Das Biest und der Tyrann - Teil 24

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 4.081 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-10-02 - Entwickelt am: - 1.318 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

    1
    Grits Sicht
    Kid führt mich in den Speisesaal. Als er die Tür aufmacht, schlägt mir Essensgeruch entgegen. Oh! Ich glaube nicht, dass ich etwas runter kriegen werde. Wie können die eigentlich nach so einem schrecklichen Vorfall essen? Also klar. Der Körper braucht Essen, aber trotzdem. „Der Koch macht Tinos Lieblingsessen“, erklärt Kid mir. „Ist Tradition bei uns.“ Achso! Ich verstehe. „Setz dich schon einmal. Ich muss noch mal kurz mit dem Doc sprechen“, sagt Kid und verlässt den Speisesaal wieder. Ich setze mich. Schweigend. Mir ist nicht nach reden zumute. Ich habe Toni nicht gut gekannt, aber er war sehr nett. Es war sehr angenehm sich mit ihm zu unterhalten. Es wird gemurmelt, aber keiner unterhält sich laut. Viele sitzen stumm auf ihren Plätzen. Es dauert ne ganze Weile bis etwas passiert. Kid stößt die Tür auf. Hinterm ihm kommen Steve und der Doc rein, wobei der Doc leicht taumelt. Steve scheint es gut zu gehen. Kid wartet bis die beiden sitzen. „Männer!“, sagt er laut. „Heute Morgen haben wir einen treuen Kumpel und tapferen Kämpfer verloren. Wir kennen Toni, als einen guten Freund. Aus diesem Grund“, Kid greift zu seinem Bierkrug, welcher auf dem Tisch steht. „Lasst uns nicht länger traurig sein, sondern feiern. Hebt hoch die Krüge!“ Der Raum ist erfüllt von Jubelschreien. Was soll das jetzt? Ich schaue mich um. Alle heben ihre Krüge, stoßen an und trinken vergnügt. Es sind nur fröhliche Gesichter zu sehen. Ist das jetzt deren ernst? „Was ist los Kleines?“, fragt Kid mich. Meine Empörung muss mir wohl ins Gesicht geschrieben sein. „Was los ist?“, sage ich aufgebracht. „Ihr feiert Tonis Tod! Ihr denkt wohl, nur weil ihr Piraten seid könnt ihr tun und lassen was ihr wollt. Das ist so abartig. Wisst ihr eigentlich…“ „Wir feiern nicht Tonis Tod“, unterbricht Kid mich. „Wir feiern sein Leben!“ Ich schaue ihn überrascht an. Was soll ich dazu sagen? Finde ich das gut oder schlecht? Ich kann mich nicht entscheiden. „Hört mal alle her!“ Ich werde aus meinen Überlegungen gerissen. Irgendjemand hat sich auf seinen Stuhl gestellt und hält sein Bier hoch. Es kehrt tatsächlich etwas Ruhe ein. „Meine beste Erinnerung an Toni ist, als er mich im Kampf einmal von Bord gestoßen hat. Ich war echt sauer und hatte Mühe wieder hoch zu kommen, aber damit hat er mich vor einer Kanonenkugel gerettet“, verkündet dieser laut. „Hoch!“, rufen alle einstimmig. Mir wird langsam klar, was das alles zu bedeuten hat. Wie Kid gesagt hat, sie feiern sein Leben. Ich nehme einen Bierkrug und feiere mit. Toni ist es wert eine Ausnahme mit dem Alkohol zu machen.

    Wir stehen alle an der Reling. Es ist bereits früher Abend. Jeder hat einen gefüllten Bierkrug in der Hand. Toni ist in ein schwarzes Tuch gewickelt, auf welchem der Jolly Roger der Kid Piraten gemalt ist. „Es ist an der Zeit!“, sagt Kid laut. Der Doc und Steve heben Toni auf die Reling. „Toni. Du wirst uns immer im Gedächtnis bleiben und für immer ein Teil unserer Crew sein.“ Während Toni über Bord geworfen wird, brechen wir in Jubel aus. Kid hebt seinen Krug. „LEBE WOHL!“, brüllt er und leert seinen Krug in einem Zug. Wir folgen seinem Beispiel. „Auf Wiedersehen!“, rufe ich, deutlich angeheitert. Ich hab doch etwas mehr getrunken als ich eigentlich wollte.

