Das Biest und der Tyrann - Teil 26

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 5.161 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-10-14 - Entwickelt am: - 1.336 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Was in diesem Teil passiert habe ich lange vorbereitet. Man kann sich eigentlich nicht so richtig drauf freuen, aber es kommt, wie es kommen musste. Es war vorauszusehen.

    1
    Grits Sicht
    „Los geht’s!“, ruft Kid freudig und erntet Jubel dafür. Wir gehen zur Tür. Bevor wir rausgehen, lässt Kid mich los. Wir beide wissen, dass wir vorsichtig sein müssen. Ich verlasse den Raum ein wenig hinter ihm. Fast ein Dutzend Leute aus der Crew kommen mit Kid. Das sind genug Leute, um zu vertuschen, dass Kid und ich zusammen sind. Wir verlassen das Schiff und gehen in die Stadt. Die Leute machen uns Platz. „Grit“, höre ich eine leise Stimme. Ich schaue zur Seite. John geht nun neben mir. Er schaut vor sich auf den Boden. „Ich habe euch gesehen“, gibt er leise zu. „Ich wollte anklopfen und fragen, wo ihr bleibt, aber die Tür war offen und ich konnte reingucken. Ich bin dann auch sofort umgedreht. Ich wollte nur, dass du das weißt, weil du doch meine beste Freundin bist.“ Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Upps! Ich stolpere. Für einen Moment strauchle ich, bevor ich auf den Boden falle, kann ich mich noch rechtzeitig fangen. In meinem Kopf ist irgendwie alles wirr. „Ja, ne! Ist schon okay! Ähm… danke, dass du mir das gesagt hast.“ Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Plötzlich fange ich grundlos an zu kichern. „Kein Problem“, sage ich und hau ihm leicht gegen die Schulter. „Ich find es cool, dass du so ehrlich und loyal bist.“ John guckt auf und grinst mich schief an. „Dann ist ja gut!“ Wir gehen weiter durch die Straßen. Kid hat sich ein wenig zurückfallen lassen und geht jetzt in der Mitte der Gruppe. Ich, John und noch ein paar andere gehen vor ihm. Mit John rede ich die ganze Zeit und wir machen Witze zusammen. Immer mehr Leute am Straßenrand gucken uns an. „Du John?“, sage ich schließlich mit etwas gedämpfter Stimme. „Vielleicht sollten wir nicht die ganze Zeit zusammen gehen.“ Er schaut mich überrascht an. „Wieso nicht?“, fragt er. Ich schaue mich unauffällig um. „Nicht, dass die auf falsche Ideen kommen und dich fälschlicher Weise als meinen Freund bezeichnen.“ „Aber ich bin doch dein Freund“, sagt er lachend. Ich gucke ihn vorwurfsvoll an. „Du weißt genau, welche Art von Freund ich meine“, sage ich ernst. John nickt. „Nagut! Meinetwegen!“ Er lässt sich ein wenig zurückfallen. Jetzt wird es wohl etwas langweiliger. Naja, ich kann ja mal zu den Jungs vor mir aufschließen und… WER IST DAS? Jemand umfasst plötzlich meine Taille und geht an meiner Seite. Es ist Kid! Augenblicklich setzen die typischen Schmetterlinge wieder ein. Es ist sooo gefährlich, aber es fühlt sich sooo gut an. Er neigt seinen Kopf und gibt mir einen Kuss auf den Kopf. Ich wende mein Gesicht in seine Richtung. „Kid!“, hauche ich. „Was soll das?“ „Ich musste den jungen gaffenden Männern am Straßenrand einmal zeigen, dass du nicht mehr zu haben bist“, erklärt er mit ruhiger tiefer Stimme. Ich schaue an den Straßenrand. Tatsächlich gucken nun viele Männer beschämt und ängstlich zur Seite. Es ist so süß, wie er mich gegen die gaffende Blicke verteidigt. „Was ist wenn die falschen Leute das sehen?