Der Fluch der Göttin 2- Camp Half-Blood FanFiction

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3 Kapitel - 4.768 Wörter - Erstellt von: Octavia100 - Aktualisiert am: 2016-05-29 - Entwickelt am: - 309 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Geschichte der Demigötter geht weiter. Noch ist alles ruhig und friedlich.

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    Das ist nicht gut, gar nicht gut. „Was ist los?“, fragt Chase und mustert mich von der Seite. Ich schaue mich um. Keiner ist in der Nähe. „Du kannst das Feuer kontrollieren, stimmt´s?“, frage ich. Ich kenne die Antwort schon. „Feuer und Wasser vereint…“ Jemand scheint sich sehr für Chase zu interessieren und er sieht so gar nicht aus wie ein Sohn des Hephaistos. Er ist der zweite Demigott aus der Prophezeiung. Ich bin das Wasser, sonst gibt es kein Kind des Poseidons. Seit ich von dieser Prophezeiung weiß, habe ich gehofft, dass nicht ich gemeint bin, dass sie erst Jahre später wahr wird, aber er hat meine Hoffnungen zunichte gemacht. „Woher weißt du das?“, fragt er vorsichtig und mustert mich aus diesen schönen, grünen Augen. „Ich weiß es halt.“, antworte ich. Chase fährt sich mit einer Hand durch seine blonden Haare. „Ist das was Schlechtes?“, fragt er. „Ich bin mir nicht sicher.“, sage ich und schüttele frustriert den Kopf. „Es heißt immer, dass Feuernutzer nur auftauchen, wenn die Situation katastrophal ist und die Welt kurz davor ist unterzugehen. Sie werden als Fluch bezeichnet, aber dasselbe gilt auch für Kinder des Poseidon und als seine Tochter kann ich dem wohl kaum zustimmen.“ Chase schaut mich verwundert an. „Dein Vater ist Poseidon?“, fragt er erstaunt. Ich bleibe stehen und mustere ihn. Er sieht ja schon verdammt gut aus. „Ja.“, sage ich. „Was denkst du wie ich das Wasser kontrolliert habe?“ Er zuckt die Achseln. „Ich dachte nur du wärst eine Tochter des Ares wegen deinem Bruder. Außerdem würde es irgendwie passen.“ „Dafür sollte ich dich töten.“, sage ich beleidigt. Nichts gegen meinen Bruder, aber Ares? Ernsthaft? Chase schaut sich unsicher um, aber es ist keiner in Sicht. Alle Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen und er wischt seine Handflächen an seiner Jeans ab. Ich kann mir das Lachen nicht länger verkneifen und pruste los. Chase schaut mich an, als ob ich verrückt geworden wäre. „Also war es nur ein Scherz?“, fragt er immer noch unsicher. „Natürlich.“, antworte ich lachend. Er stemmt seine Hände in die Hüfte und meint: „Das ist nicht lustig okay?“ „Doch ziemlich.“, entgegne ich. Er brummt irgendetwas vor sich hin und wendet sich ab.
