Mein Brief für dich (Death Note)

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1 Kapitel - 4.004 Wörter - Erstellt von: Yamiyo - Aktualisiert am: 2016-01-30 - Entwickelt am: - 527 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Der zweite Teil meines kleinen Projekts. Während Teil 1 zu Bakura und Marik (Yugioh) war, beschäftige ich mich hier mit Mello und Matt.
Kerninhalt meines Projekts: X schreibt an Y einen Brief; Reaktionen von Y werden beschrieben...

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    Es war ein verregneter Abend in einem heruntergekommenen Motelzimmer am Rande einer Stadt in Japan. Matt saß in eine Decke gekuschelt auf einem Sesse
    Es war ein verregneter Abend in einem heruntergekommenen Motelzimmer am Rande einer Stadt in Japan. Matt saß in eine Decke gekuschelt auf einem Sessel und starrte konzentriert auf seinen Gameboy. Eigentlich war er kein Fan von Decken, weil sie ihn beim Spielen durch ihre bloße Anwesenheit störten, aber die Heizung dieses Motels war leider defekt. Oder überhaupt nicht vorhanden, da war er sich nicht so sicher. Normalerweise wäre das für ihn kein Problem gewesen, denn es war nicht sehr kalt, jedoch war er zuvor stundenlang im strömenden Regen herumgerannt. Er hatte Takada ausspioniert, gemeinsam mit Mello, der momentan noch in der Stadt, letzte Besorgungen machen war. Ein leises Donnern drang an sein Ohr, was er versuchte auszublenden. Vergebens. Schon wieder ertönte ein deprimierendes Dudeln aus dem Gameboy, sodass er ihn mit einem Seufzen resignierend beiseitelegte. Was war nur mit ihm los? Stumm wandte er den Kopf zum Fenster hin, das vom Regen völlig verschmiert war. Wie kleine Funken blitzten dadurch die Lichter der nächtlichen Stadt. Wo Mello wohl blieb? Vielleicht ging er ja noch einmal richtig feiern, morgen würde er vermutlich nicht mehr die Gelegenheit dazu haben, ebenso wenig wie Matt. Für einen kurzen Moment schloss der Rothaarige die Augen und striff sich dabei die Fliegerbrille, sein Markenzeichen, über die fettigen Haare, die wohl schon seit Tagen keine Dusche mehr gesehen hatten. Wann hätte er auch duschen sollen? Es war genau wie früher, als er mit Mello noch Schokolade gestohlen hatte–der Blonde vereinnahmte ihn völlig. Aber das war ihm egal. Im Gegenteil, er genoss es. Warum? Weil er die Langeweile hasste. Und die Einsamkeit. Besonders die Einsamkeit. Matt hatte keine normale Kindheit gehabt. Seine Eltern hatten ihn tagelang in einen Keller gesperrt, weil sie ihre Arbeit für wichtiger empfunden hatten. Ohne Licht, ohne Beschäftigung. Damals hatte er das erste Mal mit seinen schlimmsten Feinden Bekanntschaft gemacht: Einsamkeit und Langeweile. Seine Feinde, die er noch heute über alles hasste und fürchtete. Ja, er hatte Angst. Aber nicht vor dem, was ihn morgen erwarten würde, nicht vor seinem Tod, aber davor, dass Mello vielleicht sterben könnte. Denn Mello war für ihn der einzige Zufluchtsort, wo ihn seine Feinde nicht finden konnten. Bei ihm war er geborgen–Er war Zuhause. Umso unangenehmer war es deshalb jetzt für ihn, alleine in diesem Zimmer zu sitzen an dem wahrscheinlich letzten Abend seines Lebens. Natürlich hätte er Mello fragen können, ob er bei ihm bleiben könne, aber das war nicht seine Art. Abgesehen davon hatte er sich vor Mellos Reaktion gefürchtet.
    Leises, schrilles Rauschen begann auf einmal seine Ohren zu füllen und er spürte, wie es begann. Sein Alptraum hatte ihn eingeholt. Schon wirkten alle Geräusche viel lauter als zuvor, der Regen wie ein Schussgefecht, das Ticken der Uhr wie Handgranateneinschläge. Ein Zittern überfiel ihn, unkontrolliert und unstoppbar. Fester krallte er sich in die Decke und kniff die Augen zusammen, aber die Stimmen und Geräusche wurden nicht leiser. Entsetzt sprang er auf, den auf den Boden fallenden Gameboy nicht beachtend und schritt wie ein in die Enge gedrängtes Tier im Zimmer herum. Er musste sich ablenken! Nur wie? Kurzerhand begann er sämtliche Bedienungsanleitungen und Vorschriftentafeln im Zimmer zu studieren, doch das stillte seine Langeweile nur kurz. Dann kam er auf die gloriose Idee, die Schubladen zu durchstöbern, schließlich auch den Kleiderschrank, in dem das wenige Hab und Gut von Mello und ihm mehr oder weniger chaotisch gestapelt war. Wenn Mello jetzt kommen würde, würde er ein riesiges Problem haben... Trotzdem wühlte er weiter, gepeinigt durch die Stimmen in seinem Kopf, bis ihm auf einmal ein zerknüllter Zettel in die Hände fiel. War der von ihm? Verwundert entfaltete er ihn und sein Herzt pochte schneller, als er bemerkte, dass es Mellos, für einen Jungen überraschend saubere Schrift, war. Durfte er das lesen? Sicherlich nicht. Wenn Mello das erfahren würde, würde er einen Kopf kürzer sein! Aber wenn er noch länger die kreischende Stimme der Langeweile in seinem Kopf ertragen müsste, würde er sich noch aus dem Fenster in den Tod stürzen. Also begann er, wenn auch mit schlechtem Gewissen, zu lesen...

