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Eine Kinderstubenliebe

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9 Kapitel - 11.173 Wörter - Erstellt von: Teufelskätzchen - Aktualisiert am: 2016-11-10 - Entwickelt am: - 1.484 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Laubnase und ich sind beste Freunde, seit ich denken kann. Wir haben immer alles zusammen gemacht, auch als wir Schüler waren haben wir zusammen trainiert und immer viel Spaß gehabt.
Wenn ich jemanden zu Reden brauchte, war er da und umgekehrt.
Aber jetzt...Wie soll ich mich ihm gegenüber jemals wieder normal verhalten?
Verdammt, ich habe mich in meinen Besten Freund verliebt

    1
    1.Kapitel

    "Regenjunges! Regenjunges!", flüstert eine mir vertraute Stimme. Ich reiße die Augen auf und sehe mich panisch um, mein Atem geht schnell und mein Pelz ist verschwitzt. Ich brauche eine Weile, bis ich bemerke, wo ich bin: In meinem Nest.
    Es ist noch dunkel in der Kinderstube, nur etwas Mondlicht fällt durch den Flechtenvorhang am Eingang hinein und erhellt den Bau etwas.
    "Du hast geredet und um dich getreten. Alles okay? Hast du schlecht geträumt?" Laubjunges schaut mich mit schief gelegtem Kopf an.
    "Da...Da war ein... F-F-Fuchs und er h-hat mich ge-gef-gefressen!", stottere ich.
    "Und er hat geredet, und zwar mit Federbarts Stimme, wenn sie schlechte Laune hat!", füge ich hinzu, als mich wieder etwas beruhigt habe. Laubjunges kichert. "Das klingt nach einem schlimmen Albtraum! Besonders letzteres!"
    Ich nicke und muss auch ein bisschen lächeln. Ich kuschle mich tiefer in mein Moosnest und schaue zu Laubjunges hoch.
    "Danke!", schnurre ich. "Kein Problem, Zwerg.", miaut er und legt sich wieder hin, neben seine Geschwister, die einfach weitergeschlafen haben.
    Obwohl ich einen Mond älter bin als er, ist er größer als ich, was kein Wunder ist, da ich ziemlich klein bin. Laubjunges ärgert mich gerne damit, aber ich weiß, dass er das nicht böse meint.
    Eine Weile lausche ich noch den Atemgeräuschen der anderen, Taubenjunges schnarcht ein bisschen, dann schlafe ich ein.

    "Alle Katzen aufwachen!", rufe ich fröhlich, "Die Sonne geht auf!" Wie immer bin ich als erste wach und seit ein paar Monden habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die anderen zu wecken. Ohne mich würden die glatt weiterschlafen, bis die Morgenpatroullie schon weggegangen ist und das wäre doch schade.
    "Regenjunges, du Irre!", faucht Taubenjunges verschlafen, "Kannst du das nicht mal lassen?"
    Undankbare Katze.
    "Aber wenn ihr so lange schläft, habt ihr gar nichts mehr vom Tag!", versuche ich ihr zu erklären, aber sie versteht nicht.
    Während die anderen noch ihr Fell pflegen kommt Laubjunges zu mir. "Gehen wir raus, Moosball spielen?", fragt er.
    "Klar!", meine ich, "Aber willst du nicht vorher noch etwas mit deinem Pelz machen?"
    "Warum denn?" Laubjunges schaut verwirrt an sich herunter. Sein Fell ist total zerzaust und einzelne Moosfetzen hängen darin.
    Kleeblatt, seine Mutter kommt auf uns zu, mit einem Lächeln im Gesicht.
    Ohne zu zögern packt sie den Armen und beginnt gnadenlos sein Fell zu putzen, bis es frei von Moos ist und gepflegt aussieht.
    Laubjunges grummelt etwas Unverständliches, als seine Mutter von ihm ablässt. Er sieht nicht gerade glücklich aus.
    Als ich mich von meinem Lachanfall erholt habe, gehen wir mit den anderen Jungen nach draußen und spielen Moosball.
    Und plötzlich habe ich das Gefühl, dass dieser Tag noch richtig toll wird.

    2
    2.Kapitel/ 5 Monde später


    "Du kriegst mich doch eh nicht, gib lieber gleich auf!", lache ich und werfe einen Blick über die Schulter. Ich bin ihm Fuchslängen voraus. "Und ob ich dich kriege!", ruft Laubpfote und läuft schneller. Auch ich beschleunige mein Tempo, doch plötzlich stolpere ich über eine Wurzel und einen Moment später liege ich einer Wasserpfütze. "Fuchsdung!", fluche ich.
    Laubpfote kommt neben mir zum stehen. "Hast du dich verletzt?", fragt er besorgt und legt den Kopf schief.
    "Nee, alles in Ordnung."
    "Na wenn das so ist... Ich hab dich!", ruft er grinsend und stupst mit der Nase mein Ohr an.
    "Das zählt nicht!", grummle ich und rapple mich auf. Ich schüttle mein Fell und Laubpfote geht ein paar Schritte zurück, um den fliegenden Wassertropfen auszuweichen.
    "Klar zählt das!", lacht er und bekommt dafür meinen tödlichsten Blick zugeworfen.
    "Und jetzt? Was machen wir jetzt?", fragt er nach einer Weile Schweigen.
    "Mh... Wir könnten vielleicht...", fange ich an.
    "Klettern!", rufen wir gleichzeitig und ich renne voraus, zum großen Kletterbaum, auf dem alle Schüler das Klettern gelernt haben.
    Von ganz oben kann man bis zum Lager sehen, so sagt man. Ich habe das noch nie überprüfen können.
    Ich setze mich auf einen dicken Ast und warte, bis Laubpfote nachkommt.
    Es ist Blattgrüne, durch die Blätter scheint die Sonne warm auf meinen Pelz und ich werde schläfrig. Laubpfote scheint es genauso zu gehen. Er hat die Augen halb geschlossen und gähnt herzhaft. Ich bin kurz davor, einzudösen, als Schritte und Stimmen mich wieder aufschrecken.
    Ich beuge mich vor und schaue vom Baum runter. Da kommen Katzen aus dem Wald. Als sie näher kommen, kann ich Laubpfotes Bruder Bussardpfote und seine Schwestern, Frostpfote und Farbenpfote erkennen. Dahinter kommen meine Schwester Taubenpfote und ihre neue beste Freundin: Die begabte Wolkenpfote. Sie ist erst seit ein paar Tagen Schülerin, scheint aber ein echtes Naturtalent zu sein. Ihre erste Jagd war schon erfolgreich. Das denken jedenfalls alle,
    ich habe aber gesehen, das Taubenpfote ihr die Wühlmaus heimlich zugesteckt hat, als gerade niemand anderes da war. Außer mir, was sie allerdings übersehen haben.
    Ich habe keine Ahnung, warum Taubenpfote das gemacht hat. Vielleicht wollte sie ihrer neuen Freundin helfen, bei den Mentoren zu punkten, vielleicht hat Wolkenpfote sie darum gebeten, sie mit Worten eingelullt und ihr einen flehenden Blick aus ihren himmelblauen Augen zugeworfen-wer kann da schon nein sagen.
    Kleine Betrügerin.
    Innerlich gebe ich mir eine Ohrfeige.
    >>Sei nicht so gemein, Regenpfote! Du selbst kannst gemein doch nicht leiden.<<, schimpfe ich mit mir selbst, >>Vielleicht wurde Wolkenpfote als Junges nicht genug beachtet, vielleicht hat sie Probleme mit ihren Eltern oder andere gute Gründe, etwas Aufmerksamkeit, etwas Bewunderung haben zu wollen<<
    Ich bewege leicht meine Schultern und mein Fell berührt das von Laubpfote. Erst jetzt fällt mir auf, wie dicht wir neben einander sitzen.
    "Laubpfote! Regenpfote!", ruft Frostpfote zu uns hoch, sie haben uns offenbar bemerkt.
    "Ui. Stören wir euch bei etwas?", schnurrt Bussardpfote und schaut uns wissend an.
    "Ich wusste es!", lacht Farbenpfote, "Ich wusste, das ihr irgendwann Gefährten sein würdet!"
    Laubpfote zuckt belustigt mit der Schwanzspitze, ich verdrehe nur die Augen. Solche Sprüche müssen wir uns ständig anhören, es ist nicht böse gemeint, aber nervt, weil Laubpfote eben mein bester Freund ist und nicht mein Gefährte oder so. Das geht ja gar nicht.
    "Laubpfote und Regenpfote, sitzen auf 'nem Baum!
    Kuscheln rum, man glaubt es kaum!", beginnt Taubenpfote zu singen.
    Wolkenpfote meldet sich zu Wort: "Wie sollen denn eure Jungen heißen?"
    Sie fragt das mit so einer gespielten Unschuld und ernster Miene, das ich kotzen könnte.
    "Lasstjunges, Denjunges, Fuchsdungjunges!", rufe ich zu ihnen herunter und Farbenpfote und Bussardpfote schnurren.
    "Wir müssen dann auch mal weiter.", bestimmt Taubenpfote und geht voran, der Rest folgt ihr.
    "Wir gehen zum See, Taubenpfote bringt Wolkenpfote das schwimmen bei. Wollt ihr mit?", fragt Frostpfote.
    "Gerne.", sagt Laubpfote.
    "Geh doch schon mal vor, wir müssen ja noch vom Baum runter.", erkläre ich seiner Schwester, sie nickt kurz und verschwindet dann mit einem Rascheln hinter einem Gebüsch.
    "Die armen Jungen!", bemerkt Laubpfote, als wir uns auf den Weg zum See machen.
    Ich sehe ihn verwirrt an.
    "Mit solchen Namen werden sie es im Leben sehr schwer haben.", erklärt er und ich muss lachen.
    "Ja, die Jungen von Wolkenpfote werden sie bestimmt auslachen. So gemein.", schnurre ich und Laubpfote kichert.
    "Wie würdest du deine Jungen denn in echt nennen?", fragt er.
    "Ich weiß nicht. Hast du Ideen?" Ich sehe ihn von der Seite an.
    "Grünjunges."
    "Sehr kreativ."
    "Dann Violettjunges."
    "Tolle Ideen!"
    "Gefällt dir nicht?"
    "Nee...Nicht so sehr."
    "Was gefällt dir denn?"
    "Nebeljunges oder so."
    "Na ja..."
    "Besser, als Grasgrünjunges"
    "Oder Blassblaujunges." Laubpfote lacht.
    "Ja. Oder Sonnenblumenblattgelbjunges." Ich lache auch.
    "Na ja... Ein bisschen lang. Stell dir vor, du müsstest das dann immer rufen. 'Sonnenblumenblattgelbjunges, hör auf Orangenbaumorangenorangejunges zu ärgern!'"
    Eine Weile albern wir rum, bis wir uns schließlich auf die Namen Waldjunges, Wolfsjunges, Windjunges und, im Falle eines vierten, Weidenjunges einigen.
    "Warum willst du eigentlich zum See? Du hasst schwimmen doch.", frage ich ihn. Man kann schon den See erkennen.
    "Ja, aber du magst schwimmen. Ich muss ja nicht ins Wasser, ich kann am Ufer sitzen bleiben.", antwortet Laubpfote.
    Ich schnurre. "Lieb von dir."
    "Ja, ich weiß, danke."
    Ich haue ihm mit der Pfote übers Ohr, nur leicht, versteht sich, und er duckt sich schnell weg.

