Leben und Liebe in Mittelerde - Teil 36

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3 Kapitel - 1.914 Wörter - Erstellt von: Tariel - Aktualisiert am: 2016-01-03 - Entwickelt am: - 738 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das (große/lange) Ende

1
Nichts auf der Welt ist so wunderbar, wie warme Sonnenstrahlen, die die Haut wärmen und einen traumhaften neuen Morgen ankündigen, während du ihnen entgegenblinzelst. Einen Morgen, den ich nie erwartet hatte jemals zu erleben. Ich gab ein zufriedenes “Mmh” von mir und streckte mich ausgiebig, bevor mich eine erneute Welle von Müdigkeit übermannte. Als ich wieder in einen tiefen Schlaf fiel, ergriff jemand zärtlich meine Hand und drückte diese.
“Bleib hier, Thallyá. Ich warte schon so lange auf dich…” Die Worte hallten in meinem Kopf wider, ohne dass ich wusste, von wem sie gesprochen worden waren. Abermals versank ich in einem endlos scheinenden Traum, der mich nicht mehr freigeben wollte.

Abermals flutete helles Licht das Zimmer. Abermals blinzelte ich vorsichtig und versuchte so die Müdigkeit aus meinen Augen zu vertreiben. Abermals begann ich zufrieden zu grummeln und mich zu strecken. Doch eines war dieses Mal anders, als zuvor: Ich war vollkommen alleine.
Mit einem Ruck setzte ich mich im Bett auf und ließ meinen Blick durch das Zimmer wandern. Eindeutig Minas Tirith. Langsam und immer noch ziemlich zerknautscht stieg ich aus dem Bett und durchquerte das Zimmer, um zu einem schmalen, jedoch langgezogenen Fenster zu kommen, welches auf der anderen Seite des Zimmer, einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt gewährte. Stumm blickte ich hinab auf das rege Treiben in der Stadt. Es musste erst kurz nach Mittag sein, da die Sonne noch hoch am Himmel stand.
Zögernd wandte ich mich ab. Wie war ich eigentlich hierher gekommen? Das Letzte woran ich mich erinnern konnte, war die Hinrichtung Tirons gewesen. Nur mehr das Licht der Abendsonne hatte den gesamten Platz in tiefrotes Licht getaucht. Ich erinnerte mich an Tirons gequälten Gesichtsausdruck, als man ihn auf ein kleines Potest gezerrt hatte und ihn dort niederknien ließ. Immer wieder schweifte sein Blick über die Menge, so als suche er jemanden, welchen er erwartete, doch dieser jemand war nicht gekommen. Er hatte traurig gewirkt, trauriger, als ich ihn jemals erlebt hatte. Diese Traurigkeit hatte mich nervös werden lassen und ich hatte meine Hände ineinander verkrampft. Aragorn, welcher selbst das Urteil vollstrecken hatte wollen, hatte das Schwert hoch in die Luft gehoben und nur wenige Sekunden später, war alles vorbei gewesen. Noch bevor die blitzende Klinge Tirons Hals von seinem Rumpf getrennt hatte, hatte ich mich abgewandt. Ich konnte mir das nicht länger ansehen. Der schwere metallische Geruch von Blut und eine unbändige Müdigkeit, die seit Tagen, in deren Nächte ich kein Auge zumachen hatte können, hatten mir dabei geholfen meine Umgebung zu vergessen und in einen tiefen Schlaf zu sinken.
Gähnend näherte ich mich dem Schrank, um etwas passendes zum Anziehen daraus hervorzuziehen und anschließend im Badezimmer zu verschwinden, um auch die letzte Müdigkeit in einem wunderbar warmen Schaumbad abzuwaschen. Ich lächelte wohlig, ließ mich tiefer in die Wanne rutschen und tauchte mit dem Kopf unter.

