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Angst

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4 Kapitel - 2.284 Wörter - Erstellt von: Me - Aktualisiert am: 2017-07-20 - Entwickelt am: - 537 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

"Vielleicht hast du die Bedeutung von Angst noch gar nicht begriffen und weißt nicht, wie tief Verzweiflung sein kann, aber das werde ich dich noch lehren."
- Ethan Cross -

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    Sie rannte durch den Wald. Die Panik ließ ihre gefrorenen Beine laufen. Irgendwo hinter ihr lauerte er. Das Tier. Sie konnte seine Stimme in ihren Oh
    Sie rannte durch den Wald. Die Panik ließ ihre gefrorenen Beine laufen. Irgendwo hinter ihr lauerte er. Das Tier. Sie konnte seine Stimme in ihren Ohren hören. Du kannst nicht weglaufen! Ich werde dich finden! Überall war sein Gesicht zu sehen! Sie glaubte es zwischen den Bäumen zu entdecken, doch dann verschwand es wieder im Dunkeln. Der frische Schnee machte ihre Schritte schwer und nahm ihr die Kraft. Sie wusste nicht, wie lange sie schon lief, aber sie wusste, dass sie nicht anhalten durfte. Er war da. Irgendwo in den Schatten. Er lauerte auf sie. Wenn sie aufgab, würde er sich über sie stürzen wie ein hungernder Wolf. Er würde sie aufschneiden, sie verstümmeln. Und dann würde er sie im Schnee liegen lassen. Unfähig sich zu bewegen, zu fliehen, unter quälenden Schmerzen und mit dem Gewissen, dass er ihre Kinder umbrachte. Langsam und qualvoll. Sie würde sterben, ihre Kinder würden sterben, ihr Mann würde sterben. So hatte das Tier es ihr versprochen. Und sie wusste, er brach niemals seine Versprechen. Trotzdem hatte er ihr erlaubt zu gehen, ihn von seinen Kindern wegzulocken. Er hatte versprochen, dass er ihre Kinder leben lassen würde, wenn sie sich retten könnte. Der Gedanke an ihre Kinder ließ sie weiterrennen, ließ sie die unerträgliche Kälte vergessen, die sich langsam durch ihren Körper fraß. Sie hatte nicht einmal Schuhe an. Aber was machte das schon? Wenn sie hier draußen starb, würde es nicht schlimm sein. Besser als das was er ihr antun würde. Besser als es ihren Kindern ergehen würde. Ihr war egal ob sie starb. Sie musste nur lange genug am Leben bleiben, um zum nächsten Bauernhof zu kommen. Dann wären ihre Kinder sicher. Als sie ein Rascheln hinter sich hörte, fiel ihr auf, dass sie langsamer geworden war. Panik schoss in ihr hinauf und sie rannte weiter. Das Gefühl war längst aus ihren starren Füßen gewichen. Der Schmerz war schon bis zu ihrer Hüfte hinaufgezogen, darunter war alles taub. Sie spürte nicht den Schmerz, als sie sich den Fuß an einem Stein auf ritzte. Sie fühlte nicht, dass sie stolperte und fiel. Ihre Sinne waren von der Kälte und der Panik wie durch Nebel verhüllt. Sie strampelte wild mit den Armen, als sich etwas Weiches, Kaltes um ihr Gesicht schloss, bis sie merkte, dass es nur Schnee war. Sie versuchte verzweifelt, sich wieder hochzudrücken, doch ihr Körper versagte. Der Schnee fraß sich langsam durch den Pullover in ihren Körper. Ihre Kräfte gaben nach. Sie glaubte, Schritte hinter sich zu hören, doch ihr Kopf war zu schwach, um sich zu drehen. "Marie, Ben", murmelte sie. Dann vereinte sich die Welt um sie herum mit dem Schwarz der Schatten.

