Glasherz 1 (Eyeless Jack Lovestory)

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 6.067 Wörter - Erstellt von: Nebelwald - Aktualisiert am: 2016-05-15 - Entwickelt am: - 1.002 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Ich wollte das hier schon lange mal online stellen. Ich hoffe, es gefällt euch. Wenn ihr wollt, dass ich weiterschreibe, ab in die Kommentare damit!

    1
    Leise schwang ich mich über das Balkongeländer. Es war feucht vom Regen, aber ich fand sicheren Halt. Die Holzplanken knirschten, als ich mich aufri
    Leise schwang ich mich über das Balkongeländer. Es war feucht vom Regen, aber ich fand sicheren Halt. Die Holzplanken knirschten, als ich mich aufrichtete und auf die geschlossenen Fensterläden zutrat. Geschickt schob ich das Skalpell durch den schmalen Spalt zwischen den Läden und ließ den Riegel aufschnappen. Es war ein Leichtes, das gekippte Fenster so zu manipulieren, dass der Griff sich drehte und die Glastür aufschwang. Unter der Maske grinsend trat ich in das dahinterliegende Zimmer. Das Bett stand direkt neben der Tür, dem Fenster zugewandt. Langsam schlich ich mich an mein neues Opfer heran. Schon wollte ich eine der Betäubungsampullen aus der Tasche ziehen, als ich innehielt. Kurz betrachtete ich das schlafende Mädchen, dann legte ich den Kopf schief. Sie sah einfach... nun ja, krank aus. Ihre Haut war leichenblass, dunkle Augenringe zeichneten sich ab und sie sah ziemlich erschöpft aus. Ich wog meine Möglichkeiten ab. Ich könnte es riskieren, ihre Niere stehlen und danach mit einer Magenvergiftung im Bett liegen. Aus unangenehmer Erfahrung hatte ich gelernt, dass kranke Menschen zumeist auch kranke Organe hatten. Schließlich entschied ich mich für Möglichkeit zwei. Rückzug, also. Doch als ich mich umdrehen wollte, fiel das trübe Mondlicht auf etwas glitzerndes am Boden. Ich hob es neugierig auf. Es war ein Halsband. Ein dünnes, schwarzes Kunststoffband und als Anhänger ein gläsernes Herz mit violettem Kernstück. Ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen. Wie hübsch. Mein Blick fiel zurück auf das schlafende Mädchen. Ihr langes, braunes Haar lag wirr verstreut auf dem Kopfkissen und sie bewegte sich unruhig. Leise und ohne viel darüber nachzudenken steckte ich das Halsband in meine Tasche und ging zurück zum Fenster. Kurz spielte ich mit dem Gedanken, eine Nachricht hierzulassen, dann schalt ich mich selbst einen Idioten und sprang lautlos über den Balkon zurück in den Garten. Nach einem letzten Blick zurück huschte ich in die schützende Dunkelheit davon.

    Müde kam ich schließlich zu Hause an. Slender stand schon in der Küche und bereitete das Frühstück vor. „Oh, guten Morgen, Jack.“, begrüßte er mich freundlich. Ich lächelte matt. „Morgen Slendy. Wartet nicht auf mich. Ich hau mich erst mal eine Weile aufs Ohr.“ Er nickte und wandte sich leise vor sich hin summend wieder dem Essen zu. Auf dem Weg nach oben kamen mir Masky und Hoodie entgegen, beide ziemlich wackelig auf den Beinen. Kein Wunder, in letzter Zeit hetzte Slender seine Proxys wirklich viel in der Gegend herum. Ich warf die Tür meines Zimmers zu und legte die dunkelblaue Maske auf das Fensterbrett. Dann schlüpfte ich aus Jacke, Shirt und Jeans, legte mich ins Bett und schlief ein.

    ~Im Traum stand ich vor einer dunklen Tür. Langsam öffnete sie sich von innen. Ich trat verwirrt hindurch. „Hallo?“, hörte ich mich selbst rufen. Seltsam. Ich hatte doch gar nicht gesprochen! Aus der Dunkelheit am anderen Ende des langen Flurs, in dem ich mich befand, tauchte eine Gestalt auf. Ich blieb stehen. Als die Person näher kam, erkannte ich... MICH! Mein Ebenbild trug keine Maske, ein bösartiges Grinsen umspielte sein Gesicht. Eine rasche Handbewegung und etwas fiel klirrend vor meine Füße. Ich schloss hastig die Hand darum und steckte es in meine Tasche. Als ich aufblickte, war mein Ebenbild verschwunden, an seiner Stelle stand da das Mädchen, in dessen Zimmer ich heute Nacht eingebrochen war. Sie sah gut aus, hatte eine gesunde Farbe und lachte. Plötzlich befanden wir uns nicht mehr in dem dunklen Flur, sondern auf einer grasbewachsenen Klippe. Sie stand am Klippenrand, sah auf das Meer hinaus. Der Wind bauschte ihr blassrosa Kleid und ließ ihre langen, braunen Haare flattern. Ich zog den Gegenstand, den ich vorhin aufgehoben hatte aus der Tasche. Es war das Glasherz. Plötzlich wirbelte das Mädchen herum, Angst schimmerte in ihren Augen, sie begann zu weinen. Eine heftige Windböe packte sie und drohte, sie über den Klippenrand zu stürzen. Ich wollte mich bewegen, sie festhalten, aber warum auch immer, ich konnte mich keinen Millimeter bewegen. „NEIN!“, brüllte ich, als sie den Halt verlor und in die Tiefe stürzte.~