“, flüstere ich. „Solange du bei mir bist, werden sie sich nicht trauen dich anzurühren“, erklärt er mir beruhigend. Das beruhigt mich tatsächlich ein bisschen. Ich fühle mich dennoch ein bisschen unwohl, so in der Öffentlichkeit herumzuspazieren. Nach ein paar Minuten sehe ich, wie vor uns viele Leute eine Kneipe oder so etwas verlassen. Wire steht an der Tür. Alles klar! Ich verstehe schon! Kid führt uns in den Raum rein. Wir setzen uns an die Tische. Als alle sitzen, stehe ich wieder auf. „Ich muss mal“, sage ich grinsend zu Kid uns gehe Richtung WC Schild. „Killer“, höre ich Kid scharf sagen. In der Spiegelung einer Scheibe sehe ich gerade noch, wie Killer Kid einen Schlag auf den Hinterkopf gibt. „Was soll das?“, fragt Kid aufgebracht. Killers Antwort kann ich nicht verstehen, aber Kid sagt, etwas leiser als zuvor und hörbar gereizt: „Meinst du das weiß ich nicht selbst?“ Ich gehe weiter und lasse mir nichts anmerken. „Was hätte ich den tun sollen?“, fragt Kid zischend. Ich schließe die Tür zu den Toilettenräumen hinter mir. Ja, was hätte er denn tun sollen? Er hätte es einfach über sich ergehen lassen. Aber das ist scheiße, das kann ich schon verstehen. Was hätte ich gemacht, wenn reihenweise Frauen ihn angestarrt hätten? Ich weiß es nicht. Vermutlich haben die Männer gar nicht mich wirklich angeschaut. Ich meine… warum sollten sie das tun? Auf der Straße waren tausendmal hübschere Frauen unterwegs als ich. Während ich meine Hände wasche, schaue ich in den Spiegel. Nagut, hässlich bin ich nicht und meine Figur ist ja schon ziemlich gut. Sportlich halt. Also schön! Vielleicht haben die Männer ja was zum Gucken gehabt. Ich gehe zurück und setze mich neben Kid. Er scheint etwas schlechter gelaunt zu sein, als eben. Ich streichle über seinen Unterarm und lächle ihn an. Er lächelt zurück. Manchmal ist es echt scheiße ein so weitgesuchter Pirat zu sein. Irgendwie fällt mir grad wieder der Kuss ein. Fast die ganze Zeit musste ich daran denken. Ständig tauchte wieder das Gefühl in mir auf. Ich lehne mich zurück und ziehe die Beine aufs Sofa. Es wirft mich völlig aus der Bahn. Kids Lippen auf meinen. Diese weiche warme Berührung. Mein Herz klopft wieder rasend schnell. Mein linker Sitznachbar stößt mich, wohl versehentlich, an und holt mich damit zurück ins Geschehen. Ich schaue mich verwirrt um. Es stehen Getränke auf dem Tisch. „Ich habe dir eine Zitronenlimonade bestellt“, sagt Kid zu mir. „Ich hoffe das war in Ordnung.“ Ich nicke. Ich fühle mich ein bisschen wie in Trance. Wir stoßen alle zusammen an. Als wir aus der Kneipe wieder rausgehen, sind die Leute, denen wir begegnen, ängstlicher als zuvor. Wenn sie uns sehen und begegnen, schauen sie schnell weg und beeilen sich, an uns vorbeizukommen. Hin und wieder treffen wir auf Jungs aus der Crew, welche sich uns anschließen. Unsere Gruppe wird größer, auch wenn ab und zu auch welche die Gruppe verlassen, um in einem Laden zu stöbern oder so. Ich gehe mit Kalle, John und Markus hinten. Wir kommen an einigen Geschäften vorbei, in die ich gerne mal hineingegangen wäre, aber ich nehme mir Kids Bitte zu Herzen. Ich bleibe bei ihm. Er macht ich wirklich Sorgen und die Lage scheint ernsthafter zu sein, als ich es denke. Autsch! Ich bin in einem Dorn getreten. Da ich mal wieder barfuß gehe, ist das kein Wunder. Ich bleibe stehen, um den Dornen aus meinem Fuß zu ziehen. Die anderen drei gehen weiter.

