One Piece Of Us - Teil 4

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1 Kapitel - 1.937 Wörter - Erstellt von: NoStar5 - Aktualisiert am: 2015-12-13 - Entwickelt am: - 618 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

In diesem Kapitel stehen sich Lee und Falkenauge wieder gegenüber, doch dieses Mal wird in ihrem (eigentlich total sinnlosen) Streit nicht nur mit Worten gekämpft...

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    Kapitel 4

    Falkenauges Sicht
    Ich wusste nicht, warum ich diese Mistgöre überhaupt suchte. Es war ja nicht so, dass ich mir irgendwelche Sorgen um sie machte. Sie war mir eigentlich vollkommen egal. Trotzdem wollte ich sehen wie es ihr ging, sei es auch nur aus reiner Neugier. Das, was vor ein paar Wochen geschehen war, war für mich beinahe Alltag gewesen. Ich wusste nicht, wie das kleine Mädchen darauf reagiert hatte. Immerhin hatte sie ihre Familie und ihr zuhause verloren. Eigentlich erwartete ich von ihr… ja, was erhoffte ich mir überhaupt bei diesem Treffen? Wie schon gesagt, ich wusste nicht mal, warum ich sie sehen wollte.
    Ich schüttelte den Kopf. Seit ungefähr einer Stunde lief ich hier schon im Wald umher und hielt Ausschau nach dieser Lee, oder wie immer sich auch hiess. Was würde ich überhaupt sagen, wenn ich sie denn finden würde? Würde diese Göre anfangen zu weinen? Würde sie anfangen zu lachen? Oder würde sie gar nichts tun? So in meine Gedanken vertieft, bemerkte ich die Falle nicht, auf welche ich gerade einen Fuss gesetzt hatte. Im letzten Moment sprang ich zurück, bevor eine Schlinge nach oben gerissen wurde.
    Blitzschnell drehte ich mich um. Hinter mir stand die kleine Mistgöre. „Ich hab schon erwartet, dass jemand mal irgendwann nach mir suchen würde, aber ich hätte nicht gedacht, dass du das sein wirst.“ „Das beruht auf Gegenseitigkeit, Kleine.“ Kalt blickte ich sie an. Das Mädchen liess sich nicht davon abschrecken und fing an gedankenverloren an einer ihrer blonden Haarsträhnen zu spielen. „Aber eine Frage interessiert mich wirklich: Warum genau du? Was hast du für einen Grund, mich zu suchen?“ Ich überlegte, doch mir fiel kein genauer Grund ein. Nach ein paar Sekunden sagte ich: „Das geht dich nichts an.“ Sie fletschte die Zähne „Das geht mich nichts an? DAS GEHT MICH NICHTS AN?“ Mit grossen Schritten kam Lee bedrohlich auf mich zu. Ihre Hand wanderte zu einem alten, rostigen Schwert, welches sie sich mit einer Schnur um die Hüfte gebunden hatte. Mitten in der Bewegung verharrte sie und schloss die Augen. Beide Hände waren krampfhaft zu Fäusten geballt. Sie atmete schwer. Anscheinend versuchte sie gerade einen Wutanfall zu unterdrücken. Nach ein paar Atemzügen öffnete sie die Augen wieder und entspannte sich. „Du kommst hier einfach so angekrochen, ohne auch nur ansatzweise eine Ahnung zu haben, was du überhaupt willst“ fuhr sie mit unheimlich ruhiger Stimme fort „Und wagst es dann noch zu sagen, dass es mich nichts anginge, weshalb wir beide hier im Wald sind. Es geht mich sehr wohl etwas an. Immerhin ist es deine Schuld, dass ich hier so leben muss!“ Ich hatte mit allem gerechnet, nur nicht mit dem. „Du hast überhaupt nicht getan! Du hast Yu einfach so sterben lassen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken! Hättest du etwas getan, wäre sie jetzt noch am Leben!“ Ihr Kinn begann zu beben. Wenn kleine Kinder so etwas machten, begannen sie auf jeden Fall im nächsten Moment zu weinen. Doch Lee presste ihre Lippen aufeinander und sah mich herausfordernd an. Keine einzige Träne rollte über ihre Wange. „Du bist zu impulsiv. Du hast instinktiv gehandelt, anstatt dir zuerst zu überlegen, was du überhaupt da gemacht hast.