Die letzten Schneeflocken

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4 Kapitel - 1.386 Wörter - Erstellt von: Gigi - Aktualisiert am: 2016-01-10 - Entwickelt am: - 639 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

(Da ich das Gefühl habe, dass traurige Kurzgeschichten immer beliebter werden, versuche ich mich auch mal an einer.)

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    „Nein! Halte durch, Kristallwind!", schrie Tsunamiherz und vergrub seine Schnauze tief in dem seidenen Pelz seiner Gefährtin. Diese öffnete l
    „Nein! Halte durch, Kristallwind!", schrie Tsunamiherz und vergrub seine Schnauze tief in dem seidenen Pelz seiner Gefährtin. Diese öffnete leicht die leuchtend orangenen Augen und schaute den sturmgrauen Kater liebevoll an, welcher den Kopf hob und den Blick erwiderte, jedoch quollen seine Augen dabei vor Tränen über. Er rief sich all die schönen Erinnerungen in Gedanken, die er mit Kristallwind erlebt hatte.
    Als Schüler waren sich die beiden das erste Mal näher gekommen. Tsunamiherz hatte sie damals spielerisch gefragt, ob sie seine Gefährtin werden wollte, was die silberweiße Kätzin belustigt schnurrend bejahte. Dann gaben sich beide das erste Mal die Zunge. Wenig später wurden sie gemeinsam zu Kriegern gekrönt. Kristallwind hatte bis heute niemanden verraten, dass Tsunamiherz bei der Nachtwache eingeschlafen war. Ein paar Monde vergingen und es war jener Tag, an dem die beiden an einem Teich saßen, der wie tausende Sterne funkelte und die Katzen gleichzeitig die drei magischen Worte wisperten.
    „Ich liebe dich, Kristallwind. Bitte bleib bei mir!", schluchzte Tsunamiherz, als er wieder in der Gegenwart ankam.
    „Das werde ich.", versprach die Kätzin und schloss die Augen. „Ich muss mich nur ein wenig ausruhen." Ihre Flanke hob und senkte sich flach, bis sie nach einiger Zeit völlig still stand.
    „Kristallwind?", flüsterte Tsunamiherz und legte vorsichtig eine Pfote auf den zarten Körper. Mit vor Schmerzen zugekniffenen Augen, aus denen immer mehr winzige Tropfen flossen, um schließlich auf den weichen Boden der Kinderstube zu fallen, spürte er, wie seine Liebste immer mehr Wärme verlor, bis ihr Körper so kalt wie die tiefste Blattleere war und Tsunamiherz ein lautes Jaulen ausstieß. „Du hast mir versprochen, mich nicht allein zu lassen!" Der Graue dachte für einen Moment, dass der süße, frische Geruch seiner Gefährtin an seiner Nase kitzelte, wie eine Entschuldigung.
    „Es tut mir leid.", miaute Himbeerblüte, die Heilerin bedrückt. „Aber ich konnte ihr nicht mehr helfen."
    Wortlos stand Tsunamiherz auf und tappte aus der Kinderstube, als plötzlich Schneeflocken, so leicht wie eine Feder zu Boden rieselten. Es war der erste Schnee in dieser Blattleere. Hinter sich hörte er Schritte und Himbeerblüte trat an seine Seite. In ihrem Maul ein flauschiges, weißes Fellbündel. „Dein Junges.", erklärte die Heilerin.
    Tsunamiherz betrachtete das Kätzchen ausdruckslos. „Es hat Kristallwind umgebracht...", hauchte der Kater und sah auf den Boden.
    „Die Kleine kann doch nichts dafür! Du bist der Vater und musst dich um sie kümmern!", meinte die rotbraune Kätzin streng.
    „Du hast recht.", gab Tsunamiherz sich geschlagen und ließ seinen Blick über das Lager schweifen, über das sich schon eine hauchdünne Schneeschicht gebildet hatte. „Ich werde sie Flockenjunges nennen."
    „Ein guter Name.", erwiderte Himbeerblüte sanft und gab das Neugeborene an seinen Vater weiter. Es tut mir leid., dachte dieser und seufzte traurig. Aber ich werde dich nie wirklich lieben können.

