Licht und Dunkelheit

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1 Kapitel - 1.456 Wörter - Erstellt von: M - Aktualisiert am: 2016-01-27 - Entwickelt am: - 314 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Sie war noch nie ein ganz normales Mädchen. Seit ihrer Geburt allein in dieser Welt, auch wenn Menschen um sie herum waren. Sie war vollkommen ahnungslos was ihr Schicksal anging. Noch.

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    Kälte. Nichts als Schnee und Eis. Der Wind wirbelt die dicken Flocken, die stetig vom Himmel fallen, durcheinander. Kein Mensch hält sich in solch einer Gegend, einer ewigen Schneelandschaft, länger als ein paar Stunden auf. Doch inmitten von Kälte und Schnee liegt ein Bündel. Nicht groß, nicht besonders. Doch dieses Bündel ist ein Kind. Blind für das Treiben um sich herum schläft es friedlich, nur wenn Schneeflocken die Nase des Kindes kitzeln, dann niest es kurz, gleitet dann aber zurück ins Land der Träume. Es weiß nicht, dass es sterben sollte. Es wird es nie verstehen. Doch das Schicksal war gnädig. Ein einsamer Eremit, der auf der Suche nach Verletzten durch die Gegend streift, findet das Kind. Ein kleines Mädchen, nicht älter als ein paar Tage. Dieses Kind, geboren in Schnee und Eis, in der Dunkelheit der Kälte, sollte die Retterin der Welt sein. Der Name des Mädchens war Hikari.

    15 Jahre später

    Mit glänzenden Augen verfolgte das Mädchen das Treiben im Garten. Viele Gäste, feinste Speisen und Musik. Und doch war es keine glückliche Feier. Sie wusste, sie müsste nun hinunter gehen und eine Rede halten, doch sie konnte nicht. Ihre Augen glänzten vor Tränen, die Gäste, das Essen und die Musik waren Teil einer Trauerfeier. Das Mädchen mit dem schönsten und strahlendsten Lächeln der Welt weinte. Vergangen die Tage, an denen sie sorglos spielte, wegen Nichtigkeiten weglief, oder die Nachbarskatze ärgerte. Nun, wo ihr „Onkel“ nicht mehr war, musste sie Verantwortung übernehmen. Sie musste von einem halben Kind, sofort erwachsen werden. Wie in Trance bewegten sich ihre Füße nach unten, in den Garten, um im gleichen Zustand sprach sie von der glücklichen Zeit, die sie mit ihm hatte. Er hatte sie aufgenommen, großgezogen, erzogen und ihr die Liebe gegeben, die sie benötigte. Er war ihr zuliebe in die Nähe eines Dorfes gezogen, nur um sie lächeln zu sehen. Ja, er hatte ihr ihr Lächeln wiedergegeben, und er hatte ihr Lächeln geliebt. Sie war sich sicher, dass er vom Himmel aus immer ihr Lächeln ersehen würde. Doch die Zeit verging. Die Musik war seit Stunden verstummt, das Essen leer, die Gäste verschwunden. Nur die vielen Blumen und Geschenke erinnerten noch an die Feier. Doch ihre Gedanken verweilten bei ihm. Und sie bekam Zweifel, ob all das, was er ihr erzählt hatte, alles über Himmel und Leben nach dem Tod, wahr wäre. Doch stumm wischte sie die Tränen aus ihrem Gesicht und lächelte. Lächelte gen Himmel. Lächelte ihm, auf seiner Wolke zu.

    „Nun komm schon Hikari!“
    Verzweifelt versuchte er sie rauszulocken. Seit dem Tod ihres „Onkels“ war sie nur im Haus und trauerte. Doch dies bereits seit einem halben Jahr. Widerwillig stand sie auf und sah ihn an. Obgleich er immer Witze riss, um sie endlich wieder zum Lächeln zu bringen, und er immer für sie da war, so empfand sie es als nutzlos was er tat. Es nützte sowieso nichts. Doch nun hatte er endlich ein Argument gefunden, dass sie umstimmen musste. „Er hätte gewollt, das du lebst!“ schrie er sie an. Er wollte seine beste Freundin zurück, Hikari, das Mädchen das immer nett und freundlich war, nur lächelte und alles positiv sah. Doch nun runzelte sich ihre glatte Stirn und ihre Augen blitzten. Sie war zornig, doch sie wusste genauso gut, dass er Recht hatte. Doch wie konnte sie Freude haben, wenn der einzige Mensch, den sie Familie nennen konnte, nicht mehr war? „Du weißt nicht wie ich fühle. Niemand weiß das.“ Ihre Stimme war kaum noch ein Flüstern, doch der Schmerz der sich in ihren Worten verbarg, war unüberhörbar. Doch sie wollte es ihm zuliebe wagen. Einmal wollte sie sich noch fallen lassen und vertrauen. Einmal noch, wollte sie leben.

