Traum von Mittelerde - Hobbit Teil 1 - Kapitel 16

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1 Kapitel - 2.249 Wörter - Erstellt von: Lossiel Niquesse - Aktualisiert am: 2016-09-10 - Entwickelt am: - 1.776 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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Geschichten

Ich schrecke hoch. Wir haben angehalten, es dämmert. Mein Wangenknochen schmerzt. Ich verziehe das Gesicht und reibe mir mit dem Handballen übers Jochbein. „Du hast ´ne verdammt harte Schulter, wusstest du das?“ brumme ich Kíli zu, der immer noch vor mir sitzt. Der Zwerg lacht leise. „Ich doch nicht. Du hast auf meinem Bogengurt gelegen, der war hart!“ Was? Och manno! „Fail!“ murmele ich und springe vom Pferd, worauf mein bescheuerter Knöchel ziemlich undankbar reagiert, nämlich mit einem stechenden Schmerz, der bis in meine Kopf hochfährt. „AU! Oh, FUCK!“ fluche ich und halte mir den Fuß. Kíli stöhnt auf, gleitet ebenfalls aus dem Sattel und hebt mich wie ein Gepäckstück auf die Schulter. Also, das ist jetzt zu viel! Empört stoße ich ihm das Knie gegen die Brust. „Lass mich runter!“ Kíli ignoriert es eiskalt und schleppt mich hinüber zum Lagerplatz. „KÍLI! Jetzt reichts! Trag mich gefälligst anständig, das ist absolut entwürdigend!“ zetere ich, während er mich neben dem Feuer absetzt, das Oin und Gloin gerade entfachen. Wütend verschränke ich die Arme vor der Brust. Es ist schon fast dunkel, doch meine Augen funktionieren ziemlich gut, und ich erkenne eine unebene Felswand. Als ich an Kíli vorbeispähe, sehe ich, dass wir auf einer Art Felsplateau etwas weiter oben sitzen. Ich kann ein Stück über das dunkle Land blicken, an dessen Horizont sich schon der Mond blicken lässt.
Oin hockt sich vor mich und wickelt den Verband von meinem Fuß. „Gut, gut“ murmelt er vor sich hin, dann schaut er zu mir auf. „Wie gesagt: zwei Wochen. Und bloß kein Gejammer, du solltest dankbar sein...“ „Ja, ja, ja!“ brummele ich verdrossen. Der Gedanke an zwei Wochen untätig sein heitert meine ohnehin schon ungemütliche Laune nicht gerade auf. Tja, zwei Wochen betüttelt werden... Ich seufze leise und verschränke frierend die Arme vor der Brust. Im nächsten Moment wird mir eine Decke um die Schultern gelegt. „Danke, Kíli“ sage ich, ohne aufzuschauen, und der Angesprochene lacht leise. Beim Klang dieses Lachens wird mir ganz warm ums Herz, und ein Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Ach Kíli... HALT! Diese Gedanken sind verboten, hatten wir das nicht abgemacht? Aber sie kommen immer wieder! Es ist zum verrücktwerden. Kíli macht mich verrückt.