    „Jack? Jack! Wach auf!“, schrie jemand, ich spürte, wie mich irgendwer heftig schüttelte. Endlich gelang es mir, den Traum abzuschütteln. Erst jetzt realisierte ich, dass ich in meinem Zimmer war. Auf dem Boden vor meinem Bett, um genau zu sein. Ich musste gestürzt sein, meine rechte Seite fühlte sich an, als hätte ich ein paar Tage lang auf Schotter gelegen. Keuchend setzte ich mich auf. „Endlich.“, seufzte jemand erleichtert. Toby kniete neben mir auf dem Boden, alle Farbe war aus seinem Gesicht gewichen. Kalter Schweiß lief mir über die Stirn, ich zitterte am ganzen Körper. Plötzlich näherten sich schnelle Schritte und Slenderman betrat das Zimmer. „Du lieber Himmel, was ist denn hier los?“, fragte er fassungslos. Toby setzte sich zurück und strich sich das verstrubbelte Haar aus der Stirn. „Das frag lieber den Irren hier.“, maulte er verschlafen. Ich wischte mir die Stirn ab und sah zu Slender hoch. „Ich... ich weiß auch nicht. Ich habe nur etwas seltsames geträumt.“, murmelte ich. Er seufzte. „Na gut. Du solltest mehr schlafen.“ Mit diesen Worten verließ er mein Zimmer wieder. Toby stand auf und ging zur Tür. „Bist du sicher, dass es dir gut geht?“, fragte er besorgt. Ich nickte benommen und zog das Glasherz aus meiner Tasche. Morgen. Morgen würde ich es zurückbringen.
    Den ganzen Tag über wanderte ich unruhig in der Villa herum, bis Jeff mich anherrschte, wenn ich nichts zu tun hätte, sollte ich aufhören, alle hier verrückt zu machen. Ich bleckte meine scharfen Zähne und verließ das Haus. Ohne nachzudenken schlug ich einen bestimmten Weg ein, bis ich vor einem kleinen Haus am Dorfrand stand. Neugierig trat ich näher, jedoch immer darauf achtend, im Schutz der dunklen Hecken zu bleiben. Im Garten hinter dem Haus stand das Mädchen. Es streichelte einen großen Hund, wahrscheinlich einen Husky. Er war silbergrau, mit verschiedenfarbigen Augen. Eines eisblau, das andere bernsteinbraun. Sie sprach so leise, dass ich sie nicht verstehen konnte. Der Hund kläffte verspielt und sprang auf und ab. Sie begann zu lachen. Übermütig rannte der Hund los, jagte durch den gesamten Garten und brachte ihr schließlich einen Ball. Sie kicherte und warf ihn. Glücklich preschte der große Hund mit wehendem Schweif hinterher. Sie sah lachend zu. Er sprang an ihr hoch und wedelte wie verrückt mit dem Schweif. Fasziniert beobachtete ich die beiden. Irgendwie wünschte ich mir, auch wieder so sein zu können. Einfach irgendwo unter Menschen zu sein, ohne mich ständig verstecken zu müssen. Unschuldig. NORMAL. Meine Augen begannen zu brennen. Ich biss mir auf die Zunge. Plötzlich stürzte eine Frau aus dem Haus. Sie packte das Mädchen am Arm, schrie es an. Verwundert sah ich zu. Dann begann die Frau zu weinen und umarmte das Mädchen. Jetzt war ich vollkommen verwirrt. Die Frau führte das Mädchen hinein. Der Hund sah seiner Freundin winselnd nach. Anscheinend durfte er nicht nach drinnen. Traurig trottete er davon und rollte sich in seiner Hundehütte zusammen. Langsam trat ich aus meinem Versteck. Der Hund begann zu knurren und erhob sich. Ruhig blieb ich stehen. „Hallo, du.“, lächelte ich. Er blieb stehen und schnupperte interessiert. Ich musste schmunzeln. Schnell griff ich in meine Tasche und beförderte eine kleine Schachtel zu Tage. Darin lagen einige Fleischreste. Ich kniete mich hin und legte die Fleischstreifen ins Gras. Ich kannte mich ein wenig aus mit Hunden und wusste, dass er mir nicht aus der Hand fressen würde. Aufmerksam sah der Hund zu, wie ich zurückwich, damit er in Ruhe fressen konnte. Hastig verschlang er die Streifen und kam dann vorsichtig auf mich zu. Ich streckte langsam die Hand aus. Er zuckte ein wenig, dann schnupperte er an meinen Fingern. Langsam trat er noch näher. Ich strich ihm sanft durch das dicke Fell. Er begann zu hecheln und drängte sich an meine Beine. Ich kraulte seinen Nacken und klopfte ihm auf den breiten, silbergrauen Rücken. „Guter Junge.“ Vorsichtig griff ich nach seinem Halsband. Ein kleiner, knochenförmiger Anhänger war daran befestigt. In geschwungener Handschrift stand Eclipse darauf. Ich lächelte. „Sonnenfinsternis, was? Ein hübscher Name.“ Eclipse schloss die Augen und genoss meine Streicheleinheiten sichtlich. Plötzlich tauchte eine Silhouette am Fenster auf. Hastig wich ich zurück. Eclipse sah mir mit schiefgelegtem Kopf nach, bis ich außer Sicht war. Ich suchte mir einen Baum in der Nähe und kletterte geschickt nach oben in das dichte Geäst, wo niemand mich sah. Erschöpft lehnte ich mich gegen den Baumstamm und nickte ein.
