Das Biest und der Tyrann - Teil 32

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1 Kapitel - 4.522 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2016-02-09 - Entwickelt am: - 919 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Kids Sicht
    Grit steht vorm Spiegel und schaut sich an. Sie sieht gut aus. Ich umarme sie von hinten und lege den Kopf auf ihre Schulter. Im Spiegel sehe ich ihr fröhliches Grinsen. Ich komme einfach nicht drum herum ihr ein Kompliment zu machen. „Du siehst gut aus!“, sage ich. Sie wird leicht rot. Wie immer… „Noch besser, wenn du daneben stehst“, erwidert sie. Ich lache. Seit neuestem scheint sie besser mit Komplimenten klarzukommen. Grit dreht sich zu mir um. „Bist du bereit die Stadt unsicher zu machen?“, fragt sie herausfordernd. Ich grinse. „Natürlich!“, sage ich. „Allerdings muss ich was erledigen und du darfst nicht dabei sein!“ „Oh!“, sagt Grit. Es klingt fast ein wenig traurig. „Okay, dann habe ich eben alleine Spaß!“ Ach manno! Eigentlich würde ich ja gerne mit Grit losziehen. Vor allem, da sie es dieses Mal absolut freiwillig machen will. Ich hole aus meiner Hosentasche eine Babyteleschnecke. „Hier!“ Ich halte sie Grit hin. „Dann kann ich dir nachher sagen, in welcher Kneipe wir uns treffen.“ Plötzlich erzittert das Schiff. Grit verliert das Gleichgewicht und fällt mir entgegen. Reflexartig fange ich sie auf. „Scheint als wären wir da!“, sage ich. Grit nickt. „Na dann! Bis später!“, sagt sie und will abhauen. So einfach lasse ich sie nicht davon kommen. Ich halte sie am Handgelenk fest und ziehe sie noch einmal kurz zu mir. Ohne einen Kuss auf die Wange lasse ich sie nicht gehen. „Viel Spaß!“, sage ich und lächle Grit zu. Sie lächelt zurück und geht dann. Ich nehme mir mein Notizbuch. Heute Morgen habe ich endlich die Idee für Grits Gürtelschnalle ausgearbeitet. Nun muss sie nur noch jemand herstellen. Ich reiße die Seite raus und stecke sie in meinen Mantel. So! Dann kann ich ja jetzt auch los. Ich verlasse das Schiff. Einige Meter vor mir kann ich Grit erkennen, wie sie mit John und Kalle loszieht. Ich grinse. Irgendwie finde ich die drei lustig. Weiß nicht wirklich warum. Ich freue mich, dass Grit so gute Freunde in meiner Crew hat. Vor allem bin ich froh, dass Grit gerade mit diesen beiden so viel rumhängt. Im Vergleich zu vielen anderen aus der Mannschaft, ist der Umgang mit John und Kalle noch der vernünftigste. Wenn sie in Bobs Gang reingerutscht wäre, hätte das vermutlich nicht so gute Folgen für sie gehabt. Wie auch immer… Ich brauche einen Schmied. Oder sowas ähnliches. Leider kenne ich mich hier absolut nicht aus. „Hey!“ Ich packe einen Mann, der mir hastig aus dem Weg gegangen ist. „Bitte! Töte mich nicht!“, fleht er. Ich schaue ihn angewidert an. „Wo finde ich hier einen Schmied?“, frage ich forsch und bedrohlich. „Da lang!“ Der Typ zeigt sofort in eine Richtung. „Es ist nicht weit!“ In seinen Augen lese ich die pure Angst. Man ey! Das ist tatsächlich eine langweilige Insel. Die Menschen hier sind es nicht einmal gewohnt, dass gefährliche Piraten vorbeikommen. Ich stoße den Mann weg. Er landet auf dem Boden. Rappelt sich aber schnelle wieder auf und läuft davon. Die Menschen auf der Straße schauen mich ängstlich an. Wer kann, verschwindet in einem Haus. Ich grinse böse. Schön zu wissen, dass ich immer noch Angst und Schrecken verbreiten kann und das sogar ohne, dass ich jemanden töten muss. Ich gehe in die Richtung, die der Typ mir gezeigt hatte. Es dauert nicht lange und ich finde tatsächlich einen Schmied. Ich stoße die Tür auf. Der Schmied schaut zunächst erstaunt auf, doch dann scheint er Gefahr zu wittern und sucht hinter seiner Werkbank Schutz. Ich hole den Notizzettel aus meinem Mantel und knalle ihn auf die Werkbank. Der Schmied nimmt ihn und schaut sich mit zittrigen Händen die Zeichnung an. Letztendlich ist es mein Jolly Roger geworden. Nach all dem Herumüberlegen war das immer noch die beste Variante. „Morgen früh!