    Lieber Matt,

    Ein Brief? An ihn? Das konnte doch nicht echt sein. Mello schrieb nie Briefe, nie. Außer... Matt wurde bleich...

    Es ist lange her, dass du diese Zeile das letzte Mal zu Gesicht bekommen hast. Um genau zu sein 6 Jahre. 6 Jahre, in denen du Sturkopf nie die Hoffnung daran aufgegeben hast, dass ich mich irgendwann wieder an dich wenden würde, weil ich deine Hilfe brauchen würde. Weißt du eigentlich, wie sehr ich dein wissendes Grinsen hasse? Dieses Grinsen, das mich immer begleitet hat, sei es bei unserem Wiedersehen vor ein paar Monaten oder bei meinen hirnrissigen Plänen. Langsam glaube ich, du wusstest tatsächlich viel mehr, als du durchscheinen ließest. Habe ich Recht?

    Was redete er da? Matts Miene war wie eingefroren, wodurch sich das Grinsen, das tatsächlich wie von selbst sein Gesicht geziert hatte, zu einer dünnen, schmalen Linie zusammenzog. Worauf wollte Mello mit diesen Worten hinaus? War der Brief wirklich für ihn?

    Ja, würdest du jetzt sagen. Zu hundert Prozent. Du hast immer Ja gesagt, Matt, noch etwas, was ich an dir gehasst habe. Denn ich konnte dich nicht einschätzen, Matt. Nie. Nicht, als ich dich das erste Mal im Wammy's gesehen habe–du mit deinem Gameboy in der Ecke sitzend... Oh ja, ich weiß noch genau, wie sauer ich damals auf dich war. Du weißt es vielleicht auch noch. Vielleicht, so zu 3 Prozent, ich weiß ja, wie vergesslich du bist. Oder war das auch nur eine Fassade, Matt?

    Natürlich erinnerte er sich. Es war ein Sommertag gewesen, alle Kinder hatten draußen ihren Spaß an einer Wasserschlacht gehabt. Alle außer ihm. Er war noch neu, aber nicht etwa Schüchternheit hatte ihn bewegt, drinnen zu bleiben. Nein, er war es gewohnt gewesen, in dunklen abgeschlossenen Räumen zu sitzen; so vertraut war ihm diese Situation geworden, dass er nicht mehr gewusst hatte, wie er mit der Außenwelt hier im Wammy's umgehen sollte. Doch dann war er gekommen: Mello. Matt hatte seinen Namen zu dem Zeitpunkt noch nicht gekannt, um ehrlich zu sein, hatte er zu dem Zeitpunkt noch keinen einzigen Namen gekannt. Ihm hatte es genügt zu wissen, dass da andere Kinder waren und basta. Die meisten hatten ihn nach wenigen Blicken sowieso ignoriert, wer interessierte sich schon für einen Jungen im Ringelpullover mit Fliegerbrille, die ihm laut einiger Mädchen ein fliegenähnliches Aussehen verlieh. Niemand. Das hatte er zumindest gedacht, bis da plötzlich dieser Schatten auf ihn gefallen war und er zum ersten Mal in die wütend funkelnden, blauen Augen gesehen hatte.

