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Die MMFF~ Pirates of the Warrior Cats

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25 Kapitel - 30.560 Wörter - Erstellt von: Lil - Aktualisiert am: 2016-09-08 - Entwickelt am: - 2.046 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Katzen befahren jetzt auch die Meere! Sie sind nicht länger Warrior Cats, sondern jetzt Piraten Cats! Eine MMFF zum Eintauchen in diese, neue Welt

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    Hallo! Zu aller erst: Die ganze Organisation der Ff, Anmeldung falls ihr vielleicht mitmachen wollt, hier: http://www.testedich.de/quiz41/quiz/1462469
    Hallo!
    Zu aller erst: Die ganze Organisation der Ff, Anmeldung falls ihr vielleicht mitmachen wollt, hier:

    http://www.testedich.de/quiz41/quiz/1462469616/Pirates-of-the-Warrior-Cats-MMFF-Infos

    Wir freuen uns über neue Leute, die mitmachen wollen! ;)

    Es wird wahrscheinlich einmal die Woche ein Kapitel erscheinen


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    The sea called us. We are Cats. Cats from the Mountains. Cats from the lake. Cats from the forrest. The sea called us and we follow its shouting. And

    The sea called us.
    We are Cats.
    Cats from the Mountains.
    Cats from the lake.
    Cats from the forrest.
    The sea called us and we follow its shouting.
    And now we are prisoner of the sea.
    We are prisoner of the codex.
    We are prisoner of the freedom.
    Trapped held by promising to obey the law.
    Maybe we could go.
    But our soul we give the sea.
    Our happiness depends on it.

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    ((bold))Prolog: ((ebold)) "Das ist verrückt! Hörst du?" Er lächelte. Sollten sie ihn doch für wahnsinnig halten, er fürchtete das Wasse

    Prolog:


    "Das ist verrückt! Hörst du?"
    Er lächelte. Sollten sie ihn doch für wahnsinnig halten, er fürchtete das Wassernest der Sonne nicht! Er hatte gesehen, wie die Sonne niederging und sich in ihr Nest kuschelte, welches dann wie goldenes Feuer loderte. Er hatte gesehen, wie die Wellen friedlich an den Strand spülten, Muscheln und andere Schätze zu ihnen brachten. Aber hatte auch gesehen, wie das Meer sich aufbäumte, riesige Wellen schlug und versuchte die Wesen an Land zu verschlingen. Er hatte gesehen, wie die Brandung wütend konnte, wie das Wasser sich immer wieder gegen den Stein warf, hoch zurückspritzte, aber nicht aufgab. Er kannte das Meer, es war wie ein alter Freund für ihn, der mal zornig, mal still war. Er kannte die Schönheit des Meeres ebenso wie seine Zerstörungswut.
    Die Stimme rief lauter. "Sturm! Das kann nicht dein Ernst sein!"
    Das ist es aber.
    "Ich fürchte mich nicht", antwortete er nur.
    "Das ist viel zu gefährlich! Außerdem sieht dieses Ding so aus, als würde es keine 2 Sekunden schwimmen!"
    Er seufzte. "Ich werde gehen. Verstehe das endlich!"
    Die Entschlossenheit in seiner Stimme sagte der anderen Katze zweifelsfrei, das alles einreden auf den mächtigen, grauen Kater verschwendete Luft war. Er ließ sich nicht von seinem Entschluss abbringen. Sturm war zufrieden, als die andere Katze ihn endlich allein ließ. Dann begutachtete er das Ding . Es würde schwimmen, das wusste er. Es war ein Schiff, erbaut aus Holz. Es würde schwimmen, denn Holz und Wasser gehörten zusammen, denn warum sollte das Meer sonst Treibholz an den Strand schwemmen? Es schwamm. Es war widerstandfähig. Alles was dem Holz fehlte, war die Chance, selbst zu entscheiden, wohin es schwimmen wollte. Das Meer konnte es mit sich umherwirbeln, mit ihm spielen, wie es wollte, solange es ein Klotz war. Doch Sturm hatte aus dem Holz etwas geformt. Es würde funktionieren, er würde es beweisen. Und das Holz würde ihn dorthin bringen, wo er hin wollte. Nämlich weg. Er wollte einfach nur weg. Raus aus dem Alltag, aus dem hier und jetzt. Und dafür war er auch bereit, auf die Risiken und Launen des Meeres einzugehen. Und er war zuversichtlich. Sie würden sich an ihn erinnern, an Sturm, die Katze, die es mit dem Meer aufnahm. Sie würden seinen Mut ehren. Sie werden sehen, dass ich von Anfang an Recht hatte!

    (Prolog- Ende)

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    Das Meer war heute ruhig, friedlich dümpelten die Wellen an der Reling vorbei. Trügerisch, dieser Frieden, das hatte sie bereits gelernt. So entspan


    Das Meer war heute ruhig, friedlich dümpelten die Wellen an der Reling vorbei. Trügerisch, dieser Frieden, das hatte sie bereits gelernt. So entspannt und gleichmäßig es auch schien, niemand konnte die Hailängen zählen, die zum Boden des Meeres führten. Falls es denn überhaupt einen Grund hatte, was durchaus nicht unlogisch wäre. Sie wandte den Blick zum Horizont. Hellgraue Wolken zogen wie eine Herde pummeliger Schafe träge über den Himmel. Doch nicht das war es, was ihre Aufmerksamkeit weckte. Am Horizont, ganz klein, war außerdem eine Silhouette zu sehen. Die schwarze Silhouette eines großen Schiffes, direkt vor der Grenze zwischen wolkenverhangenem Himmel, in dem nur gelegentlich blau aufblitzte und dem dunkelblauen, sanft bewegtem Meer. Das Schiff und seine Mannschaft, sie segelten an ihnen vorbei. Ohne sich beirren zu lassen, ohne sich nach ihnen umzuschauen oder ihnen auch nur etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Als wären sie eine lästige Fliege, die um sie herumsurrte, der allerdings keine weitere Beachtung geschenkt wurde. Ein Knurren entwich ihrer Kehle. Das war so nicht akzeptabel! Sie würde Froststurm Bericht erstatten, da ihre Nestkatze offenbar zu unfähig war. Vor allem, das Verhalten der anderen! Sie taten als wären sie gar nicht da; als wären sie Luft.
    Sie spürte, wie Wut in ihr hochkroch, sie erfüllte und als sie überall mit Wut gefüllt war, wurde es trotzdem immer mehr. Ihre Ohren lagen flach an ihrem Kopf und ihr Knurren wurde lauter. Die anderen Matrosen kümmerten sich nicht um sie, nur eine Katze löste sich aus der Menge, die friedlich weiterarbeitete, als hätten sie nichts bemerkt. Die Gestalt war schlank, besaß geschmeidige Muskeln, die unter dem hellen, glänzendem Fell spielten. Krallenflug, natürlich. Sie konnte die Kätzin nicht ausstehen. Sie war so arrogant, so selbstgefällig und spielte sich furchtbar auf.
    "Stimmt etwas nicht, Bachglanz?"
    Allein der Klang ihrer Stimme, ruhig, gefasst, erweckte in Bachglanz das Bedürfnis, die andere Kätzin mit dem Krallen zu bearbeiten. Sie wusste nicht, warum sie Krallenflug nicht ausstehen konnte, aber es war so.
    "Nein, alles bestens!", zischte sie als Antwort. Die Schnurrhaare der anderen zuckten amüsiert: "Du klingst wie eine Klapperschlange mit Maulsperre."
    Bachglanz bleckte die Zähne: "Und du wie eine arrogante Katze, die sich als Kapitän aufspielt, aber davor den Ehrenkodex verletzte indem sie, ach so toll, seit ihrer Geburt schon das Meer bereist."
    So! Das hat gesessen!
    Krallenflug zog allerdings lediglich die Lippen zu einem spöttischen Grinsen zurück. "Wenigstens kann ich mich beherrschen und bleibe locker, wenn jemand mal einen kleinen Witz macht." Allein wie sie es sagte, Witz, gab Bachglanz zu verstehen, dass sie alles todernst meinte. Und diese Gelassenheit, mit der sie ihr antwortete, ohne auch nur im geringsten Preis zu geben, ob Bachglanz' Worte etwas in ihr ausgelöst hatten, allein das trieb sie wieder zur Weißglut. Sie grub die Krallen in das Holz zu ihren Pfoten. Ihre Abneigung für einander basierte eindeutig auf Gegenseitigkeit. Krallenflug war genauso alt wie sie und trotzdem tat sie so, als wüsste sie alles und könnte alles besser. Ihr Fell war gesträubt und sie funkelte die hell getigerte Kätzin an. In diesem Moment war ihr alles andere egal.

    Sie schaute ihr unverwandt in die blauen Augen, die Bachglanz zu Zorn sprühenden Schlitzen verengt hatte. Wie eine Meeresschlucht, in der tief unten mehrere Unterwasservulkane brodeln. Sie öffnete leicht den Mund: "Arbeite weiter". Sie sah, wie die blauen Augen eine Spur heller wurden, die Krallen sich noch krampfhafter in das Holz klammerten und die Muskeln sich noch mehr spannten, vor heißer Wut. Scheinbar schmeckte Bachglanz ihr kühler Befehlston nicht. Krallenflug spürte es in sich gluckern, ein Lachen stieg in ihr auf, doch sie ließ mit keinem Zucken in ihrer Mine darauf schließen. Sie wandte sich ab, ließ die schwarze Kätzin stehen und trabte stattdessen zur Kajüte. "Froststurm?"
    "Komm rein", erklang gleichgültig die Antwort ihres Kapitäns. Sie betrat das Zimmer, suchte in den Schatten nach dem getigerten Pelz des grauen Katers. Die Glühwürmchen, die in Gläsern schwirrten, spendeten nur wenig flackerndes Licht. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie ganz leicht ein Schinmern. Das Schimmern, dass einen Pelz verriet, auch wenn nur wenig Licht auf ihn fiel. Sie neigte respektvoll den Kopf. "Nun?", verlangte Froststurm. Gehorsam erzählte sie mit knappen Worten, von dem Schiff, das am Horizont vorbeigetrieben sei. Das diffuse Licht, hier drinnen, ließ die markanten grünen Augen des Katers heller, gelber aussehen und gleichzeitig wurden die Schatten darin tiefer und sahen lebendiger aus. Der Blick der über ihr Fell strich, von Detail zu Detail huschte, als würde er sie nicht kennen und müsste sich jeden Quadratmillimeter ihres Körpers einprägen, verstärkte diesen Eindruck ungemein. Schließlich blieben seine Augen an ihren hängen. Er nickte ernst. Einen Moment länger fixierte er sie, dann gab er ihr mit einem Schwanzschnippen das Zeichen, dass sie entlassen war. Krallenflug wandte sich wortlos ab. Kaum hatte sie ihre Pfoten auf das Deck gesetzt, spürte sie den brennenden Blick. Wenn es möglich wäre, würde er ihr Löcher in das Fell schmoren, doch da hatte Bachglanz wohl Pech. Die Schwarze starrte sie an als wolle sie ihr die Augen auskratzen, doch Blicke allein können nicht töten. Versuch's nur, du Fischhirn! Es war zwar nicht so, dass Krallenflug sie nicht leiden konnte, aber es bereitete ihr ein diebisches Vergnügen die Kätzin auf die Palme zu bringen. Und auch wenn Bachglanz sie aus der Ferne betrachtete wie ihr Abendessen; wirklich etwas gegen sie unternehmen würde sie doch nicht. Nicht einmal sie würde es wagen, den Ehrenkodex zu brechen. Obwohl es sicher sehr lustig wäre, wenn sie versucht mich zu besiegen... Krallenflug wusste, dass Bachglanz sie hasste. Sie war noch nicht lange Besatzungsmitglied der Bonecrusher, aber von Anfang an, hatte sie selbst keine Gelegenheit ausgelassen um sie zu ärgern. Sie hatte ihren Hass geschürt, in vollem Bewusstsein ihrer Tat, doch sie bereute nichts. Nichts!

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    "Denkst du auch mein Freund, oft an jene Zeit Als wir noch herausgefahr'n Auf dem alten Schiff, es verriet uns nicht An den Sturm in all den

    "Denkst du auch mein Freund, oft an jene Zeit
    Als wir noch herausgefahr'n
    Auf dem alten Schiff, es verriet uns nicht
    An den Sturm in all den Jahr'n
    Es ist lang schon her, doch es weht der Wind
    So wie damals über's Meer hinaus
    Unser Schiff, es kannte nur einen Kurs
    Richtung Freiheit geradeaus
    Richtung Freiheit geradeaus"

    Sie arbeitete gerade an den Maschen in einem ihrer Fischnetze, sang dabei. Alle Katzen an Bord sangen bei der Arbeit, wie die Sirenen auf den Felsen, wenn sie ein Schiff erblicken. Der Chor der Matrosen beruhigte, ließ die Arbeit leichter werden. Wie gerne sie einfach den ganzen Tag gesungen und nie gearbeitet hätte! Aber sie wusste selbst, dass das nicht ging. Hier, auf hoher See musste jeder mithelfen, jede Pfote wurde gebraucht. Sie saß über ein Netz gebeugt, kontrollierte es auf Löcher, entfernte hier und da zerschlissene Seile und fügte neue ein. Dabei ging ihre eine Hinterpfote im Takt des Liedes mit, das machte sie unterbewusst, auch wenn ihre volle Konzentration auf ihre Arbeit gerichtet war.

    "Richtung Freiheit geradeaus
    Ein Seemann kennt nur den einen Kurs
    Richtung Freiheit geradea-..."

    "Schiff in Sicht!"
    Der Ruf von Seeadlerschwinge unterbrach sie; ließ sie hochfahren. Alle Katzen verstummten, hoben die Köpfe. Sie trabte zur Reeling um zu sehen, was für ein Schiff der Kater meinen könnte. Tatsächlich, am Horizont war ein großes Schiff, ein Dreimaster mit schwarzen, zerrissenen Segeln zu sehen. Sie schielte hoch, zu den weißen, unversehrten Segeln der Stormbreaker. Was diesem Schiff wohl zugestoßen ist?
    "Sie fahren in unsere Richtung!", verkündete Seeadlerschwinge da. Angst erfüllte sie. Ein Schiff, das so aussah und in ihre Richtung fuhr konnte nichts gutes bedeuten, nein auf keinen Fall! Sie stürmte zu Nordstern; schaute den Koordinator an und versuchte ihre Stimme nicht so piepsig klingen zu lassen, wie es immer war, wenn sie Angst hatte: "Was sollen wir tun?"
    "Wir fahren weiter auf unserem Kurs. Wir tun, als wären sie nicht da."
    Seine Stimme war ruhig, ja fast entspannt und die Antwort kam so sicher.
    Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch mit einem Schnippen der Schwanzspitze hielt Nordstern sie davon ab: "Sag Südwind bescheid, Meeresschaum"
    Sie schloss ihr Maul wortlos wieder, neigte sie den Kopf und trabte zu ihrer Steuererin. Aber auch diese ließ sie erst gar nicht Luft holen um etwas zu sagen. "Ich hab alles gehört! Bin ja nicht taub..." Meeresschaum wandte sich wieder ab. Manchmal fühlte sie sich ganz schon überflüssig hier, wie ein leichtes Windchen in einer Flaute, dass nicht genug Kraft hatte, um das Schiff weiterzutreiben. Für einen Moment war es ihr egal, dass sie weiterarbeiten sollte und kehrte zurück zur Reling. Das weite Dunkelblau des Meeres. Es tröstete sie auf eine seltsame Weise. Ihre Gedanken schweiften unwillkürlich ab.
    Werde ich mein Leben lang auf einem Schiff leben?
    Dann kniff sie die Augen zusammen. Aus dem Wasser vor ihr stiegen ein paar Luftblasen auf. Sie überlegte, was das heißen könnte, dann; ihre Augen weiteten sich panisch. Viel intensiver als bei dem fremden Schiff war das Gemisch, was in ihr hochstieg. Eine Katze unterbrach ihre Arbeit, schien bemerkt zu haben, wie Meeresschaum stocksteif wurde. "Ist etwas?"
    Sie drehte den Kopf, starrte in die leuchtend grünen Augen von Möwenfeder. Die blanke Angst in Meeresschaums Augen schien der schwarzweißen Kätzin eindeutig zu sagen, dass es ernst war. "Ist was?", wiederholte sie, als sie keine Antwort gab. "Meeresschaum! Was ist los?", sagte sie jetzt viel energischer.
    Doch ihr Maul war wie zugeklebt, kein Wort wollte über ihre Lippen kommen. Sie starrte nur in die blattgrünen Augen.

    BUMMS!

    Sie wurde von den Pfoten gerissen und machte schmerzhaft Bekanntschaft mit dem Deck. Instinktiv grub sie die Krallen in das Holz um nicht weggeschleudert zu werden. Von dem einem Moment zum nächsten war ein heilloses Chaos entstanden. Sie hörte Möwenfeder etwas brüllen, sie klang wütend und verwirrt zugleich, doch Meeresschaum konnte kein einziges Wort verstehen; sie war wie versteinert.

    BUMMS!

    Erneut erzitterte das ganze Schiff, wurde zur Seite gerammt, als wäre es im Weg. Wie Treibholz, dass sie mit einer Pfote beiseitestoßen konnte. Bilder blitzten vor ihren Augen auf.
    Sie stand am Strand, festes Land, Festland, unter den Pfoten. Sie beobachtete; ein Boot, Katzen darauf, die Netze auswarfen um Fische zu fangen. Sie wünschte sich, ebenfalls auf das Meer herauszufahren; sie war noch klein. Dann stiegen Blasen auf, aus den blauen Tiefen; ein riesenhafter Schatten, schwarz und weiß, schoss aus dem Wasser. Die Katzen sprangen vom Boot, nackte Angst in den Augen; versuchten den Strand zu erreichen. Der Schatten warf sich gegen das Schiff, immer wieder, mit einer mächtige Schwanzflosse, tödlichen Zähnen.

    Dann kam sie wieder im hier und jetzt an.
    Die lähmende Angst, von jetzt und aus der Erinnerung; die furchtbaren Bild, ließen keinen klaren Gedanken zu.
    Ich muss etwas tun!


    BUMMS!

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    Er hatte das fremde Schiff aus den Augen verloren. Entweder es war von einem riesigen Tintenfisch versenkt worden oder natürlich einfach weitergesege

    Er hatte das fremde Schiff aus den Augen verloren. Entweder es war von einem riesigen Tintenfisch versenkt worden oder natürlich einfach weitergesegelt. Aber eigentlich kümmerte es ihn auch nicht weiter; er hatte nicht die geringste Lust, die wunderbare Zeit des Sonnenuntergangs für Gedanken an irgendwelche feigen Seekatzen zu verschwenden. Er kletterte vorsichtig vom Ausguck, den höchsten Mast hinab, auf das Deck. Blank geschrubbt waren die dunklen Holzplanken, dennoch konnte er die Krallenspuren darauf sehen. Die Bonecrusher hatte schon so einiges mitgemacht. Es war etwas seltsam, aber er spürte eine Verbundenheit zu dem Dreimaster mit den zerschlissenen Segeln. Es war, als würden er und das Schiff die selbe Vergangenheit haben. Natürlich war dem nicht so, aber allein das Gefühl war schön. Er wandte den Blick zum Meer. Die letzten Sonnenstrahlen setzten den Himmel in Brand; rot, orange, gelb und rosa vermischten sich. Das Meer schwappte wie flüssiges Gold gegen den Bug des Schiffes. Er war überzeugt, dass niegendwo der Anblick der Sonne, wie sie schlafen ging, schöner war.
    "Diese Schönheit zieht einen in ihren Bann, nicht wahr?"
    Er zuckte leicht zusammen, gab aber keine Antwort. Lautlos hatte sie sich genähert mit der Gewissheit nicht bemerkt zu werden. Krallenflug wusste, dass er auf dem rechten Auge blind war. Er zwang sich, nicht den Kopf zu drehen. Zu gerne hätte er gesehen, wie ihr helles Fell in diesem Licht aussah, vor dem Himmel, der in Flammen aufging. Er wollte ihr Gesicht anschauen, die leuchtenden Augen, die edle Kopfform. Doch er tat es nicht.Sie würde mir die Nase zerkratzen, wenn sie wüsste, dass ich sowas denke... Eine Weile beobachtete er mit ihr, wie die ersten Sterne aufleuchteten und das Feuer im Himmel langsam erlosch, wie nach einem Waldbrand der alles versengt hatte. Er genoss das Schweigen, so friedlich. Der salzige Wind, der um ihre Pelze spielte, wurde immer kühler, als sie die Stille wieder durchbrach. Anders als eben klang sie lange nicht mehr so... Abwesend, fast schon verträumt, nein, ihre Stimme war kühl. Nicht so, dass man fror, das Fell sträuben konnte und es einem danach besser ging. Nein, ihr Ton war auf einer Ebene mit einer frischen Brise, die scheinbar nichts zu bedeuten hatte, obwohl sie einen Sturm ankündigte.
    "Du hast heute keinen Alarm geschlagen, als das fremde Schiff in Sicht kam..." Nein, das hatte er nicht, das stimmte. Sie fuhr fort: "Warum?". Er kannte Krallenflug, sie hatte einen Grund, warum sie das fragte. Entweder denkt sie, ich habe es nicht bemerkt, weil ich halbblind bin, oder si-... Er konnte nicht mal den Gedanken zuende denken. Sie hatte nur nach einem Grund gefragt, doch darin verborgen war der Vorwurf, der Inloyalität. Ihm wurde heiß, unangenehm prickelte sein Fell. Er wusste doch auch nicht, warum er nichts gesagt hatte! Jetzt drehte er ihr doch den Kopf zu. Die türkisen Augen beobachteten ihn, schienen jede noch so kleine Regung in seiner Mine zu bemerken, zu deuten. Doch er schwieg. Er sagte einfach gar nichts. Sie musterte ihn wortlos, doch nach einer Zeit, die ihm wie eine Ewigkeit vorkam, neigte sie den Kopf. "Fein..." Sie wandte sich ab. Ihr Tonfall war reserviert, als hätte er soeben offen zugegeben, die Crew verraten zu haben. Er seufzte. Wer wusste, was jetzt im Kopf der cremefarbenen Kätzin vorging... Er betrachtete wie sie davonstolzierte. Doch ehe er länger darüber nachdenken konnte, erklang eine weitere Stimme, die sein Herz einen Satz machen ließ. "Was wollte sie von dir?". Natürlich wusste er, dass Bachglanz und Krallenflug einander nicht ausstehen konnten. Aber er wollte nicht selbst das Gerücht streuen, er sei untreu. "Sie... Sie wollte nur wissen, ob... Ob ich heute Auf dem Ausguck Haie gesehen habe..." Bachglanz nickte, doch ob sie ihm glaubte, wusste er nicht.
    Krallenflug verwirrte ihn. Sie kam zu ihm, war bei ihm eine Zeit, nur um ihm dann eine Ohrfeige zu geben. Dummerweise mochte er sie trotzdem. Aber er mochte Bachglanz ebenso. Vielleicht konnte er ja wenigstens mit ihr ein wenig reden? Er liebte ihre temperamentvolle Art und das Funkeln in ihren Augen, wenn sie wütend war, ließ ihn immer wieder auf's Neue dahinschmelzen. Jedoch während er diese Gedanken dachte, hatte sich auch die schwarze Kätzin abgewandt.
    Und ließ ihn allein, mit dem Gefühl, sein Herz heute gleich zweimal ertränkt zu haben.
    "Wale in Sicht!"
    Der Ruf von Sturmwelle machte nichts besser. Verflucht sei Krallenflug dafür, dass sie ihm weiß machen konnte, er sei eine miserable Nestkatze. Aber vielleicht führt sie es mir ja bloß vor Augen? Weil ich das wirklich bin? Vielleicht auch unabsichtlich? Unbewusst?
    Er war dankbar, als die groben Befehle von Froststurm ihm Anweisungen gaben "Macht euch bereit, ihr Landratten!"
    Er konnte endlich einen Moment vergessen, wie unglücklich verliebt er war, als der erste Schwertwal die Bonecrusher rammte:

    BUMMS!



    Erschöpft ließ sie sich niedersinken. Die Wale hatten die Stormbreaker mehrmals getroffen, sodass das Schiff wie eine Nussschale in einer Pfütze getrudelt war. Aber jetzt, eine anstrengende Zeit später, waren sie abgezogen. Sie hatte komplett die Zeit vergessen und erst jetzt fiel ihr auf, dass der Himmel nachtschwarz war. Das Meer der tausend Seelen mit den unzählbaren Sternen war weit über ihrem Kopf zu sehen. Sie atmete tief durch. An manchen Tagen war die Luft so schwer, dass man das Gewicht auf den Schultern spüren konnte, doch jetzt, heute, in dieser wundervoll klaren Nacht, wehte nur eine sanfte Brise. Ihr Kopf lag auf dem Deck und sie fühlte sich, als könnte sie sich an eine starke Schulter anlehnen, unerschütterlich, immer während. Irgendwie erinnerte es sie an die Zeit, als sie noch ganz klein gewesen war. Damals hatte sie sich genauso an ihre Mutter gelehnt, wenn sie nach einem spannenden Erlebnis ausruhen wollte.
    Jetzt ist die Stormbreaker meine Mutter. Und die Mannschaft meine Familie. Ich bin nicht allein.
    Pfoten erschienen in ihrem Sichtfeld. Als sie den Kopf hob, leuchteten ihr die hellgrünen Augen von Krakenzahn entgegen. Er setzte sich neben sie; sie legte den kopf wieder auf das Holz zu ihren Pfoten.
    "Du hast heute tapfer durchgehalten..."
    "Wie wir alle", entgegnete sie. Seine Stimme klang abwesend, als wäre er mit den Gedanken woanders. Erneut schaute sie zu ihm und folgte seinem Blick. Er betrachtete Meeresschaum. Wenn Möwenfeder darüber nachdachte, wusste sie gar nicht, wo die schwarze Kätzin gewesen war, während die Wale versuchten, die Stormbreaker zum Kentern zu bringen. Auch wenn das Schiff wie ein Fels in der Brandung den riesigen Wesen die Stirn geboten hatte; die ganze Mannschaft hatte doch Angst gehabt. Nur hatte sie jetzt keine Lust, sich den Kopf zu zerbrechen, was Meeresschaum in dieser Zeit getan hatte. Eigentlich war es auch egal; sie war hier und sah unversehrt aus. Sie schloss die Augen langsam. Ihre Glieder waren schwer und sehnten sich nach Schlaf, tief, traumlos, um am nächsten Tag wieder arbeiten zu können. Sie wusste nicht, ob ihr Schiff bei dem Angriff Schaden genommen hatte, allerdings schien es in jedem Fall bis morgen warten zu können. Sie döste ein, sodass sie nicht mitbekam, dass der Kater meben ihr aufstand und sich entfernte. Sie glitt bereits in die Welt der Träume.