    Kids Sicht
    Die Leute weichen uns respektvoll und ängstlich aus. Das ist gut! Es wird schon langsam Abend. Wir sollten zurück aufs Schiff und dann in einer Bar am Hafen feiern gehen. Ich drehe mich nach hinten. Grit geht mit Markus, John und Kalle. Zwar ganz hinten, aber nicht alleine. Ich drehe mich wieder nach vorne. „Mika!“, rufe ich meinen Navigator zu mir. Er geht ganz vorne. Mika lässt sich zurückfallen und geht neben mir. „Ja Käpt’n?“, fragt er. „Schlag den Weg zurück zum Schiff ein. Du bist vorne!“, befehle ich. Er nickt. „Aye!“, sagt er und eilt wieder nach vorne an die Spitze. Wir gehen eine Zeit lang durch die Straßen und Gassen. „Kid“, sagt jemand neben mir. Es ist Markus. „Ja?“, frage ich. „Grit ist weg!“ „WAS?“, sage ich laut und bleibe abrupt stehen. Ich funkle ihn böse an. „Was hat das zu bedeuten?“, sage ich noch immer laut und bedrohlich. „Sie war bei uns, dann ist sie stehen geblieben. Wir sind drei Schritte weitergegangen und als ich mich zu ihr umgedreht habe, war sie weg. Ich schöre es Kid! Wir haben die ganze Zeit gut auf sie aufgepasst“, erklärt Markus verzweifelt. „Das kann verdammt noch einmal nicht dein Ernst sein!“, fluche ich laut. Aus mir sprechen die Wut und die Angst. John und Kalle kommen dazu. „Wir haben alle Geschäfte abgesucht“, sagt John außer Atem. „Wir haben sie nirgends gefunden.“ Ich spanne meinen Körper an. Die feigen Marineschweine! Die Arschlöcher! Ich bring sie um! ICH BRING SIE ALLE UM! Wenn sie Grit auch nur ein Haar krümmen, werde ich sie lebendig häuten. Das schwöre ich! „Ich werde diese Bastarde schon noch aus ihren feigen Verstecken räuchern“, sage ich aufgebracht. Ich hebe meinen Arm, um meine Teufelskräfte zu aktivieren. Plötzlich werde ich mit voller Kraft gegen ein Haus geschubst. „WAS ZUM TEUFEL SOLL DAS?“, schreie ich wütend. In mir ist eine unbändige Wut. „Hör auf!“, zischt Killer mich an. Er ist der einzige aus der Crew, der genug Kraft hat mich so zu schubsen. Und er ist auch der einzige, der es wagen würde. „Das hier bringt nichts! So riskierst du nur eine Hinrichtung! Willst du das etwa?“ Ich funkle ihn grimmig an. Natürlich will ich das nicht! „Wir müssen zurück zum Schiff. Hier wird Grit nicht mehr sein. Wer sie entführt hat, wird dafür etwas haben wollen und uns Forderungen stellen“, erklärt Killer im harten Ton. Anders kommt er bei mir auch nicht durch. „Verdammte scheiße“, fluche ich und schlage mit der Hand gegen das Haus hinter mir. Ein paar Steine bröckeln ab. In mir kocht es, aber Killer hat Recht. Ich stapfe wütend zurück zum Schiff. Sofort wähle ich den Weg zur Gummizelle. In meinen Ohren rauscht das Blut. Ich bin kurz vorm explodieren. Wenn ich mich jetzt nicht abreagiere, dann laufe ich Amok. Ich lege mir einen Seesteinring um einen Fuß. Sofort spüre ich, wie mir Kräfte aus dem Körper gezogen werden. Ich kämpfe dagegen an. Um mich wirklich auszupowern, muss ich allein mit körperlicher Kraft arbeiten. Gegen das Schwäche- und Lähmungsgefühl ankämpfend schlage ich auf den Boxsack ein. Ich randaliere in der Gummizelle. „Scheiße man!“, schreie ich auf. „Ich konnte sie nicht beschützend!“ Ich war so naiv! Hätte ich einfach besser aufgepasst! Wenn ich sie nicht in aller Öffentlichkeit als meine Freundin demonstriert hätte, wär das sicherlich nicht passiert. Scheiße! Ich habe zu viel riskiert. Es ist alles meine Schuld. Total ausgepowert und schwach sinke ich an der Wand zusammen. Ich atme schwer. Was ist wenn sie Grit einfach so hinrichten, ohne eine Forderung zu stellen? Ich vergrabe das Gesicht in den Händen. Mir laufen Tränen runter. Ich weine. Seit Jahren habe ich nicht geweint. Es gab nie einen Grund. Aber jetzt habe ich Angst! Geräusche dringen an mein Ohr. Oben auf dem Deck ist irgendetwas los! Ich wische mir die Tränen aus den Augen und lege den Seesteinring ab. Sofort merke ich, wie meine Teufelskräfte zurückkommen und mich stärken. Aufrecht gehe hoch an Deck. Im Speisesaal kommt mir Killer entgegen. „Die Marine war grad hier!“, sagt er, als ich näher komme. „Wo sind diese Schweine?