Schlamm&Rein 4

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81 Kapitel - 41.770 Wörter - Erstellt von: IsaSparkle - Aktualisiert am: 2016-12-26 - Entwickelt am: - 6.682 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 2 Personen gefällt es

Das 4. Jahr beginnt.
Voldys Ansprüche steigen, Draco und Layla vertragen sich nicht unbedingt so wie sonst.
Achja, Pansy und Blaise haben auch noch ihre etwas größere Rollen.

    1
    „Hast du die beißenden Türklinken versteckt?“
    „Ja.“
    „Hast du die ausrastenden Teekannen weggesperrt?“
    „Ja...“
    „Hast du die Gedtalt-verändernden Schlüssel weg geräumt?“
    „Jaah!“
    „Hast du schreienden Löffel-“
    „Ich habe alle Anti-Muggel-Artefakte weggeräumt, JAAH!“
    Genervt gehe ich in Gedanken nocheinmal die Verstecke durch.
    Die Türklinken in die Tekannen gestopft, welche ich fest zusammengebunden unter meine Zaubertrank-Kessel gemischt hatte. Schlüssel in die Umschläge meiner schulbücher.Die Löffel, mit einem Schweigezauber belegt und in die Innentasche einer meiner Umhänge gestopft.
    Wie immer in den Sommerferien hänge ich bei Burgin&Burkes fest. Doch seit einige, andere Landeninhaber von Hausdurchsuchungen berichtet haben, läuft hier alles deutlich legaler.
    Im Schneidersitz auf der Ladentheke gemütlich gemacht, beobachte ich misstrauisch das düstere Treiben auf der Gasse draußen.
    Ein Zauberer, der mir irgendwie entfernt bekannt vorkommt, betritt den Laden.
    Ich bleibe regungslos sitzen. „Kann ich ihnen helfen?“
    Neugierig, aber auch misstrauisch mustere ich die roten Haare. Und auch das Gesicht errinnert mich an jemanden…
    Der Mann blickt sich um. „Arbeitest du hier?“ „Was wollen Sie?“ Der Zauberer seufzt. „Ein paar Fragen stellen und mich..ein wenig umsehen.“
    „Sie erinnern mich an jemanden. Ich will ja nicht unhöflich sein, aber sind sie Mr Weasley?“ Der Mann blickt mich überrascht an. „Ja, aber woher weißt du das?“
    „Ich kenne ihren Sohn Ronald. Also, kennen ist etwas übertrieben.. Egal. Sie sind also wegen einer Hausdurchsuchung hier?“ Weasley rückt seine schief sitzende Brille zurecht. „Ich bin von der Abteilung für Muggelrechte und-“ „Das ganze Zeug wegen den Muggeln. Soso. Was glauben sie denn, was sie hier finden werden?“
    Ich werfe einen nervösen Blick über die Schulter. Wo bleibt denn Burgin?
    Da er nicht kommt, gehe ich wieder in die offensive mit dem Muggel-Beauftragten.
    „Nur weil das ein schwarz-magischer Laden ist, heißt das gleich illegal, oder wie? Wissen sie, manche Leute sammeln sowas, weil es sie interessiert. Und das ist nicht verboten!“
    Weasley hebt abwehrend die Hände. „Ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Also..“ „Na dann suchen Sie mal. Viel Spaß.“
    Als endlich Burgin aus dem Hinterzimmer kommt, überlasse ich ihm den Weasley und ziehe mich zurück. Hoffentlich findet der Typ nichts.

    „Hast gut gemacht“ sagt Burgin eine halbe Stunde später, nachdem der Weasley wieder verschwunden ist. „Ich weiß.“
    Bugin verschließt die Tür. „Heute kommt sowieso niemand mehr.“
    Da hat er recht, ein blasser Mond hat sich bereits über die Winkelgasse geschlichen.An sich könnte ich auch in einem ganz normalen Bett schlafen, aber in den letzten drei Wochen habe ich die Angewohnheit entwickelt, es mir hinter dem Tresen mit einer Decke gemütlich zu machen. Dort bin ich näher an dem, was ich am ehesten als Zuhause bezeichnen könnte.
    Schrumpfköpfe, Giftflaschen und magische Skulpturen bilden vielleicht ein seltsames Heim, doch es ist realer, als das Haus, das ich seit 3 Jahren nicht mehr gesehen habe.
    Ich schließe die Augen, um in einem nicht sehr traumlosen Schlaf zu versinken…

    „Ich habe einen Auftrag für dich.“
    Voldemort war noch nie ein Meister im Smalltalk. Wie so oft stecke ich in dem Haus meiner Vorfahren fest…
    Ich unterdrücke ein Seufzen. Die Aufgaben für mich sind nie sonderlich spannend.
    „Mit wem soll ich mich diesmal anfreunden? Was soll ich jetzt herausfinden? Außerdem habe ich Ferien.“
    „Die Sache ist zu groß, um es hier im Traum zu besprechen.“
    Ich horche auf. Das ist mal etwas ganz neues. „Ach ja? Und wo sonst?“
    „Du musst nach Little Hangleton kommen. Frage nach dem Riddle-Haus, wenn du es nicht selbst findest. Ich bin dort.“
    „Was! Du hast doch nicht mal einen eigenen Körper!“
    „Beinahe… Komm sofort.“
    Und dann bin ich wach.

    Weil man Voldemort nicht warten lassen sollte, mache ich mich wirklich fast auf den Weg.
    Das einzige, was ich noch mache, ist, mich um zu ziehen und einen kleinen Zettel zu hinterlassen. Burgin stellt nie viele Fragen, noch ein Vorteil der Nocturngasse.

    Muss weg, bin aber nicht sicher wann ich wiederkomme. Könnte morgen früh sein, oder auch erst in ein paar Tagen.

    Zu schade, dass ich nicht weiß, ob dieses Riddle-Haus einen Floh-Pulver-Anschluss hat. So weit ich weiß, ist Little-Hangleton fast 300 Kilometer entfernt. Was tut man nicht alles für etwas agressive Verwandtschaft?
    Da mir keine andere Idee kommt, noch Little Hangleton zu gelangen, tue ich etwas, was ich seit über drei Jahren nicht mehr getan habe: Ich öffne meinen Koffer, und krame von ganz unten etwas Muggelgeld heraus. (Ich bin nicht so ganz vertraut mit der englischen Währung, also sorry dass ich hier keine Zahlen nenne:))
    Ich zähle es. Könnte gerade so reichen.

    Die verwunderten Blicke der vereinzelt herum laufenden Hexen und Zauberer, denen ich in der Nocturngasse, sowie in der Winkelgasse begegne, ignorierend, mache ich mich auf in die Muggelwelt.

    Nach fast drei Stunden Fahrt muss ich dem Taxifahrer fast mein gesamtes Geld geben. Egal.

    Ziemlich verunsichert stehe blicke ich mich um. Eine schmale Straße, Dunkelheit, einige Häuser um mich herum.
    Natürlich ist es dumm, Angst zu haben. Ich bin hier in der Muggelwelt. Ich habe zur Not doch auch meinen Zauberstab. Aber es ist sicher nicht nur das unbekannte Dorf oder die Duneklheit, die mein Herz so rasen lässt.
    Voldemort ist sicher nicht ohne.
    Ein fernes Flackern erregt meine Aufmerksamkeit.
    Auf einem Hügel, der über dem Dorf zu thronen scheint kann ich die Silhouette eines großen Hauses erkennen. Sicher war es mal prachtvoll, doch selbst in der Dunkelheit wirkt das Gebäude verfallen. Durch eines der vernagelten Fenster flackert Feuerschein. Das muss es sein, denke ich, das Riddle-Haus.
    Der Anstieg ist nicht so schwer wie erwartet und beunruhigend schnell stehe ich vor der Haustür.
    Mit einem Mal öffnet sich knarrend die Tür. Jetzt ist es so weit, gleich sehe ich IHN.
    Ein Mann späht zu mir nach draußen.
    Klein und pummelig, mit wässrigen Augen und einer spitzen Nase.
    Er mustert mich einen Moment. „Wie heißt du?“ Der Mann hat eine seltsam quäkende Stimme. „Ich… Ich bin Layla“ bringe ich schließlich heraus. Die Tür wird etwas weiter geöffnet, und jetzt merke ich, dass mein Gegenüber einen Zauberstab umklammert. „Geh die Treppe hoch! Aber mach nichts dummes! Wird's bald!“
    Ich zwinge mich aus der Starre und trete an dem Mann vorbei. Ich kann mich nur kurz umsehen, dann stößt er mich zu einer Treppe. Es ist wirklich etwas prachtvoll hier, doch der Staub vieler Jahre hat die Schönheit verblassen lassen.
    Als ich eine Etage weiter oben bin, ist der Feuerschein ganz nah und direkt, im nächsten Zimmer. Die Tür steht bloß einen Spalt breit offen, doch die Stimme kann ich ganz genau hören. „Wurmschwanz...Wieos bringst du sie nicht ganz herein?“
    Das muss alles ein Traum sein, denke ich, als ich den Raum betrete.
    Ein hoher Lehnstul steht, zum Feuer in einem Kamin gerichtet. Von dort dringt auch die Stimme.
    „Layla… Willst du nicht herkommen, und sehen, was aus mir geworden ist?“ Nein, nein eigentlich will ich das nicht. Aber das kan ich ja so nicht sagen. „Aber achte, dass du nicht vor Schreck stirbst..“ Voldemort lacht leise. „Ich bin hart im Nehmen.“ Ich bin von mir selbst überrascht, wie fest meine Stimme klingt. Als würde nicht mein nervöses, ängstliches Selbst meinen Körper kontrollieren, sondern jemand ganz anders mache ich ein paar mechanische Schritte in Richtung des Stuhls. Auf einmal bin ich ganz ruhig. Ich kann höchstens sterben, und auch das ist eher unwahrscheinlich.
    Das, was auf dem Stuhl sitzt lässt mich zwar nicht gerade vor Schreck sterben, allerdings muss ich ein Würgen unterdrücken. Das Ding erinnert an ein mageres Baby ohne Haut, mit grotesk verzerrten Gliedmaßen, eingewickelt in eine Decke, wörüber ich ziemlich froh bin. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, weiß aber nicht, wie gut mir das gelingt. „Was ist so wichtig, dass ich hierher kommen sollte?“ „Langsam, langsam..“ Ein kaum erkennbarer Mund in dem Gesicht des Geschöpfs bewegt sich mühevoll.
    Der Mann, der mich vorhin die Treppe hinauf gebracht hat, den Voldemort Wurmschwanz nennt, meldet sich mit ängstlicher Stimme zu Wort. „Es ist noch ein rest in der Flasche, Herr, wenn Ihr noch hungrig seid...“ „Später. Rück mich näher ans Feuer, Wurmschwanz!“ Ich gehe ein paar Schritte zurück, muss erst einmal das verdauen, was ich hier sehe. „Wo ist Nagini?“ fragt Voldemort. „Ich weiß es nict, Herr, ich glaube, sie erkundet das Haus.“ „Wer ist Nagini?“ erkundige ich mich neugierig. „Das wirst du nachher sehen..“
    Voldemort und dieser Wurmschwanz reden noch über ein paar Dinge, die ich nicht ganz verstehe.
    „...Es wäre eine Dummheit, wenn wir loslegten, ehe die Quidditch-Weltmeisterschaft vorüber ist!“ Ich hebe den Kopf. „Quidditch-Weltmeisterschaft? Es gibt eine Quidditch-Weltmeisterschaft?“ „Allerdings..“ antwortet Voldemort mit leicht amüsiertem Unterton, „Und du wirst da auch eine Rolle haben, aber das kommt später. Ich und Wurmschwanz müssen noch kurz einiges Besprechen. Du wirst nicht alles verstehen, aber was du wiisen werden musst, kommt später...“
    Tatsächlich verstehe ich gar nichts, bis auf einzelnes, wobei ich wiederum die Zusammenhänge nicht deuten kann. Sie reden über dieses Miststück Potter und über Pflege für Voldemort, wobei ich mich möglichst klein mache. Auf gar keinen Fall will ich die Pflege für dieses grausige Etwas auf dem Stuhl übernehmen. Doch einmal mehr scheint Voldemort meine Gedanken zu lesen. Er meint, mich bräuchte er noch für ganz andere Zwecke.
    Als die beiden über die Ermordung bestimmter Personen sprechen, höre ich schnell weg. Für mich ist es vermutlich deutlich besser, wenn ich so wenig wie möglich weiß.
    „Nagini..Komm her...“ Jetzt richte ich meine Aufmerksamkeit wieder auf Voldemort. Parsel. Er muss Parsel gesprochen haben, denn schon wenige Sekunden später gleitet eine Schlange zu uns. „Ist das Nagini?“ frage ich selbst auf Parsel. Die Schlange starrt mich an. „Isssst ssie dass?“ Die Schlange hat gesprochen. „Ja...“ Ich muss grinsen, bei dem Gedanken daran, wie sich diese Unterhaltung für Außenstehende anhören muss. „Draussssen ssteht ein Muggeeel und lausschhht“ parselt Nagini.
    „Nagini hat interessante Neuigkeiten, Wurmschwanz.“ „T-tatsächlich, Herr?“
    „In der Tat, ja. Nagini zufolge steht draußen gleich vor der Tür ein alter Muggel und hört jedes Wort mit, das wir sprechen.“
    Wurmschwanz trippelt zur Tür – und wirklich, da steht ein alter Mann. „Bitte ihn doch herein, Wurmschwanz. Wo bleiben deine Manieren?“
    Nigini rollt sie vor dem Feuer zusammen
    „Du hast also alles mitgehört, Muggel?“
    „Warum nennen Sie mich so?“ fragt der Muggel widerspenstig.
    „Ich nenne dich einen Muggel, weil du kein Zsuberer bist.“
    Ich habe die wage Vermutung, dass diese Nacht für den Muggel nicht gut ausgehen wird.
    „Ich weiß nicht, was Sie mit Zauberer meinen. Alles, was ich weiß, ist, dass ich heute Nacht was gehört hab, das sicher die Polizei inetressieren wird! Sie haben einen Mord begangen und planen noch weitere Morde!
    Und ich sag Ihnen noch was; Meine Frau weiß, dass ich hier bin, und wenn ih nicht zurückkomme-“ „Du hast keine Frau“ sagt Voldemort mit gelangweilter Stimme. „Keiner weiß dass Sie hier sind. Du hast niemandem etwas gesagt. Belüge Lord Voldemort nicht, Muggel, er weiß..er weiß es immer!“
    „Stimmt das? Lord, tatsächlich? Nun, ich halte nicht viel von Ihren Manieren, Sie Lord, Sie.
    Warum drehen Sie sich nicht um und schauen mir ins Gesicht wie ein Mann?“
    „ich bin kein Mann, Muggel.“
    Egal, wie abstrakt und seltsam diese Situation ist, ich muss ein Kichern unterdrücken. Diesen Satz kann man auch falsch verstehen, Mylord denke ich belustig.
    „Ich bin viel, viel mehr als ein Mann, Muggel. Aber warum nicht? Ich werde dir ins Gesicht sehen… Wurmschwanz, komm her und drehe meinen Stuhl um.“
    Wurmschwanz gibt ein Wimmern von sich. „Du hast mich gehört, Wurmschwanz!“
    Mit einer angwiderten Miene macht Wurmschwanz sich daran, den Stuhl zu drehen.
    Kaum, dass der Muggel Voldemort erblickt, fängt er an zu schreien.
    Dann geht alles sehr schnell, ich sehe einen grünen Lichtblitz, bin einen Moment geblendet. Dann liegt er da. Der Muggel.
    Es ist stillt, totenstill um genau zu sein. Die Faust vor den Mund gepresst mache ich ein paar zaghafte Schritte auf den Mann zu. „Ist der- Ist der tot?“
    „Und jetzt kommen wir zu den für dich wichtigen Dingen“ überhört Voldemort meine Frage und wendet sich an mich.
    ~
    Ein durchdringendes Schrillen reißt mich aus meinem Schlaf. Immer diese ganzen Idioten, die nicht wissen, dass man nicht einfach so nach Malfoy Manor rein apparieren kann! Und überhaupt, es ist mitten in der Nacht!
    Nach zwei Minuten ist das Geräusch endlich verstummt. Vermutlich war Vater eh noch wach, überlege ich. Aber ich hab schon geschlafen. Wer auch immer da ist, hoffentlich fängt er keinen Streit an, denn das müsste ich dann mal wieder alles mitkriegen, weil dieses verfluchte Arbeitszimmer von Vater ganz in der Nähe von meinem Zimmer ist.
    Ein paar wenige Minuten ist es wunderbar still. Bis „Ja! Wie oft noch!“ „Ich glaube dir kein Wort, verschwinde gefälligst!“ „Schön, dann gehe ich jetzt zu ihm zurück, und sage, dass er sich jemand anders suchen muss, weil Sie zu blöd sind, mir zu glauben. Kann ich gerne tun, aber wie ihm das gefällt-“ „Wie redest du mit mir!“ Die Stimmen werden wieder leiser.
    Aber meine Ruhe ist nicht von Dauer. Die Tür wird geöffnet. „Was ist jetzt schon wieder los! Oh, Morgen, Mutter!“ „Draco, ich muss mit dir reden.“ Gerade, als sie weitersprechen will, kommt wieder eine laute Stimme aus dem Arbeitszimmer meines Vaters. „Nein! Das ist verdammt noch einmal IHRE Aufgabe! Nicht meine! Sie haben hier schließlich die Kontakte.“
    Aprupt setze ich mich auf. Die Stimme kenne ich doch.
    Bevor meine Mutter mich aufhalten kann, bin ich schon aus meinem Zimmer raus, laufe den Korridor entlang. Die Tür zum Arbeitszimmer steht offen.
    Vater, mit einem ungewohnt nervösen Gesichtsausdruck sitzt an einem der Schreibtische, während eine andere Gestalt mit dem Rücken zu mir auf und ab geht.
    „Das ist mir sowasvon egal. Sie könnten weit mehr verlieren, als Ihre eigene Freiheit. Aber gut, dann halt nicht.“ „Wie sprichst du mit meinem Vater, Tale!“
    Layla bleibt stehen, dreht sich aber nicht um. „Wie ich mit wem spreche ist vollkommen meine Sache, Malfoy. Dein Vater sollte sich geehrt fühlen.
    Also, machen Sie's nun oder nicht?“
    Vater seufzt. „Nun gut. Sonst noch was?“ Layla nickt. „Ich muss auch da sein. Eine Maske brauche ich auch.“
    Ich verstehe echt null.
    „Was ist hier eigentlich los?“ frage ich genervt. Da endlich dreht Layla sich um. „Stimmt. Mit dir muss ich auch noch reden.“ Das ist das erste Mal seit wir uns vor den Sommerferien gestritten haben, dass wir miteinander reden. Mir jedoch scheint es, als hätte Layla das alles komplett vergessen. Meine Mutter legt mir eine Hand auf die Schulter. „Muss das sein?“ Layla nickt gewichtig. „Na klar. Wer weiß, was ihr ihm erzählen würdet. Kommst du mal, Draco.“
    Sie führt mich in mein Zimmer. „Weißt du, es ist ziemlich abstrakt, dass ausgerechnt du mich durch mein eigenes Haus führst.“ Layla ignoriert diese Bemerkung, lässt sich auf meinem Bett nieder und grinst. „Dein Vater ist ein ziemlicher Feigling, weißt du das?“ „Und du ziemlich unverschämt“ knurre ich, „Du hast kein Recht, einfach hier aufzutauchen und ihm zu drohen, oder was sonst du getan hast!“ Sie zuckt mit den Schultern. „Je nach dem in wessen Auftrag ich handle, habe ich so ziemlich jedes Recht, mein Lieber.“ Sie mustert mich. „Also, wenn du es abstrakt nennst, dass ich dir und deinen Eltern Anweisungen gebe – Was bist du dann gerade?“ Auf meinen verständnislosen Blick hin fügt sie hinzu: „Steht dir“ und macht eine umfassende Geste in meine Richtung. Ich schaue an mir herunter. Verflucht, Lay hat recht. Natürlich kennt mich jeder nur in ordentlichen Klamotten, mit gekämmten Haaren und nicht zerzaust, verschlafen und schon gar nicht nur in T-shirt und Unterhose.
    „Du kannst selbst von mir nicht erwarten, dass ich in einen schwarzen Anzug gekleidet schlafen gehe, schon gar nicht im Sommer“ verteidige ich mich. „Das war kein Vorwurf. Und kannst du dich jetzt vielleicht mal hinsetzen? Mir tut schon der Nacken weh vom hochschauen.“ Ich tue was sie sagt – aber nur, weil ich nicht weiß, was sie zur Zeit so mächtig macht, dass sie tut und lässt was sie will.
    „Wie du wahrscheinlich weißt, ist beziehungsweise war dein Vater ein Todesser. Und da der dunkle Lord voraussichtlich dieses Jahr zurückkehren wird, sollen die ganzen ehemaligen Todesser schon mal wieder aufleben. Der perfekte Zeitpunkt dafür ist nächste Woche bei der Quidditch-Weltmeisterschaft. Und ich...ich habe IHN gesehen, Draco. Ich war bei ihm. In Little Hangleton. Er hat mich geschickt, damit ich deinem Vater sage, er soll seine alten Todesserfreunde zusammentrommeln und ihnen Meldung machen, für eine Aufruhr bei der Weltmeisterschaft.“
    „Und was hat das mit mir zutun?“ Layla schaut zur Seite. „Gar nichts. Ich wollte nur, dass du bescheid weißt.“
    „Schön, ich weiß jetzt bescheid. Kannst du jetzt vielleicht verschwinden? Ich bin müde.“ Ich bin immernoch sauer auf sie. „Klar.“ Sie steht etwas zögerlich auf, scheint etwas sagen zu wollen, geht dann aber schnell raus.
    Sobald die Tür geschlossen ist, ist es wieder entspannden dunkel in meinem Zimmer.
    Ich lege mich auf den Rücken, starre noch eine Weile in die Dunkelheit.
    Ich kann nicht leugnen, dass ich mich irgendwie auf die Todessermachenschaften freue. Könnte ganz interessant werden.
    ~
    Ich lehne mich von außen an die Tür. Habe ich mal gesagt, dass es leichter ist, sich mit Draco zu versöhnen als mit Voldemort?
    Todmüde mache ich mich auf den Weg nach unten in die Eingangshalle um dann schnell aus zu gehen. Hoffentlich ist dieser Wurmschwanz noch da, mit dem ich ja auch her appariert bin. Wenn nicht, muss ich mir eben was anderes überlegen.
    Ich komme an Narzissa Malfoy vorbei, die nachndeklich in die Nacht schaut. Ich zögere einen Augenblick. „Tut mir Leid, dass ich vorhin so unfreundlich war, ich...“
    Sie dreht sich zu mir um. „Ich kann mir vorstellen, dass es nicht ganz einfach ist, den dunklen Lord als Auftraggeber zu haben, oder als Vorfahr. Wie alt bist du? 13? 14?“
    „Ich werde im Herbst 14.“ Sie blickt wieder aus dem Fenster. „Er hat dauernd von dir geredet, weißt du. Nicht bloß, wenn er hier war, auch in seinen Briefen aus Hogwarts. Draco, meine ich. Er hat nie gesagt, was er von dir denkt, doch immerzu von dir erzählt.“
    Ich starre auf meine Füße. Was soll man dazu sagen? Aber ich muss gar nichts sagen.
    „Nur die letzten drei Wochen nicht. Ich weiß wirklich nicht, was mit euch beiden war, aber mein Sohn kann manchmal ziemlich störrisch sein. Also lass dich nicht beirren.“
    Ich bin ziemlich verwirrt. Ich kenne Narzissa kaum, aber was sie da sagt…
    „Zur Weltmeisterschaft kannst du selbstverständlich mit uns kommen. Der Minister persönlich hat uns eingeladen. Ein Platz mehr wird sich schon finden lassen. Wenn du möchtest, kannst du gleich hier bleiben.“
    Ich zögere einen Moment. „Ich denke nicht, dass ihr Mann damit so einverstanden wäre. Oder Draco...“ „Man kann nicht immer haben, was man will. Ich werde Burgin schreiben, dass du hier bist. Deine Sachen werden auch noch kommen. Du hast schonmal ein paar Tage hier verbracht, nicht? Du kannst in dem selben Zimmer schlafen.“
    Das ist eine ziemlich überraschende Wendung der Ferien, ob positiv oder negativ kann ich noch nicht sagen.

    Auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, was genau ich gerade von Draco Malfoy will, trotzdem ist mir der Mount Everest vom Herz gepoltert, als er mir offenbar dann doch verziehen hat.
    Die ersten richtigen Sonnenstrahlen fallen durch ein prächtiges Kristallglasfenster. Ein kleiner Vogel landet auf dem äußerem Fensterbrett und schaut neugierig zu uns herein. Draco wirft ihm einen bösen Blick zu. „Was hast du gegen den Vogel?“ frage ich belustigt. Er zuckt mit den Schultern. „Ich kann's nicht ausstehen, wenn mich jemand so anstarrt.“ „Mach doch die Augen zu. Dann siehst du das nicht.“ „Sehr lustig, wirklich.“
    Ganz auf den Vogel konzentriert und darauf, zu überlegen, wer der Dümmere von uns beiden ist, bemerkt keiner dein Hauself, der mit einem leisen, vom Wortgefecht übertönten, Plopp hereingeappariert kam und dann wieder verschwindet…
    „Sag mal, wer spielt überhaupt in dieser Weltmeisterschaft?“ Draco starrt mich ungläubig an. „Man könnte meinen, du wohnst hinterm Jupiter! Du bekommst aber auch echt gar nichts mit, oder?“ tadelt er mich amüsiert. „Du kannst doch eine arme, kleine Muggelstämmige nicht dafür verurteilen, dass sie nicht viel mitbekommt“ erwidere ich mit einem gespielt beleidigten Schmollmund. Draco mustert mich skeptisch. „Lass das. Damit siehst du aus wie Pansy. Wie ein Mops...oder...ein... Schweinchen!“
    „Was für ein Wunder, was Ausrücke so für Auswirkungen auf die Austrahlung eines Menschen haben kann.“ Mit einem Finger drücke ich meine Nasenspitze nach oben zu einer ausgeprägten Stupsnase. „Schweinchen.“ Ich drücke sie zu einer Hakennase herunter. „Snape.“ Das entlockt sogar Draco ein kleines Grinsen. „Normal siehst du aber besser aus. Also – noch besser.“ „Was für eine Ehre – ein Kompliment von einem Malfoy. Wenn auch kein Ausgewachsener.“ Draco nimmt mein Gesicht zwischen seine Hände. „Für dich doch immer.“ Plötzlich schlägt die Tür auf.
    „Draco! Was um Himmel Willen-“
    Zu perplex und erschrocken um auch nur einen Finger zu rühren starren Draco und ich zur offenen Tür. Wer sonst als Lucius Malfoy funkelt uns mit einer Mischung aus Empörung und Entsetzen an. Hinter ihm lugt schüchtern ein Hauself herein
    „Lucius!“
    Zum Glück kommt Ablenkung in Form einer gut gelaunten, männlichen Stimme vom Korridor.
    Ein Mann mit einer äußerst seltsamen Erscheinung schüttelt Dracos Vater die Hand.
    Ich kenne ihn nicht, anders offenbar als Draco, der entsetzt von seinem Vater zu dem Mann und dann zu mir schaut.
    „Ihre bezaubernde Narzissa hat mich hereingelassen! Was schaun Sie denn so düster, hm?“ Der Mann trägt einen wahrhaft entsetzlichen Nadelstreifenumhang mit einem nicht sehr passenden grünen Bowler auf dem Kopf.
    Offenbar eher unfreiwillig wandert Lucius' Blick zu mir und Draco und wieder zurück.
    Jetzt erst fallen wir aus unserer Starre und rücken hastig ein Stück voneinander weg.
    Auch der seltsame Mann mustert uns, jedoch mit ganz anderem Gebaren als Dracos Vater. „Wer ist das überhaupt, Draco?“ frage ich leise, aber offenbar nicht leise genug, denn der Mann bricht in ein kurzes, aber schallendes Gelächter aus.
    Draco schließt für einen Moment die Augen. „Layla. Das ist der Zaubereiminister.“
    Mir klappt der Mund auf. „Oh. 'tschuldigung...Ich...bekomm nicht so viel von der Zaubererwelt mit...äh. 'tschuldigung.“
    Doch der Minister sieht das alles etwas entspannter. „Aach, macht doch nichts. Dann ist das wohl die Vierte bei der Weltmeisterschaft, von der Sie mir auch schon in Ihrem Brief berichtet haben, nicht wahr Lucius?“ Der lächelt gezwungen. „Na, da wird sich doch ganz sicher noch ein netter Platz finden! Ich war ja schon immer in der Hofnung, dass vielleicht ein paar mehr Mädchen sich mit Ihrem Sohn anfreunden würden. Man soll ja bekanntlich früh anfangen!“ Ich kcihere leise, während Lucius alles andere als begeistert aussieht und Draco ungewöhnlich dunkelrosa angelaufen ist.
    „Machen Sie sich keine Sorge, Minister, es gibt mehr als genug Mädchen, die sich mit Draco anfreunden wollen – aber wem ER seine Gunst schenkt, ist eher sehr begrenzt.“ „Klappe halten! Jetzt!“ zischt Draco kaum vernehmlich. Sein Vater sieht aus, als hätte man ihn soeben gezwungen, einen ganzen, unreifen Kürbis zu schlucken. „Weswegen sind Sie eigentlich hier, Minister?“ wendet er sich an den. „Ach, ich wollte nur noch einige Sachen mit Ihnen besprechen wegen der Weltmeisterschaft. Aber ich denke, dafür gehen wir am besten in Ihr Arbeitszimmer, nicht war?“
    „Sicher...“ Lucius wirft Draco noch einen mahnenden Blick zu, dann verschwinden die beiden Männer leise redend den Gang hinunter.
    Kaum das die Tür wieder zu ist, kann ich mit dem Lachen gar nicht mehr aufhören.
    „Was sollte das denn eigentlich eben?“ Dracos bittere Miene bringt mich nur noch mehr zum Lachen. „Oh Gott.“ Blondie lässt sich geschafft nach hinten fallen. „Mein Vater bringt mich um! Kommst du zu meiner Beerdingung?“
    Ich schaue lächelnd auf ihn hinuter. „Keiner bringt dich um, solange ich ein sehr gutes Verhältnis zu einem gewissen, sehr dunklen Zauberer habe, schon gar nicht, wenn der potentielle Mörder das weiß.“ Ich meine natürlich Voldemort, was Draco ja klar ist. „Und wenn doch jemand versucht, dich umzubringen – tja, dann werd' ich zum Killer.“
    Draco grinst mir zu. „Du ziehst aber echt aus jedem und allem einen Vorteil, oder?“
    „Jaah“ antworte ich gedehnt, „Und mit dir lauf' ich in der Schule auch nur rum, damit ich ein bisschen von deiner Popularität abkriege, weißt du?“
    „Ach, und warum bist du dann jetzt hier?“ „Zeitvertreibung“ antworte ich schlicht.
    „Mich kannst du nicht täuschen, kleines Mädchen.“ „Wenn ich wirklich wollte, könnte ich. Wetten, dass ich dir noch innerhalb dieser Ferien beweisen kann, wie gut ich Schauspielern kann? Und nenn' mich nicht Mädchen!“ Er grinst. „Nein? Wieso denn nicht?“ „Sonst klaue ich dir deinen Zauberstab und gebe ihn dir erst in den Weihnachtsferien zurück.“ „Das ist Erpressung!“ „Na und?“
    --am Tag der Abreise--
    Plötzlich ist da diese widerliche Kälte, strömt auf mich zu und verschluckt mich.
    Erschrocken schlage ich die Augen auf, nur um festzustellen, dass Draco mich unsanft aus dem Schlaf gerissen hat, indem er meine Decke weggezogen hat. Ein Schauer jagt meinen Rücken hinunter.
    Verschlafen setze ich mich auf. „Was wird'n das?“ „In einer Stunde müssen wir los, apparieren, zur Weltmeisterschaft. Dieses Jahr sind die echt kleinlich bei den Regeln – man muss sehen, wo man hin appariert, damit man nicht von Muggeln gesehen wird. Dabei könnte man auch ganz einfach – falls was passiert – zur Not Obliviate anwenden, und schon wär's geregelt. Außerdem glauben die Muggel eh meistens nur, sie werden irgendwie verrückt oder so, weshalb das schonmal gar nicht nötig wäre. Aber neiin, man muss es ja auf die komplzierte-“ „Draco“ unterbreche ich ihn, „Ich weiß ja, dass du morgens meistens das Bedürfnis hast, ganz besonders viel zu reden, da eine ganze Nacht lang keiner deiner ach so wundervollen Stimme lauschen konnte, würdest du jetzt aber bitte mal die Klappe halten?“ Er verstummt tatsächlich. „Weil“ fahre ich fort, „Morgens bekomme ich davon sowieso nichts mit. Was für eine Verschwendung, nicht wahr?“
    ~
    Gähnend schlurft Layla zu ihrem Schrank um sich ihre Klamotten heraus zu suchen. Ich selbst habe mich schon vor zwei Stunden umgezogen. „Wenn du fertig bist, komm einfach in mein Zimmer.“ Sie lächelt. „Du kannst es wohl keine fünf Minuten ohne mich aushalten, oder?“ Ich verdrehe die Augen. „Ja klar. Nein, ich wollte dich eigentlich was fragen.“
    Ich muss etwa zehn Minuten warten, bis Lay fertig ist. Währenddessen gehe ich in meinem Zimmer auf und ab. „Das hat ja ewig gedauert“ empfange ich sie. „Also, was wolltest du mich jetzt fragen?“ Ich spüre, wie ich leicht rot anlaufe. „Also du bist doch..Du bist doch ein Schl-“ Dann überlege ich es mir anders. „Du bist doch muggelstämmig.“ Sie hebt die Brauen. „Respekt, Draco, das erste Fremdwort!“ „Ach halt die Klappe. Nein ich sollte dich fragen, ob du… Naja, wie gesagt, die Regeln bei der Weltmeisterschaft sind etwas kleinkarriert und, ähm, nicht dass wir – also meine Eltern und ich – das auch wirklich so vorhätten, aber damit ..äh… Also wir haben keine Ahnung wie das ganze Muggelzeug funktioniert – also ohne Magie – aber genau so soll man das da machen: Auf Muggelart. Unter uns, wir werden uns nicht daran halten. Aber falls jemand fragt, könntest du dann vielleicht sagen, dass du uns..nun ja..äh… geholfen hast? Beispielsweise bei..bei dem Zelt? Und sowas halt...“
    Wie erwartet fängt Layla an zu lachen. „Also – manchmal Draco, überraschst du mich wirklich. Lass mich raten, du hast nicht freiwillig gefragt.“ Dazu sage ich lieber gar nichts, sondern mustere lieber die Wand. „Ich sollte meinen Namen ändern lassen,“ fährt Layla fort, „In 'Alibi'. Aber ja, kann ich gerne tun. Überraschend, wie freundlich und höflich du sein kannst, wenn jemand, der dir nicht komplett zu Füßen liegt, etwas für dich tun soll.“
    Diese Bemerkung überhörend grinse ich ich zu. „Ganz praktisch, jemanden wie dich als Freundin zu haben.“
    Layla stellt sich ans Fenster, blinzelt in die junge Sonne.
    „Dich als Freund zu haben ist nicht unbedingt sehr praktisch. Gut, du bist reich und schön, aber das waren auch schon alle Vorteile. Du bist arrogant, besserwisserisch, fies, beleidigst gerne andere Menschen, ärgerst Jüngere und du bist des öfteren ziemlich agressiv.“
    Da verstehen wir uns gerade wieder besser und da sagt sie soetwas! Und überhaupt, wie kommt sie eigentlich darauf? Mindestens 80 Prozent ihrer Anschuldigungen stimmen ganz und gar nicht. Da dreht sie sich um, und ich sehe das belustigte Funkeln in ihren Augen. „Kein Wunder, dass Potter dir so auf der Nase herum tanzt. Du bist ziemlich leicht zu verärgern, weißt du das?“
    Ich glaube, ich weiß, worauf sie hinaus will. „Ja gut“ gebe ich widerwillig zu, „Auch wenn du noch so mickrig bist, kannst du gut Schauspielen und du kannst auch ein Todesser sein. Zufrieden?“
    Lays hinterhältiger Ausdruck lässt mich nichts Gutes ahnen.
    „Nun,“ antwortet sie gedehnt, „Ich würde das ja gerne so hinnehmen, allerdings kann man das nicht als Schaspielern zählen. Ich habe nämlich nicht gelogen.“ Sie grinst.
    Ich bin verwirrt. „Wie meinst du das?“
    „Tja, wie soll ich das so erklären, dass du es verstehst. Das, was ich gesagt habe, war ganz einfach die Wahrheit. Vielleicht sollte dir das mal vernünftig klar gemacht werden. Du bist ein Arsch, Draco Malfoy.“
    Fassungslos starre ich sie an. Ich will gerade meine Meinung äußern, als Lay weiter redet. „Aber mach dir nichts draus. Ich bin vermutlich genauso drauf, und wenn nicht, spätestens in ein paar Jahren. Ich dachte nur, ich sollte dir das mal sagen, bevor wir beide vollkommen verrückt geworden sind.“
    „Deine Meinung nach“ fasse ich zusammen, „Sind wir beiden also irgendwelche bösen Freaks, die irgendwann komplett zu Teufeln mutieren? Geht's dir noch gut?“
    Zu meinem vollständigen und absolut vollendeten Argwohn Lay gegebüber fängt sie auch noch an zu kichern, wird aber mit einem Schlag wiedet ernst. „Ehrlich mal Draco, unter dem Einfluss, unter dem wir beide stehen, werden wir wohl kaum so bleiben, wie wir jetzt sind, oder? Und das wollte ich halt noch einmal feststellen.“
    Skeptisch hebe ich die Augenbrauen. „Welchen Einfluss genau meinst du?“
    Lay legt den Kopf schräg und mustert mich mitleidig. „Junge, dein Vater ist ein Todesser. Und...was mich betrifft kannst du dir ja vermutlich selbst denken!“
    Sie hat ausnahmsweise recht.
    „Dann sollten wir die Zeit nutzen, wo wir noch selbstständig denken können, was meinst du?“
    „Und wie?“
    „Ich hätte da eine Idee. Etwas Zeit haben wir ja noch.“
    ~
    Während es draußen vor den Fenstern und Wänden von Malfoy Manor langsam aber stetig zu stürmen beginnt, führt mich Draco schier unendlich viele Treppen hoch, durch Flure und Türen, bis ich glaube, dass wir mindestens fünf Mal im Kreis gelaufen sind. Doch er zögert keine Sekunde. Natürlich, er ist hier aufgewachsen, trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, mich hier irgendwann so auszukennen. Und wenn ich daran denke, dass das alles ja auch noch unterirdisch weitergeht, bekomme ich eine Gänsehaut. Aber wenn man's sich leisten kann…
    Außer Atem bleibe ich stehen. „Wie weit geht das noch, Draco?“
    Sein Kopf erscheint einen Meter über mir über dem Geländer der ausladenden Wendeltreppe. ER ist kein Stück erschöpft. „Das ist die letzte Treppe.“ „Wo hast du nur die ganze Ausdauer her?“ keuche ich, während ich jetzt wieder neben ihm die Treppe empor laufe.
    „Ach weißt du, wenn du dich einige Zeit damit beschäftigst, etliche Treppen als Atmemtraining hoch und runter zu laufen, damit du beim Quiddtitch auch noch hoch oben wo die Luft dünner wird vernünftig Atmen kannst, hast du's eben irgendwann drauf.“
    „Sowas musst du machen? Ernsthaft jetzt?“ Draco zuckt nur mit den Schultern. „Hat aber offenbar Wirkung. Außerdem habe ich hier eh nichts zu tun. Wir sind übrigens da.“
    Wir sind am Ende der Wendeltreppe angelangt. Kein Flur oder Korridor, nur eine Tür.
    „Das ist einer meiner Lieblingsorte hier“ sagt Draco, grinst mir zu und stößt die Tür auf. Es ist ein kreisrundes Zimmer, keine besonderen Auffälligkeiten, ganz offensichtlich wenig benutzt. Doch jetzt wird mir auch klar, wo wir sind, und ich frage mich, wieso ich da nicht vorher drauf gekommen bin.
    Die ganzen Treppen führen in ein Turmzimmer. Wenn man vor dem riesigen Gebäude steht, fallen einem die äußeren beiden Türme ja auch schon auf.
    Draco nimmt meine Hand uns zieht mich hinüber zu einem der großen Fenster.
    Die Aussicht ist überwältigend. Aus großer Höhe blickt man auf Hecken, Wiesen, kleine Wälder und Seen.
    Eine Blumenwiese oder ein Teich bei strahlendem Sonnenschein im Frühling ist vielleicht schön – doch was man von hier oben sehen kann, ist die bildliche Darstellung von Freiheit.
    Die verschiedensten Bäume schwanken so heftig im sich aufbauenden Sturm, dass man meinen könnte, sie würden aus der Erde springen und davonlaufen, wenn sie nur wollten. Ein großer Schwarm schwarzer Vögel erhebt sich wie ein einziges Gebilde aus einer Baumkrone und flattert auf eine Art durch den Wind, dass es aussieht, als würden sie das zum Spaß tun. Draco starrt sehnsüchtg zu den Vögeln hinunter.
    „Spring mir bloß nicht runter.“
    Mit einem Mal verstehe ich sehr genau, was Draco an diesem Ort so liebt.
    Ich weiß zwar nicht, wie glücklich er so mit seinem Leben ist, doch ich bin mir sicher, dass auch in dem kühlen, disziplinierten, wohlerzogenen und so erwachsenen jungen Malfoy ein Junge steckt, der sich manchmal wünscht, einfach mal tun und lassen zu können worauf er Lust hat. Ein wenig wie die Vögel, die er gerade noch so angestarrt hat, als wollte er mit ihnen davonfliegen.
    „Springen?“ Draco löst seinen Blick von den Vögeln und setzt wieder das vertraute Grinsen auf. „Wieso sollte ich?“ Er gähnt. „Ich habe alles, was ich will.“
    Wenn ich den Eindruck hatte, Draco einmal fassadenlos gesehen zu haben, sind jegliche Mauern wieder aufgebaut. „Und jetzt komm. Wir sollten so langsam zur Weltmeiterschaft apparieren.“

