Warrior Cats - Der Weg der Krieger (Zeiten der Finsternis)

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60 Kapitel - 40.113 Wörter - Erstellt von: Selina Sakura - Aktualisiert am: 2016-12-18 - Entwickelt am: - 12.348 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.64 von 5.0 - 11 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 4 Personen gefällt es

Vier Clans streifen durch das Land, frei sind sie nun endlich, doch es fehlt noch etwas zum Vollkommenen Glück. Ein Zuhause!
Auf in den zweiten Teil: Finsterherz trifft einer schwerwiegende Entscheidung, Froststern kämpft tapfer um ihren Gefährten und Tigerpfote mach Bekanntschaft mit einer seltsamen Kätzin.
ACHTUNG!: Dies ist der zweite Teil von Zeiten der Finsternis. Lies zuerst Das Flüstern der Freiheit, um die Hintergründe zu verstehen.

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    ABENDCLAN: Anführerin: FROSTSTERN - sehr kleine, weiße Kätzin mit dunkelroten Streifen über den Rücken, hellblaue Augen 2. Anführer: NEBELHAUCH
    ABENDCLAN:

    Anführerin: FROSTSTERN - sehr kleine, weiße Kätzin mit dunkelroten Streifen über den Rücken, hellblaue Augen

    2. Anführer: NEBELHAUCH - graue Kätzin mit blauen Augen

    Heiler: STREIFENFELL - schwarz-rot getigerter Kater, Mentor von SCHWALBENPFOTE

    Krieger:
    SPLITTERWIND - grau-weißer Kater mir eisig blauen Augen
    STEINKRALLE - hellbrauner Kater mit weißen Pfoten, Mentor von HERBSTPFOTE
    LEE - blau-graue Kätzin mit großen grünen Augen, Mentorin von TAUPFOTE
    DUNKELFLAMME - kleiner, schwarzer Kater mit feuerroter Schwanzspitze und grünen Augen, auf einem Auge blind
    KRIEGERHERZ - kleiner, grau-weißer Kater mit blauen Augen
    FELSENSONNE - hellgraue Kätzin mit dunkleren Pigmenten und weißgrauen Pfoten, orange Augen
    MAGMAFLUSS - riesiger, dunkelroter Kater mit orangenen Augen

    Schüler:
    HERBSTPFOTE – großer, roter Kater mit breiten Schultern und wild abstehenden Fell, grüne Augen
    SCHWALBENPFOTE – dunkelgraue Kätzin mit hellblauen Augen
    TAUPFOTE – hellgraue Kätzin mit dunkelblauen Augen



    Königinnen:
    POLARLICHT - schneeweiße Kätzin mit buschigem Schwanz und grüntürkisenen Augen, Mutter von WINDJUNGES, SCHATTENJUNGES, WELLENJUNGES, REGENJUNGES und WINTERJUNGES
    EFEUSCHATTEN - dunkelbraun gefleckt, bernsteinfarbende Augen, Mutter von WILDJUNGES und STURMJUNGES



    SONNENCLAN:

    Anführerin: SCHWARZSTERN - große, nachtschwarze Kätzin mit weißen Vorderbeinen, einem langen weiß geringelten Schwanz und bernsteinfarbende Augen

    2. Anführerin: FLAMMENGLUT - leicht dunkelrote Kätzin mit hellgrünen Augen, Mentorin von ROSTPFOTE

    Heilerin: MOORSCHWEIF - kleine, graubraune Kätzin mit dunkelgrünen Augen, Mentorin von NACHTPFOTE

    Krieger:
    HAUCHSCHATTEN - dunkelgraue, fast schwarze Kätzin mit hellgrauem Fell um die Schnauze, die Ohren haben ein mattes grau, Mentorin von ABENDPFOTE
    PECHHERZ - großer, pechschwarzer Kater mit bläulichen Schimmer, riesige Pfoten, ein gelbes und ein blaues Auge
    SCHNEESTURM - weißer Kater mit blauen Augen, auf einem Ohr taub, Mentor von FUNKENPFOTE
    SILBERSTURM - muskulöser, silberner Kater mit weißen Vorderpfoten und eisblauen Augen


    Schüler:
    FUNKENPFOTE – weißer Kater mit stechend grünen Augen und orange gestreiften Flecken
    ABENDPFOTE - schlanke, dunkelrote Kätzin mit hellgrünen Augen und buschigen Schweif
    ROSTPFOTE - rostrote, zierliche Kätzin mit dunkelgrünen Augen
    NACHTPFOTE - Schwarze Kätzin mit weißen Tüpflen am Kopf und cremeweißen Pfoten, smaragdgrüne Augen

    Königinnen:
    GLANZHERZ - blau-graue Kätzin mit bernsteinfarbenden Augen, Mutter von FINSTERJUNGES und LICHTJUNGES, Ziehmutter von GOLDJUNGES
    SCHWARZSTERN - Mutter von HASENJUNGES, BLITZJUNGES und WOLFSJUNGES


    WASSERCLAN:

    Anführer: TANNENSTERN - sehr dunkelbrauner, fast schwarzer Kater mit leicht getigerten Fell, weißen Pfoten und dunkelgrünen Augen

    2. Anführerin: SCHATTENSTURM – muskulöse, pechschwarze Kätzin mit dunkelgrünen Augen

    Heilerin: SCHATTENTANZ - geschmeidige, tiefschwarze Kätzin mit glattem Fell und goldbraunen Augen

    Krieger:
    FINSTERHERZ - schattenhafter, rauchschwarzer Kater mit Bernsteinfarbenden Augen
    KIRSCHBLÜTE – dunkelrote Kätzin mit leuchtend grünen Augen
    SAPHIRSCHWINGE – graue Kätzin mit saphirblauen Augen, Mentorin von FLOCKENPFOTE
    SILBERHAUCH – attraktive, silbern glänzende Kätzin mit eisblauen Augen
    HONIGLICHT - honigfarbende Kätzin mit goldenen Sprenkeln und goldenen Augen
    TRAUMBLICK - schlanke, schwarze Kätzin mit weißen Pfoten, Eisblauen Augen und weißem Bauch
    FLAMMENRAUCH - flammenfarbener Kater mit weißer Brust, Bauch, Pfoten und grün-grauen Augen
    ABENDDÄMMERUNG - muskulöser, orange getigerter Kater mit orangenen Augen, Mentor von SEEPFOTE
    MEERESTOD - großer, blaugrauer Kater mit meeresblauen Augen, Mentor von ADLERPFOTE
    NACHTAUGE - hellgrau und dunkelbraun gefleckte Kätzin mit nachtschwarzen Augen und Pfoten
    TÜPFELFELL - hübsche, schildpattfarbene Kätzin mit weichem, langen Fell und braunen Augen
    HIMBEERGLANZ - Hellgraue flauschige Kätzin mit einem Hauch Rosa im Fell und Blaugrünen Augen


    Schüler:
    FLOCKENPFOTE - weißer Kater mit grünen Augen
    SEEPFOTE - silberne Kätzin mit schwarzen Streifen, einer schwarzen Pfote und seeblauen Augen
    ADLERPFOTE - kleine grau-braun getiegerte Kätzin mit cremefarben Bauch und schwarzer schwanzspitze, grasgrüne Augen


    Königinnen:
    FEUERSCHWEIF - feuerrote Kätzin mit leuchtend grünen Augen, Mutter von MONDJUNGES und EICHHORNJUNGES
    SAMTFELL - schwarz-weiße Kätzin

    REGENCLAN:

    Anführerin: PFEFFERSTERN - kleine, schwarze Kätzin mit großen, bernsteinfarbenden Augen, große, Kopf und einem eingerissenen Ohr

    2. Anführerin: SILBERTEICH - silbern getigerte Kätzin mit Smaragdgrünen Augen

    Heiler: MAUERNHERZ – alter, grauer Kater mit grünen Augen

    Krieger:
    RUBINHERZ – rote Kätzin mit weißen Ohrspitzen und Pfoten, grüne Augen, Mentorin von RANKENPFOTE
    NACHTFELL - pechschwarzes, glänzendes Fell, weiße Schwanzspitze, himmelblaue Augen
    FARNKRALLE - braun-golden getigerter Kater, Mentor von BÖENPFOTE
    TIGERSTREIF – schwarz getigerter Kater mit grünen Augen
    LEOPARDENSTURM– gelbbraune Kätzin mit hellgrünen Augen
    STEINHERZ - groß, dunkelgrau mit intensiv grünen, schräg stehenden Augen, schmales Gesicht mit edlen Gesichtszügen, die manchmal Hochmütig wirken
    NACHTFEDER - großer, kräftiger schwarzer Kater, am Rückenfell leicht gesträubt; er hat große Pfoten mit weißen Pfotenspitzen, durchsichtige Krallen und sehr langer, buschiger Schwanz; schmale, leuchtende Bernsteinaugen
    FALKENFEUER - muskulöser, dunkelbrauner Kater mit rotbraunen Wirbelflecken, ein Paar Narben und grüne Augen



    Königinnen:
    MORGENHERZ - orange-weiß getigerte Kätzin, über und über mit Narben bedeckt
    BLATTFEUER -schlanke, ungewöhnlich dunkle Schildpattkätzin mit einem weißen Fleck über der Nase und am Kinn, schwarzen Haarpinseln auf den Ohren wie ein Luchs und schimmernden silbernen Augen; Mutter von WASSERJUNGES, BLÜTENJUNGES und FARNJUNGES

    Schüler:
    RANKENPFOTE - attraktive, schwarze Kätzin mit weißen fluffigen Pfoten und dunkelgrünen Augen
    BÖENPFOTE - dichtes mittellanges hellgraues Fell mit weißen
    Pfoten, schwarzer Schwanzspitze und Ohren


    Katzen außerhalb der Clans:


    BUSSARDSTERN - großer, dunkelbrauner Kater mit gelben Augen, ehemaliger Anführer
    DONNERRUF - schwarz-brauner Kater mit giftgrünen Augen
    KALEN – große, graue Kätzin mit hellgrünen Augen
    ANDRÈ - großer, attraktiver, goldener Kater mit grünen Augen
    AMAI - schlanker, weißer Kater mit grünen Augen
    AKAY - großer, weißer Kater mit mittellangem Fell, großen, tauben Ohren und blauen Augen
    LINETTE - elegante, schwarze Kätzin mit grünen Augen
    ARUNA - Mittelgroß, schlank und langbeinig, glänzendes, kurzes, weißes Fell, hellbraune Pfoten und Ohren, ein hellgrünes und ein hellblaues Auge
    RACHEFEUER - athletische, Schwarze Kätzin mit verwirrenden blauen Augen (fast blind)




    Um in der FF mitzuwirken fülle Bitte folgenden Steckbrief aus:

    Name:
    Geschlecht:
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    Aussehen:
    Charakter:
    Gefährte/in (Wunsch):
    Junge:
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    Schwächen:
    Besondere Eigenschaften:
    Charakter-Lied: (Muss nicht zwangsläufig angegeben werden, ich würde mich aber freuen)
    Möchtest du in der Geschichte vorkommen?:
    Darf dieser Charakter im Lauf der Geschichte sterben?:

    Extra: (Für Katzen, die von außerhalb in den Clan möchten - auch hier Bitte nicht zu viele -)
    Wie möchtest du gefunden werden?:
    Vergangenheit:

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    Liste der Gefährten: + = tot Schwarzstern & Pechherz Froststern & Schwingensturm (Kota)+ Tannenstern & Feuerschweif Efeuschatten & Splitterwind Schne
    Liste der Gefährten:
    + = tot

    Schwarzstern & Pechherz
    Froststern & Schwingensturm (Kota)+
    Tannenstern & Feuerschweif
    Efeuschatten & Splitterwind
    Schneesturm & Glanzherz
    Nachtfeder & Blattfeuer

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    Sie war allein. Ihr Herzschlag raste mit ihrem Atem um die Wette. Die Dunkelheit schlang stählerne Ketten um sie und ließ sie würgen. Sie konnte ke
    Sie war allein. Ihr Herzschlag raste mit ihrem Atem um die Wette. Die Dunkelheit schlang stählerne Ketten um sie und ließ sie würgen. Sie konnte keinen Boden mehr unter ihren Pfoten fühlen, hatte vergessen wo oben und unten war. Ihre Augen waren blind in der scheinbar ewigen Finsternis und nutzlos geworden. Ab und zu jagte ein eisiger Windstoß von irgendwoher durch ihr Fell und ließ sie erschaudern. Ihr Bauch war angeschwollen vor Hunger und wenn sie nicht solche Angst gehabt hätte, hätte sie vor Schmerz gebrüllt. Wenn es draußen regnete, konnte sie bitteres Wasser von den Wänden lecken, doch meistens fühlte sie sich danach nur noch schrecklicher. Bei Licht hätte man die Wunden sehen können, die ihren Körper verunstalteten. Narben zogen sich durch ihr Gesicht, über ihren Rücken, ihren Bauch, ihre Flanke, als wäre sie notdürftig aus winzigen Hautteilchen zusammengeflickt worden. Ein schlimmer Schnitt an ihrem linken Hinterlauf hatte sich entzündet und eiterte bedrohlich vor sich hin, doch sie hatte es nicht einmal bemerkt. Ihr Fell war durch das ständige Hungern dünn und glanzlos geworden, an manchen Stellen fehlte es sogar, darunter konnte man ihre Knochen zählen. Doch wie sehr ihr Körper auch litt, sie wagte nicht, einen Ton von sich zu geben, denn da war eine Angst, die viel größer war, als es jeder Schmerz sein könnte. Alle paar Tage durchbrachen Schritte die ohrenbetäubende Stille. Früher hatte sie sich vor Panik gegen die Wände geworfen, hatte ihren Kopf immer wieder gegen die steinerne Barriere geschlagen, nur um zu entkommen. Ob tot oder lebendig. Inzwischen war es ihr egal. Als sie die Schritte dieses mal hörte, blieb sie ruhig. Erst als sie ihre Stimmen hörte regte sich etwas in ihr. Sie wollte den Kopf heben, doch irgendwie hatte sie keine Kraft mehr dafür. Ein kräftiger Windstoß verriet ihr, dass sie gleich bei ihr sein würden. Noch zehn Herzschläge. Fünf. Dann waren sie da. Vielleicht schlug ihr Herz inzwischen zu langsam. Sie spürte Krallen, die sich in ihre Seite bohrten, aber es war ihr egal. Sie schlich sich zu ihrem geheimen Ort, der irgendwo tief in ihrer Seele lag und verließ ihren Körper. Während ihr Körper gepeinigt wurde, stand sie stumm daneben. Sie wusste, dass sie auch diesmal nicht sterben würde. Dieses Glück war ihr nicht vergönnt. Sie wartete geduldig, bis die Gestalten wieder verschwunden waren, dann kehrte sie unwillig zurück. Der Schmerz überwältigte sie fast. Mühsam achtete sie darauf nicht zu laut zu keuchen. Dann fiel sie in einen Trost- und Traumlosen Schlaf.

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    ABENDCLAN „Wo bist du?“ flüsterte er schon zum tausendsten mal in dieser Nacht. Froststern lag stumm neben ihm und weinte lautlose Tränen. Hefti
    ABENDCLAN
    „Wo bist du?“ flüsterte er schon zum tausendsten mal in dieser Nacht. Froststern lag stumm neben ihm und weinte lautlose Tränen. Heftige Krämpfe schüttelten seinen Körper und das gedämpfte Schluchzen das aus seiner Kehle drang zerbrach ihr Herz in winzige Stücke. Schließlich hielt sie es einfach nicht mehr aus und stupste ihn sanft an. Er zuckte zusammen und wandte sich dann langsam zu ihr um. Seine Augen schienen noch ein Stückchen leerer geworden zu sein, der alte Glanz war längst verschwunden. „Kota … Schwingensturm...“ Froststern hatte sich noch immer nicht an den Namen gewöhnt, den er sich gegeben hatte. Seit Takka fort war hatte sich viel verändert zwischen ihnen. Am Anfang hatte es gar nicht so schlimm ausgesehen. Kota war wie immer an ihrer Seite geblieben und hatte sie unterstützt und geliebt, doch mit jedem Tag der verging, schien er ein wenig mehr zu verschwinden. Und dann waren die Albträume gekommen. Es war, als würde ihn etwas von innen zerfressen und was immer es war, es zerfraß auch Froststern. „Du hast wieder … geträumt.“ Sie bemühte sich ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu geben, doch wie sehr sie sich auch anstrengte, sie konnte das leichte Zittern nicht verbergen. Schwingensturm schwieg kurz, dann schüttelte er entschieden den Kopf. „Nein, ich habe nicht geträumt. Da war nichts … niemand … alles war leer.“ Froststern schloss kurz die Augen, damit er den Schmerz in ihren Augen nicht entdeckte. Sie wusste doch so genau, wen er so verzweifelt suchte. Seinen Zwillingsbruder, ein Stück seiner selbst. „Ich wünschte … ich ...ich würde dir so gern helfen, aber …“ Froststern konnte ein leises Wimmern nicht unterdrücken und verfluchte sich augenblicklich dafür. Sie wollte doch stark sein, eine Stütze, keine zusätzliche Last. „Tut mir leid, es ist nur ...“ „Ich weiß.“ Kotas Stimme klang tief und ernst, doch wie immer, wenn er mit ihr sprach, schwang eine sanfte Wärme in seinen Worten mit. Sofort fühlte Froststern sich besser, doch die Schuldgefühle nagten noch immer an ihr. Sie wusste längst nicht mehr, wie sie ohne diese Stimme hatte leben können und ihre größte Angst war, das ebendiese für immer verschwinden könnte. „Mach dir keine Gedanken. Zeit heilt alle Wunden.“ Wie nur konnte er so ruhig und verständnisvoll sein, wenn es ihn von innen zerriss? Sie konnte es doch sehen! In seinen Augen, an seiner Haltung, an seiner Art sich zu Bewegen, ja, bei jedem Atemzug den er tat sah sie, spürte sie, wie schlecht es ihm wirklich ging. Sie erwiderte seinen Blick lange. Sie glaubte ihm genauso wenig, wie er sich selbst glaubte, doch keiner der beiden wagte sich, die Wahrheit auszusprechen.

    REGENCLAN

    „Leopardenpfote? Bist du noch wach?“ flüsterte Tigerpfote überlaut und rüttelte gleichzeitig an der Schulter seiner Schwester, die sich stöhnend von ihm wegdrehte. „Jetzt ja, du Mäusehirn. Was ist denn schon wieder.“ Tigerpfote wälzte sich auf den Rücken und starrte an die Decke des Schülerbaus. Zwischen den Zweigen konnte er ein paar Fetzen des Nachthimmels sehen. „Was, wenn ich die Kriegerprüfung nicht bestehe? Was, wenn ich ewig Schüler bleibe?“ Leopardenpfote seufzte demonstrativ auf. „Das ist doch jetzt nicht dein ernst, oder? Wegen so was weckst du mich mitten in der Nacht!“ Tigerpfote rollte mit den Augen. „Beim Sternenclan, Leo, ich hab wirklich Angst.“ Jetzt wandte sich Leopardenpfote doch zu ihm um und in ihren Augen schimmerte ein Hauch Mitleid. „Du schaffst das. Du bist so ein guter Kämpfer, viel besser als ich, ehrlich.“ Sie lächelte ihm freundlich zu und für einen Moment konnte man das Band der Vertrautheit zwischen den Geschwistern fast sehen. „Darf ich jetzt weiterschlafen?“ fragte sie neckend und stupste Tigerpfote spielerisch in die Seite. Dieser lachte erleichtert auf und kuschelte sich tiefer in sein Moosnest. „Klar. Gute Nacht.“ Als er an ihrem Gleichmäßigen Atem erkannte, dass sie wieder eingeschlafen war, fügte er leise hinzu. „Danke Leo. Ich hab dich lieb.“ Dann döste auch er ein, so bemerkte er das breite Grinsen, dass sich auf die Lippen seiner Schwester schlich nicht mehr. „Ich dich auch, du Mäusehirn.“

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    SONNENCLAN Schwarzstern versuchte verzweifelt das breite Grinsen, das schon seit einer geraumen Weile auf ihren Lippen lag, zu unterdrücken, doch es
    SONNENCLAN

    Schwarzstern versuchte verzweifelt das breite Grinsen, das schon seit einer geraumen Weile auf ihren Lippen lag, zu unterdrücken, doch es funktionierte einfach nicht. Im Gegenteil. Schließlich ergab sie sich und brach in schallendes Gelächter aus. Ihr Bauch kribbelte, als würden darin tausende Schmetterlinge gefangen sein. Sie fühlte sich so leicht und befreit und plötzlich war der Boden unter ihren Pfoten auch nicht mehr hart und frostig, sondern weich wie eine Wolke. „Was lachst du denn so?“ fragte der pechschwarze Kater an ihrer Seite belustigt und blinzelte sie aus seinen herrlichen Augen an, die sie fast um den Verstand brachten. „Ich bin nur so … glücklich.“ presste Schwarzstern zwischen zwei Glucksern heraus. So lange war sie mit ihrem kleinen Clan über diese endlosen Wiesen gezogen. Und jetzt hatte sie ihn endlich gefunden. Seit seinem Auftauchen hatte ihr Herz plötzlich Flügel. Pechherz schnurrte leise und drückte sich an sie. „Ich weiß, ich weiß. Mein Anblick schüttet halt Glückshormone aus.“ Sie kicherte und fühlte sich plötzlich wieder wie ein Junges. „Seit wann bist du denn so hochmütig, hm?“ Mit einem Jaulen stürzte sie sich auf ihn und warf ihn glatt von den Pfoten. Triumphierend sah sie zu ihm hinunter und genoss das leuchten in seinen verwirrenden Augen. „Na, was sagst du jetzt!“ Pechherz grinste breit. „Wir sollten Jagen gehen. Ich habe Hunger!“ Schwarzstern gab ihn seufzend frei. „Du bist echt wie ein Fass ohne Boden, weißt du das?“ Er zwinkerte ihr zu. „Ich mag es, wenn du mich mit einem Fass vergleichst.“ Schwarzstern sah ihn verträumt an und verlor sich kurzfristig in der Wärme seiner Augen. „Ich glaube ich liebe dich.“ Pechherz lächelte sanft. „Ich glaube, ich dich auch.“

    WASSERCLAN

    Honiglicht plusterte zitternd ihr Fell gegen den eisigen Wind auf. Das Meer war nicht so, wie sie es sich immer vorgestellt hatte. Der Strand war dreckig und von Zweibeinermüll, Algen uns spitzen Steinen bedeckt, die Sonne ließ sich schon seit Tagen nicht blicken und das Meer selbst war grau und grimmig, wie eine Älteste. Das ironische daran war, dass Tannenstern selbst Wasser ohnehin verabscheute, weshalb der Clan auch meistens hinter den Dünen blieb, die glücklicherweise einen mehr oder weniger guten Windschutz boten. Honiglicht hatte nicht damit gerechnet, dass es auch am Meer Winter wurde. Irgendwie hatte sie wohl einen ewigen Sommer erwartet. Vorsichtig schlängelte sie sich zwischen zwei merkwürdigen Metallgefäßen hindurch, die, wie sie aus Erfahrung wusste, dornenscharfe Kanten hatten. Gleichzeitig achtete sie darauf, wohin sie ihre Pfoten setzte, denn viele Steine hatten gefährliche Spitzen oder rollten so ungünstig weg, dass man sich die Pfote verdrehte. Dies hier war ganz sicher nicht der richtige Ort für Katzen. Und schon gar nicht für Jungen. Ein leises Lächeln schlich sich auf ihre Miene, als sie an das strahlen in Feuerschweifs Gesicht dachte, als sie ihre Kleinen glücklich an sich drückte. Es war eine schwere Geburt gewesen und Lichtwirbel hatte alle Pfoten voll zu tun gehabt, um Feuerschweif irgendwelche Kräuter zu verabreichen und gleichzeitig beruhigend auf Tannenstern einzureden, der wie versteinert daneben gestanden hatte und eine Miene zog, als könnte er jeden Moment in Ohnmacht fallen. Zu guter Letzt hatte er das dann aber doch nicht getan und alles war noch einmal gut gegangen. Feuerschweif hatte zwei gesunde und kräftige Jungen zur Welt gebracht.
    Honiglicht fluchte erschrocken auf, als sie doch noch auf einen scharfkantigen Muschelsplitter trat. Nummer fünf an diesem Tag. „Kann man nicht EINMAL über diesen Strand laufen, ohne sich gleich zu verletzten?“ Wütend hob sie ihre schmerzende Pfote, um den Splitter mit den Zähnen zu packen, als ihr etwas auffiel. Sie hatte sich so sehr auf den Boden konzentriert, dass sie den riesige, ja nahezu gigantische graue Berg gar nicht bemerkt hatte. Sie ließ den Splitter Splitter sein und schlich sich ehrfurchtsvoll näher an das Ungetüm heran. Es bewegte sich nicht mehr und auch als sie die harte, wachsartige Haut vorsichtig mit der Nase berührte, tat es nichts. Langsam strich sie um das Tier herum, immer bereit Notfalls zur Seite zu springen, bis sie vor seinem halb geöffneten Maul stehen blieb. Ein starker, fischiger Geruch schlug ihr entgegen. Unwillkürlich taumelte sie ein Stück zurück, nur um wie angewachsen stehen zu bleiben, als sie bemerkte, das ein riesiges tieftrauriges Auge auf sie gerichtet war. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um es überhaupt sehen zu können. Das Vieh lebte also doch! „W-Wer bist du?“ fragte Honiglicht stotternd und dachte bei sich, dass die Frage `Was bist du?` vielleicht passender gewesen wäre. Vorausgesetzt das Tier konnte sie überhaupt verstehen. Sie wartete eine Weile auf eine Antwort, doch entweder verstand es sie wirklich nicht, oder es wollte oder konnte ihr gar nicht antworten. Trotzdem versuchte sie es sicherheitshalber noch einmal. „Bist du ein Fisch?“ Das Wesen blinzelte und ein fast empörter Ausdruck spiegelte sich in seinem Auge. „Also … nicht?“ Einen Moment noch sah sie das Tier so traurig an, das es ihr fast das Herz brach, dann schloss es das Auge langsam und Honiglicht schwieg betroffen. Irgendwie betrübte sie der Tod dieses Tieres . Es hatte so weise und alt gewirkt … schweren Herzens wandte sie sich ab und lief rasch das Stück zur Düne zurück, wobei sie sich noch mindestens drei weitere Splitter eintrat. Doch gerade als sie über den Hügel klettern wollte, spürte sie ein Ziehen im ganzen Körper, als hätte sie etwas vergessen. Sie stolperte noch einen Schritt weiter, aber das Gefühl wurde nur noch stärker und schien sich um keinen Preis ignorieren lassen zu wollen. Widerwillig wandte sie sich um – und hielt den Atem an. Das graue Tier war verschwunden.

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    REGENCLAN „Los Leopardenpfote, nur noch ein kleines Stück! DAS WIRD EIN NEUER REKORD!“ Silberteich brüllte sich vor Aufregung fast die Lunge aus
    REGENCLAN

    „Los Leopardenpfote, nur noch ein kleines Stück! DAS WIRD EIN NEUER REKORD!“ Silberteich brüllte sich vor Aufregung fast die Lunge aus dem Leib, während Nachtfell sie amüsiert von der Seite musterte. Leopardenpfote selbst kletterte keuchend über das letzte Hindernis – in Form einer umgestürzten Kiefer – und sprintete die letzten Meter. Mit einem verzweifeltem Schrei und letzter Kraft warf sie sich über die Ziellinie, die Nachtfell notdürftig in die harte Erde gekratzt hatte. Silberteich rannte sofort zu ihrer Schülerin und hüpfte ausgelassen um sie herum. „Das war Super! Du wirst mit jedem mal besser!“ Leopardenpfote japste nach Luft, schaffte es aber trotzdem irgendwie sich ein stolzes Lächeln abzuringen. „Wie ...lange?“ stieß sie mühsam zwischen zwei Atemzügen hervor und widerstand nur knapp der Versuchung, sich auf den Boden zu werfen und auf der Stelle einzuschlafen. „120 Sekunden. Ich wette irgendwann schaffst du es unter 100.“ maunzte Silberteich stolz. Nachtfell lachte laut auf. „Unter 100 Sekunden? Sie ist jetzt schon außergewöhnlich schnell, aber unter 100 …? Da müsste sie schon fliegen können.“ Leopardenpfote, die langsam wieder zu sich kam, grinste breit. „Wer weiß, vielleicht kann ich das ja.“ Sie spitzte die Ohren, als sie ein entferntes Grummeln hörte. „Oh, ich glaube Tigerpfote kommt.“ Tatsächlich hievte sich der Kater in genau diesem Moment lustlos über den Baumstamm und schlenderte demonstrativ extra langsam über die Ziellinie. Nachtfell seufzte leise. „Tigerpfote, gib doch nicht immer so schnell auf! Ich möchte nur einmal eine vernünftige Zeit von dir sehen.“ Tigerpfote murmelte etwas vor sich hin und warf Leopardenpfote einen bösen Blick zu. „Dieser Parkour ist sowieso total Sinnlos! Ich würde niemals wie ein Feigling weglaufen. Das kann Leopardenpfote ja machen. Ich kämpfe lieber!“ Nachtfell warf ihrem Schüler einen strengen Blick zu. „Du weißt genauso gut wie ich, wie wichtig deine Ausdauer im Notfall sein kann. Was machst du, wenn deine Gegner in der Überzahl sind, hm? Die Flucht ist eine deeskalierende Lösung, bei der niemand verletzt wird. Nebenbei stärkt das Training auch noch deine Ausdauer beim Kampf.“ Tigerpfote verdrehte die Augen, gab sich aber geschlagen. „Aber jetzt machen wir Kampftraining, ja?“ Silberteich warf Nachtfell einen verschwörerischen Blick und diese grinste zurück. „Jetzt machen wir erst einmal Pause und danach …“

    DIE UNBEKANNTE

    Sie fragte sich, woher das singen kam, das seit einer Weile in ihren Ohren dröhnte. War das Einbildung? Spielte sie jetzt endgültig verrückt oder kam der Tod endlich …? Fühlte man überhaupt etwas, wenn man starb? Sie wusste es nicht. Natürlich nicht. Wenn sie genau darauf achtete, konnte sie spüren, wie ihr Herz noch immer verzweifelt schlug, um ihre Organe und ihr Gehirn mit Blut zu versorgen. Plötzlich fühlte sie sich, warum auch immer, mit diesem Muskel verbunden und lauschte dankbar dem kaum hörbarem Pochen. Babumm. Babumm. Babumm. Du lässt mich nicht im Stich, nicht wahr, kleines Herz?, dachte sie. Immerhin ein Verbündeter. Erstaunlich was so ein Herz alles aushalten konnte. Langsam hob sie eine ihrer Pfoten an. Sie konnte sie zwar nicht sehen, aber sie spürte, wie ihr Körper ihr gehorchte. Vorsichtig fuhr sie mit dem Schweif über den Boden. Sofort roch sie den Staub, den sie damit aufgewirbelt hatte. Fasziniert spürte sie, wie die Luft in ihre Lungen floss, spürte das Kratzen in ihrer Kehle, das sie husten ließ. Ihre rechte Vorderpfote lag in etwas Nassem, verwundert zog sie sie zurück. Das hatte sie gar nicht mitbekommen. Unter ihren Ballen fühlte sich der Boden kalt und hart an. Und plötzlich fühlte sie das seltsame Verlangen aufzustehen. Nach Tagen, ja Monden des Liegens, wollte sie endlich wieder auf diesen herrlich empfindlichen Pfoten stehen. Sie spürte, wie sich ihre Muskeln spannten und sie ganz von allein nach oben drückten. Sofort wurde ihr schwindlig und vor ihren Augen flackerte es kurz, aber da sie eh nichts sehen konnte, störte sie das nicht weiter. Dafür nahm sie den stechenden Schmerz in ihrem linken Hinterlauf umso deutlicher wahr. Sorgsam verteilte sie ihr Gewicht auf die anderen drei Beine und zog die Verletzte Pfote eng an ihren knochigen Körper. Was jetzt? Das singen fiel ihr ein und weil sie es nicht besser wusste, stolperte sie darauf zu. Sie hoffte nur, dass es sich nicht doch um eine Täuschung handelte. Sie wusste gar nicht mehr, wann sie diesen Raum zuletzt verlassen hatte. Dabei war er nie verschlossen gewesen. Als sie über die unsichtbare Grenze trat, hielt sie inne. Doch nichts geschah. Keine Schritte, keine Stimmen. Nichts. Trotzdem wartete sie noch eine halbe Ewigkeit, bis sie weiter dem Rauschen folgte. Inzwischen konnte sie sogar einen leichten Windzug im Gesicht spüren, der ihr sanft um die Ohren strich. Und dann sah sie es. Vor ihren Augen schienen Feuerbälle zu explodieren und sie jaulte auf vor Schmerz, doch gleichzeitig fühlte sie sich davon angezogen. Wie Hypnotisiert humpelte sie auf die Öffnung zu. Da war das Loch durch das sie immer kamen. Sie hatten vergessen, es wieder zu verschließen. Sie starrte auf das Licht, das sich wunderschön und silbern über den Boden ergoss und obwohl sie vollkommenen ruhig war, spürte sie wie ihr kleines Herz aufgeregt pochte. Und plötzlich war sie sich ganz sicher: Sie wollte leben.

