Lächle für mich (CreepyPasta)

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2 Kapitel - 2.785 Wörter - Erstellt von: Wraith the Saint - Aktualisiert am: 2016-02-16 - Entwickelt am: - 852 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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Ich fuhr gerade die Straße hinab, als ich es sah: ein schlankes Mädchen, dass mit gesenktem Kopf am Straßenrand stand. Sie trug nichts weiter als ein zerfetztes, knielanges Kleid, auf dem dunklen Flecken zu sehen waren. Ihr hellblondes, fast weißes Haar verdeckte ihr Gesicht.
Sie tat mir irgendwie leid, also fuhr ich rechts ran und kurbelte das Fenster auf der Beifahrerseite runter.
»Willst du mitfahren?«, fragte ich und beugte mich ein wenig näher zu ihr herüber. Ruckartig hob sie den Kopf und musterte mich aus eiskalten, blauen Augen. Ein Schauer rann mir über den Rücken, als ich ihr direkt ins Gesicht sah. Es hatte etwas Puppenhaftes an sich, kindlich beinahe, so blass das ich beinahe den Eindruck bekam, durch sie hindurchsehen zu können.
Dann verzog sie die dünnen, weißen Lippen zu einem Grinsen und zwitscherte mit heller Stimme:>>Natürlich! Ich muss in die Stadt, in die Madison-Avenue 23.<<
Und ehe ich mich versah, saß die Kleine auch schon auf dem Beifahrersitz. Erschrocken prallte ich zurück und schlug mit dem Kopf beinahe gegen die Fensterscheibe. Sie starrte mich mit ihren durchdringenden Augen an und zog das Kleid um ihre Knie enger.
Um nicht in diese gruseligen, blauen Löcher starren zu müssen, musterte ich de Rest von ihr näher.
Ihr Kleid war wirklich zerrissen und hatte schwarze Flecken, die mich an Dreck erinnerten.
An ihren Knien konnte ich Schürfwunden sehen, ebenso an den dünnen Armen, als wäre sie gestürzt.

>>Alles in Ordnung?<<, fragte ich und blickte wieder in das Puppengesicht. Immer noch dieses gruselige Grinsen. Dann blinzelte sie und kicherte leise.
>>Ja, mir geht es gut. Solltest du nicht losfahren?<<
Mit dem Zeigefinger deutete sie auf das Lenkrad und klimperte mit den Wimpern, wie Mädchen das in den Filmen immer tun.
Gehorsam legte ich den Gang ein und fuhr los.
Es war stockfinstere Nacht dort draußen und das Licht der Scheinwerfer durchschnitt die Dunkelheit. Das Mädchen neben mir machte mich nervöser, als ich zugeben wollte. Starr blickte sie aus dem Fenster, bis wir die Stadt erreichten.
Dann blickte sie wieder mich an und fragte leise: >>Hast du eine Freundin?<<
Verneinend schüttelte ich den Kopf. Irgendetwas lähmte meine Stimmbänder, kein Ton wollte über meine Lippen kommen.
>>Gut. Das ist auch richtig so. Man sollte sich erst kennen lernen, bevor man zusammen kommt.<<
Ich schaffte es, etwas Unverständliches zu brummen und war erleichtert, als ich das Schild zur Madison-Avenue sah.
Und wie ich wusste, lag Haus Nummer 23 ganz am Anfang der Straße.
Scharf bremste ich vor der Villa ab und blickte staunend zu dem Haus hoch.
>>Dort wohnst du?<< Die seltsame Lähmung war von mir abgefallen und kam mir kindisch vor.
Sie lächelte immer noch und nickte langsam.
>>Ja, da ist mein Zuhause.<<
Elegant stieß sie die Autotür auf und glitt auf den nassen Bürgersteig.
>>Warte mal, wie heißt du eigentlich?<<, rief ich ihr hinterher, bevor sie die Tür zuschlagen und gehen konnte.
Noch einmal sah ich in das lächelnde Puppengesicht und sie erwiderte:>>Ich heiße Nayna. Wir sehen uns bald, Terry.<<
Plötzlich fiel die Autotür zu und Nayna war verschwunden. Mein Blut schien zu Eis gefroren zu sein und ich starrte auf die Stelle, wo eben noch ihr Gesicht gewesen war. Woher wusste die Kleine meinen Namen? Ich hatte ihn ihr nicht genannt.
Schaudernd machte ich mich daran, so schnell wie möglich von hier wegzukommen.

