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Sasuke Uchiha und Desert Wolf - Part 2

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3 Kapitel - 12.503 Wörter - Erstellt von: Hino Kuraiko - Aktualisiert am: 2016-03-18 - Entwickelt am: - 1.054 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Honoko alias Desert Wolf hat vom Kitsune der Schatten erfahren, dass sie die Erbin Jikans ist. Der verstorbene Kitsune der Zeit hat vor langer Zeit die Verbannten an die Unterwelt gekettet und die Welten mit einer Barriere versiegelt. In diesem Feuer aus Eis kann nur Honoko überleben, und diese Besonderheit macht sie mehr zu einer Zielscheibe denn je...

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    3. Das Land der Abenddämmerung ------------------------------------------------ -------- Ich hatte meine Sinne erfolgreich auf ein Minimum herunter g
    3. Das Land der Abenddämmerung
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    Ich hatte meine Sinne erfolgreich auf ein Minimum herunter gefahren und die Welt so gut es ging von mir abgeschottet. Meine Sicht reduzierte ihren Farbgehalt auf die Nuancen der züngelnden Flammen und die seltsame Art wie sie Höhle und Menschen in ihr nachzeichneten. Nachdem mir Kukans letzte Worte vor dieser gerade herrschenden, bedrückenden Pause mehrmals durch den Kopf gegangen waren, war das die einzige Möglichkeit für mich gewesen, keinen Gefühlsausbruch zu bekommen, der entweder von Wut, Angst oder Entsetzten dominiert worden wäre. Hören konnte ich zunächst gar nichts mehr, zu laut waren jene Gedanken, die mich an die Grenze meines Verstandes treiben wollten, bis mein Pulsschlag sie endlich übertönte. Es gab mehrere Instinkte, denen ich am liebsten nachgegangen wäre, doch keine war so stark wie das Bedürfnis zu schreien. Und weil ich den Schattenfuchs persönlich gerade nicht direkt angreifen konnte, stieß ich dem Uchiha dafür vor die Brust.
    „Du hast unmöglich wissen können, ob überhaupt einer der Jäger aus unserem Lager der Erbe Jikans ist! Du hättest uns eiskalt in den Tod laufen lassen!“, stieß ich aus. Ich hatte nicht aufgehört auf seine Rippen zu trommeln und als es ihm schlichtweg zu bunt zum ignorieren wurde, schnappte er ungerührt nach meinen Händen. „Niemand hat dich gezwungen zu rennen“, erinnerte er mich ungeahnt kühl.
    Ich verstummte.
    Damit hatte er Recht. Missmutig zügelte ich die Wut auf ihn und sparte mir auch einen Kommentar darüber, dass es ihm wohl sogar ungelegen gekommen wäre, mich zu töten, wenn er doch vorhatte, mich gefangen zu nehmen und nach Konohagakure zu schleifen.
    Genau genommen, war dieser Aspekt auch gar nicht mein Problem oder der Grund, warum meine Kehle trocken wurde. Ich wappnete mich für das Unausweichliche.
    Mein Kopf begann zu rauchen, als ich mir die verstreuten Puzzelteile näher heran holte und schluckend zusammen setzte. Ich war anders als die anderen, das war mir von Anfang an klar gewesen, doch nun war ich von einer mittelmäßigen Jägerin ohne genügend Motivation zu etwas geworden, das drei uralte Wesen über Jahrhunderte hatten beschützen wollen. Die Überlegung mochte sich seltsam überheblich auf meiner Zunge anfühlen, aber ich WAR wertvoll. Ich war eine Trumpfkarte und sollte verdammt sein, wenn ich sie nicht als erste ausspielte.
    „Du wirst ihn aufheben“, sagte ich leise, bevor ich entschlossen den Kopf hob. „Du wirst mich aus deinen Reihen entlassen, Kukan“, verdeutlichte ich meine Forderung nach kurzem Überlegen noch etwas lauter und schnitt artikulierend durch die Luft. „Wenn der Hintergrund des Fluches eine Lüge ist, und ich nicht einmal die Anforderung EURER Blutlinie erfülle, dann ist es doch wohl klar, dass unser Deal damit hinfällig ist.“
    Sasuke schielte in die Schatten der Höhle. Mittlerweile hatte er die Arme vor der Brust verschränkt und eine undurchschaubare Miene aufgesetzt. War er gelangweilt? Desinteressiert? Gosh, ich konnte ihn einfach nicht durchschauen.
    In der Dunkelheit bewegte sich etwas. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, Kukan tigerte von einer Seite zur anderen. Und war das gerade eben etwa ein Seufzen gewesen? „Einverstanden.“ Die Einwilligung kam so plötzlich, dass ich zuerst nicht sicher war, ob ich sie mir nicht nur eingebildet hatte. Vor allem den müden, angeschlagenen Unterton, der einen fast traurigen Eindruck gemacht hatte. Meine Verwirrung nahm zu, dennoch machte ich mich auf das Schlimmste gefasst, einfach weil ich mich gerade mit einem unsterblichen, gottgleichem Wesen angelegt hatte, das meine Existenz in den Händen hielt. Das „Aber“, das seinen nächsten Satz begann, unterstrich nur die Notwendigkeit meiner angespannten Haltung. „Aber nur, wenn du dich mit Jikans letztem Willen auseinander setzt.“
    Natürlich gab es einen Haken. Es gab immer einen Haken.
    Was hatte er vorhin über dieses Eisfeuer gesagt? Über diese Barriere, die seit Jikans Tod nur noch ich überleben konnte? Ich sollte sie erneuern, nicht wahr? Fein, das konnte ich tun.
    Ich nickte langsam. Wir würden alle bekommen, was wir wollten. Und ich noch ein bisschen mehr, wenn ich es richtig anging. „Nur, um es auch wirklich klar zu stellen. ALLES ist nichtig. Ich will die Dinge wieder hergestellt haben, wie sie vor unserer Begegnung waren. Vor unserem Deal.“
    „Das ist nicht möglich.“
    Mach es möglich! „Wieso nicht?“, fragte ich misstrauisch.
    „Weil selbst du die Zeit nicht zurück drehen kannst. Es kann nie wieder so sein, wie es einmal war. Nur gewisse Umstände können wieder hergestellt werden.“
    Typisch Trickster. Wenn es um Verhandlungen ging, die sie selbst führten, dann war ihnen nichts zu kryptisch, doch kaum hatte sich ein anderer der Oberhand bedient, mussten sie haargenau wissen, auf was sie sich einließen. Ich musste auf ein verdecktes Blatt setzten.
    „Gut“, seufze ich unzufrieden. „Was muss ich tun?“
    „Loslassen.“ Sasukes Stimme durchschnitt die angespannte Luft der Höhle wie eine scharfe Klinge, und das obwohl er ganz ruhig gesprochen hatte. „Wenn du alles Nötige lernen willst, um Jikans Kräfte einzusetzen, dann ist Rikumagure der beste Ort für dich. Dort gibt es auch keine Verbannten, die dich töten wollen.“ Der Uchiha hob leicht den Blick an, als er geendet hatte. Seine Augen zeugten von einer Gewissheit, die ich selten an einem Menschen gesehen hatte und eins war mir sofort klar: Wenn Sasuke sich an einer Überzeugung festgebissen hatte, dann glaubte er mit jeder Faser seines Körpers daran. Nur ob ich ihm deshalb vertrauen konnte? Wohl eher nicht.
    Das tiefes Knurren erklang so unheilvoll, dass ich zusammen zuckte. „Nein! Das verbiete ich!“, stellt Kukan düster grollend klar, was mir einen Schauder nach dem anderen über den Rücken jagte und meine Wut von Neuem entfachte. Sasuke jedoch wandte nicht einmal den Blick, als die Schatten um uns förmlich zu brodeln begannen, sondern behielt seine Augen weiterhin starr auf mich gerichtet. Diese rote Flut, neben dem fast sanften Strudel, nahm sich so durchdringend aus, wie ich es sonst nur von Röntgenapparaten gewohnt war, doch hier setzte es sich weniger in Fleisch und Knochen fest als in Seele und Gedanken. Wenn ich es nicht besser gewusst hätte, ich wäre überzeugt davon gewesen, er wolle mich weg vom Schutz des Tribunats und hin ins ungewisse Licht locken. Warte mal … ich wusste es besser, denn mein Verstand begann langsam die manipulativen Tricks um mich herum zu durchschauen.
    „Warum bist du wirklich hier?“, fragte ich deshalb kühl. Ich suchte eine direkte Konfrontation.
    „Ich habe dich gesucht. Eigentlich deine Gene“, antwortete Sasuke gerade heraus.
    „Und wieso?“
    „Weil ich dich nach Rikumagure zu den Hütern bringen soll.“
    Diesmal konnte ich mich nicht zurück halten, und im Grunde hatte ich es auch nicht wirklich versucht. Mein spöttisches Lachen war alles andere als erheitert und klang mehrmals von den Wänden wieder. „Ja. Das wird nicht passieren.“
    Abgesehen davon, dass sich die Hüter schon immer einen feuchten Dreck für uns Jäger interessiert hatten, konnte man bei ihnen nie sicher sein, ob sie einem gerade heraus die Wahrheit sagten oder heimtückisch ins Gesicht logen. Für sie waren wir Witzfiguren, und deshalb konnte ich sie ebenso wenig leiden wie die Verbannten. Wobei ich zugeben musste, dass Letzter in meinen Augen mittlerweile zumindest einen Grund hatten, meinesgleichen zu hassen. Insbesondere mich.
    „Ich werde dich nicht dazu zwingen“, stellte der Uchiha sofort klar.
    „Als ob du das überhaupt könntest“, trotze ich süßlich.
    Ich dachte, dass ich ihm ein Lächeln entlockt hatte. Vielleicht musste er den Mund aber auch nur verziehen, damit ihm sein überhebliches Gefasel nicht zwischen den Zähnen stecken blieb. „Es ist nur eine Tatsache, dass du ohne den Schutz der Barriere so gut wie tot bist“, erklärte er zusätzlich.
    Seit ich den Pakt für die Unsterblichkeit eingegangen war und mich enormer Selbstheilung erfreute, hatte ich auf ungesündeste Art und Weise mit den Zähnen zu knirschen gelernt. Nein, ich musste ihn nicht zurecht weisen. Nein, ich hatte es nicht notwendig, etwas zu beweisen. Nein, ich würde nicht versuchen, mit seinem wirklich hübschen Gesicht den Boden aufzuwischen. Ich hatte meine Sinne noch alle beisammen, deshalb drehte ich mich zu den Schatten um, die ich für Kukan hielt, um auch bei ihm noch etwas loszuwerden: „Siehst du? Ehrlichkeit. Ist gar nicht so schwer!“
    Ohne ein weiteres Wort, machte ich am Absatz kehrt und lies die Höhle hinter mir.
    Das erste, was ich bei normalem Mondlicht am Horizont erkennen musste, war der Aufstieg von Rauch aus unserem Lager. Ich hörte Bomben explodieren, und wusste, dass ich zu laufen beginnen sollte.

