Mein Brief für dich (Yugioh)

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1 Kapitel - 3.686 Wörter - Erstellt von: Yamiyo - Aktualisiert am: 2015-11-08 - Entwickelt am: - 939 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Es ist nur ein One Shot, der ganz spontan morgens beim Träumen entstanden ist.
Worum es geht: Marik ist zu Hause, um etwas Ruhe zu haben, nachdem er von Seto erfahren hat, dass sein alter Teampartner Bakura in Ägypten ist. Marik ahnt, dass Bakura nun seinen ultimativen Rachefeldzug gegen den Pharao vollstrecken will, weswegen der junge Grabwächter nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Eigentlich ist es seine Pflicht, den Pharao zu schützen, aber er hat keine Lust, gegen Bakura vorzugehen. Gleichzeitig erinnert er sich an die gemeinsame Zeit mit ihm in Battle City und fragt sich, was aus Bakura wohl geworden ist. Gerade in diesem Moment entdeckt er einen Brief auf der Fensterbank des geöffneten Fensters liegen…

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    Mit zitternden Händen ergriff ich das etwas unsauber zusammengefaltete Papier, das durch eine Schnur, um genauer zu sein aus einem Strick geflochtene
    Mit zitternden Händen ergriff ich das etwas unsauber zusammengefaltete Papier, das durch eine Schnur, um genauer zu sein aus einem Strick geflochtener, langer, weißer, Haare zusammengehalten wurde. Diese Haare… Ich begann am ganzen Körper zu zittern. Nein, dass konnten nicht seine Haare sein. Er würde sie doch nie ausreißen und dann auch noch flechten… Langsam drehte ich den Brief in meinen schweißnassen Fingern umher. Normalerweise schwitzte ich nie, aber jetzt tat ich es- warum? Mein Herz blieb für einen Moment stehen, als ich auf der anderen Seite des Papiers eine krakelige Schrift erkannte. Wahrscheinlich Kuli und garantiert ein Alptraum für jeden Lehrer; für mich jedoch so etwas wie ein Wunder. Denn ich kannte diese Klaue nur zu gut- das hatte Bakura geschrieben. Fassungslos starrte ich das einzelne Wort an, das mich von dem Blatt aus hämisch angrinste. Marik. Für einen Moment war mein Kopf vor Verwirrung wie leergepustet, dann jedoch stürmten die Fragen alle auf Einmal meinen armen Kopf. Warum schrieb Bakura? Und vor allem wieso schrieb er mir? Ungläubig den Kopf schüttelnd begann ich langsam die Knoten des Haarstranges zu lösen, sodass ich nach wenigen Sekunden, die mir jedoch wie ewige Minuten vorkamen, das Papier auseinanderfalten konnte. Wieder war ich für einen Moment vor Staunen gelähmt. Da waren ja noch mehr Wörter! Es war ein Brief! Bakura hatte mir einen Brief geschrieben! Okay, nun gab es nur vier Möglichkeiten…
    1. Bakura hatte eine Wette verloren und musste mich als Strafe anschreiben.
    2. Er war sturzbetrunken gewesen.
    3. Die Wüstensonne hatte ihm den Verstand geraubt.
    4. …………. Er wollte mir wirklich schreiben………..

    Fragend und zu meiner Beschämung auch etwas verunsichert runzelte ich die Stirn, ließ meine Augen zögerlich, eine Katastrophe erwartend, auf das mit Kaffee- und irgendwelchen undefinierbaren, roten Flecken übersäte Papier gleiten und begann zu lesen…

    Und musste sofort lachen, als ich die erste Zeile als Chaos aus blauen Strichen und durchstrichenen Wörtern erkannte. Anscheinend war das Bakuras erster Brief…. Schmunzelnd sprang ich in die nächste Zeile und fand dort endlich den ersehnten Anfang.