“, sage ich bestimmt und einschüchternd. Der Schmied macht große Augen und schaut mich verzweifelt an. „Morgen früh?“, fragt er ängstlich nach. Ich schaue ihn böse an. Er schluckt. „Das schaffe ich nie“, flüstert er verzweifelt. Ich stemme meine Hände auf die Werkbank und lehne mich bedrohlich nach vorne. „Das solltest du aber!“ Der Schmied nickt hastig mit dem Kopf. „Gut!“ Ich drehe mich schwungvoll um und gehe aus dem Laden. Anstatt zurück auf die große Hauptstraße zurück zu gehen, bewege ich mich lieber in den etwas abgelegeneren Gassen. Irgendwie... Hm! Nein, das bilde ich mir ein. Oder doch? Ich werde das Gefühl nicht los, dass bei Grit irgendwie was passiert ist. Ach! John und Kalle sind bei ihr. Da wird schon nichts passieren. Ich kratze mich hinterm Kopf. Aber als sie entführt wurde, war sie auch in Begleitung. Und das sogar in meiner! Ich stelle mich in eine schattige Gasse und lehne mich an die Wand. Mit der rechten Hand hole ich meine Teleschnecke aus der Tasche. Ich wähle die Nummer von Grits Teleschnecke. „Was?“, höre ich ihre genervte Stimme. Irgendwie muss ich grinsen. „Hey Kleines!“, antworte ich ruhig. „Was willst du?“, blufft sie mich an. Sie scheint sich gestritten zu haben und zwar ziemlich doll. Ihre Stimme hört sich echt richtig aufgebracht an. „Was ist mit dir los? Gab es Ärger?“ Ich bleibe so ruhig wie möglich. Vielleicht bringt sie das wieder ein bisschen runter. „Und ob!“, sagt sie böse. Was ist bloß passiert? Das letzte Mal, als sie so sauer war, hat jemand ihre Knarre geklaut. „Bist du alleine unterwegs?“ Vielleicht haben John und Kalle sie ja alleine gelassen. „Nein!“, antwortet sie. „John und Kalle sind hier!“ Hätte mich auch gewundert, wenn die Grit alleine gelassen hätten. „Gib sie mir!“ „Warum?“, fragt sie trotzig. Innerlich seufze ich. „Das ist ein Befehl!“ Einen Augenblick passiert nichts. „Kid?“ Johns Stimme. „Hey, alles klar?“, frage ich. John seufzt. „Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Wir waren einen Augenblick in getrennten Läden und als Kalle und ich dann wieder zu Grit stießen, hat sie sich ziemlich mit so einer Frau gestritten. Sie meinte, sie hätte schlechte Manieren gehabt. Scheint eine Bekannte von Grit gewesen zu sein“, erklärt er. „Sie kommt gar nicht mehr runter!“ Bisher hat sie sich doch eigentlich nur mit mir gestritten. Da bin ich ja mal gespannt, auf ihre Erklärung. „Okay, danke. Gib sie mir mal!“, sage ich. „Kid?“, sagt Grit ruhig. Huch! Das mit dem Beruhigen ging ja schnell. „Es tut mir Leid, dass ich dich so angemeckert habe.“ „Schon in Ordnung, Grit!“ Ich muss einfach lächeln. Sie ist einfach zu süß. „Also, was wolltest du jetzt?“ Ich lache. „Eigentlich nichts!“, gebe ich zu. „Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich dich anrufen sollte.“ „Wenn das so ist!“, sagt Grit und kichert. „Dann bis später“, sage ich grinsend. „Bis später!“ Kopfschüttelnd stecke ich die Teleschnecke wieder weg. Grit ist immer für Überraschungen gut.