    Irgendwie schlafe ich schlecht. Ich wälze mich hin und her, aber finde keine bequeme Position. Ständig wache ich auf. Wie spät ist es eigentlich? Muss nicht bald mal die Sonne aufgehen? Wo ist eigentlich Kid? Ich wälze mich im ganzen Bett umher, aber bin bisher noch nicht an Kid gestoßen. Vorsichtig taste ich das Bett ab. Bis zur Kante gehe ich, aber Kid ist nicht da. „Kid?“, frage ich leise. Keine Antwort. Wahrscheinlich konnte er auch nicht schlafen. Wo ist er jetzt wohl? Bestimmt draußen. Ich werde jetzt auf jeden Fall rausgehen. Das hat hier alles keinen Sinn. Ich ziehe mir einen Pulli über und dicke Socken an. Mit meiner Decke gehe ich nach draußen aufs Deck. Es ist seltsam nachts alleine durch die Gänge zu schleichen, während alle anderen schlafen. Auf dem Deck steht tatsächlich jemand. Ich gehe zu der Person hin. Wie erwartet ist es Kid. Als ich näher komme dreht er sich zu mir um. „Grit?“, fragt er leise. Ich komme näher und stehe direkt vor ihm. „Warum schläfst du nicht?“, fragt er überrascht. „Ich kann nicht“, antworte ich. Kid nickt und nimmt mich in den Arm. „Ich auch nicht…“ Wir stehen einfach nur da. Bewegen uns nicht, sagen nichts, denken nicht. Genießen einfach die Ruhe der Nacht. Die Ruhe und das Meeresrauschen beruhigen mich. Ich bleibe eine Länge Zeit draußen. „Ich denke, ich gehe wieder rein. Vielleicht kann ich jetzt sogar schlafen“, erkläre ich leise. Kid streichelt mir über die Wange. „In Ordnung“, sagt er. Müde gehe ich zurück zur Kajüte. Ich lege mich ins Bett, kuschle mich in meine Decke und mache die Augen zu. Seitdem ich ihm Krankenzimmer war, ist das die erste Nacht ohne Kid…

    „Hey kleines Biest! Aufstehen!“, redet Kid mir sanft ins Ohr. „Mhhhh!“, mache ich und drehe mich auf die andere Seite. Ich will nicht aufstehen. Es ist noch viel zu früh. „Wenn du nicht hören willst, dann musst du halt fühlen“, droht Kid mir und fängt an mich zu kitzeln. Kreischend zappel ich rum. „Komm es gibt Frühstück“, sagt Kid und erlöst mich von meinen Qualen. Ich roll mich aus dem Bett, ziehe mich an und wir gehen zusammen in den Speisesaal. „Uff!“, mache ich erschrocken als wir den Raum betreten. Es ist absolut unordentlich. Man sieht die gestrige Party eindeutig noch. Überall liegen Flaschen rum und alles Mögliche an anderem Zeugs liegt ebenfalls auf dem Boden. Ich setze mich. Wir haben Tino gestern einen guten Abschied bereitet, denke ich. Jetzt weiß ich viel mehr über ihn als vorher. Kid steht noch und fragt laut: „Wo ist der Rest?“ Viele zucken mit den Schultern. „Keine Ahnung“, sagt einer. Die sehen alle ziemlich träge aus. Ich schaue mich um. Es fehlt ungefähr ein Viertel der Crew. Vielleicht sogar ein bisschen weniger. Komisch! Sonst kommen doch immer alle recht pünktlich. Kid geht aus dem Speisesaal raus. Jetzt sitze ich allein. John und Kalle sind auch nicht da. Was ist bloß los mit den ganzen Jungs? Gelangweilt warte ich bis Kid wieder kommt. Es dauert ein paar Minuten, dann kommt er sichtlich genervt wieder rein. „Ich habe ein paar Ansagen zu machen“, sagt er in strengem Ton. „Bill, du suchst dir nachher so viele Leute wie du brauchst, um das Schiff draußen wieder in Ordnung zu bringen. Nach dem Kampf ist doch einiges beschädigt worden. Der Rest räumt hier drinnen auf. Danach habt ihr frei.