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Erados Tod

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1 Kapitel - 2.202 Wörter - Erstellt von: Merlin - Aktualisiert am: 2015-10-04 - Entwickelt am: - 595 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Dieses Kapitel könnte man als Teaser bezeichnen. Ich habe bis jetzt ansonsten keine Geschichte auf dieser Seite hochgeladen (aber ein paar Quiz unter dem Namen "Merlin") und bin daher gespannt auf Rückmeldungen. Vielleicht schreib ich hier dann weiter.

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Episode IV: Inferno
Zweiter Akt: Wut der Dämonen
Kapitel 1: Sol-raìn

Sol-raìn (Sonnenregen) war eine Stadt voller Wunder und Schönheit und in Verbundenheit mit der Natur, am Rande eines Berges, dessen Felsen die Enden der Mauern markierten. Der Dèlanon plätscherte im hellsten Blau gemächlich vor sich hin und Kinder balgten sich auf den wunderschönen grünen Feldern und Wiesen am Rande seiner Ufer. Das Sonnenlicht spiegelte sich in den Häusern wieder und ließ die ganze Stadt in ihrem Glanz erstrahlen. Es war ein Ort voller Leben, Liebe und Grüne.
Das Einzige, was die Stimmung dort trübte, war der Krieg. Schon seit Wochen war das Heer von Sol-raìn nach Westen ausgerückt, um dort den König, Morano Nuulaad, nach Eisland zu begleiten und dort einen Letzen Aufstand der Schattenelfen, den Verrätern, gemeinsam mit den Menschen aus dem Dinàr Königreich zu bekämpfen und waren noch nicht zurückgekehrt. Elauree, die Gattin des Anführers dieses Heers, Erados, durchwachte viele Nächte und ängstigte sich sehr um ihn, obgleich er ihr geschworen hatte, wiederzukehren um ein Vater ihrer zwei Kinder zu sein.
Es waren jetzt genau 31 Tage nach dem Abschied des Heers und noch immer waren sie nicht zurückgekehrt. Diese Nacht war kalt und es schneite, der Fluss fror zu und eine dicke Schneeschicht bedeckte die Dächer und Felder. Die Sonne, die die Stadt sonst in goldenes Licht tauchte, war schon längst untergegangen. Lediglich der Blaumond schien matt durch die Wolken hervor; die anderen beiden wurden von ihnen bedeckt und somit auch der Blick der Götter, die dadurch nicht miterlebten, wie sich der weiße Schnee noch in dieser Nacht rot färben würde.
Ein Hügel am Horizont erregte diese Nacht Elauree`s Aufmerksamkeit, als sie wieder einmal eine Nacht durchwachte und ihren Blick über die Lande schweifen ließ, in der Hoffnung, ihren Gatten endlich wieder in die Arme zu schließen. Auf diesem Hügel zeichnete sich eine Gestalt ab und als sich die Wolken kurzzeitig lichteten und der Silbermond diese erstrahlen ließ, erkannte Elauree ein Ross, das einen Streitwagen zog.
Und das Licht des Mondes reflektierte den Glanz der Silberglocke, welche vom Streitwagen transportiert wurde. Das Signal des Heeres.
Zuerst erschien ein Reiter mit dem silberblauen Banner des Königs, befestigte es an der Mechanik der Silberglocke und ließ sie über die Ländereien erschallen, auf dass sie noch weit über der Stadt hinaus zu hören war. Sofort war die ganze Stadt auf den Beinen und während die Silberglocke über den Berg hinaus erklang strömten tausende Männer, Frauen und Kinder auf die Straßen und Mauern, um das Wunder mit dem eigenen Auge wahrzunehmen. Nach dem fünften Schlag erklomm ein weiterer Reiter den Hügel, dessen Rüstung und auch sein Schwert in hellem Weiß erstrahlten, als er es gen Himmel streckte. „Revelo vo domil, amalid Veluen.“, rief er und hinter ihm erschien das Heer von Sol-raìn. Es stürmte unter Jubel sowohl unter der Bewohner als auch unter dem Heer zur Stadt und fiel ihren Familien in die Arme.
Erados, welcher die Armee anführte, erreichte als Erster die Stadt. Trotz zweier zu einem X verlaufenden tiefen Schnittwunden im Rücken stöhnte er nicht vor Schmerz; er schloss seine Frau und seine Kinder in die Arme und hob den schneeweißen Helm von seinem Haupt und übergab ihn mitsamt seiner Klinge seinem Knappen. „Wir haben gesiegt, den Feind endgültig in die Flucht geschlagen. Die letzte Rebellion ist besiegt. Von nun an werde ich lange Zeit bei dir bleiben. Ich verspreche es.“, flüsterte er seiner Frau ins Ohr. Es war ein Tag der Freude und Glückseligkeit. Das verschollen geglaubte Heer war mitsamt des besten Heermeisters des Landes heimgekehrt und genossen ihre erste ruhige Nacht in ihren Betten nach langer Zeit des Krieges. WEITERSCHREBEN