“ Sagte ich ruhig. „Wenigstens hab ich etwas gemacht, anstatt nur daneben zu stehen und zuzusehen!“ Ich schüttelte den Kopf. Sie verstand es immer noch nicht. Ich drehte mich um und wandte mich zum Gehen, als ich plötzlich den Klang von rostigem Metall hinter mir wahrnahm. Wieder drehte ich mich um. Lee stand mit gezücktem Schwert vor mir. Es war schon ziemlich deformiert: Überall konnte man Rostflecken erkennen und an manchen Stellen der Klinge war schon das Metall abgebrochen. Es reichte nur noch ein kleiner Schlag meines Black Swords und dieses alte Ding würde in all seine Einzelteile zerfallen. „Ich war zu schwach.“ Das Mädchen hatte den Kopf gesenkt. Ich konnte ihre Augen nicht mehr sehen, da sie von verfilzten blonden Haarsträhnen verdeckt wurden. „Ich war einfach zu schwach, um meine Schwester zu beschützen. Wäre ich stärker gewesen, hätte ich sie retten, beschützen können, aber ich war zu schwach.“ Sie sah zu mir auf. Ihre blauen Augen zeugten von purer Entschlossenheit. „Deshalb habe ich mir etwas geschworen“ Lee machte eine kurze Pause „ICH WERDE DER STÄRKSTE KÄMPER DER WELT! ICH WERDE NICHT MEHR VERLIEREN!“ Sie sah mir tief in die Augen. „Ich werde nicht aufgeben! Ich werde mein Ziel erreichen! Und deshalb: Lass uns kämpfen!“ Meinte sie das etwa ernst? Ein kleines Kind mit einem kaputten Schwert, welches sie nebenbei auch noch falsch in der Hand hielt, wollte gegen mich, den besten Schwertkämpfer der Welt antreten? „Weisst du überhaupt, wer ich bin?“ Trotzig schob sie ihre Unterlippe nach vorne. „Nein, ist mir auch egal.“ Hatte ich es doch gewusst. Ich seufzte. „Gut, wenn du unbedingt darauf bestehst, dir sollte man so oder so Respekt beibringen.“ Sie beugte sich vor, bereit zum Sprint. „Dann hör auf, hier grosse Töne zu spucken und verschwende meine Zeit nicht!“ Ich schluckte meinen Ärger herunter, schloss die Augen und zog mein Schwert. Ich hörte, wie die Göre auf mich zu rannte, spürte, wie sie immer näher kam und das alte Schwert in ihren Händen zitterte. Während ich meine Augen wieder öffnete, trat ich einen Schritt zur Seite, um dem Schlag des Mädchens abzuwehren. Kurz verlor sie das Gleichgewicht, ich nutzte diesen Moment zum Gegenangriff. Lee taumelte noch, als ich mit rasender Geschwindigkeit auf meinen Schwertgriff auf sie niedersausen liess. Durch die Wucht des Aufpralls wurde sie an einen Baum geschleudert. Sie rutschte den Stamm hinunter und rappelte sich mühsam wieder hoch. Wieder kam ich auf sie zu, doch dieses Mal war sie vorbereitet: Kurz bevor meine Klinge ihren Kopf berührte, tauchte sie ab, rollte sich zwischen meinen Beinen durch, nur um blitzschnell wieder hinter mir aufzutauen und mit ihrem Schwert auszuholen. Im letzten Moment konnte ich ihren Schlag noch parieren. Ein Knirschen war zu hören, als die rostige Klinge von meinem Black Sword in zwei Teile geteilt wurde. Meine Gegnerin knirschte mit den Zähnen, dann wich sie zurück. Ich dachte, sie gäbe schon auf, als sie sich mit nur noch einem halben Schwert wieder auf mich stürzte. Sie hielt es über ihren Kopf und versuchte damit möglichst viel Schwung zu erzeugen, um einen härteren Schlag auszuführen. Jedoch vernachlässigte sie dabei völlig ihre Deckung und ich konnte ihr meinen Schwertgriff ohne Probleme in den Bauch drücken. Wieder flog sie einige Meter zurück und landete unsanft auf dem Waldboden. Dort blieb sie liegen und regte sich nicht mehr.