    Nachdem wir alle etwa fünf Minuten durch einen Wald gelaufen sind, geht es ein ganzens Stück durch ein ziemlich nebeliges Moor, bis ein kleines Steinhäuschen auftaucht, hinter dem sich scheinbar aberhunderte von Zelten zeigen.
    In dem Steinhäuschen sitzt ein mir unbekannter Mann. „Sie alle wollen auch zum Campen, ja?“ „Draco“ flüstere ich, „Das ist ein Muggel, oder?“ Draco runzelt die Stirn. „Stimmt. Kann sein.“ Ich habe den Eindruck, dass er ein bisschen flacher atmet, als sonst. Über diese fast schon krankhafte Art von Abneigung gegen Muggel kann ich nur den Kopf schütteln. Du küsst ein Schlammblut du mieser Heuchler, denke ich belustigt. Immer diese Reinblüter.
    „Jah, wie haben zwei Zelte. Vorraussichtlich nur eine Nacht. Wie bitte? Wieso das nicht?“ Ich richte meine Aufmerksamkeit wieder nach vorne, wo Mr Malfoy gerade tatsächlich versucht, den Muggel mit Galleonen zu bezahlen.
    Ich krame ein wenige in meiner Jackentasche. Zum Glück finde ich tatsächlich noch ein paar Scheine von Muggelgeld, die ich dem offensichtlich irritierten Muggel geben kann.
    ~
    „Was würdet ihr nur ohne mich machen?“ wendet sich Layla amüsiert an mich, nachdem wir an dem Häuschen mit dem Muggel vorbei sind, und uns unseren Weg durch die vielen bereits aufgestellten Zelte bahnen.
    „Stolze Reinblüter sein“ erwidere ich bissig. Ich kann es absolut nicht ausstehen, dass ich und meine Eltern teilweise auf ein Schlammblut angewiesen sind.
    Doch Layla lacht leise. „Es ist so leicht, dich zu verärgern, dass es fast schon unheimlich ist.“
    Ich bin heilfroh, dass meine Eltern keinen Blick an mich verschwenden, während wir zwischen den vielen Zelten hindurchgehen, da Lay gut gelaunt meine Hand genommen hat.
    Scheinbar kennt sie mich besser als ich selbst, denn mit einem amüsierten Lächeln stellt sie etwas fest, wobei sogar ich ein schlechtes Gewissen bekomme. „Du schämst dich für mich. Das ist nicht zu glauben! Natürlich wird das ein Nachspiel haben. Was genau muss ich mir aber noch überlegen.“ Obwohl Lay mindestens zehn Centimeter kleiner ist als ich, kommt diese scherzhafte Drohung doch recht bedrohlich rüber.
    Als Vater auf ein paar Leute aus dem Ministerium trifft, bleiben meine Eltern stehen, und ich gehe mit Layla schon an den Platz für unsere Zelte.
    Auf dem Weg bleibt sie auf einmal stehen. „Wie war das eigentlich vorhin mit den Zelten? Zwei?“ Ich mustere meinen Ring, um sie nicht ansehen zu müssen. „Meine Eltern haben eben ein Zelt für sich und...wir für uns.“ „Sie müssen dir ja wirklich vertrauen...Vor allem nach dem, was auf Malfoy Manor passiert ist...“
    Ganz darauf konzentriert, ihrem Blick auszuweichen, mustere ich eine Wolkenformation am vormittäglichen Himmel. „Du meinst, nachdem Vater in mein Zimmer kam, während du bei mir im Bett warst und der Minister dazu stieß?“
    An Stelle einer Antwort streckt Lay sich zu mir hoch und küsst mich mitten auf die Lippen.
    Vater ist nicht hier, auch nicht Mutter und auch sonst keiner, also lasse ich es geschehen und ziehe sie in eine Umarmung. „So, mein Lieber“ flüstert Lay, die Lippen dicht an meinem Ohr. „Das war die Rache.“ Verständnislos halte ich inne. „Ich weiß nicht was du meinst.“ „Ich hingegen kann mir keine schlimmere Rache vorstellen.“ Irgendetwas an Lays Stimme klingt unendlich und tief zufrieden.
    Mit der dunklen Vorahnung, dass diese ganze Situation einmal mehr ungut für mich ausgehen wird, bringe ich vorsichtig wieder etwas Raum zwischen uns.
    Ein hinterhältiges Lächeln umspielt Laylas Lippen. „Ich geh dann schonmal vor...“ sagt sie so leise, dass ihre Worte dem Wind gleichen, „Wenn du überlebst, dann erzähl mir später wie.“
    Verwirrt schaue ich ihr hinterher, wie sich zwischen den Zelten verschwindet. Die hat doch nicht mehr alle am Zauberstab?
    „Wer hätte das gedacht, dass unser lieber Draco Malfoy doch tatsächlich so sehr auf eine Muggelstämmige stehen könnte. Ich denke mal, ich bin nicht der Einzige, der mehr wissen will, über das, was denn so genau in Malfoy Manor geschehen ist, oder?“
    Den Boden anflehend, sich doch verflucht noch einmal auf zu tun, drehe ich mich langsam um.
    Blaise Zabini, Theodore Nott, Vincent Crabbe und die Mädchen aus Laylas Freundeskreis stehen zwische einer Zeltgruppe nur wenige Meter hinter mir. Verscheideste Ausdrücke spiegeln sich in ihren Gesichtern wieder.
    Blaise und Theo amüsiert, Crabbe wie immer – einfach dumm und die Mädchen machen sich ganz offensichtlich über mich lustig.
    Es ist irgendwie immer das Selbe; Ich mache etwas falsch und dann stößt mich Lay in genau solche Situationen. Wäre sie kein Schlammblut, würde sie die absolut perfekteste Slytherin sein, die man sich vorstellen kann.
    Aber wieso bin ich auch so blöd und schaue mich nicht um, bevor ich sonst was tue?
    Blaise grinst mir zu. „Entspann dich mal. Du hast doch total Glück, dass die Kleine so auf dich abfährt!“ Ich verdrehe nur die Augen. Das ist mal wieder ganz typisch Blaise, wie wir ihn kennen und verabscheuen. Doch in einer Weise, die sich mir noch nicht so recht erschließet, beunruhigen seine Worte mich.
    „Ach Blaise...Wen Draco so küsst ist doch vollkommen seine Sache, oder?“
    „Ach Miley“ ahmt Blaise eins der Mädchen nach, „Mich interessiert's halt! Ist das so unnormal?“
    Ehe ich sie davon abhalten kann, sind Blaise und die Mädchen in eine intensive Streiterei vertieft, ob, wo, wen und wann ich jemanden küssen kann. Ehrlichgesagt ist es eher amüsierend, wie sehr sich ANDERE für MEIN etwas schräges Liebesleben interessieren.
    Ohne zu wissen, ob ich genervt sein soll oder nicht lasse ich die vier Streitenden allein und gehe einfach weiter.
    Nach etwa 20 Metern lichten sich die Zelte und stehen nicht mehr so dicht.
    Besser könnte es nicht sein; Dicht am Spielfeld, jedoch außerhalb gelegen.
    Schließlich komme ich ganz am Rand an, wo wir die Zelte aufschlagen werden.
    Layla blickt gedankenverloren umher, irgendetwas leise vor sich hinmurmelnd, ohne mich zu bemerken.
    „So schlimm war das gar nicht“ mache ich auf mich aufmerksam. Lay fährt so erschrocken herum, als hätte ich sie angeschrien. „Was?“ Dann entspannt sie sich wieder. „Du scheinst vergessen zu haben, was für eine Tratschtante Blaise ist.“
    Auch wenn sie ein spottendes Lächeln aufgesetzt hat, halten ihre Augen den abweisenden Blick bei.
    „Alles klar?“ frage ich misstrauisch. Lay mustert mich freundlich. „Was soll sein?“ Zu freundlich. „Über was hast du dich gerade eigentlich mit dir selbst unterhalten?“
    Augenblicklich entspannt sie – und diesmal echt. „Ich...Habe mich bloß geärgert, dass ich zu einer Quidditchweltmeisterschaft reise, ohne zu wissen, wer überhaupt spielt!“ „Irland gegen Blugarien“ antworte ich, ohne ihr auch nur ein Wort zu glauben. Doch ich kann nicht weiter fragen, da gerade meine Eltern auftauchen.

    „In den letzten drei Jahren habe ich ja so einiges gesehen, was ziemlich verrückt ist – dich zum Beispiel – aber das? Das ist noch mehr gegen die Physik als sonst was, was es in der Zaubererwelt so gibt. Das ist so verwirrend, wie die Tatsache, dass das Universum ewig weitergeht und es unendliche von Galaxien geben muss, da ja nicht irgendwo hinter dem nächsten Stern einfach mal eine Mauer auftauchen kann. Und wenn doch – da muss ja etwas hinter sein. Es gibt ja eigentlich kein Nichts. Ich meine, wie würde das denn-“ „Würdest du jetzt mal bitte die Klappe halten!“
    Seit fast fünf Minuten tigert Layla durch unser Zelt und freut sich wie ein kleines Kind, für das man aus seinem Zauberstab ein paar bunte Funken sprühen lässt, darüber, dass das Zelt von innen drei Mal so groß ist wie es von außen aussieht. „Ich verstehe eh nichts von dem, was du da redest.“
    Dabei ist es nicht mal irgendetwas besonderes, einfach ein einzelner, großer Raum mit zwei Betten, einem Kamin und einem Sofa.
    „Sorry!“ Sie lässt sich auf das Bett mir gegenüber fallen. „Aber das ist einfach-“ „Sagtest du bereits.“ Wie kann man wegen ein bisschen Magie gleich so ausflippen?
    Andererseits ist das auch wieder irgendwie niedlich.
    „In ein paar Minuten müssen wir auch los zu unseren Plätzen.“
    Layla springt schon wieder auf und beginnt wieder mit ihrer Ruhelosigkeit. „Und wo sitzen wir?“ „In der Ehrenloge natürlich.“ Sie hält kurz inne, um mir einen gespielt empörten Blick zu zu werfen. „Natürlich. Immer wieder reizend, wie bescheiden du bist.“ „Mit der Wahl meiner Freundin bin ich tatsächlich sehr bescheiden. Ein Schlammblut – was gibt es minderwertigeres?“ Ein positiv überraschtes Lächeln schleicht sich auf Laylas Lippen. Vermutlich, weil ich sie gerade als meine Freundin bezeichnet habe, wovon ich zugegebener Maßen auch selbst recht überrascht bin.. Doch dazu sagt sie nichts, sondern bloß: „Weißt du Draco, so oft, wie du diese Beleidigung gebrauchst verliert sie irgendwie ihre Wirkung. Und meinst du nicht, wir sollten so langsam los?“

    Das Stadion scheint aus einem einzigen Durcheinander aus Treppen und Sitzplätzen zu bestehen und hätte ich nicht selbstverständlich gewusst, dass Magie im Spiel wäre, hätte ich mich tatsächlich gefragt, warum das komplette Gebilde denn nicht längst zusammengefallen ist.
    Ich kann bereits die Ehrenloge erblicken, die nur noch ein paar wenige Treppen entfernt ist, als Lay mich auf einmal zurückhält. Ein nervöser Glanz schimmert in ihren Augen und sie späht immer wieder zu den Sitzplätzen über uns. Abwartend blicke ich sie an. „Weißt du noch...Vor den Ferien...“ Sie beißt sich auf die Lippe. „Worauf willst du hinaus? Vor den Ferien ist so einiges geschehen.“ Lay holt einmal tief Luft.„Also-Also ich..IchsolltemichjamitPotterundseinemGefolgeanfre unden- undeigentlichmussichdasimmernoch“ sagt sie so schnell, dass ich kaum ein Wort verstehe. Doch nach einiger Hirnarbeit erkenne ich es. Lay schaut mich so ängstlich an, als würde ich ein paar verhexte Pfeile in ihre Richtung schicken. Einerseits bin ich überhaupt nicht damit einverstanden, dass sie mal wieder vor anderen nicht zugeben kann, wie wir zueinander stehen. Andererseits sollte man sich besser nicht zwischen Voldemort und seine Pläne stellen. Ich seufze und schaue zur Seite. Keine leichte Entscheidung. Allderdings denke ich, es ist besser für alle Beteiligten, wenn ich Layla einfach machen lasse.
    „Ich kann nicht nein sagen, wenn jemand Potter anlügen soll. Also...meinetwegen.“
    Ein großes Gewicht scheint von Lays Schultern zu weichen. „Danke. Und jetzt sollten wir uns vielleicht etwas beeilen, deine Eltern warten schon.“ Hastig gehen wir die letzten Treppen zur Ehrenloge hoch, wo bereits einige andere Leute sitzen. Unter anderem auch die meistgehassten Mitschüler. Potter, Weasley, Granger...Ein Herz und eine Seele. Die drei Unzertrennlichen. Wie rührend.
    Eine Reihe hinter ihnen sitzen bereits meine Eltern, und während ich zu ihnen gehe, gesellt sich Layla tatsächlich zu Potter und Gefolgschaft.
    ~
    Drei entgeisterte Augenpaare mustern mich, als ich mich von Draco abseile. Ich setze ein belustigtes sowie verständnisvolles Lächeln für meine 'Freunde' auf. „Ich weiß, das klingt jetzt sehr… gelogen, doch ich kann das erklären. Echt.“ „Auf die Erklärung bin ich gespannt“ brummt Weasy. Ich verdrehe die Augen. „Glaubt mir, es tut gut, ein paar normale Stimmen zu hören. Wenn man das Geplapper von Draco den ganzen Tag um sich hat, wird man fast verrückt. Aber ich wollte euch das Ganze ja erklären. Ich weiß, letztes jahr habe ich gesagt, dass ich nichts mit ihm habe. Nun...Jetzt schon.“ Entsetzen in drei...zwei… „Was?“ „Wieso das denn?“ „Was is' denn in dich gefahr'n?“ Ich erlaube mir einen kleinen Blick eine Reihe zurück, wo Draco zwischen seinen Eltern sitzt. Er mustert mich misstrauisch. Ich wende mich wieder den drei Idioten vor mir zu. Ich drehe einfach die Gesamtgeschichte um, beschließe ich. Lächeln, lachen, lügen.
    Die Stimme leicht gedämpft beginne ich mein Schauspiel.
    „Ob ihr es glaubt oder nicht – der ach so tolle Malfoy hat sich, glaube ich, tatsächlich in mich verknallt. Und...da dachte ich mir, ich kann doch ihn ein bisschen...“ Ich suche nach dem passenden Wort. „Ein bisschen täuschen.“ Ich lächele. „Also...ich tue seit etwa...Mitte Sommerferien so, als würde ich auch irgendwas für dieses verwöhnte Etwas namens Draco Malfoy empfinden. Damit ich ihm in ein paar Wochen oder so mal seine ganzen idiotischen Verhaltensweisen zurückgeben kann. Außerdem erzähle ich ihm, dass ich euch meine...meine...“ Beim Angesicht von Potter, Weasley und Granger fällt es mir ziemlich schwer das Wort über die Lippen zu bringen. „Meine Freundschaft nur vorspiele. Tut mir ja Leid“ ergänze ich bei ihren entrüsteten Gesichtern, „Aber ich musste mir unbedingt eine Ausrede einfallen lassen, wie ich manchmal von ihm wegkomme. Aber ein paar positive Dinge hat Blondie dann doch wieder.“
    Ich kann es kaum fassen. Die drei glauben mir. Ich sehe es daran, wie ihre Augen den abweisenden Glanz verlieren, wie ihre Schultern entspannen. Granger lächelt mir sogar zu. „Und was genau wäre das?“ „Er ist reich. Malfoy Manor ist recht luxuriös. Und...Glaubt es oder auch nicht: Draco kann ganz gut küssen“ ergänze ich, ohne mit der Wimper zu zucken.
    Das einzig Positive, was das Gryffindor-Trio hat, sind ihre doch sehr amüsierenden Reaktionen.
    Potter schaut mal wieder, als wäre ihm soeben der Tod seines besten Freundes Ron offenbart worden, dessen aktueller Gesichtsausdruck an Crabbe erinnert. Und Granger… Also… Ihr Gebaren wäre verständlich, wenn sich Professor McGonnagall ohne Vorwahrunung in ein gruzendes, fettes Schwein verwandelt und die nächste Schlammpfütze aufgesucht hätte. Sie rauft sich die Haare, starrt mich entsetzt an und stammelt panisch vor sich hin. „Du hast-“ „Ron, leise!“ „Du hast Malfoy geküsst?“ fragt Weasley übertrieben leise, wobei er Granger einen genervten Blick zuwirft. „Und bei – nicht mit – (Nicht mit! XD Nochmal so zur Klarstellung) ihm geschlafen. Also, ich meine nicht bei ihm Zuhause, sondern eben ganz BEI ihm.“ Potter nickt. „Ganz so blöd sind wir nicht.“ Ich grinse ihm zu. „Sorry. Aber wenn man so lange mit Draco zusammensteckt…“
    „Meine Damen und Herren...Willkommen! Willkommen zum Endspiel der vierhundertzweiundzwanzigsten Quidditch-Weltmeisterschaft!“
    Ich wende den Kopf zur Seite, wo ein ungewöhnlich gekleideter Zauberer mit strahlendem runden Gesicht zum Publikum spricht. Offenbar beginnt das Spiel bald, denn die komplette Menge flippt förmlich aus. Wessen Talente im Klatschen und Kreischen liegen, der ist ihr gut aufgehoben. Hastig lasse ich mich auf dem letzten freien Platz neben Granger nieder. Der Mann redet weiter.
    „Und jetzt möchte ich Ihnen ohne weiteres Brimborium unsere Gäste vorstellen: Die bulgarischen Mannschaftsmaskottchen!“ Ups, ich wusste nichtmal, dass die Mannschaften Maskottchen haben. Neugierig beuge ich mich ein wenig vor um einen besseren Ausblick auf das Feld zu haben. Ein paar Plätze weiter höre ich das Wort „...Veela...“ Und das müssen sie sein, diese Veela. Nicht sehr beeindruckend. Klar, diese leicht übermenschlich wirkenden Frauen sind sehr hübsch mit ihrer hellen Haut und dem silberblonden Haar – aber mal ehrlich, das hat Draco auch.
    Ganz schön albern: Die Veela fangen nun auch noch an, zu irgendeiner fremdtönigen Musik zu tanzen. Doch wie mir auffällt, bleibt nur ein Teil des Publikums einfach sitzen wie ich. Der andere Teil – nur Männer oder Jungen – sind aufgesprungen oder verursachen generell etwas Bewegung. Mir kommt eine Geschichte in den Sinn von der ich als kleines Kind mal gehört hatte. Sirenen – schöne Frauen, die Seemänner auf dem Meer mit ihrer Stimme und ihrer Schönheit so in ihren Bann ziehen, dass es meistens eher unerfreulich für diejenigen ausgeht. Offebar sind Veela sowas wie Sirenen auf Landurlaub. Auch Weasley und Potter bleiben nicht verschont. Beide erwecken den Eindruck, als wollten sie gleich von der Loge ins Stadion hüpfen. Doch das interessiert mich nicht im Geringsten. Ich werfe einen Blick hinter mich. Immerhin ist Draco noch an seinem Platz, doch seine Hände sind fest um die Lehnen geklammert und er starrt gebannt auf die Veela.Vielleicht haben Lucius Malfoys Erziehungsmethoden doch auch ein paar nützliche Sachen an sich.
    „Und nun“ dröhnt die Stimme von dem Sprecher erneut durch das Stadion, „Heben Sie bitte alle ihre Zauberstäbe in die Luft...Für die Maskottchen der irischen Nationalmannschaft!“
    Draco blinzelt irritiert und wird tatsächlich etwas verlegen, als er meinen Blick bemerkt, doch ich lächele ihm zu. Wenn er zulassen kann, dass ich mit Potter rede, sollte ich wohl auch tolerieren, dass er bei ein paar Veela leicht den Kopf verliert.
    Die Maskottchen der Iren sind auch noch einmal eine Sache für sich. Kleine, grüne Kobolde schweben in verschiedenen Formationen über die Köpfe der Menge hinweg und lassen Gold regnen. Fast alle Leute krabbeln unter ihre Sitze um sich die Galleonen zu holen, doch ich nicht. Ich halte es für sehr unwhrscheinlich, dass das echtes Gold ist. Die Malfoys haben es – natürlich – nicht nötig irgendwelches Gold aufzusammeln.
    Und dann beginnt das Spiel.
    Alles geht so ungalublich schnell, die Ballwechsel, Würfe, die Fliegerei im Allgemeinen. Ich kann kaum folgen, doch zum Glück leiht mit Granger ab und zu ihr Omni-Glas. Ein sehr praktisches Fernglas, mit dem man verlangsamen oder auch wiederholen kann, ganz wie man mag.
    Mir fällt ein, dass ich dieses Jahr wohl die Quidditch-Mannschaft von Slytherin verlassen muss. Zu viel...Anderes im Kopf.
    Liebend gern würde ich mich ganz auf das wirklich spannende Spiel zu konzentrieren, so in etwa wie Potter, der bis auf Äußerste interessiert an seinem Omni-Glas klebt. Doch es geht nicht.
    Tore fallen, Fouls werden praktiziert, Freistöße werden verteilt – aber ich bin mit den Gedanken schon längst in der nächsten Nacht, wenn die Todesser kommen. Mit mir.

    „Willst du noch etwas mit uns kommen?“ fragt Granger mich nach dem Spiel. Ich lächele entschuldigend. „Tut mir Leid, ich kann nicht. Die Malfoys sind etwas besitzergreifend.“ Sie nickt verständnisvoll. „In Ordnung. Vielleicht sieht man sich dann später noch einmal!“
    Draco habe ich ihm Gewimmel glatt verloren. Egal. Den Weg finde ich auch allein.

    Als mein und Dracos Zelt nur noch ein paar Minuten entfernt ist, stoße ich unverhofft mit jemandem zusammen.
    „Hi, Blaise!“ Ohne es so recht zu merken, stiehlt sich ein leichtes Lächeln in mein Gesicht. Er dreht sich um. „Hey Lala! Lang nicht gesehen.“ „Nenn mich nicht so“ erwidere ich lachend. Ich werfe einen Blick über die Schulter. Draco ist immernoch nicht aufgetaucht. „Wie sieht's aus, hast du schön rum erzählt, was Draco in seiner Freizeit so macht?“ Blaise grinst. „Du kennst mich doch. Gab es einen bestimmten Grund, dass du ihn so lächerlich gemacht hast?“ Ich nicke und berichte Blaise den Grund. Der ist zwar nicht sehr überrascht, jedoch findet er Dracos Verhalten tatsächlich nicht ganz in Ordnung. „Ist halt immernoch 'n Malfoy, oder?“
    Aus einem mir nicht ersichtlichen Grund, fühlt es sich absolut komisch an, mit Blaise über Draco zu sprechen. „Also...“ Blaise' Stimme klingt etwas zögerlich. Ein echtes Phänomen. „Wenn ich dein Freund wäre...Also, wenn ich in dich verliebt wäre, würde es mir egal sein, ob du jetzt muggelstämmig bist oder nicht. Weil das nicht auffällt.“ Ich merke, wie mein Gesicht ganz heiß wird. Wie zum Teufel soll ich da jetzt drauf reagieren? Was sagt man zu sowas? Doch ich muss gar nichts antworten, da Blaise zum Glück einfach weiterredet. „Wie fandest du eigentlich das Spiel?“ „Wie? Oh, ja das Spiel! Echt gut! Dieser Wronski-Bluff war ja ziemlich genial. Aber das ganze Blut in Krums Gesicht am Ende… Das war schon etwas ekelig. Besonders, als er dann mit den anderen durch die Ehrenloge gekommen ist und ganz nah war. Aber ansonsten...“ „Du warst in der Ehrenloge?“ Ich nicke. „Natürlich“ ahme ich Dracos hochnäsigen Tonfall nach, „Was glaubst du denn, von wo sich Malfoys ein Quidditch-Spiel angucken?“ Blaise grinst. „Stimmt. Also warst du wohl mal wieder mit Draco unterwegs. Wo steckt dein treuer Liebhaber denn?“ Ich zucke mit den Schultern und schaue mich nocheinmal zwischen den Zelten um. Draco ist immernoch nicht zu sehen. „Der ist irgendwie verloren gegangen. Und mal ehrlich, so treu ist er nicht.“ „Nein?“ „Nein.“ Blaise hat einen höchst befriedigten Ausdruck angenommen. „Tja. Man sieht sich ja in Hogwarts. Und treib nicht zu viel mit dem Malfoy.“ Blaise grinst mir nocheinmal zu und ist schon zwischen den Zelten verschwunden. Kopfschüttelnd blicke ich ihm nach. Verrückter Typ.

    Als ich das Zelt betrete, entdecke ich eine Maske auf meinem Schlafplatz liegen. Aha, Mr Malfoy ist also nicht immer so trottelig wie im Normalzustand. Neugierig untersuche ich sie. Schwarze und silberne Verzierungen auf weißem Grund, nicht schlecht. Ich stopfe die Maske zwischen meine normalen Klamotten in den Schrank, wo ich auch eine Art Umhang bemerke. Vermutlich ein Todesserumhang.
    Plötzlich höre ich, wie hinter mir das Zelt geöffnet wird. Hastig schließe ich den Shcrank. Es ist wahrscheinlich besser für ihn selbst, wenn Draco von geplanter Aktion nicht allzu viel weiß. Ich muss definitiv vorsichtiger werden, mit dem was ich tue. Vor ein paar Stunden hätte Draco fast mitbekommen, wie ich laut überlegt habe, was passieren würde, wenn sein Vater oder ich in dieser Nacht enttarnt werden.
    „Wo warst du?“ Nette Begrüßung, denke ich bei mir. „Ich habe dich auch gesucht“ erwidere ich, während ich es mir auf meinem Bett bequem mache. „Aber ich dachte ich komme besser erstmal hier hin.“ „Hm.“ Genervt verdrehe ich die Augen. „Du musst nicht immer gleich schlechte Laune bekommen. Ach, ist ja Dauerzustand bei dir“ ergänze ich schnippisch. „Wie bist du denn drauf!“ Stimmt, gute Frage, was hab' ich eigentlich? „Stress eben. Aber sowas kennt jemand wie du ja nicht.“ Nein, halt, was sage ich denn da? Was ist los mit mir? Draco funkelt mich wütend an. „Was habe ich dir jetzt schon wieder getan?“ Ich bin drauf und dran 'Das weiß ich doch nicht' zu antworten, doch das wäre reichlich unlogisch. Außerdem ist seine Frage berechtigt. Und trotzdem, auf einmal löst alles, was Draco von sich gibt, das Gefühl in mir aus, wie Kreide, die mit einem grässlichen Quietschen über die Tafel schleift. Da mir auf die Schnelle nichts besseres einfällt, sage ich einfach: „Also wenn du selbst nicht drauf kommst, dann sage ich es dir auch nicht!“ Dabei muss ich selbst erstmal drauf kommen. „Ich habe nicht am Ansatz begriffen, was ich getan habe!“ Ich auch nicht, Draco, denke ich. Ja, was ist los mit mir? Plötzlich tut es mir leid. Draco hat ja nichts getan. Und ich? Ich bin einfach mal grundlos wütend auf ihn. Dabei bin ich doch in ihn verliebt? Oder? Ich habe zwar nie wirklich so direkt darüber nachgedacht, aber so…
    Vielleicht sollte ich nicht immer so impulsiv handeln, aber mein Instink weigert sich strikt, auf mein Gehirn zu hören. Jedenfalls, bevor ich mich irgendwie stoppen kann, bin ich auch schon zu Draco gelaufen um ihn einmal mehr aus heiterem Himmel mit einem Kuss zu überfallen.
    Draco mustert mich verwirrt. „Du bist...“ Auf der Suche nach dem richtigen Wort klappt sein Mund mehrmals auf und zu, bis er sich für „kompliziert“ entscheidet. Und ich gebe die vielleicht blödeste Antwort. Ich sage nicht 'Ich weiß, tut mir leid' oder 'Ups, sorry'. Ich sage: „Du auch.“

    „Hast du überhaupt noch vor, zu schlafen?“
    „Nein.“
    Im Halbdunkel des Zelts sitze ich unbequem an die leicht nachgiebige Wand gelehnt auf meinem Bett.
    Auch Draco setzt sich auf, sein blasses Gesicht und die hellen Haare zeichnen sich deutlich vor dem dunklen Hintergrund ab. „Dann hör wenigstens auf, mich so anzustarren.“
    Vor vier Stunden haben wir beide mein seltsames Verhalten einfach ignoriert, über das Spiel gesprochen und irgendwann ist Draco vor Müdigkeit fast umgekippt. „Es hilft mir aber beim Wachbleiben.“ Draco seufzt übertrieben. „Mir aber auch. Weshalb willst du überhaupt wach bleiben?“
    Ich wende den Blick ab und mustere stattdessen die Decke, auf der ich es mir mehr schlecht als recht gemütlich gemacht habe. Mit dem Finger ziehe ich das Muster nach.
    „Such nachher nicht nach mir oder deinem Vater.“
    „Das war keine Antwort! Was soll das eigentlich bedeuten?"
    „Nichts. Das ist nur ein freundschaftlicher Rat."
    Selbst in der Düsternis bekomme ich am Rande mit, wie Draco mich wütend anstarrt. „Was soll das heißen? Jetzt sag schon!“ „Wirst sehen. Sag mal, wie bekommen die vom Ministerium eigentlich mit, wenn jemand minderjähriges zaubert?“
    Draco lacht abschätzig. „Wie weiß ich nicht. Aber die bekommen bloß mit, wenn irgendwo jemand zaubert, der das nicht sollte. Wer genau das nun ist können die nicht wissen. An einem Ort wie diesem, zu einem Zeitpunkt wie diesem, wo es so viel illegal angewandte Magie gibt, da achtet keiner drauf.“ Sofort bessert sich meine Stimmung. „Also würde es niemand merken, wenn ich dich jetzt umbringen würde?“ „Also – es...äh. Ich weiß nicht… Es würde zumindest nicht sehr auffallen, wenn du irgendwas zaubern würdest. Beim Avada Kedavra...Naja, das ist ja ein ziemlich starker und dazu verbotener Zauber… Da bin ich nicht so sicher. Du hast das doch nicht vor, oder?“
    „Keine Sorge. Mir ist bloß spontan kein besseres Beispiel eingefallen.“
    Draco gähnt und lässt sich wieder zurück sinken. „Lässt du mich jetzt schlafen?“
    Ich nicke und vergesse dabei, dass er das ohnehin nicht sehen kann. In Gedanken bin ich schon wieder weiter. In einer Stunde werde ich mich als Todesser verkleiden, mit Dracos Vater raus gehen, andere Todesser treffen und ein bisschen Chaos machen. So weit, so gut. Doch was, wenn andere Zauberer einmischen? Welche vom Ministerium, die nicht wie Malfoy heimlich dem dunklen Lord folgen? Könnte ich dann gegen die kämpfen? An sich ist diese Frage ziemlich überflüssig. Natürlich könnte ich das nicht. Ich könnte es höchstens versuchen. Jetzt, wo es fast so weit ist, wäre ich am liebsten gleich abgehauen. So viel kann schief gehen. Können Minderjährige in Askaban landen? Ein kalter Schauer läuft mir über den Rücken. Bestimmt würde Draco mich besuchen kommen. Oder...Blaise.

