Lily Allenson - Untrennbar (Kapitel 6)

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1 Kapitel - 1.199 Wörter - Erstellt von: Adhara - Aktualisiert am: 2015-11-16 - Entwickelt am: - 798 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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    Bibbernd lag ich in meinem Bett. Ich hatte die Decke bis ganz nach oben gezogen und dennoch fror ich fürchterlich. Das Fenster war geschlossen und die Heizung hatte die perfekte Temperatur. Also beschloss ich, mir noch einmal die Beine zu vertreten. Kalte Luft schlug mir entgegen als ich aus der Hütte trat. Der gefrorene Boden knirschte unter meinen Füßen. Ich kuschelte mich enger in meine Jacke. Langsam rekonstruierte sich in meinen Kopf mein Traum, der wahrscheinlich auch mein Temperaturabsinken verursacht hatte.
    Ich ruderte ein kleines Floß. Alles um mich herum war schwarz. Vollkommene Nacht, wie in einer Höhle. Oder einen Tunnel. Doch unter mir hörte ich das Wasser rauschen. Doch das Seltsame war, das ich es nicht spüren konnte. Als Tochter von Poseidon nahm ich Wasser immer war, aber dieses hier war anders. Kälter. Dunkler. Das kleine Floß wurde von jeder Bewegung hin und her geschüttelt. Es schien immer abtreiben zu wollen. In alle Richtungen, die ich nicht kontrollieren konnte. Aber ich wusste, dass ich es kontrollieren musste. Obwohl ich nichts sah, wusste ich genau in welche Richtung ich es zu lenken hatte. Ich ruderte kräftiger und versuchte es in die richtige Richtung zu lenken. Doch meine Muskeln brannten und ich hatte keine Ahnung, wie lange es noch dauerte. Doch dann langsam schälten sich Gesichter aus der Dunkelheit. Gesichter. Blass, wie der Tod. Und Augen, rot wie Blut. Plötzlich bemerkte ich etwas wie Rauch, der um mich herum waberte. Er versperrte mir die Sicht. Er umgab meinen Kopf wie eine Kapuze. Ich versuchte sie zurückzustreichen, da berührte ich mein Gesicht und schrie auf. Keine Haut bedeckte mein Gesicht. Mein gesamter Schädel war nur noch blanker Knochen.
    Mir schauderte es immer noch bei der Erinnerung an meinen Traum. Ich rieb meine Arme und starrte in den Himmel. Wolken versperrten die Sicht auf die Sterne und den Mond. Traurig senkte ich den Blick. Ich überlegte, ob das ein schlechtes Omen war. Schließlich beschloss ich in den Wald zu gehen. Ich weiß, dass das bei Nacht nicht die beste Idee war, aber ich brauchte einfach mal wilde Natur. Die frische Luft des Waldes fegte alle überflüssigen Gedanken aus meinen Kopf und ließ nur das Wichtigste übrig.
    Sehnsucht. Sehnsucht nach Hermes, nach Percy, nach Geborgenheit.
    Unruhe. Eine stetige Unruhe. Der Wille nicht immer nur zuzusehen, sondern endlich zu handeln. Hermes zu befreien. Percy zu suchen. Gegen Gaias Kinder, die Giganten zu kämpfen.
    Angst. Schreckliche Angst. Geliebte Menschen zu verlieren. Zu versagen und andere Leute sterben zu lassen. Nicht helfen zu können, wenn andere Camper verletzt werden.
    Und mir wurde klar, wie sehr ich mich verändert hatte. Nicht die Angst war es mehr allein von der ich mich leiten ließ. Denn sie wurde schwächer, in Anbetracht der anderen Gefühlsregungen. Sie war nicht mehr mein einziger Antrieb.
    Schließlich beschloss ich wieder zurückzukehren. Ich hatte zwar keine Lösung für meine Probleme gefunden. Aber ich hatte herausgefunden, was meine Probleme waren. Das war immerhin ein Anfang.