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    Sehr viel Ruhe sollte ihnen jedoch nicht gegönnt werden. Ihre Augenlider waren so schwer, es war eine Meisterleistung sie aufzuschlagen. Ihre Beine,

    Sehr viel Ruhe sollte ihnen jedoch nicht gegönnt werden. Ihre Augenlider waren so schwer, es war eine Meisterleistung sie aufzuschlagen. Ihre Beine, ihr Kopf, ihr Schwanz, sie fühlten sich wie aus Stein an. Wenn sie jetzt ins Meer springen würde, würde sie untergehen, da war sie sich sicher. Verschlafen blickte sie sich um, zu müde um den heftigen Wind zu bemerken, der an ihrem Fell zerrte, den wolkenverhangenen Himmel, der knurrte, wie ein wütender Hund, oder die geduckte Art, mit der die Besatzungsmitglieder umherhuschten, als würden sie sich unterwerfen und hoffen, dadurch den Sturm verhindern zu können. "Südwind!"
    Erst als sie ihren Namen hörte, schüttelte sie sich, wie um die Schläfrigkeit zu vertreiben. Sie sprang auf die Pfoten und ignorierte ihre steifen Muskeln, die sich nach dem gestrigen Walangriff gegen jede kleinste Bewegung sträubten. Ich hätte definitiv nicht auf dem Deck schlafen sollen... "Südwind!", wiederholte die Stimme. Nordstern klang wütend, was ihm gar nicht ähnlich sah; er war normalerweise die geduldigste Katze, die sie kannte. Sie lief zu ihm, hüpfte, um ihre Muskeln aufzuwärmen. Und da fiel ihr erst auf, wie still es war. Irritierend, wenn sie darüber nachdachte, geisterhaft; normalerweise sang die Mannschaft, wenn manchmal auch leise, aber das harmonische Hintergrundgeräusch war sonst immer da. "Es kommt ein Sturm".
    Sie nickte, versuchte so zu wirken, als wäre sie vollkommen im Bilde, allerdings kannte Nordstern sie zu gut um sie nicht zu durchschauen. "Du musst uns da durchbringen." Automatisch bewegte sie wieder ihren Kopf: "Das werde ich, hab ich doch schon oft... Warum....?" Sie vervollständigte ihre Frage nicht, doch der Kater antwortete trotzdem. "Ich hab ein seltsames Gefühl. Als wäre es diesmal anders..." Er klang besorgt.
    Sie schmiegte sich an ihn, ihren Bruder, der letzte, der noch das selbe Blut wie sie hatte: "Wir schaffen das... -Mit einem Koordinator wie dir..."
    Ihr Tonfall klang weniger zuversichtlich als sie war. Seine Schnurrhaare zuckten: "Hoffen wir es..."
    Nordstern ist ein alter Schwarzseher!
    Allerdings konnte sie ihn verstehen.
    Damals sah es auch nicht gut für uns aus, dennoch sind wir jetzt hier. Nordstern, wir schaffen das, es ist nicht das erste mal für uns! Wir haben schon so viel erreicht!

    Seltsam, sehr seltsam...
    Ungewöhnlich ernst und nachdenklich betrachtete sie das Meer. Doch dann schüttelte sie den Kopf. Wird schon nichts dabei sein... Sie verbannte die Gedanken aus ihrem Kopf; die Walattacke war vorbei, es war also sowieso nicht wichtig. Doch in ihr nagten Zweifel, es war von Bedeutung, von großer sogar; aber uneingestanden schob sie es beiseite, nicht bereit jemandem mitzuteilen, was sie dachte.
    "Knochenstern." Die kühle Stimme des Kapitäns gefiel ihr nicht. "Was ein alter Kotzbrocken...", murmelte sie. Bachglanz zuckte amüsiert mit den Schnurrhaaren, doch ansonsten zeigte keins der Besatzungsmitglieder, dass es sie gehört hatte. Ist eh besser so... Krallenflug würde eh sofort petzen, eine furchtbare Spaßbremse, die alles in den falschen Hals bekam. Sie konnte wirklich nett sein, aber die meiste Zeit benahm sie sich etwas wie ein jüngere, weibliche Ausgabe von Froststurm. Dieser hatte sie zum Glück nicht gehört, obwohl es ihr sowieso egal wäre, wenn er es getan hätte. Er konnte ihr doch nichts... Doch scheinheilig gehorsam lief zur Kajüte um zu erfahren, warum er sie gerufen hatte. Als sie dort war erhob er sofort das Wort. Wie eine vorlaute Möwe, die nicht abwarten kann, bis der Brotkrümmel schon auf dem Boden liegt... Ich bin ein Brotkrümmel... Mühsam verkniff sie sich das Lachen. Wie furchtbar ernst der graue Kater auch war, ihr war das Lachen nicht zu nehmen.
    "Du spürst sicher auch, wie schwer die Luft ist." Sie nickte seufzend. Wüsste sie nicht, was er für eine Katze war, würde sie annehmen, er sei eine Tratschtante, die ihre Tage damit verbrachte, jedes Lebewesen im Umkreis zuzumüllen.
    Während ihre Gedanken abschweiften, erzählte er irgendwas über einen Sturm und Wale. Jeder Katze würde sie zuhören, wenn sie mit ihr sprach, nur nicht dem Kapitän. Das hatte nichts mit Asympathie zu tun, aber es ging ihr ums Prinzip.
    "Knochenstern! Ich hab was gefragt!", knurrte da ihr Gegenüber. Es passte ihm überhaupt nicht, wie sie sich verhielt, aber sie mochte es einfach zu sehr, ihn zu ärgern, als dass sie nicht alles daran setzen würde, ihn auf die Palme zu bringen. Er wiederholte: "Die Frage war, ob du auch glaubst, dass die Wale nur wegen dem Sturm in Richtung Norden gezogen sind."
    Sein oder nicht sein, DAS ist hier die Frage! Wieder war sie kurz davor loszuprusten, aber dann konzentrierte sie sich doch. Es ging hier nicht nur um sie, sondern vielleicht auch um die Crew. Ihr fiel ein, dass die Wale normalerweise stets gen Osten zogen, nach Osten, wo die Sonne aufging, nie nach Norden, wo die Sonne nie am Himmel stand. Schlagartig kamen ihr ihre eigenen Gedanken realistischer vor. Wale ziehen nicht nur wegen eines Sturmes plötzlich nach Norden... Irgendetwas anderes hat sie getrieben...

    8

    Dann war es soweit, der Sturm war da. Der Wellgang war nach wie vor gleichmäßig, noch. Doch er folgte bereits einem anderen Rhythmus, ein wilder, ungezähmter, der hohe Wellen schlug. Heute ist das Meer zornig. Der Himmel hatte sich verfinstert, als sei bereits Zeit, wieder schlafen zu gehen. Ihre Mutter hatte oft gesagt, das sei eine List des Meeres. Es versuche, die Katzen dazu zu bringen, dass sie einschliefen und es somit das Schiff ohne Probleme versenken konnte. "Wie grausam!", hatte sie erschrocken gerufen, doch ihre Mutter meinte, es sei Gnade. So musste die Mannschaft nicht mit dem Gefühl sterben, versagt zu haben. "Aber... Man muss doch versuchen zu überleben! Mir ginge es viel schlimmer, wenn ich nicht gekämpft hätte! Falls ich dann sterbe, hab ich wenigstens die Gewissheit, alles Mögliche getan zu haben! Und vielleicht bin ich ja stärker als die blaue Unendlichkeit!", hatte sie protestiert. Und dann hatte Nordstern sich eingemischt: "Vergiss nicht: das Meer ist stark, stärker als wir alle. Es geschieht alles nach seinem Willen. Nicht mal ein wahres Kämpferherz wie du kann daran etwas ändern." Doch er hatte sanft hinzugefügt: "Obwohl es einer so unbrechbaren Kätzin wie dir wahrscheinlich seine Gunst zukommen lässt...". Oft hatte sie noch darüber nachgedacht.
    Dem Mutigen gehört die Welt.
    "Südwind!"
    Die Stimme kam aus dem Jetzt, nicht aus ihren Erinnerungen.
    In der Ferne hörte sie Donnergrollen und schon jetzt wurde der Himmel gelegentlich von Blitzen durchzuckt, die sie blendeten, zwangen die Augen zu schließen. Sie richtete ihre Aufmerksamkeit jedoch auf den Ozean.
    Dann fielen die ersten Regentropfen.
    Zuerst sanft, wie der erste Regen im Frühling, zaghaft; setzte sich wie Morgentau auf ihre Felle. Doch dann, wie aus dem Nichts, öffnete der Himmel seine Schleusen und eine wahre Sinnflut ergoss sich über ihnen.
    Sie sah die erste Riesenwelle auf sich zurollen.
    Sie bohrte die Krallen in das Steuerrad un nicht die Kontrolle über die Lenkung zu verlieren, wie es schnell passieren konnte. Jeder Gedanke war unwichtig, jetzt kam es nur darauf an, das Schiff durch den Sturm zu manövrieren!

    "Alle Katzen an Deck! Holt die Segel ein!"
    Schnell, macht schon, der Sturm wartet nicht auf euch! In Gedanken drängte sie ihre Crew zur Beeilung, es musste schneller gehen! Seeadlerschwinge kletterte gerade den Mast hinunter, quälend langsam. Sie zwang sich, nicht hinzusehen. Es juckte ihr in den Pfoten, alles selbst zu machen, schneller! Du kannst es nicht besser, sie tuen was sie können, sei nicht so streng... Sie grub die Krallen in das Holz als eine weitere Monsterwelle auf sie zuwalzte. Der graue Wasserberg stach gegen das Schwarz des Himmels, der immer wieder grell aufblitzte, kurz danach krachten stetig ohrenbetäubend laute Donner. Das ganze Schiff schwankte, nicht wie bei der Walattacke, die schien dagegen unbedeutend, mickrig. Ihr Schiff trudelte nicht, nein, es wurde von jeder Welle fast umgerissen. Es war ein Tanz, unvergleichlich wild, ein Tanz, der der letzte eines Schiffes, dieses Schiffes , sein konnte. Die Stormbreaker würde wirbeln, das Meer würde stürmen, der Wind würde es peitschen. Wird die Welt untergehen? In Stürmen wie diesen war es schwer zu glauben, dass das Meer nicht alles und jeden vernichten konnte. Mit einem Knall rissen die Seile, die die Segel hielten; diese flatterten Wind, unbändig. "Haltet die Seile fest!", brüllte sie gegen den Sturm, doch ihre Worte wurden von ihrem Mund weggerissen, kaum das sie gesprochen waren. Der Wind heulte, kreischte, übertönte alles andere, sogar der Donner war nur schwer wahrzunehmen. Ihre Ohren schmerzten wegen dem ganzen Lärm. Sie hoffte, die Katzen würden sie trotzdem verstehen, wissen, was zu tun war, als ein weiteres Krachen aus dem Bauch der Stormbreaker erklang. Wenn wir ein Leck haben, sind wir verloren! Es blitzten bereits Bilder vor ihren Augen auf, wie das Schiff geflutet wurde, von dem Gewicht auf den Grund des Meeres gezogen wurde. Sie wollte gucken, ob die Katzen sich um die Segeln kümmerten, sie zu verlieren wäre fatal! Doch der Regen, der in ihre Augen trieb, war salzig, verbrannte ihre Augen, ließ ihre Sicht verschwimmen. Die Wellen schmetterten sich gegen die Reeling, darüber hinweg, alle Katzen standen bis zum Baum im Wasser, wann immer eine Welle sie getroffen hatte.
    Sie rannte über das Deck, erreichte die Luke, die ihr ins Schiffsinnere Eintritt gewährte. Eilig huschte sie durch den ganzen Raum; suchte die Schiffswände nach Löchern ab. Ihr Kampfgeist kehrte zurück als sie keine fand, die Stormbreaker war noch unbeschädigt. Nur die Seile waren gerissen und jegliche Fracht rutschte unter Deck hin und her. Eine Kanone zerquetschte sie fast, doch sie wich aus, ehe sie zu Mus gestampft werden konnte. Sie kletterte wieder auf das Deck, schloss die Luke. Sie kniff die Augen zusammen, versuchte ihre Katzen ausfindig zu machen, die tapfer den Wassermassen trotzten. Dann, wie in Zeitlupe sah sie eine weitere Monsterwelle über das Schiff herfallen, größer, gefährlicher als die bevor, bis zu den Schultern setzte sie sie alle unter Wasser. Sie klammerte sich fest, ein furchtbarer Schrei erklang. Als das Wasser ablief, stachen ihr die Krallenspuren, lang, frisch, ins Auge.
    "KATZE ÜBER BORD!"
    Verdammt, wer!

    9
    Der Sturm wütete wie eine rachsüchtige Meerjungfrau. Immer wieder wurde das Deck unter Wasser gesetzt, wenn eine weitere Welle über sie herzog. Kurz wandte er den Blick zum Himmel, doch der Regen war zu heftig und verschleierte seine Sicht. Eine weiterer Wasserberg zischte heran, brüllte mindestens ebenso laut wie der Donner, als stritten sie, wer lauter war. Als das Deck wieder, wieder mit Wasser berieselt wurde, hörte er ein erbostes Fauchen. Die helle Gestalt neben ihm war ausgerutscht und wurde nun mit dem Wasser vom Schiff gezogen. Schnell packte er das Nackenfell von Krallenflug. Wenn er sie sonst berührte, hätte sie ihn angefahren, dass er sie nicht anfassen sollte, doch jetzt kam kein Ton von ihr. Sie fand ihr Gleichgewicht wieder und spuckte mit angewidertem Gesicht ein Maul voll Salzwasser aus. Sie schaute ihn nicht an, aber sie streifte ihn, als sie an ihm vorbei wieder zu ihrem Platz huschte und schnurrte kaum hörbar ein "Danke". Obwohl sie durchnässt war und das Fell an ihrem Körper klebte, war sie schön. Obwohl sie mitten im Sturm war, ihre Muskeln von Anstrengung zitterten, trotzdem war da immernoch dieses Funkeln in ihren Augen. Das war knapp... Aber zum Glück hatte er die hell Getigerte retten können! Zwar bemerkte er den funkelnden Blick von Bachglanz, die aussah, als wäre es ihr ganz recht, wenn Krallenflug im wilden Meer ertrinken würde, doch er war für den Moment zufrieden. Dann schüttelte er heftig den Kopf; jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt um nachzudenken, jetzt mussten sie kämpfen. Das Meer schien wie ein Ungeheuer, ein riesiger Feind, der sie verschlingen wollte. Keine Zeit für Gedanken. Jetzt war die Zeit für Taten.

    Keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war. Doch das Meer beruhigte sich wieder, die Blitze zogen fort und der Donner verstummte. Ein zaghafter Sonnenstrahl brach durch die Wolkendecke, trotzdem Kaltfeuer vermochte nicht zu sagen, ob bereits ein Tag, zwei, vergangen war. Er schaute die Crew an. Froststurm saß gelassen oben bei dem Steuerrad wie ein Denkmal seiner selbst. Der Rest der Mannschaft; Meerpfaufeder, Sprudelklippe, Bachglanz, Sturmwelle und Narbenhai ließen sich erschöpft nieder und atmeten tief durch, saugten förmlich die frische Luft ein, die der Wind ihnen zutrug. Knochenstern beobachtete die anderen, während ihre Schwanzspitze vergnügt zuckte. Er fand sie etwas seltsam, aber sie war eine gute Koordinatorin.
    Nach einiger Zeit raffte die Mannschaft sich zusammen. Die meisten Matrosen begannen, das Schiff nach reperaturbedürftigen Stellen wegen dem Sturm abzusuchen, während Krallenflug eins der Netze entknotete. Wortlos ging er zu ihr und half dabei, bis sie das Netz schließlich auswarfen. Schlau von ihr, erstmal für was ordentliches zu Fressen zu sorgen. "Wie geht's dir?", fragte er, als sie fertig waren. Er hatte gesehen, wie Sprudelklippe sie festgehalten hatte, als sie fast ins Meer gerissen worden wäre; altbekannte Eifersucht hatte ihn angenagt, aber auch Angst. Sie antwortete nicht sofort und ihre Stimme klang etwas rau als sie es tat: "Ganz gut..."
    Weiß sie, dass ich das gesehen habe? Dann allerdings fragte er sich, ob sie immer so kurz angebunden war oder es einfach daran lag, dass sie ihn nicht mochte. Allerdings schob sie hinterher: "Und dir?"
    Doch ehe er etwas sagen konnte, verkündete Sturmwelle: "Schiff in Sicht!"
    Die Cremefarbene sprang auf, lief zur Reeling, begutachtete, was Sturmwelle meinte. Auch er war neugierig und schaute, was für ein Schiff aufgetaucht war. Es war ein Einmaster, der ziemlich klein aussah. Doch dafür kam er beängstigend schnell näher.
    "Die SS Amazone", murmelte Krallenflug.
    Er schaute zu ihr. Woher weiß sie, was für ein Schiff das ist? Doch dann konnte auch er den goldenen Schriftzug am Bug lesen.
    Die SS Amazone war wirklich ein außergewöhnlich schnelles Schiff, doch sie schienen nicht angreifen zu wollen. Dann greifen wir eben an! Und versenken diese Crew, die so verflucht schnell unterwegs ist!
    Er fuhr die Krallen aus. Ein solches Schiff konnte irgendwann gefährlich werden.

    10

    Das Meer erwürgte sie. Sie bekam keine Luft, ihre Glieder zuckten unkontrolliert; schlugen nach dem Feind, der sie komplett eingeschlossen, verschluckt hatte. Sie öffnete den Mund für einen verzweifelten Hilfeschrei, doch lediglich noch mehr Luft entwich aus ihren Lungen. Wasser strömte in ihr Maul, verätzte ihr die Kehle. Um sie herum war alles schwarz, schwappte Wasser; sie wusste nicht, wo oben oder wo unten war, nur, dass sie hin- und hergewirbelt wurde, wie ein Spielzeug der wilden See. Sie hörte den Donner nicht mehr, das Wasser rauschte in ihren Ohren und übertönte alles, was sie sonst eventuell noch hören könnte.
    Panik überfiel sie. Ich werde sterben! Ertrinken!
    Dann versagte auch ihr Gehirn und sämtliche Sinne, Gedanken ihren Dienst und sie sank in eine Schwärze herab, die viel tiefer war als alles andere, was sie je gesehen hatte.

    "Seelenlicht!"
    Bin ich tot? Werde ich abgeholt, um auf ewig auf dem Meer der Tausend Seelen zu segeln? Sie schlug die Augen auf. Perfekte, vollkommene Schwärze umgab sie. Es war seltsam, nicht sehen zu können, wirklich blind zu sein, nur einer leisen Stille zu lauschen, nichts anderes wahrzunehmen. Dann tauchte eine funkelnde Gestalt vor ihr auf, stolz erhoben.
    "Seelenlicht."
    Es war keine Frage, sondern eine Feststellung, dennoch nickte sie zaghaft.
    "Wer bist du?", fragte sie leise und hoffte fast, er würde sie überhören, ignorieren. Das Fell, das mit Sternen besetzt schien und das Leuchten, dass von ihm ausging, schüchterten sie sowohl ein, als dass sie ihr auch Mut gaben. Der graue Kater neigte den Kopf, mit der Geste eines Freundes.
    "Mein Name ist Sturm, erster Kapitän der Stormbreaker und erste Katze, die je das Meer befahren hat."
    Sofort wusste Seelenträne, was er getan hatte und wer er war, als er ihr nur seinen Namen genannt hatte. Sturm, die Katze, die aus Holz das erste Schiff, die Seagull, geformt hatte. Sturm, dem zu Ehren jeder Kapitän Sturm in seinem Namen trug. Sturm... Die Stormbreaker war von ihm gebaut worden, nach dem Vorbild seines Schiffes.
    "Hör mir zu, Seelenlicht, wir haben nicht viel Zeit!"
    Eigentlich hätte sie ihn gerne ausgefragt, über sein Leben, seinen erstaunlichen Mut, nur zu gerne, aber die Dringlichkeit in seiner Stimme brachte sie dazu, einfach zu nicken und auf seine weiteren Worte zu warten. Er atmete tief durch, senkte den Blick; als er wieder aufschaute, sahen seine Augen aus, wie das Meer der tausend Seelen, wie der Nachthimmel. Seine Stimme veränderte sich, klang wie der Wind, der ihr ins Ohr flüsterte.
    "Am Ende der Welt wartet der Schatz der Freiheit. Mutige Herzen sollen ihn bekommen, doch sind sie auch rein? Folgt diesem Schimmer, sonst werdet ihr wie ein Stern verglühen."
    Wollte er noch etwas hinzufügen? Nein, er schwieg, schaute sie nur ernst, mit den Himmelaugen an. Sie spürte, wie die Leere um sie zu rumoren begann, langsam heller wurde, sie wurde nach oben gezogen, ein Rauschen, Wasserrauschen, wurde immer lauter. Sie hatte nicht viel Zeit!
    "Was heißt das? Was für ein Schatz? Welcher Schimmer?"
    Sie war zu verwirrt, unzählige Fragen schossen ihr durch den Kopf, eine wichtiger als die andere. Doch er schüttelte bloß den Kopf, noch immer war er entspannt. Er begann zu verblassen, aber er sagte noch leise: "Kämpfe, Seelenlicht, deine Mannschaft braucht dich. Überbring ihnen die Botschaft ihrer Ahnen."
    Dann war er weg. Schlagartig war sie zurück. Sie war benommen, sodass sie nicht richtig wahrnahm, dass alles war, wie, als sie von der Welle vom Schiff geschleudert worden war. Sie zögerte nicht, zu sagen, wo oben war, paddelte dort hin. Ihre Lungen schrien nach Luft, als sie endlich ihren Kopf über die Wasseroberfläche brachte. Schmerz zog durch ihre Kehle, doch die Erleichterung; Luft, war viel zu groß um sich zu beschweren.

    "SEELENLICHT!", brüllte sie wiederholt, verzweifelt. Niergendwo war der hellgraue Kopf zu sehen. War sie bereits untergegangen? Nein, Seelenlicht war eine gute Schwimmerin; sie konnte schwimmen als hätte sie Kimen und einen Fischschwanz, wenn einer hier schwamm, dann sie! Aber sie musste sich eingestehen, niemand konnte dem stürmischen Meer trotzen, irgendwann zog es sie alle in die Tiefe, die im Sturm badeten. Dieser hatte sich zwar soweit gelegt, nur Seelenlicht war immer noch nicht da. Krakenzahn trat neben sie. "Meeresschaum? Es... Es hat keinen Zweck."
    Nein! NEIN! Seelenlicht konnte nicht einfach tot sein! Die Crew hielt doch zusammen, sie durfte nicht einfach plötzlich weg sein! Gegangen sein! Sie zitterte und senkte dem Kopf. Nicht nur Trauer, auch Angst brodelte in ihr, sodass sie nicht das Zögern bemerkte, mit dem Krankenzahn etwas näher an sie ranrückte. Trotzdem war sie ihm für diese Geste dankbar und lehnte sich leicht an ihn an. Sie schluckte hart, dann hauchte sie leise: "Glaubst du, Seelenlicht ist tot?" Er überlegte scheinbar eine Weile, dann als er das Maul öffnete um ihr eine Antwort zu geben, hörten sie ein Keuchen, das nach jemandem klang, der zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder frische Luft einatmete, so wie ein Gefangener den ersten Atemzug tut, wenn er wieder frei ist. Wie elektrisiert sprang sie auf. Es war Seelenlicht! Die Kätzin mit dem hellgrauen Fell schwamm schwerfällig und hiel sich mühsam über Wasser, auch wenn ihre leuchtend blauen Augen trübe vor Müdigkeit waren, sie schwer keuchte und nach Luft schnappte. Die Mannschaft holte ihre Verschollengeglaubte, ihre Totgeglaubte, zurück auf die Stormbreaker. Meeresschaum und Seelenlicht waren zwar nicht eng befreundet, aber trotzdem; sie waren eine Mannschaft, also hielten sie zusammen. Sie brachten die Schiffheilerin unter Deck und ließen sie allein, nur Meeresschaum blieb bei ihr. Wer wusste, was sie durchgemacht hatte; es war bestimmt ein schreckliches Gefühl, fast ertrunken zu sein! Sie beobachtete also in dem spärlichen, grünlich flackernden Licht wie Seelenlichts Flanken sich bei jedem rauen, aber tiefen Atemzug hoben und senkten. Ihre Muskeln waren entspannt, bis sie plötzlich die Krallen ausfuhr. "Seelenlicht?", hauchte sie leise, doch die Hellgraue mit den weißen Punkten unter den Augen zeigte keine Reaktion. Wahrscheinlich träumte sie.
    "Ende der Welt... Schatz... ..... ....Freiheit... Mutig......... Herzen.... ..... .... ... ... ..... Rein!"
    Die Schiffheilerin brabbelte vor sich hin, doch ihre Worte machten keinen Sinn. Oder vielleicht doch? Hatten ihre Ahnen Seelenlicht eine Prophezeiung geschickt? Es wird das Ende der Welt sein, wenn wir den Schatz der Freiheit an uns nehmen wollen... Die Mutigen opfern ihre Herzen, alle, auch die Reinen werden untergehen! War das die Botschaft, die Seelenlicht empfangen hatte? Aus den Bruchstücken, die sie gesagt hatte, wäre das zu schließen... Hatte deshalb der Sturm gewütet? Weil sie dabei waren, den Schatz der Freiheit an sich zu nehmen? Wenn das stimmt, müssen wir für immer die blaue Unendlichkeit verlassen... Vielleicht wird das Meer der tausend Seelen nicht mehr über uns wachen...