    Als die letzten Sonnenstrahlen bereits verschwunden waren, wachte ich auf. Eine Weile wartete ich noch, bis die Kirchenuhr mir zeigte, dass es fast neun Uhr abends war. Schlaftrunken streckte ich mich und huschte flink wie ein Eichhörnchen die Äste hinunter. Mühelos gelangte ich wieder auf den Balkon vor dem Zimmer des Mädchens. Ich wusste nicht, was mich so zu ihr hinzog, aber irgendwie machte ich mir Sorgen um sie. Sie hatte richtig unglücklich ausgesehen, als die Frau sie nach drinnen geschickt hatte. Was war bloß mit ihr los, dass sie nicht draußen bleiben durfte? Geduldig wartete ich, bis sie das Licht ausknipste. Ich wusste nicht, ob sie schon eingeschlafen war, ich musste es riskieren. Schnell hatte ich das Schloss geknackt und betrat das Zimmer. Sie schien zu schlafen. Gut so. Ich kniete mich neben ihr Bett, betrachtete ihr entspanntes Gesicht. Sanft legte ich eine Hand auf ihre Schulter. Sie bewegte sich nur leicht. Doch plötzlich blinzelte sie. Kaum hatte sie mich erblickt, schoss sie rückwärts, prallte hart gegen die Wand. Unfähig, sich zu bewegen starrte sie mich an, die Augen angsterfüllt geweitet. Ich stand auf, traurig lächelnd. „Ich werde dir nichts tun. Versprochen.“, flüsterte ich. Sie rutschte zitternd noch weiter weg von mir und ich wusste, dass sie mir kein Wort glaubte. Ich trat ein paar Schritte zurück. Sie schien sich ein wenig zu entspannen. „Wer... wer bist du?“, presste sie hervor. Ich schwieg kurz. „Mein Name ist Jack.“, antwortete ich schließlich. Sie setzte sich aufrecht hin, immer noch Angst in den schimmernden braunen Augen. Sie sah aus wie ein aufgeschrecktes Reh. Lächelnd betrachtete ich sie. „Oh, glaub mir. Ich will dir wirklich nichts tun.“ Sie schnaubte sarkastisch und deutete auf das silbern schimmernde Skalpell in meiner Hand, das ich aus Reflex gezogen hatte. „Aha. Und deswegen brichst du mitten in der Nacht in mein Zimmer ein, hast ein Skalpell dabei und erschreckst mich beinahe zu Tode?“ Ich musste ein Lachen unterdrücken. Hatte ganz schön Mumm, die Kleine. „Ja, so könnte man es nennen. Aber hauptsächlich bin ich gekommen, um dir was zurückzubringen. Und... um mit dir zu reden.“ Sie musterte mich jetzt genauer und schien etwas von ihrer Scheu zu verlieren. „Na gut. Meine Eltern sind nicht da, es ist also egal. Schieß los.“ Erwartungsvoll sah sie mich an. Ich spürte, wie ich rot anlief und suchte nach den richtigen Worten. „Also... Na ja... Versteh mich nicht falsch, ich erkläre es dir später. Ich war letzte Nacht schon mal hier, und du hast nicht besonders gut ausgesehen. Dann bin ich... ähm... zufällig noch einmal tagsüber an deinem Haus vorbeigekommen und habe gesehen, wie du mit Ecl... deinem Hund gespielt hast. Da ist eine Frau gekommen und hat dich wieder ins Haus geschickt. Sie hat... ziemlich wütend ausgesehen.“ Das Mädchen seufzte. „Ja. Das war meine Mutter. Weißt du, ich war vor ein paar Monaten richtig krank und der Arzt hat gesagt, ich sollte mich eine Zeit lang schonen. Seitdem behandeln mich meine Eltern wie ein Baby. Ich darf nicht mal draußen mit Eclipse spielen. Und mein Pferd kann ich auch nicht mehr reiten.“, erzählte sie mir. „Eclipse darf auch nicht mehr ins Haus, weil meine Eltern denken, er verursacht zu viel Aufregung. Dabei bin ich längst gesund! Was soll er denn jetzt überhaupt von mir denken? Er ist mein bester Freund und er schläft seit er ein Welpe ist, bei mir im Zimmer. Und jetzt muss er bei jedem Wetter draußen schlafen. Er denkt sicher, ich hab ihn nicht mehr lieb!“ Tränen strömten ihre Wangen hinunter. Hilflos stand ich vor ihr, nicht wissend, was ich jetzt tun sollte. Sie wischte sich hastig über das Gesicht. „Tut... tut mir leid.“, murmelte sie. Eine Weile lang herrschte Schweigen. Aber kein unangenehmes Schweigen, wie es manchmal zwischen zwei fremden Personen entsteht, sondern ein Schweigen, dass mich glauben ließ, wir zwei würden uns schon ewig kennen. „Wie heißt du eigentlich?“, fragte ich sie schließlich. Sie hob den Kopf. „Ich heiße Melody.“ Kurz sah sie mich an. „Warum trägst du eigentlich diese Maske?“, erkundigte sie sich leise. Ich wandte den Kopf ab. „Das... ich möchte nicht darüber sprechen.“, knurrte ich. Sie nickte. „Ich verstehe. Du hast gesagt, du warst letzte Nacht schon einmal hier. Hast du meine Kette mitgenommen?“, fragte sie leise. Ich nickte. „Ja, sie lag vor deinem Bett, ich habe sie aufgehoben.“ Hastig zog ich das Glasherz aus meiner Tasche und reichte es ihr. Ein glückliches Lächeln erhellte ihr Gesicht. Schnell schob sie ihre Haare beiseite und zog sich das Kettchen über den Kopf. Das Band war eng und das Herz lag flach auf ihrem schmalen Hals. „Sie... sie ist wunderschön.“, gab ich zu. Melody lächelte. „Dankeschön. Ich habe sie zu meinem vierzehnten Geburtstag bekommen.“ Wieder breitete Stille sich aus. Dann hob sie die Stimme. „Woher kommst du eigentlich? So jemand wie du läuft normalerweise nicht einfach auf der Straße rum.“ Ich grinste. „Ich wohne in einer... hm... WG, wo Leute wie ich leben. Wir helfen uns irgendwie gegenseitig.“ Sie nickte interessiert. „Klingt schön. Wenn ich doch auch nur woanders leben könnte. Meine Familie ist so nervig.“, seufzte sie sehnsüchtig. Kurz flackerte ein Gedanke in meinem Kopf auf. Was wenn... Aber nein, Slendy wäre niemals einverstanden. Bedauernd schüttelte ich den Kopf. „Ich kenne das. Ich hatte auch mal eine normale Familie. Aber ich bin irgendwann einfach durchgedreht und bin... abgehauen.“ So ging die Unterhaltung weiter, bis die Turmuhr in der Ferne Mitternacht schlug. „Tut mir leid, Melody. Ich muss gehen.“, erklärte ich ihr. Sie nickte. „Machs gut, Jack! Ich hoffe, wir sehen uns wieder!“, rief sie leise, als ich auf den Balkon hinaustrat. Ich hob zum Abschied die Hand und kletterte schnell das Geländer herunter. Nach Hause kam ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Wie gut, dass ich eine Maske trug.

