Und, dass sie sich lächelnd das Blut von den Lippen leckt, dann die Treppen hinunter steigt, und die Tore öffnet.
    Alles ohne eine einzige Träne.
    Als dann der Feind die Burg stürmt, die Ställe anzündet, und mich, Sophaja, ihre Kinder und Hunderte andere Unschuldige abschlachtet, weint sie dann wieder.
    Schluchzend kniet sie mit gesenktem Kopf alleine in einem grauen Zelt.
    Denn sie weiß, was sie getan hat.
    Und auch, was folgen wird.

Kommentare (2)

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Opeila (05134)
vor 404 Tagen
Kapitel 8... OMG...^_^
LilyPotter (92199)
vor 407 Tagen
Gute Idee. Ich würde mich freuen,
wenn du weier schreibst.
Lg LilyPotter