    11

    "Glaubst du, sie werden uns helfen?"
    Sie schüttelte den Kopf. "Ich hatte es gehofft, aber...." Ich auch, Perlenlicht, ich auch... Was sollten sie tun? Die Oceanbarbians verfolgten sie!Verflucht sei Schwarzsturm! Ihr Bruder wollte die Verfolgung nicht aufgeben und auch wenn ihr Schiff unheimlich schnell war, seins war für die Verfolgung gebaut, sodass sie immer noch hinter ihnen hersegelten. Schmutzstern sagte, sie müssten kämpfen, doch sie weigerte sich, das einzusehen. Es musste eine andere Lösung geben! Nicht, dass sie Angst hatte, aber sie wollte keins ihrer Besatzungsmitglieder als Sklavin der Oceanbarbians sehen. Außerdem wäre die Befreiung nur sehr schwer zu bewerkstelligen. Warum konnte Schwarzsturm mit seiner Mannschaft nicht einfach abziehen?
    Und das andere Schiff, der düstere Dreimaster schien nicht so, als versuche er ihnen zu helfen, wenn eher das Gegenteil. Wir dürfen nicht das Risiko eingehen und das andere Schiff näher kommen lassen...
    Doch es war zu spät. Sie sah, wie die fremde Besatzung die Kanonen auf sie richtete, zündete. Mit lauten Krachen brach die erste Kugel durch die Reeling.
    Sie legte die Ohren an, schloss die Augen, als Holzsplitter durch die Gegend flogen. Jetzt konnten sie nicht mehr davonsegeln, jetzt mussten sie kämpfen.
    Dann erschien er. Ein Kater, dunkelgraues Fell und markante, grüne Augen, die bis zu ihr herüber zu leuchten schienen. Keinen Moment nur zweifelte sie, dass er der Kapitän war, seine Haltung war stolz erhoben, wie nur ein solcher auftrat. Er war nicht sehr groß, aber sie konnte den tiefen Respekt, ja, die Ehrfurcht, in den Augen der fremden Besatzungmitglieder sehen.
    Und schlagartig wurde ihr bewusst, wer das war, wer das fremde Schiff war. Dort stand Froststurm, der Kapitän der Bonecrusher. Ach verdammt! Bei allen Schiffen, die auf dem Ozean umher schipperten, musste sie ausgerechnet Froststurm und seiner Mannschaft in die Pfoten segeln. Da half es auch nichts, dass ihr Kapitän verflucht attraktiv war, sie waren trotzdem gefährlich!
    "Nachtsturm! Die Oceanbarbians kommen näher!"
    Es war, als wurde sie aus einer tiefen Trance gerissen. "Macht euch bereit für ein hartes Gefecht!", befahl sie barsch. Ihre eigenen Kanonen waren geladen, einsatzbereit. "Feuer!"

    Bumms!
    Bumms!
    Bumms!

    Bumms!


    Bumms!


    Getroffen! Doch jetzt luden ihre Gegner nach. Oder? Stopp! Keines wegs, sie wendeten. Wollten sie etwa fliehen? Nein, Froststurm plante irgendetwas. Nur was? "Wendet das Schiff! Bringt mehr Abstand zwischen uns!"
    Glück gehabt! Sie sah, die Bonecrusher wendete, sodass der Bug ihrer Breitseite zugewandt war. Sie wollten sie rammen! Doch glücklicherweise war jetzt mehr Abstand zwischen ihnen. Der Dreimaster würde bei dem Rammmanöver kaum etwas abkriegen, weil der Bug extra dafür gebaut war, außerdem war die SS Amazone zwar schnell, aber nicht sehr widerstandfähig. Stattdessen erschienen jetzt sechs Gestalten; Froststurms muskulöse Silhouette, daneben eine sehr helle, zierliche und vier weitere, eindeutig männliche Katzen. Sie sprangen ins Wasser und schwammen herüber.
    "Lasst sie nicht auf's Schiff!", rief sie laut. Alle Katzen nickten, gingen zur Reeling. Die Eindringlinge versuchten am Holz hochzukraxeln, doch sie schlugen sie immer wieder zurück. Nue irgendwie fühlte es sich falsch an. Sie nahm absichtlich eine Position ein, in der sie Froststurm nicht begegnete, doch dann bemerkte sie es: nur fünf der Katzen kletterten an der Breitseite hoch, versuchten es zumindest. Sie wirbelte herum und starrte in das böse grinsende Gesicht der Kätzin. Einen Moment, dann wurde ihr eine blutige Ohrfeige versetzt. Sie bleckte die Zähne, sprang auf die Andere zu und versuchte sie umzuwerfen, vom Schiff zu schleudern, damit die Haie sie fraßen! Doch diese wich schnell wie ein Blitz aus und versetzte Nachtsturm ein paar böse Krallenspuren an der Flanke. Nachtsturm trat mit einer Hinterpfote aus, erwischte die Fremde am Kopf, was diese kurz ins Taumeln brachte. Ohne Zögern warf sie sie um, zerfetzte ihr den Bauch. Wie kann dieser Flohpelz nur für eine Mannschaft wie die Bonecrusher kämpfen! Dieser Gedanke gab ihr neue Kraft und sie spürte ein wildes Feuer, hellen Zorn, in sich lodern. Die Kätzin war jung, gerade alt genug zum segeln, wie war sie nur an die Bonecrusher gefallen? Mit einem harten Tritt schleuderte diese sie von sich herunter, sprang direkt hinterher und nagelte Nachtsturm auf dem Boden fest. Wohl wahr, sie war jung, aber stark. Die anderen Amazonen wehrten die Kater ab, niemand bemerkte den Kampf in der Mitte des Decks. Sie spürte die scharfen Krallen an ihrer Kehle, wenn sie sich auch nur im Geringsten bewegte, würde die Fremde sie aufschlitzen, das sah sie, wie ein Versprechen, in den Augen der Anderen. Doch plötzlich wurde die Getigerte von ihr weggerissen. Verwirrt sprang Nachtsturm auf; hatte doch jemand von ihrer Crew den Hinterhalt bemerkt? Nein, alle kämpften noch immer. Sie hörte Fauchen, schreien in ihrem Rücken. Sie drehte sich um und sah wie ihre Widersacherin sich vergebens gegen einen riesenhaften, dunkelbraunen Kater wehrte, der sie fest im Genick gepackt hatte.
    Sie hatten die Oceanbarbians vergessen.

    "Was ist da los?", rief er leise. Der Plan war so gut gewesen! Sie griffen als Ablenkungsmanöver von der Breitseite an, während Krallenflug auf das Deck huschte und dafür sorgte, dass sie freie Bahn bekamen. Doch jetzt ertönte ein Fauchen, dass nur von Krallenflug kommen konnte, dabei war sie doch so geschickt; sonst wäre nicht sie dafür ausgewählt worden! Die Kätzinnen zogen sich von der Reeling zurück. Irgendetwas war passiert. Er wechselte einen Blick mit den anderen. Froststurm schaute ausdruckslos nach oben; fast schon konnte man sehen, wie er nachdachte, ob sie überhaupt nach oben klettern sollten. Sturmwelles Mine verriet eindeutig, dass er lieber kein Risiko eingehen würde, vor allem nicht für ein weibliches Besatzungmitglied. Doch in Kaltfeuers und Sprudelklippes Augen konnte er sehen, dass sie alles daran setzen würden, ihrer Besatzungsgefährtin zu helfen. Er selbst war ebenfalls fest entschlossen, Krallenflug zur Hilfe zur eilen, auch wenn er vermutete, dass die Beweggründe der zwei Kater andere waren. Doch ehe er lange darüber nachdenken konnte, gab Froststurm mit der Schwanzspitze den Befehl zum hochklettern. Er grub die Krallen ins Holz, die mittlerweile weh taten, vom ständigen runtergestoßen werden. Schließlich zog er sich auf das Deck und erstarrte wortwörtlich. Das hatte auch er nicht erwartet. Mehrere Kater, die offenbar nicht zur Crew der Fightheard gehörten, befanden sich auf dem Deck. Ein schlanker, schwarzer Kater presste eine kleine, mausgraue Kätzin zu Boden, die ergeben liegen blieb und sich nicht mehr wehrte. Ein anderer grauer Kater mit breiten Schultern und weißer Unterseite hielt eine Kätzin mit weißen Pfoten fest, doch dann entdeckte er die Katze, die sie eigentlich suchten. Ein gewaltiger, dunkelbrauner Kater mit verfilztem Fell hatte Krallenflug beim Nackenfell gepackt und wich ihren wirbelnden Krallen aus; trotzdem kassierte er mehrere böse Kratzer. Die fremden Kater hatten offenbar die Amazonen geschlagen, ein paar drängten eine Traube von Kätzinnen in die Ecke; Angstgeruch verpestete die Luft. Zwei weitere, schwarze Kater, einer mit einer langen Narbe, über die Schulter hinweg, das Vorderbein entlang, der andere mit leichtem Leopardenmuster, diskutierten. Er versuchte mitzukriegen, was sie redeten, als ein gezischtes "Meerpfaufeder!" ihn aufmerksam machte. Offenbar waren sie noch unbemerkt. Er kauerte sich zu den anderen Bonecrushern in den Schatten der Reeling. "Nein! Ist mir egal, was Achilles für n' Tick hat, wir nehmen Schmutzfeder mit!" Der schwarze Kater, der die kleine Graue mit den smaragdgrünen Augen im Griff hatte, knurrte vernehmlich. Der kleinere Schwarze wandte sich dem zu, der offenbar Achilles war, funkelte ihn wie eine Schlange an.
    Meerpfaufeder sah wie eine Kätzin, athletisch gebaut, sich aus der Traube löste. Eine Kätzin mit langen, schwarzen Fell versuchte sie aufzuhalten, Wut leuchtete in ihren Augen. Allein die Ausstrahlung der Kätzin, die er als Schmutzfeder indentifiziert hätte, verriet ihr Alter.. Sie sah wild aus, mit einer hässlichen Narbe quer über den Rücken und dem eingerissenen Ohr. Sie ignorierte die andere Kätzin und trat zu den Katern, die Schwarze blieb mit zornig gesträubtem Fell zurück. Meerpfaufeder wusste, was Schmutzfeder dachte. Lieber sie, als eine ihrer Crewgefährten.
    "Ah, Schmutzfeder!", wurde sie begrüßt.
    "Schmutzstern.", gab sie zurück mit einem kühlen, ja fast unbeteiligtem Blick.
    Er drehte den Kopf. Froststurms Gesicht war wie aus Stein gemeißelt, kalt, nichts an ihm verriet, was er dachte. Ganz anders wirkten Kaltfeuer und Sprudelklippe. Ihre Muskeln waren gespannt, die Krallen wütend ins Holz gegraben, als wäre das das Einzigste, was sie noch an ihrem Platz hielt. Was sollten sie tun? Angreifen? Froststurm würde sie alle den Haien zum Fraß vorwerfen, wenn sie dies ohne seinen Befehl taten.
    "Rückzug", zischte da Froststurm.
    Wir können Krallenflug doch nicht im Stich lassen! Doch der Blick, mit dem Froststurm ihn bedachte, war eine Drohung und eine Vertrauensfrage zugleich. Wenn sie ihm jetzt nicht gehorchten, würde er ihnen das als Inloyalität vorwerfen. Er hatte bestimmt einen Plan. Meerpfaufeder war absolut dagegen; das schwanzeinziehen hier war abscheulich und feige für ihn, doch hier war nicht der richtige Ort um zu blocken, als riss er sich zusammen und tat wie befohlen. Aber wenn Froststurm nichts tuen will um Krallenflug zurückzuholen, dann wird er aber was zu hören kriegen! Und wahrscheinlich würde er nicht der einzigste sein, der Wert auf Krallenflugs Rettung legte, dachte er mit einem Seitenblick zu den zwei anderen grauen Katern neben ihnen. Sturmwelle vielleicht weniger, aber dem waren Kätzinnen ja eh ziemlich egal..

    12

    Unsanft schubste der große, graue Kater sie vorwärts, in Richtung der Oceanbarbians, unerbittlich. Dort wurden sie alle vier in eine Zelle geworfen. Dunkelmond huschte sofort zu Korallenfell, besorgt um die junge Kätzin. "Lass mich!", fauchte sie sie an, wütend, wie ein Schüler, der versuchte seine Mutter abzuschütteln. Dunkelmond seufzte. Wer sich nicht helfen lassen will, dem kann auch nicht geholfen werden... Sie wendete den Blick zu Schmutzstern. "Schmutzste-....!" Mitten im Wort brach sie ab, als sie ungerissen wurde. Krallen, dornenspitz, hielten sie fest, kratzten über ihren Bauch. Sie jaulte auf vor Schreck. Dann wurde die Katze von ihr heruntergerissen. Schmutzfeder baute sich vor ihr auf, wie ein behaarter Fels, ihr den Rücken mit der wulstigen Narbe zugewandt und funkelte die cremefarbene Kätzin an, die kampfbereit geduckt war. Der Schwanz der Graubraunen peitschte wütend und Dunkelmond konnte sich vorstellen, welchen Blick sie gerade aufgesetzt hatte, ein Wunder, dass sie die andere damit noch nicht erdolcht hatte. Sie rappelte sich auf, trat neben Schmutzfeder und sträubte das Fell, Korallenfell tat es ihr gleich. Eine Weile funkelten sie sich hasserfüllt an, schwiegen. Schließlich gab die andere die Kampfstellung auf, setzte sich und begann ihre mit Blut besudelten Pfoten zu waschen. Dunkelmond war erleichtert, denn sie spürte eine heiße Flüssigkeit aus den scharfen Kratzern laufen, die die Weiße ihr beigebracht hatte. Sie leckte die frischen Wunden sauber, in der Hoffnung, dass sie sich nicht enzündeten. Perlenlicht hätte jetzt sicher ein paar Kräuter parat, doch die Heilerin mit dem perlmuttfarbenem Fell war für sie so unerreichbar, wie die Sterne am Himmel.
    Ein winziger Seufzer entfuhr ihr. Schmutzfeder hob den Kopf, schaute sie mit ihren Augen an, die im spärlichen Dämmerlich golden leuchteten, wie Honig: "Alles klar?". Sie verzichtete auf eine Antwort; lauschte stattdessen angestrengt, denn plötzlich waren zwei Stimmen zu hören, die näher zu kommen schienen.
    "Komm schon, Tigerhaikralle! Macht es dir denn keinen Spaß, die Angst in ihren Augen zu sehen? Wie sie winseln?"
    Ein Schauer überlief Dunkelmond; es waren eindeutig Kater.
    Auch die anderen Kätzinnen in der Zelle hielten inne.
    Die Antwort war ziemlich frostig.
    "Das Besondere ist doch, einen Feind zu besiegen, das Gefühl, wenn er um Gnade fleht. Doch die- das sind doch keine Gegner!"
    Eine ganze Spur verächtlicher, abfällig, fügte Tigerhaikralles Stimme hinzu: "Aber du, oh großer Haizahn, schaffst es ja nicht einen echtem Feind zu besiegen, sodass du es nötig hast, schwache Kätzinnen zu schlagen."
    Sie sah wie sich der Pelz von Korallenfell sträubte; ihrer Kehle entwich ein Knurren, genau, als auch draußen ein böses Knurren erklang. Ein spöttisches Lachen, offentlichtlich von Tigerhaikralle kam danach, dann blendete sie schlagartig helles Licht. Sobald die Tür geöffnet war, wurden die Minen der Kater hart, als wären sie in dem Moment von einer Qualle mit lähmendem Gift genesselt worden.
    "Mitkommen", befahl der Dunkelgraue mit den Bernsteinaugen kalt. An der Stimme indentifizierte sie Tigerhaikralle; also war der andere offenbar Haizahn. Mit stillem Gehorsam befolgten sie die Befehle der Kater, als hätten sie sich längst ihrem Schicksal gebeugt.
    Zwar wusste Dunkelmond nicht, wie viel Zeit vergangen war, doch als sie sich wieder auf dem Deck befanden, sah sie, dass der Mond gerade aufgegangen und der Himmel sich tintenschwarz gefärbt hatte.
    Augen ruhten auf ihnen, auf den vier Kätzinnen. In der Dunkelheit waren die Silhouetten der Kater nur schwer auszumachen, doch ihre Augen schimmerten wie die Leuchten von Laternenfischen. Dort ein sturmgraues Augenpaar, ein hellblaues, dort schienen ein blaugraues und ein grünes Auge nebeneinander in der Luft zu schweben, dort drüben im Schatten zwei stechend orangegelbe.
    Sie duckte sich unmerklich. Was wollen die Kater überhaupt von uns? Warum töten sie uns nicht einfach, das wäre für sie doch deutlich weniger Aufwand!
    Dann aber erinnerte sie sich an die Worte von Haizahn und den seltsamen Ton, den seine Stimme dabei angenommen hatte, wie eine verhungerte Katze, die Adler jagte, nur um etwas zu fressen zu haben. Sie waren besessen. Es machte ihnen schlicht Spaß. Und Dunkelmond wusste: die Zeit, die sie bis jetzt in der Zelle verbracht hatten, war nur Schonzeit.

    Da standen sie also, auf dem Deck, den Oceanbarbians ausgeliefert, wie die Maus der Schlange, wenn sie sie längst umschlungen hatte. Es gab kein Entrinnen. In ihr tobte es. Furchtbare Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit, die sich so echt anfühlten, als wären sie Gegenwart, ihre Angst, ihr Mut, ihr Kampfgeist, wobei die letzteren Beiden schon seit sie hier war, wieder hier war, deutlich geschrumpft waren.
    In ihrem Augenwinkel sah sie etwas Funkeln, golden. Es waren die künstlichen Zähne im halb offen stehendem Maul von Gewitterschatten. Dieses winzige Detail beruhigte das Chaos in ihr, flößte ihr kühlen Stolz ein. Sie hatte das alles schon einmal durchgestanden; aber sie war auch schon einmal entkommen.
    Eben jener Kater, mit dem dunkelbraunen Fell, trat als erster vor. "Schmutzstern. Was für eine... Freude dich wiederzusehen". Die Weile, die er überlegte, ob Freude das passende Wort war, dachte Schmutzstern darüber nacj, ob er für die Dramatik eine Kunstpause gemacht hatte oder er wirklich hatte nachdenken müssen. Sie gestand ihm einen nicht sonderlich hohen IQ zu, im Gegenteil. Er war so schlau wie eine Schäfchenwolke, die friedlich über den Himmel zog.
    Sie hob das Kinn und sagte laut, was sie dachte und tatsächlich begannen die Kater schadenfroh zu lachen. Alle, sogar die Spaßbremse Tigerhaikralle, nur Gewitterschatten nicht. Haizahn spöttelte: "Oh, Wölkchenschatten, du lässt dir das von einer missgebildeten Kätzin bieten?" Als sie allerdings sein Blick erneut traf, wurde er seinem Namen schon eher gerecht, seine Augen sprühten vor Zorn. Ebenso wie der mächtige Schlag, der sie einen Augenblick später quer über das Deck schleuderte. Gerne hätte Schmutzstern behauptet, es hätte nicht im Geringsten geschmerzt, doch sie wusste selbst, dass sie das nicht verheimlichen konnte. Sie schlitterte noch ein Stück, blieb einen Moment schlaff vor der Reling liegen. Kurz danach wurde ihr von einem schweren Gewicht jegliche Luft aus den Lungen gepresst. Haizahn bohrte die Krallen in ihr Fleisch als wäre sie eine schmackhafte Makrele.
    "Achja! Sieh dich an! Zu alt zum Segeln, zu stur um sich das einzugestehen, doch trotzdem zu schwach!", blaffte der dunkelbraune Kater. Die anderen lachten wieder und johlten blutlüstern. Sie sah Korallenfell die Haizahn von ihrer Brust stoßen wollte, doch Achilles kam ihr in den Weg, stoppte die kleine Graue.
    Plötzlich war Schmutzfeder nach lachen zumute. Sie kannte sie alle, die ganze, barbarische, verdreckte Crew, die sich Oceanbarbians schimpfte. Sie unternahm keinen Versuch, den schweren, grauen Kater mit sich zu schieben. Seltsame Eronie erfüllte ihre Gedanken. Ich bin wieder zuhause...

    13

    Entspannt hatte sie den Schwanz um die Pfoten geringelt, fein säuberlich; betrachtete Seelenlicht und blinzelte so wenig wie möglich, um jeden einzelnen der Atemzüge der Heilerin wahrzunehmen. Als es langsam zu dämmern begonnen hatte, hatte sie Meeresschaum abgelöst, damit diese sich ausruhen konnte; tatsächlich hatte diese sehr verwirrt bis mitgenommen ausgesehen und sich auch etwas dagegen gesträubt, abgelöst zu werden. Aber ihr machte es schließlich nichts aus, ein Auge auf die über Bord gegangene Kätzin zu haben und Meeresschaum hatte dringend eine Pause nötig. Während sie etwas ihren Gedanken nachhing, schlug Seelenträne plötzlich ihre Augen auf. Einen Moment war ihr Blick ziemlich verklärt, wie, wenn man ins Leere starrt und tagträumt oder eben noch nicht richtig wach ist, aber dann erschien sie sie zu erkennen. "Wasserglanz", murmelte sie leise.
    "Wie geht's dir?", fragte diese sanft.
    Mühsam stemmte Seelenlicht sich hoch und blinzelte heftig, als wäre es eine Möglichkeit, ihren Körper zu erinnern, dass er zum Leben, nicht zum tot sein geschaffen war. "Ich fühle mich, als wäre ich aus Stein..."
    "Tut dir was weh?" Erstmal musste sie sich ja eine Übersicht verschaffen, was Seelenlichts kleiner Badegang für Folgen haben würde.
    Die Heilerin antwortete: "Mein Kopf... -aber sonst ist alles heil geblieben, glaube ich..."
    Sie wirkte in dem Moment deutlich älter als ihre vergleichsweise minimalen, dreiundzwanzig Monde; viel älter, eher wie eine Katze, der bald das Herz vor Alter stehen bleibt. Doch dann erhob sich Wasserglanz; geschmeidig, der scharfe Kontrast zu Seelenlichts unwirklichen Steinzeitalter. Mit den Worten: "Komm, Seelenlicht, wir wollen den anderen zeigen, dass du noch lebst", wendete sie sich zur Luke auf's Deck. Die Heilerin folgte ihr etwas schwerfällig, aber öffentlich war sie nur sehr steif, aus Stein, wie sie selbst gesagt hatte. Beruhigt lief Wasserglanz weiter und ließ der Kätzin, mit den wasserblauen Augen, an der Luke den Vortritt. Delfinsturm entdeckte sie als erstes, rasant wie ein Hai, der Blut gewittert hatte. Sie trabte zu ihnen. "Seelenlicht! Du bist wohl auf!", schnurrte sie, mindestens ebenso laut wie der Donner als das Gewitter hereingebrochen war, wie Wasserglanz fand. Seelenlicht nickte, aber ihr Blick war lange nicht so froh; traurig, wie das Meer, das untröstlich gegen ihr Schiff schwappte; voller salziger Tränen. Dann, plötzlich sehr ernst; verwischt jede Traurigkeit; schaute Seelenlicht der Kapitänin der Stormbreaker in die Augen und zischte leise: "Ich muss mal mit dir sprechen, Delfinsturm."
    Ohne Wiederworte oder überhaupt irgendein Wort zu sagen, neigte diese den Kopf und bedeutete Seelenlicht mit der Schwanzspitze, ihr zu folgen.
    Sie selbst blieb zurück, wie die Gräten eines Fisches, wenn er an den Strand gespült wurde und das Fleisch verrottet war. Zurück an die Arbeit.

    Die Sonne stand erneut tief am Himmel und ließ sie ein Meer aus Feuer sehen, während der Wind sie unablässig vorwärts über die halbhohen Wellen trieb, wie ein fleißiger Helfer oder vielleicht auch nur als Entschuldigung, dass er sie in Sturm so angegriffen hatte.
    "Alle Matrosen der Stormbreaker mögen sich auf dem Deck versammeln!", rief eine Stimme. Wasserglanz hielt inne, unterbrach die Arbeit, das geschrubbte Deck weiter zu säubern, und hob den Kopf. Der Wind wehte die Gischt auf das Deck, bildete feine Salzkrusten in den Pelzen der Katzen, die sich versammelten, still wurden und lauschten, was Delfinstern verkündete, während das Meer weiterrauschte.
    "Seelenlicht hat eine Prophezeiung von unseren Ahnen erhalten!"
    Ohne große Umschweife rezitierte sie andächtig, fast schon feierlich: "Am Ende der Welt wartet der Schatz der Freiheit. Mutige Herzen sollen ihn bekommen, doch sind sie auch rein? Folgt diesem Schimmer, sonst werdet ihr wie ein Stern verglühen."
    Wasserglanz reagierte nicht. Ske konnte nicht verstehen, was daran gut sein sollte. Prophezeiungen wurden gesandt als Warnungen oder als Zeichen der Hoffnung, aber immer, wenn das Schicksal, der miese Verräter, einen furchtbaren Schlag vorbereitete. Was hat die Zunkunfr für uns vorbereitet? Ihr Instinkt sagte ihr, Gefahr kam auf sie zu. Auf sie und ihre ganze Mannschaft.

