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Eternal Snow

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1 Kapitel - 1.515 Wörter - Erstellt von: M - Aktualisiert am: 2016-01-27 - Entwickelt am: - 534 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Segen oder Fluch? Diese Frage stellte sie sich jeden Tag aufs Neue wenn es daran ging, den Auserwählten zu finden. Sie durfte einen einzigen jungen Mann in jedem Dorf auswählen. Aber was, wenn der Richtige, derjenige der ihr Schicksal und das der Welt ändern konnte, einfach nicht unter ihnen war?

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    Ihr langes, weißes Haar wehte im Wind und ihre schwarzen Augen blickten traurig auf die schneebedeckte Landschaft vor ihr. Zu lange ist sie nun schon allein. Zu lang streift sie schon durch die Länder auf der Suche nach dem Auserwählten. Dem Auserwählten, der es endlich schaffen sollte, sie von diesem Fluch zu befreien, und ihr Herz zum schmelzen zu bringen. Dem, der die unendliche Kälte des Eises endlich vertreiben sollte. Zu viele waren schon gefallen. Zu viele waren schon der Kälte ihrer Macht erlegen. Sie musste es schaffen. Andernfalls wäre alles verloren. Alles wofür sie all die Jahre kämpfte. Alles wofür sie strebte. Alles wofür sie lebte. Sie zog ihren Kimono enger um sich, und stapfte weiter barfuß durch den Schnee. Erst vor ein paar Tagen hatte sie ein kleines Dorf erreicht- Und wieder war ein Jüngling gestorben. Ihr war es gewährt gewesen, in jedem Dorf genau einen Mann aussuchen zu dürfen. So viele Dörfer hatte sie bereits bereist. Doch nie war der Auserwählte unter den Jünglingen gewesen. Ihre Chancen sunken mit jedem Dorf. Doch sie gab nicht auf. Noch konnte die Kälte bezwungen werden. Noch konnte die Welt gerettet werden. Ihre Füße trugen sie weiter durch die verschneite Landschaft, doch sie realisierte, dass es nicht mehr lang dauern würde, bis ihr Körper zu schwächeln beginnt. Trotz der göttlichen Macht die in ihr ruhte- Ihr Äußeres ist und wird auf ewig menschlich bleiben. Sie begann immer häufiger zu straucheln, und schließlich gaben ihre Füße nach und sie stürzte in den Schnee. Sie durfte nicht sterben. Wenn das geschehen würde, würde sich die Macht von ihrem Körper lösen und die gesamte Welt befallen. Es würde nur noch eine Welt geben, in der auf ewig Winter herrscht. Eine Welt der Kälte und Dunkelheit. Eine Welt, in der jegliche Liebe und jegliches Leben unmöglich wäre. Doch trotz ihres Willens wurde sie immer schwächer und ihr Blickfeld begann zu verschwimmen bis ihre Augen sich schließlich schlossen.

    Die Wärme brannte auf ihrer immer kalten Haut. Das Knistern von Feuer riss sie aus ihrer Ohnmacht und ließ sie aufschrecken. Sie durfte nicht tot sein. Doch ihre Augen erblickten das, was sie am wenigsten erhofft hatte. Sie lag in einer kleinen Hütte, direkt neben einem prasselnden Feuer. Doch über ihr lehnte ein junger Mann, der sie besorgt musterte. „Ich hab dich ohnmächtig im Schnee gefunden. Ich bin froh, dass du wieder aufgewacht bist.“ Sie richtete sich auf und sah ihn wehmütig an. Sein Gesicht ähnelte das ihres Liebsten. Ihres ersten Opfers. „Wie lautet dein Name?“ fragte er sanft. „Geboren wurde ich als Hikari. Doch nun heiße ich Yuki.“ Es war eine Ironie, das ihr eigentlicher Name „Kind des Lichts“ bedeutete. Denn statt Licht brachte sie Kälte und Dunkelheit über die Menschen. „Nun gut, Hikari. Ich bin Akira.“ Er wandte ihr den Rücken zu und drehte sich dann mit einer Schüssel in der Hand um. „Ich werde mich um dich kümmern solange du in diesem Zustand bist.“ Ihr Herz schlang sich schmerzhaft zusammen und sie schüttelte den Kopf. Sie konnte nicht bleiben. Sie durfte nicht bleiben. Doch gegen ihre Pläne blieb sie.