“, frage ich ernst und böse. „Weg! Es waren Botschafter! Es wäre dumm gewesen sie anzugreifen“, erklärt Killer mir eindringlich. Ich bleibe mit wutverzerrtem Gesicht vor ihm stehen. „Was haben sie gesagt?“, frage ich. Killer reicht mir eine Papierrolle. Ich mache sie auf und lese mir durch, was da steht. „Das ist eine Falle“, sage ich grimmig, als ich fertig bin mit lesen. „Natürlich ist das eine Falle“, stimmt Killer mir zu. „Wenn du dich ihnen ergibst, dann richten sie euch beide hin!“ „Wir machen uns bereit für eine Schlacht. Ich werde Grit da raus holen!“, befehle ich kurzentschlossen und wende mich zum Gehen. Killer hält mich am Arm fest. „Warte!“ Ich gucke ihn an. „Der Strohhut hat seinen Bruder auch nicht einfach so freikämpfen können. Sie wird dabei draufgehen, Kid!“ „Sprich nicht so unbekümmert!“, fahre ich ihn an und reiße meinen Arm los. „Das würde ich niemals tun!“, antwortet Killer im aufgebrachten Ton. „Ich weiß genau, wie wichtig Grit dir ist und ich werde sie dir wieder bringen.“ Ich mustere Killer. Er ist mein bester Freund, aber es wäre ein Selbstmordkommando, wenn er da ganz alleine in die Basis eindringen würde. „Sag mal spinnst du?“, sage ich. „Soll ich dich etwa auch noch verlieren?“ Killer schüttelt den Kopf. „Vertrau mir! Ich hole Grit da raus. Und die Informationen, die wir brauchen, auch. Du weißt ich schaff das!“ Killer redet eindringlich auf mich ein. „Ich mach das!“, sage ich schließlich. Killer schüttelt wieder den Kopf. „Du bist unberechenbar in diesem Zustand. Kid! Ich werde dir Grit wiederbringen! Das schwöre ich dir!“ Ich schaue ihn grimmig an. Verdammt noch einmal! Warum muss er bloß immer Recht haben? Ich schreie wütend auf und wende mich zu der Tür, die nach drinnen führt. „Wehe du bringst dich während der Rettungsaktion um. Dann prügle ich dich windelweich!“, drohe ich ihm, während ich zu meiner Kajüte gehe. Wütend schnaubend betrete ich den Raum. Ich knalle die Tür hinter mir zu. Was mache ich jetzt nur? Wie lange wird Killer brauchen? Ich laufe unruhig auf und ab. Dieser beschissene Mantel nervt. Ich ziehe ihn energisch aus und werfe ihn aufs Bett. Auch die Brille ziehe ich mir von der Stirn und pfeffere sie in eine Ecke. Ich setze meinen Lauf fort.

    Grits Sicht
    „Los! Steh wieder auf!“, schreit mich der Vizeadmiral an. Ich stehe wieder auf. Der letzte Schlag hatte mich zu Boden geworfen. Mein ganzer Körper schmerzt, aber ich vergieße weder eine Träne, noch bettle ich um ein Ende. Ich lass es stumm über mich ergehen. Verbissen stecke ich jeden Schlag und jeden Tritt ein. „Wir werden ja sehen, ob dein Liebster dich rettet!“, macht er sich lustig über mich. „Du wirst sterben. So oder so!“ Ich bekomme einen Schlag in die Magengrube. Es schmerzt! Es schmerzt unglaublich! Mein Körper ist bereits völlig am Ende. Ich glaube eine Rippe ist gebrochen. Zum Glück haben die nur auf mich eingeprügelt. Prügel kann ich wegstecken. Ich wurde schon oft verprügelt. Meine Beine fühlen sich schwach an. Sehr lange halte ich das hier nicht mehr durch. Hoffentlich ist Kid nicht so dumm, sich tatsächlich zu ergeben. Eigentlich würde ich ihm das nicht zutrauen. Sowohl er als auch Killer durchschauen die Falle mit Leichtigkeit. Aber ich weiß nicht, wie klar er denken kann, wenn ich von der Marine entführt werde. „So! Das reicht!“, befiehlt schließlich der Vizeadmiral. „Sperrt sie weg!“ Er spuckt vor mir auf den Boden und geht. Zwei Marinesoldaten packen meine Arme. Ich wehre mich mit all meiner verbleibenden Kraft. Die beiden haben ziemliche Probleme mich festzuhalten. „Das reicht!“, schreit der Vizeadmiral und schlägt diesmal selber zu. Mein Kopf fühlt sich schwer an. Ich sehe verschwommen und spüre, wie ich fast bewusstlos bin. Die zwei Soldaten zerren mich mit sich. Ich kann kaum laufen. Die meiste Zeit werde ich gezogen. Im Unterbewusstsein kriege ich mit, wie meine Fußgelenke zusammengefesselt und meine Arme jeweils einzeln an der Wand festgemacht werden. Ich habe keine Kraft mehr meinen Kopf hochzuhalten.

