Vodevil (Creepypasta)

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1 Kapitel - 2.201 Wörter - Erstellt von: Herr Doktor - Aktualisiert am: 2016-05-24 - Entwickelt am: - 318 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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Seufzend streckte ich die Beine aus und lehnte mich zurück, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Unruhig rutschte der Mann neben mir zur Seite und sah sich hektisch um, wahrscheinlich auf der Suche nach einem freien Sitzplatz, der so weit wie möglich von mir weg war. Er war der typische Amerikaner. Weder groß noch klein, er hatte eindeutig zu viel auf den Rippen und sein wirklich schlechtes Deo konnte den Geruch von Schweiß nicht überdecken.
Deshalb fuhr ich nicht gerne U-Bahn. Es war immer so viel los, man stand oder saß eingekeilt zwischen Menschen und ich hatte zumindestens immer das Glück, diejenigen zu erwischen, die nie etwas von Körperhygiene gehört hatten.
Aber heute war es gut. Heute war nicht viel los und alle gingen mir aus dem Weg.
Gut, ich sah komisch aus, vielleicht war ich ja auch komisch, aber ich würde ihnen doch jetzt nichts tun. Nicht am Tag, dass war zu langweilig.
Grinsend hob ich die Arme über den Kopf und streckte mich, bis die Gelenke knackten, krümmte die Finger zu Klauen und musterte interessiert die zugespitzten Fingernägel, die ich akribisch jeden Tag aufs Neue schwarz lackierte.
Mein Sitznachbar stieß einen erleichterten Seufzer aus, als die Bahn ruckelnd zum Stehen kam und die Türen mit einem lauten Zischen auseinanderglitten.
Schneller, als ich es bei seiner Leibesfülle für möglich gehalten hatte, war er aufgesprungen und in der Menschenmasse verschwunden. Für einen Moment wollte ich ihm folgen, in eine Sackgasse treiben und mit ihm spielen. Ich hatte die Beine schon angezogen und die Muskeln angespannt, als ich es doch sein ließ.
Ich durfte nicht zu spät kommen. Mürrisch lehnte ich mich zurück, kaute auf meiner Zunge herum und strich mit den Fingerspitzen über die lange, rote Narbe an meiner Schläfe, die sich beinahe leuchtend von meiner blassen Haut abhob.
Hätte es diesen verdammten Kerl nicht gegeben mit seiner verfluchten Brechstange, hätte ich diese Narbe nicht, auch nicht die ständigen Termine beim Arzt, der beinahe in Panik ausbrach, verpasste ich einen Termin. Und jedes Mal, wenn ich nicht erschien, schrieb er an meine Eltern. Sie waren die letzten Personen auf Erden, die ich sehen wollte.
Diesmal zog ich die Beine an die Brust, setzte die Fersen auf den Rand des Sitzes und stützte das Kinn auf ein Knie, während ich die Gedanken zurückwandern ließ, zurück zu meinem letzten Opfer.