    Ich trete neben ihn und zusammen beobachten wir wie Martin und Marlon aus der Ares Hütte mit aneinander geklebten Beinen versuchen Maja und Tom aus der Hermes Hütte zu fangen. „Ich bin also gefährlich?“, fragt Chase. „Nein.“, sage ich schnell. Ich weiß genau wie er sich fühlt. Ich weiß wie es ist Kräfte zu besitzen, die den Anderen Angst machen. Ich verstehe wie es ist selbst unter Halbgöttern ein Freak zu sein. Vielleicht kommt daher diese Verbundenheit, die ich zu ihm fühle. „Du musst einfach nur lernen deine Kräfte zu kontrollieren.“, sage ich, erwähne jedoch nicht, dass ich meine Kräfte nach sechzehn Jahre noch nicht kontrollieren kann. Er nickt langsam. „Ich will kämpfen lernen.“, sagt er entschlossen. „Ich bring es dir bei.“, sage ich. Soviel bin ich ihm schuldig. Sein Schicksal ist mit meinem Verbunden und ich bringe jedem, der mir zu nahe kommt, nur Unglück. Schweigend gehen wir weiter. Ich zeige Chase das ganze Camp, aber keiner von uns will reden. Bei den Hütten angekommen, fragt Chase schließlich: „Der Typ am Meer…Du hast ihn Bruder genannt…“ Und dann getötet. Ich weiß. „Skiron ist ein Sohn des Poseidons. Eigentlich ist er schon vor Jahrhunderten gestorben, aber die Nervensäge kommt immer wieder.“, sage ich kopfschüttelnd. „Wir hatten noch nie ein besonders gutes Verhältnis.“, füge ich hinzu und zeige auf eine lange Narbe an meiner linken Wange. „Als wir uns das letzte Mal gesehen haben, hat er mir die hier verpasst.“ Chase lächelt und sagt: „Er hatte keine Chance gegen dich. Wie hast du gelernt so gut zu werden?“ „Ich lebe und trainiere schon mein ganzes Leben lang hier.“, antworte ich. „Meine Mum hat Jake und mich hierhergebracht, als ich etwa ein Jahr alt war.“


    Chase ist der geborene Kämpfer. Sein Körper scheint die Bewegungen, die ich ihm gezeigt habe innerhalb von Sekunden verinnerlicht zu haben. Es ist als hätte er nie etwas anderes getan. Kein Wunder, dass sein Schwert ihn ausgewählt hat. Springflut, das Schwert, das einst Percy Jackson gehört hat, hat jahrelang keinem erlaubt es zu führen. Bis jetzt. Es ist als ob das Schwert auf Chase gewartet hätte. Mit einer schnellen Bewegung entwaffne ich Chase und presse mein Schwert aus stygischen Eisen gegen seine Kehle. Stygisches Eisen ist normalerweise ein Zeichen für die Kinder der Unterwelt, aber mein Vater hat es mir zu meinem fünften Geburtstag geschenkt. Es war das einzige Geschenk, das ich jemals bekommen habe. Wahrscheinlich wollte er nur zeigen, dass ich nichts als Unheil und Zerstörung bringe. Das ist es was die Götter von mir denken. Nicht mehr und nicht weniger. Auch sie können nicht umhin mich mit Percy Jackson, dem Sohn des Poseidons, der so oft die Welt gerettet hat, zu vergleichen. Er ist eine Legende, er und seine Freunde, die gegen Kronos gekämpft haben, Gaia besiegten. Keiner weiß, was mit ihm passiert ist. Wir wissen nur, dass sein Schwert hier ist. Einige sagen er wäre untergetaucht, andere sagen er wäre tot. Mittlerweile glaube ich auch, dass er tot ist. Halbgötter werden nie alt. Besonders nicht Halbgötter mit unserem Vater. „Du musst schneller werden.“, sage ich zu Chase, „Skiron wird nicht der einzige sein, der versucht dich zu töten.“ Er schielt auf meine Schwertspitze und sagt: „Das mit dem Kopfgeld verstehe ich immer noch nicht so ganz.“ Ich seufze. „Schon etwas länger arbeitet irgendjemand gegen uns und die Götter. Wir wissen nicht wer es ist, aber wir arbeiten dran. Du bist mächtig. Viel Leute haben etwas gegen mächtige Demigötter.