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    Es waren zwei Monde vergangen. Ein Königin namens Fledermausflug kümmerte sich um Flockenjunges. Doch Tsunamiherz war immer noch nicht über den Tod
    Es waren zwei Monde vergangen. Ein Königin namens Fledermausflug kümmerte sich um Flockenjunges. Doch Tsunamiherz war immer noch nicht über den Tod seiner Gefährtin weggekommen. Es gab sogar mal eine Zeitspanne, in der er nichts aß und trank.
    Gerade beobachtete er seine Tochter beim Spielen mit ihren beiden Adoptivgeschwistern, als plötzlich Himbeerblüte zu dem Krieger trat. „Tsunamiherz?", fragte sie zögerlich und setzte sich. „E-es gibt schlechte Neuigkeiten." Der Graue wusste, dass immer, wenn in der Stimme der Heilerin dieser Ton lag, es wirklich schlecht war. Fragend blickte er sie an. „Deine Tochter... Flockenjunges... Ich habe sie im Morgengrauen untersucht, da sie mir irgendwie immer ein wenig müde vorkam. Und... Ich weiß warum. Sie hat ein unheilbare Krankheit, bei der man immer ganz schlapp ist, bis man... B-bis man irgendwann vor Erschöpfung einschläft... Und nie wieder aufwacht."
    Entgeistet riss Tsunamiherz die Augen auf und begann zu zittern. „Nein... Sie darf nicht sterben...", hauchte er und erhob sich. „Was willst du jetzt tun?", fragte Himbeerblüte verwundert.
    „Ich war der Kleinen nie ein richtiger Vater... Das werde ich jetzt ändern!", erklärte er, wobei eine Entschlossenheit in seinen Augen pochte, die noch niemand zuvor gesehen hatte.
    „Na? Soll ich dir mal die Geschichte zweier Katzen erzählen, die ihre wahre Liebe fanden?", fragte er Flockenjunges zwar noch etwas unbeholfen, versuchte aber sanft zu bleiben. Die kleine Kätzin schaute aus großen, erstaunten Augen zu ihm auf und nickte langsam. „Gern.", miaute sie mit einer Stimme, die so rein und schön wie die Lieder der Vögel, die sie in der Blattfrische sangen, klang. Über Tsunamiherz' Gesicht huschte ein leichtes Lächeln, dann setzte er sich mit seiner Tochter an den Lagerrand und begann zu erzählen.

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    Als er fertig war, sprang Flockenjunges begeistert auf. „Das war die schönste Geschichte der Welt!", maunzte sie. „Und du bist der beste Papa der Welt.", fügte das Junge hinzu und schmiegte sich an Tsunamiherz, welcher leise schnurrte. Jedoch schrie eine Hälfte von ihm noch: Sie hat Kristallwind umgebracht! Du kannst sie nicht lieben! Dieses Biest ist nicht deine Tochter! Tsunamiherz seufzte und stand auf, sodass Flockenjunges, die sich gerade an ihn gelehnt hatte, erschrocken nach vorn kippte. „Du solltest jetzt schlafen gehen.", meinte der graue Kater knapp und wand sich von ihr ab. „Ja, ich bin ziemlich müde.", gab Flockenjunges zu und stolperte in Richtung Kinderstube. Gerade, als sie darin verschwinden wollte, blieb sie stehen. „Ich hab dich lieb, Papi.", sagte das Junge sanft, dann ging sie endgültig in den Haselstrauch.
    Wie dornenscharfe Krallen rissen Flockenjunges Worte Tsunamiherz erneut das Herz auf. Ja... Seine kleine Tochter liebte ihn wie einen richtigen Vater. Doch konnte er das auch erwidern? Konnte er es jemals richtig lernen?
    Und würde die kleine Kätzin bis dahin noch leben?