    Es war nicht das erste Mal, dass mein Geist meinen Beinen voraus lief, nur das erste Mal, dass ich es nicht für einen Tagtraum hielt. Ich konnte mir nicht erklären, ob es die Traumfänger, all die Lichter und Farben oder all die Chöre waren, die mir den Himmel näher brachten, aber als ich erkannte, dass der Abstieg des Berges noch zur Hälfte vor mir lag und ich mit eisiger Gewissheit wusste, nicht schnell genug werden zu können, egal wie oft ich teleportiere und sprang, sah ich das Geschehen im Lager voraus. Es waren nur wenige Bilder von Zerstörung und Kampf, doch genügten sie, um mich „Unmöglich“ als eine wage Richtlinie erkennen zu lassen.
    Ich hatte keine eigenen Götter, konnte mich also nicht an einem Glauben festhalten; ich vertraute keinen mystischen Schutzgeistern mehr und stellte meine eigenen, übermenschlichen Ahnen auf dieselbe Stufe mit Oni und anderen Yōkai. Aber ich hatte mich und einen eisernen Willen.
    Und dieser befahl dem Gefüge der Welt, mir das Lager näher zu bringen.
    Der Schmerz griff wie eine eiskalte Hand in meinen Nacken. Meinen Körper zerfetztes es im Schein des hellen Mondes zu abertausenden Funken Kristall und stob zwischen all die Polarlichter des Tribunats, um zielgerichtet wie ein Pfeil am Rande des Berges in die Erde einzuschlagen.
    Dutzende Farben verdrängten die tiefschwarze Nacht, hunderte singende Stimmen entfachten ein erhabenes, dennoch seltsam animalisches Konzert, als hätte man der Steppe und Savanne endlich eine Stimme gegeben, während die Schlieren des Nordens in einem Tornado umher wirbelten. Die Präsenz meines Chakras schien überall und nirgends gänzlich zu gleich zu sein und ich vernahm mein Umfeld wie ein Außenstehender von Raum und Zeit.
    Der Kampf tobte ähnlich einer Naturkatastrophe durch unser Zuhause. Ich verstand nicht, was passierte, bevor ich nicht die einzigen zwei Gesichter ausmachte, die ich in den Reihen unserer Jäger nicht wiedererkannte. Eines davon war nur teils sichtbar: schulterlange, blaue Haare umrahmten es so präzise, dass ich nur die untere Gesichtshälfte und das Linke, der grauen Auge zu sehen bekam. Wenn das nicht schon Erkennungsmerkmal genug gewesen wäre, hätte es die Ledermontur getan, die aus schwarzen Handschuhen, hohen Stiefeln und einer langen Hosen bestand und sich hart, aber dennoch perfekt kompatibel, von dem weißen Top abhob, um das sich eine grüne Ranke geschlungen hatte. Die Fremde brachte mit spielerischer Eleganz gute zehn Fußlängen hinter sich, in dem sie ein perfektes, fließendes Rad schlug, gleichzeitig zwei Doppelgänger aus ihrem Körper löste und in der Endposition die Ranke über einen gestreckten Arm und gespannte Finger auf Sasori zu schnellen lies. Sämtlicher seiner Chakrafäden zerschnitt es wie Seidenstoff in einem Hieb, und das sorgte für ein Dutzend vom Himmel fallender Holzleiber. Mit der nächsten Explosion, wurde das dunkelhaarige Mädchen von einer Wolke aus Staub verschluckt; über ihrem Kopf sprang die zweite Angreiferin in einem gekonnten Salto hinweg. Ihr silberweißes Haar beugte sich dem Drängen des herrschenden Windes, umspielte ihre zarte Silhouette im Flug, als der Sturm sich ausbreitete und eine Formation an Jägern wie ein Kartenhaus einstürzen lies. Mehrere Körper – sämtliche unserer Nahkämpfer, um genau zu sein – wurden durch die Luft geschleudert wie Pinienkerne, während die Fremde gerade mal auf den Beinen gelandet war, ihren Kampfstab zwischen ihren Fingern drehte und sich Zeige- und Mittelfinger vor die Nase hielt. Ich hatte diese Position oft genug gesehen, um zu wissen, dass sie bei KEINEM Ninja oder Krieger etwas Gutes bedeutete, erschrak aber dennoch, als der Stab mit einem Donnern in den Boden einschlug und durch eine rauschende Welle die Schwerkraft aufgelöst wurde.
    Ein einzelner Pfiff brachte meine Hoffnung zurück. Das weiße Blitzen einer altbekannten Transformation lies mein Chakra vor Freude pulsieren, als Nayokos stets viel zu freudiger Kampfschrei über das Lager herrschte. Ein verbissenes Grinsen lag auf den Lippen der Yumiko, bevor sie ihren Arm zurück schwang und ihre Sense fliegen lies wie einen mächtigen Boomerang. Ich sah mehrere Gestalten zur Seite springen, Deidara, wie er mit gehaltenem Kopf in Deckung ging und vernahm das unheimliche Grollen des Erdbodens als Erste. Ebenso das Grinsen der Blauhaarigen.
    Mit dieser viel zu leisen Vorwarnung, brach sich die mächtige Wurzel aus der Erde. Zwei Jäger aus Ongakus Reihen wurden von den Füßen gehoben und flogen über das Lagerfeuer hinweg in Richtung der Zelte, zwei weitere wichen behutsam dem Spalt aus, in dessen Dunkelheit unsere Essbänke verschwunden waren. Das Gewächs schoss unterdessen auf Nayoko zu, durchdrang Deidara an der Schulter, als er sich in den Weg stellen wollte und wurde nur knapp vor ihrem Ziel von Kyko durchschlagen, der im Flug seine Laufbahn geändert hatte. Das war der Fehler des kleinen Eisvogels: Aus dem abgetrennten Stumpf wuchsen drei weitere Stränge, wie bei den Köpfen der Hydra und umschlossen den Schaft der lebenden Waffe mit eiserner Hartnäckigkeit.
    Gleichzeitig durchschnitt ein Schrei die Nacht.
    Meine Aufmerksamkeit fokussierte sich auf die Erbin Moris, nur um verwirrt zu bemerken, wie eine silberne Schicht sich unter ihrer Haut bewegte, gerade dann, als sich ihr mehrere Schattenjäger weiter abseits zum Kampf stellten. Knochen knacksten, Knöchel brachen, ein Arm wurde gehoben und Kohaku mit stählerner Kraft an der Brust getroffen, die ihn zu Seite warf. Die Blauhaarige hatte keinen Kratzer abbekommen, dafür verliefen erneut silberne Striemen unter ihrer Haut.
    Das war Metall. Sie gehörte nicht nur zum Kitsune des Waldes, ihr unterstanden ebenso die Berge und all ihre Rohstoffe. Das war Yamas Macht.
    Am liebsten hätte ich mir fest auf die Unterlippe gebissen. Die verbannten Kitsune vermochten es nicht, eine gemeinsame Technik zu erschaffen wie das Tribunat, aber ihre Erben konnten sich auf recht natürliche Art und Weise miteinander verbinden und Kinder zeugen, die von Geburt an die stärksten Kräfte beider Linien besaßen. „Vorsicht“ war noch gar kein Ausdruck für das Vorgehen, das wir bestreiten mussten.
    Unerwartet begann der Himmel sich mit Wolken zu füllen. Schneeflocken stoben zu allen Seiten und mischten sich mit saurem Regen zu einem halben Orkan. Unsere Jäger kämpften immer noch stellenweise mit der fehlenden Gravitation, hinzu kam jetzt auch noch ein Wetter, das ihnen die Sicht vernebelte, …. und zwar punktuell und gezielt.
    Aber wie war das bloß möglich? … Der Stab! Es war der Stab des weißhaarigen Mädchens, die in ihrem blauen Kleid ungerührt in ihrem Kreis aus Schwerelosigkeit verharrte und die Mächte im Himmel anrief. Sie schien ihr Jutsu stabilisiert zu haben, denn nun griff sie an das breite, rote Stoffband, das sie als Gürtel verwendete und zog etwas hervor. Es waren mehre Edelsteine, kaum so groß wie Spielmurmeln, doch als sie alle drei in die Luft warf, explodierten sie über ihrem Kopf zu einem Meer an Feuerfunken, um dann in einem Sternenregen eine mächtige Kuppel zu bilden, die sämtliche gerufenen Traumfänger, Kunai und ähnliche Waffen abblockte.
    „Mayoi!“, rief Tengokus Nachfahrin nach getaner Arbeit aus und sah hinauf in den sich immer weiter verdunkelnden Himmel.
    Der Blick der Blauhaarigen folgte ihr dorthin. „Verstanden!“, erwiderte sie umgehend, während aus ihrer geöffneten Hand aus einem kleinen Samen eine nussartige Frucht wuchs. Ihr Alterungsprozess wurde zusehends schneller und plötzlich öffnete sich die Schale, um einen Kern aus Pollen zu offenbaren.
    Die gleisende Kuppel flackerte mittlerweile unter den stetigen Angriffen unser Jäger deutlich, und gerade als das weißhaarige Mädchen unter angestrengter Konzentration die Miene verzog, stießen weitere Ranken in einem Kreis um sie herum hervor und ließen den Schutzschild frühzeitig in einem neuen Sternenhaufen zerbersten.
    Ich war die Einzige, die mitbekam, wie Mayoi ihre Hand an den Mund hob. Mit einem süffisanten Grinsen zerrieb sie das Gebilde zwischen ihrer Faust und blies die zu Asche gewordene Frucht hinein in den tobenden Sturm, wo sich das Gemisch unnatürlich vervielfachte. Dann hatte sie augenscheinlich nur noch eine Frage, bevor die ersten unserer Jäger zusammen sackten, wie gelähmt: „Hast du sie gefunden, Tenshisa?“
    Die Angesprochene schwang ihren Stab von linker zu rechter Seite, drehte ihn einmal hinter ihrem Rücken, nur um die Arme zu wechseln und ihn anschließend abermals in die Erde zu stoßen. „Noch nicht“, kam eine knappe Antwort unter wachsamen Augen, die sich zu allen Seiten umsahen. „Das Tribunat ist auch nicht hier! Denkst du…?“
    „Ich weiß es sogar!“ Mayois Hände bildeten ein Kreuz vor ihrer Brust, als sie ihre Kameradin unterbrach, und mit sich ausbreitenden Armen, brachte sie den Wald und die tieferliegenden Gesteinsplatten unter dem Lager in ihre Kontrolle. Ihre Stimme war seltsam kalt, als sie fortfuhr, fast so, als würde sie Worte aussprechen, die nicht ihre eigenen waren und beinahe bitter auf ihrer Zunge schmeckten: „Du weißt, was es heißt. Nur ein toter Jäger, ist ein guter Jäger…“ Der letzte stille Atemzug fesselte unsere Umgebung, wie es nichts anderes besser hätte tun können, bevor sich Mayoi auch ihn gänzlich unterwarf. Mit bloßem Willen ließ sie das untere Gestein erzittern, bis ein gewaltiges Beben im Lager entstand und alle von den Füßen warf. Die Erde brach auf, als würden sich gigantische Würmer im Untergrund bewegen, doch tatsächlich war es brodelnde Lava, die schon kurz darauf in Fontänen nach oben schoss.