    Kids Sicht
    Es ist bereits Nacht! Wo bleibt Killer? Verdammt noch einmal! Ich tick gleich aus. Schon seit einiger Zeit bin ich in der Gummizelle. Verzweifelt schlage ich wieder wild auf alles ein, was mir in die Quere kommt. Jetzt ist die Wand dran. Besessen schlage ich auf sie ein. Der Seestein zerrt an meiner Kraft, aber ich schlage weiter. Tränen laufen mir die Wange runter. „Kid“, unterbricht eine Stimme meine Einsamkeit. Ich dreh meinen Kopf zur Tür. Heat steht im Eingang. „Du musst…“ „WAS MUSS ICH?“, unterbreche ich ihn verzweifelt. Mein Gesicht zeigt eine schreckliche Grimasse. Ich spüre zurzeit mehrere starke Emotionen. Wut, Angst, Verzweiflung… Heat bleibt einen Augenblick in der Tür stehen und schließt diese dann leise wieder. Jetzt bin ich wieder alleine. Ich sinke verzweifelt an der Wand hinab und heule. Ich fühle mich so machtlos. Meine körperlichen Kräfte sind fast aufgebraucht. Bisher habe ich noch nichts gegessen, kaum etwas getrunken und schlafen werde ich heute Nacht sicherlich nicht können.

    Grits Sicht
    Meine Arme schmerzen und mir ist kalt. Außerdem habe ich Hunger und Durst. Ich öffne die Augen. Es ist ziemlich dunkel hier. Ich habe Angst. Ich werde es niemandem zeigen, aber ich habe Angst. Was ist, wenn die mich tatsächlich hinrichten? Was wird aus Kid? Wie lange bin ich eigentlich bewusstlos gewesen? Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist. Eine Träne rollt mir die Wange runter. Ich will zu Kid. „Wer sind Sie?“ Der Soldat, der mein Gefängnis bewacht, ist aufgesprungen und legt sein Gewehr an. Ich schaue auf. Eine Person nähert sich, aber sie ist kleiner als Kid. Der Mann ist in die Uniform eines hochrangingen Marinetypen gekleidet. Als er beim Gefängnis angekommen ist, hebt er ein wenig sein Gesicht, sodass der Soldat ihn erkennen kann. Sofort salutiert er. „Sir! Was für eine Ehre!“, sagt er in ehrfürchtigem Tonfall. Wer ist das? Der Vizeadmiral ist es nicht. Der Typ trägt eine Marineschirmmütze, deshalb kann ich sein Gesicht nicht erkennen. „Ich leih mir die Gefangene aus und bringe sie dir nachher wieder. Warte hier“, befiehlt er ihm in strengem Ton. „Sir! Ja, Sir!“, antwortet der Marinesoldat ergeben. Er schließt meine Zelle auf und übergibt dem Marinetypen die Ketten, welche mich fesseln. „Nun steh schon auf, du Abschaum“, blufft mich der Soldat an. Ich funkle ihn böse an. „Stress mich nicht!“, sage ich genervt. Mühsam steh ich auf. All meine Glieder schmerzen und die Gelenke fühlen sich steif an. Der Soldat treibt mich zur Eile, aber der andere Typ ist seltsam ruhig. Es kommt mir schon fast vor, als würde er geduldig warten. Das ist natürlich absoluter Quatsch. Vielleicht reicht ihm auch die Gewalt, welche der Soldat anwendet. Ich stolpere aus der Zelle raus. Als ich beim Soldaten vorbeikomme strecke ich ihm die Zunge raus. Er klatscht mir eine. Das ist mir egal. Es tut kaum weh. Meine Beine machen mir viel größere Sorgen. Jeder Schritt schmerzt. Außerdem bekomme ich jetzt langsam Bauchschmerzen. Meine Füße sind kalt. Der Marinetyp führt mich irgendwohin. Wenn er zu schnell geht, ziehe ich ein bisschen an den Ketten. Seltsamerweise zerrt er mich dann nicht weiter, sondern verlangsamt sein Tempo ein bisschen. Was hat er nur vor. Und warum kommt er mir so bekannt vor? Ich habe zwar sein Gesicht noch nicht gesehen, aber seine Statur kenne ich irgendwoher. Seine Stimme kommt mir auch bekannt vor. Warum bloß? Mir ist schlecht, in meinem Kopf dreht sich alles und vor meinen Augen verschwimmt ständig die Sicht. Ich will hier weg. Der Marinetyp führt mich weiter. Als er plötzlich anhält, laufe ich fast in ihn hinein. „Hier rein!