“ Langsam lasse ich mein Schwert sinken und schaue zu wie er Springflut wieder in einen Kugelschreiber verwandelt. „Hier.“, sagt er und hält mir die Waffe hin. Ich schüttele den Kopf und schließe seine Finger um den Kuli. „Du hast es dir verdient.“ „Aber ich habe doch gar nichts getan außer gegen dich zu verlieren.“, protestiert er. „Du bist der erste in fast zwanzig Jahren, der das Schwert benutzen kann.“ Er schaut mich aus großen Augen fragend an. „Springflut hat eine lange Geschichte in die viele Helden verwickelt sind.“, erkläre ich und erzähle ihm von den Mysterien um Percy Jackson. „Sollte es dann nicht dir gehören?“, fragt er etwas schuldbewusst, „Ich meine…er war immerhin dein Halbbruder.“ Ich schüttele meinen Kopf und sage düster: „Ich bin nicht dazu bestimmt das Schwert eines Helden zu führen. Ich bin nicht wie er.“

    Ich mustere Ruby. Sie sieht irgendwie traurig aus. „Warum sagst du das?“, frage ich und lege meinen Kopf schief. Sie ist eine gute Person. Sie lacht trocken. „Du hast noch nicht gesehen wozu ich im Stande bin.“, antwortet sie kopfschüttelnd. Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, schließe ihn aber wieder als ich etwa leuchtendes über meinem Kopf sehe. Ich greife danach und verbrenne mir sofort die Hand. Ich habe mich noch nie verbrannt. „Was zum Teufel ist das?“, frage ich und versuche mich weg zu ducken. Das Leuchten folgt mir. Ruby lacht und sagt: „Du wurdest gerade anerkannt. Komm mit, ich bring dich zur Hephaistos Hütte.“
    Die Hephaistos Hütte unterscheidet sich äußerlich kaum von den anderen, aber innen drin ist sie ziemlich cool. Überall stehen Erfindungen und irgendwelche Geräte, deren Sinn ich nicht verstehe. Mein Problem: Ich habe keine Ahnung von sowas. Ich bin handwerklich komplett unbegabt. Wie kann ich mit Kindern, die sowas bauen können verwandt sein? Das einzige wo ich meine Hände benutzen kann, ist Basketball. Ein bulliger Junge, etwas älter als wir, mit dunklen Haaren und buschigen Augenbrauen kommt auf uns zu. „Hallo, Finn.“, sagt Ruby und deutet auf mich. „Das ist Chase. Er wurde grade eben anerkannt.“ „Du bist der Neue?“, fragt Finn ungläubig. „Ihr wusstet, dass ich komme?“ „Ja, Dad hat uns vorgewarnt.“ Finn mustert mich und ich mustere ihn. Der soll mein Halbbruder sein? Nichts an uns ist ähnlich. Ich bin groß und schlank, er klein und bullig. Seine Hände sind schmierig und grob, meine sind lang und schlank. Er hat runde, dickliche Gesichtszüge, ich harte und kantige. Finns Muskeln sehen aus wie die von Hulk, während meine Muskeln schlank und sportlich sind. „Ich komm dich zum Abendessen abholen.“, sagt Ruby und lächelt mich an. Ich lächele zurück und schaue ihr hinterher. Sobald sie draußen ist, sagt Finn: „Versuch´s erst gar nicht, es wird nicht funktionieren.“ „Warum?“, frage ich skeptisch. „Hat sie einen Freund?“ „Es gibt da diesen Sohn des Ares. Zwischen den beiden läuft definitiv was.“ „Oh.“, sage ich etwas enttäuscht. Okay, warum zum Teufel bin ich enttäuscht? Ich kenn sie erst seit heute.