    Fröhlich schlenderte ich nach unten zum Abendessen. BEN warf mir einen seltsamen Blick zu. „Was ist denn heute mit dir los?“, argwöhnte er. Ich zuckte mit den Schultern. „Was soll sein?“ BEN musterte mich misstrauisch. „Sonst bist du doch nie so gut drauf. Also, was ist passiert?“ Ich lachte. „Das erzähle ich DIR sicher nicht.“ Er wandte sich beleidigt ab, um mit Jeff zu sprechen. Hastig verschlang ich einen Teller Spaghetti mit Tomatensoße und sprang dann auf. „Ich gehe, Slendy!“, rief ich noch kurz in die Küche. Der große Mann streckte den Kopf aus der Tür. „Ist gut. Pass auf, das Smile nicht wieder abhaut. Er wartet jetzt immer, bis jemand das Tor öffnet und schlüpft dann hinaus.“ Ich nickte und betrat den Garten, Slenders ganzer Stolz. Es war ein riesengroßer Park mit zahllosen Skulpturen, Springbrunnen und kunstvoll geschnittenen Hecken. Kurz hielt ich Ausschau nach Smile Dog, dann ließ ich das große Haus hinter mir und schlug den Weg zu Melodys Haus ein. Im Gehen tastete ich nach der Schachtel in meiner Jackentasche. Ich hatte Eclipse etwas zum Knabbern mitgebracht. Ich mochte den Hund, inzwischen konnte ich Tiere ziemlich gut leiden. (Seit ich entdeckt hatte, dass Menschen sezieren viel mehr Spaß machte) Jedenfalls betrat ich den Garten. Eclipse lag im Gras und ließ sich die letzte Sonne auf den Pelz scheinen. Als er mich erspähte, sprang er hastig auf und lief schwanzwedelnd auf mich zu. Ich lachte und kraulte seinen Hals. „Hallo Eclipse. Ich habe dir was mitgebracht. Zwinkernd holte ich das Fleisch aus meiner Tasche und hielt es ihm hin. Er schnappte es, seine blanken, schneeweißen Zähne schlugen sich in das rote Fleisch und rissen es in zwei Teile. Kauend sah er mich an. Sein unheimlicher Blick war sanft und ruhig. Doch plötzlich versteifte sich der Hund, ein tiefes Grollen kam aus seiner Kehle. Er würgte das Fleisch hinunter und richtete sich dann zu seiner vollen Größe auf. Das silberne Fell auf seinem Rücken stand senkrecht in die Luft und ließ ihn noch massiger und größer wirken. Ich sah mich aufmerksam um. Gegen mich richtete seine Feindseligkeit nicht, er sah in eine andere Richtung. Plötzlich schimmerte zwischen den Hecken etwas weißes hindurch. Eclipse wollte hinüberstürzen, ich bekam ihn gerade noch am Halsband zu fassen. Jetzt richtete sein Ärger sich gegen mich und er schnappte nach meiner Hand, die weißen Zähne gebleckt. „Eclipse, aus!“, zischte ich unruhig. Doch der Hund schien mir nicht einmal zuzuhören. Er begann jetzt, richtig zu bellen. Laut und tief, etwas raschelte. Mit einem Satz warf Eclipse sich endgültig auf den Eindringling, der sich anscheinend in den Hecken verfangen hatte. Ich musste den riesigen Husky loslassen, er hatte mir fast den Arm ausgerenkt. Fluchend stürmte ich dem Hund hinterher, der sich bereits in dem Menschen verbissen hatte, der aufschrie und versuchte, den rasenden Hund wegzuschieben. Verblüfft blieb ich stehen. „Jeff?“, murmelte ich ungläubig. Der Teenager sah mich hasserfüllt an. „Los, pfeif das verfluchte Vieh zurück!“, keifte er. Ich schüttelte den Kopf. „Er hört nicht auf mich.“ Plötzlich ertönte ein gellender Pfiff hinter mir. „Eclipse! Aus! SOFORT!“, schrie Melody, die aus dem Haus gekommen war. Erstaunt sah ich sie an. Aber Eclipse schien ihre Stimme zu erkennen und wich knurrend zurück. Immer noch starrte er Jeff wütend an. Dieser rappelte sich auf. „Slender hat gesagt, ich soll dir folgen. Er hat gesehen, dass du dich mit DER hier abgibst.“, verteidigte dieser sich, als Antwort auf meinen drohenden Blick. Ich bleckte die Zähne. „Dann hau ab hier, und wehe, ich erwische dich noch einmal hier in der Nähe! Sag Slender, er soll aufhören, sich in meine Angelegenheiten einzumischen.“, fauchte ich. Jeff zog sich die Kapuze seines blutbefleckten Hoodies ins Gesicht und schlenderte die Straße hinunter. Ich wandte mich wieder Melody zu, die ihren Hund streng ansah. Dieser knurrte leise. Schließlich sah sie seufzend auf. „Gut, dass meine Eltern bei der Arbeit sind. Aber jetzt komm erst mal mit rein.“ Sie zog mich fröhlich ins Haus und schlug die Tür zu. „Was machst du jetzt schon hier?“, fragte sie. „Ich habe dich erst später erwartet.“ Ich sah schuldbewusst zu Boden. „Tut mir leid. Aber ich habe mich zu Hause so gelangweilt.“ Sie grinste. „Ist schon gut. Aber du musst dich vorsehen. Wenn Eclipse beginnt, zu bellen weiß ich, dass meine Eltern kommen. Dann musst du dich verstecken. Gut? Ich gebe dir Bescheid, wenn die Luft rein ist. Sie werden jedenfalls gleich wieder gehen. Sie wollen heute Abend zu einem Firmenessen.“ Ich nickte und folgte ihr auf ihr Zimmer. Schon bald saßen wir lachend auf ihrem Bett und redeten über verschieden Sachen. Viel zu schnell verging die Zeit und es wurde später und später. Bis drei Uhr morgens redeten, lachten und diskutierten wir. Plötzlich griff Melody sich an die Stirn. „Verdammt.“, murmelte sie. Überrascht sah ich sie an. „Was ist denn los?“ Sie rieb sich die Stirn. „Ich... ich habe Kopfschmerzen.“ Alarmiert schoss mein Blick zum Fenster. „Wie fühlt es sich an?“, fragte ich. Sie lehnte sich zurück. „Irgendwie wie Stromstöße.“ Nun war ich wirklich beunruhigt. War er hier? „Ich muss los. Glaub mir, wenn ich weg bin, hört es auf.“ Sie sah mich verwundert an. „Was hast du denn jetzt damit zu tun?“ Verlegen sah ich weg. „Na ja, ich direkt nicht. Aber... jemand den ich kenne, übt eine, wie soll ich sagen... seltsame Wirkung auf Leute... Leute wie dich aus.“ Ich sah ihr an, dass sie gerne mehr wissen wollte, aber glücklicherweise fragte sie nicht nach. Hastig ging ich zur Balkontür und stieß sie auf. „Warte mal, Jack!“, rief sie mir hinterher. Ich drehte mich um. „Ja?“ Sie lächelte schüchtern. „Wie wäre es, wenn wir Handynummern austauschen? Dann können wir einander schreiben.“ Ich grinste. „Gute Idee. Warte.“ Schnell zückten wir die Handys und diktierten uns die Nummern. „Danke. Ich schreibe dir.“, versprach sie mir noch. „Machs gut, Melody. Ich schaue morgen vielleicht noch einmal vorbei.“, verabschiedete ich mich und glitt über das Balkongeländer nach unten in den Garten. Tatsächlich. In einiger Entfernung zum Haus stand die riesige Gestalt Slenders. Ein tiefes Knurren drang aus meiner Brust, während ich auf ihn zuging. Er schien wütend. Zwar konnte sein Gesicht keine Gefühle ausdrücken, aber etwas an ihm verriet seine Stimmung. „Du bist also zurück.“ Seine Stimme klang seltsam ruhig. Ich fletschte die Zähne. „Warum bist du gekommen? Du weißt doch genau, dass sie dich spüren kann.“, fauchte ich wütend. Plötzlich schlangen sich kalte Tentakel um meine Arme und pinnten mich in drei Meter Höhe an einen der Bäume. „Hör mal gut zu, Bürschchen. Du kannst dich nicht weiter mit ihr treffen! Sie wird uns alle verraten! Ich werde nicht zulassen, dass unser aller Leben aufs Spiel gesetzt wir, nur damit du deinen kleinen Flirtereien nachgehen kannst.“, zischte der große Mann gefährlich. Ich spannte trotzig alle meine Muskeln an. „Ich werde nicht aufhören, zu ihr zu gehen.“ Das war ein Fehler. Im nächsten Moment spürte ich nichts mehr als Schmerz, mein Körper stürzte zu Boden. Keuchend rollte ich mich zusammen. Heißes Blut strömte aus der Wunde in meiner Seite. Ich biss die Zähne zusammen und richtete mich auf. Mit starren Fingern öffnete ich den Reißverschluss meiner Jackentasche. Die Glasampullen klirrten leise gegeneinander. Slender wandte sich langsam ab. „Ich hoffe, du kommst bald wieder zur Besinnung. Wenn du nicht stirbst.“ Mit einem leisen Lachen verschwand der riesige Mann. Hasserfüllt starrte ich ihm hinterher. Endlich bekam ich eine der blutstillenden und betäubenden Spritzen zu fassen. Vor Schmerz tränten meine Augen, ich schob die blaue Maske ein Stück weit nach oben und biss mir auf die Hand, während ich mir die Nadel in die Seite drückte. Salziges Blut strömte in meinen Mund, ich stöhnte auf. Endlich ließ der Schmerz in meiner Seite nach. Erschöpft brach ich zusammen. Nachdem ich überhaupt nichts mehr fühlte, lehnte ich mich mit dem Rücken gegen den Baumstamm, an dessen Fuß ich lag und zerrte Nadel und Faden aus meiner Tasche. „Verdammt.“, fluchte ich leise. Nur gut, dass ich längst verschiedene Wunden an meinem Körper hatte nähen müssen. Dieser verfluchte Bastard! Nun, ich würde einfach heimlich gehen. Aber jetzt musste ich erst mal zusehen, dass ich nach Hause kam.

