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Warrior Cats - Melissenpfotes Entscheidung

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6 Kapitel - 3.941 Wörter - Erstellt von: Selina Sakura - Aktualisiert am: 2016-01-19 - Entwickelt am: - 1.462 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Melissenpfote ist anders, als die anderen. Seit ihrer Geburt verfügt sie über eine anormale Kraft: Sie ist im Kampf unbesiegbar. Doch Melissenpfote hasst es zu kämpfen. Sie hasst es, Katzen zu verletzen. Viel lieber möchte sie Heilerin werden. Doch das kommt für ihren Vater Ginsterstern nicht infrage. Als schließlich auch noch eine Prophezeiung überbracht wird, in der Melissenpfote die Hauptrolle spielt, scheint der jungen Schülerin alles verloren. Doch dann taucht der Streuner Tom auf und bringt ihr Leben endgültig durcheinander. Ehe sie es sich versieht, steht sie vor der Wahl. Was ist ihr wichtiger? Ihr Clan oder ihre Freiheit?

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    Der Wurzelclan: Anführer: GINSTERSTERN – großer, schwarz-weiß gefleckter Kater mit dunkelgrünen Augen Zweite Anführerin: INGWERSCHWEIF – sand
    Der Wurzelclan:

    Anführer: GINSTERSTERN – großer, schwarz-weiß gefleckter Kater mit dunkelgrünen Augen

    Zweite Anführerin: INGWERSCHWEIF – sandfarbende Kätzin mit blauen Augen


    Heiler: AHORNSEE – schwarzer Kater mit weißen Pfoten und blassgelben Augen

    Krieger und Kriegerinnen:

    TAUWIND – kleine, weiße Kätzin mit silberner Tigerung und braunen Augen, Mentorin von VOGELPFOTE
    WEIDENBLÜTE – graue Kätzin mit schwarzen Pfoten und Ohren, hellblaue Augen
    MOLCHJÄGER – kleiner, grau-weißer Kater mit gelben Augen
    KRÖTENSPRUNG – kleiner, schwarz-weißer Kater mit grünen Augen
    HEIDENBLATT – dunkelbraune Kätzin mit silbernen Ohrspitzen und Pfoten, grüne Augen
    WIESENBART – schwarzer Kater mit blauen Augen, Mentor von LAVENDELPFOTE
    PFEFFERMINZSCHWEIF – graubrauner Kater mit grauen Augen
    DROSSELFEDER – hellbraune Kätzin mit dunkelbraunen Tupfen, grüne Augen
    SEIDENFLÜGEL – cremeweiße Kätzin mit dunkelblauen Augen, Mentorin von THYMIANPFOTE
    FUCHSKRALLE – roter Kater mit braunen Sprenkeln, blaue Augen
    FEUERWIND – rote Kätzin mit braunen Augen
    KOHLENGLUT – rote Kätzin mit schwarzen Pfoten und grünen Augen, Mentorin von MELISSENPFOTE

    Schüler:
    MELISSENPFOTE – sehr kleine, weiß-rot-braun gesprenkelte Kätzin mit grünen Augen
    LAVENDELPFOTE – braune Kätzin mit dunkelgrünen Augen
    THYMIANPFOTE – kleiner, weißer Kater mit braunen Augen
    VOGELPFOTE – schwarze Kätzin mit hellblauen Augen

    Königinnen:
    FEDERSTURM – dunkelgraue Kätzin mit braunen Augen, Mutter BIBERJUNGES, RINDENJUNGES und ERDENJUNGES
    GRAUREIF – hellgraue Kätzin mit blassgelben Augen, Mutter von OTTERJUNGES, INSELUNGES, FLECHTENJUNGES und PILZJUNGES

    Ältester:
    WOLFSLIED – großer, grauer Kater mit zahlreichen Kampfnarben und blinden grauen Augen

    Außerhalb des Clans:
    TOM – grauer Kater mit weißen Pfoten und weißer Schwanzspitze, braune Augen
    LISSY – hellbraune Kätzin mit blauen Augen