    Tenshisa sprang in die Höhe. Sie bewegte sich schwerelos, als würde sie fliegen, dabei war es der Sturm, der sie in die Nacht tragen wollte, während Mayoi unberührt im Magma stand, beschützt durch eine Naturgewalt aus dem Erdkern. Alles würde sie zerstören, alles WOLLTE sie zerstören, und wir alle erkannten zu spät, dass der Wind mit Schnee und Regen in einem gewaltigen Wirbelsturm das Lager umschloss. Mehrere Jäger versuchten hindurch zukommen, um sich vor der Hitze der Lava in Sicherheit zu bringen, doch keinem gelang es. Wieder wurden sie herum geschleudert wie Pappfiguren und landeten gerade noch rechtzeitig auf ihren Füßen, um neuen Angriffen auszuweichen.
    Es war ein Alptraum. Und in diesem Alptraum glühten urplötzlich blaue Augen auf. Schwarze Pupillen zogen sich in die Länge und entfachten eine bedrohliche Glut, als ein einzelner Jäger nach vorne sprang. Er Schlug einen Salto in der Luft, schien sich mit einer Hand direkt auf der sich ausbreitenden Lava abstützen zu wollen, und erschuf unter seinen Fingern eine dunkle Barriere. Blitzartig breite sich eine matte Schicht violettem Glas aus und schloss den Jäger selbst, Mayoi und sogar die in der Luft schwebende Tenshisa ein. Augenblicklich erstarb der Sturm und der Regen viel leblos nach unten, während der Schnee ihm gleitend folgte, um auf dem bereits kühlendem Magma zu schmelzen.
    Schneeweißes Haar hob sich hinter den sechs gleichgroßen Wänden ab, die einen gigantischen Quader um das Epizentrum des Angriffs bildeten. Ich erkannte Kais Angriff noch bevor ich seine Silhouette in seinem kleinen Raum tatsächlich ausmachte, und ich spürte die Dunkelheit, die sich wie ein bösartiges Geflecht mit seinem Kekkei-Genkai vermischte. Die Präsenz von Kukan brach derartig unheilvoll und plötzlich über unsere Reihen einher, dass sich sogar die Bäume nach Außen bogen, als hätte man ihnen einen Fluchtinstinkt geschenkt, doch der Schrecken währte nicht lange. Als ein tiefes Knurren erklang, so einschneidend in Mark und Bein, das selbst die Erde abermals erzitterte, verlor sich jegliche Sicht auf den Inhalt des dämonischen Raumes, bevor eben dieser klirrend in abertausende Splitter zersprang und ausnahmslos in dem Schatten eines Menschen verschwand.
    Erst als der erste Kälteschauer mich auf die Knie zwang, merkte ich, dass ich die Teleportation endlich hinter mich gebracht und in fester Form im Lager manifestiert war.
    Ich selbst hatte den Schatten geworfen, verzerrt in einer schmalen, langen Schwärze.
    Ansonsten bewegungsunfähig grub ich meine Finger in die aufgelockerte Erde und versuchte zu verarbeiten, was ich gesehen und gespürt hatte, was ich gewesen war.
    Ich fand keine Erklärung und ein einzelner Name geisterte durch meine Gedanken, ausgesprochen von Deidara, der sich eine Hand auf die Wunde auf seiner Schulter gepresst hatte. „Kai“, wiederholte er, als würde er selbst einen zweiten Anlauf brauchen, um auszusprechen, was ihm auf der Zunge lag. „Er hat sich und die Verbannten teleportiert. Aber wo hin?“ Ich sah, wie er die blutige Hand in die Dunkelheit streckte. Er musste nicht aussprechen, dass er unseren Kameraden nicht finden konnte, denn jeder von uns spürte es in sämtlichen Zellen widerhallen: Die Leere, weil ein Unsriger aus jeglicher Reichweite entschwunden war. „Wo ist er?“, wiederholte der Nukenin, nicht ungehört, aber unerlöst.
    „In der Unterwelt.“ Die Stimme tauchte so unerwartet auf, als gehörte sie einem still beobachtenden Geist, der unsichtbar vor unserer Nase schwebte, und als ich aufsah, um mich zu vergewissern, ob meine Sinne mich nicht täuschten, entdeckte ich Sasuke Uchiha auf dem Dach eines der noch stehenden Zelte. Sein Blick lag zielgerichtet auf mir, auch als er nach unten sprang, und beförderte mich erneut in einen Zustand, den ich als dumpf und weltlich losgelöst beschreiben würde.
    Dennoch hatten seine Worte den Effekt eines Eispickels, rücksichtslos hinein getrieben in meinen Brustkorb. „Es war die einzige Chance, euch vor den Jutsus der beiden Tracker zu bewahren“, sagte er mit einem Hauch von Anerkennung, der blitzschnell in feinen Hohn umschwang. „Gerade rechtzeitig, wenn man bedenkt, dass die Erbin Jikans so unvorsichtig gewesen ist, ihnen gerade im verheerendsten Moment direkt vor die Füße zu laufen.“
    Mein nächster Herzschlag pulsierte mehr als deutlich in all meinen Zellen.
    Betroffen sah ich nach unten, als hätte er mich aus einem düsteren Traum geweckt, nur um im gleichen Atemzug zu verdeutlichen, dass ich mir nichts davon gänzlich eingebildet hatte.
    Kai hatte sie geopfert um mich und die anderen zu retten, doch die Verbannten waren in erster Linie überhaupt erst meinetwegen gekommen. Das würde nicht aufhören, nicht wahr? Man würde immer weitere Tracker nach mir aussenden und jeder Jäger, der zwischen mir und ihnen lag, würde sterben, alleine schon aus Prinzip.
    Nein, das wollte ich nicht. Eben so wenig wie ich wollte, dass auch nur noch ein einziger aus meinem Leben einen Triumph schlug.
    Ich spürte den kühlen Glanz einer eiskalten Mimik über meine Züge gleiten, als hätte ich mir eben eine Maske aufgesetzt und die Trauer, die Furcht und die Unsicherheit sichtbar aus meinem Körper vertrieben. Meine Augen glitten an die Stelle, wo Kai meinetwegen gestorben war und wo nichts anderes mehr übrig war, als die Asche über einer bröckelnden Schicht hartem Magma. Ich begann mir mein bisheriges Leben in Erinnerung zu rufen; ich stellte mir vor, wie es sein könnte, sich endlich von den Schatten der Vergangenheit zu befreien, zu vergessen, was meine Wut geschürt und die Furcht in meine Seele gegraben hatte.
    All das loszulassen glich einer feinen Nadel, die einem ins Fleisch gestoßen wurde: Es tat weh, doch nur für einen Moment, bevor die Anspannung von einem abfiel und man ihre Präsenz nur noch dumpf an der wunden Stelle wahrnehmen konnte.
    Ich wusste nicht ob ich recht hatte oder nicht, aber als ich die Umrisse eines heulenden Wolfes unter einem halb zerbröckelnden Mond aus dem Magma hervor brechen lies, wie ein Siegel, das von unten nach oben gestanzt wurde, glaubte ich die Kräfte Jikans in mir erwachen gespürt zu haben. Sie waren wohl schon immer da gewesen und das Gefühl der Aufregung in meinem Magen schien mir sagen zu wollen, dass ich eine ziemlich gute Vorstellung davon hatte, wie ich sie nutzen musste.
    Ich war Desert Wolf. Ich war die Erbin Jikans.
    … Und ich war entschlossen etwas zu tun.
    Mit einer Gelassenheit, die wahrhaftige Eiskristalle über die Erde unter mir zog, richtete ich mich auf. Zunächst setzte ich mich zurück auf meine Knie, dann stand ich stramm auf beiden Beinen. Es war nur eine geschmeidige Bewegung, doch sie genügte dafür, Unbehagen über die anderen Jäger zu bringen, die ich einen nach dem anderen betrachtete. Ich schaffte es sogar, ihr Unwohlsein noch zu verstärken, als ich ohne auf die Risse von Mayois Angriff zu achten, das Lager durchwanderte und auf einige der Vorräte zuhielt. Keiner hatte bisher etwas gesagt, mich nur betrachtet, wie ein Wesen jenseits von Realität, gefangen zwischen Wahr und Falsch, deshalb glich das leise Plopp der Sakeflasche einem Pfeilschuss, aufschlagend in brüchigem Holz. Monatelang hatte ich außer normalen Wasser nichts mehr meine Kehle hinab geschickt, demnach brannte der Alkohol in meinem Mund wie die Flammen auf der Feuerstelle, in die ich das Glas samt seinem restlichen Inhalt hinein schlug, so unerwartet, dass Deidara wachsam zurück sprang. Meine Reaktion war getrieben von kurzzeitiger völliger Anspannung und unterdrückter Wut, und diese erneut loszulassen, lies mich mehrmals keuchend auf meinen Atem achten. Zwischen den aufpeitschenden Flammen vor mir sah ich an meinen Kameraden vorbei, um den Blick von Sasuke Uchiha zu erwidern. Ich zögerte nicht, auf ihn zuzugehen, direkt durch die Feuerstelle hindurch, dessen Gefahr durch das Eis gebunden wurde, das mich immer noch verfolgte. Die Leichtigkeit hinter meinen Bewegungen lies mich innerlich frösteln, nicht aber, weil mich in ihnen wiederzufinden mir schwer fiel, sondern weil sie mich die Furcht in den auf mich gerichteten Augen etwas abgewinnen ließen. Die Verbannten hatten abermals ihre Spuren auf unserer Gemeinschaft hinterlassen, doch die langsam sickernde Erkenntnis, dass noch etwas Größeres vorging, als man uns gesagt hatte, und dass ICH darin verwickelt war, grub tiefer Furchen in die bedrückte Stimmung als es jemals eine irdische Waffe hätte tun können.
    Knapp vor Sasuke verharrte ich unschlüssig, einen weiteren Schritt brachte ich hinter mich, bis ich in die entgegensetzte Richtung schauend genau neben ihm stand, so nahe, dass sich unserer Arme beinahe berührten. „Triff mich nach der Totenmesse zu Sonnenaufgang vor der Höhle Kukans“, befahl ich ihm, trotz oder gerade wegen Kukans Präsenz, die sich spürbar über uns zu einem sich bewegenden Wirbel zusammen zog. Er lauschte, hörte auf jedes Wort, das ich sagte und nur für ihn und den Uchiha Sinn ergeben konnte. „Wir gehen nach Rikumagure.“ Denn es wird Zeit, dass ich die Kitsune und ersten Hüter in der Stadt der Abenddämmerung persönlich kennen lernte.