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    Ich fuhr über die Autobahn. Aus dem Autoradio drang Elias´ resignierte Stimme, die über das Kaputtgehen sang. Mit der rechten Hand stellte ich die
    Ich fuhr über die Autobahn. Aus dem Autoradio drang Elias´ resignierte Stimme, die über das Kaputtgehen sang. Mit der rechten Hand stellte ich die Lautstärke höher. Ich mochte das Lied vor allem wegen seinem Text. Leise summte ich mit, während die Schneeflocken draußen um mich herum wirbelten, erbost darüber, dass sie mich nicht erreichen konnten. Die Wettervorhersage hatte für diese Nacht einen Schneesturm angekündigt, doch anscheinend lagen die Wetterfrösche in der Winterstarre. Dicke Flocken, weiß wie Papier flogen um den alten VW. Wie sehr werden sich die Kleinen darüber freuen, wenn sie morgen früh aufstehen werden. Beim dem Gedanken an die strahlenden Gesichter, die wild durchs Haus liefen, musste ich lächeln. Hoffentlich kam ich heute Nacht noch an. Hinter mir quälte jemand seine Hupe. Ich trat auf das Gaspedal und schloss zum Vordermann auf, während ich ihm Rückspiegel nach dem Urheber des Lärms suchte. Der Fahrer des dunkelgrauen BMW 3ers hielt mich schon seit Stunden wach mit seinem Hupkonzert. Ich wusste nicht ob man meinen wütenden Blick von dort aus im Rückspiegel erkennen konnte, aber ich versuchte trotzdem, ihn damit zu durchbohren. Man erzählte mir oft, dass meine Augen töten könnten. Ich wusste nicht, ob das wirklich stimmte. Fast beiläufig wanderten meine Augen zum Seitenspiegel und betrachteten sich selbst eingehend. Die blauen Ringe unter meinen Augen ließen mich viel älter wirken. Ich hielt mich schon seit Tagen nur noch mit Kaffee wach. Flehentlich schielte ich zu der roten Thermoskanne auf dem Beifahrersitz hinüber, aber ich hatte schon vor ein paar Stunden die letzte Tasse daraus getrunken und seitdem lag sie unverändert da und schien mich allein schon durch diese Tatsache verspotten zu wollen. Seufzend musste ich mir eingestehen, dass die Müdigkeit und die Kopfschmerzen gewonnen hatten, und lenkte den VW über die nächste Abfahrt in ein kleines Dorf, welches von einem Namensschild und einem großen Pfeil mit der Aufschrift "Hotel" angekündigt wurde. Das Hotel war ein großes Haus, was sicherlich einmal edel und teuer gewirkt haben musste, jetzt aber in die Jahre gekommen war. Man verdiente anscheinend in diesem abgeschiedenen Flecken Erde nicht genug, um das Haus zu renovieren. Aber ich war ja schließlich auch nicht hier, um Urlaub zu machen, sondern nur um eine Nacht hier zu übernachten. Langsam fuhr ich den Schotterweg hinauf und parkte neben zwei anderen Autos, als dritter auf dem großen Parkplatz. Der Motor erstarb, während ich den Zündschlüssel zog. Ich ließ mich nach hinten in den Sitz fallen und massierte mit den Fingern meine pochenden Schläfen. So saß ich einige Zeit einfach nur da, die Augen geschlossen, während um mich herum, die Schneeflocken ihren Tanz im Dunkeln langsam abklingen ließen und sich zur Erde nieder setzten. Das einzige Geräusch war das Summen der Klimaanlage, das Radio war mit dem Brummen des Motors verstummt. Ich sollte Luise anrufen, schoss es mir plötzlich durch den Kopf und ich kramte mein Handy aus der Jackentasche. Ich war überrascht, als der Bildschirm aufleuchtete und das Auto in bläuliches Licht tauchte. Luise hatte mich nicht angerufen, noch eine Nachricht geschickt, wo ich bleibe. Normalerweise sorgte sie sich sehr schnell. Ich sah auf die Uhr. Eigentlich hatte ich versprochen, schon vor zwei Stunden zuhause zu sein und im Auto war ich zu abgelenkt von den Kopfschmerzen gewesen, um ihr von dem Stau und der Verspätung zu schreiben, doch jetzt breitete sich ein beängstigender Gedanke in mir aus. War ihr etwas zugestoßen? Mit zitternden Fingern tippte ich die Nummer. Die Angst verstärkte die Kopfschmerzen und es fühlte sich an, als ob mein Kopf explodieren würde. Am anderen Ende der Leitung ging niemand ans Telefon. Ich wartete ganze zwanzig Minuten. Dann versuchte ich es mit den anderen Nummern. Luises Handy, nichts. Maries Handy, nichts. Ich rief sogar bei Nachbarn und Freunden an, um nachzufragen, ob sie dort wären. Die Angst breitete sich in mir aus wie ein lähmendes Gift. Ich wählte wieder die Nummer des Haustelefons. Stille! Nur das andauernde Piepen zu hören. Es fühlte sich an, als könnte ich in dieser Stille meine eigenen Gedanken hören. Ich bildete mir ein, dort die Schreie meiner Familie zu hören. Ganz leise, und so weit entfernt. Vor meinen Augen spielten sich so viele glückliche Momente ab, die wir zusammen erlebt hatten. Fühlte sich so der Tod an? Nur ohne das Sterben? Langsam und ohne wirkliches Gefühl tippten meine Finger die Nummer der Polizei und eine nette Frauenstimme durchbrach die Stille um ihn herum und in ihm.