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    Chase stößt einen quietschenden Ton aus, als ich in den Schatten direkt vor ihm auftauche. Ich lache, verstumme aber als ich merke, dass er kein T-Shirt trägt und ich ihm verdammt nahe bin. „Kannst du bitte damit aufhören? Das ist gruselig.“, brummt er, aber ich lache nur. Er tritt einen Schritt zurück und bückt sich um ein T-Shirt aufzuheben, während ich versuche nicht auf sein Sixpack zu starren und kläglich scheitere. Über seinen Bauch zieht sich eine lange, übel aussehende Narbe, also tue ich so als ob ich darauf starren würde. „Was ist da passiert?“, frage ich und strecke instinktiv meine Hand aus, um vorsichtig über die Narbe zu fahren. Ich kann die Muskeln unter seiner warmen und weichen Haut spüren. Chase schaut mich aus großen Augen an, öffnet den Mund und klappt ihn wieder zu. Schnell lasse ich meine Hand fallen. Was ist nur los mit mir? „Monster.“, sagt er schließlich einsilbig und zieht ein orangenes Camp Half-Blood T-Shirt über seinen Kopf. „ Wo sind die anderen?“, frage ich, um das Thema zu wechseln. „Schmiede.“, sagt er jetzt wieder lächelnd, „Ich wollte erstmal duschen gehen, bevor ich irgendwas anderes mache.“ Ich nicke und mustere ihn. „Ich schätze mal du willst gehen anstatt die Schatten zu benutzen.“ „Ja bitte.“, sagt er sofort. Dann runzelt er die Stirn. „Warum kannst du das überhaupt?“ „Ich habe dir doch gesagt, dass ich einige Kräfte von Hades besitze.“, antworte ich und mache mich auf den Weg aus der Hütte raus. „Ja, aber wie bist du daran gekommen?“ „Das geht dich nichts an.“, fauche ich und spüre wie es um mich herum kalt und dunkel wird. Chase nickt einfach nur und sagt: „Tut mir Leid.“


    Anstatt sich an einen Tisch zu setzten führt Ruby mich nach vorne, wo jeder uns gut sehen kann. Normalerweise habe ich kein Problem damit das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein, aber unter den prüfenden Blicken der anderen Halbgötter fühle ich mich unwohl. Ich schaue mich um, suche Chris, aber sie sitzt an keinem der Tische. Gerade als ich Ruby fragen will wo sie ist, kommt sie zusammen mit Jake in den Pavillon. Der Sohn des Ares bedeutet ihr zu seiner Schwester zu gehen und setzt sich an einen Tisch mit lauter anderen muskulösen und bewaffneten Kindern. „Wir sitzen nach Elternteil getrennt beim Essen.“, erklärt Ruby leise. Ich schaue mich um und entdecke einen Tisch an dem nur ein großes, blondes Mädchen sitzt. Ihr Tisch ist aus glänzendem Holz mit einem Blitz darauf. Zeus, schätze ich. Neben ihrem Tisch stehen zwei leere. Einer aus dunklem Holz mit einem Skelett drauf und ein sehr einfachere mit einem Dreizack darauf. Rubys Tisch. Heißt sie muss immer alleine sitzen. Vielleicht hat sie sich deshalb entschlossen mir zu helfen. Sie weiß wie es ist ein Außenseiter zu sein. Aber sie hat sich ihren Respekt erkämpft. Die anderen fürchten sie nicht unbedingt, respektieren aber ihre Stärke. Langsam wird der Raum ruhig, Chiron nickt Ruby zu. Die Tochter des Poseidon deutet auf Chris und sagt: „Das ist Chris. Sie ist erst heute hierhergekommen und wurde noch nicht anerkannt. Erklärt die Hermes Hütte sich bereit Chris solange aufzunehmen?“ Die Hermes Hütte, eine Gruppe elfisch aussehender Kids bei denen ich nie meine Wertsachen rumliegen lassen würde, nickt einstimmig und einer der Jungen ruft: „Falls wir keinen Platz mehr finden, kann ich auch mein Bett teilen.“ Chris wird rot und schaut auf den Boden. „Fass sie an und du bist tot, Toby.“, sagt Ruby grinsend. „Seit ich weiß, dass du mich nicht töten darfst zieht das nicht mehr, Ruby.“, entgegnet der Junge grinsend. „Na dann werde ich dich wohl ins Meer zu den Haien werfen müssen.