Weißbäuchlein-Das Überlebenshuhn

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6 Kapitel - 1.648 Wörter - Erstellt von: Haselkristall - Aktualisiert am: 2015-12-14 - Entwickelt am: - 487 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Weißbäuchlein ist ein ganz normales Huhn, aber sie will frei sein. Durch Zufall erfüllt sich dieser Wunsch und sie entschlüpft dem bequemen Hühnerleben. Doch wie soll sie nur in der Wildnis überleben? Überall lauern Gefahren und Feinde. Wird sie es schaffen? Wird sie überleben?

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    Ich bin Weißbäuchlein. Und ich bin ein Huhn, dass das klargestellt ist. Ich wohne mit vielen anderen Hennen in einem Stall. Ab und zu dürfen wir zwar raus, aber Gras gibt es nicht. Nicht mehr. Es ist schon alles aufgefressen und nichts wächst mehr. Um jedes ach so kleines Hälmchen wird sich gestritten. Und es war mir schon immer klar, dass das nicht das richtige Leben für mich ist. Ich bin eher eine Einzelgängerin. Ich lege fast jeden Tag ein Ei, aber das ist nichts besonderes. Besonders ist, dass ich mir nichts aus meinem jetzigem Leben mache. Das ist wirklich besonders.

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    Ich wachte auf. Es war noch recht dunkel im Stall und ich hörte leises Schnarchen. Nur von einer Stange vorne kamen gackernde Laute. Jolanda und Lis. Wer sonst. Die beiden Gackerhennen waren meist als erste wach und gackerten drauf los. Da es noch dunkel war hatte ich sie an den Stimmen erkannt. Neben mir schlummerte noch tief und fest Lulu, meine beste Freundin. Eigentlich war sie so ziemlich meine einzige Freundin, aber was soll es. Leicht stieß ich sie mit dem Flügel an. "Lulu!" Sie schlief noch tief und fest. Da konnte man nichts machen. Sie war eben ein Morgenmuffel. Im Gegenteil zu mir, Weißbäuchlein der Frühaufsteherin. Ich plusterte also mein Gefieder auf und versuchte weiter zu schlafen. Vergeblich. Ich wartete und wartete und wartete und wartete und wartete und wartete. Aber immer noch war nichts zu hören im Stall außer den Gackertanten. Sie glucksten nun über irgendetwas. Aber ich wollte mich nicht zu ihnen setzten. Nein, ich mochte sie nicht. Also versuche ich weiterhin zu schlafen. Aber es funktionierte nicht. Es waren Jolanda und Lis. Sie gackern lauter als alle anderen im Hühnerstall zusammen! Ich fange einige Wortfetzen auf: "Sonderbar..." ; "...unberechenbar..." ; "...sehr undiszipliniert!" Und "...eine Gefahr für alle Hühner." Sie meinten mich. Nur weil ich anders war. Ich mag sie nicht- sie mögen mich nicht. So ist das eben. So ist das Leben im Hühnerstall als Außenseiterin.

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    "Ich bekomme das meiste!" "Nein, ICH bekomme das meiste!" "Wenn ihr so weiterstreitet bekommt ihr gar nichts!" "Von wegen!" Ich stieß einen lauten Seuftzer aus. Oh, Mann! Hatten diese dummen Hühner nichts besseres zu tun als sich um Futter zu streiten? Ich schob mich an den Trog mit Hafer und Mais, vorbei an einer von den Gackerhennen. Er war nicht mehr sehr voll. Aber ich war eben keine von den Drängel Hennen, die die kleinen zur Seite schubsten um etwas zu bekommen. Ich stellte sie eher unter Schutz. So bin ich eben. Gerecht und beschützerisch. Die kleineren Hühner danken mir zwar meistens nicht, aber ich weiß warum. Die großen hacken sonst auf ihnen herum. Aber ich weiß auch, dass sie mir danken. Sie trauen sich nur nicht das zu sagen. Aber mir ist das eigentlich egal. Ich stehe vorm Trog und nehme vor allen Hafer. Er schmeckt zwar nicht so gut wie der Mais, aber er gibt mehr Kraft und Klugheit. Deshalb sind die anderen auch so dumm. Sie fressen fast nur Mais und halten sich deshalb für besonders gut. Mich nicht. Lulu steht neben mir und pickt sich ein paar von den letzten Maiskörnern raus. Und das obwohl ich ihr bestimmt schon tausend mal erklärt habe dass Hafer besser ist. Aber sie ist eben ein ganz normales Huhn und isst auch so. Ich kann das nicht ändern.