    Draco schläft tief und fest, als ich leise aufstehe, mich umziehe und schließlich vorsichtig das Zelt verlasse. Ich werfe noch einen Blick zurück. Wie konnte ich vor ein paar Stunden noch denken, irgendetwas an Draco sei falsch?
    Es fühlt sich seltsam an, wie ein Todesser herumzulaufen. Ehrlichgesagt weiß ich gerade gar nicht so recht, was ich mit mir anfangen soll.
    Ein paar Meter weiter bemerke ich die gruselige Gestalt eines weiteren vermummten Menschen. Ich schätze mal, das ist Mr Malfoy.
    Ohne ein einziges Wort gelangen wir durch die Zelte zu einer Gruppe von bereits versammelten Todessern, allesamt mit Maske und Umhang.
    Jetzt heißt es aufpassen oder gefasst werden.
    Ohne so recht zu wissen, was mich erwartet, mische ich mich unter die anderen. Ungefährlich wird das definitiv nicht.
    Die Finger fest um meinen Zauberstab geklammert beobachte ich, wie irgendwo das erste Zelt in Brand gesetzt wird. Ob da noch Leute drin sind? Das ist egal, sage ich mir mit klopfendem Herzen, das ist so egal.
    Die bis jetzt versammelte Menge an Todessern drängt sich wie ein einziges, koplexes Lebewesen durch die Zelte, ich mittendrin. Und plötzlich weiß ich auch, wohin.
    Die ersten anderen bei der Weltmeisterschaft wachen auf, manche ergreifen sofort die Flucht andere schließen sich tatsächlich den Todessern an. Noch keiner hat es gewagt, uns anzugreifen. Immerhin.
    Nach wenigen Minuten erreichen die ersten Todesser das Steinhäuschen der Muggel, die am Anfang für die Bezhalungen zuständig waren.
    Mit einem ohrenbetäubenden Krachen, bei dem mir fast die Ohren abfallem, fliegt alles in die Luft.
    Ein kleines Kind schreit und eine Frau im Nachthemd versucht verzweifelt den Jungen zu beruhigen und die Lage zu verstehen. Der Mann, den Mr Malfoy vorhin mit Galleonen bezahlen wollte, versucht wirklich, mit einem der vordersten Todesser zu reden. Mit einem kleinen Gewissensbiss wende ich den Blick ab, als etliche Zauberstäbe auf die Muggel gerichtet werden. Ich bin selbst muggelstämmig und bin als Todesser aktiv. Verkehrte Welt.

    Das Chaos, das Durcheinander, die Fakeln und die über uns schwebenden Muggel, die in der Luft hin und her geschleudert werden, das alles kommt mir seltsam surreal vor, wie im Traum.
    Die Schreie, Zelte in Flammen.
    Und dann geschieht es: Die erste Gruppe an Ministeriumszaubern richtet die Zauberstäbe gegen die Todesser. Mit rasendem Herzen ducke ich mich unter einem Schockzauber weg.
    Adrenalin zischt durch meine Adern, eine Sekunde später habe ich selbst meinen Zauberstab in der Hand. Mir ist aufgefallen, dass die Masken der Todesser unterschiedliche Muster tragen. So kann man die wenigstens ein wenig unterscheiden.
    Ein Todesser, der sich gerade intensiv gegen einen Ministeriumsmenschen verteidigt, läuft rückwärts in mich rein. Wir beide stürzen zu Boden.
    Etwas heißes zischt an mir vorbei. Instinktiv werfe ich mich zur Seite, dem Strahl ausweichend. Dabei lande ich mit meinem Gesicht am Boden. Ein brennender Schmerz zieht sich über meine Wange, als ich mich an einem Stein aufratsche. Mein Maske muss irgendwie verloren gegangen sein. Leicht panisch blicke ich mich um. Da, zwei Meter weiter. Ich will mich gerade aufrichten, als ein Zauberstab direkt vor meiner Nase landet. Ich schaue zur Seite, der Todesser, der mich umgestoßen hat, liegt noch immer am Boden, zauberstablos jetzt. Tut mir ja leid, aber ich habe grade genug eigene Probleme, denke ich und will mir meine Maske zurück holen, doch irgendetwas macht mich stutzig. Der Todesser, die Maske von ihm, die kenne ich docj, dass ist Mr Malfoy!
    Ich zücke meinen eigenen Zauberstab, wende mich wieder Richtung des Angreifers. Der unbekannte Mann vom Ministerium starrt überrascht in meine juges Gesicht. „Stuper“ sage ich mit einem Lächeln auf den Lippen zu ihm. Der Mann kippt nach hinten und bleibt liegen. Hastig werfe ich Mr Malfoy seinen Zauberstab wieder zu, schnappe mir meine eigene Maske und verschwinde hastig hinter einer noch stehenden Gruppe von Zelten.
    Dem bin ich magietechnisch nicht mehr gewachsen.
    ~
    Entspannt an einen Baum am Waldrand gelehnt beobachte ich das sehr interessante Spektakel weiter weg zwischen den Zelten.
    Das Feuer, die Schreie und Lichtblitze. Glauben die vom Ministerium wirklich, sie könnten sich ernsthaft gegen Todesser behaupten?
    Doch tief versteckt, unter Triumph, Belustigung und Gelassenheit sitzt das nagende Gefühl der Sorge, ein wenig vertrautes Gefühl. Layla kann nie im Leben gegen einen ausgewachsen Zauberer kämpfen. Und wenn Vater entdeckt wird-
    „Auutsch!“
    „Ron! Was ist los?“
    „Oh, das ist bescheurt! Lumos!“
    Ein paar Meter weiter flammt ein kleines Licht auf. Was das sichtbar macht, amüsiert mich nur noch mehr. Weasley, dessen lange Gliedmaßen sich wohl gerade mit den Wurzeln aufreunden, Potter daneben und Schlammblut Granger mit dem Zauberstab in der Hand.
    „Ich bin gestolpert“ sagt Weasley in fast beleidigtem Ton, als hätte der Boden etwas persönliches gegen ihn.
    Wird Zeit, mich zu zeigen.
    „Kein Wunder, bei so großen Füßen.“
    Die drei wirbeln so alamiert herum, dass man meinen könnte, ich hätte sie angebrüllt. Also wirklich.
    „Malfoy!“ stellt Potter fest. Nee, denke ich, ich bin der Zaubereiminister. Hast du gut erkannt, Potter.
    „Na“ sage ich amüsiert zu den drein, „Hat euch Daddy gesagt, ihr sollt schön in den Wald gehen und euch verstecken? Schön raushalten? Dann seid ein paar brave Kinder und tut das.“
    „Und wo sind deine Eltern, Malfoy!“ Potter kann aber auch nie Ruhe bewahren, seine Manieren sind wirklich zm davonlaufen. „Wo sind Mummy und Daddy?“ Genau kann ich das nicht sagen, aber deine sind im Grab. „Ich wette dein Vater ist da unten“ sagt Potter nachdrücklich und deutet Richtung Zelte, „Und zwar Maskiert!“
    Denkt der Junge wirklch, ich würde ihm darauf eine ernsthafte Antwort geben? „Selbst wenn es so wäre“ gebe ich gelassen zurück, „Dir würde ich es ganz bestimmt nicht sagen.“
    Ein lauter Knall ertönt, und dann noch lauteres Gelächter. Die Todesser scheinen Spaß zu haben.
    Ich wende mich wieder an das dämliche Trio. „Es wundert mich, dass ihr noch hier seid. Besonders mit der da“ kommentiere ich Grangers Anwesenheit. „Was soll das heißen, Malfoy!“ Sind die nun dumm oder dumm? „Die“ ich nicke in die grobe Richtung der Todesser, „Sind hinter Schlammblütern her. Willst du vielleicht auch ein bisschen durch die Luft turnen, Granger?“
    Ein lautes Krachen übertönt Weasleys wüste Beschimpfungen mir gegenüber. Dann, endlich, verziehen die drei sich weiter in den Wald. „Versteck lieber deinen großen, buschigen Kopf, Granger!“ rufe ich noch. Hoffentlich erwischen die Todesser sie.
    Als ich mich gerade wieder dem Treiben der Leute meines Vaters zuwenden will, wird mir von hinten ein Zauberstab an die Kehle gedrückt. Augenblicklich ist alles von eben vergessen, ausschließlich Angst hat in meinem Kopf noch Platz.
    „Und wer bist du, so ganz allein hier?“
    Von irgendwoher kommt mir die Stimme bekannt vor, doch auch wieder nicht.
    „I-ich...äh-“ Verflucht, ich hasse es, wie ich immer wie bescheuert herumstammele, wenn ich nervös bin! Wenn ich den, der mir den Zauberstab an die Kehle hält, doch wenigstns halbwegs ins Gesicht schauen könnte!
    Vermutlich ein Todesser. Ansonsten würde er mich nicht bedrohen. Aber wieso ich? Wieso ausgerechnet ich?
    „Ich bin… du – äh – Sie kennen mich sowieso nicht! Ich b...bin eigentlich niemand! Mein Vater ist Lucius Malfoy!“ Den wird er ja wohl kennen.
    „Ach deeer.“
    Erschrocken drehe ich mich um. „Layla!“
    Die grinst. „Nee, der große, böse Todesser vor dem du so panische Angst hast, dass du zugibst, dass du niemand besonderes bist.“ Sie räuspert sich. „Tja, vom Stimme verstellen habe ich jetzt Halsschmerzen, aber das war's wert.“ Irgendetwas stimmt mit ihren Gesicht nicht. „Hast du Hautausschlag?“ frage ich, ohne wirklich darüber nachzudenken. Layla steckt den Zauberstab weg. „Jaa, genau. Nein, mein Gesicht wollte nur so unbedingt Bekanntschaft mit Erde und Stein machen, den Wunsch konnte ich ihm nun wirklich nicht ausschlagen. Achja,“ fügt sie wie nebenbei hinzu, „Das war kurz bevor ich deinen lieben Daddy, den du ja immer so wunderbar vorschiebst, aus einer misslichen Lage rausgeholfen habe, also kannst du ruhig etwas netter sein.“
    Ich spüre, wie mir das Blut ins Gesicht schießt. „Verfluchter Trottel“ murmele ich, mehr für mich selbst. „Wie war das?“ Layla sieht aus, als würde sie jeden Moment anfangen zu lachen. „Das ist-“ „Peinlich? Jep.“ „Sag mal“ versuche ich vom Thema abzulenken, „Wo hast du eigentlich dein ganzes Todesserzeug gelassen?“ „Auf der Suche nach dir schon im Zelt versteckt. Wo ist eigentlich deine Mutter?“ Ich zucke bloß mit den Schultern. „Keine Ahnung. Als ich aufgewacht bin, wart ihr alle bereits weg. Vermutlich sieht sie sich das alles auch aus etwas Entfernung an, wie ich.“
    Layla stellt sich neben mich, ihr Blick ruht völlig entspannt auf dem mittlerweile doch etwas infernoartigen Durcheinander. „Ich hoffe, der Typ hat sich den Kopf angeschlagen“ sagt sie leise nach ein paar Minuten. „Welcher Typ?“ Sie seufzt. „Als dein Vater mit mir zusammengekracht ist, habe ich meine Maske verloren. Der Mann, der deinen Vater gerade entwafnet hatte, hat dann meine Gesicht gesehen. Ich habe ich geschockt, er ist umgefallen – ich hoffe er erinnert sich nicht so gut.“ „Keine Sorge“ erwidere ich düster, „Mit dem ganzen Blut im Gesicht siehst du nicht wirklich aus wie du selbst.“ Layla nickt nachdenklich.
    Plötzlich heben sich aus dem generellen Lärm einzelen Rufe und Schreie ab, ein lauter Knall nach dem anderen zeugt vom Apparieren.
    Alamiert zieht Layla ihren Zauberstab, ich tue es ihr gleich. „Was ist da los?“ „Ich habe keinen Schimmer“ antworte ich wahrheitsgemäß.
    Mit schmalen Augen versuche ich, etwas durch den Rauch und Qualm erloschener Fackeln zu erkennen. „Sieh mal Layla, wie seltsam, Leute von beiden Seiten verschwinden. Todesser sowie M-“ „Draco!“
    Layla greift nach meiner Hand. „Was ist das?“ Ihre Stimme klingt um einiges höher als normal. „Was ist was?“ „Da!“ Sie starrt wie hypnotisiert auf einen Punkt hinter mir, über mir. Langsam drehe ich mich um. Dann sehe auch ich es. Ein grüner Totenkopf mit einer Art Schlangenzunge spannt sich über den finsteren Himmel. „Das dunkle Mal“ flüstere ich. „Das was?“ Layla schaut mich verständnislos an, betrachtet dann wieder voller Unbehagen das Mal. „Das dunkle Mal“ wiederhole ich, „Das Zeichen von du-weißt-schon-wem! Und das seiner Todesser. Sie verwendeten es, wenn getötet wurde. Oder wenn ER da war. Oder auch einfach, um Schrecken zu verbreiten. Aber es wurde schon seit vielen Jahren nicht gesehen.“ „Ach wenn ich nicht so recht weiß wieso – dieses Mal da beunruhigt mich. Warum verschwinden eigentlich aufch die ganzen Todesser? Sie müssten das doch eigentlich gut finden?“ „Denk doch mal nach“ antworte ich ungeduldig, während ich den Totenkopf anstarre. „Nachdem du-weißt-schon-wer gestürtzt war, haben die meisten Todesser sich selbstverstänlich herausgeredet. Sie wären erpresst oder verhext worden, und nur deshalb hätten sie in seinen Diensten gestanden. Aber wenn jetzt dieses Zeichen auftaucht, haben natürlich Angst, er könnte wirklich zurück kommen. Selbst seine einst treuesten Anhänger haben Angst vor ihm, weil sie ihren Lord verleugnet haben.“

    2
    (Tut mir Leid, dass hier jetzt so viele leere Kapitel kommen. Für die, die's verpasst haben: Irgendwie - wie weiß ich nicht - hat sich diese FF in meine andere FF verwandelt, weshalb ich jetzt erstmal schön alle Kapitel wieder löschen darf und dann die richtigen einfügen. Juhuu.
    Aber keine Sorge, nachdem das geklärt wurde, wird (vermutlich/hoffentlich) erstmal alles wieder normal verlaufen:))

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    (Pff irgendwie können nicht alle Kapitel leer sein, Mähhh)

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    (Oder auch auf einmal gar keins: O)

    6
    (Wusstet ihr, dass Draco nicht schwimmen kann?)

    7
    (Glaubt mir, das rumlöschen ist echt öde: D)

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    (Meh.)

    9
    (Wenn ich wenigstens wüsste, wieso sich das alles so plötzlich veränder hätte:/)

    10
    (LANGWEILIG)

    11
    (Ich hasse sowas)

    12
    (Panda macht Nomnomnomnom, nomnomnomnon, nomnomnomnomnomnom...)

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    (Ich sollte die Kapitel definitiv nicht mehr so kurz machen, falls sowas noch einmal passiert.)

    14
    (Dumme Bugs)

    15
    (In der Zeit könte ich sooooo viiieel sinnvolleres tun)

    16
    (*seufz*)

    17
    (FFFffffffff)

    18
    (Sorry noch einmal für die Fehler)

    19
    (Noooiiiin, erst Kapitel 19 von 41 >.<)

    20
    (Das regt so auf XD)

    21
    (..........)

    22
    (*hört Musik*)

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    (Grrr)

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    (Was hab ich der Welt getan?)

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    (Das nervt!)

    26
    (Sorry)

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    (Wenn nach der Aktion hier rausfinde, dass man doch ganze Kapitel einfach löschen kann, flipp' ich aus -.-)

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    (*singt Lied mit*)

    29
    (Wahrscheinlich interessierts jeden hier 'n Scheiß womit ich diese ****** Kapitel fülle? XD)

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    (IUDHFIEWUHGWR)

    31
    (*ersucht Ruhe zu bewahren*)

    32
    (Pfffffffffff)

    33
    (*Musik lauter mach*)

    34
    (diese arbeit regt sooo auf, ganz ehrlich! Sorry.)

    35
    (*lässt Frust über WhatsApp an bester Freundin aus, obwohl sie nichts dafür kan* Sorry an der Stelle an dich:*)

    36
    (Bleib ruhig Elisa, bleib ruhig....)

    37
    (*ist Nervenzusammenbruch nahe*)

    38
    (Bald geschafft...)

    39
    (*kurz davor, Laptop+Handy aus dem Fenster zu pfeffern*)

    40
    (Bald bin ich erlöst.............)

    41
    (JJAAAAAAA! *TRIUMPH*
    Wenn man das aus neutraler Sicht betrachtet, kann man sich vermutlich gar nicht vorstellen, wie ********* ätzend das ist! Aber es ist so. Aber ich habe es geschafft. Einmal alle bitte beten, raise your wands. Haleluja.)

    42
    „Dein Dad allen voran.“ „Hör auf damit.“
    So stehen wir noch eine ganze Weile da, dicht nebeneinander am Waldrand, während hinter uns das Mal der schwärzesten Magier überhaupt am Himmel strahlt und vor uns Leute in Panik, Flammen und hektische Aufbrüche.
    --drei Tage später--
    „Wo ist sie jetzt noch einmal?“
    Ich seufze genervt. „Miley Blyss, Vater.“
    „Wer ist das?“
    „Irgendein Mädchen aus ihrem Schlafsaal, wer sonst.“
    „Was tut sie da?“
    „Das weiß ich doch nicht. Das sind Mädchen. Woher soll ich wissen, was die in ihrer Freizeit so tun? Wieso willst du das alles überhaupt wissen?“
    Natürlich bekomme ich keine Antwort. Also tue ich weiterhin so, als würde ich das Schulbuch von Zaubertränke studieren.
    Vor zwei Tagen ist Layla wieder abgereist um die restliche Ferienzeit bei einer ihrer Freundinnen zu verbringen. Seitdem habe ich kaum mal drei Stunden Zeit für mich, weil Vater dauernd irgendetwas über meine Freundin fragt. Was extrem nervig ist, da ich dann immer so tun muss, als würde ich meine Zeit irgendetwas Sinnvollem widmen, wenn er in mein Zimmer kommt.
    Ohne meinen Vater weiter zu beachten, der nachdenklich ins Nichts starrend noch in meinem Zimmer herumsteht wie eine übersehne Schachfigur, beginne ich, ohne so recht darüber nachzudenken, auf der Seite über Entgiftungstränke herumzukritzeln.
    „Ich habe Neuigkeiten“ sagt Vater schließlich, nach fast drei Minuten.
    „Fällt dir aber früh ein“ rutscht es mir heraus, woraufhin er mich mit einem sehr vernichtendem Blick straft.
    „Ich habe es vor einer Stunde vom Minister erfahren. In Hogwarts wird dieses Jahr das trimagische Turnier stattfinden.“ „Das was?“
    Verflucht, ich sollte mehr denken, bevor ich spreche. Aber wenn man so viel mit Layla unterwegs ist wie ich, gewöhnt man sich das ab. Früher habe ich so gut wie gar kein Wort gesprochen, ohne es vorher auf die Feinwaage (Mit Feinwaagen wiegt man übrigens auch Drogen ^^ Nur so als Beispiel dafür, wie sehr fein diese Teile sind. Tja, sowas lerne ich im Chemieunterricht von meinem Sitznachbar: D) gelegt zu haben.
    Und jetzt bin ich manchmal so verflucht unbedacht.
    „Das solltest du eigentlich wissen. Zaubereigeschichte“ weißt Vater mich knapp zurecht.
    „Unser Professor da ist ein Geist! Sowas machen wir nicht.“
    „Ich war in der Annahme, du würdest von selbst vernünftig lernen.“
    Ich bin dumm, dumm dumm. Wieso kann es nicht mal irgendeine Situation geben, die sich nicht gegen mich richtet?
    „Ach, richtig“ antworte ich lahm, „War mir nur kurz entfallen.“
    „Das wäre noch nicht alles. Dumbledores Sinn für fähige Lehrer scheint nun vollständig verloren gegangen zu sein. Als Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste bekommt ihr einen alten Ex-Auror. Also sei vorsichtig, was du wann sagst und tust!“
    „Ich bin nicht blöd.“
    Vater mustert mich skeptisch.
    „Wirkt aber gerade völlig anders.“

    43
    Du machst auch nicht den schlausten Eindruck, wie du da rumstehst, denke ich veräregrt, diesmal jedoch ohne es auszusprechen.
    „Etwas wäre da noch.“ Geht das jetzt ewig so weiter?
    „Ich befehle dir,“ beginnt Vater ohne große Umschweife, „Dich von jetzt an von dieser Layla fernzuhalten. Sie ist alles andere als ein guter Umgang für dich.“ Ich seufze genervt. Daran merkt man, wer denn hier jetzt so intellektlos ist. „Erstens“ erwidere ich betont gelangweilt, „Musst du mir erstmal ein paar plausible Gründe nennen. Zweitens: Ich erninnere mich, dass du das schoneinmal versucht hast. Tja, hat aber nicht geklappt. Drittens hat sie dir bei der Weltmeisterschaft doch reichlich geholfen.“
    „Widersprich nicht! Du wirst tun, was man dir sagt, verstanden!“
    Die Finger angespannt um mein Buch gekrampft vor Wut starre ich meinen Vater an.
    „Ich will immernoch die Gründe hören!“ Auch er wird sichtlich wütend.
    „Schön, wenn du dann Ruhe gibst! Es gefällt mir nicht, was dieses Mädchen tut. Was an deinem dummen Kopf vermutlich vorbeigerauscht ist: Sie wird zu einem Todesser. Sie steht unter direktem Einfluss des dunklen Lords. Wenn das herauskommt, ist sie schneller runter von der Schule und vielleicht sogar in Askaban als du es dir vorstellen könntest. Und was wird aus dir? Du würdest selbst vermutlich den Ruf der Familie in den Abgrund ziehen. Wenn ER erst zurück ist, wird dieses Mädchen sich mit Todessern abgeben, die bereits Leute getötet haben. Und dir wird sie davon erzählen. Du würdest unter diesen Bedingungen nicht lange aushalten, da-“
    Hitzig springe ich aus meinem Sessel auf, das Zaubertrankbuch schlägt dumpf auf dem Boden auf. „Da was? Hälst du mich wirklich für so schwach? Und überhaupt – das sind gar keine richtigen Gründe! Du bist selbst einer von denen, schon vergessen?“
    Unter normalen Umständen würde ich es nie wagen, so mit Vater zu reden, doch es regt einfach auf. „Du hast doch nur Angst vor Lay, weil sie so in Verbindung zu du-weißt-schon-wem steht! Die meisten von deinen angeblichen Gründen treffen auf dich selbst mehr zu, als auf sie! Außerdem solange ER das duldet, was ich mit ihr hab, kannst du nichts dagegen tun. Lay würde ihn einfach bitten, dich ein wenig zu erschrecken.“
    „Der dunkle Lord würde sich nie mit solchen Lächerlichkeiten auseindersetzen“ zischt Vater aufgebracht. „Ach nein?“ gebe ich zurück, „Der hat vermutlich zu Layla ein besseres Verhältnis, als ich zu dir!“
    Vaters Ohrfeige trifft mich einmal mehr reichlich unerwartet, sodass ich ein paar Schritte zurückstolpere.
    „Du wirst ganz einfach das tun, was ich dir sagen! Und wag es ja nicht, nocheinmal so mit mir, deinem Vater, zu reden!“
    Rasend vor Wut und mit brennendem Gesicht schleudere ich mein Buch gegen die Tür, durch die Vater soeben verschwunden ist.

    44
    Geschafft sinke ich zurück in den Sessel.
    Diese dauernden Auseinandersetzungen mit Vater erschöpfen mit der Zeit.
    In diesem Moment empfinde ich einen kalten Hass auf ihn. Ein heißes Kribbeln läuft durch meinen Körper. Am liebsten würde ich irgendetwas, oder besser irgendwen, zusammenschlagen.
    Aber ich belasse es dabei, im Spiegel meine gerötete Gesichtshälfte anzustarren.
    Ich hab's satt, dauernd für jeden der Idiot zu sein.
    ~
    „Schade, dass wir uns während der Weltmeisterschaft immer nur kurz gesehen haben“ seufzt Miley, während sie ihre Schokofroschkarten sortiert. „Jetzt, wo du ja hier alles gesehen hast, müssen wir unbedingt darüber reden. Ich meine, bei dem was passiert ist...“ Ich nicke. „Was hast du gemacht, als die Todesser kamen? Och nee, ich habe schon zum vierten Mal Dumbledore!“
    Ich sitze mit Miley zwischen leeren wie vollen Verpackungen und Schokofroschkarten in ihrem Zimmer. Ein kleiner, aber gemütlicher Raum, mit hellblauen Wänden und einem lilanen Teppich.
    „Wie die meisten anderen – ich bin mit meinen Brüdern im Wald verschwunden. Naja, mit Gordon und Miguel. Patrick hat natürlich wieder den Helden gespielt und hat ein bisschen gekämpft. Aber das war nicht so erfolgreich.“
    Seit gestern Abend bin ich bei ihr, ihrer Mum und den drei Brüdern. Patrick ist 21, sieht aber älter aus, Gordon 17 und Miguel sechs Jahre alt.
    Miley schüttelt nachdenklich den Kopf. „Ihn hat ein Schockzauber getroffen. Dauernd redet er von der, die ihn geschockt hat. Patrick behauptet, jemand der aussah wie ein Mädchen, höchstens 15.“ Mit einem Schlag scheint mein Körper wie gelähmt zu sein. „Hey, alles klar bei dir? Du bist so blass.“ Muss Miley immer so aufmerksam sein? Ich setze ein Lächeln auf. „Mir geht’s gut. Es ist nur – die Vorstellung, dass schon so junge Leute du-weißt-schon-wem folgen und als Todesser kämpfen-“ „Schrecklich, ich weiß.“ Ich drehe mich um. Patrick steht im Zimmer. Für einen Augenblick schweift sein Blick ins Abwesende. Dann setzt er sich zu uns auf den Teppich. „Soll ich dir erzählen, wie das war?“ Ich nicke vorsichtig. Bitte, erinnere dich nicht, flehe ich ihn stumm an.
    „Also: Ich habe mich mit irgendeinem Maskierten duelliert. So wie der Flüche um sich geschleudert hat muss das ein voll ausgebildeter Zauberer gewesen sein, aber ich hatte ihn fast erledigt.“ Miley wirft mir einen unmissverständlichen 'Er-muss-halt-immer-angeben'-Blick zu. „Ich hatte den Typen gerade entwaffnet, da läuft der in so einen anderen Todesser rein.“
    Falsch, denke ich, du hast Mr Malfoy erst danach entwaffnet.
    „Beide sind umgefallen. Ich habe mich ehrlichgesagt schon gefreut, weil ich dachte, ich würde jetzt zwei Todesser enttarnen. Vor allem, weil der eine beim Sturz seine Maske verloren hat. Bessergesagt, ihre. Das war dieses Mädchen. Aber es wird noch komischer: Das Mädchen wollte sich gerade ihre Maske zurückholen – da hat sie den anderen irgendwie erkannt oder. Es war, als müsste sie sich entscheiden, sich selbst und ihre Identität zu schützen oder den zweiten Todesser. Und dann hat sie sich, immer noch halb auf dem Boden liegend, zu mir umgedreht und den Schockzauber gefeuert. Die sah richtig irre aus dabei, das Gesicht voller Blut und Erde, so richtig unkenntlich gemacht und so ein teuflisches Grinsen auf den Lippen.“ Kein Wunder, dass Draco erst dachte, ich hätte Hautausschlag. Wenn ich echt so furchtbar aussah…
    „Das Letzte, was ich gesehen hab-“ „War, dass dieses mysteriöse Mädchen dem anderen Typen den Zauberstab zugeworfen hat, ich weiß, ich weiß. Man Patrick, wie oft willst du das noch erzählen?“
    Der steht beleidigt wieder auf. „Sie wusste es halt noch nicht. Ich habe euch darüber sprechen hören und dann bin ich eben kurz zu euch gekommen.“ Er brummt noch etwas von „Man wird in seinem eigenen Haus ja wohl noch was sagen dürfen“ und verzieht sich wieder.
    „Und du?“ „Was?“ Verwirrt wende ich mich wieder Miley zu. „Was hast du gemacht, als die Todesser kamen?“ Ach ja, bei dem Thema waren wir ja ursprünglich.
    „Dracos Eltern haben uns geweckt, natürlich erstmal weg von da. Sein Dad ist dann zu irgendwelchen anderen vom Ministerium gegangen, Lage besprechen oder so.“ Die Lüge geht mir flüssig über die Lippen, einfach, leicht. Lügen gehört nun mal zum Alltag.
    „Das Dumme ist nur, dass Draco und ich seine Mum irgendwann verloren haben in dem Durcheinander. Danach waren wir am Waldrand und haben alles beobachtet. Wir wussten nicht, ob wir jetzt weiter in den Wald sollen, oder ob es da vielleicht auch gefährlich wäre. Und dann kam...“ „das dunkle Mal.“ Ich nicke. „Genau. Das war wirklich schrecklich. Vor uns die Todesser, die alles niedermachten und hinter uns am Himmel dieses Zeichen. Und Draco und ich genau dazwischen.“
    Mein Gewissen meldet sich schon lange nicht mehr, wenn ich lüge. Egal bei wem, egal bei was. Es ist schlicht und ergreifend egal wenn ich lüge. Es sind doch bloß unwahre Worte. Kein Schwerverbrechen, also was soll's?
    Miley mustert mich mit einem bedeutungsschwangeren Blick. „Immerhin hattet ihr ja Zeit für euch. Und übrigens, was Blaise so alles erzählt… Sag mal, was genau ist eigentlich das große, mysteriöse Etwas, das im Malfoy Palast passiert ist? Glaub mir, du willst nicht wissen, was Blaise so für Gerüchte in die Welt setzt.“ „Jetzt bin ich neugierig.“ Miley seufzt. „Pansy hat einen totalen Anfall bekommen, als sie gehört hat, dass… Naja, dass...“ „Sag endlich“ dränge ich gespannt, „Was erzählt Blaise?“ „Also...“ Miley muss sich erst aus ihrem Lachanfall befreien, bevor sie weiterspricht. „Pansy hat es nicht so gut aufgenommen, als sie hörte, dass der Zaubereiminister dich und Draco bei du-weißt-schon-was erwischt hat...“ Sie kichert. „Ich nehme mal nicht an, das stimmt?“ Ein wenig sprachlos schüttele ich den Kopf. Blaise' Fantasie ist durchaus liebenswert.
    „Also denkt jetzt der halbe Jahrgang, dass ich mit Draco geschlafen habe?“ „Drei Viertel trifft's wohl besser.“ Ich kann das Lachen nicht länger unterdrücken. Das ist einfach albern. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht mal vierzehn bin, ist es reichlich unwahrscheinlich, dass Draco sowas je tun würde.
    Erst nach einiger Zeit mit unschöner Atemnot und Bauchschmerzen vor Lachen kann ich mich wieder halbwegs beruhigen. Miley wartet geduldig, bis ich wieder vernünftig Luft bekomme, und fragt dann: „Was genau hast du eigentlich gesagt, als du Draco vor mir und den anderen geküsst hast? Ich habe es nicht gehört, aber irgendwoher muss Blaise seine Infos ja nehmen, oder?“
    Ich zucke ungerührt die Schultern. „Ich weiß nicht mehr so genau. Aber wenn du die wahre Gesichte hören willst: Am Tag der Abreise haben Draco und ich halt so 'n bisschen geredet, ich habe mich halt zu ihm gesetzt, als er noch etwas verschlafen war. Mehr als ein Kuss oder so war nicht. Das Problem an der Sache: Irgendwann – in einem etwas ungünstigen Augenblick – platzte Dracos Vater rein und...naja. Du kannst es dir vorstellen. Zufällig dachte sich der Minister, er könnte Mr Malfoy einen kurzen Besuch abstatten und stand plötzlich auch da.“ Miley grinst. „Schade eigentlich, Blaise' Geschichte ist soo viel interessanter.“

    45
    Die letzten Tage der Ferien verstreichen ohne weitere Zwischenfälle, sogar schlafen kann ich vernünftig. Es tut unheimlich gut, nach all den Jahren wieder einmal zu erleben, wie eine Familie funktioniert. Denn obwohl meine Mum meine einzig richtige Verwandte war, vermisse ich sie wie eine ganze Familie. Doch das Gefühl von Einsamkeit und das Wissen, etwas sehr wichtiges verloren zu haben, ist längst nicht mehr so erdrückend wie vor einiger Zeit noch.
    Miley erzählt sehr viel von sich und ihrer Familie. Was für eine Überraschung es war, als sie nach Slytherin kam, da das überhaupt nicht ihrem Charakter entspricht. Andererseits war Patrick in Gryffindor und Gordon war in Rawenclaw. Miguel kommt also wahrscheinlich nach Hufflepuff. Es ist schön, so viel Normalität zu erleben. Miley und ich besuchen die Winkelgasse, klappern die Läden ab und erfüllen den diesmal etwas anderen Plan mit den Dingen, die wir für Hogwarts benötigen. Wir kaufen zwei Festumhänge, die mehr Kleidern ähneln; Miley einen dunkelblauen und ich einen silbernen, der mit grün und rot bestickt ist.
    Der Tag der Abreise kommt schneller als sich zwei Wochen für gewöhnlich anfühlen.

    „Hoffentlich beachtet Adrian mich dieses Jahr mal“ flüstert Miley, während wir mit unseren Koffern Gleis 9 ¾ ansteuern. „Warst du nicht mal in Flint verliebt?“ frage ich überrascht und weiche einer Gruppe von kleinen Kindern aus. „Das ist doch schon ewig her.“ Na dann.
    Ich schaue mich noch einmal gründlich um, bevor ich mich mit dem Rücken an die Barrikade zwischen Gleis neun und zehn lehne und hindurch gleite. Wenigstens hier ist absolut alles wie immer. Hier und da entdecke ich vertraute oder bekannte Gesichter. Auf einmal quietscht Miley ganz entzückt „Da ist er! Da ist er!“ und verschwindet im Gedränge. In etwas mehr als sechs Stunden bin ich in Hogwarts. Sofort bessert sich meine Laune. Miley und ich sind spät dran, weshalb die meisten schon im Zug sind. In etwas Entfernug beobachte ich, wie Miley sich von ihren drei Brüdern verabschiedet, ihre Mutter umarmt und einsteigt. Kaum das ich selbst meinen Koffer in den Zug gewuchtet habe, fährt er auch schon ab.
    Es dauert nicht lange, bis ich erst auf Miley und dann auf das große Abteil mit den meisten Slytherins, die ich so kenne, stoße. Goyle, Crabbe, Pansy – ein leichtes Kribbeln breitet sich in mir aus, als ich Draco erblicke. Pucy, Flint, Nott und Erica haben sich eine Ecke gesucht. Mein Blick wandert weiter. Mein Herz macht einen Satz, als ich Blaise sehe. Moment mal. Ich halte inne beim Aufschieben der Abteiltür. Wieso klopft mein Herz so wild beim Anblick von Blaise? Er hebt den Blick und bemerkt mich. Sein weißes Lächeln lässt mich komlett erstarren, bis jemand von innen die Abteiltür aufreißt und Miley und ich in einer Gruppenumarmung mit Linda und Milli landen. Jetzt erst fällt mir auf, wie sehr ich meine Freunde eigentlich vermisst habe.
    Ich kann kaum unterscheiden, zwischen dem, was ich und was meine Freundinnen sagen, aber ich bin ziemlich sicher, dass es jetzt, wo wir vollständig sind, es im Abteil deutlich lauter geworden ist. Die Quidditchweltmeisterschaft, das neue Jahr, leise geflüsterte neue Verliebtheiten – alles ist dabei. Als wir auf die Festumhänge zu sprechen können und wild herumspekulieren, weshalb die wohl gebraucht werden, unterbricht uns niemand anders als Draco. „Ihr Mädchen kriegt aber auch nie was mit, oder?“ „Liegt vielleicht daran, dass die immer so laut reden“ meint Pucy, woraufhin Miley übertrieben zu kichern anfängt. „Das trimagische Turnier. Schon mal was davon gehört?“

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    Ich tausche einen verwirrten Blick mit Linda, ehe ich wieder zu Draco schaue. „Nö. Hast was anderes erwartet?“ Der seufzt genervt. „Nein. An sich nicht. Also, das trimagische Tunier ist ein Wettkampf an dem die drei Zaubererschulen Hogwarts, Durmstrang und Beauxbatons teilnehmen. Es werden drei Champions ausgewählt, die ihre jeweilige Schule vertreten. Es gibt drei Aufgaben und am Ende eben einen Gewinner“ erklärt Draco mit gelangweilter Stimme, „Der bekommt etwas Geld. Es sind früher sogar schon Leute dabei gestorben“ fügt er mit einem boshaften Grinsen hinzu. „Da hofft man ja fast, dass es Potter wird. Der konnte sich ja noch nie den Ruhm stehlen lassen. Wenn ihr mich fragt kann der gerne den Helden spielen, solange er dabei sein Leben riskiert.“
    Draco redet weiter, doch ich höre ihm nicht länger zu. Genau darauf wird es hinauslaufen. Am Ende dieses Jahres wird Potter sterben müssen. Wenn ich doch nur mehr wüsste…!
    Ich bin ziemlich sicher, dass der Todesser, von dem Voldemort erzählt hatte, der irgendwie in Hogwarts eingeschleust wird und auch ich selbst vielleicht nicht ganz unwichtig sein werden.
    Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich hasse Potter und seine ganze Gefolgschaft und dennoch… Der Gedanke, beim Mord an ihm irgendwie mitzuspielen beunruhigt mich.
    Als es immer schwieriger wird, weiter so zu tun, als würde ich den Gesprächen zuhören, lege ich den Kopf zurück und stelle mich schlafend.