    Einige Monate später…

    Lees Sicht
    „Ein Zug fährt 260 Kilometer und braucht dafür nur eine Stunde. Wie schnell ist er?“ Ich legte meinen Kopf schräg und stützte ihn auf meinen Händen ab. Es gab nichts langweiligeres, als Geschwindigkeitsberechnungen. Was interessierte es mich, wie schnell irgendein erfundener Zug fuhr?
    Mittlerweile war ich schon seit ungefähr zwei Monaten bei Falkenauge. Als ich damals den Kampf verloren hatte, hatte er mich gebeten, mit ihm zu kommen (okay, ich gebe es ja zu: Ich hab ihn auf Händen und Füssen angebettelt, dass er mich trainieren soll). Tja, und jetzt sass ich hier und zerbrach mir den Kopf über Physik. Aussenstehende würden sagen, dass man solch einen komplexen Stoff keinem vierjährigen Kind zumuten könne, doch ich bewies das genaue Gegenteil: Ich hatte in wenigen Tagen fliessend lesen und schreiben gelernt und konnte schon nach drei Wochen Unterricht alle Kubikzahlen bis einhundert. Wurzelziehen war kein Problem für mich und Wurzelziehen machte ich im Schlaf. Sogar das mit der Geschwindigkeit begriff ich, ich war einfach nur zu faul den Blödsinn auszurechnen, zum Ärger von Falkenauge. Mein Tutor hatte eine Art Stundenplan für mich entwickelt: Montags Mathematik, dienstags Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Latein und Japanisch), mittwochs Physik, donnerstags Philosophie, freitags Geographie, samstags Biologie und sonntags Allgemeinbildung und logisches Denkvermögen. Andere würden denken, dass das alles viel zu stressig wäre, doch ich fand es eigentlich noch recht angenehm, von sechs Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags am Stück Unterricht zu haben. Danach hatte ich immerhin den restlichen Tag frei zur Verfügung, ausser das Abendessen. Zu dieser Zeit versuchte mir Falkenauge immer höfliches Verhalten näherzubringen. Vergeblich.
    „Hallo, ich rede mit dir!“ Mein Lehrer (*hust*) schnippte ungeduldig mit seinen Fingern vor meinem Gesicht. Ich schreckte auf und verschüttete dabei mein Tintenfässchen, welches ich natürlich erst heute Morgen frisch aufgefüllt hatte. Die Schwarze Flüssigkeit breitete sich auf dem Tisch aus, bis auch noch (wie nicht anders zu erwarten war bei meinem Glück) meine gesamten Unterlagen sich mit Tinte vollgesogen hatten. „Ups“ sagte ich und kratzte mich am Kopf „Tut mir leid“ Eigentlich hatte Taka no Me (so nannte ich ihn immer, da mir sein Name auf Japanisch besser gefiel) eine unglaubliche Selbstbeherrschung, doch irgendwie schaffte ich es, ihn zur Weissglut zu treiben, und in den meisten Fällen tat ich das nicht einmal mit Absicht. Mein Tutor schloss die Augen, um sich wieder zu beruhigen. Ich hatte auf schmerzvolle Art herausfinden müssen, dass man genau in diesem Moment möglichst schnell verschwinden musste, wenn man für die nächsten paar Tage nicht mit blauen Flecken herumlaufen wollte. Genau das tat ich jetzt: So schnell (und leise) wie ich konnte, lief ich zur Tür. „Lee“ verdammt! Ich hatte schon den Türgriff in der Hand, als Taka no Me seine Augen wieder öffnete und mich mit seinem Todesblick anstarrte. Mir lief immer ein Schauer den Rücken hinab, wenn er mich so ansah. „Du wirst bis Morgen all deine Blätter wieder hergestellt haben.“ Geschockt blickte ich in sein versteinertes Gesicht „Die ganzen neunzehn Seiten?“ er lächelte „Ja, Lee, die ganzen neunzehn Seite. Und jetzt würde ich mich an deiner Stelle beeilen, wenn du nichts an den Kopf geworfen bekommen willst.“ Perplex stand ich da, die Tür schon halb geöffnet. „Lee… ich gebe dir drei Sekunden, um zu verschwinden.“ Das liess ich mir nicht zweimal sagen. So schnell ich konnte, schlüpfte ich durch die Tür. Kaum war ich draussen, hörte ich schon, wie etwas Schweres dagegen geworfen wurde. Wahrscheinlich mein Tintenfässchen.
    Ich lachte und rannte auf mein Zimmer. Dort kramte ich hektisch etwas unter meinem Bett hervor und verliess damit die Burg. Ich hatte jetzt frei, und konnte meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen. Die neunzehn Seiten konnte ich ja immer noch morgen früh kurz hinschmieren. Jetzt war Spass angesagt!


