Kleine Liebesgeschichte

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1 Kapitel - 1.559 Wörter - Erstellt von: Elbenzopf - Aktualisiert am: 2016-01-02 - Entwickelt am: - 568 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Luila lebt in einer Welt, in der Bäume sprechen können...

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    Ich habe meine Haare zu einem langen Zopf gebunden. Meine Aufgabe war es nun den Garten zu pflegen. Dabei hatte ich immer viel Spaß, da die Bäume gerne und viele Geschichten erzählen und ich konnte sie hören. Ja ich verstehe die Sprache der Bäume und Pflanzen.

    Es begann als ich ein kleines Mädchen war. Ich spielte im Wald mit meinem Bruder und entdeckte dabei eine kleine Ranke. Sie war abgebrochen und schon halb vertrocknet. Ich hörte ihr Jammern und bekam Mitleid, also nahm ich das kleine Wesen mit und pflegte es gesund. Seit dem nahm ich es überall mit hin. Als es sich wieder erholte, begann es mit mir zu sprechen. Anfangs hörte ich nur Laute, welche sich wie „miiih miiih“ anhörten. Daher kam ich auf den Gedanken die kleine Ranke Mi zu nennen. Mit der Zeit lernte ich allerdings die Sprache der Pflanzen und Mi half mir dabei mich mit ihnen zu verständigen.
    Durch sie konnte ich jetzt im Garten Kontakt mit den Pflanzen aufnehmen und sie nicht mehr nur hören. Dadurch, dass ich die Pflanzen verstand, wusste ich, was jeder Einzelnen fehlte und konnte mich gezielt darum kümmern. So hatte ich den ganzen Tag viel zu tun.

    Es dämmerte schon, als ich ein Stöhnen hörte. Wachsam blickte ich mich um und ging in die Richtung aus der das Geräusch kam. Etwas löste sich aus dem Stamm einer alten Weide und fiel zu Boden. Schneller als ich denken konnte, war ich schon da und fing es auf. Es sah aus wie ein Baumstamm, jedoch in der Gestalt eines Menschen. Nach genauerem Hinsehen, bestätigte sich meine Ahnung, dass es sich um einen Menschen handelt, dessen Haut jedoch der Rinde glich.

    Behutsam legte ich ihn auf den weichen Boden und Mi kroch vorsichtig, aber sehr neugierig in die Richtung des Wesens. Ich sah keine Verletzungen, doch die Weide aus der er kam streckte ihre Wurzeln vor und drehte die Person auf den Bauch. Erschrocken zuckte ich zurück. Über den ganzen Rücken klaffte eine tiefe Wunde. Zähe, goldene Flüssigkeit lief stetig über die Seiten des Wesens und tropfte langsam zu Boden. Panisch überlegte ich was ich tun konnte. Ich beschloss mehr auf den menschlichen Teil des Wesens zu achten und holte schnell Verbandszeug. Tief einatmen….und ausatmen. Mit zitternden Fingern nahm ich Nadel und Faden zur Hand. Ich konnte kaum hinsehen, zwang mich aber dazu. Es ging schließlich darum ein Leben zu retten. Vorsichtig stach ich durch die Rinde. Sie war weich wie Haut und so führte ich die Nadel weiter bis ich die Wunde grob zugenäht hatte. Nach der Behandlung legte ich meinen Patienten noch einen Verband um. Irgendwie schaffte ich es auch, ihn auf mein Sofa zu legen.


    Am nächsten Tag:

    Als ich aufwachte, fielen mir die Erlebnisse des letzten Tages wieder ein. Schnell sprang ich auf und ging zu dem Sofa. Dort lag kein Baummensch mehr, sondern ein Junge mit dunkler Haut und grünen Haaren. Seine Finger waren länger als normal und auch in diesem Zustand erinnerte er an einen Baum. Leise schlich ich mich zu ihm und ging vor ihm auf die Knie. Als ich ihn näher betrachtete, schlug er plötzlich die Augen auf und ich blickte direkt in zwei große, wald-grüne Kreise. Seine Pupillen vergrößerten sich, nun war er vollständig wach. Als er mich sah, schreckte er hoch und unsere Köpfe knallten gegeneinander. Wir fingen an zu lachen und die Anspannung fiel von uns ab.

    Mit einem Mal sank er mit schmerzverzerrtem Gesicht zurück auf das Sofa. Besorgt holte ich neues Verbandszeug und öffnete vorsichtig den alten. Ich half ihm, sich auf den Bauch zu drehen und begann einfach zu erzählen. Er zitterte vor Schmerz und so konnte ich ihn unmöglich neu verbinden. Mit ruhiger Stimme erzählte ich ihm langsam alles was mir einfiel. Der ruhige Klang meiner Stimme beruhigte ihn und er entspannte sich sichtlich. Nun konnte ich seine Wunde gut behandeln. Kaum hatte ich meine Hand an die Wunde gelegt, wandelte sich seine Haut wieder in die Rinde zurück. Allerdings ließ ich mich davon nicht abschrecken und redete ununterbrochen weiter, während ich den Verband erneuerte. Nachdem ich fertig war, bemerkte ich wie gleichmäßig er atmete. Er war tatsächlich eingeschlafen, während ich ihm etwas erzählt habe. Sollte ich mit jetzt Sorgen machen? Kichernd wand ich mich ab, sollte er sich doch ausruhen, das war schließlich mein Ziel gewesen. Ich war mir sicher, dass er nicht weglaufen würde und so setzte ich meine Arbeit im Garten fort. Gegen Mittag bereitete ich eine Suppe in der Küche vor, als der Pflanzenjunge plötzlich hinter mir stand. Sein Gesicht war wieder menschlich, jedoch mit vielen Falten, da er auf dem Gesicht liegend geschlafen hatte. „Gut geschlafen?“ ich deutete auf seine Wange. Er betrachtete sich im Fensterglas und fasste sich an die gerötete Wange. Kaum stand er wieder vor mir, verneigte sich und sprach seinen Dank aus. „Mein Name ist Thuja.“ Stellte er sich vor. „Freut mich, ich bin Luila. Ich will nicht aufdringlich sein, aber würdest du mir verraten woher du diese schlimme Wunde hast?“ Er schien verunsichert, begann aber zu erzählen:

