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Whiteout - Ist es das Ende?

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2 Kapitel - 1.444 Wörter - Erstellt von: Maya Müller - Aktualisiert am: 2016-03-31 - Entwickelt am: - 377 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die sechszehnjährige Emilia wacht auf, hat nichts mehr an als dunkle Stiefel und ein langes Kleid. Sie weiß nicht wo sie ist, weiß nicht ihren Namen, weiß gar nichts mehr. Sie hat alles vergessen. Sie findet keinen Ausweg. Es ist wie ein endloser Kreis. Ihr Kampf ums Überleben.

1
Langsam öffne ich die Augen. Ich sehe nichts. Ich fühle nichts. Das erste was ich spüre, ist die Kälte, die sich durch meine Haut frisst und ganz langsam in mich eindringt. Und das ist die erste Erkenntnis, dass ich nicht in einem Bett liege. Ich bin wo anders. Aber wo? Ich scheine zu liegen. Jedenfalls kommt es mir so vor. Langsam drehe ich meine Augen. Nichts. Es ist still. Kein Geräusch ist zu hören. Bin ich tot? Soll das das Leben nach dem Tod sein? Aber was ist vorher passiert? Wieso bin ich tot? Falls ich liege, dann müsste ich mich jetzt aufrichten können., schießt es mir durch den Kopf. Oder war das eine Stimme, die mir das gesagt hat? Ich kann keinen klaren Gedanken fassen. Vielleicht habe ich mein Gehirn verloren. Ganz langsam beginne ich meine kleinen Finger zu bewegen. Ich liege auf etwas. Das ist mir jetzt klar. Auf etwas kaltem, nassen. Ich schiebe meine Arme nach oben, um meinen Oberkörper aufrichten zu können. Ich muss mich hinsetzen. Aber ich schaff es nicht. Ich bin so schwer. Alles an mir ist so schwer. Das bin nicht ich. Ich bin wer anderes. Aber wer bin ich? Ich weiß es nicht. Wer war ich vorher? Ich weiß es nicht. Ich bewege langsam meinen Kopf. Sehe ich nach unten? Kann sein. Ist das mein Körper? Ich versuche mich noch einmal aufzurichten. Ich schaffe es. Aber ich schwanke. Ich habe kein Gleichgewicht. Meine Hände rudern hilflos in der Luft und klatschen dann gefühllos auf den Schnee. Schnee? Ich drehe noch einmal meinen Kopf. Taste mit den Händen den Boden unter mir ab und kralle die Fingernägel hinein. Das ist Eis. Oder Schnee. Vielleicht leben Tote in der Antarktis weiter. Ich stütze mich so auf dem Boden ab, dass ich mich nicht mehr drehe. Langsam richtet sich das Bild wieder vor meinen Augen. Ich blinzel. Hat sich etwas geändert? Nein. Ich blinzel noch einmal. Schließe die Augen. Habe ich überhaupt die Augen geschlossen? Es ist genauso dunkel, wie sonst. Vielleicht träume ich. Dann müsste ich jetzt aufwachen. Oder jemand weckt mich. Aber wer sollte mich wecken? Ich weiß es nicht. Ich taste mich mit den Händen ab. Was habe ich an? Ein Kleid? Stiefel? Ich weiß nicht, vielleicht trägt man das in der Antarktis so. Jedenfalls sind meine Arme nackt. Ich betaste mich. Mein Gesicht. Ich spüre etwas kaltes trockenes neben meinem Auge. Was ist das? Ich reibe daran und halte es mir direkt vor die Augen. Ist das Farbe? Rote Farbe. Was könnte rot sein? Die Farbe der Liebe. Vielleicht liebt mich jemand. Aber wer sollte mich lieben? Ich habe doch keinen. Ich habe nur mich. Das Mich. Aber wer ist das? Ich? Ein Wort. Mehr nicht. Oder etwa schon? Ich rühre mich nicht. Versuche noch einmal, mich umzusehen. Es ist irgendwie alles ganz weiß. Nebel? Oder eine Wand? Hat mir nichtmal jemand gesagt, Nebel und Schnee hätten etwas miteinander zu tun? Ach Quatsch. Wer sollte das gesagt haben? Ich bin doch allein. Ich fahre mit den Fingern über den Schnee. Dann, es war ganz plötzlich, war es, wie als hätte jemand einen Schalter in mir umgelegt. Ich fing an zu zittern. Völlig unkontrolliert. Ich falle auf die Knie und schlinge die Arme um mich. Wieso zitter ich? Habe ich Angst? Nein, ich fühle immer noch nichts. Aber ich denke. In mich kommt Leben. Die Erkenntnis. "Ich bin am Leben!", schreit etwas in meinem Kopf. "Ich lebe! Ich träume nicht, ich bin nicht tot. Jemand hat mir bewusst das hier angetan! Aber wer war das? Wieso? Wer bin ich?" Ich reiße meinen Mund auf, um etwas zu sagen. Aber was hätte ich sagen sollen? Wem? Ich schnappe nach