    Am frühen Abend machen wir uns alle zusammen auf den Nachhauseweg.
    Ich laufe gut gelaunt neben den anderen her.
    Es hat sich herausgestellt, dass Wolkenpfote, das Wunderkind mit dem schneeweißem, nun vom Wasser patschnassem und mit Algen, Schmutz und Sand versehenem Fell, ein hoffnungsloser Fall im Schwimmen ist. Sie hat es nicht gelernt, zweimal musste Farbenpfote sie wieder an Land ziehen und zweimal musste ich ihr hinterher tauchen und sie vor dem Ertrinken retten.
    Na ja, niemand ist perfekt.
    Mein Fell ist noch leicht feucht vom Bad im See und eine leichte Brise zerzaust es.
    Ich schließe kurz die Augen, bin mit der Welt zufrieden und genieße den restlichen Abend.

    3
    "Hey, Taupfote!", rufe ich und gehe auf die schlanke Tigerkätzin zu. Sie schaut auf, auch mein Bruder Tupfenpfote, der sich gerade mit ihr unterhalten hat hebt den Blick. Ich setze mich zu den beiden, neben den Schülerbau.
    "Hallo, Regenpfote!", miaut sie freundlich. Sie hebt kurz ihre Pfote an, doch als sie sie wieder auf dem Boden absetzt, zuckt sie zusammen und verzieht das Gesicht.
    Das scheint auch Tupfenpfote zu bemerken, er blickt Taupfote an und fragt: "Alles okay? Tut dir die Pfote weh?"
    "Ja...Ich bin vorhin in einen Dorn getreten, aber den habe ich gleich danach wieder herausgezogen...", murmelt Taupfote.
    "Du solltest zu Fichtenglut oder Rabenfeder gehen. Nicht, dass sich nicht was entzündet.", schlage ich vor. Taupfote nickt, dann steht sie auf und beginnt Richtung Heilerbau zu humpeln.
    Ich sehe Tupfenpfote vorwurfsvoll an.
    "Was?", fragt er.
    "Willst du nicht...Mitgehen? Sie ist schließlich verletzt.", miaue ich.
    Er überlegt, nickt dann und läuft ihr schnell nach.
    "Ich bin völlig fertig!", keucht Laubpfote, der gerade ins Lager gekommen ist und lässt sich neben mich fallen. Kurz zucke ich zusammen, ich habe ihn nicht kommen hören.
    Er sieht auch fertig aus: Sein Fell ist voller Schmutz und nass geschwitzt und er atmet schwer.
    "Adlerfang hat mich diesen Kampfzüge so oft wiederholen lassen..." Er schließt die Augen, "Ich sehe nur noch schwarz!"
    Mitfühlend stupse ich ihn an. "Ja. Er ist manchmal ein bisschen...streng."
    Das ist eine Untertreibung. Adlerfang übertreibt es öfters mal mit der Disziplin, keiner weiß das besser als meine Geschwister und ich, schließlich sind wir seine Jungen.
    Blinzelnd schaue ich mich Lager um. Mir wird langweilig.
    Ich lege mich hin und rolle mich auf den Rücken. So kann ich den Himmel sehen, der heute Wolkenverhangen ist. "Schau mal!", rufe ich und deute mit der Pfote nach oben, "Die eine Wolke da sieht aus, wie ein Vogel. Und da hinten, da ist eine Katze!" Ich schnurre.
    Laubpfote dreht sich auch auf den Rücken. Er starrt mit nachdenklicher Miene den Himmel an.
    "Wo siehst du das alles nur immer?", fragt er nach einer Weile, "Alles, was ich in den Wolken sehe, ist, das es bald regnen wird." Ja, es sieht tatsächlich nach Regen aus.
    "Vielleicht wäscht das Wasser dann bei der Gelegenheit auch den ganzen Dreck aus deinem Fell."
    Er legt sich wieder normal hin und betrachtet etwas verwirrt seinen Pelz. "Mh.", macht er und fängt an, mit der Zunge darüber zu fahren. Wird auch mal Zeit.
    "Ohne mich würdest du deine Fellpflege immer vergessen und aussehen, wie ein Haufen Erde auf vier Pfoten.", lache ich.
    "Ja, stimmt, ohne dich bin ich eben aufgeschmissen.", meint er nur, "Aber ohne mich würdest du dich immer schrecklich langweilen." Da hat er recht.
    "Ja, stimmt, aber ohne mich hättest du nie klettern gelernt.", kontere ich,
    "Und ohne mich würdest du immer die Patrouillen verpassen, weil du sie vergisst."
    "Ja, aber wenn ich dich nicht immer wecken würde, würdest du locker bis Sonnenhoch durchschlafen!"
    "Und ohne mich müsstest du all deine Strafstunden alleine absitzen."
    Wir fangen an zu schnurren.
    "Ist ja auch alles nicht wichtig.", miaut er. Ich nicke. "Das ist ja kein Wettbewerb oder so.", stimme ich ihm zu.
    "Ja...Aber wenn, würde ich gewinnen!", fügt er spaßeshalber hinzu.
    "Gar nicht!", lache ich und werfe mich auf ihn. Ich drücke meinen besten Freund auf den staubigen Boden und schaue grinsend auf ihn hinunter, "Zeig mal den tollen Kampftrick, denn du so oft üben musstest."
    "Bitte nicht!", jammert Laubpfote, "Wenn ich den noch einmal machen muss, Sterbe ich!"
    "Also gut. Ich will ja nicht, das du stirbst!" Ich lasse ihn los und er rappelt sich auf.
    Mit Miesekater-Miene wendet er sich ab. "Ach komm! Schmollst du jetzt?", frage ich, "Bist du beleidigt?"
    "Nein.", antwortet er beleidigt, "Warum auch?"
    "Weiß nicht, viellei-"Ein lautes Donner lässt mich zusammenzucken und mitten im Satz abbrechen.
    Wie aufs Stichwort fängt es an zu regnen. Ich fauche. Ich mag Gewitter nicht, das Donnern erschreckt mich immer total. Ja, ich habe Angst davor.
    Besorgt schaue ich zu Laubpfote. Ein Blitz zuckt über den Himmel.
    Laubpfotes Angst vor Gewittern ist noch größer. Er kriegt manchmal Panikattacken und ist gar nicht mehr ansprechbar.
    "Komm. Schnell, wir gehen in den Schülerbau.", flüstere ich und lecke ihm übers Ohr.
    Wir gehen zum Eingang des Schülerbaus und führe meinen Freund zu seinem Nest, in das er sich sofort fallen lässt und dabei die Nase im Moos vergräbt. Ich lege mich neben ihn und spüre, dass er zittert.
    Beruhigend fange ich an zu schnurren.
    Sicher, keine Katze mag Gewitter, aber bei Laubpfote... Normalerweise ist er doch der starke von uns beiden, derjenige, der mich beruhigt, mir sagt, das Ginsterfell bestimmt gesund wird und dass Fuchsjunges bestimmt nichts passiert ist. Er ist von uns beiden der Mutigere.
    Aber vor Monden, als Laubpfote gerade erst seinen Schülernamen bekommen hatte, verlor er Abends im Wald seinen Mentor, Adlerfang, als es anfing zu regnen. Es gab ein schlimmes Gewitter und er verbrachte die Nacht ängstlich zitternd und vom Regen nass in einem alten Fuchsbau, dem besten Unterschlupf, den er finden konnte.
    Wir fanden ihn am nächsten morgen, unverletzt, aber seitdem sind Gewitter für ihn das schlimmste, was es gibt also, außer dem Tod eines Familienmitglieds oder Clangefährten.
    Ich spüre, wie er sich neben mir ganz leicht entspannt und schnurre weiter. Ich will ihn wissen lassen, dass ich immer für ihn da bin, egal was passiert.
    Ich glaube, er versteht es.