    Eigentlich war ich gar nicht wütend auf dich, Neid würde es wohl eher treffen. Ich sehe schon deinen verwunderten Blick vor mir und wie du eine deiner Augenbrauen, immer die linke, fragend hebst.

    Der Blonde hatte ihn beobachtet und die Entscheidung getroffen, Matt aus seiner Reserve zu locken, weil er solche "übercoolen" Typen wie ihn nicht ausstehen konnte. Wer hätte gedacht, dass sie beide mal so etwas wie Freunde werden würden?

    Ob du es glaubst oder nicht–ich beneide dich, Matt. Ich habe damit angefangen, als ich dich das erste Mal in der Klasse gesehen habe und der Lehrer sagte, du wärst dank des Einordnungstestes auf Platz 3. Damals war ich total schockiert und habe befürchtet, du würdest mich genau wie Near überholen. Doch das hast du nie. Warum? Du hast nie gelernt, Matt, das kannst du verneinen so oft du willst, ich habe dich nämlich beobachtet, versucht dich abzulenken und dir sogar die Bücher weggenommen. Du hast es nicht einmal bemerkt.

    So dachte er über ihn? Matt war, obwohl er genau wusste, wie unberechenbar Mellos Gefühle oft waren, doch schockiert. Ja, es stimmte, Matt hatte nie versucht Mello zu übertreffen, vielleicht, weil er den Blonden nicht überholen gewollte hatte, aber das ihn das so gestört hatte... Warum hatte Mello nie etwas gesagt?

    Deine Aufmerksamkeit galt immer dem Gameboy, dachte ich zumindest. Bis du an diesem verhängnisvollen Tag das Wort an mich gewandt hast. „Warum starrst du mich so an? Wenn du mich schlagen willst, dann tu es jetzt, ich habe sowieso gerade ein Game Over." Deine Aussage hat mir damals den letzten Nerv geraubt. Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich nur den Kopf schütteln. Wieso habe ich dich damals verprügelt? Und vor allem: Warum hast du dich einen Tag später mit Dutzenden Verbänden einfach in mein Zimmer geschlichen, dabei sogar das Türschloss geknackt (Und behauptet, du hättest einen Einwegschlüssel - Himmel, ich war naiv!) und mit mir gemeinsam den Zimmerarrest abgesessen?

    Ein Schmunzeln ließ Matt erbeben. Ja, die Sache mit dem Zimmerarrest... Vielleicht hatte er schon damals damit begonnen... Damit, Mello als Zufluchtsort zu betrachten. Vielleicht hatte er schon damals gespürt, dass Mello anders war als die anderen Kinder. Roger konnte sagen, was er wollte, konnte Mello wegen seiner Emotionalität verurteilen, wie er Lust hatte, aber wusste er, wie besonders Mellos Charakter war? Wie warm sein Lächeln sein konnte? Er hatte es erkannt und darum war der Grünäugige auch nicht mehr von seiner Seite gewichen, nicht einmal, als er ihn geschlagen hatte.

    Ich habe dich nie verstanden, Matt und ich tue es immer noch nicht. Ganz ehrlich, was findest du an mir? Ich bin aggressiv, unfair, süchtig, ein Versager und lebensmüde. Was gebe ich dir, was Near nicht hat?