“, befiehlt er. Seine Stimme ist nicht hart, duldet aber keine Wiederrede. Ich folge ihm in eine Tür rein. Als er Licht anmacht erkenne ich, wo ich bin. In einer Abstellkammer! Was kommt jetzt. „Hier!“ Der Marinetyp hält mir einen kleinen Stapel Kleidung hin. Ich schaue ihn mir skeptisch an. Es ist die übliche Marineuniform. „Was soll das?“, frage ich nicht ganz überzeugt. „Willst du nun hier weg oder nicht?“, fragt er anstelle einer Antwort. Ich mustere nun ihn skeptisch. „Warum solltest du mir helfen?“, frage ich misstrauisch. Noch immer kann ich sein Gesicht nicht erkennen. „Weil mein Käpt’n sonst vermutlich etwas sehr Dummes tut“, erklärt er. Ich schaue ihn komplett verwirrt an. Was zum Teufel meint er? Der Typ dreht sich um und macht irgendetwas in seinem Gesicht. Dann dreht er sich um. „Killer!“, stoße ich überrascht aus. Meine Beine geben für einen Moment nach. Ein riesiger Stein fällt mir vom Herzen. Killer kniet sich neben mich hin und hilft mir wieder auf. „Kid ist total unberechenbar. Deshalb hole ich dich hier raus“, erklärt er. Ich nicke nur. Immer noch überrascht. Vor Freude rollt mir eine Träne die Wange runter. „Zieh das schnell an. Du musst aussehen, wie ein Mann, dann schöpfen sie noch weniger Verdacht. Ich bringe dich raus. Sage nichts und versuche so aufrecht wie möglich zu gehen. Verhalte dich wie ein Soldat“, rät er mir eindringlich. Ich nicke. „Du kannst dich umziehen. Ich warte draußen.“ Seine Hand liegt schon auf der Türklinke, da dreht er sich noch einmal um. „Um eine Sache möchte ich dich noch bitten“, sagt Killer und klingt dabei etwas verletzlich. So habe ich ihn noch nie erlebt. „Ich werde gleich wieder meine Maske absetzen. Bitte schau mir nicht ins Gesicht.“ Ich nicke mit offenem Mund. Das würde mir nie einfallen. Er wird schon einen Grund haben, weshalb er immer eine Maske trägt und ich respektiere das. „Danke.“ Killer geht aus dem Raum raus. Ich schaue mir die Kleidung genauer an. Dabei liegt auch ein Verband. Ich ziehe mein Oberteil aus und binde mit dem Verband meine Brust ab. Das geht recht gut. Es tut weh, aber der Rest meines Körpers tut auch weh, von daher ist das gut zu ertragen. Ich ziehe mir die Uniform an. Meine Dreads binde ich zu einem Zopf zusammen. Die Schirmmütze ziehe ich mir tief ins Gesicht, damit man mich nicht erkennen kann. In dieser Kleidung kriege ich fast das Kotzen, außerdem muss ich meine eigene Kleidung hier zurücklassen. Ich fand die Hose echt cool. Egal! Das ist jetzt absolut egal. Ich klopfe an die Tür um zu zeigen, dass ich fertig bin. Eine Sekunde später öffnet Killer die Tür. Ich stelle mich neben ihm. Meine Körperhaltung ist stramm und aufrecht. Es tut schrecklich weh, aber ich ignoriere die Schmerzen. Killer schreitet den Gang entlang. Ich einen Schritt schräg hinter ihm. Es kommen uns einige junge Kadetten entgegen. Oh scheiße! Ich hoffe sie durchschauen uns nicht. Als wir ihnen auffallen, hören sie sofort auf rumzurangeln, machen Platz und salutieren links und rechts vom Gang. Was hat das auf sich? Warum schätzen sie Killer alle so sehr? War er mal bei der Marine bevor er Pirat wurde? Wir gehen immer weiter. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass wir uns verlaufen haben, aber Killer schreitet sicher weiter. Und immer wenn wir Marinesoldaten begegnen ist es dieselbe Situation. Irgendwann kommen wir in einen Gang, in dem es Fenster gibt. Als ich sicher bin, dass wir alleine sind, schaue ich zur Seite und raus. Der Morgen dämmert. Unglaublich, dass ich schon so lange hier bin. „Wer seid ihr?