Erste Eindrücke in anderen Kulturen: Worauf es in fremden Ländern bei der Begrüßung ankommt

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10 Listenitems - Erstellt von: Dieter - Entwickelt am: - 3.708 mal aufgerufen

Sich im Urlaub oder auf Geschäftsreise mit den gelernten Höflichkeitsformen zu sicher zu fühlen, kann sich schnell als problematischer Trugschluss herausstellen – selbst in Ländern in der relativen geografischen Nachbarschaft. Was für uns absolut üblich und legitim ist, gilt anderswo möglicherweise als schwerer gesellschaftlicher Fauxpas. Damit nicht schon die Begrüßung zu einem Desaster gerät, ist es immer hilfreich, die Gepflogenheiten am Reiseziel in groben Zügen zu kennen. Hier habe ich einige Beispiele.

  • Platz 10
    Der „Eskimokuss“ und andere Missverständnisse
    Der „Eskimokuss“ und andere Missverständnisse
    Das vielleicht exotischste Begrüßungsritual ist zugleich eines der am häufigsten missverstandenen. Das fängt schon damit an, dass es selbstverständlich nicht „Eskimo“ heißt! Tatsächlich ist die Bezeichnung eine grobe Beleidigung, die „Rohesser“ bedeutet und die Angewohnheit der Inuit (so werden die Arktisbewohner nämlich richtigerweise genannt), Fisch auch roh zu verzehren, übelst verunglimpft.

    Die zweite falsche Annahme betrifft den vermeintlichen Nasenkuss selbst. Es werden nämlich eben nicht, wie landläufig angenommen, die Nasen aneinander gerieben. Vielmehr geht es bei dem „Nasenkuss“ um ein erstes gegenseitiges Beschnuppern – und das ist nicht im übertragenen Sinn gemeint! Bei einem Zusammentreffen mit einem Inuit wird zur Begrüßung erst einmal aneinander gerochen und zwar nicht nur an der Nase, sondern auch an den Wangen und dem Hals. So kommt ein erster Körperkontakt zustande. Die Maori auf Neuseeland halten es mit ihrem „Hongi“ – hier eine ausführliche Beschreibung der Maori-Begrüßungen – übrigens ähnlich, wenn auch nicht in der arktischen Ausgiebigkeit. Dafür wird eine offizielle Begrüßung hier mit Tanz und Musik abgerundet.
  • Platz 9
    Russland
    Russland
    Die Begrüßung unter Männern ist in Russland eine eher klassische Angelegenheit, ein Händeschütteln ist hier die übliche Vorgehensweise. Theoretisch gilt das auch für dann, wenn Frauen begrüßt werden, allerdings sollte man(n) sich dabei nicht zu sicher sein, denn die Entscheidung hierüber liegt bei den Frauen selbst. Ein Händedruck ist angemessen, wenn die Dame die Hand von sich aus zum Gruß ausstreckt, ansonsten reicht ein einfaches Zunicken. Ein Handschlag über einer Türschwelle bringt übrigens Unglück – also unbedingt vermeiden! Unglücklich ist auch übertriebene Freundlichkeit, die schnell als nicht ernst gemeint empfunden werden kann. Hier spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle, die Beziehungen zu entspannen.

    Unter guten Freunden kann es auch schon mal herzlicher zugehen, mit Umarmungen und Küssen. Geschäftspartnern wird diese Form der Aufmerksamkeit für gewöhnlich eher selten zuteil, falls doch gibt es insgesamt drei Küsse auf die Wange, in der Reihenfolge links, rechts, links.
  • Platz 8
    Frankreich
    Frankreich
    Auch in Frankreich gehört das Händeschütteln standardmäßig zur Begrüßung dazu oder besser gesagt ein Händedruck. Ein allzu überschwängliches Schütteln oder Drücken der Hand ist dabei jedoch nicht angesagt, ebenso wenig ein übermäßig breites Grinsen. Gerade im geschäftlichen Bereich ist es außerdem immer angemessen, seinen Gegenüber mit Titel und Position anzureden – sofern diese bekannt sind. Das „Du“ sollte man übrigens nicht von sich aus anbieten, das ist Aufgabe der begrüßten Person.

    Im Freundeskreis ist die Begrüßung selbstverständlich wesentlich weniger steif und förmlich, dafür werden umso mehr Küsse verteilt. Angefangen wird immer auf der linken Wange, nach maximal vier Küssen ist aber selbst für die Franzosen Schluss. Das übliche „Salut, ça va?“ ist eine rein rhetorische Nachfrage, es reicht vollkommen aus, diese ebenso kurz – mit „Ça va!“ oder „Ça va bien!“ – beantwortet.
  • Platz 7
    England
    England
    Die bekannte britische Förmlichkeit wird zumindest in der englischsprachigen Heimat nach wie vor hochgehalten und wirkt sich entsprechend auf die Begrüßungsprozedur aus: Ein Händedruck ist absolut üblich, aber es wird abgewartet, bis der Gegenüber seine Hand dazu ausstreckt. Dabei sollte aber ein angemessener Abstand immer eingehalten werden.