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    ABENDCLAN Felsenpfote saß neben Kriegerpfote und starrte völlig Gedankenverloren über die endlosen Bergketten in Richtung Sonnenuntergang. Ihr dich
    ABENDCLAN

    Felsenpfote saß neben Kriegerpfote und starrte völlig Gedankenverloren über die endlosen Bergketten in Richtung Sonnenuntergang. Ihr dichtes Winterfell hielt den schneidenden Wind ab, doch sie fröstelte trotzdem. Kriegerpfote seufzte gedehnt und wippte unruhig mit der Pfote. „Wie lange braucht er denn noch?“ Felsenpfote sah ihn nicht an, aber ihr Lächeln verriet, dass sie ihn gehört hatte. Als sie nicht antwortete, sprang Kriegerpfote auf und begann ungeduldig hin und her zu streifen. „Ich wette du weißt überhaupt nicht, wann er kommt. Du willst mich nur reinlegen.“ Felsenpfote drehte sich nun doch zu ihm um und zischte leise. „Halt doch mal den Mund. Wenn du so rumbrüllst funktioniert es sowieso nicht.“ Kriegerpfote wollte etwas erwidern, doch bevor auch nur ein Laut über seine Lippen kommen konnte, war Felsenpfote bei ihm und ließ ihn mit einem wütenden Blick verstummen. „Pssst jetzt, er kommt.“ Wie ein Schatten schlich sie sich durch das blattlose Gestrüpp und fixierte dabei aufmerksam einen Punkt, der sich noch außerhalb von Kriegerpfotes Blickfeld befand. Der Kater selbst flitzte hastig hinter einen Steinhaufen und hielt angespannt den Atem an. Keine fünf Herzschläge später konnte er das bekannte Murmeln des Einzelläufers hören, der schon seit einiger Zeit immer wieder in die Nähe ihres Lagers schlich, um Beute zu stehlen. Ganz vorsichtig spähte Kriegerpfote über die Steine hinweg und erkannte einen schmächtigen, hellbraunen Kater mit weißen Pfoten. Inzwischen konnte er sogar verstehen, was der Einzelläufer da vor sich hin murmelte. „Das Wetter ist wieder eisig, nicht wahr? Kein Wunder das sich keine Beute blicken lässt. Wenn ich eine Maus wäre würde ich meinen Kopf auch nicht aus dem warmen Bau stecken. Aber na ja, es lässt sich nicht ändern.“ Leicht verwirrt zuckte Kriegerpfote mit den Schultern. Der Kater kam ihm nicht sonderlich gefährlich vor, also sprang er kurzerhand hinter den Felsen hervor und trat ihm in den Weg. „Was machst du hier? Hier jagt der Abendclan! Solange wir hier sind, gehört alle Beute uns! Es ist besser du verschwindest!“ Der Kater sträubte empört sein hellbraunes Fell, machte aber keine Anstalten sich zurückzuziehen. „Von einem Kätzchen wie dir lasse ich mir überhaupt nichts befehlen.“ knurrte er grimmig. „Ich habe immer hier gejagt und so wird das auch bleiben.“ Kriegerpfote betrachte den Kater abschätzend und grinste dann schräg. Das tat er immer, wenn er jemanden einschüchtern wollte, weil er davon ausging, dass er dabei ziemlich cool aussah. „Schon immer, ja? Und wie erklärst du dir dann, dass wir dich auch bei unserem alten Lager am See bemerkt haben? Und im Lager am Steinbruch? Und sogar in der Nähe des Tannenwaldes warst du! Dein Revier ist viel zu groß, wenn du mich fragst.“ Der Kater schwieg kurz ertappt, funkelte den Schüler aber trotzdem herausfordernd an. „Wo ich jage entscheide ja wohl immer noch ich.“ Langsam wurde Kriegerpfote wütend. Wieso konnte sich dieser Kater nicht einfach verziehen? Das Tal war doch groß genug! „Das ist ja sehr schön. Dann entscheide dich doch endlich dafür uns in Ruhe zu lassen und jage woanders. Wenn wir weg sind, kannst du gerne wieder kommen, aber reise uns ja nicht hinterher!“ „Ich mache was ich will!“ „Nun gut, wenn du nicht freiwillig gehst, dann -“ „Ich glaube er ist einfach nur einsam.“ Der Kater wirbelte erschrocken herum und entdeckte Felsenpfote, die sich gerade ein halb verdorrtes Blatt aus dem Pelz zupfte. „Ich bin nicht-“ „Aber natürlich!“ Kriegerpfote lachte laut auf und peitschte amüsiert mit dem Schweif auf den Boden. „Darum auch diese Selbstgespräche! Der Kerl ist einfach nur einsam.“ Der Kater sah nun schon fast verzweifelt aus und drückte sich peinlich berührt auf den Boden, doch Felsenpfote lächelte ihm ermutigend zu. „Ist schon in Ordnung. Wir tun dir nichts. Wie heißt du eigentlich?“ Der Kater lächelte schüchtern zurück und richtete sich ein wenig auf. „Miles.“

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    Traumblick huschte pfeilschnell durch das schulterhohe Gras, immer dem Rauschen der Wellen nach. Hoch über ihr glitzerten die Sterne am Silberverlies so hell, wie schon lange nicht mehr. Auch der Mond zeigte sich in dieser Nacht als schmale Sichel und warf sein fahles Licht auf das endlose Meer, das sich nun weit vor der Kätzin erstreckte. Traumblick liebte solch klare Nächte. Geräuschlos lief sie über den Strand, bis die ersten seichten Wellen über ihre Pfoten schwappten. Hastig trat sie einen Schritt zurück und setzte sich dann in den kalten Sand, wobei sie sorgsam auf etwaige spitze Gegenstände achtete. Irgendwo vom Festland rief ein Nachtvogel und kurz darauf antwortete ihm ein weiterer vom Meer. Traumblick lächelte leicht. Es wäre bestimmt schön ein Vogel zu sein. Das Meer war in der Nacht nicht so laut wie am Tag. Vielleicht weil es dann den ganzen Müll nicht zu sehen brauchte, mit dem die Zweibeiner es verseuchten. Was für ein unsinniger Gedanke! Fast hätte sie laut aufgelacht, nur ganz knapp hielt sie sich zurück. Sie wollte die Ruhe nicht stören. Sie dachte an das Tier, von dem Honiglicht erzählt hatte. Ein Gigant, mit fellloser, grauer Haut und riesigen Flossen. Aber kein Fisch. Traumblick schüttelte verwundert den Kopf. Solch ein Wesen konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Vielleicht war Honiglicht einfach die Fantasie durchgegangen. Das Wiederrum konnte sie sich gut vorstellen. Es war schon ein bisschen lächerlich, wie diese Kätzin Finsterherz hinterherrannte. Und dann auch noch ihre ewige Trauermiene, als wäre die Welt untergegangen. Nicht mal kämpfen konnte sie wirklich. Ihre Schläge waren immer einen Herzschlag zu langsam und ihre Krallen fuhr sie sowieso nicht gerne aus. „Was für eine Versagerin.“ zischte Traumblick und ihre Augen funkelten eisig blau. Doch als sie die Kälte in ihrer Stimmer hörte, sprang sie entsetzt auf. Sie spürte wie ihre Pfoten zitterten, als sie gegen die Tränen ankämpfte. „Wie kann ich so etwas nur denken! Honiglicht ist doch meine beste Freundin!“ murmelte sie. Ihr Blick fiel auf ihr Spiegelbild im Wasser. Eine schwarze Kätzin blinzelte sie hilflos an. „Du bist die Versagerin.“

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    SONNENCLAN Funkenpfote drehte sich genervt zu Abendpfote um. „Du bist echt eine Langweilerin, weißt du das?“ Die beiden Schüler standen vor dem
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    Funkenpfote drehte sich genervt zu Abendpfote um. „Du bist echt eine Langweilerin, weißt du das?“ Die beiden Schüler standen vor dem verlassenen Zweibeinernest, das in der Abenddämmerung sogar noch unheimlicher wirkte, als Tagsüber. Abendpfote starrte angespannt auf die dunkle Öffnung, die wie aufgerissenes Maul vor ihr lag. „Traust du dich nun oder nicht?“ Funkenpfote grinste höhnisch. Er war sich ziemlich sicher, dass er die Wette gewinnen würde. Abendpfote jedoch schloss kurz die Augen und sammelte ihre Kräfte, dann sprang sie mit glühenden Augen vor und wurde im nächsten Moment bereits von der Finsternis verschluckt. Angst kribbelte in ihren Pfoten, doch jetzt würde sie ganz bestimmt keinen Rückzieher machen. Vor allem nicht, wenn dort draußen ihr mäusehirniger Bruder nur darauf wartete, dass sie aufgab. Nie im Leben würde sie ihm diese Genugtuung gönnen! Als sich ihre Augen an die Dunkelheit angepasst hatten, konnte sie die Umrisse seltsamer Gegenstände ausmachen, die überall im Nest herum standen. Typisches Zweibeinerzeugs. Das interessierte sie jetzt erst einmal nicht weiter. In Gedanken ging sie Rasch die Wegbeschreibung durch, die ihr Schneesturm gegeben hatte. Fünf Schritte in die Mitte des Raums, dann nach rechts in das Zimmer geradezu. Da siehst du auch schon die Treppe. Abendpfote huschte los und hatte besagte Treppe schnell gefunden, fand allerdings nicht, das sie sonderlich vertrauenerweckend aussah. Die Stufen waren schon halb vermodert, auf manchen wuchs sogar Moos, das durch das Loch in der Decke ganz feucht war. Abendpfote legte den Kopf in den Nacken und stellte fest, das am Himmel bereits die Sterne aufgingen. Sie beeilte sich besser, sonst machte Flammenglut sich noch Sorgen. Rasch sprang sie die Treppe hinauf in das obere Stockwerk, wo sie sich erst wieder neu orientieren musste. Doch dann entdeckte sie, was sie gesucht hatte: Diesmal war es eine wunderschöne Falkenfeder. Grinsend schnappte sie sich ihren Fund und wirbelte herum um die Treppe wieder hinunter zu stürmen, doch sie hatte das rutschige Moos ganz vergessen und so kam es, das die Schwerkraft ihren Teil zu ihrer unsanften Landung im Erdgeschoss beitrug.

    REGENCLAN

    Tigerpfote traute seinen Ohren nicht. „W-was? Glaubt ihr wirklich, wir sind schon so weit?“ Unsicher blickte er seiner Mentorin Nachtfell in die Augen, doch diese Nickte nur. „Ihr habt beide sehr große Fortschritte im Training gezeigt. Silberteich und ich sind sich einig, dass ihr für die Prüfung bereit seit.“ Leopardenpfote grinste breit und drückte sich an ihren Bruder. „Na los, freust du dich denn gar nicht? Bald bekommen wir unsere Kriegernamen!“ Tigerpfote sah betraten auf seine Pfoten. „Vorausgesetzt wir bestehen die Prüfung ...“ Nachtfell, die seine Worte gehört hatte, lächelte ihm aufmunternd zu. „Natürlich schaffst du das! Ich würde doch nicht sagen, dass du bereit bist, wenn es nicht wirklich so wäre, oder?“ Tigerpfote wirkte zwar nicht sonderlich überzeugt, aber immerhin schwand seine Aufregung ein bisschen. „Also, folgender Plan.“ fuhr Silberteich gut gelaunt fort, „Tigerpfote, du beginnst mit deiner Kampfprüfung, solange geht Leopardenpfote jagen. Danach wird gewechselt.“ Leopardenpfote zwinkerte ihrem Bruder kurz zu und wünschte ihm noch viel Glück, dann rannte sie in den Wald davon, um Witterung aufzunehmen. Tigerpfote schlenderte gemächlich zur zur Trainingskuhle. Nachtfell folgte ihm und stellte sich dann vor ihm auf. „Okay, los geht’s! Ich werde dich gleich angreifen. Verteidige dich, wie du es gelernt hast. Keine Angriffe deinerseits.“ Tigerpfote nickte und ging in Abwehrhaltung. Konzentriert folgte er Nachtfells Blick, der Abwechselnd über seine Pfoten und seinen Rücken streifen. Doch darauf fiel er nicht herein. Er unterdrückte ein grinsen, um nicht zu verraten, das er wusste, was sie vorhatte. Nachtfell griff unglaublich schnell an. Einen Augenblick sah sie noch völlig ruhig auf seine Pfoten, im nächsten flog sie auch schon Kraftvoll über seinen Kopf hinweg, um ihn von der anderen Seite blitzschnell die Pfoten wegzuschlagen, doch er war vorbereitet und reagierte ebenfalls sehr schnell. Tigerpfote wich ihrem Schlag aus und tauchte dann geschickt unter ihr hindurch. Jetzt hätte er eine gute Gelegenheit anzudeuten, dass er ihr den ungeschützten Bauch aufzuschlitzen könnte, doch er erinnerte sich rechtzeitig daran, dass er sich nur Verteidigen sollte. Also ließ er es bleiben und sprang außer Reichweite. Nachtfell, die einen Moment verblüfft gezögert hatte, setzte ihm nach und schlug mit beiden Vorderpfoten auf ihn ein. Tigerpfote allerdings erkannte die schwäche dieser Angriffstaktik sofort, wehrte ihre Schläge ab und gab ihr dann einen gezielten Stoß vor die Brust, sodass sie das Gleichgewicht verlor und auf den Rücken rollte. Er wartete, bis sie sich wieder aufgerappelt hatte. Nachtfell schüttelte ein paar Sandkörner aus ihrem Pelz und warf ihm einen warmen Blick zu. „Das war sehr gut. Der Clan kann Stolz auf einen Kämpfer wie dich sein.“

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    ABENDCLAN Felsenpfote bedachte Miles mit einem freundlichen Blick. „Weißt du, wenn du so einsam bist … Komm doch einfach mal mit zu uns! Vielleic
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    Felsenpfote bedachte Miles mit einem freundlichen Blick. „Weißt du, wenn du so einsam bist … Komm doch einfach mal mit zu uns! Vielleicht erlaubt dir Froststern sogar dem Clan beizutreten.“ Der Kater lächelte schüchtern und rollte einen kleinen Kiesel zwischen seinen Pfoten hin und her. „Äh … Ja, ich würde gerne mal mitkommen. Aber ich will keine Last sein, wirklich nicht.“ Kriegerpfote grinste und gab Miles einen kameradschaftlichen Stoß mit der Pfote, allerdings hatte er sich ein wenig unterschätzt und der Kater taumelte stöhnend ein ganzes Stück zur Seite. Hastig entschuldigte er sich unter Felsenpfotes strengen Blick. „Du bist ganz bestimmt keine Last. Folge uns, wir zeigen dir jetzt das Lager und stellen dich den anderen vor.“ Felsenpfote winkte ihm mit dem Schweif und rannte dann davon. Kriegerpfote wartete, bis Miles ihr folgte und bildete dann den Schluss der kleinen Gruppe. Das Lager war nicht weit entfernt, dafür war der Weg umso anstrengender. Felsenpfote und Kriegerpfote, die solches Gelände schon gewöhnt waren, kletterten fast mühelos über große Felsbrocken und wichen lockeren Steinen aus, doch Miles hatte sichtlich Mühe mitzuhalten. Felsenpfote bemerkte das mit einem Stirnrunzeln und war nur froh, dass sie es gleich geschafft hatten. Vor ihr ging es jetzt steil abwärts in ein langgezogenes Tal, durch das ein schmaler Bach floss. Diese Strecke hatte es am meisten in sich. „Sieh genau zu, wohin wir unsere Pfoten setzen und orientiere dich daran. Versuch ja nicht dir einen eigenen Weg zu suchen.“ sagte sie streng. Kriegerpfote lächelte still darüber. Er konnte sich gut vorstellen, sie einmal eine ausgezeichnete Mentorin abgeben würde. Miles meisterte die Strecke mit nur drei Ausrutschern und sah am Ende heilfroh aus, dass er es überlebt hatte. Doch Felsenpfote gönnte ihm keine Pause. Bevor er auch nur zu Atem kommen konnte, war sie schon weiter gerannt. Widerwillig lief er halb rennend, halb stolpernd hinter ihr her. Wenigstens musste er jetzt nicht mehr auf spitze Steine achten. Die Schülerin folgte einem unsichtbaren Pfad, der sich in verworrenen Linien durch die Sträucher schlängelte, dann lag plötzlich, wie aus dem Nichts, das Lager vor ihnen.

    DIE UNBEKANNTE

    Sie hatte es nicht weit geschafft. Jeder Atemzug war eine Qual und ließ ihre Lungen brennen, ganz als wäre das, was sie da einatmete, Feuer und keine Luft. Sie hatte sich durch die Öffnung gequetscht. Im Nachhinein war ihr ein Rätsel, wie sie das überhaupt geschafft hatte, wo sie doch nicht einmal wirklich Laufen konnte. Drei Schritte weit war sie gegangen. Ihre Augen waren immer noch blind, doch diesmal aus einem anderen Grund. Es war hell hier draußen. Viel zu hell für ihre empfindlichen Augen, also hatte sie sie geschlossen. Sie konzentrierte sich vollkommenen auf ihre anderen Sinne. Der Boden unter ihren Pfoten war hier viel weicher, als der Holzfußboden in ihrem Raum, aber auch sehr viel kälter. Auch der Wind war längst mehr als ein Hauch und ihr Fell bot keinerlei Schutz gegen seine Schärfe, doch sie genoss es. Es gab ihr das Gefühl lebendig zu sein. Als sie zum vierten Schritt ansetzten wollte, brach ihr Körper einfach unter ihr zusammen. Fasst war sie ein wenig verwundert darüber. Jetzt, wo sie es doch endlich geschafft hatte, sich aufzuraffen. Ewig lang blieb sie einfach liegen, wie sie gefallen war. Mit den geschlossenen Augen und dem gebrochenen Körper sah sie aus wie tot. Doch noch lebte sie. Ihr Atem war flach und rasselte ein bisschen in der Kehle. Der Wind spielte mit ihrem Fell, griff sich ein paar Strähnen und trieb sie davon. Ganz langsam öffnete sie die Augen. Zuerst dachte sie, es wäre um sie geschehen, doch dann begriff sie, dass sie sehen konnte. Und was sie sah war ein tiefblauer Himmel, über den ein paar Schäfchenwolken trieben. Keine Finsternis, keine Schwärze … Schäfchenwolken. Ein paar Tränen kämpften sich aus ihren Augen. Sie fragte sich, wann sie das letzte mal geweint hatte. Dann versank sie in einer Rabenschwarzen Ohnmacht.

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    WASSERCLAN „Honiglicht, versteh doch. So etwas kann einfach nicht sein. Du musst die getäuscht haben.“ Saphirschwinge sah die honigfarbende Kätz
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    „Honiglicht, versteh doch. So etwas kann einfach nicht sein. Du musst die getäuscht haben.“ Saphirschwinge sah die honigfarbende Kätzin flehentlich an, doch Honiglicht hatte genug gehört. „ICH HABE ES WIRKLICH GESEHEN! ES WAR DA! ICH BIN DOCH NICHT VERRÜCKT!“ brüllte sie der grauen Kätzin ins Gesicht, nur um sich wenige Herzschläge später dafür zu Schämen. „Es tut mir leid. Es ist nur … warum glaubt mir denn niemand?“ Saphirschwinge zuckte ein wenig beleidigt mit den Schultern und sprang auf, um mit Kirschblüte jagen zu gehen. Honiglicht ließ sie einfach sitzen. Die Kriegerin seufzte leise und beobachtete traurig die Katzen im Lager. Schattensturm und Silberhauch, die sich einen Fisch teilten, Flockenpfote, der gerade so viel Moos ins Lager schleppte, dass er kaum etwas sehen konnte, Tannenstern, der neben Feuerschweif saß und liebevoll auf seine Jungen blickte, die gerade erst die Augen geöffnet hatten. Lichtwirbel sah sich gerade eine Schnittwunde an Traumblicks Flanke an. Unwillkürlich fragte sich Honiglicht, wie ihre Freundin sich diese Verletzung zugezogen hatte. Etwas störte sie daran. Ein merkwürdiges Ziehen in ihrem Bauch sagte ihr, dass da etwas ganz und gar nicht stimmte, doch sie verdrängte es. Wahrscheinlich hatte Traumblick sich nur an diesem Zweibeinermüll geschnitten. Alles ganz harmlos. Bald würde von der Wunde nichts mehr zu sehen sein. Honiglicht spitzte die Ohren, als Finsterherz ins Lager schlüpfte, doch er sah nicht zu ihr hinüber. Ein wenig enttäuscht blickte sie ihm nach, als er im Kriegerbau verschwand. Da fiel ihr etwas ein. Schnell sprang sie auf und folgte ihm. Als sie in den Bau trat, hatte der Kater es sich gerade in seinem Nest gemütlich gemacht. Verwundert musterte er sie aus seinen großen, braunen Augen, die immer ein wenig traurig aussahen und ihre Knie augenblicklich wackelig werden ließen. Mühsam riss sie sich zusammen und setzte sich vorsorglich lieber, bevor sie zu sprechen begann. „Ich habe … ein Tier gesehen.“ begann sie zögernd. Finsterherz nickte langsam und bedeutete ihr mit einem knappen Lächeln fortzufahren. „Also, ich war am Strand.“ redete sie nun ein wenig mutiger weiter, „ Und dann habe ich es gesehen. Es war riesig, wirklich. Sogar Größer als ein Zweibeiner oder ein Monster. Und es war lang wie ein Baumstamm, aber viel dicker. Es hatte ganz feste, kalte graue Haut ohne Fell und Flossen. Aber ein Fisch war es nicht. Ich dachte erst es wäre tot, aber dann habe ich sein Auge gesehen. Es sah ganz unglücklich aus. Ich habe mit ihm gesprochen und ich glaube, es hat mich verstanden. Dann ist es wirklich gestorben. Ich wollte zurück laufen und den Clan Bescheid sagen, aber als ich mich später noch einmal umdrehte war es verschwunden. Und jetzt halten mich alle für Verrückt.“ Finsterherz schwieg eine Weile, als müsste er über ihre Worte nachdenken, dann sah er ihr direkt in die Augen. „Ich glaube dir.“ sagte er und Honiglicht wusste, dass er es ernst meinte.

    REGENCLAN

    Tigerpfote stand dicht neben Leopardenpfote im Lager und blickte aufgeregt zu Pfefferstern auf. Es war soweit. Endlich. Auf dem Frischbeutehaufen lagen die Amsel und die Dohle, die er gefangen hatte neben Leopardenpfotes Hasen. Er hatte seinen Augen kaum getraut, als sie dieses Tier angeschleppt hatte, das fast genauso groß war wie sie selbst. Der Hase war nicht schnell genug gewesen, um einer geborenen Läuferin wie ihr zu entkommen. Tigerpfote lächelte seiner Schwester zu, doch diese entdeckte die Anspannung dahinter und schnurrte ihm beruhigend ins Ohr. Pfefferstern sorgte mit einem Jaulen für Ruhe und blickte dann Stolz auf die beiden Schüler. „Ich, Pfefferstern, Anführerin des Regenclans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese Schüler herabzublicken. Sie haben hart gearbeitet, um eure edlen Gesetze zu erlernen. Der Sternenclan möge sie als Krieger willkommen heißen. Tigerpfote und Leopardenpfote, versprecht ihr, das Gesetz der Krieger zu achten, den Clan zu schützen und ihn zu verteidigen, selbst wenn es euer Leben kostet?“ „Ich verspreche es.“ sagten die Geschwister gleichzeitig, mit der selben klaren und kraftvollen Stimme. Noch nie hatten sie sich einander so nah gefühlt. Pfefferstern lächelte. „Dann gebe ich euch mit der Kraft des Sternenclans eure Kriegernamen. Tigerpfote, von diesem Augenblick an wirst du Tigerstreif heißen. Der Sternenclan ehrt deine Kampfkünste und deine Klugheit.“ Pfeffersterns blick wanderte zu Leopardenpfote, die ihren Bruder mit strahlenden Augen von der Seite ansah. „Leopardenpfote, dich wird man Leopardensturm nennen. Der Sternenclan ehrt deine Ausdauer und Loyalität. Tigerstreif und Leopardensturm, der Regenclan heißt euch als vollwertige Krieger willkommen.“ „Tigerstreif, Leopardensturm, Tigerstreif, Leopardensturm!“ riefen die Katzen, am lautesten Nachtfell und Silberteich, die voller Stolz ihre ehemaligen Schüler begrüßten. Tigerstreif lächelte so breit, das ihm danach noch zwei Tage lang das Gesicht schmerzte, doch die Freude hatte sich tief in seinem Herzen verankert. Überglücklich drückte er sich an Leopardensturm. „Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir sind Krieger!“

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    SONNENCLAN

    Abendpfote stolzierte, die abgeknickte Feder im Maul, an Funkenpfote vorbei und hoffte nur, dass ihm nicht auffiel, wie sehr ihre Pfoten zitterten. Damit stand es jetzt vier zu drei für sie. Das Ganze war Schneesturms Idee gewesen. Sie hatte sich mal wieder mit ihrem Bruder gestritten, an jenem Tag war es darum gegangen, wer von ihnen der Mutigere wäre. Wenn sie jetzt daran zurückdachte, kam ihr das ganze einfach nur noch lächerlich vor. Jedenfalls war Schneesturm irgendwann eingeschritten und hatte ihnen ein Spiel vorgeschlagen: Er würde ihnen immer wieder eine Mutprobe stellen, an deren Ende derjenige, der sie gemeistert hatte, eine Feder bekam. Wer bis zur Ernennungszeremonie die meisten Federn besitzen würde, hätte gewonnen und war somit der Mutigere. Abendpfote liebte dieses Spiel bereits. Sie mochte den Nervenkitzel, das vor Angst flatternde Herz in ihrer Brust und dann am Ende dieses herrliche Gefühl es geschafft zu haben. Stolz lief sie zurück ins Lager, ohne sich weiter um ihren Bruder zu kümmern. Der Weg über die Wiese, den sie nur an den Geruchsmarkierungen erkannte, kam ihr plötzlich viel kürzer vor, als auf dem hinweg. Kaum hatte sie das Lager betreten, war auch schon Flammenglut an ihrer Seite und leckte ihr erleichtert über den Kopf. „Es ist schon dunkel, Abendpfote. Ich hab mir schon Sorgen um dich gemacht. Bitte bleib nicht noch einmal so lange weg.“ Abendpfote senkte den Kopf und nickte beschämt. Sie wollte ihrer Mutter keine Sorgen bereiten. „Wo ist eigentlich Funkenpfote?“ fuhr Flammenglut fort und spähte hinter ihre Tochter in die Dunkelheit. „Er war doch mit dir unterwegs, oder?“ Abendpfote nickte noch einmal. „Ja, er kommt bestimmt gleich.“ Eilig verdrückte sie sich zum Schülerbau, vor dem Hauchschatten schon auf sie wartete. „Hast du es schon gehört?“ fragte die dunkelgraue Kätzin mit glänzenden Augen. Die Schülerin schüttelte verwundert den Kopf. „Nein, was gibt’s denn?“ „Schwarzstern ...“ Hauchschatten machte eine Kunstpause, für die sie einen genervten Blick erntete. „Also?“ „Schwarzstern zieht zu Glanzherz. Der Clan bekommt neuen Nachwuchs!“

    ABENDCLAN

    „Wer ist das denn?“ Splitterwind musterte den fremden Kater misstrauisch. Efeuschatten trat neben ihn und sah zwischen Miles, Felsenpfote und Kriegerpfote hin und her. Felsenpfote räusperte sich verlegen. „Also, das ist Miles. Er …Er ist ziemlich allein und wollte gern das Clanleben kennen lernen.“ Nebelhauch, die auf das geschehen aufmerksam geworden war, betrachtete ihre Schülerin eindringlich. „Und du bist dir sicher, dass er keine Gefahr für den Clan darstellt?“ Kriegerpfote prustete bei ihren Worten los. „Der und gefährlich? Ein Windstoß und er fliegt weg.“ Felsenpfote warf ihm einen bösen Blick zu und nickte ihrer Mentorin dann ernst zu. „Ja, da bin ich mir ganz sicher. Wir haben ihn lange beobachtet. Er ist wirklich einsam gewesen.“ Miles, der sich ein wenig ignoriert vorkam räusperte sich lautstark. „Hallo? Ich bin höchstpersönlich anwesend. Ihr könnt auch mit mir direkt sprechen.“ Splitterwind warf ihm einen feindseligen Blick zu, doch als Efeuschatten ihrem Gefährten etwas ins Ohr flüsterte, lächelte er sogar ein wenig. „Miles, das sind Nebelhauch, Splitterwind und Efeuschatten.“ erklärte Felsenpfote. „Was ist denn hier los?“ Froststern trat aus ihrem Bau und betrachtete den Fremden eingehend. Schwingensturm hinter ihr dagegen, starrte mit trüben Augen ins Leere. „Oh Froststern! Das ist Miles. Er hat auf unserem Territorium gejagt, aber er wollte uns ganz bestimmt nicht schaden. Er war nur allein und hat nach anderen Katzen gesucht.“ Diesmal war es Kriegerpfote, der das reden übernahm. Miles selbst sah ein verlegen zu Boden. Er fühlte sich offensichtlich unwohl, so als Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der aufmerksame Blick der Anführerin wurde weich. „Also gut, Miles. Der Abendclan heißt dich Vorläufig als Gast willkommen.“ Felsenpfote lächelte triumphierend und tauschte einen sah rasch zu Kriegerpfote, der ihr breit zu grinste. Froststern wandte sich Schwingensturm zu und sofort zerbrach etwas in ihrem Blick. Der Kater wirkte immer noch sehr abwesend, scheinbar hatte er den Neuen nicht einmal bemerkt. Froststern sah sich hastig nach ihrem Clan um und schenkte Felsenpfote ein warmes Lächeln, bevor sie wieder in ihrem Bau verschwand. Erst als sie niemand mehr sehen konnte ließ sie die Maske fallen.

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    REGENCLAN Tigerstreif saß neben Leopardensturm im Lager und unterdrückte mühevoll das Zittern in seinen Pfoten. Die Nacht um sie herum war so schwa
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    Tigerstreif saß neben Leopardensturm im Lager und unterdrückte mühevoll das Zittern in seinen Pfoten. Die Nacht um sie herum war so schwarz, das man kaum die Tannen erkennen konnte, obwohl diese nur wenige Sprünge entfernt standen. Die Katzen des Regenclans hatten sich längst in ihre Baue zurückgezogen und hin und wieder drang ein leises schnarchen an seine Ohren. Er warf Leopardensturm einen kurzen Seitenblick zu. Seine Schwester starrte noch immer ernst und vollkommenen ruhig in die Ferne. Noch nie zuvor hatte Tigerstreif sie so ausgeglichen erlebt. Das macht die Nachtwache, dachte er. Die Nachtwache macht uns endgültig zu Kriegern. Stolz schwellte in seiner Brust und er setzte sich ein wenig aufrechter. Doch schon bald spürte er die Kälte wieder an seinen Pfoten nagen. Ein rauer Wind blies aus dem Norden und scheuchte ein paar Sandkörner vor sich her, die in den Augen brannten. Warum musste seine Nachtwache auch unbedingt im Winter sein? Unruhig fuhr er die Krallen ein und aus, doch nach einer Weile warf ihm Leopardensturm einen derart genervten Blick zu, dass er es lieber bleiben ließ. Tigerstreif unterdrückte einen Seufzer und schloss die Augen um Ruhig zu werden. Unbewusst sank er dabei in eine Art Halbschlaf und ehe er es sich versah, träumte er.

    Er stand an einer Klippe, hinter ihm breitete sich eine endlose Wiese bis zum Horizont aus, die sich im Mondlicht zu einem wogenden Meer aus Silber wandelte. Zuerst glaubte Tigerstreif, er sei allein, doch dann bemerkte er die vielen Katzen an seiner Seite. Sie standen nah am Rand der Klippe und sahen ganz bewusst in die namenlose Tiefe. Plötzlich hellte der Himmel rasend schnell auf und der Mond versank in einem Meer aus Orange. Die Sonne vertrieb ihn schließlich endgültig mit ihren blendenden Stahlen. Fasziniert sah Tigerstreif zu ihr auf, doch dann löste sie sich plötzlich und fiel wie eine Sternschnuppe vom Himmel, wurde dabei immer kleiner, bis sie schließlich als hässlicher grauer Stein direkt vor seinen Pfoten landete. Augenblicklich wurde es wieder Nacht, so schnell, dass Tigerstreif schwindlig davon wurde. Als er wieder klar sehen konnte, bemerkte er, dass die anderen Katzen sich von der Klippe gelöst und einen Ring um ihn und den Stein gebildet hatte. Ihre Blicke zeigten eine Mischung aus Verachtung, Angst und Ekel. Zuerst dachte Tigerstreif, er wäre es, den sie so musterten, doch dann fiel ihm auf, dass sie stattdessen wie gebannt auf diesen kleinen Stein starrten. Etwas regte sich in ihm. Vorsichtig streckte er die Pfote aus, um sanft über den Stein zu streichen. Doch kaum hatte er ihn berührt, begann der Stein zu leuchten. Erst leicht und dann immer und immer heller, bis die Nacht wieder dem Morgen wich.
    Dann traf ihn ein harter Schlag direkt zwischen die Rippen und der Traum war vorbei, als wäre er nie da gewesen. Stattdessen sah er direkt in Leopardensturms anklagende Augen.
    Lautlos Fluchend setzte er sich wieder auf. Er war tatsächlich eingeschlafen. Während seiner Nachtwache.

    DIE UNBEKANNTE

    Als sie aufwachte, war es dunkel um sie. Zuerst glaubte sie, sie hätte alles nur geträumt. Wie sie sich aufgerappelt hatte, das Loch, ihre Schritte im Freien und die Schäfchenwolken am blauen Himmel. Doch gerade als die schwere wieder Besitz von ihr ergreifen wollte, bemerkte sie, dass es nicht wirklich dunkel war. Hoch über ihr schwebten winzige Lichter. Ganz wenige nur und so winzig klein, dass man sie leicht für eine Täuschung hätte halten können, doch als sie nach dreimaligen Blinzeln nicht verschwunden waren, beschloss sie daran zu glauben, dass es noch nicht zu spät war. Das es noch eine Chance gab. Sie fragte sich, warum es draußen manchmal hell und manchmal dunkel war. Das verwirrte sie fast genauso sehr wie die Tatsache, dass unter ihren Pfoten hartes Gras wuchs. Sie konnte es nur fühlen. Es bog sich zurück, wenn sie es niederdrückte, doch sobald sie es los ließ, richtete es sich wieder auf. Ein Laut entfuhr ihr, der nach einer Mischung aus Schnauben und Husten klang. Sie wusste nicht, was `Lachen` war. Erschrocken über sich selbst hielt sie den Atem an. Hatte sie jemand gehört? Als sich auch nach einer Weile nichts rührte, beruhigte sie sich wieder. Langsam kehrten die Gefühle in ihren Körper zurück. Keine besonders angenehme Sache. Zuerst fror sie nur, dann meldete sich die Wunde an ihrem Hinterbein mit einem dumpfen Pochen, in das sämtliche andere Verletzungen mit einstimmten. Gerade als sie glaubte, dass es nicht schlimmer kommen könnte, explodierte ihr Magen förmlich und heulte und rumpelte wütend in ihrem Bauch. Hunger! Hunger! Hunger! Manchmal hatten sie ihr etwas zu essen mitgebracht, dass sie Krähenfraß nannten. Es hatte ihr nie geschmeckt und doch waren das die wenigen Momente, in denen sie sich leichter Fühlte. Sie fragte sich, ob es auch draußen Krähenfraß gab. Sie schnüffelte in der Kalten Luft, doch es brachte zu nichts, außer einem lauten Niesen, bei dem ihr fast das Herz stehen blieb. Noch immer lag sie halb auf dem Rücken. Sie hatte nicht die Kraft sich umzudrehen. Aber ich lebe, dachte sie und spürte den Schmerz in jeder Zelle ihres Körpers. Oh ja, ich lebe.

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    WASSERCLAN Lichtwirbel begutachtete mit ernster Miene die Narbe an Traumblicks Schulter. Wider eine neue Narbe. Langsam fragte sie sich wirklich, was
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    Lichtwirbel begutachtete mit ernster Miene die Narbe an Traumblicks Schulter. Wider eine neue Narbe. Langsam fragte sie sich wirklich, was diese Kätzin Nachts tat. Doch die Kriegerin hatte nicht darüber reden wollen und Lichtwirbel hatte auch nicht weiter nachgehakt. Trotzdem. Irgendetwas beunruhigte sie an dieser Geschichte. Traumblick bemerkte den Blick der Heilerin und lächelte ihr knapp zu. Ein Lächeln das beruhigend wirken sollte, aber es erreichte ihre Augen nicht. Kopfschüttelnd wandte Lichtwirbel sich dem Frischbeutehaufen zu. Fisch. Natürlich. Immer nur Fisch. Grummelnd nahm sie sich eins dieser glitschigen, schuppigen Viecher. Als sie zum ersten mal einen Fisch gegessen hatte, hatte es gar nicht einmal so übel geschmeckt, aber inzwischen gab es ja nichts anderes mehr. Sie fragte sich ob Tannenstern am Meer bleiben würde oder doch wieder weiter aufs Festland ziehen werden würde. Plötzlich wurde Lichtwirbel von einem Hustenanfall geschüttelt, der ihr die Luft nahm. Als sie endlich wieder zu Atem kam, fühlte sich ihr Hals kratzig und wund an. Mit ungutem Gefühl würgte sie noch etwas Fisch hinunter, dann hastete sie zu dem Ort, an dem sie ihre Kräuter verwahrt hatte. Ein kleine, trockene Felsnische. Sie erlaubte sich, etwas gegen den weißen Husten zu nehmen und trank kaltes Wasser hinterher, um den bitteren Geschmack loszuwerden. Eine bleierne Schwere breitete sich in ihr aus, die Nebenwirkungen. Müde trottete sie zu ihrem Nest und kuschelte eng zusammen. Das sie auf ihrem Weg ein ganzes Büschel Fell verloren hatte, merkte sie gar nicht. Finsterherz, der sie seit ihrem Anfall besorgt beobachtet hatte, bemerkte es jedoch, pflückte das weiche, goldene Büschel aus dem Gras und legte es zu den zehn anderen. Er wusste nicht wann es angefangen hatte, doch inzwischen war es unverkennbar. Lichtwirbel war krank und mit jedem Tag wurde ihr Zustand schlechter.

    SONNENCLAN

    Schwarzstern beobachtete wie Glanzherz liebevoll über Lichtjunges Kopf schleckte, während sie Finsterjunges mit einer Pfote davon abhielt, sich in eine wilde Schlacht gegen Moosmonster zu stürzen. Schneesturm, der Vater der Kleinen, lachte darüber und bewarf seinen Sohn mit einem Moosball. Das Junge stolperte überrascht zurück und landete schließlich auf dem Hintern. Lichtjunges dagegen war sofort bei der Sache, entwand sich aus dem Griff ihrer Mutter und warf sich mit einem lauten Kampfschrei auf ihren Bruder. Sofort war ein Kampf im Gange, der von der Lautstärke her ein wahrlich gigantisches Ausmaß erreichte. Schwarzstern lächelte in sich hinein und strich geistesabwesend über ihren angeschwollenen Bauch. Wie ihre Kinder wohl aussehen würden? Sie stellte sich eine winzige Version von Pechherz vor. Unwillkürlich wurde ihr lächeln noch breiter. Der Schmerz traf sie völlig unvorbereitet und rollte wie eine Welle durch ihren Körper. Sie stieß einen leisen Schrei aus. Glanzherz wandte sich überrascht zu ihr um und erkannte sofort was Sache war. „Schwarzstern? Es ist doch noch viel zu früh für dich!“ Schnell packte sie ihre Jungen und trug sie aus dem Bau. Schneesturm war schon unterwegs, um Moorschweif zu suchen. „WAS! Ja … Nein … Lass mich jetzt … Wie, ich darf nicht? … LASS MICH DURCH! … ICH BIN NICHT IN PANIK! ICH BIN VOLLKOMMEN RUHIG!“ Schwarzstern konnte sich Pechherz vorstellen, wie er wie elektrisiert vor dem Bau hin und her stapfte. Seine Stimme verriet ihr, dass er ganz und gar nicht ruhig war. Ihr leises Lachen fand in einem weiteren Schmerzensschrei ein jähes Ende. Plötzlich war Moorschweif neben ihr und schob ihr etwas zwischen die Zähne. Heulend biss sie so fest zu, dass das Holz splitternd zerbrach. Sie roch Kräuter und hörte wie Moorschweif irgendetwas von Entspannend redete, doch sie konnte sie nicht richtig hören, weil irgendjemand entsetzlich laut schrie. Sie wollte dieser Katze gerade zurufen, dass sie gefälligst das Maul halten sollte, als ihr auffiel, dass sie selbst diesen Lärm veranstaltete. Es fühlte sich an, als würde sie von innen zerrissen werden. Gestalten beugten sich über sie, jemand schrie ihren Namen, dann wurde alles schwarz.