    „Oh nein, nicht jetzt“ seufze ich, als ich feststellen muss, das ich wohl echt eingeschlafen bin. „Das kann ungünstig enden!“ „Ich war der Auffassung, du würdest mehr wissen wollen.“
    Ich schaue mich um. Lange her, dass ich im Haus meiner Voefahren war. Verändert hat sich trotzdem nichts. Wie auch, denke ich verärgert wegen meiner eigenen Blödheit, Was sollte sich hier denn auch verändern?
    „Denk nach“ fordert die körperlose Stimme, „Selbst jemand wie du sollte sich überlegen können, wen man als geheimen Todesser in Hogwarts unterbringen könnte?“
    Jemand wie ich? Was soll das denn heißen? Etwas ratlos zucke ich die Schultern. „Könnte doch jeder sein? Das magiche Gesundheitsamt, jemand der sich wie ein Hygienekontrolleur verkleidet um zu überprüfen ob Filch die Rüstungen gut genug poliert?“ Es bleibt still. Natürlich, meine Ideen sind reichlich unwahrscheinlich, aber etwas besseres fällt mir nicht ein. „Sag bitte nicht, dass es jemand vom Jugendamt ist.“
    „Idiotin“ zischt es rechts von mir, „Der Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste!“ Jetzt klingt die Stimme von links oben. Voldemort muss ja wirklich aufgebracht sein, wenn sein Geist so herumturnt.
    „Ach ja“ antworte ich langsam, dann dämmert es mir. „Natürlich! Die Stelle wird ja irgendwie jedes Jahr frei. Besser könnt's wirklich nicht passen.“ Und wie…?“ Voldemorts Erwiderung erklingt hinter mir. „Im Körper eines anderen wird er so tun, als sei er der neue Professor. Bevor du fragst, er weiß um dich Bescheid.“ Ich nicke langsam. Das könnte ja mal eine interessante Beziehung zwischen Schüler und Lehrer werden. Schon schießt mir eine weitere, wichtige Frage durch den Kopf, doch Voldemort antwortet schneller als ich fragen kann. „Nein.“ „Warum?“ frage ich beleidigt zurück, „Das macht es leichter für mich!“
    „Du wirst meinem Wort Folge leisten!“ Stumm ergebe ich mich, was habe ich schon groß für eine Wahl? Dann muss ich in der Sache eben ohne Draco klarkommen. Sowieso ist er reichlich unterkühlt zu mir, seit die Ferien vorbei sind.
    Im nächsten Moment schlage ich die Augen auf und bin wieder im Zug..

    Es ist leerer geworden im Abteil. Draco und seine Anhängsel sind verschwunden sowie Marcus Flint, Theodore Nott und Erica. Ich muss lächeln, als ich sehe, wie Miley mit Adrian Pucy in ein Gespräch verwickelt ist.
    Da niemand mich irgendwie schräg ansieht habe ich wohl nicht ungewollt im Schlaf geredet. Doch, Blaise mir gegenüber mustert mich intensiv. Dieses Mal schlägt mein Herz nicht nur schneller, weil er mich ansieht. Wenn er etwas gehört hat? Wenn ich doch etwas gemurmelt habe und die anderen nur zu abgelenkt waren? Oder habe ich irgendwie geschnarcht oder sonst was peinliches angestellt? Das wäre ja noch schlimmer als wenn ich etwas von Filch und dem Jgendamt geredet hätte.
    Blaise' dunkelbraune Augen blicken neugierig in meine. Ich schaue kurz zu meinen Freundinnen, ob alle beschäftigt sind, ehe ich mich neben ihn setze.
    „Ist irgendetwas?“ frage ich ohne zu wissen, ob ich die Antwort wirklich haben will.

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    Er lächelt. Blaise lächelt. So schlimm kann es also gar ni – Oh Gott, sein Lächeln...!
    „Ich habe mich nur gefragt, was du wieder angestellt hast, dass Draco dich einmal mehr keines Blickes würdigt.“
    Fast körperlich spürbar fällt die Angst von eben von meinen Schultern und Erleichterung macht sich breit. Ich denke einen Moment nach. „Ich schätze mal“ antworte ich langsam, „Sein Dad hat ihn mal wieder ein bisschen fertig gemacht, von wegen ich bin ja eine Muggelstämmige und er und ich... Ach, du weißt ja. Der kriegt sich schon wieder ein.“
    Blaise nickt, einen amüsierten Ausdruck im Gesicht. „Ist das nicht etwas unlogisch, dass er in der Schule und so immer wie ein Verrückter mit seinem Vater angibt und prahlt wie toll und reich er doch ist, aber in der Wirklichkeit haben die beiden ein wohl echt mieses Verhältnis?“ „Jep. Ziemlich.“
    In der Stille danach überlege ich krampfhaft, was ich noch sagen könnte. Bestimmt hält Blaise mich für eine ziemlich langweilige Person, wenn ich nichts sage oder tue. Komm schon, denke ich, lass dir irgendetwas einfallen, worüber ihr reden könntet!
    Ein Seitenblick zu Blaise jedoch sagt mir, dass er die Stille für überhaupt nicht unangenehm empfindet.
    Als ich schnell wieder wegsehe damit mein Herz nicht schonmal übereifrig ein paar Lebensjahre wegschlägt, bemerke ich ein zweites Mal, wie leer es im Abteil geworden ist.
    „Wo sind eigentlich alle hin?“ Blaise seufzt. „Alle, die gerade weg sind, sind absolut hoffnungslose Fälle. Wo Erica mit Marcus und Theo ist und was die machen will ich eigentlich gar nicht wissen. Und Draco mit seinen Leuten geht seiner Lieblingsbeschäftigung Potter nerven nach. Was sonst?“ Ich lache leise. „Stimmt. Was anderes tut er ja eigentlich selten. Ziemlich hobbylos, wenn du mich fragst.“
    „Sei froh, dass du vorhin geschlafen hast“ sagt Blaise nach ein paar Minuten plötzlich. „Dracos Geschnatter zu der Zeit hätte selbst dich an die Grenze deiner Nerven getrieben.“ Fragend sehe ich ihn an. „Noch schlimmer als sonst? Ist das möglich?“ Meine Laune verbessert sich weiter, als ich damit Blaise ein kleines Grinsen entlocken kann. „Der Streber hat, schätze ich mal, während der Ferien ein paar nette Geschichtsbücher gelesen.“ Sicher nicht freiwillig, denke ich amüsiert. „Draco konnte gar nicht mehr aufhören ein paar besonders blutige Tode aus bisherigen trimagischen Tunieren vorzustellen. Außerdem hat er nebenbei seine halbe Lebensgeschichte eingebracht, sehr lautstark gehofft, dass Potter dieses Jahr endlich mal richtig stirbt. Außerdem hättest du, wäre seine Mutter nicht gewesen, jetzt keinen Freund. Er sollte wohl erst auf diese andere Zaubererschule irgondwo im Norden gehen, Durmstrang hieß die glaub ich. Nur seine Mummy wollte das nicht. Nebenbei gings immer darum, dass Potter dieses Jahr sterben soll. Wie immer bisschen Gelabere über seinen Vater, der gerade irgendetwas gespendet hat und, achja, habe ich schon erwähnt dass Potter dieses Jahr endlich sterben soll?“
    Ich lache leise. So wie Blaise das sagt, klingt es tatsächlich sehr schlimm. Doch auf der anderen Seite, nichts ist schlimm, wenn Blaise etwas sagt… Nein, Blaise sagt nicht einfach etwas. Er hat etwas...nun ja, etwas Anmutiges ansich, wenn er spricht. Dieses leicht amüsierte Lächeln, wenn er etwas dumm oder eben lustig findet, die kleinen Fältchen, die sich auf seiner Stirn bilden, wenn er sich ärgert…
    Verwirrt starre ich auf den Boden. Wo kommen diese dummen Gedanken die ganze Zeit her?

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    Doch bevor ich weiter darüber nachdenken kann, wird die Abteiltür aufgeschoben und ein höchst zufrieden wirkender Draco kommt herein.
    Als sei er der Boss der Welt, macht er sich auf den Sitzen gegenüber von mir und Blaise breit, wobei meine Freunde ihm Platz machen müssen. Idiot.
    Immer noch ohne mich auch nur eines einzigen Blickes zu würdigen, beginnt er, sich einmal mehr über Weasley, Granger und Potter lustig zu machen.
    Ich versuche Draco zu ignorieren, was gar nicht mal so leicht ist, aber auch nicht unmöglich. Doch als es sich nicht einmal mehr darum geht, sich über die drei lustig zu machen, sondern hauptsächlich irgendwelche Beleidigungen wahllos in den Raum geworfen werden, habe ich endgültig genug von dem Zeug.
    „Sorry, Blaise“ sage ich leise und stehe auf, „Ich muss mal kurz raus hier.“ Der grinst verständnisvoll. „Klar. Bis später dann.“
    Ich glaube zu sehen, wie Draco doch einen kurzen Moment zu mir herübersieht, als ich aufstehe und das Abteil verlasse.
    Ohne besonderes Ziel laufe ich durch den Gang zwischen den Abteilen, doch schon nach wenigen Metern halte ich inne. Natürlich weiß ich, wie unhöflich das ist, doch ich kann nicht anders als den beiden Stimmen zu lauschen.
    „Das wünschte ich auch“ seufzt Granger, „Aber man kann schließlich nicht alles haben.“ „Trotzdem, ihm würde sein ätzendes Lachen endlich mal vergehen!“ Potter klingt wütend. Über was sprechen die da? Oder über wen? Offenbar hat Weasley heute ausnahmsweise einen stillen Tag.
    „Ron, stell dir vor, dein Dad würde es schaffen! Bei einer Hausdurchsuchung oder so!“ Über was redet Potter so begeistert? Kommt schon, denke ich, könnt ihr mir jetzt mal irgendwie was sagen! Vielleicht verrät Granger ja etwas, für gewöhnlich hat sie doch immer ein Sprachorgan zu viel!
    „Das ist gar nicht einmal so unwahrscheinlich. In dieser Zeit, wo sich alles wieder so zuspitzt, wird es sicher mehr Kontrollen geben! Allerdings muss man zugeben, dass keiner von ihnen dumm ist. Außerdem, Harry, wir haben keine Beweise für unsere Vermutungen.“
    Oh oh, ich wette, Potter macht gleich wieder Stress…
    „Hermine, jetzt hör mir mal zu!“ Was habe ich gesagt? „Malfoy hat doch ganz eindeutig durchblicken lassen, wo sein Dad bei der Weltmeisterschaft gesteckt hat! Idiotisches Pack, alle zusammen! Dass der noch nicht längst in Askaban sitzt grenzt an ein Wunder!“ Nein, es grenzt an mich. Hätte mir ja eigentlich denken können, über wen die reden. „Da wird man doch mal ein bisschen auf einen Haftbefehl hoffen dürfen!“ „Sicher Harry, es ist nur-“
    „Seid doch einfach mal still! Und so jemand wie ihr behauptet, ich sollte mich nicht vom Malfoy ärgern lassen!“
    Ich bin fast froh, als Weasley die beiden unterbricht. Das ist ja schlimmer, als Dracos eigene Schimpftiraden gegen die drei.

    (Hiiii, worauf ich noch kurz verweisen wollte: Heute am 5.6. hat Draco Geburtstag: D Ich glaube er wird 36 . Musste mal unbedingt kurz erwähnt werden:))) Obwohl, das wäre ja untertrieben. Aaalssooo: Happy Birthday DRaco Malfoy, wir alle lieben dich (will ich mal hoffen, ich zumindest tu's) und leb gefälligts noch ganz lange und so:*)

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    Am liebsten würde ich denen jetzt mal meine Meinung ins Gesicht sagen. Besonders Potter...Gerade er sollte doch wissen, wie bexcheuert das ist, keine Eltern zu haben, und dann jemandem anderen etwas in diese Richtung zu wünschen…!
    Mit geballten Fäusten versuche ich, die Wut, die in mir aufsteigt, zu unterdrücken. Diese miesen Heuchler!
    Auf der Stelle kehre ich um, bevor ich noch die Scheiben der Abteiltür einschlage.

    „Was ist denn mit dir los?“ fragt Blaise, als ich zu den anderen Slytherins ins Abteil zurückkehre, wo Draco nach wie vor damit beschäftigt ist, über das Heuchlertrio herzuziehen.
    „Das erfährst du gleich“ antworte ich schlecht gelaunt. „Draco.“ Er reagiert nicht. „Draco!“ Endlich blickt er mich an. Einen Moment zögere ich, bevor ich anfange zu reden. Was geht in ihm vor? Seine Züge sind vollkommen ausdruckslos.
    „Während du hier ganz entspannt über Potter und seine Freunde herziehst, machen die genau das Gleiche mit dir. Ich meine, für dich sollte es ja eigentlich nichts neues sein, dass sie dich auch hassen. Was ich dir aber eigentlich klar machen wollte: Du verhälst dich exakt wie Potter, Granger und Weasy. Nur dass ihre Hasserei sich auf deutlich kreativere Schimpferei beschränkt als du es tust. Achja, du schaffst es, ganz allein nerviger zu sein als die drei zusammen. Zumindest was das betrifft.“
    Draco schweigt einen Moment, seine Ausdruckslosigkeit weiterhin bewahrend.
    Dann bedeutet er mir, ihm zu folgen. Ohne ein Wort folge ich ihm hinaus auf den Gang und einige Meter weiter in die andere Richtung.
    „Und?“ fragt er giftig. „Und was?“ „Und, warst du wohl einmal mehr bei deinen neuen Freunden?“
    Dracos Tonfall lässt mich Ungutes ahnen, allerdings kann man bei einem Malfoy nie so wirklich sicher sein. Bei einem gewöhnlichen Menschen würde ich auf Enttäuschung, Wut und Verachtung tippen. Wobei Letzteres bei Draco irgendwie Dauerzustand ist. Trotzdem bin ich aufs Äußerste verwirrt.
    „Was meinst du? Du weiß genau, dass ich denen dieses ganze Freundschaftszeug und so nur vorspiele! Du weißt auch warum! Außedem, vorhin habe ich gar nicht mal mit ihnen geredet, ich stand nur vor ihrem Abteil und habe gelauscht. Was also hast du?“
    „Sicher“ knurrt Draco und starrt mich hasserfüllt an. So langsam zweifele ich daran, dass sein Vater nach der Weltmeisterschaft nur die übliche Nummer abgezogen hat, Irgendetwas anderes muss da noch gewesen sein…!
    „Übrigens, Miley war die ganze Zeit bei mir im Abteil, bei der kannst du vorhin also auch nicht gewesen sein.“
    Ziemlich ratlos blicke ich ihn an. Da ist etwas in Dracos Augen, was ich von ihm so gar nicht kenne… Er wirkt tatsächlich auf irgendeine Weise ehrlich verletzt. Als hätte ich ihm irgendetwas angetan, irgendetwas gesagt oder etwas in der Art. Ich kann mich nicht erinnern, etwas großartig falsch gemacht zu haben.
    „Sag schon“ fordert Draco, „Was habt ihr während den Ferien emacht? Ich wette, du warst fleißig mit dabei, mit denen über mich zu reden, und das sicher nichts Gutes!“
    Sprachlos öffne und schließe ich mehrmals den Mund ohne ein Wort herauszubringen. Ich verstehe echt nicht, null, mein Kopf ist leer.
    „Ich? Ich? Wieso- Ich? Wieso sollte ich mit Miley über dich-“ „Ist das dein Ernst!“
    Instinktiv weiche ich einen Schritt zurück. Auf diese Art aggressiv habe ich Draco noch nie erlebt. In diesem Moment ist es nicht wie sonst wenn er rummotzt. Es wirkt, als hätte er wirkliche Gründe dazu.
    Er versucht nicht länger, seine Wut zu verstecken. Seine grauen Augen wirken stahlhart und man könnte meinen, er würde mir gleich an die Kehle gehen.

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    „Hör auf“ sagt er langsam, sichtlich bemüht nicht die Beherrschung zu verlieren, „Mich noch mehr zu belügen! Du bist sowasvon erbärmlich! Dass du soetwas wirklich… Ich dachte ich..also dass du...“ Draco schließt einen Moment lang die Augen, atmet tief durch und dreht sich einfach um.
    „Warte!“ Ich könnte mich selbst verfluchen dafür, dass meine Stimme wirklich erbärmlich klingt. „Bitte sag doch, was los ist! Ich verstehe gar nichts, ehrlich nicht, Draco!“
    Er bleibt tatsächlich stehen.
    Dann, plötzlich, ohne jegliche Vorwarnung, kommt er zurück. Binnen einer Sekunde ist er bei mir.
    Er bebt am ganzen Körper vor Wut, das Gesicht verzerrt, nur wenige Centimeter von mir entfernt.
    „Du verstehst nichts? DU? Und was ist mit mir? Erwartest du, dass ich das verstehe? Wie soll ich soetwas Krankes verstehen! Ich bin schon viel zu lange auf dich hereingefallen. Wenn mich jemand nach meinem größten Fehler fragen würde, weißt du was ich sagen würde? Kannst du es dir nicht denken, hm?“
    Stumm schüttele ich den Kopf. Fehlt bloß noch, dass ich anfange zu heulen. Dracos Verhalten jagt mir Angst ein.
    „Du! Es war mein größter Fehler, auch nur ansatzweise und im Entferntesten etwas mit einem kleinen Schlammblut wie dir anzufangen! Was soll man von jemandem wie dir auch Anderes erwarten?“
    Jetzt kommen sie doch, die Tränen. „SAG mir doch einfach, was ich getan habe, Draco!“ flehe ich, „Bitte! Ich-“
    Draco stößt mich von sich sodass ich stürze und mit dem Kopf gegen die nächste Wand schlage.
    Schwindelig vor Wut, Trauer und Verwirrung und nun mit dem pochenden Schmerz am Schädel richte ich mich wieder auf, gegen die nächste Abteiltür gelehnt.
    „Dass du noch immer so tust, als wüsstest du nicht, wovon ich rede, ist ja fast das Schlimmste“ zischt Draco.
    Plötzlich – ich sehe es nicht kommen, wie auch?- schlägt er mir mit der flachen Hand mitten ins Gesicht.
    In dem Moment stehe ich ziemlich neben mir. Ich verstehe das nicht. Was habe ich getan? Was? Was könnte Draco dazu veranlassen, auf eine derartige Weise wütend auf mich zu sein?
    Ich kann nur da stehen, alles dreht sich.
    Auf einmal hält DRaco inne.
    Als wäre ihm bewusst geworden, was er da eigentlich tut, weicht er ein paar Schritte zurück, blanken Schrecken im Gesicht, dreht sich hastig um und ist im nächsten Moment schon wieder weg.
    Ich starre ihm nach. Ich verstehe das nicht! Ich verstehe gar nichts!
    Plötzlich kippe ich nach hinten. Mit einem Schlag wird mir alle Luft aus den Lungen gepresst, als ich unsanft auf dem Rücken lande.
    „Ich habe dir doch gleich gesagt, mach die Tür besser langsamer auf!“
    „Jah, aber sieh doch, jetzt sind alle fluffigen Schwufflinger weg.“
    „Die Luft aber auch, glaube ich. Ich hoffe, sie kann gleich wieder atmen!“
    „Glaube ich, jaah. Ich bin ganz sicher, dass da gerade nur ein Japsie in ihrer Kehle steckt, aber die bleiben nie lange. Oh jaa, da ist er gerade weg geflogen. Pass auf, dass er dich nicht erwischt!“
    Und wirklich: Einen Augenblick später strömt wieder Luft durch meine Lungen und der Zug dreht sich nicht länger.
    Gegen die Lichter der Lampen im Zug heben sich die Silhouetten zweier Mädchen ab, die ungefähr so alt sein müssen wie ich.
    Beide haben lange Haare, aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf.
    Ich verbanne Draco aus meinem Kopf und setze mich auf.
    „Wer seid ihr überhaupt?“ Ich reibe mir den schmerzenden Schädel. Das ist in jedem Fall die ereignisreichste Zugfahrt meines Lebens.
    „Halloo, ich bin Luna und das ist Cyntiya. Geht es dir jetzt besser?“
    „Was?“ Verwirrt mustere ich die beiden recht speziellen Personen. Diese Luna hat ihren Hogwartsumhang mit bunten Stickereien versehen und trägt große, grüne Ohrringe in Form von Fröschen. Ihre großen, blauen Augen versetzen ihr zusammen mit dem langen, hellblonden Haar einen permanenten Ausdruck des Erstaunens. Das andere Mädchen – Cyntiya – ist bei weitem unauffälliger mit ihrem sehr unordentlichen Flechtzopf der dunkelbraunen Haare, die bis zur Taille reichen, bei dem etliche Strähnen herausstehen und immerhin trägt sie keine Frösche an den Ohren. Dennoch – wie sie gut gelaunt kurz im Kreis durchs Abteil hüpft und sich schließlich auf ihren Sitz fallen lässt, erinnert sie mich stark an ein verspieltes Fohlen.
    „Ob es dir jetzt besser geht“ wiederholt Luna, „Du hattest einen ernsthaften Befall von fluffigen Schwufflingern.“ Sie nickt ernst. „Die sitzen dir in der Lunge“ sie fuchtelt zur Untermalung mit den Händen in Richtung meiner Rippen, „Und machen dir schlechte Laune.“ Dann heißt mein schwuffliger Fluffinger – oder war es fluffiger Schwufflinger?- Draco Malfoy.
    „Man bekommt sie weg, wenn man kräftig auf den Rücken schlägt. Ich glaube, jetzt müssten eigentlich alle weg sein...aber wenn du willst, kann ich dir noch ein bisschen auf den Rücken klopfen.“ Hastig schüttele ich den Kopf. Zwei Verrückte. Vollkommen irre.
    „Habt ihr was dagegen, wenn ich ein bisschen bei euch bleibe?“

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    ~
    Schnellen Schrittes begebe ich mich zurück in mein Abteil. Was auch immer Layla jetzt tut, wo sie ist und mit wem oder überhaupt mit jemandem – es ist mir vollkommen egal. Es muss mir egal sein. Sie hat es nicht anders verdient, wenn sie jetzt irgendwo herumheult und jemand anders nervt..
    Und dennoch. Tiefe Zweifel kämpfen sich aus meinem Inneren herauf. Sollte ich wirklich auf das vertrauen, was Vater mir über sie erzählt? Wenn es stimmt was er sagt, hat sie es tatsächlich nicht anders verdient. Wenn nicht… Ich schüttele diese lästigen Gedanken ab.
    Vater lügt nicht, nie, nein. Wenn doch, dann würde er nicht mich belügen.
    Ich kann nicht fassen, dass Layla-
    „Wo ist sie?“
    Ich tauche auf aus meiner Gedankenwelt und konzentriere mich auf Blaise.
    „Sag Malfoy, oder ich schwöre dir, ich werde dich-“ „Lass ihn!“
    Ich schaue wieder aus dem Fenster, gegen das nun stetiger Regen trommelt und lasse Pansy für mich die Debatte mit Blaise austragen.
    Meine Handfläche schmerzt noch von dem Schlag, doch ich bin mir sicher, dass es das wert war.
    Dieses miese Miststück. Dass es sie sich ausgerechnet Potter aussucht… Ich frage mich, wie lange das schon so ging. Ob sie jetzt wieder bei ihm ist und noch mehr Lügen über mich verbreitet? Was hat sie eigentlich auf die Idee gebracht, mit ihm aushecken zu wollen, mich von der Schule fliegen zu lassen? Und – wieso? Nicht, dass es mich interessieren würde - aber hasst sie mich eigentlich wirklich, weil ich mehr Geld habe als sie? Hat sie sich wirklich überlegt, was für mich die schlimmste Art wäre, zu sterben? Warum? Weshalb, weshalb verdammt, hat sie die ganze Zeit über nur so getan, als würde sie mich auch nur ansatzweise anziehend finden? Verdammte kleine Heuchlerin.Und wieso spricht sie mit dem ach so tollen Trio darüber?
    Ja, sage ich still zu mir selbst, Du hast doch gehört! Vater hat dir doch von alldem berichtet, was sie mit den drei Idioten geredet hat, als die mit dem Weasley-Daddy im Ministerium waren… Vater ist der Einzige auf dessen Wort ich noch vertrauen kann, wenn jeder in meinem Umfeld so verrückt spielt.
    „Hör zu, Malfoy.“ Genervt wende ich mich wieder Blaise zu.
    „Misch dich da nicht ein. Du hast nicht die leiseste Ahnung, nicht den Hauch einer Idee davon, was mit diesem Mädchen falsch läuft!“

    52
    Dann sag's mir!“
    Ich mustere ihn verächtlich. „Wieso sollte ich mit dir über sowas reden?“
    Mir fällt auf, dass ich und Blaise nicht mehr die einzigen sind, die sich auf unser Gespräch konzentrieren. Die Mädchen aus Lays Schlafsaal, die noch hier sind, lauschen ohne es verstecken zu wollen.
    „Ich kenne Lay besser als du. Ich verspreche dir, egal was sie deiner Meinung angestellt hat, ich kann dir vollkommen einwandfrei sagen, ob's richtig oder falsch ist. Außerdem“ er lehnt sich etwas vor und starrt mich entschlossen an, „Falls du es schon vergessen hast: Bevor wir nach Hogwarts gekommen sind, waren wir beste Freunde!“
    Da hat Blaise leider Recht. Doch es ist schon ewig her. Aber meinetwegen. Soll er doch wissen, wie bescheuert Layla sein kann…
    „Gut, wenn du es nicht anders willst. Wenige Tage zuvor, kam mein Vater zu mir, mit einigen interessanten Neuigkeiten.“
    Meine Wut steigt erneut, als ich beginne, darüber zu sprechen. Blaise indes lehnt sich zurück und mustert mich mit einer seinerseits seltenen Aufmerksamkeit.
    „Vater kam aus dem Ministerium. Er wollte gerade abreisen, als er meinen Namen aus einer geflüsterten Unterhaltung hörte, woraufhin er ein wenig lauschte. Layla selbst war dort, aber nicht allein. Sie war dort mit Potter höchstpersönlich, zusammen mit Granger und Weasy. Vermutlich waren die wegen Weasleys Vater dort und mitgekommen.“
    Es treibt mich beinahe zur Weißglut, als Blaise keineswegs überrascht oder empört wirkt, sondern amüsiert ein Lächeln andeutet. Das wird ihm schon vergehen!
    „Was Vater hörte-“ Mir fällt kein Wort ein, dass diese obszöne Sache beschreiben könnte.
    „Layla erzählte die verschiedensten Lügen über mich. Alle vier haben darüber gesprochen, wie sie eine Schulverweisung meinerseits verordnen können. Sie haben sich darüber lustig gemacht, was wäre wenn ich wie, wo und zu welcher Zeit ich sterben würde. Layla sprach ihre Abscheu mir gegenüber aus – und das nur, weil sie selbst, die vollkommen arm ist, nicht ertragen kann, dass jemand wie ich mehr hat. Und dass sie-“ Ich starre auf meine verkrampften Finger, die sich an die Sitzlehne klammern. Obwohl Ich selbst merke, dass ich immer lauter spreche, ist es mir egal. „Dass sie so oder so mich nie… Eh alles nur gespielt war! Das Alles sagte sie während sie in den Armen von Potter lag.“ Mein Atem geht schwer, als sei ich eine weite Strecke gerannt.
    Langsam hebe ich den Blick.
    Blaise überrascht mich im ersten Moment, dann macht er mich wütend.

    53
    Er betrachtet mich amüsiert sowie auch ein wenig mitleidig, ein breites Lächeln auf dem dunklen Gesicht.
    „Draco Malfoy. Ich weiß dass du es absolut nicht abkannst, wenn man dich kritisiert, aber du bist so unendlich dumm. Sag nichts. Ich weiß ganz genau, dass du jetzt wieder kurz vorm austicken bist, aber setz mal deine hart antrainierten Manieren ein und lass mich ausreden.“
    Negativ überrascht starre ich Blaise an. Was erlaubt der sich eigentlich? So mit mir, mit MIR, zu reden! Wütend fixiere ich ihn. Wenn mir danach ist, könnte ich ihn jederzeit abstürzen lassen… Aber ich halte den Mund. Soll er doch ruhig einmal mehr seine eigene Dummheit präsentieren.
    „Fassen wir doch mal zusammen.“ Blaise seufzt. „Dein Vater hat dir irgendetwas erzählt, wofür er nicht den Hauch eines Beweises hat.“
    Hitzig springe ich auf. „Du solltest wissen, Zabini, wer etwas gegen einen Malfoy sagt, kann ganz schnell ganz große Probleme geschenkt bekommen! Pass auf was du miese Ratte von dir gibst!“
    Plötzlich schaltet sich Linda ein, die bisher nur schweigend zugesehen hat.
    „Klapp mal dein übergroßes Maul zu, Draco, und lass Blaise ausreden!“
    Langsam setze ich mich wieder, nicht ohne jedem anwesenden einen sicher tödlichen Blick zu strafen.
    Blaise ist über die Aktion hinweg vollkommen entspannt geblieben, und redet weiter als sei nichts gewesen. Mieser Heuchler.
    Soweit ich weiß, findet er es nicht ganz so toll, was du mit Lala hast, und das wäre schon nett ausgedrückt. Lass mich raten. Er hat schon öfters, auch in den letzten Tagen, versucht, euch auseinander zu kriegen. Stimmt das?“
    Er mustert mich wie ein dummes Kleinkind.
    „Dein Schweigen deute ich einfach mal als ja. Alsoo...damit ist es doch offensichtlich. Dein Vater will dich nur gegen Lala aufbringen. Was habt ihr eigentlich gerade so gemacht, als ihr abgehauen seid?“
    „Euch geht das schon mal gar nichts an“ antworte ich bissig, während ich die Zweifel unterdrücke. Blaise spinnt doch bloß rum, genau wie die anderen.
    „So wie ich Draco kenne, hat er Layla nicht einmal den Grund gesagt, einfach ein bisschen herumbeleidigt und am besten zum Abschluss noch eine rein gehauen“ grinst Millicent, „Nein Spaß. Komm Draco, sag doch einfach! Wir werden dich schon nicht umbringen. Schließlich bist du immer noch der Boss hier.“
    Ich starre auf den Boden. Einen langen Augenblick ist es still im Abteil.
    „Oh“ macht Miley schließlich. „Du hast das tatsächlich gebracht. Ich… Oh Draco… Das ist echt-“ „Abartig“ kommentiert Blaise. „Und wo ist sie jetzt überhaupt? Sag nicht, du weißt es nicht?“

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    ~
    Gut gelaunt streiche über die Federn des niedlichen Fleckenkauzes von Cyntiya, während Luna mir erklärt, dass die Frösche an ihren Ohren Galaxie-Kröten der Weisheit sind.
    Mittlerweile regnet es in Strömen.
    „Mir tun die Erstklässler leid“ sage ich belustigt, als der Zug immer langsamer wird, „Die bei diesem Wetter über den See müssen.“
    Kaum dass angehalten wird, stürzen wir drei uns in den Regen, um schnellstmöglich eine Kutsche zu erwischen.
    Verdutzt halte ich inne.
    „Wo kommen die denn her?“ wende ich mich verblüfft an Luna, während Cyntia bereits in das trockene Innere geklettert ist.
    „Diese Viecher da, vor den Kutschen! Waren die schon immer da? Ich habe sie noch nie bemerkt.“
    Vor jeder Kutsche steht ein einzelnes dieser – ich kann sie nicht anders benennen – Pferde.
    Pferd, Reptil, was auch immer? Dürre Knochen stechen deutlich unter der ledrigen, gespannten Haut hervor. Zwei Glasige Augen scheinen geradewegs durch mich hindurch zu starren.
    „Ich sehe sie schon seit meinem ersten Jahr hier auf Hogwarts“ lächelt Luna, „Sie sind immer dagewesen, aber nicht jeder kann sie sehen.“ Auch sie steigt in die Kutsche ein. „Kommst du?“
    Ich löse den Blick von den großen fledermausartigen Flügeln der Tiere und setze mich zu meinen neuen Freunden.

    „Schade“ seufze ich, als wir die Eingangshalle betreten, „Dass wir nicht im selben Haus sind, sonst könnten wir zusammen bleiben.“
    Während die beiden Ravenclaws vorausgehen, halte ich Ausschau nach anderen Slytherins.
    Missmutig beobachte ich, wie Draco mit Crabbe und Goyle zusammen mit Pansy im Schlepptau Richtung der großen Halle stolziert.
    Plötzlich packt mich jemand am Arm und reißt mich zur Seite.
    Nur knapp zwei Meter neben mir platzt ein mit Wasser gefüllter Ballon auf. Ich schaue mich um und blicke ich Blaise' grinsendes Gesicht.
    „Da wo es Poltergeister gibt sollte man immer schön nach oben gucken“ belehrt er mich, indes Peeves, der Poltergeist von Hogwarts, nun Potter mit Wasserboben bewirft.
    „Danke Blaise“ antworte ich, „Ohne dich hätte mich Peeves voll erwischt.“
    Als wir zusammen den Tisch der Slytherins ansteuern, wendet Blaise sich auf halbem Wege wieder an mich.
    „Ich habe übrigens mit Draco gesprochen.“ „Aha...äh… na und?“ antworte ich, wobei ich möglichst versuche, so zu tun, als sei das vollkommen uninteressant für mich.
    Doch ein wissendes Lächeln von Blaise zeigt mir mein vollkommen Versagen dabei.
    „Wir – das heißt deine ganzen Mädels und ich – haben tatsächlich aus ihm rausgekriegt, was passiert ist.“ Ich nicke nur schweigend.
    „Und auch, wieso...“
    Plötzlich so gar nicht mehr müde packe ich Blaise an den Schultern. „Was? Verrätst du es mir? Bitte! Was habe ich gemacht? Blaise?“ Der grinst belustigt. „Komm erstmal weder runter. Lange oder kurze Version?“ „Kurze“ gebe ich zurück, „Was auch immer los ist oder war, ich muss unbedingt mit ihm reden.“

    Nachdem mir Blaise knapp die Lügen von Mr Malfoy zusammengefasst hat, bin ich einen Moment sprachlos.
    „Das- Er- Dieser intrigante alte- ich- und Draco… Der glaubt ehrlich.. ich? Oh man. Sorry Blaise, aber ich muss mit Draco reden, jetzt, sofort und gleich.“
    Ich habe mich schon von Blaise abgewandt, als ich noch einmal zu ihm zurück laufe und ihm um den Hals falle. „Danke! Dafür darfst du ohne jegliche Gegenleistung fünfzig Mal Verwandlung bei mir abschreiben. Und Zaubertänke“ sage ich, während ich mich schon entferne, „Und ich übe mit dir Zauberkunst!“
    Blaise ist der Beste. Absolut und für immer.
    Aber jetzt muss ich erst ganz dringend mit Draco reden, unbedingt.
    Ich bin ziemlich froh über das schlechte Wetter, da das die Ankunft der Erstklässler und so auch den Beginn der Feier verzögert, sodass ich noch ein paar Minütchen Zeit habe, ehe ich still sein muss.
    Draco ist so verdutzt als ich ganz direkt zu ihm hingehe, dass er sich problemlos mitziehen lässt, ein paar Schritte weg von den anderen.
    Damit er nicht anfängt zu fragen, was ich jetzt schon wieder von ihm will, rede ich sofort auf ihn ein.
    „Draco, ich muss unbedingt mit dir reden“ sage ich schnell, bevor mich wieder der Mut verlässt, „Und du hörst mir gefälligst zu, und du glaubst mir, und beim nächsten Mal schlägst du nicht mich, sondern deinen verfluchten Vater, kapiert!“
    Draco starrt mich einen Moment lang an, dann wird sein Ausdruck wieder kühl wie eh und je.
    „Blaise hat mir alles erzählt und ich schwöre dir, nichts, aber absolut nichts davon, was dein Vater dir erzählt hat, stimmt auch nur ansatzweise! Du darfst mich gerne zwingen, irgendeinem Sag-die-Wahrheit-Zaubertrank oder so zu schlucken, oder du belegst mich mit dem Imperius-Fluch und zwingst mich, die Wahrheit zu sagen! Meinetwegen kannst du mich auch in einen Hauselfen verwandeln, wenn du mein Meister wärst müsste ich dir dann sowieso die Wahrheit sagen oder...oder du… ach, EGAL, egal was du tust, von mir wird immer nur das Selbe kommen; Ich bin es nicht, der dich belogen hat. Es ist mir egal, was du machst, Hauptsache du glaubst mir!“
    Nervös blicke ich Daco an.
    Seine gesamte Haltung mir gegenüber spricht Skepsis aus. Mit hochgezogenen Brauen mustert er mich einen Moment, als sei er nicht sicher, ob ich noch bei klarem Verstand bin.
    „Der Zaubertrank, den du meinst, heißt Veritaserum und ich zweifle stark daran, dass Schüler ihn verwenden dürfen. Was den Imperio betrifft...hast du schon vergessen, dass das ein Unverzeihlicher ist? Ich hatte an sich nicht vor, ab meinem vierzehnten Lebensjahr in Askaban zu sitzen“ Er schüttelt den Kopf. „Vater wäre gar nicht glücklich über die Schlagzeilen im Tagespropheten. Übrigens, es ist grundsätzlich verboten, einen Menschen dauerhaft zu verwandeln. Zusätzlich wäre das sehr schwer auszuführen und-“ „Darum geht es mir doch gar nicht!“ unterbreche ich Draco, „Ich will nur, dass du mir glaubst.“
    Die Züge des Blonden bleiben ausdruckslos. „Ich sehe keinen Grund, dir zu glauben.“
    Wie ein verzweifelt lang und sorgfältig aufgebautes Kartenhäuschen stürzt meine Hoffnung in sich zusammen.
    „Aber wi-“ „Mal angenommen“ werde ich von Draco unterbrochen, „Ich würde tatsächlich eines Tages in Askaban eingeliefert werden. Würdest du mich besuchen kommen?“
    Perplex starre ich ihn an. Wie kommt er denn jetzt drauf? „Was...“ setze ich an, doch er hebt die Hand und unterbricht mich. „Würdest du mich besuchen kommen?“
    „Nein“ antworte ich ehrlich. Draco schaut mich an, erst etwas überrascht, dann wütend.
    „Nein“ wiederhole ich, „Viel eher würde ich selbst irgendwas anstellen damit ich ebenfalls dahin gebracht werde und vorher würde ich deine Eltern überreden ein paar ihrer Machtkontakte spielen zu lassen, damit wir 'ne Gemeinschaftszelle bekommen.“
    Draco zögert einen Moment.
    „Scheint...als müsste ich dir glauben.“
    Ich will gerade schon anfangen, mich zu freuen, als mir eines klar wird.
    Draco hat Mist gebaut.
    Ich bin verwirrt, traurig, wütend.
    Draco wird wütend weil ich wütend bin.
    Und plötzlich bin ich es, die sich rechtfertigen muss.