    Near? Mello zog tatsächlich in Betracht, er wolle eventuell zu Near gehen? Um Himmels Willen, hatte er diesen Brief im Vollrausch geschrieben? Ärgerlich wandte der Rothaarige für einen Augenblick den Kopf ab und starrte zum Fenster, an dem die Regentropfen wie Tränen heunterronnen. Was sollte er denn bei Near? Near war kalt. Kalt und unerreichbar. Er war kein Schutz, kein Zufluchtsort–er war nicht Mello.

    Brauchst du wirklich so sehr den Nervenkitzel, dass du mein Partner-in-Crime sein willst? Wieso bist du so leichtsinnig? Ich habe mich schon immer gefragt, wie viel dir dein Leben bedeutet. Wenig, habe ich Recht? Sonst würdest du nicht mehr hier auf dem Sofa sitzen, Gameboy spielen und gleichzeitig Takada auf dem Bildschirm beobachten. In deinen Spielen hast du dich immer über den Restart-Knopf gefreut, das ist mir aufgefallen. Aber was ist hier, in der Realität, wo du nur ein Leben hast? Ist dir das egal?

    Wie er diese letzte Fragte las, setzte sein Atem für einen Moment aus. So tief wollte Mello in ihn hineinsehen? Das war gefährlich! Zitternd strich er sich eine lästige Strähne aus dem Gesicht, wobei sein Blick unruhig über das Blatt huschte. Er wollte nicht, dass sich Mello über so etwas den Kopf zerbrach! Vor allem nicht in einer Zeit wie dieser, wo sein Leben in jeder Minute auf dem Spiel stand. Sorge machte unaufmerksam, das hatte Roger ihnen schon von klein auf erklärt. Abgesehen davon – selbst wenn er ihm die Antwort geben würde, bezweifelte er, dass das dem Blonden helfen würde. Im Gegenteil, Mello würde wohl total verstört sein und ihn im schlimmsten Fall loswerden wollen. Denn er hing tatsächlich wie nur sehr wenige Menschen kaum an seinem Leben. Warum auch? Langes Leben bedeutete Langeweile. So gesehen war sein Tod morgen eine Erleichterung. Aber wenn er das Mello erklären würde, gepaart mit der Tatsache, dass er sich gerne für ihn opferte, würde er ihn wohl augenblicklich aus Schuldbewusstsein ins Wammy‘s zurückschicken. Denn Mello besaß diese Charaktereigenschaft, auch wenn es viele nicht unter seiner aggressiven, unhöflichen, egozentrischen Fassade vermuteten. Wie er selbst war Mello nur ein Mensch. Ein Mensch mit Gefühlen – schwach und zerbrechlich.

    Matt, du bist mir wirklich ein Rätsel. Und dass, obwohl wir jetzt schon seit 10 Jahren befreundet sind. Wahrscheinlich geht es nur mir so. Vermutlich weißt du immer genau, was in mir vorgeht, denn du bist immer da, wenn ich dich brauche. Wie oft habe ich dich angeschrien und dir gesagt, du sollst abhauen! Ich habe dir sogar mit der Pistole gedroht! Aber das hat dich nie abgeschreckt. Du bist geblieben, schweigend mit deinem Gameboy in der Hand, darauf wartend, dass ich endlich wieder zur Vernunft komme, damit ich merke, was ich eigentlich für ein Idiot bin. Du hast mir nie deswegen Vorwürfe gemacht wie alle anderen. Du hast nie behauptet, ich könnte nicht L werden, im Gegenteil, du warst und bist der Einzige, der an mich glaubt. Obwohl ich es nicht wert bin.

    Für einen Moment schien Matt ein Schluchzen zu hören, dass ihn aufschreckte. Wachsam sah er sich im Zimmer um, doch da war nichts als das monotone Prasseln des Regens. Doch Moment! Was war das? Seine Wangen... Sie waren nass?

    Du hast nie versucht, mich zu überholen, sogar vor L hast du beteuert, dass nicht du sondern ich sein Nachfolger werden soll. Dir hat er sogar nichts ausgemacht, keinen einzigartigen Buchstaben zu haben. Sprach man von M, so redete man in der Regel von mir, du wurdest dabei immer vergessen. Man hast dich meinen Schatten genannt, aber Matt, ich habe dich nie als solchen betrachtet. Denn ein Schatten ist seinem Besitzer untergeordnet. Aber wenn ich aufhöre zu existieren, lebst du noch. Dieses Argument hast du nie hören wollen, wenn ich dich darauf angesprochen habe. Allmählich glaube ich, du willst so leben. Du willst mein Schatten sein. Und ich lasse das zu. Aber sei dir sicher, ich sehe in dir weit mehr als meinen Schatten. Du bist mein Freund, mein Partner. Nicht ich bin M, WIR sind M!