    Marik. Ich habe keine Ahnung vom Briefe Schreiben oder von irgendwelchen dämlichen Grußformeln, also wirst du dich hier mit deinem Namen begnügen müssen. Überrascht, dass ich mich noch an ihn erinnere? Ich auch.

    Für einen Moment spürte ich ein schmerzhaftes Ziehen in der Brust und ich biss mir unbewusst auf die Lippe.

    Ich bin mir sicher, du hast jetzt deinen Schmollblick aufgesetzt, so wie früher-hoffe ich zumindest, denn sonst hätte ich mir die letzten beiden Sätze sparen können. Theoretisch wäre jetzt der Zeitpunkt für mein böses Lachen, aber heute verzichte ich ausnahmsweise mal darauf, denn, ob du es glaubst oder nicht, dieser Brief ist ernst gemeint. Du hast von Kaiba erfahren, dass ich hier ein Spiel der Schatten veranstalte.

    Woher wusste er das?

    Du fragst dich sicher, von wo mein Wissen herrührt. Ganz einfach: Ich habe euch beobachtet. Und du hast es nicht bemerkt, das enttäuscht mich Marik. Scheint so, als hätte dich die gute Seite nachlässig und unachtsam gemacht. Warum hast du dich auch dem Pharao angeschlossen? Ich hatte eigentlich Anderes von dir erwartet, Marik. Weißt du, es ist ein komisches Gefühl, wenn du kurz nach dem Aufwachen erfährst, dass dein Verbündeter sich gegen dich gestellt hat und der Plan, für den du dein Leben gegeben hast, sich in Luft aufgelöst hat… Vielleicht war ich damals etwas gekränkt, zumindest ist Ryo der Ansicht.

    Ich hatte Bakura gekränkt, indem ich zur Seite des Pharaos übergewechselt war? Das hätte ich nie erwartet… Ich hatte immer geglaubt, er sei froh gewesen, mich los zu sein…

    Nicht Ryo und auch sonst niemand wissen von diesem Brief und ich hoffe für dich, dass das auch so bleiben wird. An deiner Stelle würde ich niemanden von diesem Gekritzel berichten, sonst landest du noch mit einem Tritt in den Allerwertesten im Reich der Schatten. Der Pharao hat sicher keine Gnade mit dir, Marik, auch wenn du das in deiner Naivität sicherlich annimmst, wenn er von diesem Brief erfährt. Heißt für mich umgekehrt, ich könnte dich so viel beleidigen und erpressen mit diesen Zeilen, wie ich will, ohne dass du dich danach bei jemanden ausheulen könntest. Na, was ist das für ein Gefühl, Marik? Kommt es dir bekannt vor? Die Hilflosigkeit, die Einsamkeit? Der Wunsch, mich auszuspielen und zu übertrumpfen? Ich hoffe, du spürst das jetzt, sonst ist dieser Brief umsonst gewesen.

    Zitternd nahm ich für einen Moment die Augen vom Papier und starrte auf meine Hände, die noch stärker zitterten als am Anfang. Was spielte Bakura da für ein Spiel mit mir? Was wollte er von mir? Wieso versuchte er mich an die Emotionen zu erinnern, die in Battle City meine Seele gefangen genommen hatten. Wollte er etwa meinen Yami wiedererwecken? Das würde ich auf keinen Fall zulassen! Meine dunkle Seite hatte allen so viel Schmerz und Leid beschert; Jonouchi misstraute mir immer noch. „Bakura, du bist ein Mistkerl!“ Wütend knüllte ich den Brief zusammen und warf ihn in den Papierkorb, bevor ich mich auf mein Bett schmiss und frustriert die Decke anstarrte, Jetzt hatte ich für einen Moment die Hoffnung gehabt, Bakura hätte mir ernsthaft schreiben wollen und jetzt- Moment, was wünschte ich mir da überhaupt? Welche Ansprüche stellte ich an Bakura, ausgerechnet an Bakura, der laut Yugi, die Reinkarnation des Bösen war? Ich wusste doch so gut wie kein Anderer, dass Bakura alles und jeden für seine Zwecke missbrauchte und schlussendlich in den Schmutz fallen ließ, als wären sie Abfall. Wahrscheinlich brauchte er für sein Spiel der Schatten meine dunkle Hälfte und weil ich sie endlich bezwungen hatte, versuchte er sie durch diese gerissenen Zeilen wiederaufleben zu lassen. Verflucht sollte er sein! Grimmig schloss ich die Augen und versuchte mich zu entspannen, war das doch der eigentliche Grund, warum ich hierher in mein Zimmer gegangen war. Doch egal wie viele Schäfchen ich zählte und Runden im Zimmer lief, mein Kopf gab keine Ruhe. Dauernd tauchte vor meinen Augen Bakuras Gesicht auf. Bakuras fieses Grinsen, seine Augen, die nie, aber absolut nie, Zugang zu seiner verschleierten Seele gaben, sein manisches Lachen, das jeden normalen Menschen zum Schlottern brachte…
    Bakura war ein Dämon. Ein Monster. Ein herzloses, kaltes Etwas, das nicht unsere Welt hineinpasste.