    Sie war so schön. Ihr glänzendes, schwarzes Fell, das wie die Wellen schimmerte. Sein Herz krampfte zusammen, wenn er daran dachte, was er dagegen war. Unscheinbar. Ein Nichts.
    Ihre Augen, grau wie Sturmwolken, mit den dennoch so sanfte Blicken, zogen ihn in ihren Bann. Sie war so zierlich, so zerbrechlich; in ihm brannte das Bedürfnis, sie zu beschützen. Doch er wusste, dass er nicht der Richtige dafür war. Sie hatte etwas Besseres verdient, ohne Zweifel. Doch seine Pfoten trugen ihn zu ihr, sie zog ihn an, wie die Erde einen Körper, der von einer Klippe sprang. Als er endlich aus seinen Gedanken erwachte, saß er bereits neben ihr, so, dass eine gute Schwanzlänge Abstand zwischen ihnen war. Sie schaute auf das Meer, als hätte sie ihn nicht bemerkt, selbstvergessen.
    "Wie geht es dir?"
    Direkt nachdem er die Worte gesprochen hatte, hätte er sich selbst dafür ohrfeigen können. >Wie geht es dir?<, war eine der schlimmsten Standartfragen, direkt hinter >Was hältst du vom Wetter?< und >Was hast du heute so gemacht?<, und klang so furchtbar oberflächlich, distanziert. Und er wollte genau das Gegenteil von Distanz, auch wenn er sich das nicht eingestand.
    "Ich habe etwas Angst...", murmelte sie leise, wendete den Blick aber nicht vom Meer ab, als könnte sie es nicht ertragen, dessen Schönheit nicht zu ehren. Er zuckte bei diesem Gedanken zusammen, denn er starrte sie mit demselben Blick an, fast schon wehmütig.
    Sie hatte Angst...
    Sofort wollte er nichts anderes mehr, als auf sie aufzupassen und nie mehr von ihrer Seite zu weichen. Vorsichtig rückte er ein Stück näher zu ihr, bis ihre Felle sich gerade berührten. Er konnte ihre Wärme spüren, ihren Duft, vermischt mit dem Geruch des Meeres, riechen.
    Dann, ohne, dass er es wollte, kamen die Worte aus seinem Mund: "Ich passe auf dich auf..."
    Hastig fügte er hinzu: "Also.. äh.. Natürlich brauchst du keinem Beschützer oder so, aber.. f-falls du mal... Ich bin... für dich da, we-n-n du willst..."
    Sie hält mich sicher für den letzten Trottel...
    Doch sie wendete nur den Blick, schaut ihn an und sofort waren sämtliche seiner Gedanken wie vom Winde verweht. Er hatte das Gefühl, in ihren Augen zu ertrinken.
    "Danke", hauchte sie. Ein Schnurren entwich seiner Kehle, doch verstummte schlagartig, als sie sich an ihn schmiegte. Sein Herz raste und garantiert hörte sie das.
    Kaum hörbar wisperte er, als wäre er gezwungen: "Ich liebe dich, Meeresschaum...", doch er hoffte sofort, sie hätte es über das Rauschen den Meeres nicht gehört; sie würde ihn hassen, wenn sie es wüsste.
    "Ich dich auch, Krakenzahn", flüsterte sie leise zurück, vorsichtig, zögerlich.
    Es gab keine Beschreibung für das, was sie mit vier einfachen Worten augenblicklich in ihm auslöste. Ungläubiges, reines Glück kämpfte zusammen mit Liebe gegen Wut und Trauer. Hatte er es sich eingebildet? Warum hatte es das gesagt! Sie würde es sowieso nicht wirklich erwidern! Nein, er hatte es sich nur eingebildet. Er war erstarrt, doch dann schnurrte Meeresschaum sanft noch einmal: "Ich liebe dich auch"
    Sie konnte darüber hinweg sehen, dass sie 1000-mal schöner war als er!
    Sie konnte darüber hinweg sehen, dass er sie niemals würde richtig beschützen können!
    Sie konnte ihn lieben!
    Ja, sie konnte.
    Er hasste sich selbst dafür, dass er ihr die Chance nahm, jemanden zu finden, der ihrer würdig war. Doch er konnte nicht anders, er hatte ihr sein Herz geschenkt, jetzt wusste sie es.
    Ein Schnurren, unendlich glücklich ließ seinen Brustkorb vibrieren, dann ringelte er seinen Schwanz sachte um ihren.

    14
    "Natürlich müssen wir sie befreien!", sagte Knochenstern zwar ruhig aber bestimmt. Ihre ungewöhnlich blauen Augen funkelten entschlossen, so, wie seine immer vor Kälte. Zumindest sagten das Andere; er selbst beschrieb es eher als Leere.... War Leere kalt? Eigentlich hatte Leere keine Temperatur, denn Leere war gleichbedeutend mit dem Nichts... Und es gibt keine Temperatur im Nichts... Außerdem: wer entschied überhaupt, wann eine Temperatur kalt und wann sie warm war? Nur weil jemand es so empfand, musste es ja nicht jeder so sehen.
    Während er etwas diesen Gedanken nachgegangen war, hatte Froststurm offenbar einer Diskussion zugestimmt. Und selbst wenn nicht; Knochenstern legte gerade ein verbissenes Temperament an den Tag, was man von der Kätzin, die mit ihrem Humor normalerweise alles auflockerte, nicht ganz gewohnt war. Schlicht, keine Widerrede duldend. Froststurm saß auf dem Deck, die Ohren höflich gespitzt und hörte mit ausdrucksloser Mine seinen Besatzungsmitgliedern zu. Er selbst hielt sich ebenfalls zurück und beobachtete nur, wie die Katzen einer Crew einander anfauchten, wie Aasgeier, die sich um einen Kadaver zankten. Naja, der Vergleich war vielleicht nicht ganz passend, aber so wirkte es nun mal. Hauptsächlich waren es jedenfalls nur Bachglanz und Sturmwelle, die von der Mehrheit angefaucht wurden, aber zurückkeiften als könnten sie mit purer... "Unfreundlichkeit" den Streit gewinnen. Ihnen gegenüber hatten sich Schulter an Schulter Knochenstern, Sprudelklippe, Meerpfaufeder und Kaltfeuer aufgebaut, wie eine undurchdringliche Mauer. Wobei die Mauer in diesem Fall durch unüberwindbare Unnachgiebigkeit ersetzt wurde. "Sie gehört zur Besatzung!", blaffte Sprudelklippe. Kaltfeuer nickte grimmig, aber zustimmend.
    "Außerdem fehlt ein wichtiger Teil der Mannschaft ohne sie!", ergänzte Meerpfaufeder. Er wirkte deutlich gezügelter als die Anderen; scheinbar konnte er sich denken, dass Froststurm allein durch ihre Argumente eine Entscheidung fällen würde. Und Argumente änderten sich nicht, durch die Art, wie sie vorgebracht wurden.
    Allerdings hielten Bachglanz und Sturmwelle dagegen, wie ein Kampf in dem die Gegner immer abwechselnd einen Zug ausführten.
    "So wichtig ist sie gar nicht!", zischte Bachglanz fast schon boshaft. Es wunderte ihn kein bisschen, dass sie sich dagegen sträubte, Krallenflug zur Hilfe zu eilen.
    "Und habt ihr mal darüber nachgedacht, wie gefährlich es sein wird, zu versuchen, sie zu retten!", schnauzte Sturmwelle weiter. Narbenhai wettete, dieser hatte schlicht keine Lust, das Risiko einzugehen, sich jetzt aber doch ganz schön in den Streit hineinsteigerte. Er selbst hatte eigentlich keine Meinung, wenn er der Diskussion zuhörte, spürte er nur die altbekannte Gleichgültigkeit sich in ihm rekeln. Wie, wenn eine Schlange gerade gefressen hat und ihr dann eine Maus vor die Nase hüpft. Beide Seiten hatten Recht; er würde einfach Froststurms Entscheidung akzeptieren.
    Dies wurde aber komplett über den Haufen geworfen, umgeschmissen und tatsächlich fühlte er sich einen Moment, als wäre er geohrfeigt worden.
    "Selbstverständlich helfen wir ihr! Was wären wir für ehrenlose Geschöpfe, täten wir es nicht!"
    Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen und sofort wusste er, dass er für die Rettung von Krallenflug war. Sie mussten ihr helfen! Es wäre feige, es nicht zu tun und sie im Stich zu lassen; zurückzulassen, wie eine Schildkröte ihren Panzer, wenn sie gestorben ist. Das wäre, als würde er seinen Stolz auf die Planke setzen und ins Meer stoßen, auf das er jämmerlich ertrank. Und das war schließlich das Einzige, was er noch hatte.
    Einen Moment huschten seine Augen zu Knochenstern.
    Ein Danke lag ihn auf der Zunge. Dafür, dass sie ihn vor diesem furchtbaren Fehler bewahrt hatte.
    Und Respekt. Gut gesprochen, Knochengesang, gut gesprochen.
    Kurz schweiften seine Gedanken trotzdem hinfort, als hätte sie der Ozen dorthin getrieben, hinfort zu seinen Wurfgefährten. Wut kochte in ihm hoch, überrannte ihn. Achilles hätte, ohne es zu wissen, seine eigenen Schwestern gefangen nehmen können! Narbenhai wusste zwar nicht, welche Katzen der SS Amazone entführt worden waren, doch es beruhigte ihn ungemein, das keine der Beschreibungen auf Perlenlicht oder Düsterriff passte.
    "Was meinst du?", wandte Froststurm das Wort an ihn, unterbrach seine Gedanken. Seine Stimme klang kühl und als er sprach, schwieg die Mannschaft. Er hatte es nicht laut gesagt, doch vielleicht deshalb hatten die Anderen ja inne gehalten. Narbenhai jedoch war der kalte Blick ziemlich egal. Er erwiderte, der Blick ebenso gesenkt in der Temperatur, ohne Zögern: "Ich denke, wir sollten Krallenflug befreien."
    Es war ein schlichter Satz, wie ein blankgeputzter Stein, den das Meer anschwemmte. Ohne eine Erklärung abzugeben; was interessierten sie seine Hintergründe?
    Der Dunkelgraue bewegte den massigen Kopf auf und ab, ein Nicken, doch es sah eher als spielte er mit dem Gedanken, seinen Kopf als Rammbock zu verwenden. Für was auch immer. Dann erhob Froststurm sich. "Wir werden Krallenflug helfen."
    Und ohne weitere Worte verschwand er in der Kajüte.
    Wieder kehrte Narbenhais Blick zu Knochenstern zurück, so, wie die Möwen immer wieder an ihre Brutplätze kamen. Sie wirkte zufrieden.

    Ihre Schwanzspitze zuckte; sie konnte sie nicht stillhalten. Unruhe erfüllte sie, machte sie rastlos und brachte ihre Glider, ihre Muskeln, dazu, es nach außen zu tragen. Sie konnte mit Mühe ihre Pfoten unter Kontrolle halten, doch ihre Schwanzspitze bewegte sich unablässig, regelmäßig, wie eine Möwe, die sich vom Meer tragen ließ; auf und ab. Sie war einzeln eingesperrt und sie hatte Angst. Um die Anderen. Nachdem sie versucht hatte, Schmutzstern zu helfen, hatte einer der Kater sie weggezerrt und dorthin gebracht, wo sie jetzt war. Als Reaktion auf ihre Gegenwehr, hatte er ihr mehrere harte Schläge versetzt. Bis auf die Tatsache, dass ihr alles wehtat, ging es ihr jedoch gut. Nur machte sie sich Gedanken. Sie wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit sie in vollkommener Dunkelheit hockte. Zudem war da Stille, so zwiespältig. Einerseits müsste sie die Schmerzensschreie der Anderen hören können, würden sie welche ausstoßen. Sie hörte aber nichts. Nicht mal das Rauschen des Meeres. Das ließ mehrere Schlüsse zu. Vielleicht schrien ihr Besatzungsgefährten wirklich nicht oder sie schrien, aber sie konnte es bloß nicht hören oder sie konnten nicht mehr schreien oder...
    Sie zwang sich, die Gedanken abzustellen; sonst würde sie noch hysterisch, wie ein Eichhörnchen mit Platzangst.
    "Na? Hast du dich etwas beruhigt?"
    Sie zuckte zusammen. Einer der Kater. Sie hörte seine Pfotenschritte näher kommen und knurrte leise, immer lauter, je näher er kam; weigerte sich aber, in seine Richtung zu schauen.
    "Entschuldige, dass ich dich vorhin so hart anfassen musste...", begann er leise und plötzlich, "Aber ich musste dich doch von da weg bringen! Wer weiß, was meine Crewgefährten mit dir gemacht hätten, wärst du dort geblieben!"
    Er... Er entschuldigt sich bei mir? Der, der mich eingesperrt und geschlagen hat!
    Sie versuchte ihre Überraschung zu überspielen, fauchte stattdessen wütend: "Ich kann auf mich aufpassen! Du hättest besser einer der anderen helfen können!", blaffte sie. Warum rede ich überhaupt mit ihm! Er ist der Feind!
    "Aber... Du erschienst mir am wichtigsten."
    Ich höre ihm einfach nicht zu, der redet doch nur Schwachsinn!
    Als sie nichts entgegnete, ließ er es so stehen; fragte stattdessen: "Wie heißt du?"
    Interessiert ihn doch sowieso nicht!
    Sie drehte ihm den Kopf zu und sah seine orangen Augen, die auf die plötzlich nicht mehr unangenehm, sondern warm wirkten. Doch ihr Maul blieb verschlossen. Nachdem er sie eine Weile angeschaut hatte, schweigend, erhob er sich wieder, der Blick traurig. Er wirkte wie ein geschlagener Hund, als er langsam abzog, ohne ein weiteres Wort zu sagen.
    Seltsamerweise erfüllten sie Schuldgefühle und schließlich rang sie sich was ab. Was macht es für einen Unterschied, wenn er meinen Namen jetzt kennt?
    "Ich heiße Korallenfell"
    Als er antwortete, hörte sie ein Lächeln in seiner Stimme. "Dein Name ist genauso schön wie du, Korallenfell"
    Ein Schauer überlief sie; die Art wie er ihren Namen aussprach, als wäre er etwas ganz besonderes.

    15
    "Ich hoffe, ihr wisst, wie gefährlich das ist..."
    Sie war selbst überrascht, wie egal ihr das Knurren von Nachtsturm war. Sie schenkte ihrer Kapitänin auch keine weitere Beachtung; sie hatten bereits diskutiert. Letztendlich war es tatsächlich ihre einzige Chance; egal ob Nachtsturm sich das eingestehen wollte oder nicht. Sie fühlte sich, wie eine Koordinatorin. Sofort musste sie wieder an Schmutzstern denken. Was die Oceanbarbians wohl mit ihr und den Anderen machten? Folterten sie sie? Quälten sie sie? Schmutzstern war nicht mehr die Jüngste und egal wie standhaft sie wirkte; ihre beste Zeit hatte sie schon hinter sich; insgeheim war sie wie ein Stein, der mit der Zeit brüchig geworden war. Sie mussten sich beeilen und sie retten! Doch hatten sie nur diese eine Chance. Wenn sie sie verspielten; leichtfertig; würden sie alle zu Sklavinnen und es gäbe niemanden mehr, der auch nur einem von ihnen helfen könnte; sie alle wären verloren. Wir schaffen das! Die Kater erwarten doch gar nicht, dass wir kämpfen werden! Sie tragen ihre Nasen so hoch, da regnet es rein; es ist leicht sie zu überraschen! Doch ehe sie ihre Gedanken vertiefen konnte, erschien in der Ferne eine Schiffssilhouette. "Hart Steuerbord!", rief sie. Nein, sie war weder die Koordinatorin noch die Kapitänin, aber die Besatzung gehorchte ihr. Lichttod schlug wortlos das Steuer um. Sie hatte ungefragt das Kommando übernommen, aber ebenso würde sie es wieder abgeben sobald die richtigen Katzen bereit waren, die Kontrolle an sich zu nehmen.
    Der seidige, weiße Pelz von Perlenlicht erschien neben ihr. "Wie willst du ihnen zeigen, dass wir in Frieden kommen?"
    Einen Moment schwieg sie; daran hatte sie nicht gedacht. Was würde Schmutzstern tun? "Perlenlicht, hol die Flaggen". "Wie du willst, Seetanz...", erwiderte die Heilerin nach kurzem Zögern, verschwand dann aber wieder.
    Kurz darauf hörte sie ein Kratzen, dass von einer groben Holzkiste stammte, die über das Deck geschoben wurde. Darin waren viele, farbenfrohe Stofffetzen. Seetanz spürte mehrere Augen auf sich ruhen, während sie die Flaggen musterte und versuchte, sich zu erinnern; umso größer war ihre Verlegenheit, als sie es nicht schaffte. "Lass mich mal...", murmelte eine leise, feine Stimme. Düsterriff schob sich an ihr vorbei. "Was willst du ausdrücken?", kam schüchternd die Frage von ihr. "Du kannst das Flaggenalphabet?". Seetanz war fast sicher, dass Düsterriff sich beleidigt zurückziehen würde, doch sie nickte nur ausdruckslos. Sie überlegte. Es musste kurz, aber aussagekräftig sein. "Weiße Fahne, mit Ss?", schlug Rostnase vor. Erst wollte sie fauchen, das sei nicht lustig, doch nach kurzem Nachdenken gefiel ihr die Idee. Weiße Flagge drückte aus, dass sie nur in Frieden kamen. Jegliche Erklärungen würden sowieso später folgen müssen. Sie nickte: "Schreib das." Schweigend reihte Düsterriff nacheinander vielfarbige Flaggen aneinander.
    "Fertig", sagte sie nach einer Weile, in der alle sie beobachtet hatten. Ihr Nackenfell war nervös gesträubt, während ihr Rückenfell eher aus Unbehagen von ihrem schmalen Rücken abstand. Wellenhai wurde die Ehre zu Teil, am Mast hochzuklettern und die Flaggen aufzuhängen.
    Währenddessen nahmen sie wieder Kurs auf den Dreimaster; hoffnungsvoll.
    Auch ohne Nachtsturms erneutes Gebrummel war sich Seetanz des Risikos eines Angriffes bewusst, doch wie ein Mantra wiederholte sie immer wieder: Sie sind unsere einzige Chance; ohne sie haben wir sowieso keine Möglichkeit, die anderen SS Amazonen zu befreien.
    Sie sind unsere einzige Chance; ohne sie haben wir sowieso keine Möglichkeit, die anderen SS Amazonen zu befreien.
    Sie sind unsere einzige Chance; ohne sie haben wir sowieso keine Möglichkeit, die anderen SS Amazonen zu befreien!



    Die Prophezeiung... Sie ist seltsam; ich verstehe sie nicht, aber sie warnt uns wahrscheinlich vor großer Gefahr... Was könnte das nur sein? Ein Seeungeheuer? Sie schüttelte den Kopf. Nachdenken bis dieser platzte, würde auch nicht nützen. Sie mussten einfach darauf vertrauen, dass sie die Prophezeiung richtig verstanden. Und dass sie zum Ende der Welt mussten, um auf ewig die Freiheit zu gewinnen! Ich dachte, als Matrose bin ich frei, wie der Wind... ich habe mich wohl getäuscht...
    "Silberteich!"
    Sie zuckte zusammen, wie ein Kaninchen, wenn es seinen Jäger bemerkte.
    "Steh da nicht so nutzlos rum! Das Deck muss geschrubbt; die Segel geflickt; Fische gefangen; die Kanonen geputzt werden!"
    Sie senkte den Kopf und machte sich gehorsam daran, einen Haufen frische Fische auszunehmen, ohne zu Delfinsturm aufzusehen. Sorgfältig schlitzte sie ihre Beute auf, entfernte die Innereien und widerstand dem Knurren ihres Bauches, dass ihr einflüsterte, diese zu verschlingen; der egoistische Teil in ihr. Doch sie ignorierte das Ziehen in ihrem Magen und stappelte die Fischgedärme zu einem Haufen. Das würde heute das Essen für die Crew; der Rest der Fische würde in Salz gewälzt, damit er nicht schimmelte. Man konnte nie wissen, ob sie immer Fische fangen konnten, weshalb es wichtig war, einen Vorrat zu haben. Und in Salz gewendet waren sie schier endlos haltbar. Als würde der Fisch durch das Salz zu Steinen. Durch das Salz und reichlich Sonne.
    Die Arbeit half ihr tatsächlich, die Gedanken abzustellen, denn sie musste alle Konzentration darauf verwenden, nicht die Därme der Fische zu zerkratzen und damit freizulegen, was diese so gegessen hatten. Als sie mehr oder weniger fertig war, kümmerte sie sich darum, ihren Arbeitsplatz wieder zu säubern. Überbringen unsere Ahnen den anderen Schiffen und ihren Besatzungen denn auch die Prophezeiung? Wie aus dem Nichts tauchte dieser Gedanke in ihr auf und saugte sich in ihrem Gehirn fest, mit den hartnäckigen Saugnäpfen eines Krakens. Was, wenn nur sie von der Prophezeiung wussten? Falls ja, waren die anderen Crews in noch größerer Gefahr als sie; sie konnten ja nicht wissen, dass sie ans Ende der Welt segeln mussten! Sie sprang auf.
    "Delfinsturm!", rief sie.
    Ein Knurren antwortete ihr. Die Kapitänin saß mit Nordstern über eine Karte gebeugt und schien mit ihm zu beratschlagen. Worüber wohl?
    Ihre Pfoten rutschten auf dem feuchten Deck aus und unsaft machte sie Bekanntschaft mit dem Holz, dass etwas faulig roch; wie ein echtes Schiff eben. Ein leichter Schmerz zog durch ihren Kiefer, doch sie rappelte sich wieder auf. Sie fiel oft genug hin und hatte schon ausreichend Prellungen gehabt, um sich daran zu gewöhnen. Als sie vor den zwei grauen Latzen stand, sah sie, dass die zwei ihre Pfoten auf den Rändern der Karte hatten.
    Dort vermuteten sie das Ende der Welt?
    Dort, wo sie unter den Zehenspitzen von Nordstern den Schriftzug Charybde vermutete?

    16
    "Eins eurer Besatzungsmitglieder befindet sich doch ebenfalls in Gefangenschaft!"
    Allerdings...
    "Ja", antwortete Froststurm mit einem finsteren Blick.
    "Wenn wir uns vereinen, können wir sie alle befreien!"
    "Mit dem Unterschied, dass wir es auch allein können" Der graue Kater sprach spöttisch, verachtend gegenüber der langhaarigen Schwarzen. Diese ließ ihre stolze Fassade fallen und setzte einen etwas flehenden Blick auf; erkennbar die Verzweiflung, ihr Ziel nicht zu erreichen. Froststurms Schnurrhaare zuckten. Er beugte sich vor und hauchte der Kätzin etwas ins Ohr, was Sturmwelle von hier nicht verstehen konnte. Eigentlich interessierte es ihn auch nicht; er vertraute Froststurm, dass dieser nicht auf die Amazonen eingehen würde. Er legte sein Fell wieder an; sie waren zwar nicht vertrauenserweckend, aber definitiv auch nicht gefährlich. Die Kapitänin, deren Name er sich nicht die Mühe gemacht hatte zu behalten, zuckte leicht zusammen, als Froststurm ihr so nah kam und seine Worte lösten Spannung in ihr aus. Als wenn sie sich mit den Kätzinnen verbündeten! Mit einem Haufen Weiber, der sich nicht gegen ein paar Barbaren verteidigen konnte, obwohl sie in der Überzahl waren! Mit ein paar Katzen, die die weiße Flagge schwenkten, um hier vor ihnen zu kriechen und Hilfe zu erbitten. Sie wollten ihre verlorenen Crewmitglieder retten? Das wollten sie auch, korrekt. Zumindest die Mehrheit will Krallenflug retten... Allerdings wären sie auch allein stark genug, um das zu bewerkstelligen; die Fightheard war es nicht. Aber er sah nicht ein, ihnen deshalb zu helfen; es war schließlich ihr Problem! Warum den Kopf für diese Feiglinge herhalten? Das war, als würde ein mörderischer Hai sich mit weichlichen Delfinen zusammentun um einen Fischschwarm zu jagen, den er locker ganz selbst verschlingen könnte. Obwohl... Delfine sind wenigstens schlau und gar nicht so schwach; eben nicht wie die SS Amazonen...
    Er wollte lachen über die Dummheit, diese unendliche Gutgläubigkeit der Kätzinnen. Sie waren doch alle gleich; naiv, schwächlich! Anders wäre Krallenflug nie in Gefangenschaft geraten. Knochenstern und Bachglanz hatten lediglich Glück gehabt, nicht auf dem Schiff der Kätzinnenmannschaft gewesen zu sein, als diese überfallen wurden. Als er wieder aufsah; seinen Gedankengang beendete, war er überrascht. In letzter Zeit wurde er oft überrascht, wie eine Möwe, die plötzlich als Freiwild gilt.
    Sein Kapitän stand halb vor, halb neben der dünnen schwarzen Kapitänin, sodass ihre Schultern sich berührten. Froststurm war nicht der größte, aber er überragte die Kätzin locker. Er sah sein Profil und eigentlich müsste er auch das ihre sehen, doch statt nach vorne zu sehen, betrachtete sie Froststurm. Vermutete er jedenfalls, den er konnte sich nur ihren Hinterkopf ansehen und die Federn, die hinter ihrem linken Ohr in das Fell geflochten waren. Mit gefühlloser, kühler, aber bestimmter Stimme begann Froststurm das Ritual. Die Mitglieder der verschiedenen Crews standen schweigend um sie her und beobachteten, wie die zwei einen Eid leisteten.
    "Ich, Froststurm, Kapitän der Bonecrusher, gelobe der Crew Fightheard, die überfallen wurden, zu helfen, ihre entführten Besatzungsmitglieder zu retten. Ich gelobe, meine Mannschaft Seite an Seite mit ihnen zu führen, in den Kampf, der unsere beiden Gefangenen zu befreien gedenkt". Er wendete den Blick, die dunklen, grünen Augen zu der Schwarzen.
    Ihre Stimme klang fest, doch er hatte das winzige Zittern ihres Körpers bemerkt, als sie sprach: "Ich, Nachtsturm, Kapitänin der SS Amazone, der Fightheard, schwöre, meine Crew Seite an Seite mit den Bonecrushern in den Kampf zu führen, der unserer beider Gefangenen zu befreien gedenkt. Ich schwöre, mich und meine Mannschaft in ihre Schuld zu stellen und eines Tages die Güte dieses Gefallens zurückzugeben, doch auf ewig ihre Geste in Erinnerung zu behalten."
    Darum soll es gehen? Naja, immerhin ist Froststurm ist nicht dumm. Wir werden so oder so Krallenflug befreien, warum die anderen nicht? So stehen die Amazonen in unserer Schuld und selbst, wenn sie wieder vereint sind, gefährlich werden können sie uns sowieso nicht... Er meinte, ein diabolisches Grinsen auf Froststurms Gesicht aufblitzen zu sehen, einen winzigen Moment, ehe er den unbrechbaren Schwur gemeinsam mit Nachtsturm zu vollenden.
    "Wir geloben bei unseren Leben uns an unseren Schwur zu halten".
    Froststurm drehte den massigen Kopf, legte seine schweren Kiefer über den Nacken von Nachtsturm. Sturmwelle konnte diese zusammenzucken und sich anspannen sehen, als sie das selbe bei dem Dunkelgrauen tat. Zaghaft zwickte sie in sein Nackenfell bis ein paar Tropfen Blut sichtbar wurden, die sie flink aufleckte. Froststurm war deutlich weniger zimperlich, versenkte die Reißzähne in ihrem Genick bis nicht zu wenig Blut hervorsprudelte, das er sichtlich genüsslich trank, ehe er sich nach einer Weile mit blutverschmierter Schnauze wieder abwandte. Die SS Amazonen Kapitänin wirkte jämmerlich, wie sie mit einer frischen Wunde da stand, wie vestellt und nicht abgeholt.
    "Ihr steht in unserer Schuld.", wiederholte Froststurm finster, dann ohne Weiteres verschwand er in der Kajüte. Nachtsturm straffte sich, befahl ihrer Crew mit einem Kopfnicken zu ihrem Schiff zurückzukehren und schüttelte ihre Schiffsheilerin ab. Sturmwelle war sich nicht ganz sicher, was er von dem ganzen halten wollte. Doch als er den Blick schweifen ließ, sah er Sprudelklippe abwesend in die Ferne starren. Außerdem bewegte sich ein glänzender, schwarzer Pelz auf ihn zu, Bachglanz mit zornigem Gesicht, dass ihre eigentlich ganz hübschen Züge entstellte. Sturmwelle verspürte weder das Bedürfnis, Gift zu versprühen, noch Bachglanz klar zu machen, nur, dass weil sie einmal einer Meinung gewesen waren, sie keine Freunde oder so waren. Also erklam er einfach den Mast, verzog sich auf den Ausguck. Eine Frage hatte ihn stutuig werden lassen: Warum ging Froststurm den unbrechbaren Schwur ein? War es der Schuld wegen?

