Das Leben eines Engels

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1 Kapitel - 1.772 Wörter - Erstellt von: (^-^)/ - Aktualisiert am: 2016-05-15 - Entwickelt am: - 231 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Atemlos renne ich einen grasbedeckten Hügel herunter. Um mich herum ist dichter Nebel, sodass ich vielleicht 50 m weit sehen kann. Obwohl ich mich nicht besonders anstrengen muss, habe ich kein Gefühl mehr in den Beinen und meine Füße brennen höllisch bei jedem Schritt. Hinter mir ist wütendes Geschrei zu hören und als ich kurz keuchend nach hinten blicke, tauchen aus dem Nebel Freunde, Familie, Bekennte, sprich alle, zu denen ich in irgendeiner Weise eine Bindung habe, auf. Und sie sehen so aus, als ob sie mich zerfleischen, wenn sie mich erwischen. Plötzlich reißt vor mir ein riesiges Loch auf, das alles in sich einsaugt. Ich lege erst einmal eine Vollbremsung hin und mache dabei Bekanntschaft mit dem zugegeben relativ weichen Boden. Das Loch saugt unerbittlich weiter und ich kralle mich so gut es geht in den Boden. Ein leicht unangenehmes Ziehen durchfährt meine Finger und meinen Rücken. Mir wachsen tatsächlich Krallen und Flügel! Mit meinen neu gewonnenen Körperteilen kämpfe ich nun weiter gegen die Saugkraft des Lochs indem ich die Krallen tief in den Bauch schlage und mit den Flügeln entgegen dem Sog flattere. Meine Verfolger sind inzwischen wenige Meter von mir entfernt. "Nein, nein, nein, nein, nein, NEIN!" Ein leiser und schwacher Hauch beim ersten nein, dessen Kraft und Lautstärke mit jedem nein steigt bis ich das letzte nur so heraus schreie, was die ersten Reihen meiner Verfolger auf die anderen weht. Doch liegen bleiben sie nicht. Sie stehen wieder auf, diesmal mit toten, kalten, strahlend blauen Augen, die auf mich gerichtet sind. Schließlich treten meine Eltern, mein Bruder und meine besten Freundinnen aus der Menge hervor. Sie kommen auf mich zu. Panisch und verzweifelt drücke ich meine Stirn auf den Boden und schreie: "Bleibt weg von mir! Lasst mich in Ruhe!" Mit diesen Worten erscheint zwischen ihnen und mir eine Wand aus blauem Feuer, das eine eisige Kälte ausstrahlt. Das scheint sie wenig zu beeindrucken denn sie laufen einfach durch. Dass dabei ihre Körper fast gefrieren, scheint sie auch nicht zu stören. Trotz heftigem Protest meinerseits, pflücken sie mich vom Boden und werfen mich in das Loch. Von innen wirkt alles, was draußen war, unglaublich klein. Die Öffnung wird immer kleiner und während mich alles um mich herum verschlingt, weine ich eine letzte Träne meinen Liebsten nach....
    "Nein!" Schweißgebadet schrecke ich hoch. Ich liege in meinem Bett unter einer dicken Decke obwohl mein Körper sich so anfühlt, als wäre ich bis geradeeben noch gefallen. Es ist zwar normal, dass ich so einen Scheiß zusammen träume, aber dieser Traum geht mir langsam auf die Nerven. Das ist jetzt schon das dritte Mal in dieser Woche! Man bedenke: Es ist Donnerstag! Und vorher hat er mich auch nicht in Ruhe gelassen. Langsam fühle ich mich gestalkt. Von einem Traum! Ich dreh durch! OK. Erst mal beruhigen. Tief Ein- und Ausatmen.... Und endlich diese bescheuerte Jacke weg! Es ist Sommer! Wofür brauch' ich im Sommer 'ne Decke! Als ich mir den Schweiß aus dem Gesicht wische, werde ich stutzig. Seit wann schwitzen Augen? Habe ich etwa geweint? Alles klar, ich werde sowas von verrückt. Jetzt brauche ich erst einmal eine Dusche. Mein Schweißbad von heute Nacht war nämlich echt widerlich. Ich ziehe ein paar kurze, luftige Klamotten aus meinem Schrank und tapse ins Bad für eine schöne, kühle Dusche.