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    ABENDCLAN Froststern folgte ihm so leise wie ein Schatten. Sie achtete sorgsam darauf, keine losen Steine loszutreten, um sich nicht zu verraten. Sie
    ABENDCLAN

    Froststern folgte ihm so leise wie ein Schatten. Sie achtete sorgsam darauf, keine losen Steine loszutreten, um sich nicht zu verraten. Sie kam sich wie eine Verräterin vor, wie sie ihm so heimlich hinterher schlich, doch ihre Sorge war zu groß, als das sie der Versuchung widerstehen könnte. Vor drei Tagen hatte Kota zum ersten Mal vor Sonnenaufgang den Bau verlassen. Leise und Vorsichtig, genau wie sie jetzt. Zurückgekommen war er erst kurz bevor die ersten Sonnenstrahlen ins Tal fielen. Dann hatte er sich wieder neben sie gelegt und darauf gewartet, dass sie aufwachte. Als ob sie es nicht gemerkt hätte! Sie war doch nicht blind. Zuerst hatte sie ihn fragen wollen, aber er kam ihr jedes Mal so abweisend vor, dass sie sich nicht traute. Seine Albträume waren schlimmer geworden. Wie ein Gift, dass ihn langsam umbringt, dachte Froststern. Lautlos kletterte sie über einen größeren Felsbrocken. Und plötzlich stand Kota direkt vor ihr und sah ihr direkt in die Augen. Froststern zuckte vor Schreck zurück und erwartete, dass er ihr mitteilte, wie enttäuscht er von ihr war, doch er sagte nichts. Er sah sie einfach stumm an, sog ihren Anblick in sich ein, bevor sein Blick von Schieren Todesqualen überwältigt wurde. „Frostpfote. Frostflügel. Froststern.“ Seine Stimme klang brüchig, als müsste er sich überwinden zu sprechen. „Schwingensturm … Kota?“ Sie standen auf dem Felsbrocken so nah beieinander, dass sie ihn riechen konnte. Sie hatte Angst. Angst vor dem, was er sagen würden. Ihre Pfoten wollten nichts lieber als weglaufen, zurück ins Tal, nur weg von hier, nur nicht hören was er sagen würde. Einen Moment noch sah er sie direkt an, dann senkte sich sein Blick auf seine Pfoten. „Hass mich! Ich bin nicht gut für dich. Ich kann dich nicht verlassen und du mich nicht verstehen. Ich will nie mehr diesen Blick in deinen Augen sehen, doch wenn ich bei dir bin wird es jedes Mal geschehen. Ich verletze dich mit jeder Sekunde die ich bei dir bin nur noch mehr. Ich lass dich nicht Leben und du … du lässt mich nicht gehen. Bitte Hass mich … Dann kann ich gehen.“ Froststern starrte ihren Gefährten ausdruckslos an. Noch immer sah er auf seine Pfoten, traute sich nicht zu ihr aufzusehen. Die Stille legte sich so schwer auf ihre Schultern, als wollte sie sie erdrücken. Ihr Herz zog sich zusammen, so schmerzhaft, dass sie schreien wollte. Doch sie blieb ruhig, sah ihn an. „Ich hasse dich.“ Ihre Stimme war so klar und kalt wie der Winter. Er sah nicht auf, doch ein zucken ging durch seinen Körper, als hätte sie ihn geschlagen. Er drehte sich um und rannte davon, verschwand zwischen den Steinen. Froststern sah ihm hinterher, bis sie ihn nicht mehr erkennen konnte. Eine Träne tropfte auf den Felsen. „Du … M-Mäusehirn.“ Ein Schluchzen drang aus ihrer Kehle. „Du dummer Flohpelz! DU FEIGLING!“ Ihre Pfoten zitterten gefährlich und ihre Krallen schliffen über kahlen Stein. „DENKST DU DU KOMMST SO EINFACH DAVON? DENKST DU DAS?“ Weiße Flocken fielen vom schiefergrauen Himmel und verfingen sich als glitzernde Kristalle in Froststerns Pelz. „Du hast Recht. Ich lass dich nicht gehen.“ Die Anführerin sprang auf und rannte ihm hinterher. Sie würde ihn suchen, bis sie ihn gefunden hatte. Und wenn sie dazu bis ans Ende der Welt reisen müsste. Denn in einem war sie sich ganz sicher. Niemals. Niemals würde sie ihn hassen.

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    REGENCLAN

    Tigerstreif schlich sich ganz langsam an die Maus heran. Er hat keine Ahnung, warum sich das Tier um diese Jahreszeit nicht schon längst in einen warmen Bau verkrochen hatte, aber im Endeffekt was das ja auch egal. Hauptsache der Clan litt keinen Hunger. Noch hatten sie immer genug Beute gefunden, aber aus irgendwelchen Gründen fürchtete er, dass es diese Blattleere anders sein würde. Er setzte zum Sprung an und schnellte durch die Luft. Die Maus bemerkte ihn zu Spät und bezahlte dafür mit ihrem Leben. Tigerstreif vergrub sie und lief tiefer in den Wald, bis er an der Grenze stand. Die Tannen schienen auf der anderen Seite viel dichter und dunkler zu stehen. In der Kinderstube hatte er einmal eine Geschichte über eine verlorene Seele gehört, die hier lebte. Ein Kater, dessen Herz so schwarz war wie die tiefste Nacht, der verflucht für immer auf dieser Seite des Waldes leben musste. Nur ganz selten kam er heraus und entführte neugierige Jungen. Wenn er jetzt daran zurückdachte hörte sich das ganze ziemlich lächerlich an. Ein Märchen für Jungen eben. Der Wind drehte und blies ihm jetzt direkt ins Gesicht. Er roch Kiefer, trockene Erde und vermodertes Holz. Und dann war da noch etwas anders. Etwas, das ihm zu denken gab. Er öffnete das Maul, um den Geruch besser wahrzunehmen. Tatsächlich, er hatte sich das nicht nur eingebildet. Blut. Es roch ganz eindeutig nach Blut. Unsicher spähte er zwischen die Bäume, doch es war zu dunkel um etwas zu erkennen. Zögernd setzte er eine Pfote über die Grenze. Er kam sich vor, als würde er etwas sehr verbotenes tun. Sogar sein Fell stellte sich auf. Ärgerlich schüttelte er den Kopf. Vielleicht war dort jemand in Not. Er wollte ja nur nach sehen. Davon überzeugt das richtige zu tun machte er einen Satz direkt in den dunklen, unbekannten Wald hinein.

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    DIE UNBEKANNTE Als sie die Pfotenschritte hörte, schreckte sie auf. Ihr Herz quoll vor Panik fast über. Krampfhaft bemühte sie sich auf die Beine z
    DIE UNBEKANNTE

    Als sie die Pfotenschritte hörte, schreckte sie auf. Ihr Herz quoll vor Panik fast über. Krampfhaft bemühte sie sich auf die Beine zu kommen, doch egal wie sehr sie sich auch anstrengte, sie bewegte sich kein Stück. Dafür ging ihr die Puste aus, so dass sie auch noch laut Keuchte. Ängstlich huschten ihre Augen hin und her. Kein Versteck weit und breit. Nur die merkwürdigen Bäume, die Nadeln hatten, statt Blätter. Die Schritte wurden langsamer, zögernder. War sie entdeckt? Ihre Augen schwammen in Tränen, solche Angst hatte sie. Jetzt, wo sie endlich frei war. Jetzt, wo sie die Lichter gesehen hatte und die Wolken. Dieser endlose Raum, das harte Gras … Nie wieder wollte sie darauf verzichten. Nie wieder in dieses Zimmer zurück. Sie spürte wie die Katze näher kam. Sie setzte die Pfoten ganz vorsichtig, trotzdem spürte sie die Vibrationen. Sie musste sie gesehen haben. Sie konnte nicht wegrennen, nicht aufstehen, nicht kämpfen. Gar nichts. Sie konnte sich ja nicht mal auf die Seite drehen, um die Katze anzusehen. Es war ein Kater, das konnte sie riechen, aber es war keiner von den beiden, die sie hasste. Trotzdem legte sich ihre Angst nicht. Sie hatte noch nie eine andere Katze oder einen anderen Kater getroffen. Was, wenn alle so waren, wie die beiden? „Hallo?“ Seine Stimme war dunkel, aber noch jung. Ganz zaghaft und unsicher. Sie rührte sich nicht und hielt den Atem an. Vielleicht hielt er sie ja für tot. Er kam näher, stupste sie an. Bei der Berührung zuckte sie unwillkürlich so sehr zusammen, dass spätestens jetzt klar war, dass sie noch lebte. „Äh … kannst du mich hören?“ Sie rührte sich nicht. Der Kater ging um sie herum und legte sich neben sie auf den Boden, sodass sie auf Augenhöhe waren. Er hatte ein schönes, dunkel getigertes Fell und lebendige grüne Augen. Er sah gesund und stark aus, aber er hatte nichts … beunruhigendes an sich. Im Gegenteil. Er lächelte sogar ein bisschen, obwohl sie seine Sorge erkennen konnte. Sorge! Wann hatte sich je jemand um sie gesorgt? Es rührte sie, ließ ihr misstrauen aber nicht gänzlich weichen. Sie hatte Angst vor seiner Nähe. „Hör zu, ich weiß nicht was mit dir passiert ist, aber es geht die offensichtlich sehr schlecht. Ich könnte dich zu unserem Heiler bringen. Ich lebe in einem Clan weißt du? Das ist … ach egal, vergiss es, soweit kannst du eh nicht laufen. Aber ich könnte den Heiler holen. Willst du das?“ Sie hatte Mühe ihm zu folgen. Noch nie hatte jemand direkt mit ihr gesprochen. Und schon gar nicht so viel auf einmal. Die Worte schwirrten in ihrem Kopf. Sie wusste nicht, was er meinte. Also schüttelte sie den Kopf. Sie versuchte es jedenfalls. Es war eine Bewegung, so zart wie der Flügelschlag eines Schmetterlings, doch der Kater bemerkte es. Jetzt sah er wirklich besorgt aus. „Aber du brauchst Hilfe! Sieh dich doch an, du bist … halb tot! Weißt du, ich hole jetzt einfach den Heiler.“ Wieder schüttelte sie den Kopf, diesmal ein bisschen kräftiger. „Kannst du sprechen? Ich bin Tigerstreif.“ Tigerstreif? Ein … seltsamer Name. Ihr eigener fiel ihr nicht ein. Sie wusste nicht, ob sie je einen gehabt hatte. Hin und wieder hatten die beiden sie Monster, Biest oder Dreck gerufen. Sie wusste nicht, was das bedeuten sollte. Außer Dreck. Sie wusste was Dreck war, denn sie hatte im Dreck gelegen. „Dreck.“ flüsterte sie. Ihre Stimme kratzte, war rau und unglaublich leise, weil sie sie so lange nicht benutzt hatte. Der Kater sah sie verständnislos an. „Dreck?“ Er überlegte kurz, bis ihm eine Erleuchtung kam. „Ach so, keine Angst. Ich werde schon dafür sorgen, dass du nicht mehr lange im Dreck liegen musst. Wie heißt du?“ Sie schloss die Augen. Zu anstrengend. Zu viele Worte. „Biest.“ Dann wurde sie ohnmächtig.

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    WASSERCLAN

    Traumblick huschte mit gesenkten Kopf durch das Lager und hoffte nur, dass niemanden die schmale Schnittwunde an ihrer Schulter auffiel. Der Schmerz pochte, als hätte er einen eigenen Herzschlag. Immer, wenn sie die Schulter belastete, raubte es ihr fast den Atem. Gut so. Es beruhigte sie. Solange sie Diejenige war, die litt, fügte sie auch keinem anderen Leid zu. Inzwischen schlich sie sich beinahe jede Nacht aus dem Lager, um das Meer zu sehen. Das Meer, das ihr immer noch nicht antwortet. Jede Nacht lag es schweigsam vor ihr, als hätte es ihr den Rücken zugewandt. Und jede Nacht spürte sie ihn wieder. Den anderen Teil in ihrer Seele, so schwarz und unheilvoll wie ein Rabenflügel. Er wurde stärker, sie wurde stärker. Sie liebte diese Stärke, aber gleichzeitig hasste sie sie. Sie hasste die kalte Wut, die von ihr Besitz ergriff, aber sie bewunderte sie auch. Sie liebte es, sich groß zu fühlen, das Kribbeln der Macht in ihren Pfoten, aber sie entsetzte sich über den Blick in ihren Augen. Wenn es besonders schlimm wurde, dürstete es ihr nach Blut. Es war ihr egal, wem das Blut gehörte, solange es nur durch ihre Krallen rann und heiß zu Boden tropfte. Und davor hatte sie die größte Angst. Sie spürte, wie diese Dunkelheit in ihr Wurzeln schlug und wuchs. Sie konnte es nicht aufhalten. Vielleicht WOLLTE sie es gar nicht aufhalten. Die Kontrolle entglitt ihr mit jeder Nacht mehr. Seit wann konnte sie Honiglicht nicht mehr in die Augen sehen? Seit wann log sie, wenn jemand sie nach ihren Verletzungen fragte? Wann hatte sie begonnen, sich selbst Schmerzen zuzufügen, nur um diesen Blutdurst zu Stillen? Ein unbedeutender Teil von ihr geriet in Panik und rief verzweifelt um Hilfe. Doch der größere Teil wurde immer Ruhiger. Immer kälter. Und immer immer größer. Sie konnte es nicht mehr leugnen. Die Dunkelheit würde sich nicht mehr lange nur mit ihrem Blut zufrieden geben.

    SONNENCLAN

    Als Schwarzstern die Augen aufschlug, lag sie auf einer wunderschönen Sommerwiese. Sonnenlicht wärmte ihr schwarzes Fell und kitzelte ihre Nasenspitze. „Hallo Schwarzstern.“ Überrascht sah die Anführerin zu der kleinen Kätzin auf, die neben ihr hockte. „Hasenpfote? Moment mal ...“ Schwarzstern betrachtete ungläubig das Sternenlicht im Fell der ehemaligen Schülerin. „Bin ich … Bin ich tot? Ist das hier der Sternenclan?“ Hasenpfote schüttelte langsam den Kopf. „Ein Leben hast du verloren. Wenn du mit dieser Geschwindigkeit weiter machst, wirst du wirklich bald im Sternenclan sein.“ Betroffen blickte sie zu Boden, als ihr etwas einfiel. „Meine Jungen. Meine Jungen sind nicht hier. Sie leben. …. Oder?“ Hasenpfote grinste sie breit an. „Sie sprühen geradezu vor Leben. Ich denke, du wirst noch so manche Freude mit ihnen haben.“ Erleichtert stand Schwarzstern auf. Ihr Bauch ziepte ein wenig. „Wo geht es zurück? Pechherz macht sich bestimmt schon große Sorgen.“ Hasenpfote nickte und sah fast ein wenig traurig aus. „Natürlich. Mach`s gut und vergiss mich nicht.“ Sie drückte sich noch einmal an ihre Mentorin, dann verblasste sie und mit ihr die Wiese. Eine Weile lang war alles schwarz. Dann ließ ein überlauter Freudenschrei Schwarzsterns Ohren klingeln. „SIE LEBT! SIE ATMET WIEDER!“ Stöhnend schlug sie Anführerin ihre Augen auf. Es dauerte noch einen Herzschlag, bis sie klar sehen konnte. Pechherz stand vor ihr. Mit zerzausten, pechschwarzen Fell, weit aufgerissenen, tränenden Augen und einem irren Grinsen im Gesicht. Als sie ihn sanft anlächelte, wurde es sogar noch breiter. „Ich hatte solche Angst, ich könnte dich verloren haben.“ Unwirsch wischte er eine Träne fort. „Jetzt ist ja alles gut.“ flüsterte Schwarzstern mit rauer Stimme. Langsam senkte sie ihren Blick zu den drei Fellkugeln, die eng an ihren Bauch gekuschelt lagen. Moorschweif trat aus dem Schatten des Baus und hielt ihr ein Büschel Kräuter hin. „Hier, das dürfte die Schmerzen ein wenig betäuben.“ Schwarzstern schluckte sie, ohne den Blick von ihren Kindern zu lassen. Moorschweif lächelte glücklich. „Zwei Kätzinnen und ein Kater. Alle drei sind Gesund, kräftig und wohlauf.“ Eines der Kleinen, die braun-weiße Kätzin riss das Maul so weit auf, dass man die winzigen Schneeweißen Zahnansätze sehen konnte und gähnte Herzhaft. Schwarzstern grinste. „Diese kleine Schlafmütze soll Hasenjunges heißen.“ Hasenjunges schmatzte leise zu Zustimmung. Ihr grauer Bruder rollte sich von ihr weg und drängte sich dabei an seine andere Schwester, ein schwarzes Kätzchen, das wütend fauchte. Jedenfalls versuchte sie das, auch wenn sich eher nach einem gluckern anhörte. „Blitzjunges und Wolfsjunges.“ sagte Schwarzstern zufrieden. Pechherz lächelte Stolz und stupste den kleinen Wolfsjunges so vorsichtig an, als könnte er jeden Augenblick zerbrechen. „Mein kleiner Sohn.“

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    ABENDCLAN Froststern stürmte dahin, über Steine und Unebenheiten und vollführte dabei Sprünge, die sie sich im Normalzustand niemals zugetraut hä
    ABENDCLAN

    Froststern stürmte dahin, über Steine und Unebenheiten und vollführte dabei Sprünge, die sie sich im Normalzustand niemals zugetraut hätte. Doch ihr Herz schrie vor Qual und ihr Blut brannte in ihren Adern wie glühende Lava. „KOTA!“ schrie sie zum bestimmt hundertsten mal. Schließlich zwang sie ein tiefer Abhang zum stehen bleiben. Die Felswände fielen hier fast senkrecht ab, trotzdem klammerten sich ein paar verdorrte Büsche an ihnen fest.Weit unten konnte ein geübtes Auge einen schmalen Bach ausmachen, der von unnatürlich grünem Gras umwachsen war. Als Froststern sich noch etwas weiter über die Kante beugte, schlug ihr eine wärme entgegen, die sie hier in den Bergen, im anbrechenden Winter, nie erwartet hätte. Neugierig beugte sie sich noch ein Stückchen weiter, sodass ihr von der Höhe ganz schwindlig wurde. Die Gedanken an Kota schwirrten noch immer in ihrem Kopf, doch langsam begann sich das Wirrwarr zu ordnen. „Froststern!“ Die Anführerin wirbelte herum und ihr Herz setzte kurz aus, als sie in dem rostroten Kater Kota zu erkennen glaubte, doch dann fiel ihr Blick auf seine Pfoten, um die Sternenlicht spielte. „Takka?“ fragte sie leise. Der Kater nickte und rang sich ein Lächeln ab, doch es lag Besorgnis in seiner Mine. „Froststern, du bist eine Anführerin. Ich weiß wie laut die Stimme deines Herzens werden kann, aber du musst auch auf deinen Kopf hören. Es gibt etwas, was dir viel wichtiger sein müsste, als mein Bruder.“ Froststern schwieg betroffen, doch sie wollte auf seinen Rat hören. Also zwang sie ihr Herz zur Ruhe und ging tief in sich hinein. Als erstes dachte sie an Felsenpfote, die den fremden Kater ins Lager geschleppt hatte. Miles. Dann dachte sie an Polarlicht, die ganze fünf Junge bekommen hatte. Ein wunderbares Geschenk für den Clan. Der Clan. Natürlich. Wie nur hatte sie IHREN Clan in den Hintergrund stellen können. Sie musste zurück, aber sofort. Doch da meldete sich ein ganz kleine Stimme in ihrem Herzen. Und Kota? „Ich werde mich um meinen Bruder kümmern.“ Takka sprach, als hätte er ihre Gedanken gehört. Forststern schenkte ihm ein knappes, verzweifeltes Lächeln, dann jagte sie die Strecke zurück, die sie gekommen war.

    REGENCLAN

    „Wie geht es ihr?“ fragte Tigerstreif leise. Mauernherz schüttelte verwundert den Kopf. „Es grenzt an einem Wunder, dass sie überhaupt noch lebt. Sieh dir nur diese Narben an. Die müssen schon viele Monde alt sein. Das bedeutet, dass sie schon über einen sehr langen Zeitraum misshandelt worden sein muss.“ Leopardensturm, die dicht neben ihrem Bruder saß, musterte die Kätzin mitleidig. Unter der Mischung aus Schmutz und Blut, war ein orangerot getigertes Fell zum Vorschein gekommen, doch es war so stumpf und dünn und teilte sich an den Stellen, an denen es von langen Narben durchzogen wurde. „Wie alt ist sie?“ fragte Rankenpfote. Die sonst sehr aufgeweckte Schülerin wirkte fast schüchtern, wie sie sich so an ihre Mentorin Rubinherz schmiegte. Der Heiler legte den Kopf schräg und überlegte. „Sie ist jung, keine Frage. Ich schätze sie auf circa … elf Monde.“ „Nur elf Monde?“ stotterte Silberteich erschrocken. „Dann ist sie ja nur so alt wie eine Schülerin.“ Tigerstreif betrachtete Biest voll Sorge und stupste sie sacht an, doch die Kätzin zuckte nicht einmal. Sie war Ohnmächtig gewesen, als sie sie ins Lager getragen hatten, doch jetzt hatte sie die Augen geöffnet und starrte ins leere. Der Unterschied zu vorher war nicht sehr groß. Sie sprach nicht, sie Bewegte sich nicht, sie zuckte nicht einmal. Sie hatte auch die Kräuter nicht gefressen, die Mauernherz ihr geben wollte. Noch einmal wagte Tigerstreif einen halbherzigen Versuch. „Biest? Ich bin`s, Tigerstreif. Erinnerst du dich? Ich habe dich gefunden und -“ „Das hat doch keinen Sinn.“ murrte Pfefferstern. „Sie hat nichts gesagt und sie wird auch nichts sagen.“ Tigerstreif warf der Anführerin einen verärgerten Blick zu, hielt sich aber zurück. Entmutigt begann er das Moos zwischen seinen Pfoten hin und her zu rollen, bis es einen kleinen Ball bildete. „Was machst du da?“ fragte Leopardensturm entnervt und schlug gegen seine Pfoten, sodass der Moosball davon kullerte. Da sah Biest auf. Ihre grünen Augen folgten dem Ball und als sie schließlich streckte, um ihn zu erreichen, hielten alle im Bau die Luft an. Doch die Katzen beachtete sie gar nicht. Sie zog den Ball an sich und ringelte sich um ihn ein. Noch bevor auch nur einer seine Verwunderung ausdrücken konnte, war sie schon friedlich eingeschlafen.

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    BIEST

    Als sie die Augen am nächsten Morgen wieder öffnete, waren die vielen Katzen verschwunden. Endlich. Sie hatte ihre Blicke kaum ertragen können. Und das ständige Gerede. Es hatte in ihren Ohren geschmerzt. Ihr Körper fühlte sich merkwürdig taub an, so, als hätte sie Jahrzehnte verschlafen und ihre Augenlider waren schwer und verklebt. Der Kater, der sie gefunden hatte, war immer noch da. Sie hatte seinen Namen vergessen. Viel zu lang und merkwürdig. Aber er hatte ein gutes Herz, das konnte sie sehen, sobald er sie ansah. Nichts an ihm schien wirklich böse zu sein. Sie wollte ihm dennoch nicht vertrauen. Sie wusste nicht, ob sie je wieder einer Katze vertrauen könnte, nach dem, was geschehen war. Der Kater kam auf sie zu und legte sich neben sie, damit er ihr in die Augen gucken konnte. Sie zuckte kaum merklich zurück. „Bist du endlich aufgewacht. Wie geht es dir?“ Sie antwortete nicht, sondern starrte einfach durch ihn hindurch ins leere. Sie hatte Bauchschmerzen. Jetzt, wo sie den Schmerz bemerkt hatte, konnte sie ihn auch nicht mehr ignorieren. Sie stöhnte leise und rollte sich noch etwas mehr zusammen, doch es nützte nichts. Der Kater stupste sie an. Er hatte es sicher gut gemeint, aber die Berührung tat so sehr weh, das es ihr kurzzeitig den Atem raubte. Sie ließ sich nichts anmerken. „Hast du Hunger? Hier, habe ich dir selbst gefangen.“ Er schob ihr ein kleines Bündel vor die Nase. Es roch wunderbar. Köstlich. Ihr Magen rumpelte laut. Doch sie konnte es einfach nicht essen. Nicht solange ihr jemand dabei zusah. Also schloss sie die Augen und versuchte durch den Mund zu atmen, damit sie die verführerischen Düfte nicht mehr riechen musste. Der Kater seufzte ergeben und redete weiter auf sie ein, aber sie hörte ihm längst nicht mehr zu. Sie spürte den Moosball an ihrem Bauch. Aus irgendeinem Grund tröstete es sie, den kleinen Ball bei sich zu haben. Als sie wieder einschlief, träumte die zum ersten mal seit langem.

    Sie war ein Junges. Neben ihr schliefen ihre Geschwister, mit ebenso rotem Fell wie sie. Und ihre Mutter war da und leckte ihr über den Kopf. Die Luft roch nach der Angst vieler Katzen und es war ganz dunkel und stickig. Irgendwo schluchzte sogar jemand vor sich hin. „Wieso weint die Katze, Mama?“ hörte sie sich selbst mit hoher Stimme sagen. „Es ist eben eine schwere Zeit. Für uns alle. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen, meine Kleine. Ich bin ja da.“ Sie lächelte und drückte sich in das herrlich weiche Fell ihrer Mutter.


    WASSERCLAN

    Honiglicht hatte das Tier gesucht, am ganzen Strand bis hinunter zu dem Ort, an dem die Zweibeiner lebten. Doch natürlich hatte sie keinen Erfolg gehabt. Inzwischen zweifelte sie sogar an ihrem eigenen Geisteszustand. Vielleicht hatten Traumblick und Kirschblüte ja recht und sie hatte sich das alles nur eingebildet. Traurig sah sie über das Meer, das endlos und schwarz vor ihr lag. Es war faszinierend und zugleich furchteinflößend. Sie lächelte, als sie an Mondjunges dachte, Tannensterns kleine Tochter. Sie war am Tag zuvor weggelaufen, um das Meer zu sehen, von dem in der Kinderstube so oft gesprochen wurde. Und obwohl sie sich drei ordentliche Splitter zugezogen hatte, war sie absolut begeistert gewesen. Seit dem hörte Eichhornjunges wohl von früh bis spät ihre Schwärmerei. Erschrocken zuckte Honiglicht zusammen, als jemand an ihre Seite trat. Es war Flammenrauch, der sie breit anlächelte. „Schön kalt heute, nicht wahr?“ Honiglicht plusterte ihr Fell ein wenig auf, gegen den in der Tat ziemlich eisigen Wind. „Ein paar Grad wärmer wären mit lieber, ehrlich gesagt.“ Der Kater gluckste leise. „Ich finde es so perfekt. Es gibt doch nichts über einem ordentlichen Winter. Da kriegt man endlich mal den Kopf ein bisschen frei.“ Honiglicht konnte diese Abneigung gegen wärme aller Art jedenfalls nicht teilen. Sie träumte bereits vom Sommer, Schmetterlingen und einem gut gefüllten Frischbeutehaufen. „Hat Tannenstern schon gesagt, wann wir weiterziehen?“ fragte sie missmutig. Sie mochte dieses Zigeunerleben nicht, aber dieser Ort war wirklich kein gutes Territorium. Sie hatte schon seit Tagen keine richtige Beute mehr gefunden und der Fisch hier schmeckte scharf nach Chemikalien. Flammenrauch nickte und sah mit einem Schlag nicht mehr ganz so glücklich aus. „Wir ziehen weiter Richtung Westen, immer am Meer entlang. Tannenstern hofft, dass wir am Wasser mehr Beute als auf dem Festland finden.“ Honiglicht seufzte. „Vielleicht finden wir wenigstens einen Strand, der nicht völlig zugemüllt ist.“

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    SONNENCLAN

    In jener Nacht träumte Schwarzstern, das ein riesiger Habicht seine Kreise über sie zog. Eine panische Angst erfasste sie, doch so schnell sie auch rannte, sie konnte nicht fliehen. Der Habicht setzte zum Sturzflug an, das rauschen füllte ihren Kopf. Irgendwo im Hintergrund hörte sie einen verzweifelten Schrei, doch er klang so entfernt, als hätte die Zeit ihn ausgewaschen. Wie in Zeitlupe kam der Greifvogel immer näher, seine Augen glänzten kalt und Gefühlslos. Doch als seine Krallen Schwarzsterns Fell berührten, zerfiel er in tausende Bruchstücke. Statt dem erwarteten Schmerz segelte eine Feder vor Schwarzsterns Pfoten. Das Rauschen war verschwunden, dafür füllte nun ein Schluchzen die Stille, kaum mehr als ein ausgeblichenes Echo.
    Entsetzt riss Schwarzstern die Augen auf – und blickte direkt in die von Hasenjunges. Die kleine Kätzin musterte sie abschätzend und bemerkte dann zufrieden: „Blitzjunges kann also doch nicht wegschleichen, ohne das du aufwachst.“ Im Schatten, nahe am Ausgang der Kinderstube zuckte ein Schemen merklich zusammen. „Mäusedreck!“ Schwarzstern dankte im Stillen den Sternenclan, dass sie genau rechtzeitig aufgewacht war und warf Blitzjunges einen strengen Blick zu. „Du kommst jetzt Augenblicklich zurück, junge Dame. Durch dein Getrampel weckst du noch den ganzen Clan. Nachts wird geschlafen und solche Ausdrücke will ich hier auch nicht mehr hören. Nimm dir ein Beispiel an Wolfsjunges.“ Wolfsjunges, der die ganze Zeit über äußerst auffällig so getan hatte, als würde er fest schlafen, warf seiner Schwester einen triumphierenden Blick zu. Blitzjunges maulte leise und trottete mit hängendem Kopf zurück ins Nest. Hasenjunges stürzte sich quietschend auf sie. „Siehst du? Du kannst kein bisschen so gut schleichen wie ich. Ich hab´s nämlich geschafft.“ Schwarzstern sah erschrocken auf. „Du hast WAS geschafft.“ Hasenjunges plusterte sich stolz auf. „Ich bin raus geschlichen, ohne das du aufgewacht bist. Und ich hab sogar Beute gefangen.“ Sie zeigte mit glänzenden Augen auf eine Motto. Ein wirklich bedauernswertes Geschöpf mit zerrissenen Flügeln und von wahrlich jämmerlicher Größe, über das nachlässig Sand gescharrt worden war. Die Anführerin wandte schnell den Kopf ab, damit die Kleine ihr breites Grinsen nicht sah. Schließlich war das eine ernste Sache. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was hätte passieren können, wenn Hasenjunges noch weiter weggelaufen wäre. Als sich ihrer Tochter wieder zu wandte war ihr Gesicht ernst, doch ihre Augen funkelten noch immer amüsiert. „Hasenjunges, du machst das nie, nie wieder. Sollte ich dich doch dabei erwischen, werde ich höchstpersönlich anordnen, dass du als Schülerin nur nach Zecken suchen darfst. Der Schock in der Miene des Jungen grenzte an Übertreibung und brachte die Anführerin erneut zum Lächeln. Eigentlich konnte sie ihre Töchter ja gut verstehen. Sie war ja selbst nicht anders gewesen, damals. Aber jetzt verstand sie auch, warum ihre eigene Mutter nicht mehr ruhig schlafen konnte.

    BLACKOUT

    Blackout war aus der stinkenden Stadt geflohen, bevor sie ihn verschlingen konnte, wie sie es mit Buddy getan hatte. Die Abgase, der Lärm, das verstreute Gift und das saure Wasser aus den Pfützen, all das hatte seinen Freund krank gemacht und zu Grunde gerichtet. Jetzt wollte er nie mehr dorthin zurück. Er hatte keine Ahnung wohin er gehen sollte. Kurzzeitig hatte er überlegt als Hauskätzchen auf einer der Farmen zu leben, diesen Gedanken dann aber ebenso schnell wieder verworfen. Jetzt lagen die endlosen Wiesen vor ihm wie ein Meer aus vertrockneten Grashalmen. Es sah nicht sonderlich einladend aus. Aber vielleicht … Er zuckte zusammen, als ihm ein Duft in die Nase stieg. Der Wind hatte umgeschlagen und trieb den Geruch als Brise mit sich. Er schnupperte. Er konnte ihn einfach nicht einordnen und dennoch kam er ihm so vertraut vor. Herb und würzig wie ein Sommerwald mit einer weichen Note, wie frischer Tau an einem Grashalm. Blackout schüttelte verwundert den Kopf. Sein Ohr begann zu zucken, als noch einmal witterte, doch diesmal roch er nichts als kalten Wind. Trotzdem der Geruch war unleugbar da gewesen. Er spürte, wie eine alte Narbe an seinem Bauch zu brennen begann. Er wusste nicht, wer oder was da auf ihn wartete, doch irgendetwas in ihm hatte sich bewegt, dem Geruch entgegengestreckt. Und bevor sein Kopf es verstanden hatten, beschlossen seine Pfoten diesem Trieb zu folgen. Mit jedem Schritt wurde der schwarze Kater schneller, bis er schließlich in großen Sätzen über das Land fegte. Den Habicht, der am Himmel seine Kreise zog, beobachtete ihn aus der Ferne.

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    ABENDCLAN

    „Felsenpfote, Felsenpfote, du weißt ja nicht ...“ Kriegerpfote verstummte, als er seinen Bruder Dunkelpfote neben seiner Freundin bemerkte. „Stör ich?“ fragte er stattdessen spitz und durchbohrte den kleinen, schwarzen Kater mit einem bösen Blick. Felsenpfote seufzte resigniert. „Nein, tust du nicht. Und jetzt hör mit diesem Blödsinn auf und erzähl lieber, was eigentlich los ist.“ Das ließ sich Kriegerpfote nicht zweimal sagen. „Froststern ist wieder zurück. Sie sieht ziemlich fertig aus und hat erstmal eine Weile mit Streifenfell gesprochen. Es gehen Gerüchte um, dass sie einen neuen zweiten Anführer ernennen wird.“ Felsenpfotes sah mitleidig zum Anführerbau hinüber, aber Froststern konnte sie nicht entdecken. Dafür erspähte sie Miles, der sich inzwischen recht gut eingelebt hatte. Sogar der misstrauische Splitterwind plauderte mit dem hellbraunen Kater, wie mit einem guten Freund. „Ich kann gar nicht glauben, dass Schwingensturm einfach abgehauen ist.“ murmelte Dunkelpfote leise. Kriegerpfote nickte bestätigend. „Obwohl ich ihn sogar ein bisschen verstehen kann. Ich meine, sein eigener Bruder ist gestorben. Die beiden standen sich wohl sehr nah und ...“ Seine Worte wurden von Froststerns lauten Ruf unterbrochen. „Alle Katzen, die alt genug sind um Beute zu fangen, Bitte ich, sich am großen Felsen zu versammeln.“ Die wenigen Krieger waren schnell versammelt und auch die drei Schüler hatten sich jetzt vor dem Felsen, auf dem die weiß-rote Kätzin stand eingefunden. Aus der notdürftigen Kinderstube konnte man Polarlichts verzweifelte versuche hören, ihren Jungen klar zu machen, dass sie noch NICHT alt genug waren um Beute zu fangen. „Katzen des Abendclans.“ begann Froststern mit müder Stimme. „Es gibt etwas trauriges zu Berichten. Schwingensturm hat den Clan verlassen und es nicht abzusehen, ob er je wider kommen wird.“ Sie schluckte und ihre Trauer wog schwer in der Luft. „Darum bin ich entschlossen einen neuen zweiten Anführer zu ernennen. Nebelhauch, du bist eine starke Kätzin, die im Leben viel einstecken musste und trotzdem immer standhaft geblieben ist. Ich bin mir Sicher das du deinem Clan loyal sein wirst. Darum erkläre ich dich vor dem Sternenclan zur neuen zweiten Anführerin des Abendclans.“ Kriegerpfote warf Felsenpfote einen bedeutungsvollen Blick zu, aber sie ignorierte ihn. Sie war Stolz auf seine Ziehmutter. „Nebelhauch, Nebelhauch, Nebelhauch.“ riefen die Katzen und Efeuschatten sprang auf, um ihre Nase an die der grauen Kätzin zu drücken. „Das ist aber noch nicht alles.“ fuhr Froststern mit sanfter Stimme fort. „Wie ich hörte, hat sich Miles als treuer Freund und Zuhörer erwiesen. Darum bin ich gewillt ihn heute offiziell in den Clan aufzunehmen. Miles, tritt bitte vor.“ Der hellbraune Kater strahlte auf, wie ein Schüler und gehorchte der Anführerin, indem er einen ganzen Schritt nach vorne trat. Froststern sprang von dem Felsen hinab und stellte sich vor ihm auf. „Miles, versprichst du, das Gesetz der Krieger zu achten, den Clan zu schützen und ihn zu verteidigen, selbst wenn es dein Leben kostet?“ Miles nickte feierlich und sah Froststern ehrlich in die Augen. „Ja, das verspreche ich.“ Die Anführerin lächelte leicht. „Dann gebe ich hiermit deinen Kriegernamen. Von diesen Augenblick an wirst du Steinkralle heißen. Der Abendclan heißt dich als vollwertiges Mitglied willkommen. „Steinkralle, Steinkralle, Steinkralle.“ brüllte Splitterwind und die anderen Katzen fielen in die Rufe mit ein

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    WASSERCLAN „Traumblick? Traumblick, bist du das?“ Die schwarze Kätzin fluchte stumm. Was machte Honiglicht denn hier? „Du solltest in deinem Ne

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    „Traumblick? Traumblick, bist du das?“ Die schwarze Kätzin fluchte stumm. Was machte Honiglicht denn hier? „Du solltest in deinem Nest sein.“ fauchte Traumblick wütend. Die golden gesprenkelte Kätzin blieb bei dem eisigen Klag ihrer Stimme erschrocken stehen. Verwirrt sah sie zu ihrer Freundin hinüber, doch nun traute sie sich nicht mehr, ihr näher zu kommen. „Du aber auch.“ flüsterte sie. Die schwarze Katze sprang von dem Felsen, der im flachen Meereswasser lag zurück an den Strand. Jetzt stand sie direkt vor Honiglicht. Wut brodelte in ihrem Bauch und der Drang einfach zuzuschlagen war unwiderstehlich. Honiglicht sah überrascht den Hass in Traumblicks Augen und wich geduckt zurück. „Was ist los mit dir?“ fragte sie mit zittriger Stimme. Traumblick betrachtete sie wie ein Beutetier. Frisches Blut tropfte von ihrer Schulter in den Sand. Umsonst. Es reichte nicht mehr. Irgendwo glaubte sie ihre gute Seite vor Angst heulen zu hören. Egal. Jetzt gab es nur noch sie und diese Wut in ihren Adern. Unbeschreiblich kalte Wut, wie eine frostige Blume in ihrem Herzen. „Ich wollte das Meer sehen.“ antwortete sie, doch ihre Stimme klang lauernd und ironisch. „Traumblick … du … du machst mir Angst!“ stammelte Honiglicht nun verzweifelt. Wie jämmerlich. Traumblick ging noch einen Schritt auf sie zu, sodass sie nun Auge in Auge standen. „Du hättest einfach nicht hier sein dürfen.“ murmelte sie leise, dann zog sie ihre Krallen einmal quer durch Honiglichts Gesicht, bevor die Kätzin auch nur reagieren konnte. Das würde eine hässliche Narbe geben. Zu allem Überfluss schien auch das rechte Auge der Kätzin verletzt zu sein. Im nächsten Augenblick war Traumblick über ihr und drückte sie in den kalten Sand. Eine schwarze Welle tränkte die beiden in eisiges Wasser, doch das mache ihr nichts aus. Sie blickte starr in das gesunde Auge ihrer Freundin. Benommen blickte diese zurück. „Wa ….?“ „Halt den Mund!“ zischte Traumblick drohend und legte Honiglicht die Krallen an die Kehle. „Wenn du auch nur einer Katze erzählst, was heute geschehen ist, bringe ich dich um. Und nicht nur dich, sondern auch Finsterherz und Lichtwirbel. Willst du das riskieren?“ Die honigfarbende Kätzin schüttelte entsetzt den Kopf und schluchzte auf. „Ich werde es niemanden erzählen.“ wimmerte sie und sah mit einer Mischung aus Unglauben und Angst zu Traumblick auf. Diese lockerte ihren Griff, ließ die Kätzin aufspringen und beobachtete sie, bis sie hinter den Dünen verschwunden war. Sie würde kein Wort sagen, da war sich Traumblick sehr sicher. Nicht wenn Finsterherz Leben auf dem Spiel stand.