    Hoodie und Masky starrten mich ungläubig an, als ich mich die Treppen hochschleppte. „Ärger mit Slendy.“, knurrte ich nur. Im Moment hatte ich wirklich keine Lust, ihnen alles zu erklären. Sie zuckten stumm mit den Schultern. Kleine Feiglinge. Niemals würden sie sich trauen, etwas gegen Slender zu sagen. Müde verschloss ich meine Zimmertür und zog meine zerrissene und blutgetränkte Jacke aus. Die blaue Maske warf ich achtlos irgendwo hin und fiel in mein Bett. Nicht einmal die Vorhänge hatte ich zugezogen.
    Als ich aufwachte, war es schon wieder hell. Langsam stand ich auf, versuchte mich zu strecken. Aber der glühende Schmerz in meiner Seite hielt mich schnell davon ab. Wütend holte ich mir meine andere Jacke aus dem Schrank. So würde ich niemals auf den Balkon vor Melodys Zimmer klettern können! Erst jetzt fiel mir wieder ein, dass wir ja Nummern getauscht hatten. Hastig zerrte ich mein Handy heraus und schrieb ihr. Vielleicht konnten wir uns ja woanders treffen?
    Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Ja, sie war einverstanden. Ich wählte einen abgelegenen Pfad im Wald, der leicht zu finden war. Zufrieden zog ich mich an und ging nach unten. Slender starrte mich feindselig an. Ich grinste hochmütig unter der Maske und verließ das Haus. Langsam schlenderte ich durch den dichten Wald. Die Sonne schien auf meine Schultern und wärmte mich. Zwar mochte ich die Nacht lieber, aber ich musste zugeben, dass es sich gut anfühlte. Seufzend lehnte ich mich gegen einen Baumstamm und legte den Kopf zurück. Einige Minuten lang war es still im Wald, nur die Vögel zwitscherten. Ein freudiges Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, als ich näherkommende Schritte vernahm. Lachend stürzte Melody auf mich zu. „Hi Jack! Tut mir leid, ich wäre ja früher gekommen, aber ich musste mich erst von meinen Eltern loseisen.“, quietschte sie. Wie aus einem Reflex schlang ich beide Arme um sie und umarmte sie. Überrascht versteifte sie sich. Hastig ließ ich sie los. „Tut... tut mir leid.“, murmelte ich verlegen. Sie wurde knallrot. „Ist schon gut.“ Nach einem kurzen, peinlichen Schweigen, sah sie mich direkt an. „Was war gestern eigentlich los?“, fragte sie neugierig. Ich verzog das Gesicht. „Nichts. Wirklich.“, log ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Du wirkst ziemlich erschöpft.“ Schmunzelnd ging ich neben ihr her. „Findest du? Kommt vielleicht davon, dass ich in den letzten Nächten ziemlich spät nach Hause gekommen bin.“ Sie runzelte die Stirn. „Jack, gehst du etwa mit jemanden anderem aus?“ Jetzt musste ich lachen. „Ist da etwa jemand eifersüchtig?“, zog ich sie auf. Sie kicherte. „Das hättest du gerne, nicht wahr?“