Gemütlich schlenderte ich die Straße hinab, mein Blick war unbestimmt auf ihren Rücken gerichtet. Sie hatte recht lange Haare, die bei jedem Schritt etwas mitwippten, leicht von einer Seite zur anderen schwangen.
Die Sonne war noch nicht ganz hinter den Häusern verschwunden, es blieb sogar noch warm.
Sie beschleunigte ihre Schritte ein wenig, als ich näher kam. Nein, ich war niemand, den man gerne im Rücken hatte.
Ich verzog die schmalen Lippen zu einem bösartigen Grinsen und lief schneller, nur etwas. Leise summte ich vor mich hin, ich wollte sie nervös machen.
Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie so reagieren würde.
Plötzlich blieb sie stehen und wirbelte auf dem Absatz herum, ihre Augen funkelten mich wütend an.
"Was willst du von mir, du Freak?"
Sie versuchte, die Worte so hart wie möglich auszustoßen, doch mir entging das leichte Zittern nicht, dass von ihr ausging. Angst.
Jeder andere hätte das Wort Freak vielleicht als Beleidigung empfunden. Ich nicht, für mich war es ein Kompliment. Ich war keiner dieser schwächlichen Leute, die weinten, weil man sie beschimpfte. Oder weinten sie, weil sie nicht den Mut fanden, endlich mal ihre Klappe aufzumachen?
Für einen Moment lag mir ein wirklich melodramatischer Satz auf der Zunge, aber ich wollte ja niemals traditionell werden.
Seufzend schüttelte ich den Kopf und verzog das Gesicht, als wäre ich schrecklich wütend.
"Darf man etwa nicht denselben Weg wie du nutzen? Ist das hier dein Privatweg, muss jeder vor dir weichen?"
Sie zuckte zusammen, meine Worte hatten sie getroffen. Ihre zart gebräunte Haut rötete sich an den Wangen leicht, ihre Augen glitzerten diffus.
Ohne ein Wort zu sagen drehte sie sich wieder um und wollte davonstürmen. Wahrscheinlich war ihr die ganze Sache peinlich.
Aber entkommen lassen würde ich sie sicher nicht.
Meine Hand schnellte vor, griff in ihr Haar und riss sie zurück. Ihr Kopf flog zurück, sie schrie erschrocken auf und verlor das Gleichgewicht.
Ein schmerzhafter Ruck ging durch meinen Arm, als sie auf dem Boden aufschlug und ich keuchte leise auf.
Ihre Fingernägel kratzten über meinen Handrücken, sie bekam mein Handgelenk zu fassen und zerrte heulend und schreiend daran. Leise knurrend packte ich mit der freien Hand ihren Arm und zerrte sie in eine halb sitzende Position.
"Halt doch einfach mal die Klappe!", schrie ich, um ihre jammervollen Klagelaute zu übertönen und trat ihr in den Rücken.
Sofort gehorchte sie und ihre Stimme verklang zu einem leisen Stöhnen.
"Es war keine gute Idee, hier entlang zu gehen. Nein, warte, es war keine gute Idee, mir unter die Augen zu treten."
Ich begann, sie Richtung Seitengasse zu schleifen. Wehrhaft war sie schon, die Kleine. Sie stemmte die Beine gegen den Boden, wand sich wie ein Fisch auf dem Trockenen und fuhr fort damit, meine Haut aufzukratzen.
Nur mit Mühe konnte ich sie festhalten, meine Muskeln pochten unangenehm vor Anstrengung.
Konzentriert biss ich mir leicht auf die Zunge und zerrte sie hinter einen dieser stinkenden Müllcontainer. Halb stemmte sie sich hoch und schlug mit einer Hand schwach nach mir. Ein letzter Versuch, sich zu wehren?
Von oben herab ließ ich mich auf sie fallen, rammte ihr ein Knie in den Magen und drückte sie zu Boden.
Tränen schossen ihr in die himmelblauen Augen, ihre Kiefermuskeln spannten sich an, doch sie schrie nicht.
Ich ließ ihren Arm los und schob die Hand in die Tasche meiner Lederjacke. Ihr Blick folgte meiner Hand und sie wimmerte leise, als ich ein Klappmesser hervorzog.
Mit einer eleganten Bewegung des Handgelenks ließ ich die Klinge aufschnappen und zeigte ihr lächelnd das glänzende Stück Metall. Das spärliche Licht warf seltsame Reflektionen auf das Messer.
Es war so viel praktischer, ein Messer mit einer Hand öffnen zu können. Wie viele Schläge hatte ich schon eingesteckt, weil ich beide Hände benutzen musste? Im Nachhinein war ich es ja selbst Schuld gewesen.
"Ganz ruhig, wir werden jetzt ganz viel Spaß haben."
Ich hätte ihr nicht einmal ins Gesicht sehen müssen um zu wissen, dass sie da ganz anderer Meinung war.
Mit geübten Handgriffen nahm ich ihr Haar zusammen und begann mit dem Messer zu schneiden, immer weiter, bis die langen Strähnen sich über den Boden ergossen und die Spitzen der restlichen Haare ihr nur knapp in die Augen fielen.
"So siehst du hübsch aus", murmelte ich leise und senkte den Kopf etwas.
Fauchend wie eine Katze packte sie mich plötzlich an den Haaren und zerrte meinen Kopf auf den Asphalt zu.
Ein erschrockener Laut entrang sich meiner Kehle, als der feuchte, graue Boden auf mich zukam und ich prallte zurück. Glühende Schmerzen brannten unter meiner Kopfhaut auf und ich fletschte die Zähne, als meine Sicht vor Tränen verschwamm.
Benommen schüttelte ich den Kopf und blinzelte heftig, um wieder klar sehen zu können.
Sie schenkte mir ein dreckiges Grinsen und hielt ein paar Strähnen meines dunkelroten Haares in den Händen.
Wütend knurrte ich, ein dumpfer Laut, der unheilvoll in der Gasse wiederhallte.
Das Lächeln wurde schwächer, ihre Pupillen zogen sich zusammen, als sie endlich zu ahnen schien, dass sie einen großen Fehler begannen hatte.
Lachend ließ ich das Messer nach vorne schießen und sah mit leuchtenden Augen zu, wie sich langsam Blut aus dem Schnitt in ihrer Wange den Weg ins Freie suchte.
Sie waren immer zu erschrocken, um in diesem Moment zu schreien. Das Antlitz des Todes schien ihnen den Atem zu rauben. Oder meines, aber das will mal so dahingestellt sein.
Kichernd setzte ich mich auf sie, drückte sie mit meine Gewicht zu Boden und umfasste mit einer Hand ihren Kiefer, damit sie nicht den Kopf abwenden konnte.
Langsam beugte ich mich nach vorne, ließ meinen Atem über ihre süß duftende Haut strömen und leckte zärtlich über die Wunde.
Der metallisch-salzige Geschmack ihres Blutes breitete sich auf meiner Zunge aus und jagte mir einen leichten Schauer über den Rücken.
Wimmernd zitterte sie unter mir und als ich aufsah, hatte sie die Augen fest zusammengekniffen, als hätte sie bereits mit dem Leben abgeschlossen und erwartete nun sehnsüchtig ihr Ende.
Mürrisch biss ich die Zähne zusammen und lehnte mich zurück. Ich hasste es, wenn sie so schnell aufgaben. Das machte doch keinen Spaß mehr, wenn sie starr am Boden lagen und alles stoisch ertrugen.
Nachdenklich spielte ich mit der Messerklinge, ließ sie auf- und zuschnappen, drehte sie zwischen den Fingern und hielt den Blick auf ihren schlanken Hals gerichtet. Es brachte doch alles nichts mehr.
Seufzend setzte ich das Messer an ihrem Hals an und bedachte sie mit einem freudigen Blick.
"Ich will, dass du weißt, wer dich getötet hat, bevor du stirbst. Es ist für mich eine Sache der Höflichkeit. Und mein Name ist das Letzte, was du auf Erden hören wirst und du wirst ihn mit ins Jenseits tragen."
Lachend warf ich den Kopf zurück, sodass meine Haare über meine Schultern zurück glitten. Das Lachen klang leicht irre, als hätte ich den Verstand verloren. Doch das hier war mein Hobby, meine Lieblingsbeschäftigung. Es machte mir einfach Spaß, zu töten.
Ich sah wieder zu ihr runter, begegnete dem verzweifelten Blick ihrer Augen, während meine Lippen wie von selbst die so oft gesagten Worte bildeten.
"Süße, mein Name ist Vodevil."
Die Klinge bohrte sich tief in ihren Hals, riss mühelos Haut, Fleisch und Muskeln auf. Leicht drehte ich das Handgelenk, vergrößerte die tödliche Wunde und zog das Messer dann zurück.
Dunkelrotes Blut sprudelte hervor, durchnässte ihre Kleidung und breitete sich auf dem Boden aus. Um ja nicht mit der Flüssigkeit in Kontakt zu kommen, erhob ich mich schwankend, während sie sich zusammenkrümmte, ihre Hände nach der Quelle des vielen Blutes tasteten und sie einen erstickten Schrei ausstieß.
Lebend würde sie diese Gasse nicht mehr verlassen. Aus meiner Hosentasche zupfte ich eines dieser altmodischen Taschentücher aus Stoff und reinigte gründlich die Klinge vom Blut.
Noch einen allerletzten Blick schenkte ich ihr, prägte mir das Bild ein, wie sie am Boden lag, in ihrem eigenen Blut und auf den Tod wartete, bevor ich pfeifend das Messer und das Tuch in der Jackentasche verschwinden ließ und mich auf den Weg nach Hause machte.