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    REGENCLAN Leopardensturm hechtete durch den Wald, mit einem Tempo, dass jeden Hasen für Neid erblassen ließ. Sie selbst jedoch war weniger berauscht
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    Leopardensturm hechtete durch den Wald, mit einem Tempo, dass jeden Hasen für Neid erblassen ließ. Sie selbst jedoch war weniger berauscht von der Geschwindigkeit, mit der sie sich in die nächste Kurve stürzte. Sie kannte die Strecke in und auswendig und brauchte kaum darauf zu achten wohin sie ihre Pfoten setzte. Stattdessen dachte sie an die Hütte, die sie im Nadelwald gefunden hatten. Ein schaurige, kleine Baracke, in der die Luft nach Verwesung und Gefangenschaft stank. Wie nur hatte die fremde Kätzin dort so lange überleben können. Und wer oder was hatte ihr diese grauenhaften Verletzungen zugefügt. Zweibeiner? Wohl kaum, es sei denn, Zweibeiner hätten neuerdings Krallen. Nein, es musste eine Katze gewesen zu sein. Aber wie Böse musste eine Katze denn sein, um so etwas scheußliches zu tun … Ein Kinderstubenmärchen fiel ihr ein und trieb ihr einen eisigen Schauer über den Rücken. „Es war nur eine Geschichte.“ flüsterte sie leise zu sich selbst, aber irgendwie überzeugten sie ihre Worte nicht wirklich. Aber selbst wenn das Märchen nicht wahr wäre, musste doch eine äußerst gefährliche Katze ihr Unwesen treiben und das ganz in der Nähe des Lagers! Wenn Biest doch nur reden würde, dachte Leopardensturm frustriert, während sie mit gewohnter Leichtigkeit über eine hohe Wurzel sprang. Doch die rote Kätzin sagte nichts und langsam zweifelte sie, ob sie überhaupt reden konnte. Leopardensturm nährte sich der Ziellinie und setzte ihre gesamte Kraft in einen Endspurt. Dann trudelte sie langsam aus und blieb schließlich keuchend stehen. Erst jetzt wurde ihr bewusst, wie sehr ihre Beine zitterten. Tigerstreif kam ihr entgegen und grinste breit. „Du wirst immer besser, Schwesterchen.“ Sie setzte sich seufzend und wartete, bis ihr Atem ruhiger ging, ehe sie antwortete. „Tja, dir könnte ein bisschen Training auch nicht Schaden, Brüderchen. Nur weil wir jetzt Krieger sind, heißt das nicht, dass wir Faulenzen dürfen.“ „Diese Einstellung lobe ich mir.“ brummte Tigerstreif belustigt und setzte sich neben sie. „Ich fange gleich Morgen an.“ Leopardensturm seufzte. Gleich Morgen. Das hatte er gestern schon gesagt.

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    SONNENCLAN

    „Okay, pass jetzt gut auf.“ flüsterte Schwarzstern Glanzherz verschwörerisch zu. Dann setzte sie sich auf und räusperte sich. „PECHHERZ!“ rief sie mit singender Stimme nach draußen, während ihre Augen vergnügt funkelten. Ihr Gefährte war bereits einen halben Herzschlag später zur Stelle, außer Atem und mit besorgter Miene. „Ist alles in Ordnung? Soll ich vielleicht ...“ Schwarzstern schnippte abwehrend mit dem Schweif. „Nein, nein, mach dir keine Sorgen. Aber ich habe trotzdem eine bitte an dich. Ich würde im Clan gerne nach dem Rechten sehen, aber ich kann die Jungen unmöglich alleine hierlassen. Also könntest du bitte solange auf die drei aufpassen?“ Pechherz warf einen prüfenden Blick auf die Jungen die scheinbar selig schliefen und sah dann fragend zu Glanzherz, doch die schüttelte entschieden den Kopf. „Ich hab genug mich Lichtjunges und Finsterjunges zu tun.“ erklärte sie und zuckte bedauernd mit den Schultern. Der schwarze Kater seufzte ergeben. „Gut, mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Aber bitte … beeile dich!“ murmelte Pechherz flehentlich. Er hatte schon einmal auf seine Kinder aufpassen müssen. Und das hatte damit geendet, dass sich Hasenjunges in einer Ranke verfing, Blitzjunges Moorschweifs Kräutervorrat durcheinander brachte und Wolfsjunges am späten Abend schlafend in Hauchschattens Nest im Kriegerbau gefunden wurde. Schwarzstern lächelte. „Aber natürlich. Bin gleich zurück.“ Leichtfüßig stand sie auf und stolzierte aus dem Bau, allerdings nicht, ohne Glanzherz noch einmal zuzuzwinkern. Einen Moment lang herrschte völlige Ruhe, dann schlug Blitzjunges die Augen auf. „Ist sie weg?“ „Ich glaube ja.“ Kam die Antwort von Wolfsjunges, der misstrauisch zum Ausgang spähte. Und dann ging alles ganz schnell. „ICH WERDE EINEN ADLER FANGEN!“ brüllte Hasenjunges und stürmte nach draußen, während Blitzjunges jäh auf die Pfoten sprang, um ihr zu folgen. „Was? Äh … warte, ihr dürft nicht raus ...“ Pechherz versuchte verzweifelt wenigstens Wolfsjunges am Ausbruch zu hindern, doch der kleine Kater schlängelte sich geschickt zwischen seine Beine hindurch und war im nächsten Augenblick verschwunden. „Mäusedreck!“ fluchte Pechherz und jagte seinen Jungen nach. Glanzherz schnurrte in sich hinein. Nicht einmal ihr war klar, wie es Schwarzstern gelang, die drei im Zaum zu halten.

    ABENDCLAN

    „STREIFENFELL, STREIFENFELL. EFEUSCHATTEN BEKOMMT IHRE JUNGEN!“ Panisch brüllend stürmte Splitterwind auf den Heilerbau zu, wobei er einmal fast über seine eigenen Pfoten gestolpert wäre. Streifenfell dagegen sah völlig gelassen aus, wie er so aus dem Bau trat, sich noch einmal streckte und dann in aller Ruhe auf die hoffnungslos überfüllte Kinderstube zulief. Ohne Eile drängte er sich an Taujunges und Herbstjunges vorbei und gesellte sich zu der jungen Kätzin, die eben die Qualen einer werdenden Mutter durchlebte. „Ich habe keine Kräuter gegen die Schmerzen finden können.“ murmelte er geistesabwesend. Splitterwind warf ihm einen entsprechend entsetzten Blick zu. „Wie, du kannst doch nicht einfach -“ „Still jetzt.“ motzte der Heiler unwirsch und begann mit geschickten Pfoten Efeuschattens geschwollenen Bauch zu massieren. Schwalbenjunges hatte sich still neben ihn gesetzt und beobachtete jede seiner Bewegungen ganz genau. Efeuschatten stöhnte schmerzerfüllt, doch dann hatte sie es auch schon überstanden. Eine einfache und schnelle Geburt ohne Komplikationen. Streifenfell atmete erleichtert auf und begann sanft das Fell eines dunkelgrauen Katers trocken zu lecken. Efeuschatten widmete sich währenddessen liebevoll dem anderen Kater, ebenfalls mit kräftigem, dunkelgrauem Pelz. „Das war ja … gar nicht so schlimm.“ sagte Splitterwind überrascht. Er hatte noch Polarlichts schreie in Erinnerung und konnte kaum glauben, dass es das gewesen sein sollte. „Sieh sie dir an.“ maunzte Efeuschatten glücklich, als sich die beiden Brüder schließlich an ihren Bauch kuschelten. Splitterwind lächelte schief. Er wollte nicht zugeben, dass er die beiden kaum unterscheiden konnte. „Sturmjunges und Wildjunges.“ sagte seine Gefährtin entschieden und mit vor Glück glänzenden Augen. „Das sind gute Namen.“ murmelte Splitterwind leise und legte sie neben sie, um sich mit ihr die Zunge zu geben.
    Froststern, die alles aus einer sicheren Entfernung beobachtet hatte, seufzte. Sie freute sich ungemein über den Nachwuchs, aber dadurch entstand durchaus ein anderes Problem. Die Kinderstube war zu voll und sie hatte nicht genug Krieger, um Lees Junge endlich zu Schülern zu ernennen. Es sei denn Lee selbst würde sich eines ihrer Jungen annehmen. Aber was sollte sie tun? Ihrem Clan fehlten einfach ältere Katzen. Mit Gemischten Gefühlen sprang sie auf einem großen Findling, der die Mitte des Lagers markierte und Jaulte laut, um die Katzen zusammenzurufen. Wieder einmal wurde ihr schmerzlich bewusst, dass kein Kota an ihrer Seite saß und ihr mit seinem Blick Mut spendete. Sie fühlte sich einsam. Und betrogen. „Katzen des Abendclans, ich habe eine gute Nachricht für euch. Gerade eben hat Efeuschatten ihre Jungen bekommen. Ich heiße Wildjunges und Sturmjunges im Clan Willkommen.“ Nebelhauch jubelte laut und Dunkelpfote schloss sich ihr an. Seit seine Mentorin in die Kinderstube gezogen war, trainierte er mit Splitterwind, aber er schien auch mit dem Kater als Mentor glücklich zu sein. „Es gibt noch einen Grund fröhlich zu sein. Drei Jungen sind alt genug, um Schüler zu werden. Schwalbenjunges, Taujunges und Herbstjunges, tretet vor.“ Lee warf ihrer Anführerin einen verwirrten Blick zu, doch dann breitete sich ein Lächeln über ihr Gesicht aus. Hastig bemühte sie sich vergeblich Herbstjunges wild abstehendes Fell zu besänftigen, doch der Kater war viel zu Aufgeregt um stillzuhalten. Zusammen mit seinen Schwestern stellte er sich Froststern gegenüber. „Ich bitte den Sternenclan auf diese Jungen herabzusehen. Sie sind sechs Monde alt und werden nun ihr Leben als Schüler antreten, bis sie sich ihren Kriegernamen verdienen. Herbstjunges, von nun an heißt du Herbstpfote. Steinkralle, du bist neu im Clan und doch glaube ich, dass du Herbstpfote ein würdiger Mentor sein wirst.“ Der braune Kater strahlte mindestens so sehr wie sein roter Schüler, als sie sich Nase an Nase begrüßten. „Taujunges, dich wird man Taupfote nennen. Lee wird deine Mentorin sein.“ Froststern wechselte einen eingehenden Blick mit der blaugrauen Kätzin und diese Nickte entschieden. Sie würde alles tun, um aus Taupfote keine verwöhnte, sondern eine starke Kriegerin zu machen. „Nun Schwalbenjunges. Du bekommst den Namen Schwalbenpfote. Bist du genug gelernt hast, um eine Heilerin zu werden, wird dein Mentor wird Streifenfell sein.“ Schwalbenpfote lächelte Froststern schüchtern und dankbar zu und begrüßte dann ihren neuen Mentor. Sternenclan, dachte Froststern, während sie ihre Katzen mit warmen Blick beobachtete, irgendwie schaffen wir das schon. Und Takka, Bitte beeile dich ...

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    WASSERCLAN Flockenpfote stürmte über den Strand, alles wären der Wald der Finsternis persönlich hinter ihm her. Jeder Atemzug schien ihm die Lunge
    WASSERCLAN

    Flockenpfote stürmte über den Strand, alles wären der Wald der Finsternis persönlich hinter ihm her. Jeder Atemzug schien ihm die Lunge zu zerreißen und seine Pfoten bluteten aus vielen Wunden. Doch daran konnte er nicht denken. Es war ihm im Moment überhaupt nicht wichtig. Wichtig war die Katze, die von den Wellen gepackt immer weiter den Fluss hinunter trieb. Flockenpfote wusste genau, dass er sie nie einholen würde, wenn er sofort ins Wasser sprang. Er musste sie irgendwie überholen und sie dann auf sich zu treiben lassen, anders ging es nicht. Wenn diese Strömung nur nicht so stark wäre, so schnell. Flockenpfotes sprang viel mehr, als dass er rannte, schneller, schneller. Er befand sich auf einer Mauer, die zwei verschiedene Gewässer voneinander teilte: Auf der einen Seite das heute ruhige, silberne Meer und auf der anderen der reißende, von Zweibeinern angelegte, Kanal. Der weiße Kater war nun auf derselben Höhe wie die Kätzin, die ihren Kopf nur noch Mühsam über Wasser hielt. Ein Strudel riss sie im Kreis herum, wie ein übermütiger Tänzer und zog sie unter die Oberfläche. Das war der Moment, in dem Flockenpfote sprang. Er stieß sich ab von der harten Steinmauer und er war sich vollkommen bewusst, dass er gerade möglicher Weise auch sein Leben hinter sich ließ. Das Wasser empfing ihn mit offenen Armen, zog ihn nach unten und zerrte an seinem Fell, wirbelte ihn herum und liebkoste ihn wie eine Mutter ihr Junges. Er liebte das Wasser und das Wasser liebte ihn. Mit wenigen Schwimmschlägen fand er die Oberfläche wieder, sog tief sie salzige Luft ein und hielt nach ihr Ausschau. Angst erfasste ihn, als er ihren Kopf nicht entdecken konnte. Das Wasser trug ihn schneller, als er je würde laufen können, vielleicht war er doch zu spät. Und dann sah er sie. Ihr Kopf durchbrach die Oberfläche und sie rang panisch nach Atem, bevor eine Welle über ihr zusammenschlug. Für sie war das Wasser ein Feind und sie ein winziger Spielball in den Fluten. Flockenpfote tauchte, nutzte jede Strömung zu seinen Gunsten und bewegte sich so zielsicher wie es eine Katze sonst nur an Land vermochte. Sie hing im Wasser, als wäre sie schwerelos. Es war ein Atemberaubendes Bild. Ein Sog zerrte sie in die tiefe, ein andere hinauf zur Oberfläche, dadurch schien sie still zu stehen. Ihre Augen waren geschlossen, als würde sie schlafen und ihr Fell umgab sie wie flüssiges Silber. Einen Herzschlag hielt Flockenpfote inne, sog diesen Anblick in sich auf, dann packte er sie und trug sie hinauf zum Leben

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    BIEST Dunkelheit umfing sie und breitete nachtschwarze Schwingen aus. Sie hatte Angst. Die größte Angst seit langem. Und zum ersten mal in ihrem Leb
    BIEST

    Dunkelheit umfing sie und breitete nachtschwarze Schwingen aus. Sie hatte Angst. Die größte Angst seit langem. Und zum ersten mal in ihrem Leben sehnte sie sich nach der Anwesenheit einer anderen Katze. Der dunkel getigerte Kater mit den freundlichen Augen, wo war er nur? Es war viel zu still in ihren Ohren. Neben ihr ragten Wände auf, die sich über ihrem Kopf zu einer Decke zusammenschlossen. Hatte sie geträumt? Würde jetzt alles von vorn beginnen? Sie fiepte leise, wie ein verlassenes Junges. Hab keine Angst, alles wird gut werden, Morgenjunges. Die Worte hallten wie ein fernes Echo in ihrem Kopf wieder. Da war eine sanfte, tröstende Stimme und eine Zunge, die über ihren Kopf strich. Ich liebe dich so sehr, meine Kleine. Niemals werde ich dich wieder verlassen. „Mama?“ Ihre eigene Stimme klang rau und kratzig und brannte in ihrem Hals, sodass sie Husten musste. Und dann viel ihr etwas auf. Etwas, was sie bisher nicht weiter beachtet hatte. Der Name. Diese Katze hatte sie Morgenjunges genannt. Morgenjunges. Der Name klang fremd und dennoch glaubte sie, etwas damit zu verbinden. Sie rollte den Ball zwischen ihren Pfoten und merkte, wie es ihr besser ging. Ihr Blick wurde langsam schärfer, gewöhnte sich an die Dunkelheit. Ich bin Morgenjunges, dachte sie. Und stand auf. Ganz einfach, als würde sie es ständig tun. Ihre Beine zitterten, als sie den ersten Schritt wagte, aber sie ließ sich nicht beirren. Sie wollte nie wieder eingesperrt sein. Fünf Schritte ging sie, dann stand sie im Freien. Es war sehr kalt, aber hoch am Himmel lag das Silberverlies so klar und wunderschön, dass es ihr Tränen in die Augen trieb. Weiter, dachte sie. Ich möchte es dem Kater mit den freundlichen Augen sagen. Ihm sagen, dass ich Morgenjunges heiße. So stolperte sie immer weiter auf die Baue zu, als ihr ein anderer Geruch auffiel. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Eine Katze. Eine Katze mit schwarzem Fell und blauen Augen. Sie … Sie hat mit mir gespielt. Die vernarbte Kätzin setzte sich wieder in Bewegung, folgte nun einfach der Duftspur, bis sie sich im Kriegerbau wiederfand. Direkt vor Nachtfells Nest.

    REGENCLAN

    Nachtfell wurde unsanft aus dem Schlaf gerissen, als sie eine Pfote direkt in die Magengrube trat. Einen Herzschlag später stand sie mit gesträubtem Fell auf den Beinen – doch ihr Kriegsschrei blieb ihr im Hals stecken, als sie die Fremde kleine Katze bemerkte, die erschrocken zurückwich. „Biest! Wie kannst du mich so erschrecken?“ Schimpfte die Kriegerin gespielt streng, doch als sie den Schuldbewussten Blick der Kätzin auffing, lächelte sie sanft. „Ist schon in Ordnung. Was bedrückt dich denn?“ Nachtfell, die eigentlich überhaupt nicht mit einer Antwort gerechnet hatte, war umso verwirrter, als die Fremde tatsächlich antwortete. „Morgenjunges.“ Ihr Hals muss ihr wehtun. Das war das erste, was sie dachte. Das zweite war: WAS HAT SIE DA GERADE GESAGT? „Was?“ ungläubig trat Nachtfell näher. „Morgenjunges.“ wiederholte die Kleine, diesmal etwas lauter. Inzwischen waren auch die anderen Krieger wach. Tigerstreif starrte seinen Schützling verständnislos an, während auch Leopardensturm irritiert den Kopf schüttelte. Aber Silberteich klappte die Kinnlade runter. „Morgenjunges? Du … Du bist Morgenjunges?“ flüsterte die zweite Anführerin leise und wechselte einen raschen Blick mit Nachtfell. Einen Moment war es vollkommen still, denn ein Nicken verursacht keinen Laut. Und dann brach Nachtfell zusammen. Schluchzend und wimmernd drückte sie sich an die Fremde, die es völlig versteinert über sich ergehen ließ. „Morgenjunges, Flammengluts verschwundene Tochter! Die süße, kleine Morgenjunges, die uns allen Mut gemacht hat. Was haben sie nur mit dir gemacht? Wie? Wie nur können Katzen so grausam sein?“ Nachtfell schloss die Augen und plötzlich sah sie alles wieder vor sich, als wäre es gestern gewesen. Flammenglut, die wilde, unerschrockene Flammenglut, die immer und jeder Zeit bereit war für ihre Jungen zu sterben. Die listige und gerissene Schwarzsturm, ach nein, Schwarzstern, die Nachts kühne Fluchtpläne ersann und sich mit finsteren Blicken vor unerwünschten Gefährten schützte. Ihre Schwester Schattensturm, die sich Abends an sie kuschelte, sich vor Angst in den Schlaf weinte. Ein versperrter Eingang. Tage ohne Nahrung und Licht, im ungewissen. Katzen, die die Hoffnung aufgaben und stumm auf den Tod warteten. Mondschein, die in der Ecke saß. Feuerschweif, die in ihren Angstträumen den Namen ihres heimlichen Gefährten schrie. Panik. Erschöpfung. Müdigkeit. Schrecken. Geisterkatzen. Und ein Junges mit einem Moosball. Ein Junges, dass einen aus großen, naiven Augen ansah und sagte: „Jetzt wird alles wieder gut.“

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    BLACKOUT Das Flache Land vor ihm begann sanfte Wellen zu schlagen. Er war dem Duft inzwischen sehr nahe gekommen. Bald musste er sein Ziel erreicht ha
    BLACKOUT

    Das Flache Land vor ihm begann sanfte Wellen zu schlagen. Er war dem Duft inzwischen sehr nahe gekommen. Bald musste er sein Ziel erreicht haben. Zugern hätte er gewusst, wem oder was er da eigentlich folgte. Er lief nicht gerne planlos durch die Gegend. Der Himmel war milchig grau und gespickt von fast gelblichen Flecken. Blackout wusste ganz genau, was das bedeutete. Schnee! Die Blattleere hatte auf sich warten lassen, doch nun würde das Land bald unter einer weichen weißen Decke verschwunden sein. Der großem schwarze Kater trottete nur noch vor sich hin und setzte sich schließlich an der höchsten Stelle einer niedrigen Erderhebung. Die Wiese vor ihm sah genauso aus wie hinter ihm. Eine schier endlose Fläche aus Gräsern und Unkraut. Frustrierend. Auch die Beute lief nicht sonderlich gut. Es gab ein paar Feldmäuse und ab und zu sogar einen Hamster, aber auch die würden spätestens bei Schneefall in ihren Winterhöhlen verschwunden sein. Dann würde er nur noch Vögel jagen können. Er hatte schlechte Laune, sein Magen knurrte und er ärgerte sich bereits, dass er so planlos einfach seiner Nase hinterhergerannt war. Er war doch kein dummes Junges mehr! Ich sollte mich einfach umdrehen und diese ganze Aktion vergessen. Wenn ich mich beeile, kann ich noch vor Sonnenuntergang zurück sein. , dachte er grummelig. Das war vermutlich die Klügste Entscheidung. Er würde einfach zurückgehen und … Und dann? In den Zweibeinerort würde er nicht einmal wenn sein Leben auf dem Spiel stünde zurückkehren. Und die Farmen … Mäusedreck, das hatte er doch alles schon einmal durchgekaut! Darum war er doch überhaupt erst los gelaufen. Weil er einfach nirgendwo hingehörte. Weil ich … einfach nirgendwo hingehöre. Der Gedanke tat weh. Aber es stimmte. Ohne Buddy war er aufgeschmissen. „Schwarzstern? Was zum Sternenclan machst du denn hier draußen?“ Blackout wirbelte herum, die Krallen kampfbereit ausgefahren und die Zähne zum Fauchen gebleckt. Adrenalin schoss durch sein Blut und sein Herz sprang ihm fast aus der Brust vor Schreck. Wie hatte er diesen Kater nur übersehen können? „Was willst du?“ zischte er eisig. Der Fremde stockte in seinem Lauf, blieb schließlich stehen und starrte ihn dann so unverwandt an, als hätte er Flügel. „Was?“ Blackout war diese Musterung unangenehm. Außerdem hatte der Kater verschiedenfarbige Augen. Das irritierte ihn. „Du siehst … genauso aus wie Schwarzstern.“ platzte es dann aus seinem Gegenüber heraus. Nun war er endgültig verwirrt. „Ich sehe aus wie wer?“ „Meine … Gefährtin.“ Na toll. Da war er den ganzen Weg gelaufen, nur um zu erfahren, dass er aussah wie eine Kätzin.

    KOTA

    Er stand am Rand einer Klippe. Vor ihm öffnete sich der felsige Boden und gab den Blick auf schwindelerregende Tiefen frei, doch das kümmerte ihn wenig. Er hatte die Augen fest zusammengekniffen und lauschte auf den Wind, der heute fast zärtlich durch sein Fell strich. „Das hättest du nicht tun sollen.“ sagte die unsichtbare Gestalt neben ihm. Tatsächlich konnte Kota Takka nicht sehen, doch er spürte die Gegenwart seines Bruders. „Es ist besser so für sie. Ich … Ich habe sie kaputt gemacht. Das hat sie nicht verdient.“
    „Natürlich leidet sie mit dir. Weil sie dich liebt. Sie braucht dich. Jetzt mehr denn je.“
    „Früher hat sie mich gebraucht, aber jetzt ...“ Kota lachte leise. „Sie ist erwachsen geworden, Takka. Sie ist viel stärker als ich. Sie braucht mich nicht mehr. Sie hasst mich.“
    „Du weißt ganz genau, dass das nicht stimmt. Du versuchst dir das nur einzureden, damit du es leichter hast, sie im Stich zu lassen. Aber so einfach ist die Sache nicht. Sie liebt dich. Sie ist dir hinterhergerannt und seit sie allein ist, hat sie schlimme Albträume. Geh zu ihr zurück.“
    „Ich wollte ihr nie wehtun. Ich beschütze sie nur vor mir selbst.“
    „Du hast ihr viel mehr wehgetan indem du weggelaufen bist, wie ein feiges Junges. Du hast sie mit all der Verantwortung und den Gefahren des Winters allein gelassen.“
    „Ich habe nicht vor, sie allein zu lassen.“ Eine Weile schwieg Takka und dachte über diese Worte nach, dann erfüllte ihn entsetzen.
    „Kota, das darfst du nicht -“
    „Ich kann dich nicht mehr fühlen. Ich weiß nicht mehr wo du bist. Ich hätte auf dich aufpassen müssen, ich bin der ältere, aber selbst dabei habe ich versagt. Und jetzt bin ich allein und da wo du warst ist alles leer und Schwarz. Und in dieser Dunkelheit hab ich mich verlaufen. Ich finde keinen anderen Weg. Ich kann ohne dich nicht Leben. Wir sind zusammen geboren, wir müssen auch zusammen sterben. Ich möchte nur … wieder ganz sein. Im Sternenclan werde ich Frostflügel mehr nutzen als hier. Ich kann sie beschützen ohne ihr wehzutun.“
    „Tu das nicht! Ich bin doch hier! Hier, direkt neben dir! Und Froststern braucht dich an ihrer Seite. Als Gefährten und … als Vater. Sie trägt deine Jungen, Kota.“
    Kota öffnete nicht einmal die Augen. „Ich spüre dich nicht mehr.“ sagte er. Dann trat er einen Schritt nach vorne und fiel.

    Ein panischer Schrei hallte durch das Lager des Abendclans. Froststern schlug die Augen auf. Nur ein Albtraum, dachte sie.

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    WASSERCLAN Honiglicht saß still im Hintergrund, als Tannenstern die junge Kätzin, die Flockenpfote so Heldenhaft gerettet hatte, unter dem Namen See
    WASSERCLAN

    Honiglicht saß still im Hintergrund, als Tannenstern die junge Kätzin, die Flockenpfote so Heldenhaft gerettet hatte, unter dem Namen Seepfote in Clan aufnahm. Die frisch ernannte Schülerin strahlte bis über beide Ohren und setzte sich stolz neben ihren neuen Mentoren Abenddämmerung. Auch der große, orange getigerte Kater sah glücklich aus. Honiglicht wusste, dass er sich schon sehr lange einen Schüler gewünscht hatte. Sie wollte sich für ihn freuen, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie fühlte nur die tiefe Angst die seit den letzten Tagen tief in ihrem Herzen verankert hatte. Vorsichtig wagte die goldene Kätzin einen Blick zur Seite und tatsächlich – ganz aus dem Augenwinkel konnte sie sie sehen. Traumblick hatte seitdem UNFALL nicht mehr mit ihr Gesprochen. Honiglicht sah rasch weg, als sie bemerkte, das ihre ehemalige Freundin ebenfalls zu ihr hinüber sah. Die Narbe, die sich einmal quer durch ihr Gesicht zog, begann schmerzhaft zu Pochen und wieder einmal wurde ihr bewusst, wie stark eingeschränkt ihr Sichtfeld nun war. Lichtwirbel hatte ihr rechtes Auge nicht retten können. Halb blind , dachte Honiglicht bitter. Und das war ganz allein Traumblicks Schuld. Sie fröstelte, als sie an den kalten Blick der schwarzen Kätzin dachte, als sie ihr mit Mord gedroht hatte. Es wäre ihr egal gewesen, wenn sie selbst das Opfer hätte sein sollen, aber mit Finsterherz Leben trieb man keine Späße. Der dunkle Kater war ihr so kostbar, wie nichts anderes in der Welt und genau aus diesem Grund hatte sie Lichtwirbel erzählt, sie wäre gestolpert und direkt in die scharfen Kanten einer Metalltonne gefallen. Ein Unfall eben. Die Heilerin hatte ihr nicht geglaubt und auch ihre anderen Clankameraden schienen ihr die Geschichte nur zögerlich abzukaufen. Aber da sie auch niemand weiter bedrängte, war es in Ordnung. Kirschblüte kam auf sie zu und setzte sich mit einem leisen Seufzer neben sie. „Ist es nicht schön, das unser Clan immer mehr Zuwachs bekommt? Erst Mondjunges und Eichhornjunges und dann Seepfote. Das ist ein gutes Zeichen, nehme ich an.“ Honiglicht ärgerte sich ein wenig darüber, dass sich die dunkelrote Kätzin so verstellte. Denn egal wie fröhlich Kirschblüte auch sprach und egal wie freundlich ihre Worte waren, irgendwo hinter ihrer Stimme schwang immer noch dieselbe, misstrauische Frage mit. Die Frage, die ihr Tannenstern gestellt hatte, als er sie mit blutüberströmten Gesicht gesehen hatte. Welche Katze hat die das angetan.

    REGENCLAN

    „Katzen des Sternenclans.“ jaulte Pfefferstern mit heiserer Stimme. „Ich bitte euch, auf diese junge Katze herabzusehen und euch an sie zu erinnern. Obwohl sie nie eine Schülerin war, ist sie doch tapferer und leidgeprüfter, als so mancher alter Krieger. Sie musste so viele Schmerzen ertragen und doch ist sie immer stark geblieben. Und auch dann noch, als jede andere Katze den Pfad des Todes letzten Ausweg gesehen hätte, hat sie sich für das Leben entschieden. Ich bin stolz darauf ihr heute ihren Kriegernamen geben zu dürfen. Morgenjunges, Tochter der edlen Kriegerin Flammenglut, von diesem Augenblick an wird man dich Morgenherz nennen. Der Regenclan nimmt dich als vollwertiges Mitglied in seinen Reihen auf.“ Jubel brach aus. Nur Morgenherz selbst starrte ausdruckslos ins leere. Tigerstreif, der sich bereits daran Gewöhnt hatte, redete trotzdem voller Freude auf sie ein. Auch Leopardensturm und Nachtfell beglückwünschten sie fröhlich, doch Morgenherz zwinkerte nur und blickte nur weiter stur geradeaus. Sie war schwanger. Jeder Katze im Clan hatte vor Mitleid das Herz geschmerzt, doch Mauernherz war sich ganz sicher. Tigerstreif fragte sich manchmal, ob Morgenherz spürte, wie die Jungen in ihrem Bauch wuchsen, aber sie sprach nie darüber, wie sie eigentlich über gar nichts sprach. Sie war ein Rätsel und eigentlich war der getigerte Kater ganz froh, dass er nicht ihre ganze Geschichte kannte. Und wenn es sich noch so egoistisch anhörte, er war erleichtert, dass Morgenherz einem jeden die Details ersparte. Denn er wusste nicht, ob er sich dann noch hätte halten können. Ob er nicht einfach losgezogen wäre, um die Katzen zu suchen die ihr das Angetan hatten und sie gebührend zu bestrafen. Mit einem langsamen Tod. Einmal hatte er das Morgenherz auch gesagt. Er hatte gedacht, sie würde ihm nicht wirklich zuhören, aber an diesem Tag hatte sie geantwortet. „Kein Wesen … verdient den Tod.“ hatte sie gesagt. Und Tigerstreif hatte nur mit Mühe seine Tränen zurückhalten können.

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    SONNENCLAN

    Hauchschatten huschte geduckt über eine kleine Hügelgruppe und hielt die Nase verzweifelt in den scharfen Wind. Sie hatte geglaubt, eine Maus gerochen zu haben, aber anscheinend hatte sie sich doch geirrt. Frustriert sah sie sich nach den anderen Mitgliedern der Patrouille um, doch ihre einsamen Pfotenspuren in der hauchdünnen Schneedecken wiesen sie darauf hin, dass sie schon eine ganze Weile allein unterwegs war. „Silbersturm?“ rief sie Probeweise, allerdings ohne wirklich auf eine Antwort zu hoffen. Und die bekam sie tatsächlich nicht. Hauchschatten seufzte tief und beschloss dann trotz aller guten Vorsätze ohne Beute ins Lager zurück zu kehren. Doch gerade als sie ein paar Schritte in die entsprechende Richtung gegangen war, trug der Wind ein paar Stimmen zu ihr hinüber. Überrascht blieb sie stehen. Das war ganz sicher nicht die tiefe Stimme von Silbersturm und selbst Funkenpfote sprach nicht so piepsig. Ein Verdacht keimte in ihr auf – und bestätigte sich prompt, als drei kleine Kätzchen hinter einer Erdaufschüttung hervor spazierten. Als sie die dunkelgraue Kriegerin bemerkten, blieben sie wie versteinert stehen. „Hauchschatte.“ miaute Blitzjunges entsetzt. Hasenjunges riss die gelben Augen weit auf und Wolfsjunges sah aus, als wolle er am liebsten im Erdboden versinken. „Wenn ihr nicht so Mäusehirnig laut geredet hättet, hätte sie uns nie entdeckt.“ knurrte er mit angelegten Ohren. Blitzjunges verdrehte die Augen und stieß Hasenjunges an. Augenblicklich schoss diese nach rechts davon, während Blitzjunges genauso schnell nach links rannte. Wolfsjunges blieb verdattert zurück und duckte sich unter Hauchschattens ärgerlichen Blick. „Du bleibst jetzt bei mir, bis ich deine Schwestern wieder eingefangen habe. Keine Fluchtversuche, verstanden?“ zischte sie so böse wie sie konnte, auch wenn es ihr Angesichts des flauschigen Jungen schwerfiel. Wolfsjunges nickte betreten und starrte konzentriert auf den Boden. „Hey, gehört die Kleine hier zu dir?“ Hauchschatten sprang vor Schreck in die Luft und wirbelte dann mit einer bissigen Bemerkung auf der Zunge herum, die sie allerdings direkt vergaß, als sie sich Auge in Auge mit einem attraktiven goldenen Kater wiederfand, der sie über Hasenjunges Kopf hinweg verschmilzt anlächelte. Die Kätzin spürte, wie ihr Fell zu prickeln begann. „Ja! Also, äh, nein. Sie ist nicht mein Junges, falls du das denkst. Das ist die Tochter von Schwarzstern … also unserer Anführerin … und äh, sie ist abgehauen...“ Der Kater stellte Hasenjunges behutsam zurück auf die kurzen Beine, woraufhin die kleine Kätzin rasch zu ihrem Bruder huschte. „Nett dich kennenzulernen. Ich heiße André. Anführerin? Seid ihr mehrere?“ Hauchschatten blickte peinlich berührt zu Boden. Seit wann benahm sie sich so … unbeholfen? „Ja, Schwarzstern ist die Anführerin unseres Clans. Wenn du willst kann ich dich den anderen vorstellen.“ murmelte sie, wobei sie konzentriert auf einen Punkt in der Ferne starrte. „Ich bin Hauchschatten.“ fügte sie dann noch rasch hinzu und konnte es sich einfach nicht überwinden wegzugucken, als André ihr ein weiteres, strahlendes Lächeln schenkte. „Das ist ein schöner Name.“ sagte er, und seine Stimme klang, als meinte er es ernst.