    4
    "Pass gefälligst auf!", faucht Federbart mich an, als ich sie beim Wegschleppen ihres alten, stinkenden Nestmaterials versehentlich anremple.
    Ich ignoriere sie, seufze und mache dann mit meiner Arbeit weiter.
    Eigentlich waren heute Bussardpfote und Frostpfote an der Reihe, die Nester auszuwechseln, aber Dank mir haben sie den Abend jetzt frei.
    Ich knurre vor mich hin, sowas kann auch echt nur mir passieren: An meinem vermutlich letzten Tag als Schülerin bekomme ich noch eine Strafe. Völlig unnötig, dieses Mal.
    Okay, ich habe vor einem Mond die Mäusegalle in Sandbarts Nest gelegt, aber das heißt nicht, dass ich es diesmal auch war! Diesmal bin ich völlig unschuldig und kann absolut nichts dafür, wenn ein kauziger Kater seinen Frust darüber, dass er nun deutlich altert und bald auch zu Federbart, Kranichschweif und den anderen ziehen muss, an mir auslässt, weil der wirkliche Täter spurlos verschwunden ist!
    Er ist zu Abendstern gerannt und meinte, dass ich unbedingt bestraft werden müsse.
    Alle meine Beteuerungen haben nichts genützt, sein Wort stand gegen meines und wem glaubte Abendstern wohl: Der viel zu kleinen Schülerin oder dem erfahrenen, wenn auch grimmigen, Krieger?
    Und deshalb darf ich jetzt hier schuften, während meine Geschwister träge herumliegen und sich sonnen.
    Als ich das schmutzige Nestmaterial gerade aus dem Bau schaffen will, stoße ich mit jemandem zusammen und lasse es erschrocken fallen.
    Ich sehe hoch und erkenne Laubpfote, der mit einem breiten Grinsen im Gesicht vor mir steht.
    "Was hast du diesmal angestellt?", fragt er mich, während ich das Moos wieder aufsammle.
    "Gar nichts! Das ist ja das Schlimme!", antworte ich.
    Er schiebt das frische Moos, dass vor seinen Pfoten lag hinein, während ich das alte zum Schmutzfleck bringe.
    "Danke, das du mir geholfen hast.", sage ich, als wir wenig später zusammen zu den anderen Schülern gehen.
    "Kein Problem.", antwortet er mit einem Schnurren.
    "Kommt, setzt euch zu uns!", ruft Tupfenpfote, der neben dem Frischbeutehaufen sitzt.
    Neben ihm sitzen noch Taubenpfote und Wolkenpfote, die miteinander tuscheln.
    Ich setze mich neben meine Geschwister und seufze.
    "Seit ihr auch schon aufgeregt wegen morgen?", frage ich in die Runde, wobei die Frage eigentlich nur an Tupfen- und Taubenpfote gerichtet ist.
    "Ja, klar! Ich frage mich, welchen Namen ich bekommen werde.", miaut Tupfenpfote gedankenverloren.
    "Welchen Namen hättest du denn gerne?", fragt Laubpfote ihn.
    "Mh. Vielleicht so was wie Tupfenkralle.", überlegt mein Bruder.
    "Ich würde gerne Taubenfeder oder Taubenflügel heißen.", mischt sich Taubenpfote ein.
    "Und was ist mit dir, Regenpfote?", Laubpfote wirft mir einen fragenden Blick zu.
    "Keine Ahnung. Regenwolke würde mir gefallen. Aber ich warte einfach mal ab.", erkläre ich.
    Eine Weile Schweigen wir und beobachten den Himmel, der sich durch die untergehende Sonne rot-orange gefärbt hat. Es sieht sehr schön aus, so einen Sonnenuntergang habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wäre ich nicht so aufgeregt, würde ich den Abend, meinen wahrscheinlich letzten Abend als Schülerin, in vollen Zügen genießen. Aber die Gedanken, die wie ein Schwarm aufgescheuchter Vögel durch meinen Kopf fliegen, hindern mich daran.
    Was ist, wenn ich die Prüfung nicht bestehe? Was, wenn ich einen total komischen Namen kriege? Oder überhaupt nicht zur Kriegerin ernannt werde?
    Diese Gedanken beschäftigen mich noch, als ich schon in meinem Nest liege, von Dunkelheit umgeben. Ich kann nicht schlafen, obwohl ich müde bin und morgen doch alle meine Kraft brauche. Ich wälze mich unruhig hin und her, dann seufze ich. Das hat doch alles keinen Zweck.
    Ich stehe auf und schlüpfe, leise, um die anderen nicht zu wecken, auf die Lagerlichtung.
    Es ist dunkel, nur Brombeersee hält am Eingang alleine Wache. Ich überlege, ob ich mich zu ihr gesellen soll, entscheide mich aber dagegen. Sie war noch nie besonders gesellig und ich möchte sie nicht in ihren Grübeleien stören. "Kannst du nicht schlafen?", fragt plötzlich eine Stimme hinter mir. Im schwachen Licht des schon schwindenden Monds kann ich Laubpfote erkennen, der mich mit schiefgelegtem Kopf und funkelnden, bernsteinfarbenen Ansieht.
    "Ja.", nuschle ich und lasse den Kopf hängen.
    "Du machst dir immer noch so viele Gedanken, mh?", miaut Laubpfote leise und ich nicke.
    "Es ist wie damals, als wir noch Junge waren. Erinnerst du dich daran?" Er schaut gedankenverloren auf einen Punkt in der Ferne. So sitzen wir da, nebeneinander, eine Weile schweigend und an früher denkend.
    "Kurz bevor du Schülerin wurdest, in der Nacht vor deiner Zeremonie.", ergreift er schließlich wieder das Wort, "Du warst auch total aufgeregt, hast Angst gehabt, das du alle enttäuschen würdest. Aber das hast du nicht und du wirst es auch nie tun. Schau dich an, morgen wirst du Kriegerin!"
    "Wenn ich denn die Prüfung bestehe."
    "Natürlich wirst du! Und morgen werde ich dich bei deinem neuen Namen rufen. Alle werden das tun! Das weiß ich ganz genau, ich spüre es in den Schnurrhaaren." Er beginnt zu schnurren, sehr leise, ich kann es kaum hören.
    Ich weiß nicht, wie Laubpfote es immer schafft, die richtigen Worte zu finden und mich zu beruhigen, aber er tut es? Ich glaube, jetzt bin ich bereit für die Prüfung und alles was danach kommt!

    Stolz stehe ich neben Taubenpfote und Tupfenpfote vor dem alten Baumstumpf. Auf dem Frischbeutehaufen liegt die Beute, die wir bei unserer Jagdprüfung gefangen haben. Es ist so viel, dass er den Clan für heute satt machen. Und ich habe einen nicht geringen Anteil davon selbst erlegt. Das Eichhörnchen zum Beispiel und die Taube, die so fett ist, dass es ich wundert, dass sie überhaupt noch fliegen konnte, sind mein Verdienst.
    "Tupfenpfote, du hast heute bewiesen, dass du bereit bist, ein Krieger dieses Clans zu werden.", beginnt Abendstern und die Katzen, die sich um ihn und meine Geschwister versammelt haben lauschen ihm gespannt.
    "Versprichst du, das Gesetz der Krieger zu achten und deinen Clan mit deinem Leben zu beschützen?"
    "Ich verspreche es!", miaut Tupfenpfote mit fester Stimme. Abendstern springt von dem Baumstumpf hinunter.
    "Dann wirst du ab heute...Tupfensturm heißen.", verkündete unser Anführer, "Wir ehren deinen Mut und deine Aufrichtigkeit und heißen dich nun als Krieger willkommen."
    "Tupfensturm! Tupfensturm!", rufen die Katzen und auch ich rufe meinen Bruder bei seinem neuen Namen.
    "Taubenpfote. Auch du bist bereit, eine Kriegerin zu werden. Versprichst du, das Gesetz der Krieger zu achten und deinen Clan, wenn nötig mit deinem Leben zu beschützen?"
    "Ich verspreche es!", sagt Taubenpfote und schaut Abendstern entschlossen an.
    "Dein Name wird von heute an Taubenschwinge sein. Wir ehren dein Geschick und dein Mitgefühl und begrüßen unsere neue Kriegerin!"
    "Taubenschwinge! Taubenschwinge!", wird ihr Name in den Himmel gerufen. Ich zucke aufgeregt mit der Schwanzspitze. Jetzt bin ich dran!
    "Regenpfote! Du konntest heute zeigen, was in dir steckt. Versprichst du, das Gesetz der Krieger zu beachten und deinen Clan zu beschützen, wenn nötig mit deinem Leben?"
    "Ich verspreche es!", miaue ich und bin etwas erstaunt darüber, dass meine Stimme so fest und entschlossen klingt.
    "Von heute an wirst du Regenfleck genannt werden. Wir ehren deine...Begeisterung und deine Entschlossenheit und heißen dich als Kriegerin willkommen!"
    "Regenfleck!" Ich schaue mich um, kann noch gar nicht richtig glauben, dass es jetzt soweit ist und höre, wie meine Clangefährten meinen neuen Namen verkünden. "Regenfleck!", rufen meine Geschwister, mein Vater Adlerfang, meine Mutter Blattfeder. Alle jubeln sie mir zu-außer Wolkenpfote.
    In der Menge der Katzen kann ich Laubpfote erkennen. Er ruft am lautesten.