    „Bölleböllebölle!“ Ich hole die Teleschnecke raus. „Ja?“, frage ich in den Hörer. „Hier ist Stulle“, meldet sich mein Gesprächspartner. „Chris und ich haben hier so ein Club gefunden. Es gibt jede Menge Alkohol und genug Platz.“ „In Ordnung!“, antworte ich. „Wo ist er?“ „Es ist die vorletzte Straße, wenn man die Hauptstraße runter zum Hafen geht. Dann die zweite rechts, dritte links und dann am Ende der Straße.“ Ich schaue fragend zu Killer. Er nickt. „Gut!“, sage ich. „Kannst es den anderen weiterleiten.“ Ich lege auf. „Gibt es irgendeinen Grund, weshalb die immer Bars aussuchen, die so versteckt sind?“, fragt Killer. Ich zucke mit den Schultern. „Keine Ahnung!“ Killer hebt seine Pistole hoch und schießt. „Klirr!“ Er hat getroffen. Wir sitzen schon seit einiger Zeit an Deck. Die Beine auf der Reling hochgelegt, sitzen wir gemütlich auf zwei Stühlen. Direkt vor uns ist ein großes Haus mit vielen Fenstern. Vermutlich ein Gasthaus oder so. Ich ziele, drücke ab und es klirrt. Das nächste Fenster ist kaputt. „Sakazuki oder Kizaru?“, frage ich. Killer überlegt einen Augenblick. „Kizaru!“ Ich drehe ihm überrascht den Kopf zu. „Echt?“, frage ich. „Echt!“, antwortet er und schießt. Hätte ich nicht gedacht. Ich hätte auf jeden Fall Sakazuki genommen. „Urouge oder Law?“, fragt Killer. „Law! Gar keine Frage!“, antworte ich sofort und zerschieße ein großes Fenster. „Der Typ regt mich so auf!“ Killer lacht leise. „Hawkins oder Apoo?“ Killer denkt nach und sagt: „Hawkins! Cavendish oder Capone?“ „Klirr!“ „Oh man! Cavendish regt mich mehr auf. Dieser arrogante Trottel! Bonney oder Hancock?“ Killer lacht. „Du weißt genau, dass ich Bonney wohl kaum umbringen könnte“, sagt er. Ich grinse. „Na hoffentlich änderst du deine Meinung, falls sie es mal auf dich abgesehen hat“, antworte ich. „Blackbeard oder Kaido?“ Meine Miene wird finster. Ich nehme meine Knarre und anstatt zu schießen, werfe ich sie durch ein Fenster. „Wenn ich diese eklige Ratte Blackbeard in die Finger bekomme, dann kann der was erleben. Der ist wie eine Seuche unter den Piraten.“ Ich spucke aus. „Der ist es nicht einmal Wert, Pirat zu sein.“ Ich ziehe meine Waffe mit meinen Teufelskräften zurück in meine Hand. Wir schweigen einen Augenblick. „Garp oder Falkenauge?“

    Markus stößt mich an. „Schau mal, wer endlich kommt!“, sagt er und zeigt zur Tür. Ich schaue in die Richtung. Grit, Kalle und John kommen. Ich muss grinsen. Grit schaut sich beim Gehen die Bühnenshow an. Ein Glück, dass Kalle sie hin und wieder in die richtige Richtung schiebt. Sonst wäre sie wohl gegen einen Tisch oder Stuhl gelaufen. John sieht überhaupt nicht glücklich aus. Er kommt angepisst auf mich zu. „Wie wäre es, wenn du beim nächsten Mal ein bisschen genauer beschreibst, wo wir uns treffen!“, sagt er während er an uns vorbeigeht. Ich ziehe überrascht meine Augenbraue hoch. Grit ist die nächste in der Reihe. Sie zieht nur grinsend die Schultern hoch und lässt sich neben mich aufs Sofa plumpsen. „Gebt dem Mann ein Bier!