    "Wie heißt du überhaupt?". Sie klang plötzlich so sanft; kein bisschen ängstlich, wütend oder sonst eine Emotion, die Gefangene anfangs an den Tag legten. Wenn sie nur wüsste... Er verkniff sich ein Grisen und flüsterte mit rauer Stimme "Achilles" in ihr Ohr. Als sein Atem ihr Ohr streifte, spürte er den Schauder, der sie überlief. Er rückte etwas näher an sie heran, bis er ihr weiches Fell an seinem spürte. Er wusste, wie temperamentvoll sie sein konnte, trotz ihrer jungen Jahren, eindeutig an dem Tag sichtbar, als sie gemeinsam auf dem Deck gewesen waren. Doch jetzt war sie so still, zärtlich. Er musste ein teuflisches Lachen unterdrücken. Kätzinnen waren so durchschaubar, so berechenbar, so einfach gestrickt. Mach ihnen ein paar Komplimente und ihre Herzen fliegen dir zu. Er hatte sie gebändigt, ihre Wut gezähmt und etwas in ihr geweckt, dass sie an ihn band. Er wusste es; dies war nicht das erste Mal. Er drückte sich noch fester an sie, leckt ihr über die Ohren. So nah ließ sie ihn an sich heran, zu nah, gefährlich nah für sie; schon nach so kurzer Zeit hatte er ihre Liebe gewonnen. Er hauchte: "Ich liebe dich". Sie hielt inne, ihr Atem stockte; auß der Fassung. "W-Wirklich?", wisperte sie leise, ungläubig; die Augen groß wie smaragdgrüne Vollmonde. Statt zu antworten presste er seine Nase an ihre.
    "Ich.. Ich dich auch", schnurrte sie kaum hörbar.
    Sie gehörte schon mal ihm. Er löste sich von ihr, schaute ihr einen Moment tief in die Augen, versuchte so aufrichtig wie möglich zu wirken und holte Luft. Dann aber zuckte er mit einem Ohr, erhob sich scheinbar widerwillig. "Die anderen rufen nach mir", seufzte er. Sie riefen ihn nicht, aber er hatte keine Lust mehr, sie weiter einzugarnen. Sie war jetzt seins. Sie sah ihn traurig nach, während er die Zelle verließ. Ebenso erbärmlich wie alle ihre Vorgängerinnen... Er dachte an alle Kätzinnen, denen er die magischen drei Worte zugeflüstert hatte. Doch es waren zu viele, als das er sich an jede einzelnde erinnern könnte.
    Er kam an der Zelle von Schmutzstern vorbei. An ihr hegte er nicht das geringste Interesse. Bei ihr hatte er sich nie die Mühe gemacht, sich einzuschleimen; sie war sowieso keine, die den Katern sofort auf den Leim ging; deshalb hatte er sich stets genommen was er wollte. Auch jetzt war sie nicht allein, Sündenstern war dort. Als er weiterging, sah er aus den Augenwinkeln die Cremefarbene. Sie saß scheinbar entspannt in der Mitte ihrer Zelle, von jeder Wand gleichweit entfernt. Als würde sie trotz ihrer gelösten Haltung insgeheim alle vier Wände verdächtigen, sie zerquetschen zu wollen. Sie schaute ihn unverwandt mit den glänzenden Augen an, doch auch bei ihr verspürte er nicht die geringste Lust, einen Versuch zu starten. Sie gehörte auch eher zu der Sorte, die nicht ihr Herz hinter jedem X-Beliebigem herwarf. Blieb nur noch die andere Graue. Als er sie musterte, presste sie ihre Kiefer aufeinander. Sie trug Wunden, frische Wunden. Eigentlich mochte er ja kleine Kätzinnen mit schwarzem Fell, ähnlich wie Nachtsturm, doch sie war auch nicht schlecht. Er betrat ihre Zelle. Sie schien bereits zu wissen, was er wollte; sie hatte es schon erfahren, was die Kater von ihr forderten, doch sie tat nichts dagegen, nur ein dunkler Schleier überhüllte ihre Augen. Sie ist eine Kätzin; es ist ihr Schicksal, dem Kater seine Wünsche zu erfüllen! Er lachte leise, böse, wie pure Finsternis, die aus seinen Lungen strömte. Sie war nicht ängstlich, aber sie würde sich nicht gegen ihn wehren.

    17
    Ihr Blick war eisig, selbstgefällig, verächtlich.
    "Wie geht's unserer dreckigen Herrscherin, Schmutzstern?"
    An ihrer geraden Haltung änderte sich nichts, nur eine Spur Spott trat in ihre Augen.
    "Na? Haben sie dir die Zunge rausgerissen? Oder reicht es einmal dein vernarbtes Maul zu stopfen um deinen Stolz zu brechen?", giftete er weiter. Sie hielt ihr Kinn weiter hoch erhoben, arrogant. Mal sehen, wie zäh sie wirklich ist... "Große Töne kannst du spucken, aber hinter deiner großen Klappe steckt nichts, du räudiger Flohpelz!". Ihr Blick wurde härter. Oh, sieh an...
    "Erst meinen, Gewitterschatten ärgern zu können, obwohl selbst ein Windhauch dich altes Klappergestell umwerfen könnte!" Er wusste selbst, dass das nicht stimmte. Schmutzstern war zwar nicht mehr jung, aber ihre Muskeln zeichneten sich stark und frisch unter dem graubraunen Fell ab und trotz der zahlreichen Narben, konnte er die eingeschüchterte, niedliche, kleine Kätzin noch in ihr sehen. Mittlerweile war sie alles andere als schüchtern. Damals war sie ihm zu kindlich gewesen, aber jetzt war es, als wäre sie endlich erwachsen, selbstbewusst, erhaben geworden.
    "Du bist feige! Du hast aufgegeben! Du hast deine Mannschaft im Stich gelassen!"
    Plötzlich wurde die eisige Überlegenheit in ihrem Blick zu kochender Wut. Sie sah mindestens doppelt so groß und muskulös aus als sich ihr Fell sträubte und sie aufsprang. Er war tatsächlich überrascht von der Schnelligkeit mit der sie ihn umwarf, zu Boden presste und ihn mit glühenden Augen anfauchte: "Halt du doch die Schnauze! Was weißt du schon? Gar nichts!" Er spürte ihre dornenscharfen Krallen, die sich tief in sein Fleisch bohrten, ihn festhielten. Und er sah ihre schmutzig gelben Augen, die vor Zorn viel heller geworden waren und wie kleine Sonnen auf Erden funkelten. Einen Moment wirkte sie, als würde sie ihm den Kopf abreißen wollen, dann aber erloschen ihre Augen wieder und sie ließ ihn los. Sie wandte sich ab, ihm den Rücken zu, und sagte kalt: "Lass mich jetzt allein."
    Für einen Moment geriet er aus der Fassung; die Bestimmtheit; die Gewissheit, dass er gehorchen würde, in ihrer Stimme, ließ ihn genau das tun.
    Er war fasziniert. Egal, wie sie sich eben aufgeführt hatte, er hatte das Kommando gehabt. Doch sie hatte einfach den Spieß umgedreht und ihm befohlen, was er tun sollte. Nein, sie war definitiv nicht mehr die, die sie mal gewesen war; als sie hier gewesen war. Doch bereits jetzt schmiedete sich in seinem Kopf der Plan, wie er sie foltern würde. So viel Frechheit verdiente es nicht anders!

    Seine Schwanzspitze zuckte so als wäre sie eine Fahne im Wind. Sie beobachtete ihn und überlegte, worüber er wohl nachgrübelte. Denn, ansonsten arbeiteten alle Katzen; keine saß hier sonst rum und starrte Löcher in die Luft. Er zuckte zusammen, als sie wie ein Geist hinter ihm auftauchte. "Hab ich dich beim Nachdenken gestört?" Als er seine Augen ihr zuwandte, zog gerade erst der abwesende Schleier davon, der eindeutig belegte, dass er tief in Gedanken gewesen war. Er nickte.
    "Das tut mir leid, Schaumwelle". Es tat ihr wirklich leid; sie selbst hasste es, beim Denken gestört zu werden, auch wenn dieses Risiko nicht oft bestand. Doch man verlor so schnell den Faden und musste alles noch einmal denken, wobei man schnell nicht mehr hinterher kam. Schaumwelle zuckte dir Schultern: "Ich sollte eh besser arbeiten..". Damit erhob er sich und begann eins der Fischernetze auszuwerfen. Sie trabte ihm hinterher. "Worüber hast du nachgedacht?" Irgendwie interessierten sie momentan jegliche Gedanken ihrer Crewgefährten. Ob sie Angst hatten, vor der Prophezeiung; davor, den anderen Besatzungen diese mitzuteilen. "Über die Prophezeiung...", bestätigte er ihre Vermutungen, während er zusah, wie die Netze immer tiefer ins Meer sanken. Der leichte Wind, der die Stormbreaker gemächlich vorwärts trieb, strich durch ihre beiden Pelze; er trug ihre Worte zueinander, sodass sie sich nicht anschreien mussten, wie es oft der Fall war. Sie überlegte, was genau sie aus seinen Worten schließen sollte. Er hatte nicht ängstlich, glücklich oder sonst einer Emotion nach geklungen. Einfach nur nachdenklich, als müsste er sich selbst noch ein Bild davon machen; seine eigene Meinung noch als heißes Eisen auf dem Amboss, bereit, in Form gebracht zu werden. Es lag ihr auf der Zunge, ihm Mut zuzusprechen; wahrscheinlich versuchte er nur zu verbergen, dass er sich fürchtete; doch er kam ihr zuvor: "Was denkst du darüber?"
    "Ich freue mich natürlich! Du spürst doch sicher auch, dass eine Gefahr auf uns zukommt! Und unsere Ahnen wollen uns beschützen und sagen uns, wie wir uns retten können!" Es war so, als hätte jemand in ihr drinnen eine Kerze angezündet. Oder, nein, die Kerze war schon da, seit dem sie die Prophezeiung wusste, aber jetzt, als sie sprach, leuchtete sie heller, wärmer. Zuversicht, Vertrauen auf das Meer der tausend Seelen erfüllte sie. "Und du?". Sie begegnete seinem Blick und erschrak fast über die Kälte in seinem Blick, die Sorgen, die seine Augen dunkel werden ließen. "Ich sehe das nicht so...". Ehe er weiterredete, senkte er die Augen wieder auf die friedliche See, die als würde sie schnarchen, regelmäßige, kleine Wellen schlugen. "Ich glaube nicht an die Prophezeiung". Sie öffnete den Mund um zu protestieren, doch er ließ ihr keine Chance dazu. "Überleg doch mal, Möwenfeder! Sie sagt 'Schatz der Freiheit gewinnen'. Sind wir denn nicht schon frei? Wir können die ganze Welt besegeln; wir können selbst entscheiden wo wir sind und wie lange. Wir können wählen, ob wir an Land oder auf dem Wasser leben wollen. Wie könnten wir freier sein?" Das gab ihr zu denken. Aber sie war nicht bereit, an ihren Ahnen zu zweifeln! "Überleg du doch mal! Das ist eben das große Mysterium! Wir wissen nicht, was uns fehlt, aber unsere Ahnen! Sie wollen doch nur unser Bestes; wir müssen ihnen vertrauen! Letztendlich wissen wir nur, was wir wissen. Wir wissen nicht, was wir nicht wissen! Vielleicht sind wir ja gefangen! Vielleicht könnten wir auch im Himmel leben, wenn wir wirklich frei sind!" Schaumwelle schüttelte den Kopf. Elender Sturkopf! Warum will er das nicht wahrhaben? Wir können der Prophezeiung trauen! Wieso auch nicht? Er denkt bloß zu viel nach.
    "Möwenfeder, bitte, versuch doch auch mal meine Denkweise zu verstehen!" Sie spürte, wie ihr Temperament zu knurren und sich zu winden begann, aber sie zwang sich, nur gleichgültig die Ohren zu spitzen und mit höflichem Interesse zu lauschen. "Warum kam die Prophezeiung, als Seelenlicht fast ertrunken wäre? Warum bei so einem schlimmen Ereignis? Warum nicht, wie viele andere, als sie schlief? Warum hat nicht Meeresschaum sie bekommen? Sie ist doch unsere Priesterin, nicht? Warum sollen wir an das Ende der Welt fahren um dort den Schatz der Freiheit zu gewinnen? Es heißt doch nicht umsonst Ende der Welt! Und vor allem: Warum habe ich nur das Gefühl, das wir in Gefahr sind, seit wir die Prophezeiung haben?"
    Das war genug!
    "Sei doch still! Was bist du nur für eine ungläubige, untreue Seele! Glaubst du nicht, dass unsere Ahnen auf unserer Seite stehen? Oder willst du bloß Zweifel in der Besatzung säen? Wie lange fährst du schon auf der Stormbreaker mit, mit dieser Mannschaft, dass du uns nicht die Freiheit gönnst!". Sie klang wesentlich zorniger, hitziger als beabsichtigt; Temperament hin, Wut auf Schaumwelle her.
    "Was schreist du denn Schaumwelle so an?", zischte eine Katze. Wasserglanz war neben ihm aufgetaucht und funkelte Möwenfeder an. "Wir sind doch eine Crew, wir sollten zusammenhalten!"
    Der hasserfüllte Blick von Wasserglanz' Seiten sprach allerdings eine ganz eigene Sprache.
    Möwenfeder zog die Lefzen hoch. "Genau! Steh' noch zu ihm, dem Verräter!"
    Die graue Kätzin schob sich an dem Kater vorbei und blaffte: "Er ist kein Verräter!"
    Sie war in diesem Moment so unglaublich wütend, dass es ist egal war, dass Schaumwelle sich zwischen sie schob und versuchte, zu beruhigen. Am liebsten hätte sie Wasserglanz' Nase zerkratzt und die von Schaumwelle gleich mit! Doch stattdessen blaffte sie: "Alles Verräter hier! Sucht euch eine eigene Crew; Untreue Matrosen braucht die Stormbreaker nicht!"
    Ohne weiteres wirbelte sie herum und wäre fast gegen Delfinsturm gerempelt. Diese fragte zwar, was los sei, aber Möwenfeder rauschte wortlos davon. Sie hörte Schaumwelle Wasserglanz anfahren, was das denn gewesen sei und hörte diese leise irgendetwas antworten, doch genau konnte sie sie nicht mehr verstehen. Es interessierte sie sowieso nicht. Auch der Anblick von Krakenzahn und Meeresschaum die nebeneinander das Deck schrubbten und sich dabei immer wieder verliebte Blicke zuwarfen, machte nichts besser.
    Warum können sie denn nichts verstehen! Unsere Ahnen würden uns niemals belügen! Und was hätten wir denn ohne sie noch? Nichts!

    18
    Angst
    Furcht
    Panik schieben
    Verzweiflung
    Spüren wie der eigene Widerstand bricht
    Sich klein machen
    Nicht existent sein wollen
    Schwach sein, noch schwächer werden
    Gehorsam
    Schweigen

    Tausend Möglichkeiten, zu beschreiben, was in ihr vorging.

    Hoffnungslosigkeit
    Zittern
    Schlottern
    Sich zurückziehen
    Den Blick gesenkt halten
    Augen aufreißen
    Den Schwanz einziehen
    Sich verstecken

    Alles geboren aus Angst.

    Und sie hatte Angst, oh ja. Ihres Trotzes halber hielt sie die Maske aufrecht, die Fassade. Ihr Inneres wurde geflutet von Angst, die sie ins Bodenlose riss; heißer, kochender Furcht, die sie verzehrte.
    Jederzeit könnte einer von ihnen wiederkommen. Allein der Gedanke daran, wie sich einer von ihnen ihr näherte, sie bedrängte, brachte sie dazu den Kopf einzuziehen. Sie war froh, dass Deck schrubben zu dürfen; froh, dass sie Korallenfell und Schmutzstern sehen konnte; ebenfalls am Arbeiten. Ihre Felle waren noch unversehrt; Korallenfells glatt wie die Haut eines Fisches und Schmutzsterns struppig, wie immer. Einen Moment wurde die Angst in ihr von Erleichterung verdrängt. Das grüne und das bernsteinfarbene Augenpaar der zwei anderen musterten sie besorgt, doch sie war nur erleichtert. Die zwei waren noch nicht zurückgedrängt worden, geschlagen. Sie hatten noch nicht Panik gespürt, wenn das Gewicht eines Katers ihnen jede Chance nahm, zu atmen. Sie waren noch nicht aus einer unendlichen Schwärze aufgewacht, in einer gewaltigen Blutlache.
    Die Weiße war ebenfalls unversehrt, makellos wie eine frische Blüte. Sie sah zwar erwachsen aus, aber Dunkelmond war sicher, dass sie nicht viel älter als Korallenfell sein konnte. Sie konzentrierte sich wieder darauf, die Planken zu säubern und ihren Kopf zu leeren. Sie schloss einen Moment die Augen, als der Wind von der Seite heranwehte, wie als wenn sie sich so erhoffen, dass er die Gedanken aus ihrem Schädel blies.
    Ihr fiel auf, dass Korallenfell nicht ganz bei der Sache war. Was sie wohl mit ihr anstellen? Vielleicht muss sie noch schlimmeres als ich erdulden... Ihr wurde schlecht bei dem Gedanken. Was könnte noch übler sein, als das, was die Kater mit ihr anstellten? Die grünen Augen wanderten immer wieder davon, zu einem schwarzen Kater, der zwischen den restlichen Besatzungsmitgliedern der Oceanbarbians saß und laut sprach. Der große braune Kater mit der silbergrauen Tigerung, sie ordnete ihm den Namen Gewitterschatten zu, befand sich nicht weit von dem Schwarzen weg. Doch auch er war beschäftigt. Nämlich damit, Schmutzstern anzustarren. Er guckt sie an, als wäre sie sein Abendessen... Vielleicht wurde Schmutzstern ja genau wie sie behandelt? Nur ihr ohnehin üppig mit Narben geschmückter Körper, ließ die neuen Narben zwischen den älteren verschwinden? Zusammen mit dem zotteligen Fell? Sorge kam wie Galle in ihr hoch. Bitte, mach, dass sie besser behandelt werden!, flehte sie in Gedanken. Es wäre furchtbar und nicht das letzte Bisschen Hoffnung wäre noch unter den gefangenen Amazonen.
    "Land in Sicht!", ertönte die harte Stimme einer ihrer Widersachern, ihrer Quäler. Sie hob den Kopf, versucht über die Reling zu erspähen, was verkündet worden war. Doch einer der Kater versetzte ihr einen harten Schlag in die Rippen. "Was gibt's denn da zu glotzen?", zischte er und trabte zur Reling, ohne auf eine Antwort zu warten. Die auch nicht kam. Stumm setzte Dunkelmond ihre Arbeit fort, wagte nicht mehr, den Blick von Holz zu heben. Der Schlag hatte einige empfindliche Wunden getroffen und der Schmerz ihr kurzzeitig die Luft geraubt. Es kostete sie jegliche Willenskraft, sich nicht zu ducken und sich nicht die Angst in ihr anmerken zu lassen, den Schmerz. Sie spürte etwas Blut aus den Wunden sickern, die soeben aufgeplatzt waren. "Die Sklavinnen unter Deck!", brüllte der Kapitän, Schwarzsturm, rau. Ohne auf eine weitere Aufforderung zu warten, huschte Dunkelmond zu der Luke, die sie zu ihrer Zelle führen würde. Die Weiße drängte an ihr vorbei und einen Moment konnte Dunkelmond ihr Gesicht sehen. Ein zufriedenes Grinsen war darauf, doch ehe sie sich sicher sein konnte, war dieses Bild schon wieder weg. Korallenfell und Schmutzstern folgten ihr, in den Bauch des Schiffes, zu den Kerkern, wie manch eine Landratte sagen würde. Ja, die Schiffskerker. "Bewegt euch!", blaffte eine unangenehme Stimme. Dunkelmond konnte sie nicht ganz zuordnen, wohl aber die Krallen, die über ihre Ohren fuhren. Tigerhaikralle. Sie beschleunigte ihre Schritte, auch wenn ihre Pfoten schmerzten und ihre Knochen sich dagegen stemmten.
    Wie lange werden wir das noch ertragen müssen, bis wir befreit werden?
    ...
    Versucht unsere Mannschaft überhaupt, uns zu befreien?


    "We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing

    We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing

    Everyone can see we're together
    As we walk on by
    (And!) and we fly just like birds of a feather
    I won't tell no lie
    (All!) all of the people around us they say
    Can they be that close
    Just let me state for the record
    We're giving love in a family dose

    We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing

    We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing

    Living life is fun and we've just begun
    To get our share of the world's delights
    (High!) high hopes we have for the future
    And our goal's in sight
    (We!) no we don't get depressed
    Here's what we call our golden rule
    Have faith in you and the things you do
    You won't go wrong
    This is our family jewel

    We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing

    We are family
    I got all my sisters with me
    We are family
    Get up everybody and sing"

    Die Musik tat ihr gut. Sie klang so fröhlich und unbeschwert, als hätte sie keine Sorgen. Natürlich war dem nicht so. Wieder, schon wieder, erneut, wanderten ihre Gedanken zu ihren Eltern. Sie konnte sich nicht mehr so recht erinnern. Sie erinnerte sich an die Stimme ihrer Mutter, sanft, voller Sorge. Das nächste, was sie noch wusste, waren, dass sie bei fremden Katzen gewesen war. Doch nicht warum. Hatte ihre Mutter sie nicht gewollt? Hatte sie sie nicht geliebt? War sie ein verstoßenes, unerwünschtes Junge? Sollte sie tot sein? Hatte sie Geschwister? Das Ziehen in ihrer Brust wurde stärker, wenn sie sich diese Fragen stellte. Fragen, die sie schon so lange quälten. Sie bewegte ihre Pfoten vorwärts, automatisch trugen sie sie weg vom Wald, wo die Affen hausten. Sie mochte die Affen, sie hatten ihr des Öfteren geholfen, aber es schmerzte sie, ihre Familie zu sehen. Dann erblickte sie den Strand vor sich. Der Sand unter ihren Pfoten war weich und rau zu gleichen Teilen. Wie die Zunge einer Mutter, die ihr Junges putzt. Sie trabte los, hüpfte über stinkende Quallenkadaver, morsches Treibholz, schleimige Algen. Gelegentlich spürte sie die scharfen Kanten von Muscheln, wenn diese sich in ihre Ballen bohrten. Der Wind wehte vom Meer her, duftete salzig nach Freiheit. Nach einer Weile, die ihr wie wenige Herzschläge vorkam, sah sie ihre Pfotenspuren vor sich. Ja, sie war hier gefangen. Auf einer kleinen Insel, mitten im Ozean. Sie setzte sich, dem Meer zugewandt, in den Sand. Der Wind wirbelte diesen auf, ließ ihn wie kleine Orkane den Strand entlangtanzen. Sie spürte den Sand, wie er sich in ihrem Fell verhedderte und sie wusste, dass er später wie Flöhe jucken würde. Doch hier und jetzt war ihr das egal. Die Wellen fluteten an den Strand, wirkten grau, wie der Himmel. Dann erblickte sie einen dunkleren Fleck in der Ferne. Was sollte das sein? Sie erlaubte sich nicht die Hoffnung, dass es ein Schiff sein könnte. Natürlich, sie kam hier zu Recht und lebte ganz okay. Sie hatte sich mit den Affen, den Schmetterlingen und den Fröschen angefreundet. Aber es gab hier keine anderen Katzen, sie war trotz ihrer Gesellschaft allein.
    Doch, zweifelsohne, es musste ein Schiff sein! Oder ein Meeresungeheuer, nichts Anderes war dergleichen groß. Es kam schnell näher, das Ding, als würde es mit dem Wind zu ihr geweht. Wie elektrisiert sprang sie auf. Das Schiff hielt Kurs auf den kleinen Pier, den die Insel besaß. Er sah leicht verfallen aus, unstabil aus Holz zusammengesetzt, aber offenbar konnte ein derart riesiges Schiff dort anlegen. Ihr Herz hüpfte. Würde sie endlich aus den Klauen der Insel befreit? Würde das Meer, das ihr Wärter war, ihr zur Flucht verhelfen? Doch... würden auf dem Schiff andere Katzen sein? Natürlich, du Mäusehirn!, schimpfte sie sich selbst. Aber sie könnten gefährlich sein. Vorsichtig zog sie sich in den Dschungel zurück, der eigentlich nur ein winziges, dafür aber sehr dichtes, tropisches Fleckchen Wald war. Sie sah eine Katze, die elegant vom Schiff sprang, leichtpfotig auf dem Pier landete und sich umsah. Das grauweiße Fell wehte im Wind, der Kopf war stolz erhoben. Es gab sie also wirklich! In manchen Momenten der Hoffnungslosigkeit hatte sie an der Existenz von Piraten gezweifelt. Wenn das Meer stürmte, wütete, hatte sie nicht glauben können, dass es Katzen gab, die es bezwingen konnten. Zwar gab es keine Erklärung, wie sie sonst auf die Insel gekommen sein sollte, doch trotzdem erschien es ihr so unmöglich. Aber nun standen sie vor ihr, eine Crew, eine Meute von Piraten-Katzen. Sie hörte die Katzen etwas rufen, doch das Blut rauschte vor Aufregung in ihren Ohren und ließ nicht zu, dass sie sie verstand. Sie sehen nicht böse aus... Mittlerweile waren weitere Katzen an Land gegangen.
    Vorsichtig, lautlos schlich sie näher. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt... Und ich muss es wagen, zu ihnen zu gehen, sonst komme ich nie hier weg! Ein Ruf ertönte als die fremden Katzen sie entdeckten. Sie blieb in einiger Entfernung stehen. Ein paar hatten das Fell gesträubt, andere guckten bloß neugierig. Es herrschte unangenehmes Schweigen, bis die grauweiße Kätzin, die sie zuerst gesehen hatte, es brach: "Wer bist du?" Ihr Tonfall war weder aggressiv noch richtig freundlich. Sie klang so, als würde sie versuchen abzuwägen, ob sie eine Gefahr darstellte.
    "Ich bin Tiefsee", miaute sie.
    "Leben hier noch andere Katzen, Tiefsee?", fragte sie weiter und ignorierte das Getuschel, dass zwischen den Katzen in ihrem Rücken ausbrach.
    Tiefsee schüttelte den Kopf.
    "Wie kommt es dann, dass du hier bist?" Leichtes Misstrauen.
    Also erzählte sie etwas von ihrem Leben, der Einsamkeit hier uns davon, wie gerne sie nicht mehr hier wäre. Schließlich nickte ihr Gegenüber. "Mein Name ist Delfinsturm, ich bin die Kapitänin dieses Schiffes. Sag mir, wie alt bist du, Tiefsee?"
    "14 Monde... Reicht das, um bei euch mitzusegeln?", fragte sie hoffnungsvoll.
    "Ich fürchte... nein. Das Gesetz des Meeres erlaubt es erst, mit 15 Monden zu segeln". Das darf nicht wahrsein! Endlich war ihre vielleicht einzige Chance gekommen, die Insel zu verlassen und dann war sie zu jung! Einen einzigen Mond zu jung! Sie wollte protestieren, aber da trat eine schwarzweiße Kätzin vor. "Delfinsturm, ich finde, wir sollten sie mitnehmen. Ich weiß, eigentlich ist sie zu jung, aber bedenke, was prophezeit wurde". Tiefsee verstand nicht wovon sie redet, wohl aber Delfinsturm. Doch ehe sie etwas sagen konnte rief ein brauner Kater: "Schiff in Sicht!" Noch eins?
    "Welches, Seeadlerschwinge?"
    "Ich kann es nicht erkennen... Aber ich befürchte, sie haben nichts Gutes im Sinn".
    Dem stimmte Tiefsee zu; selbst auf diese Entfernung sah sie die gehisste Piratenflagge und die Kanonen, die aus den Seitenwänden lugten.