    Es wurde schon langsam dunkel, als ich leise summend zum Haus zurückschlenderte. Plötzlich zog helles Lachen meine Aufmerksamkeit in den Wald zurück. Stirnrunzelnd folgte ich dem Geräusch. War Melody zurück in den Wald gekommen? Doch als ich den Weg wieder erreichte, entdeckte ich ein anderes Mädchen, etwas älter als Melody. Sie hatte leicht schräg stehende, graublaue Augen und schwere, schwarze Haare Zischend sog ich die Luft ein. Denn neben dem Mädchen her schritt Slender. Sie schienen sich prächtig zu amüsieren. Heiße Wut stieg in mir hoch und brach schließlich in einem gefährlichen Knurren aus mir heraus. Mit einem Satz war ich auf den Weg gesprungen und hatte den großen Mann rückwärts gegen einen der Bäume gestoßen. „DU HEUCHLER!“, brüllte ich ihn an. Das Mädchen schrie panisch auf und wich zurück. „DU VERDAMMTER, VERABSCHEUUNGSWÜRDIGER HEUCHLER!“, gellte meine wutverzerrte Stimme durch den Wald. Mit jedem Wort schlitzte ich ihm einen roten Striemen in das leere Gesicht. Kreischend vor Schmerz versuchte Slender, mich mit seine Tentakeln zu packen, aber ich wich ihm geschmeidig aus, blind vor Wut. „JACK! Was tust du da?“, schrie plötzlich jemand mit angsterfüllter Stimme. Das Blut gefror mir in den Adern. Langsam klärten sich meine Gedanken. „Melody.“, murmelte ich verwirrt. Sie stand mit weit aufgerissenen Augen in einiger Entfernung auf dem schmalen Pfad und starrte mich entgeistert an. Hastig trat ich zurück und ließ das Skalpell zurück in meine Tasche gleiten. „Jack! Was soll das ganze hier?“ Ihre Stimme zitterte. „Lass es mich erklären!“, bat ich meine Freundin, die immer noch starr vor Angst auf die riesige Gestalt Slenders blickte. Als ich einen Schritt auf sie zuging, wich sie hastig zurück. Sie hatte Angst vor MIR. „Warum hast du... Was ist das...“ Sie verstummte. Ich griff nach ihrem Arm und schob sie zurück. „Hör mir zu. Du musst sofort raus aus dem Wald, okay? Geh zurück zum Dorf, halt dich nicht in der Nähe von Bäumen auf und trödel nicht herum. Ich komme nach, geh nach Hause und schließ dich ein.“ Sie nickte, zu verängstigt um zu widersprechen. Hastig lief sie davon. Seufzend starrte ich ihr hinterher. Dann drehte ich mich zu Slender um. Er hatte es inzwischen geschafft, die Blutungen zu stoppen und blickte nun hasserfüllt in meine Richtung. Die junge Frau war zu ihm gelaufen und redete nun leise mit ihm. Er seufzte und wandte den Blick von mir ab. Erst als ich sicher war, dass er mich nicht mehr beachtete, sprintete ich in Richtung Dorf davon.
    Vor Melodys Haus blieb ich stehen und pfiff leise. Sofort sprang Eclipse kläffend am Gartenzaun hoch und winselte verzweifelt. Hastig sprang ich über den Holzzaun und kraulte dem Husky das Fell. „Hallo mein Junge. Ist dein Frauchen schon zu Hause?“ Der Hund tapste zur Tür und sah mich sehnsüchtig an. Ich lächelte. „Na dann komm, wir sehen nach, ob sie da ist.“ Er drängte sich neben mir in das Haus und sprintete sofort die Treppen hoch. Melody erschien am oberen Treppenabsatz. Ihr Gesicht war tränenverschmiert. Ich trat langsam auf sie zu und senkte den Kopf. „Ich kann dir alles erklären.“, murmelte ich. Sie atmete tief ein und setzte sich mit überkreuzten Beinen auf den Boden. Eclipse legte sich hechelnd neben sie und ließ sich von ihr den Bauch kraulen. „Ich höre, Jack.“ Erschöpft lehnte ich mich gegen das Treppengeländer und strich mir durch das Haar. „Gut. Ich weiß nicht, wie viel du in den Nachrichten gesehen hast, aber du solltest schon mal gehört haben, dass mehrere Menschen ermordet wurden.“ Ihre Augen weiteten sich. „Du meinst... DU warst das?“ Ich nickte emotionslos. Tränen füllten ihre großen, braunen Augen. Sie sprang auf. „Melody! Bitte!“, rief ich ihr hinterher, als sie den Gang hinunterlief und die Tür zu ihrem Zimmer zuschlug. Eclipse stand auf und schüttelte sich. Ich stürzte zu Melodys Zimmer. Sie hatte die Tür abgeschlossen und ich konnte sie weinen hören. „Bitte Melody!“, flehte ich sie an. „Ich habe dir vertraut! Ich habe dir wirklich vertraut!“, schluchzte sie verzweifelt. „Ich will dich nie wieder sehen! Hau ab Jack!“ Die Worte trafen mich wie Messerstiche.