Als ich die Türe öffnete und in den Korridor hinausblickte, fand ich diesen verlassen vor. Erleichtert trat ich hinaus und lief den Gang entlang. Einerseits war ich unendlich froh niemanden anzutreffen und alleine zu sein. Andererseits hätte ich liebend gerne jemanden an meiner Seite gehabt, der mich verstand und für mich da war, ohne dass ich es von ihm verlangen musste. Ich brauchte jemanden, der ganz selbstverständlich für mich da war, egal wie, wann und wo. Doch dieser jemand kam mir unendlich weit weg vor. Ich hatte keine Ahnung, wo Eldarion sich derzeit befand, was es erschwerte, den richtigen Gang zu wählen, als ich die nächste Abzweigung erreichte.
Ohne dass ich wusste, wo mich meine Füße hintrugen, stand ich plötzlich vor einer der unzähligen Türen in diesem Gebäude und drückte zögerlich die Türklinke hinunter. Mit einem leisen Klicken schwang die Türe auf und gewährte mir einen Blick in das leerstehende Zimmer dahinter.
Ich kannte dieses Zimmer. Ich war bereits des öfteren hier gewesen, doch noch niemals zuvor hatte ich mich hier mutterseelenallein wiedergefunden. Die späte Abendsonne war gerade dabei hinter dem Horizont zu verschwinden. Wie lange war ich durch die endlosen Gänge dieses Palastes geirrt, ohne genau zu wissen wohin? Ich hatte keine Antwort darauf.
Langsam sank ich auf das weiche Bett nieder und starrte geradeaus auf die weiße Wand vor mir. Meine Gedanken drängten sich immer weiter in den Vordergrund, bis ich vollkommen in ihnen versank und alles um mich herum ausblendete.
Was war in der Zeit meiner ‘Abwesenheit’ geschehen? Was hatte ich verpasst, was war wichtiges passiert? Waren mein Vater und Legolas ebenfalls hier? Wenn ich ehrlich war, wollte ich beiden, Vater, sowie auch meinem geliebten Bruder, aus dem Weg gehen. Ich hatte weder Lust mich vor Vater verteidigen zu müssen, noch Legolas mein Verhalten im Untergrund zu erklären. Nicht einmal ich selbst hatte eine Erklärung für mein merkwürdiges Verhalten. Ich war zornig gewesen, wollte tapfer sein und Tiron erledigen und zwar selbst.
Im Endeffekt war ich jedoch froh und erleichtert, es nicht selbst getan zu haben.
Ich wusste nicht, was mit mir los war, irgendwie hatte ich Angst vor mir selbst. Wie hatte ich dieses Gefühl der Rache so stark werden lassen können? Ich wollte nie wieder etwas derartig verspüren, ich wollte dieses Gefühl, welches so mächtig war, einfach vergessen können. Doch würde mir das auch gelingen? Oder würde es nur noch mehr aufkeimen, sollte ich versuchen es zu unterdrücken? Ich wollte niemanden hier gefährden, ich wollte nie wieder töten, egal um welches Lebewesen es sich handelte.
“Nie wieder!”, hauchte ich und seufzte tief. Ich wollte nicht länger hier verweilen, ich hatte so schreckliche Angst davor, dieses Gefühl könnte erneut auftauchen und sich meiner bemächtigen.
Wie eine Marionette fühlte ich mich, als zöge jemand anders an meinen eigenen Fäden und lenke mich.
Ich musste weg von hier und mir war durchaus bewusst, dass, wenn ich mich hier noch länger aufhalten würde, man mich nicht mehr fortgehen lassen würde und ich für unbestimmte Zeit in dieser Stadt, diesem Land gefangen war.

Tränen kullerten über meine Wangen und tropften vereinzelt auf das kurze Fell meines Pferdes. Salziger Geschmack machte sich in meinem ausgetrocknetem Mund breit.
Natürlich war ich nicht ungesehen aus dem Schloss verschwunden. Doch genau das machte mir doch noch Hoffnung. Ich hoffte, nicht lange alleine bleiben zu müssen und bald schon jemanden neben mir reiten zu sehen.

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