    5
    Jeder Morgen des vergangenen Mondes lief in etwa gleich ab: Ich wachte auf, schlug die Augen auf und sah mich um. Jedes Mal aufs Neue wusste ich zuerst nicht, wo ich war-nämlich im Kriegerbau. Auch heute ist das so. Ich gähne und blinzle mir den Schlaf aus den Augen.
    Es ist schon komisch, dass ich mich immer noch nicht so richtig daran gewöhnt habe, nicht mehr bei den Schülern zu schlafen. Aber egal, das wird schon noch.
    Ich rapple mich auf und trotte auf die Lagerlichtung, die bis auf ein paar wenige Katzen völlig leer ist. Einige dieser wenigen Katzen sind Laubpfote und seine Wurfgefährten. Ich gehe zu den Vieren herüber. "Na, ihr Beinahe-Krieger!", begrüße ich sie und schnurre. "Hallo.", miaut Farbenpfote, Bussardpfote und Frostpfote nicken mir zu, Laubpfote schaut mit abwesendem Blick auf seine Pfoten und scheint mich gar nicht bemerkt zu haben, er ist wahrscheinlich ziemlich nervös.
    "Hal-lo!", sage ich laut direkt neben seinem Ohr, vorauf hin er zusammenzuckt und "Ähm-äh...Ja. Was?" stottert.
    "Einen wunderschönen, fröhlichen allerletzten Morgen als Schüler!", sage ich und strahle ihn an.
    "Ja, dir auch.", miaut er und fügt noch hinzu, "Also, fröhlicher morgen und den Kram, meine ich. Ohne Schüler und-ja."
    "Klar!" Ich kichere. In diesem Moment kommt Abendstern zu uns, Adlerfang, Salbeischweif, Sturmwolke und Eisenherz im Schlepptau.
    "So...", sagt Abendstern, "Bereit? Eure Jagdprüfung geht gleich los und bei Sonnenhoch ist dann eure Ernennung." Er erklärt ihnen, wo sie jeweils hingehen müssen und schiebt noch ein "Viel Glück, meine Kleinen" hinterher.
    Die vier Schüler machen sich auf den Weg in den Wald, ihre Mentoren folgen ihnen kurze Zeit später. Ich bleibe neben Abendstern sitzend im Lager zurück. Bestimmt ist er auch aufgeregt, seine Jungen werden schließlich auch nicht jeden Tag zu Kriegern ernannt.
    Als ich lange genug auf den Lagerausgang gestarrt habe, beschließe ich ebenfalls jagen zu gehen und laufe, in Gedanken versunken in den Wald hinein.
    Im Licht der gerade aufgegangenen Sonne leuchten die bunten Blätter an den Bäumen.
    Ich atme einmal tief ein. Das Laub, die kühle Luft-Das ist der Geruch des Blattfallls.
    Ein leichter Wind zerzaust mein Fell, als ich unter den Bäumen umherlaufe, völlig ziel- und planlos.
    Ich denke an Laubpfote und seine Geschwister, die hier wie ich umherlaufen. Heute ist ihr großer Tag. Auch an meine eigene Ernennung denke ich zurück, die ja auch noch nicht sonderlich lange zurück liegt.
    Auf einmal rieche etwas-eine Maus. Ich bleibe stehen und sehe mich um, kurz darauf entdecke ich das Tier unter einem kleineren Baum. Wie war das noch einmal? Jagdkauern, anpirschen, springen-und zack. Die Maus hatte keine Chance. Ich verstecke sie, dann setze ich meinen Weg fort.
    Die Zeremonie war einfach super, aber die Nachtwache danach war nicht sonderlich spannend und, bis auf einen kleinen, verirrten Igel, ereignislos. Mein Blick fällt auf den, nun kaum mehr sichtbaren, Kratzer an meinem Vorderbein. Blöder Igel. Peinlich, dass das hier meine erste Verletzung in einem Kampf ist, so klein sie auch sein mag.
    Ich seufze. Plötzlich höre ich ein Rascheln und ein ekelhafter Gestank dringt in meinen Nase-Fuchs! Langsam werfe ich einen Blick hinter mich und entdecke das Vieh knapp hinter mir. Ich schlucke.
    Jetzt heißt es die Ruhe bewahren.
    Schnell, wie ein Blitz, sprinte ich los, ein Knurren und schweres Pfotengetrappel sagt mir, dass er dicht hinter mir ist. Ich klettere den nächstbesten Baum hoch und mein Schwanz entkommt dabei nur knapp seinen schnappenden Zähnen, dann setze ich mich auf einen Ast und schaue zu meinem Verfolger hinunter, der mit gefletschten Zähnen und auf dem Stamm abgestützten Vorderpfoten zu mir starrt.
    Ach, verdammter Fuchsdung und Produzent von eben diesem! Hoffentlich können Füchse nicht klettern...
    Zumindest dieser hier scheint es nicht zu können, denn er schleicht nun um den Baum herum, ab und zu sieht er nach oben. Dieser hungrige Blick...Ich bin doch kein Beutetier!
    "Käferhirniges, mottenzerfressenes, flohverseuchtes Fuchsvieh!", rufe ich ihm zu, "Ich werde garantiert nicht als deine nächste Mahlzeit enden!"
    Was soll ich denn jetzt tun? Hier oben kann der Fuchs mich zwar noch erreichen, aber solange er da unten herumlungert kann ich auch nicht runter. Und wer weiß, wie lange er mich noch belagern wird! Ich könnte Laubpfotes Kriegerzeremonie verpassen! Wie ein Stück nasses Moos lasse ich mich auf den Ast fallen. Jetzt brauche ich ganz dringend einen Plan. Natürlich fällt mir nichts ein.
    Dann muss jetzt wohl ein Wunder her...
    Ein Rascheln im Gebüsch lässt den Fuchs und mich zusammenzucken, wir beide sehen uns um.
    Ich entdecke Tupfensturm, neben ihm Taupfote, die den Fuchs anstarrt. Mein Bruder stellt sich vor Sie und sie wollen schon den Rückzug antreten, als sein Blick an mir hängen bleibt.
    Das Wunder! Der Fuchs prescht auf die beiden zu, doch Tupfensturm und Taupfote springenrechst und Links zur Seite, bevor sie sich von beiden Seiten auf ihn stürzen. Er knurrt und versucht die Katzen abzuschütteln, Taupfote wird auf den Boden geschleudert. Ich springe vom Ast und lande genau auf dem Kopf des Viechs, wo ich die Zähne in seinem Ohr vergrabe.
    Er jault auf und als Taupfote sich wieder aufrappelt und ihn attackiert, wird es ihm zu viel, er rennt los und Tupfensturm und ich lassen von ihm ab und sehen ihm hinterher, wie er durchs Unterholz flüchtet.
    "Ja, Renn nur!", lacht Taupfote und macht einen Freudensprung. Ich springe mit.
    "Wir haben ihn besiegt!", rufe ich und schnurre, aber Tupfensturm meint nur: "Es war aber wirklich kein großer Fuchs..."
    Ich sehe meine Retter an. Bis auf einen blutenden Kratzer an Taupfotes Flanke und eine Schramme an Tupfensturms Hinterbein sind sie unverletzt.
    "Danke für die Rettung!", sage ich. "Ach kein Problem...", murmelt Tupfensturm, während Taupfote ein freundliches "Gern geschehen!", miaut. Ihre Augen funkeln vor Aufregung, es war wohl ihr erster richtiger Kampf.
    "Wart ihr auch jagen?", erkundige ich mich und lege den Kopf schief.
    Taupfote wirkt verlegen.
    "Ja. Ähm, also, ja, nur jagen.", nuschelt Tupfensturm.
    Ich kneife die Augen zusammen. Da haben sie aber wohl noch nicht besonders viel gefangen, ich kann auch keine Beute an ihnen riechen.
    Wenn ich mal darüber nachdenke sind sie in letzter Zeit ziemlich oft zusammen unterwegs...
    Oh. Ooooh. "Verstehe...", miaue ich langgezogen und muss unglaublich breit grinsen.
    Ein Blick zum Himmel lässt das Grinsen allerdings ziemlich schnell wieder verschwinden. Es ist Sonnenhoch.
    "Fuchsdung!", fluche ich, "Schnell, wir müssen zurück zum Lager, sonst verpassen wir noch die Zeremonie!"
    Ich renne los. Auf dem Rückweg achte ich nicht auf die schöne, Farbe frohe Umgebung.
    Als wir schwer atmend im Lager ankommen haben sich bereits sämtliche Clankatzen um Abendstern, Bussardpfote, Laubpfote, Farbenpfote und Frostpfote versammelt.
    Keuchend setze ich mich zu den anderen und ernte jede Menge seltsamer Blicke, sowie zwei missbilligende, die von meinem Vater und Wolkenpfote kommen.
    "Tschuldigung!", rufe ich. Dann geht die Zeremonie weiter.

    "Laubpfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger zu achten und deinen Clan immer zu beschützen?"
    "Ich verspreche es!"
    "Dann wirst du von heute an Laubnase heißen. Wir ehren deine Zuverlässigkeit und deine Ehrlichkeit und heißen dich als Krieger willkommen."
    "Laubnase! Laubnase!", rufe ich und alle anderen stimmen mit ein.
    Laubnase tritt zurück, wo schon Frosthimmel, Farbenwind und Bussardfeder stehen.
    Ich springe auf und laufe los, denn ich will die erste sein, die Laubnase mit seinem neuen Namen begrüßt, doch eine Fuchslängen entfernt bleibe ich wie angewurzelt stehen. Da steht er-und Wolkenpfote!
    "Laubnase ist ein echt toller Name!", miaut sie gerade und schaut bewundernd zu ihm auf.
    "Dankeschön.", miaut er. Dieses-Ich wollte doch die erste sein, die Laubnase begrüßt!
    "Ich hoffe, ich werde mal ein genauso guter Krieger wie du!", schleimt sie weiter.
    Laubnase bedankt sich artig und sie zieht endlich ab. Ich schlucke meinen Ärger und meine Enttäuschung herunter um trotte zu ihm.
    "Hallo, Laubnase!", miaue ich, wobei ich das "-nase" besonders deutlich ausspreche, und er dreht sich zu mir um.
    "Hallo, Regenfleck!", grüßt er und schnurrt.
    "Endlich bist du auch ein Krieger."
    "Endlich."
    "Nie mehr mit Langweile im Lager sitzen, während du mit meinem liebreizenden Vater trainierst!", freue ich mich.
    "Nie mehr mit deinem liebreizenden Vater trainieren!", seufzt er.
    Wir beide schnurren.
    Nie wieder in meinem Nest schlafen, ohne Laubnase im selben Bau. Jeden Tag zusammen jagen gehen.
    Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