Ich seufze noch einmal, ziehe mir die Decke um die Schultern und starre ins Feuer, um alles zu vergessen. Nach und nach legen sich die meisten der Zwerge schlafen. Gandalf sitzt an einen Baum gelehnt und raucht Pfeife, Thorin thront rechts neben der Felswand und Fíli und Kíli haben sich in einer Vertiefung derselbigen niedergelassen. Fíli raucht wie Gandalf Pfeife, und Kíli fuhrwerkt an seiner herum. Drumherum liegen die meisten anderen und Bilbo, der jedoch nicht schlafen kann, da er genau wie ich ein gleichzeitig ekelerregendes und faszinierendes Schauspiel beobachtet: Bombur beim schlafen. Bei jedem einatmen saugt er einen Haufen Motten in seine Nase, beim geräuschvollen Ausatmen entlässt er sie wieder. Oh Gott, merkt er das etwa nicht? Bilbo steht auf und reckt sich, dann geht er zu den Ponys hinüber, die etwas abseits stehen. Er streicht seiner Stute über die Nase, und ich höre, was er ihr zuflüstert: „Na, meine Kleine? So ein braves Mädchen!“ Oh, er hat seine Ponyphobie überwunden! Bilbo holt einen Apfel aus der Tasche und streckt in dem Pony hin. „Das bleibt unser kleines Geheimnis, Myrtle. Aber nicht verraten, schsch!“ Ach, wie süß! Ich grinse leicht, da erschallt auf einmal von weitem ein furchtbares Gekreisch. Bilbo schaut erschrocken hoch, auch Fíli und Kíli heben den Kopf. „Was war das?“ Bilbo zeigt in die Richtung, aus der die Schreie kamen. „Orks“ sagt Kíli leise. „Orks?“ fragt Bilbo. „Halsschlitzer. Dutzende sind dort draußen. In den leeren Landen wimmelt es von ihnen.“ teilt Fíli uns mit, und sein Bruder fährt mit gesenkter Stimme fort: „Sie schlagen kurz vor der Morgendämmerung zu, wenn alles schläft. Schnell und leise, niemand schreit.“ Kíli schüttelt bedrohlich den Kopf. „Oh, sehr viel Blut!“ Aha, wie appetitlich. Bilbo schaut sich entsetzt um, und Kíli und sein Bruder fangen an zu kichern. Sie wollten Bilbo also Angst machen. Diese kleinen Schlingel...
„Findet ihr das etwa lustig?“ Oh oh, Thorin! Er ist aufgestanden und schaut seine Neffen wütend an. „Haltet ihr einen Orkangriff bei Nacht für einen Scherz?“ „Wir haben uns nichts dabei gedacht“ murmelt Kíli verlegen. „Nein, habt ihr nicht. Ihr wisst nichts von der Welt!“ Verächtlich wendet Thorin sich ab. Wie unfair. „Sie haben noch nicht so lange gelebt wie du“ sage ich leise. „…und noch nicht so viel gelitten.“ Thorin hält inne und wirft mir einen Blick zu, dann geht er zwischen den Schläfern hindurch an den Rand der Klippe.
„Nimms ihm nicht übel, mein Junge.“ Balin tritt zu uns und lehnt sich mit dem Arm an die Felswand. „Thorin hat mehr Grund als die meisten, die Orks zu hassen.“ Kíli senkt den Blick ins Feuer.
Balin spricht weiter: „Nachdem der Drache den einsamen Berg an sich gerissen hatte, forderte König Thror das uralte Zwergenreich Moria zurück.“
In meinem Geist formt sich ein Bild. Auf einer rauhen Felsebne an einer Bergwand kämpfen Orks gegen Zwerge. Ich entdecke Thorin in dem Gewühl, sein Gesicht ist blutverschmiert und er schwingt ein großes Schwert. Ich höre Balins Stimme: „Doch unser Feind war bereits dort. Moria war von Orkscharen eingenommen worden, angeführt vom abscheulichsten ihres gesamten Volkes. Azog, der Schänder.“ Vor meinem inneren Auge erscheint ein gewaltiger, weißhäutiger Ork, der mehr als die anderen einem Menschen ähnelt. Sein Gesicht allerdings ist so böse und grausam, dass mir ein kalter Schauder über den Rücken läuft. Er schwingt eine riesige Metallkeule, mit der er links und rechts die Zwerge beiseite fegt, als wären sie Punchingbälle. „Der riesige, bleiche Gundabadork hatte geschworen, Durin´s Geschlecht auszulöschen.“ Balins Gesicht nimmt einen gequälten Ausdruck an. „Als erstes enthauptete er den König.“ Der weiße Ork in meinem Geist stößt ein ohrenbetäubendes Brüllen aus und hebt den Kopf eines alten Zwerges, der eine Krone trägt, an den Haaren hoch. Ich sehe Thorins ungläubig-entsetzten Blick, und sein „NEEEEEIIIIIIIN!“, als Azog ihm den Kopf entgegenwirft, schallt mir bis in die Gegenwart nach.