    ABENDCLAN

    „Ich bitte den Sternenclan auf diese drei Schüler hinabzusehen.“ rief Froststern mit voller Stimme. Die Blicke des versammelten Clan ruhten auf ihr, insbesondere die von Dunkelpfote, Kriegerpfote und Felsenpfote. Die drei jungen Katzen standen in einer Reihe vor ihr und zappelten Nervös herum. Mit erhobener Stimme fuhr Froststern fort. „ Sie haben hart gearbeitet, um eure edlen Gesetze zu erlernen. Der Sternenclan möge sie als Krieger willkommen heißen. Dunkelpfote, Felsenpfote und Kriegerpfote, versprecht ihr, das Gesetz der Krieger zu achten, den Clan zu schützen und ihn zu verteidigen, selbst wenn es euer Leben kostet?“ Felsenpfotes Augen glühten vor Eifer und Ernsthaftigkeit, als sie ihrer Anführerin stolz in die Augen blickte. „Ich verspreche es.“ sagte sie und ihre Stimme ließ keine Zweifel zu. Kriegerpfote neben ihr verlagerte Aufgeregt sein Gewicht auf die Vorderpfoten, bevor er ein „ICH VERSPRECHE ES!“ heraus brüllte, das man sicher noch jenseits der Berge hörte. Felsenpfote an seiner Seite schmunzelte darüber. Alle Augen richteten sich nun auf Dunkelpfote. Der kleine Kater hob feierlich den Kopf und sagte mit Ruhiger und gefasster Stimme: „Ich verspreche es.“ Froststern lächelte ihnen zu, bevor sie weitersprach. „Dann gebe ich euch jetzt mit der Kraft des Sternenclans eure Kriegernamen. Felsenpfote, tritt vor.“ Die hellgraue Kätzin mit den dunklen Flecken trat vor, sodass sie Nase an Nase mit Froststern stand. „Von diesen Augenblick an soll jede Katze dich Felsensonne nennen. Der Clan ehrt deinen raschen Verstand und dein gutes Herz.“ Felsensonne lächelte der Anführerin dankbar zu und berührte rasch ihre Schulter, bevor sie sich zurückzog. „Kriegerpfote, nun du.“ Der Kater sprang übermütig vor und seine Augen funkelten vor zurückgehaltener Energie. „Von nun an soll man dich Kriegerherz nennen. Der Clan ehrt deinen Mut und deine Kraft.“ Der frischernannte Krieger, drückte ihr die Schulter und gesellte sich dann zu Felsensonne und den älteren Katzen. Als letztes trat Dunkelpfote vor. „Dich soll man Dunkelflamme nennen.“ sagte Froststern entschieden. „Der Clan ehrt deine Entschlossenheit und dein Geschick.“ Dunkelflamme nickte ihr zu und wandte sich dann breit grinsend zu seinem Bruder Kriegerherz um, der ihn stürmisch beglückwünschte. „Felsensonne, Kriegerherz, Dunkelflamme!“ riefen die Katzen und Froststern rief besonders laut. Sie würde das Training mit Kriegerpfote vermissen.

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    WASSERCLAN Traumblick starrte auf das ewige Wogen des Meeres vor sich und lauschte dem sanften Singen der Wellen, wie fast jede Nacht. Die Regelmäßi
    WASSERCLAN

    Traumblick starrte auf das ewige Wogen des Meeres vor sich und lauschte dem sanften Singen der Wellen, wie fast jede Nacht. Die Regelmäßigkeit, mit der das Wasser über den Strand floss, beruhigte sie. Manchmal glaubte sie sogar ein Murmeln zu hören, ganz schwach nur und undeutlich. Das Wasser ist dein Spiegel, Traumblick. Das Wasser … Die Kätzin schloss die Augen, um sich nur auf die Geräusche zu konzentrieren. Spielte ihr das das Plätschern der Wellen einen Streich? War es das Flüstern des Windes, das sie täuschte? Oder fantasierte sie bereits? Eigentlich ist es alles egal. , dachte Traumblick wütend. Es ist alles … vollkommen … egal. Bei jedem Atemzug bohrten sich ihre Krallen tiefer in den Sand. Doch da erinnerte sich irgendetwas in ihr und das Meer flüsterte leise: Das Wasser … Steifbeinig stolperte sie vor, bis sie bis zum Bauch in den eiskalten Fluten stand, und starrte auf das Wasser – doch da war nichts. Kein Spiegelbild, nur Schwärze und Dunkelheit. Enttäuschung stieg siedend heiß in ihr hoch. Was hatte sie auch erwartet? Das das Meer mit ihr sprach? War sie wirklich so Mäusehiring gewesen, etwas so abwegiges zu Glauben? Sie wollte wütend sein, doch die Enttäuschung blieb. Sie begann wild auf das Wasser einzuschlagen, bis ihr etwas direkt ins Auge spritzte, woraufhin sie fauchend zurück zuckte. „Du willst kämpfen, Meer? Komm nur, ich bring dich schon nicht ...um!“ Sie hatte das nur zum Spaß gesagt, aber als die letzten Worte über ihre Lippen kamen, veränderte sich etwas tief in ihr. Ein Ungleichgewicht, das Ausgeglichen wurde, wie eine Gewichtsverlagerung. Einen Moment lang herrschte tiefe Stille in ihr, in ihren Gedanken, in ihrem Herzen. Sie kannte diese Gefühlslosigkeit bereits zu gut. Im nächsten Augenblick war die Kälte da. Eine Kalte Wut, so eisig kalt und unzähmbar wie das winterliche Meer. Eine Wut, die ihren Blick verfinsterte und ihre Herz einfror. Wut … nein, Hass. Das war nicht länger nur ein Teil von ihr. Das war sie, das wusste sie ganz genau. Ich bin Hass., dachte sie und die Worte brachten sie zum lächeln. Sie dachte an die Katzen die ein Wegstück entfernt in ihren Nestern schliefen. Schwach und jämmerlich. Ich kann sie alle töten. Versager wie sie haben es nicht verdient zu existieren. Neben mir … Ich und sonst niemand. Ich will ihr Blut sehen. Ich will es heiß über meine Pfoten laufen spüren, ich will es schmecken und riechen, ich will das es das Meer rot färbt, ich will das sie schreien, das sie weinen, das sie Angst vor mit haben, ich will, ich will, ich will … Blut … Traumblicks Augen hatten sich geweitet, während sie das dachte und ein breites Grinsen entstellte ihr Gesicht. Und trotzdem zögerte sie. Wartete auf etwas, das nicht kam, ein Einspruch der sonst da war, aber da war nichts … Und sie lief los. Langsam und jeder Schritte machte ihr Freude, weil sie wusste, was tun würde, wenn sie ihr Ziel erreicht hätte. Was sie hinterlassen würde. Sie wollte die Düne überqueren und weiter über das harte Gras laufen, als sie aus den Augenwinkeln einen Geist bemerkte. Wie erstarrt blieb sie stehen. Ihre Gedanken rasten,überschlugen sich, ihre wurde gleichzeitig heiß und kalt. Eine Erinnerung kam hoch, ein Bild von Geisterkatzen und … Blut. Es ekelte sie an, doch etwas in ihr sog den Anblick in sich auf, sie konnte sich noch erinnern, wie sich das Blut in ihrem Pelz angefühlt hatte, sie konnte es riechen, es schmecken … und dann war es vorbei. Alles. Traumblick würgte und übergab sich. Ihr ganzer Körper zitterte unkontrolliert und ihre Beine waren schwach und viel zu wackelig, um länger stehen zu können, also setzte sie sich. Nach Atem ringend, versuchte sie die Tränen zurückzuhalten. Ich wollte sie umbringen. Ich wollte es wirklich tun. Trotz aller Bemühungen entwich ihr ein lautes Schluchzen. Und genau das war es, was sie zurück in die Wirklichkeit brachte. Hatte sie da nicht gerade etwas gesehen? Einen … Geist? Sie drehte sich zum Meer um – und erschreckte sich zu Tode als sie direkt in die blauen Augen eines schneeweißen Katers sah. Ihr Schrei klingelte noch in ihren Ohren, als sie sich schon einigermaßen Beruhigt hatte, aber der Kater war nicht einmal zusammengezuckte. „Du hast geweint.“ sagte er. Seine Stimme wechselte in der Tonlage und die Worte klangen ein wenig undeutlich. „War ja auch nicht zu überhören.“ schniefte sie und bemerkte irritiert, dass er überaus konzentriert auf ihren Mund starrte. „Überhören schon.“ sagte er. „Aber nicht zu übersehen.“ Er zuckte mit einem seiner großen Ohren. Traumblick fand, dass er traurig aussah. „Ich bin Traumblick.“ miaute sie leise. Und nach einem zögern noch: „Du hast … mich gerade gerettet.“ Meine Seele und das Leben sämtlicher Katzen. Wenn du nur wüsstest... Doch überraschender Weise schien der Kater nicht einmal sonderlich irritiert zu sein. Eher ärgerlich. „Akay. Du hast mich wohl auch … irgendwie … gerettet.“ Traumblick stutzte, fragte aber nicht nach. Denn wenn sie das tun würde, würde er auch ihre Geschichte hören wollen, und die wollte sie ihm ganz bestimmt nicht erzählen. Akay wandte sich ab und ging, ohne sich zu verabschieden. Sein mittellanges, weißes Fell leuchtete fahl im Mondlicht. Wirklich wie ein Geist. , dachte Traumblick. Was wäre passiert, wenn du nicht da gewesen wärst, Akay? Was dann?

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    REGENCLAN

    Böenpfote hockte in einem beinahe undurchdringlichen Wirrwarr aus alten Tannenzweigen, Laublosen Sträuchern und abgebrochenen Ästen und wartete. Darauf, dass eine Maus vobei kam, oder darauf, dass Rankenpfote ihr verzieh oder darauf, dass es endlich aufhörte zu schneien. Eigentlich machte sie sich für keines dieser Dinge mehr besonders große Hoffnungen. Die Mäuse hatten sich längst in ihren warmen Winterbauen verkrochen und schlummerten, während sich jede Katze hier draußen das Fell abfror, Rankenpfote würde sie weiterhin ignorieren und der Schnee fiel so dicht, dass die Tannen und Kiefern schon knarzten unter seiner Last. Selbst der Boden war schneeweiß und vollkommen, nicht die kleinste Pfotenspur war zu sehen. Auch Böenpfotes eigene war schon vor längerer Zeit unter Neuschnee verschwunden. Ihre Gedanken wanderten zu Rankenpfote. Was hatte sie nur falsch gemacht? Gestern Abend hatte ihr die schwarze Kätzin noch schnurrend eine Gute Nacht gewünscht, doch seit heute Morgen würdigte sie ihr keines Blickes mehr. Also musste sie, Böenpfote, doch irgendetwas getan haben, um die Freundin so zu verärgern. Doch so sehr sie auch nachdachte, sie konnte sich an nichts unrechtes erinnern. Kein Böses Wort, keine Verächtliche Geste, kein schiefer Blick … und die Nacht über hatte sie friedlich im Schülerbau geschlafen, genau wie immer. Aber vielleicht hatte auch jemand etwas gemeines über Böenpfote erzählt und Rankenpfote hatte es leichthin geglaubt. Die hellgraue Kätzin schüttelte wütend den Kopf. So gemein konnte doch niemand sein, nicht einmal zu ihr! Oder … vielleicht war es Tigerstreif gewesen. Vor nicht allzu langer Zeit, war er schließlich noch ein Schüler, der … Nein, Tigerstreif konnte es ganz gewiss nicht gewesen sein. Man brauchte ihn nur dabei beobachten, wie liebevoll er sich um die arme Morgenherz kümmerte, um zu wissen, dass er niemanden ein Unrecht tun würde. Ihre Gedanken schweiften zu Leopardensturm, doch auch der Schwester des Katers konnte und wollte sie einfach nichts anhängen. Und auch die anderen Clankatzen schienen immer nett zu ihr zu sein, selbst, wenn manchmal ein spitzes Wort fiel. Das Ratespiel brachte ihr nichts. Am Ende hatte sie womöglich doch etwas getan, dass Rankenpfote so verärgert hatte. Aber weil sie das nicht glauben wollte und weil es ihr unsinnig erschien, legte sie sich erst einmal darauf fest, dass jemand anderes Schuld war und um diesen jemanden fürs erste ein Gesicht zu geben, entschied sie sich für Pfefferstern, denn die war schließlich Anführerin und hatte sich um die Sorgen ihrer Katzen zu kümmern.

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    SONNENCLAN Schwarzstern stand in der Mitte des Lagers. Zu ihren Pfoten spielte Hasenjunges mit einer Feder, doch sie hatte keinen Blick dafür. Auch d
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    Schwarzstern stand in der Mitte des Lagers. Zu ihren Pfoten spielte Hasenjunges mit einer Feder, doch sie hatte keinen Blick dafür. Auch der andere Fremde, der sie selbstsicher angrinste interessierte sie im Moment überhaupt nicht. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt dem Kater, der dort wie ein Spiegelbild vor ihr stand. Ein Kater, ebenso groß wie sie, mit dem gleichen Nachtschwarzen Fell und den gleichen weißen Vorderbeinen. Er stand da und sah sie aus den Bernstein-Augen an, die auch sie besaß. Schwarzstern fragte sich, ob sie träumte, oder ob die Eises Kälte ihr einen Streich spielte, doch der Kater verschwand nicht, sondern blieb und starrte sie genauso an wie sie ihn. Beide meinten irgendwo in der Ferne einen Habicht krächzen zu hören. Blackout war der erste, der das Wort ergriff. „Ich … Ich bin Blackout.“ sagte er langsam, überrascht von seiner eigenen Unsicherheit. Es war ihr Geruch, dem er gefolgt war, da war er sich nun sicher. Auch die Anführerin versuchte sich krampfhaft aus der Starre zu lösen. „Ähm... mein Name ist Schwarzstern.“ Ein paar Augenblicke vergingen wie eine Ewigkeit, ohne das jemand etwas sagte. Inzwischen hatte der halbe Clan einen Ring um sie gebildet. Vor Blackouts Augen erschienen Bilder aus lang vergangener Zeit. Er sah eine Scheune und die sanften blauen Augen einer Kätzin, die sich über ihn beugte. Ein Junges Namens Buddy, sie hassten sich wie die Pest, bis sie bemerkten, dass zu zweit viel mehr Spaß machte, anderen Katzen auf die Neven zu gehen. Von da an waren sie die besten Freunde. Doch davor … Blackout schloss die Augen. Er spürte alte Narben in seiner Seite pochen, glaubte wieder den eisernen Griff zu spüren. Klauen, die sich tief in sein Fleisch bohrten, der Boden lebensgefährlich weit unter ihm. Das Rauschen von Flügeln im Wind – und ein Schrei, der ihn durch all die Entfernung noch erreichte. Er sah die Silhouette einer Katze, die sich über ihn beugte. „Willkommen im Tannenclan, Schemenjunges.“ Seine Mutter? Er konnte ihr Gesicht nicht erkennen. Doch da war noch jemand. Dicht an seiner Seite. Ein Atem der wie seiner ging, ein Herzschlag im selben Takt. Er wandte den Kopf zu Seite und sie sah ihn an, sein Ebenbild und doch so anders als er. „Schwarzjunges?“ flüsterte Blackout leise. Schwarzstern blinzelte wütend gegen die Tränen an. Ein Laut entfuhr ihr, halb lachen, halb schluchzen. „Schemenjunges!“

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    ABENDCLAN Als es zu über den Bergen zu dämmern begann, zogen sich die Katzen in ihre Nester zurück. Zwei junge Krieger redeten fröhlich miteinande
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    Als es zu über den Bergen zu dämmern begann, zogen sich die Katzen in ihre Nester zurück. Zwei junge Krieger redeten fröhlich miteinander, ein dritter beobachtete sie aus einigen Metern Abstand. In der Kinderstube erzählte eine Königin ihren Jungen eine Geschichte, mit ruhiger und sanfter Stimme, um sie zum schlafen zu bewegen. Eine Gruppe Schüler rangelte miteinander, bevor sie in ihrem Bau verschwanden. Hellblaue Augen wachten über das geschehen im Lager. Nichts entging ihnen und doch erkannten sie nur ferne Umrisse. Als sei dies nicht die Wirklichkeit, sondern nur ein Traum, eine Szene aus langer Vergangenheit. Die Kätzin hatte das weiß-rote Fell gegen den scharfen Wind aufgeplustert, doch eigentlich nahm sie ihn gar nicht war. Von einem Felsbrocken aus sah sie auf das Lager hinab, mit starren Blick und ohne sich zu Bewegen. Sie war wie in Trance. Immer wieder blitzten Bilder vor ihrem inneren Auge auf, die so deutlich waren und eindrücklich waren, dass sie vergaß, was Realität und was Vergangenheit war. Es hatte zwei Arten von Katzen gegeben. Die eine betrachtete sie voller Verachtung, die andere voller Mitleid. So lange war sie nicht mehr als ein Schatten gewesen, so lange hatte sie nichts anderes gekannt, es war so normal geworden... Ihr Blut an den Krallen anderer und sie hatte sich nie gewehrt. Verachtung und Mitleid. Sie hatte vermieden anderen Katzen in die Augen zu sehen. Sie konnte es nicht ertragen und doch glaubte sie sie zu verstehen. Was sollte man auch anderes übrig haben für jemanden wie sie? Eine Ausgestoßene. Bis er gekommen war. Er war im Lager erschienen wie ein Geist, von einer Sekunde auf die andere. Als sie ihn das erste mal gesehen hatte, hatte sie sich vor ihm gefürchtet. Er schien so kalt und unnachgiebig, kalt wie ein gefrorener See. Doch dann hatte sie seine Augen gesehen. Es lag kein Mitgefühl darin und auch keine Verachtung. Sein Blick schien leer zu sein, sie hatte ihr Spiegelbild in seinen Augen gesehen. Ihre Verängstigte Haltung, die Furcht die ihr Anhing seit sie die Welt erblickt hatte, die Albträume die sie quälten. Sie hatte das Blut in ihren Fell gesehen, Schlamm … aber da war noch mehr. Es schien in ihr zu lodern wie Feuer, es pulsierte wie ihr Herzschlag. Ja, zuerst hatte sie geglaubt sein Blick wäre leer gewesen, Gefühlslos. Wie sehr sie sich geirrt hatte. Viel Später hatte sie es erst begriffen. Er hatte nicht ihr blutiges Fell gesehen oder ihre Angst. Er hatte über all das hinweg direkt in ihre Seele geblickt. Er hatte gesehen, was sie selbst nicht einmal fühlen konnte und seine Augen reflektierten wie eine Wasseroberfläche was er sah. Sie. Unverändert und Unvoreingenommen die Wahrheit. Unter dieser Eisschicht, die so viele Katzen abschreckte, lag eine Unvorstellbaren Tiefe, hatte sie begriffen. Eine tiefe die sie nur erahnen konnte. Die Tiefe, in der er ertrunken war. Takka hatte es ihr gesagt, aber sie hatte es schon vorher gewusst. Sie hatte es von dem Augenblick an gewusst, an dem Kota sie verließ. Sie hatte doch seine Augen gewesen. Es war sein Todeskampf gewesen und sie hatte … nichts tun können. Sie erinnerte sich noch immer an das Lächeln, dass er nur ihr schenkte. Für sie war das Eis getaut, das ihn Umgab. Er hatte sie zur Kriegerin gemacht. Er hatte sie beschützt. Er hatte ihr Leben gerettet, indem er einfach nur da war. Er hatte das Feuer in ihr geweckt und die Angst vertrieben. Und sie hatte ihn geliebt. Sie liebte ihn noch immer. Mehr als ihr Leben, mehr als alles. Wie oft hatte sie geglaubt, ihr Herz wäre zu klein, um diese Liebe fühlen zu können, wie oft wäre sie fast explodiert vor Glück. Und nun … Sie hatte geglaubt es würde wehtun … Ein unvorstellbarer Schmerz, schon der Gedanke ihn je verlieren zu können. Und tatsächlich hatte es so wehgetan ihn sterben zu sehen. Nichts tun zu können. Aber nun, da er tot war … war gar nichts mehr ...Es war so leer in ihr, sie fühlte sich wie betäubt und sie spürte, dass es so für ihn gewesen sein musste. So musste es sich anfühlen, wenn man an Gefühlen ertrank, die zu stark waren, als das ein Körper sie ertragen könnte. Sie war einfach nicht genug gewesen, um ihn zu retten. Wenn ihr Clan gewusst hätte … Alles was sie noch am Leben hielt war Verantwortung. Und Liebe, die nie vergehen wollte. Die Liebe zu den Herzen, die in ihr zu schlagen begannen. Die Liebe zu Kota und die Hoffnung, er würde wiederkommen. Eine solch unsinnige Hoffnung ...

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    WASSERCLAN „Wir werden morgen bei Sonnenaufgang weiterziehen!“ rief Tannenstern mit lauter Stimme. Besorgtes Gemurmel erhob sich unter den versamm
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    „Wir werden morgen bei Sonnenaufgang weiterziehen!“ rief Tannenstern mit lauter Stimme. Besorgtes Gemurmel erhob sich unter den versammelten Katzen und die eine oder andere stöhnte Frustriert. Abenddämmerung erhob halbherzigen Einspruch, doch eigentlich wusste auch er, dass es an den Worten des Anführers nichts zu rütteln gab. „Es ist doch immer dasselbe.“ grummelte Silberhauch leise. „Erst gewöhnst du dich an einen Ort und dann heißt es Abschied nehmen.“ Flammenrauch, der neben ihr stand, stupste sie freundschaftlich an. „Ach komm schon, Silberhauch. Du kannst nicht ernsthaft behaupten, dass du diesen zugemüllten Strand vermissen wirst.“ Die silberne Kätzin seufzte betrübt. „Nein, wahrscheinlich hast du Recht. Aber weißt du, es wäre so schön morgens in seinem Nest aufzuwachen und ganz genau zu wissen, dass du Zuhause bist. Ich kann dieses ewige hin und her nicht ertragen.“ Der Kater sah sie aus grün-grauen Augen mitfühlend an. „Das kann ich verstehen. Aber nur indem wir es suchen, werden wir je das richtige Zuhause finden. Und wenn wir dann endlich da sind, wird es perfekt sein. Du wirst schon sehen.“ Ein kleines Lächeln erschien auf Silberhauchs Lippen. Müde verabschiedete sie sich von Flammenrauch und verschwand im Kriegerbau, um für die bevorstehende Reise ausgeschlafen zu sein.
    Der Mond erhob sich als einsamer Wächter über Strand und Meer und beschien das Fell dreier Katzen, die sich noch nicht zur Ruhe gelegt hatten. Die eine rannte mit verbissener Miene am Stand entlang und suchte einen Geist, die zweite saß auf einer hohen Mauer, mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen und der dritte saß neben ihr und verschmolz fast mit den Schatten der Nacht.
    Lichtwirbel hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sah hoch zu den Sternen. Zu ihrer Rechten rauschte das wilde Wasser des Kanals, links schlugen die Wellen des unruhigen Meeres gegen den Stein der Mauer. Finsterherz beobachtete die weiß-goldene Kätzin Aufmerksam, in seinem Blick eine traurige Gewissheit. Es war Lichtwirbel, die zu sprechen begann. „Wie dumm ich damals war. Weißt du noch, ich habe nur an mich gedacht.“ Ihre Stimme war leise und heiser, voller ehrlichem Bedauern und ihre grünen Augen glänzten fiebrig. Finsterherz antwortete nicht. „Aber Moorschweif hat mir vergeben und du ...“ Sie wagte sich nicht, seinen Namen zu sagen, denn jedes Mal, wenn sie das Tat begann ihr Herz zu schmerzen vor Dankbarkeit, Mitgefühl und Bewunderung. Sie löste sich von den Sternen und blickte ihm in die Augen. „Ich wünschte ich hätte dich so lieben können, wie du mich. Du bist … viel mehr als ich je in Worte fassen könnte. Du hast es nie verdient, so zu leiden. Es muss schrecklich gewesen sein.“ Der Kater lächelte sanft. „Man braucht nicht geliebt zu werden, um zu lieben. Wenn ich nicht an deiner Seite sein kann, will ich dich beschützen.“ Lichtwirbel sah ihn voller Zuneigung an. Sie wussten beide, dass es keine Zukunft mehr gab. Sie konnten es in den Augen des anderen lesen. „Wenn du gehst ...“ begann Finsterherz leise, doch Lichtwirbel unterbrach ihn mit sanfter Stimme. „Dein Herz ist viel größer als du glaubst, Finsterherz. Dein Glück … du brauchst es nur noch zu erkennen.“ „Aber du ...“ „Ich werde meine Freiheit in den Sternen finden. Es ist nicht schlimm zu sterben. Der Tod ist nur eine Brücke, die einen in ein neues Leben führt.“ „Dann werde ich dir Folgen.“ „Nein.“ Sie sah ihn ernst an. „Du wirst mir Folgen, wenn deine Zeit gekommen ist. Du hast nur einmal die Chance zu Leben. Sieh, was hinter der Mauer ist, die du um dein Herz gebaut hast.“ „Aber ...“ „Du wirst sehen, Finsterherz. Viel mehr als du je mit deinen Augen sehen könntest. Ich stand immer zwischen dir und deinem Glück, bald wirst du es erkennen. Geh nur zurück ins Lager und vergiss nichts, dass ich von nun an in den Sternen über dich wache.“ Finsterherz sah sie an, der dunkle Schmerz in seinen Augen erschütterte Lichtwirbels Herz. Sie wandte den Kopf ab, damit er ihre Tränen nichts sah. Finsterherz stand auf und ging, die Kätzin blieb allein zurück. Der Wind strich sanft durch das wenige Fell, dass ihr noch geblieben war und ließ sie frösteln. Sie stand auf und lief am Meer entlang, so weit, wie ihre Pfoten sie trugen. Ihr Clan würde sie niemals wieder sehen.
    Finsterherz schlief nicht mehr, in jener Nacht. Er lauschte auf das regelmäßige Atmen seiner Clangefährten und fragte sich, wann sie entdecken würden, dass ihre Heilerin gegangen war. Sie war krank, würde er ihnen sagen. Wenn sie geblieben wäre, hätte sie euch angesteckt. Sie ist fort gegangen, um allein zu sterben.
    Als Finsterherz wieder in seinem Nest lag, beruhigte sich der Atem einer anderen Katze, die sich zuvor unruhig hin und her geworfen hatte. Ich will dich beschützen. , dachte Honiglicht.

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    REGENCLAN Nachtfeder huschte lautlos durch die Nacht, als wäre er eins mit den Schatten. Der Mond war verschluckt von den Wolken, die auch die Sterne
    REGENCLAN

    Nachtfeder huschte lautlos durch die Nacht, als wäre er eins mit den Schatten. Der Mond war verschluckt von den Wolken, die auch die Sterne bedeckten. Die Luft war kühl und schwer und waberte wie Nebel. Nur der Schnee leuchtete strahlend weiß wie eh und je und glitzerte selbst in der Dunkelheit noch. Der Kater sprang leichtfüßig über eine gefallene Tanne und landete auf der anderen Seite bis zum Bauch in einer Schneewehe. Schnell schüttelte er die nassen Pfoten aus und lief weiter. Seine Augen waren schwer vor Müdigkeit, doch er gönnte sich keine Pause. Er musste Beute finden. Ein leises Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er an seine Gefährtin Blattfeuer dachte, die im Bau der Königinnen den Schweif behütend über den angeschwollenen Bauch gelegt hatte. Doch nicht nur sie brauchte dringend Nahrung. Auch die verschlossene Morgenherz erwartete Jungen, Rankenpfote und Böenpfote mussten fressen, um starke Krieger zu werden und auch Pfefferstern musste bei Kräften bleiben. Nachtfeder fühlte die Verantwortung schwer auf sich lasten. Wenn sie Hungern ist das meine Schuld. , dachte er. Als Krieger ist es meine Pflicht den Clan zu versorgen. Keine Katze sollte Hunger leiden, so hatte er sich geschworen. Doch egal wie viele Nächte er damit verbrachte durch den Wald zu jagen, er erbeutete nie genug. Der Schnee unter seinen Pfoten fühlte sich dick und wässerig an, doch er hegte keineswegs die Hoffnung, dass er tauen würde. Der Winter holt sich seinen Tribut, doch meine Jungen bekommt er nicht. Prüfend hielt er die Nase in den Wind, doch alles war er roch waren Schnee und Rinde. Auf der Lichtung, auf der er stand wimmelte er im Frühjahr von kleinen Spitzmäusen, doch jetzt war von ihnen nichts zu sehen. Nicht einmal einen winzigen Pfotenabdruck konnte er auf der Schneedecke ausmachen. Frustriert rannte er weiter, doch an einem alten Dachsbau hielt er inne. Sein Bewohner hatte das Tunnelsystem schon längst verlassen, doch immer noch schien der schwere und stinkende Duft des Dachses wie ein Warnschild in der Luft zu hängen. Nachtfeder war schon ein dutzend mal hier vorbeigekommen, dennoch jagte es ihm immer wieder einen Schauer über den Rücken und ein Schrei, der schon vor Monden verhallt war krallte sich wie eine eiserne Kralle in sein Herz. Pass auf! Warum nur hatte er das nicht getan. Warum hatte er nicht aufgepasst. Wenn er sich nur schnell genug umgedreht hätte, wenn er den Schlag abgefangen hätte, vielleicht würde … Nein, er wollte nicht daran denken. Mich trifft keine Schuld. Es war der Dachs. Warum kam er sich dann trotzdem wie ein Lügner vor?
    Als Nachtfeder ins Lager zurückkehrte hing ein kleiner Spatz leblos zwischen seinen Zähnen. Steinherz, der auf der anderen Seite des Territoriums gejagt hatte, wartete schon auf ihn. Er war leer ausgegangen, die Wut darüber spiegelte sich in seinen Augen. Als er den schwarzen Kater sah, nickte er ihm kurz zu und verschwand dann im Kriegerbau. Nachtfeder trug seine Beute zum Königinnenbau und legte ihn vor Blattfeuer auf den Boden. Die Schildpattkätzin schlief friedlich, doch am nächsten Morgen würde sie die Beute finden. Er betrachtete seine Gefährtin mit warmen Blick und lauschte auf ihre tiefen Atemzüge, dann gähnte er und machte sich davon, um vielleicht doch noch die ein oder andere Stunde zu schlafen.

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    LICHTWIRBEL Lange Zeit hielt sie sich am Wasser und lief einfach nur gerade aus. Der Wind war schonungslos kalt auf ihrer Haut und ließ sie in regelm
    LICHTWIRBEL

    Lange Zeit hielt sie sich am Wasser und lief einfach nur gerade aus. Der Wind war schonungslos kalt auf ihrer Haut und ließ sie in regelmäßigen Abständen erzittern. Ihr Fell schützte sie nicht mehr. Wie hässlich sie jetzt aussehen musste, mit all den kahlen Stellen und den glanzlosen Augen. Einmal war ich schön , dachte sie und spürte einen bitteren Schmerz in sich aufsteigen. Schön und dumm. Jetzt war sie nicht mehr schön, so viel stand fest. Aber dumm war sie nicht mehr, auch wenn sie sich oft noch so fühlte. Tatsächlich hatte sie eine Weisheit erlangt, die eine Katze nur erreichte, wenn sie in ihrem Leben genug Fehler gemacht hatte, aus denen sie lernen konnte. Lichtwirbel glaubte nicht, dass sie noch lange Leben würde. Zwei Tage vielleicht. Oder einen Mond. Sie war sich nicht sicher. Wer wohl an ihrer Stelle Heiler werden würde? Sie hatte keine Ahnung. Finsterherz hätte genug Verstand und Reife gehabt, da war sie sich sicher, doch er war schon zu lange ein Krieger. Genauso verhielt es sich mit Nachtauge und Flammenrauch. Vielleicht hatte das Junge, dass Schattensturm vor einiger Zeit halbtot im Schilf gefunden hatte, das Zeug zum Heiler. Sie versuchte sich krampfhaft an den Namen zu erinnern, den Feuerschweif ihm gegeben hatte, als sie sich ihm annahm und in zu ihren eigenen Jungen legte. Regenjunges? Das könnte es gewesen sein. Aber er war noch so klein, seine Ausbildung würde dauern. Und wer sollte ihn überhaupt ausbilden, wenn sie nicht mehr da war? Ob Samenflug noch einmal die Rolle der Mentorin übernahm? Ein trauriges Lächeln stahl sich in ihr Gesicht, als sie an die stille Heilerin dachte, die schon längst in den Sternen lebte. Samenflug war im Tannenclan aufgewachsen und gestorben, sie hatte die Freiheit nie wirklich erlebt, auf die sie so lange gewartet hatte. Sie fragte sich, ob sich die Kätzin geöffnet hätte, wenn sie nur in den Genuss der Befreiung gekommen wäre. Vielleicht, aber vermutlich nicht. Manche Angewohnheiten legte man nicht so schnell ab. Lichtwirbel erinnerte sich noch gut an die Zeit vor dem großen Kampf. Eine Zeit in der es Kätzinnen nicht erlaubt war, dass Lager ungefragt zu verlassen. Eine Zeit, in der sie mit Finsterherz und Schneesturm aufgewachsen und Moorschweifs beste Freundin gewesen war. Manchmal musste sie sogar an Stachelfrost denken, ihren leiblichen Bruder. Er war ein starker Kater gewesen, mit seinen wilden Augen und dem goldenen Fell hübsch anzusehen. Aber im Innern war er verfault gewesen, wie ein wurmstichiger Apfel. Vielleicht wäre er anders geworden, wenn er nicht ständig Bussardstern um sie gehabt hätte. Seinen Vater. Der auch ihr Vater war. Ein Mörder und Unterdrücker, der nie auch nur eine Spur Mitleid in sich gehabt hatte. Und sein Blut floss auch in ihren Adern.

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    SONNENCLAN Schwarzstern spürte wie Körper zitterte, so überwältigt war sie von dem, was sie jetzt fühlte. Ihr Bruder. Sie hatte tatsächlich ihre
    SONNENCLAN

    Schwarzstern spürte wie Körper zitterte, so überwältigt war sie von dem, was sie jetzt fühlte. Ihr Bruder. Sie hatte tatsächlich ihren Bruder wiedergefunden, von dem sie geglaubt hatte, dass er längst tot sei und den sie nie wirklich kennengelernt hatte. Und der ihr doch ihr Leben lang gefehlt hatte. „Wir … Es gab einen Kampf und ...“ Sie unterbrach sich. Das alles schien ihr jetzt unwichtig und fehl am Platz. Sie fand einfach keine Worte. Blackout dagegen betrachtete Hasenjunges mit einem Lächeln. „Sie ist deine Tochter, richtig?“ Schwarzsterns Herz machte einen Satz. „Ja. Sie und … Oh, ich muss sie dir unbedingt vorstellen. Sie sollen dich kennenlernen.“ Damit jagte sie kurzentschlossen in Richtung Kinderstube davon, um Blitzjunges und Wolfsjunges zu holen. Noch nie in ihrem Leben war sie sich so unbeholfen und verwirrt vorgekommen. Der Kater, der neben Blackout ins Lager gekommen war, räusperte sich. Alle Blicke waren nun auf die beiden Fremden gerichtet, die Luft surrte von unausgesprochenen Fragen. Schließlich brachte Pechherz es über sich loszustammeln. „Du … Du bist also ihr … Bruder, ja?“ Blackout fühlte Glück in seiner Brust. „Sie ist meine Schwester. Mein Zwilling.“ Schwester., dachte er und freute sich an der wärme, die in diesem Wort lag. Schwester. Das bedeutet Lachen und Streiche und Geheimnisse, die niemand sonst kennt. Streit und Versöhnung an einem einzigen Tag, Zuspruch zu bekommen und dennoch am Boden der Tatsachen zu bleiben. Das bedeutet jemanden an der Seite zu haben, der im Notfall immer zu einem steht, den man beschützen kann und der einen beschützt. Eine Schwester zu haben, bedeutet eine Familie zu haben und eine Familie zu haben, bedeutet Zuhause zu sein. Seine Pfoten begannen zu zittern. Ein Zuhause. Hatte er sich das nicht schon immer gewünscht? War dies der Ort, den er sein Leben lang gesucht hatte? Eine endlose verschneite Ödnis? Doch als er Schwarzstern kommen sah, ein graues Junges im Maul und ein weiteres schwarzes an ihrer Seite, war er sich sicher. Wo sie war, war sein Platz und er hatte nicht vor, ihn je wieder zu verlassen. Sie setzte das Junge ab und schob es ihm vor die Pfoten. „Das ist Wolfsjunges.“ verkündete sie stolz. Das schwarze Junge stellte sie als Blitzjunges und die Kätzin, die sich verzweifelt darum bemühte, die Feder die an ihren Pfoten klebte, auf irgendeine Art und Weise wieder loszuwerden, als Hasenjunges vor. Familie, dachte er und schnurrte laut. „Sie sind großartig.“

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    ABENDCLAN

    Felsensonne ging ganz am Ende der langen Schlange, die ihr Clan während der Wanderung bildete. Vor ihr leuchtete Dunkelflammes feuerrote Schwanzspitze immer wenn sie den Blick hob. Schon seit dem frühen Morgen waren sie unterwegs, in der Hoffnung irgendwann irgendwo anzukommen. An einem Ort der es Wert war, Zuhause genannt zu werden.
    Es ging quer durch felsige Schluchten und sandige Hänge, Berge hinauf und hinunter, an Schluchten vorbei, die tief genug waren, um einen einzigen Fehltritt für immer zu bereuen. Felsensonne taten schon zu Sonnenhoch die Pfoten weh, aber an eine Pause war noch nicht zu denken. Obwohl sie schon so weit gelaufen waren, konnte man immer noch das Tal sehen, in dem sie eine Weile gelagert hatten, weil es so tief lag und inzwischen durchgehend bergauf unterwegs waren. Froststern lief ganz an der Spitze, unermüdlich und wachsam. Sie verzog kaum eine Miene und antwortete auf sämtliche Fragen nur noch einsilbig und ausweichend. Auch nach Kota war sie gefragt worden. Sie meinte nur, der Clan solle sich keine Gedanken um ihn machen. Doch Felsensonne ließ sich nicht so leicht täuschen. Sie war sich ziemlich sicher das Kota tot war. Anders konnte sie sich sein plötzliches Verschwinden und das Verhalten der Anführerin nicht erklären. Froststern schien müde geworden zu sein. Immer wieder sah sie sich mit matten Augen um, Schreckte plötzlich aus einem Tagtraum hoch, nur um wieder wegzudämmern. Jeder merkte, das etwas ganz und gar nicht in Ordnung war, doch niemand sagte etwas, aus Angst alles nur noch schlimmer zu machen. Die Anführerin schien empfindlich und zerbrechlich, gleichzeitig aber in gewisser Weise härter geworden zu sein.
    Der Abend kam und der Clan hielt in einer kleinen Erdsenke, die von drei hohen Dornenhecken umgeben war. Dieser Ort versprach Schutz vor Wind und Feinden. In den Bergen gab es nicht nur Adler und andere Greifvögel, sondern auch äußerst gefährliche Großkatzen und Wildhunde, die nicht einfach mal von ihrem Zweibeiner zurückgerufen wurden. Es galt ständig wachsam zu sein. Doch es gab auch Tiere, mit denen sie gut in Frieden leben konnten. Die munteren Bergziegen beispielsweise, die auf den ersten Blick zwar bedrohlich aussahen, sich aber als gutmütig und scheu erwiesen.
    Felsensonne baute sich ein provisorisches Nest aus den wenigen ausgetrockneten Moosfetzen, die sie finden konnte. Dann ließ sie sich mit einem leisen Seufzer hineinfallen und genoss es, die schmerzenden Beine von sich zu strecken.
    Später gesellten sich auch Kriegerherz und Dunkelflamme zu ihr, die sich um den Platz an ihrer Seite stritten. Felsensonne war zu müde, um sie zurechtzuweisen, darum lächelte sie nur verhalten. Als die Sonne unterging und Kriegerherz dich neben ihr lag, schlief sie endlich ein. Es war eine Traumlose Nacht.