    Das vor Unzeiten im Englischunterricht erlernte „How do you do?“ zur Gesprächseröffnung findet mittlerweile übrigens weitaus seltener Verwendung wie das „How are you?“ – in beiden Fällen wird jedoch eine kurze Antwort erwartet: „Fine, thank you“ oder „Very well, thank you“ sind mehr als ausreichend, eine ausführlichere Bestandsaufnahme der aktuellen Befindlichkeiten wäre fehl am Platz. Ähnlich verhält es sich mit dem Nennen beim Vornamen im Gesprächsverlauf, das zwar englische Sitte, aber eben keine Grundlage für zu viel Vertraulichkeit ist.
  • Platz 6
    USA
    USA
    Die Begrüßung in den Vereinigten Staaten verläuft allgemeinhin in vielerlei Hinsicht unter ähnlichen Vorzeichen wie in den englischsprachigen Ländern auf der anderen Seite des Atlantiks. Das heißt zum Beispiel, dass dieselben Fragen gestellt werden, die mit denselben Floskeln beantwortet werden. Der einzige Unterschied liegt darin, dass hier wesentlich mehr Lockerheit und Herzlichkeit gestattet sind. Allerdings gilt es im Umgang mit Amerikanern ebenso, das Ansprechen beim Vornamen nicht als Vertrautheit miss zu verstehen.

    Genauso gilt es, unabhängig davon, wie entspannt die Atmosphäre auch sein sollte, einige heikle Gesprächsthemen zu vermeiden, allen voran Kritik an den USA. Allerdings gehören Politik und Religion auch zu den Tabuthemen in anderen Ländern, das gilt für England ebenso wie für China oder andere. Immerhin: Über das Wetter zu reden geht eigentlich immer.
  • Platz 5
    Südafrika
    Südafrika
    „How are you?“ ist auch in Südafrika eine weit verbreitete Floskel zur Begrüßung, ebenso wie das verkürzte „Howzit?“ (für „How is it?“). Auch hier wird keineswegs eine ausführliche Antwort erwartet, selbst unter guten Bekannten, die sich ansonsten vielleicht herzlicher und ausgelassener begrüßen. Bei offiziellen Anlässen ziehen aber auch die Südafrikaner einen formellen Handschlag vor, zwischen Männern und Frauen geht es für gewöhnlich ebenfalls eher förmlich zu – ein kurzes Nicken ist schon ausreichend.

    Afrika ist allerdings ein großer und vielfältiger Kontinent und das gilt dementsprechend für die unterschiedlichen Begrüßungsrituale. Mit einem Handschlag ist man fast überall auf der sicheren Seite, in Malawi werden Besucher sogar sehr viel Zeit damit verbringen müssen: Die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen und so kommen Fremde auch häufiger in den Genuss des Händeschüttelns. Das sollte immer höflich erwidert werden, bei einem ernsthaften Gespräch gehört auch die Frage nach dem Wohlbefinden unbedingt zur Begrüßung dazu.

    Es ist auch nicht unüblich, wenngleich für europäische Männer sicherlich ungewöhnlich, dass die Hand von einem malawischen Mann während des gesamten Gesprächs weiter festgehalten wird – damit wird aber lediglich die Verbindung zwischen den Gesprächspartnern noch einmal explizit aufrechterhalten. Viele andere, aber längst nicht alle, gebräuchliche Verhaltensweisen zur Begrüßung finden sich übrigens hier.
  • Platz 4
    Thailand
    Thailand
    Traditionell halten es die Thailänder mit der Begrüßung, gebräuchlich ist immer noch der Wai. Dazu werden die Hände mit den Innenflächen gegeneinander gelegt und berühren leicht den Oberkörper. Begleitet wird das Ganze mit einer leichten Verbeugung.

    Der Wai dient im Übrigen auch als Geste der Dankbarkeit und als Respektbezeugung. Letzterer lässt sich daran ablesen, wie hoch die Hände gehalten werden: Je höher die Hände, desto größer ist der dem Gegenüber erwiesene Respekt.
  • Platz 3
    Dubai
    Dubai
    In arabischen Ländern hat Höflichkeit oberste Priorität, daher sollte auch die Form der Begrüßung möglichst genau eingehalten werden. Unter Männern gibt es normalerweise einen Handschlag, begleitet von dem in islamisch geprägten Ländern häufig gebräuchlichen „Salam alaykum“, das heißt „Friede sei mit dir“. Das wird üblicherweise mit „Wa alaykum as-salam“ („und mit dir sei Friede“) erwidert, anschließend gehört es zum guten Ton, eingehende Erkundigungen bezüglich der Gesundheit und der Familie des Gesprächspartners einzuholen.

