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1 Kapitel - 1.641 Wörter - Erstellt von: Amaraen - Aktualisiert am: 2015-10-10 - Entwickelt am: - 707 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Auszug: "Die Grillen zirpten im hohen Gras, das an einigen Stellen bereits gelb angelaufen war. Der Wind war warm und brachte nur wenig Erfrischung, aber ihr Blick blieb ewig auf dem dahinwankenden Gras hängen, das aussah als würde es zu einem fröhlichen Lied tanzen. Hinter dem Feld konnte sie große Eichen erkennen, deren Baumkronen leise raschelten und bis in den blauen Sommerhimmel hinaufreichten. "

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    Die Grillen zirpten im hohen Gras, das an einigen Stellen bereits gelb angelaufen war. Der Wind war warm und brachte nur wenig Erfrischung, aber ihr B
    Die Grillen zirpten im hohen Gras, das an einigen Stellen bereits gelb angelaufen war. Der Wind war warm und brachte nur wenig Erfrischung, aber ihr Blick blieb ewig auf dem dahinwankenden Gras hängen, das aussah als würde es zu einem fröhlichen Lied tanzen. Hinter dem Feld konnte sie große Eichen erkennen, deren Baumkronen leise raschelten und bis in den blauen Sommerhimmel hinaufreichten.
    Es war kaum eine Wolke zu sehen und wenn doch eine vorbeizog, sah sie aus wie eine Schule von weißen Fischen, die durch den Wind auseinanderstoben und in kleinen Haufen davon schwammen, um sich später wieder zusammenzuraufen. Beinahe sah es auf wie ein großes Meer, das über ihnen dahinfloss. Als würden sie alle nur unter einer Glaskuppel leben.
    Sie wandte sich von der Graslandschaft und dem endlosen Himmel ab. Zu ihrer Linken stand eine undurchdringbare Wand aus großen Büschen, die erst jetzt ihre Blüten trugen. Wenn sie sich konzentrierte, konnte sie ihren süßen Duft in der warmen Sommerluft genau riechen und das leise Summen der Bienen hören, die sich zwischen den grünen Blättern versteckten. Undurchdringbar war die Mauer aber nicht.
    Aus ihrer Kindheit wusste sie noch genau, wo sich der Eingang befand. Nur weil er nicht mehr zu sehen war, hieß es ja nicht, dass es ihn nicht mehr gab. Auf der kleinen Straße aus Erde lief sie noch einige Minuten entlang, bis sie sich sicher war, wo sie hinein musste. Zur Probe, ließ sie ihren Arm in den grünen Blättern verschwinden. Das Grün war an dieser Stelle nicht so dicht gewachsen und vorsichtig trat sie hinein und kämpfte gegen die dünnen Äste an, die an ihrer Kleidung zogen.
    Und mit einem Mal trat sie auf eine offene Fläche hinaus und fiel auf ihre Knie. Überrascht sah sie zu dem alten Haus empor, dass vor ihr wie ein alter König thronte. Sein Schatten lag schwer auf ihr und nur mit Mühe konnte sie ihren Blick von dem Haus abwenden, dessen viele Jahre tiefe Spuren hinterlassen hatten.
    Ihr Blick glitt über den einstigen schönen Garten. Unkraut und Wildblumen hatten sich breit gemacht und vom dichten, grünen Gras, das einst wöchentlich getrimmt wurde, war nicht mehr viel zu sehen. Der Weg aus Pflastersteinen war ebenfalls kaum noch zu erkennen und die Rosenbüsche, die ihre Mutter so geliebt hatte, waren vertrocknet und nur das knochige Skelett aus Ästen war übrig geblieben.
    Langsam stand sie auf und klopfte sich den Schmutz vom Kleid. In ihrer linken Hand lag schwer der Schlüssel zu der Tür und nur widerwillig ging sie den alten Weg entlang. Sie erinnerte sich an die vielen Sommertage, die sie hier als kleines Kind verbracht hatte. Zuerst war es das Haus ihre Großeltern gewesen, doch als sie älter wurden und ihnen die Arbeit zu viel wurde, schenkten sie es ihrer Tochter und ihrem Ehemann.