“ Kid holt Luft und es scheint als wäre das was er nun sagt der Grund für seinen Ärger. „Bob! Du kommst nach dem Frühstück zu mir. Und bringe gleich alle deine Freunde mit“, sagt er in noch strengerem Ton. „Guten Appetit!“ Er setzt sich. Ich lege den Kopf schräg und frage: „Was war los?“ Kid reibt sich die Schläfen. „Sie haben ihren eigenen Alkohol verteilt, obwohl ich ihnen das ausdrücklich verboten habe. Das Zeug ist heftig. Für sie ist das kein Problem. Die haben schon ganz andere Dinge genommen, aber für unerfahrene Mägen ist es echt krass.“, erklärt er. Achso. Mir haben sie das auch einmal geben wollen, um anzustoßen. John hat Bob dann eindringlich davon abgehalten, es mir zu geben. Oder war das Kalle? Ich weiß es nicht mehr. „Ist es denn so schlimm?“, frage ich nach. Kid nickt. „Als ich es zum ersten Mal getrunken habe, hab ich direkt gekotzt und das, obwohl ich sehr suffsicher bin. Mittlerweile kann ich es ab, aber der Alkohol haut richtig rein.“ Er reibt sich genervt die Stirn. „Und jetzt liegt der eine Teil der Crew kotzend und sich vor Schmerz krümmend im Bett. Ich muss mir eine gute Strafe ausdenken“, sagt er. Ich überlege. „Wie wäre es, wenn sie auf der nächsten Insel das Schiff hüten müssen?“, Schlage ich vor. Kid schüttelt den Kopf. „Die knallen sich irgendetwas rein und passen nicht ordentlich auf. Gerade auf der nächsten Insel ist es wichtig, dass das Schiff ordentlich bewacht ist“, sagt Kid. Ich horche auf. „Warum? Was ist auf der nächsten Insel?“, frage ich neugierig. „Es ist eine Marinebasis“, erklärt er. „Und zwar eine ziemlich gute. Darum habe ich auch eine Bitte an dich. Wenn du auf der Insel unterwegs bist, bleib in meiner Nähe. Ich will dich nicht wie ein kleines Kind behandeln, aber ich möchte sichergehen, dass du in Ordnung bist. Verstehst du?“ Ich halte Kids Blick problemlos stand. Ich weiß ja, dass er mich nicht einengen oder kontrollieren möchte. Er scheint tatsächlich sehr besorgt zu sein wegen der nächsten Insel. Ich nicke schließlich langsam. „Okay“, sage ich. Kid lächelt unglaublich süß. „Danke“, sagt er.

    „Hey Grit!“, spricht Bill mich nach dem Essen an. „Hast du ein bisschen handwerkliches Geschick? Kannst du uns draußen helfen?“ Ich nicke grinsend. „Klar gerne. Ich denke mein handwerkliches Geschick reicht aus“, antworte ich. Ich und die restlichen „Rekruten“ gehen raus. Als wir die Tür aufmachen, kann man Kid schreien hören. Seine gedämpfte Stimme kommt aus dem Navigationsraum im Bug des Schiffes. „Ui!“, entfährt es mir. „Wenn Kid richtig sauer ist, dann ist er voll zum Fürchten. Glaub mir, so leichtsinnig ist Bob nicht noch einmal. Man lässt sich nur einmal von Kid zusammenscheissen“, erklärt Bill mir. Ich schaue zur Tür des Navigationsraumes. So kann Kid also auch sein. „Männer!“, sagt Bill laut und lenkt die Aufmerksamkeit auf sich. „Wenn Kid da raus kommt, soll er uns nicht auch noch anschreien. Ran an die Arbeit.“ Bill weißt uns Aufgaben zu. Ich gehe an die Arbeit und repariere einen Teil der Reling, welcher kaputt gegangen ist. „Und jetzt geht!“, höre ich nach einiger Zeit Kids Stimme lauter werden. Ich drehe mich um. Bob und seine Freunde kommen geknickt aus dem Raum. Kid erscheint hinter ihnen in der Tür und sieht echt sehr aufgebracht aus. Sein Blick schweift über das Deck. Er entdeckt mich. „Grit!“, sagt er laut, aber bei weitem leiser, als eben. „Komm mal bitte her!