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    „ … aber sie schmecken eklig!“ heult Otterjunges verzweifelt. Ahornsee lächelt amüsiert und schiebt ihm die Kräuter, die er weggestoßen hatt
    „ … aber sie schmecken eklig!“ heult Otterjunges verzweifelt. Ahornsee lächelt amüsiert und schiebt ihm die Kräuter, die er weggestoßen hatte, wieder vor die Pfoten. „Das ist doch nur ein bisschen Thymian. Der riecht doch gar nicht so schlimm. Guck mal, ich tropfe sogar ein bisschen Honig drauf, das müsste dir doch schmecken.“ Otterjunges zieht die Nase kraus und sieht sich hilfesuchend um. Sein Blick fällt auf meinen Bruder Thymianpfote, der sich gerade angeregt mit Vogelpfote unterhält. „Thymianpfote kann den Thymian ja essen, wenn er will, aber ich kriege das ganz bestimmt nicht runter.“ Graureif, die Mutter des Kleinen, sieht ihren Bruder Ahornsee flehend an. „Er hat die ganze Nacht gehustet. Ich habe solche Angst, dass sich die anderen anstecken könnten. Federsturm ist auch schon ganz besorgt.“ Der Heiler runzelt die Stirn. „Ich würde ihm ja auch gerne helfen, aber wie du siehst, will er einfach nicht.“ Zögerlich trete ich näher. Ahornsee begegnet meinem Blick und nickt ergeben, also kauere ich mich vor Otterjunges und sehe ihm fest in die Augen. „Willst du nicht einmal groß und stark werden?“ Das Junge nickt langsam. „Ja, aber ...“ „Nein, nichts aber. Wenn du die Kräuter jetzt isst, dann hast du vielleicht kurze Zeit einen komischen Geschmack auf der Zunge, aber dafür wirst du auch wieder stark und gesund. Weißt du, Kräuter schmecken ja nicht ohne Grund so eklig. Das ist, damit die Rehe und Kaninchen sie nicht fressen. Ihre Kraft soll nämlich nicht für jeden von Nutzen sein, sondern nur für die Klügsten der Klugen, die erkennen was für wundersame Pflanzen diese Kräuter sind.“ Otterjunges sieht mich überrascht an. „Nur die Klügsten ...“ Er betrachtet die Blätter nun fast ehrfürchtig, riecht noch einmal an ihnen und leckt sie dann schnell auf. „Ich hab fast nur Honig geschmeckt.“ meint er dann triumphierend. Graureif wirft mir einen dankbaren Blick zu und schnurrt leise. „Ja, mein Süßer. Das war doch gar nicht so schlimm. Das kannst du gleich deinen Geschwistern erzählen.“ Otterjunges saust mit leuchtenden Augen los und verschwindet in der Kinderstube. „Das hast du wirklich gut gemacht, Melissenpfote.“ murmelt Ahornsee dankbar. „Weißt du, manchmal wünschte ich, Ginsterstern wäre nicht so streng mit dir. Du wärst mir sicher eine gute Schülerin gewesen.“ Ich nickte ihm zu und wende mich schnell ab, damit er meinen traurigen Blick nicht sehen muss. Mein Vater hat mich zur Kriegerschülerin erklärt, obwohl ich ihn vor versammelten Clan förmlich angefleht habe, mich zur Heilerschülerin zu machen. Vielleicht hätte er mir meine Bitte gewährt, wenn ich diese Kraft nicht hätte. Diese Kraft die mich erdrückt, die auf meinen Schultern lastet, wie ein blutiges Ungetüm. Eine Kraft, über die sich wohl so ziemlich jede andere Katze im Clan gefreut hätte. Aber nein, es musste ausgerechnet mich treffen. Mich, die Katze, die nichts so sehr hasst, wie anderen wehzutun. Ich war schon immer so. Ich überließ meinen Geschwistern alles, was sie gerne haben wollte. Meinen persönlichen Moosball, meine selbstgebaute Hasenhöhle in der Kinderstube, meine Beerensammlung, meinen kleinen Käfer, den ich Summjunges genannt hatte, sogar den Hundezahn, den mir Fuchskralle schenkte, als er noch Schüler war. Es war nicht so, dass ich all diese Dinge nicht schätzte, nein, im Gegenteil. Ich hing an ihnen. Ich liebte sie über alles. Ich fand Zuflucht und Ruhe in meiner Hasenhöhle und für Summjunges entwickelte ich so etwas wie Mutterliebe. Ich hatte beobachtet, dass er eine bestimmte Sorte getrockneter Blätter fraß, also sperrte ich ihn in ein kleines Gehege mit einem winzigen Nest in dem er Schlafen konnte und das ich aus ein paar Strohhalmen gebaut hatte. Jeden Tag versorgte ich ihm mit einem frischen Tropfen Wasser und krümelte ihm ein bisschen seiner Leibspeise vor die Käfernase und ich ließ ihn jedes Sonnenhoch in seinen privaten Auslauf krabbeln. Aber dann wollte Lavendeljunges ihn haben und bettelte mich an, ihn ihr zu schenken. Ich liebte Summjunges so sehr, aber ich konnte nicht Nein sagen. Der kleine Käfer starb noch am selben Tag unter Lavendeljunges ungeschickten Pfoten. Es zerbrach mir das Herz, aber ich konnte einfach den verletzten Blick meiner Geschwister nicht ertragen, wenn ich ihnen einen Wunsch verwehrte. Noch schlimmer ist es, mit ihnen zu kämpfen. Selbst wenn es nur ein Trainigskampf mit eingezogenen Krallen ist. Ich hasse es, ihnen den Boden unter den Pfoten wegzureißen, ich hasse das Geräusch, wenn ein Körper hart auf der Erde aufkommt, ich hasse das Keuchen, wenn mein Schlag eine empfindlich Stelle trifft. Ich hasse die Angst, dass ich jemanden verletzen könnte. Ich bin nicht zur Kriegerin geboren. Und doch bin ich unbesiegbar.