“, sagt Ruby. Toby öffnet den Mund um zu protestieren, verzichtet dann aber lieber. Vielleicht werde ich ihn auch einfach anzünden, wenn er Chris anfasst. Chris wirft mir einen unsicheren Blick zu, woraufhin ich lächele und sie in Richtung des Hermes Tisches schubse. Alle schauen gespannt in meine Richtung. Ruby lächelt mich aufmunternd an und verkündet ernst: „Chase kam ebenfalls heute hier im Camp an und wurde vor etwa einer Stunde anerkannt. Begrüßt Chase, Sohn des Hephaistos.“ Stille. Alle starren mich einfach nur an, bis Jayden und Jake schließlich ihre Becher heben. „Willkommen Sohn des Hephaistos.“, sagen sie unisono. Langsam stimmen die anderen Camper ein. Fragend schaue ich Ruby an und sie nickt in Richtung des Tisches an dem Finn sitzt. Hephaistos hat nicht viele andere Kinder. Da sind Finn, ein großes dunkelhäutiges Mädchen in meinem Alter, ein zehnjähriger Junge, der jetzt schon größer ist als Ruby und etwa doppelt so breit, zwei bullige, etwas ältere Jungen, die definitiv Zwillinge sind und ein etwas jüngeres Mädchen mit koboldhaften Zügen und lockigem Haar. Ich setze mich zwischen Finn und das Koboldmädchen. Das Mädchen ist etwa dreizehn und mustert mich neugierig. „Ich bin Lorna.“, stellt sie sich vor und hält mir lächelnd die Hand hin. „Chase.“, sage ich und schüttele ihre Hand. Lorna mustert aufmerksam meine Hand, die im Vergleich zu ihrer Olivfarbenen ziemlich blass aussieht. „Du bist kein Handwerker.“, sagt sie Kopfschüttelnd und lässt meine Hand los. „Hast du überhaupt schon mal was gebaut?“ „Nicht wirklich.“, sage ich etwas irritiert. Lorna grinst und sagt: „Ich wusste, dass du hilflos sein musst, sonst hätte Dad uns nicht vorgewarnt.“ „Hilflos?“, frage ich entgeistert. Ruby hat mir erzählt, dass ich, anders als die meisten Kinder des Hephaistos, ein Kämpfer wäre. Das würde ich nicht unbedingt als hilflos bezeichnen. Lorna ignoriert mich. „Finn kennst du ja schon, aber wir anderen waren alle in der Schmiede als du ankamst.“ Dann stellt sie mir der Reihe nach alle vor. Das dunkelhäutige Mädchen heißt Naima, der kleine Junge Josh, und die Zwillinge Antony und Rick. Die Hoffnung die beiden jemals auseinander halten zu können begrabe ich sobald mir beide das identische, zurückhaltende Lächeln schenken. „Hast du schon das Camp gesehen?“ fragt Lorna neugierig und mustert mich. „Ja.“, antworte ich und fange an zu essen. Ich bin kurz vorm verhungern. Lorna grinst und fängt trotz meiner Antwort an das Camp im kleinsten Detail zu beschreiben.

    Die Sonne ist schon fast untergegangen, als ich mit Chase auf dem Weg zum Lagerfeuer einen Umweg am Meer vorbei mache. Ständig wirft er dem Wasser beunruhigte Blicke zu. „Danke.“, sagt er schließlich und lächelt mich von der Seite an. „Wofür?“, frage ich. „Du hast mir das Leben gerettet.“, meint er und schaut mich ausnahmsweise Mal ernst an. Ich zucke nur die Achseln. „Das ist mein Job.“ In Wirklichkeit ist es mehr als das. Schon genug Menschen sind wegen mir gestorben. Ich werde nicht zulassen, dass das noch einmal passiert. So ziemlich jeder, der mir mal was bedeutet hat, ist tot. Wegen mir. Wegen meinem Dad. Wenn er sich nicht in eine sterbliche verliebt hätte, würde sie alle noch leben. Außerdem weiß ich wie es ist selbst unter Halbgöttern als Freak abgestempelt zu werden und nie wirklich irgendwo reinzupassen. Ich wende meinen Blick von ihm ab, schaue nach vorne. Vor uns läuft ein Junge. Er ist groß und kräftig, etwa drei Jahre älter als ich. Blake, Sohn des Ares und mein bester Freund. „Blake!“, rufe ich. Er dreht sich um und schon von weitem kann ich sehen, dass er noch wütend ist.