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    „Jetzt, wo das geklärt wäre“ sage ich leise, „Draco, ist dir klar, dass es eigentlich mein Recht wäre, auf dich sauer zu sein und nicht andersherum? Du glaubst mir jetzt zwar, aber jetzt müsstest du dich theoretisch selbst noch entschuldigen.“ Sein Ausdruck verfinstert sich wieder. „Eigentlich gibst du mir keinen Grund, irgendwie bei dir zu bleiben oder wie auch immer man das nennen sollte.“
    Ich versinke einen Moment in der Schadenfreude, als ich in Dracos bestürztes Gesicht blicke.
    Doch keiner von uns beiden kann jetzt weder etwas sagen noch tun, denn in diesem Augenblick stapft Hagrid, zusammen mit den durchnässten Erstklässlern in die große Halle und die Auswahl beginnt.
    ~
    Was bildet die sich eigentlich ein? Wieso bitte sollte ich mich für etwas entschuldigen, wenn ich nicht dafür verantwortlich war? Das ist immer noch mein Vater, aber ich habe nun wirklich nichts verbrochen.
    (Okay Leute, tut mir Leid, wenn hier mal wieder etwas kommt, was nichts mit der FF zu tun hat, aber es ist mir wichtig. Ich habe eine Bitte an euch:
    httphttps://secure.avaaz.org/de/stop_the_puppy_s laughter_fb_v/? cgvVQkbs://secure.avaaz.org/de/stop_the_puppy_slau ghter_fb_v/? cgvVQkb
    Kopiert diesen Link und macht mit. Mehr habe und mehr kann ich dazu auch einfach nicht sagen.
    Bitte.)

    56
    Mir fällt auf, dass ein Platz des Lehrertisches frei bleibt, und offenbar nicht nur mir.
    Auch Layla späht immer wieder zu den Lehrern hinauf. Sie scheint von Minute zu Minute immer unruhiger zu werden, die gesamte Auswahl über und ihr Essen rührt sie kaum an.
    Obwohl es mich – natürlich – eigentlich nicht interessiert, frage ich mich, weshalb sie so nervös ist…
    Nun, soll sie doch umkommen vor Aufregung, was auch immer sie hat, meinetwegen.
    Andererseits sollte jemand wie ich vielleicht einfach nur Mitleid mit so jemand armseligen haben… Aber wenn ich mich weiterhin von ihr fernhalte, würde das auch Pansy auffallen und mich wieder nerven, was dazu führen würde, dass der Aufenthalt noch ätzender werden würde. Hm, was soll ich denn jetzt machen?
    Entweder ich entschuldige mich – vollkommen zu Unrecht – bei Layla oder ich werde an einer Überdosis Parkinson sterben.
    Auf lange Basis wäre es mit Lay natürlich viel weniger nervig, doch für den Moment definitiv unangenehmer. Und vollkommen zu Unrecht.
    So langsam sollte ich mich aber doch entscheiden.
    Gerade, als Dumbledore sich erhebt um zu seiner atemberaubend langweiligen alter-Mann-Rede anzusetzen, und alle sich auf ihn konzentrieren, schiebe ich mich an Crabbe, Linda und Miley vorbei sodass ich neben Layla lande.
    „Was wird das denn, wenn's fertig ist?“ zischt sie, als ich gerade selbst etwas sagen will.
    „Du kannst nicht einfach meine Freunde von ihren Plätzen drängen!“
    „Oh doch“ antworte ich leise, „Ich kann und ich habe. Hör zu, du weißt genauso gut wie ich, dass ich nicht verantwortlich war diese ganzen Komplikationen! Also stell dich nicht so an! Wie kannst du nur so stur sein?“
    „Wie kannst DU nur?“ Laylas grünbraune Augen funkeln wütend. „Du hast das vielleicht nicht eingeleitet, aber doch sehr stark beeinflusst!“
    Am Rande bekomme ich mit, wie Dumbledore gerade die Verbote in Hogwarts aufzählt. Möglichst unauffällig wende ich mich wieder an Layla.
    „Ich würde mich ja ehrlich bei dir entschuldigen – wenn es denn zurecht wäre.“
    Sie fährt sich gedankenverloren mit der Hand über die Wange. In dem Moment bin ich mit für einen Moment nicht sicher, ob es eventuell allein wegen dem wohl doch gerechtfertigt wäre...
    ~
    Möglichst wütend starre ich Draco an. Komm schon, denke ich verzweifelt, zwing mich, dir zu verzeihen, irgendwie! Wenn nur mein verdammter Stolz nicht wäre...! Oder Dracos! Das würde das Alles deutlich vereinfachen.
    Da er nichts mehr sagt, wende ich meinen Blick in Richtung Dumbledore, der immer noch an seinem Platz herumsteht und sinnloses Zeug labert. Mach's kurz, alter Mann, denke ich genervt.
    Doch auf einmal bricht er aus seinem üblichen Strom an Informationen, die eigentlich jedes Jahr dieselben sind, aus.
    „Ich habe zudem die schmerzhafte Pflicht, euch mitzuteilen, dass der Quidditch-Wettbewerb zwischen den Häusern dieses Jahr nicht stattfinden wird.
    Einen Moment der Schockstarre ist es in der gesamten Halle vollkommen still. Doch dann bricht schlagartig empörtes, entsetztes und Geflüster in allen anderen, in den unterschiedlichsten Emotionen, aus.
    Ganz von selbst wandert mein Blick zu Draco. Ich rechne mit einem geschockten oder sauren Blick, oder wenigstens einem kleinen 'Wenn mein Vater das erfährt' – aber nein. Genau das komplette Gegenteil von alldem spiegelt sich in seinem blassen Gesicht wieder.
    Von der hohen Stirn bis zum spitzen Kinn – alles strahlt tatsächlich Erleichterung aus.
    Verblüfft mustere ich sein Gesicht. Ich dachte wirklich, dass ich alles Relevante über ihn wüsste, aber da habe ich mich wohl getäuscht.
    Meine andere Theorie ist, dass ich einfach einen Knick in der Optik habe, vor Allem, als Draco leicht anfängt zu lächeln. Nein, eigentlich ist es nicht einmal ein richtiges Lächeln, zumindest keins, wie es sich unter normalen Umständen vorgestellt wird.
    Es ist nicht leicht zu beschreiben, da eine so positive Ausstrahlung bei ihm so selten ist.
    Dracos Lippen lächeln kaum, aber sein Gesicht tut es.
    Was ihn wohl so daran freut, dass es kein Quiditch gibt?
    Doch der Ausdruck bleibt – wie üblich – nur für einen Moment.
    Zudem spricht Dumbledore, nach einigen Sekunden, wo alle Welt Zeit hatte zum sich aufregen, weiter.
    „Der Grund dafür ist eine Veranstaltung, die im Oktober beginnen wird und den Lehrern das ganze restliche Jahr über viel Zeit und Kraft abverlangen wird – doch ich bin sicher, ihr werdet alle viel Spaß dabei haben.
    Mit größtem Vergnügen möchte ich ankündigen, dass dieses Jahr in Hogwarts-“
    Doch in diesem Moment ertönt ein Ohrenbetäubendes Donnern und die Flügeltüren der großen Halle schlagen krachend auf.

    57
    Über die Köpfe der Schüler der anderen Häuser hinweg bis zu den Türen kann ich kaum etwas erkennen, doch ich bin ganz sicher: Er ist es.
    Der Todesser, gesandt von Voldemort, getarnt als jemand anders. Ich dachte schon, der Typ kommt nie…
    Neugierig stehe ich auf, gemeinsam mit einigen anderen in den hinteren Reihen, um einen Blick auf den Fremden erhaschen zu können.
    Jäh zuckt ein greller Blitz über den imaginären Himmel in der Decke der großen Halle und erleuchtet das Profil des vorgeblichen Professors.
    Er hinkt, begleitet von einem durch einen knochigen Gehstock verursachten Klonk, auf den Lehrertisch zu.
    Ich bin ziemlich sicher, dass es in der großen Halle noch nie so atemlos still war.
    Wenn ich doch nur wüsste, wie der Todesser eigentlich heißt!
    Je weiter er zwischen den Tischen hindurch schreitet, desto deutlicher bringt das verbreitete Kerzenlicht seine Züge zum Ausdruck.
    Einzig und allein der Gedanke, dass der Mensch, der er eigentlich ist, nicht so aussieht, tröstet mich.
    Scheinbar hat vor einiger Zeit jemand beschlossen, dass der Auror, dessen Körper sich der Treue Voldemorts sicher nicht sehr legal geliehen hat, etwas zu viel Nase besaß.
    Lieber zu viel, denke ich mit einem Schaudern, als zu wenig.
    Gebannt folge ich ihm mit den Blicken.
    Bei dem Lehrertisch angekommen hält der Fremde inne um einige Worte mit Dumbledore zu wechseln.
    Nach wenigen Sekunden setzt er sich auf den noch freien Stuhl und fängt an zu essen.
    „Nun“ setzt Dumbledore seine Rede fort, „Dies ist der neue Professor für die Verteidigung gegen die dunklen Künste! Darf ich vorstellen: Professor Moody!“
    Nicht wie üblich bei einer Begrüßung für einen neuen Professor bleibt der Applaus aus.
    Stattdessen erhebt sich mehr oder weniger leises Gemurmel.
    „Nein!“ Ich schaue nach links, zu Draco, der entgeistert den falschen Moody anstarrt. „Wenn das mein Vater erfährt! Das ist unmöglich!“ „Was ist denn überhaupt?“ frage ich leise, immer noch den Todesser anstarrend. „Das ist so ein seltsamer Ex-Auror. Zu seiner Zeit soll er echt gut darin gewesen sein, dunkle Magier aufzuspüren. Doch mit der Zeit...“ Draco lacht verächtlich, „Du siehst ja, vollkommen zugerichtet und es heißt, dass ihn seit geraumer Zeit der Verfolgungswahn gepackt hat.“

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    Dass der Typ an sich ein überloyaler Todesser, der bestimmt schon etliche Unverzeihliche auf dem Gewissen hat, ist, verschweige ich lieber. Vielleicht hat er ja auch schon einmal jemanden ermordet… Ein eisiger Schauer jagt über meinen Rücken. Mit einem leisen Schrecken stelle ich fest, dass bei dem Gedanken keine Angst oder Nervosität in mir aufkeimt; Viel mehr Aufregung und...Neugier?
    Durch ein Räuspern Seiten Dumbledores schweifen meine Gedanken zum Glück wieder eine andere Richtung.
    „Wie ich eben erwähnte“ sagt er mit einem albernen Alter-Mann-Lächeln, „Werden wir in den kommenden Monaten die Ehre haben, Gastgeber einer sehr spannenden Veranstaltung zu sein, eines Ereignisses, das seit über einem Jahrhundert nicht mehr stattgefunden hat. Mit allergrößtem Vergnügen teile ich euch mit, dass dieses Jahr in Hogwarts das Trimagische Tunier stattfinden wird.“
    Einen schwachen Herzschlag lang ist es totenstill, dann entlädt sich alle über die ganze Zeit angesammelte Veranstaltung hinweg gesammelte Aufregung in scheinbar einem einzigen großen Lachen, dass die gesamte Luft der großen Halle erfüllt.
    Ganz aus Reflex drehe ich mich zur Seite, um einen gelangweilten Blick mit Draco zu tauschen, bevor mir einfällt, dass ich ihn ja aktuell nicht mag.
    Dunkel erinnere ich mich an die Nacht, in der Voldemort mir diese ganze Aktion hier mitteilte…. Einzelheiten habe ich längst vergessen, allerdings weiß ich noch ganz sicher, dass es direkt in der ersten Nacht bei Miley war. Eigentlich kann man diesen meinen Traum nicht ganz werten, kurz und knappe Überreichung der Infos und das war's.
    Schon beginnt Dumbledore, nähere Details zu erläutern.
    „Nun, einige von euch werden vielleicht nicht wisse, worum es bei diesem Turnier geht, und ich hoffe, dass die anderen mir verzeihen, wenn ich es kurz erkläre. Das trimagische Turnier fand erstmal vor etwa siebenhundert Jahren statt, als freundschaftlicher Wettstreit zwischen den drei größten europäischen Zaubererschulen – Hogwarts, Beauxbatons und Durmstrang. Jede Schule wählte einen Champion aus, der sie vertrat, und diese drei mussten im Wettbewerb drei magische Aufgaben lösen. Die Schulen lösten sich alle fünf Jahre als Gastgeber ab und alle fanden, dies sei ein guter Weg, Bekanntschaften zwischen jungen Hexen und Zauberern zu knüpfen – bis allerdings die Todesrate so stark zunahm, dass das Turnier eingestellt wurde.“
    Dumbledore legt eine kleine Pause ein, um sicherzustellen, dass auch ja jeder mitkommt.

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    „Doch nun hat die Ministeriumsabteilung für Magische Spiele und Sportarten beschlossen, dass die Zeit reif ist, einen neuen Versuch zu wagen. Den ganzen Sommer über haben wir uns Mühe gegeben, die Risiken deutlich zurück zu stellen. Ein unparteiischer Schiedsrichter wird im Oktober, nachdem eine engere Auswahl an potenziellen Kandidaten der Schulen Beauxbatons und Durmstrang eingetroffen sind, entscheiden, welche drei Champions es gibt. Der- oder Diejenige, die im Turnier die meisten Punkte erlangt, wird zum Sieger. Als Preis geht man in die Geschichte ein, erntet haufenweise Ruhm – und erlangt das Preisgeld von 1000 Galeonen. Bevor ihr euch aber nun in etliche Siegespläne hineinsteigert“ fährt Dumbledore mit einem nachsichtigen Lächelon fort, „Müsst ihr Eines wissen. Aufgrund der hohen Gefahren wurde sehr einstimmig beschlossen, von nun an nur gut fortgebildete und volljährige Magier und Hexen antreten zu lassen. Das heißt: Nur diejenigen, die 17 Jahre oder älter sind, können sich bewerben.“ Entgegen der lauten Proteste – insbesondere derer der Weasly-Zwillinge – hebt Dumbledore die Stimme. „Dies ist ein Schritt, den wir für notwendig befunden haben, damit es weniger Verletzungs- oder gar Todesgefahr gibt! Der gewisse unparteiische Schiedsrichter wird sich ganz sicher nicht austricksen lassen, da ich persönlich dafür sorgen werde, dass sich niemand minderjähriges bewerben kann und wird. Also bitte ich euch inständig, eure Zeit nicht mit sicher unerfolgreichen Versuch, Champion zu werden, zu verschwenden. Und nun: Schlafenszeit! Husch, husch!“
    „Komm“ sagt Draco, „Während die sich hier alle noch beschweren, können wir ja schon gehen. Es sei denn, du würdest auch gerne deine Proteste einreichen…?“
    Erst nachdem wir bereits die große Halle durchquert und in der Eingangshalle angelangt sind, fällt mir auf, dass ich ohne jeden Widerspruch einfach tue, was Draco mir sagt. Doch da es jetzt sowieso passiert ist, folge ich ihm weiterhin.
    „Zum Glück haben sie die Regeln geändert“ greift Draco das Thema urplötzlich wieder auf, „Ich wusste es zwar vorher schon, aber jetzt die Bestätigung...“ „Würdest du denn nicht mitmachen wollen?“ frage ich überrascht, „Du bist doch sonst so...Aufmerksamkeitssüchtig.“
    Er mustert mich verächtlich. „Heiße ich Potter, oder was? Glaubst du ehrlich, ich riskiere mein Leben für nur ein bisschen Geld und Ansehen, dass ich bislang so oder so schon bekommen habe?“ Ungläubig starre ich zurück. „Ein bisschen Geld? Wir reden aber über dieselben 1000 Galeonen, oder?“ Draco zuckt bloß mit den Schultern. Typisch Malfoy…
    „Jedenfalls“ fährt er fort, „Vater meinte, dass ich unbedingt teilnehmen müsste, wenn es die neue Regel nicht gäbe. Ihm geht es wirklich nur darum, noch mehr Ruhm und Anerkennung. Am besten noch ein paar Schlagzeilen im Tagespropheten, wie gut er doch dafür gesorgt hat, dass sein Sohn wunderbar perfekt geworden ist.“ Mit jedem Wort wird die Verachtung und versteckte Wut deutlicher.
    Betreten senke ich den Blick. Draco und sein Vater – das war noch nie ein sonderlich ansehnliches Thema.
    Mittlerweile sind wir vor dem versteckten Eingang zum Slytherin-Gemeinschaftsraum angekommen. „Was ist eigentlich das neue Passwort? Weißt du was?“ Draco schüttelt den Kopf und lehnt sich mit müdem Gesichtsausdruck gegen die Wand. „Woher denn?“
    Fieberhaft suche ich nach irgendetwas, worüber ich mit Draco reden könnte, irgendetwas zu tun, während wir darauf warten, dass der nächste Vertrauensschüler mit dem Passwort ankommt.
    „Als Dumbledore vorhin für die, die es noch nicht wussten, verkündet hat, dass wegen dem trimagischen Turnier Quidditch ausfällt. Da hast du einen Moment irgendwie richtig...erleichtert gewirkt oder so.“ „Das hast du dir eingebildet“ kommt die prompte und ziemlich abweisende Antwort. Nun bin ich wirklich neugierig. „Sag schon!“
    Draco starrt unschlüssig zu Boden, ehe er schließlich ergeben seufzt und tatsächlich ohne jeden Kampf anfängt zu reden.

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    „Du weißt, dass ich das Fliegen wirklich mag und Quidditch auch, aber ich...Ich war an sich nie sonderlich daran interessiert, in der Hausmannschaft zu spielen. Die ganzen Verletzungen und wenn etwas misslingt, wird man eventuell dafür verantwortlich gemacht, besonders als Sucher. Doch wie gesagt, ich war nie daran interessiert, in der Mannschaft zu spielen. Aber…das zählt nicht. Es zählt, was Vater möchte.“ Draco schließt die Augen, als sei es ihm unangenehm weiterzusprechen, während ich für ihn direkt anwesend bin. „Und er möchte, dass ich wenigstens eine Sache finde, in der ich besser bin als Potter. Aber ich bin nie… kann nie gut genug ein für irgendetwas oder irgendjemanden“, Verzweiflung klingt in Dracos Stimme mit, „Es geht doch immer höher, größer, weiter, und es gibt immer jemanden, der besser ist als ich. Woher soll ich wissen, wann ich irgendein Ziel erreicht habe? Vater setzt mir immer neue Leute vor, die ich übertreffen soll, übertreffen muss. Aber er selbst weiß vorher nie, ob ich das davor überhaupt geschafft habe! Manchmal fühle ich mich, als würde ich plötzlich in einer Klassenstufe höher, ohne vorher davon unterrichtet worden zu sein. Wenn ich es nicht schaffe… ich… ich weiß es nicht… Ich...“ Er verstummt.
    Zum ersten Mal in meinem Leben strömt aufrichtige Abscheu durch meine Adern.
    Wut, Trauer, Widerwillen, etwas Trotz und das Gefühl, sich unbedingt rächen zu müssen; All das sind kurzlebige Gefühle, große Wellen, doch schnell wieder verebbt.
    Während echte Abscheu all dies verkörpert, nistet sie sich tief in mir ein, versteckt, unterdrückt, aber da, jederzeit bereit zum Ausbruch, jederzeit bereit, sich auf die zu verachtende Person zu stürzen. Und das ist sicherlich nicht Draco.
    Draco hält den Kopf nach wie vor gesenkt, doch es ist zu deutlich, dass er für seinen Ausbruch mehr als wütend auf sich selbst ist.
    Warum musste ich denn auch damit anfangen…? Andererseits konnte ich ja auch nicht ahnen, dass Dracos abweisende Art etwas mit der Witzfigur, die sich sein Vater nennt, zutun hat! Oder…?
    „Draco...“ Was soll ich denn jetzt sagen? „Ich… Du solltest wissen...Ich… für mich bist du sowas von gut genug… Viel mehr als das… und… nicht jeder denkt so wie dein… dein Vater. Ich-“
    „Schau, da kommen die anderen.“
    „Draco, hast du mir zugehört?“
    „Wird auch Zeit. Unmöglich, dass sich ein Vertrauensschüler solche Verspätungen leistet-“ „Hey, beachte mich gefälligst mal!“
    „… bloß weil eine kleine Veranstaltung angekündigt wird.“
    „Draco…! Hallo?“
    Dieser richtet urplötzlich tatsächlich mal seinen Blick auf mich. „Lass es, hörst du? Vergiss es einfach, vergiss es!“
    Seine kalten eisengrauen Augen blitzen gefährlich. „Mach es jetzt verdammt noch einmal nicht noch deutlicher...“
    Die ersten paar Schüler, Erstklässler, dicht dem Vertrauensschüler folgend, laufen mit neugierigen Gesichtern an uns vorbei. Draco senkt die Stimme, schlagartig werden seine Gesichtszüge wieder völlig neutral.
    „Das eben hätte nicht passieren dürfen. Ich habe die Kontrolle verloren, entschuldige bitte.“
    Damit dreht er sich um, folgt den anderen Schülern in den Gemeinschaftsraum und verschwindet aus meinem Sichtfeld.
    Anders als er habe ich das Gefühl, plötzlich wieder ganz am Anfang zu stehen. Das, was Draco gerade gesagt hat… Dieses höflich distanzierte 'Entschuldige bitte'. Da ist er wenigstens einmal ganz er selbst – und im nächsten Augenblick wieder mit seiner ätzenden Maske aus Höflichkeit, Zurückhaltung und…
    „Diese verfluchten malfoyischen Manieren“ sage ich leise. „Redest du von unserem lieben Blondchen? Dann kann ich dir wirklich nur Recht geben. Glaub mir – das ist sowas von langweilig, wenn du etwas mit ihm unternimmst oder bei ihm ist. Dauernd muss sein Anzug sitzen oder seine Krawatte oder seine Frisur. Oder dieses dauernde Gerade-Sitzen, dieses ruhig sein-“ „Danke, ich habe dich nicht darum gebeten, dir einen über Draco abzulästern, aber freut mich, dass du deine Meinung so gerne mit mir teilst, Blaise.“ Ich drehe mich um, um genau wie erwartet, denn dunklen vor mir stehen zu sehen. „Hatte ich schon diese ätzend förmliche Ausdrucksweise erwähnt?“, fügt Blaise mit einem breiten Grinsen hinzu.
    Ich versuche, wütend auf Blaise zu sein oder wenigstens genervt, dass er schon wieder Draco schlecht macht – Ich habe es versucht, wirklich, ehrlich.
    Doch dafür tut es viel zu gut, ganz normal reden zu können, ohne jedes Wörtchen überdenken zu müssen..
    „Worum ging's?“, hakt Blaise nach.
    Zögernd presse ich die Lippen aufeinander. Draco wäre sicher nicht sonderlich angetan der Vorstellung, ich würde seinem einzig akzeptablen Freund sonst was erzählen. Andererseits habe ich das Gefühl, dass Blaise nicht wirklich zählt … Es ist ja nur Blaise, nur einer …
    „Komm schon“, lockt er mit falsch vertraulicher Schlangenzunge, „Mir kannst du es ja wohl sagen ...“ „Darauf falle ich nicht herein, Blaise“ antworte ich amüsiert, während wir den Durchgang zum Gemeinschaftsraum endlich passieren, „Aber netter Versuch.“
    Blaise lässt sich in einen freien Sessel sinken. Mit einer eleganten Bewegung schlägt er einen Bein über. „Nein, ehrlich“, sagt er ernst, „Mir kannst du es schon sagen. Ich bin Dracos bester Freund, und deiner auch – also sehe ich keine Probleme.“
    Jaah … Was soll schon passieren? Ich sehe auch keine Probleme.

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    „Er hat … Wow. Wenn mir irgendjemand vor fünf Minuten gesagt hätte, dass Draco Malfoy einmal-“ „Sprich leise“, ermahne ich Blaise eindringlich. „Dass Draco mal schlecht von seinem Vater reden würde, hätte ich der oder demjenigen eine Schocktherapie im St. Mungo empfohlen!“ Er blickt durch den Gemeinschaftsraum hinüber zu Draco, der in seinem üblichen Kreis an Verehrern gefangen ist.
    „Ich würde sagen, ich habe Draco über all die Jahre wohl etwas falsch eingeschätzt. Was deine Sorge wegen dieser plötzlich seriösen Höflichkeit am Schluss betrifft … Mach dir deswegen keinen Kopf. Wenn du mich fragst-“ „Ja, das habe ich gerade ...“ „… Wenn du mich fragst, wollte er damit nur versuchen die aus seiner Sicht verlorene Autorität möglichst mit einem Schlag wieder herzustellen. Das wäre nur typisch, oder?“ „Hmhm“, antworte ich abwesend. Für meinen Geschmack klebt Pansy wieder einmal viel zu dicht an Draco. Und er weicht ihr viel zu wenig aus.
    Das ist sowas von gar kein perfekter Tag!

    Silbriges Mondlicht scheint durch ein paar zurückgebliebene Regenwolken in die dicht über dem Erdboden liegenden bogenförmigen Fenster des Schlafsaals und taucht die prächtigen Betten in unnatürlich wirkende Licht- und Schattenspiele. Noch immer tobt ein Wind um das Schloss, dass man meinen könnte, Peeves würde ein selbst gestaltetes Konzert geben, doch das ist nicht der Grund, weshalb ich keinen Weg in den Schlaf finden kann.
    Mein Herz klopft schneller als sonst, obwohl ich nichts tue, nichts, als bloß dazuliegen und an die Decke zu starren. Und zu denken …
    Eine nur so vor Unheil strotzende Nervosität vor dem was kommen wird nagt an mir. Wenn ich an die vergangenen drei Jahre denke, merke ich, dass jegliche Theorien und Gerüchte, die damals in die Welt gesetzt wurden, immer bloß wage Vermutungen waren, ohne handfesten bewahrheiteten Kern. Doch jetzt scheint alles wirklich zu beginnen, feste Pläne bestehen und werden Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt.
    Ich schließe die Augen und versuche, nicht daran zu denken, was ich nicht weiß.
    Nicht daran zu denken, dass ich nicht weiß, wie es am Ende des Jahres aussehen wird; Wird Potter tatsächlich sterben, wird Voldemort zurückkehren, was passiert, wenn das wirklich eintritt? Werde ich dem, was er von mir verlangen wird, gerecht werden? Werde ich zur Todesserin? Nein, denke ich entschlossen, niemand wird mit vierzehn Todesser, das ist völlig unmöglich.
    Wenn ich mich bei den Sachen noch damit beruhigen kann, dass dies alles meine kleine Persönlichkeit momentan nicht unbedingt ganz direkt betrifft, frage ich mich, was mit diesem falschen Moody sein wird. Immerhin weiß er – meines Wissens nach – von Voldemort, wer ich eigentlich noch so bin, außer einfach irgendeiner Schülerin.
    Ich weiß einfach nicht, ob ich für all das schon bereit bin, die vielen Veränderungen, Gefahren, Unsicherheiten, potentielle Anforderungen …
    So langsam müsste ich echt zur Ruhe kommen, ansonsten bin ich morgen noch müder als sowieso schon! Na bitte, noch eine Sorge mehr. Mit einem Ächzen vergrabe ich meinen Kopf im Kissen und meinen Geist in der Dunkelheit.

    Am nächsten Morgen jedoch habe ich mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.
    „Was ist das bitte für ein Mist? Wer kommt auf solche Ideen?“, entsetzt sich Erica am Tisch der Slytherins, als uns der neue Stundenplan vorgesetzt wird. „Das sagst du jedes Jahr, Erica“, sagt Linda genervt, doch auch sie kommentiert den Stundenplan, als sie ihn sieht, mit einem alles andere als begeisterten „Oh neiin ...“.
    Neugierig überfliege auch ich das Pergament. Meine Mitschüler haben völlig recht, soviel steht fest.
    „Vier Stunden am Stück mit den Gryffindors!“
    Die ersten beiden Stunden Verwandlung mit den Ravenclaws sind noch innerhalb der generellen Akzeptanz, aber dann …?
    „Jaah ...“, Miley seufzt vernehmlich, „Und dann auch noch so Fächer wie Pflege der magischen Geschöpfe und Wahrsagen!“
    Dieses Schuljahr geht mir jetzt schon auf die Nerven. Das kann ja noch lustig werden, zumindest für die Lehrer, wenn sie sehen, wie die ersten Schüler wütend werden und rumzetern.

    62
    Tatsächliche wünsche ich mich etwa zwei Stunden später wieder zurück in das langweilig strenge Klassenzimmer Professor McGonnagalls.
    Schon von weitem erwecken die paar Holzkisten, um welche die Gryffindors mit Hagrid bereits versammelt sind. Ab und zu erbeben die recht unprofessionell zusammen geschusterten Holzlatten, und ein wenig bleicher Dampf oder Rauch zischt durch die Spalten. Mal ganz davon abgesehen wirken selbst die ach so mutigen und sonst immer zu Hagrid stehenden Gryffindors alles andere als begeistert. Am beunruhigenden jedoch ist die offensichtliche strahlende Sympathie für was immer in den Kisten sein mag.
    „Jetzt könnt ihr sie selbst großzieh'n“ sagt Hagrid gerade überschwänglich, als die ersten Slytherins einen Blick in die Kisten erhaschen können. „'ch dacht', wir mach'n 'ne Art Projekt draus!“
    „Und warum“, kommentiert Draco als der Erste seine ehrliche Meinung, „Sollen wir die bitte großziehen? Ich meine, was bringen die uns? Was ist der Witz dabei?“
    Das entspricht so ziemlich dem, was mir durch den Kopf wandert, als ich meinen ersten Blick in die vorderste Kiste werfen kann.
    Auch wenn ich mich damit rüsten kann, keine panischen Kreischattacken beim Anblick einer Spinne zu bekommen, lassen diese übervielen, durcheinander wuselnden, grauweißen Beine und die dazugehörigen schal und dumpf bleich schimmernden, krabbenartigen Körper der abscheulichen Etwas meinen Magen schlingern. Übereinander, untereinander, ineinander – kurz; durcheinander wuselnde Körper mit vielen Beinen sind definitiv nichts für mich, absolut nicht. Ich will gar nicht wissen, wie sich die matten Körper überhaupt anfühlen. Oder wenn diese Viecher in den Ärmel krachen und frei auf dem Körper herumkrabbeln … Allein der Gedanke alamiert mich aufs Höchste. Am liebsten würde ich jetzt ganz, ganz schnell irgendwo hin verschwinden und nie zurückkehren, nur um diese – ja, was eigentlich? - nicht mehr ansehen zu müssen. (Ja toll – während ich mir das gerade vorgestellt habe, kriecht plötzlich so 'ne fette Spinne über die Tastatur. #schockfürsleben)
    Nur mit Mühe kann ich die Augen von den lebenserfüllten Kisten abwenden, und gerade noch die Antwort von Hagrid mitbekommen, die er wenig seriös über die Bühne bringt.
    Mit leicht geöffnetem Mund steht er einen Moment da. Fast kann ich sein nicht wirklich vorhandenes Hirn rattern hören. „In der nächsten Stunde, Malfoy.“ Dass er das so gut rettet, hätte ich nicht gedacht. „Heut füttert ihr sie nur. Am best'mn probiert ihr einfach 'n paar verschiedene Sachen aus. 'ch hatt se noch nie, weiß nicht, was sie so mögen. Hab hier Froschleber un' Ameiseneier und Ringelnatter. Nehmt einfach von allem was und probiert es aus.“
    Vor meinem geistigen Auge kann ich schon Crabbe und Goyle mit Lebern umherwerfen sehen. Zum ersten Mal, seit ich weiß, dass ich magische Kräfte habe, frage ich mich ernsthaft, welche Langzeitschäden allein die Schuljahre bei mir hinterlassen werden.

    Mit stark strangulierten Nerven und einem gewissen Ekelgefühl im Magen geselle ich mich nach der wirklich ekelhaften Doppelstunde zu Miley. „Was haben wir jetzt noch einmal? Schlimmer wird’s ja wohl nicht.“ „Ich fürchte, das kann ich so noch nicht sagen. Je nachdem, wie die Trelawney heute so drauf ist.“
    Für mehr als bloß ein entsetztes Ächzen reicht meine psychische Kraft bereits jetzt nicht mehr. Wenn das jetzt das gesamte Jahr über so weitergehen soll, werde ich definitiv weg sein. Einfach weg. Wer denkt sich solche Katastrophen aus? Stundenlang könnte ich mich darüber aufregen.

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    „Zum Glück“, stöhnt Erica, als sie nach der Pause vor mir die Leiter zum Klassenraum von Professor Trelawney erklimmt, „Haben wir während der heißesten Sommermonate Ferien! Es ist auch so schon“, sie hievt ihre Tasche nach oben, „Heiß genug hier drin!“ Obwohl ich Erica nicht gerade so sonderlich mag, muss ich ihr Recht geben. Jeder normale Mensch würde, besonders in einem so hoch gelegenen Klassenzimmer, alle schweren Vorhänge, dicht in der Luft liegendes Parfüm und Kaminflammen ans andere Ende des Universums hexen. Aber seit wann sind Möchtegern-Wahrsager normale Menschen? Und wir Schüler müssen drunter leiden.
    Da es keine wirklichen Tische oder gar eine feste Sitzordnung gibt, sammelt sich eine Gruppe, meine Gruppe, an Slytherins möglichst alle zusammen in eine Ecke des Klassenzimmers. Dieser Gruppe, die sich in den drei vergangenen Jahren so ungefähr gebildet hat, besteht aus den üblichen Sockenhirnen Pansy, Crabbe und Goyle, meinen Freundinnen Linda, Miley, Milli, zu meinem Leidwesens auch Erica, dann Blaise und selbstverständlich ich und Draco.
    Leider trennt mich und Draco nur Blaise. Mir ist absolut nicht danach, den Blonden so in meiner Nähe zu haben.
    Er hat mich, seit seinem Ausbruch, immer noch nicht auch nur eines einzigen, winzigen, klitzekleinen Blickes gewürdigt. Den sollte man auch ans andere Ende des Universums hexen.
    „Meine Lieben“, eröffnet Trelawny mit ihrer üblichen, rauchigen Stimme die Stunde, „Es wird Zeit, dass wir uns den Sternen zuwenden. Den Bewegungen der Planeten und ihren machvollen Botschaften dahinter, die nur Jene, die fähig sind, den Sternentanz zu deuten, erkennen können. Das Schicksal“, fährt sie fort und versinkt im Dramatischen, „Das Schicksal der Menschheit kann durch Planetenstrahlen entziffert werden! Und dieses Jahr werde ich euch diese Kunst lehren!“
    Gelangweilt lehne ich mich auf meinem Sessel zurück. Die merkt eh nicht, wenn man nicht aufpasst. Jeder Mensch hat ebenso seine Vorteile.