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    Wolfslied blickt mich aus seinen trüben, grauen Augen so aufmerksam an, dass man meinen könnte, er würde mich tatsächlich sehen. Doch der silberne
    Wolfslied blickt mich aus seinen trüben, grauen Augen so aufmerksam an, dass man meinen könnte, er würde mich tatsächlich sehen. Doch der silberne Schleier, der Unheilvoll über seinen Pupillen hängt, sagt etwas anderes. Die Wahrheit. Wolfslied ist blind. Ich besuche ihn oft im Ältestenbau, den er ganz für sich alleine hat. Ich glaube, er ist ziemlich einsam, seit seine Gefährtin Erlenschein gestorben ist. Ab und zu sehen natürlich die Schüler bei ihm vorbei, um sein Moos zu wechseln oder in seinem schütteren grauen Fell nach Zecken zu suchen und die Jungen sind ganz wild auf seine Geschichten, aber wirklich reden kann er mit niemanden mehr. Die älteren Krieger meiden ihn, weil es Gerüchte gibt, dass er Erlenschein in seiner Jugendzeit betrogen hat. Ich weiß nicht ob das wirklich stimmt und um ehrlich zu sein ist es mir auch egal. Wolfslied ist ein wundervoller Kater. Sein Leben war so aufregend und wechselhaft und ich werde nicht müde ihm zuzuhören. Mir erzählt er andere Geschichten, als den Jungen. Traurige Geschichten, tragische Geschichten und Geschichten die so düster sind, dass einem das Fell zu Berge steht. Aber manchmal erzählt er auch von Glück und Liebe. Dann wird seine Stimme ganz sanft und streichelt förmlich meine Seele. Wenn Wolfslied erzählt, bin ich in seiner Welt. Ich sehe, was er sieht, fühle, was er fühlt, weine, wenn er weint, lache, wenn er lacht. Ich war dabei, als Wolfsjunges zum ersten Mal den Bau verließ, ich hatte Herzklopfen, als sich Wolfspfote in die freche Erlenpfote verliebte und es brach mir das Herz, als der Clan sein Zuhause verlor. Ich wanderte mit dem jungen Wolfslied durch finstere Schluchten und Täler und teilte seine Angst, als die Reisenden von Zweibeinern attackiert wurden. Ich litt mit ihm, als er gefangen wurde und zehn Monde seines Lebens in einem Zweibeinernest verbrachte. Ich war mutig, als es ihm gelang sich zu befreien und ich war hoffnungsvoll, als er den Spuren seines alten Clans folgte. Und mein Herz brannte vor Freude, als er Erlenschein wiedersah und es quoll über vor Glück, als sie ihn immer noch liebte.
    Meine eigene Geschichte kommt kurz vor, so unbedeutend. Und trotzdem bin auch ich manchmal die Erzählerin. Dann hört Wolfslied mir zu. Ich darf mich an ihn lehnen, seinen Geruch einatmen und ihm alles erzählen, was mich beschäftigt. Von meiner Angst, anderen Wehzutun, von meiner Wut auf Vogelpfote, weil sie Thymianpfote den Kopf verdreht, obwohl sie ganz eindeutig Molchjägers Gefährtin werden wird. Davon, dass Otterjunges jetzt Heiler werden will und seine Geschwister ihn dafür auslachen. Und davon, dass meine Kraft immer größer wird. Wolfslied verurteilt mich nicht und er schüttelt den Kopf über Ginstersterns fehlendes Verständnis. Ich wünschte Wolfslied wäre mein Vater.
    Ich wirbele herum, als Lavendelpfote in den Bau platzt. Sie wirft Wolfslied einen entschuldigenden Blick zu und wendet sich dann aufgeregt an mich. „Hast du schon das neuste gehört?“ Ich schüttelte verwirrt den Kopf und drücke mich zum Abschied noch einmal an meinen Lieblingsältesten, dann folge ich meiner Schwester nach draußen. Ihr braunes Fell ist ganz zerzaust, als hätte sie gerade noch geschlafen. „Nun sag schon!“ dränge ich. Lavendelpfote sieht mich verschwörerisch an. „Vogelpfote ist trächtig.“ Ich brauche eine Weile, um ihre Worte zu verdauen. „Sie ist was? Aber … Aber sie ist doch noch viel zu jung!“ Meine Schwester zuckt mit den Schultern. „So jung nun auch wieder nicht. Immerhin steht sie kurz vor der Kriegerzeremonie.“ Ich schüttele verständnislos den Kopf. „Eine Schülerin darf keine Jungen bekommen. Von wem sind sie jetzt überhaupt?“ Eine leise Angst bohrt in mir. Heiliger Sternenclan, hoffentlich hat sich Thymianpfote nicht auf sie eingelassen. Lavendelpfote grinst. „Weiß niemand und sie will es auch nicht sagen. Aber wenn du mich fragst …. Nein, frag mich besser nicht, ich hab keine Ahnung.“ Sie seufzt. „Du kannst dir ja nicht vorstellen was eben los war. Heidenblatt hat einen halben Nervenzusammenbruch erlitten und Ginsterstern war völlig außer sich. Er wird sie zur Kriegerin ernennen, aber ich wette er würde sie lieber in die Wüste schicken.“ Ich nicke langsam. Ich rechne es Lavendelpfote an, dass sie so zu mir steht. Seit der Sache mit unserer Schülerzeremonie nennt sie Ginsterstern nicht mehr Vater. Trotzdem, der Gedanke Thymianpfote könnte der Vater von Vogelpfotes noch ungeborenen Jungen sein, behagt mir gar nicht.