    Im Gegensatz zu vielen westlichen Kulturen ist das übrigens nicht als Floskel zu verstehen, weshalb der Austausch durchaus ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen kann. Der sollte sich übrigens auf die Familie im Allgemeinen oder die männlichen Mitglieder beschränken, denn Frauen sind in Dubai immer noch ein Tabuthema. Das bedeutet daher auch, dass sich Fremde einer Frau besser nicht nähern oder sie gar ansprechen, wenn sie noch nicht vorgestellt wurde. Und selbst dann ist das Verhalten des weiblichen Gegenübers für das eigene Vorgehen maßgebend, ein Händedruck ist für nicht-arabische Männer beispielsweise nicht unbedingt zu erwarten.

    Vielleicht noch schwieriger ist die korrekte Anrede, denn arabische Namen funktionieren etwas anders als westliche. Um ungewollte Abkürzungen oder Auslassungen zu vermeiden, ist dazu einige Einarbeitungszeit kaum zu umgehen.

    Achtung: Die linke Hand gilt in islamischen Ländern als unrein, was ihr paradoxerweise eine umso größere Aufmerksamkeit einbringt. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dieses Tabu zu berücksichtigen und zum Beispiel nicht die Linke zum Gruß anzubieten oder sie zum Essen zu benutzen.
  • Platz 2
    Brasilien
    Brasilien
    Unter brasilianischen Männern ist ebenfalls der Handschlag angemessen, der gerne auch etwas ausgiebiger ausfallen kann und oft genug durch ein Schulterklopfen ergänzt wird. Frauen verteilen bei der Begrüßung untereinander zwei bis drei Wangenküsse, zwischen Männern und Frauen beschränkt sich dieses Ritual jedoch auf einen einzigen Wangenkuss. Die Vergewisserung nach dem Wohlbefinden des Gesprächspartners gehört dabei auch in Brasilien zum guten Ton, das „Tudo bem?“ wird mit der Gegenfrage beantwortet und wenig mehr – allzu ehrliche oder ausschweifende Antworten, insbesondere mit eher negativem Inhalt, sind unerwünscht.

    Erwünscht ist hingegen deutlich mehr Körperkontakt während des Gesprächs, als es in europäischen Kreisen sonst der Fall ist. Das ist vielleicht ungewohnt, ein Zurückweichen kann aber als Beleidigung verstanden werden. Hier müssen Besucher also auch einmal raus aus ihrer gewohnten Komfortzone. Überhaupt ist die Körpersprache sehr wichtig für die Gesprächsführung mit Brasilianern, europäische Zurückhaltung hingegen nicht: Jemandem mitten im Satz ins Wort zu fallen ist deshalb keineswegs unhöflich.
  • Platz 1
    Japan
    Japan
    Im Vergleich zu den Südamerikanern ist die Begrüßung in Japan ungleich förmlicher, auf kumpelhaftes Schulterklopfen oder Küsse wird hier verzichtet. Angemessen ist eine leichte Verbeugung mit geradem Rücken. Wer in der Hierarchie niedriger steht, hat diese tiefer durchzuführen, die Rangabfolge ist im Allgemeinen wie in China. Mit einer mittleren Verbeugung sind Nicht-Japaner immer gut beraten, Männer legen dazu ihre Hände seitlich an die Oberschenkel, Frauen wiederum legen die Hände übereinander vor ihre Oberschenkel.

    Körperkontakt, gerade in der Öffentlichkeit, ist kein Bestandteil der japanischen Kultur und das gilt nicht nur für den geschäftlichen Umgang. Trotzdem ist ein Händedruck gerade noch akzeptabel, wenn er nur behutsam genug ist. Ansonsten sind die Hände still zu halten, wildes Gestikulieren beim Sprechen ist gerne gesehen. So kann die Aufmerksamkeit aber auch eher auf die feinen Nuancen gerichtet werden, von denen die Kommunikation mit den Japanern geprägt ist – Andeutungen, ausweichende Formulierungen und Relativierungen gehen hier ganz klar vor zu großer Direktheit!
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Erste Eindrücke in anderen Kulturen: Worauf es...
Erste Eindrücke in anderen Kulturen: Worauf es...
Sich im Urlaub oder auf Geschäftsreise mit den gelernten Höflichkeitsformen zu sicher zu fühlen, kann sich schnell als problematischer Trugschluss herausstellen – selbst in Ländern in der relativen geografischen Nachbarschaft. Was für uns absolut ...
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2016-04-07
50AC
Länder, Urlaub

Kommentare (1)

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HorseLady (19385)
vor 512 Tagen
Das ganze ist ziemlich viel Text
Ist aber auch ganz lehrreich 😝