    Danke für’s Lesen!
    Wie immer würde ich mich sehr über ein Kommentar freuen ;-)

Kommentare Seite 1 von 1
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Bahar ( 97529 )
Abgeschickt vor 135 Tagen
Ich finde du soltes weiter schreiben
keine Ahnung ( 68397 )
Abgeschickt vor 350 Tagen
An alle Leute und Planeten und so hier könnt ihr mal meine Geschichte lesen? Das wäre so nett von euch
Trafalgar D. Water Alice ( 24135 )
Abgeschickt vor 382 Tagen
Die beste Story die ich bis jezt gelesen habe. Bitte mach schnell weiter !
charly ( 64820 )
Abgeschickt vor 394 Tagen
Ich finde die Story richtig cool ! Schreib bitte weiter
;)
RiaReh ( 70513 )
Abgeschickt vor 414 Tagen
Ich liebe diese Story :)
Diese ist mal komplett anders geschrieben wie die anderen die sonst hier hochgeladen werden :)
Ich finde deinen schreibstil so verträumt wirklich toll. Mach weiter so
Lady _Light ( 61466 )
Abgeschickt vor 420 Tagen
Ich finde deine Geschichte ist toll und der Teil ist voll lustig schreib bitte weiter >.
NoStar5 ( 23327 )
Abgeschickt vor 471 Tagen
@misaki D. mira
Lee sollte eigentlich ein Mädchen sein 😅 Ich versuche das in nächster Zeit etwas mehr zu betonen. Danke für den Tipp 👍🏻
misaki D. mira ( 25487 )
Abgeschickt vor 471 Tagen
un erhlich zu sein ka ob es ein jubge oder mädchen ist😂👌
Selina66 ( 69437 )
Abgeschickt vor 480 Tagen
Echt hübsch, bitte schreib weiter
lilu ( 72965 )
Abgeschickt vor 487 Tagen
Cool echt du musst unbedingt weiter schreiben bitte
Wolf der Elemente ( 49516 )
Abgeschickt vor 493 Tagen
Ich finde deine Geschichte sehr schön:)
Michelle ( 47937 )
Abgeschickt vor 493 Tagen
Nicht übel

Mach weiter