    „Was willst du?“, faucht er, als wir fast vor ihm stehen und ignoriert Chase vollkommen. „Du bist also immer noch sauer?“, frage ich und spüre einen Stich in der Brust. Er ist so ein Idiot! Wut kocht in mir hoch. „Wenn du mir nichts anderes als deine Lügen zu erzählen hast, kannst du wieder verschwinden.“, knurrt er. „Es war keine Lüge!“, protestiere ich, „Es ist nichts passiert, okay? Wir wollten nur rausfinden was Chiron uns verheimlicht!“ Wieder wird die Luft um mich herum kälter. Der Boden fängt an zu beben. „Klar.“, meint Blake sarkastisch, „Du hast die ganze Nacht mit Jayden verbracht und es ist nichts passiert.“ „Jayden ist nur ein Freund!“, rufe ich wütend. Wieso denkt er sowas überhaupt? Und selbst wenn da was gewesen wäre, wäre das ja wohl meine Sache. Chase schaut zwischen uns hin und her wie bei einem Tennisspiel, sagt aber ausnahmsweise mal nichts. „Und wer ist das?“, fragt Blake spöttisch und nickt in Chases Richtung, „Noch ein „Freund“ von dir?“ Okay, was zu viel ist, ist zu viel. Meine Faust landet in seinem Gesicht und er taumelt einen Schritt zurück. „Du kleines Miststück.“, faucht er und wicht sich das Blut von der Nase. „Ist es also das, was du von mir denkst?“, frage ich leise und der Boden fängt an stärker zu beben. Chase hat Probleme sich auf seinen Füßen zu halten, Blake ist meine Ausbrüche jedoch gewohnt. Er ist doch wie mein Bruder. Wie kann er so von mir reden? Das Meer reagiert auf meine Emotionen und kommt angedonnert. Es fängt an um mich zu wirbeln- mein persönlicher, kleiner Sturm. Blake macht einen Schritt auf mich zu, die Hände zu Fäusten geballt, aber Chase, der Idiot, stellt sich ihm in den Weg. „Lass sie in Ruhe.“, zischt er, „Sie ist halb so groß wie du.“ Blake lacht trocken und schlägt nach Chase. Chase kann seinem Schlag gerade so ausweichen und schlägt zurück. „Hört auf!“, brülle ich, aber die Jungs ignorieren mich. „Blake, hör auf! Er hat nichts damit zu tun!“ Versteht mich nicht falsch, Chase ist die größte Nervensäge auf der Welt, aber ich will nicht, dass Blake ihn verletzt und das wird er, wenn ich ihn nicht stoppe.

    Mittlerweile hat Blake Chase im Schwitzkasten und würgt ihn. Chase versucht sich zu befreien, hat aber keine Chance gegen einen Sohn des Kriegsgottes. Noch nicht. Plötzlich, gerade als ich eingreifen will, geht Chase in Flammen auf. Sein ganzer Körper brennt, aber es scheint weder ihm noch seinen Klamotten zu schaden. Blake hingegen schreit auf und springt zurück. „Das hast du verdient!“, schreie ich den Jungen an, der mal wie mein großer Bruder war, und lasse das Wasser auf ihn nieder krachen. Seine Schreie ersticken, als die Wassermassen ihn wegschleudern. Chase sitzt auf dem Boden, klatschnass und zitternd. „Was war das?“, fragt er geschockt, „Das wollte ich nicht. Ich wollte ihn nicht verletzen.“ „Das war nicht deine Schuld.“, sage ich und knie mich neben ihn. Etwas unbeholfen lege ich eine Hand auf seine Schulter und sauge das Wasser aus seinen Klamotten. „Er hat dich provoziert und somit deine Kräfte geweckt.“ Ich schweige eine Weile und sage schließlich: „Wir müssen dringend daran arbeiten.“