    6
    "He, du!" Eine Stimme lässt mich aufschauen.
    "Regenfleck.", ergänze ich.
    "Hast du vor, den ganzen Tag hier herumzuliegen? Wenn du dich nützlich machen willst, dann geh doch jagen.", miaut Schattenfang, unsere zweite Anführerin, und ignoriert gekonnt meinen Einwurf.
    "Ich war gerade erst auf Patrouille."
    "Es wird langsam Blattleere, wir brauchen jede Beute, die wir kriegen können. Du wirst öfters jagen gehen müssen, gewöhn doch besser dran."
    Ich stehe auf, obwohl ich mich gerade erst hingesetzt habe und richte den Blick zum Himmel, der düster und grau aussieht.
    "Es sieht aus, als würde es bald regnen.", murmle ich, aber Schattenfang ist schon wieder weitergezogen. Ich mache mich also auf den Weg in den Wald, denn ich möchte ihren Befehl lieber nicht missachten. Niemand legt sich mit Schattenfang an, sie ist zwar klug und mutig, aber ihre Wutanfälle sind legendär. Seit es kälter geworden ist, ist sie besonders gestresst.
    Was sie sagt, wird gefälligst erledigt, auch wenn man dann jagen gehen muss. Alleine. Schade, das Laubnase nach der Nachtwache so müde war und jetzt im Bau liegt und schläft.
    Ich schaffe es noch, einen Spatz zu fangen, da fallen schon die ersten Regentropfen vor mir auf den Waldboden. Schnell mache ich mich auf den Rückweg, das Sausen des Windes in den Ohren, der mit jedem Augenblick stärker wird und die bunten Blätter von den Bäumen weht.
    Als ich im Lager ankomme, ist das Lager bis auf Taupfote und Sandbart, die die Frischbeute an einen trockenen Ort bringen, wie leergefegt. Ich lege meinen Fang zu den anderen und springe zum Kriegerbau. Es ist voll, als ich hereinkomme und mein Fell unter dem Protest von einigen meiner Clangefährten ausschüttle. Ich tappe zu meinem Nest und sehe Laubnase in einem daneben liegen. Vorhin war das aber noch nicht da.
    Er ist wach, sieht aber ziemlich verschlafen aus. "Hallo Regenfleck!", gähnt er und blinzelt mich an, "Stört es dich, dass ich mein Nest neben dir gebaut habe?"
    "Nein.", lache ich und füge noch ein freundschaftliches "Dummer Fellbälle!" hinzu.
    "Zwerg.", grummelt er um legt seinen Kopf auf die Pfoten.
    So hat er mich ja schon ewig nicht mehr genannt. Wie süß. Äh, wie nervig, meine ich. Ich bin schließlich kein Zwerg!
    "Pah." Ich setze mich hin. Von draußen höre ich das stetige Prasseln der Regentropfen auf dem Boden. Die Zeit will und will einfach nicht vergehen.
    "Mir ist langweilig.", verkünde ich und Laubnase schaut hoch.
    "Aha."
    "Spielst du was mit mir?"
    "Na gut. Ich sehe was was du nicht siehst?", fragt er. Das ist immer unsere Beschäftigung, wenn es regnet.
    "Ich fange an!", verkünde ich, "Alsoo" Ich lasse den Blick über die Katzen wandern. Da sind Taubenschwinge, Bussardfeder, Frosthimmel...Und jede Menge andere Katzen.
    "Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist orange", sage ich schließlich.
    "Mh. Bussardfeders Fell.", rät er. Verdammt! Ich knirsche mit den Zähnen.
    "Richtig?", fragt er nach und grinst.
    "Ja...". Jetzt schau nicht so selbstgefällig!
    "Dann bin ich jetzt dran! Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grün."
    Mh...grün.
    "Mein Moosnest." Kopfschütteln.
    "Deines?" Wieder Kopfschütteln.
    "Das Moosnest von irgendwem?" Auch nicht.
    "Mh...Der grüne Punkt da hinten auf dem Boden?", ich deute auf besagten Punkt.
    "Nee."
    "Und der da drüben?"
    "Nein."
    "Das Efeublatt, dass Taubenschwinge im Fell hängt."
    "Nein.", antwortet er, aber Taubenschwinge hat mich offenbar gehört und zupft sich das Blatt heraus.
    "Okay, ich weiß es nicht.", gebe ich mich schließlich geschlagen, "Was ist es?"
    "Deine Augen.", miaut er.
    "Aber!", protestiere ich, "Das ist unfair! Wie soll ich denn meine Augen sehen?"
    "Es heißt ja auch "ich sehe was, was du nicht siehst"."
    "Pff.", ich drehe mich zur Seite und schaue auf den Boden.
    In diesem Moment kommt Adlerfang in den Kriegerbau gestolpert und ich muss grinsen. Dieser Anblick macht mich gleich viel fröhlicher.
    "Laubnase?", sage ich, "Ich sehe was, was du nicht siehst und dass ist so richtig nass!"
    "Kommt dieses etwas gerade zu uns rüber?"
    Oh. Laubnase hat recht, Adlerfang kommt geradewegs auf uns zu gestapft. Und er sieht nicht gerade aus, als wäre er in Kuschel- oder Plauderlaune.
    "Äh. Hallo, geschätzter Vater!", stottere ich und schaue zu ihm hoch, als er direkt vor mir steht, "Könntest du bitte...etwas nach hinten gehen? Du tropfst sonst noch mein Moos voll!", füge ich hinzu.
    Gar nichts tut er. Außer mich seltsam anzustarren.
    "Bitte. Gibt es...etwas Bestimmtes, über das du mit mir reden willst."
    "Ja.", grummelt Adlerfang dreht sich um und bedeutet mir, ihm zu folgen.
    Ich werfe Laubnase einen hilflosen Blick zu, bevor ich aufstehe und meinem hinterher gehe.
    Nach draußen. In den Regen.
    Wir gehen zu einem Bau, in der zurzeit niemand wohnt, er soll später einmal eine Erweiterung für den Kriegerbau werden.
    Ich setze mich neben ihn und sehe ihn an, mir schwant übles.
    "Regenfleck, du weiß ja, dass ich dich so liebe, wie du bist", hebt Adlerfang an.
    Ach, so eine Art Gespräch ist das also. Ich kann das "aber" schon kommen hören.
    "Aber du bist jetzt eine Kriegerin und solltest dich langsam mal wie eine verhalten!"
    Ich lege die Ohren an. "Ich bin eine Kriegerin! Ich gehe auf Patroullie und gehe allen meinen Pflichten nach!", protestiere ich.
    "Krieger spielen keine Streiche oder ähnliches!", sagt er kalt.
    "Das war ein Versehen! Wirklich!" Ich habe Wolkenpfote nicht geschubst, ich bin gestolpert und gegen sie gefallen. Sogar entschuldigt habe ich mich bei ihr und ihr so gut es ging geholfen, den Schlamm zu entfernen. Auch wenn ich danach am liebsten gekotzt hätte. Und das nicht, wegen dem erdigen Geschmack auf der Zunge.
    "Krieger sind pflichtbewusst, sie wissen, was ihre Aufgaben sind und kommen nicht zu spät zu wichtigen Treffen oder Patroullien!"
    "Ich hab das halt vergessen, na und? Das passiert jedem doch mal!"
    "Krieger spielen keine Spiele für Jungen!", donnert er.
    Das ist nicht gerecht! Mein Vater ist nicht gerecht! Ich habe nun mal meine Fehler und Macken und es macht mir nun mal Spaß, zu spielen. Es muss ja nicht jeder ein verklemmter, humorloser Vorbildskrieger sein. Ich fauche leise.
    "Fauch mich nicht an!", faucht er und funkelt mich wütend an.
    "Im übrigen.", sagt er und seine Stimme ist auf einmal wieder ganz normal, "Du solltest dir endlich mal einen Gefährten suchen."
    "Was?" Fassungslos starre ich ihn an, "Ich bin erst seit kurzem Kriegerin, warum sollte ich einen Gefährten wollen?"
    "Ein Gefährte würde dir guttun. Vielleicht könnte ein Kater dich auf andere Gedanken bringen."
    "Taubenschwinge hat doch auch keinen Gefährten!", rufe ich.
    "Doch, hat sie. Hat sie dir das denn nicht erzählt?", er klingt irgendwie schadenfroh.
    Warum hat sie mir nichts erzählt? Okay, wir haben nicht mehr so viel Kontakt, wie früher, aber ich bin doch ihre Schwester! Was erzählt mir mein Vater wohl als nächstes? Das Wolkenpfote ihre Gefährtin ist?
    "Wer?", frage ich und zucke nervös mit den Ohren. Bitte nicht Wolkenpfote!
    "Bilde ganze Sätze!"
    Ich seufze. "Wer ist ihr Gefährte?", frage ich langsam.
    "Luchskralle."
    "Luchskralle!", wiederhole ich seine Worte. Luchskralle ist nett, aber, soweit ich weiß gute 12 Monde älter als sie.
    "Ja. Luchskralle." Mein Vater sieht mich vorwurfsvoll an. "Und was ist mit dir?"
    "Schön, selbst wenn Taubenschwinge einen Gefährten hat, warum sollte ich einen haben? Das geht dich sowas von überhaupt nicht an, misch dich also nicht in meine Angelegenheiten ein! Vor allem nicht in solche Angelegenheiten!", fauche ich, wirble herum und bevor er etwas sagen kann, bin ich hinausgerannt, hinaus aus dem Bau, hinaus aus dem Lager.
    Regen läuft mir über das Fell, bis auf meine Haut, aber ich kümmere mich nicht darum.
    Mit diesem...Kater rede ich kein Wort mehr! Ich schreie auf, als ich ausrutsche und im Schlamm lande. Schnell rapple ich mich wieder hoch und renne weiter,
    Hat sich jetzt die ganze Welt gegen mich verschworen?

    7
    Seltsame Träume. Dunkelheit. Dann Wärme und weiches Fell neben meinem.
    Ich höre ein Schnurren. Das ist gut, denke ich. Dann schlafe ich wieder ein.

    Als ich noch müde und mit Schlaf in den Augen aufwache, sehe ich mich einem Katzengesicht gegenüber. Sofort hellwach springe ich auf die Pfoten. Ich schaue auf das vertraute rot-weiße Fell.
    >>Ach so, es ist nur Laubnase...<<, denke ich, lege mich wieder hin und schließe die Augen.
    Nur um sie einen Augenblick später umso weiter aufzureißen. Ruckartig setze ich mich auf.
    Wo bin ich überhaupt? Ich erkenne die Umgebung als den kleinen Bau, in den ich mich gestern Abend zurückgezogen habe, weil ich auf keinen Fall zurück nach Hause wollte.
    Plötzlich fällt mir auch das Gespräch mit meinem Vater wieder ein und ich schüttle mich vor Grauen.
    Aber warum liegt Laubnase da neben mir? Gestern, als ich eingeschlafen war, war ich noch allein. Katzenmutterseelen allein.
    Warum liegt Laubnase da, so dicht neben mir?
    "Tut mir leid, aber hier war nicht genug Platz..." Seine Stimme lässt mich zusammenzucken. Er hat sich aufgesetzt und gähnt herzhaft.
    Hab ich das letztere etwa laut gesagt?
    "Ähm... Guten Morgen?", meine ich etwas verlegen und versuche mich an einem Lächeln.
    "Guten Morgen!", strahlt er mich an. Da ist aber jemand gut gelaunt. Normalerweise ist mein bester Freund morgens ja eher muffelig.
    "Warum bist du denn hier?", frage ich und komme gleich zur Sache.
    "Ich hab dich gestern in dem Wald laufen sehen und bin dir nach. Hab dich gesucht und hier gefunden, da hast du allerdings schon vor dich hingeschlummert. Ich wollte dich weder wecken, noch alleine lassen, also hab ich mich einfach zu dir gelegt.", erklärt er, "Oh...Und ich hab außerdem vorher noch das Gespräch zwischen dir und Adlerfang mitgehört."
    Er hat gelauscht?
    "Was? Oh.", mache ich, " Kann sein, das meine Reaktion ein bisschen übertrieben war...Aber er regt mich so auf!"
    "Ach was! Du hast völlig Recht, sauer zu sein. Das alles geht deinen Vater nichts an, das geht nur dich was an.", versichert er mir, "Besonders die Sache mit dem Gefährten."
    Ich huste. "Danke! Toll, dass jemand zu mir hält! Äh...Gehen wir nach draußen? Langsam wird es hier drinnen stickig und..."
    "...Ja, na klar!", murmelt Laubnase hastig und schiebt sich an mir vorbei aus dem Bau.
    Ich folge ihm.

    Als wir einige Zeit später beim Lager ankommen, der kleine Umweg zum Fluss, wo ich eine Fisch fangen konnte, hat doch etwas länger gedauert, kommt uns schon Blattfeder entgegen.
    "Regenfleck, Laubnase, endlich! Ich hab mir Sorgen gemacht! Und wie seht ihr aus?" Fürsorglich zupft meine Mutter mir ein Blatt aus dem Fell und leckt mir über den Kopf, "Der ganze Schmutz, hat euch ein Maulwurf angegriffen? Ach, ist ja auch egal, kommt erst einmal mit zu Fichtenglut. Hoffentlich habt ihr euch nicht erkältet, bei dem Regen und dem Wind, der heute Nacht war." Sie läuft voraus, Richtung Heilerbau. Ich tausche einen Blick mit Laubnase und grinse, dann folgen wir ihr.
    Ja, so ist meine Mutter: Goldig. Es ist mir ein Rätsel, wie sie sich in so einen Kater wie meinen Vater verlieben konnte.