    Doch schon eine gute halbe Stunde später bin ich alles andere als entspannt.
    Mit etwas verwuschtem Blick auf die größere Slytheringruppe weist Trelawny uns an, irgendetwas über während der Stunde unserer Geburt am Himmel stehende Planeten auszutauschen. Und zwar zu zweit.
    Ich nehme gerade Anlauf, Linda zu fragen, ob wir zusammen machen, als sich urplötzlich Blaise an mir vorbeidrängt, Linda beansprucht und mich in seinen Sessel schubst. Abgesehen davon, dass Blasie, mein bester Freund, mir erstens meine beste Freundin und zweitens meinen Platz geklaut hat, bemerke ich nichts. Bis mir einfällt, dass ich so neben Draco gestrandet bin. Verflucht! Das hat Blaise mit Absicht gemacht! Dieses falsche Biest!
    Pansys wütende und eifersüchtige Blicke treffen mich von der anderen Seite der Gruppe, doch ich sehe, dass sie wohl oder übel bereits an Erica gefesselt ist.
    Und ich darf mich jetzt mit Draco herumschlagen. Hat dieser beschissene Tag eigentlich irgendeinen Mist noch nicht angerichtet?
    Ohne mögliche Worte im Mund wende ich mich zu Draco. Dieser starrt mit verkrampften Kiefer auf das flache Tischchen vor uns.
    Noch muss ich gar nichts sagen, denn erst lässt Trelawney irgendwelche Karten zu den Paaren schweben, mit denen wir nun offenbar irgendetwas anfangen sollen. Allerdings verzögert das einen Redeanfang mit Draco auch bloß um etwa zwei Sekunden.
    „Äheh ...“ Na, wenn das nicht ein bewundernswerter Start ist, weiß ich auch nicht! Lieber gar nichts sagen als 'Äheh', schimpfe ich im Kopf mit mir selbst.
    „Äh-“, mache ich wenig fabulös weiter, „Hast du verstanden, was wir jetzt eigentlich machen sollen? Also - ich nicht.“
    Draco ist auch nicht viel besser. Mit einem sehr undefinierbaren „Hm!“, kann ich auch nicht viel anfangen. „Hm … ja? Oder Hm … nein?“ Er nickt kurz. Was soll das jetzt heißen?
    Ein Ja dafür, dass er Ja meinte, oder für das von mir Letztere genannte?
    „Was genau meinst du jetzt damit?“
    Ein genervtes Seufzen. Das wird ja immer schöner.
    Mir fällt nicht ein, wie ich noch nachfragen könnte, ohne sehr dämlich zu wirken, also schweige auch ich den Tisch an.
    Schließlich, mit einem noch sehr viel genervtem Seufzen zieht Draco eine Himmelskarte und eine Tabelle mit den Bedeutungen der Planeten und Sterne und eine weitere mit dem Himmelsgebilden, die wann wo wie stehen zu sich hin und studiert und vergleicht sie einen Moment lang.
    „Man muss schauen,“, Halleluja, er redet!, „Welche Planeten am Tag der eigenen Geburt am Himmel standen, wie sie standen und in Konstellation mit wem. Je nach dem wird in der anderen Tabelle nachgeschaut, was das wiederrum bedeutet. Verstanden?“
    Soweit, ja – bis meine Überlegungen plötzlich gegen eine bisher ungeachtet Glaswand in meinem Kopf krachen.
    Verblüfft starre ich Draco an. „Du – Ich weiß gar nicht, wann du Geburtstag hast.“ Und, wenn ich recht überlege, habe ich in den letzten Jahren meinen Geburtstag volkommen übersehen! Naja, viel Raum dafür blieb ja nicht. Aber trotzdem … Dass mir das mal passiert, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. (Jaja, es war natürlich mal wieder ich, die tatsächlich über drei Teile hinweg die Geburtstage der beiden Hauptpersonen vergessen hat. Ich gestehe meine Schuld ein. Und jetzt? Krieg ich die Todesstrafe? Nö, dann wisst ihr nämlich nicht, wie das alles schön in wunderbarem Chaos endet: D Ich schlage vor, wir ignorieren mal die Tatsache, dass ich das vergessen habe, oder? ^^ Frieden?)
    Sein Blick ist kalt wie eh und je.
    „Und? Wenn man nicht den Beruf des Wahrsagers ausübt, ist das ja wohl reichlich irrelevant.“
    Einmal mehr empfinde ich irgendwie Mitleid mit Draco, ganz überraschend plötzlich. Wer beigebracht bekommt, der Geburtstag sei unwichtig …
    „Für mich ist es aber wichtig“, beharre ich darauf. „Fünfter Juni.“ Seltsam. Obwohl man sowas so natürlich nicht beurteilen kann, hätte ich es irgendwie passender gefunden, wenn Draco mitten im Winter geboren wäre, wenn es so kalt ist, dass alles und jeder draußen erfriert und alles tot ist.
    „Ich habe am 15. Oktober Geburtstag.“ Einige Erinnerungen steigen in mir empor. Doch sie sind bittersüß durchtränkt. Mit einem gewaltigen Schrecken vor mir selbst registriere ich, wie unglaublich lange ich nicht mehr an meine entführte Mutter gedacht habe.
    Erst die Tatsache, dass Draco irgendetwas über das Sterben gesagt hat, holt mich aus traurigen Vermutungen und Spinnereien heraus.
    „Was hast du gesagt?“ frage ich höflich.
    Als ich aufschaue bemerke ich verwundert, dass Draco grinst. Nach dem ersten Hoffnungsschimmer auf richtige Versöhnung – halt, war nicht auch ich sauer auf ihn? - bemerke ich, dass es nicht das ehrliche Grinsen ist, das er sich immer für mich aufgehoben hat. Es ist sein typisches Malfoy-Grinsen, das jeder zu Gesicht bekommt, den er nicht mag. Na super, ganz toll!
    „Ich sagte, dass du ja im Herbst geboren bist! In einer Zeit, wenn gerade alles ganz besonders am Sterben ist, dann wenn alles vernichtet wird.“
    Draco bringt das nicht neckend rüber, er sagt es wirklich ganz normal fies.
    Es scheint, als würde Draco, also mein Draco, der Draco, der sich wunderbare Sachen für mich aufhebt, der, der mit einem Schlammblut zusammen ist, in einem großen dunklen Meer verschwinden und unangenehme Situation für unangenehme Situation weiter weg schwimmen.

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    Wenige Stunden später, als ich mich gerade zusammen mit Miley und Linda zum Abendessen in die begeben will, wird Draco mir gleich doch wieder etwas sympathischer.
    Mitten in der Eingangshalle erregt er die gesamte Aufmerksamkeit der überall gedrängten Schüler, wie immer ist es brechend voll. Zum Glück nicht zu eng und dicht.
    „Wealsey! Hey, Wealsey!“
    Erstaunlich, wie wenig der Blonde tun muss, um so direkt so stark beachtet zu werden. Liegt wohl an seiner kranken Malfoy-Ausstrahlung. Im Nu hat sich schon ein kleiner Kreis um Weaslyy mit Potter und Draco gebildet..
    „Dein Dad steht in der Zeitung, Weasley! Hör dir das an!“
    Erst jetzt bemerke ich den Tagespropheten in seiner Hand. Ich kann mir gut vorstellen, dass sein Vater ihm den noch exklusiv geschickt hat, um ihm zu zeigen, was genau über den Weasley-Daddy berichtet wird. Ohne große Umschweife beginnt Draco den Artikel vorzulesen.
    „Weitere Pannen im Ministerium! Es scheint, als sei die Pannenserie im Zaubereiministerium noch längst nicht zu Ende. Das Ministerium, erst jüngst heftiger Kritik ausgesetzt wegen mangelhafter Besucherkontrolle bei der Quidditch-Weltmeisterschaft und nach wie vor nicht in der Lage, das Verschwinden bestimmter Mitarbeiter zu erklären, wurde gestern in eine neue Verlegenheit gestürzt durch das merkwürdige Gebaren von Arnold Weasle vom Amt des Missbrauchs von Muggelartefakten.“
    Draco hält inne und blickt auf. „Nicht mal seinen Namen haben sie richtig geschrieben. So als sei er ...“, Draco grinst spöttisch, „Eine komplette Null!“
    Dann fährt er fort, den Artikel zu verlesen.
    „Arnold Weasley, der vor zwei Jahren wegen Besitzes eines fliegenden Autos angeklagt wurde, war gestern in eine Rangelei mit mehreren Gesetzeshütern der Muggel, sogenannte Polizisten, verwickelt. Der Grund waren einige höchst angriffslustige Mülleimer. Mr Weasley war offenbar einem gewissen Mad-Eye Moody zur Hilfe geeilt, einem in die Jahre gekommen Ex-Auroren den das Ministerium in Ruhestand versetzt hat, als er nicht mehr einen Händedruck von einer Morddrohung unterscheiden konnte. Es wird niemanden überraschen, dass Mr. Weasley bei seiner Ankunft in Mr. Moodys stark bewachtem Haus feststellte, dass Mr Moody mal wieder falschen Alarm geschlagen hatte. Mr Weasley war gezwungen, mehrere Gedächtnisse zu verändern, weigerte sich jedoch, auf die Frage vom Tagespropheten zu antworten, warum er das Ministerium in ein so würdeloses und möglicherweise peinliches Geschehen verwickelt hatte.
    Und hier ist ein Bild, Weasley! Deine Familie vor eurem … Haus … wenn man es denn so nennen kann. He, deine Mutter könnte auch ein paar Pfunde weniger vertragen.“
    Aus einem unerfindlichen Grund spüre ich Stolz in mir austeigen. Draco ist niemand, der einfach seine Klappe hält – er kann seine Meinung sagen. Eine Eigenschaft, die es zu schätzen gibt.
    „Verpiss dich, Malfoy!“, schaltet sich nun auch Potter ein, „Komm, Ron, wir gehen ...“
    „Ach ja;“, höhnt Draco weiter, „Du bist in den Ferien ja immer bei denen. Sag mal, ist seine Mutter wirklich so fett oder sieht das immer nur so aus?“
    Mittlerweile hört scheinbar die ganze Schule zu – von den Lehrern mal abgesehen. Auch Potter scheint langsam sichtlich wirklich wütend zu werden.
    „Und was ist mit deiner Mutter, Malfoy!“, erwidert er aggressiv. Was denkt der eigentlich wer der ist? „Wieso macht sie ständig ein Gesicht als hätte sie Mist unter der Nase? War das schon immer so, oder erst, seit es dich gibt?“
    Scheint, als wird der Kleinkrieg der beiden noch am heutigen Tage in die Geschichte eingehen, wenn das so weitergeht.
    „Wag es ja nicht, meine Mutter zu beleidigen, Potter!“
    „Dann halt dein Maul!“ Das war ja mal eine sehr originelle Antwort …
    Potter dreht sich, drauf und dran zu gehen. Und dann tut Draco etwas sehr dummes, aber auch etwas sehr sehr tolles …
    Er zückt seinen Zauberstab und schickt Potter einen Fluch hinterher. Leider knapp daneben, doch nur eine halbe Sekunde später ertönt ein weiterer lauter KNALL! und eine düstere Stimme donnert durch die Halle.
    „Das tust du nicht, Freundchen!“
    Zuerst kann ich selbst nicht wirklich verstehen, was vor sich gegangen ist, als ich auf das strahlend weiße Frettchen am Boden starre, dort, wo vor vier Sekunden noch Draco stand.
    Doch dann fällt mein Blick auf den falschen Professor Moody, der mit erhobenem Zauberstab am Treppenansatz steht. Jetzt verstehe ich das schon eher. Allerdings … Was interessiert es einen Todesser, wenn Draco Potter verfluchen will?
    Keiner rührt sich, still vor Schreck, abgesehen von Moody, der, den Zauberstab unverwandt auf das Frettechen – nein, also auf Draco – gedeutet, in Richtung Potter hinkt.
    „Hat er dich erwischt?“ Potter sieht sehr verdutzt aus, auch mal amüsant. „Äh. Nein, ging daneben.“
    „Lass es liegen!“, bellte Moody plötzlich, woraufhin Potter bloß noch irritierter ist. „Nicht du! Er da!“
    Crabbe erstarrt, halb zu dem Malfoyfrettchen hinabgebeugt.
    Ich kann dem Frettchen die Angst beinahe ansehen, und da Moody, bessergesagt, der Todesser, mir wohl kaum etwas antun wird, überbrücke ich die paar Meter zwischen mir und der kleinen Gruppe im Zentrum der Eingangshalle und hocke mich zu Draco. Er presst sich bebend an mein Knie, aus der Nähe ist zu erkennen, wie weit und angstvoll seine Augen aufgerissen sind.
    Urplötzlich wirbelt Moody zu uns herum, irgendeine lautstarke Drohung offensichtlich schon auf den Lippen – doch er verharrt, als er mich genauer mustert. Für einen Moment meine ich, in seinem zerfurchten Gesicht zerknitternde Erkenntnis zu sehen. Und Wut.
    Wenn das nicht der Beginn einer tollen Freundschaft ist.

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    Er sagt nichts, doch manchmal sprechen Blicke mehr denn Worte. Nett ist es nicht, doch für's erste bleibt es dabei – zumindest für mich.
    „Ich mag Leute gar nicht“, krächzt Moody erzürnt, und humpelt, auf seinen Stock gestützt, ein paar weitere Schritte auf mich und das Frettchen zu, „Die ihren Feind,“ er zückt den Zauberstab, „verhexen, wenn der einem den Rücken zudreht! Feige“, er atmet rasselnd ein, „Ist das!“
    So sehr ich auch zu Draco stehe, dem Todesser-Moody will ich nicht in die Quere kommen. Schon gar nicht, wenn er wütend ist. Vor allem nicht, wenn er seinen Zauberstab in unsere Richtung schwenkt!
    Ich werfe dem Frettchen einen entschuldigenden Blick zu, als ich mich hastig entferne und in den bescheidenen Kreis der bloßen Zuschauer zurückziehe.
    Eigentlich sollte ich ja vielleicht da bleiben … naja … Draco wird ja schon nicht sterben.
    Plötzlich, schneller als man schauen kann, schießt das Frettchen einige Meter in die Höhe und bleibt zappelnd und strampelnd in der Luft hängen.
    So langsam übertreibt Moody! Was, wenn Draco abst- Wusch!
    Erschreckt schlage ich eine Hand vor den Mund. Das muss wehgetan haben! Armer
    Draco … Schon schießt er wieder in die Höhe. Nein …
    Auf einmal legt sich von hinten ein Arm um meine Schulter. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Sekunden so erschreckt zu werden ist sicher nicht gesund. Halb drehe ich mich um und blicke Blaise ins Gesicht.
    Lässig grinsend, wie eh und je. Na, wenigstens er scheint noch gesunden Menschenverstand zu besitzen. Anders als Moody, der Draco ein weiteres Mal zu Boden krachen lässt.
    „Na?“, fragt Blaise, „Amüsierst du dich?“ Seine braunen Augen fliegen von mir zu Dracofrettchen in der Luft. Einen Augenblick bin ich nur auf das Braun seiner Augen konzentriert. Zugleich schattig, aber so warm! Es gibt warme Schatten? „Das ist nicht witzig!“, fauche ich wütend, als mir wieder einfällt worum es geht. Das Frettchen könnte sich ernsthaft verletzen! Draco, meine ich natürlich …
    „Nein?“ Blaise bedenkt mich mit einem spöttischen Blick und einer lässig gehobenen Braue.
    Sein Grinsen ist noch da, und seine dunklen Augen bohren sich in meine.
    Moment, was ist das für ein Kribbeln in meinem Gesicht? Oh, ich grinse auch! Wann ist das denn gekommen? Blaise hat einfach eine Grinse-Ausstrahlung. Das wird’s sein.
    Und naja, Draco wird schon nichts passieren … so hoch ist das auch wieder nicht … Und wenn Blaise es nicht gefährlich findet, ist bestimmt alles sicher. Bestimmt.
    „Hast ja recht ...“, gebe ich ihm also verlegen recht und senke den Blick.
    „Ahhhhh!“ Knall. Plumps, dann polter.
    Wie ein einziges Wesen drehen sich alle anwesenden Köpfe in Richtung Treppe.
    Bessergesagt zu dem Verursacher des Krachs. Zuerst sehe ich gar nichts über die Menge hinweg. Doch in Sekundenschnelle bildet sich eine Gasse, gibt den Blick frei auf einen weit verteilten Bücherhaufen am Treppenansatz. Wer wirft denn Bücher auf den Boden?, frage ich mich, noch leicht abwesend durch den durchdringenden Blick von Blaise vorhin. Dann wandert mein Blick nach oben, über spitze Schuhe, einen akuraten Umhang und bleibt schließlich an dem kantigen Geischt Profesoor McGonnagalls hängen. Offensichtlich sind die Bücher von ihr.
    „Professor Moody! Was wird denn das?“
    Erneutes Aufschlagen auf dem Boden, diesmal von Frettchendraco.
    Die Köpfe wirbeln wieder in die andere Richtung.
    „Unterrichten!“
    Köpfe gehen wieder in die andere Richtung.
    „Professor Moody!“
    Und zurück. Ziemlich lustig.
    „Ist das ein Schüler?“
    Uuuund … wieder drehen sich alle wieder zu Moody um. Weiß die Masse eigentlich, wie bescheuert sie aussieht?
    „Jep!“
    Schon wieder zurück.
    „Neiin!“
    So langsam müssten Nackenschmerzen auftreten.
    „Doch!“
    „Nein!“, ruft McGonnagall wieder und schreitet durch die extra für sie gestaltete Gasse durch die Schüler in Richtung des eigentlichen Hauptgeschehens.
    „Das wird immer besser“, flüstert Blaise begeistert in mein Ohr. Ich muss ihm wohl oder übel zustimmen. Das ist echt lustig.
    Knall! Schon wieder …
    Erleichtert atme ich auf – das muss ich in der Aufregung ganz vergessen haben – Draco kauert unversehrt auf dem Boden – in seiner richtigen Gestalt. Zwar ziemlich verstört, aber unverletzt, das ist erstmal das wichtigste.
    Eine schwere Stille lastet auf der gesamten Halle. Blaise scheint der einzige zu sein, der das ganze Geschehen noch entspannt sieht.
    Draco hat sich mittlerweile aufgerappelt, scheint weder zu wissen wohin er schauen soll, noch, was er sagen und tun soll.
    Ich will jetzt wirklich nicht an seiner Stelle sein. Ich überlege hin und her, ob ich was tun soll. In den Büchern, die ich als Kind gelesen habe, hat die coole Hauptperson immer irgendetwas getan in so einer Situation. Nicht, dass ich irgendwo mal gelesen hätte, dass jemand in Frettchengestalt plötzlich unfreiwilliges Fliegen lernt …
    Aber ich entscheide mich dagegen, Draco zu helfen. Immerhin bin ich eine lebende Person und keine Gesichtsfigur, und außerdem: Wenn er sich doch immer in solche Sachen hineinschleift, sollte er vielleicht auch lernen, damit umzugehen. Genau.
    Draco atmet heftig ein und aus. „Das- Wenn mein Vater das erfährt! Er wird-“ „Soll das eine Drohung sein, Junge?“, schnappt Moody. „Du musst wissen, ich kenne deinen Vater lange und gut ...“ Seine Stimme wird leiser, drohend, herausfordernd. „Mit dem habe ich sowieso noch ein nettes Wörtchen zu reden … Und du kommst jetzt mit Freundchen, wir klären diese Sache jetzt!“
    Moody packt Draco am Arm, zerrt in die Gänge zu den Kerkern und beide verschwinden von der Bildfläche.
    Nach und nach kehrt das übliche Gewühl ein. Genau darauf warte ich.
    Als ich gerade loshasten will, werde ich zurückgehalten.
    Plötzlich steht Blaise wieder vor mir, einen zugleich fragenden und wissenden Blick dabei. Ich sehe ihn bittend an. Er grinst, nickt. Super.
    „Du bist echt der perfekte Freund“, sage ich und gebe ihm ein Küsschen auf die Wange. „Bester Freund“, füge ich hastig hinzu. Nicht, dass er noch etwas falsch versteht.
    Dann laufe ich los. Niemand beachtet mich. Es ist schon eine Leistung von Blaise, dass er mich jetzt, nach dem, was eben alles passiert ist, einfach so abhauen lässt.

    Moody und Draco zu finden ist nicht weiter schwer. Möglichst leise auftretend eile ich die zum Glück noch verlassenen Kerkergänge entlang. Im Gegensatz zur großen Halle, voller Schüler und Licht, ist es hier still und kühl.
    Laute und weniger laute Worte dringen aus einem Kerker, bei beiden Stimmlagen taucht das Wort 'Vater' immer wieder auf.
    Ich überlege eine Weile, was das für ein Raum ist, ehe mir einfällt, dass hier ein größerer Stauraum für die einfacheren Zaubertranzutaten ist. Das schwere Holz der Tür dämpft die Stimmen zu sehr, als dass ich Einzelheiten verstehen könnte.
    Ich lehne mich an die kalte, raue Wand gegenüber und warte.
    Schließlich, nach einer sehr einseitigen, hitzigen Unterhaltung kracht die Tür auf. Und wieder zu.
    Draco lehnt sich mit geschlossenen Augen dagegen. Er wirkt sehr gehetzt. Ich weiß nicht was ich sagen soll. Vermutlich fragen, wie's ihm geht.
    Genau das will ich gerade tun, als Draco die Augen öffnet, mich bemerkt, stutzt und mich mit einem sehr wütenden Blick bedenkt. Ein Abgang zum Gemeinschaftsraum folgt.
    Nun vollends verwirrt starre ich ihm nach. Was habe ich denn jetzt gemacht? Obwohl, sonst ist er ja auch nie besonders freundlich. Naja … das ja auch wieder nicht immer …
    Manchmal ist sein Gesicht wie frischer Schnee, bleich und kalt, aber zugleich weich und formbar, und seine Augen wie Sturm. Ich seufze. Aber meistens eher Marmor und Blechdose.
    Trotzdem, gerade jetzt weiß ich nicht, was ich falsch gemacht habe. Idiot.
    Dass ich mir diese Verrennerei in meinen Gedanken abgewöhnen sollte, stelle ich leider etwas zu spät fest.
    Ohne, dass ich es gemerkt habe, hat sich die Tür ein weiteres Mal geöffnet.
    Ein eiserner Griff packt meinen Kragen, zieht mich in den Kerker und stößt mich gegen die Wand. Einheitliches Klirren der Gläser, Flaschen und Bottiche mit Zutaten ertönt, als ich gegen ein Regal stolpere. Die Tür schließt sich. Klick, zu. Ich weiß nicht, was mich jetzt erwartet. Wer sonst noch ist gerade sauer auf mich? Vielleicht sollte ich mir weniger Feinde machen.
    Langsam, mit einem unguten Gefühl in den Knien, wende ich mich von den eingemachten Fliegen meiner Nase gegenüber ab und drehe mich um.
    Schon wieder starrt mich jemand böse an, doch diesmal ist es um Welten bedrohlicher.
    Auf den knochigen Stock gestützt steht Moody mir gegenüber. Bessergesagt der Todesser in Moodys Gestalt. Beide Augen sind auf mich gerichtet, starr und unbeweglich. Er sagt nichts.
    Holzkanten des Regals stechen in meinen Rücken. Ich wage es unter diesem Blick nicht, mich weiter zu bewegen.
    „Ah ...“ Ja …? Doch ich sage nichts.
    „Ich hatte mich dir mutiger vorgestellt.“ Wie bitte? Das passt ja nun mal so gar nicht zu Moody. Ah, nein, es ist ja auch nicht Moody. Jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, den Todesser kennenzulernen, wie er ist und nicht Moody.
    „Als du dich eben gegen meine Anweisungen gestellt hast, hättest du das auch gemacht wenn du nicht wissen würdest, wer ich wirklich bin?“
    Ich verstehe nicht, weiß nicht, was er meint.
    „Antworte!“, bellt er, „Als ich befohlen habe das Frettchen liegen zu lassen!“
    „Ich..-ch…Uhm, weiß nicht“, sage ich leise.
    Was tue ich hier? Ich will so schnell wie möglich hier weg.
    Als hätte ich nichts gesagt, fährt der Todesser fort. Ich muss mir unbedingt irgendeinen Titel für ihn ausdenken. Das ist mit den ganzen verwischt -mischten Identitäten ganz schön kompliziert.
    „Damit das klar ist“, knurrt er. Ich beschließe, ihn einfach den Falschen zu nennen. Ziemlich originell, aber wen kümmert das schon? Schließlich ist er genau das, ein Falscher.
    „Du erzählst niemandem von mir!“ Der Spion kommt einen drohenden Schritt näher, ich drücke mich weiter gegen das Regal. „Niemandem!“ Sorry, Draco, denke ich. Aber der ist sowieso wieder einmal grundlos wütend auf mich. Also auch egal.
    „Ob das klar ist!“ Ich nicke nur. Der Atem des Spions riecht seltsam leer, abgestanden. Wie Wasser, das tagelang in einem verstaubten Raum herumstand. Widerlich.
    Jetzt steht er dirket vor mir. „Und damit wir uns verstehen...“ Ich höre auf zu atmen. So kann ich weder etwas falschen sagen noch machen. Ich bin nicht sicher, ob ich mich schon einmal so bedroht gefühlt habe. Ein sehr hässliches Gefühl. Ich will hier weg, ich habe Angst und weiß nicht, was auf mich zukommt, ich bin voller Erwartung was kommen mag, ich weiß, dass ich mich nicht wehren könnte.
    Er drückt mich mit der flachen Hand am Hals gegen das Regal. Er würgt mich nicht, ich kann atmen, aber es schmerzt. „Ich behalte dich im Auge!“, zischt er. Ich wage es nicht, irgendetwas zu tun, irgendetwas. Mein Kopf fängt an zu pochen. Er soll endlich seine verdammte Hand von meinem Hals lassen!
    Eine gefühlte Ewigkeit starrt der Falsche mich mahnend an, ehe er mich grob zu Boden stößt und durch die Tür in die Gänge verschwindet.
    Ich bleibe noch liegen, bis die größte Angst verflogen ist.
    In was für einer Sache stecke ich hier eigentlich drin?

    Ich stehe auf einer sandigen Klippe. Meine Zehen ragen ein Stück über den schroffen Abgrund. Es fällt sehr steil ab, braungrauer Stein, und dann, endlos tief, graue See. Harte Wellen schlagen gegen den Stein, ein wenig kaltes Wasser spritzt über die vielen Meter zu mir hinauf, begleitet von einem eisigen Windstoß. Ich trete zurück. Ich könnte fallen, aber ich weiß, dass ich nicht so dumm bin, mich den blechernen Wellen hin zu geben.
    Zum ersten Mal schaue ich mich weiter um. Die Klippe scheint sich rechts und links in die Ewigkeit zu ziehen, die Wege verschwinden in weißen Dunst. Doch ich weiß, dass sie ins Nichts führen. Ich schaue über die Schulter, erschrecke mich, weiche zurück. Fast wäre ich in das graue Wasser gestürzt. Aber ich stehe noch, ich lebe noch. Ich weiß, dass mich der Aufschlag das Leben kosten kann. Ich starre ich die gruselige Schwärze vor mir, der Auslöser meiner Angst. Der Boden scheint sich dort ein wenig nach unten zu neigen. Schwärze, Schatten, Vertrautheit.
    Eher würde ich in die Blechwellen springen und wenigstens versuchen, einzutauchen, als mich hier weiter umzusehen. Was soll ich nun tun?
    Ich weiß, irgendetwas werde ich tun müssen. Sonst wird mich der Wind unweigerlich in die Fänge der Grauheit treiben, ich weiß es. Aber … möchte ich das? Ich könnte, es wäre einfach. Ich kann sterben bei dem Aufschlag, aber dann wäre das ebenso. Ich kann, muss aber nicht. Was soll ich machen?
    Ich hocke mich in den Sand und schaue in das Wasser.
    Es ist kalt, kalt und tief und gefährlich. Aber dennoch, vertraut … Ein seltsames Gefühl
    Ja, vielleicht sollte ich springen. Es einfach riskieren.
    Ich werfe noch einen Blick über die Schulter, erwarte die gruselige Unbekanntheit. Aber nein. Nur ein Meter, dann fällt die Klippe erneut in die Tiefe. Doch ich weiß nicht, was dort ist, ich müsste schauen … dann müsste ich aber meinen Plan mit dem Springen umwerfen.
    Egal. Ich habe Zeit.
    Ich stehe auf, gehe die zwei Schritte und beuge mich vorsichtig über den Rand. Das Gestein sieht aus wie auf der anderen Seite. Ein warmer, leichter Wind spielt mit meinen Haaren.
    So ein Meer habe ich noch nie gesehen.
    Das Wasser ist braun. Kein Schlammbraun, ein warmes, gut gelauntes braun. Verspielte Schatten tanzen unter der Oberfläche. Ich kenne mich hier nicht aus. Ich würde es aber gerne kennenlernen.
    Auch in dieses Wasser könnte ich springen.
    Aber … das andere kenne ich besser. Es ist vertrauter. Doch das braune Wasser ist so einladend!
    Ich stehe in der Mitte und kann mich nicht entscheiden.
    Dann gehe ich zu der grauen Seite, starre ich das kalte Wasser. Immer gleiche Wellen kommen mir entgegen.
    Ich federe in den Fußspitzen. Soll ich springen?
    Ich trete vor, bis ich die Kälte ganz deutlich spüre. Und dann …
    ...drehe ich mich um, nehme Anlauf und tauche neugierig und kerzengerade in das warme, braune Wasser ein, welches sich sofort wie ein warmes Tuch um mich legt.

    Ich starre an die Decke. Komischer Traum! Was der wohl zu bedeuten hat? Oder hat er überhaupt etwas zu bedeuten?
    (Na, any Traumdeuter unter euch? Würde mich zumindest freuen … Und ja, der Traum hat tatsächlich was zu bedeuten: D)

    66
    Am nächsten Morgen verspüre ich keinerlei Motivation, mein gemütliches Bett zu verlassen. Wozu auch …? Doch tun muss ich es natürlich trotzdem.
    Fast direkt nachdem ich umgezogen und immernoch sehr müde den Mädchenschlafsaal verlassen und den Gemeinschaftsraum betreten habe, fängt mich Blaise ab. Keine meiner Freunde oder Draco sind zu sehen.
    „Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr!“, bekomme ich eine sehr nette Begrüßung. Doch Blaise klingt nicht verärgert, eher amüsiert. „Das Frühstück fängt schon in zehn Minuten an!“
    So langsam erwachen meine Lebensgeister. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, halbwegs entspannt in den Tag zu starten – zur Abwechslung mal ohne sonst was im Kopf als den Schulkram. Doch daraus wird nichts. Blaise schleppt mich regelrecht zum Frühstück, dabei ist er selbst meistens sehr spät auf den Beinen. „Woher deine plötzliche Begeisterung für den Morgen?“, will ich also von Blaise wissen. Er schaut mich an, als hätte ich angefangen eine andere Sprache zu sprechen oder von Askaban zu schwärmen – total ungläubig.
    „Hast du vergessen, was heute ist?“ „Schule?“, schlage ich halbherzig vor. Mir will beim besten Willen nicht einfallen, was denn nun heute sein soll.
    „Eben!“ Für gewöhnlich zeigen nicht einmal die Lehrer eine derartige Begeisterung für den Unterricht.
    „Sag doch endlich, was heute sein soll“, seufze ich genervt. Ich habe keine Lust auf dieses Spiel.
    Statt einer direkten Antwort deutet Blaise unbestimmt in Richtung des Lehrertisches. Ich folge seinem Blick – und promt sinkt meine Laune noch weiter.
    Seinen Flachmann an den Lippen sitzt der Falsche am Tisch, da blaue Auge kreist in der Höhle.
    „Was ist mit dem?“, frage ich ungehalten. „Du magst ihn nicht besonders, kann das sein?“
    „Nein, tu ich nicht!“ Meine Stimme ist die Überzeugung höchstpersönlich.
    „Wie dem auch sei. Also, falls dir das schon wieder entfallen ist“, Was heißt hier bitte 'schon wieder'?, „Wir haben heute Unterricht bei dem. Ich frage mich schon, wie das wird … Ich meine, ein Ex-Auror … und dann so einer ...“ Ja, so einer …
    Deshalb hatten es heute alle aus meiner Klasse so eilig, nach oben zu kommen. „Erste Stunde?“, erkundige ich mich bei Blaise. Er nickt bestätigend. Und vorwurfsvoll.
    „Entschuldige bitte, dass ich den gesamten Stundenplan nach ein paar Tagen noch nicht ganz im Kopf habe!“, erwidere ich patzig. Eigentlich will ich gar nicht so zickig sein, am wenigsten zu Blaise, aber ich habe schlechte Laune. Und das reicht ja wohl als Grund!

    67
    ~
    Die Klasse ist auf eine seltsame, lächerliche Weise unruhig, als wir alle gemeinsam vor dem Klassenzimmer auf den neuen, sogenannten Professor warten. Eine Art heftig unterdrückte Stille liegt schwer in der Luft, durchdrungen von unruhigem Gemurmel.
    Bloß, weil ein verunstalteter Ex-Auror und Möchtegern-Professor uns von nun an lehren wird, braucht man noch lange kein solches Theater zu veranstalten.
    Welchen Grund haben sie schon, beunruhigt zu sein? Wenn jemand etwas zu befürchten hätte, dann wohl ich.
    Ich straffe die Schultern.
    Nicht, dass es so wäre. Ich besitze keine Sorge davor, dass dieser intolerante Mann einen weiteren Versuch wagt, zu versuchen, mir in fremder Gestalt alle Knochen zu brechen. Mich beunruhigt viel eher der Gedanke, was Vater davon halten würde … Sicher würde er mir vorwerfen, die Familienehre zu beschmutzen.
    Ich presse die Kiefer zusammen. Soll er doch.
    Als Professor sollte man Pünktlichkeit wertschätzen. Moody scheint diese Fähigkeit nicht zu besitzen.
    Ich bin überzeugt, dass der Unterricht bereits vor fünf Minuten begonnen hat, als der neue Professor den Gang entlangkommt, wie sonst schwer auf seinen Stock gestützt.
    Für einen ruhigen Augenblick verstummt das Summen der heimlichen Worte, doch es geht gleich wieder los.
    Es erinnert mich an die Vorstellung, wie ein Haufen Fliegen ein Stück Aas umschwärmt.
    Nun, so besonders ist der Ex-Auror wirklich nicht.
    Begleitet von meinen stetigen Leibwächtern Crabbe und Goyle lasse ich mich in dem hinteren Drittel der Klasse nieder.
    Jetzt wird sich herausstellen, ob der Mann wirklich so untauglich ist, wie ich ihn von Anfang an eingeschätzt habe.
    Als er laut die Namen auf der Klassenliste verliest, zuckt sein magisches, blaues Auge zwischen dem Pergament und den entsprechenden Schülern hin und her.
    Anschließend beginnt er ohne große Umschweife mit der eigentlichen Unterrichtsstunde.
    Und zwar komplett ohne. Schon zwei allgemeine Mäkel, die mir an Moody auffallen.
    Er besitzt nichteinmal die Höflichkeit oder wenigstens Förmlichkeit, seine Schüler vor der Stunde zu begrüßen.
    „Euer Professor vor mir war Lupin?“ Allgemeines Nicken. „Ich habe seine Berichte über eure Fortschritte im vergangenen Schuljahr gelesen. Ihr seit relativ weit für eine vierte Klasse. Allerdings nur im Bereich der Tierwesen“, knurrt er. „Ich jedoch werde euch zu einer ganz anderen, dunklen Seite in der Magie führen. Weitaus machtvoller und gefahrvoller sind die Flüche! Die schwarzen Flüche!“ Beide Augen zucen wild in alle Richtungen. Ein, gelinde gesagt, beunruhigender Anblick.
    „IMMER WACHSAM!“, bellt Moody urplötzlich.
    Vollkommen gerade aufgerichtet schaue ich nach vorn. Wer gerade noch müde war, jetzt ist er definitiv wach.
    Bis auf eine.
    Layla sitzt zwei Reihen vor mir, etwas rechts von mir, neben ihr … Wer auch immer. Irgendso ein Mädchen aus ihrem Schlafsaal.
    In völlig entspannter Haltung sitzt sie da – Nein. Das trifft es nicht ganz. Sie hängt regelrecht auf ihrem Stuhl. Sie macht sich keine Mühe, ein Gähnen zu unterdrücken. Ihre Manieren lassen reichlich zu wünschen übrig.
    „Als erstes“, lenkt Moody mit seiner ätzend knarzigen Stimme meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn, „Werde ich euch die Unverzeilichen zeigen.“
    Moment.
    Was hat er gesagt?
    Er meinte doch nicht,…?
    Nicht nur mir ist die merkwürdige Formulierung aufgefallen.
    Layla hat sich kerzengerade aufgerichtet, den Kopf leicht zur Seite geneigt.
    Denkt sie das gleiche wie ich?
    Sie schaut zu Boden, beißt sich auf die Lippe und runzelt die Stirn.
    Fragt sie sich das gleiche wie ich?
    Dann schaut sie wieder hoch, aber der misstrauische Ausdruck in ihrem Gesicht bleibt.
    Was meinte Moody damit, als er sagte, er wolle uns die Unverzeilichen 'Zeigen'?
    Besagter klatscht mit der Hand auf sein Pult.
    „Es gibt drei unverzeiliche Flüche. Jeder von ihnen bringt dich nach Askaban. Und sie heißen nicht um sonst 'unverzeilich'!“, bellt er. „Nennen!“
    Ein paar wenige Hände heben sich in die Luft. Ich selbst bin bestens über alle drei im Stande, doch es ist nicht gerade in meinem Begehren, vor Moody weiter aufzufallen.
    „Du da!“ Sein blaues Auge fliegt zurück zu der Liste mit den Namen der Schüler.
    „Zabini!“
    Ich beobachte Blaise, während er den Imperius-Fluch vorstellt. Er scheint sich nichts dabei zu denken. Doch ich ahne, dass es Folgen zu diesen Aussagen geben wird.
    „Es gibt da den Imperius-Fluch. Wenn man eine Person damit belegt, ist diese … ja … wie soll ich sagen? Willenlos? Naja, jedenfalls kann der, der die Person mit dem Fluch belegt hat, diese zu allem zwingen. Man wird zur Marionette.“
    „Exakt. Und damit ihr versteht, was ich meine ...“
    Während das magische Auge weiterhin die Klasse fixiert, richtet Moody das andere auf eine Schublade vorne im Lehrerpult und befördert nach einem leisen Klirren ein Glas ans Tageslicht. Ich sehe etwa kleines, dunkles darin.
    Gnadenlos kippt Moody die Spinne heraus, lässt sie auf dem Pult herumwuseln, ehe er sie mit einem groben „Engorgio!“ vergößert. Ein paar Mädchen stöhnen entsetzt auf.
    Die Spinnenkörper ist in etwa so groß wie meine Faust.
    „Imperio.“
    Unverzüglich beginnt die Spinne, eine Art einsamen, langsamen Tanz auf dem Pult hinzulegen. Doch dabei bleibt es nicht. Wenige Sekunden später schon ist die Spinne dabei, sich selbst eins der acht langen Beine abzuzwicken.
    „Vollkommene Unterwerfung...“, sagt Moody leise. „Das Ministerium hatte schon ein paar Mal Schwierigkeiten damit … Wurde im ersten Krieg sehr häufig verwendet … Einige der damaligen Todesser nutzten diesen Fluch allerdings als Alibi. Haben behauptet, sie wären zu diesen Grauentaten gezwungen worden …. Und ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, all jene ausfindig zu machen, die damals nach dem Krieg so feige waren, nicht zu ihren Taten zu stehen. IMMER WACHSAM!“
    „Professor ...“, ertönt plötzlich eine Stimme. Leise, nicht zurückhaltend oder vorsichtig, nur leise. „Wenn ich etwas fragen darf …? Kann es nicht sein, dass viele an diesen Fluch völlig falsch herangehen? Sicher, man kann schreckliches damit vollbringen, aber kann man das nicht mit jedem Zauber oder Fluch? Man kann es doch auch so sehen:
    Man könnte den Imperio dann anwenden, wenn diese Person ein potentieller Mörder oder anderweitiger Straftäter ist und alle Überlegungen noch ausgewertet werden müssen. So lange, bis sicher ist, dass der Mensch gefährlich ist, oder eben nicht. Oder auch bei jemandem, der sich selbst verletzten möchte. Nur solange, bis alles, was benötigt wird, erledigt und geklärt ist, um der Person zu helfen. So gesehen kann dieser ach so verschriene Fluch auch auf eine gute Weise genutzt werden.“
    Stille.
    Selbst Moody wirkt überrascht, oder zumindest etwas verdattert.
    Meint sie das erst?