    (?'s Sicht)

    Zalgo stand in der Nähe des kleinen Hauses, grinsend zusehend wie der Junge niedergeschlagen den Garten verließ. Wie immer loderten die Flammen in seinem Herzen hell, wenn er etwas ruiniert hatte. Glücklich beobachtete er, wie das Mädchen ans Fenster stürmte und die Vorhänge zuzerrte, immer noch weinend. Wie schön. Endlich würden sie aufhören sich zu treffen. Zufrieden mit sich selbst wandte Zalgo sich ab und spazierte durch den Wald zurück. Wie er Liebe hasste. Schon bei dem Gedanken daran verzog sich sein Gesicht. Egal. Wie gut dass der Junge auf seine beiden Trugbilder hereingefallen war, die er von Slenderman und der jungen Frau erschaffen hatte. Und gut, dass genau die Reaktion von Melody eingetreten war, die er sich erhofft hatte. Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass sie aus dem Weg war. Kichernd verschwand der Dämon im Wald.

    (Jack's Sicht)

    „Ahh, Jackie. Wer wird denn so deprimiert herumhängen! Es ist Samstag und du bist immer sooo verdammt langweilig drauf.“, maulte Jeff. Er war schon wieder stockbesoffen. „Ach lass mich doch in Ruhe.“, murmelt ich und schlang die Arme um meine Knie. Der Teenager starrte mich kichernd an. Dann drückte er mir ein Bier in die Hand. Kurz sah ich es an, dann öffnete ich den Verschluss und lehnte mich mutlos zurück. Vielleicht war es für heute wirklich das Richtige.
    Als ich am nächsten Morgen aufwachte, schmerzte mein Kopf wie Hölle. Stöhnend fiel ich aus dem Bett. Als ich aufstand, drehte sich alles. Mit Mühe und Not kam ich ins Badezimmer, strich mir die Haare aus dem Gesicht und füllte das Waschbecken mit eiskaltem Wasser. Dann holte ich tief Luft und tauchte meinen Kopf hinein. Als ich prustend wieder hochkam, waren meine Sinne wieder einigermaßen klar. Schnell trocknete ich mich ab und schlich zurück zu meinem Zimmer. Im gleichen Moment überkam mich wieder die Erinnerung an gestern. Ich strich mir über die Wangen. Doch die zähe Flüssigkeit, die sonst aus meinen Augen lief, war erstaunlich flüssig. Erst jetzt realisierte ich, dass ich weinte. Ich hatte so lange schon nicht mehr geweint. Das letzte Mal war wahrscheinlich damals gewesen, als ich gemerkt hatte, dass ich nichts mehr sehen konnte. Schluchzend vergrub ich mein Gesicht in dem weichen Kissen. Was hatte ich getan? Wenn ich nicht immer so verdammt unkontrolliert wäre, wäre das nie passiert! Ich hätte Melody niemals etwas erklären müssen und alles wäre beim Alten geblieben. Aber nein verdammt, mein hitziges Temperament hatte mich mal wieder in die größten Schwierigkeiten geritten. Weinend zog ich mir die Decke über den Kopf und rollte mich zusammen.