Ruckelnd kam die Bahn erneut zum Stehen und ich riss die Augen auf. Mein verschwommener Blick klärte sich und ich konnte meine Station sehen.
Elegant sprang ich auf die Füße und eilte aus der bedrückend engen Bahn in die Menschenmasse hinein.
Viele sahen mir nach, wichen vor mir zurück, als sie mein seltsames Aussehen sahen, den Blick von den dunklen Klamotten über die blasse Haut und die dunkelroten, am Ansatz schwarzen Haare wandern ließen und schließlich dem Blick meiner hellgrauen Augen begegneten und schnell wieder den Blick abwandten, als könnten sie in ihnen lesen, was ich tat.
Das Wartezimmer war wie leergefegt, als ich leicht keuchend die Praxis betrat. Schwungvoll steuerte ich auf den Empfangsthresen zu und legte meine Krankenkarte auf das alte Holz.
"Sanjo Dalton, ich habe wieder einen Termin."
Die Dame hinter dem Tisch schenkte mir ein warmes Lächeln. Sie sah mich einmal im Monat, seit einem halben Jahr. Genauso lange, wie ich schon mordete.
"Ich hoffe, du hast nichts verrücktes angestellt."
Sie lachte und ich grinste leicht.
"Nein, es war eine ganz normale Woche. Wenn ich recht überlege, war es sogar eine gute Woche, ich hatte wirklich viel Spaß."