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    „Wo bleibst du denn, Melissenpfote?“ ruft Kohlenglut ungeduldig und dreht sich nach mir um. Das rote Fell meiner Mentorin flackert vor meinen Auge
    „Wo bleibst du denn, Melissenpfote?“ ruft Kohlenglut ungeduldig und dreht sich nach mir um. Das rote Fell meiner Mentorin flackert vor meinen Augen, als würde es Flammen schlagen. Keuchend springe ich die letzten Meter auf sie zu. Es ist heiß heute. Kein Wetter, bei dem man sich in die Wüste wagen sollte, doch das gehört bedauerlicherweise zu den Missionen, die ich als Schülerin noch hinter mich bringen muss. Ich vermisse den Wald mit seinen kühlen Schatten. Doch als ich mich umdrehe ist er nur ein dunkles Band am Horizont. Überleben in der Wüste. Ehrlich gesagt würde ich darauf gerne verzichten. Ich habe eh nicht vor, mich je wieder in diese Hitze zu wagen. Kohlenglut dagegen scheint sie rein gar nichts auszumachen und auch Lavendelpfote und Thymianpfote sehen einigermaßen frisch aus. „Komm jetzt, du Träumerin. Wir müssen uns langsam ein Nachtlager suchen.“ ruft Wiesenbart und Seidenflügel wirft mir als Unterstrich noch einen mahnenden Blick zu. Bin ich denn die einzige die unter dieser unerträglichen Hitze leidet? Lavendelpfote wirft mir einen besorgten Seitenblick zu und ich lächel ihr knapp zu, um sie zu beruhigen. Ich kann die Nacht kaum erwarten. Endlich ausruhen. Schnaufend hole ich auf und versuche das letzte Stück mitzuhalten. Seidenflügel bleibt bei einem großen Felsbrocken stehen und winkt uns, zu ihr zu kommen. „Hier ist ein guter Platz für ein Nachtlager.“ erklärt sie mit ernster Stimme. „Der Fels bietet uns Windschutz und Schatten. Um euch ein Nest zu bauen, müsst ihr einfach nur eine Kuhle frei scharren. Genau so.“ Ich sehe ihr dabei zu, wie sie den Sand beiseite schiebt und sich dann in die entstandene Mulde kuschelt. Lavendelpfote und Thymianpfote folgen ihrem Beispiel, doch ich zögere. Mir ist schwindlig. Diese wärme macht mich ganz schummrig … „ ...pfote? Melissenpfote? Hallo? Ist alles in Ordnung?“ Das Gesicht meiner Mentorin verschwimmt vor meinen Augen. „Es geht schon, Kohlenglut.“ murmele ich. Ich bin so müde. Im Hintergrund höre ich Lavendelpfote panisch auf Grasbart einreden, dann wird alles schwarz.