    Bei diesem Gedanken zuckte ich zusammen. Genau das hatte ich einst auch über mich gedacht.

    Ich war ein Dämon. Ein Monster. Ein herzloses, kaltes Etwas, das nicht unsere Welt hineinpasste.

    Bakura. Marik. Während Battle City waren wir die Träger des Bösen gewesen. Wir waren die gewesen, die gehasst werden sollten; die, die die Nacht noch dunkler gemacht hatten; die, die zum Scheitern verdammt gewesen waren und gleichzeitig nach den Sternen gegriffen hatten. Aber noch eines waren wir gewesen und das war mir nie aus dem Kopf gegangen:
    Ein Team.
    Klar, wir hatten, wie Bakura es richtig beschreiben hatte, versucht uns gegenseitig zu benutzen und auszustechen, zu hintergehen und lächerlich zu machen, aber….
    Aber in dieser verhängnisvollen Nacht, in der wir gegen meine dunkle Hälfte antraten und ins Reich der Schatten verdammt wurden, da waren wir beide mehr gewesen. Keine reine Zweckgemeinschaft. Wären wir das wirklich gewesen, hätte mir Bakura nicht freiwillig geholfen. Garantiert nicht. Denn zu dem Zeitpunkt war ich nicht mehr als ein körperloser Geist gewesen, der seiner anderen Hälfte hilflos unterlegen gewesen war. Bakura hätte sich ohne Weiteres mit meinem Yami verbünden können-zusammen hätten sie sicher viel erreicht. Aber Bakura hatte zu mir gehalten, er hatte sein Leben gegeben, um mir zu helfen. Warum?
    WARUM VERDAMMT!
    Voller Wut schlug ich gegen die Wand, von der daraufhin der Putz auf mich niederbröckelte und sich mit den Tränen mischte, die langsam über meine Wangen begannen zu rinnen. „Bakura, du bist ein Mistkerl…“ stieß ich mit zittriger Stimme hervor, kroch zum Mülleimer und kramte den Zettel hervor, der mich irgendwie wartend aus dem Mülleimer hervorstechend anblickte. „Du wusstest, dass ich weiterlesen würde, oder?“ knurrte ich das Stück Papier böse an und entfaltete es mühsam wieder, um mit dem Blick zu der Stelle zu huschen, wo ich geendet hatte. Und mein Verdacht bestätigte sich, Er hatte es gewusst.

    Gut, dass du mir wieder deine Aufmerksamkeit schenkst. Ich hatte schon befürchtet, du würdest den Brief verbrennen oder aufessen. Dann war das Haare Raufen und meine Mühe mit diesen dämlichen Buchstaben nicht umsonst. Aber ehrlich, altägyptisch ist viel einfacher!