“, ertönt die scharfe Stimme des Vizeadmirals. Er kommt aus einem Seitengang im schnellen Schritt auf uns zugeschritten. Killer bleibt stehen und wartet, bis der Vizeadmiral uns erreicht. Ich stehe stramm. In mir verspannt sich alles. Bitte, bitte erkennt er mich nicht. Der Vizeadmiral würdigt mich keines Blickes. „Verzeihung, Sir! Ich habe Sie nicht erkannt“, entschuldigt er sich plötzlich und salutiert. Killer nickt. „Schon gut!“ „Herzlich Willkommen auf der Marinebasis Manta!“, sagt der Vizeadmiral. „Schleim hier nicht so rum“, brummt Killer. Sein Auftreten entspricht absolut genau dem, eines hochrangigen Marinesoldaten. Ich frage mich nur, welche Position er bekleidet. Oder bekleidet hat. Wie auch immer, man das jetzt auffässt. „Wir haben gerade Appell, Sir! Es wäre uns eine Ehre, wenn Sie die Stärke Mantas begutachten würden“, sagt der Vizeadmiral und deutet eine Verbeugung an. Hoffentlich sagt Killer nein. Bitte das nein. Bitte sag nein. Bitte sag… „Da wollte ich sowieso gerade hin!“, antwortet Killer. Scheiße! Das sind mir zu viele Soldaten. Der Vizeadmiral geht voraus. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu folgen. Wir kommen schließlich bei einer recht großen Tür an. Der Vizeadmiral stößt sie auf. Ich ziehe scharf die Luft ein. Vor uns ist ein riesiger Platz auf dem hunderte vielleicht sogar tausende Marinesoldaten salutieren. Ich hoffe es erkennt mich keiner. Auf dem Balkon, auf dem wir stehen, bricht Gemurmel aus. Der Vizeadmiral schreitet stolz zum Geländer des Balkons hin. Killer folgt ihm. Die anderen Offiziere auf dem Balkon machen ehrfürchtig Platz. Ich weiß nicht so recht, was ich machen soll. Ich glaube Soldaten bleiben an der Tür stehen. „Ich brauche einen Kadetten“, sagt Killer und lässt sein Blick über den Platz schweifen. „Natürlich. Ich lasse gleich die Stärksten und Tapfersten antreten“, verspricht der Vizeadmiral. Killer schüttelt den Kopf. „Nicht nötig!“ Mein Rücken und meine Beine tuen vom Geradestehen weh. „Der da!“, sagt Killer schließlich und zeigt auf einen Marinesoldaten. Von hier aus kann ich nichts erkennen. Er wendet sich an den Vizeadmiral. „Ich werde ihn zusammen mit meinem Untergebenen als Botschafter zum Schiff der Kid Piraten schicken. Sag deinen Leuten am Hafen Bescheid!“, befiehlt er. Der Vizeadmiral salutiert. „Ich erwarte ihn in zehn Minuten am Haupttor der Marinebasis“, weist Killer weiter an, dreht auf dem Absatz um und geht an mir vorbei zurück auf den Gang. Ich folge ihm. Wir gehen wieder irgendwelche Gänge entlang. Ich habe längst aufgehört mich zu fragen, wieso er sich hier so gut auskennt. Killer öffnet eine Tür und ich folge ihm in einen Raum hinein. Ich schließe die Tür hinter mir. Killer bleibt mit dem Rücken zu mir stehen. „Pass auf Grit!“, sagt er mit etwas gedämpfter Stimme. Wenn er mich Grit nennt, kann ich mich ja entspannen. Ich lass mich ein wenig hängen. Es schmerzt! „Der Kadett, den ich ausgewählt habe, hat ein paar Ähnlichkeiten mit mir. Ich werde dich und ihn zum Schiff schicken. Unterwegs fange ich euch ab und entledige mich des Soldaten. Bis es so weit ist gehe einfach stur neben dem Soldaten her. Schaue starr geradeaus und sage kein Wort. Ignoriere alles, was er dir vielleicht sagen wird. Er wird dich für einen Regelpupser halten, aber es ist ja egal, was er von dir hält.“ Ich höre Killer aufmerksam zu. „Hast du verstanden?“, fragt er in eindringlichem Ton. „Ja!“, würge ich hervor. Ich habe Angst. Was ist wenn mich jemand erkennt? Die zerren mich doch an den Haaren wieder zurück in die Zelle und Killers Tarnung fliegt dann auch auf. Ich atme tief ein und aus. „Alles in Ordnung?