“ Ich stecke den Hammer in meinen Gürtel und gehe überrascht zum Navigationsraum. Kid hält mir die Tür auf und ich gehe rein. Er schließt die Tür hinter sich. Ich spüre, wie aufgewühlt er ist. Ich glaub ich weiß, was er jetzt braucht. Ohne aufgefordert zu werden, gehe ich zu Kid und umarme ihn. Ich lege meinen Kopf an seine Brust und kuschle mich in seine Arme, die er nun auch um mich gelegt hat. Kid legt seinen Kopf auf meinen. Ich schließe die Augen und genieße den Augenblick. Sanft streichle ich ihm über den Rücken und versuche ihn zu beruhigen. Wir bleiben eine ganze Zeit lang so stehen. „Danke Grit!“, sagt Kid schließlich. „Ich werde immer da sein, wenn du mich brauchst“, wiederhole ich seine Worte von gestern Mittag. Ich bewege meinen Kopf und gucke hoch in Kids Gesicht. Wir schauen uns in die Augen. Ich bin ihm schon wieder so nah. Es macht mich ganz verrückt. Seine Augen scheinen Fenster zu einer anderen Welt zu sein. Kid kommt mir näher. Ich schmelze. Vorsichtig legt er seine Stirn an meine. Meine Gedanken scheinen einzufrieren. Ein Schleier legt sich darüber und ich kann nicht mehr richtig darauf zugreifen. Wir schauen uns immer noch in die Augen. Wird er mich jetzt küssen? Bitte! Ich warte schon so lange darauf. Ein Knall! Erschrocken zucke ich zusammen. Kid lacht leise und geht mit seiner Stirn etwas weg von meiner. Nein! Nicht! Ich spüre seine Lippen nun stattdessen auf meiner Stirn. Er lässt dort einen warmen Kuss. Wie verzaubert schaue ich Kid an und fühl mich gelähmt. Die Geräusche von draußen dringen in mein Unterbewusstsein. „Wo ist Grit?“, fragt eine Stimme laut. Es klingt nach Bill. „Im Navigationsraum“, antwortet jemand. „Was macht sie denn da?“, fragt Bill scheinbar ein bisschen empört. Ich höre gespannt zu. Auch Kid scheint das Gespräch zu verfolgen. „Ich glaube nicht, dass du da rein gehen solltest“, rät die andere Stimme wieder. „Warum?“ Bill scheint auf dem Weg hierher zu sein, denn seine Stimme ist lauter und klarer geworden. „Naja, Kid hat sie vorhin zu sich gerufen“, erklärt der andere. „Ich weiß ja nicht genau wofür.“ Ich grinse. War ja klar. Kid schaut mich grinsend an. „Ich denke, du solltest wieder raus und weiterarbeiten, ansonsten entstehen noch Unzufriedenheit“, sagt Kid. „Und Gerüchte!“, ergänze ich. Er lacht. „Die gibt es doch schon längst.“ Ich schaue ihn einen Moment an. „Geht es wieder?“, frage ich ernst. Kid nickt. „Du kannst selbst dann die Sonne scheinen lassen, wenn es regnet und stürmt.“ Meine Wangen glühen. Das bedeutet, dass ich mal wieder rot werde. „Schleimer“, nuschle ich sarkastisch und kneife ihn in den Bauch. Kid lacht, beugt sich etwas nach vorne und küsst mich auf die Wange. Das hilft meiner jetzigen Verfassung auch nicht weiter. Meine Wangen glühen weiterhin und ich fühle mich leicht benebelt. Ein durchgehendes Lächeln breitet sich auf meinen Lippen aus. „Komm!“, sagt Kid ruhig und öffnet die Tür. Ich gehe automatisch raus. „Ah! Da bist du ja!“, begrüßt mich Bill. „Ich brauche dich. Hast du noch diesen einen Hammer? Gut! Ist alles in Ordnung?“ Er mustert mich skeptisch. Seelig lächelnd nicke ich. Bill zuckt mit den Schultern und dreht ab. Ich folge ihm. „Gute Arbeit Männer!“, lobt Kid die anderen. Ich gehe Bill zur Hand und helfe weiter das Schiff zu reparieren.