    19

    Diese dunklen, kiefergrünen Augen; klar wie kleine Seen. Ihr Fell sträubte sich wohlig unter dem gereizten Blick des Kapitäns der Bonecrusher. Er schien nur widerwillig, auf ihre Bitte, den Plan zu besprechen, einzugehen.
    "Okay, fein", knurrte er, "Was sollen wir denn besprechen?". "Also... Es ist wahrscheinlich dumm planlos ins Gefecht zu stürmen, nicht?" Sie konnte sich in seiner Gegenwart nur schwer konzentrieren...
    Er setzte sich, erstaunlich geschmeidig für einen Kater seiner Statur. "Wir sind in der Überzahl", sagte er gelangweilt, unbeteiligt, als wäre ihm der Angriff so viel wert wie die Überlegung ob Fische an Land leben konnten. "Man sollte sich niemals zu sicher fühlen. Wir wissen nicht, ob sie vielleicht noch etwas Besonderes bereithalten..." Aus irgendeinem Grund wollte sie ihn beeindrucken und sei es jetzt in Bezug auf Kriegsführung; sie wollte, dass er sie nicht für dumm und naiv hielt. Besser für scharfsinnig und voraussehend. "Eigentlich haben die Oceanbarbians keinen großen Denker in der Crew, der eventuell auf eine solche Idee kommen würde. Schwarzsturm ist zwar nicht dumm, aber sicher auch nicht das hellste Glühwürmchen im Glas. Salzlicht ist intelligent, aber als Schiffsheiler hat er wahrscheinlich nicht all zu viel zu sagen."
    Sie wollte ihm imponieren und was kam raus? Genau das Gegenteil, sie war wirklich beeindruckt, von seiner Fähigkeit, die Gegner zu analysieren. "Außerdem spielt uns der Überraschungeffekt in die Karten. Sie erwarten wahrscheinlich einen Angriff, aber sie wissen nicht, wann wir zuschlagen wollen". "Allerdings können wir uns mit Schiffen nicht unbemerkt nähern!", warf sie ein. Er schenkte ihr einen herablassenden Blick. "Natürlich nicht, aber sie erwarten nicht, dass wir uns verbündet haben. Selbst wenn unsere Schiffe zeitgleich auftauchen, werden sie uns als zwei Gegner und nicht einen bekämpfen. Sie werden nicht erwarten, dass die Bonecrusher in die Ecke gedrängten Amazonen helfen würden." Oder andersrum, du arrogante Fellkugel! Nein, an Selbstvertrauen mangelte es den Getigerten definitiv nicht.
    "Was ist dein Plan?", fuhr sie einfach fort, als wäre ihr klar gewesen, was er alles sagen würde und sie hätte es vorher auch schon gewusst. "Ihr werdet zuerst zuschlagen. Sie werden sich voller Freude auf euch stürzen, im festen Glauben, einen leichten Sieg zu erringen und diese Gelegenheit werden wir nutzen um möglichst unbemerkt, an sie heranzurücken. Dann werden wir sie überwältigen." Zugegeben, der Plan klang nicht schlecht. Doch konnte sie ihm trauen, dass er sie und ihre Mannschaft nicht einfach in den Tod führte? Dann erinnerte sie sich an den Schwur. Er hatte geschworen, Seite an Seite mit ihr zu kämpfen. Und sie erinnerte sich an das Gefühl, wie er ihr Genick mit den Zähnen umschloss. Es hatte geschmerzt und gleichzeitig hatte sie diese Nähe genossen. Oh nein, Nachtsturm, du bist doch nicht etwa verliebt oder? Schnell schüttelte sie diesen Gedanken ab. Jetzt ging es bloß um die Rettung ihrer Besatzungsmitglieder!
    Froststurm hatte sich in der Zwischenzeit abgewandt, wie eine Katze, die ihre Beute verschlungen hatte, dann aber kein Interesse mehr an den Überresten hatte. Nachtsturm wollte gerade der Fightheard die langsam neben der Bonecrusher herdümpelte ein Zeichen geben, als ein Ruf ertönte: "Schiffbrüchiger auf Steuerbord!". Sie drehte den Kopf, tatsächlich. Ein paar weiße Pfote klammerte sich an einer Holzplanke fest und hielt so einen Kopf mit erschöpft geschlossenen Augen über Wasser. Sonderlich lebendig wirkte die Gestalt nicht mehr, aber ehe Nachsturm weiter darüber nachdenken konnte, sprang eine Kätzin mit glänzenden, schwarzen Fell ins Wasser, packte die fremde Katze beim Nackenfell und schleppte sie Richtung Schiff. Knochenstern half der Schwarzen anschließend die Schiffbrüchige auf das Schiff zu holen.
    Bewusstlos lag die weiße Gestalt dort. Froststurm schob sich an seinen Katzen vorbei nach vorne und begutachtete die Kätzin wie ein Stück Frischbeute.
    Wahrscheinlich war es für niemandes Ohren bestimmt, doch Nachtsturm hörte ihn murmeln: "Wenn sie segeln kann, soll sie zu meiner Crew gehören" Ein winziges Knurren entfuhr Nachtsturm. Die Kätzin sollte jawohl selbst die Entscheidung haben, mit welcher Mannschaft sie das Meer befahren wollte. Typisch Kater! Doch jäh wurde sie in die Schranken gewiesen, als Froststurm seinem Namen alle Ehre machte; ihr mit einem eisigen Blick und ebenso kalter Stimme mitteilte: "Hast du etwas einzuwenden, Nachtsturm? Nicht jeder teilt eure katerfeindliche Einstellung". Sie zwang sich, den grausamen, grünen Augen standzuhalten, die temperaturtechnisch mit dem Polarmeer mithalten konnten. Sie wollte sich nicht die Blöße geben und klein beigeben, also erwiderte sie seinem Ton absolut ebenbürtig: "Es geht nicht um ihre Einstellung, sondern um deinen Entschluss, einfach über andere zu urteilen". Der Wind pfiff etwas lauter in ihren Ohren, als wolle er sie beruhigen, die Unstimmigkeit schlichten. Froststurm bleckte die Zähne: "Jeder würde sich meiner starken Mannschaft anschließen wollen, bekäme er die Chance dazu". Seine Betonung ließ ihr klarwerden, dass er sie für schwach hielt. Wut keimte in ihr auf, eine feurige Blume, doch sie zeigte es nicht. Er war ziemlich attraktiv, wenn er angriffslustig war. Sie war überrascht, nicht von ihrem Gedanken, sondern von der Schamlosigkeit mit der er gekommen war. Jedoch blieben ihre Gefühlsregungen hinter einer ausdruckslosen Maske gut aufbewahrt und verborgen vor den stechenden Augen.

    20

    "...Sonst werdet ihr wie ein Stern verglühen". Der schwarze Kater wechselte einen Blick mit dem braunen, der neben ihm saß. Dieser nickte ernst. Delfinsturm erhob sich. "Segelt in Frieden weiter und lasst auch die anderen Mannschaften von der Prophezeiung wissen, falls ihr ihnen begegnet". "Gewiss", antwortete Schwarzsturm und neigte den Kopf, doch etwas in seinem Blick machte ihr Angst. Es war als würde eine Schlange sie beschwören, ihr zu vertrauen, während sie sie in eine würgende Umklammerung zog. Doch wahrscheinlich täuschte sie sich nur; mittlerweile war sie ziemlich misstrauisch gegenüber anderen. Sie wendete den Blick auf das Meer und hielt augenblicklich inne. "Äh... Delfinsturm? Ich glaube, du kannst die Prophezeiung den anderen höchstpersönlich mitteilen..." Die grauweiße Kapitänin hob überrascht den Blick und schaute zum Horizont. Zwei Schiffe zeichneten sich am Horizont ab, dort wo die Sonne soeben begann unterzugehen. Salzlicht riss die Augen auf. "Nein!", schrie er panisch. "Was ist?", fragte Delfinsturm und Silberteich entging der misstrauische Unterton in ihrer Stimme nicht. Schwarzsturm wirkte einfach nur verwirrt, während Salzlicht weiter kreischte: "Sie sind unser wegen hier! Die Bonecrusher und die Fightheard verfolgen uns!".
    Delfinsturm runzelte die Stirn, schwieg einen Moment: "Einfach so?"
    Der Heiler nickte hastig, als würde die Angst ihm keine Ruhe lassen. "Sie werden uns vernichten! Zwei Mannschaften gegen eine!" Endlich reagierte auch Schwarzsturm, der wie erstarrt gewesen war: "Wir sind verloren! Ich hatte gedacht, sie hätten die Verfolgung aufgegeben!" Salzlicht schüttelte den Kopf. "Offenbar nicht... Und für unseren Glauben an das Gute in ihnen müssen wir jetzt büßen!"
    Silberteich sah Delfinsturm verwirrt einen Blick mit Nordstern und Seelenlicht wechseln. Seelenlicht nickte mit mitfühlendem Blick während Nordstern einfach die Schultern zuckte. Ein tiefer Atemzug; "Wir werden euch helfen gegen die anderen Crews zu bestehen". Delfinsturms Miauen war entschieden, unerbittlicher Entschluss. Silberteichs Gefühle waren gemischt, geteilt; so wie der Tag Helligkeit und Dunkelheit hatte, freute sie sich einerseits auf die Schlacht, andererseits machte sie sich Sorgen. Sie war verwirrt. So plötzlich kam die Bedrohung und noch plötzlicher der Entschluss von ihrer Kapitänin. Ist es klug, sich für eine andere Mannschaft zu opfern? Doch es war bereits entschieden.
    "Wirklich?", fragte Salzlicht leise mit hoffnungsvollen Blick, "Es kommt natürlich ganz plötzlich, aber mit eurer Hilfe könnten wir sie besiegen... Die, die uns grundlos angreifen!" Silberteich erlaubte es sich, dass sie durch ein Nicken die Antwort gab.
    Unterdessen waren die zwei anderen Mannschaften mit ihren Schiffen näher gekommen. Die leichte SS Amazone wirkte neben der gewaltigen, dreimastigen Bonecrusher noch kleiner; zerbrechlich, wie eine Nussschale, die auf einer Pfütze trudelte.
    Was für ein Glück, dass unsere Schiffe am Pier auf der anderen Seite der Insel anlegen! So waren die Kanonen der Schiffe nutzlos, denn ihre Feinde versteckten sich im Dschungel. Doch die Angreifer wussten, dass sie da waren, sie witterten sie wie ein Hai den Blutstropfen auf hundert Wallängen gegen die Strömung.
    Sie warfen die Anker aus, bereit, dieses Gefecht auf Land auszuführen.
    Silberteich versuchte jede Katze zu identifizieren, die ihre Pfoten auf den Sand setzte. Froststurm, dessen Augen bis zu ihr herüberglühten, erkannte sie sofort, ebenso Nachtsturm, die langfellige Amazone. Es folgte Knochenstern, die Koordinatorin, die ewig jung war; es gab Geschichten über sie. Danach sprangen zusammen mehrere Katzen von den Decks, die Krallen kampfbereit ausgefahren und das Fell gesträubt, was ihnen das aussehen, einer wütenden Armee von Großkatzen gab.
    "ANGRIFF!", jaulte eine Katze und die Oceanbarbians und die Stormbreaker schossen auf die Feinde zu. Silberteich wusste nicht, wer den Befehl gegeben hatte, doch es war ihr egal. Ihre fliegenden Pfoten wirbelten den Sand auf, ihre Augen huschten umher auf der Suche nach ihrem ersten Gegner. Sie sprang, doch landete nicht auf dem anvisierten Pelz sondern wieder im Sand. Die schwarze Kätzin mit den wellenförmigen, silbernen Streifen hatte sich geschmeidig weggeduckt und schenkte ihr einen spöttischen Blick, während sie sich ihrerseits auf Silberteich stürzte. Sie spürte zwar die Muskeln ihrer Gegnerin, doch sie war zu klein um sie umzuwerfen. Scharfe Krallen hinterließen Spuren an ihrer Seite, doch Silberteich konterte indem sie der Schwarzen mit instinktiver Schnelligkeit die Pfoten unter dem schlanken Körper wegriss. Sie nagelte sie fest und zerfetzte mit den Krallen ihren Rücken. Sie spürte das heiße, rote Blut über ihre Krallen laufen, doch sie ließ nicht von der anderen ab, die sich wütend wand und schrie, bis sie aufgab und davonstürmte sobald Silberteich den Griff lockerte. Ihr Atem ging schnell, das Herz raste, doch ihre Muskeln warteten aufgewärmt auf den nächsten Widersacher. Sie sah sich um, überall waren Knäule aus Pelz, wirbelnden Krallen und Zähnen, die kreischend durch den Sand rollten und rote Spuren hinterließen. Sie sah Seeadlerschwinge vor Knochenstern zurückweichen, die ihn mit einem Knurren vertrieb, auch wenn ihre Augen belustigt funkelten. Doch nur einen Herzschlag später hatte die seltsame Gestalt, die vollständig in Bandagen gehüllt war; Grottenruf, sich auf sie gestürzt. Zu ihrer Linken hielten Nordsturm und Südwind einen dunkelgrauen Kater mit orangenen Halstuch und einen sturmgrauen Kater, der einen goldenen Ohrring trug, in Schach. Doch viel Zeit hatte Silberteich nicht, um die beeindruckende, stumme Verständigung zwischen den zwei Geschwistern zu bewundern, denn da riss ein schweres Gewicht sie zu Boden. Aus einem hellgrauen Gesicht funkelte sie ein lodernd blaues Paar Augen an, nur einen Moment, dann rissen die Klauen brennende Furchen in ihre Stirn. Augenblicklich nahm Blut ihr die Sicht, alles war rot, nur Silhouetten waren noch zu erkennen. Hilflos versuchte sie ihn zu treffen, doch er war zu schnell, umkreiste sie und schlug immer wieder zu. Sie wirbelte immer wieder herum, vergeblich; heftig schüttelte sie den Kopf um die Sicht zu klären, während Panik sie erfüllte. Sie konnte nicht sehen und das Kampfgeschrei der anderen Katzen machte es unmöglich ihn mithilfe ihrer Ohren zu orten. "Ihr Haiherzen werdet bezahlen, dass ihr Krallenflug gefangen genommen habt!", zischte er ihr ins Ohr, unmittelbar bevor ein schmerzhafter Schlag in ihre Rippen sie aufschreien ließ. "Wir haben niemanden gefangen genommen!", kreischte sie voller Angst. Wovon sprach dieser Irre? Er will mich doch nur vom Kampf ablenken! Sie sprang vor, dorthin wo seine Stimme erklungen war, doch sie fühlte nur hartes Dünengras unter den Pfoten. "Ihr macht gemeinsame Sache mit den ehrenlosen Entführern!" Ihr Kopf krachte auf den Boden als er sie umwarf; der Versuch sich abzufangen war vergebens, wie wenn man versuchte einen Fisch zu fangen ohne die Krallen zu benutzen; er glitschte einfach zurück ins Wasser. "Nein!", rief sie erschrocken, aber wütend, "Ihr seid die, die feige eine einzelne Mannschaft angreift! Zu zweit!" Er stieß einen Zornesschrei aus und schlug ihr auf den Kopf. Der Schmerz überwältigte sie und ließ sie liegenbleiben, sie war ausgeliefert und ihre Kräfte schwanden langsam.

    Endlich, ENDLICH, war sie da. Die Gelegenheit, ihren Streit zu beenden. Sie sah ihn an, ihr Blick nicht deutbar. Seltsam um Frieden bettelnd und gleichzeitig voller Hass und Abscheu. Er bleckte die Zähne; wie lang hatte er auf diesen Moment gewartet? Wie lange hatte er sich geduldet, wie ein Aasgeier, der dem letzten Atemzug seiner Beute entgegenfiberte? Er würde dabei sein, wenn sie ihren Atem aushauchte, denn er würde der Grund dafür sein. Er stürmte auf sie zu, jede Katze, die versuchte ihn auszuhalten, stieß er beiseite, teilte flinke Schläge aus und kämpfte sich zu ihr. Wie das Auge des Sturms stand sie ruhig im Gewühl der Schlacht. "Es muss nicht so enden, Bruder". Er verengte die Augen. "Du bettelst wie unsere Mutter vor ihrem Tod!", höhnte er und erreichte was er wollte; ihr Blick wurde härter und alle Gefühle außer Wut wichen daraus. Sie kam näher, umkreiste ihn, noch war nicht Zeit für ihr Kräftemessen. "Du hast sie umgebracht! Du bist ein dreckiger Mörder, ein Blutsverräter! Sie hat dich geliebt, doch du verdienst das nicht, du Monster!" Sie spuckte ihm die Worte förmlich vor die Pfoten. Er fuhr die Krallen aus: "Versuch doch sie zu rächen und mich dafür zu bestrafen! Aber ich sage dir, du kommst ganz nach ihr, ein Schwächling sondergleichen!" Sie stieß einen Schrei puren Zorns aus und warf sich auf ihn. Er wich zurück und stieß sie um, ehe ihre Pfoten den Sand berühren konnten. Blitzschnell sprang sie wieder auf, der buschige Schweiß peitschte. Diesmal vollführte er den Zug, die scharfen Krallen hatten sich ihre hübsche, unversehrte Schnauze zum Ziel gesetzt. Sie drehte den Kopf weg, sodass diese im Nichts landeten und ehe er reagieren konnte schnappten ihre Zähne nach seiner Schulter und versenkten sich tief darin. Er holte erneut aus, ließ einen Hagel von Schlägen auf ihren Rücken niederprasseln und Blut spritzte. Er spürte den Schmerz nicht, als sie heftig den Kopf hin und her warf, bis sie einen ganzen Hautfetzen aus seiner Schulter riss. Er verpasste ihr einen harten Stoß, der sie zurücktaumeln ließ und drückte sie mit seinem ganzen Gewicht zu Boden. Sein Blut, das in Strömen aus der Wunde floss, landete in ihrem Gesicht, doch sie fauchte nur; schnappte nach seiner Kehle, seiner Brust und den Vorderbeinen, während die krallenbewehrten Hinterpfoten seinen Bauch aufrissen. Sie versuchte ihn mit einem kräftigen Tritt von sich zu stoßen, doch er war zu schwer für sie, wie er mit Genugtuung feststellte. Dennoch schaffte sie es, eine Pfote aus seinem Griff zu winden; diese verfing sich in seiner zahnbespickten Kette. Er spürte wie sie an seinem Genick riss, dort, wo er noch Narben ihres ersten Kampfes trug. Er bohrte die Krallen noch fester in ihr Fleisch und wusste, dass es ihr wehtat, auch wenn sie es durch kein Zucken der Mine verriet. Plötzlich zog sie ihre Pfote zurück und schlug auf seine Kehle ein. Er spürte Blut über seine Brust laufen und fuhr zurück. Seine Wurfgefährtin, seine Schwester sprang auf und riss ihm die Flanke auf ehe er ausweichen konnte. Sie hüpfte vor ihn und öffnete mit einem starken Schlag die alte Narbe quer über seinem Gesicht. Blutzahn wusste, er war geschwächt, doch diese Art, mit der sie ihn jetzt angriff, bereits sicher des Sieges, gab ihm neue Kraft. Er bäumte sich auf und ließ weitere Schläge auf sie niedergehen. Abwehrend wich sie zurück, doch er gab nicht nach; seine Krallen zerstörten ihr Gesicht. Dann verpasste er ihr eine heftige Ohrfeige, die sie zu Boden schleuderte. Schneller als sie wieder aufstehen konnte, war er bei ihr und umschloss ihr Genick mit den Zähnen. Er spürte die feinen Knochen. Kaltblütig zerbrach er sie mit den Zähnen und spürte sofort, wie der zierliche Körper seiner verhassten Schwester erschlaffte. Er trat zurück und schaute in die grünen Augen, die bereits ganz leer, aber trotzdem noch weit aufgerissen waren, wie in der Sekunde ihres Todes, nur wenige Herzschläge zuvor. Noch immer, obwohl ihr Körper geschwunden und geschlagen war, konnte er ihre Schönheit sehen, der hübsche Kontrast ihrer grünen Augen zu dem rotbraunen Fell.
    "Blutzahn!", fauchte leise eine Stimme, Haizahn. "Komm mit! Sie haben es geschafft die Sklavinnen zu befreien und den Stormbreaker dämmert gerade, dass wir die Bösen sind, also lass uns schnell abhauen!"
    Tatsächlich, die Schlacht kam langsam zu erliegen. Gemeinsam mit dem Einäugigen huschte Blutzahn zu der Ocenbarbian. In Windeseile segelten sie los und warfen keinen Blick zurück auf das Schlachtfeld über dem jetzt der Geruch von Blut und Tod hing. In der Dunkelheit unter den Sternen zogen sie davon, eilig und ließen ihre Feinde zornerfüllt zurück, im rotgefärbten Sand, der an ihren Ballen klebte. Blutzahn hörte es im Schiffsbauch rumoren und bleckte blutrünstig die Zähne. Seine Crew war nicht dumm. Ohne Zweifel, ihre alten Sklavinnen waren entkommen, doch dafür hatten sie ein paar neue.