    „Lenk nicht vom Thema ab, Baka….“

    Genug davon, zurück zu dir. Ich weiß nicht, was gerade in deinem unberechenbaren Köpfchen vorgeht, Grabwächter, aber ich bin mir sicher, du fragst dich momentan, wie ich, der achso böse Bakura, auf die Idee komme, dir, einem achso treuen Gefolgsmann des Pharaos zu schreiben.

    Na endlich kam er zur Sache…

    Um ehrlich zu sein… Ich weiß es selber nicht.

    Für einen Moment blieb mir die Luft weg, als ich diese Worte las. Sollte das ein Witz sein? Bakura machte doch nie etwas ohne Hintergedanken! Kein Zweifel, dieser Brief musste eine Fälschung ein! Aber es klang so vertraut nach ihm…

    Eigentlich hatte ich nach der Sache mit Battle City nicht mehr vor, mit dir zu reden. Und falls doch, dann nur, um dich anschließend zu töten. Ich war wirklich sauer auf dich, Marik. Nicht nur gekränkt, wie ich es vorhin genannt habe, nein, ich war verflucht wütend auf dich. Weißt du eigentlich, dass du der Erste warst, mit dem ich zusammengearbeitet habe? Und das auch noch freiwillig? Wahrscheinlich nicht. Glaub mir, Marik, ich bin kein Teamworker, um genau zu sein, verabscheue ich es, mich auf Andere verlassen zu müssen. Dann passiert nämlich genau dasselbe wie in Battle City. Man wird verraten und weggeworfen. Ihr Pharaodiener seid doch alle gleich.

    Verdammt, er war wirklich sauer auf mich…Beunruhigt schluckte ich. Jemanden wie Bakura zum Feind zu haben, war kein Zuckerschlecken-ich sollte in nächster Zeit nicht vor die Türe gehen.

    Ich hatte mir schon überlegt, ob ich dir einen kleinen Besuch abstatten sollte, um dich für das büßen zu lassen, was du mit mir abgezogen hattest- besonders für die Tatsache, dass du dem Pharao den Milleniumsstab und sogar meinen Milleniumsring gegeben hast--- Glaub mir, ich war sehr kreativ in Sachen Mordmethoden, während ich in dieser nervigen Kiste mit den anderen Milleniumsgegenständen, eingeschlossen in den Milleniumsring, lag. Ich habe dich verflucht, Marik und beinahe jeden ägyptischen Gott, der mir noch eingefallen ist, angebetet, dass er die die schlimmsten Qualen bereiten solle, die ihm einfielen.

    Puh, die Götter mussten Bakura wirklich hassen, wenn sie ihm nicht halfen. Denn so wie ich Bakura kannte, hatte er einige Götter aufzählen können. 3000 Jahre Lebenserfahrung zahlten sich bei solchen Auflistungen sicher aus…

    Du fragst dich jetzt sicher, warum ich nun, wo ich wieder frei bin, nicht zu dir komme und dich abmurkse. Das hast du eigentlich nur einer einzigen Person zu verdanken, bei der du dich an deiner Stelle noch vielmals bedanken solltest.

    Wen meinte er bloß? Den Pharao sicher nicht… Vielleicht Odion oder Ishizu? Die würden sich sicher für mich einsetzen! Nein, das hätte ich doch mitbekommen-ich war in letzter Zeit durchgehend bei ihnen gewesen! Vielleicht Anzu oder Jonouchi? Wieso sollten die mir helfen wollen? Außerdem hätte Bakura sie eher umgebracht, als auf sie gehört…. Generell hatte Bakura doch keinen Nerv, anderen zuzuhören. Er war in der Hinsicht ziemlich pragmatisch: War das, was der Gegenüber sagte, uninteressant, wurde das Gerede abgestellt- in der Regel durch die Eliminierung des Sprechers… Das funktionierte immer und ging schnell, auf diese Art handelte Bakura sehr zeitsparend. Doch halt: Da gab es jemand, bei dem diese Strategie nicht funktionierte...