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    Ich schaue Layla ungläubig an.
    Und das tue ich nicht alleine.
    „Ich meine ja nur“, verteidigt sich Layla vor den teils entsetzten, hauptsächlich aber bloß überraschten Blicken, „Ich finde ja nur, dass man sich eben aus allen Sachen, die es gibt, auch die positiven Sachen ziehen sollte, wenn denn welche vorhanden sind. Ist nur so eine Idee.“
    Über seinen Stock gebeugt lehnt Moody sich weit nach vorn und fixiert Layla mit beiden Augen. Diese erwidert den Blick vollkommen uneingeschüchtert.
    „Mit diesem Denken lebst du gefährlich … Ich denke nicht, dass weitaus bedeutendere Personen dir zustimmen würden. Viel eher würde man dich schnurstracks nach Askaban eskortieren. IMMER WACHSAM! Auch mit dem was man nur denkt oder sagt ...“
    „War nur so eine Idee“, wiederholt Layla. Sie sieht nicht aus wie jemand, der gerade ein absolut unumstößliches Gesetz kritisiert hat. Im Gegenteil; In völlig entspannter Geste streift sie sich die langen, dunklen Haare hinter die Ohren und wirkt fast gelangweilt.
    „Außerdem habe ich nicht gesagt, dass ich auch vorhabe, diese einfache, hintergrundlose und völlig nebensächliche Idee zu praktizieren. Kein Grund also, sich aufzuregen.“
    „Nein … Wohl kaum“, sagt Moody kalt und berechnend, „Die Hirngespinste einer gerade Vierzehnjährigen sind wohl kaum relevant.“
    Von der Seite kann ich Laylas trotzig verkniffenes Gesicht erkennen. Sehr amüsant zu wissen, dass sie erst später im Herbst geboren wurde und somit momentan nicht einmal vierzehn Jahre alt ist.
    Moody richtet sich wieder gerade auf. „Mag sein, dass du nicht gesagt hast, dass du das tun würdest … Aber ob du das vielleicht gedacht hast, kann niemand hier beantworten außer dir selbst.“
    „Was für ein Schwachsinn“, knurrt Layla leise. Doch es ist das erste Mal an diesem Tag, dass ich sie den Kopf senken sehe.
    „Und nun sollten wir zum eigentlichen Thema zurückkehren! Es gibt zwei weitere unverzeiliche Flüche. Wer-?“
    Während Millicent Bullstrode kurz den Crutiatusfluch erklärt, frage ich mich, ob es den Leuten aus den anderen Häusern schwerer gefallen ist, über die Unverzeilichen zu sprechen. Mal angenommen zumindest, sie haben verstanden, dass es darauf hinauslaufen wird, dass besagtes mit der Spinne passiert. Vermutlich haben wenigstens einige der Hufflepuffs angefangen zu heulen.

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    „Sehr richtig … Der Crutiatus ist einer der schlimmsten Dinge, die es gibt. Um euch ein Beispiel zu liefern, wie schlimm genau …“
    Ganz wie erwartet richtet er seinen knochigen Zauberstab auf die Spinne. Ich sehe, wie einige Schüler sich angeekelt zurücklehnen. Ich bin mir sicher, wenn die Spinne es könnte, würde sie schreien. Aber sie kann nicht.
    „Ich nehme an, ihr wisst auch den letzten der drei unverzeilichen Flüche?“, fragt Moody lauernd.
    Es ist das erste Mal in dieser Stunde, dass sich niemand rührt. Niemand, außer einer, schräg rechts vor mir.
    „Der Avada Kedavra. Das ist oft der letzte Fluch, von dem man etwas mitbekommt, der letzte und entgültige. Denn er bringt den sicheren Tod. Ohne irgendwelche Zeitverschwendung. Sobald der Fluch einen trifft, ist man tot. Man stirbt so schnell, dass es bereits entgültig ist, noch bevor sich die Augen schließen oder der Körper auf dem Boden aufkommt.“
    Layla senkt den Kopf, doch ich kenne sie zu gut. Ich höre das unterdrückte Grinsen aus ihrer Stimme. Ich glaube, ich will gar nicht wissen, woher sie das alles so genau weiß.
    Und auch wenn es sich bloß um eine Spinne handelt, schleicht sich der Gedanke, dass Layla hier und jetzt indirekt einen Tod zu verantworten hat, mit einem Schauer über meine Haut.

    70
    ~
    „Gehen wir über zu dem zweiten Punkt dieser Stunde.“
    Moody scheucht uns alle hinaus auf den Korridor, alle, außer- „Malfoy … Wollen wir doch mal mit dir beginnen.“
    Rasch bildet sich eine Schlange vor den Klassenraum, drängend und stoßend. Ich habe es nicht eilig, an die Reihe zu kommen. Wer weiß, was da auf einen zukommt.
    Wenige Minuten später huscht Draco durch einen schmalen Spalt zu uns auf den Gang. Er ist noch blasser als sonst. Ohne ein Wort und ohne auch nur irgendwen anzusehen, hastet er mit verstörtem Gesichtsausdruck davon.
    Nein, ich habe es wirklich nicht eilig, den Raum erneut zu betreten.
    Und je mehr völlig verängstigte, atemlose und vor Panik bleiche Mitschüler aus Moodys Einzelbehandlung flüchten und irgendwohin verschwinden, ebenso wie Draco, desto mehr sinkt die Interesse von den noch wartenden, in den Raum gehen zu müssen.
    Als ich schließlich fast allein vor der dunklen, fast bedrohlichen Tür stehe, und darauf warte, dass Theodrore Nott herauskommt, klopft auch mir das Herz bis zum Hals.
    Doch nach etwa zwei Minuten bin daran, den Raum zu betreten.
    Die Tür fällt laut und mit einem erschreckend entgültig klingendem Klacken zu.
    An die Wand gelehnt steht er da, Moody, der aber doch gleichzeitig nicht Moody ist.
    Nervös wie neugierig beobachte ich, wie er mit einer schwingenden Bewegung des Zauberstabs eine Art Schutz vor der verschlossenen Tür erneuert. Das dürfte erklären, weshalb wir anderen vor der Tür nie auch nur ein Wort oder einen Laut gehört haben. Und auch der Raum hat sich verändert, alle Tische sind an die Wand gerückt, eine leere Fläche liegt vor mir. Bis auf eine kleine, dunkle Holztruhe ganz in der Mitte.
    Einen Moment lang blickt er mich schweigend an, dann zieht sich tatsächlich soetwas wie ein verzerrtes Grinsen durch sein Gesicht.
    „Das wird interessant. Leg deinen Zauberstab auf einen der Tische.“ „Wie bitte? Auf gar keinen Fall.“ Das wäre ja auch noch schöner.
    „Leg ihn jetzt weg!“
    Verunsichert umklammere ich meinen Zauberstab. Sieht aus, als hätte ich gar keine andere Wahl. Es fühlt sich an, als würde ich, gleichzeitig mit meinem Zauberstab, eine Art Schutzhaut abstreifen. Wie halten es Muggel eigentlich ohne aus? Ich fühle mich so hilflos, ausgeliefert. Ich habe nicht mehr und nicht weniger als nur mich selbst, um mich zu schützen – vor was auch immer.
    „Aus Lupins Unterlagen weiß ich, dass vergangenes Jahr bereits etwas ähnliches durchgeführt wurde. Doch diesmal geht es nicht darum, sich zu wehren, sonder sich der Angst zu stellen.“ Der Angst auszuliefern, meinst du wohl. Doch auf was er hinaus will, fällt mir noch immer nicht ein.
    Ein leises, aber verdächtiges Klicken lässt mich herumschnellen.
    Der Deckel der kleinen Truhe in der Mitte des Raums hat sich geöffnet, ein Spaltbreit nur, doch das mag wohl genug sein für das, was dort drin steckt.
    Etwas wie eine kleine Wolke mit düsteren Formen und Farben sickert heraus, beginnt in der Luft umherzuwirbeln und sich umzuformen.
    Wieso bin ich nicht vorher darauf gekommen? Es ist ein Irrwicht. Mit Unbehagen erinnere ich mich an meine erste, peinliche Erfahrung mit diesen Viechern. Doch schnell ist mein Kopf wieder wie leergefegt. Ich bin mir absolut sicher, dass sich meine Angst um einiges geändert haben wird.
    Der Irrwicht nimmt immer klarere Formen an. Wie schon vor einem Jahr teilt er sich auf, in mehrere Gestalten.
    Mir bleibt fast das Herz stehen, als sich die erste Gestalt fertig gebildet hat – die erste Person. Sie liegt am Boden, die Augen geschlossen. Aber atmend, sie schläft; Sie lebt! Sie lebt, verdammt noch einmal! Wie vor mehr als drei Jahren, mit den brauenen Haaren und den Locken …
    Mit einem Schrei stürze ich nach vorne. Doch Moody handelt schnell, zu schnell für mich. Mir macht es nichts aus, dass mein Kopf wie verrückt pocht, als ich gegen sein magisches Schild pralle. Ich schreie und schlage gegen die unsichtbare Wand und versuche Moody klar zu machen, dass er mich um Gotteswillen vorbeilassen soll, muss. Natürlich passiert original gar nichts.
    Ich bin so sehr abgelenkt von der Gestalt meiner Mutter da am Boden, dass ich nur am Rande wahrnehme, wie sich weitere Gestalten bilden.
    Ich beruhige mich erst, als sich vor meinen Augen nichts neues mehr bildet.
    Alle Personen schlafen. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Es sind alles Personen, die auf die eine oder andere Weise mag, im positiven respektiere oder einfach sehr mag.
    Neben meiner Mutter liegt Draco. Draco, der auch im Schlaf nie sonderlich entspannt aussieht. Blaise, der sein Grinsen nie ablegt, Cyntiya, meine neue, verrückte Freundin.
    Ich spüre, dass sich das Schild vor mir auflöst. Doch mittlerweile bin ich wieder vollkommen klar im Kopf.
    Mit vorsichtigen Schritten nähere ich mich vorsichtig von der Seite meinem Irrwicht. Auch wenn ich nicht weiß, wo da meine größte Angst sein soll. Das ist generell eine gute Frage – passiert hier noch irgendetwas?

    71
    Ich vernehme leise Schritte hinter mir. Moody kann es nicht sein – ihn sehe ich aus den Augenwinkeln noch immer am Rande herumstehen.
    Langsam drehe ich mich um. So langsam müsste meine größte Angst hier auch mal angekommen sein.
    Ich blicke direkt in moosfarbene Augen, exakt auf der Höhe meiner eigenen. Aber … Es sind ja auch meine Augen.
    Verwirrt blinzele ich, während mein Gegenüber mich gelangeilt anblickt.
    Bei Merlins Bart, mein Irrwicht ist heute echt irritierend. Erst passiert so gut wie nichts, dann stehe ich plötzlich mir selbst gegenüber. Ich frage mich, warum ich selbst mein Irrwicht bin, neben den anderen Gestalten.
    Etwas sprachlos beobachte ich, wie ich mir einen skeptischen Blick zuwerfe, dann mit selbstsicherem Schritt an mir vorbeistolziere und schließlich meinen Zauberstab – der ja eigentlich auf einem Tisch am Rande des Klasseraums liegt – ziehe.
    Ich beeile mich, mich wieder direkt neben mich, also mein Irricht-Ich zu stellen.
    Ich glaube, eine leise Vorahnung schleicht sich in meine Gedanken, obwohl ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen kann. Nein … Das kann nicht sein.
    Ich weiß nicht, ob es an mir und meiner Angst liegt oder an einem weiterem von Moodys Zaubern, doch ich bewege mich kein Stück, während ich zuschaue, wie ich mich weiter auf die Schlafenden zubewege.
    Ich weiß, ich sollte wegschauen, doch ich kann den Blick nicht davon abwenden, wie mein Irrwicht-Ich den Zauberstab ein wenig hebt.
    Einen Augenblick bin ich geblendet, geblendet von dem grünen Lichtstrahl, gesendet von einem Abbild meiner Selbst.
    Regungslos schaue ich zu, wie meiner Mutter der Atem entweicht, Dracos Gesicht sich glättet, Blaise das Grinsen vom Gesicht stirbt und Cyntia für immer erstarrt.
    Die ganze Zeit sage ich mir, dass es nur ein Irrwicht ist, dass es nicht echt ist. Es ist nicht real. Es ist nicht real.
    Das Irrwicht-Ich gähnt ausgiebig, schaut wieder mich an. Es ist seltsam, mir selbst in die Augen zu blicken. Das Ich zuckt mit den Schultern.
    Es ist nicht real.
    Ich richte den Zauberstab gegen mich selbst, während der Echte noch immer irgendwo hinter mir herumliegt. Ich schließe die Augen und warte auf das helle Blitzen vor meinen Augen, doch nichts geschieht, natürlich nicht.
    Mein Irrwicht ist längst verschwunden.
    Es war nicht real.
    „Sehr interessant“, durchbricht Moody die dröhnende Stille im Raum, während es in mir selbst still bleibt. „Du hast also Angst, ein Mörder zu sein?“ Er überlegt einen Augenblick.
    „Nein, darum geht es gar nicht, oder? Du hast bloß Angst, deinen Geliebten etwas anzutun … Besser, du hast Angst, dass du eines Tages so sein wirst.“
    Die Bestimmtheit seiner Stimme jagt mir Angst ein.
    „Warum? Lass mich nachdenken. Ist es wegen dem dunklen Lord? Du denkst, dass er dich dazu bringen wird? Das wird ihn sicher auch interessieren.“
    Da drehe ich mich um und verlasse den Raum, ich verlasse einfach den Raum.
    Doch ich höre noch Moodys Stimme hinter mir: „Du solltest dir bewusst werden, dass jeder Mensch bloß Angst vor dem hat, was der Wahrheit entsprechen könnte …“
    Es könnte real sein ...

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    „Und was war es bei dir?“ Zögernd beiße ich mir auf die Lippe. Ob es klug wäre, genau das zu sagen, was tatsächlich geschehen ist? Nicht, dass es wirklich schlimm wäre, aber irgendwie ist meine Angst vor mir selbst so persönlich, dass ich sie eigentlich niemandem anvertrauen würde. Auch nicht meiner engen Freundin Linda, die mich eben gerade neugierig ansieht.
    „Meine Freunde und Familie, wie sie sterben“, lüge ich ruhig. „Ich denke nicht, dass das sehr besonders ist. Wahrscheinlich eine der häufigsten Irrwichte, oder?“
    „Bei mir war es einfach ein Haufen gesichtsloser Leichen“, quatscht Linda fröhlich vor sich hin, „Wie kann man Leichen nicht ekelig finden? So kalt und steif und so tot …“ „Tote Leichen, da erzählst du echt was Interessantes“, spotte ich. „Du weißt nicht zufällig, was die anderen so hatten?“ Ich lasse den Blick durch meinen Gemeinschaftsraum streichen, ganz von selbst auf der Suche nach blondem Haar.
    „Du meinst, ob ich weiß, was Dracos Irrwicht ist?“ Verlegen wende ich mich ab. Ihr Lächeln verwandelt sich in ein Grinsen. „Nein, weiß ich nicht. Mach dir auch lieber nicht allzu viele Hoffnungen, das überhaupt je zu erfahren. Ich meine, er ist Draco Malfoy und-“ Sie verstummt plötzlich. Schlagartig klingt sie um Welten ernster. „Oder meintest du nicht vielleicht doch Blaise?“ Überrascht runzele ich die Stirn. „Wie bitte, was?“ „Naja …“ Linda zögert. „Ich will ja nichts Falsches sagen, aber, nun ja, ihr versteht euch ja echt … gut ...“ „Und?“, unterbreche ich meine Freundin gereizt. „Darf man in dieser Schule etwa keine Freunde haben?“ Dass Mädchen aber auch überall immer so voreilige Schlüsse ziehen müssen! „Naja“, sagt Linda erneut, „Ich, also ich selber, denke mir ja auch nichts dabei, aber – und bitte reg dich jetzt nicht wieder so auf – aber du solltest vielleicht aufpassen, dass du dir nicht die Sache mit Draco verspielst.“ Empört starre ich sie an. „Was soll das denn wieder heißen? Du benimmst dich als wären wir schon 50 und müssten achtgeben, dass uns die Menschen in unserem Leben nicht mehr weglaufen, weil wir sonst niemanden mehr kennenlernen! Und überhaupt, ich soll mich nicht so aufregen?“ Linda seufzt und ich lehne mich in meinem Sessel wieder zurück. „Du bist ja nicht gerade bekannt für deine Sanftmütigkeit“, antwortet sie schulterzuckend, „Ich wollte ja nur sichergehen.“
    „Bin ich überhaupt bekannt für irgendetwas?“, gebe ich zurück. „Hier zumindest ein bisschen als das Schlammblut, das trotzdem nach Slytherin kam. Und irgendwie auch ein wenig bekannt für Draco.“ Ich seufze resigniert. „Das hört sich richtig toll an, wirklich. Bin ich- Was ist denn?“ Mit leicht abgeschweiftem Blick schaut Linda an mir vorbei. Sie schüttelt den Kopf und grinst. „Geh lieber hin, bevor er da noch länger herum steht.“ Auch ich drehe mich um. Auf der anderen Seite des wie immer grün schimmernden Gemeinschaftsraums lehnt Draco direkt neben dem Ausgang an der Wand und mustert uns ausdruckslos.
    „Was tut er da?“, frage ich, die Stimme gesenkt. „So wirklich weiß ich es auch nicht. Auf jeden Fall steht er da schon ein paar Minütchen länger. Aber ich dachte … Du weißt schon, wie er eben manchmal einfach in Gedanken versunken herum steht oder sitzt, wie auch immer, jedenfalls schaut er aber die ganze Zeit zu uns herüber. Oder besser gesagt zu dir, wahrscheinlich. Erst jetzt ist mir die Idee gekommen, dass er vielleicht auf dich wartet.“
    Ich werfe Linda einen schnellen Blick zu. „Meinst du?“ Sie nickt amüsiert. „Ihr zwei seid ja manchmal echt speziell.“ Draco fixiert mich noch einen Moment intensiv mit seinem Blick, dann verlässt er beinahe fluchtartig den Gemeinschaftsraum.
    Ich wende mich wieder an Linda. „Ein Gryffindor ist er definitiv nicht. Er traut sich ja nicht einmal, mich anzusprechen, wenn er mal wieder irgendwo ein Problem hat.“ Linda grinst. „Du ja auch nicht.“
    Ich strecke mich gähnend. „Weißt du Linda, ich spiele mit dem Gedanken, einfach hier sitzen zu bleiben und-“ „Wag es ja nicht!“, unterbricht sie mich belustigt. „Schon gut.“
    Ich seufze, stehe aber auf und folge Draco auf den Gang hinaus.

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    Er wartet tatsächlich auf mich. Ohne etwas zu sagen stolziert er vor mir her den Gang hinunter. Ich muss mich beinahe anstrengen, Schritt zu halten. Ich bin nicht besonders klein, aber Draco hatte schon immer lange Beine.
    Ich frage mich gerade, warum ich jetzt gerade, nach einem anstrengenden Schultag in der Dämmerung etwas noch viel anstrengenderem nachgehe; nämlich Draco hinterherrennen, ohne zu wissen, was er will.
    Ich bin drauf und dran, wieder umzukehren, als er dann doch endlich haltmacht und einen der weniger Zaubertrankklassenräume mit dem Zauberstab öffnet.
    Erst als ich eintrete und mein Blick über die verstaubten Tische und Bänke schweift, die durch die hoch liegenden Fenster nur fahl und blass beleuchtet werden, fällt mir ein, dass dies der Raum ist, in dem Draco mich vor etwas weniger als einem Jahr geküsst hat, kurz, bevor Snape und sein Vater dazustießen … Keine sonderlich schöne Erinnerung. Nun, teilweise ja doch.
    „Was willst du?“, frage ich ziemlich barsch. Scheinbar lässig blinzelt Draco und neigt den Kopf leicht zur Seite. „Ich habe dich nicht gezwungen, her zu kommen.“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Seine ziemlich indirekte Anweisung, mit ihm mitzukommen, hätte ich leichter ignorieren können als alles andere.
    „Aber es war deine Idee“, antworte ich gereizt, „Dann wirst du doch auch freiwillig sagen können, warum, wenn wir denn schon mal hier allein sind.“
    Draco atmet scharf ein.
    Ich...“, er zögert. Ich ringe darum, ernst zu bleiben. Es ist zu lustig, wie Draco mit den Worten kämpft, als würden sie ihn erdrücken.
    „Das vielleicht …“ Komm zum Punkt, denke ich belustigt. „Vor ein paar Tagen hast du wenigstens versucht mir … zu helfen. Später dann…“ Er seufzt ergeben. „Du kennst mich. Du weißt ...“
    Ich meine zu wissen, worauf er hinaus will. „Ja.“ Ich hoffe, er bemerkt den belustigten Unterton in meiner Stimme nicht. „Wenn du Stress hast oder schlecht drauf bist, zeigst du das ziemlich deutlich. Oder, wenn man es direkt sagen will, du bist ein Meister darin, deine Frust an anderen auszulassen.“
    Draco verzieht das Gesicht. „Ich weiß.“ „Also“, dränge ich, „Was wolltest du eben sagen?“
    „Auch wenn diese in der heutigen Welt meist nichts als leere Worte sind“, sagt er gedehnt, „Würde es reichen, wenn ich mich entschuldige?“
    Ich blinzele überrascht. Einmal, zweimal, dreimal, doch Draco verschwindet nicht und ich wache aus keinem Traum auf.
    „Meinst … Meinst du das ernst?“, versichere ich mich zögernd. Draco Malfoy hat mich soeben tatsächlich um Entschuldigung gebeten.
    „Würde ich es sonst sagen?“, blafft er. Dass er auch sonst sehr oft Dinge von sich gibt, die nicht gerade im ernsten Bereich liegen, verschweige ich lieber.
    „Ja, ich meine es Ernst, verdammt. Musst du immer so kompliziert sein?“ Fast hätte ich laut aufgelacht. „Bei dir kann man sich nie sicher sein. Und wer hier kompliziert ist, darüber lässt sich streiten.“
    „Wie dem auch sei“, fährt Draco hastig fort, „Geht es?“
    Ich kann nur nicken. Zum wahrscheinlich ersten Mal verstehe ich die Redewendung mit den Schmetterlingen im Bauch. Es kribbelt, als hätte ich tatsächlich ein paar lebende Exemplare dieser Tiere verschluckt. Doch das ist nicht alles, selbst mein Blut fühlt sich an, als flösse es nicht länger durch meine Adern, viel eher, als würde es regelrecht hüpfen.
    Ein Glück, dass Draco vermutlich nicht genug Empathie besitzt um zu bemerken, wie glücklich er mich gerade gemacht hat.

    74

    Einen Augenblick verweile ich noch in meiner dezent lächerlichen Glückseligkeit, bis mir ein anderer Gedanke kommt.
    „Und du hast mich gerade wirklich durch das halbe Schloss geschleppt, nur um ein paar Sätze zu sagen?“
    Draco seufzt sehr Malfoy-untypisch tief.
    „Zunächst“, sagt er und klingt eine Spur verärgert, „Haben wir nicht einmal die Kerker verlassen, von einem halben Schloss ist kaum die Rede. Geschleppt, wie du es ausdrückst, habe ich dich schon gar nicht. Es stand dir sehr frei, mir zu folgen. Und ob es dir für ein 'paar Sätze' wert war, bleibt schlussendlich dir überlassen.“
    Müde fahre ich durch meine Haare. „Schon gut. Nimm nicht immer alles so ernst. Und ja, wenn du auf eine Antwort bestehst, das war es mir schon wert. Ihr Malfoys müsst aber auch aus allem ein riesen Event machen, oder?“
    Draco lässt sich auf einem der Tische nieder und schlägt lässig ein Bein über, ehe er an mich gewandt zynisch eine Augenbraue hebt. „Nun, immerhin können wir es uns leisten. Wäre doch eine reine Verschwendung, wenn wir es nicht täten, oder?“
    Ich setze mich neben ihn, vorsichtshalber lasse ich ein paar Handbreit Abstand zwischen uns, obwohl ich mich gerne an seine Schulter lehnen würde. Ich unterdrücke ein Gähnen.
    „Du bist müde.“ Es ist eine Feststellung, keine Frage. Ich schüttele den Kopf. „Nein.“
    Ein amüsierter Ausdruck legt sich über Dracos Gesicht. „Das sagst du immer.“ Ich mustere ihn skeptisch. Es ist nicht so, dass er mich oft fragt, ob ich müde bin, dementsprechend wenig kann ich darauf geantwortet haben. Auch Draco scheint das zu bemerken. Er sieht beinahe verlegen aus, aber bloß beinahe. „Mach dir nichts draus“, sage ich belustigt, „Ich habe auch oft nichts Besseres zu tun als dich beobachten.“ „Das ist ziemlich hart ausgedrückt.“ „Wie würdest du es denn formulieren?“ Draco zuckt bloß mit den Schultern. Dann bedenkt er mich mit einem reichlich sauren Blick. „Was ist denn?“, frage ich, möglichst unschuldig. Draco stöhnt auf. „Dass du mich immer in solche Situationen bringst – Wenn ich könnte, würde ich dich dafür manchmal echt töten.“ „Das ist aber ziemlich hart ausgedrückt.“ Ich muss zugeben, dass es wirklich Spaß macht, Draco ab und zu ein wenig zu ärgern. Ab und zu ein wenig.
    „Wenn du könntest?“, frage ich weiter, nachdem er das vorherige bloß mit einem Schweigen quittiert hat. „Hast du es denn schon mal versucht?“
    Er legt den Kopf in den Nacken und schaut mich schräg von der Seite an. „Ich bin es ja nicht, der dafür ist, illegale Flüche für zweifelhaft gute Zwecke zu nutzen.“
    Es ist eine Anspielung auf meine Überlegung über die Verwendung des Imperius-Fluchs aus der Stunde mit Moody. „Hast du es denn versucht?“, fragt Draco, wobei die Betonung auf dem Du liegt.
    Zweifelnd blicke ich ihm in die Augen. Meint er die Frage ernst? Entweder, er ist ein sehr guter Schauspieler, oder- „Das meinst du nicht ernst.“ Ich hoffe, dass er es genauso abstreitet wie ich vorhin, als er meinte, ich sei müde.

    75
    Draco fährt sich durch die Haare, bevor ihm einfällt, dass er Draco Malfoy ist und sowas eigentlich nicht macht. Er lässt die Hand sinken. „Bei dir sollte man lieber sicher gehen.“
    Ich schlucke. „Du meinst- Du meinst, ich würde einfach so …“ Mit einem Mal wird mir bewusst, dass Draco, ob es mir nun passt oder nicht, in gewissem Sinne Recht hat. Erneut denke ich an die Stunde Verteidigung der dunklen Künste und meinen Irrwicht.
    'Du solltest dir bewusst werden, dass jeder Mensch bloß Angst vor dem hat, was der Wahrheit entsprechen könnte …'
    „Nein“, erwidert Draco, und ich höre, dass er lügt. „Ich meine, es ist bloß die Tatsache, dass-“ „Schon gut“, unterbreche ich ihn. Ich will Draco nicht zwingen, fälschlicherweise höflich sein zu müssen.
    Ich will gerade aufstehen, doch er hält mich am Arm zurück. „Nein.“ Er klingt bestimmt. „Hör mir zu.“ Zögernd setze ich wieder neben ihn. Seine blassen Augen wirken dunkler als sonst, aber das könnte auch an dem fahlen Licht liegen.
    „Ich will erklären, warum ich das gesagt habe.“ „Tu das.“
    Draco atmet tief durch. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn je so ruhig und neutral erlebt habe.
    „Wir sollten – zumindest unter uns – kein Geheimnis daraus machen, dass du vorhast, dich Du-weißt-schon-wem anzuschließen.“
    Überrascht starre ich ihn an. Wie kommt er denn jetzt darauf zu sprechen.
    „Ich weiß“, fährt Draco unbeirrt fort, „Dass viele seiner … jüngeren Anhänger oft sehr früh angefangen haben, zu … üben. Und wenn der Entschluss so fest steht wie bei dir …“
    Ich muss etwas sagen, ich muss unbedingt irgendetwas dazu sagen, mich irgendwie vernünftig äußern.
    „Mag sein, dass du mehr weißt über den Krieg damals und so. Aber im eigentlichen Sinne, weißt du, wie 'böse' man als Todesser wirklich ist?“ Draco verzieht das Gesicht bei dem Wort. „Vielleicht sind … Voldemort und so eben auch nur wie Potter und Dumbledore und wer weiß noch alles. Jeder hat seine speziellen Ideale von einem Leben und lebt diese natürlich aus. Vielleicht ist der Krieg nur deshalb entstanden, weil es zwei verschiedene Grundmeinungen gab und aufeinandergetroffen sind und nicht weil einer der Beiden 'böse' und die andere 'gut' war.“ Draco blickt noch immer sehr skeptisch drein. „Weißt du, vielleicht ein wenig so wie … wie wir. Wir haben beide manchmal zwei ganz schön spezielle Meinungen und dann endet das meistens auch ein wenig … speziell. Zwar ist es eigentlich so, dass wir uns im Grunde ja gegenseitig mögen – was ich zumindest hoffe – und das kann man von Potter und Voldemort zwar nicht sagen, aber… - Ach, du weißt schon, was ich meine! Oder?“ Ich schnappe nach Luft. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich immer schneller gesprochen habe.
    Draco schaut schweigend vor sich in die endgültig aufgekommene Düsternis. „Ich glaube“, sagt er schließlich, „Ich weiß besser als du denkst, wie das im Krieg ungefähr war. Bessergesagt, dass ich mehr weiß, als mir eigentlich zusteht.“
    Ich sage lieber gar nichts. Besser, als etwas Falsches.
    „Das mag absurd klingen, aber du musst wissen, ich … Ich lese gerne. Schon immer.“ Perplex richte ich mich auf. Draco starrt immenroch vor sich hin. „Das ist … schön“, erwidere ich zögernd, „Aber was hat das mit dem Thema zu tun?“
    „Du kannst dir sicherlich denken, dass ich früher, in der Zeit vor Hogwarts nicht gerade oft viel Gesellschaft hatte.“ Wohl kaum. Ich nicke, obwohl ich nicht weiß, ob Draco das wahrnimmt.
    „Mein Vater war im Ministerium und meine Mutter … Du weißt, Malfoy Manor ist ein wenig über dem üblichen Standard, da läuft man sich nicht unbedingt über den Weg. Und … das einzige, was damals irgendwie ein wenig das Alleinsein vertrieben hat, waren Bücher.“ Ich wage es kaum zu atmen, denn mir ist absolut bewusst, dass Draco gerade wahrscheinlich einen ziemlich großen Teil von sich offenbart.
    „Als ich etwa“, er zögert, „Sieben Jahre alt war …“
    So sehr ich es auch versuche, ich kann mir Draco nicht als kleinen Jungen vorstellen. Er spricht weiter, noch ein wenig langsamer jetzt.
    „Als ich etwa sieben war, habe ich in einem Buch aus dem Arbeitszimmer meines Vaters etwas von Voldemort gelesen. Öfter. Eigentlich durfte ich dort nicht sein …“ Dracos Stimme klingt nun verbittert. „Als ich ihn – meinen Vater – am Abend einmal angetroffen habe, war ich so dumm, ihn nach Voldemort zu fragen.“ Draco stockt, und mir läuft ein Schauer über den Rücken. „Er hat- Mein Vater war … Sagen wir, er war nicht sonderlich angetan davon.
    Obwohl ich Angst vor ihm hatte-“ Draco wirft mir einen unsicheren Blick zu. Ich versuche, aufmunternd zu nicken. „… hat mich das noch neugieriger gemacht. Heute frage ich mich, weshalb Vater seine Räume nach dem nicht immer verschlossen hat, magisch. Wahrscheinlich war er so von sich überzeugt und überzeugt davon, mich … ausreichend eingeschüchtert zu haben, dass es ihn nicht weiter kümmerte. Ich drang also immer weiter ein in die Akten und Papierstapel meines Vaters bis ich etwas gefunden hatte. Eine Akte, die schon einige Jahre hinter sich hatte… Du weißt, dass mein Vater Anhänger von Du-weißt-schon-wem ist … war …. wie auch immer. In der Akte war alles zusammengefasst, was er … getan hatte, aufgrund des Todesserdaseins. Es gibt schlimmeres, aber ich war ein Kind. Und es hat mir nicht gut getan, als ich heruasgefunden habe, dass Vater … sechsfacher Mörder ist und um die 100 Menschen gefoltert hat. Ich teile seine Ansichten über Rein- und Schlammblüter, aber so etwas würde ich nicht wagen. Schon einmal etwas von der Faszination des Grauens gehört?“ Ich schüttele den Kopf, doch Draco beachtet mich gar nicht.
    „Ich wollte es nicht lesen, doch ich konnte nicht wegsehen. Ich war so neugierig als Kind … zu neugierig. Ich verlor mich ein wenig in der Zeit und habe nach mehr Informationen gesucht.“ Draco lacht kalt. „Der kleine Junge, der ich damals war, hat nicht mitbekommen, als sein Vater zurückgekommen ist.“
    Instinktiv greife ich nach seiner Hand. Sie ist eiskalt. Draco zuckt zusammen, als hätte er vergessen, dass noch jemand anwesend ist. Vermutlich hat er sich so in Rage geredet, dass es ihm tatsächlich ein wenig entglitten ist.
    „Jedenfalls war ich danach nie wieder auch eine Spur neugierig. Nur, damit du siehst, was es heißt, Todesser zu sein.“
    „Draco …“ sage ich schwach. Sein Blick nimmt leicht gehetzte Züge an. Vermutlich wird ihm erst jetzt klar, wie viel er gerade erzählt hat, wie viel er von sich preisgegeben hat mir gegenüber. Und ich will auf keinen Fall, dass er das bereut. Fragt sich nur, wie ich das anstellen will, meistens besitze ich ebenso wenig Empathie wie Draco selbst.

    76
    „Draco …“ wiederhole ich ein wenig hilflos. „Ich bin ja wirklich schlecht in Mitgefühl haben und diesem ganzen anderen Zeug, aber-“ „Ich brauche dein falsches Mitleid nicht.“ „Bekommst du auch nicht. Ich habe keine falsches Mitleid für dich sondern echtes. Ich wünschte, du hättest mir das gar nicht erzählen können weil dir das nie passiert wäre.“ Draco schweigt und auch ich weiß auch nicht, was man sagen könnte.
    Mir fällt auf, dass ich seine Hand noch nicht losgelassen habe. Nachdenklich streiche ich mit dem Daumen über seinen Handrücken. Manchmal ist es wirklich schwierig, einen Draco Malfoy zu verstehen.
    „Bereust du, mir das einfach so erzählt zu haben?“ Draco zeigt keine Regung, dann, langsam, schüttelt er den Kopf. „Und du? Bereust du, hier rumgesessen zu haben und dich vollgetextet haben zu lassen?“
    „Du hast mich nicht vollgetextet, Draco. Eigentlich … höre ich dir ganz gerne zu. Nur dass es ziemlich selten vorkommt, dass du überhaupt mit mir redest.“
    „Es ist nicht gerade immer einfach, sich mit dir zu unterhalten.“ Er flucht plötzlich. „Ist dir eigentlich klar, wie spät es mittlerweile sein muss?“
    Ich zucke mit den Schultern. „Wahrscheinlich müssten wir eigentlich im Gemeinschaftsraum sein. Warum?“ Draco sieht mich an, als sei ich völlig übergeschnappt. „Wir bekommen beide Ärger, wenn sie mitbekommen, dass wir noch hier sind.“ „Du übertreibst.“ Ich verdrehe die Augen. „Wenn's dich beruhigt übernehme ich die Verantwortung und so.“
    Draco wirkt nicht viel entspannter, aber er sagt nichts mehr.
    „Layla …?“ „Was?“
    Draco scheint zu zögern. Ich kann die unterdrückte Unruhe quasi spüren.
    „Du… Du hast doch nicht vor, irgendwem von dieser Unterredung zu berichten, oder?“
    Diese Unterredung. Ich muss mir ein Grinsen verkneifen; Mit einem Malfoy werde ich wohl nie wirklich normal reden können.
    „Doch Draco“, antworte ich ernst. „Erst werde ich allen aus meinem Schlafsaal jedes Detail erzählen, Pansy ganz besonders ausführlich natürlich. Dann werde ich die ganze schöne Geschichte noch einmal auf das Quidditchfeld schreiben lassen, am besten von den Hauselfen, damit die auch noch bescheid wissen. Währenddessen gehe ich zu Dumbledore und informiere ich darüber und zu guter Letzt werde ich noch Filch unter die Nase reiben, was wir für Regeln gebrochen haben. Himmel Draco, meinst du nicht, du übertreibst ein wenig? Wem sollte ich das schon erzählen? Und Warum?“
    Draco schweigt, wie so oft.
    Erneut frage ich mich, was Dracos Irrwicht ist. Und da mir kein anderer Weg einfällt, auch nur die Chance zu bekommen das herauszufinden, mache ich es auf die einfache Art.
    „Draco … Ich weiß, du hast es nicht so mit der Neugierde, aber es gäbe da etwas, was mich gerade wirklich sehr interssiert.“ Draco schaut mich abwartend an, bleibt aber bei seinem Schweigen.
    „Heute … die Stunde bei Moody. Ich-“ „Du willst wissen, was mein Irrwicht war.“ Okay, das hätte ich eleganter hinbekommen können. So aber kann ich nur leicht widerwillig zustimmen.
    Einen Moment sagt Draco noch immer nichts. Dann grinst er mit einem Mal und ein spöttisches Funkeln tritt in seine Augen. „Was war denn deiner?“ Ich weiß, dass ist eine Anspielung auf meinen Irrwicht vom letzten Jahr und ich kann nicht verhindern, dass meine Wangen anfangen zu glühen.
    „Nicht so wie du denkst“, sage ich hastig. „Es hat sich ziemlich verändet.“
    Kann ich Draco wirklich sagen, dass mein Irrwicht-Ich ihn getötet hat? Vielleicht sollte ich es ihm schonend beibringen.