    Nach dem Mittagessen gehe ich in meine Kajüte. Ich habe vorhin mit Schrecken festgestellt, dass meine Dreads schrecklich aussehen und unbedingt mal ordentlich gemacht werden müssen. Auf irgendeiner der Inseln habe ich mir dazu eine Häkelnadel gekauft. Ich gehe nach draußen und setze mich wie sonst auch immer aufs Hinterdeck im Schneidersitz hin. Na dann mal ran ans fröhliche Häkeln. Ich nehme mir die erste Dread und fang an sie ordentlich zu machen. Summend arbeite ich Stück für Stück weiter. Es ist absolut anstrengend. Man muss die ganze Zeit die Arme hochhalten und dabei an der Dread arbeiten. Ich weiß nicht, wie lange ich schon zugange bin, aber wirklich weit bin ich noch nicht. Vielleicht sieben Dreads und ich habe ungefähr das Fünffache noch vor mir. Erschöpft lasse ich meine Arme sinken. Plötzlich kommt jemand die Treppe hoch. „Oh, hey Schwester“, begrüßt mich Bob. „Hey, Bob“, antworte ich und lächle. „Hab vorhin gehört, wie Kid euch zusammengeschissen hat. Alles klar?“ Er zuckt mit den Schultern. „War ziemlich dumm von uns. Er hat ja Recht gehabt. Müssen halt noch etwas Üben mit dem Brennen, dann kann man den Alkohol auch verteilen“, antwortet er ruhig. Ich schüttle verblüfft den Kopf. Immerhin gibt Bob zu, dass es dumm von ihnen war. „Was machst du hier hinten, Schwester?“, fragt er. Ich halte meine Häkelnadel hoch. „Mach grad meine Dreads“, antworte ich und seufze. „Es ist so anstrengend!“ „Jo! Mein Freund Malcom hatte auch mal Dreads. Ich hole ihn mal. Der kann dir bestimmt helfen.“ Bob geht gechillt zur Treppe und außer Sichtweite. Das wäre cool. Wenn ich Hilfe bekommen würde, würde es viel schneller gehen. Vor allem, weil es sowieso schneller geht, wenn jemand anderes die Dreads macht. Ich arbeite weiter an meinen Dreads. Wie lange braucht er denn? Er ist bestimmt schon zehn Minuten weg. Hat er es etwa vergessen! Endlich höre ich Schritte auf der Treppe. Kurz darauf tauchen Bob und sein Freund Malcom auf. „Jo, Schwester“, sagt dieser und hebt lässig die Hand. „Bob meint du könntest ein bisschen Unterstützung gebrauchen.“ Ich nicke erleichtert. „Ja gerne! Ich habe so viele Dreads“, sage ich dankbar. Malcom setzt sich auf meine eine und Bob sich auf meine andere Seite. Ich reiche Malcom meine Häkelnadel, aber er winkt ab. „Hab meine eigene“, sagt er und zeigt mir seine Nadel. „Hier! Ich kann dir auch helfen“, sagt Bob und nimmt mir die Häkelnadel aus der Hand. Die beiden fangen an, an meinen Dreads zu arbeiten. Na wenn das so ist… ich entspanne mich einfach und lass die beiden machen.