    Ryo hat mich so lange zugelabert, bis ich keinen Nerv mehr hatte, mit ihm zu diskutieren. Allerdings hat er es nur geschafft, mich zu überzeugen, weil er mir von eurem Gespräch erzählt hat.

    Für einen Moment blieb mein Herz vor Schreck stehen. Ryo hatte was getan? Dieser… Geschockt ließ ich mich auf mein Bett sinken und verkroch mich vor Scham unter der Bettdecke. „Mist! Mist! Mist! Mist! MIST!“ fluchte ich entsetzt dabei und dachte mit Schrecken an das äußerst intime Gespräch zurück, das ich einige Wochen nach Battle City mit dem weißhaarigen Hikari geführt hatte. Hoffentlich hatte er nicht zu viel erzählt… Vorsichtig nahm ich den Brief wieder an mich und las weiter, während das imaginäre Enthauptungsmesser über mir langsam auf mich heruntersank. Wenn ich Ryo in die Finger bekommen würde, dann…

    Ryo hat mir erzählt, dass ich dir ziemlich viele Fragen in den Kopf gesetzt habe. Freut mich, dann werde ich mal ausnahmsweise nicht vergessen! Allerdings kann ich dir versichern, falls du es noch nicht akzeptiert hast, dass du von meinem Hikari nichts über mich erfahren wirst. Er ist genauso unwissend wie jeder Andere was meine Seele angeht-außer er spielt mir nur etwas vor, aber das traue ich ihm nicht zu. Du kennst ja Ryo, er ist zu lieb und zu anständig, um eine Maske aufzusetzen. Ich habe lange überlegt, als er mir deine Fragen gestellt hat, wie ich reagieren soll. Du willst verdammt viel wissen, Marik, dafür, dass du mich verraten hast. Noch dazu bist du jetzt ein treuer Anhänger des Pharao, obwohl ich das mir bei dir noch immer nicht so ganz vorstellen kann. Kann sein, dass deine dunkle Hälfte zerstört wurde, aber das macht deine helle Seite nicht strahlender, glaub mir. Im Vergleich zu Ryo bist du, obwohl du ein Hikari bist, ganz schön dunkel… Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wie die anderen Idioten von Yugis Fanclub, dem Pharao treu wie ein Hündchen hinterherläufst und blind seinen Befehlen folgst. Wenn doch, dann zerreiße den Brief und du kannst dir hundertprozentig sicher sein, dass ich nichts mehr mit dir zu tun haben möchte.