“, verkünde ich laut und hebe meinen Krug hoch. Die anderen stimmen mit ein und John kippt sein Bier runter. Grit lacht. Ich lege meinen Arm um ihre Schulter. „Schön, dass du wieder so fröhlich bist“, sage ich grinsend. Sie kichert. „Wie war dein Tag?“, frage ich. „Ganz gut“, antwortet sie. „Hab ein paar Drachen bekämpft und drei Städte ausgeraubt!“ Ich lache. „Und in echt?“ „Wir hatten Spaß“, sagt sie. „Es gab sogar eine Schlägerei.“ „Ich bin stolz auf dich“, sage ich grinsend. „Und wie war dein Tag?“, fragt Grit. „So ganz alleine, ohne mich.“ „Hey, das ist unfair sowas zu sagen“, protestiere ich. Grit grinst. „Ach! Ich will dich doch auch nur ein bisschen ärgern!“ „Mein Tag war auch gut“, erkläre ich kurz. „Das freut mich“, sagt Grit zufrieden. Es ist wie immer eine fröhliche Runde. Wir sind laut, betrunken und gut gelaunt. Grit guckt schon seit geraumer Zeit ständig zur Bühne rüber. Es sind immer noch irgendwelche Gruppen, die ihre Tanzchoreographien zeigen. „Oh man!“, stöhnt Grit plötzlich. „Wie kann so eine schlechte Gruppe, angeblich so gut sein? Die sollen die Besten der Insel sein? Pah!“ Grit setzt sich aufrecht hin. „Steve!“, ruft sie. „Steve!“, ruft sie noch einmal lauter. Er guckt. „Sollen wir denen zeigen, wie man das richtig macht?“, fragt sie und ich spüre, wie sie vor Adrenalin bebt. Steve grinst und steht auf. „Klar doch!“ „Habt ihr etwa auch schon mal zusammen geübt?“, frage ich überrascht. Grit grinst und sagt: „Nope! Das kriegen wir schon hin!“ Sie zieht ihre Schuhe und Socken aus. Vermutlich kann sie ohne besser tanzen. Steve steht nun vor ihr. „Bist du bereit?“, fragt er und hält ihr die Hand hin. „Aber klar doch!“, antwortet sie und ergreift die Hand. Er zieht sie hoch zusammen gehen sie rüber zur Bühne. Aus meiner Mannschaft kommen Jubelrufe und enthusiastisches Pfeifen. Grit dreht sich im Gehen noch einmal zu mir um. Sie grinst übers ganze Gesicht und zeigt mir einen Daumen hoch. Bei der ganzen positiven Energie, die sie ausströmt, muss man einfach mitgrinsen. Die beiden klettern auf die Bühne. Die Tanzgruppe ist verwirrt und kommt aus dem Takt. Sie werden etwas zur Seite gedrängt. Die Musik läuft weiter. Grit fängt an. Einen Augenblick später steigt Steve mit ein. Meine Crew bricht in Jubel aus und feuert die beiden an. Grit hatte eindeutig Recht. Zusammen kriegen die das schon hin. Ihre Bewegungen passen super zueinander und einige Figuren performen sie absolut synchron. Ich pfeife. Grit und Steve hören auf und geben den anderen eine Chance, sich zu beweisen. Sie räumen das Feld aber nicht, ohne ein paar provozierende Gesten zu machen. Die Tanzgruppe ist am Zug, aber deren Bewegungen sind nicht mal annähernd so flüssig und natürlich, wie die von Grit und Steve. Schon bald buhen und pfeifen meine Männer sie aus. Unser Team übernimmt wieder die Bühne und zeigt, was sie drauf haben. Die Gruppe verschwindet. Die haben gemerkt, dass sie Nieten sind. Aber Grit und Steve sind einfach zu heftig. Als sie fertig sind, ist der Raum von Jubel erfüllt. Ich grinse. Grit kommt hüpfend zurück. Steve hinter ihr. Grit lässt sich wieder neben mich aufs Sofa fallen und legt bequem ihre Füße auf mein Bein. Zwei junge Frauen belagern Steve noch bevor er sich setzen kann. Ich lache. „Na, da waren wir wohl doppelt erfolgreich“, sagt Grit und lacht vergnügt. Ich kitzle sie unter den Füßen. Sofort fängt Grit an zu strampeln. „Hey!