    Farben wirbeln vor meinen Augen, fließen wie Ströme hin und her und vermischen sich in rasenden Wirbeln. Grelle, aggressive Farben. Verzweifelt versucht mein Hirn Ordnung in dieses Chaos zu bringen, doch es scheitert an dieser Aufgabe. Selbst in meinen Träumen ist mir warm. Merkwürdig. Wenn doch nur endlich Ruhe einkehren würde! Nach nichts sehne ich mich so sehr. Ruhe, Ruhe Ruhe!

    Als ich die Augen öffne ist die Nacht bereits eingebrochen und die Hitze des Tages ist der angenehmen Kühle gewichen. „Melissenpfote, ich hatte solche Angst.“ schluchzt eine Stimme neben mir. Ich brauche eine Weile um Lavendelpfote zu erkennen. „Ich dachte du stirbst.“ Ehrlich gesagt fühle mich auch so, als wäre ich gerade mindestens hundert mal hintereinander gestorben. Obwohl ich lange Ohnmächtig gewesen sein muss fühle ich mich kein bisschen erholt. Im Gegenteil. Ich fühle mich als wäre ein riesiger Steinbrocken auf meinen Kopf gekracht. „Du hast ununterbrochen gezuckt und gezittert.“ flüstert meine Schwester nun leise. „Und dann hast du angefangen zu wimmern, als hättest du furchtbare Schmerzen.“ „Mir war so warm ...“ murmele ich. Lavendelpfote hebt erstaunt den Kopf. „Dir war warm? Aber die Sonne war doch die ganze Zeit hinter den Wolken!“ Ich stöhne nur leise. Ich weiß auch nicht mehr, was ich von der Sache halten soll.