„Thrain, Thorin´s Vater trieb der Kummer in den Wahnsinn. Er verschwand. Ob gefangen oder getötet, niemand wusste es. Wir waren ohne Anführer. Niederlage und Tod kamen über uns.“ Die Orks packen die Zwerge, werfen sie von den Klippen und drängen sie zusammen.
„Ja und dann... sah ich ihn.“ Balin dreht mit einem leichten Lächeln den Kopf zu Thorin.
„Einen jungen Zwergenprinzen, der dem bleichen Ork die Stirn bot.“ Ich sehe Thorin, wie er mit hasserfülltem Blick auf Azog starrt.
„Allein trat er diesem schrecklichen Widersacher entgegen.“ Azog springt auf Thorin zu, dreht sich einmal um die eigene Achse und donnert seine riesige Keule gegen Thorins Schild, der ihm vom Arm fliegt. Mit einem zweiten Schlag entledigt Azog Thorin seines Schwertes, und der Zwergenprinz stürzt einen Felshang hinunter.
„Mit zerfetzter Rüstung, nichts als einen Eichenast als Schild in Händen.“ Thorin prallt hart auf, Azog springt ihm hinterher und hebt die Keule, aber kurz bevor er den Zwerg zu Brei hauen kann, bekommt Thorin einen am Boden liegenden Ast zu fassen, dreht sich blitzschnell zur Seite und entgeht dem Schlag. Azog schlägt erneut zu, doch Thorin pariert die Hiebe mit dem Ast und weicht dabei immer weiter zurück. Schließlich verlässt ihn die Kraft, und er sackt keuchend auf den Rücken. Sein Widersacher holt aus und lässt seine Keule herabfliegen, doch in diesem Moment schließen sich Thorins Finger um einen Schwertgriff, und als Azog zuschlägt, reißt der Zwerg mit einem Schrei seine Klinge nach oben. Und auch der bleiche Ork schreit auf, schrill und schmerzerfüllt: Thorin hat seinen Unterarm glatt durchtrennt, schwarzes Blut tropft aus dem Stumpf, als Azog ihn umklammert und auf die Knie sinkt. Balins Gesicht ist ernst.
„Azog der Schänder bekam an jenem Tag zu spüren, dass das Geschlecht Durin´s nicht so leicht zu bezwingen ist.“
Fíli und Kíli sehen stumm ins Feuer.
„Unsere Truppen sammelten sich und trieben die Orks zurück.“ Ich sehe, wie Azog von zwei Orks unter den Armen gepackt und durch ein Tor geschleift wird, wie Thorin sich aufrichtet, den Eichenast umklammert. „DU BEKÂR!“ schreit er mit heiserer Stimme und streckt sein Schwert in die Höhe. Die Zwerge um ihn herum nehmen den Ruf auf, und mit wildem Gebrüll stürzen sie den Orks entgegen. Ich sehe einen jüngeren Balin in der Nähe, auch Dwalin ist dabei. Thorin wirbelt verbissen das Schwer herum und lässt es auf den Feind niedergehen.
„Unser Feind war besiegt. Doch kein Fest feierten wir und keine Lieder sangen wir in dieser Nacht, denn zu viele Tote, hatten wir zu beklagen. Nur wenige von uns hatten überlebt.“ Er hat recht. Das Schlachtfeld vor meinem inneren Auge ist übersät von Leichen. Ein paar wenige Zwerge gehen langsam und traurig zwischen den Gefallenen hindurch. Ich sehe, wie Dwalin und Balin die Stirn aneinander legen, dann geht Dwalin weg. Balin dreht sich um, sein Gesicht ist schmerzverzerrt, doch plötzlich nimmt es einen seltsamen, staunenden Ausdruck an.