Luft. "Das hier bist du! Und du lebst! Du bist alleine! Aber das ist dein Körper!" Die Stimme in meinem Kopf hört nicht auf zu schreien. Aber still war es immer noch. Bis plötzlich. Jemand schreit. Wer? Ich bin doch alleine. Oder ist hier noch jemand? Es dauert einen Bruchteil einer Sekunde, bis ich merke, dass das mein Schrei war. Ich habe geschrien. Ich schlucke und mache den Mund zu, um ihn gleich wieder aufzureißen. Aber diesmal kommt nichts raus. Ich klappe den Mund auf, wie ein Fisch. Dann falle ich nach vorne. Urplötzlich ist mir eiskalt. Ich beginne vorwärts zu robben. Auf allen vieren. Irgendwo hin, nur weg von hier. Und immer wieder denke ich das gleiche. "Wer bist du? Denk, denk, denk!" Ich schnappe wieder nach Luft, schwanke gefährlich und robbe auf Knien und Händen weiter. "Du bist doch ein Mädchen?", hakt die Stimme in meinem Kopf nach. "Bin ich ein Mädchen?", frage ich mich stumm. "Oder doch ein Junge? Haben Jungen Kleider an? Lange Haare?" Mir fällt es nicht ein. "Doch...doch ich muss ein Mädchen sein....Ich gehöre zu jemanden. Wem? Ich weiß es nicht. Aber ich muss zu jemanden gehören. Aber wo sind diejenigen? Warum holen sie mich nicht und retten mich? Bin ich alt? Ja, wie alt bin ich eigentlich? Zählt man das in Jahren? Tagen, Monaten? Habe ich einen Namen? Brauchen Mädchen Namen? Ich weiß es nicht. Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht, ich weiß es nicht...." Die vier Wörter drehen Endlosschleifen in meinem Kopf. Ich bin vergessen. Ich habe vergessen. Ich will wieder so schreien, wie vorher. Aber ich bekomme es nicht hin. Zitternd robbe ich vorwärts. Meine Kehle ist wie zugeschnürt. Nur fühlen tue ich noch nichts. Das Bild vor meinen Augen schwankt wieder gefährlich und plötzlich kippe ich um. Oder war ich vorher schon gelegen? Ich weiß es nicht. Vielleicht stehe ich auch. Aber dann müsste ich doch was sehen? Plötzlich scheint es in mir zu rasen, wie in einer Achterbahn. Ich falle. Falle ich schon die ganze Zeit. Wo ist oben, wo ist unten? Ich habe keinen blassen Schimmer. Meine Finger krallen sich in etwas hartes. Hart? Dann liege ich doch. Vielleicht stehe ich auf dem Kopf. Ich habe keine Ahnung mehr. Ich habe den Gleichgewichtssinn verloren. "Das nennt man doch Whiteout.", sagt eine Stimme in meinem Kopf. Oder kommt sie von oben? Aber wo ist denn oben? Von so einem Whiteout habe ich schonmal gehört, aber definieren kann ich es nicht. Ich habe vergessen. Doch plötzlich kommt es in mir hoch. Das Gefühl. Es ist nicht die Panik, hier nicht mehr herauszukommen, nein. Es ist auch nicht die Wut, auf die Leute, die mir das angetan haben. Es ist auch nicht der Schock von der Erkenntnis, die mich getroffen hat. Es ist nicht Sorge, dass ich sterben könnte, dass ich nichts mehr schaffe. Es ist nicht einmal Hoffnung, dass zu schaffen. Nein. Es ist nur Trauer. Sie überfällt mich ohne Vorwarnung und urplötzlich beginne ich zu schluchzen. Es schüttelt mich und ich schlinge die Arme um meinen Körper und wiege mich hin und her, wie ein Kind. Tränen laufen mir die Wangen hinunter und tropfen auf den Schnee. Es ist das schlimmste, was ich je erlebt habe. Ich will wieder schreien, aber ich kann nur hemmungslos schluchzen. Es ist nicht die Trauer, dass ich den Kampf verliere. Es ist nicht die Trauer, mich von meinem Leben zu verabschieden. Es ist nur die Trauer, alleine zu sein. Niemanden zu haben, der mich beschützt, der mich hält, der mich tröstet. Niemand. Ich habe nur mich alleine. Nur mich. Mich niemand.

Kommentare (4)

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Darkwood (45667)
vor 9 Tagen
Das ist voll gut geschrieben und ohne Rechtschreibfehler! mach weiter!
Camille (26829)
vor 544 Tagen
SUPIIII!!!
Maya (77266)
vor 566 Tagen
Danke :) Freut mich, dass es dir gefällt!
Haru&Light (24049)
vor 567 Tagen
Ich finde es sehr schön, gut und spannend geschrieben! Du musst unbedingt weiterschreiben da es sehr spannend ist (jaaa hab ich schon gesagt ist aber so!!) und meeega neugierig macht! Viel glück weiterhin ;) und bitte schreib weiter denn es ist echt sehr toll!
Viele Grüße :)