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    „Es … klingt vielleicht komisch, aber ich … mein Irrwicht war … Ich selbst.“
    Draco zieht spöttisch die Augenbrauen hoch. „Ich habe ja schonmal von Selbsthass gehört, aber“, er lacht leise, „Meinst du nicht, dass DU hier ein wenig übertreibst?“
    Ich seufze. Irgendwie ist das kompliziert. „Ich … wie das Ich … eine andere Seite von mir sozusagen. Ich habe -also der Irrwicht hat! - Leute … Menschen, die mir nahstehen, die ich … liebe … getötet.“
    Ein klein wenig ängstlich schaue ich auf. Zu meiner Überraschung ist Draco völlig ruhig. „War ich dabei?“, fragt er ohne ein Beben in der Stimme. Ich nicke vorsichtig. Er legt den Kopf zurück und scheint nachzudenken. Dann lächelt er.
    „Das ist gut.“ Ich blinzele überrascht. Wie das jetzt? „Wenn du so große Angst davor hast, mich zu töten,“ beginnt Draco zu erklären, „Wirst du es wohl auch nie tun.“
    Draco grinst selbstsicher. Ein, zwei Sekunden denke ich nocheinmal über das Gesagte nach.
    „Ich hoffe, das war dir vorher auch schon klar!“, fauche ich ungehalten. Ungerührt zuckt Draco mit den Schultern.
    „Gut“, Ich verschränke die Arme vor der Brust, „Dann bist du jetzt an der Reihe.“
    Das Grinsen verschwindet schlagartig aus seinem Gesicht.
    „Moody hat sich daran regelrecht gelabt. Er hat es sichtlich genossen, mich in dieser Situation zu sehen.“ Dracos Stimme schlägt wieder in diesen hässliche, verbitterten Ton um.
    „Du wirst dich vermutlich ebenso lustig machen über mich, wie er es getan hat.“ Das wage ich zu bezweifeln, doch ich sage nichts, aus Angst, Draco würde es sich anders überlegen und sich wieder völlig zurückziehen.
    „Ich weiß nicht genau, was es war. Bloß irgedeins von den vielen Dingen, die ich nicht so erreichen kann, wie Vater es gerne haben will. Es … Meine größte Angst ist es, ihn zu enttäuschen. Es ist nicht die Tatsache, dass Vater es für angemessen hält, mir, auf welchem Wege es gerade passt, Schmerzen zuzufügen, nicht nur zumindest. Laut wird er selten, nur wenn er ein wenig getrunken hat. Aber das passiert nicht sehr oft. Es ist mehr die Abscheu in seiner Stimme, diese Verachtung, und das Wissen … das Wissen wieder versagt zu haben, ein weiteres Ziel nie erreicht zu haben und wieder einem Menschen nicht gut genug sein zu können.“
    Wenn ich einmal gedacht hatte, Dracos Vater nicht noch mehr verabscheuen zu können, hat sich das jetzt definitiv geändert. Plötzlich dringt noch etwas anderes zu mir durch.
    Erschrocken blicke ich zu Draco auf.
    „Habe ich das richtig verstanden, dass Moody zugelassen hat, dass dich der Irrwicht … naja, sozusagen angegriffen hat?“
    „Er hat mich geschlagen, und Moody hat es zugelassen, ja.“
    „Tut mir Leid, Draco“, knurre ich zwischen zusammengepressten Zähnen hindurch, „Ich weiß du hast was dagegen, wenn jemand etwas gegen Mitglieder des Hause Malfoy sagt, aber ich kann deinen Vater echt nicht ausstehen. Und das ist noch sehr nett und freundlich ausgedrückt!“
    Draco schaut mich erschrocken an. „So darfst du das nicht sehen!“, erwidert er heftig. „Immerhin bleibt er …“ Er zögert. „…Mein Vater. Es ist ja nicht so, als würde er sein ganzes Leben damit verbringen.“ Ich bin immer noch wütend. „Ich bin deinem Vater ja auch sehr dankbar dass es dich gibt und so, aber das ändert nichts daran dass er-“ Die Dinge, die ich wirklich denke, sollten Draco besser nicht zu Ohren kommen.
    „Was hast du gerade gesagt?“, fragt Draco aprupt. „Was meinst du? Ich hab gerade jede Menge gesagt. Wenn du meinst, dass ich gerade etwas gegen deinen Vater sagen wollte, dann-“ „Nein“, unterbricht er mich, „Nein, das davor.“ „Das davor?“ Ich bin verwirrt, es gibt sehr viele Dinge die ich davor gesagt habe.
    „Du bist DANKBAR dass es mich GIBT?“ So im Nachhinein, wenn Draco es sagt, hört sich das tatsächlich ziemlich dumm an. Verlegen lege ich den Kopf schief. „Das habe ich wohl so gesagt, ja.“ „Wie meinst du das?“, fragt Draco weiter nach. Jetzt nun doch leicht verärgert ruzele ich die Stirn. „Wie soll ich das schon gemeint haben? Ich bin halt froh, dass du da bist. Mit wem sollte ich sonst mitten in der Nacht in einem Kerker herumsitzen und vor allem, mit wem sollte ich mich sonst streiten? Was ist so schwer daran zu verstehen?“ Draco schüttelt den Kopf. „Schon gut. Wo waren wir?“ „Bei den Irrwichtern“, erinnere ich ihn. Draco seufzt. „Tja. Jetzt weißt du es.“
    Ja, jetzt weiß ich es. Aber ob mich das glücklicher macht, bleibt eine andere Frage.
    „Tut mir Leid“, murmele ich leise. „Vielleicht hätte ich nicht so fragen sollen.“
    „Nein … Es…“, Draco zögert sichtlich. „Ich sage das ja nicht gern, aber es war überraschend erleichternd, einfach … so alles zu erzählen.“
    Obwohl ich mir unbedingt vorgenommen hatte, das nicht zu tun, kann ich nicht umhin, mich einfach an ihn zu kuscheln. „Daran könnte ich mich gewöhnen“, flüstere ich müde, „Mit dir ganz normal zu reden.“

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    Etwas unschlüssig sitze ich auf meinem Bett. Vor bereits einer halben Stunde haben Draco und ich uns leise auf den Weg zurück in die Schlafsäle gemacht, doch ich kann mich nicht durchringen, mich schließlich hinzulegen und einfach schlafen zu gehen. Doch es ist nicht schlicht die Tatsache, dass ich keine Lust auf Schlafen habe, aber … Ja, was eigentlich? Ein unruhiges Gefühl nagt an mir. Erneut muss ich an die Stunde mit Moody zurückdenken. Er meinte, er würde Voldemort über meinen Irrwicht informieren, wie auch immer er das anstellen will. Eine schnelle Eule wird er ihm sicherlich nicht geschickt haben.
    Vielleicht kenne ich Voldemort nicht wirklich gut, aber dass er nicht gerade angetan sein wird von der Tatsache, dass ich Angst vor mir selbst habe, mordend, ist, kann ich mir vorstellen. Immerhin ist das indirekt die Angst, mich ihm voll und ganz anzuschließen.
    Allerdings, wenn ich es noch länger aufschiebe, Voldemort womöglich im Schlaf zu begegnen, wird ihn das auch nicht gerade milde stimmen. Trotzdem beunruhigt mich die Vorstellung, wie viel Macht er über mich hat.
    Schließlich lege ich mich doch hin. So oder so, irgendwann werde ich schlafen müssen, also kann ich das auch jetzt tun.
    ~
    Als ich mich gemeinsam mich Crabbe und Goyle zum Tisch der Slytherins begeben will, um zu frühstücken, steht auf einmal Blaise hinter mir.
    „Hey Draco, hast du Layla gesehen?“ Ich bleibe stehen und verschränke die Arme.
    „Dir auch einen guten Morgen Blaise.“ Er verdreht die Augen. „Und nein, sie ist mir bis jetzt nicht über den Weg gelaufen. Allerdings bin ich auch erst jetzt gekommen. Wieso fragst du?“ „Weil ich sie auch noch nicht gesehen habe“, antwortet Blaise schulterzuckend. „Naja. Welches Fach haben wir jetzt gleich eigentlich? Zauberkunst, oder?“ Ich nicke. „Du solltest etwas daran arbeiten, unseren Stundenplan in deinem Kopf zu behalten, anstatt dich an meinem zu bedienen, Blaise.“

    Wie immer muss unser Kurs nicht lange warten, bis Professor Flitwick im Gang erscheint und uns in den Klassenraum lässt.
    Mittlerweile frage auch ich mich, was Layla verhindert. Ich bin nicht in Stimmung, erneut ihre schlechte Laune ertragenen zu müssen – und wenn sie nicht zum Zauberkunstunterricht erscheint, muss das einen ehrlichen Grund haben. Layla versteht sich ungewöhnlich gut mit dem aus meiner Sicht doch sehr fragwürdiger kleiner Professor für Zauberkunst.

    79
    Ohne viel Motivation suche ich mir einen Platz relativ weit hinten, um auf Layla zu warten. Wenn sie kommt, will ich wissen wieso so spät. Ich gebe es nicht gerne zu, aber ich bin neugierig.
    Was hinzukommt: Zauberkunst ist und war auch noch nie das interessanteste Fach. Etwas Ablenkung durch Layla ziehe ich definitiv der stumpfen Anwesenheit von Crabbe und Goyle vor.
    Es vergehen zehn weitere Minuten, in denen Flitwick einen neuen Zauber vorführt, uns dann anweist, es selbst zu versuchen – ein Kissen von sich weg durch den Raum wenn möglich in eine bereit gestellte Kiste fliegen zu lassen – bis Layla schließlich doch noch erscheint.
    Es wundert mich in keinster Weise, dass Flitwick nur wenig verärgert scheint und sie nicht zurecht weist – sondern nur einen guten Morgen wünscht und sagt, Layla solle sich setzen, wo Platz ist.
    Abwartend beobachte ich sie. Ihr suchender Blick streift durch den Kurs, findet mich, und kommt zu mir herüber geschlendert.
    „Hi.“ Layla gähnt und setzt sich zu mir. „Habe ich viel verpasst?“
    Leicht amüsiert antworte ich: „Nein. Und wenn du drei Jahre schlafen würdest, hier würdest du nichts verpassen.“
    Zufrieden sehe ich, wie Layla grinst. Sie scheint gute Laune zu haben.
    „Ich finde das Fach eigentlich ganz in Ordnung“ erwidert sie, „Es ist nicht so stressig und Flitwick ist irgendwie entspannter als die anderen Lehrer. Aber ich schätze mal, gerade das ist es, was dir nicht ganz passt?“
    Abgelenkt rollt sie ihren Zauberstab über den Tisch hin und her, bis kleine grau-braune Wölkchen kreisend herauspuffen.
    „Du bist doch so ein Ordnungsmensch.“ „Kann man wohl so sagen“, antworte ich belustigt. Layla seufzt. „Ich wünschte, ich bekäme das so gut hin wie du.“ Sie streicht sich eine Haarsträne hinter das Ohr. „Ich bin das Chaos in Person.“
    Fast bin ich versucht, Layla zu sagen, wie ich mir im Gegenzug wünsche, manchmal genauso entspannt sein zu können wie sie, belasse es dann aber dabei, nur zu nicken.
    Ich erkläre knapp, was wir in der Viertelstunde Laylas Abwesenheit gemacht haben, bis ich mich wieder daran erinnere, was ich eigentlich vorhatte siezu fragen.
    „Wo warst du bis gerade eigentlich?“, will ich wissen, „Was hast du gemacht?“
    Layla wirft mir einen spöttischen Blick zu. „Hast du dir etwa Sorgen gemacht?“, fragt sie ironisch.
    „Nein“, antworte ich ruhig, „Ich würde es nur gerne wissen.“ Layla verdreht die Augen. „Schon klar. Ich weiß schon, du musst immer über alles bescheid wissen.“ Sie grinst mich an. „Aber so spektakulär ist es gar nicht. Ich habe nur noch geschlafen.“
    Die Antwort überrascht mich. Nicht, dass es Layla nicht zuzutrauen wäre, zu verschlafen. Ich frage mich nur, ob sie von niemandem aus ihrem Schlafsaal geweckt wurde, als es Zeit war, wenn sie verschlafen hätte. Oder warum sie von dem allmorgendlichen Lärm nicht geweckt wurde, oder von dem Licht.
    Als ich Layla frage, schüttelt sie belustigt den Kopf.
    „Mich wecken? Draco, ich glaube, du hast noch nie versucht mich zu wecken. Ich glaube, das willst du auch nicht.“ Sie lacht leise. „Ich war müde, und wenn ich müde bin, habe ich schlechte Laune und dann muss ich schlafen, so ist das.“
    „Gestern … abend“, sage ich vorsichtig, „Warst du auch ziemlich verschlafen. Du hattest trotzdem ziemlich gute Laune, falls du dich erinnerst.“
    Layla schüttelt den Kopf. „Verschlafen ist etwas ganz anderes als müde sein.“
    Sie betrachtet eingehend ihre Hände. „Glaub mir, da IST ein Unterschied“, fügt sie augenzwinkernd hinzu.
    „Und warum warst du so müde?“, will ich weiter wissen, „Das bist du doch sonst auch nicht.“
    Layla lehnt sich abwehrend zurück. „Ist das ein Verhör? Falls du es nicht weißt, ich hatte gestern Nacht ein kleines Treffen mit so einem Typen, irgendwo in den Kellern und wir saßen da die halbe Nacht rum, da ist man natürlich nicht müde am nächsten Tag.“ Sie spricht die Worte fast in ernsthaftem Ton aus, doch ihre Augen glimmen belustigt. „Und danach konnte ich auch nicht schlafen. Mein Bett im Schlafsaal steht so, dass immer der Mond hin scheint. Das hat mich abgelenkt.“ Layla blickt sich kurz um, und fügt dann leiser hinzu: „Lass uns mal anfangen, diesen Zauber hier zu üben. Flitwick schaut schon zu uns rüber.“
    Nachdenklich beobachte ich Layla, während sie ein Kissen durch das Zimmer schickt.
    Ich weiß nicht, ob es an den Wolken lag oder an etwas anderem, aber als ich in meinen Schlafsaal zurückgekehrt war, war es noch düsterer als sonst. Ich habe kaum mein Bett gefunden.
    Woran es auch lag – gestern Nacht gab es später jedenfalls keinen Mond.

    80
    ~
    Einige Tage später kommt Linda in einer der Pausen auf mich zu und fragt: „Miley hat mir erzählt dass du bald Geburtstag hast? Das wusste ich gar nicht“ fügt sie verwundert hinzu.
    „Jetzt weißt du es“, antwortet Blaise, mit dem ich mich eben unterhalten habe an meiner Stelle, „Besser spät als nie.“
    Leicht verlegen schaue ich zwischen den beiden hin und her.
    „Oh“, macht Linda. Schließlich macht sie kehrt und schlendert zu Erika.
    Leicht betrübt schaue ich ihr nach. In den letzten Wochen kommt es mir vor, als seien Linda und Erika zusammengewachsen, was ich wirklich schade finde. Während ich Linda früher zu meinen besten Freunden zählte, mochte ich Erika noch nie.
    Plötzlich komme ich mir schrecklich vor. Warum mache ich eigentlich nie etwas mit den anderen aus meinem Schlafsaal? Mag ja sein, dass ich ganz gut mit ihnen zurechtkomme – mehr oder weniger – aber wirklich befreundet bin ich wahrscheinlich bloß mit Miley. Ich muss entsetzlich langweilig wirken. Wenn ich so ganz darüber nachdenke, scheint mein Leben neben der Schule nur von sehr wenigen Dingen angefüllt sein – große Dinge, aber wenige.
    Dazu zählt am ehesten die Schule, immerhin lebe ich hier, Draco und Blaise und...Voldemort.
    Überall.
    Während ich mich an meine merkwürdige Schlaf- und Nichtschlafgewohnheiten gewöhnen kann, bin ich nicht imstande, über all die anderen Dinge hinwegzusehen. Ich bin ziemlich sicher, dass Voldemorts Präsenz in meinem Leben nicht einmal so groß ist – das Problem liegt in meinem Kopf. Ich kann nichts tun, ohne dass mich irgendetwas an ihn erinnert. Dabei habe ich ja nicht viel gegen die Todesser und den entsprechenden Führer – dennoch kommt es mir vor, als würde ich verzweifelt von der einen Seite eines Raumes zur anderen laufen wollen – nur dass überall und urplötzlich Mauern aus dem Boden schießen und ich jedes Mal abbremsen muss.
    Ich sehe Potter im Unterricht – ich denke an Voldemort. Auch Moody kann ich schlecht ausweichen. Allein der Gedanke oder irgendetwas, das entfernt mit Schlaf zu tun hat, lässt mich an Voldemort denken.
    Oder Draco – selbst er ist nicht Voldemortfrei in meinem Kopf. Immerhin ist sein Vater ein Todesser.
    Und jetzt ist es schon wieder passiert, wie ich ärgerlich feststelle. Ständig fange ich an, von einer Sekunde auf die andere über irgendetwas völlig bescheuertes nachzudenken.
    Das kann echt nervig sein… Wenigstens ist in wenigen Tagen Wochenende, vielleicht kann ich mir dann die Zeit nehmen um all das was sich aufgestaut hat in meinem Kopf gebündelt freidenken.
    Gibt es dieses Wort überhaupt? Und damit habe ich noch etwas dummes, worüber ich eigentlich nicht nach denen sollte. Diese Sinnlosigkeit sollte verboten werden.

    81
    Als ich aufwache, ist mein erster Gedanke, dass Samstag ist und ich liegen bleiben kann. Ich schiebe mein Kissen zur Seite, aber flach dazuliegen ist auch nicht viel besser, also setze ich mich hin und überlege, wie spät es ist.
    Das Licht dringt nur zögernd durch den Raum, also müsste es noch irgendwann in der Dämmerung sein.
    Ich lasse mir Zeit mit dem Aufwachen, bleibe einfach sitzen. Ich bin kein Frühaufsteher und will es auch nicht werden.
    Aus dem Gemeinschaftsraum über dem Schlafsaal dringen bereits einige Stimmen, unverhohlen laut.
    Plötzliche Sympathie zu meinem Haus und zu Hogwarts generell und all den Menschen hier durchzuckt mich. Wer weiß, was ich jetzt gerade, in dem Moment machen würde, wenn ich nicht hier wäre, wenn ich ein Muggel wäre.
    Oh Gott, denke ich, ich würde Draco gar nicht kennen!
    Ich wette, er ist genau die Art von Person, die ein paar Stunden früher aufsteht, um sich die passende Krawatte herauszusuchen. Ich überlege, ob Draco weiß welcher Tag heute ist.

    Als mir langweilig wird, stehe ich leise, um die anderen nicht zu wecken, auf, ziehe mir meine normalen Sachen an und gehe hinüber in den Gemeinschaftsraum.
    Die Leute, die ich vorhin reden hören habe, scheinen nicht mehr da zu sein, einzig und allein ein Grüppchen von Zweitklässlern bewundert das in verschiedenen blau- und Grüntönen flackernde Feuer im Kamin. Vielleicht ist es doch noch etwas früher, als ich vermutet hatte.
    Auf einem der schwarzen Ledersessel sitzend überlege ich hin und her, was ich machen könnte.
    Ich spähe hinauf zu den unter der Decke liegenden Fenstern.
    Es scheint weder die Sonne, noch scheint es regnerisch zu sein, doch dafür sieht es umso stürmischer aus.
    Zufrieden lehne ich mich wieder zurück.
    Es ist gut, dass heute mein Lieblingswetter ist. Schließlich ist es auch mein Geburtstag.

    Erneut überlege ich, ob Draco das weiß. Oder besser, ob ihm das bewusst ist. Ich glaube kaum, dass Draco überhaupt je irgendetwas vergisst, es steht viel mehr in Frage, ob er das für so wichtig empfindet, dass er es auch zur Kenntnis nimmt.
    Schön wär's..
    Jemand tippt mir auf die Schulter. Aus meinen Gedanken gerissen fahre ich herum und kippe beinahe aus meinem Sessel.
    Doch es ist nur – Draco

    82
    ~
    „Bin ich so furchteinflößend?“, frage ich belustigt, nachdem Layla beinahe aus ihrem Sessel gerutscht wäre. „Ich hatte bloß nicht damit gerechnet, dass so früh morgens jemand unerwartet hinter mir steht“, antwortet sie nachdenklich. „Was machst du denn eigentlich hier?“ Layla blinzelt vergnügt. „Selbst jemand wie du wird doch wohl mal ausschlafen wollen, oder nicht?“ „Jemand wie ich?“ Layla hat viel zu gute Laune, als dass ich jetzt verärgert sein könnte. „Komm“, sage ich stattdessen, „Lass uns mal zu dem Sofa rüber gehen, da passen auch mehrere drauf. Ich habe keine Lust, die ganze Zeit hinter dir zu stehen wie bescheuert.“
    Ich ignoriere den Kommentar von Laylas Seiten, dass ich bescheuert BIN, und ziehe sie neben mich auf eines der schwarzen Ledersofas.
    „Mal ehrlich“, fängt Layla erneut an, „Warum stehst du so früh auf? Machst du das immer so?“
    Etwas unbehaglich lehne ich mich zurück. „Ja. Warum willst du das wissen?“ Layla seufzt. „Es gibt keinen bestimmten Grund, Draco. Ich will dich einfach nur … besser kennenlernen. Ist das so verwerflich?“
    Nervös schlage ich die Beine übereinander und fange an, mit einem Fuß auf und ab zu wippen. Nicht unter Folter würde ich Layla sagen, dass ich mich an den Gedanken erst gewöhnen muss, dass jemand derart aufrichtiges Interesse an mir verspürt, nur weil er oder eben sie mich kennenlernen möchte, und wegen nichts anderem.
    „Um zum Thema zurückzukommen“, sage ich hastig, „Ja, ich stehe fast immer recht früh auf.“ Neugierig beobachtet mich Layla. „Wie kriegst du das nur hin?“, fragt sie amüsiert, „Was machst du mit der ganzen Zeit? Ich kriege ja schon tagsüber Langeweile, wenn ich mal nichts zu tun habe.“
    Ächzend lege ich den Arm um sie. Vielleicht hört sie dann mal auf, so neugierig zu sein. Oder auch nicht. Ich will es kaum mir selbst eingestehen, aber fast mag ich ihre Neugierde … oder einfach nur ihr Interesse an mir. Vielleicht beides, wenn sich das erste im Rahmen hält.
    Laylas drängender Blick erinnert mich daran, dass ich ihr noch antworten muss.
    „Das, was ich morgens eben zu tun habe, so als Malfoy“, seufze ich, „Zusehen, dass mein Zimmer in Ordnung ist, bevor mein Vater aufwacht, daran arbeiten, dass meine Kleidung sitzt, zusehen, dass ich generell vorzeigbar aussehe, falls es irgendwelche Gäste gibt, von denen ich nichts weiß … Du hast keine Ahnung wie oft bei uns irgendwelche Leute auftauchen, aus dem Ministerium, von wer-weiß-wo...“
    Layla betrachtet mich spöttisch. „Mein armer, armer Junge, du hast es ja echt schwer. Also wenn deine Hauptaufgaben am Morgen sind, deine Haare zu richten, und dir die Schuhe polieren zu lassen, verstehe ich immer noch nicht, wie du das aushältst. Und du wirst mir wohl kaum erzählen wollen, dass du morgens nicht mit tadellos sitzender Krawatte aufwachst?“
    Nun doch eher verärgert verkneife ich mir eine bissige Bemerkung. Vermutlich ist es nicht einmal Laylas Schuld, dass sie das nicht nachvollziehen kann. Sie kennt mein Leben schließlich nicht in- und auswendig.
    Also sage ich bloß „Du verstehst das nicht“, und drücke sie etwas fester an meine Seite. Halt jetzt bloß die Klappe, denke ich.
    Als ich Layla wieder ins Gesicht schaue, ist ihr spöttischer Blick erstaunlicher Weise einem weicheren Ausdruck gewichen. Nachdenklich schaut sie mich an.
    „Doch, ich glaube ich verstehe schon, was du meinst“, sagt sie sanft, „Aber ich wäre jemand anders, würde ich mich nicht über dich lustig machen. Ich verstehe, dass es stressig sein kann, wenn ständig irgendwelche Fremden im eigenen Haus rumlaufen.“ Sie seufzt. „Und ich weiß auch, wie sehr dein Vater einen unter Druck setzen kann. Ich kenne ihn schließlich auch. Aber hier in der Schule bist du ja theoretisch gesehen nicht gezwungen, dauernd mit Krawatte und allem Drum und Dran rumzulaufen.“
    „Wohl kaum.“ Ich lache etwas bitter. „Aber Snape hat ständig ein Auge auf mich und mein Benehmen – natürlich.“
    „Natürlich“, wiederholt Layla, „Kennen sich Snape und deine Eltern so gut?“
    Habe ich ihr gegenüber das noch nie erwähnt? „Layla, Snape ist mein Pate.“
    Überrascht befreit sich Layla aus meinem Arm und starrt mich an – sie sieht fast schockiert aus. „Dein Pate?“ Sie blinzelt. „Du meine Güte. Ich hätte ihn nicht so gerne als Paten.“
    „Es gibt schlimmeres“, sage ich der Fairness halber, „Wenigstens ist Snape nicht so anhänglich.“
    Layla lehnt sich wieder gegen mich, und eine Weile ist es still. Dann, etwas plötzlich, fängt sie an zu kichern.
    „Ich wüsste zu gerne, wie deine Eltern ausgerechnet Snape diese frohe Botschaft verkündet haben. 'Severus, alter Freund, du wirst jetzt Patenonkel!'“
    Gegen meinen Willen fangen ich an zu grinsen. Snapes Gesicht muss tödlich gewesen sein.
    „Naja“, sage ich, als mir Laylas ursprüngliche Frage wieder einfällt. „Hier in der Schule liegt das Problem eher bei den anderen Schülern. So früh morgens sind die meisten Deppen noch am Schlafen und es ist ruhiger.“
    Layla scheint in die selbe Richtung zu denken, als sie fragt: „Meinst du damit ganz zufällig und eventuell Crabbe und Goyle?“ Ich seufze laut. „Wie hast du das nur erraten.“
    „Draco“, sagt Layla unvermittelt, „Ich habe eine Frage.“
    „Dann frag.“
    „Du bist doch eigentlich mit den beiden Kerlen befreundet, warum nennst du sie dann beim Nachnamen?“
    Ich setze mich etwas aufrechter hin. „Das ist eine ziemlich seltsame Frage. Aber gut.“ Ich blicke Layla direkt an. „Im Ernst: Schau sie dir doch an. Findest du wirklich, zu den beiden Gestalten passen die Namen 'Vincent' und 'Gregory'?“ Belustigt grinsend schüttelt Layla den Kopf.
    „Also, da hast du deine Antwort. Und das mit den Freunden …“ Gedankenverloren streiche ich über ihre Schulter. „Meinst du nicht, das ist ein sehr dehnbarer Begriff?“
    „Wieso?“ Layla greift nach meiner unruhigen Hand und hält sie fest.
    Das dürfte schon schwieriger zu erklären sein. Ich bin nicht sicher, in wie weit Layla so etwas nachvollziehen kann. Ob sie es überhaupt kann.
    „Im Grunde geht es erstmal darum, meinen Vater ruhig zu halten“, versuche ich möglichst einfach zu erklären, „So von wegen; Er will mich nur in.. angemessener Gesellschaft für mich sehen.“ Layla schnaubt abfällig. „Und da meine Eltern und die Crabbes und Goyles … engere Bekannte sind, will er eben die beiden sehen. Zugleich achtet er aber darauf, dass ich über ihrem Niveau bleibe .. ich denke, das muss ich nun wirklich nicht erklären.“
    Layla schüttelt den Kopf. „Entschuldige meine Direktheit, Draco, aber dein Dad hat manchmal echt eine Macke. Angemessene Gesellschaft? Hat er die beiden Mal in echt gesehen? Wohl kaum, wenn man das so hört. Und wie du dich ausdrückst, wenn du darüber sprichst, hat er dir das auch beigebracht?“
    „Wenn ich über was genau spreche?“, frage ich verwirrt. So viel, wie wir reden, ist es schwierig, da den Überblick zu behalten.
    „'Engere Bekannte'“ ahmt Layla meine Wortwahl nach. „Sagst du das so, weil du dich nicht traust, den Begriff 'gemeinsame Todesser' zu verwenden und es dir auf der anderen Seite zuwider ist, sie 'Freunde' zu nennen?“
    Erschrocken starre ich sie an, dann sehe ich mich instinktiv um.
    Wie immer in den unpassendsten Moment scheint Layla die Ruhe selbst zu sein.
    „Hier ist keiner, Draco. Es ist noch zu früh und die paar Kleinen die ich vorhin hier gesehen habe, sind auch verschwunden, nachdem du gekommen bist.“
    „Auch wenn du Recht hast“, zische ich mit gesenkter Stimme, „Und jetzt gerade niemand hier ist … Du kannst sowas nicht einfach mal eben nebenher sagen. Hast du eigentlich eine Ahnung, was das auslösen könnte?“ Ich kann nicht verhehlen, dass ich wütend auf sie bin. Wenn das mit den Todessern nun doch jemand mitbekommen hätte …
    „Ich kann nur hoffen, dass mein Vater nie mitbekommt, wie viel du mit mir über diesen ganzen Todesser-Quatsch redest!“
    Layla löst sich von mir und lässt auch meine Hand los.
    „Na gut, dann sage ich dieses böse Wort in deiner Gegenwart eben nicht mehr. Warum regst du dich jetzt so auf? Wir reden doch fast nie darüber?“
    Ich schaue sie noch immer böse an.
    „Warum ist dir das jetzt so wichtig?“, fragt sie ungeduldig.
    Mit Mühe zwinge ich mich, halbwegs ruhig zu sprechen.
    „Weil der Ruf meiner Familie kaputt gehen könnte, nicht der deiner. Das ist nichts, was man einfach so dahersagen kann, das solltest du auch wissen. Das Ministerium ist ziemlich scharf auf nicht eingesperrte Todesser – ob sie freiwillig welche waren oder nicht.“
    Layla seufzt schwer. „Vielleicht hast du Recht. Aber du regst dich gerade ein bisschen sehr auf, meinst du nicht?“ Plötzlich klingt sie erschöpft. „Ich weiß, du hast eine ziemliche Schwäche dafür, aber was hältst du davon, wenn wir uns heute ausnahmsweise mal nicht streiten, wenigstens heute?“
    Schlagartig fällt mir auch wieder einer der Gründe ein, weshalb ich an diesem Tag besonders früh, am besten vor allen anderen, hierher kommen wollte.
    „Nein“, stimme ich Layla zu, „Heute nicht.“
    Etwas unsicher räuspere ich mich – diese ständige Nervosität ist ein verdammt ungewohntes Gefühl hier in Hogwarts.
    „Gerade, ähm, ist mir noch ein anderer Grund eingefallen, warum ich eher hier sein wollte. Ich hatte gehofft, du würdest auch .. Ich würde dich hier auch schon treffen.“
    „Achja?“ Argwöhnisch setzt sich Layla gerade auf. „Wieso denn?“
    Verflucht, denke ich, die ganze Sache ist komplizierter, als ich dachte.

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Sophie Malfoy ( 74952 )
Abgeschickt vor 158 Tagen
@harry@2 Erst wenn das 4.Schuljahr vorbei ist
harry@2 ( 91286 )
Abgeschickt vor 158 Tagen
Wann kommt denn jetzt der Teil Fünf ???
Celia ( 08542 )
Abgeschickt vor 196 Tagen
Also, eigentlich bin ich bisher nie ein Fan von fanfiction gewesen, aber ich musste meine Meinung mehr als reviedieren. Die Geschichte ist wirklich toll, und du schreibst unglaublich gut! Ich hab den ersten Teil gestern gefunden, und dann gleich alle gelesen. Wann geht es weiter? Ich bin so gespannt!!

Ach ja, eine Sache noch: Draco vor Blaise, is doch wohl klar, die Frage stellt sich doch gar nicht?! Komplizierte Mädchen brauchen komplizierte Kerle^^ Außerdem....naja, ich bin einfach pro Draco ;)
Anni Malfoy ( 28949 )
Abgeschickt vor 218 Tagen
Ich liiiiiieeeeebeeeee diese FF! Bitte schreib weiter
Ich kann gar nicht erwarten das du
weiterschreibst!😃
Christopher Merlin ( von: Der Seher )
Abgeschickt vor 232 Tagen
http://www.testedich.de/quiz43/quiz/1472400381/Hogwarts-wahre-Helden
IsaSparkle ( von: IsaSparkle )
Abgeschickt vor 275 Tagen
@Malfoyhead
Hab nix gegen :p
Malfoyhead ( von: Malfoyhead )
Abgeschickt vor 275 Tagen
Hi @IsaSparkle
Also den Traum mit den meeren deute ich so (soweit ich treume deuten kann xD) : das braune meer soll Blaise sein und das graue Draco... und da sie ja irgendwie in beide verschossen ist stellt ihr Unterbewusstsein die wahl. PS. I Love Your FF!!! Absolut die besste die ich je gelesen habe!!!
PPS. Macht es dir was aus wenn ich einpaar Ideen bei dir klaue?
LG Malfoyhead
IsaSparkle ( 08749 )
Abgeschickt vor 276 Tagen
Hey :)
mich würde es mal interessieren, wie ihr euch Layla vom Aussehen her vorstellt :D Oder Isa bei meiner andern FF!
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 277 Tagen
Haha Keine Ahnung XD
IsaSparkle ( 06493 )
Abgeschickt vor 277 Tagen
@Sophie Malfoy
Wie kommste denn jetzt da drauf XD
Ich würde das auch machen wie du ^^
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 277 Tagen
Als kleines Beispiel: Ich würde ihn küssen und ihn so lange umarmen, bis wir verbrennen
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 277 Tagen
Stellt euch vor ihr würdet mit Tom Felton in einem Kreis stehen und von Feuer umzingelt werden und ihr wisst, dass ihr gleich sterben werdet. Was würdet ihr tun?
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 291 Tagen
@IsaSparkle Ne is nich schlimm runterscrollen schadet ja nich:)
IsaSparkle ( von: IsaSparkle )
Abgeschickt vor 295 Tagen
@Sophie Malfoy
Ist es denn sehr nötig? Weil ich trau mir glatt zu, dass ich Dödel irgendwann vergesse dass ich da 'nen zweiten Teil gemacht habe und fange wieder bei 4.1 an zu aktualisieren :D
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 295 Tagen
Achso! So machst du das aber ja der Teil ist sehr lang
IsaSparkle ( von: IsaSparkle )
Abgeschickt vor 297 Tagen
@Spohie Malfoy Naja, ein Jahr ein Teil.
Ist es, weil das so lange dauert runter zu scrollen?
Sophie Malfoy ( 42733 )
Abgeschickt vor 297 Tagen
Könntest du einen 5. Teil machen weil der Teil ist schon ganz schön lang!?
IsaSparkle ( von: IsaSparkle )
Abgeschickt vor 303 Tagen
@Ginny Potter Ganz ruhig. Was den Ball betrifft (scheint euch ja zu interessieren) sitzt bereits 'n fester Plan da, der alles nett gesagt nicht gerade besser macht, was bis dahin schon alles passiert ...
Ginny Potter ( 05879 )
Abgeschickt vor 303 Tagen
Hi Isasparkle, ich liebe deine FF (deine anderen sind auch super!!!)
Bitte so schnell wie möglich weiterschreiben!!!) du könntest dich ja ans Buch halten und schreiben das Draco mit Pansy zum Ball geht und Lay mit Blaise um sich gegenseitig eifersüchtig zu machen????????

Alles liebe und und hoffnungen auf baldiges weiterschreiben...!!!
Sophie Malfoy ( 56584 )
Abgeschickt vor 311 Tagen
Das ist schön :D freu mich schon!!!