    Die Sonne steht schon ziemlich tief. Es gibt bestimmt bald Essen. „Wie weit seid ihr?“, frage ich nach. Die beiden haben sich von vorne nach hinten gearbeitet. Mittlerweile sitzen beide schräg hinter mir. „Nur noch ein paar Dreads, Schwester“, erklärt Bob mir entspannt. Ein paar Minuten später ruft tatsächlich jemand übers Deck: „Essen ist fertig!“ Bob und Malcolm machen unbeirrt weiter und arbeiten an meinen Dreads. Ich verstehe. Sie wollen fertig werden, bevor wir zum Essen gehen. Will ich auch eigentlich. Es ist einfacher alles auf einmal zu erledigen, als nachher noch einmal alle zu sortieren. Langsam wird es kühler. Aber ich halte es aus. Ich bin ja auch bald im Warmen. „Fertig!“, sagt Malcom schließlich. Ich fahre mir mit der Hand durch die Haare und spüre sofort den Unterschied. „Danke, man!“, sage ich begeistert. „Dafür habt ihr was gut bei mir!“ Ich weiß sehr wohl, wie heikel diese Aussage manchmal sein kann. „Ganz ruhig“, sagt Bob und winkt ab. „Das haben wir doch gerne gemacht, Schwester!“ Malcom nickt. „Alles klar, Bruder!“, sage ich. „Los geht’s zum Essen!“ Ich stehe auf. Bob gibt mir meine Häkelnadel zurück und wir gehen in den Speisesaal. Bob und Malcom sitzen in der Nähe der Tür. Ich gehe alleine den restlichen Weg zu meinem Sitzplatz. Das Essen hat bereits begonnen. Die anderen scheinen sich wieder erholt zu haben. Zu mindestens ein Teil. John und Kalle sitzen auf den übrigen Plätzen. Ich setze mich hin. „Na Jungs!“, sage ich fröhlich. „Behaltet ihr das Essen endlich wieder drinnen?“ „Ha. Ha. Ha.“, sagt John und grinst. Kalle sieht tatsächlich noch ein bisschen angeschlagen aus. „Das war echt nicht lustig. Hab den ganzen Tag gebraucht, um mich besser zu fühlen. Erst seit heute Nachmittag geht es mir wieder einigermaßen besser“, erzählt er. Ich grinse. „Keine Sorge! Kid hat in ordentlich angeschrien“, sage ich und schaue zu meinem Freund. Doch er ist mit Killer in einem Gespräch und hat wahrscheinlich nicht so ganz mitbekommen, was ich gesagt habe. „Na das hoffe ich doch“, murmelt Kalle und widmet sich skeptisch seinem Essen. Ich wende mich John zu. Der scheint besser drauf zu sein. „Und dir geht’s besser?“, frage ich vorsichtshalber nach. Er grinst. „Natürlich. Bin heute nach dem Mittag aufgewacht und dann ging es mir schon wieder gut“, erklärt er. „Ach so. Und was hast du den ganzen Nachmittag gemacht?“ Er zuckt mit den Schultern. „Dies und das! Hab draußen ein bisschen gechillt. Wo warst du? Ich habe dich nirgends gesehen.“ „War hinten auf dem Deck“, erzähle ich ihm. „Kann es sein, dass du dich dort immer rumtreibst?“, fragt er belustigt. Ich grinse. „Nicht immer! Aber doch sehr oft“, antworte ich und lache. Wir reden und essen dabei. „Was ist los?“, frage ich Kid. Schon seit einiger Zeit mustert er mich intensiv. „Du siehst irgendwie anders aus“, sagt er verwirrt. Ich grinse. „Achja?“ Er nickt. „Sehe ich vielleicht ordentlicher aus?“ Er mustert mich weiter. „Ja, das stimmt!“ Ich lache. „Bob und Malcom haben mir eben die Dreads ordentlich gehäkelt“, erkläre ich. „Ah!“, sagt Kid. „Stimmt! Jetzt wo du es sagst, fällt es mir auch auf. Sieht gut aus.“ „Danke“, sage ich lächelnd. Die meisten sind schon mit Essen fertig. Kid steht auf. „Männer!“, sagt er laut und verschafft sich damit Gehör. Ich habe es aufgegeben dagegen zu protestieren. Er wird es immer machen. „Wir kommen morgen auf der nächsten Insel an. Manta heißt sie. Es ist eine Marinebasis.“ Es ertönen Buh-Rufe. „Sie werden uns vermutlich nicht auf der Insel angreifen, erst wenn wir sie verlassen. Ich warne euch. Fangt keinen Streit an, während wir da sind. Habt ihr verstanden?“, sagt er eindringlich. Zustimmendes Gemurmel. „Piet gibt morgen früh Geld aus“, schließt er seine Erklärung ab. „Übrigens, gute Arbeit heute. Das Schiff sieht wieder ordentlich aus.“ Er setzt sich wieder hin. Nun stehen die ersten auf und verlassen den Raum. Ich bleibe noch sitzen und lehne mich gemütlich zurück. „Und was machen wir heute Abend noch?“, frage ich in die Runde. Killer zuckt mit den Schultern. Er sitzt auch gelangweilt zurückgelehnt auf seinem Stuhl. „Ich habe keine Ahnung“, sagt John und seufzt. „Karten?“, fragt Kalle eher lustlos. Kid zuckt mit den Schultern. „Meinetwegen!“ „Wer hat die Karten?“, frage ich nach. „Wire!“, sagt Killer. Wir bleiben regungslos und still sitzen. „Soll ich sie holen?“, fragt John nach einer Weile. „Klar!“, sage ich. Er seufzt und steht schließlich auf. Bis John schließlich wiederkommt, bewegen wir uns kaum. Ich habe keine Ahnung, warum ich plötzlich so träge bin. Und vor allem so lustlos. „Hier sind die Karten“, sagt John, als er kommt. Er legt sie auf den Tisch und setzt sich wieder auf seinen Stuhl. Ich nehme die Karten und fange an zu mischen.