    Damals gab es noch mehr Menschen auf dem Land, die den Frieden genossen und die Stadt nur für den Beruf oder einen Großeinkauf aufsuchten. Alles, was man selber anbauen konnte, gab es auch im eigenen Garten oder zumindest bei den Nachbarn. Sie erinnerte sich gern an die unbekümmerte Zeit, bevor ihr Vater ihre Familie verließ. Und mit ihm schienen alle zu gehen.
    Immer mehr Menschen entschieden sich in der Stadt zu leben und die Häuser zerfielen langsam. Nur die Alten blieben zurück und ihre Mutter, die sich von dem geliebten Haus nicht trennen konnte, indem sie selbst aufgewachsen war. Es gab zu viele Erinnerungen, die es Wert waren aufrecht gehalten zu werden. Zu viele Gefühle, die in den Mauern steckten und zu viel Angst, um noch einmal neu zu beginnen. Ihre Mutter hatte nie aufgehört zu glauben, dass ihr Mann wiederkam.
    Langsam steckte sie den Schlüssel in das Loch und ein leises Klicken war zu hören, als sie ihn drehte. Sie atmete noch einmal tief ein und öffnete dann die Tür. Das Innere des Hauses lag vollkommen im Schatten, da Vorhänge die Fenster versperrten. Der alte Holzboden knarrte, als sie eintrat und die Vorhänge aufzog. Das grelle Licht blendete sie für einen Moment, doch dann sah sie auf den Garten hinaus und lächelte unwillkürlich.
    Seit sie mit ihrem Mann in die Stadt gezogen war, hatte sie das Haus ihrer Mutter nicht mehr besucht. Jetzt hätte sie am liebsten die Zeit zurück gedreht, um noch einmal die Chance zu bekommen, mit ihrer Mutter im Garten zu sitzen. Aber die gab es nicht mehr.
    Sie hatte sich für ihre Karriere und ihren Mann entschieden und beides lag in der Stadt. Nachdem ihre Mutter auch noch schwer erkrankte und in das große Krankenhaus gebracht wurde, verfiel das Haus immer mehr. Und nun stand sie in dem Ergebnis all ihrer Entscheidungen. Ein altes Haus, zerfallen und reif für den Abriss.
    Sie folgte dem kleinen Eingangsbereich in den dahinterliegenden Flur und bog rechts ab. Die Wände waren leer und noch schemenhaft konnte man die hellen Flecken erkennen, an denen einst Bilder hingen. Der Duft von trockenen Gräsern lag in der stickigen Luft und nicht der von frischem Tee, wie früher einmal. Es war rein gar nichts mehr wie damals, als sie noch barfuß durch den Flur lief und dann hinaus in den Garten, um mit ihren Freunden zu spielen.
    Heute leitete sie eine Bank und lief in ihren schwarzen Pumps den Flur entlang. In einem feinen Kleid und mit hochgesteckten Haaren, anstatt mit einem Rock voll mit Grasflecken und wirren Haaren.
    Sie hielt auf die Tür zum Keller zu und öffnete diese sacht, aber dennoch quietschte sie laut auf. Rechts neben der Tür war der Lichtschalter und zu ihrem Glück, funktionierte er auch noch, selbst wenn das Licht im Keller leicht flackerte. Die Treppe nach unten war aus Stein und kaum nahm sie die ersten Stufen, wurde es merklich kühler.
    Die Wände waren durch die vielen gestapelten Kartons gar nicht mehr zu sehen und selbst der Boden war kaum auszumachen. Es gab nur einen dünnen Gang, durch den man sich zwängen konnte. Die meisten Kisten waren durch viel Klebeband fest verschlossen, aber einige standen auf und sie wusste, dass es die Kisten waren, an die ihre Mutter oft zu tun hatte. In einem konnte sie mehrere Lederbücher erkennen, in den ihre Mutter jedes Jahr die schönsten Blumen ihres Gartens presste.