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    WASSERCLAN „Manchmal träume ich davon, einfach einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen.“ sagte Akay leise. Traumblick sah ihn traurig an und nic
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    „Manchmal träume ich davon, einfach einzuschlafen und nie wieder aufzuwachen.“ sagte Akay leise. Traumblick sah ihn traurig an und nickte wissend. Sie hatte den Fremden Kater nun schon drei mal getroffen und sie hatten sich über einiges Unterhalten, hatten festgestellt, dass sie sich in gewissen Dingen sehr ähnlich waren. Doch einen gravierenden Unterschied gab es: Akay war taub. Für ihn hatte die Welt keine Stimme, er konnte die Vögel an schönen Sommertagen nicht singen hören und auch jetzt nahm er das laute rauschen der Meereswogen nicht wahr. Er konnte auch Traumblicks Worte nicht hören, wenn sie sprach, doch er las ihre Lippen und Augen und so verstand er jede Einzelheit. Die schwarze Kätzin bewunderte diese Fähigkeit zutiefst. Immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sie im Lager versuchte die Gespräche der anderen Katzen anhand ihrer Körpersprache zu erraten. Bislang hatte sie nur teilweise Erfolge vorzuweisen. Sie hatte erkannt das sich der Blick einer Katze vor einer Verneinung auf eine bestimmte Art und Weise verdunkelte. Manchmal wurde auch Unterbewusst ganz leicht der Kopf geschüttelt. Bei Zustimmung dagegen leuchteten die Augen oder die Katze streckte ganz leicht den Kopf in Richtung ihres Gesprächspartners. Traumblick konnte auch schon einige Wörter anhand der Lippenbewegung erraten, aber für ganze Gespräche reichte es noch nicht.
    Akay jedoch war ein Meister seiner Kunst. Auch jetzt verstand er ganz genau was Traumblick antwortete. „Das Leben bietet viel, Akay. Man muss es entdecken. Nutze diese Chance, du kannst nicht zweimal leben.“ Der Kater schwieg eine Weile, dann sagte er mit ebenso leiser Stimme wie zuvor: „Ich weiß das du mich besser verstehst, als du zugeben willst.“ Es war kein Vorwurf und auch keine Frage, sondern eine schlichte Aussage, die Traumblick ins Herz traf. Ja, sie verstand es. Sie wusste was er fühlte, wusste es mit jeder Faser ihres Körpers. Und doch erfüllte sie die Vorstellung seines Leblosen Körpers, der auf den Wellen trieb, mit wütender Trauer. Wenn sie ihn ansah, seine schlanke Gestalt mit dem unfassbar weißen Fell und den klugen, blauen Augen, dann schrie alles in ihr danach, ihn zu beschützen. Er schien ihr so verletzlich und wertvoll. Nie hätte sie gedacht, dass sie je so für einen Kater empfinden würde.
    „Tu es nicht.“ erwiderte sie fest, über das Rauschen hinweg. „Warum?“ fragte er und sah ihr direkt in die Seele. „Weil ich dich brauche.“ antwortete sie, dann schoss ihre Pfote hoch und traf ihn im Gesicht.

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    REGENCLAN

    Morgenherz saß wie ein Schatten in einer abgeschiedenen Ecke des Lagers. Tigerstreif sah besorgt zu ihr hinüber. Ihr letztes Wort war schon lange her. Er fragte sich, was sie dachte, wenn sie so abwesend ins Nichts starrte, ob sie überhaupt etwas dachte. Oder ob auch ihre Gedanken schwiegen. Wie sie so im Schnee saß, das rote Fell ein wenig dichter und glänzender, die meisten Wunden zu Narben verheilt, sah es so aus, als würde es ihr besser gehen. Aber ihr haltloser Blick, der mal hier, mal dorthin schweifte und durch andere Katzen hindurchsah wie Luft, der bereitete ihm Zweifel. Er wünschte sich, dass er den Mut hätte, einfach aufzustehen, sich neben sie zu setzen und mit ihr zu reden, so wie er es früher immer getan hatte, als sie krank gewesen war. Aber jetzt fürchtete er sich davor. Hatte Angst davor, Erinnerungen zu wecken, ihr durch ein unbedachtes Wort unbewusst wehzutun. Dreck , dachte er. Zuerst hatte er geglaubt, sie würde darüber klagen im Schmutz zu liegen. Aber das war ihr vollkommen egal gewesen. Nein, so war sie genannt worden, das begriff er jetzt. Wer immer ihr das angetan hatte, er hatte sie Dreck gerufen. Biest. Der Schmerz in seinen Adern raubte ihn beinahe den Atem. Immer wieder trieb es ihm Tränen in die Augen, sie zu sehen. Und dann spürte er dieses Drängen in sich, das sich nicht länger verleugnen ließ: Es dürstete ihn nach Rache. Er wollte diese widerliche Katze finden, die Morgenherz Seele und Verstand geraubt hatte. Er würde sie finden. Und dann würde sie nichts zu lachen haben.

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    LICHTWIRBEL Ihr Blut kochte und brodelte in ihren Adern, jeder Schritt fühlte sich an, als würde sie in glühende Kohlen treten. Ihr war längst nic
    LICHTWIRBEL

    Ihr Blut kochte und brodelte in ihren Adern, jeder Schritt fühlte sich an, als würde sie in glühende Kohlen treten. Ihr war längst nicht mehr kalt. Vor ihren Augen tanzten schwarze Flecken und ihr Atem ging laut und viel zu schnell. Trotzdem ging sie immer weiter, setzte eine Pfote vor die nächste, obwohl sie längst nicht mehr wusste, wohin sie überhaupt lief. Sie wollte aufrecht sterben. „Wer bist du denn? Oder besser gesagt … was bist du?“ Die Stimme drang wie aus weiter Ferne an ihr Ohr. Sie wollte nach ihrem Urheber sehen, doch sie konnte nichts sehen. Die tanzenden Flecken machten sie blind. „Es spielt keine Rolle mehr.“ sagte sie leise. Die Worte kosteten sie unendlich viel Kraft. „Du siehst tatsächlich nicht so aus, als würdest du es noch lange machen.“ Die Stimme war weiblich, eine Kätzin also. „Mach das du davon kommst, ich möchte keine hässliche Leiche in meinem Revier.“ Lichtwirbel schluckte. Sie hatte geglaubt, sie hätte sich mit ihrem Schicksal abgefunden, aber jetzt schmerzten die Worte sie doch. Aus reinem Protest blieb sie stehen. Die Kätzin fauchte verärgert. „Bewege dich endlich weg von hier!“ Lichtwirbel setzte sich. Sie wusste, dass die andere es nicht wagen würde, ihr zu nahe zu kommen. Wer konnte schon sagen, ob ihre Krankheit ansteckend war? Das wusste sie ja selbst nicht. Die Wut der Kätzin war nun deutlich spürbar. „Ich hasse es, weißt du? Ich hasse diese harten Pflastersteine, die einem die Pfoten blutig scheuern. Ich hasse diese mäusehirnigen Zweibeiner und ihren Drecks-Müll überall auf meinen Straßen. Ich hasse die Kälte, den Hunger, ich hasse es, dass die Häuser den Himmel verdecken. Ich hasse es, dass Katzen vor meinen Augen. Ich ertrage es einfach nicht länger. Bitte, geh einfach!“ Die letzten Worte hatte sie mit einer solchen Verzweiflung beinahe geschrien, dass es Lichtwirbel tief ins Herz schnitt. Ihr Kopf schien klarer zu werden. „Geh du doch.“ sagte sie leise. Die Kätzin, die glaubte, dass dieses Halbtote Wesen ihr jetzt auch noch Vorschriften machen wollte, zischte bedrohlich. Aber die Heilerin fürchtete sich nicht. Sie war ruhig und sie glaubte die Sterne an ihrer Seite. „Geh doch einfach weg von hier. Weg von den Pflastersteinen und den Zweibeinern. Du kannst den Himmel sehen, dort wo ich herkomme. Wir beschützen einander.“ Erst herrschte vollkommene Stille. Dann begann die Kätzin laut, aber herzlos, zu lachen. „Da wo du herkommst? Sehen da alle so aus wie du?“ Lichtwirbel ging nicht darauf ein. Sie wusste, dass diese Fremde verbittert war. „Du kannst sie finden, wenn du sie suchst. Und du wirst nicht nur sie finden. Du wirst auch dich selbst finden. Deine Freiheit. Es ist deine Entscheidung.“ Die Kätzin schwieg. Lichtwirbel spürte ihre Erschöpfung beinahe körperlich. „Weißt du, wenn du willst kannst du bleiben. Such dir nur einen schönen Ort zum sterben.“ Dann drehte sie um und ihre Schritte entfernten sich schnell. Lichtwirbel blieb nicht. Sie ging weiter, solange ihre Pfoten sie trugen. Als es Nacht wurde und die Sterne am Himmel leuchteten, war ein neuer unter ihnen.

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    LINETTE Ihre Pfoten donnerten über den Asphalt und ihre Gedanken tobten, wenn sie an diese Katze dachte, die sie mit ihren toten Augen angesehen hatt
    LINETTE

    Ihre Pfoten donnerten über den Asphalt und ihre Gedanken tobten, wenn sie an diese Katze dachte, die sie mit ihren toten Augen angesehen hatte. Die es gewagt hatte, in ihrer Gegenwart von Freiheit zu sprechen. Gerade jetzt, wo es ihr endgültig gleichgültig geworden war. Jetzt, wo sie endlich akzeptiert hatte, dass sie eben nur ein hübsches Gesicht war, in dem viel zu viele Kater ihre große Liebe zu sehen glaubten. Linette war die schöne, schwarze Kätzin, mit den betörend grünen Augen und dem eleganten Gang. Mehr nicht. Mehr sah niemand. Aber diese Halbtote war blind gewesen. Hatte sie nicht sehen können. War nicht auf ihre Maskerade herein gefallen. Sie hatte nur ihre Stimme gehört und wahrscheinlich hatte sie all die Abscheu und die Hoffnungslosigkeit bemerkt, die Linette so eifrig zu verbergen suchte. Früher hatte sie davon geträumt, sich zu verlieben. In einen stattlichen Kater, der ihre Gedanken lesen konnte. So eine Dummheit. Sie hatte nie jemanden getroffen, der auch nur ansatzweise verstanden hatte, wer sie war und wovon das kleine Kätzchen in ihr zu träumen wagte. Schwerelosigkeit. Fallende Blätter jagen. Davon gab es keine Spur in ihren Erinnerungen. Sie war nie ein Junges gewesen. Hatte nie ein Junges sein dürfen. Das liebste, was ihre Mutter je zu ihr gesagt hatte, bevor sie sie verließ, war Wie schön du bist. gewesen. „Interessiert dich denn nur das?“ hatte Linette in ihren Gedanken geschrien. „Interessiert euch wirklich alle nur wie ich Aussehe und wie elegant ich Mäuse fange? Ist es euch denn egal, was ich denke und wovor ich Angst habe? Wieso fragt ihr mich nie, wie es mir geht?“ Aber natürlich hatte sie das nie laut gesagt. Eines Tages war ihre Mutter verschwunden, hatte sie zwischen diesen Steinmauern und Abfallcontainern zurückgelassen. Ganz allein. Aber selbst das hatte sie nicht entmutigt. Sie war sich so sicher gewesen, dass er irgendwo jemanden geben müsste, der sie verstand. Sie hatte Chez kennengelernt und geglaubt, nun würde alles besser werden. Was für eine Irrsinnige Hoffnung. Nach Chez war sie sich sicher, dass sie sich niemals wieder verlieben würde. Unter keinen Umständen. Dafür hatte sie gefallen daran gefunden, anderen das Herz zu brechen. Katern, die nur ihr Äußeres sahen.
    Was diese Fremde gesagt hatte, hatte etwas in ihr entfacht. Etwas, von dem sie dachte, dass es längst verloren wäre. Ein Traum in einer Seifenblase, tief in ihrem Innern. Aber sie hatte keine Lust mehr enttäuscht zu werden. Sie hatte keine Lust mehr, auf irgendwelche blinden Hoffnungen hereinzufallen. Und trotzdem änderte sich etwas. Sie rannte fort. Weg vom Meer, vom Asphalt und den erdrückenden Steinmauern. Sie überwand eine ihrer größten Ängste und wagte sich in die Natur. Sie hatte kein Ziel und folgte auch keinem genauen Weg. Du kannst sie finden, wenn du sie suchst, hatte die Sterbende gesagt. Ha! , dachte Linette, Sollen die doch mich finden.

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    REGENCLAN Als Leopardensturm von ihrem Allmorgendlichen Lauf aus dem Wald zurückkehrte, schien das ganze Lager aufgeregt zu summen, wie ein Bienensto
    REGENCLAN

    Als Leopardensturm von ihrem Allmorgendlichen Lauf aus dem Wald zurückkehrte, schien das ganze Lager aufgeregt zu summen, wie ein Bienenstock. Die Schülerin Rankenpfote hätte sie beinahe umgerannt und warf ihr aus glühenden Augen einen entschuldigenden Blick zu. Doch bevor Leopardensturm auch nur den Mund aufmachen konnte war sie schon wieder verschwunden. Verwirrt blieb die Kriegerin stehen. Sie sah Nachtfell, die außergewöhnlich Aufgeregt mit Pfefferstern scherzte und sogar der stille Steinherz war in ein Gespräch mit Rubinherz vertieft. Grinsend bemerkte sie, dass die rote Kätzin immer wieder verlegen den Blick senkte, wenn er sprach.
    Als sie dann Nachtfeder entdeckte, der wie versteinert vor der Kinderstube saß, wurde ihr einiges klar. Natürlich, wie hatte sie das nur vergessen können? Blattfeuer musste wohl gerade ihre Jungen bekommen! Unwillkürlich schlug ihre Herz ein wenig höher. Neue Leben für den Clan. Eigene Jungen zu haben musste herrlich sein.
    Während Leopardensturm noch ihren Gedanken nachhing, horchte Nachtfeder auf. Hatte Mauernherz gerade seinen Namen gerufen oder hatte er sich das nur eingebildet. Vor Aufregung pochte das Blut in seinen Ohren. „Ja?“ rief er zögerlich in den Bau hinein. „Komm nur und sieh dir das an!“ Die Stimme des alten Heilers klang weitaus freundlicher als sonst und hatte einen überaus sanften Unterton. Nachtfeder schloss für einen winzigen Moment die Augen. Gleich würde sein Leben einen ganz neuen Anfang finden. Alles würde anders werden. Entschlossen atmete er ein und trat dann festen Schrittes in die Dunkelheit des Baus. Das erste was er sah, waren Blattfeuers schimmernde, silberne Augen, die wie zwei Monde im Dämmerlicht funkelten. Noch nie hatte er diesen Ausdruck in ihnen gesehen. Es war, als würde sie ihm eine ganz neue Seite von sich zeigen. Empfindsamkeit, Wärme und ein Liebe, deren Ausmaß er nicht in Worte fassen konnte. Und das beste war, dass diese Liebe auch ihm galt. „Nachtfeder!“ wisperte Blattfeuer leise. „Es sind Wunder!“ Langsam ließ Nachtfeder den Blick sinken. Und da lagen sie. Drei winzig kleine Wesen, die er seine Jungen nennen durfte.Eine lebhafte Kätzin und zwei Kater, die sich blind und vollkommen hilflos an den Bauch ihrer Mutter drängen. Als Nachtfeder sie so sah, spürte er, wie sich in ihm eine Liebe erhob, von einer Art, die niemals vergeht.

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    ABENDCLAN Diese Nacht war anders. Froststern war es gewohnt, dass sich Schatten in ihre Träume stahlen, Schreie ihren Kopf füllten und rotes Blut au
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    Diese Nacht war anders. Froststern war es gewohnt, dass sich Schatten in ihre Träume stahlen, Schreie ihren Kopf füllten und rotes Blut aus ebenso rotem Fell tropfte. Sie war es gewohnt bis zum erwachen in namenlose Tiefen zu fallen. Doch dieses mal war es still. Es roch nach Wald. Ganz langsam öffnete sie die Augen – und schloss sie sofort wieder. Jedes mal, wenn sie ihn sah durchzuckte ein Schmerz ihr Herz wie ein Blitz. Takka sah seinem Bruder einfach viel zu ähnlich. „Was willst du?“ brummte sie. Der rostrote Kater antwortete ihr nicht, dafür fühlte sie einen leisen Windhauch an der Wange. Vorsichtig wagte sie noch einen Blick aus eng zusammengekniffen Augenlidern. Dieses mal riss sie die Augen weit auf, anstatt sie zu schließen. Vor ihr türmte sich eine hohe Gebirgskette bis zum Himmel auf, doch unter ihren Pfoten war der Grund weich. Auf der rechten Seite lag in einiger Entfernung ein Zweibeinerdorf, davor zog sich ein stoppeliges, goldenes Feld dahin. Froststern wusste sofort, wo sie war. Langsam drehte sie sich um. Hinter ihr fiel das Gelände steil ab und ganz unten im Tal, lag ein dunkler Wald. Hier hatte sie zusammen mit Kota gestanden, als er ihr ihren Kriegernamen gegeben hatte. Als sie zusammen den Abendclan gegründet hatten. Der Anfang dieser endlos langen, grausamen Reise. Undeutlich wie eine Spiegelung im Wasser tauchte Takka an ihrer Seite auf. „Komm!“ flüsterte er und lief nach links davon. Bring mich zum Sternenclan , dachte Froststern sehnsüchtig, doch dann fiel ihr ihr Clan ein und die Jungen in ihrem Bauch, die bald geboren werden mussten und sie wischte diesen Gedanken ärgerlich beiseite. Sie musste nicht weit laufen, nur bis zum Ende des Feldes. Als sie sich umdrehte, war weder vom Zweibeinerdorf noch vom Wald etwas zusehen. Dafür offenbarte sich vor ihr ein ganz neues Bild: Sie standen am Fuß der ersten Berge, die Felswände boten einen guten Windschutz. Der Boden war mit beinahe Schulterhohen, gelben Gras bedeckt, dass sich aber, je näher man den Wänden kam, lichtete und eine kleine, sandige Lichtung freigab. Es lag ein wenig Geröll herum, aber Froststern war schlimmeres gewohnt. Leichtfüßig sprang sie auf einen herumliegenden Gesteinsbrocken. Ein dünnes Wasserrinnsal sprudelte fröhlich aus einem Riss im Fels und sammelte sich in einem kleinen Tümpel, der gut verborgen im Hochgras lag. „Was soll das? Warum zeigst du mir diesen Ort?“ fragte Froststern verwirrt. Doch Takka antwortete nicht. Er lächelte sie nur warm an, bevor er einfach verschwand. „Lasst mich doch nicht immer allein!“ fauchte sie, doch es klang eher verzweifelt, als wirklich wütend. Sie wollte sie gerade abwenden, als sie stutzte. Das Licht auf den Steinen hatte sich verändert und einen beinahe rötlichen Farbton angenommen. Langsam hob sie den Blick - und sah direkt in einen sinkenden Feuerball, der hoch oben die Spitzen der Berge berührte. Überwältigt von diesem Anblick, begann sie zu verstehen. Froststern atmete tief aus. Als sie am nächsten Morgen in ihrem Bau aufwachte, wusste sie sofort, was zu tun war. "Wir müssen zurück."

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    WASSERCLAN Es war totenstill. Honiglicht starrte auf das Meer, das silbern vor ihr lag, völlig bewegungslos und stumm. „Jetzt kommst du?“ fragte
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    Es war totenstill. Honiglicht starrte auf das Meer, das silbern vor ihr lag, völlig bewegungslos und stumm. „Jetzt kommst du?“ fragte sie leise. „Jetzt … wo SIE weg ist?“ Finsterherz, der einen halben Meter entfernt neben ihr saß, schwieg. „Du weißt, wie sich das anfühlt.“ Seine Stimme war tonlos. Honiglicht sprang auf, ihr goldenes Fell sträubte sich und das honigfarbende Auge, dass ihr noch geblieben war, blitzte wütend. „Ja, das weiß ich.“ zischte sie. „So ein Mäusedreck, natürlich weiß ich ...“ So schnell wie sie gekommen war, war die Wut auch wieder verschwunden und hatte nur Verzweiflung in ihr gelassen. „Es hat mich kaputt gemacht.“ murmelte sie müde. Finsterherz neigte den Kopf, um sie anzusehen. Auch er sah müde aus. Unendlich müde. „Wir sind wohl beide ziemlich kaputt.“ „Wieso tut der Sternenclan so etwas?“ „Du kannst nicht den Sternenclan für das alles verantwortlich machen. Sie wachen über uns, aber sie bestimmen nicht, wie wir fühlen.“ Honiglicht seufzte. „Natürlich hast du recht.“ Eine Weile schweigen die beiden und sahen nur auf das rätselhaft ruhige Meer. „Was versprichst du dir davon?“ fragte sie schließlich. „Wir könnten füreinander da sein.“ sagte Finsterherz fest. „Uns … gegenseitig heilen.“ Honiglicht lachte bitter. „Glaubst du das wirklich? Das ICH dich heilen könnte. Ich glaube es nämlich nicht. Du hast mich nie gebraucht ...“ „Da irrst du dich. Du warst nur immer wie eine Schwester für mich.“ Seine Worte waren wie Splitter in Honiglichts Herzen. „Und für Lichtwirbel warst du nur wie ein Bruder.“ Er senkte den Kopf und sofort bereute sie, das laut ausgesprochen zu haben. „Tut mir leid.“ murmelte sie betrübt. „Nein, mir tut es leid. Es ist alles so … schrecklich kompliziert.“ Wieder schwiegen sie. Unsicherheit lag in der Luft. „Du willst mich heilen, obwohl du weißt, dass ich dich niemals glücklich machen kann.“ Es war eine Feststellung. Finsterherz sagte eine Weile nichts dazu. „Mit der Zeit … weißt du, auch ich brauche jemanden, der mich versteht. Das allein würde mir schon sehr helfen. Und wer, wer auf dieser ganzen Welt, sollte mich besser verstehen als du?“ „Lichtwirbel.“ sagte Honiglicht und ärgerte sich, wie verbittert sie klang. Doch Finsterherz lachte nur. „Nein. Nein, wirklich nicht. Lichtwirbel hätte mich nie wirklich verstanden. Vielleicht hätte sie es versucht, aber … Sie hätte nie gewusst, wie ich mich fühle. Aber du weißt es.“ Honiglicht rang mit sich. Was war richtig, was war falsch? Sie wusste es nicht mehr. Ihr Herz, dass sich immer noch so verzweifelt nach ihm sehnte oder ihr Kopf, der ihr sagte, dass sie es nicht zulassen dürfte. Ihre Gefühle für sich behalten sollte. Um noch mehr Schaden zu vermeiden. Sternenclan, gib mir ein Zeichen. , flehte sie still. Sag mir doch, was ich tun soll. Da sah weit draußen auf dem Meer, eine Flosse, die sich aus dem Wasser streckte. Das graue Tier? „Es ist ein Wal.“ Die Stimme war direkt neben ihr. Verwirrt sah sich um, doch da war niemand. „Ist etwas?“ fragte Finsterherz alamiert. „Nein … nichts.“ antwortete Honiglicht unsicher. Doch genau in diesem Augenblick sah sie sie. Sie stand ein Stück entfernt am Strand und Sternenlicht hatte sich in ihrem Pelz verfangen. Ihre grünen Augen lächelten, als sie Honiglicht ansah. Sie nickte ihr zu – und verschwand, als hätte der plötzlich aufkommende Wind sie fortgewischt. Honiglicht konnte ihren Blick lange nicht von der Stelle lösen, an der Lichtwirbel gestanden hatte. „Lass es uns versuchen.“

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    SONNENCLAN Hauchschatten freute sich sehr für Schwarzstern und lauschte der Zeremonie, mit der Blackout unter dem Namen Schemenfrost in den Sonnencla
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    Hauchschatten freute sich sehr für Schwarzstern und lauschte der Zeremonie, mit der Blackout unter dem Namen Schemenfrost in den Sonnenclan aufgenommen wurde, mit einem Lächeln. Wann geschah es schon, dass man jemanden wiedersah, den man längst für Tot gehalten hatte? Ihre Gedanken huschten kurz zu Himmelspfote, eine Schülerin, mit der sie sich immer gut verstanden hatte. Sie war im großen Kampf gefallen und hatte nie Kriegerin werden können. Zusammen mit den Gedanken an die verlorene Freundin stiegen noch andere Erinnerungen in Hauchschatten auf. Sie hatte in den Nächten vor der Schlacht immer wieder von einem Blutigen Mond geträumt. Warum ausgerechnet sie diejenige war, die der Sternenclan für diese Träume ausgewählt hatte, war ihr immer verborgen geblieben. Die graue Kätzin schüttelte heftig den Kopf, als nun auch die Bilder der Schlacht in ihrem Gedächtnis auftauchten. Sie erinnerte sich nicht gern daran. Zu viel Blut, zu viele Tote. „Ist alles in Ordnung mit dir?“ Hauchschatten wirbelte herum und spürte wie ihr Herz augenblicklich schneller schlug. Andrè stand vor ihre. Schwarzstern hätte ihn sicher auch in den Clan aufgenommen, aber er hatte sich entschieden, vorerst nur als Gast zu bleiben. „Oh! Äh, nein, mir war nur gerade etwas schwindlig.“ log sie schnell. Sie hatte nicht vor ihm vom alten Clan zu erzählen. Erstens war es schon längst vergangen, Zweitens waren die Erinnerungen zu schmerzhaft, um sie zu teilen und Drittens würde er es sich dann vermutlich dreimal überlegen, ob er im Clan leben wollte. „Geht schon wieder.“ Hauchschatten lächelte ihn beruhigend an und hoffte, dass er sich damit Zufrieden gab. Tatsächlich wich die Besorgnis in seinem Augen, wieder dem vertrauten Funkeln. „Das ist gut. Ich hatte gehofft, du würdest mit mir jagen gehen wollen. Vielleicht haben wir ja zu zweit mehr Glück.“ Er zwinkerte und ihr Herz machte einen Überschlag. Ein nervöses Lachen entwich ihr. Hauchschatten, reiß dich zusammen. , schimpfte sie innerlich. Andrè sah sie erwartungsvoll an. „Klar, ich komme gerne mit.“ verkündete sich schließlich. Ihre Stimme klang mindestens drei Oktaven zu hoch. Und hoffentlich bemerkte er nicht, wie ihre Pfoten zitterten. „Gut, ich freu mich! Wir treffen uns um Sonnenhoch genau hier, okay? Ich möchte mir noch ein Nest im Bau einrichten und die anderen kennenlernen.“ Hauchschatten nickte eckig. „Ich werde hier sein.“ „Alles klar.“ Er schenkte ihr noch einmal ein umwerfendes Lächeln, dann verschwand er in Richtung Bau. Hauchschatten setzte sich völlig überfordert in den Schnee. Er hatte sich tatsächlich noch einmal mit ihr verabredet. Nur mit ihr! Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Nach einer Weile kam Flammenglut zu ihr und setzte sich neben sie. „Was machst du denn hier? Du siehst glücklich aus.“ Die zweite Anführerin schnurrte leise. Hauchschatten nickte grinsend. „Andrè will mit mir Jagen gehen.“ flüsterte sie der roten Kätzin zu, als wäre es ein Geheimnis. Flammengluts Blick verfinsterte sich kaum merklich. „Tatsächlich? Du solltest Vorsichtig sein, hörst du?“ Empört stand Hauchschatten auf. „Vorsichtig? Er ist doch kein Krallenwetzender Einzelläufer! Außerdem kann ich mich sehr gut verteidigen.“ Flammenglut seufzte und erhob sich ebenfalls. „Ich möchte die nur sagen, dass du ihm vielleicht nicht sofort Vertrauen solltest. Du kennst ihn doch noch gar nicht richtig. Sei einfach Vorsichtig, okay?“ Hauchschatten verdrehte nur genervt die Augen und stolzierte davon. Flammenglut konnte Abendpfote herumkommandieren wenn sie wollte, aber nicht sie.

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    -Ich würde euch empfehlen, zu diesem Kapitel Saviour von Black Veil Brides zu hören. Ich habe es selbst während des Schreibens die ganze Zeit gehö
    -Ich würde euch empfehlen, zu diesem Kapitel Saviour von Black Veil Brides zu hören. Ich habe es selbst während des Schreibens die ganze Zeit gehört und irgendwie hat sich die Melodie in den Klang der Worte geschlichen. Wenn ihr versteht, was ich meine ;)
    Viel Spaß beim lesen, eure Sel -

    WASSERCLAN

    Akay hatte nicht einmal geblinzelt. Seine blauen Augen sahen sie an, sahen sie. Eine blutig rote Kratzspur zog sich über seine Wange. Traumblick keuchte. Was tat sie da? Sie spürte wie etwas in ihr zerbrach. „Ich wollte … nicht. Nein!“ Ihre Stimme war hoch und piepzig, völlig Fassungslos. Konnte er das auch auf ihren Lippen lesen? Gefühle wogten in ihr auf, wie die Wellen im stürmischen Meer. Sie waren immer da gewesen, wie eine Unterströmung, die sie immer weiter in die Tiefe zog. Hass, Wut, Verzweiflung, Angst, Eifersucht … Es war zu viel. Wer war sie? Wo war sie? Traumblick spürte wie sich ihre Kehle zuzog. Die Luft schien ihre Lungen nicht mehr zu erreichen, Atemlos wich sie zurück. Und Akay sah sie immer noch, hatte die Augen nicht von ihr genommen. „SIEH MICH NICHT AN!“ schrie sie in sein regungsloses Gesicht. „Du darfst mich nicht sehen.“ schluchzte sie weiter. „Ich bin so hässlich.“ Feuer umschloss ihr Herz oder war das Eis? Sie spürte sie, die Dunkelheit. Sie war ein Teil von ihr. Sieh ihn an, sein Atem bringt dich zum rasen. Eine Stimme, so kalt wie eisiges Wasser. War das ihre? Er sieht es. Er weiß jetzt, wer ich bin. Er wird mich hassen. , dachte sie. „Sieh mich … nicht an.“ krächzte sie. Warum nur konnte sie nicht mehr Atmen? Rotes Blut tropfte in den Sand. Er wird dich verraten. Bring ihn um. Sieh doch, wie schön sein Blut … „NEIN!“ Traumblick schrie, flehte ihn an. „Verschwinde! Bring dich in Sicherheit.“ Doch er wandte sich nicht ab. Sah ihr weiter in die Augen. „Traumblick.“ sagte er da. Wie ein frischer Wind strich seine Stimme über ihre Seele. Glättete die Wogen, kühlte das Feuer und wärmte das Eis. Alles wurde still. Traumblicks Beine gaben unter ihr nach. Kraftlos sackte sie in den Sand. Eine Scherbe bohrte sich in ihre Pfote, es war ihr egal. „Wer bist du?“ flüsterte sie. „Wer bist du, dass du meinen Namen so sagen kannst?“ Sie fand keine Worte, um auszudrücken was sie meinte. Er hatte ihren Namen gesagt, doch er hatte nicht nur Traumblick die Kriegerin gemeint, nicht nur die Kätzin, die für ihren Clan Beute jagte, bis spät in die Nacht, die beschützen und lieben wollte. Er hatte auch die Traumblick gemeint, die ein Leben lang nur ein Schatten gewesen war, die so unermesslich wütend auf alles war, auf alle frohen Stimmen, alle lächelnden Gesichter. Die es nicht ertragen konnte übersehen zu werden. Sie konnte nicht zwei sein. Er hatte Traumblick gesagt und er hatte sie beide gemeint. Hatte sie eins werden lassen. Und Traumblick spürte, dass nur ihre Liebe, ihre Zuversicht und ihre Treue die Kraft hatten, alle Wut und allen Hass zu zügeln. Es war verkehrt all das so lange zu verstecken. Es in ihren Herzen einzusperren, wo es sich staute, größer wurde. Sie musste zu sich stehen, ihren Ärger hinaus brüllen, um später über alles lachen zu können. Du bist so erbärmlich, Traumblick. So schwach. Nur ich kann dich stark machen, vergiss das nicht. Die Stimme war immer noch da, würde immer ein Teil von ihr sein. Doch nun verschloss sie die Ohren nicht vor ihr. „Ich bin erbärmlich.“ hauchte sie. Akay sah sie an, lächelte. „Nein.“ flüsterte er. „Es gibt keine Katze, die so stark ist wie du. Die so fühlt wie du. Du bist geboren, um sie zu beschützen, Traumblick. Alle, die du liebst. Und sie werden dich beschützen, weil sie dich lieben, genauso wie du bist. Du brauchst ihnen nicht zu zeigen, wer du sein solltest. Auch du kannst schreien, schimpfen, zicken und mal schlechte Tage haben. Sie werden dir verzeihen, so wie auch du ihnen verzeihst. Nur musst du auch lernen, dir selbst zu verzeihen. Schäme dich nicht für Dinge, die du fühlst. Schweige nicht, sprich sie aus. Und sie werden dich verstehen.“ Traumblick dachte an Honiglicht. Die arme Honiglicht. Sie würde ihr niemals verzeihen. Nicht nachdem, was sie ihr angetan hatte. „Ich habe so viele … schlimme Dinge gemacht.“ sagte Traumblick leise. Sie spürte wie ihre Kehle rau wurde, gierig sog sie die Kühle Nachtluft ein. „Alles, was du tun kannst, ist, dich zu entschuldigen. Alles andere ist die Sache derer, die du verletzt hast. Du kannst nur ehrlich bereuen und es in Zukunft besser machen.“ Traumblick wimmerte leise, beugte sich vor und putzte ihm das Blut von der Wange und ihr Herz floss über, vor Schmerz, so sehr bereute sie alles, was sie getan hatte. „Verzeih mir.“ sagte sie fest, sah in seine Augen. Wieder lächelte er, berührte ihre Nase sanft mit seiner. „Das habe ich doch schon längst, du Mäusehirn.“ Der Schmerz verschwand, wich einem milderen Gefühl, weich und heilend, wie Kräuter, die auf eine Wunde gelegt werden. Dankbarkeit, begriff Traumblick. „Du hast mich gerettet.“ sagte sie und sie wusste, dass es wahr war. Er hatte nicht nur sie gerettet, sondern vermutlich auch die Leben sämtlicher anderer Katzen, denen sie eigentlich nie etwas tun wollte. Für die sie doch eigentlich da sein wollte. Akay lachte, aber es klang nicht besonders fröhlich. „Oh nein, ich bin kein Retter. Siehst du das Meer? Wie oft wollte ich gehen. Ich habe es wirklich getan, weißt du? Ich bin ins Wasser gegangen, soweit, dass die Wellen über meinem Kopf zusammenschlugen. Ich brauchte gar nichts tun. Die Strömung hat mich getragen, immer weiter nach unten, immer weiter fort vom Licht. Ich habe gespürt, wie mein Herz langsamer wurde. Meine Lungen brannten vor Schmerz, alles in mir schrie danach zu Atmen. Aber ich habe keine Pfote bewegt, um nach oben zu schwimmen. Ich wollte endlich weg von dieser Sinnlosigkeit.“ Das letzte Wort spuckte er förmlich aus, seine Stimme war bitter. Nun sah er Traumblick nicht mehr in die Augen, nur noch auf ihre Lippen. „Wie … wie hast du-“ „Wie ich überlebt habe?“ Er stieß einen trockenen Lacher aus. „Ein Zweibeiner. Hat mich gepackt und wieder nach oben gezogen. Eine Woche lang hat er mich in seinem Nest behalten und mit diesem scheußlichen Futter vollgestopft. Es war grauenvoll.“ Traumblick holte tief Luft. „Der Sternenclan muss ihn geschickt haben.“ „Der was?“ Sie hatte jetzt nicht die Energie, ihm von ihren Ahnen zu erzählen. „Versprich mir, dass du das nie wieder tust.“ „Traumblick ...“ „Nein, versprich es mir! Sieh mir in die Augen und versprich es mir.“ Langsam wand er seinen Blick nach oben, sah sie traurig an. Er hatte sie gerettet! „Ich verspreche es.“ sagte er. Traumblick wusste, dass er nicht log. Das hätte sie sofort erkannt. „Es gehört jetzt dir.“ sagte er und es klang so sachlich, als würde er über das Wetter sprechen. „Was?“ fragte Traumblick irritiert. Er lächelte ironisch. „Mein Leben. Niemand will es sonst.“