    „M..." hauchte er mit dumpfer Stimme nach und ehe er es richtig realisierte, flossen schon die Tränen über seine Wangen, dieses Mal um Einiges zahlreicher als wenige Minuten zuvor. „Wir sind M..." Kurz schloss er die Augen, um die Tränen wegzuzwinkern, dann las er weiter. Lächelnd.

    Meine Schokolade, die mich ein Leben lang schon begleitet, schmeckt bitter, Matt. Wenn ich dir das eröffnen würde, würdest du wahrscheinlich sofort in den nächsten Supermarkt rennen, um mir eine süßere zu holen. Aber das würde nichts bringen. Jede Schokolade schmeckt in letzter Zeit gleich. Bitter und trostlos. So wie ich mich fühle. Sicherlich würdest du mir jetzt deine Hilfe anbieten, aber das würde das Ganze nur noch schlimmer machen. Immer willst du mir helfen, Matt – aber habe ich jemals dir geholfen? Nein. Im Gegenteil, irgendwie musst am Ende immer du leiden, obwohl ich eigentlich schuld bin. Du hast dich nie darüber beschwert. Und ich habe mich nie dafür entschuldigt. Nie diese verfluchten Worte über meine Lippen gebracht, die jetzt mein Herz auffressen. Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen. Ein unglaubliches schlechtes. Aber ich bringe es nicht fertig, dir die Worte zu sagen, die ich so oft in meinem Kopf schon vor formuliert habe. Am Ende sind meine Versuche immer in Wutanfälle ausgeartet, die du wie immer ohne eine einzige Klage ertragen hast. Es tut mir leid, Matt. Ehrlich Leid. Aber das wirst du wohl nie erfahren. Du wirst nie erfahren, dass ich einige Straßengangs krankenhausreif verprügelt habe, aus Frust, weil ich deinen Geburtstag wie immer vergessen habe.

    „DU HAST WAS!" Nun entfuhr ihm trotz der eigentlich traurig-melancholischem Atmosphäre ein ungläubiges Kichern. So verzweifelt war Mello gewesen? Vielleicht hatte Roger doch Recht: Mello war gemeingefährlich!

    Oder vor Schuldgefühlen am liebsten aus dem Fester gesprungen wäre, als ich deinen Gameboy kaputt gemacht habe. Und jetzt schicke ich dich noch als Krönung auf eine Mission, von der du zu 70 Prozent nicht zurückkehren wirst. Matt, ich wollte deine Grenzen austesten und habe alles Mögliche dafür getan, aber ich habe nichts gefunden. Du hast keine Grenzen. Oder ich bin zu klein, sie zu erreichen. Sag mir, Matt, wie kannst du so nett zu mir sein? Wie kannst du immer lächeln, immer ruhig und optimistisch sein in meiner Gegenwart? Weinst du jemals, Matt? Bist du auch manchmal schwach? Wenn ja, dann lass es mich bitte wissen, denn dann will ich für dich da sein. Wenigstens einmal in meinem verkorksten Leben will ich dir helfen, nicht umgekehrt. Ich will einmal mit dir meine Schokolade teilen, ich bin sicher, dann wird sie wieder süß schmecken.
    Mello