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litteldeadgirl ( 67476 )
Abgeschickt vor 287 Tagen
Es ist alles so typisch *setzt sich einfach in den freien Sessel* Außenseiterin, alles so unperfekt in ihrem Leben, komisches aussehen und Psycho gehabe. Hab ich etwas vergessen? *Schaut fragend in die Runde*
Aber ansonsten passt alles. Ich mag deinen Schreibstiel. Vielleicht können wir uns mal zusammen tun für eine Creep.
Werwolf 03 ( von: Werwolf 03 )
Abgeschickt vor 303 Tagen
Ich sehe schon, wir verstehen uns *rührt in einer Teetas[BEEP]
Natürlich muss ich dir bei sämtlichen angesprochenen Punkten recht geben (die Sache mit dem Arzt habe ich glatt falsch verstanden, hehe)

Wer zuerst die Idee für die Erste CP hatte??
Weiß nicht, ich bin nicht so im CP-wiki unterwegs, ggf. fragst du vielleicht PupsPanda oder xXCupcake-CultXx (ebenfalls talentierte Autorinnen)

Wir könnten uns jetzt auch über Kitsune und Neros Unterhalten, aber...
*nippt an ihrem überzuckerten Tee* nein Danke.
Herr Doktor ( 14321 )
Abgeschickt vor 305 Tagen
Ohrensessel? Gute Wahl, hihi. Nein, wir bleiben ja seriös. Danke für das erste Kommentar und der zeitgleichen Kritik.
Und natürlich auch danke für die Zugeständnisse an meinem Schreibstil und Vodevil.
Mit den Standardsachen gebe ich dir recht, aber (Ja, aber) zwei Sachen zur Erklärung:

-Er geht doch gar nicht zum Psycho-Doktor, dass ist doch ein normaler Arzt, weil ihm ja die Brechstange um die Ohren gehauen wurde (theoretisch nur teilweise meine Schuld)
-Und gruseliges Aussehen ist ja immerhin objektiv. Und muss ja sein. Jetzt muss ich wieder an diese Tier-Mensch Kreuzungen in CreepyPastas denken.... die mit den süßen Öhrchen und Puschelschwänzchen. So viel Süßheit...
Wer kam eigentlich zuerst auf die Idee zu sowas?
Werwolf 03 ( 16163 )
Abgeschickt vor 307 Tagen
*hüpft kreischend vor Freude durch den Raum und starrt den Autor an* Das hast du aber... toll gemacht. *setzt sich urplötzlich in ihren Ohrensessel zurück und fokussiert Herrn Doktor* Na gut, bleiben wir seriös *hüstelt*
-dein Schreibstil ist gut. Sehr gut, sogar
-Dein Charakter ist Keine Mary Sue

Allerdings

-Immer diese Standard-Sachen. Man ist wütend, wenn die Opfer zu früh aufgeben, man sieht gruselig aus (ja gut, ähm...) und man geht zum Psycho-Dokta. Nix gegen dich, die Story an sich ist cool^^