    Gegen ihren Willen war er ihr ans Herz gewachsen. Heimlich und leise hatte er sich in ihr Herz geschlichen, womöglich ohne es zu wissen. Doch sie merkte auch, dass der bisher herrschende, sanfte Winter, zu einem wahren Horrorspektakel geworden war. Sie wollte ihn nicht verlassen. Doch sie konnte es nicht zulassen, dass sie ihn wie alle anderen tötete. Und so schlich sie fort, fort von ihm und den fremden Gefühlen, die er mit sich brachte. Ihr Weg führte sie in ein großes Dorf am anderen Ende des Reiches. Und genau dort fand sie einen Mann, der ihr ideal erschien, der Auserwählte zu sein. Doch ihr Herz schmerzte beim Gedanken daran, dass es vielleicht nie eine Zukunft mit Akira geben würde. Sie wusste jedoch auch, dass ihre Gefühle keine Rolle spielten, wäre dieser fremde Mann der Auserwählte. Dies war ihre letzte Chance. Seit ihrer Geburt war es ihre Bestimmung gewesen, die große Macht der Schneegöttin in sich zu tragen und die Welt schließlich vor eben diesen zu schützen. Sie begann viele Tage den jungen Mann einzulullen, bis er schließlich zustimmte, das Ritual der Sonne durchzuführen. Als heiliges Ritual getarnt, erzählte sie ihm die Geschichte, die sie jedem erzählen musste. Und so kam es zu dem unglücklichen Umstand, dass er alle Dorfbewohner einlud, der Zeremonie beizuwohnen. Aber es war ihre letzte Chance.

    In einem wunderschönen Kimono stand sie auf einer sonnenbestrahlten Lichtung und sah zum Himmel. Die Wärme der Sonne erreichte sie seit dem Verlassen von Akira nicht mehr. Innerlich immer mehr abgestumpft blickte sie ihrem womöglich zukünftigen Gatten in die Augen. Sie begann ihn mit Akira zu vergleichen. Mit jedem Punkt wurde ihr Herz schwerer und als das Ritual schließlich beginnen sollte, war sie den Tränen nahe. Sie liebte Akira. Doch nun war er für immer fort. „Hikari!“ Mit einem Schwung wirbelte sie herum und sah Akira den kleinen Waldweg entlang rennen, direkt auf sie zu. Ihre Augen wuchsen in Verwunderung, doch ihr Herz machte einen Sprung. Er rannte weiter auf sie zu, bis er schließlich direkt vor ihr stand. „Warum bist du fort gegangen? Ich dachte du würdest auch etwas für mich empfinden. Hab... Habe ich mich geirrt?“ Tränen liefen ihr über die Wangen und energisch schüttelte sie den Kopf. „Ich liebe dich. Doch genau deswegen musste ich fort. Du würdest es nicht verstehen...“ Er packte ihren Unterarm und hob mit der anderen Hand ihr Kinn an. „Es gibt nichts, was wir nicht gemeinsam durchstehen könnten. Ich liebe dich. Ich will dich nicht verlieren.“ Sie drehte ihren Kopf zur Seite, mit einem schmerzhaften Gesichtsausdruck. „Als ich geboren wurde... wurde die Macht der Schneegöttin in meinem Körper versiegelt. Ich war das heilige Gefäß das erbracht werden musste, doch um die Macht daran zu hindern, die gesamte Welt in eine Welt der Kälte zu verwandeln... musste ich den Auserwählten finden. Den Mann, der die Macht für immer verschwinden lassen würde. Ich habe ihn nie gefunden. Alle Männer sind gestorben... Ich wollte nicht, dass du auch stirbst...“ Heiße Tränen rannen über ihre Wangen und sie war sicher ihn nun verloren zu haben. Doch es kam anders. „Ich will der Auserwählte sein... Selbst wenn ich es nicht sein sollte, dann will ich es wenigstens versucht haben. Ich will dich endlich erlösen.“ Er lächelte sie an, nahm ihre Hände in seine und legte seine Stirn an ihre „Ich will dich nicht mehr leiden sehen.“ flüsterte er. Sie begann zu lächeln, doch sie sah, dass die Sonne bereits begann unterzugehen. Es war zu spät. „Es ist zu spät... Ich habe versagt...“ flüsterte sie und lächelte ihn an. „NEIN!“ Sein Schrei überraschte sie, doch sie hatte keine Kraft mehr etwas zu tun. Langsam sank sie zu Boden. „Ich liebe dich Akira... Doch Liebe spielt keine Rolle...“ „Das ist nicht wahr.“ Eine neue Stimme mischte sich ein. Die Dorfälteste trat auf sie zu und strich über ihr Haar. „Liebe ist genau das, was jede Kälte und jedes Eis schmelzen lässt.“ Sie richtete ihren Blick gen Himmel und rief ins Abendrot: „Deine Dienerin hat das Feuer der Liebe entfacht! Sie hat ihren Dienst erfüllt! Erlöse sie von ihrem Schicksal!“ Jegliche Anspannung schien von ihr zu weichen. Das Gefühl der Kälte in ihrer Brust schwand, stattdessen breitete sich Wärme aus. Das weiß ihrer Haare wich einem sanften Braun und ihre Augen nahmen einen goldenen Ton an. „Hikari! Deine Haare! Deine Augen!“ Mit einem Lachen und nun voller Kraft steht sie auf und springt in seine Arme. „Ich bin frei! Frei!“ Er stimmt in ihr Lachen mit ein, wirbelt sie umher und setzt sie schließlich sacht auf den Boden ab. „Das Feuer der Liebe...“ fing er an, sie beendet seinen Satz. „Verbrennt jede Kälte.“

    THE END

Kommentare (1)

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loveinuyasha (12404)
vor 600 Tagen
Wunderschön ich lese es gleich noch einmal