    Vorsichtig, als könnte sie jeden Moment zerbrechen. So wurde sie behandelt. Doch obwohl sie körperlich zierlich war, so war ihr Geist stärker als aller anderen. Nun war sie 16, ein Jahr war vergangen, und doch saß sie oft da und überlegte. Ob es richtig war, was sie tat. Ob es sich wirklich lohnte. Ob ihr Leben einen Sinn hatte. Doch jedes Mal unterbrach sie ihre Sorgen und Gedanken, denn jedes Mal spürte sie eine Präsenz, dunkler als alles andere, schwarz wie die Nacht, die sie so liebte. Sehen konnten ihre Augen nichts, kein Mensch, kein Tier. Nur den Mond, der wie ein Hirte seine Schafe, die strahlenden Sterne hütete. Doch das Licht derer half nicht. Die Dunkelheit die sie umgab, wurde größer und stärker, fast so, als ob sie alles Licht der Welt tilgen wollte. Sie in eine Welt der Dunkelheit und Kälte verwandeln wollte. Doch jedes Mal spürte sie eine weitere Kraft, die stärker als die andere zu sein schien. Ein helles Leuchten, ein Strahlen, das direkt von ihr selbst auszugehen schien. Fast so, als ob ihr eigenes Licht, die Dunkelheit vertreiben wolle.

    „Es ist soweit.“ Nur diese kleinen drei Worte vernahm sie. Doch diese Worte hatten für sie mehr Bedeutung als alles andere. Für sie kam es nun auf alles was sie liebte an. Ihr Leben, ihre Freunde, ihre Heimat. Wenn sie verlieren würde, würde sie alles verlieren. Ein Geschöpf der Finsternis, gewillt die gesamte Welt in Dunkelheit zu kleiden, stand ihr gegenüber. Groß, stark, mächtig. Ihr persönlicher Gegner. Ihr einziger Gegner. Der alles zerstören konnte. Erst vor kurzer Zeit hatte sie erfahren, dass sie die Auserwählte war. Die, die als Einzige die Möglichkeit hatte, die Menschheit vor der Finsternis zu schützen. So viele vor ihr waren schon Hüterinnen des Lichts gewesen, doch keine von ihnen hatte es jemals geschafft, die Finsternis endgültig zu besiegen. Sie konnten sie nur für kurze Zeit vertreiben, bis eine neue Hüterin auftauchte. Zitternd, unsicher, sich ihrem Schicksal bewusst, hob sie ihre Hände zum Himmel. Betete, flehte Mond und Sterne an, ihr ihr Licht zu leihen, ihr Kraft zu geben, für den finalen Kampf, und sei es nur für einen kurzen Augenblick.

    Licht und Dunkelheit trafen aufeinander. Zwei Urgewalten, nicht gewillt, die andere Macht gewinnen zu lassen. Er schien sich nicht anzustrengen. Ohne Mühe. Sie war schweißgebadet, keuchte. Ihre Kraft war am erlischen. Doch dann blitzten Bilder vor ihren Augen vorbei. Ihre Freunde. Ihr Onkel. Alle Dorfbewohner. Ihre Eltern. Obwohl sie sie niemals getroffen hatte, sah sie doch ihre Eltern vor sich. Eine Szene spielte sich ab. Sie war gerade mal geboren, als dunkle Dämonen ihr Haus stürmten, geradewegs auf das kleine Bündel in seinem Bettchen zu. Dann ihre Eltern, die sich schützend vor sie stellten, um sie zu beschützen, und sei es mit ihrem Leben. Sie haben ihre Liebe zu ihrem Kind, mit ihrem Leben bezahlt.

    Nun erkannte sie es. Sie war wirklich die Auserwählte, sie war die Verheißene. Sie war diejenige, die in ihrer menschlichen Gestalt niemals erwachsen werden würde. Doch sie wuchs. Und nun, inmitten des allesentscheidenden Kampfes wurde ihr ihr Schicksal klar. Ihr Schicksal war es, die Welt ein für alle Mal vor der Macht der Finsternis zu schützen. Ihr Licht wurde heller, noch strahlender. Nie zuvor war das Licht einer Hüterin so strahlend und warm gewesen. Er starb. Nirgends kann die Dunkelheit bestehen, wo Licht ist. Doch auch sie war am Ende ihrer Kräfte. Mit ihren letzten Atemzügen sah sie hinauf in den Nachthimmel, an dem Mond und Sterne strahlten. In jedem Stern sah sie ihre Vorgängerinnen, im Mond den Hüter der verstorbenen Seelen, der sie zu sich rief. Mit einem Lächeln auf den Lippen, und dem Wissen, dass sie ihr Schicksal erfüllt hatte, flüsterte sie nun ein letztes Mal den Namen ihrer Heimat. Licht.

    Es gab einen weiteren Stern am Nachthimmel.

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