Das nächste Mal sah ich sie zwei Wochen später wieder. Ich rannte gerade die Straße zu meinem Haus entlang, weil es regnete wie bei der Sintflut, als ich sie an einer Laterne stehen sah. Fröhlich winkte sie mir zu und ich bremste schlitternd ab. Dicht neben ihr kam ich zum Stehen.
Sie trug noch immer dieses Kleid und die Wunden an Beinen und Armen wirkten neu.
>>Hallo Nayna. Wie geht's?<<, fragte ich nervös und zog mir die Kapuze tiefer ins Gesicht. Ihr schien der Regen nichts auszumachen, denn sie lächelte noch immer.
>>Gut, ich bin glücklich. Bist du auch glücklich?<<. Ihre blauen Augen waren kleine, kalte Löcher, in denen ich zu versinken drohte.
Wimmernd wich ich einen Schritt zurück, riss mich dann aber zusammen. Es war nur ein Mädchen verdammt!
>>Es geht<<, antwortete ich wahrheitsgemäß und zuckte mit den Schultern. Ein Schatten überzog plötzlich das Puppengesicht und sie funkelte mich an.
>>Ich weiß, wie wir dich aufheitern können<<, flüsterte sie verschwörerisch und packte plötzlich mein Handgelenk. Ein erschrockenes Winseln entfuhr mir, bevor ich es verhindern konnte. Ihr Griff war wie ein Schraubstock, hart und unnachgiebig.
Kichernd begann sie, mich hinter sich herzuschleifen. Wütend sträubte ich mich gegen ihren Griff, doch es war sinnlos. Die Kleine zerrte mich erbarmungslos hinter sich her und schließlich taumelte ich ihr nach.
Ihre Haut auf meiner war kalt wie Eis und eine Gänsehaut kroch meinen Arm hinauf. Fröstelnd blickte ich mich um.
Ich wohnte am Stadtrand und es war nicht weit bis zu einem kleinem Waldstück, auf dass Nayna mich auch zu schleifte.
>>Wie willst du mich denn aufheitern?<<, fragte ich und stolperte über einen Hubbel im Gras.
Doch sie antwortete nicht. Mechanisch stapfte sie nach vorne, ihr Atem ging keuchend und das blonde Haar wippte vor und zurück.
>>Hey!>>, schrie ich. Meine Panik war deutlich zu hören. Mein Herz raste, als wollte es dem Gefängnis meines Brustkorbes entfliehen und kalter Scheiß bedeckte meine Haut.
>>Lass mich los!<<, kreischte ich und schlug auf ihren Arm ein.
Das zeigte Wirkung. Plötzlich löste sich ihr Griff und ich stolperte nach vorne. Fluchend rieb ich mein taubes Handgelenk und musterte Nayna kritisch.
Sie hatte mir den Rücken zugewandt, die Schultern hochgezogen und die Hände zu Fäusten geballt.
>>Was ist los mit dir?<<, fragte ich knurrend und trat auf sie zu. Ein böser Fehler, ein ganz böser Fehler.

Plötzlich kreischte sie so laut los, dass ich dachte, mir platzen die Trommelfelle. Schreiend schlug ich mir die Hände auf die Ohren und krümmte mich. Dieser schrille Ton fraß sich in mein Gehirn und schien es zu zerreißen.
Endlich, als ich dachte, gleich sterben zu müssen, hörte sie auf damit.
Trotzdem blieb ein hoher Piepton erhalten, der aber bei weitem nicht so schlimm wie das Kreischen davor war. Keuchend blieb ich so stehen, vorne übergebeugt, die Hände auf den Ohren und Tränen in den Augen.
Dann wirbelte sie zu mir herum, dass schöne Puppengesicht vor Wut verzerrt. In ihren Augen stand purer Wahnsinn geschrieben und sie hatte die Zähne gebleckt wie ein Tier.
>>Fuck!<<, fluchte ich und taumelte zurück.
Knurrend folgte sie mir, die Hände zu todbringenden Klauen gekrümmt. Hier würde ich nicht lebend rauskommen. Panik machte sich in mir breit und ich war nahe dran, in Ohnmacht zu fallen.
Und dann sah ich ihn... er stand hinter ihr und blickte mich mit einem amüsierten Grinsen an. Sein Haar war zweifarbig, oben tiefschwarz und die weißen Spitzen fielen ihm in die grünen Augen. Er war geschminkt, seine Augen stark mit Kajal umrandet und etwas Dunkles lief wie Tränen seine eingesunkenen Wangen hinab.