Noch in derselben Nacht wurde Erados von seiner Frau geweckt. Ein flackernder Schein fiel durch sein Fenster und von draußen konnte man lautes Geschrei wahrnehmen. Elaurees verängstigtes tränenüberströmendes Gesicht ließ ihn sofort zur Waffe greifen. Er schlich leise zum Fenster und spähte hinaus; was er sah ließ ihn zurückhechten, seine Kinder wecken und die Tür zu verbarrikadieren: Feuer loderte in der gesamten Stadt und tausende Elfen lagen tot oder sterbend auf den Straßen. Die Stadt wurde von Schattenelfen belagert, Schattenelfen, die den letzten Kampf überlebt hatten und von ihrem Herrn Marano angeführt wurden.
Mit ihnen schlachteten riesige Gestalten jegliche Elfen ab, die zu finden waren. Erados hatte sie noch nie gesehen, doch kannte er sie von alten Sagen der Götter und hatte gehofft, nie einem zu begegnen, nun standen sie einem ganzen Heer gegenüber: Dämonen, die dunklen Diener Darioth`s, der Meister der Dunkelheit und des Todes und Verbannter der Götter. Es waren mächtige Kreaturen, dessen Haut vor Macht brannte und Verderben in jegliche Ecken des Universums brachte.
Vor Erados Augen wurden jegliche Elfen, Freunde, abgeschlachtet, ohne, dass er etwas dagegen tun konnte. Er musste seine Familie schützen und das würde er um jeden Preis tun, er würde für sie sterben. Da fuhr ein Beben durch die verbarrikadierte Tür. Erados erhob sich und tarnte sich neben der Tür, um mit einem versteckten schnellen Stich seinen Gegner zu töten. Er atmete nicht, sein Herz schlug langsam, als die Tür aufbrach und sich der eindringende Dämon langsam seiner Familie näherte. Erados schlich auf ihn zu, und hob die vor Gift triefende Klinge im toten Winkel der Bestie an, sodass sie im Mondlicht mörderisch aufblitzte, um sie mit einem einzigen schnellen Stich dem Dämon in den Rücken zu rammen.
Die Klinge zerstach den gesamten Körper und brach aus dem Bauch wieder hervor. Kurz bevor das Blut seinen Boden beschmutzen konnte, wirbelte er herum und stieß den Dämon von sich, der über das Geländer in die Tiefe stürzte und mit seinem Hals in einem Pfeiler stecken blieb. Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck verließ das Leben seinen Körper und der Dämon war besiegt.
Da sah Erados vier weitere Dämonen in der Diele seines Hauses. Er verließ das Zimmer und schloss die Tür, verriegelte sie und stürmte die Treppe hinunter. In gnadenloser Wut zerschmetterte er den ersten Feind im Sprung, tötete den zweiten mit einem kurzen, aber tiefen Schnitt in der Kehle, beseitigte den dritten durch einen spaltenden Hieb in der Mitte und zertrümmerte mit dem Hammer eines besiegten Feindes den Schädel des letzten.
Keuchend stand er nach seiner Raserei in einem Haufen einzelner Körperteile, die einst den Dämonen gehört haben. Dann blickte er auf. Und erkannte im Türrahmen Marano. Vor Schreck ließ er sein Schwert fallen und wich zurück. Er rannte zurück zu seiner Familie und verbarrikadierte die Tür erneut mit allem was er konnte, einschließlich sich selbst und verharrte dort.
Mit bleichem Gesicht sprach er zu seiner Gattin: „Er ist es. Marano ist gekommen…“ in diesem Moment flog die Tür auf, die Barrikaden wurden gegen die Wand geschmettert wie auch Erados, dessen Genick sofort gebrochen war. Elauree schrie auf, rief seinen Namen, fing an zu weinen, doch es war nichts zu machen, Erados war tot.
Und Marano, in einem tiefschwarzen Umhang gehüllt betrat den Raum. Er sah sich um und sein Blick fiel auf Elauree und ihre Kinder, die sich todesverängstigt aneinanderpressten. Langsam hob Marano seine Hand und strich sich die Kapuze vom Haupt und man erkannte sein irres Grinsen und den Wahnwitz in seinen roten Augen. Langsam kam er auf sie zu und zog ein Messer. „Wir vier werden heute Nacht noch eine Menge Spaß haben!“