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    „Meinst du wirklich, du bist stark genug für den Rückweg?“ fragt Kohlenglut besorgt. In ihren Augen steht noch immer der Nachhall der Angst, die
    „Meinst du wirklich, du bist stark genug für den Rückweg?“ fragt Kohlenglut besorgt. In ihren Augen steht noch immer der Nachhall der Angst, die sie ausstehen musste. „Ich bin mir sicher.“ sage ich bestimmt, obwohl meine Beine noch immer so zittrig sind, dass ich kaum alleine stehen. In diesem Moment bin ich wieder einmal sehr dankbar Geschwister zu haben. Lavendelpfote und Thymianpfote stützen mich von beiden Seiten und flüstern mir hin und wieder Ermutigungen ins Ohr. Das Licht der aufgehenden Sonne taucht die Wüste in ein sattes Orange und da, wo sich die Ferne mit dem Horizont mischt, ist der Himmel rot wie Blut. Die Temperatur ist noch relativ annehmbar und ich wünschte, wir wären noch vor Sonnenhoch wieder im Lager. Wiesenbart und Seidenflügel laufen voraus und halten nach Schlangen und sonstigem Ungetier Ausschau, während Kohlenglut noch hinter uns läuft und den Schluss bildet. „Vogelpfote hat inzwischen sicher ihren Kriegernamen.“ murrt Thymianpfote leise. Lavendelpfote wirft mir einen bedeutungsvollen Blick zu. Mein Bruder war wirklich nicht sonderlich begeistert davon gewesen, ausgerechnet bei Vogelpfotes Ernennung auf Mission zu sein. Und jetzt habe ich auch noch die kaputt gemacht. Eigentlich hatten wir vor, drei Tage in der Wüste zu verbringen, den Tag, den wir jeweils für den Hin – und Rückweg brauchen, nicht mit eingerechnet. Dank meines Zusammenbruchs werden wir die Mission wohl später noch einmal wiederholen müssen. Ich seufze leise und habe sofort die gesammelte Aufmerksamkeit aller Katzen im Umkreis von fünf Kilometer. „Ist alles in Ordnung?“ ruft Seidenflügel von vorne. Wie nur kann sie das gehört haben? „Ja, alles super!“ brülle ich leicht genervt zurück. Ich habe nicht vor, noch einmal einen Abgang zu machen. Zudem mir heute irgendwie sowieso nicht so warm ist wie gestern. Die Kopfschmerzen sind auch so gut wie verschwunden. Ich werde Ahornsee fragen, ob ihm die Symptome bekannt sind, sobald wir zurück sind. „Der Schülerbau wird voll werden, wenn Federsturms und Graureifs Jungen alt genug sind.“ beginnt Lavendelpfote los zureden. Sie kann Stille nicht vertragen. Wenn niemand etwas sagt, beginnt sie daher selbst zu schnattern. „Ich finde Fuchskralle hat es sich verdient Mentor zu werden, nicht wahr, Me-lis-sen-pfo-te?“ Sie betont jede Silbe meines Namens, aber ich weiß auch so was sie meint. Fuchspfote – nein, Fuchskralle und ich … Vor seiner Ernennung war er mein bester Freund. Ich konnte über alles mit ihm reden, wir hatten so viel Spaß zusammen. Aber je älter wir wurden, desto distanzierter wurde er. Er fing plötzlich an zu stottern, wenn ich ihn ansprach und er sah mich plötzlich auch ganz anders an. Irgendwann gewöhnte ich mich daran, dass er mich nicht mehr in der Kinderstube besuchen kam und als ich Schülerin wurde, wich er mir weiter aus. Er schien Angst vor mir zu haben und das machte mich traurig, denn er hatte immer betont, dass meine Gabe ihn nicht einschüchtern würde. „Hmhm.“ mache ich Gedankenversunken, aber den Blick den Lavendelpfote mit Thymianpfote wechselt, bemerke ich trotzdem. „Wir sind nicht mehr befreundet.“ sage ich nachdrücklich, obwohl mir der Satz falsch vorkommt. Mein alter Fuchspfote ist wohl zusammen mit Summjunges in der Vergangenheit geblieben.
    Kurz nach Sonnenhoch beginnen meine Ballen so sehr zu schmerzen, dass ich einfach stehen bleibe. Wir sind mittlerweile recht gut vorangekommen. Hier wird die Wüste immer steiniger, aber zwischen den roten Felsen, kann man die ersten Grasbüschel erkennen. Der Wald ist nur noch einen halben Tagesmarsch entfernt. Kohlenglut holt mich von hinten ein und sieht mich müde an. „Ist dir wieder schwindlig?“ „Nein, meine Pfoten tun weh.“ murmle ich und halte ihr meine blutigen Ballen hin. Sie runzelt die Nase und ruft die anderen für eine Pause zurück. Wir machen es uns im Schatten einer hohen Felswand gemütlich. Mein Magen knurrt lautstark, aber hier gibt es noch nicht genug Beute, als das es sich lohnen würde, Jagen zu gehen. Lavendelpfote versucht es trotzdem und schleicht dicht am Stein entlang, die Augen wachsam auf den Boden gerichtet. Ich beobachte sie eine Weile und frage mich, woher sie diese Energie nimmt. Und dann bin ich plötzlich hellwach. „Lavendelpfote, pass auf!“ kreische ich. Meine Schwester bemerkt die Klapperschlange, die sich ihr von der Seite nähert überhaupt nicht. Stattdessen dreht sie sich zu mir um und lächelt mich irritiert an. Mein Herz explodiert fast vor Panik, als die Schlange schneller wird. Ein unsagbarer Schmerz brennt in meinen Gliedern, aber ich kann nicht aufhören auf dieses Biest zu starren. Irgendetwas scheint mich von innen zu zerreißen. Ich schreie laut auf, und zusammen mit meiner Stimme scheint sich auch mein Schmerz in der Luft zu entladen. Ich zittere und keuche heftig, vor meinen Augen tanzen blauen Flecken auf und ab. Mühsam dränge ich sie zurück. Nur nicht wieder Ohnmächtig werden. Ich muss Lavendelpfote helfen. Als mir endlich klar vor Augen wird, bemerke ich erschrocken, dass mich alle anstarren, eingeschlossen meiner Schwester, die unversehrt an derselben Stelle steht wie vorher. „Melissenpfote, du ...“ haucht Thymianpfote hinter mir. Und da sehe ich es auch. Der Kadaver der Schlange, der vor Lavendelpfotes Pfoten liegt. Zerfetzt in tausend Stücke.