    ~Im Traum stand ich vor Melodys Balkontür. Sie war verriegelt. Ich versuchte sie zu öffnen, aber auf üblichem Wege war nichts zu machen. Wütend schlug ich meine Hand gegen das Glas. Zu meiner Überraschung splitterte es unter meinen Fingern und ich hob verwirrt den Blick. Melody lag regungslos in ihrem Bett, das dunkelbraune Haar ausgebreitet auf dem Kopfkissen. Eine Hand hing über den Bettrand hinaus, etwas Dunkles tropfte von ihren Fingerspitzen. Panisch stürzte ich zu ihr hinüber. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Hals aufgeschlitzt. Das Blut lief über ihren ganzen Arm hinunter. Ich spürte, wie mir wieder Tränen die Wangen hinunterliefen. „NEIN!“, brüllte ich. Plötzlich zischte etwas hinter mir. Ich wirbelte herum, wutentbrannt. Wenn das ihr Mörder war, sollte er lieber zu Gott beten, dass ich schnell machen würde. An der gegenüberliegenden Wand... HING etwas. Eine seltsame Kreatur, die ich flüchtig kannte. Slender sprach manchmal von ihr. Sie nannte sich „The Rake“ und war anscheinend eine weitere Creepypasta. Mit ihren langen Krallen hielt sich die Kreatur an der Wand fest und drehte den Kopf so über, dass sie mir ins Gesicht sehen konnte. Das Gesicht zu einem schrecklichen Grinsen verzerrt fauchte sie und sprang mich an.~

    Ruckartig schoss ich hoch. Keuchend saß ich in meinem Bett, nichts anderes im Kopf als Melody. Plötzlich begann mein Handy auf dem Beistelltisch zu klingeln. Ich griff danach und blickte auf das Display. Melody? Sofort wischte ich über den Screen und nahm den Anfruf an. Kurz war es still, dann ertönte ihre ängstliche Stimme. „J...Jack?“ Ich überlegte kurz, ob ich mich eher abweisend geben sollte, weil sie mich eiskalt abserviert hatte oder eher besorgt sein sollte. Sie rief doch nicht ohne Grund mitten in der Nacht an. „Ja Melody?“ Sie brach in Tränen aus. „Oh Jack! Bitte komm schnell!“ Alarmiert schoss ich aus meinem Bett. „Was ist los? Ist dir was passiert?“ Sie antwortete nicht. „Ich kann nicht reden, es hört mich. Es hört jedes Wort!“

article
1462989731
Glasherz 1 (Eyeless Jack Lovestory)
Glasherz 1 (Eyeless Jack Lovestory)
Ich wollte das hier schon lange mal online stellen. Ich hoffe, es gefällt euch. Wenn ihr wollt, dass ich weiterschreibe, ab in die Kommentare damit!
http://www.testedich.de/quiz41/quiz/1462989731/Glasherz-1-Eyeless-Jack-Lovestory
http://www.testedich.de/quiz41/picture/pic_1462989731_1.jpg
2016-05-11
40D0
Creepypasta

Kommentare Seite 1 von 1
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.

Neuer Kommentar da? / Seite neu laden

Albino ( 69.80 )
Abgeschickt vor 101 Tagen
Ich befehle dir SCHREIB WEITER!!
Nebelwald ( )
Abgeschickt vor 235 Tagen
@Werwolf 03

Tut mir leid, ich werde aufhören, dich fürs Leben zu schocken und Slender erst mal aus der Küche holen. ^^

@Lady_Siren

Na ja, das mit den Nieren ist so eine Sache. In der Creepypasta findet der Mann eben seine Niere auf dem Boden. Sie ist mit der schwarzen Flüssigkeit bedeckt, die Jacks Augen absondern. Bedeutet schon mal, dass das Organ irgendwo in der Nähe seiner Maske war. Und die Niere war angeknabbert. Da ich nicht denke, dass wilde Tiere etwas fressen, was mit dieser Flüssigkeit bedeckt ist, vermute ich stark, dass EJ Nieren isst. Aber im Gegensatz zu den vielen Fanfictions in denen er sich nur von ihnen ernährt und immer nur von Nieren spricht, weiß ich dass er nicht überleben würde, da diese Organe viel zu wenig Nährstoffe enthalten um einen Jugendlichen auf die Dauer am Leben zu erhalten. Deshalb auch die Szene, wo er Spaghetti isst. Ich schätze, Nieren sind für ihn so etwas wie für uns ab und an ein Stück Kuch
Lady_Siren ( 8.201 )
Abgeschickt vor 240 Tagen
Erstmal großes Lob an dich.
Dein Schreibstil ist echt gut und bis jetzt scheint ihr Charakter ganz interessant zu sein. Vor allem haben wir hier nicht "Ich liebe dich, denn du bist... so anders!"
Mir gefällt auf komische Art und Weise wie du EJ darstellst. Auch wenn man nicht viel über ihn weiß, wirkt es ganz gut.
ABER: Wo in seiner Creepypasta steht, dass er Nieren isst? Lag nicht eigentlich am Ende der Story die Niere am Boden? Überzogen mit Schleim?
Naja, ist mir jetzt mal aufgefallen.

Zum Erzählstil... Entschuldige, aber es wirkt übelst lang und gestreckt. Ich will nicht sagen, dass es schlecht ist. Für mich ist der Verlauf der Geschichte einfach zu langsam.
Das ist jetzt nur meine Meinung und kein Kritikpunkt XD
Werwolf 03 ( 1.246 )
Abgeschickt vor 244 Tagen
Lob an dich:
Dein Schreibstil ist krass-cool
Jedoch muss erwähnt werden, dass die Idee nicht mehr neu ist, außerdem... gefällt mir nicht, dass Slender einfach mal in der Küche abhängt und... kocht? Wie kommen alle diese Autoren auf die Idee, Sender würde für alle kochen? Das ist doch... irgendwie... naja, ihr wisst was ich meine.
Sowieso, diese Wg-sache, das ist generell irgendwie mit der Zeit ziemlich eintönig geworden, wie diese Creeps einfach als Kumpels dargestellt werden, aber du hast das Talent eine anständige Geschichte zu schreiben also nutze es. Aber bitte, ich will mir nie, nie wieder Slender in Kochmütze und Schürze vorstellen müssen-bei allem Respekt, in solchen FFs müssen alle ihre Würde behalten^^
Ich freue mich auf eine Fortsetzung...
Mizuki ( 8.115 )
Abgeschickt vor 245 Tagen
Schreibe bitte weiter ok
Kaede ( 7.150 )
Abgeschickt vor 245 Tagen
Schreib bitte weiter^^