    Lange starrte er noch denn Brief an. Diesen kleinen Fetzen Papier, der so wertlos auf Fremde erschien und für ihn doch mehr als die Welt im Moment bedeutete. Matt war einerseits wütend auf seinen blonden Partner, andererseits überfiel ihn auch Melancholie beim Gedanken an die Verzweiflung, die Mello in diesem Brief an den Tag gelegt hatte. Was sollte er jetzt tun? Ernst schob sich Matt wieder die Brille über die Augen und faltete den Brief zusammen. Jedoch nicht auf die ursprüngliche Größe, sondern so klein wie möglich. Dann zog er ein Feuerzeug hervor und ließ den Daumen über die metallene Rolle gleiten. Auf den ersten Versuch gelang es ihm nicht, die Feuersteine im Feuerzeug funken zu lassen, wahrscheinlich wegen seiner zitternden Finger, doch beim zweiten gelang es ihm schließlich. Schon fraß die hungrige Flamme an dem trockenen Papier des Briefes und ließ es schwarz werden. Schwarz wie ein Sargtuch. Sein böser Humor mal wieder... Als nur noch Asche auf dem Teppichboden an das verhängnisvolle Schreiben erinnerte, nahm er die Schaufel und den kleinen Handbesen, die an der Wand hingen, und entsorgte diese Reste im Mülleimer, bevor er begann, alles wieder einzuräumen, hatte er doch durch seine Panikattacke vorhin ein gigantisches Chaos angerichtet. Aber er kam nicht weit, denn wenige Minuten ließ ihn das metallische Kratzen an der Tür zusammenfahren. Hastig schmiss Matt noch einige Kleidungsstücke zurück in den Schrank, bevor schon die Tür aufgetreten wurde, zumindest ließ es das Geräusch und das verärgerte Gegrummel des Eintretenden vermuten, der wenige Sekunden später einen entsetzten Schrei ausstieß. „MATT! WO ZUR HÖLLE STECKST DU?" Mehr oder weniger selbstbewusst trat Matt schweigend ins Wohnzimmer, wo ein vor Wut kochender Mello mit verschränkten Armen stand und fassungslos das Chaos um ihn herum betrachtete. Als er ihn bemerkte, seufzte er genervt und kam erstaunlich langsam auf ihn zu: „Schade, ich dachte schon, es wäre noch ein Einbrecher im Haus, den ich verprügeln könnte..." Er warf dem Zimmer noch einmal einen missbilligenden Blick zu. „Was ist das hier?" Wieso war er so ruhig? Matt machte sich allmählich wirklich Sorgen. Wenn Mello ruhig war, hieß das nie etwas Gutes... „Ich..." stammelte er kleinlaut und beobachtete dabei Mello genau aus dem Augenwinkel. Es war seltsam; wenn man ihn so aus der Nähe betrachtete, sah er gar nicht wütend aus. Was war nur mit ihm los? Matt schluckte, während Mello ihm wieder seine volle Aufmerksamkeit schenkte. „Ich höre..." forderte er ihn leise auf und musterte den Rothaarigen dabei prüfend mit seinen blauen Augen. Was sollte Matt ihm jetzt sagen? Dass er Panik bekommen hatte und beinahe das gesamte Zimmer zerlegt hatte? „Mello, auch ich habe Schwächen." antwortete der Grünäugige ernst und blickte dem Blonden direkt ins Gesicht, das sich nach wenigen Sekunden erschrocken verzog. Er sah ihm genau an, dass er erkannt hatte, dass diese Antwort nicht nur seiner Frage, sondern auch seinem Brief gegolten hatte. „Du..." stammelte er heiser, doch Matt ging gar nicht darauf ein, sondern bahnte sich den Weg zum Sofa, wo er seinen Handheld anschaltete und seinen Zeldaspielstand anklickte. Für eine Weile stand Mello sprachlos wie bestellt und nicht abgeholt da, bevor er sich ungläubig auf das Sofa neben Matt fallen ließ. „Du weißt also alles?" fragte er mit kratzender Stimme, doch Matt blickte nicht einmal auf. Während er Link ein Lied spielen ließ, antwortete er knapp: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.", womit er Sokrates zitierte. Leicht schmunzelte er, obwohl er eigentlich tiefe Trauer, geradezu Schuld verspürte, da er Mello so lange falsch eingeschätzt hatte. „Du hast den Brief also gelesen..." Mello seufzte deprimiert und Matt spürte seinen Blick auf sich ruhen. „Was denkst du jetzt über mich? Sicher willst du jetzt nicht mehr mit mir zusammenarbeiten. Nun, wo du weißt, wie kläglich schwach ich bin..." Da legte Matt wütend seinen Gameboy auf den Tisch vor dem Sofa und begann dann unter der Decke neben sich zu kramen. „Was machst du da? W... Willst du jetzt gehen?" stammelte Mello erschrocken, doch der Rothaarige schwieg weiterhin und suchte ruhig weiter, bis er endlich gefunden hatte, was er gesucht hatte. „Mello, sei einfach ruhig... Hör auf, die ganze Zeit der Beste sein zu wollen und genieß deine Schokolade..." Matt lächelte leicht und brach die Tafel Schokolade in seiner Hand in zwei. Eine Hälfte überreichte er dann dem fassungslosen Mello, die andere behielt er selber und biss hinein. Eigentlich absurd, aber er hatte sein Ewigkeiten keine Schokolade mehr gegessen, obwohl er mit einem Schokoladensüchtigen zusammenarbeitete. „Hilfe, ist das süß!" stieß er überrascht hervor und starrte auf die braune Masse in seinen Händen. „Wie kann man so etwas kiloweise futtern!" Amüsiert blickte er zu Mello, der auch zu lächeln begonnen hatte und demonstrativ in sein Lieblingsnahrungsmittel hineinbiss. „Weil ich Mello bin!" „So muss sich das anhören!" Matt grinste freundlich und lehnte sich leicht an den Blonden, sodass sie halb Rücken an Rücken saßen. „Matt...?" fragte Mello nach einer gefühlten Ewigkeit, in der sie schweigend an ihrer Schokolade geknabbert hatten. „Hm?" „Jetzt schmeckt meine Schokolade auch wieder süß..." Da grinste Matt breit und knuffte den Blonden leicht, bevor er freundlich vorschlug: „Siehst du? Frag mich doch einfach, wenn du ein Problem hast! Darum bin ich doch bei dir, und nicht bei Near! Wir sind Freunde!" Da lächelte auch Mello und schmiegte sich vorsichtig an Matt. „Ja... Freunde..." Er flüsterte diese Worte nur, doch sie hallten im Raum wieder wie eine Zauberformel. Und eigentlich waren sie das ja auch–Sie hatten die beiden Wammys zu dem gemacht, was sie nun waren. Freunde. Und dies würde ihr Leben bis zum frühen Ende bestimmen. Egal, ob sie morgen sterben würden, sie würden es nicht bereuen. Denn sie würden als Freunde sterben.