    Geduscht und angezogen betrachte ich mich im Spiegel während ich meine Haare kämme. Mein Körper ist ziemlich durchschnittlich. Ein paar Kurven, ein paar Ecken, ein paar Kanten. Hier und da ein paar kleine Problemzonen, aber wer hat die nicht? Aus meinem Gesicht strahlen smaragd-grüne Augen, die im Licht leuchten wie die einer Katze. Und meine Haare... Ich liebe meine Haare. Sie sind goldblond, kräftig und glatt, haben aber trotzdem eine gewisse Wildheit auch wenn sie gekämmt sind. Außerdem reichen sie mir über die Hüfte. Es ist ab und zu zwar recht anstrengend, aber das ist es mir wert.
    Während meine Haare trocknen mache ich mir Frühstück bzw Mittagessen. Schließlich ist es schon 1 Uhr. Zum Glück haben wir verlängertes Wochenende wegen irgendeinem Feiertag, den ich nicht einmal kenne.
    Im Fernsehen läuft auch nichts Gescheites. Nicht mal meine Lieblingsserie One Piece. Nach und nach wird meine Müsli-Schüssel immer leerer während sich im hiesigen Assi-TV nur irgendwelch Leute anschreien. Aber ich gucke eh nicht wirklich zu. Stattdessen träume ich mich lieber in die Welt von One Piece. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich mir schon wünsche, dort zu sein. Es wäre definitiv spannender und verlockender als der Schrott von einem Leben, das ich hier gerade habe.
    Meine Eltern, die gerade ins Zimmer kommen, holen mich in die Realität zurück. Ich befürchte schon, dass sie gleich wieder Streit mit meinem Bruder anfangen, von wegen er soll endlich etwas aus seinem Leben machen. Jeden Tag das gleiche Thema, jeden Tag Streit und jeden Tag werden meine Nerven dünner. Eigentlich gehe ich Streitigkeiten aus dem Weg, aber wenn sich da nicht bald etwas ändert, raste ich aus.
    Schnell schlinge ich mein Essen runter, mache den Fernseher aus uns hüpfe ihnen fröhlich entgegen.
    "Morgen Mam! Morgen Dad!"
    Zur Begrüßung umarme ich sie. Es ist besser, wenn sie denken, dass wenigstens bei mir die Welt in Ordnung ist, sonst machen sie sich Sorgen. Und das in Form von einer Unterat des Hausarrests.
    "Guten Morgen Layelle, mein Schatz! Geht's die gut?"
    "Ja, Mam, alles gut."
    Mein Vater lacht nur.
    "Guten Morgen? Guten Tag trifft's wohl eher."
    "Dann eben guten Tag, Dad", sage ich und grinse ihn an.
    Er ist zwar nicht mein leiblicher Vater, aber ich habe ihn trotzdem lieb. Was mit meinem leiblichen Vater passiert ist, weiß ich nicht. Aber, ehrlich gesagt, interessiert mich das im Moment herzlich wenig.
    "Ich geh' ein bisschen Inliner fahren, ok?"
    "Ok. Pass auf dich auf!"
    "Komm nicht zu spät wieder!"
    "Geh' nicht zu weit weg!"
    "Fahr vorsichtig!"
    "Lass dich nicht klauen!"
    "In der Kühltruhe ist noch Eis!"
    Nach dem Ok bin ich schon Richtung Ausgang gehuscht. Es ist echt gruselig, wie die zwei in einem Atemzug so viel überflüssigen, übervorsichtigen Müll von sich geben können. Und sich dabei sogar abwechseln! Moment mal.... Eis?