“, fragt er behutsam nach. „Ich habe Angst“, gebe ich leise zu. Killer schweigt. „Ich habe Kid versprochen, dass ich dich lebend zurück bringe. Koste es was es wolle“, sagt er schließlich. „Ich werde mein Versprechen halten!“ „Okay“, sage ich leise. „Dann los!“ Killer geht als erster zur Tür. Ich folge ihm. Als wir draußen am Haupttor ankommen, steht bereits ein Marinesoldat stramm da und wartet. Er hat tatsächlich ein wenig Ähnlichkeit mit Killer. Wenigstens aus der Ferne. Das Auffälligste sind die langen blonden Haare. Vermutlich wurde er nur deshalb ausgesucht. Killer geht zu ihm. Natürlich salutiert der Kadett. „Diese Botschaft muss zum Schiff der Kid Piraten!“, befiehlt Killer und reicht ihm eine Pergamentrolle, welche versiegelt ist. Ehrfürchtig nimmt er sie entgegen und steckt sie in eine eingenähte Tasche im Inneren der Uniform. „Ich erwarte euch zurück, um mir Bericht zu erstatten“, befiehlt Killer uns beiden. Ich und der Marinesoldat salutieren. „Wegtreten!“ Wir drehen uns um und marschieren ab. Sobald wir um die nächste Ecke gebogen sind, entspannt der Soldat neben mir. Er lässt seine Körperhaltung hängen und fängt an zu plappern. Ich bleibe steif und marschiere weiter. „Wahnsinn, oder?“, sagt er begeistert. „Ich meine er ist eine Legende. Aber du scheinst für ihn zu arbeiten. Sag mal, wie ist er so?“ Ich ignoriere ihn und halte meinen Blick starr nach vorne. „Hey ich habe dich etwas gefragt“, sagt der Marinesoldat etwas verunsichert. Ich bleibe stur. „Wow! Du bist echt gut trainiert. Aber wenn du mit ihm zusammen arbeitest, hast du bestimmt eine richtig gute Ausbildung genossen“, sagt er beeindruckt und wird immer leiser. Schließlich richtet er sich wieder auf und nimmt die Marinehaltung ein. Ich frage mich, wann Killer wohl auftaucht. Ich weiß nämlich nicht, was ich machen soll. Wir biegen in eine etwas kleinere Gasse ein. Es ist niemand hier und Schatten bedecken die Hauseingänge. Plötzlich wird der Kadett zur Seite gezogen. Ich sehe ein Messer blitzen und dann fließt auch schon Blut. Ein hochrangiger Marinesoldat stopft den Kadetten in eine Mülltonne. Killer, wer sonst. Er legt seinen Mantel ab und trägt darunter eine gewöhnliche Marineuniform. Jetzt sieht er dem anderen Marinesoldat sehr ähnlich. Er gesellt sich an meine Seite und gemeinsam gehen wir weiter. Stumm. Wir nähern uns dem Hafen. Ich kann es riechen. Bald! Bald bin ich wieder bei Kid und in Sicherheit. Ich kann es kaum erwarten. In mir sehnt sich alles danach, bereits jetzt dort zu sein, aber ich kann den Hafen noch nicht einmal sehen. Meine Beine tun so weh. Ich kann kaum noch laufen. Jeder Schritt ist eine Qual, aber ich muss weiter. Da! Endlich! Ich sehe das Schiff. Wir bleiben in einem gewissen Abstand zum Schiff stehen. Killer hält eine Pistole hoch und feuert eine Kugel ab. Dann legt er sie auf den Boden. Das Zeichen dafür, dass wir nur Botschafter sind. Es dauert einen Augenblick, dann wird eine Strickleiter runtergelassen. Unter großen, sehr großen, Mühen besteige ich das Schiff. Erschöpft bleibe ich stehen. Die ganze Crew ist versammelt und bildet einen dichten Kreis um uns herum. Kid steht in der Mitte. Er sieht schrecklich aus. Mit tiefen Augenringen und einem irren Blick in den Augen. Aber das ist mir egal. Endlich bin ich bei ihm. Er begutachtet mich feindselig. Er erkennt mich nicht.

Kommentare Seite 0 von 0
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Noch keine Kommentare.

Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.