    -So, ich muss hier doch noch eine kleine Anmerkung machen: Ich weiß, dass dieses Kapitel ziemlich verwirrend und schwer zu begreifen ist. Es ist auch ganz schön schwer, so viele Gefühle irgendwie in Worte zu packen. Ich hoffe, ihr versteht trotzdem, was Akay und Traumblick verbindet. Versucht einfach, es gar nicht zu sehr mit dem Kopf zu verstehen, sondern mit dem Herzen:) -

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    LINETTE

    Linette konnte sich nicht erinnern, je in ihrem Leben so weit gelaufen zu sein. Ihre Pfoten schmerzten und bluteten an den Ballen. Doch nun brauchte sie nicht mehr auf dem Teer der Straße weiter zu laufen. Vor ihr erstreckten sich die weiten eines Feldes, von einer unberührten Schicht glitzerndes Schnees bedeckt. Sollte sie wirklich die erste sein, die diese Vollkommenheit befleckte? Linette lachte leise. Wie immer stand sie sich selbst im Weg. Sie mochte das unbekannte nicht, es machte ihr Angst, war unberechenbar. Und hinter diesem Feld lag ein Wald. In ihrem ganzen Leben hatte sie noch nie einen Wald betreten. Schon gar nicht einen, der so finster und abweisend aussah, wie der dort in der Ferne. Aber ihre Angst hatte ihr schon so oft den Weg in die Freiheit versperrt. Linette holte tief Luft und tat den ersten Schritt in den Schnee, der kaum ihre Pfoten bedeckte. Nach dem das getan war, viel es ihr deutlich leichter, weiter voran zu gehen. Sie tat es einfach wie mechanisch. Sie lief und lief und lief. Und als der Waldrand plötzlich direkt vor ihr lag, erschrak sie und wunderte sich, wie sie ihn so schnell erreicht hatte. Sie stockte und kam zum stehen. Sie hatte immer gedacht, in einem Wald wäre es laut und lebhaft. Voller Vögeln und wilden Tieren. Aber hier war es unheimlich still. Kein Ast knackte, nichts raschelte. Der Boden war nur hier und da mit Schnee befleckt. Die dichten Kronen der Nadelbäume hatten das meiste aufgefangen und sperrten jetzt auch das Tageslicht aus. Es roch würzig, aber auch nass und ein kleines bisschen nach modernem Holz. So hatte sie sich das ganz und gar nicht vorgestellt. Vorsichtig schlich sie vorwärts und wagte sich unter die Bäume. Sofort schärften sich ihre Sinne. Ihre Ohren zuckten nervös in alle Richtungen, in den Schnurrhaaren spürte sie den kleinsten Luftzug und unter ihren Pfoten jede Vibration. Doch sie schien allein zu sein. War dieser Wald ausgestorben? Je weiter sie ging, desto dunkler wurde es, obwohl die Sonne ihren Höhepunkt noch nicht überschritten hatte. Die Stämme standen immer dichter, sie entdeckte Büschelweise gelbliches Moos, halb von Schnee bedeckt. Langsam hatte sie sich an den Gedanken gewöhnt, dass sie hier allein war, deshalb war sie sehr überrascht, als ihr plötzlich ein sehr penetranter, kaum zu überriechender Geruch in die Nase stieg. Eine Grenzmarkierung, die eindeutig von Katzen gesetzt worden war. Und alt war sie ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Sie schien sogar … „Ein Schritt weiter und ich reiße dich in fetzen.“ Überrascht wich Linette zurück, als eine kleine, graue Kätzin direkt auf sie zusprang. „Ich wollte gar nicht ...“ begann sie sich zu verteidigen, doch sie wurde von zwei weiteren Ankömmlingen unterbrochen. Der braun getigerte Kater schob die kleine Kätzin mit einem ärgerlichem Blick hinter sich. „Du wirst hier niemanden zerfetzen, Böenpfote.“ brummte er, doch seine Aufmerksamkeit galt gleich darauf wieder Linette. „Was suchst du hier?“ fragte die ältere, silberne Kätzin an seiner Seite, schon deutlich freundlicher. Es war eine leichte Frage, doch sie fand ehrlich keine Antwort darauf. Was suchte sie hier, in diesem Wald? Sie wusste es nicht. „Keine Ahnung.“ bekannte sie schließlich ehrlich. Sie war überrascht, wie müde ihre Stimme klang. Auch die freundliche Katze schien das bemerkt zu haben, denn sie schnippte besorgt mit dem Schwanz. „Dafür, dass du kein Ziel hast, musst du aber weit gelaufen sein.“ meinte der Kater ein wenig misstrauisch. Linette zuckte mit den Schultern. „Ich wollte einfach weg. So weit weg wie möglich.“ Erst jetzt wurde sie sich vollkommen bewusst, wie erschöpft sie war. Die silberne Kätzin tauschte einen kurzen Blick mit dem Kater, der kurz überlegte und dann unsicher nickte. „Ich bin Silberteich und das sind Farnkralle und Böenpfote. Wir gehören dem Regenclan an. Weißt du, was das ist?“ „Nein.“ musste sie ehrlich bekennen. Sie hatte gar keine Kraft mehr, sich über diese seltsamen Namen zu wundern. Silberteich seufzte. „Komm einfach mit, ich stelle dich unserer Anführerin vor. Sie gibt dir bestimmt ein Nest im Kriegerbau, damit du dich erst einmal ausschlafen kannst.“ Das klang gut. Inzwischen war es Linette egal, ob dies ein Hinterhalt war. Sie ging einfach mit.

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    REGENCLAN Der Wald war so still. Nur die rote Kätzin, die inmitten frisch gefallenen Schnees saß, war stiller. Nichts an ihr regte sich, nicht einma

    REGENCLAN

    Der Wald war so still. Nur die rote Kätzin, die inmitten frisch gefallenen Schnees saß, war stiller. Nichts an ihr regte sich, nicht einmal ihre Gedanken. Wo ihr Herz gesessen hatte, schien nur noch ein ausgeblutetes Loch zu sein. Es tat schon lange nicht mehr weh. Ein milder Wind kam auf und strich kühl um ihre Ohren. Langsam öffnete sie die Augen. Sie hatte unerträgliche Schmerzen. Schmerzen, die sie sich in keiner Weise erklären konnte.Ihre Wunden waren verheilt und hatte weitere Narben hinterlassen und ihr Fell war dick nachgewachsen. Niemand hatte sich geschlagen oder gebissen, und trotzdem litt sie jetzt. Die Verwirrung hatte sie aus dem Lager getrieben, weit hinaus in den Wald. Als ein stechender Schmerz in ihrem Innern sie fast überrollte, war ihr das nicht anzusehen. Sie saß noch immer genau wie zuvor, ihr Atem ging ruhig und sie hatte keine Miene verzogen. Das Stechen hatte sie in letzter Zeit oft gehabt. Es kam und ging wie eine Welle. Doch die schienen nun immer größer zu werden. Erschöpft ließ sie sich ganz auf den Boden sinken. So fest sie konnte drückte sie sich in den angenehm kalten Schnee. Ihr Körper glühte und ihre Augen glänzten fiebrig. Wieder kam der Schmerz. Dieses mal so gewaltig und betäubend, dass ihr ein leises keuchen entwich. Alle Kraft schien aus ihr zu weichen. Und dann war der Schnee plötzlich voller Blut und da war noch etwas … Mühsam wälzte sie sich herum und betrachtete die reglosen, kleinen Kätzchen, die dort im Schnee lagen. Morgenherz verstand nicht, was das bedeutete. Sie wunderte sich, warum sie sie nicht vorher bemerkt hatte und warum sie sich nicht bewegten. Sie wollte ihnen helfen und begann sie trocken zu lecken, obwohl es immer wieder schwarz vor ihren Augen wurde. Doch die Jungen rührten sich noch immer nicht. Ihre Glieder waren schlaff und unglaublich dünn. Tot. , dachte Morgenherz und aus irgendeinem Grund tat ihr der Gedanke weh. Wieder wurde ihr schwindelig. Sie fühlte sich, als wäre sie Kilometer weit durch eine glühende Wüste gelaufen.Wie von selbst sank ihr Kopf auf den Boden. Doch sie konnte ihren Blick nicht von den toten Jungen wenden. Sie erinnerten sie an etwas. Eine schöne Erinnerung, die süß prickelte. Ihre Augen schlossen sich langsam. Ohne Angst kehrte sie in die Dunkelheit zurück in der sie so lange gelebt hatte. „Ich werde dich immer lieben, Morgenjunges.“ flüsterte Flammengluts Stimme von irgendwo tief in ihr. Ein Bild warmer, grüner Augen, die ehrliche Liebe bekundeten. Und plötzlich konnte Morgenherz das Glück spüren, dass sich langsam immer weiter in ihr ausbreitete. Als ihr letzter Atemzug als weiße Wolke in den Himmel hinaufstieg, lag ein friedliches Lächeln auf ihren Lippen.
    Eine Rabe landete neben den Jungen und ihrer Mutter. Er hatte den Geruch des Todes von weit her gerochen. Misstrauisch hüpfte er näher. Nichts rührte sich. Er packte sich eines der Jungen, eine kleine weiße Katze mit roten und braunen Streifen, zerrte sie von den Geschwistern fort in den Schnee. Der Rabe war sich seines Leckerbissens sicher. Als das Kleine plötzlich den winzigen Mund weit aufriss und mit einem hohen Schrei gierig die kalte Luft einsog, erschrak er sich daher so sehr, dass er seine Beute achtlos liegen ließ und auf und davon flog. Das Junge zuckte wild, es bekam kaum Luft und es war fürchterlich kalt. „MORGENHERZ, WO BIST DU?“ Die Stimme war noch weit entfernt.

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    REGENCLAN Tigerstreifs Kopf hatte längst verstanden, was geschehen war, als er die dunkelrote Blutwolke inmitten reinem Schnees sah. Doch sein Herz w
    REGENCLAN

    Tigerstreifs Kopf hatte längst verstanden, was geschehen war, als er die dunkelrote Blutwolke inmitten reinem Schnees sah. Doch sein Herz weigerte sich, daran zu glauben. Morgenherz lag dort, als würde sie schlafen. Ein paar Sonnenstrahlen spielten in ihrem Fell, ließen das rot glühen. Wie sie so dalag, friedlich lächelnd, wie im Schlaf, war sie so wunderschön wie nie zuvor. Nicht einmal die Narben, die ihr Fell teilten, konnten daran noch etwas ändern. Tigerstreif stand da, sah sie an und konnte sich nicht rühren. Sein Herzschlag raste in seinen Ohren, seine Beine zitterten und sein Herz war vollkommen taub, weigerte sich, den Schmerz zuzulassen. Ein kühler Wind ließ ihn erschaudern, doch erst als eine große, federleichte Schneeflocke auf seiner Nase landete, erwachte er aus seiner starre. Langsam lief er zu ihr, konnte den Blick nicht von ihrem Lächeln lösen, bis er bemerke, was dort neben ihr lag. Die Jungen waren winzig und hatte flauschiges, braunes Fell, doch keines der beiden regte sich mehr. Sie waren ihrer Mutter in die Sterne gefolgt. Tränen brannten in seinen Augen, doch Tigerstreif blinzelte sie wütend weg. Er durfte nicht weinen. Morgenherz hatte diesen Ort mit ihrem Lächeln gesegnet. Tigerstreif ließ sich neben ihr nieder und atmete den Geruch ihres Fells ein. Etwas in ihm schien zu zerfallen. Er schluckte hart. „Morgenherz.“ flüsterte er und das war alles, was er über die Lippen brachte. In seiner Stimme lag alles, was er fühlte, was er sich gewünscht hatte und was er für immer vermissen würde. Die Flocken vielen dichter und dichter, begannen das rot zu bedecken. Tigerstreif stand auf, riss sich von ihr los und lief los, um den Clan zu Informieren. Doch er war keine drei Schritte weit gekommen, als er etwas hörte, das ihn sofort innehalten ließ. Ein Keuchen, krampfhaft, leise und unregelmäßig. Er wirbelte herum und suchte, bis er es gefunden hatte. Aus irgendeinem Grund lag es weit Abseits von den anderen, zwischen den Wurzeln eines Baumes. Der Schnee hatte es fast gänzlich verschluckt – doch es lebte. So schnell er konnte, leckte Tiegerstreif das Junge trocken. Es war so zart und dünn, dass er fürchtete, einen Knochen zu zerbrechen, wenn er zu unvorsichtig war. Etwas schien mit dem Kleinen nicht in Ordnung zu sein. Es wand sich krampfhaft und hatte das Mäulchen zum Atmen weit aufgerissen. Trotzdem schien es einfach nicht genug Luft zu bekommen. Es muss sofort zu Mauernherz. Tigerstreif hob das Junge so vorsichtig er konnte auf und lief dann, so schnell es eben ging, auf das Lager zu. Der Weg schien viel länger zu sein, als sonst. Das Junge wurde mit jedem Schritt schwächer. Bald zuckte es nur noch hin und wieder. Tiegerstreif lief noch schneller. Als er endlich das Lager erreichte, stürzte er ohne Umwege in Mauernherz Bau und drängte Rubinherz beseite, die sich gerade ausführlich über ihren Husten ausließ. „Hey, was soll denn das?“ rief sie empört, doch als sie entdeckte, was Tigerstreif da mit sich trug, hielt sie sofort den Mund. Mauernherz stellte keine Fragen. Ohne zu zögern, begann er er rhythmisch über den Brustkorb des Jungen zu lecken. Tigerstreif fühlte sich plötzlich vollkommen unnütz. Er konnte nur da stehen und zusehen. Leopardensturm drängte sich in den Bau. Sie hatte ihren Bruder ins Lager rennen sehen und fragte sich, was los war. Doch als sie ihren Bruder fragen wollte, schien er sie gar nicht zu hören. Und dann – endlich – durchschnitt ein feiner, klarer Atemzug, die angespannte Stille. Das Junge beruhigte sich, hörte auf zu zucken und begann gleichmäßig und leise zu Atmen. Die größte Gefahr war überwunden. Selbst Mauernherz war im Nachhinein überrascht, dass es überlebt hatte. „Eine kleine Kätzin.“ murmelte der Alte Heiler sanft. „Morgenherz Tochter.“ Stellte er mit einem Blick auf die roten Streifen fest. Tigerstreif nickte heftig. Er brachte nichts weiter zu sagen. Die Tränen, die nun doch in seinen Augen schimmerten, verrieten, was geschehen sein musste. Leopardensturm senkte betroffen den Blick. Sie konnte nur ahnen, was jetzt in ihrem Bruder vorgehen musste. Sanft strich sie über sein Ohr, dann verschwand sie in den Wald, um Morgenherz Leiche zu suchen und für die Totenwache ins Lager zu bringen. Rubinherz schloss sich ihr an. „Sie wird überleben, nicht wahr?“ fragte Tigerstreif währenddessen Mauernherz. Der Heiler legte abwägend den Kopf schief. „Wenn Blattfeuer es annimmt, hat es eine Chance.“ Der junge Kater zuckte zusammen. Richtig, ein Junges brauchte eine Mutter und Blattfeuer war die einzige Königin im Lager. „Das wird sie.“ hauchte er heiser. „Sie muss einfach.“ Er überzeugte sich noch einmal, ob das Junge ruhig schlief und lief dann in den Bau der Königinnen, um mit Blattfeuer zu sprechen. Die Kätzin lag friedlich neben ihrem Gefährten Nachtfeder und beobachtete ihre Jungen beim spielen. Inzwischen waren sie kräftiger geworden und obwohl sie kaum laufen konnten, purzelten sie schon vergnügt umher. Als Tigerstreif hereinplatzte, sprang Nachtfeder erschrocken auf, doch als er ihn erkannte, setzte er sich wieder. Blattfeuer dagegen stand besorgt auf und lief zu ihm. Sie schien instinktiv zu spüren, dass ihn etwas sehr belastete. „Alles in Ordnung?“ fragte sie leise. Tigerstreif senkte den Kopf. „Morgenherz … ist ...“ Er konnte es nicht aussprechen. Noch nicht. Doch Blattfeuer verstand ihn auch so. „Sie hat ihre Jungen, darum kommst du zu mir, nicht wahr?“ Sie wusste, dass Tigerstreif zuerst mit Leopardensturm gesprochen hätte, wenn es allein um Morgenherz gegangen wäre. Aber sie war die einzige Königin im Lager. Wenn er zu ihr kam, dann musste das bedeuten … „Sie hatte drei.“ murmelte Tigerstreif. „Jetzt ist … Mauernherz hat das eine, das noch lebt. Es ist ganz klein und hat Atemprobleme ...“ Blattfeuer drückte sich beruhigend an ihn. „Es ist in Ordnung, Tigerstreif. Mach dir keine Sorgen. Ich werde das Kleine nehmen und ich werde es genauso sehr lieben, wie ich meine eigenen Jungen.“ Erleichterung durchflutete den Kater. Er bedankte sich, so gut er seine Dankbarkeit ausdrücken konnte und lief dann, holte das Junge und brachte es ihr. Mauernherz hatte ihm versichert, dass der Zustand des Kleinen stabil war. Blattfeuer betrachtete es, es war wirklich erschreckend dünn. „Wie heißt es?“ fragte sie Tigerstreif. Etwas überfordert zuckte der Kater zusammen. „Ich weiß es nicht. Morgenherz war ja schon ...“ Blattfeuer schüttelte den Kopf. „Tigerstreif, niemand hat Morgenherz so gut gekannt wie du. Nur du kannst wissen, wie sie es genannt hätte.“ Tigerstreif schloss die Augen und dachte nach. Da war etwas, das Morgenherz immer wieder ein leises Lächeln entrückt hatte. Bunt, zart und Federleicht. „Schmetterlingsjunges.“ flüsterte er.

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    ABENDCLAN

    „Wir gehen wohin zurück?“ fragte Felsensonne verwundert. Seit sie geboren war, war der Clan nur umhergezogen und hatte kein festes Territorium gehabt. Und jetzt hatte Froststern verkündet, dass sie zurück nach Hause gehen würden. Nebelhauch hatte zustimmend genickt und Schmerz und Sehnsucht hatten gleichzeitig in ihren Augen gelegen. Kriegerherz zuckte nur mit den Schultern. „Nebelhauch hat mir als Junges manchmal von dem Clan erzählt, aus dem sie geflohen ist und das es dort schrecklich war. Vermutlich wollen sie dahin.“ Dunkelflamme riss entsetzt die Augen auf. „Du meinst sie wollen zurück an einen Ort, an dem es schrecklich war? Und wir sollen dort für immer leben?“ Sein Bruder lachte spöttisch und stieß ihm in die Seite. „Hast du eigentlich nie aufgepasst, wenn Nebelhauch uns etwas erzählt hat? Der Clan existiert doch jetzt gar nicht mehr, du Mäusehirn.“ Dunkelflamme grummelte etwas, doch auf Felsensonnes Gesicht schlich sich ein nachdenklicher Ausdruck. „Aber das Territorium existiert noch. Und wenn Froststern wirklich schon vor unserer Geburt losgezogen ist, dann muss es Monde von hier entfernt sein!“ Kriegerherz stöhnte resigniert. „Bedeutet das, das wir den ganzen Weg, den wir in unserem Leben gewandert sind, wieder zurück müssen? Das kann sie doch nicht machen! Meine Pfoten werden das nicht noch einmal aushalten. Vor allem diese Klippen. Erinnert ihr euch noch an die Klippen? Dunkelflamme wäre beinahe abgestürzt, weil er nicht gesehen hat, wie locker der Boden an dieser einen Stelle war und -“ Felsensonne brachte ihn mit einem Schwanzschnippen zum schweigen. „Natürlich erinnern wir uns noch daran. So etwas vergisst man doch nicht.“ Sie winkte Herbstpfote der gerade vorbei kam und aufgeregt auf seine Schwester Taupfote einredete. „Was ist denn?“ fragte der struppige, rote Kater die Kriegerin neugierig. „Sei so gut und bring Efeuschatten Wildjunges zurück. Er ist schon wieder abgehauen.“ Sie deutete auf einen kleinen, flauschigen Punkt, der sich langsam von der improvisierten Kinderstube fortbewegte. Herbstpfote grinste und huschte davon. „Wie kannst du sie nur von hier aus unterscheiden?“ fragte Kriegerherz fasziniert. Felsensonne lächelte geheimnisvoll. „Ich kann es eben.“ Das sie in Wirklichkeit nur geraten hatte, musste er ja nicht unbedingt wissen. Splitterwind gesellte sich zu ihnen, doch kaum das er sich gesetzt hatte, wurde er auch schon mit Fragen bombardiert. „Will Froststern wirklich den ganzen Weg zurück?“ „Wie ist es dort, wo sie Zuhause war?“ „Ist es dort noch gefährlich?“ Der ältere Krieger bat lachend um Stille. „Ihr habt also Angst, dass der Weg Monde dauert? Na, zumindest da kann ich euch beruhigen. Wir sind ja während unserer Wanderschaft nicht immer geradeaus gezogen, sondern vielmehr in Unterschiedlich großen Kreisen immer hin und her. Ich glaube wir befinden uns nur einen Halbmond vom ehemaligem Tannenclanlager entfernt.“ Kriegerherz atmete erleichtert aus. Er hatte seine Pfoten schon bluten gesehen. Aufgeregt waren die drei aber trotzdem noch. Ein Zuhause. Das hörte sich doch gut an.

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    WASSERCLAN

    Honiglicht kniff schmerzerfüllt ihr Auge zusammen. Seit einiger Zeit tat ihre Narbe schrecklich weh, wahrscheinlich war sie auf dem besten Weg sich zu entzünden. Bisher hatte sie sich gescheut, damit zu Saphirschwinge zu gehen. Die Kätzin war für Lichtwirbel als Heilerin eingetreten, weil sie als Schülerin die Ausbildung begonnen hatte. Die meisten Grundliegenden Dinge wusste sie zwar noch, aber für einen richtigen Heiler reichte es noch lange nicht. Und nun war auch noch ein regelrechte Krankheitswelle über dem Clan ausgebrochen. Alles hatte damit angefangen, dass Eichhornjunges husten bekam. Ein paar Tage später waren Feuerschweif, Abenddämmerung, Meerestod und Adlerpfote ebenfalls krank. Nur Mondjunges war wie durch ein Wunder verschont geblieben. Saphirschwinge kam schon mit den Erkältungen kaum hinterher, aber es gab natürlich auch noch zahlreiche Schnittwunden und Splitter zu verarzten, weil man den Strand anscheinend nicht unverletzt verlassen konnte. Honiglicht wollte sich nicht auch noch in dieses Chaos drängen. Vermutlich war es gar nicht so schlimm, wie es sich anfühlte und in ein zwei Tagen wäre alles vergessen. Finsterherz sah das anders. „Die Narbe ist ganz rot geworden. Das sieht wirklich nicht gut aus.“ murmelte er besorgt. „Na Danke.“ Honiglich stierte unwillig zu Boden. Sie dachte an Traumblick und ihre Drohung. Jedes mal, wenn sie sich das Bild ihrer kalten, blauen Augen ins Gedächtnis rief, schauderte sie erneut. Was habe ich ihr nur getan? „Du solltest das wirklich mal Saphirschwinge zeigen.“ Finsterherz riss sie aus ihren Gedanken. Hastig schüttelte sie den Kopf. „Saphirschwinge hat ja nun wirklich genug zu tun. All die Kranken und Verletzten, da muss ich mich mit so einer lächerlichen Entzündung nicht noch dazwischen Drängeln. Vermutlich wird sie mir sowieso nur Ringelblume empfehlen und die wächst hier einfach nicht.“ Finsterherz senkte den Kopf und peitschte verärgert mit dem Schweif. „So geht das wirklich nicht weiter. Ein Clan braucht einen vollwertigen Heiler, sonst geht er zugrunde.“ „Und wo willst du den herbekommen? Heiler wachsen nicht an Bäumen.“ Honiglicht lächelte ironisch. Die ganze Situation war wie in einem schlechten Kinderstubenmärchen. Ständig waren die Krieger gereizt, die Nahrung war knapp, die Schüler gingen sich gegenseitig auf die Nerven und Schattensturm und Tannenstern waren mit ihrem Rat am Ende. Die ganze Atmosphäre schien vor aufgestauter Spannung zu knistern. „Wir sollten vom Meer weg ziehen, zurück aufs Festland. Dann würden wir wieder mehr Beute fangen.“ Honiglicht nickte, aber sie wusste auch, dass das nicht so einfach war. Gerade jetzt, wo viele zu krank waren, um zu laufen. „Sternenclan, schick uns ein Wunder.“ murmelte sie. Und stöhnte kurz darauf auf, weil ein stechender Schmerz durch ihren Kopf schoss.

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    SONNENCLAN „Hauchschatten? Hauchschatten!“Flammengluts Stimme drang nur langsam in das Bewusstsein der grauen Kätzin vor. „Was gibt’s denn?
    SONNENCLAN

    „Hauchschatten? Hauchschatten!“Flammengluts Stimme drang nur langsam in das Bewusstsein der grauen Kätzin vor. „Was gibt’s denn?“ murmelte sie leise, noch ganz in Gedanken versunken. Flammenglut peitschte ärgerlich mit dem Schweif. „Ich rede mit dir. Schon seit einer ganzen Weile. Aber du hast mir gar nicht zugehört! Was ist nur mit dir los?“ „Ich … Äh…“ Hauchschatten schüttelte schnell den Kopf, um die letzten Träumereien zu vertreiben. „Ach, ich hab nur nachgedacht. Wegen … Ja, wegen der Blattleere. Die dauert doch schon Ewigkeiten, irgendwann muss es doch irgendwie warm werden! Oder so… Nicht wahr?“ Flammenglut schüttelte entrüstet den Kopf. „Es ist dieser Andrè, nicht wahr? Seit er aufgetaucht ist, kannst du keinen klaren Kopf mehr wahren. Du bist gar nicht mehr du selbst!“ Hauchschatten senkte den Blick. Es stimmte. Andrè hatte sie in seinen Bann gezogen und sie hatte sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Aber das war doch nicht schlimmes. Das hätte doch jedem passieren können! Aber seit sie mit Andrè jagen ging, hatte sie kaum noch Zeit für ihre alten Freunde gefunden. Vielleicht … „Du bist eifersüchtig.“ Stellte sie mit triumphierender Stimme mit. Doch Flammenglut schnaubte nur und zuckte mit dem Ohr, wie immer kurz bevor sie richtig wütend wurde. „Ich. Bin. Nicht. Eifersüchtig.“ erwiderte die rote Kätzin grollend. Sie war aufgestanden und ihr dickes Fell gegen den Wind aufgeplustert. „Ich sehe nur, dass du alles stehen und liegen lässt, was dir früher so wichtig war. Nur um diesem Kater hinterher zu laufen, wie das größte Mäusehirn.“ Nun wurde Hauchschatten doch wütend. Drohend kniff sie die Augen zusammen. „Weißt du was, Flammenglut? Ich finde DU hast dich verändert.Du benimmst dich wie eine verbitterte, uralte Katze, die mit ihrem Leben nichts mehr anzufangen hat. Erst kommandierst du mich ständig herum und jetzt willst du mir sagen, ich wäre ein Mäusehirn, weil ich mich verliebt habe? Lass mich einfach in Ruhe, okay?“ Damit sprang sie auf und ließ die entsetzte Flammenglut einfach stehen. Ihr Kopf dröhnte und Tränen brannten hinter ihren Augen. Hinter sich hörte sie Flammenglut ihren Namen rufen. Aber jetzt würde sie ganz bestimmt nicht mehr umdrehen. Sie lief auf die Wiese hinauf, bis die Katzen im Lager nur noch winzige Punkte waren. Dann setzte sie sich hin und versuchte tief ein und aus zu atmen. Aber irgendwie konnte sie sich nicht beruhigen. Ständig schwoll ihre Wut aufs neue an. Frustriert fuhr sie die Krallen aus und schlug wilde Muster in den Schnee. Sie würde sich von ihren Gefühlen ganz bestimmt nicht abbringen lassen. Da konnte Flammenglut sagen, was sie wollte. „Hey, geht es dir gut?“ Als Hauchschatten den roten Pelz der Katze sah, die nun auf sie zusprang, wollte sie schon in Angriffshaltung gehen. Nur mit Mühe konnte sie eine bissige Bemerkung zurückhalten. Abendpfote war ihrer Mutter einfach zu ähnlich geworden. Funkenpfote kam hinter seiner Schwester angelaufen. „Mir geht’s gut. Ich wollte gleich jagen gehen.“ murmelte sie abweisend. Die jüngere Kätzin zuckte mit den Schultern, aber an ihren Augen konnte Hauchschatten erkennen, dass sie ihr nicht glaubte. Die beiden wandten sich schon zum gehen, als ihr noch etwas einfiel. „Abendpfote?“ rief sie. Die Kätzin drehte sich zu ihr um, diesmal war jedoch keine Spur von Mitleid in ihrem Gesicht zu sehen. Stattdessen wirkte sie regelrecht genervt. „Sag Flammenglut, dass ich nicht mit ihr reden möchte.“ sagte Hauchschatten vorsichtig. Abendpfote starrte sie ein paar Herzschläge weiter urverwandt an. „Ich heiße jetzt Abendlicht, falls du es noch nicht mitbekommen hast.“ Hauchschatten zwinkerte irritiert. Wann war Abendpfote denn zur Kriegerin ernannt worden. Funkenpfote stöhnte genervt und wandte sich ab. „Nur das du es auch mal mitkriegst: Ich heiße jetzt Funkensprung.“ rief er im Weggehen. Abendlicht folgte ihm mit einem fassungslosen Blick auf Hauchschatten. Diese blieb noch eine ganze Weile vollkommen durcheinander sitzen. Konnte es wirklich sein, dass sie eine Kriegerzeremonie nicht mitbekommen hatte? Das konnte doch gar nicht sein! Doch dann keimte ein leiser Verdacht in ihr auf. Sie war wohl mit Andrè jagen gewesen.

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    REGENCLAN Tigerstreif konnte nicht schlafen. Der Mond stand schon an seinem Höchsten Punkt und seine Augen schmerzten vor Müdigkeit. Doch sobald er
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    Tigerstreif konnte nicht schlafen. Der Mond stand schon an seinem Höchsten Punkt und seine Augen schmerzten vor Müdigkeit. Doch sobald er sie schloss, sah er Morgenherz vor sich, wie sie reglos im Schnee lag. Und jedes mal, wenn er an sie dachte, schmerzte sein Herz, dass er sich krümmte. Also vermied er es so gut es ging, die Augen zu schließen. Im fahlen Mondlicht, das durch die Ranken fiel, konnte er die Pelze der Katzen sehen, die sich bei jedem Atemzug hoben und senkten. Farnkralle und Silberteich lagen dicht neben einander und Atmeten beinahe synchron. Nachtfell hatte ihr Nest zwischen Silberteich und Rubinherz. Ihre Schwanzspitze zuckte, als würde sie in ihren Träumen etwas auflauern. Abseits von den anderen und ganz nah am Eingang lag die Fremde Kätzin, Linette. Selbst im Schlaf war ihr Körper angespannt und hin und wieder fauchte sie leise. Albträume. Tigerstreif beobachtete sie eine Weile besorgt und ihm viel auf, dass sie immer wieder ihre Krallen ausfuhr. Dann ließ er seinen Blick weiter gleiten, zu seiner Schwester neben ihn – und zuckte erschrocken zusammen. Leopardensturm schlief nicht. Im Dämmerlicht glommen ihre Augen grün. „Es lässt dich nicht schlafen.“ wisperte sie so leise wie möglich, um keinen der anderen zu stören. Tigerstreif ließ der Kopf auf die Pfoten fallen. „Ich fühle mich so … Nutzlos. Sie musste so viel schlimmes durchstehen und ich konnte rein gar nichts tun, um ihr zu helfen.“ Leopardensturm seufzte. Sie hatte sich schon gedacht, dass ihr Bruder sich Vorwürfe machen würde. Er hatte immer eine besondere Beziehung zu Morgenherz gehabt. Vielleicht, weil er derjenige gewesen war, der sie gefunden hatte. „Du kannst nichts dafür.“ murmelte sie, in der Gewissheit, dass er ihr sowieso nicht glauben würde. Tigerstreif konnte stur sein, wenn er wollte. Und wirklich: Er schnaubte nur und zuckte mit den Schultern. Eine Weile sagte niemand der beiden etwas, dann begann Tigerstreif zu sprechen. „Ich muss immer an diese … Katze … denken, die ihr das angetan hat. Es lässt mich nicht los, das dieses Vieh hier immer noch irgendwo leben könnte. Das es unsere Beute fängt und sich Nachts ans Lager schleicht...“ Leopardensturm lief ein Schauer über den Rücken. „Wie haben die Gegend doch abgesucht.“ Ihre Stimme sollte sicher klingen, doch selbst sie hörte das leise Flackern darin. Sie hatte wirklich Angst, seit sie Morgenherz gefunden hatten. Zuerst war es nur so ein nervöses Kribbeln gewesen, das sie immer wieder über die Schulter blicken ließ. Aber es war schlimmer geworden. Inzwischen ging ihre Panik sogar soweit, dass sie Nachtfell bat, sie bei ihren morgendlichen Läufen zu begleiten. Sie war ungern allein im Wald. Hinter jedem Baum schien plötzlich ein Schatten zu lauern. „Ich werde ihn finden.“ sagte Tigerstreif plötzlich viel zu laut in die Stille hinein. Leopardensturm zuckte zusammen. Innerlich betete sie zum Sternenclan, sich verhört zu haben. „Du willst … wen … finden?“ Tigerstreif wälzte sich zu ihr herum und sah sie direkt an. „Du weißt genau, wen ich meine. Und wenn ich ihn gefunden habe, wird er nie wieder jemanden etwas zu leide tun. Das Verspreche ich dir.“
    Spätestens ab diesen Moment hatte sich entschieden, dass keiner der beiden in dieser Nacht noch schlafen würde.