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    Als das lange, andauernde Klingeln des Telefons endlich erlosch, atmete sie tief durch. Da es ansonsten beinahe totenstill im Haus war, dröhnten ihr
    Als das lange, andauernde Klingeln des Telefons endlich erlosch, atmete sie tief durch. Da es ansonsten beinahe totenstill im Haus war, dröhnten ihr schon nach den ersten zehn Minuten die Ohren. Oder waren es nur wenige Sekunden gewesen? Vielleicht einige Stunden? Im Dunkeln hatte sie jedes Zeitgefühl verloren. Ihr kamen die Minuten wie Tage vor - oder war es gar umgekehrt? - während sie darauf wartete, dass etwas passierte, dass er wiederkam und sie freiließ, dass ihre Mutter wiederkam und sie befreite. Ja langsam sogar darauf, dass er wiederkam und ihr sagte, dass ihre Mutter tot sei. Wie lange war sie schon hier? Sie wusste es nicht, aber je mehr Zeit verstrich, desto größer wurden die Chancen, dass Mama überleben würde. Gleichzeitig war das schlimmste nicht die Angst vor dem Tod, oder dem Tod ihrer Lieben. Nein, das schlimmste war diese andauernde Ungewissheit, nicht zu wissen, was da draußen gerade passierte und nichts tun zu können, um es in irgendeiner Weise zu verhindern. Das laute Klingeln des Telefons hatte ihr zwar Kopfschmerzen geschenkt, aber es hatte wenigstens ihre Gedanken aufgehalten. Die plötzliche Stille danach, war um so vieles grausamer. Sie war auf einmal wieder allein mit sich, den kreisenden Gedanken in ihrem Kopf und dem kleinen total verängstigten Mädchen, das sie, seit sich ihre Augen an das fahle Licht, das unter der Tür hineinschien, aus dem Spiegel in der Ecke anstarrte. Ein Mädchen, dass ihr so fremd erschien mit den einzelnen Strähnen von fast schwarzem Haar, die ihr in das bleiche Gesicht fielen mit den riesigen verängstigten Augen. Es war ihr, als würde sie im Spiegel den Geist einer toten Zwillingsschwester erblicken. Mit fest angezogenen Knien saß Marie in der Ecke des kleinen ansonsten leeren Raumes, den sie vor ein paar Stunden noch ausgeräumt hatten für den Flohmarkt in der nächsten Woche, starrte ihr Schwester an und wusste nicht einmal mehr, ob sie bis dahin überhaupt überleben würde. Heiße Tränen liefen über das blasse, kalte, panisch nach Hilfe suchende Gesicht im Spiegel, während sie gar nicht merkte, dass es auch ihre Wangen waren, die nass wurden. Ihr ganzer Körper zitterte vor Angst. Dazu kam noch die eisige Kälte, die wegen der fehlenden Heizung langsam den Raum einnahm. Sie sollte sich bewegen, um nicht krank zu werden, ging es ihr durch den Kopf. Doch sie konnte nicht. Die Position und das fremde und doch bekannte Gesicht gaben ihr ein Gefühl von Sicherheit, von Halt. Sie wollte nicht nachdenken. Nicht darüber wie lange sie schon hier saß, was er mit Mama und Ben anstellte, doch die Stille zwang sie dazu. Sie konnte nicht sagen wie spät es war, wie viel Zeit schon verstrichen war. Konnte nicht sagen, ob sie etwas anderes fühlte als Angst, aber auch dieses Gefühl schien so unwirklich. Das Mädchen saß einfach nur da und existierte im Nichts dieses kleinen Raumes, während die Angst ihren Kopf und die Kälte ihren Körper übernahm.