    Ich verstand sofort, welchen Zweck dieser Satz erfüllte. Es war eine Probe, noch nicht einmal hinter geschickten Formulierungen versteckt. Höchstwahrscheinlich wollte Bakura sogar, dass ich dies als Test erkannte. Hinter dem letzten Satz steckte eigentlich nur eine Frage: "Gehört deine Seele dem Pharao oder der Dunkelheit?"
    Ich kannte diese Frage, ich kannte sie so gut. Wie oft hatte ich mir sie abends vorm Einschlafen gestellt, wie oft, wenn ich mit meinem Motorrad durch die Wüste fuhr und versuchte, alle lästigen Verpflichtungen zu vergessen. Die Antwort hatte ich nie gefunden, egal wie verzweifelt ich sie auch gesucht hatte. Mittlerweile hatte ich beinahe die Hoffnung daran aufgegeben, sie zu finden. Meine gesamte Familie liebte den Pharao abgöttisch und war bereit, ihr Leben für ihn zu opfern, sogar meine beiden großen Geschwister, Odion und Ishizu, die ich über alles liebte. Würde ich den Pharao verraten, würde ich auch sie verraten, genau wie früher in Battle City-ich würde ihnen erneut das Herz brechen. Oder? Tief seufzte ich und schaute wehmütig zu einem Photo, das an der Wand hing. Drei glückliche Gesichter lachten mich an: Odion, Ishizu und ich. Das Photo hatten wir vor circa einem Monat aufgenommen- wie froh wir aussahen. Nachdenklich trat ich näher und strich über die Glasscheibe, die das Bild in den Rahmen drückte. Warum konnte ich diese Realität nicht akzeptieren? Wieso zweifelte ich überhaupt daran? War es nicht schön so? Ich hatte Familie, Glück, Freundschaft, Arbeit… Aber trotzdem fehlte mir etwas.
    Etwas Wichtiges.
    Nur was?
    Deprimiert beugte ich mich näher zum Bild und starrte wütend mein Abbild an, das mich fröhlich angrinste. „Was will ich denn? Sag du es mir doch, verflucht!“ Doch das Bild schwieg. Und schwieg. Und ich war so schlau wie vorher. Ich hasste mich.
    Gerade wollte ich mich vom Bild wieder abwenden, als das Glas plötzlich das Licht der ins Zimmer hineinscheinenden Sonne reflektierte. Und zwar in einem Punkt auf dem Bild, der daraufhin meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es waren meine Augen. Meine lavendelfarbenen Augen, die auf Außenstehende immer frech und ausgelassen wirkten. Doch mir fiel es nun auf-zum allerersten Mal, aber wenigstens spät als nie. Ja, ich wirkte frech und ausgelassen, aber meine Augen spiegelten noch etwas Anderes in sich wider, das ich seit Battle City verdrängt hatte, ohne es wirklich zu merken. Und das machte mich fassungslos, war es doch früher mein Lebensziel gewesen.
    Freiheit.
    Mein Abbild sehnte sich nach Freiheit, während es, eingeengt durch die Arme von Odion und Ishizu freundlich lächeln musste. Immer nett und höflich sein… immer loyal und ehrlich… Immer Regeln und Aufträge befolgen… Immer nur ein Diener sein. Bei diesen Gedanken kamen die alten Gefühle in mir wieder hoch: Der Hass, die Einsamkeit, das Unverständnis- und mir wurde schlagartig klar, wieso Bakura diesen Brief geschrieben hatte. Als ich damals mit Ryo geredet hatte, hatte ich ihn nämlich nicht nur über Bakura ausgefragt, weil mich seine Vergangenheit interessiert hatte, nein, ich hatte das Gefühl gehabt, Bakura könnte so etwas wie der Schlüssel zu meiner Seele sein. Denn in seiner Nähe hatte ich mich nie verstellen brauchen, und falls doch, hatte es nichts genutzt, weil Bakura meine Tarnung immer auffliegen ließ, noch bevor ich sie überhaupt in die Tat umsetzen gekonnt hatte. Bakura hatte mich irgendwie verstanden; er hatte mein wahres Ich erkannt, während ich noch in völliger Dunkelheit getappt war. Ich hatte nach Antworten gesucht, Antworten, die ich nie gefunden hatte, egal, wen ich gefragt hatte, Antworten, die aber in Wirklichkeit die ganze Zeit vor meiner Nase gewesen waren. Nämlich bei Bakura. Warum war ich nur so blind gewesen? „Ich bin so dumm!“ Ungläubig lachend schlug ich mir vor den Kopf und stand entschlossen auf. Klar, ein Leben mit Familie und Aufgaben war schön, aber dafür musste ich mich verstellen. Das wollte ich aber nicht, nicht mehr! Ich wollte endlich wissen, wer ich wirklich war! War ich tatsächlich so finster wie mein Yami? Hatte dieser damals Recht gehabt, als er gesagt hatte, er sei ich und ich sei er? Oder war ich doch ein lieber Typ, was Yugi behauptete? Das wollte ich herausfinden und dieser Brief war eine Art Einladung dazu. Er hatte es zwar nie wortwörtlich so hingeschrieben, aber in diesem Brief bewies Bakura, dass er wusste, wonach ich mich sehnte und-was noch viel wichtiger war- er wollte mir helfen. Warum, war eine andere Frage, aber es war so und das war das erste, wirkliche Geschenk, das man mir machte, Ein freudestrahlendes Lächeln breitete sich über meinem Gesicht aus und ich widmete mich wieder dem Brief, dessen unterer Rand bereits meine Handfläche berührte.