    Tage später sollte es soweit sein.

    Auf einer Straße aus purem Glas, über reißendem, klaren Wasser, getrieben von dem windigen Pulsschlag der Stadt, in die es unterirdisch floss, hielten wir auf hohe Mauern aus edlem, schwarzen Marmor zu. Von weitem sahen die gewaltig hoch in den Himmel ragenden Tore in der Mitte aus wie ein gigantisches Gemälde des Morgengrauens, das sich bewegte und stetig neu zeichnete, doch umso näher ich mit Sasuke kam, umso ersichtlicher war es, dass es sich um einen Wall aus züngelnden Flammen handelte, der mit verschiedenen rötlichen Nuancen den Blick auf alles verschleierte, das jenseits von ihm lag.
    Geisterhafter Wind griff mir abermals ins Haar. Ich achtete schon seit geraumer Zeit darauf, die Klänge von Leben darin zu vernehmen, wie raschelnde Blätter oder das Scharren von losem Gestrüpp über Glas, doch alles, was ich zu erwarten schien, lies auf sich warten, bis es schließlich in Vergessenheit geriet. Jenseits der Straße lag nur blickdichter Rauch und weder Geruch noch Ton zeugte von etwas, das er so rätselhaft umgab.
    Mir fröstelte es erneut. Der Weg nach Rikumagure war eine trostlose Angelegenheit und beinahe ausschließlich begleitet von kalten, nicht zu brechendem Glas. Selbst die Flammen schienen keine Wärme abzugeben, wie es mir schien, den meinen Atem konnte ich auch nahe der Mauer deutlich sehen, als er zwischen meinen bebenden Lippen austrat.
    Wenn das der hart erkämpfte Preis im Krieg der Kitsune gewesen war, wollte ich mir nicht ausmalen, wie bedauernswert die Unterwelt dagegen aussehen musste. Ich konnte mir schönerer Orte vorstellen, bestimmt hatte ich schon genug davon gesehen, um mich an ihrer Erinnerung festzuhalten, und so straffte ich wieder die Schultern, um gerader zu stehen und die erneut aufkeimende Unsicherheit zurück zu drängen. Feine Neugierde nahm ihren Platz ein, als ich an die Hüter dachte, die mich mittlerweile erwarten mussten. Ich dachte nicht, dass sie jemals auch nur von den Gedanken übermannt worden waren, einmal eine Untergebene Kukans in ihr Land oder gar in ihre Hauptstadt Asahigure zu lassen.
    Ehemalige Untergebene, erinnerte ich mich an dieser Stelle selbst. Meine Seele gehörte von nun an zu Jikan. Bald schon würde ich vollkommen frei sein, denn der Schattenfuchs hatte mir sein Wort darauf gegeben. Nur deshalb würde ich auch das Meine halten.
    Als ich die angedeuteten Griffe an den lebenden Toren berühren wollte, packte Sasuke urplötzlich mein Handgelenk. Das hatte er seit Sonnenaufgang schon ein Dutzend Mal gemacht und langsam gewöhnte ich mich daran, vor für mich nicht ersichtlichen Gefahren von ihm gewarnt zu werden. Er war es schließlich auch, der mich im Schutz seines Sharingans über die Grenze zu diesem Reich gebracht hatte, bevor ich zwischen den Welten hätte verloren gehen können. Er leitete mich durch den diamanten Wald mit seinen animierten Kreaturen aus dunklem Kristall und den verschlungenen Wegen, die im Nirgendwo, meistens aber an dunklen Abgründen enden sollten. Er rettete mich nicht nur einmal vor einem unbedachten Schritt in den Tod, welchen es in mehr Variationen zu geben schien, als ich bisher geahnt hatte, und er war geduldig, angesichts meiner Blindheit im Zwielicht dieses Landes.
    Und dennoch… Wenn er weiterhin so tat, als wäre ich ein kleines Kind, das man herum schuppsen konnte, ohne mit ihm zu reden, wäret diese Abmachung mit ihm nicht mehr lange.
    „Wir können die Pforte auch mit bösen Blicken zum Öffnen bringen, wenn dir das lieber ist“, murmelte ich angesäuert in mich hinein.
    „Oder wir warten einfach, bis man uns entdeckt hat“, gab Sasuke raunend zur Antwort. Dann drückte er meinen Arm nach unten und sah abwartend in das Muster der Flammen, eher aber daran vorbei, als könnte er die undeutlichen, verzerrten Schemen dahinter richtig deuten. Ich schüttelte ungläubig den Kopf, während ich die Luft ausstieß. Höchstwahrscheinlich war er dazu sogar im Stande.
    Da erlosch der feurige Wall plötzlich. Selbst die letzten Flammen stoben zur Seite, um den Durchgang möglich zu machen, sammelten sich zu einer kleinen Kugel zusammen und schwebten in dieser Gestalt langsam vorwärts. Ich achtete genau auf das kleine Irrlicht, obwohl ich Stratege genug war, um mich eigentlich mehr um die Krieger zu sorgen, die in voller Samurai-Montur um uns Stellung bezogen.
    Eine Eskorte zum Schloss? Wieso auch nicht? Mein Leben schien mir ohnehin noch nicht Märchen genug, um nicht Platz zu schaffen für die Schergen einer dunklen Königin. Doch ein Schloss konnte ich nirgends erkennen. Stattdessen erhoben sich die Häuserzeilen und Straßenlandschaften eines altbekannten Dorfes vor mir, was mich gleichzeitig in Erstaunen und in pure Verwirrung versetzte: Es war Konohagakure.
    Mit gerunzelter Stirn machte ich den ersten Schritt. Linker Hand lag der Platz an dem ich vor wenigen Tagen diese eine Wache getötet hatte und dahinter ragte das Haus auf, das ich unter meinem Aufprall niederiss, nur war es nun unversehrt und eingebettet in einen neugestrichenen Gartenzaun.
    Noch bevor ich fragen und meinem Staunen Linderung verschaffen konnte, legte mir Sasuke eine Hand auf die Schulter und schob mich vorwärts. „Das Tribunat und ihre Jäger sind nicht die Einzigen, die der Energie von Menschen etwas abgewinnen können“, raunte er leise. „Asahigure ist die Stadt der Erinnerung, ihre Mauern und Pflaster sind im ständigen Wandel. Gewöhne dich also nicht an einen Weg, den du kennen glaubst, vielleicht morgen schon wird er dich an den Rand des vergessenen Waldes führen, der dir Alpträume bescheren kann, die selbst ich nicht mit meinem Sharingan heraufbeschwören könnte.“
    Das musste der wohl längste Satz gewesen sein, den Sasuke jemals an mich gewandt hatte, und ich merkte, wie mir der ruhige Klang seiner Stimme die Gänsehaut von den Armen vertrieb, obwohl ich glaubte, die gerade flutende Abendröte wolle sie mir auf die Knochen brennen, als völlig unerwartet die Dämmerung einbrach. Rikumagure war ein Land, das Licht und Schatten in Harmonie miteinander verband. Es gab gleisend helle sowie völlig dunkle Stunden, doch meistens lebte man hier unter einem Himmelzelt, das die Nuancen eines Flammenmeeres miteinander verbinden wollte.
    So also wurden wir zum Turm der Hokagen geführt, umzingelt von einem Sturmtrupp mit harten Gesichtern. Ich fragte mich ob sie den ausdruckslosen Blick von Sasuke abgekupfert hatten oder sich einfach an den starren Portraits der früheren Dorfoberhäupter orientierten, die in Stein gemeißelt über der Szene thronten. Ich für meinen Teil rieb leise meine Unterkiefer aneinander und spottete über die finsteren Mienen. Wer weiß, vielleicht war das ja eine Art der Begrüßung? Ich wusste es nicht und hatte auch nicht die Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn Sasuke beschleunigte seinen Gang und zog mich schon bald die Treppe des Turms hinauf, als wäre unlängst zur Eile ausgerufen worden. Mehrmals sah er über die Schulter zurück, und so bemerkte ich, dass niemand uns folgte.
    „Was ist? Haben wir was gestohlen?“, fragte ich und setzte springend über die letzten beiden Stufen des Aufgangs hinweg, um leichtfüßig in einen weiten, gebogenen Gang zu setzten. Sasuke gab mir keine Antwort darauf. Wie immer behielt er sich das Recht darauf, mich vor Gefahren beschützen zu dürfen, ohne sie beim Namen zu nennen. Erst als ich zurück sah, erkannte ich, dass sich die Treppe hinter uns in ein schwarzes Nichts verwandelt hatte. Augenblicklich überkam mich ein Schauer, der sich in einem unguten Gefühl in meinem Magen manifestierte. „Ich hab dir doch gesagt: Verlass dich nicht auf deine Umgebung.“ Mit diesen Worten schritt mir Sasuke voraus. Wie nur, war es ihm gelungen, das zu erahnen? Hatte er etwas gehört oder gesehen? Gab es eine Regelmäßigkeit, die er mir noch nicht offenbaren wollte? Vorsichtig wie ein verschrecktes Tier schlich ich im hinter her. Erst nach einer Vielzahl an Türen, trafen wir auf einen Hüter. Auch er stellte mit seinem Aussehen einen früheren Samurai nach, doch die Dynastie zu erraten, überstieg mein Wissen um Längen, ebenso eine Ahnung zu bekommen, zu welchem Kitsune er gehören mochte. Jedenfalls bewachte der Krieger mit seinem massigen Leib und dem altbekannten nüchternem Blick eine einzelne Türe, die mir nach allem, nicht aber nach dem Sitz einer Herrscherin oder eines Herrschers aussah.
    Sasuke stellte mit einem feinen Nicken offensichtlich Kontakt zu dem jungen Mann her, und prompt musste ich mich zusammen reißen, um mir einen Kommentar über Redseligkeit zu sparen. Umso mehr ich in die Welt der Hüter eintauchte, umso schmerzlicher wurde mir bewusst, wie familiär wir Jäger miteinander umgegangen waren, trotz unserer Eigenheiten. Die Welt der Abenddämmerung kam mir recht kalt und leer vor und reflektierte sich in der Stimme und im Ton der Wache: „Kasai, Oberhaupt des Rates der Hüter und Herrscherin über Rikumagure und alles Leben in ihm, wird die Erbin Jikans alleine empfangen“, erklärter sie mit reglos formaler Miene. Sofort verschränkte ich meine Arme vor der Brust und verlagerte mein Gewicht, um mit einem Fuß ungeduldig auf den Holzboden trommeln zu können, den die Dielen ausmachten. „Tja, dann wird Kasai, Kitsune des Feuers und Mörderin meiner Nerven, ihren Tee heute alleine trinken müssen. Denn wenn Sasuke nicht mitkommt, mache ich am Absatz kehrt und gehe ins Feuerreich zurück.“ Meine Zunge folgte abermals Instinkten, die meinem Verstand im Nachhinein Kopfschmerzen bereiteten, doch wenn man vorlaut geboren wurde, musste man sich Gewohnheiten aneignen, um sich aus dem Schlamassel zu ziehen und zu überleben. Also ignorierte ich den ungläubigen Blick Sasukes, der neben Ärger auch noch ein anderes, für mich nicht deutbares Gefühl beinhaltete und behielt die Ruhe.
    Direkt neben mir entdeckte ich eine entzündende Fackel, gut möglich, dass sie mir gar nicht aufgefallen wäre, wenn die Wache sie nicht so eindringlich betrachtet hätte. Ohne ein weiteres Wort, lediglich nach einem stummen Nicken, trat der Mann zur Seite und lies uns passieren. Die Türe musste ich mir selbst aufmachen und abermals spürte ich Sasukes Hand auf meiner Schulter. Beinahe hätte ich den Kopf in den Nacken gelegt, und zum Glück reichte die Zeit dafür nicht aus, denn kaum, dass ich die Schnalle nach unten gedrückt hatte und der erste Spalt im Türrahmen den rötlichen Schein des Abendrots aufzeigte, kam dieser gewaltige Sog auf, so schnell und unerwartet, dass es mich von den Füßen riss. Scheinbar an allen vier Gliedern wurde ich nach vorne gezogen, peitschte durch einen undeutlich verzerrten Tunnel, der aus realen Wänden, genauso gut aber auch aus schwarzrotem Licht hätte bestehen könnte und merkte wie meine Welt von einer unnatürlichen Hitze verbrannt werden wollte, als gebe es keine größere Ehre.