    "Na, was habt ihr diesmal angestellt?", fragt Fichtenglut, als wir ihren Bau betreten.
    Rabenfeder sitzt daneben und sortiert Kräuter. Sie schaut nur kurz hoch, blinzelt mir freundlich zu, sagt aber nichts. In ihrem ganzen Leben hat die schwarze Heilerin noch kein Wort gesagt und ich denke, das wird sie auch nie tun. Sie ist etwas speziell. Einige Katzen hat sie richtig gerne, ich gehöre zu diesen Katzen, keine Ahnung warum, aber gegen Kater hat sie offenbar eine Abneigung. Laubnase zum Beispiel wird von ihr meistens völlig ignoriert, was diesen oft ganz schön aufregt.
    "Wir haben gar nichts angestellt!", protestiere ich.
    "Und krank oder verletzt sind wir auch nicht.", fügt Laubnase hinzu.
    "Ihr habt also gestern bei Regen und Sturm gestern im Wald übernachtet.", seufzt die Heilerin und stupst meine Nase an. Ich sehe sie mit weit aufgerissenen Augen an, woher weiß sie das?
    "Hast du Halsschmerzen? Schwindelgefühle? Irgendwelche Schmerzen?"
    Ich beantworte alle Fragen mit nein, auf Fichtengluts Anweisung hin öffne ich das Maul und schließe es wieder.
    Laubnase muss die selbe Prozedur über sich ergehen lassen.
    "Ihr seit okay. Es würde euch guttun, den restlichen Tag hier im Lager zu verbringen und euch auszuruhen, nur zur Sicherheit", sagt Fichtenglut.
    Ich verdrehe die Augen.
    "Aber da ihr euch sowieso hinausschleichen würdet, könnt ihr genauso gut weiter euren Pflichten nachgehen. Aber überanstrengt euch nicht und bei dem leisesten Anflug von einem kleinen Kribbeln oder Kratzen im Hals kommt ihr hier her und berichtet es mir, verstanden? Das letzte, was wir im Moment gebrauchen können ist weißer Husten hier im Lager."
    "Ja, Fichtenglut.", miauen Laubnase und ich gleichzeitig, dann sind wir entlassen.
    "Danke, Fichtenglut!", miaut er noch, als wir uns zum Gehen wenden und ergänzt noch: "Bis irgendwann einmal, Rabenfeder!", wird aber nicht beachtet.

    Im Schatten des Kriegerbaus sitzt Frosthimmel. Aus goldenen Augen sieht sie uns an.
    "Habt ihr es schon gehört?", fragt sie.
    "Was denn?", fragt Laubnase und begrüßt seine Schwester.
    "Feuersonne hat gestern Nacht ihre Jungen bekommen."
    "Das ist ja super!", freue ich mich, "Komm, wir fragen mal, ob wir sie besuchen können!"
    Ich ziehe ihn zur Kinderstube.
    Vorsichtig stecke ich den Kopf hinein und erblicke Feuersonne.
    "Äh. Hallo!", flüstere ich, "Können wir ganz ganz kurz rein kommen?"
    "Ja. Hallo, Regenfleck. Und hallo, Laubnase!.", miaut die rote Kätzin. Sie ist eine gute Freundin von mir, als ich noch ein Junges war und sie eine Schülerin war sie mein großes Vorbild.
    Langsam betrete ich die Kinderstube, zum ersten Mal seit langer Zeit bin ich wieder hier. Es hat sie nicht viel verändert.
    In einem der Nester liegt Feuersonne, neben ihr liegt ihr Gefährte Löwenschweif, der so erschöpft aussieht, als hätte er ebenfalls eine Geburt hinter sich.
    Vor den beiden liegen, eng aneinander gekuschelt, zwei flauschige Fellkugeln, eine rote und eine hellbraun getigerte. Zwei kleine Kater. Alle beide mit vier schneeweißen Pfötchen.
    "Haben sie denn schon Namen?", fragt Laubnase leise. Ich kann den Blick nicht von den Jungen nehmen. Das hier ist neues Leben, so...unverdorben. Die Zukunft des Clans. Und sie waren einfach unfassbar niedlich! Dann sehe ich zu ihren Eltern.
    "Teilweise", antwortet Löwenschweif und legt seinen Kopf auf die Schulter seiner Gefährtin, "Der Getigerte soll Staubjunges heißen."
    Feuersonne schnurrt.
    "Gerade ist mir eingefallen, wir könnten den kleinen roten ja Brandjunges nennen...", flüstert sie.
    "Brandjunges. Brandjunges und Staubjunges. Das klingt super" Die beiden schauen liebevoll ihre Jungen an und ich beschließe, dass es Zeit ist zu gehen.
    Laubnase und ich machen uns rückwärts auf den Weg zum Ausgang, leise, um die neunentstandene Familie nicht länger zu stören.

    8
    Gewonnen!", juble ich, als Tupfensturm für einen Mäuseherzschlag wegschaut. Er zuckt nur mit den Ohren. Gegen mich hat noch nie jemand gewonnen. Noch nie habe ich einen Anstarrwettbewerb verloren. Ich bin die unbesiegte Meisterin.
    Adlerfang kommt vorbeigelaufen und knurrt etwas von albern und Kriegern, aber ich beachte ihn nicht. Vermutlich denkt er, ich würde wieder Spiele für Jungen spielen, das stimmt so allerdings nicht. Mit einem solchen Wettbewerb trainiere ich Konzentration, es ist also kein Spiel sondern bitterer Ernst. Und es macht Spaß, zumindest, wenn man gewinnt.
    Ich trotte zu Laubnase.
    "Anstarrwettbewerb!", verkünde ich und fixiere ihn mit eisernem Blick. Er schaut zurück. Eine ganze Weile lang passiert nichts, denn er war schon immer eine harte Nuss, wir starren uns nur gegenseitig an.
    Ich halte meinen Blick fest auf seine Augen gerichtet. Ziemlich schöne Augen, gold-gelb, ein bisschen wie die Sonne... Warum ist mir das noch nie aufgefallen? Am Liebsten würde ich nie mehr wegschauen-Moment mal! Was denke ich hier überhaupt? Verlegen wende ich den Blick ab- und erstarre. Fuchsdung!
    Laubnase sagt nichts, was komisch ist. Er sollte doch eigentlich schnurren vor Freude, weil er gegen mich gewonnen hat. Doppelter Fuchsdung!
    Mir wird ganz heiß unter meinem Pelz, aber als ich hochschaue sieht er mich nur nachdenklich an.
    "Alles okay mit dir?", fragt er.
    "Ja...", grummle ich und schaue wieder auf meine Pfoten.
    "Sicher? Du wirkst etwas... Weißt du, es muss dir nicht peinlich sein, nur weil du noch nie verloren hast, ich habe ja immer gegen dich verloren."
    "Ich weiß, ist es auch nicht.", nuschele ich. Es ist eher peinlich, warum ich verloren habe. Ich meine: Schöne Augen, hallo? Ich als seine beste Freundin sollte darüber nicht nachdenken, auch wenn es stimmt!
    "Oh, mir, äh, fällt gerade ein, dass ich heute noch auf eine Patroullie muss!", erinnere ich mich, stehe hastig auf und mache mich auf den Weg.
    "Auch mal da.", begrüßt mich Taubenschwinge, wie immer etwas schlecht gelaunt, und bedenkt mich mit einem unterkühlten Blick.
    Sie sitzt dicht neben Luchskralle und lehnt sich gegen seine Schulter. Der braune Kater ist ziemlich groß, sogar größer als Abendstern, und deswegen muss er sich runter beugen, um meiner Schwester etwas ins Ohr zu flüstern. Ihr entweicht sogar ein kleines Schnurren. Sie schnurrt? So kenne ich sie gar nicht.
    Luchskralle ist eher ruhig und zurückhaltend, er prahlt weder mit seiner Stärke, noch mit seinem Kampfgeschick. Zudem ist er fast immer höflich-Er ist also das genaue Gegenteil von Taubenschwinge. Trotzdem scheinen sie sich gut zu verstehen.
    Jemand im Hintergrund räuspert sich.
    "Jetzt, da alle da sind,", miaut Löwenschweif, "Können wir ja los."
    Noch immer etwas durcheinander folge ich den anderen durch den Wald und bemerke dabei nur am Rande, dass die Bäume nun fast komplett blätterlos sind und die große Wiese sich in ein Schlammloch verwandelt hat.
    Was war das vorhin? Was ist los mit mir? Erst verliere ich, zum ersten Mal, seit ich die Augen geöffnet habe, einen Anstarrwettbewerb, dann erinnere ich mich sogar daran, dass ich für eine Grenzpatroullie eingeteilt bin. Wahrscheinlich bin ich doch krank. Oder der Weltuntergang steht kurz bevor.