“, sagt sie empört. Ich grinse. „Aha! Du bist also kitzelig unter den Füßen“, stelle ich fest. Grit streckt mir die Zunge raus. Ich zwinkere und lege meine rechte Hand auf ihr Bein. Mit dem Daumen streichle ich sie leicht. Ich nehme mein Bier und trinke einen Schluck. Rechts von mir nehme ich eine Bewegung war. Grit streckt ihre Hand nach der Flasche aus. Ich zögere. Es ist ihre Entscheidung, aber ich will nicht, dass sie es wieder übertreibt. „Nur ein bisschen“, sagt Grit. „Versprochen!“ Ich lächle und reiche ihr die Flasche.

    Wo bin ich? Müde reibe ich meine Augen. In meiner Kajüte bin ich nicht. Ich schau mich um. Das ist der Speisesaal. Ich sitze auf einem Sofa in unserem Speisesaal. Grit liegt neben mir zusammen gerollt, mit dem Kopf auf meinen Beinen. Unglaublich, dass wir hier eingepennt sind. Ich reibe mir noch einmal übers Gesicht und halte mir die Stirn. Das ist irgendwie nicht so ganz meine bevorzugte Schlafposition. Vielleicht sollte ich Grit jetzt lieber ins Bett bringen. Ich hebe sie vorsichtig hoch. „Hm?“, fragt sie im Halbschlaf. Ihre Augen sind noch zu. „Ich bringe dich jetzt ins Bett“, flüstere ich in ihr Ohr. Sie seufzt. In meiner Kajüte lege ich sie aufs Bett und decke sie zu. Es ist bereits hell draußen. Lange wird sie nicht mehr schlafen, denke ich. Ich strecke mich. Eine Dusche tät mir jetzt gut. Mit frischer Kleidung bewaffnet, gehe ich ins Bad und unter die Dusche. Das Wasser tut gut. Gestern habe ich nicht viel getrunken, zu mindestens nicht extrem viel, aber es wurde ziemlich spät. Mein Körper fühlt sich schwer an. Die unbequeme Schlafhaltung hat wohl auch einen Anteil an meiner derzeitigen Verfassung. Die Dusche tut gut. Ich lasse das kühle Wasser mich richtig wach machen. Nach der Dusche ziehe ich mich an und putze Zähne. Als ich zurück ins Zimmer komme, schläft Grit immer noch. Hm! Ich gehe und hole jetzt die Schnalle ab. Wenn nicht jetzt, wann dann? Beim Durchqueren des Speisesaals, sehe ich, dass Thomas schon wach ist und in der Küche beschäftigt ist. Ich gehe zu ihm. „Guten Morgen!“, sage ich. Thomas dreht sich überrascht zu mir um. „Morgen, Käpt’n!“, sagt er. „Hätte nicht gedacht, dich jetzt schon zu sehen.“ Ich lache. „Muss noch was besorgen“, erkläre ich. „Fangt mit dem Frühstück dann schon an.“ „Bis später“, sagt Thomas. Ich nicke ihm zu und gehe nach draußen. Auf dem Deck erwartet mich ein gewohnter Anblick. Verstreute schlafende Männer, die es nicht bis ins Bett geschafft haben. Ich versuche, auf keinen von ihnen zu treten. Gar nicht so leicht, da überall Arme und Beine rumliegen. Und dann auch noch die Fla… Ups! Das war wohl John. „Was ist los?“, fragt er verschlafen und regt sich. „Sorry, man!“, entschuldige ich mich. John reibt sich die Augen. „Oh“, sagt er und blinzelt. „Du bist es!