    Unzählige verpasste Gelegenheiten, um Atem zu holen, missen die halbe Ewigkeit, die ich scheinbar ins schwarze Feuer gefallen war, ungeahnt der Tatsache, dass es nicht mehr als ein Wimpernschlag gewesen sein konnte, da ich schließlich am Fußende eines mächtigen Thrones auf die Knie fiel, als wäre ich zwischen Türrahmen und Empfangssaal lediglich unachtsam gestolpert. Als ich mit meinen angespannten Nerven zurück sah, wurde mir klar, zu welchem Zweck ich so unsanft begrüßt worden war, denn der Eingang, der nun nur knapp zehn Meter hinter mir zu liegen schien, war leer und verschlossen.
    Verdammte Trickster!
    Wieder knirschte ich mit den Zähnen, doch ohne es zu wollen, tat ich es lautlos. Langsam, nein, sogar zögerlich, glitt mein Blick nach oben. Ich fand Kasai umringt von flammenden Schwertern, getragen von einer Waagschale aus schwarzem Kristall, so klar, dass es genauso gut Glas über einem dunklen Abgrund hätte sein können. Ihre menschliche Gestalt kam einer jungen Frau recht nahe, doch erkannte man in den tiefroten Augen die seelenlose Hülle, die das Gefäß wirklich darstellte. Kasai selbst musste sich in den Flammen verstecken, die züngelnd über das seidenschwarze Haar der Frau strichen, deren Mund sich öffnete, um Worte aus allen Richtungen erklingen zu lassen. „Beinahe tausend Jahre“, raunte die Feuerfüchsin mit lockender Stimme. „Und endlich kann ich deine Präsenz wieder spüren, Bruder. Ich wünschte, ich könnte dich an dem fernen Ort erreichen, an den dich dein Opfer gebracht hat, um dir zu danken. Heute hat deine Erbin zu uns gefunden, es ist ein glorreicher Tag.“
    Flüsterndes Gemurmel entstand. Ich schaute mich zu allen Seiten um, als ich könnte ich die pechschwarze Dunkelheit jenseits des Thrones einzig mit meinem Willen durchbrechen, doch meine Augen blieben blind, als würden die Schatte mich seit meiner Ankunft in Rikumagure verhöhnen. Das jedoch hielt mich noch lange nicht vom Schnauben ab. „Redet ihr mit mir, Kasai? Oder richtet ihr euer Wort an eure eigenen tausend Stimmen? Da sie meinen Begleiter immer noch nicht an meine Seite gelassen haben, überkommt mich das Gefühl, dass sie es auf meine Rückkehr zu Kukan anlegen.“
    Ich bluffte. Für mich war es recht offensichtlich, aber das Flüstern brach derartig abrupt ab, als hätte die Herrscherin selbst je die Hand gehoben. Misstrauisch kam ich auf die Beine, immer noch vertraute ich keiner Stille, die ich nicht selbst erschuf und vor allem nicht in der Anwesenheit einer fremden Füchsin.
    „Nein“, gab Kasai nicht ohne Verachtung zurück .Ich sprach zu ihnen“. Wie hinter fallen gelassenen Tüchern erschienen, brachen sich die nun sichtbaren Gestalten und Silhouetten Dutzender Hüter im Hintergrund aus dem Nichts hervor. Sie saßen in mehreren Reihen, trugen Waffen bei sich oder grübelten über Pergamenten zusammen – und alle samt hatten sie ihr Haupt mir zugewandt.
    Ich schluckte, als mir bewusst wurde, dass ich sie nicht ohne weiteres würde zählen können. Und die Türe in meinem Rücken sollte sich wohl nicht ohne den Wunsch von Kasai wieder öffnen lassen. Meine Situation bereitete mir Unbehagen. Ich war eine Trumpfkarte, rief ich mir in Erinnerung, bevor ich mich noch grader aufrichtete als ich ohnehin schon dastand.
    „Also?“, beharrte ich eisern auf meiner Forderung und noch bevor Kasais kaltes Lächeln gänzlich über ihre Hülle gekommen war, wurde ich von Sasuke Uchiha flankiert. Ich hatte ihn kommen gehört, jeden Schritt bei seinem schnellen Eintreten und war dankbar für diesen winzigen Funken Normalität, der mir mein nicht verlorenes Können aufzeigte.
    Seufzend ballte ich die Hände zu Fäusten. „Wieso wolltet ihr mich sprechen?“ Ich glaubte nicht, dass ich umgehend bei meiner Ankunft in der Hauptstadt hier her gebracht worden war, nur um mir die fehlende Inneneinrichtung anzusehen. Eine Audienz hatte mir Sasuke angekündigt und ich konnte mir ausmalen, von was sie handeln würde.
    „Die Barriere“, brach sich Kasais Antwort von allen Wänden wieder, auch wenn ich diese nicht einmal sehen konnte. „Sie ist schwach und braucht die Kräfte von Jikan.“ Ich hatte Recht behalten. Nicht überrascht nickte ich kurz und erinnerte mich an die Geschichte um ihr Entstehen. Davon hatte Kukan gesprochen und darin spann sich der feine Faden unseres Deals. Mein Blick fiel auf Sasuke. „Man sagte mir, in Rikumagure könnte ich alles über die Gaben lernen, die Jikan mir geschenkt hatte, um im Feuer aus Eis nicht zu sterben.“ Geschickt wich ich dem eigentlichen Thema aus. Ich wollte mein Wort für nichts geben, schon gar nicht in direkter Konfrontation mit dem wahrscheinlich heimtückischsten Trickster, von dem ich je gehört hatte. Zu viele Geschichten erzählte man sich unter uns in den Nächten im Lager und die wenigsten, die Kasai oder ihre verbündeten Kitsune beinhalteten, zeugten von ihrer Nächstenliebe oder fehlendem Eigennutz.
    Fast schon bestätigend nickte die Frau. Umso länger ich sie betrachtete, umso betörender fand ich ihre Schönheit. Zu gut nur konnte ich mir vorstellen, wie sie in frühere Zeit unter den Menschen gewandelt war, auf der Suche nach dem Verstand eines leicht zu beeindruckenden Mannes von dessen Energie sie sich ernähren konnte. Unausweichlich schielte ich zu Sasuke hinüber und fragte mich, welche Wirkung dieses Aussehen wohl auch auf ihn haben mochte… Erst da bemerkte ich den Flammenschein in seinem Sharingan.
    Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, und die Worte Kukans hallten in mir wieder, als würden sie mich auslachen wollen, da ich ihre Bedeutung erst jetzt verstand:
    « Du bist heute in den Eisflammen der Barriere gestanden, in der Geburtsstätte all unserer Kräfte, von dem Jikan uns alle, außer sich selbst, ausschloss. In diesen Flammen hatte Kasai das Amaterasu erschaffen, mich hatte es wahre Schatten gelehrt und Ongaku die ersten Klänge aus uralter Zeit vorgespielt. »
    Natürlich. Amaterasu. Die Uchiha waren die Erben Kasais! Sie waren vergessen Hüter, die in den Schatten der Menschen lebten ohne zu verstehen, warum sie ihnen allen so fremd waren.
    „Es ist wahr“, zuerst dachte ich, die Feuerfüchsin hätte meine Gedanken gelesen und wollte sie mir bestätigen, doch dann fuhr sie fort und lockte mich ohne Vorwarnung auf einen gänzlich anderen Weg. „Hier bei uns kannst du lernen, dem Eisfeuer standzuhalten. Wir Kitsune selbst, werden dich an die Barriere begleiten, damit deinem menschlichen Körper kein Leid wiederfährt und du …“
    „Halt“, mein Wort durchschnitt die Ansprache der Herrscherin wie eine scharfe Klinge. „Noch habe ich nichts entschieden. Ich will lernen. Ich MUSS lernen und mich mit Jikans Erbe auseinandersetzten. Doch ich kann es hier tun, ebenso wie im echten Konohagakure.“
    Wieder begann das Raunen von Neuem. Für eine Zeit schien es Kasai nicht zu stören, so unbewegt und nachdenklich wirkte sie, doch schließlich wechselten die Flammen über den Schwertern die Farbe. Schwarz wurden sie, so dunkel gar, dass sie sich kaum noch von dem Thron unterschieden. „Was sagst du da?“, zwang sie mich, meine Worte zu wiederholen.
    „Ihr habt mich schon verstanden“, gab ich kühl zurück. „Die Hüter behandelten meinesgleichen wie Dreck. Noch heute halten sie nicht mehr von einem Jäger als von den Verbannten selbst, und jetzt, obwohl sich heraus gestellt hat, dass ich tatsächlich unter ihnen weilte, wollt ihr meine Hilfe?“ Wieder sah ich mich im Augenwinkel nach Sasuke um. Eigentlich hatte ich vor, mich der Überheblichkeit der Hüter schon jetzt entgegen zu stellen, doch hielt ich mich seinetwegen unerwartet zurück. „Ich hatte meine Gründe, nach Rikumagure zu kommen, um mein Training im Schutz vor den Verbannten auszuführen“, fuhr ich fort, „aber nichts liegt mir ferner, als mich mit Versprechen und Abmachungen an etwas zu binden, das ich später einmal nicht mehr ändern können sollte. Die Barriere zu erneuern, wird keine Schwierigkeit sein, wenn ich Hilfe bekomme. Aber wenn ich es tue, dann auf gleicher Höhe mit allen anderen in diesem Raum.“ Ich kniete nicht mehr, nie wieder.
    Kasais Hülle übermannte ein dunkler Schatten. Die Reglosigkeit viel von ihr ab, als sie die Hände von den Lehnen der Waagschale hob und mich mit einer feinen Arroganz von oben herab musterte. Ich erwiderte ihren Blick mit gleicher Kälte. Satt hatte ich es, von allen Seiten ausgenutzt zu werden; verdammt mochte ich sein, wenn ich es nicht vermochte, diesen Kitsune klar zu machen, dass alles und mehr, vor allem aber ihr geliebter, immer noch blutiger Frieden von mir abhing. Ein Lachen hallte durch meine Gedanken. „Noch hast du nichts verstanden“, raunte der Raum mir leise zu. Es kam von allen Seiten, dennoch schien es nur mich erreichen zu wollen, „Nichts, Menschenkind.“
    Endlich gab man mich frei. Mit dem Geräusch eines schweren Schlüssels, der im Schloss gedreht wurde, flutete Abendlicht den Saal.
    Trotz der feinen Drohung, die mit dem nächsten Befehl Kasais mitschwang, ich solle Sasuke unweigerlich in mein neues Gemach folgen, hielt ich das Treffen mit ihr für einen kleinen Sieg auf meiner Seite. Ich hatte eine offizielle Abmachung aufgeschoben. Ich war immer noch frei, so frei, wie ich es als Schattenjägerin eben sein konnte.
    Ich folgte Sasuke wortlos und spürte verstohlene Blicke nach jeder Treppe und beim passieren jedes Zimmers auf mir ruhen, als wäre ich eine seltsam fremde Kreatur.
    Knapp vor einer großen Doppeltüre, immer noch im Turm der Hokagen, verharrte Sasuke. „Morgen beginnt deine Ausbildung. Man wird dich pünktlich daran erinnern, also schlafe ohne Hemmung.“ Er hatte sich schon abgewandt und ich war schon dabei gewesen, den Eingang auf Jutsus oder andere Gefahren zu überprüfen, als er sich erneut nach mir umsah. „Wieso hast du dich von Kukan distanziert?“, fragte er. „Er hat dich beschützt, dich gerettet, … dich stärker gemacht. Ein Schattenjäger zu sein, klingt für mich nicht nach einem allzu harten Schicksal. Wieso also?“
    Selbst jetzt noch, wo Kasai Stockwerke entfernt von uns residierte, glühte der Flammenschein in Sasukes Auge auf, doch noch etwas anderes hatte sich zu dieser feinen Glut geschlichen und wie bei einer verwandten Seele nahm ich den Schmerz in mich auf, als würde sich mein eigener danach verzehren. „Ich hasse Lügner“, erklärte ich nach langem Zögern leise, als wäre es ein Geheimnis, das ich nur mit ihm alleine teilen wollte. Ob gut, ob falsch, ob geborgen oder nicht. Mein Herz wollte selbst entscheiden, ob es mit der Wahrheit zurecht kam oder an ihr zerbrach. Niemand außer mir durfte mir diese Entscheidung abnehmen und Sasuke schien das zu verstehen. Ja, ich glaubte, dass er sog ganz genau wusste, wie ich mich fühlte.
    So also entfernten wir uns von einander, ohne einander gänzlich loszulassen. Bevor ich meine Lider an diesem Tage schloss, gleitet sein Bild mir im Gedächtnis herum und wiegte mich einen sehr seltsamen Traum.