>>Hilf mir!<<
Die Worte waren nicht mehr als ein Japsen, aber er schien sie zu hören. Das Grinsen verschwand und er hob eine dürre Hand. Mit dem Zeigefinger wischte er sich etwas unter dem rechten Auge weg, als würde er weinen. Dann starrte er prüfend auf seine Fingerspitze. Ein dickflüssiger Tropfen hing daran und selbst aus der Entfernung konnte ich erkennen, was es war: Blut.
Blut lief dem Kerl über die Wangen.
Er lächelte wehmütig und zuckte mit den Schultern. In der ganzen Zeit, in der ich ihn angestarrt hatte, hatte ich Nayna nicht mehr beachtet. Ein harter Schlag traf mich in den Magen und ich würgte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht beugte ich mich vorneüber und spuckte ins Gras.
Sie ließ mir keine Sekunde, um mich zu erholen. Mit dem Fuß fegte sie mir die Beine unter dem Körper weg und ich schlug dumpf auf dem Boden auf. Meine Schulter knackte und ein brennender Schmerz fuhr mir den Rücken hinunter.
Stöhnend rollte ich mich auf den Rücken und blickte mit tränenverschleierten Augen zum Himmel hinauf.
Ein Gewicht drückte mich flach zu Boden und das hübsche Puppengesicht erschien in meinem Blickfeld. Nayna hatte das Gesicht noch immer vor Wut verzogen und Speichel rann ihr über das Kinn.
Ihre Hände schlossen sich um meine Kehle und drückten zu. Japsend versuchte ich nach Luft zu schnappen, doch es ging nicht.
Kein lebensrettender Sauerstoff wollte in meine Luftröhre gelangen. Würgend und keuchend trat ich um mich, doch das Mädchen war zu stark.
Als mein Blickfeld langsam schrumpfte und alles anfing zu flimmern, löste sich der Griff um meine Kehle plötzlich. Zischend sog ich die Luft ein und nahm den brennenden Schmerz glücklich zur Kenntnis, der mir durch den Hals fuhr.
>>Warum...kann...ich...nicht..glücklich sein?<<, keuchte Naynas Stimme beinahe direkt neben meinem Ohr. Ich ließ meinen Kopf zur Seite kippen und betrachtete schwer atmend die Szene, die sich neben mir abspielte

Kommentare Seite 1 von 1
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Wraith the Saint ( 04726 )
Abgeschickt vor 403 Tagen
Und weil ich sowieso nicht pennen kann um halb zwei Nachts die Entstehungsgeschichte von Wraith the Saint:

http://www.testedich.de/quiz39/quiz/1455841278/Wraith-the-Saint
Wraith the Saint ( 04726 )
Abgeschickt vor 403 Tagen
Ach du heilige ... das erste Kommentar, und es ist sogar nützlich!
Sry, dass musste gerade sein^^
Danke für die netten Worte ; )
An der Geschichte von Wraith sitze ich seit letzter Woche, wenn's gut läuft stelle ich sie heute Abend noch rein, dann poste ich den Link dazu hier^^

Mit dem Namen hab ich auch Probleme. Ich vertausche ständig das t und das h. Und dabei ist das sogar mein richtiger Zweitname^^
Werwolf 03 ( 50840 )
Abgeschickt vor 404 Tagen
Oder eben auch Wraith
Werwolf 03 ( 50840 )
Abgeschickt vor 404 Tagen
Sry, ich meine Waith zu Waith
Werwolf 03 ( 50840 )
Abgeschickt vor 404 Tagen
WOOOOW
Mal langsam, habe ich da eine Geschichte gelesen, in der keine Liebe vorkommt! Daumen hoch!
Es ist super, das du keine FF zu Jeff und Co. geschrieben hast. Auch das Motiv des Mörders ist ganz was neues. Dein Schreibstil ist toll und adjektiv-reich. Alles in allem, eine tolle Geschichte.
Es wäre toll, wenn du eine Geschichte dazu schreiben könntest, wie Weit zu Weit wurde, wenn du verstehst was ich meine!