“ Er steht mühselig auf. „Was ist los?“, fragt er. „Nichts!“, antworte ich. „Bin auf dem Weg in die Stadt. Muss noch was erledigen.“ „Bitte um Erlaubnis, mich wieder hinlegen zu dürfen“, sagt John. „Erlaubnis erteilt!“, befehle ich und grinse. John setzt sich wieder hin und lehnt seinen Kopf an die Reling. Ich gehe vom Schiff. Auf den Straßen ist schon jetzt reger Betrieb. Heuet scheint Markt oder so zu sein. Es sind so Stände aufgebaut. Das interessiert mich nicht. Da gibt es eh nur so lächerlichen Kram. Ich finde die Schmiede wieder. Sie ist ziemlich weit vom Schiff entfernt. Es dauert eine ganze Zeit lang, bis ich da ankomme. Als ich den Laden betrete, liegt der Schmied halb auf der Werkbank und schläft. Neben ihm die Schnalle, die ich bestellt hatte. Anscheinend hat er tatsächlich die ganze Nacht durchgearbeitet. Ich ziehe meine Knarre und stoße ihn damit an. Verwirrt hebt der Typ seinen Kopf. Als er die Situation erkennt, ist er sofort hellwach. Ich nehme mir die fertige Schnalle. Die Vorderseite sieht gut aus. Ich drehe sie um. Mit dem Daumen streiche ich über die Gravur. Es ist genauso, wie ich es wollte. Ich schaue den Schmied an. „Gute Arbeit!“, sage ich tonlos. Der Mann wirkt erleichtert. „Jetzt muss ich dich allerdings töten!“ Er erschrickt. „Du weißt, was hinten auf der Schnalle steht. Ich kann dich unmöglich laufen lassen!“ „Bitte! Ich verrate es keinem. Ich schwör. Es ist sofort wieder vergessen“, winselt er. „Das reicht nicht!“ Ich drücke ab und erschieße ihn. Tja! Piraten sind grausam. Ich stecke die Schnalle ins Innere meines Mantels.

    Grits Sicht
    Ich drehe mich auf die andere Seite und öffne langsam die Augen. Es ist so friedlich und vor allem so gemütlich. Das Tageslicht fällt durch die runden Fenster. Kid ist nicht im Bett. Der weckt bestimmt die Crew. Ich sollte auch aufstehen. Es gibt bald Frühstück. Nur noch einen Augenblick… Meine Augen fallen wieder zu. Nein! Ich schlage sie wieder auf. Es ist Zeit aufzustehen. Nicht wieder einschlafen. Ich kämpfe mich aus meinem Bett und gehe ins Badezimmer. Erst einmal brauche ich eine Dusche. Die Dusche ist total nass. Wahrscheinlich ist Kid noch nicht sehr lange auf. Über mich selber grinsend, stelle ich das Wasser auf warm und genieße, wie es meinen Rücken runterfließt. Es wärmt mich auf. Nicht, dass mir kalt gewesen wäre. Aber dieser Schritt raus aus dem Bett, ist auch immer ein Schritt ins Kalte. Unter der Decke ist es immer wärmer. Moment mal! Ich bin letzte Nacht gar nicht ins Bett gegangen, oder doch? Hm… naja. Ist eigentlich egal. Wahrscheinlich hat Kid mich dann ins Bett getragen, oder so. Ich steige aus der Dusche und trockne mich ab. Frische Kleidung ist noch nebenan im Schrank. Ich wickle das Handtuch um mich und gehe zurück ins Zimmer. Pfeifend suche ich mir meine Bootcut Jeans und ein grünes Langarmshirt raus. Irgendwie bin ich richtig gut gelaunt. Wahrscheinlich noch die Euphorie von gestern Abend. Im Bad ziehe ich mich an. Ich rubble meine Dreads noch so gut es geht trocken. Eigentlich ist es gar nicht