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    4) Das Herz von Neji Hyuga
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    Katzengleich balancierte ich an der Kante der Ebene, die das zwölfte Stockwerk ausmachte. Ein falscher Schritt und ich würde haltlos auf die Straße am Fuße des Hochhauses fallen, mitten hinein in die Häuserschlucht der Stadt. Es gab kein Geländer, keine Mauer und keine Wand, weder aus Ziegel und schon gar nicht aus Zaun - schlicht die bröckelnden Überreste von etwas Ähnlichem, so charakteristisch für einen verwaisten Ort wie diesen hier, dass es schon verdächtig aussah. Erst als ich mich dafür entschied, all das in neuer Blüte auferstehen zu lassen, bildeten sich die Konturen des Aussichtsplateaus neu, gleich hier neben mir, als wäre es wirklich so einfach, Zerstörtes wieder zu reparieren.
    Für den Moment glaubte ich daran und schloss voller Vertrauen die Augen, spürte meinen langsamen Puls in meinen Adern trommeln und mein Bewusstsein abdriften, als schwebe es im Nebel neben dem Himmelszelt. Die herrschende Stille kannten keinen Anfang und kein Ende mehr, harmonierte mit der silbergefluteten Nacht über der Stadt, unter Mond und unter Sternen, als könnte nichts mehr zerreißen, was für die Ewigkeit geschaffen war. Ich füllte meine Lungen mit kühler Luft. Sie mochte den Geruch der Zivilisation in sich tragen und nur vage den Hauch von Natur, aber sie war dennoch vollkommen für mich, einzig schon durch ihre seltsame Kraft, mir das Gefühl von Sicherheit zurück zu geben, das ich längst schon verloren geglaubt hatte. Es war perfekt. Für einen so unachtsam gestohlen Moment, verschwand ich aus der Reichweite der Dämonen aller Welten, bis sie mich im Strom der Zeit ebenso schnell wieder gefunden hatten.
    Der Eindringling gab sich so unverhofft zu erkennen, dass ich augenblicklich strauchelte und für festen Halt auf den Boden kauern musste, angehalten an dem neu entstandenen Geländer. „Selbst deine Träume sind einsam“, schallte mich der bekannte Verbannte mit hörbarem Spott, ohne sein Lächeln dafür einzubüßen. Hinter mir erhoben sich unter Staub und feinstem Sand Säulenträger als Dachstützen und kniehohe Abgrenzungen, die verwaiste Parkzeilen voneinander trennten. Ausrangierte Autos säumten vereinzelt mit ihren Gerippen die Etage, doch unter meinem schweifenden Blick begannen Lichtreflexe ihr Fleisch neu zu formen und bald schon sah das Stockwerk so aus, als hätte niemand es jemals vergessen.
    Neji stand da, wie aus einer anderen Welt gestohlen, und bedachte man, dass wir uns auf der Erde befanden - in meiner einstigen Heimat, noch vor meiner Begegnung mit dem Kitsune der Schatten - traf dieser Gedanke die Realität wie ein Pfeil in die Mitte einer Zielscheibe. Seinen Namen hörte ich immer wieder mit Sasukes Stimme durch meine Gedanken geistern, genauso, wie er ihm im Wald so unbedacht entschlüpft war. Neji, Neji Hyuga stand vor mir.
    Der Schreck übermannte mich gnadenlos. Mein bisheriges Gefühl von Sicherheit zerplatzte wie die seidendünne Seifenblase, die es gewesen war, und die Stadt um mich herum begann zu bröckeln, gleich der losen Fassade eines schlecht übermalten Acrylgemäldes. Mir schwindelte es. Ich verlor die Kontrolle über meine Sinne und krümmte mich von Kopfschmerz geplagt zusammen, kurz bevor alles um mich herum in Schwärze versank. Keine Ohnmacht hatte sich meiner angenommen, wie ich zunächst dachte, sondern die unnormal lange Phase vor dem Erwachen, obwohl man seine Hirngespinste als Alpträume enttarnt hatte. Ich konnte nicht aufwachen, so sehr ich es auch versuchte, und als mir das so richtig bewusst wurde, stieg gerechtfertigte Panik in mir auf. Alles tat ich, um sie zurück zu drängen und merkte dabei schnell, mit wem sich mein Sein diese trügerische Leere teilte, nämlich einzig und alleine mit dem mir viel zu bekannten Verbannten. Immer noch betrachtete er mich voller Spott und ich nahm mir heraus, mich bei seinem Anblick an Kasais Lächeln zu erinnern und an ihre Worte, die mich hatten verängstigen wollen: „Nichts, Menschenkind“, hatte sie mir vorgeworfen, nichts wusste ich.
    Beim Aufkommen dieses Echos in meinen Gedanken, biss ich mir auf die Unterlippe, und zwar gerade als Neji näher kommen wollte. Nur durch meinen Willen, so schien es, drehte sich seine Welt ohne sein Zutun im Kreis und bereits den nächsten Schritt setzte er in verkehrter Position in die genau andere Richtung an. Ich erschrak, vielleicht sogar mehr als er, und nicht ohne Staunen sah er über die Schulter zu mir zurück, um meinem zum Glück bereits bösen Blick zu begegnen. Dann lächelte er. Gosh, warum lächelte er?
    „Ich wollte dir nur aufhelfen“, versicherte er mir versöhnlich.
    „Das kann ich alleine“, sagte ich sofort und deshalb tat ich es auch. Es gab nichts, was mir gerader ferner lag, als vor diesem Verbannten liegen zu bleiben, der sich zu meinem persönlichen Nachtmahr erwählt hatte. Dann dauerte es nicht lange, bis ich den Geschmack von Blut auf den Lippen vernahm. Meine Zunge fuhr über eine wunde Stelle und sofort erkannte ich, dass es die eigentlich bereits verheilte Bissspur war.
    Mit gerunzelter Stirn sah ich anklagend zu Neji hinüber. Sickernd setzte sich die Erkenntnis zwischen meine Unruhe. „Du bist nicht Teil eins Traums, nicht wahr? Du bist wirklich hier, … über ein Jutsu des...“ „…Blutes“, endete er für mich und stieg um die eigene Achse, wahrscheinlich, um sich nicht weiter den Nacken zu verrenken. Ich war gefangen zwischen dem tiefgreifenden Wunsch, mich noch weiter von ihm zu entfernen und ihm geradewegs eine Ohrfeige zu verpassen, besonders, als er klar machte, dass das nicht alles war, was er dazu zu sagen hatte. „Ich kann in deinem Schlaf bei dir sein, aber nicht mehr“, fuhr er fort, als wolle er mich damit beschwichtigen, ja, vielleicht sogar beruhigen. „Ich kann dir nicht viel gefährlicher werden, als eine unruhige Nacht.“
    Ein Schnauben entglitt mir. Ich zweifelte an seiner Ehrlichkeit. „Fällt mir schwer zu glauben. Soweit ich das verstanden habe, hängt nämlich ziemlich viel für dich von meinem Tod ab. Verzeih mir also, wenn ich gerade nicht an einen Zufall glaube oder daran, dass du mir auflauerst, nur weil du kannst.“ Meine Annahmen hatten ins Schwarze getroffen. „Erwischt“, berichtete Neji und sah auf die linke Seite, von wo aus sich in einem Strudel langsam düstere Farben erhoben. Noch bevor ich ihm sagen konnte, dass er damit aufhören sollte, breitete das Gebilde sich aus und eine Art Tor aus sich bewegendem Rauch gab den Blick auf einen belbebten Marktplatz frei.
    Immer mehr begann ich zu begreifen. Wir befanden uns immer noch in meinem Kopf, der ideale Ort, um mir mit Techniken auf den Grundlagen des Genjutsu basierend Dinge zu zeigen, die meine Sinne nicht tatsächlich aufnahmen. Jedoch hieß das zwangsläufig, dass die Kontrolle ebenso auf meiner Seite lag und höchstwahrscheinlich sogar dem Gesetzt gleich kam. Er war vielleicht ein Eindringling, den ich mir nicht einfach fort wünschen konnte, wie ich es gerade versucht hatte, aber das hieß nicht, dass er deshalb nicht verletzbar war. Pfeil und Bogen tauchten hinter meinem Rücken auf. Mir viel keine Waffe ein, die in einer Welt, die ich steuerte, treffsicherer sein würde und gleichzeitig mehr imponierte. Ich zielte direkt auf Nejis Brust, den Körper aufgerichtet und angespannt wie eine stolze Kriegerin.
    „Was willst du, … Neji?“
    Sein Name aus meinem Mund schien ihn mehr zu überraschen, als die drohende Gefahr, die ich ohne Vorwarnung auf ihn richtete. Es stand außer Frage, dass er nicht mit meinem Wissen gerechnet hatte, doch glitt er schnell wieder zu der Maske des Schelms zurück, noch bevor ich hinter das Geheimnis seines eindeutigen Gefallens daran gekommen wäre.
    „Das was jeder will, … etwas Bestimmtes. Etwas, das mich immer noch antreibt, danach zu streben. Und ja, du und gewisse Handlung von dir werden ausschlaggebend dafür sein.“
    Kryptisch. Wie könnte es anders sein. Fester spannte ich den Bogen, unter dem Geräusch einer zum Bersten bereiten Seite, dann hob ihn an, als wäre ich kurz davor meine Finger zurück zu ziehen und schloss ein Auge, um anzuvisieren. „Falsche Antwort“, grollte ich unter einem animalischen Knurren.
    „Warte!“, hielt Neji mich plötzlich zurück.
    „Auf was?“, erwiderte ich uneinsichtig, dennoch zögerte ich.
    „Wenn du mich loswerden willst, gibt es einen einfacheren Weg.“ Wir begannen uns rückwärts im Kreis zu bewegen. Jetzt stand er kaum noch einen Meter von dem Portal entfernt und ich sah, wie sein Ebenbild gespiegelt hinter ihm auftauchte. „Ich verspreche dir, dass ich dich nie wieder in deinen Träumen aufsuche, wenn du mich in einem Spiel schlägst.“
    Jetzt hatte ich den Beweis, dafür, dass er den Verstand verloren hatte und mich nur hinhielt. Mein Pfeil schoss rücksichtslos vorwärts und schlug beinahe auf der Höhe seiner Brust ein, drehte und zog sich jedoch, abgefangen in der Hand Nejis, machtlos weiter.
    Nejis Grinsen war absolut entwaffnend. Jeder Zweifel wurde dabei ausgeräumt, dass er das nicht stundenlang so fortführen könnte. „Also schön“, schnaubte ich schließlich, während ich die Arme sinken ließ. „Welches Spiel?“
    Sein erster und wenn es nach mir ging einziger Sieg, brachte schälmische Freude über ihn. „Siehst du das fürstliche Anwesen, das wie ein Riese zwischen den Klippen ragt?“ Neji hob die Hand, als wolle er auf mich deuten, doch sein Doppelgänger auf dem Markplatz zeigte über die Zelte und Stände des Platzes hinweg auf ein mächtiges Schloss, das nicht weit von ihm entfernt lag. Pechschwarze Balustraden und prunkvoll verzierte Erkern machte ich aus, die sich mit Zinnen und nadelspitz dünnen Türmen zusammen taten, wie die schuppige Haut eines steinernen Drachen. Ich müsste blind sein, um den Sitz der verbannten Kitsune nicht zu entdecken, und Neji brauchte mir nicht erst zu erklären, wo sich dieser Marktplatz demnach befand. Ich hatte die Unterwelt vor mir, den wohl letzten Ort aller Welten, wo ich sein sollte.
    Zögerlich nickte ich.
    „Gut.“ Beide Nejis wandten sich leicht ab. Seitlich war es ihnen zu gleichen Teilen möglich ihren Blick über Platz schweifen zu lassen. „Ich werde auf das Anwesen zu gehen. Erreiche ich es, bevor du herausgefunden hast, warum ich heute Nacht wirklich zu dir gekommen bin, wirst du mich nie wieder sehen. Du darfst mir jederzeit eine Frage stellen, die ich ehrlich beantworten muss, aber im Gegenzug steht mir das gleiche frei.“
    „Und wenn ich verlieren sollte?“, begann ich sofort, während ich die Arme vor der Brust verschränkte. Auch ich hatte eine Kunst perfektioniert. Ich konnte eine einzelne Augenbraue anheben, so schwungvoll und formvollendet, dass er sich mit meinem Sarkasmus normalerweise in ein schneidendes Genjtusu verwandelte, das mein Gegenüber einschüchterte. Diesmal legte ich eine Botschaft in diesen Blick hinein, die gewiss auch ankam. Wollte er, dass ich Selbstmord begann? Mich freiwillig in das Eisfeuer stürzte und die Barrieren einriss? Lächerlich! Meine Meinung war ihm klar, dennoch zog er sich nicht zurück.
    „Dann werde ich dich besuchen kommen, wann immer ich das möchte? Bist du einverstanden?“
    Wieder lag meine Stirn in Falten. Ich war weit davon entfernt, mich darauf einzulassen, und was war das denn für eine seltsame Forderung? „Das ist dein Körper nicht wahr?“, überlegte ich laut, als ich über die Grenze des Portals hinweg sah. „Du bist auf dem Marktplatz und ich kann Sandas Präsenz über dein Chakra hinweg spüren. Wieso sollte ich mich darauf einlassen? Ich kenne wesentlich schwächere Wesen, die andere in ihrem Geist töten können. Hältst du mich für bescheuert?“ Wahrscheinlich hatten die Verbannten von meiner Ankunft in Rikumagure gehört und nun setzten sie alles auf ihre letzte Chance.
