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Fort

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1 Kapitel - 432 Wörter - Erstellt von: Sunnyheart - Aktualisiert am: 2015-11-29 - Entwickelt am: - 600 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Ein Krankenhaus. Leute trauern. Leute sterben. Und du bist mittendrin. Doch welche Rolle spielst du in dieser Kurzgeschichte? Lies und finde es heraus!

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    Fort
    Der Flur war hell erleuchtet, das grelle Neonlicht flackerte etwas. Es waren nicht viele Leute hier, bloß drei Krankenpfleger, eine alte Dame mit einem Rollator und eine Mutter mit zwei Söhnen. Ich war nervös. Leise durchstreifte ich den Gang, das Krankenhaushemd schlackerte an meinem dürren Körper. Jetzt war ich direkt neben der Familie mit den zwei Kindern. Sie riefen und stritten sich laut um einen Spielzeugtraktor. Ich lächelte wehmütig. So hatte ich mit meinem Bruder auch immer gespielt. Sie klopften an der Tür mit der Nummer 107 und stürmten, ohne eine Antwort abzuwarten ins Zimmer. Bevor sie die Tür zuknallten konnte ich einen Blick auf das blonde Mädchen im Krankenhausbett erhaschen, Krücken lehnten an ihrem Bett. Sie hatte sich wohl das Bein gebrochen.

    Ich ging weiter, bog um eine Ecke und fand mich in einem Flur wieder, der genauso aussah wie der davor, er schien endlos. Als ich am Ende angelangt war, öffnete ich eine Milchglastür. Und da war es, auf der linken Seite, mit der Nummer 241. Die Tür war angelehnt, ich schlüpfte durch den Spalt. Im Mittelpunkt stand ein Krankenhausbett. Darin lag eine schmale, blasse Gestalt, die braunen Locken waren wie ein Fächer ausgebreitet, die Augen geschlossen als würde sie schlafen. Doch das war mir egal. Die Person, die wichtig war, saß zusammengesunken neben dem Bett. Mein Herz krampfte sich zusammen. Er sollte nicht traurig sein. Ich stellte mich vor ihn und berühre ihn sanft an der Wange. Er zuckte zusammen. Seine blauen Augen waren verquollen, er hatte geweint. „Sei nicht traurig“, flüsterte ich. „Es ist okay.“ Und tatsächlich löste sich etwas in seinem Gesicht, als würde ein Stück der Trauer von ihm abfallen. Doch ich wusste, es würde lange dauern, bis alle Wunden verheilt waren. Vielleicht würde es nie passieren. Aber ich war beruhigt. Jetzt war ich bereit.

    Ich warf noch einen letzten Blick auf meinen toten Körper im Bett, dann war ich endgültig fort.

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