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    „Du hast sie … zerrissen.“ spricht Kohlenglut nach einer Weile das offensichtliche aus. Ich kann mich einfach nicht vom Anblick der Schlange lö
    „Du hast sie … zerrissen.“ spricht Kohlenglut nach einer Weile das offensichtliche aus. Ich kann mich einfach nicht vom Anblick der Schlange lösen. Das soll wirklich ich gewesen sein? Aber wie? „Deine … Kraft. Sie muss größer geworden sein.“ murmelt Grasbart eher zu sich selbst, als an mich gewandt. Und da ist es wieder. Dieses verfluchte Wort. Melissenpfotes Kraft. Ich will sie nicht und ich wollte sie nie. Wieso kann ich nicht einfach eine stinknormale Schülerin sein? Einmal habe ich davon geträumt. Es war ein so schöner Traum, dass ich darauf geachtet habe, ihn nie zu vergessen.

    Ich wachte auf, als sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg in mein Nest im Heilerbau bahnten. Staub kitzelte in meiner Nase und brachte mich zum Niesen. Es roch herrlich nach Kräutern und frischem Wasser und ich inhalierte diesen Duft mit einem Lächeln im Gesicht. Ahornsee schlief auf der anderen Seite des Baus, sein Brustkorb hob und senkte sich bei seinen regelmäßigen Atemzügen. Ich ging nach draußen und wurde von einem hellen Sommertag empfangen. Vor der Kinderstube spielten drei Jungen und ihr quieken brachte mich zum Lächeln. Fuchskralle kam zu mir und schenkte mir eine zarte, weiße Blüte, die er im Wald gefunden hatte ….

    „Sag mal, träumst du?“ Erschrocken fahre ich auf. „Oh, äh … was gibt’s?“ frage ich überrumpelt. Lavendelpfote wirft mir einen schiefen Blick zu. Sie sieht ernst aus. „Seidenflügel und Grasbart sind dafür, dass wir jetzt erst einmal zurück ins Lager gehen und Ginsterstern dann von deiner neuen Gabe berichten, aber Kohlenglut meinte, du solltest dich von dem Schock erst ausruhen.“ erklärt sie. „Was meinst du dazu?“ fährt Thymianpfote dazwischen und sieht mich drängend an. Klar, er will so schnell wir möglich zurück zu Vogelpfote. „Hm … Ich bin in Ordnung. Lass uns weiter gehen.“ sage ich schließlich, wofür ich von meinem Bruder ein Dankbares Lächeln ernte. „Bist du dir sicher?“ fragt meine Mentorin, die die ganze Zeit etwas abseits stand. „Natürlich.“ sage ich vielleicht etwas zu heftig. Wieso muss sie sich ständig Sorgen um mich machen? Ich bin doch kein Junges mehr! Gereizt stapfe ich voran. Das ganze ist jetzt einfach zu viel für mich. Erst diese Kraft und dann auch noch das Mitleid. Ich weiß, sie meint es nur gut, aber es … Ich schluchze leise. Lavendelpfote holt zu mir auf und läuft schweigend neben mir her.