    Am nächsten Morgen machte ich mich dafür bereit Abby Unterricht in Monsterkunde zu geben. Chiron hatte allerlei Tafeln mit Abbildungen von Monstern vorbereitet und ich begann über die Anatomie und die Verhaltensweise dieser zu referieren. Wir fingen erstmal mit den halbgottfreundlichen Wesen an wie Satyrn, Nymphen und Pegasi, die zwar streng genommen keine Monster waren, aber Abby dennoch Kopfzerbrechen bescherten. Ich wünschte ihre Geschwister hätten ihr mehr erklärt, sie war ziemlich orientierungslos in der Welt der Mythen, aber andererseits machte es mir einen Riesenspaß ihr den Unterschied zwischen Najade, Nereiden und Oceaniden zu erklären. Ich fand es immer niedlich, wenn sie große Augen bekam, immer wenn ich ihr davon erzählte wie Nymphen mit Bäumen verschmelzen konnten und sie als Wildblumen wiedergeboren nach ihrem Tod.
    Nachdem der theoretische Unterricht vorbei war, ging es gleich mit Schwertkämpfen weiter. Abby schlug sich recht gut, auch wenn sie eine ziemlich wilde Kampfweise besaß. Außerdem war sie extrem flink, tänzelte um mich herum und versuchte mir das Schwert aus der Hand zu schlagen. Doch genau deswegen, ließ sie ihre Verteidigung offen. In Straßenkämpfen mochte sie sich mit einem Springermesser gut verteidigen können, wenn sie Gauner und Banditen mit ihrer Wildheit und Flinkheit überraschte, aber gegen ausgebildete Kämpfer hatte sie keine Chance. Ich zeigte ihr, wie man parierte und blockte. Wie man eine kleinere Statur ausnutzte um Gegner auszuknocken. Ich war eher kleinwüchsig und alle anderen in meinem Alter überragten mich um einen Kopf und selbst die neunjährige Abby war nur wenige Zentimeter kleiner, also hatte ich keine Schwierigkeiten ihr Taktiken für kleine Menschen beizubringen. Die Kunst war es, den Gegner glauben zu lassen, man wäre ihm unterlegen und ihm erst dann zu zeigen, was wirklich in einen steckt. Außerdem hatte ich den Vorteil dass mein Bronzeschwert eine lange, schlanke Klinge war, mit der man Leute auf Abstand halten konnte. So hatten sie meist keine Chance ihre körperliche Kraft gegen mich auszuspielen. Man konnte niemals Kraft mit Kraft besiegen, das hatten mich die Kämpfe gelehrt. Am Ende waren wir beide reichlich erschöpft, aber Abby war dennoch optimistisch. Sie hat erzählte, dass sie bisher in keiner einzigen Disziplin richtig schlecht gewesen war. Aber sie war auch nirgendwo ein Meister. In gewisserweise war ich stolz auf sie; ich hatte nie eine Schwester gehabt und genoss es, jemanden ein Zuhause bieten zu können. Hermes war immer ruhelos gewesen, hatte nie ein Zuhause gehabt, aber hatte seinen Kindern immer ein Zuhause bieten wollen. Ihn hatte der Tod seines Sohnes Luke besonders mitgenommen. Das hatte er mir mal erzählt, und ich hatte die Trauer herausgehört und vor allem die Reue die er empfunden und nie überwunden hatte. Ich hoffte allerdings auch inständig, dass er irgendwann aufhören wird, sich selbst die Schuld zu geben. Teilweise auch aus ziemlich selbstsüchtigen Gründen. Ich sah dann jedes Mal meinen eigenen Vater, wie er sich vor Reue windet, weil er mir kein guter Vater sein konnte. Ich ertrug den Gedanken nicht, jemanden soviel Sorge zu bereiten, wie Hermes bereitet wurde.
    Ich fragte mich wie es ihm ging. Welchen Gefahren er in der Unterwelt ausgesetzt ist. Und innerlich beschloss ich, nicht nach ihm zu suchen. Er hatte eine wichtige Prüfung zu bestehen. Er hatte immer an mich geglaubt, jetzt musste ich an ihn glauben. Er musste diese Aufgaben selbst bestehen und wenn er in Gefahr wäre, würde ich es spüren. Und wenn ich das spüren würde, verdammt, dann würde ich die ganze Unterwelt auf den Kopf stellen, um nach ihm zu suchen.

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