    "Alles klar", rufe ich noch aus der Küche als ich das mit dem Eis realisiere.
    Dann hole ich meine Inliner und packe noch ein paar Turnschuhe in eine Tüte. Schließlich will ich den ganzen Weg zurück nicht unbedingt fahren. Außerdem mache ich später wahrscheinlich noch einen Spaziergang durch den Wald. Zum Schluss schnappe ich mir noch ein Eis und fahre los. Als ich an einem offenen Fenster vorbei fahre, höre ich, dass sich die drei anderen wieder in der Wolle haben. Diesmal sogar noch heftiger als sonst. Genervt schnaube ich und fahre weiter, während ich versuche das Eis aus der Verpackung zu bekommen, ohne etwas davon zu verlieren. Gar nicht so einfach bei Stieleis. Ha! Endlich!
    So, jetzt ist alles perfekt. Ich fahre gemütlich auf einer wenig befahrenen, kleinen Straße ber grasbedeckte Hügel. Auf der einen Seite fängt ein paar hundert Meter weiter der Wald an und auf der anderen Seite habe ich einen wunderschönen Panoramablick über mein persönliches Gefängnis namens Heimat. Hier und dort fahre ich an einer Kuhweide vorbei. Alles ist ruhig und idyllisch. Dass die Hügel in etwa so aussehen, wie in meinem Traum, verdränge ich gekonnt.
    Und da ist sie: eine kleine Biegung der Straße, die mich direkt zu meinem Lieblingsplatz bringt. Hinter der Biegung erwartet mich eine ziemlich steile Talfahrt. Früher hatte ich davor riesige Angst. Aber heute kann ich mich bei der rasanten Fahrt richtig entspannen. Ich fahre noch ein bisschen hin und her, bis ich am tiefsten Punkt zum Stehen komme. Dort setze ich mich an den Straßenrand und ziehe meine anderen Schuhe an.
    Unter der Straße fließt ein Bach, dem ich flussaufwärts folge. Die Inliner kann ich an der Straße lassen, da dieser Teil davon nicht mehr befahren wird. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, dass sie je befahren wurde. Warum sie überhaupt gebaut wurde, weiß ich auch nicht.
    Aber egal. Ich laufe den Bach entlang bis ich an eine kleine Ansammlung von Bäumen komme, die inmitten der großen Wiese aussieht wie eine Insel. Weiter hinten treffen zwei Waldstücke aufeinander, die diesen ruhigen Fleck von der Außenwelt abschotten. Der größte Baum der Insel steht 2 - 3 m weiter vorne. Geschickt klettere ich ihn hoch und lasse mich weit oben in eine Astgabel fallen. Wie viele Stunden habe ich hier schon verbracht? Immer wenn ich zu Hause Stress hatte oder mir die Decke auf den Kopf gefallen ist bin ich hier her gekommen, habe mich entspannt, über alles nachgedacht und mich beruhigt. So auch heute. Das Plätschern des Baches wird in meiner Fantasie zu Meeresrauschen. In Gedanken stehe ich an einer Reling und beobachte das Meer während mir die Sonne ins Gesicht scheint. Ich bin schon wieder gedanklich in der Welt von One Piece! Da bin ich irgendwie ununterbrochen. Aber ich fühle, dass da noch mehr dahinter steckt als nur eine Serie. Selbst wenn es nur ein unerfüllbarer Traum ist, werde ich irgendwann eine Möglichkeit finden, dort hin zu kommen. Gedankenversunken summe ich die Melodie von Binks Sake und singe sogar ein paar Zeilen. Von meinem inzwischen leeren Eis ist langsam nicht einmal mehr der Stiel wiederzuerkennen, so zerkaut ist er schon.
    Plötzlich werde ich unsanft in die Realität zurück gebracht.

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