    Blake taucht nicht beim Lagerfeuer auf. In letzter Zeit hat er oft gefehlt. Auch schon vor unserem Streit. „Macht ihr das jeden Abend?“, fragt Chase neugierig und schaut sich um. Er scheint seine Fassung wieder gewonnen zu haben und auch sein dämliches Grinsen ist wieder da. „Fast jeden Abend.“, antworte ich. „Meistens besprechen wir, was alles so ansteht.“ Wir gehen an einer Reihe Töchter der Aphrodite vorbei, die Chase allesamt anlächeln. Er lächelt zurück. Ich rolle mit den Augen und setze mich neben Adriana, Jayden und Laura. „Hey Chase.“, sagt Adriana lächelnd. „Hey.“, meint Chase und lächelt zurück. Sogar Laura lächelt ihn an. Jayden grinst und sagt: „Ein Tag hier und schon liegen dir die Mädels zu Füßen.“ Chase lacht. „Mein Charme und gutes Aussehen ist halt unwiderstehlich.“ Ich schnaube. Der hat ja mal ein Ego. Jayden und Chase fangen an zu lachen. Jake und Chris soßen in eine Unterhaltung vertieft zu uns. Jayden wackelt mit seinen Augenbrauen und Chase mustert die beiden skeptisch. „Haben wir schon irgendwas verpasst?“, fragt Jake. Ich will gerade antworten als Chiron um Aufmerksamkeit bittet. „Wie ihr alle wisst steht Ende dieser Woche wieder einmal Harleys Dreibeiniges Todesrennen an.“ Die Camper jubeln alle lautstark, einige Kinder des Ares springen sogar auf. Chase und Chris sind beide ziemlich bleich und tauschen besorgte Blicke aus. „Keine Sorge.“, sage ich grinsend. „Das macht Spaß.“ „Der Name hört sich nicht so witzig an.“, meint Chase und fährt sich mit einer Hand durch seine blonden Haare. „Quatsch.“, entgegne ich und winke ab. „sogar Apollo hat schon mitgemacht.“, fügt mein Bruder grinsend hinzu. „Hä?“ fragen Chase und Chris gleichzeitig. „So vor etwa 30 Jahren wurde Apollo als Strafe für den Krieg mit Gaia sterblich gemacht und ist hier gelandet.“, erklärt Adriana. „Es gab da diesen verrückten Sohn des Hephaistos, Harley, der das ganze erfunden hat. Seit dem ist es Tradition.“, sagt Jayden. Jayden ist kein Kämpfer, aber er findet es lustig andere Teams mit seiner Magie zu irritieren. Er und Laura sind gefährliche Gegner. Laura ist zwar sehr zurückhaltend und ruhig, aber sie ist verdammt gut. „Und was ist das jetzt genau?“ fragt Chris skeptisch. „Zwei Demigötter werden an den Knöchel zusammengebunden und müssen so in Dädalus´ Labyrinth drei goldene Äpfel finden. Das Team, das als erstes mit drei goldenen Äpfeln wieder kommt, hat gewonnen.“ Die beiden neuen Demigötter starren uns an, dann zuckt Chase mit den Achseln. „Nicht das merkwürdigste, das ich heute gehört habe.“ „So.“, ruft Chiron, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. „Dann stellt euch bitte alle in Paaren zusammen. Die letzten Jahre bin ich immer zusammen mit Jake ins Labyrinth gegangen. Wir haben fast jedes Mal gewonnen. Plötzlich steht Claire, eine Tochter der Aphrodite, vor uns. Vor Chase genauer gesagt und lächelt ihn verführerisch an. War ja klar. Aber Chase scheint die Situation nicht so toll zu finden, wie ich dachte. „Chase, richtig?“, fragt Claire und klimpert mit ihren Augen. Vielleicht sollte ich Chase warnen, dass sie schon mit jedem gutaussehendem Typen im Camp im Bett war. „Ich bin Claire.“, stellt sie sich vor. „Also wie sieht´s aus? Gehen wir zusammen ins Labyrinth?“ Anstatt einfach nein zu sagen, greift Chase nach meiner Hand und sagt: „Sorry, aber ich hab schon ein Date fürs Labyrinth.“ Claire mustert mich abschätzig und stolziert dann davon. „Musste das sein?“, zische ich Chase zu und befreie meine Hand aus seine Griff. „Sorry, ich hab Panik bekommen. Hast d gesehen wie die mich angeguckt hat?“, zischt er zurück. Ich seufze ich und sage genervt: „Na, dann gehen wir wohl zusammen.“ Jake und Chris beschließen auch zusammen zu gehen. Zu meiner Überraschung fragt Jayden dieses Jahr Adriana und Laura geht mit Magnus, ebenfalls ein Sohn der Hekate.