    „Ich bin fertig für heute“, sage ich nach einer recht langen Spielzeit. Im Laufe des Spiels, sind wir doch aus unserer Trance erwacht, aber jetzt bin ich echt müde. „Ja ich auch“, sagt Kalle. „Dito“, sagt John und sammelt die Spielkarten. „Na dann, gute Nacht!“, sagt Kid. Unsere Spielgruppe löst sich auf. Kid und ich gehen in die Kajüte. Mein erster Gang geht gleich zum Kleiderschrank. Ich bin so müde, ich will einfach nur ins Bett. Seit gestern Morgen habe ich keinen Pyjama mehr. Ich habe darin gekämpft, weil alles ja so schnell ging und hinterher habe ich ihn dann weggeschmissen. Nun brauche ich einen neuen. Ich nehme mir ein T-Shirt von Kid und eine lockere Hose von mir und gehe ins Badezimmer zum Umziehen. Ich mache mich schnell bettfertig und gehe zurück ins Zimmer. Kid sitzt nur in Jogginghose im Sessel und schreibt etwas in ein Buch. Vermutlich Kapitänenkram. Ich gehe zu ihm und setze mich auf seinen Schoß. Er klappt das Buch zu und legt es zur Seite. „Na Kleine“, sagt er mit seiner verführerischen Stimme und legt seine Arme um meine Hüfte. „Was ist los?“, fragt er mich. Ich lehne meinen Kopf an seine Schulter. „Nichts. Du sahst grade nur so gut aus“, sage ich und merke, wie ich sofort rot werde. Kid lacht leise. „Und da musstest du mich gleich bedecken?“, fragt er sarkastisch. Ich kichere. „Ja klar. Ich kann das doch nicht zulassen, dass du hier so unverschämt gut aussiehst“, sage ich. „So etwas habe ich von dir ja überhaupt noch nicht gehört“, sagt Kid und lacht. Die Röte, die gerade verflogen war, knallt wieder zurück auf meine Wangen. „Ich danke für das Kompliment“, flüstert er in mein Ohr. Ich lächle, aber das kann Kid nicht sehen. Es ist grade so gemütlich. Ich habe gar keine Lust aufzustehen und ins Bett zugehen. Hier kann ich bestimmt auch gut einschlafen. Ich kuschle mich in Kids Arme. Er streichelt leicht meine Seite.

Kommentare Seite 6 von 6
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.

Neuer Kommentar da? / Seite neu laden

Bahar ( 99888 )
Abgeschickt vor 168 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen
Hikari ( 52165 )
Abgeschickt vor 179 Tagen
Nein würde ich nicht Ronja , aber deswegen iSt es so blöd weil es genau wirklich die spannendste stelle ist
Ronja ( 57034 )
Abgeschickt vor 180 Tagen
Ich weiß, ich weiß. Würdest du schlecht über mich denken, wenn ich dir sage, das war mit Absicht? Fortsetzung folgt bald...
Hikari ( 52165 )
Abgeschickt vor 180 Tagen
OMG! SO ETWAS DARF MAN KEINEM ANTUN😱 an der spannendsten
Stelle einfach aufhören.......Bitte schreib schnell weiter!!!!!!!