    Als wir uns auf den Rückweg machen, ist es Abend geworden.
    "Ich bleibe noch etwas hier.", teile ich den anderen mit und Löwenschweif nickt mir zu.
    Ich habe kein wirkliches Ziel, als ich loslaufe, aber meine Pfoten tragen mich ganz von selbst zum großen Kletterbaum in der Mitte des Waldes.
    Flink klettere ich auf den niedrigsten Ast und mache es mir bequem, als ich, ganz in der Nähe, einen Geruch wahrnehme. Ich klettere auf die andere Seite des Baumes und schaue mich um. Als mein Blick nach unten fällt, bleibt mir erst einmal das Maul offen stehen und weiß nicht so recht, was ich von der Szene, die sich mir dort bietet, halten soll.
    Da sitzen Fichtenglut und Rabenfeder, unsere Heilerinnen, eng bei einander, die Schwänze umeinander geschlungen und putzen sich gegenseitig das Fell.
    Ich muss irgendein ungläubiges Geräusch von mir gegeben haben, denn plötzlich springen die beiden auseinander.
    Fichtenglut schaut mich ertappt an und stammelt: "Ich...Wir... Es ist nicht so, wie es aussieht!"
    Noch immer völlig baff starre ich sie an.
    "Okay, das...Also...Ist jetzt wohl nicht so überzeugend. Fuchsdung! Bitte, Regenfleck! Sag es keinem weiter, bitte!" Die Heilerin lässt den Kopf hängen und Rabenfeder sieht mich flehend an.
    "Ich weiß grad nicht so richtig, was los ist.", sage ich vorsichtig.
    "Wirklich? Ist das nicht offensichtlich?" Fichtenglut lächelt müde und rückt wieder näher an Rabenfeder heran, die sich an sie lehnt.
    "Doch, schon. Aber ich verstehe es nicht. Ihr...Ihr seit doch Heiler! Und Kätzinnen!"
    "Das stimmt. Wir sind Heiler. Wir dürfen das, was wir tun, eigentlich nicht. Und dass wir Kätzinnen sind, ist nur ein weiteres Hindernis, dass uns im Weg steht."
    "Aber...geht das denn überhaupt?"
    "Ja, sieht so aus. Bitte! Bitte sag es niemandem!, miaut Fichtenglut wieder und fügt, als ich nicht gleich antworte, hinzu: "Liebe zwischen Heilern ist doch verboten, und wir wissen nicht, was Abendstern dann tun würde!" Was könnte er denn tun? Sie verbannen? Dann hätten wir keine Heiler mehr.
    "Ich sage nichts.", verspreche ich und merke, wie Rabenfeder erleichtert ausatmet. Ihre....Gefährtin, Fichtenglut leckt ihr übers Ohr und schnurrt.
    Ich grabe nervös die Krallen in die Rinde. Diese Situation ist peinlich, seltsam und peinlich und ich weiß nicht mehr so recht, was ich noch sagen soll.
    "Wie lange seit ihr denn schon...ein Paar?", frage ich und bin mir nicht sicher, ob es unhöflich ist, Sie das zu fragen. Ach, egal, das kümmert mich sonst ja auch nicht und ich bin nun mal neugierig.
    "Schon recht lange. Seit Rabenfeder Heilerin geworden ist, also so 7 Monde."
    "Oh. Und niemand weiß es?"
    "Niemand, außer dir. Und dem Sternenclan vielleicht." Die ältere Heilerkatze wendet den Blick zum Himmel und kuschelt sich an ihre ehemalige Schülerin.
    "Ähm. Ich gehe dann mal besser!", sage ich verlegen und springe vom Baum hinunter.
    "Wir auch. Gleich. Danke. Danke Regenfleck!"
    "Äh. Gerne.", miaue ich unsicher und mache mich jetzt endgültig auf den Heimweg.
    Dabei gehen mir Fichtengluts Worte durch den Kopf: 'Liebe zwischen Heilern ist doch verboten!'
    Liebe...

    9
    Mein großes Ziel war immer, Kriegerin zu werden. Aber jetzt bin ich Kriegerin und stelle mir die Frage, wie mein späteres Leben aussehen wird. Werde ich jemals einen Gefährten haben? Ich wollte nie einen, aber irgendwie will ich auch nicht wie Sandbart enden.
    Und ich frage mich, wie das mit unseren zwei Heilerinnen ausgehen wird...
    In den folgenden Tagen gehen mir diese Gedanken nicht mehr aus dem Kopf.
    Was will ich denn überhaupt? Ich weiß es nicht...oder?
    "Hallo? Welt an Regenfleck? Weilst du noch unter uns?" Eine Stimme reißt mich aus meinem Gedanken. Ich blinzle und erkenne die Gestalt vor mir.
    "Oh, hallo Laubnase! Wie geht's?", frage ich.
    "Gut. Aber du...sag mal, ist alles in Ordnung mit dir?"
    "Ja. Jap. Jawoll!", rufe ich und blinzle ihn an.
    Er schüttelt den Kopf. "Regenfleck...Ich mache mir Sorgen. In den letzten Tagen bist du irgendwie so abwesend gewesen. Anders abwesend, als sonst. Was ist los?"
    "Nichts!"
    "Ja klar! Und Igel können fliegen!" Er funkelt mich wütend an, denn er weiß genau, dass ich lüge.
    "Ach! Da fällt mir ein, ich wollte ja Feuersonne besuchen!", lüge ich, springe schnell auf, nicke ihm kurz zu und entferne mich. "Bis später!"
    Das war knapp. Ich weiß ja, dass Laubnase es nur gut meint, aber ich kann ihm das alles einfach nicht erzählen. Ich will es ihm nicht erzählen. Früher konnte ich alles erzählen. Aber es ist wohl nicht mehr wie früher und ich fürchte, ich bin Schuld. Mit hängendem Kopf mache ich mich auf den Weg zur Kinderstube, um doch Feuersonne zu besuchen.

    "Regenfleck!", begrüßt mich meine Freundin erfreu dann legt sie den Kopf misstrauisch schief, "Hey...Alles in Ordnung mit dir?"
    "Jaja! Mir fehlt nichts. Warum fragen mich das alle?" Ich setze mich zu ihr.
    "Ist sie das?", fragt eine helle Stimme und ich sehe hinunter. Zwei kleine Kätzchen schauen mich mit großen Augen an.
    "Ja. Das ist Regenfleck.", stellt mich ihre Mutter vor.
    "Hallo, ihr Knirpse!", begrüße ich sie. Staubjunges plustert sich auf.
    "Pass auf, du!", maunzt er und zeigt seine Mini-Krallen, "Sonst...Mach ich dich platt! Also, wir machen das. Nicht, Brandjunges?" Sein Bruder fühlt sich offenbar nicht ganz wohl in seinem Pelz.
    "Ich weiß nicht...", flüstert er, "Sie ist ziemlich groß, nicht?"
    Da muss ich einfach lachen, obwohl, ihr gar nicht danach zu Mute ist. Die beiden sind irritiert, als ich mich zu ihnen hinunterbeuge.
    "Wisst ihr was? Ich verrat euch was.", raune ich. Staubjunges spitzt die Ohren.
    "Ach ja?"
    "Ich war immer die kleinste. Wenn ihr nur halb so schnell wachst, wie eure Mama, holt ihr mich locker ein!"
    Der kleine macht einem Luftsprung vor Freude.
    "Sie ist echt so cool, wie du erzählt hast, Mama!", verkündet er an Feuersonne gewandt.
    Diese mustert mich, während ich verlegen meine Pfote putze.
    "Da ist doch was...Regenfleck? Ach so...Sag bloß...", plötzlich fängt sie an, so laut zu lachen, dass Brandjunges, der es sich auf ihrem Bauch gemütlich gemacht hatte, mit einem lauten Quieken hinunterpurzelte.
    "Was?", fragen Staubjunges und ich gleichzeitig.
    "Weißt du, was du bist? Verliebt bist du! Bis über beide Ohren!", lacht sie.
    Ich sehe rot. Todesbeerenrot. "Bin ich gar nicht!
    "Was ist verlobt?", fragt Brandjunges.
    "Verliebt...", korrigiert die Kätzin ihn, "Das ist so, wie ich und dein Papa. Wir sind auch ineinander verliebt."
    "Echt?", fragt der kleine und will noch etwas sagen, aber sein Bruder unterbricht ihn.
    "Zieht sie danach bald hier ein? Und kriegt Junge? Dürfen wir dann mit denen spielen?", plappert er los.
    Na ja...Jetzt vielleicht noch nicht...Aber bestimmt bald!"
    "Erzähl deinen Jungen keinen Fuchsdu-", ich unterbreche mich, "Ähm, Unsinn! Ich bin nicht verliebt!" Mein Einwurf wird gekonnt von allen Beteiligten ignoriert.
    Brandjunges meldet sich zu Wort: "In wen ist Regenfleck verliebt, Mama!"
    "In Laubnase natürlich.", bei diesen Worten sträubt sich mein Fell.
    "Bin. Ich. Nicht!"
    "Leugnen ist zwecklos. Gib es auf.", miaut sie. Das tue ich, mit hängenden Ohren. Vielleicht habe ich mich tatsächlich... Aber das geht doch gar nicht! Wir waren immer beste Freunde. Ach, Fuchsdung!

    Noch eine Weile war ich in der Kinderstube und habe mit meiner Freundin geredet, bis ihre Jungen schlafen mussten und sie mich, trotz Regen, wieder rausgeschickt hat. Sie hat es geschafft mich etwas zu beruhigen und dafür bin ich ihr dankbar.
    Trotzdem schlägt mein Herz höher, als ich Laubnase sehe, der im Nest neben meinem liegt.
    Er schläft und wacht auch nicht auf, als ich mich ins Moos kuschle und nach einer gefühlten Ewigkeit tatsächlich einschlafe.

    Als ich die Kinderstube betrete, kommen mir Staubjunges und Brandjunges entgegen gehüpft.
    "Du bist wieder da!", freuen sie sich.
    "Und wer ist das?" Brandjunges legt den Kopf schief und ich drehe mich um, jetzt erst bemerke ich Laubnase, der hinter mir hinein geschlüpft ist.
    "Hallo! Ich heiße Laubnase.", grüßt er, freundlich wie immer.
    "Laubnase!", miaut Staubjunges, "Du bist der, in den Regenfleck verliebt ist!"
    Ich zucke zusammen, mein Fell sträubt sich und ich sehe mich panisch nach einem Fluchtweg um.
    Laubnase gähnt. "Tja...Ich bin aber nicht in sie verliebt. Ich stehe leider mehr auf blaue Augen."
    "Du bist noch viel cooler als Regenfleck.", verkündet Staubjunges aufgeregt, "Erzählst du mir eine Geschichte?"
    Plötzlich gibt es einen Knall und das Dach des Baus ist verschwunden. Als ich nach oben sehe, grinst ein weißes Katzengesicht auf mich hinunter. Wolkenpfote, nur in riesig, bleckt die Zähne und beugt sich zu mir hinunter.
    "Pech gehabt, Regengesicht!", höre ich sie noch sagen, bevor ich in ihrem Magen verschwinde.