    Doch Neji schüttelte den Kopf. „Nein!“, erwiderte er ohne einen Zweifel zuzulassen, sodass mein Glaube daran mich selbst überraschte. „Ich halte dich für unentschlossen und für unbeugsam, nicht aber für dumm. Und ich bin mir sicher, dass es dir lange nicht genügt, nur die Geschichten der Jäger oder die der Hüter zu kennen. Das ist deine Chance, den vergessen Teil deiner Vergangenheit zu erforschen. Gehört das nicht auch zu Jikans Erbe?“
    Nun loderte mein Misstrauen wie eines von Kasais Feuern. Er wusste genau, was er zu sagen hatte, meiner Meinung nach sogar etwas zu genau. Las er wirklich nur in meinen Träumen oder vielleicht auch in meinen Erinnerungen?
    „Ich verspreche dir, dass du in meiner Gegenwart vollkommen sicher bist“, sagte er noch, als sich mein Zögern in die Länge zog. „Du hast mein Wort darauf.“
    „Das Wort eines Verbannten? Eines vom Blut gezeichnetem Lügner?“ Er hatte Recht, ich hatte einige Geschichten über sein Volk gehört, doch nahm er mir meine Vorurteile nicht übel. „Das Wort eines Fremden. Du kennst weder mich, noch mein Volk … noch nicht jedenfalls.“
    Uns beiden war klar, dass ich kaum noch einen Schritt davon entfernt war, in den Deal mit einzusteigen, bekam ich keine stützende Hilfe gegen meine Neugierde. Als bestände die Möglichkeit, dass jemand hinter mir stehen konnte, sah ich flüchtig über die Schulter zurück. Nur den schwachen Hauch einer Silhouette konnte ich erkennen und sie verschwand derartig unerwartet im Rauch, dass ich sie mir wahrscheinlich nur eingebildet hatte. Das Portal weitete sich aus, je näher ich einer Entscheidung kam und schließlich stand ich neben dem einzigen verbliebenen Neji am Markplatz, umringt von den fröhlichen Rufen der Verkäufer und dem Lachen von Menschen.
    Was zum...? „Noch habe ich nicht ja gesagt!“, beschwerte ich mich aufgebracht, da setzte sich Neji gerade in Bewegung. „Wieso hast du dann den ersten Schritt gesetzt?“, raunte seine Stimme belustigt und es war nicht sein Körper, der einen Laut von sich gab. Sein Geist war noch immer mit dem Meinen verbunden und ohne es zu wissen, war ich auf sein Drängen herein gefallen. Das Spiel hatte begonnen. Wie dumm war ich, dem Nachkommen eines Fuchses zu trauen? Und wieso lag mir gerade jetzt keine einzige Frage mehr auf der Zunge?
    Wie ein Geist brach ich mich durch die Verbannten, um an Nejis Seite zu bleiben und ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Eher neben bei bemerkte ich, dass wir uns in einer weitläufigen Schlucht befanden und die Decke mir so weit entfernt war, dass ich nicht sicher sein konnte, ob es Stalaktit war, der von der Höhle nach unten wuchs, oder gigantische Fledermäuse. Beide Varianten gefielen mir nicht, da die fröhlichen Schreie immer noch nicht nachgelassen hatten. Wie konnte ein Markt in der Unterwelt sie so wenig unterscheiden, von dem Trubel in der Oberwelt. Zelte, bunte Stände mit Essen, Teppichen, Gewürzen, Kleidung, Ramsch und Waffen türmten sich neben und teils sogar aufeinander, sodass ich erst spät bemerkte, was als Unterschied mir eigentlich gleich hätte ins Auge springen müssen. „Wieso sind die meisten Verbannten immer vermummt?“ Nur stellenweise sah ich wirkliche Gesichter aufblitzen, vor allem die Händler waren zumeist von Kopf bis Fuß in Tücher gehüllt oder trugen bedeckende Monturen. „Niemand hatte darauf je eine Antwort.“
    Zum ersten Mal verfolgte ich, wie sich Nejis Gesicht verdunkelte. „Ein wohl gehütetes Geheimnis“, gab Neji zu. „Du weißt, das man uns Verbannten nachsagt, das Aussehen von Verstorben zu stehlen und uns von ihren Erinnerungen zu ernähren?“
    Ein eiskalter Schauer überfiel mich. „Du hast angedeutet, nicht alle Gerüchte sein wahr?“
    „Dieses hier schon.“ Wir hatten den Marktplatz verlassen und waren dabei, in ein Labyrinth aus Straßen einzubiegen. Die schlichten Häuser aus dunklem Lehm und Ziegeln, zumeist überdacht mit Stroh oder weiteren Tüchern, einzig erhellt von den Lampen und Laternen, in denen Sandas Gewitter gesperrt wurden, machten den Anschein einer arabischen Nacht. Und als die Menschen zusehends weniger wundern, legten sich Nejis Erklärungen wie Blei auf meine Zunge. Deshalb lauschte ich stumm, während das Schloss näher und näher kam. „Die Unterwelt ist so weit weg von Realität und Leben, dass Kinder hier zwar mit einer Seele und Chakra geboren werden, aber an Identität fehlt es ihnen. Präger dir die Gesichter der Menschen auf unserem Weg gut ein, Desert Wolf. Mit ziemlicher Sicherheit erblickst du das Antlitz eines Toten… Ich bin dran. Wieso Rikumagure? Denkst du, die Hüter werden gut zu dir sein?“
    Der Schock des Gehörten saß tiefer, als ich es mir eingestehen wollte. Kaum tauchte ein weiterer Vermummter vor mir auf, schon stellte ich mir vor, wie es unter diesen Gewändern aussehen musste. Trostlos und ohne Hoffnung, so wie das Gefängnis, in das sie gestoßen worden waren ohne je eine Chance gehabt zu haben. Schluckend, löste ich den Knoten in meinem Hals. „Das Land der Abenddämmerung ist so gut wie jeder andere Ort, um zu lernen. Und solange ich mich von den anderen Jägern fern halte, habt ihr Verbannten keinen Grund mehr, meine Freunde zu vernichten.“ Ich merkte sofort, wie die Trauer in mir aufstieg, als ich an Kai dachte oder an meinen Abschied von Deidara und Nayoko. Mein Wunsch, sie zu beschützen, war groß und so stieg mein Wille, dieses Spiel zu gewinnen.
    „Freiheit ist es, was dich antreibt, nicht wahr? Du hoffst, ich würde die Barriere nicht erneuern, damit Sanda und damit du selbst nicht mehr an diesen Ort hier gebunden ist, damit du nicht mehr zurück kehren musst.“
    Unmerklich schüttelte Neji den Kopf, doch die Bewegung verlor sich in einer begrüßenden Geste, als wir weiter Verbannte passierten. „ Es ist wahr, dass ich die Unterwelt nur begrenzt verlassen kann, ohne zu sterben. Nach der Niederlage Sandas und der anderen Kitsune an seiner Seite, wurden sie zusammen in die ersten Katakomben dieser Welt eingesperrt, und so bin ich auch mit meinem Blut an diesen Ort gebunden. Aber nein, du beschreibst eine Motivation, die genauso gut auf jeden anderen meines Volkes, ebenso wie auf die meisten Hüter, Jäger und sämtliche andere Menschen zutreffen könnte. Du unterschätzt mich, ich bin wesentlich … komplexer.“ Umso mehr ich daneben griff, umso besserer schien seine Laune zu werden. „Du bist da nicht anders“, behauptet er sogar noch keck, „auch du bist getrieben vom Wunsch nach Freiheit. Wie kam es also dazu, dass du dich in Kukans Dienst begeben hast?“
    Diesmal war er derjenige, der voraussehbar handelte und es stahl mir ein knappes Lachen. „Du willst wissen, wann ich zum ersten Mal Fuchskräfte eingesetzt habe? Bitte, kein Problem. Es war kurz nach meinem fünfzehnten Geburtstag. Ich stahl einem Jungen auf einer Party seine Energie. Hätte ihm beinahe das Leben gekostet.“ Und mir meinen Verstand. Kukan hatte mich gefunden, als ich nach einem halben Marathon in High-Heels vor Erschöpfung zusammengebrochen war. Es war Nacht und eiskalt, außerdem war der Himmel von dunkeln Wolken überzogen. Regen war das Letze, was ich von meiner Welt sah. Was für eine Schande. Ich nahm mich zusammen, um die Frage nicht zurück zu geben, auch wenn ich wirklich wissen wollte, was das Erste gewesen ist, was Neji als Erbe Sandas getan hatte. Formwandeln vielleicht? Vermummt war er schließlich nicht. Und woher kannte Sasuke ihn?
    Sasuke… Er brachte weitere Unklarheiten für mich auf.
    „Hüter können normal unter den Menschen leben, der Uchiha Clan tat es, das weiß ich. Hat das etwas mit dem Krieg zu tun? Mit dem Sieg der Hüter? Ich beginne zu glauben, ich habe nichts von der Barriere wirklich verstanden.“
    „War das eine Frage oder eine Feststellung?“, warf Neji ein und wandte sich im Gehen leicht zurück.
    „Wieso? Kennst du die Antwort nicht?“, zog ich ihn auf. Sonst brauchte er auch keine Absicherung und unsrem Spiel. Wieso zögerte er also? Wenigstens war er so fair, stehen zu bleiben. „Die Barriere“, begann er schließlich, und nicht ohne Verachtung, „war ursprünglich nicht das Siegel der Unterwelt, sondern hat es später in sich aufgenommen. Zuerst wurden wir aus Rikumagure ausgeschlossen, dann von der Oberwelt und schlussendlich von allen anderen Dimensionen. Wenigstens Letzteres Schicksal teilen wir uns mit den Hütern, ber die Barriere auf ihrer Seite, wirkt mehr als ein Schutzschild vor meinesgleichen, denn als ein wirkliches Tor. Hütern steht es zu jederzeit frei, dorthin zu gehen, wo auch immer sie wollen. Ebenso können sie mit der Energie der Menschen ihr Leben verlängern, wie jeder Träger von Kitsune Genen. An ihrer Stelle wäre ich also auch scharf drauf, dich dazu zu bewegen, Jikans Kräfte erneut für sie einzusetzen.“ Seine Geringschätzung flog auf meine Seite über.
    „Du tust so, als wären Sanda und die Anderen zu Unrecht bestraft worden? Sie verloren den Krieg. Wäre es eine Schlacht von Ninja gewesen damals, hätte man ihre Leichen auf der Mauer Asahigures zur Schau gestellt.“ Und das meinte ich in vollem Ernst.
    „Wäre dir das denn lieber gewesen?“, fragte er mich plötzlich.
    „Ist das die Gegenfrage zu meiner?“, erwiderte ich prompt.
    Neji lächelte, verzichtete jedoch auf eine Antwort. „Das Schloss ist nicht mehr weit.“
    „Soll es ruhig näher kommen“, sprach ich meine Gedanken laut aus. „Du bist getrieben von Hass und Verachtung, habe ich Recht? Dein Herz verlangt Rache, für all den Schmerz, den die Verbannten ertragen mussten. Für jedes eurer Kinder, das in der Oberwelt tot geboren wurde und all jene, die unter den Angriffen der Hüter getötet worden sind.“ Ich konnte mich gar nicht irren … Wobei? Seine Haltung sprach von viel - Selbstvertrauen und Arroganz waren darunter - doch Rachsucht nicht.
    Wieder schüttelte Neji den Kopf und grinste mich an. „Schwache Annahme. Viel Psychologie bringt das Tribunat seinen Untergebenen nicht bei, was?“ Es kam mir so vor, als lag es ihm fern mich zu beleidigen und tatsächlich kam ich mir langsam so vor, als würde ich mit einem alten Freund spazieren gehen, anstelle eines Kriegers, der keinen Hehl daraus machte, mir den Tod zu wünschen.
    Abermals passierten wir eine Kreuzung an Gassen und diesmal führte der Weg geradeaus zu einem großen Platz, der genau am Fuße einer langen Treppe lag. Schwarz war sie und in ihr spiegelten sich Lichtreflexe der Blitze wieder, die in den Laternen gefangen das Pflaster säumten. Zudem führte sie ohne Umwege an die Pforte des Schlosses, das sich von Nahem sogar noch viel gewaltiger ausnahm, als ich gedacht hatte. Keinen Schritt weiter wollte ich gehen, vor allem als ich die Präsenz der anderen Kitsune über mir schweben spürte, wie eine unheilbringende Wolke.
    „Die Eisflamme“, raunte Neji plötzlich sanft. Er ging in einem gemächlichen Tempo, dennoch war er fast am Ziel. Uns beiden musste klar sein, dass er gewonnen hatte, doch statt schelmische Freude zierte Ernst sein Gesicht. „Wenn du sie wirklich kontrollieren willst, musst du vorsichtig sein. Ist dein Körper oder dein Geist zu schwach oder weißt du dein Erbe nicht richtig zu benutzen, wird sie dich verzerren, bis nichts mehr von dir übrig ist. Vertrau Kaisai nicht, wenn sie dir verspricht, dass sie dich beschützen wird. Sie ist immer ein Trickster … genauso wie wir alle.“ Mit diesen Worten setzte er Fuß auf die erste Stufe der Treppe und schickte eine Schwärze das Schlossgelände hinauf, die ihn und alles um uns herum gefangen nahm.
    Ich erwachte mit einem weiten Augenaufschlag, nur um ein mir unbekanntes Gesicht über mir schweben zu sehen – hell eingefasst in die wenigen Lichtstrahlen einer gleißenden Mittagssonne.