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    "Hey Lulu! Wollen wir etwas machen?" Meine Freundin drehte den Kopf zu mir. Sie sah mich mit müden Augen an. "Nein danke." Ich erschrak innerlich. Normalerweise war sie immer sofort Feuer und Flamme wenn ich etwas vorschlug. Das war nicht normal. Und wieso war sie eigentlich so müde? Sie ist doch gestern neben mir auf die Stange gehüpft und dann sind wir eingeschlafen. Aber eigentlich bin nur ich eingeschlafen. Wer weiß wie lange Lulu noch wach war! "Schon verstanden!" Ich spiele einen auf beleidigt. Vielleicht krieg ich sie ja so rum. "Sei nicht gleich so eingeschnappt!" Ihr Ton klingt gar nicht müde. Hat sie mir bloß etwas vorgespielt ? Ich bin aber beleidigt. "Doch, das muss ich wohl!" Ich wusste genau, dass ich sie verärgert habe und drehte mich demonstrativ um und stolzierte davon. Ich habe Glück, die Luke nach draußen wird gerade geöffnet und ich steuere direkt darauf zu. Ich bin gern draußen, selbst wenn es kein Gras gibt. Jetzt haben auch einige der anderen Hennen bemerkt, dass die Luke offen ist. Ich beschleunige mein Tempo um als eine der ersten draußen zu sein und vielleicht einen Grashalm finden zu können. Lis drängte sich vor mich und schob sich raus. Auch Jolanda wollte sich verdrängeln, doch ich stieß sie unsanft zu Seite und stürmte durch die Öffnung in das eingezäunte Gehege. Lis hatte in der Zwischenzeit schon einen Fleck mit jungem Gras gefunden und pickte gierig. Ich wandte meinen Kopf und erblicke sehr weit Hinten eine Stelle mit vielen Halmen. Ich stürme darauf zu und pickte mit meinem Schnabel danach. Einfach köstlich! Aber jetzt bemerkten mich die anderen Hennen, die aus der Öffnung strömten. Ich weiß, dass ich nicht sehr weit oben in der Hackordnung stehe und deshalb den Platz räumen muss. Ich schnappe mir ein paar Gräser mit dem Schnabel und stolpere von dem Fleck Gras weg, der jetzt von lautem Gegacker geprägt wird. Die letzten Gräser sind gut. Aber zu wenig. Sehnsüchtig blicke ich durch den Maschendrahtzaun in die Freiheit. Eine grüne Wiese, soweit das Auge reicht. Aber leider unerreichbar. So nah und unerreichbar.

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    Ich bin immer noch draußen. Es ist die Zeit in der die Blätter wieder frisch kommen und es warm wird. Lange war es sehr kalt und es gab dieses weiße Zeug, was die älteren Hennen Schnee nennen. Es hat sich immer kalt angefühlt und die meisten Hennen blieben drinnen im Stall und plusterten die Federn auf. Aber jetzt wurde es wieder warm. Dieser Schnee war geschmolzen und ich bin froh darüber. Hühner sind eben keine Kälte-Tiere. Ich mag es warm. Wenn es warm ist baden wir immer im Staub, um die Milben loszuwerden. Die kleinen Viecher sind echt nervig! Außerdem fühlt es sich so sorgenfrei an. Und genau jetzt, wo ich nachdenke, wollen meine Beine wieder in den Stall. Also lasse ich sie laufen. Gras hatte ich ja sowieso schon, und viel wird nicht übrig geblieben sein. Durch die Luke gelange ich in den Hühnerstall und steuere die Nester an. Aber jetzt höre ich eine bekannte Stimme: "Ja! Lass uns rausgehen!" Ich halte inne. Das ist ihre Stimme. Lulus Stimme. Ich dachte sie wäre müde? Wieso ist sie hellwach? Und mit wem, bitte schön, hat meine beste Freundin gesprochen? Ich nähere mich langsam dem Ort, von dem die Stimme kam. Jetzt sehe ich Lulu- und Fiona. Ich kann es einfach nicht fassen! Fiona! Fiona und Lulu. Fiona ist das dümmste Huhn im ganzen Stall, mal abgesehen von den Gackertanten. Aber was will sie von Lulu?

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    Ich kann einfach nicht fassen was ich da sehe! Lulu wollte schlafen und nicht mit Fiona abhängen! Lulu ist meine beste Freundin und nicht ihre. Ich bin so enttäuscht von ihr. Ich will einfach nicht mehr. Ich hab keinen Bock mehr aufs Eier legen und nicht beachtet werden. Ist es zu viel verlangt einfach jemandem zu vertrauen? Anscheinend schon. Ich will wieder raus. Und das tue ich auch. Ich gehe zurück in die Richtung der Klappe, die nach draußen führt. Sie führt zwar nicht in die Freiheit, aber zu Kira. Ja, zu Kira. Und Bes. Ich brauche sie, um Kira zu holen. Jetzt bin ich draußen. Ein warmer Windhauch bläst an mir vorbei. Es ist endlich wieder die Zeit, die schön warm ist. Meine Lieblings Zeit. "Bes?" Ich warte einen Augenblick, nachdem ich ihren Namen gerufen habe. Nichts. "Bes?", rufe ich erneut. "Bes!" Beim dritten Ruf klappt es. Bes richtet sich in ihrer Hütte auf. Sie hat geschlafen, was sie natürlich nie zugeben würde. Die golden Retriver Hündin gähnte noch verschlafen. Sie blickte in alle Richtungen, um festzustellen, wer sie da überhaupt gerufen hatte. "Bes! Ich bins, Weißbäuchlein! Ich habe dich gerufen!" Bes sah mich kurz an, dann kommt sie zu mir. "Was ist denn los, Weißbäuchlein, ist etwas passiert?" Ich schlucke. Ja, es ist sehr schlimm! "Ja, Bes, es ist wegen Fiona!" Bes sieht mich aus ihren klugen Augen an. "Das tut mir leid. Soll ich Kira holen?" Ich nicke nur. Bes springt davon, in Richtung Haus.

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