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    Am nächsten Morgen war Tsunamiherz früh wach. Doch als er aus dem Kriegerbau trat, stolperte er fast über Flockenjunges, die auf einmal vor ihm sta
    Am nächsten Morgen war Tsunamiherz früh wach. Doch als er aus dem Kriegerbau trat, stolperte er fast über Flockenjunges, die auf einmal vor ihm stand. „Guten Morgen, Papa. Irgendwie bin ich heute total müde, obwohl ich die ganze Nacht brav geschlafen habe.", flüstere sie und blinzelte. Tsunamiherz sah sie kurz traurig an, dann zwang er sich ein Lächeln auf. „Vielleicht wirst du ja bei einem Spaziergang munter.", meinte er.
    „K-kannst du mich dann tragen? Ich bin nicht sicher, ob meine Beine so weit laufen können.", fragte die weiße Kätzin schüchtern. Tsunamiherz bejahte lächelnd und legte sich hin, damit das Junge auf seine Schultern klettern konnte. „Das ist lustig!", kicherte sie, als ihr Vater sich vorsichtig erhob und aus dem Lager tappte. Das Territorium war zu einem wunderschönen Winterwald geworden und überall glitzerte es.
    „Es ist wirklich hübsch hier.", hauchte Flockenjunges und legte den Kopf auf das weiche Fell ihres Vaters. „Ja.", sagte dieser leise. „Ist dir auch nicht zu kalt?"
    „Du wärmst mich doch.", erwiderte sie sanft.
    Plötzlich fielen leise Schneeflocken zu Boden und auf die beiden Katzen. „Schnee...", miaute die kleine Kätzin und streckte eine Pfote nach einer der Flocken aus, senkte sie aber dann wieder, denn sie war zu schwach. „Papa...? Ich hab dich lieb."
    Ein trauriges Lächeln zierte Tsunamiherz' Gesicht. „Ich habe dich auch lieb, meine Tochter."
    Zufrieden schloss Flockenjunges die Augen und verfiel in einen ewigen Schlaf.
    Das waren ihre letzten Schneeflocken.

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1451859493
Die letzten Schneeflocken
Die letzten Schneeflocken
(Da ich das Gefühl habe, dass traurige Kurzgeschichten immer beliebter werden, versuche ich mich auch mal an einer.)
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2016-01-03
406A
Warrior Cats

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Fatie &Co ( 32067 )
Abgeschickt vor 95 Tagen
Schön, traurig aber schön *Anfang zu heulen*
Herzauge ( von: Herzauge )
Abgeschickt vor 95 Tagen
Ich habe bei der Geschichte immer wieder einen Schauer bekommen, so gut war sie;) Wenn ich auch so gut schreiben könnte...*schnief*
the last kiss ( 38342 )
Abgeschickt vor 332 Tagen
die Geschichte ist gut, auch wenn ich bei den namen immer lachen musste.
Sandwitch ( 02605 )
Abgeschickt vor 422 Tagen
@Kondora,wenn du gelähmt(wahrscheinlich querschnittsgelähmt?)bist,wie willst du dann bitte alles im Haushalt machen müssen?

(Nice Geschichte,Gigi!)
Kondora ( 35659 )
Abgeschickt vor 435 Tagen
Bemitleidet lieber micj! Ich bin als baby bei einem unfall gelämt worden und mein elltern sind tot ich hab total strenge adoptiveltrn und bin so was wie ihr diener und muss alles machen! :-(
Aprikosenkern ( 07746 )
Abgeschickt vor 435 Tagen
Die Story ist soooooo schön!
So süß und wundervoll und trotzdem so kalt wie Eis...
Und vorallem traurig....Aber das macht die Geschichte ja so gut!!!
Rari ( 28154 )
Abgeschickt vor 439 Tagen
*schnürf* Warum?
So traurig...
Tsunamiherz verliert einfach alles...
ㅠ.ㅠ
Gigi ( 37622 )
Abgeschickt vor 444 Tagen
Danke. :)
Loewenstolz&Goldjunges ( 37083 )
Abgeschickt vor 444 Tagen
D: Nein Flockenjunges! NEEEEEEEEEIIIIN! ;D coole und traurige Geschichte
Wildpfote ( 66857 )
Abgeschickt vor 444 Tagen
Wirklich schön! 😺
Aber auch traurig... 😿
Schneefall ( 16203 )
Abgeschickt vor 445 Tagen
Echt schöne Geschichte! 😸