    21

    Der Lärm war verstummt.
    Der Lärm, der sich aus Schmerzens-, Wut- und Angstschreien zusammensetzte, im Hintergrund das Meeresrauschen.
    Sie huschten an ihm vorbei, Bilder, die Schlacht, aber ohne den geringsten Laut von sich zu geben. Ein Kater mit breiten Schultern, kräftigen Muskeln die unter dem grauen Felm spielten. Er kämpfte, wich geschmeidig den Schlägen einer gefleckten Kätzin aus, schlug selber immer wieder zu, einem eleganten Tanz gleich, ein Geben und Nehmen, Austeilen und Einstecken. Um sie herum, Katzen, andere Katzen, die gemeinsam ebenso tanzten. Die wirbelnden Pfoten, die dort eine Flanke aufrissen, dort ein Ohr zeichneten. Wunderschön, dieser Tanz und dennoch so grausam. Der Graue traf gut, immer wieder, die Gefleckte trug zahlreiche seiner Spuren. Doch dann wurde ihr Tanz gestört, ein Kater war geflohen, sein Partner stürzte auf den Grauen und rang ihn zu Boden. Die Augen des Störenfriedes, wütend, Blitze schießend. Es war ein betagter Matrose, ein Koordinator, der den Grauen ins Genick biss.
    Der Anblick verschwamm etwas, leise waren die Schreie des Katers zu hören, während er mit aller Macht versuchte den Alten von sich zu stoßen. Das Fell wurde zerfurcht von den fremden Klauen, rot und grau mischten sich zu einem grausigen Anblick. Der Körper zuckte, wehrte sich immer weniger, während der Alte immer noch nicht von ihm abließ. Die Gefleckte stand daneben, Blut tropfte von ihrem Pelz; erstarrt angesichts dessen, was sie sah.
    "Nordstern!", jaulte sie. Der Alte lockerte den tödlichen Biss, zog sich zurück, doch weiter zuckte der Graue nur. Dann blieb er still liegen und starrte mit leerem Blick nach oben.
    Direkt in seine Augen!
    Alles wurde schwarz, nur die Augen, tot und leblos, starrten ihn weiter an.
    "Du... Du hast ihn getötet", hauchte eine sanfte Stimme, die Gefleckte.
    Das bin ich... Er hat mich getötet...
    Der Blick verblasste, verschwand, doch er konnte ihn noch spüren; er hatte sich in sein Herz gebrannt.
    Ich bin tot...!
    "Ja, das bist du", erklang ein tiefes Maunzen.
    Er wollte herumwirbeln, das Fell sträuben, aber da war kein Fell, da war kein Körper mit dem er es hätte tun können.
    Ein langhaariger, grauer Kater mit Augen, deren blau ihn sofort an die Meerwellen an stillen Tagen erinnerten, saß vor ihm, den buschigen Schweif über die Pfoten gelegt. Neben ihm saß mit gesenktem Kopf Seesternkralle und eine graue Kätzin mit weißen Pfoten und sehr traurigem Blick.
    "Bist du Sturm?", fragte er.
    Der Kater neigte den Kopf; die Sterne, die in seinem Fell funkelten erleuchteten die Schwärze etwas.
    "Ihr drei seid alle in der Schlacht gefallen; Blutzahn tötete Seesternkralle aus Hass". Er neigte den Kopf der rotbraunen Kätzin zu. "Dunkelmond opferte sich, damit die anderen Gefangenen fliehen konnten", er schenkte der Grauen ein wohlwollendes Nicken. "Und du, Sturmwelle, wurdest von Nordstern umgebracht, weil er seine Schwester beschützen wollte". Kurz schwieg Sturm, dann fuhr er fort: "Es ist für euch Zeit, zu euren Ahnen zu reisen und auf dem Meer der tausend Seelen in die Unendlichkeit zu segeln".
    Damit stand er auf, gab wortlos den Befehl ihnen zu folgen. Ohne zu zögern folgte Sturmwelle ihm; zu verlieren hatte er sowieso nichts mehr.
    Die Schwärze öffnete sich, wurde weniger bedrohlich und entließ sie aus ihrem klammernden Griff. Meeresrauschen erklang und es war wie der Morgen nach einer dunklen Nacht, es war vertraut, sie alle hatten fast ihr ganzes Leben mit diesem Geräusch gelebt, es war immer da. So auch in der Unendlichkeit.
    "Ein Seemann kennt nur den einen Kurs
    Richtung Unendlichkeit geradeaus", maunzte Sturm.

    Blut.
    Der ganze Strand lag wie unter einer Decke aus roter Farbe.
    Das Meer begann, einen Teil hinfortzuschwemmen, weit weg, weg, weg.
    Ein Teil begann zu trocknen, wurde braun, wie die Blätter der Bäume auf dem Festland im Blattfall.
    Doch der Geruch verschwand nicht, schwer hing er über dem Sand: Blut, Verrat, Tod.
    Tief atmete er durch, füllte seine Lungen mit der Duftnote des Krieges, genoss die geschockten, nicht begreifenden Blicke der anderen Katzen.
    Die anderen, das waren die blutenden, geschlagenen Katzen, die auf der Insel zurückgeblieben waren, als die Oceanbarbians flüchteten.
    Nur drei; drei Katzen standen nicht, sie lagen wie gestrandete Fische dort. Froststurm begutachtete die erste Leiche. Sie war zerstört, das Gesicht restlos zerfetzt, der ganze Körper geschunden. Das Fell war klumpig wegen dem Blut, doch er erkannte den Geruch; Seesternkralle, aus seiner Mannschaft. Schwächling... Auch die zweite, tote Katze hatte seiner Crew angehört, Sturmwelle. Schwächling...
    Ein Schrei erklang, eine Klage voller Qual. Der letzte Leichnam schwamm im Meer, wurde von dem Wellenspiel nicht ab-, aber auch nicht zum Strand getrieben. Nachtsturm und einige Amazonen hockten vor der, auf den Wellen schaukelnden, Leiche. Schwächling... Aber wenigstens nicht aus meiner Mannschaft.
    Er guckte sich um, wer war noch da?
    Knochenstern war arg angeschlagen, aber der keuchende Atem war ihm ausreichend Lebenshinweis. Sprudelklippe kauerte auf dem Sand, Blut lief aus einer Wunde am Kopf; er sah Bachglanz neben Sturmwelle hocken und sein Fell sauber waschen, für die Bestattung. Rochenkralle starrte nur mit abwesendem Blick ins Leere.
    Geisterschiff sprang über die Reeling und lief zu den Verwundeten um sie zu versorgen; Wolkenmeer, die Schiffbrüchige, mit Kräutern an seiner Seite.
    Dann entdeckte er die, wegen der sie die Schlacht angezettelt hatten, Krallenflug. Die Cremefarbene stand in all dem Blut und wirkte so unwirklich. Ihr Fell war makellos sauber, sie sah so schön zwischen der Zerstörung aus, unversehrt, rein.
    Froststurm sah sie für einen Moment so, wie sie auf andere wirken musste, doch dann musste er sich ein böses Grinsen verkneifen. Er kannte dieses Leuchten in ihren Augen, diese Stolzheit mit der sie umherschritt. Sie war nicht schockiert, nein, sie genoss diesen furchtbaren Anblick, ebenso wie er.
    Kaltfeuer war hinter der Kätzin, er hörte ihn auf sie einreden, doch sie antwortete nicht, blendete ihn aus. Sprudelklippe guckte kurz zu Froststurm, dann gesellte er sich zu Bachglanz, offenbar um ihr zu helfen, doch sie vertrieb ihn mit einem unwirschen Fauchen.
    "Wann beginnen wir die Verfolgung?", fragte eine Stimme in einem eisigen, forderndem Tonfall; Froststurm erahnte die Rachsucht dahinter. Er drehte sich entspannt zu Nachtsturm um: "Wer sagt, dass wir sie verfolgen werden?"
    "Wir müssen! Sie haben neue Gefangene gemacht!", miaute die schwarze Kätzin und obwohl ihr Ton der gleiche war, konnte Froststurm den Zorn, die Verzweiflung, die Starrköpfigkeit in ihren blauen Eisaugen leuchten sehen. Erbärmlich... Wie ein Junges; sie weiß nicht, was sie tun soll, also will sie Rache...
    "Lichttod und Schwefelbrand sind weg und Delfinsturm sagt, dass Meeresschaum verschwunden ist", fuhr sie fort. "Das interessiert mich nicht", antwortete Froststurm und vollbrachte das Kunststück noch eisiger und entschiedener zu klingen. Die Langhaarige spannte die Muskeln an; er sah, wie ihr Nackenfell sich sträubte. "Du hast es geschworen! Du hast geschworen, dass du Seite an Seite mit den Fightheardern die Gefangenen befreien würdest!", fauchte sie.
    Er spürte ein Lachen in sich gluckern: "Das habe ich geschworen und ich habe es auch getan. Die vier Gefangenen sind jetzt frei. Hätte ich mein Versprechen nicht gehalten, würde ich jetzt gerade tot umgekippt". Sie schreckte zurück: "Du musst uns helfen! Dunkelmond ist gestorben und...". Er sollte aber nicht erfahren, was und, denn sie wandte sich einfach ab, mit soetwas wie abgrundtiefer Enttäuschung ab. Es störte ihn nicht, stattdessen zählte er seine Mannschaftmitglieder, wenn von den anderen Crews Katzen fehlten, konnte das bei seiner schließlich auch der Fall sein. Und tatsächlich, eine Katze fehlte: Meerpfaufeder.
    Wir haben eine Katze gerettet und eine wieder verloren... Lohnt es sich, zu versuchen, ihn zu befreien?
    Froststurm entschied, nein, aber sie würden dennoch die Crew von Babaren verfolgen; Rache nehmen und falls es sich bot, auch den Kater retten.
    Die Bonecrusher hatten bereits die Leichname auf ihr Schiff gebracht und waren selbst an Bord geklettert. Froststurm drehte den Blick von seiner Crew zu den anderen Mannschaften. Die Fighthearder waren auf ihr Schiff zurückgekehrt, bereit abzulegen; die Stormbreaker kauerten noch immer im Sand, unterwürfig. Nachdem die Oceanbarbians geflohen waren, hatten sie den Kampf aufgegeben; sie waren in der Unterzahl und verwirrt obendrein.
    Delfinsturm winkte ihm, zögerlich und er kam langsam auf sie zu. Ihre Augen waren traurig, bereuten etwas, was er bereits geahnt hatte, sobald die Stormbreaker mit den Oceanbarbians gekämpft hatten; sie hatte nicht von den Gefangenen gewusst. Aus irgendeinem Grund, den er selbst noch nicht verstand, trugen seine Pfoten ihn zu ihr und bestraften sie nicht, für ihr Tun.
    Und es war gut, dass er zu ihr ging.

    22

    "Du warst immer eine gute Kameradin. Wir werden dich auf ewig in Erinnerung behalten, als mutig, tapfer und selbstlos.
    Mögest du auf dem Meer der tausend Seelen deinen Frieden finden und mit unseren Ahnen in die Ewigkeit segeln. Mögest du niemals Hunger oder Durst leiden und der Wind in deinem Fell, dich an deine Crew erinnern, die genau hier mit jedem Atemzug dankbar ist für dein Leben"
    Nachtsturm trat langsam zurück, ihre blauen Augen waren ausnahmsweise nicht aus Eis gemacht, sondern wie das Meer, offen. Traurigkeit schlug in Wellen gegen die Abgründe ihrer Pupillen und fraß sich von dort immer weiter bis in ihr Herz. Sie wusste es, denn bei ihr war es nicht anders. Es war niemals leicht, ein Besatzunsgmitglied zu verlieren.
    Langsam, andächtig trat sie vor, als würde jede zu schnelle Bewegung die Zeremonie zerstören. Alle hatten sich bereits von der dunkelgrauen Kätzin verabschiedet, die jetzt so friedlich da lag, als würde sie bloß schlafen. Perlenlicht nahm vorsichtig das weiße Laken auf dem Dunkelmond lag ins Maul und wickelte ihren Leichnam darin ein. Dann begannen alle Katzen gleichzeitig, als hätte jemand leise ein Zeichen gegeben, zu singen:

    "Wir sind bei dir
    Übergeben dich der See
    Sie nimmt dich auf
    Und begleitet deinen Weg
    Wir sind dankbar für die Jahre
    Die du uns gegeben hast
    Bei den Ahnen nimmst du heute deinen Platz
    Zu Ehrenwacht
    Stehen alle dir bereit
    Der Feuerschein
    Sei dir Licht in Dunkelheit
    Wir zünden deine Barke
    Deine Seele ist nun frei

    Denn der Nordstern ruft den treuen Freund herbei
    Er ruft dich heim
    Die letzte Fahrt
    Hinein ins Licht
    Dein Tag vergeht dein Leben bleibt
    Nimm unsern Abschied zum Geleit
    Dein Weg mit uns er endet nicht
    Dein Herz wird frei
    Dein Himmel klar
    Bist du auch fort du bleibst uns nah
    Die letzte Fahrt
    Du bleibst uns Freund und Kamerad
    Du gehst voraus eines Tages geh'n wir nach

    Was wir heut' sind hast auch du aus uns gemacht
    Und wir nehmen stillen Abschied
    Eine Flamme lodert auf
    Deine Seele findet ihren Weg hinauf
    Den Weg nach haus
    Die letzte Fahrt
    Hinein ins Licht
    Dein Tag vergeht dein Leben bleibt

    Nimm unsern Abschied zum Geleit
    Dein Weg mit uns er endet nicht
    Dein Herz wird frei
    Dein Himmel klar
    Bist du auch fort du bleibst uns nah
    Die letzte Fahrt
    Du bleibst uns Freund und Kamerad
    Die letzte Fahrt
    Hinein ins Licht
    Dein Tag vergeht dein Leben bleibt
    Nimm unsern Abschied zum Geleit
    Dein Weg mit uns er endet nicht
    Dein Herz wird frei

    Dein Himmel klar
    Bist du auch fort du bleibst uns nah
    Die letzte Fahrt
    Du bleibst uns Freund und Kamerad"

    Sie guckte zu Nachtsturm, diese bewegte langsam den Kopf auf und ab, widerwillig, als wäre ihre Zustimmung, die für Dunkelmonds Tod. Perlenlicht hob den eingewickelten Leichnam hoch, im Rücken die Katzen, die weiter die Melodie des Liedes summten und mit den Pfoten den Takt mitgingen. Mit einem leisen platasch landete die Leiche im Meer und versank in der blauen Unendlichkeit. Die Wellen fraßen den Körper, gierig, doch würden sie ihn gut aufbewahren. Die Katzen blieben lange so stehen, unter dem Sternenflies in dieser hellen Vollmondnacht. Der Wind war weder kalt noch warm, mild strich er über ihre Pelze, als wollte er sie trösten und ihre Trauer wegwehen.
    Perlenlich wusste, jetzt war es an ihr, die Mannschaft wieder aufzubauen, denn ihre Predigerin war nicht mehr da.
    Doch alles was ihr in den Kopf kam, war ein Lied. Sie schaute über ihre Crew, die mit trübseligen Blicken in den Himmel, auf das Meer oder schlicht Löcher in die Luft starrte. Leise gab sie mit den Pfoten den Takt vor. Düsterriff, die wie ein dunkler Schatten am Rand stand, spitze sofort die Ohren und lächelte sanft. Die anderen Katzen wendeten die Blicke zu der Schiffsheilerin, die nun leise begann:

    Ade Ade, Ade Ade.
    Woher wir kommen, wohin wir gehen,
    ob wir uns einmal wiedersehn.
    Was gestern war, was Morgen wird,
    wohin die Zukunft uns auch führt,
    heut sind wir hier, es ist uns gleich,
    das wird ein Fest heut Nacht mit Euch.

    Er geht auf uns, der letzte Krug,
    hört wie das Abenteuer ruft.
    Singt mit uns aus tausend Kehlen,
    singt mit uns auf gute Zeit,
    auf die Freundschaft, auf das Leben,
    einen Moment in Ewigkeit.
    Singt mit uns auf gute Reise,
    gleich wohin die Wege gehen,
    unser Schicksal wird uns weisen,
    dass wir uns eins wiedersehn.
    Ade, Ade

    Ade Ade, Ade Ade,
    Vergesst die Zeit, vergesst die Welt,
    was uns heut Nacht zusammenhält
    ist der Moment, der Augenblick,
    heut hält uns keine Macht zurück.
    Denn wir sind hier, für diese Nacht
    Hat uns das Schicksal hergebracht.

    Er geht auf uns, der letzte Krug,
    hört wie das Abenteuer ruft.
    Singt mit uns aus tausend Kehlen,
    singt mit uns auf gute Zeit,
    auf die Freundschaft, auf das Leben,
    einen Moment in Ewigkeit.
    Singt mit uns auf gute Reise,
    gleich wohin die Wege gehen,
    unser Schicksal wird uns weisen,
    dass wir uns einst wiedersehn.
    Ade, Ade

    Sei diese Nacht ein Teil von uns
    bis sie uns schlägt, die letzte Stund.
    Alles vergeht, doch das hier bleibt,

    ein kleines Stück Unendlichkeit.
    Singt mit uns aus tausend Kehlen,
    singt mit uns auf gute Zeit,
    auf die Freundschaft, auf das Leben,
    einen Moment in Ewigkeit.
    Singt mit uns auf gute Reise,
    gleich wohin die Wege gehen,
    unser Schicksal wird uns weisen,
    dass wir uns einst wiedersehn.
    Ade, Ade
    Ade Ade, Ade Ade"

    Nacheinander stimmten leise die Katzen mit ein, zögerlich, als wäre es zu verachten, heute die Stimme nicht nur für Dunkelmonds Abschiedslied zu heben. Aber eben das mussten die Katzen; eine von ihnen hatte zwei gerettet, das war ein Grund, nicht traurig zu sein. Doch eigentlich wusste auch Perlenlicht, dass dies nur kurzzeitig war. Lichttod und Schwefelbrand waren entführt worden und die finstere Prophezeiung machte nichts besser.

    23
    Wenn wir das nächste Mal anlegen, muss ich unbedingt Kräuter suchen... Naja, aber auf diesem kleinen Island wuchs wahrscheinlich eh nichts Brauchbares.
    Er zerkaute mehr Ringelblume und verarbeitete sie zu Paste, die er den Matrosen auf die Wunden strich. Es verhinderte Entzündungen, die anderweitig schnell aufkamen. Bis auf Blutzahn hatte es keinen schlimm erwischt und etwas Paste würde alles bezwecken. Bei angesprochenem Kater hatte er ein paar der raren Spinnenweben verwendet, da seine Kratzer, besonders die am Bauch, tief waren und nicht von allein aufhörten zu bluten. Würde er jetzt ins Wasser fallen, würden dank der Blutmenge innerhalb weniger Minuten Haie aus nah und fern eingetroffen sein.
    Anschließend half er Grottenruf seine Verbände und Bandagen wieder zu richten. Dann hatte er definitiv genug. Er sah zwar ein, dass er den höchsten Intelligenzquotient hatte und deshalb mehr oder weniger dazu berufen war, Schiffsheiler zu sein, aber das machte ihn noch lange nicht zu Matrosenmami und guten Seele der Oceanbarbian. Er schüttelte sich; im Kampf hatte er kaum Chancen gehabt, mitzukämpfen, er hatte die Gefangenen bewachen sollen. Wieder sah er die graue Kätzin mit den blaugrauen Augen, die sich ihm in den Weg stellte, damit die anderen fliehen konnten. Das, das ist die Matrosenmami!
    ...
    Oder zumindest war sie das...
    Er erinnerte sich an die übermächtige Wut, aber eine leise, verkümmerte Stimme, die er stets in sich erstickte, bewunderte auch ihren Mut und die Selbstlosigkeit mit der sie die anderen verteidigte. Ihre Augen, entschlossen, brennen sich in mich, in das letzte bisschen Gefühl. Doch die Wut, meine Treue kann sie nicht brechen. Er sah wieder, wie er sich auf sie stürzte. Ich bin nicht sehr schwer, aber sie ist geschwächt und kann nicht standhalten. Ihre Beine geben nach und ich tauche zwischen Krallen und Zähnen hindurch, wie ein Delfin einen Fischschwarm unberührt durchschwimmt. Sie ist stärker als ich erwartet hätte, sie kämpft nicht für sich, sondern für ihren Kameraden. Gibt ihr das die Kraft? Oder das Bewusstsein, dass sie die anderen retten kann, wenn sie ihren letzten Kampf nicht verpatzt? Er sah wieder, wie sie von ihm über die Reeling geschleudert wurde; zu schwach sich zu wehren, halbtot, jegliche Kraft versiegt. Ihre Augen sind zufrieden, selbst bei ihrem Tod. Sie weiß, dass sie es geschafft hat, auch wenn ihr Blut das Meer um sie färbt.
    Er zuckte mit den Schnurrhaaren. Nein, sie hatte seine Treue nicht brechen können, aber er zollte ihr Respekt. Soweit er das erfahren hatte, waren noch zwei weitere Besatzungsmitglieder gestorben, allerdings von der Bonecrusher. Das wird Froststurm schon sein arrogantes Maul stopfen!
    Er saugte den Wind ein, ließ die frische, salzige Luft ihre Wirkung bringen, entspannte sich. Die Paste war aufgebraucht und keine Katze kroch mehr winselnd zu ihm, also versuchte er den bitteren Geschmack loszuwerden, der sich auf seine Zunge gelegt hatte. Dann erhob er sich, lief zielsicher zu den Zellen der Gefangenen. Es war nicht nur sein Job, dafür zu sorgen, dass sie nicht an ihren Wunden starben; Nein, es interessierte ihn auch, was für Flohpelz sie diesmal an Bord hatten.
    In der ersten Zelle befand sich eine Kätzin mit glänzendem, schwarzem Fell. Sie war von der Schlacht gezeichnet, jedoch funkelten ihre blauen Augen. Die wird einem ganz bestimmten Kater sicher sehr gut gefallen. Innerlich lachte er. Irgendwo war sie wirklich sehr hübsch, aber er fand sie langweilig. Wut stand ihren Augen, zusammen mit Schmerz und Sehnsucht. Rein intuitiv würde er sagen, dass sie einen Gefährten hatte und nun hier gefangen war. Langweilig, unaufregend, durchschaubar.
    Der Kater in der zweiten Zelle war bewusstlos, eine Blutlache hatte sich um ihn gebildet. Naja, mit Kätzinnen können wir wenigstens noch was anfangen... Offenbar hatte einer der Oceanbarbians ihn schon bearbeitet.
    Er huschte zu dem Grauen, untersuchte ihn kurz. Foltern konnte man ihn noch, jedoch musste er dazu überleben. Hoher Blutverlust, aber morgen oder übermorgen hat der sich wieder gefangen... Derartige Feststellungen waren Routine.
    Einen Raum weiter befand sich eine sandfarbene Kätzin. Er runzelte die Stirn, vollkommene Ruhe schien von ihr auszugehen. Mit Stolz erhobenem Kopf saß sie in der Zelle. Sie erinnerte an eine seltsame Mischung aus Krallenflug und Schmutzstern. Die Augen waren entspannt geschlossen, so als gäbe es in tausend Hailängen Umkreis nichts, was ihr gefährlich werden konnte... -oder wollte. Er bemerkte ihren fehlenden Schwanz, betrat lautlos ihre Zelle. Vielleicht hat sie sich diese Wunde im Kampf zugezogen und will lediglich nicht schwach wirken... Aber solche Wunden bluten extrem stark.
    Augenblicklich sprang sie auf, ihre Haltung schlug um, wie das Meer, wenn der Wind drehte. Ihr getigertes Fell sträubte sich und die Augen, die von einem ungewöhnlichen Tannengrün waren, sprühten Funken. Er sah, wie in Zeitlupe, dass sie sich aufbäumte und zu einer Salve von harten Schlägen ausholte.
    Jetzt war er es, aus dem die Ruhe strömte, überschlug. Mit von Erfahrung gelassenen, kleinsten Bewegungen wich er ihren Schlägen aus ohne auch nur einen einzigen zu kassieren. Langsam steigerte sich die Wut, in ihren Krallen offenbar, doch dann versuchte sie sich auf ihn zu stürzen, ihn festzuhalten, damit er nicht länger entkam. Er duckte sich unter ihr weg, sodass sie hart gegen die Wand krachte, doch anstatt sie anzugreifen, wie seine Muskeln es sich selbst befehlen wollten, setzte er sich. "Hast du genug?". Den Hauch von Hohn in seiner Stimme konnte sie nicht überhören, davon war er überzeugt. Ihre Augen wurden groß, wie Waldteiche und blickten erstaunt; sie nickte und setzte sich auf. "Was willst du?", fragte sie überraschend fest und bestimmt. "Dich untersuchen. Ich dachte, du seist verletzt".
    "Mir geht es bestens!", entgegnete sie unwirsch.
    "Ich seh's", entgegnete er lediglich, stand auf und ging. Er spürte ihren Blick auf dem Rücken, allerdings war ihm das egal. Er entschloss sich, diese bizarre Begegnung einfach zu vergessen.
    Dann trat er zur letzten Zelle.
    Ein feindseliges Fauchen begrüßte ihn, doch er setzte sich auf den Gang vor der Zelle und lächelte emotionslos.
    Sie zog sich etwas zurück, kauerte sich kampfbereit hin und fauchte. Irgendetwas hatte sie an sich. Er betrachtete ihren Körper und den Schweif, mit dem sie wütend schlug. Das blaugraue Fell bedeckte ihn wie ein verfilzter Teppich, der von unzähligen Narben zerfurcht wurde. Narben woher?
    Ein Auge war dunkelbraun, dass andere blau, doch beide funkelten auf dieselbe Art. Es war gruselig, die unterschiedlichen Farben, die an zwei verschiedene Katzen denken ließen, doch nur ein Kopf in dem sie saßen. So als würde sie von zwei Seelen bewohnt werden.
    Er musterte die langen, gebogenen Krallen. Sie waren mit Haizähnen verstärkt. Werkzeuge. Wofür? Die Antwort war der Totenkopf auf ihrem weißen Halstuch. Warum?
    Sie schien bedrohlich wirken zu wollen, doch er sah, wie zart sie war. Gerade alt genug zum Segeln, wenn überhaupt.
    Er erhob sich. Sie barg vielleicht ein Geheimnis. Narben entstanden in Kämpfen, doch wie kam eine so junge Kätzin dazu?
    Als er sie in der Dunkelheit zurückließ, das Glas mit den Glühwürmchen weiterschob, das geisterhafte Schatten an die Wände malte, kam ihm jedoch eine Erkenntnis.
    Er wollte es wissen, ihr Geheimnis lüften. Er lächelte. Auch sie war manipulierbar.
    Doch als er an der zweiten Zelle erneut vorbeikam grinste er, blutrünstig, seine Augen fingen auf unheimliche Weise das spärliche Licht ein und glühten. Zuvor würde er sich jedoch um diesen Kater kümmern.