    3
    Leider nur ein etwas kurzer Teil, aber wenn dir die Geschichte bis hier her gefällt - oder auch nicht XD - dann hinterlass doch bitte einen Kommentar!

    Ganz liebe Grüße

    Hino Kuraiko und Ryioko Kaiba

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1458215636
Sasuke Uchiha und Desert Wolf - Part 2
Sasuke Uchiha und Desert Wolf - Part 2
Honoko alias Desert Wolf hat vom Kitsune der Schatten erfahren, dass sie die Erbin Jikans ist. Der verstorbene Kitsune der Zeit hat vor langer Zeit die Verbannten an die Unterwelt gekettet und die Welten mit einer Barriere versiegelt. In diesem Feuer aus...
http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458215636/Sasuke-Uchiha-und-Desert-Wolf-Part-2
http://www.testedich.de/quiz40/picture/pic_1458215636_1.jpg
2016-03-17
407D
Naruto

Kommentare (4)

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Hino Kuraiko (13403)
vor 467 Tagen
Diese Geschichte wird nicht zu Ende geschrieben - tut mir Leid, aber ich hoffe, jeder, der das hier liest, hat sie wenigstens bis hier her genossen :)!

glg Hino
Hino Kuraiko (92354)
vor 522 Tagen
Hallo Trip und Rogue Cheney :D!

Rogue Cheney - Wow *_* danke!! Ich arbeite fleißig dran, die Story weiter zu machen. Mein momentanes Lieblingsprojekt :D.

Trip - Haha XD danke! Ja, Sasuke ist ab jetzt sehr, sehr, SEHR oft vorhanden ;D!

glg eure Hino
Rogue Cheney (77471)
vor 523 Tagen
Geile story ^^
noch nie sone geile idee gelesen
bitte nicht aufhören daran zu arbeiten
Trip (24378)
vor 528 Tagen
:D die ist ja cool. Werd ich weiterverfolgen. Das mit den Kitsune ist echt klasse. Fehler sind kaum drinnen. Gut aufgebaut. Charaktere stimmig. Hoffe nur Sasuke kommt jetzt mehr vor. Sein Verhalten ist voll okay. Ist ja nach dem Ende von Sh.