    Ende

    (Bildquelle: Zero-chan)

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Mein Brief für dich (Death Note)
Mein Brief für dich (Death Note)
Der zweite Teil meines kleinen Projekts. Während Teil 1 zu Bakura und Marik (Yugioh) war, beschäftige ich mich hier mit Mello und Matt. Kerninhalt meines Projekts: X schreibt an Y einen Brief; Reaktionen von Y werden beschrieben...
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2016-01-29
407LV
Death Note

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Yamiyo ( .3.96 )
Abgeschickt vor 305 Tagen
Vielen Dank! Es ist meine erste Matt x Mello FF....
Ich bin auch ein Riesenfan von diesem Pairing und bin da voll deiner Meinung. Ich meine, Matt stirbt für Mello! Und er ist schlau–er hat garantiert den Plan als sehr risikoreich erkannt. Trotzdem hat er ihn geholfen: entweder aus tiefer Freundschaft oder Liebe.... Ich sehe die zwei als beides ^^ (weil ich Mello x Near auch recht mag. Und Dreierbeziehungen finde ich nervig.)
SleepingWolf ( 19.14 )
Abgeschickt vor 308 Tagen
Ohh mein Gott ist das süüüüüüüüüß. Ich bin ja schon ein großer MattxMello-fan, aber jetzt bin ich ein noch viel größerer. Ich shippe diese beiden so gern. Obwohl es immer heißt die beiden sind nur Freunde, denke ich da steckt noch mehr als nur Freundschaft dahinter.^^
Yamiyo ( 8.177 )
Abgeschickt vor 349 Tagen
Vielen Dank!^^*knallrot wie Ampel werd*
Netzumi ( 06.20 )
Abgeschickt vor 350 Tagen
Mega genial wirklich großes lob an dich LF Netzumi