    24
    Wie geht das bloß?
    Er stand an der Reeling und sah hinab auf das Meer, das friedlich vorbeiplätscherte. Die Wellen waren ziemlich hoch und ließen das Schiff schaukeln, jedoch waren seinen Beine und Pfoten dieses Geschwanke so bekannt, dass er es kaum mehr spürte. Die grauen Wellen, die die Gischt hinfort trugen, rauschten, waren friedlich, wie nach einem Sturm. Wie war das möglich? Nach jedem Sturm beruhigte sich die See, natürlich. Nach jedem Gewitter legten sich die Riesenwelle und schrumpften zusammen. Wie konnte es jedoch jetzt so friedlich sein? Das Unwetter war auf seinem Höhepunkt! Er spürte es, alles war da. Krachende Blitze, seine Wut, der heiße Zorn, der alles zerlegte. Der Wind, die Stimme seines Hasses heulte, erfüllte seine Ohren. Und das Meer, unendliche Trauer und Sehnsucht, wurden attackiert, dazu aufgerufen, zu handeln.
    Ich habe geschworen, dich zu beschützen! Ich werde mein Versprechen nicht brechen! Ich finde dich, Meeresschaum! Und ich werde sie büßen lassen, dafür, dass-...
    Sein zaghaft ausgesprochener Name unterbrach seine Gedanken: "Krakenzahn?". Er drehte den Kopf, funkelte Delfinsturm an. Kaum, dass ihr Blick seinen traf senkte sie ihn wieder, sträubte unwohl das grau-weiße Fell. Erst jetzt bemerkte er seine in die Planken gegrabenen Krallen und die gespannten Muskeln, als wäre er bereit sich jederzeit auf jemanden zu stürzen. Gezwungen lockerte er seine Haltung, auch wenn der Wind ihm zujaulte, er solle sich auf sie stürzen und Rache nehmen. Sie ist daran Schuld, dass Meeresschaum entführt wurde! Wäre sie nicht so leichtgläubig und naiv! "Es tut mir leid, Krakenzahn. Ich habe einen furchtbaren Fehler gemacht..."
    Er kämpfte um seine Beherrschung. Eine Entschuldigung würde sie auch nicht zurückbringen. Allerdings hörte er die aufrichtige Reue in Delfinsturms Stimme. Er nickte, wobei seine Kiefer knirschten, Zahn auf Zahn mahlte.
    "Wann planst du, sie zurückzuholen?" Ihr Name erfüllte seinen Kopf, verhinderten, dass er an etwas anderes dachte und rief ihm zu, sie zu suchen, zu retten; damit sie endlich wieder bei ihm war! Aber seine Zunge weigerte sich, ihn zu formen, nicht jetzt.
    "Ich... Ich weiß es noch nicht".
    "Wenn es nicht bald ist...", zischte er bedrohlich. Delfinsturm wich einen Schritt zurück, in ihren Augen sah er sein Spiegelbild. Die glühenden Augen waren tief, doch ließen jeden der hineinsah nichts wissen, wahnsinnig schimmerten sie und einen Moment erschreckte er sich vor sich selbst.
    "Ich weiß nicht, ob ich es riskieren kann-...." Sie legte die Ohren an, wartete scheinbar nur darauf, dass er sie unterbrach.
    "Du wirst es tun. Ansonsten..." Seine Stimme war leise und offenbar machte ihr das noch mehr Angst, als wenn er sie angeschrien hätte, sie schauderte. Jetzt beendete er seinen Satz jedoch nicht sondern wandte sich wieder dem Wellenspiel zu. Er hörte, wie ihre Pfotenschritte sich entfernten und doch spürte er einen Blick auf sich. Doch er ignorierte Möwenfeders Blick.
    Sie wollen, dass ich versuche, Delfinsturm zu verstehen. Sie wollen, dass ich einsehe, dass das Risiko vielleicht zu groß ist. Doch sie müssen erst kapieren, dass ich sterben würde um Meeresschaum zu retten. Ob sie mir nun helfen oder nicht, ich werde dich finden!
    Bevor das Ende der Welt näher rückte, hatte er noch einiges zu erledigen. Vor allem mit dem Oceanbarbians musste er noch abrechnen.

    "Warten wir's ab..."
    "Ich kann sofort beginnen, dieses Dienst anzutreten! Ich verspreche hoch und heilig ich werde die beste Nestkatze, die du je in deiner Crew hattest!"
    Ihr war, als würden die Blicke der Crewmitglieder Löcher in ihren Pelz schmoren, fast schon hatte sie den Geruch von verbranntem Fell in der Nase.
    "Sei still!", fauchte Froststurm.
    Reflexartig kauerte sie sich zusammen, sank auf das Deck, fiel in sich zusammen wie eine Sandburg am Strand, wenn die Flut die Ebbe ablöste. Der dunkelgraue Kapitän war nicht überdurchschnittlich groß, aber dank der ausgesprochen starken Muskeln, die sich bei jeder kleinsten Bewegung unter seinem glatten Fell abzeichneten, wirkte er doch sehr bedrohlich. Vor allem, wenn seine Augen, leicht aus den Höhlen getreten, seine Worte in eine deutlich rapiartete Sprache übersetzten. Sie schluckte. Würde er sie vielleicht sogar von Bord werfen und Elend ertrinken lassen?
    "Ich sehe nicht in dir, die Voraussetzungen für eine Nestkatze. Du bist jung, unzuverlässig und dumm! Bisher hast du nur gefaulenzt, hier und da vielleicht Geisterschiff etwas geholfen, aber das war's auch schon. Und jetzt willst du-..."
    Die Worte bahnten sich den Weg aus ihrem Maul ehe sie es verhindern konnte: "Achja! Schau dich an, oh großen Käpt'n! Verkriechst dich die ganze zeit in der Kajüte, wie die Maus im Mauseloch, obwohl dir nicht mal Gefahr droht!"
    Sie hörte die Katzen um sich teils empört, teils erschrocken nach Luft schnappen. Die unheimlichen, dunkelgrünen Augen loderte, nur einen Herzschlag ehe eine Pranke ihre Wange traf und sie quer über das Deck schleuderte. Im ersten Moment spürte sie den Schmerz nicht, doch als er einsetzte, wimmerte sie auf. Sie spürte eine heiße Flüssigkeit ihre Wange runterlaufen und rutschte fast in ihrem eigenen Blut aus, dass verdammt schnell aus der Wunde strömte und dir Holzplanken glitschig werden ließ. Ihre Beine zitterten und sie brauchte einen Moment, um das Gleichgewicht zu finden und um sich halbwegs in den Griff zu bekommen. Die breitschultrige Erscheinung Froststurms näherte sich; unheilverkündend verließ ein Knurren seine Kehle. "Wirklich, sehr dumm und respektlos von hier bis zum Nordpol"
    Er stand direkt vor ihr; sie senkte den Blick auf seine Pfoten. Haizähne verstärkten seine Klauen, schimmerten matt im Sonnenlicht.
    Sie wagte nicht, den Kopf zu heben, geschweige denn zu sprechen. Er würde nicht scheuen, ihr das Genick zu brechen, falls er überhaupt so gnädig war und sie so schnell sterben ließ. Würde er sie töten? Nur wegen ihren Worten?
    Ein weiteres paar Pfoten trat in ihr Blickfeld.
    "Lass sie in Frieden, Froststurm!", herrschte Knochenstern. Wolkenmeer erkannte sie an der Stimme, abgesehen davon, dass es wahrscheinlich sonst niemand gewagt hätte, dem Kapitän zu widersprechen oder sich in seinen Weg zu stellen.
    "Geh beiseite.", zischte die tiefe, zornige Stimme.
    "Nein. Lass es gut sein, oder will der stolze Kapitän sich damit rühmen, ein Jungenmörder zu sein? Schau sie dir doch an!"
    Ein erbostes Fauchen: "Ein weiterer Fehltritt und sie wird den Haifisch zum Frühstück vorgeworfen!"
    Ein Knarzen verriet ihr, dass Froststurm in seiner Kajüte verschwunden war. Sie hob den Blick. Knochenstern schaute sie an, ihre Augen waren wie aus Edelsteinen gemacht, Perlen, die jemand ihr geschenkt hatte.
    "Danke..." Ihre Stimme war zittrig.
    Blut lief in ihr Maul als sie es öffnete und sie spuckte angewidert rot gefärbten Speichel ins Meer.
    "Schon okay. Aber sei vorsichtiger, wenn Froststurm sauer ist, trampelt er wie ein tollwütiger Elefant alles nieder".
    Sie lachte leise, obwohl sie keine Ahnung hatte, was ein Elefant sein sollte. "Na komm, wir kümmern uns um dein Gesicht. Nicht, dass es von so hässlichen Narben verunstaltet wird". Sie spürte den Schweif der Koordinatorin, der sich über ihren Rücken legte und sie zu dem  Lagerraum leitete, in dem neben gepökeltem Fisch auch allerhand Heilkräuter aufbewahrt wurden.
    Die Crewmitglieder wichen vor ihnen zurück, eisige Blicke in den Gesichtern. Wolkenmeer wusste, dass sie nicht akzeptiert wurde, momentan war sie irgendwie einfach nur da. Früher oder später hatte es ja krachen müssen... Aber sie war Knochenstern dankbar, dass sie sich für sie einsetzte. Die alte schwarz-graue Kätzin war eigentlich recht beliebt und angesehen bei den Bonecrushern und auch bei den anderen Crews. Der blinde Heiler mit dem weißgrauem Fell kümmerte sich um die Kratzer, die Froststurm auf ihrer Wange hinterlassen hatte und die wahrscheinlich wirklich unschöne Narben bilden würden, wenn sie nicht behandelt wurden. Sie seufzte. Doch während sie allein in dem kleinen Raum, der intensiv nach Minze roch, zusammen mit dem blinden Kater saß -Knochenstern hatte sich mit einem "Ich werde mal mit Froststurm sprechen" abgewandt-, wanderten ihre Gedanken. Sie dachte nicht daran, sich zu verstellen! Sie hatte eh alles verloren, ihre Vergangenheit war weggeschwemmt worden, als sie Schiffbrüchig geworden war. Sie erinnerte sich nicht mehr an früher, also war das huer und jetzt alles, was sie hatte. Sie musste sich was Neues aufbauen und das wollte sie als sie selbst tun und nicht als eine Katze, die ins Bild passte.

    25

    Als er die Augen aufschlug sah er sich verwirrt um. Um ihn herum war alles in Dunkelheit gehüllt. Lebendige Dunkelheit, tanzende Schatten an den Wänden. Ein Einmachglas stand neben ihm, darin schwirrten ein paar Glühwürmchen herum und ließen mit ihrem schwachem, grünen Licht alles geisterhaft unwirklich scheinen. Er war allein. Doch so ruhig es auch war, er spürte das Kribbeln in der Luft; etwas erwartete ihn. Er rollte sich auf den Bauch und schluckte ein schmerzhaftes Zischen runter, als er die verkrusteten Wunden spürten. Doch es beruhigte ihn, seine Vorderpfoten zu sehen, als wären sie Freunde, die ihm jetzt beistanden. Er atmete tief durch, der Geruch modrigen Holzes, verwesenden Algen und Fisch erfüllte seine Nase. Er wollte die Luft schmecken, der Geruch erschien ihm so herrlich, als er seinen knurrenden Magen hörte. Langsam kamen seine Erinnerungen zurück. Spöttische Blicke tauchten in seinem Kopf auf, Klauen, die seinen Körper zum schärfen missbrauchten und verächtliches Lachen aus den Kehlen der Kater. Dann Schwärze. Wie lange bin ich wohl bewusstlos gewesen?
    Dem brennenden Durst nach, der jetzt seine Kehle trocken werden ließ, lange. Seine Zunge klebte am Gaumen, sie fühlte sich an wie eine Fremdkörper in seinem Mund, der mit Schmirgelpapier überzogen war. Er legte den Kopf wieder auf den Boden und schloss die Augen. Langsam kam alles zurück und er wurde wirklich wach. Dumpfe Schmerzen begannen in seinem Kopf zu brummen, doch sie beruhigten ihn. So lange er sie spürte, konnte er sich sicher sein, noch zu leben. Er hatte keine Ahnung, wie lange eine Katze ohne Wasser leben konnte, doch er konnte sich denken, dass er nicht mehr all zu lange durchhalten würde. Seine Gedanken drehten sich eine Weile im Kreis, die Geschehnisse der letzten Stunde -Oder Tage!-: Die Fighthearder, die Schlacht, die Oceanbarbians. Doch irgendwann hörten sie auf sich wie ein Karusell zu bewegen und hielten an. Im Nichts.
    Mit leerem Kopf starrte er ins Leere, ließ die Zeit verstreichen und wartete.  Er wünschte, er wäre nicht schwach, dann könnte er einfach aufstehen, sich bewegen und wenigstens verdammt noch einmal irgendwas tun. Doch so blieb ihm nichts anderes übrig, als still abzuwarten; der Lautlosigkeit zu lauschen, die in seinen Ohren knisterte. Er wusste nicht, worauf er wartete. Ob es nun eine gute Fee war, die ihm Wasser brachte oder der Tod, war ihm in dieser Zeit eigentlich egal. Er trieb ab, auch seine Sinne wurden taub und reagierten kaum mehr.
    Irgendwann begannen bunte Lichter hinter seinen Lidern zu zucken. Ein kleines Gewitter aus farbigen Blitzen, dann sah er Bilder. Bilder, aus seiner Vergangenheit. Seine Mutter, eine hochgewachsen Kätzin mit funkelnden Smaragdaugen und einem eigentlich hübschen Gesicht, das vor Zorn verzogen war. Er spürte ihr Krallen, als sie ihn schlug, immer wieder, immer wütender, als würde sein Blut an ihren Pfoten sie er richtig in Rage versetzen. Er sah seinen Vater, der ihn auslachte, er griff ihn nur psychisch an und seine Worte hinterließen Narben an seiner Seele. Seine Geschwister, ekelerregend, wie sie geiferten, wann immer seine Eltern auf ihn losgingen. Er übergab sich, sein letztes bisschen Mageninhalt landete auf dem Boden der Zelle. Es stank, doch bereits zuckten neue Bilder durch seinen Geist. Er sah sich, jetzt älter, wie er durch die Landschaft streifte. Er spürte den Hass, der durch ihn floss, wie Blut. Plötzlich war er nicht mehr allein, drei andere Katzen begleiteten ihn. Er kannte sie, er vertraute ihnen. Sie hatten einen Plan, seine Rache.
    Eine neue Situation, eine brennende Scheune, lodernde Flammen, die nach Opfern leckten. Sie waren hungrig, wie das Meer. Sein Gesicht war eine Maske, während er wie paralysiert auf die lichterloh fackelnde Scheune sah, die Hitze spiegelte sich in seinen großen, ungläubigen Augen. Ein Schrei, den er bis zum heutigen Tag noch in seinen Ohr klingen hörte. Pure Qual waren darin, eine Träne rollte über sein Gesicht, fiel zu Boden. Doch sie zählte nicht, wie ein Tropfen auf den heißen Stein, der sofort verdampft.
    Das Bild erlosch, die Scheune war verschwunden; er streifte hindurch durch das Chaos. Der Geruch von nasser Asche hing in der Luft, doch nicht der seiner Freunde, nicht der seiner Familie.
    Zweigeteilt, Trauer um seine Freunde, die bei dem Unfall gestorben waren; es hatte nur seine Familie treffen sollen! Zorn, denn seine Familie hatten nicht so gelitten, wie er es gewollt hatte.
    Er erinnerte sich noch daran, wie er zur See gekommen war. An der Küste legte ein imposanter Dreimaster an, die Besatzung hatte eine erstaunlich sadistische Ader. Er kam zu ihnen, weil er Leiden sehen wollte, sie ebenso. Doch es war besser als er es sich je erhofft hätte. Er sah Leiden und lernte gleichzeitig Kameradschaft kennen, Zusammenhalt, Stärke und Vergebung.
    Sein Atem wurde ruhiger, er fokussierte sich auf sich selbst. Noch immer sehnte er sich nach Rache an seiner Familie. Dafür, wie sie ihn behandelt hatten, dafür, dass er jetzt so war wie er war.
    Ein Quietschen ertönte, seine Zellentür schwang auf. Eine Pfote stieß ihm in die Rippen, eine Stimme forderte ihn, aufzustehen, ein Hauch von Spott in der Stimme.
    Er konnte nicht einmal die Fellfarbe des Katers erkennen, gehorchte aber wortlos. Er hatte nicht die Kraft, sich zu wehren, so schleppte er sich mühsam vorwärts.
    Dann, Licht.
    Es tat seinen Augen beinahe weh, so lange war er in der Finsternis gewesen. Die Kater der Mannschaft hatten sich hier aufgestellt, ihre Gesichter waren böse grinsende Fratzen. Es war furchterregend, doch er spürte keine Angst. Ob es war, weil er dieses Gefühl so gut kannte oder ob er einfach zu erschöpft dazu war, wusste er nicht. Er musterte die Katzen, Schwarzsturm, der Kapitän, saß neben einem hellbraunem Kater mit dunkelblauem Kopftuch.
    Ein schwarzer Kater mit funkelnden Augen machte den Anfang. Er rammte ihn von der Seite, sodass er taumelte. Ehe er jedoch auf das Deck stürzte, trat ein anderer, ein Graubrauner mit flacher Nase, ihn heftig. Er sackte zusammen. Jetzt stürzten sie sich alle auf ihn, er spürte Krallen, Zähne.
    Der Schmerz strömte in Wellen durch seinen Körper, jede neue Wunde war ein greller Blitz, der ihn durchfuhr. Die Zeit verlor ihre Bedeutung, alles was es noch gab war Schmerz und das Lachen der Katermannschaft.
    Doch dann ließen sie von ihm ab.
    Kraftlos, benommen, halbtot blieb er liegen, reglos. Er konnte nicht mehr, er spürte sich sein Leben mit jedem Tropfen Blut, der auf den Holzplanken landete, verlieren; atmete es aus, sobald die Luft aus seinen Lungen wich.

    Grausame Genugtuung erfüllte ihn, wenn er auf den Körper des grauen Katers hinabsah. Das einst orangene Halstuch war blutgetränkt, das Fell verklebt. Er lachte kehlig, riss ihm das Halstuch ab. Der Graue machte keine Anstalten sich zu wehren, war er schon tot? Nein, er hörte das heisere Keuchen. Er schleuderte das nasse Stück Stoff von Bord, in das Meer.
    Und dann warteten sie.
    Sie würden nicht die Henker sein, die ihm das Leben nahmen; sie warteten auf diese.
    Sie waren nur die, die sein Schicksal besiegelten. Dann tauchten sie auf, lautlose Schemen unter der Wasseroberfläche, ähnlich Geistern, die durch die blaue Unendlichkeit schwebten. Es plätscherte leise, wenn einer kurz auftauchte, graue, gefleckte, schwarze Rücken, mit glatten Schuppen. Dreieckige Rückenflossen, die wie Klingen die Wellen durchtrennten. Es gab viele Märchen, Erzählungen und Mythen über Meereswesen, manche waren schon gesehen worden, andere nicht. Auch über diese kannte er Geschichten. Sie sprachen von Schatten, die ins Wasser gefallen waren und dort zu eigenständigen Wesen mit rabenschwarzen Seelen wurden. Ihre Flossen zerschnitten das Wasser, machten es unruhig und erzeugten Strudel. Angeblich.
    Er grinste und nickte Gewitterschatten zu. Der bullige Kater mit den Goldzähnen packte ihren Gefangenen im Genick und schleifte ihn nach Achtern.
    Plötzlich kam Leben in den grauen Kater, als würde er ahnen, was genau sie geplant hatten. Er stemmte die Beine auf das Deck, doch außer ein paar Splittern in den Ballen erreichte er nichts. Wie ein trotzige Junges wirkte er und wehrte sich kraftlos.
    Scheinbar mühelos hob Gewitterschatten ihn höher. Wie in Zeitlupe sah er dann zu, wie der Dunkelbraune den Kleineren über die Reeling ins Meer schleuderte. Alle Bonecrusher sahen zu, die Augen funkelten amüsiert. Blau, bernstein, grün, braun, orange, wie Edelsteine.
    Er wendete den Blick zu Haien. Die passiven Schatten, die wie unsichtbares Unheil dem Blutgeruch gefolgt waren, wandelten nun zu Bestien. Sie kämpften um den graufelligen Körper des hilflos paddelnden Matrosen. Er versuchte sich irgendwie zu retten. In solchen Momenten übernahm der Instinkt, der doch noch tief in ihnen verankert war; Lebenswille. Doch dann war da plötzlich ein großen Maul, zwei Reihen schneeweiße, dornenspitze Zähne. Ein Haps, alles von der Schwanzspitze bis zum Brustkorb verschwand im Schlund.
    Das Wasser verfärbte sich rot; so hellrot, wie Mohnblumen, die im Sommer zwischen dem Küstengras blühten. Ein letzter Schrei, heiser, ungläubig. Er klang in seinen Ohren nach und einen Moment war er überwältigt von der Qual, die darin stand. Er konnte die Reste des Katers nicht mehr erkennen, sie wurden unter Wasser gezogen, verschwanden zwischen den aalglatten Leibern der Meeresjäger. Sie ließen das Gerangel der hungrigen Raubfische hinter sich und schließlich war außer ein paar letzten Luftblasen, die noch nach oben stiegen, nichts mehr zu sehen.
    Restlos verschwanden die Beweise, dass dieser Kater einmal gelebt hatte, in der Tiefe, wurden hinfortgespült von den salzigen Fluten.
    Man lebt und denkt sich, die Erinnerungen an einen seien für immer. Doch wenn es dann soweit ist, gerät man schneller in Vergessenheit, als jemals geglaubt. Irgendwann wird alles tot sein und niemand wird sich an irgendetwas erinnern. Eines Tages wird die Welt im Vergessenen versinken, so, wie ein Kieselstein im Wasser.
    Er konnte einen Moment sein Spiegelbild sehen, verzerrt durch die Wellen. Seine glühenden, orangenen Augen erinnerten ihn an das Meer, eben, als der Körper des Katers zerfetzt worden war. Sie waren wie der Sonnenuntergang; Blut des Tages, der starb. Es war, als bestände er aus nichts als seinen Augen; sein Gesicht mit der dunkelgrauen Schnauze, das weiße Fell, die graue Tigerung wirkten unscheinbar, gefälscht. Zum ersten Mal, kam es ihm vor, als würde das Seil um seinen Hals ihn würgen und die Stahlkette lastete schwer auf seinem Rücken, lähmte sein Hinterbein.
    Das hier ist mein Leben; hellrote Mohnblumen, die auf den pechschwarzen, endlos tiefen Wellen treiben.

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1462553093
Die MMFF~ Pirates of the Warrior Cats
Die MMFF~ Pirates of the Warrior Cats
Katzen befahren jetzt auch die Meere! Sie sind nicht länger Warrior Cats, sondern jetzt Piraten Cats! Eine MMFF zum Eintauchen in diese, neue Welt
http://www.testedich.de/quiz41/quiz/1462553093/Die-MMFF-Pirates-of-the-Warrior-Cats
http://www.testedich.de/quiz41/picture/pic_1462553093_1.png
2016-05-06
406A
Warrior Cats

Kommentare (29)

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Nebel (40812)
vor 457 Tagen
*HABE EINEN HERZINFARKT BEKOMMEN ALS ICH DAD MIT DEN TOTEN GELESEN HABE* ICH.LIEBE.DIESE.FF.HEILIGER.KOT. *0*
Flussi :3 ( von: °Flussherz°)
vor 457 Tagen
OMG bestes Kapi seit langem endlich mal tote und neue spannung unter den Katzen! Mach bitte schnell weiter weil ich deine Kapis nur so verschlinge!^^

R.I.P Sturmwelle x3
White Cheetah (54196)
vor 476 Tagen
Kommt wolkenmeer auch mal vor?
Bachglanz & Korallenfell (29444)
vor 500 Tagen
Omg ein Kapitel aus Korallis Sicht!! Sau gut ^.^
Nebel (13578)
vor 500 Tagen
OMG OMGNOMG OMG OMG.GOGMGMOGMGM *FREUDENSPRÜMGE*
Dunkelmond (87460)
vor 507 Tagen
Wow!!!!TOLLLLLLLLEEEEESSSSS neues Kapitel!!! Es wurde aus Dunkelmonds Sicht geschrieben!!!! JUHU!!! Und Tigerhaikralle kam auch vor!!
Bachglanz & Korallenfell (29444)
vor 507 Tagen
Super Kapitel und Yeay die Oceanbarbians ^.^
Sturmwelle (64640)
vor 510 Tagen
OMSC!!! Das war wieder ein richtig geiles Kapi!0.o
Bachglanz & Korallenfell (25418)
vor 510 Tagen
Omg ein Kampf ^.^ richtig cooles Kapitel ;)
Bone (13578)
vor 515 Tagen
Eh..ja..Spufelklippe ":3 ehm..sein neuer Name 'xd..)
Meeresschaum (05640)
vor 515 Tagen
Gut geworden ;)
Hangman of your nightmares (54755)
vor 515 Tagen
Sprufelklippe? XD
Aber schön, dass es euch gefällt :)
Bachglanz & Korallenfell (29444)
vor 516 Tagen
YEAHHH *.* neues Kapitel, soooo cool ^.^
Bone (13578)
vor 516 Tagen
OMG JAAAAAA KRAALLENFLUUGG UND SPRUDELKLIPPE,KRALLENFLUUG UND SPRUFELKLIPPPEE *-* *WILD VOR FREUDE RUMHUPF UND DAS KAPITEL ZEHNTAUSENDMAL LES*
Dunkelmond & Tigerhaikralle (64640)
vor 516 Tagen
Wie cool !!! Jetzt kommen die SS Amazonen!!!! Es ist super toll geworden und sssssoooooooo spannend!!!!😆😆😆😆😆😆
Sturmwelle (64640)
vor 516 Tagen
Danke das du aus Kaltis sich geschrieben hast!*-* *wild rumhüpf* mehrrrrr!!! Bitte...?
Bone (13578)
vor 518 Tagen
Kein Problem xD..ja,endlich wieder eine Stärke!*-* Das werd ich dann meinem Boss erzählen,wenn es dieses Gespräch mit den Stärken und so gibt :3.."Also..meine Stärken..hm,wissen Sie,ich bin sehr gut darin Wörter im Duden zu stalken" XD ..das muss ich mal machen..ich bin den Job vielleicht los,aber die Reaktion ist es wert
Hangman of your nightmares (54755)
vor 518 Tagen
Danke :) Bonielein, das kannst du auch! :3 Wörter im Duden stalken xD
Bachglanz (29444)
vor 518 Tagen
Richtig cooles Kapitel ;)
Bone (13578)
vor 518 Tagen
xD Dacht ich mir auch zuerst,aber zur Sicherheit hab ich es im Duden nachgeschlagen ^^"..also eigentlich sollte diese Aussprache stimmen......