    Und dann plötzlich hörte Marie sie, die Schritte, die sich langsam durch den Flur näherten. Schwere, dumpfe Schritte, die die Dunkelheit durchdrangen wie Paukenschläge. Das Geräusch der Tür musste im Lärmen des Telefons untergegangen sein. Ihr Verstand meldete sich zurück und schrie nichts als Panik. Der Fluchtinstinkt überwog die lähmende Angst und ließ das Blut wieder heiß durch ihre Adern rauschen. Mit jedem Schritt näherte er sich weiter ihrem kleinen Nichts. Schließlich stoppten sie und ein Schatten legte sich unter die Tür. In der Stille hörte sie wie er in seiner Tasche suchte und gleich darauf das Klimpern eines Schlüssels im Schloss. Ihr Körper wollte sich wieder versteifen wie ein ängstliches Kaninchen, doch Verstand und Vernunft schrien ihn an, er sei kein verdammtes Kaninchen. Sie musste konzentriert bleiben. Wenn die Angst sie übermannte, hatte sie verloren! Sie musste überlegen! Dass er hier war hieß, dass ihre Mutter es geschafft hatte und er sie befreien würde, wenn er sein Versprechen hielt. Oder aber... Nein! Wieder schossen ihr Tränen in die Augen. Sie war stark! Sie musste es geschafft haben! Sie musste einfach! Denn die andere Möglichkeit wollte sie sich nicht vorstellen. Nicht hier. Nicht jetzt.
    Die Tür wurde aufgerissen und gab dabei ein so vertrautes Quietschen ab, dass ihr erneut Tränen in die Augen schossen. Es war so unglaublich falsch. Als gehöre es nicht zu diesem Leben, als wollte es sie verspotten. Das Licht aus dem dahinter liegenden Flur blendete sie, sodass sie anfangs nicht mehr als einen großen Schatten wahrnahm, der bedrohlich über ihr hinaufragte. Langsam passten sich ihre Augen an. Als sie dann den Blick hob, sah sie in das Gesicht eines Monsters, wie man es sonst nur unter Betten und in Kleiderschränken findet, eine verzehrte Maske des Grauens. Und dann hob es die Hände, die von Blut verschmierten Hände und ihr wurde klar, dass sie alle sterben würden.

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    Danke, dass du dich für meine kleine Geschichte interessierst.:))

    Ich würde mich freuen, wenn du einen Kommentar schreiben könntest, wie es dir so gefallen hat und was ich noch besser machen kann.:)

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1460486025
Angst
Angst
"Vielleicht hast du die Bedeutung von Angst noch gar nicht begriffen und weißt nicht, wie tief Verzweiflung sein kann, aber das werde ich dich noch lehren." - Ethan Cross -
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2016-04-12
40J0
Horror, Krimi

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