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    Ein Schrei zerreißt die Luft und erst als ich hart auf dem Rücken lande merke ich, dass es mein eigener war. Mir ist etwas schwindelig, aber ich rappele mich auf und renne zurück zu Mel, die gegen den Minotaurus kämpft. Fast alle großen Helden haben den Minotaurus besiegt und ich habe nicht vor an ihm zu scheitern. Mein Schwert trifft ihn am Arm, aber das scheint ihn nur noch wütender zu machen. „Geh und hilf Olive!“, rufe ich Mel zu, „Ich mach das hier schon.“ Die Tochter der Aphrodite schaut mich besorgt an, läuft dann aber los zu unserer Freundin.
    Der Minotaurus ist ein würdiger Gegner. Er schafft es mehrmals mich zu verletzten und ich verliere viel Blut, bevor ich es endlich schaffe ihm den Kopf abzuschneiden. Ich will los laufen, um meinen Freundinnen zu helfen, kann mich aber kaum auf den Beinen halten. Überall Blut. An meinem Schwert, an meinen Fingern, in meinem Gesicht. Nicht nur mein eigenes, sondern auch das von zahllosen Monstern. Ich fühle mich nicht schlecht, weil ich sie getötet habe. Früher oder später kommen sie sowie so aus dem Tartarus zurück. Ich nicht. Wenn ich einmal tot bin, werde ich für immer in der Unterwelt bleiben. So gern wie die Götter mich haben, werde ich wahrscheinlich auf ewig gegen einen Minotaurus oder eine Hydra kämpfen müssen. Plötzlich brüllt Mel über die ganze Lichtung. „Liv!“ Ihr Schrei weckt mich auf. Ich renne los, köpfe drei Monster auf dem Weg zu ihnen und lasse mich schließlich auf die Knie fallen. Olive ist leichenblass. Ihr T-Shirt ist blutgetränkt. Sie röchelt und spuckt Blut. Mel und ich schauen uns an. Wir wissen beide was das heißt. Olive liegt im Sterben. „Ruby?“, keucht sie und ich kann sehen wie sehr sie leidet. Ich habe schon genug Menschen sterben sehen, um zu wissen wie lange und qualvoll es ist zu verbluten. Ich weiß ebenfalls wie schrecklich es ist nichts tun zu können. Ich bin machtlos. Sie ist nicht mehr zu retten. „Ich bin hier, Liv.“, sage ich und beuge mich runter, um sie besser zu verstehen. „Hilf mir.“, flüstert sie. „Ich… Es tut mir Leid, Liv. Ich kann dir nicht helfen.“, antworte ich. Meine Stimme zittert. Mel neben mir fängt an zu weinen. Olive sieht mich aus großen, flehenden Augen an und hebt kaum merklich ihre Hand an meinen Gürtel. Ich schlucke und schüttele den Kopf. „Ich kann das nicht.“ „Doch.“, sagt meine Freundin leise, „Du bist stark. Ich weiß, dass du das kannst. Bitte.“ Ich habe die Tochter des Hades noch nie um etwas bitten hören. Ich schlucke schwer und ziehe den Dolch. Sie leiden zu sehen ist noch unerträglicher als noch jemanden zu verlieren. Im Moment ist sie wichtiger als ich. „Es tut mir Leid.“, flüstere ich und spüre wie Tränen meine Wangen hinab strömen. Ich habe schon lange nicht mehr geweint und werde es lange Zeit nicht wieder tun. „Ich hätte dich retten müssen.“, schluchze ich. Mit einer einzigen, schnellen Bewegung schneide ich ihre Kehle durch. Die Tochter des Hades ist tot. Ihr Blut klebt an meinen Händen. Auf mehr als eine Weise.
    Keuchend fahre ich hoch. Zwei Jahr und immer noch träume ich jede Nacht davon. Mel und Olive waren meine besten Freundinnen. Jetzt ist Olive tot und Mel hat sich den Jägerinnen der Artemis angeschlossen. Sie hat es hier mit den ganzen Erinnerungen nicht mehr ausgehalten. Mit mir. Ich habe unsere beste Freundin getötet. Nur ich bin noch hier. Alleine mit den Erinnerungen und ihrem Vermächtnis. Ich weiß, dass sie einen Grund hatte, aber ich verstehe es nicht. Warum ich? Warum kann sie nicht einfach in Frieden ruhen?

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