    Eine einzige Kiste stach dennoch heraus. Sie lag am Ende des Ganges und war schon ganz abgegriffen, weil sie immer wieder geöffnet und etwas aus ihr heraus genommen wurde. Mit hallenden Schritten ging sie darauf zu und öffnete den vergilbten Karton, der sich in ihren Händen wie altes, feuchtes Pergament anfühlte.
    Die Kiste stand in einer dunklen Ecke, wo das flackernde Licht nicht mehr hinreichte. Daher sah sie verwirrt aus, als sie nur Schwärze in der Kiste fand, doch nachdem sie mehrere Sekunden hinein gestarrt hatte, wurde ihr klar, dass es sich um schwarze Alben handelte, die ihre Mutter früher im Winter mit Fotos befüllt hatte. Sie sahen, ebenso wie die Kiste, abgegriffen aus und der Einband war an vielen Alben bereits aufgerissen.
    Mit zittriger Hand öffnete sie den Deckel des ersten Buches und zum Vorschein kam sie selbst als Kind, dass sie mit einem breiten Lächeln ansah. Ihr fehlte ein Zahn, der neben dem Bild auf die Seite geklebt worden war. Es war ihr erster ausgefallender Milchzahn gewesen und sie hatte nie gewusst, dass ihre Mutter den Zahn behalten hatte.
    Es brauchte nur einen kleinen Moment, in dem sie sich dazu entschied, die Kiste mitzunehmen. Sie wuchtete den Karton die Treppe hoch und zum ersten Mal seit Jahren mussten die Alben wieder Licht gesehen haben. Hinter sich schloss sie die Tür zum Keller, nicht ohne noch einmal nach unten zu blicken. Dort lag noch so viel, dass den Geist ihrer Mutter enthielt.
    Es hatte nur einen Grund für ihren Besuch gegeben; sie wollte das Haus verkaufen, nachdem ihre Mutter verstorben war und dann zurück in die Stadt gehen und dort ihr restlichen Leben verbringen. Jetzt wollte sie rein gar nichts mehr davon und mit einem plötzlich leichteren Herzen, traf sie eine Entscheidung.
    Das Haus müsste nur wieder in Stand gesetzt werden und sobald sie in ihren verdienten Ruhestand ging, würde sie wieder aufs Land ziehen und dort sterben, wo sie aufgewachsen war. Der Gedanke daran zauberte ihr ein Lächeln auf die Lippen und mit dem schweren Karton in ihren Armen, ging sie zurück zu ihrem Auto, dass am Ende es Feldweges stand.
    Sie würde in die Stadt zurückkehren, aber nicht dort sterben, denn sie hatte etwas Wertvolles wiedergefunden. Sie hatte sich selbst wiedergefunden, dabei hatte sie nie danach gesucht…

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Auszug: "Die Grillen zirpten im hohen Gras, das an einigen Stellen bereits gelb angelaufen war. Der Wind war warm und brachte nur wenig Erfrischung, aber ihr Blick blieb ewig auf dem dahinwankenden Gras hängen, das aussah als würde es zu einem fr...
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2015-10-08
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Fanfiktion

Kommentare (1)

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eisfee (38342)
vor 616 Tagen
Irgendwie, habe ich mitleid mit denen.
Sie kennen kein Mitleid und kein Erbarmen.
Die kälte hat ihr Herz vollkommen Zerstört.
Wer weis, Warum, Warum sie da an diesem tisch sitzen.
Aber sie haben Überlebt, doch, wenn ich zwischen Tod, und dem wählen könnte,
ich würde mich für den Tod entscheiden.

Solche Geschichten bringen mich zum Nachdenken.
Was war davor? Was hat diese menschen dazu gebracht, so etwas zu tun?
Sie wollten Leben!