    Jaulend wache ich auf und sehe mich panisch um. Ein Traum... Es war alles nur ein Traum, versuche ich mir einzureden, während ich aufspringe und aus dem Lager stürme. Es wird gerade erst hell, aberkennt kann ich sowieso nicht mehr schlafen



    ---
    Hallo...*schüchtern*. Kennt ihr mich noch? Nein...? Öhm...Na, ich geh dann mal lieber! *davonschleich*

    10
    Meine Pfoten führen mich wie von selbst zum Fluss. In den letzten Tagen hat er eine starke Veränderung durchgemacht. Das sonst eher gemächlich dahinfließende Wasser hat sich in einen wilden, schäumenden Strom verwandelt, der ein bisschen an ein katzenfressendes Monster erinnert.
    Dieser Ort ist etwas besonderes. Hier kann ich ungestört nachdenken.
    Über meinen Traum. Über das Leben hier im Clan. Meine Freunde...Meinen ganz besonderen Freund. In den ich mich verliebt habe.
    "Sollte ich es ihm sagen?", frage ich mich selbst. Es wäre sehr riskant. Er würde mich ablehnen. Vielleicht würde er mich dann nicht mehr mögen und nicht mehr mit mir befreundet sein wollen! Oder es wäre ihm schrecklich unangenehm. Die Welt könnte untergehen!
    Eine ganz, ganz leise Stimme in meinem Hinterkopf fragt: 'Und was, wenn nicht? Wenn er dasselbe fühlt, wie du?' Einen klitzekleinen Moment lang wage ich es, mir das vorzustellen, schüttle ich meinen Kopf, um den Gedanken loszuwerden.
    Ein Rascheln im Gebüsch lässt mich herumfahren.
    "Wolkenpfote?", frage ich verwirrt, als die weiße Schülerin aus dem Wald kommt.
    "Regenfleck.", sie klingt nicht sehr begeistert, mich hier zu sehen, aber auch nicht unbedingt unfreundlich.
    "Was machst du denn hier?", erkundige ich mich.
    "Jagen. Meine Prüfung ist heute. Jetzt. Bitte halte mich nicht weiter auf."
    Ich nicke, obwohl ich nicht verstehe, in wie fern ich sie aufgehalten haben soll.
    Sie läuft weiter den Fluss entlang, ich sehe ihr hinterher.
    "Viel Glück!", rufe ich noch und sie antwortet mit einem kurzen "Danke."
    Eine Weile lang schaue ich einfach auf das Wasser. Es ist dunkel.
    >Wie meine Seele...<, denke ich und muss ohne wirklichen Grund kichern.
    "Knurr!", flüstert plötzlich eine Stimme in mein Ohr, ich springe mit einem Jaulen auf und wirble herum.
    "Laubnase...", knurre ich und versuche meinen Atem zu beruhigen, "Das ist nicht witzig!"
    Will mich heute wirklich jeder erschrecken?
    "Ich fand es recht unterhaltsam.", verkündet er mit einem breiten Grinsen und setzt sich neben mich, "Du hast geklungen, wie ein Eichhörnchen."
    Mein Herz klopft wie wild, allerdings jetzt nicht mehr wegen dem Schrecken, den er mir eingejagt hat, sonder wegen seiner bloßen Anwesenheit.
    Verdammtes Herz...Du verrätst mich noch!, denke ich.
    "Nicht böse gemeint, gut, dass du da bist.", sage ich und zucke im selben Augenblick zusammen. Selbstgespräche mit meinem Herz...Ich fürchte, ich drehe langsam endgültig durch.
    "Danke. Gleichfalls.", sagt Laubnase fröhlich.
    "Nicht...Ach egal.", sage ich und schüttle mich kurz. Der Wind ist wirklich eisig.
    "Hey...Lust ein bisschen herum zu laufen? Ich könnte Bewegung gebrauchen. Und ein bisschen Gespräch mit Regenfleck. Wie früher!"
    Ich nicke und springe, auf einmal gut gelaunt, auf.
    Wenn du wüsstest, wie glücklich mich das gerade macht...
    "Na klar! Komm mit!"
    "Immer doch. Zwerg..." Meine Augen verengen sich zu schmalen Schlitzen. Wie bitte...
    "Es freut mich, dass meine geringe Körpergröße dir immer noch Freude bereitet, oh großer Laubnase!", bemerke ich beiläufig.
    "Das wird eben nie langweilig werden, oh allwissende Regenfleck!", schnurrt er.
    Ich knuffe ihn, er knufft zurück. Ich remple ihn an, er mich auch und wirft mich dabei fast um. Empört fauchend werde ich mich auf ihn und drücke ihn auf den Boden. Ehe mir klar wird, was genau ich eigentlich tue, liegt er schon im Schlamm und ich sitze halb auf ihm drauf. Als es mir dann klar wird, ist es dummerweise schon zu spät. Er ist zu nah, viel zu nah... Schnell lasse ich ihn los und mache einige Schritte zurück.
    "Das war nicht fair!", beschwert er sich, während er sich aufrappelt.
    "Ach.. Putz lieber dein Fell.", sage ich, "Da ist jetzt Schmutz drin." Das ist so peinlich.
    "Putz du doch."
    "Bitte...Was?", frage ich und schaue ihn entgeistert an.
    "Es ist schließlich deine Schuld, von daher..."
    Ich gehe noch einen Schritt zurück.
    "Niemals. Ich bin nicht deine Mutter.", miaue ich hastig, "Nimm doch ein Bad im Fluss."
    Laubnase geht zum Ufer und schaut zweifelnd auf das reißende Wasser.
    "Das ist eine schlechte Idee-eh!", plötzlich bröckelt die Erde unter seinen Pfoten und bevor ich nur eine Bewegung machen kann ist er mit einem Jaulen samt Erde in den Fluss gefallen.

    "Laubnase! Nein!", rufe ich, als er untergetaucht wird, verschlungen vom katzenfressenden Monster höchstpersönlich.
    Ich denke nicht nach, ich handle einfach, springe ihm nach, hinein in die Flut und die erbarmungslose Kälte.
    Prustend und strampelnd kann ich mich über Wasser halten und halte Ausschau nach einem Lebenszeichen von ihm. Da vorne...War das nicht ein Katzenohr, das kurz über Wasser war?
    Ich schwimme mit dem Strom, beziehungsweise der Strom reißt mich mit sich mit, ich tauche unter, versuche, ihn zu ertasten und kriege ihn tatsächlich mit den Zähnen an einem Vorderbein zu fassen.
    Mit all meiner Kraft ziehe ich und versuche wieder an die Oberfläche zu kommen. Mit den Vorderpfoten spüre ich etwas festes über mir. Ein Ast! Ich kralle mich daran fest und ziehe mich an die Oberfläche, neben mir holt Laubnase keuchend Luft.
    Dieser Ast muss ein Geschenk des Sternenclans sein, denke ich noch, während wir vom Fluss weitergetrieben werden, immer weiter weg von Zuhause.

    Wow. In diesem Kapitel ist ja ausnahmsweise mal wirklich was passiert...In den nächsten Kapiteln geht es rund, freut euch gefälligst XD
    Ich hoffe, es hat gefallen...

Kommentare (28)

autorenew

Dunkel (27666)
Gestern
Hm... Immernoch.. Verdammt noch mal wann kommt die Fortsetzung...
Dunkel (90988)
vor 25 Tagen
Ich liebe sie immernoch😂😂😂😂😄😄😄😃😃😃😃😃😃😃😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😆😅😅😅😅😅😅😅☺😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😘😘😘😘😘😙😗😗😘😚😚😎😎😎😙😗😋😝😝😋😋😋😋😘😚😚😚😚😚😘😙😗😋😝😻😻😻😻😹😸😹😻😹😸😹😻😹😼😸😸😹😹😹😽😽😽👧👧👧😇😇😇😇😇😇😇😇😁😁😀😁😂😂☺☺☺☺😊😊😊😊😊😊😀😀😀😀😁😂😄😄😄😄😃😂😁😀😊☺☺😅😆😆😇😇😇😇😇😇😇😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉💋💋💋💋💋💋💋💗💗💘💝💛💓💕💖💖💕💓💞💞💟💞💜💛💜💓💔💓💘💚💛💜💜💜💛💛💜💓💓💓👍👍👍👍👍👍👌👌👌👌👌👌👌👌👌💝💘💘💜💓💔👏👏👏👏👏👏👏👋👏👏🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐱🐱🐈🐈🐱🐈🍩🍩🍩🍩🍩🍩🎶🎶🎶🎶🎶🎶🎶🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈
Dunkel (90988)
vor 25 Tagen
Ich liebe sie immernoch😂😂😂😂😄😄😄😃😃😃😃😃😃😃😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😆😅😅😅😅😅😅😅☺😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😘😘😘😘😘😙😗😗😘😚😚😎😎😎😙😗😋😝😝😋😋😋😋😘😚😚😚😚😚😘😙😗😋😝😻😻😻😻😹😸😹😻😹😸😹😻😹😼😸😸😹😹😹😽😽😽👧👧👧😇😇😇😇😇😇😇😇😁😁😀😁😂😂☺☺☺☺😊😊😊😊😊😊😀😀😀😀😁😂😄😄😄😄😃😂😁😀😊☺☺😅😆😆😇😇😇😇😇😇😇😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉😉💋💋💋💋💋💋💋💗💗💘💝💛💓💕💖💖💕💓💞💞💟💞💜💛💜💓💔💓💘💚💛💜💜💜💛💛💜💓💓💓👍👍👍👍👍👍👌👌👌👌👌👌👌👌👌💝💘💘💜💓💔👏👏👏👏👏👏👏👋👏👏🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐈🐱🐱🐈🐈🐱🐈🍩🍩🍩🍩🍩🍩🎶🎶🎶🎶🎶🎶🎶🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈🌈
Dunkel (73692)
vor 31 Tagen
Bitte schreib weiter, ich liebe diese FF😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍😍
Silberschatten (73046)
vor 69 Tagen
Bitte schreib weiter!Die Geschichte ist so toll.
*Silberherz* ( von: *Silberherz*)
vor 91 Tagen
Ich liebe diese Fanfiktion c:
Sonnenfell (00789)
vor 116 Tagen
Suuuuuuuper! Du schreibst so schön!
Blossom ( von: Blossom)
vor 117 Tagen
Oha, diese Fanfiction ist hamma gut! Bitte schreib bald weiter!
Saphira (98127)
vor 144 Tagen
Bitte schreib weiter!!!
Eisblatt ( von: Eisblatt)
vor 225 Tagen
Hypermegasupergut!!! MACH WEITER!!!! PLEASE! ICH FLEHE DICH AN! DAnKE dass du mir die FF empfohlen hast, Traumi!!
big_dreams ( von: big_dreams)
vor 226 Tagen
mega nice! MACH WEITER!!!!!!!!!!
Fatie &Co (46604)
vor 238 Tagen
DANN. MACH. WEITER!!!!!!!!
Honey (52456)
vor 284 Tagen
Richtig schön!
Aschenpelz (79034)
vor 346 Tagen
Yey, entlich gehts weiter!
anyone (89363)
vor 347 Tagen
Sooooooooo cool *dich schnapp und an die Tastatur schmeiß* Nix da! Weiterschreiben, also bleib gefälligst hier!
Nebelhauch (52183)
vor 401 Tagen
Bitte schreib weiter!
Aschenpelz (79034)
vor 436 Tagen
Weiter,weiter,weiter.😋
Aschenpelz (79034)
vor 475 Tagen
Unbedingt weiter schreiben!
Teufelskätzchen (45427)
vor 476 Tagen
((big)Danke! Ich freue mich über alle Kommentare;))
Taubenschlag (61628)
vor 483 Tagen
Bitte schreib weiter!!!! Bitte 😭😭😭