P.S.
Respekt, ich könnte Soetwas nicht . Mach weiter so😉
alegssa ( 22446 )
Abgeschickt vor 184 Tagen
Ich hab schon so gespannt gewartet. Bitte schreib schnell weiter 😍😍
Bahar ( 10063 )
Abgeschickt vor 186 Tagen
Respekt du kannst schreiben wie ne Profi.
P.S
Mich hast du schon als Bewunderer
angle of life ( 63895 )
Abgeschickt vor 187 Tagen
Coool der neue Teil ist echt so toll 😊
Ich finde die Story eine von den besten ! Bitte mach schnell weiter!
Ich möchte gern wissen wie es weiter geht. Mach weiter so!
loliee ( 10932 )
Abgeschickt vor 257 Tagen
Das ist DIE BESTE ff, die ich bis jetzt gelesen hab, um ehrlich zu sein;)
♥☺♥☺♥☺♥☺♥☺
Monkey D Woosmann ( 89282 )
Abgeschickt vor 266 Tagen
cool der neue Teil
SAKURA ( 64916 )
Abgeschickt vor 293 Tagen
Wann kommt der 36 Teil die Geschichte is voll cool
Ronja ( 14911 )
Abgeschickt vor 310 Tagen
Ich find es super cool, dass du dir so Gedanken machst, wie es wohl weitergeht. Ob Grit Königshaki hat weiß ich nicht so genau. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß. Sie überrascht einen immer wieder ;)
Gol D. Lea ( 64467 )
Abgeschickt vor 310 Tagen
Bittttee schreib weiter ich finde diese geschichte so cool ich hätte
sogar eine Idee wie es weiter gehen könnte ; nähmlich das die kid piratrn
in einen kampf mit der marine haben aber da dabei auch der admiral
kuzan oder wie der heisst dabei ist könnnen die kid piraten nicht gewinnen
Den sie sind dan alle auch schon stark mitgenommen und als dan dieser
Admiral dan kid und die anderen töten will setzt dan Grit Königshawki frei
Und besiegt sie dan weil du hast schon so mit dem Hawki angefangen das
Sie und kid es trainieren da wäre das glaube ich eine coole wenden das dan
Grit Königshawki erweckt aber es ist deine FF es wäre jetzt nur von mir
Ein Vorschlag.
Bahar ( 00301 )
Abgeschickt vor 336 Tagen
Ist nicht schlimm aber es würde mich freuen wenn
du bald weiter schreiben könntest den das ist
meine aler Liebste Geschichte überhaupt ❤️😍😂😜
Vicky ( 55748 )
Abgeschickt vor 362 Tagen
OK danke für die Info
Ronja ( 58949 )
Abgeschickt vor 363 Tagen
Hey Vicky. Bisher sind es nur 33 Teile. Schreibe grade den nächsten aber bin in letzter Zeit kaum zu Hause. Deshalb dauert es ein bisschen 😊
Vicky ( 40966 )
Abgeschickt vor 366 Tagen
Hallo Ronja wie viele Teile giebt es den insgesamt ? Die fanaction war so cool ich bin jezt bei 33 giebt es noch mehr ?
Lu ( 48365 )
Abgeschickt vor 379 Tagen
Ich finde die story echt cool obwohl ich mir garnicht mag😃! Bitte schreib weilet
Rika Nara/Weasley ( 16164 )
Abgeschickt vor 386 Tagen
Ach so, bei Kid kann man ja nie wirklich wissen
wie er gerade so drauf ist :-) Schreib bitte
schnell weiter. Bei so SCHÖNEN Geschichten
kann ich es immer NICHT ABWARTEN. :-)
Ronja ( 45778 )
Abgeschickt vor 388 Tagen
@Rika Nara/Weasley Kid hat nur eine Ansage gemacht. Es wurde niemand zusammengeschrien ^^
Rika Nara/Weasley ( 60541 )
Abgeschickt vor 388 Tagen
Wieso musste Kid denn laut werden, wer hat denn
[BEEP] gebaut? :-) Wie immer schönes Kapitel.
Mach bitte schnell weiter. :-)