so gut, dass ich sie nach dem Duschen oft unter einer Mütze oder in einem Zopf zusammenpferche. Dann trocknen sie nicht so gut, aber es ist echt eklig, wenn sie nass in meinem Nacken hängen und unter mein Oberteil auf meinen Rücken tropfen. Ich nehme die obersten Dreads, ziehe sie einmal halb durch ein Haargummi und wickle dieses dann noch einmal drum. Heute muss ich da wohl mal durch. Mit dem Handtuch rubble ich noch einmal die Enden der offen hängenden Dreads trockener. Nach dem Zähneputzen binde ich mir meinen Waffengürtel um und gehe in den Speisesaal. Mal schauen, ob da schon was los ist. Es sind tatsächlich schon einige da, die am Tisch sitzen. Ich setze mich auf meinen üblichen Platz. Niemand von meinen Nachbarn ist da. Weder Kid, noch John und Kalle oder Killer. Ich seufze. Na hoffentlich kommt bald einer von ihnen. Mir wird sonst langweilig. Ich beobachte, wie ständig jemand Verkatertes den Raum betritt, sich schwankend und den Kopf haltend zum Tresen in der Küche begibt und sich dann eine Schmerztablette nimmt. Der nächste, der diesen Weg beschreitet, ist John. Na endlich! Er kommt langsam hier her. „Hey Flummi“, begrüßt er mich müde und wahrscheinlich von Schmerzen geplagt. Ich grinse über ihn. „Guten Morgen!“, begrüße ich ihn fröhlich. John setzt sich und gießt sich ein Glas Wasser ein. Er wirft sich die Tablette ein und trinkt das Glas aus. „Wo ist Kalle?“, frage ich, um irgendwie ein Gespräch anzufangen. „Mit Kalles geistiger Anwesenheit können wir wohl frühestens in einer Stunde rechnen“, erklärt John trocken. „Es ist aber durchaus möglich, dass er schon vorher hier angekrochen kommt.“ Ich kichere. „Wo warst du gestern Abend eigentlich?“, fragt John. „Du meinst nachdem Stulle sein Bier über mich entleert hat?“, antworte ich mit einer Gegenfrage. John legt den Kopf schief. „Daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Aber wenn du danach gegangen bist, dann meine ich das wohl“, sagt er. „Also, wie gesagt: Stulle hat sein Bier über mich entleert. Kid hat ihm eine reingehauen und wir sind dann aufs Schiff zurück. Ich habe mich umgezogen und dann sind wir beide hier auf dem Schiff geblieben“, erkläre ich. „Wie war es denn noch in der Lounge?“ John zieht nachdenklich die Brauen zusammen. „Ehrlich gesagt, habe ich mich gestern richtig volllaufen lassen. Ich kann mich an NICHTS mehr erinnern“, gibt er zerknirscht zu. Ich schaue ihn ernst an. „John“, fange ich an, doch er unterbricht mich. „Schon gut, schon gut! Ich weiß, was du sagen willst und ich stimme dir da voll zu. Das war das letzte Mal, dass ich so übertreibe. Versprochen!“ Er lächelt mir zu. Ich nicke seufzend. „Dann brauch ich ja nichts mehr zu sagen!“ „Das stimmt!“, sagt John. „Hey, hast du Lust, heute noch einmal in die Stadt zu gehen?“ „Hm… Weiß nicht. Mal schauen! Willst du denn noch wo hin?“, frage ich. John nickt. „Gestern habe ich da so einen Laden gesehen. Leider hatte der schon zu, als wir dran vorbei gegangen sind.“ Ich zucke mit den Schultern. „Meinetwegen! Es sei denn…“ „Guten Appetit!