article
1451747151
Warrior Cats - Melissenpfotes Entscheidung
Warrior Cats - Melissenpfotes Entscheidung
Melissenpfote ist anders, als die anderen. Seit ihrer Geburt verfügt sie über eine anormale Kraft: Sie ist im Kampf unbesiegbar. Doch Melissenpfote hasst es zu kämpfen. Sie hasst es, Katzen zu verletzen. Viel lieber möchte sie Heilerin werden. Doch d...
http://www.testedich.de/quiz38/quiz/1451747151/Warrior-Cats-Melissenpfotes-Entscheidung
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2016-01-02
406A
Warrior Cats

Kommentare (27)

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Blütenpfote ( von: Blütenpfote)
vor 353 Tagen
*sehe sie an* Und wann ist "bald" jetzt endlich ? Die Geschichte ist so spannend.
Sel (54858)
vor 524 Tagen
Ich schreib bald weiter :)
Selina (99853)
vor 555 Tagen
Thx Sonnenherz :D Ich hab Präsens zum ersten mal für mich entdeckt, als ich Tribute von Panem gelesen habe. Seitdem wollte ich auch mal so schreiben.

@Flammenstern, ich bin ... also ... ich bin 16 ... aber für Warrior Cats ist man nie zu alt, finde ich. XP

@Lilienstern, Dankeschön :)
S'o'n'n'e'n'h'e'r'z (83475)
vor 557 Tagen
👏👏👏
Toll!
Am Anfang war es leicht seltsam, weil du in Präses geschrieben hast,
aber genau das macht die Geschichte so besonders.
Flammenstern (04673)
vor 569 Tagen
WOW! Wie alt bist du eigentlich???? Ich schreibe selber auch, habe schon ein halbes Kinderbuch zu Papier gebracht und schreibe eigene WaCa-Geschichten, aber.... DEINES IST SO GENIAL-GUT! Mach bittebittebitte einen 2. Teil!
Lilienstern (73175)
vor 570 Tagen
(Beim Sternenclan! Das ist ja mal so gut geschrieben, besser geht es gar nicht! ^●^ Mach auf jeden fall weiter! :) )
Selina (25656)
vor 576 Tagen
Bald :) Hab momentan mit Der Weg der Krieger zu tun.
*Silberherz* (67485)
vor 577 Tagen
Gute Frage,nächste Frage,aber Alija:Hast du schonmal eine FF geschrieben?
Alija (90889)
vor 578 Tagen
Wann schreibst du weiter? *-*
Frostflügel (22951)
vor 610 Tagen
Das neue Kapitel ist echt klasse!!! Bleib dran! :D
Silber,Smaragd,Nacht&Junge (56245)
vor 614 Tagen
Ahh soo!Das neue Kapitel ist super!!!
Sel (03393)
vor 615 Tagen
Oh, kann sein dass ich keinen geschrieben habe. Ich lese FFs nämlich meistens nicht online, sonder in der Download Version, weil dann auch ein Freund von mir mitlesen kann. Das macht mehr Spaß :D
*Silberherz* (64343)
vor 616 Tagen
Echt?Ich habe kein Kommi von dir gesehn...Aber danke!
Selina (83003)
vor 616 Tagen
Also, die mit der schwarzen Katze habe ich gelesen, Silberherz und ich fand sie eigentlich total gut :D
*Silberherz* (36729)
vor 617 Tagen
Oh Gott und ich wollte dich schon fragen,ob du mal meine FF lesen willst,Selina,aber das ist der dermaßen größte Unterschied,den man sich vorstellen kann,deine FF ist einfach...Wow.
Eisblatt (97563)
vor 617 Tagen
WOW, tolle Geschichte! Du bist talentiert!
Selina (24671)
vor 618 Tagen
Vielen, vielen Dank und ich schreibe natürlich weiter ;)
Windherz (72821)
vor 619 Tagen
WOW die beste Geschichte ever ♡
Apfelpelz (22951)
vor 619 Tagen
Das ist .....EINFACH DER WAHNSINN!!! Die Geschichte ist so unglaublich! Ich hoffe dass du bald weiterschreibst. Sie ist so spannend geschrieben. Du bist wirklich talentiert :D
Lichtfeder&Flammensturm (86580)
vor 619 Tagen
Das ist... das ist... das ist einfach nur WOW!!! Du könntest echt kein besseres und größeres Lob von mir bekommen!!!! Du hast echt Talent dafür!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Suuuuuuper!!!!!!!!!!!!!🌟🌟🌟🌟🌟🌟👏👏👏👏👏👍👍👍👍👍😉😉😉