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    LINETTE Eigentlich mochte Linette die Clan-Katzen. Sie behandelten sie freundlich, aber dennoch mit dem nötigen Respekt, ließen ihr viel Freiraum un
    LINETTE

    Eigentlich mochte Linette die Clan-Katzen. Sie behandelten sie freundlich, aber dennoch mit dem nötigen Respekt, ließen ihr viel Freiraum und drängten ihr keine Gespräche auf. Außerdem unterschied sich das Leben hier gewaltig zu ihrem früheren Dasein in der Stadt. Der Wald war gar nicht so leer, wie sie am Anfang gedacht hatte. Mit etwas Mühe entdeckte sie sogar hin und wieder ein Eichhörnchen, das nach eingegrabenen Nüssen suchte. Und auch wenn die Stille zuerst betäubend auf sie gewirkt hatte, so war ihr doch bald aufgefallen, dass es im Wald eigentlich nie vollkommen leise war. Schnee fiel von den Ästen, trockene Zweige knackten und altes Laub raschelte. Linette hatte gelernt dieses Leben zu schätzen, auch wenn sie hin und wieder mit leeren Magen schlafen ging. Sie spielte sogar mit dem Gedanken für immer hier zu bleiben.
    Linette war ein gutes Stück durch den Wald gelaufen, als sie plötzlich das vertraute Scharren eines Vogels im Schnee hörte. Sofort Spitzten sich ihre Ohren wachsam. Den Körper so dicht wie möglich am Boden schlängelte sie sich voran, immer dem Geräusch nach, bis sie das aufgeplusterte Gefieder eines Spatzen entdeckte. Der kleine Vogel war unbesorgt und pickte Selbstsicher im Schnee herum. Linette schlich sich nun vollauf konzentriert näher und näher, bis sie sich ein Sprung zutraute. Sie verlagerte ihr Gewicht, spannte die Muskeln an und – Aus dem Gebüsch neben ihr schoss ein riesiges, rotbraunes Tier hervor, das sich das hilflose Vögelchen mühelos aus der Luft schnappte. Linette, die ihren Sprung nicht mehr hatte bremsen können, flog direkt gegen es, prallte ab und landete Rückwärts im Schnee. Ein Fuchs! Sie hatte seine Artgenossen bereits in der Stadt kennengelernt, wo sie die Mülleimer nach Futter durchsuchten. Man ging ihnen besser aus dem Weg. Dieser hier schien da keine Ausnahme zu machen. Er knurrte wütend und blitzte Linette aus scharfen, schwarzen Augen an. Sofort begann sie sich zurückzuziehen, den Fuchs immer im Blick. In der Stadt funktionierte das recht gut. „FUCHSANGRIFF!“ Wie aus dem Nichts flog plötzlich ein schwarzes Fellbündel heran und landete direkt auf dem Rücken des Tieres, das nun verwirrt um sich biss. Nachtfell. Keinen Augenblick später folgte Silberteich ihrer Freundin und begann wild jaulend seine Flanke zu bearbeiten. Rotes Fuchsblut tropfte in den Schnee. „Er hatte doch nur Hunger.“ murmelte Linette bestürzt. Sie hatte sich vorsichtshalber im Dickicht versteckt und beobachtete den Kampf mit weit aufgerissenen Augen. Nachtfell und Silberteich waren gute Kämpferinnen und zuerst schien alles zu ihren Gunsten zu laufen. Doch dann wurde der Fuchs rasend vor Wut. Er warf sich ziellos hin und her und biss mal hierhin mal dorthin, ohne überhaupt noch nach den Katzen zu sehen. Dadurch wurde er unberechenbar. Nachtfell heulte erschrocken auf, als er sie am Bein zu fassen bekam. Wild strampelnd versuchte sie sich seinem Maul zu entwinden, aber er drückte sie unerbittlich in den Schnee. Silbersturm schrie bestürzt auf. „Nachtfell, pass auf!“ Sie warf sich auf den Rücken des Fuchses und begann auf seine Ohren einzuschlagen, doch das Tier reagierte überhaupt nicht auf sie. „Lass sie los, du stinkendes Fellpaket!“ brüllte sie verzweifelt und begann nun seine Augen zu attackieren. Der Fuchs jaulte gedämpft, aber er ließ nicht locker. Inzwischen hielt er Nachtfell im Nacken gepackt. Sie hatte keine Chance mehr, sich selbst zu befreien. Linette hatte die Wendung des Kampfes wie versteinert mit angesehen. Was sollte sie jetzt tun? Silberteich unterstützen und sich auf den Fuchs werfen? Oder in Lager laufen, um Hilfe zu holen? Seltsamerweise schienen ihre Beine ihr nicht mehr zu gehorchen. Silberteich brüllte noch immer undeutliche Beleidigungen. Ihre Schläge wurden immer ungenauer und unkontrollierter. Nachtfells Schicksal schien besiegelt zu sein. Doch dann erscholl plötzlich ein Lautes Jaulen und drei Katzen stürzten aus der Gegenüberliegenden Seite des Waldes. Kraftvoll warfen sie sich gleichzeitig gegen den Fuchs, der sofort seinen Halt verlor und zur Seite wegrutschte. Überrascht ließ er Nachtfell los. Die schwarze Kätzin rührte sich nicht mehr, doch Silberteich war sofort bei ihr und zog sie aus der Gefahr. Die drei Katzen hatten leichtes Spiel. Der Fuchs, der nun seiner Beute beraubt war, machte rasch kehrt und humpelte so schnell es ging in den Wald davon. Zwei der Katzen folgten ihm. Wahrscheinlich um sicher zu gehen, dass er das Territorium verließ. Nur eine kleine, weiße Kätzin mit roten Streifen blieb zurück. Suchend sah sie sich um. „Silberteich, Nachtfell, wahrt ihr das?“ Ein Knacken verriet Silberteich, als sie ihr Versteck verließ. Fassungslos starrte sie die Kätzin an. Dann sprang sie freudig auf sie zu und drückte sich fest an sie. „Froststern, was machst du denn hier?“

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    ABENDCLAN Froststern fühlte sich wie in die Vergangenheit zurückgesetzt. Silberteich. Es war Ewigkeiten her, seit sie sie das letzte mal gesehen hat

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    Froststern fühlte sich wie in die Vergangenheit zurückgesetzt. Silberteich. Es war Ewigkeiten her, seit sie sie das letzte mal gesehen hatte. Im Fell der älteren Kätzin klebte noch Blut. „Ich werde dir das alles später erklären.“ sagte die Anführerin bestimmt. „Zuerst sollten wir Nachtfell ...“ Sie hielt inne. Silberteich nickte zustimmend. „...Nachtfell in euer Lager bringen.“ Das erwies sich als leichte gesagt als getan. Nachtfell lebte und war bei Bewusstsein, doch sie hatte furchtbare Schmerzen im Nacken und konnte den Kopf nicht mehr bewegen. Vermutlich hatte der Griff des Fuchses einen Wirbel ausgerenkt oder eine Sehne zerrissen. Sie musste den Kopf gesenkt und zur Seite gedreht halten, damit es nicht wehtat. Selbst die kleinste Muskelanspannung fühlte sich für sie an, als würde sie von innen zerrissen werden. Mit viel Mühe gelang es Silberteich schließlich Nachtfell aufzurichten, sodass sie sich mit vollem Gewicht auf Froststern stützte. Das nächste Problem war das Laufen. An dem linken Hinterbein der Kätzin klaffte eine Fleischwunde, die es ihr beinahe unmöglich machte, das Bein zu belasten. Silberteich schüttelte resigniert den Kopf. „So wird das nichts. Ich werde ins Lager gehen und Mauernherz holen, du passt hier -“ „Das ist nicht nötig, er kommt gleich.“ Farnkralle sprang leichtfüßig durch das Dickicht auf sie zu, an seiner Seite beeilte sich seine Schülerin Böenpfote ihm zu folgen. Mit Hilfe der beiden war es viel leichter, Nachtfell wieder auf den Boden zu lassen, ohne ihre Schmerzen noch schlimmer zu machen. Die schwarze Kätzin hatte die Augen fest zusammengekniffen und zischte hin und wieder unterdrückt. Mauernherz schnaufte, als er ankam. Er war nicht mehr der Jüngste und selbst der kürzeste Weg schien ihm noch zu weit zu sein. Überraschenderweise wurde er von Linette begleitet, die sämtliche Kräuter im Maul trug. Die meisten davon waren getrocknet und stammten noch aus der letzten Blattfrische. Dementsprechend kostbar waren sie. Während sich Mauernherz über Nachtfell beugte. Kamen Felsensonne und Nebelhauch zurück. Auch sie waren außer Atem und berichteten in kurzen Worten, dass sie den Fuchs bis zum Waldrand an den Wiesen gescheucht hätten. „Der wird sich hier nicht mehr so schnell blicken lassen.“ Schloss Nebelhauch schließlich zufrieden. Froststern nickte ihren Kriegern stolz zu. Silberteich begrüßte Nebelhauch überschwänglich. Felsensonne kam sich ein wenig fehl am Platz vor. Sie kannte die anderen Katzen nicht und hielt sich lieber an Froststern.
    Ein lautes Knacken ertönte, als Nachtfells Gelenke wieder an den für sie bestimmten Platz sprangen. Die Kätzin schnaufte tief und hob dann vorsichtig den Kopf. Die Bewegung schien ihr zwar nicht gerade angenehm zu sein, doch dass sie sie überhaupt ausführen konnte beruhigte ungemein. Froststern musste sich eingestehen, dass sie insgeheim befürchtet hatte Nachtfell würde für immer gelähmt bleiben. Vor Erleichterung fiel ihr ein Stein von Herzen. Silberteich schien es nicht anders zu gehen. Sie redete beruhigend auf ihre Freundin ein, während Mauernherz das verletzte Bein behandelte. „Es ist kein Knochen gebrochen, aber sie hat viel Blut verloren.“ verkündete der alte Heiler schließlich. „Es wird trotzdem eine Weile dauern, bis es vollständig verheilt ist. Bis dahin solltest du es schonen.“ Nachtfell schnaubte betrübt. Die Vorstellung die nächsten Tage bewegungslos im Heilerbau zu verbringen, stimmte sie sichtlich missmutig. Mauernherz nickte ihr verständnisvoll zu. „Farnkralle und Silberteich, ihr stützt sie auf beiden Seiten. Und ihr!“ Er deutete auf Froststern, Nebelhauch und Felsensonne. „Ihr begleitet uns zum Lager. Ich bin mir sicher, dass Pfefferstern euch genauso gern kennenlernen würde, wie ich.“ Nebelhauch und Froststern tauschten einen amüsierten Blick, sagten jedoch nichts. Sie freuten sich schon darauf, Pfefferstern wiederzusehen.

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    SONNENCLAN Schwarzstern saß auf einer kleinen Anhöhe und ließ ihren Blick prüfend über das Lager schweifen. Durch die dünne Schneedecke zogen si
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    Schwarzstern saß auf einer kleinen Anhöhe und ließ ihren Blick prüfend über das Lager schweifen. Durch die dünne Schneedecke zogen sich die Pfotenspuren kreuz und quer, an einigen Stellen war sie sogar so zertreten, das gelbe Grasflecken durchschimmerte. Hasenjunges und Blitzjunges wälzten sich verspielt am Boden, während Wolfsjunges wie ein Schiedsrichter daneben saß. Ihr Quicken und Jaulen war weither zu hören. Schwarzsterns Blick wurde sanft. Ihre Jungen waren groß und kräftig geworden, auch wenn sie die Babyflaumen noch nicht abgelegt hatten. In einigen Monden würde sie sie zu Schülern ernennen können. Schwarzstern neigte den Kopf, als sich Schemenfrost neben sie setzte. Es war noch immer ungewohnt für sie, ihn anzusehen. Als würde sie ihrem Spiegelbild in die Augen blicken. „Du wirkst Nachdenklich.“ begann Schemenfrost das Gespräch. Schwarzstern wandte ihre Aufmerksamkeit wieder dem Lager zu. Unten zankten sich Abendlicht und Funkensprung wieder einmal wegen des Spiels, das sie als Schüler gespielt hatten. Bei ihrer Ernennung hatte Schneesturm Abendlicht als Siegerin bekannt gegeben, aber Funkensprung behauptete hartnäckig, dass er der eigentliche Gewinner sei. „Sie sind alle dünn geworden.“ antwortete Schwarzstern langsam. Sie machte sich schon seit einiger Zeit Sorgen um genügend Frischbeute. Sicher, die Blattleere würde vergehen, aber selbst wenn das Gras dick und grün war, war kaum genug Beute zu finden. Und der Clan war in den letzten Monden nicht gerade kleiner geworden. Schemenfrost nickte zustimmend. Die Clankatzen waren zwar hart im Nehmen und beschwerten sich kaum, doch selbst den Stärksten war der Hunger anzusehen. „Ich habe vor in Richtung Wald zu ziehen.“ erklärte die Anführerin ruhig. Sie hoffte, dass es in der Nähe der Wälder mehr Kaninchen und Waldvögel gab. Vielleicht sogar genug, um dauerhaft zu bleiben.
    Plötzlich erregte lautes Geschrei ihre Aufmerksamkeit. Vor dem Kriegerbau standen sich Hauchschatten und Rostschatten gegenüber und fauchten einander mit schrillen Stimmen an. Schwarzstern sprang auf und lief zu ihnen, gerade noch Rechtzeitig um zu verhindern, dass sich Hauchschatten auf die jüngere Kätzin stürzte. „Nur über meine Leiche, du dreckiges Fellknäul!“ zischte Rostschatten wütend. In ihren Augen blitzte blanker Zorn. Hauchschatten wollte sich an Schwarzstern vorbei drängen, doch diese schubste sie entschlossen zurück. „Erklärt mir sofort, was hier los ist.“ sagte Schwarzstern laut und bestimmt. Mit einem Blick auf Hauchschatten fügte sie hinzu: „Und fahrt sofort die Krallen ein.“ Die graue Kätzin gehorchte mit angelegten Ohren. „Es ist nichts.“ brummte Rostschatten abwehrend. Ihr rotes Fell hatte sich bereits wieder geglättet, doch ihre Stimme klang noch immer aufgebracht. „Von wegen.“ zischte Hauchschatten bedrohlich. „Du kannst einfach nicht akzeptieren, dass es nichts von dir will. Du bist so eifersüchtig.“ Rostschatten schüttelte mit überlegener Miene den Kopf. „Da irrst du dich. Aber gewaltig.“ „Worum geht es hier überhaupt.“ unterbrach Schwarzstern die beiden schnell, bevor sie sich wieder an die Gurgel gehen konnten. Die Antwort kam von beiden Seiten gleichzeitig. „André!“ Schwarzstern konnte sich nur mit Mühe ein seufzen verkneifen. Dieser Kater stiftete nur Unruhe. „Er ist mein Gefährte. Jeder weiß das, nur … nur SIE nicht.“ Hauchschatten deutete anklagend auf Rostschatten, deren Pelz wieder in alle Richtungen Abstand. „Wie oft soll ihr DIR noch sagen, dass er es NICHT ist?“ zischte sie. „Er ist mit mir zusammen, ob du es willst oder nicht!“ „Wäre es nicht klug, André selbst zu fragen?“ warf Schemenfrost ein, der seiner Schwester gefolgt war. „Er ist nicht da.“ brummten Hauchschatten und Rostschatten, wieder einmal gleichzeitig. „Außerdem brauchen wir ihn gar nicht zu fragen. Schließlich werde ich seine Jungen zu Welt bringen.“ fügte Rostschatten triumphierend hinzu. Hauchschatten war wie erstarrt. „Du lügst.“ flüsterte sie. „Das kann gar nicht sein.“ „Und warum nicht, bitte schön?“ Rostschatten peitschte ärgerlich mit dem Schweif. „Weil ICH seine Jungen trage.“

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    56 WASSERCLAN Tannenstern saß auf einem scharfkantigen Felsbrocken, von dem aus er seinen gesamten Clan überblicken konnte. In einem Halbkreis saße
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    WASSERCLAN

    Tannenstern saß auf einem scharfkantigen Felsbrocken, von dem aus er seinen gesamten Clan überblicken konnte. In einem Halbkreis saßen die Krieger vor ihm, Meerestod, Nachtauge, Silberhauch, Traumblick. Feuerschweif nickte ihm stolz lächelnd zu, als sein Blick über sie glitt. Direkt vor ihm, am Fuße des Felsens, saßen zwei junge Katzen, die bereit waren, Schüler zu werden. Mondjunges sah ihren Vater mit leuchtenden Augen an, während Eichhornjunges die Erschöpfung noch anzusehen war. Trotzdem lächelte er breit und platzte beinahe vor Freude. Tannenstern begann die Zeremonie mit voller Stimme. „Ich, Tannenstern, Anführer des Wasserclans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese Jungen herabzublicken. Sie werden hart arbeiten, um eure edlen Gesetze zu erlernen. Der Sternenclan möge sie als Schüler willkommen heißen.“ Leichtfüßig sprang er vom Stein und landete direkt vor seinen Jungen. „Mondjunges!“ Die Augen der kleinen Kätzin weiteten sich. „Von nun an bist du als Mondpfote Nachtauges Schülerin.“ Nachtauge trat aus der Menge, um ihre neue Schülerin Nase an Nase zu Begrüßen. Sie sah mindestens genauso Aufgeregt aus, wie Mondpfote. Eichhornjunges trat nervös von einer Pfote zur nächsten, als sich Tannensterns Blick auf ihn richtete. „Eichhornjunges, von diesem Moment an soll man dich Eichhornpfote nennen. Schattensturm wird dich alles lehren, was du wissen musst.“ Schattensturm begrüßte ihren Schüler und grinste angesichts seiner Freude, die zweite Anführerin als Mentorin zu haben. „Mondpfote, Eichhornpfote, Mondpfote, Eichhornpfote!“ riefen die Katzen und begrüßten und beglückwünschten die beiden stürmisch. Tannenstern musste laut jaulen, um sie wieder zur Ruhe zu rufen. „Heute gibt es noch einen weiteren Grund zur Freude: Schattentanz hat beschlossen im Clan zu bleiben und unsere neue Heilerin zu werden.“

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    TEIL 2: Alle Blicke richteten sich auf die tiefschwarze Kätzin, die nun nach vorne trat. Ihre Augen strahlten Ruhe und Würde aus und als sie lächelnd nickte, sagte keiner etwas gegen sie. Schließlich war sie diejenige, die die fremden Kräuter zu deuten wusste und die den Husten geheilt hatte. Und auch, wenn sie noch eine Fremde war, wusste der Clan doch, dass er sie brauchte. Schattentanz neigte den Kopf, als die ersten lautstarken Stimmen ihren Namen riefen.
    Als sich die Katzen wieder zerstreuten, drehte sie sich zu Tannenstern um, der gerade in ein Gespräch mit Feuerschweif konzentriert war. Schattentanz Augen glühten ungeduldig, doch sie wagte nicht, die beiden zu unterbrechen. Feuerschweif merkte allerdings, dass die Heilerin etwas dringendes zu sagen hatte, nickte ihrem Gefährten kurz zu und schlenderte schließlich davon. Tannenstern lächelte die schwarze Kätzin aufmunternd an. „Was möchtest du sagen?“ Schattentanz holte tief Luft. „Es kommt vor, dass ich seltsame Dinge träume...“ Sie stockte kurz und blickte ihren Anführer prüfend an, doch dieser blieb vollkommen ernst. „Nun, schon früher hatte ich immer wieder einen bestimmten Traum. Doch seit ich hier bin, habe ich ihn jede Nacht und inzwischen bin ich überzeugt davon, dass er etwas zu bedeuten hat.“ Tannenstern nickte, damit sie fortfuhr. „Es ist so: Da ist eine schöne Pflanze, die gesund und kräftig aussieht. Doch dann beginnt sie langsam zu verfaulen, Stück für Stück. Erst die Blüten, dann die Blätter, bis nichts von ihr übrig ist, als Erde und vier Samen, die darauf liegen. Aber ein Windstoß fegt drei davon fort, jeden in eine andere Richtung. Der eine fliegt zu einem Felsen, aber auf dem kann er keine Wurzeln schlagen, der andere bleibt an hohen Gräsern hängen, doch die bedecken den Boden, sodass er die Erde nicht erreichen kann. Und der dritte landet neben einer Pfütze im Kies, wo er keine Chance hat zu wachsen. Da packt der Wind sie wieder und sie fliegen zurück und landen auf der Erde, die die verfaulte Pflanze hinterlassen hat, wo der vierte Samen bereits zu einer jungen Sprosse geworden ist.“ Schattentanz räusperte sich. „Und dann wache ich auf.“


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    REGENCLAN Pfefferstern riss irritiert die Augen auf, als plötzlich Nebelhauch und Froststern ihren Bau betraten, als wären sie Trugbilder. Die Situa
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    Pfefferstern riss irritiert die Augen auf, als plötzlich Nebelhauch und Froststern ihren Bau betraten, als wären sie Trugbilder. Die Situation war für sie so unerwartet, dass sie erst einmal ein wenig Zeit brauchte, um zu verarbeiten, wen sie da vor sich hatte. Und dass sie sicher nicht ihrer Fantasie entsprungen waren. „Sie haben uns geholfen, einen Fuchs zu vertreiben.“ erklärte Farnkralle sachlich, doch seine Unsicherheit war ihm anzumerken. „Ohne sie wäre es für Nachtfell böse ausgegangen.“ fügte er nach einer Weile hinzu, weil niemand etwas sagte. Pfefferstern nickte ihm knapp zu, ohne ihren Blick von den alten Freunden abzuwenden. „Farnkralle, lass mich bitte kurz mit meinen Gästen allein, wir haben uns wirklich lange nicht mehr gesehen.“ Der Kater lächelte seiner Anführerin kurz verwirrt zu und huschte dann durch die Farnwedel nach draußen, wo sofort aufgeregtes Gemurmel erklang. Pfefferstern war die erste, die das Wort ergriff. „Froststern. Du bist wirklich die Kleine Froststern. Du siehst … älter aus.“ Froststern senkte verlegen den Blick. Ihr war klar, dass Pfefferstern sie noch als die schwächliche Schülerin in Erinnerung hatte, die sie so lange gewesen war. „Und ...“ fuhr die Regenclan-Anführerin zaghafter fort, „erwartest du Jungen?“ Anscheinend war ihren aufmerksamen Augen der noch leicht gewölbte Bauch der weißen Kätzin nicht entgangen. Unwillkürlich lächelte Froststern und schnurrte sanft. „Sie sind bereits da. Vier Stück. Sie sind ihrem wirklich ähnlich.“ Nur ganz kurz spiegelte sich ihre Traurigkeit in ihrem Blick, Pfefferstern bemerkte sie nicht einmal. Sie lächelte wohlwollend. „Ich Gratuliere dir. Und Nebelhauch, dich habe ich natürlich auch nicht vergessen. Ich freue mich sehr, euch wiederzusehen.“ Nebelhauch, die bisher im Hintergrund geblieben war, blinzelte ihr freundlich zu. „Was treibt euch hier her?“ fragte Pfefferstern unbefangen. Sie schien wirklich glücklich zu sein. „Durch einen Traum wurde uns offenbart, auf welchen Platz wir unser neues Lager aufschlagen sollen. Für immer. Wir sind es müde geworden, durch die Berge zu ziehen, ohne je einen rechten Ort zum bleiben zu finden.“ „Hier? Ich meine … Genau hier?“ Froststerns Ohren zuckten nervös. „Nein, natürlich nicht. Der Traum zeigte uns einen Platz weiter weg von eurem Lager. In der Nähe der Felder, bei den Bergen.“ Pfefferstern dachte kurz nach und entspannte sich sichtlich. „Das ist in Ordnung. Weit genug weg, um unsere Beute zu sichern, ohne, dass ihr auf Platz verzichten müsstet. Nur sind die Felder im Winter nicht sehr reich an Beute.“ „Das ist kein Problem. Wir sind es ohnehin gewohnt in den Bergen zu jagen und hatten nicht vor, etwas anderes zu tun.“ mischte sich Nebelhauch ein. Froststern nickte ihr zustimmend zu. „Der Clan ist bereits dabei, dass neue Lager einzurichten. Wir werden darauf achten, eurem Territorium nicht zu nahe zu kommen und keine Grenzen zu überschreiten.“ Pfefferstern schwieg eine Weile, dann richtete sie sich auf. „So soll es sein. Ich gebe dem Abendclan fünf Sonnenaufgänge, um Grenzen festzulegen und das Lager fertigzustellen. Dann ist Vollmond. Es wäre mir lieb, wenn es eine große Versammlung gäbe, auf der wir alles weitere mit den Kriegern und Heilern klären könnten.“ Froststern neigte den Kopf. „Ich Danke dir. Wir werden bei der großen Eiche auf euch warten, sobald der Mond am Himmel steht.“

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    DIE ANDEREN Die Schatten waren lang geworden und der Mond stand bereits hoch am Himmel und strahlte trotzig gegen den letzten Schimmer des rostroten A
    DIE ANDEREN

    Die Schatten waren lang geworden und der Mond stand bereits hoch am Himmel und strahlte trotzig gegen den letzten Schimmer des rostroten Abends an. Der Wind fuhr scharf durch die Baumwipfel und durch Astgabeln, sodass es zischte und knarzte, als wäre der Wald zum leben erwacht. Weiter unten, am Waldboden, strich eine Horde Katzen durch die Sträucher, so lautlos, als wären sie selbst zu Schatten geworden. Sie kamen zu einer schmalen Senke, über die schon vor langer Zeit ein Baum gefallen war. Die Spitzen Zweige hatten ihre Nadeln verloren und streckten sich drohend nach den Katzen aus. Der große Kater, der vorne lief, drehte sich kurz nach seinen Begleitern um. Im Mondlicht blitzten seine Augen für einen winzigen Moment unnatürlich gelb auf. Hinter ihm erklang ein gedämpftes Stöhnen. „Warum halten wir?“ fragte eine Kätzin. Ihre Stimme klang voll und rund, als hätte sie keine Kanten. „Wir sind zu nah.“ zischte der Kater mit den gelben Augen. Unwillkürlich duckte sich die Katzenschar tiefer in die Schatten, als könnte dies verhindern, dass sich der Wind drehte und ihren Geruch an die Feinde freigab. Die gespitzten Ohren der Kätzin zuckten und tatsächlich. Leise Stimmen waren zu hören, zu weit weg, als das man ein Wort verstehen konnte. „Was machen die hier?“ zischte eine andere Stimme, die der Kater aber mit einem gedämpften Fauchen sofort verstummen ließ. „Rückzug!“ Gehorsam wendeten die Katzen, doch es kam erneut zur Unruhe, als eine Katze eine andere ungeschickt anrempelte. Sofort war der Gelbäugige Kater bei ihnen und schlug der angerempelten fest ins Gesicht, sodass sie nur mit Mühe einen Schmerzensschrei für sich behalten konnte. Daraufhin verlief der Rest des Rückzugs in gespannter Stille. Je weiter sie gingen, desto dichter wurde der Wald, bis das schlichte Geradeaus gehen bei nahe unmöglich wurde und sich jede Katze in ihren eigenen Slalomlauf vertiefte. Schließlich öffneten sich die Stämme für eine kleine Lichtung, auf der mehrere kleine Grasbauten verteilt waren. Die Katzen versammelten sich in ihrer Mitte, einige Setzten sich. Ein junger Kater stand etwas abseits und spähte ungeduldig zurück. „Ninon!“ rief er leise. Er klang genervt. Es knackte, als sich eine kleine Kätzin auf die Lichtung schob. Sie taumelte und ihr Körper strahlte unnatürlich viel Wärme aus. Sie war krank. Der Kater sprang auf sie zu und schob sie unsanft zu den anderen, doch Ninon kam ins schlenkern und stürzte. Der Gelbäugige bemerkte das mit einem Abfälligen Blick. „Unnützes Vieh. Wir hätten sie niemals mitnehmen sollen.“ Der jüngere Kater nickte zustimmend. „Wir MÜSSEN sie auch nicht weiter mit uns herum schleppen.“ sagte er herausfordernd. Der andere zuckte mit den Schultern. „Tu was du nicht lassen kannst.“ Desinteressiert wandte er sich ab. Die Kätzin dagegen versuchte hastig wieder auf die zitterigen Beine zu kommen. Sie winselte leise, selbst ihre Stimme klang fiebrig. „Lenn, Bitte ...“ Jemand lachte. Sie sank zurück auf den Boden und versuchte es erneut, doch die kräftigen Pfoten des Katers drückten sie zu Boden. „Bitte, ich bin deine Schwester, ich ...“ Er biss ihr sauber in den Hals, sie war sofort Tod. Lenn packte die Leiche im Nacken und zog sie fort von den anderen, zu einer Grube im Wald. Dort ließ er sie sanft nieder und strich ihr das noch immer glühende Fell mit der Zunge glatt. Der Geschmack des Blutes lag schwer in seinem Mund. Das Mondlicht drang nicht bis zum Boden durch, ansonsten hätte man die Träne gesehen, die lautlos in das gefrorene Moos fiel. „Ninon.“ hauchte er in das tote Ohr. „Bitte versteh mich ...“ Und dann erzählte er ihr Dinge die niemand wissen durfte und die sie nie gedacht hätte. Als Lenn zu den anderen zurückkehrte war sein Gesicht ausdruckslos.

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    SONNENCLAN Die Schneedecke über der Wiese war hauchdünn geworden und knirschte bei jedem Schritt, den die Katzen taten. Hintereinander und nebeneina
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    Die Schneedecke über der Wiese war hauchdünn geworden und knirschte bei jedem Schritt, den die Katzen taten. Hintereinander und nebeneinander zogen sie dahin, ein paar winzige Flecken am Horizont. Allen voran ging Schwarzstern. Ihre Jungen waren groß und kräftig geworden, beinahe alt genug um Schüler zu sein. Sie verfolgten sich und sprangen um ihre Mutter herum und lachten, bis sie ganz müde waren. Hin und wieder warfen sie Lichtpfote und Finsterpfote bewundernde Blicke zu, die diese Stolz zur Geltung nahmen. Doch so locker und entspannt die Stimmung zwischen Jungen und Schülern auch war, zwischen den Kriegern schien sie zu knistern. Zum einen war da Rostschatten, die mit bitterbösen Blicken, um sich warf, mit denen sie vertuschen wollte, wie verletzt sie wirklich war. Und Hauchschatten, die ein paar Schritte hinter Flammenglut herschlich, der Kopf gesenkt, als würde es aus einer Wolke über ihr nur für sie regnen. Abendlicht und Funkensprung hatten sich gestritten und selbst Schneesturm hatte es nicht geschafft, zwischen ihnen zu vermitteln. Schwarzstern spürte all das in ihrem Rücken und sie fragte sich, wie lange es noch gut gehen konnte. Die karge Wiese bot keine Ablenkung, kein Versteck um sich aus den Augen zu gehen. Irgendetwas musste geschehen und das bald, sonst würde ihr Clan in all dem Streit auseinanderfallen.
    Pechherz, der zusammen mit Silbersturm als Späher voraus gelaufen war, hatte währenddessen ganz andere Probleme. Er hatte Spuren im Schnee entdeckt. Sie stammten eindeutig von einer Katze und waren noch ganz frisch. „Das ist ungewöhnlich.“ murmelte Silbersturm. Pechherz konnte ihm nur zustimmen. Der Regenclan hatte sein Lager viel zu weit entfernt, als das die Krieger hier jagen würden und ein Einzelläufer war ihnen schon lange nicht mehr begegnet. „Ich folge der Spur.“ entschied Pechherz rasch. „Du läufst zurück und sagst Schwarzstern Bescheid. Der Clan soll warten. Ich möchte erst sicher gehen, dass das hier kein Hinterhalt ist.“ „Und wenn es einer ist?“ Silbersturm sah den schwarzen Kater verunsichert an. Was ist dann mit dir?, fragten seine Augen. Pechherz lächelte nur mild. „Mach dir um mich mal keine Sorgen. Beeil dich einfach und komm gleich zurück.“ Silbersturm nickte und nahm sich vor, sicherheitshalber noch ein paar Krieger mitzubringen. Als er fort war, wandte sich Pechherz den Spuren zu und folgte ihnen im Raschen Dauerlauf. Er war selbst überrascht, wie schnell er die fremde Katze als Punkt in der ferne erschien. Mit seinem schwarzen Fell war es beinahe unmöglich sich ihr unauffällig zu nähren, also entschloss er sich, offen auf sie zuzugehen. Die Katze blieb stehen und schien auf ihn zu warten. Je näher er ihr kam, desto mehr erkannte er von ihr. Es war eine Kätzin mit cremefarbenen Fell. Im Gesicht und an den Pfoten dagegen war es ganz dunkelbraun. Jetzt trennten sie nur noch ein paar Meter. Pechherz erkannte, dass ihre Augen von einem ungewöhnlichem blau waren und so scharf und gefühllos zu sein schienen, wie gebrochenes Eis. In einigem Abstand blieb er stehen und musterte die magere Fremde. Irgendwo hatte er sie schon mal gesehen … „Pechherz.“ sagte sie Kätzin und sie schien ganz und gar nicht erfreut zu sein. Ihre Stimme war glatt und hatte nichts mehr von der jungenhaften Naivität von damals. Svenja war nie nach Hause zurückgekehrt.

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Warrior Cats - Der Weg der Krieger (Zeiten der ...
Warrior Cats - Der Weg der Krieger (Zeiten der ...
Vier Clans streifen durch das Land, frei sind sie nun endlich, doch es fehlt noch etwas zum Vollkommenen Glück. Ein Zuhause! Auf in den zweiten Teil: Finsterherz trifft einer schwerwiegende Entscheidung, Froststern kämpft tapfer um ihren Gefährten un...
http://www.testedich.de/quiz38/quiz/1448544304/Warrior-Cats-Der-Weg-der-Krieger-Zeiten-der-Finsternis
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2015-11-26
406A
Warrior Cats

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Jata Arion ( von: Jata Ario )
Abgeschickt vor 53 Tagen
Heyyyy, was ist denn hier los? Selina, schreibst du noch weiter? Bittebittebitte ;(
Nachtfeder&Blattfeuer ( 76775 )
Abgeschickt vor 75 Tagen
Hm, ja... aber irgendwie war es schon ziemlich gemein von Pechherz, sie einfach sitzen zu lassen... Und ja, Angst hab ich auch vor Svenja. Katzen/Menschen mit Hass und Rachsucht im Herzen sind am gefährlichsten... O_o
Schwarzstern ( 96762 )
Abgeschickt vor 76 Tagen
Bussardstern UND Svenja are back! ((((° 0 °)))))))
... Aber irgendwie habe ich jetzt Angst vor Svenja... Also so RICHTIG.
SelinaSakura ( von: SelinaSakura )
Abgeschickt vor 76 Tagen
Dankeschön! :D Ich glaube, ich kann ruhig sagen, dass ihr beide Recht habt. Bussardstern is back! ^^
Nachtfeder&Blatffeuer ( 35283 )
Abgeschickt vor 79 Tagen
Aha, sehr interessant... Also etwas gutes scheinen die nicht im Schilde zu führen. (Ich habe auch sofort an Bussardstern gedacht, als von dem gelbäugigen Kater die Rede war. Hm...)
Auf jeden Fall ist das Kapi supertoll!!! Geheimnisvoll und unerwartet... ;)
Schwarzstern ( 21302 )
Abgeschickt vor 82 Tagen
Ooh, geheimnisvoll! Das kam ziemlich unterwartet! :D Ich bin schon gespannt, wer diese Fremden sind und was sie im Schilde führen... (und hatte Bussardstern nicht auch gelbe Augen? Irgendwohin muss der Kerl ja verschwunden sein...) Und vor allem: "Die Anderen“? Die, die vom TannenClan übrig geblieben sind? Oder Streuner, die sich um wen-auch-immer (Bussardstern? o_ò) versammelt haben?

Ich finde diesen Lenn übrigens ziemlich interessant... Vor allem, was er mit seiner Schwester gemacht hat, was er ihr erzählt hat, und warum.
Kudos!
SelinaSakura ( von: SelinaSakura )
Abgeschickt vor 83 Tagen
So, hier ein neues Kapitel ... :D
Selina ( 42832 )
Abgeschickt vor 87 Tagen
So, Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr!!!!
Nachtfeder&Blattfeuer ( 59830 )
Abgeschickt vor 92 Tagen
hey, ich wollte nur sagen dass ich von heute bis zum 6.1.2017 weg bin. Euch allen schon mal im Voraus einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Nachtfeder&Blattfeuer ( 94900 )
Abgeschickt vor 94 Tagen
Dir ebenfalls! Frohe Weihnachten an alle die Weihnachten feiern! ;)
Rari ( 34706 )
Abgeschickt vor 95 Tagen
(Frohe Weihnachten allerseits! :D ⭐️🎄🎁)
Nachtfeder&Blattfeuer ( 10054 )
Abgeschickt vor 96 Tagen
Morgen ist Weihnachten... Yey! ;)
Nachtfeder&Blattfeuer ( 58402 )
Abgeschickt vor 100 Tagen
Vielleicht...^^ nächstes Jahr habe ich am 1. Juli oder so meinen ersten Ferientag ;)
Neues Kapi: genial!!!!!!!!!!!! Erinnert mich auch gaaar nicht an die Geschichte der Bücher... Aber super toll. Auch wenn es ein bischen geschmerzt hat zu sehen, wie sehr sich die Katzen voneinander entfernt haben... Daumen hoch!
Rari ( 52069 )
Abgeschickt vor 102 Tagen
Dafür hast du bestimmt an n'er anderen Stelle eher frei als ich... Bei den Sommerferien ist das immer ganz schlimm. Der Rest von den Leuten auf TD fängt dann irgendwann an mit »hhhh, endlich Ferien«, wenn ich nur noch zwei Wochen habe •-•;
Nachtfeder&Blattfeuer ( 64649 )
Abgeschickt vor 104 Tagen
WAAAAAS?! Du hast schon morgen Ferien?! Ich hab erst ab nächstem Donnerstag :(
Rari ( 18793 )
Abgeschickt vor 104 Tagen
Ah, kommt dann der große Umzug? :D Ich freu mich schon richtig auf die nächsten Kapitel!

Hhhh, ich hab' ab morgen Ferien... Endlich.
Sel ( 44548 )
Abgeschickt vor 104 Tagen
Nein, so groß ist der Chor dann doch wieder nicht xD
Nachtfeder&Blattfeuer ( 64632 )
Abgeschickt vor 114 Tagen
Oooh wie cool O_o Singst du im Domchor? Ich bin "nur" im Chor meiner Schule... ;)
Sel ( 21612 )
Abgeschickt vor 116 Tagen
Ich spiele Oboe und Geige, ein bisschen Gitarre und singe im Chor :D

Na ja, die Prophezeiung mit der Pflanze habe ich einfach noch mal aufgegriffen. Die wurde ja schon in Teil 1 verkündet. Aber Danke! XD
Nachtfeder&Blattfeuer ( 43518 )
Abgeschickt vor 116 Tagen
Ich kann mich nur Rari anschließen xD Und es ist ein soooo tolles Kapi. Die Prophezeiung an sich war eigentlich für mich ziemlich verständlich, aber mal sehen wie lang der Wasserclan braucht ;D
Was spielst du denn für ein Instrument? Ich spiele Klavier ;)