Er sah, wie die Stadt brannte und ritt immer schneller auf sie zu. Mit jeder Sekunde erschrak er mehr. Er erkannte das zerborstene Tor, die gefallenen Mauern und das Feuer, was die ganze Stadt zu verschlingen schien.
Vor dem Tor sprang er ab und verharrte, horchte auf. Nichts, keine Stimme, kein Geräusch, nur das Prasseln des Feuers. Vielleicht waren alle Bewohner entkommen, in Sicherheit gebracht und vor der Katastrophe gerettet. Keiner, der mehr in der Stadt war und diese Schreckenstat betrauern konnte… oder es waren alle, er wagte es kaum zu denken… tot.
Er schauderte, keuchte, sein Herz begann zu rasen, sein Atem wurde schwerer und schneller. Ein Blick in die Stadt würde ausreichen, doch Emrahir fürchtete sich vor der Antwort, vor der Gewissheit des Todes.
Mit langsamen und schwankenden Schritt näherte er sich dem Tor und blieb erneut stehen. Ein Schwindelgefühl überkam ihn, Schweißperlen liefen sein Gesicht herab und fielen in den Staub der vernichteten Mauern. Er musste sich an der Wand stützen und atmete tief durch. Sollte er es wagen? Die Furcht überkam ihn erneut.
Da stieß er sich von der Wand ab und rannte in die Stadt, ehe er es sich anders überlegte, doch dieser Anblick ließ in ein drittes Mal erstarren.
Die sonst im Sonnenlicht funkelnden Häuser der Stadt waren bis auf das Fundament niedergebrannt; nur noch einige ließen die Struktur eines Wohnhauses erahnen. Die Felder und Wiesen, früher saftig grün und von Elfen bestellt, waren nur noch verbrannte Erde, trostloses Ödland in einer riesigen, vom Feuer verschlungenen Ruine. Auch der einst azurblaue Fluss Dèlanon, war dunkelrot, blutrot, gefärbt.
Und Leichen bedeckten die zerstörten Wege und Straßen. Leblose Körper mit den qualvollsten Wunden und schmerzverzerrtesten Gesichtern. Der Tod war gekommen und hatte eine ganze Stadt gefordert. Niemand war entkommen und niemand hatte überlebt.

Emrahir rannte durch die Gassen und Straßen der einst so stolzen und mächtigen Stadt, durchsuchte fast zerstörte Häuser und Ruinen um noch einen letzten Überlebenden zu finden, doch die einzigen Elfen, die er fand, lagen auf der Erde mit durchgeschnittener Kehle, zerfetzter Brust oder zertrümmerten Köpfen oder hangen mit einem Speer durch den Magen getrieben an einer Wand über einer Pfütze des eigenen Blutes. Dies war kein Kampf gewesen, es war ein Schlachten ohne Gefühl von Würde und Ehre.

Schließlich hielt er an. Das letzte, fast unversehrte Haus stand vor ihm und er erkannte, wem es gehörte: Es war die Heimat von Elauree und Erados. Erados war sein Ziehvater und Mentor gewesen und sie waren sich so nahe wie Vater und Sohn. Er war ebenfalls Heermeister und somit unter des Königs direkten Befehl und letzter Verteidiger von Sol-raìn. Sein Leben bedeutete Emrahir tausendmal mehr als sein Eigenes. Er sah die aus den Angeln gerissene Tür.
Er betrat das Haus und rief nach ihm. Keine Antwort. Kaum das er es betreten hatte, fielen ihm fünf Soldaten ins Auge, alle auf schlimmste zugerichtet. Die einzigen besiegten Feinde in dieser Schlacht: Es waren Dämonen, die die Stadt heimgesucht hatten und er wusste, dass diese von Erados getötet wurden. Er kannte seine Art, zu kämpfen und die Klingen, die er zu verwenden pflegte.
Blass und mit Schweißnassen Händen klammerte er sich ans Geländer und erklomm die Treppe, um dort nach seinem Ziehvater zu suchen. Er öffnete Türen um Türen, rief nach ihm und seiner Frau, doch niemand rief zurück.
Da gelangte er in das Schlafzimmer. Erados lag auf dem Boden, sein Kopf war seltsam verformt, sein Genick war gebrochen. Er war gefallen, genauso wie seine Frau und Kinder, Arm in Arm, vertrocknete Tränen purer Schmerzen und Trauer auf ihren Gesichtern gebrannt. Sie waren auf grausamste Art gefoltert, dass Emrahir aufschrie und zurückwich. Er wendete den Blick ab, er übergab sich mehrmals und fiel auf die Knie. Er schloss seine Mutter, seinen Vater und Brüder in die Arme, doch behielt er die Augen geschlossen. Er konnte es nicht ertragen, seine Familie so zu sehen, doch wollte er sie an sich spüren, die Wärme ihres vermeintlichen Lebens spüren, doch ihre Haut war kalt, wie der Tod. So verharrte er und begann zu weinen. Heerführer Emrahir, siebzehn Jahre alt, war allein in einer Stadt voller toter Brüder und Schwestern und Arm in Arm mit seiner auf grausamste Weise gefolterten und getöteten Familie. Und er schwor demjenigen erbittertste Rache, der das zu verantworten hatte.

Kommentare (1)

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Emerelle (53599)
vor 719 Tagen
Nun weiß ich mehr, Erados. Eine sehr gelungene Geschichte. Wirklich ein hervorragendes Thema.