    „Ich bin in einem Waisenhaus aufgewachsen, es war keine schöne Zeit. Als ich 18 wurde, habe ich mich zum ersten Mal verwandelt. Die Aufseher waren verwirrt und bekamen Angst. Sie wollten mich loswerden, sie sahen in mir eine Bedrohung. Ich kann es ihnen nicht verübeln, so wie ich manchmal aussehe. Sie griffen mich an und ich floh. Anscheinend wurde ich getroffen, als ich von Baum zu Baum rannte. Ich kann nämlich mit den Bäumen verschmelzen, in ihn Inneres gehen ohne sie zu verletzen. So kam ich hierher und den Rest kennst du ja“ beendete er seine Geschichte. Ich saß ihm schweigend gegenüber und bemitleidete ihn. Doch ich wusste nicht was ich sagen sollte und ihm schien das Thema unangenehm zu sein, also stand ich auf und sagte:“ Du kannst bei mir bleiben, hier ist genug Platz und das mit der Wunde kriegen wir schon noch hin.“ Zuversichtlich lächelnd nickte er.


    Einige Zeit später:

    Nun war seine wunde verheilt, aber es blieb eine lange Narbe entlang der Wirbelsäule. Thuja hatte sich immer mehr mit Mi angefreundet und auch jetzt kringelte sie sich um seine langen Finger. Die beiden unterhielten und amüsierten sich prächtig. Ich stand an den Türrahmen gelehnt und beobachtete sie. Thuja schaute auf und zwinkerte mir zu, bevor Mi wieder seine komplette ungeteilte Aufmerksamkeit forderte. Seufzend ging ich in den Garten zu der Weide, durch die Thuja zu mir kam. Ich hatte ihn echt lieb gewonnen und hatte Angst, dass er mich verlassen würde, jetzt wo er wieder gesund ist. Ich legte die Stirn an den kühlen Stamm der Weide und konnte ihren Herzschlag hören. Bedrückt dachte ich an Thuja.

    „Störe ich?“ ertappt fuhr ich herum und sah direkt in seine Augen. Ich schüttelte den Kopf. „Ich …also…jetzt wo ich wieder gesund bin…und“ stammelte er und ich ahnte schon worauf er hinaus will. Er wollte mich verlassen. Eine Träne kullerte über meine Wange. Thuja bemerkte sie und sah mich überrascht an. „Luila, was hast du?“ Ich musste ihm die Wahrheit sagen, sonst würde ich es später nur bereuen. „Ich….ich will nicht das du gehst!“ rief ich und hielt mir die Hände vors Gesicht. Er sollte mich nicht weinen sehen. „Luila, dass…das will ich doch gar nicht.“ Flüsterte er sanft und nahm meine Hände an meinem Gesicht. „Nicht?“ fragte ich verunsichert. „Nein! Ich wollte fragen, ob ich hier bei dir bleiben darf. Ich habe doch sehr lieb, Luila und fühle mich hier wohl.“ Murmelte er leise, aber laut genug, damit ich es noch verstehen konnte. „Ja, kannst du.“ Hauchte ich glücklich und nickte. Ich bemerkte, dass er immer noch meine Hand hielt und Mi gerade dabei war unsere Handgelenke zu umwickeln, sodass wir einander nicht loslassen konnten. Aber das störte mich nicht. Ich hatte nur noch Augen für ihn. Er würde bei mir bleiben. Für immer. Thuja verstand alles und nickte lächelnd. „Für immer.“ Flüsterte er leise. Ich wollte ihm antworten, doch da lagen seine Lippen schon auf meinen und ich hatte sofort vergessen was ich sagen wollte. Mit meiner freien Hand umarmte ich ihn und spürte wie glücklich er war. Während dem Kuss hörten wir, wie die Bäume vor Freude raschelten und Mi „Für immer, für immer, für immer!“ freudig quiekend wiederholte.

Kommentare Seite 1 von 1
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Elbenzopf ( 3.125 )
Abgeschickt vor 327 Tagen
Dankeee ^^
Das freut Zöpfchen sehr *♡*
Fulmina ( 6.100 )
Abgeschickt vor 329 Tagen
Applaus, Zöpfchen! Coole Geschichte.
Elbenzopf ( 33.90 )
Abgeschickt vor 365 Tagen
Lieb von dir :)
😍😘🙏🏻
Laory ( 40.41 )
Abgeschickt vor 365 Tagen
Die Geschichte ist wirklich bezaubernd :) Wie ein wunderschönes Märchen :D
Elbenzopf ( 3.112 )
Abgeschickt vor 372 Tagen
Danke, das freut mich sehr😘😘
Swity ( 13.43 )
Abgeschickt vor 374 Tagen
Was für eine süße Geschichte🙈❤
Elbenzopf ( 7.195 )
Abgeschickt vor 376 Tagen
Dankeschön Kami ^*^
Kami ( 7.121 )
Abgeschickt vor 378 Tagen
Es ist eine sehr sehr schöne Geschichte du hast Talent!👌🏻👍🏻