„Damals sagte ich mir, diesem einen will ich folgen.“ Thorin geht im Licht der aufgehenden Sonne über das Schlachtfeld, in der rechten Hand das Schwert, in der linken immer noch den Eichenast. Er sieht trotz oder gerade wegen der Spuren des Kampfes so edel und königlich aus, dass es mir den Atem verschlägt. Balin schaut zu Thorin.
Diesen einen kann ich König nennen."
Thorin (der echte) dreht sich langsam um. Erst jetzt merke ich, dass die anderen Zwerge aufgewacht sind und sich erhoben haben. Auch ich stehe auf und schaue den Zwergenkönig an. Bilder schießen mir durch den Kopf: Thorin, wie er mich wütend anstarrt, wie er sich genervt abwendet, wie mir in die Augen schaut und ich sehe, wie sich in seinem Kopf die Gedanken überschlagen, Thorin, wie er mich um Verzeihung für sein Verhalten bittet, wie er zornig davongeht, wie er aufschreit, als sein Großvater geköpft wird, wie er sein Schwert hochreißt und einen Kampfschrei ausstößt, und schließlich, wie er im Licht der aufgehenden Sonne auf dem Schlachtfeld steht. Und jetzt sehe ich ihn, wie er seine treu ergebenen Freunde anschaut. In meiner Brust erwacht etwas zum Leben, etwas wildes und stolzes. Wild, weil ich so sein will wie dieser Krieger: mutig, edel, kämpferisch. Und stolz, weil ich stolz bin, ihm zu folgen und zu seinen Gefährten zu gehören. Erst jetzt wird mir vollständig bewusst, wie sehr ich Thorin Eichenschild bewundere.
Balin hat Recht.
Diesem einen will ich folgen.
Diesen einen kann ich König nennen.
„Und der bleiche Ork?“ sagt auf einmal Bilbo. „Was ist aus ihm geworden?“
„Er kroch in das Loch zurück, aus dem er gekommen war. Dieser Abschaum ist vor langem an seinen Wunden verreckt.“ antwortet Thorin, während er mit auf dem Rücken verschränkten Armen zwischen uns hindurch zu seinem Platz zurückgeht. Balin sagt nichts, doch ich sehe, wie er einen verstohlenen Blick mit Gandalf wechselt. Jetzt auf einmal fühle ich, wie müde ich bin. Eigentlich irrelevant, schließlich habe ich den ganzen Tag an Kílis Schulter gelehnt geschlafen. Naja, Schlaf ist immer gut. Ich lasse mich auf die Seite sinken und versuche einzuschlafen, doch der ungewohnt harte, steinige Boden macht es mir schwerer als erwartet. Nachdem ich mich einen Weile hin und her gewälzt und geworfen habe, setze ich mich mit einem wütenden Schnauben wieder auf und krabbele zwischen Fíli und Kíli, die immer noch am Feuer sitzen. Ich kauere mich zusammen, ziehe die Decke um mich und und starre, ihnen gleich, ins Feuer. Die tanzenden Flammen flackern und zucken ekstatisch, die roten Bänder umwirbeln das weißgoldene Herz der Glut. Mein Kopf wird schwer, doch meine Augen fallen nicht zu, das Feuer scheint sich zu weiten, sich auszudehnen und mich mit sich zu reißen, in sein Reich aus Farben und Hitze... ich spüre, wie ich vornüber kippe, genau aufs Feuer zu, mitten in das herrliche Tanzen und Wirbeln...
...Hände auf meinen Schultern, die mich zur Seite ziehen...
...meinen Kopf auf etwas weiches, warmes legen...
...über mein Haar streichen...
...meine Augenlider schließen...
Das glitzernde Wirbeln erlischt, und ich falle augenblicklich in tiefen Schlaf.

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