    Ich hoffe, du bist endlich zur Vernunft gekommen. Wenn ja, dann schau mal zu deinem Fenster…

    Langsam, wie in Trance, hob ich den Kopf und drehte ihn zögerlich in Richtung Fenster. Was würde mich erwarten? Eine weitere Nachricht? Ein Zettel? Ein Gegenstand, ein Symbol, ein---

    Bakura.
    War da.
    Saß in der Hocke auf meiner Fensterbank.
    Grinste breit und winkte mir zu.
    Tippte mein Fenster an, das sich nach innen öffnete, sprang ins Zimmer direkt vor mich und meinte:

    „Wusste ich es doch, dass du noch immer diesen Lavendelduft an dir hast. Du weißt, dass du damit wieder riskierst, dass ich dich Marik-chan nenne?“

    (Tja, das war meine kleine Idee. Ich hoffe, es hat euch gefallen und wenn ja, würde ich mich riesig über Kommentare freuen! (Bisher hat mir nämlich leider noch niemand bei irgendeiner meiner FFs zu Yugioh-DM Verbesserungsvorschläge gegeben...) Bis zum nächsten Mal,
    LG Yamiyo)









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Mein Brief für dich (Yugioh)
Mein Brief für dich (Yugioh)
Es ist nur ein One Shot, der ganz spontan morgens beim Träumen entstanden ist. Worum es geht: Marik ist zu Hause, um etwas Ruhe zu haben, nachdem er von Seto erfahren hat, dass sein alter Teampartner Bakura in Ägypten ist. Marik ahnt, dass Bakura nun ...
http://www.testedich.de/quiz38/quiz/1446813765/Mein-Brief-fuer-dich-Yugioh
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2015-11-06
407E
Yu-Gi-Oh!

Kommentare Seite 1 von 1
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Yamiyo ( 82233 )
Abgeschickt vor 468 Tagen
http://www.testedich.de/quiz39/quiz/1454078875/Mein-Brief-fuer-dich-Death-Note
Das ist der zweite Teil meines Projekts–Death Note Fandom: Brief von Mello an Matt
Yamiyo ( 37383 )
Abgeschickt vor 486 Tagen
@Sera-chan
Freut mich, dass es dir gefällt! Es wird dir dann gefallen zu hören, dass ich bereits einen gesamten Plan mit den wichtigsten Dialogen für eine FF als Fortsetzung zu diesem One Shot erstellt habe. Wenn ich meine Death Note FF fertig habe, kommt wahrscheinlich diese FF dann dran. Sie beschäftigt sich mit der gemeinsamen Vergangenheit von Bakura und Marik (darum auch das Pair Citronshipping Akefia x Malak) Etwas ungewöhnlich das Pairing, aber ich mag es wirklich gern!^^
Sera-chan ( 38721 )
Abgeschickt vor 498 Tagen
Bitteee mach weiter!
Grad wos spannend war hörst du auf ^^
Es war so schön und lustig bitte lass es so nicht enden...
Yamiyo ( 45510 )
Abgeschickt vor 529 Tagen
Vielen Dank für dein Kommi! Ich shippe Bakura und Marik sehr gerne, weil ich so die OCs und somit auch die Mary Sues umgehe–
Ich werde mich weiter mit FFs beschäftigen, momentan plane ich noch weitere Briefe (das macht echt Spaß), aber zu anderen Pairings. Geplant sind auf jeden Fall Near und Mello, Mello und Matt und Marik und Yami Marik. Mal sehen, wann ich dazu komme^^
Black Kirara ( 97581 )
Abgeschickt vor 534 Tagen
Die Story is einfach mal nur HAMMERGE!L geschrieben! Ich bin normalerweise echt kein Yaoi Fan, aber man kann ja mal ne Ausnahme machen;) Hut ab, bitte mach auf jeden Fall weiter!
Lg Black Kirara