“, ruft jemand laut, aber es ist nicht Kids Stimme. Verwundert breche ich mitten im Satz ab und drehe mich um. Es ist Killer. Er kommt gerade von der Küche. Überrascht frage ich John: „Was ist mit Kid? Warum macht der das nicht?“ John kratzt sich hinterm Kopf. „Als ich ihn vorhin traf, wollte er noch einmal in die Stadt. Er meinte er hätte was zu erledigen, oder so.“ Er zuckt mit den Schultern. „Wie auch immer. Ich habe Hunger!“ John fängt mit dem Frühstück an. Anna! Ach komm! Was für ein Quatsch! Wahrscheinlich ist es etwas wegen der Allianz mit den Spinnern. Er meinte ja schon gestern Morgen, dass er was erledigen müsste. Ich beginne ebenfalls mein Frühstück und versuche das mulmige Gefühl aus meinen Gedanken zu entfernen. Kid hat gesagt er liebt dich, also warum sollte er dich jetzt betrügen? Ja, aber meinte er das wirklich ernst? Natürlich meinte er das ernst! Was meinst du, wie er sich verhalten hätte, wenn er es nicht ernst meinen würde? Okay, du hast Recht! Aber was ist, wenn du für ihn eine Trophäe wärst und er einfach alles versuchen würde? Glaubst du das im Ernst? Das ist doch völlig absurd! Ich glaube, mir wird schlecht. Ohne wirklich was gegessen zu haben, stehe ich auf. „Grit?“, fragt John besorgt. Ich schüttle den Kopf. „Geht schon! Mir ist nur ein bisschen übel“, murmle ich. Es schwirrt mir im Kopf herum und will einfach nicht weichen. Ich habe Angst! Ich habe Angst, dass diese Stimme Recht hat. Das könnte ich nicht verkraften. Etwas benommen gehe ich zur Tür. Die Geräusche werden leiser. Das heißt dann wohl, dass ich den Raum verlassen habe. Ich könnte es ja verstehen. So wie ich mich in einer Beziehung anstelle… Männer wollen lieber jemand Erfahreneren. Jemanden wie Anna. Sie ist wirklich hübsch! Und sie ist wahrscheinlich der Typ Frau, auf den Männer stehen. Da kann ich nicht mithalten… Ich zucke zusammen. Eine Hand liegt auf meiner Schuler. „Grit?“, fragt John wieder besorgt. „Was ist los? Bist du etwa schwanger?“ Ich schüttle langsam den Kopf. „Wow! Dir geht es echt scheiße!“, stellt er fest. „Wenn du so auf diese Frage reagierst, stimmt eindeutig was nicht mit dir.“ Ich halte mir eine Hand an Kopf. Wie kann ich Kid eigentlich so misstrauen? War er in der Zeit, die wir jetzt schon zusammen sind, nicht immer lieb zu mir? War er etwa nicht immer für mich da, wenn ich ihn gebraucht habe? Er hat mich aus einer Marinebasis wieder herausgeholt! Naja, eigentlich war es Killer. Er hat Killer geschickt. Er war gar nicht selber drin. „Komm her!“, sagt John plötzlich in fürsorglichem Ton. Ich spüre etwas Nasses in meinem Gesicht. Tränen! Ich weine! Das habe ich vorher gar nicht bemerkt. John zieht mich an sich und hält mich fest in seinen Armen. Und ich? Ich weine einfach. John sagt nichts. Überlässt mich einfach meinen Gefühlen. Es tut gut! Er ist wirklich mein bester Freund. Als ich mich erst einmal beruhigt habe, lässt John mich los. Er schaut mich an. „So“, sagt er ruhig. „Und jetzt erzählst du erst einmal, was da gestern mit der Frau in der Bar los war!“

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