Die Große Reise - Das Rollenspiel

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27 Fragen - Erstellt von: Maya Müller - Aktualisiert am: 2016-05-16 - Entwickelt am: - 12.474 mal aufgerufen

Das hier ist ein RPG, es wird alles, erklärt,.....- wenn du weiterliest!

Aber: Wir brauchen dringend Katzen!

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    Die Heimat des EisClans wurde zerstört. Die Zweibeiner haben den Wald an sich gerissen, und das EisClan Territorium zum Präsentierteller gemacht. Oh
    Die Heimat des EisClans wurde zerstört. Die Zweibeiner haben den Wald an sich gerissen, und das EisClan Territorium zum Präsentierteller gemacht. Ohne jeglichen Argwohn haben sie die Katzen getötet, die dem EisClan so lange beigestanden haben. Nur noch die wenigsten sind übrig geblieben und sind zusammen geflohen. Jetzt sind sie auf der Suche nach einer neuen Heimat. Auch wenn sie wissen, dass diese Reise viele Gefahren birgt....Und auch wenn ihre ständigen Begleiter Hunger, Angst und Verzweiflung sind. Die übrig gebliebenen Katzen halten zusammen und kämpfen sich tapfer durch, bis zum Ziel!

    Willst du auch als Katze den anderen helfen zu kämpfen? Dann schreib das in die Kommentare! Und lese die Regeln im zweiten Kapitel!

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    Hier sind erstmal die Regeln, die bitte JEDER beachtet:
    - schreibt realistisch und auf keinen Fall pervers!
    - schreibt wie in der Geschichte (meiner FanFiction), das heißt, z.B.: ihr hungert, ihr friert, ihr habt Angst, ihr seid verzweifelt, vertraut auf den SternenClan, werdet ab und zu mal krank, damit auch der Heiler was zu tun hat....Ihr versteht schon. Klar ab und zu reißt einer einen Witz, die Stimmung ist nicht immer trübe, aber in 85% der Fälle schon.
    - damit der Clan nicht auseinanderreißt, bitte ich euch, wenn ihr wisst, dass ihr nicht oft on kommen könnt, dann meldet euch gar nicht erst an! (Ferien ausgenommen)
    - gebt euch passende Namen und realistische Charakter
    - seid nett untereinander, außer ihr spielt, dass ihr euch streitet
    - meldet euch vorher ab, wenn ihr mal nicht on kommen könnt!
    - Keine Werbung für andere Clans, bitte!
    - kommt so oft es geht on! Wenn ihr längere zeit nicht da seid, lösche ich euch aus der Hierarchie!

    - KEINER KOPIERT MEINEN CLAN; WENN ICH SEHE; DASS DAS EINER GEMACHT HAT; DANN ZEIGE ICH IHN EIGENHÄNDIG AUF TESTE.DICH.DE AN!

    Das wären erstmal die Regeln.
    Jetzt zu eurer Anmeldung: So sollte jeder Steckbrief aussehen:
    Name:
    Rang:
    Geschlecht:
    Alter:
    Mentor: Ja oder nein
    Aussehen:
    Charakter:
    Gefährte:
    Junge:
    Stärken:
    Schwächen:
    Deine größte Angst:
    Deine größte Hoffnung:
    Wann, - und wie wollt ihr sterben: (nur für Neulinge!)

    Wenn ihr Kriegerin seid, aber noch Königin werden wollt und danach wieder Kriegerin, schreibt bitte beides in euren Rang!

    Die Ränge und ihre Beschreibung: (ich habe ein paar neue Ränge erfunden, also lest euch die Beschreibungen bitte durch!):

    ANFÜHRER/IN: Führt die Gruppe, trägt die Verantwortung (d.h. in welche Richtung zu laufen ist....) Wer Anführer ist, soll bitte auch manchmal Leben verlieren!

    ZWEITE/R ANFÜHRER/IN: unterstützt den Anführer bei schwierigen Entscheidungen, vertritt ihn/sie

    HEILER/IN: heilt die Katzen, kontrolliert wer krank ist. Der Heiler bedenke, dass nicht immer das richtige Kraut vorhanden ist!

    STERNENCLAN KATZEN: Es gibt nur neun von dieser Sorte! Wandeln am Himmel und über dem Clan, sie treffen ALLE NEUN ZUSAMMEN jeweils folgende Entscheidungen: Wie das Wetter ist (danach richten sich bitte auch alle Katzen!), welche Jahreszeit ist, wann und bei welcher Katze sie in den Traum eintreten, wann, ob und welche Prophezeiung sie verschicken (Prophezeiungen nur an Heiler oder Anführer!)

    KRIEGER: Jagen und Kämpfen, aber sie finden nicht immer Beute und das auch je nach Jahreszeit, die von den SternenClan Katzen bestimmt wurde.

    SCHÜLER: Junge Katzen, die ausgebildet werden, aber während der großen Reise kein festes Training haben.

    KÖNIGINNEN: Kätzinnen mit Jungen, ihr bedenkt bitte, dass Königinnen meist sehr besorgt sind und dass bitte auch manchmal Junge sterben!

    ÄLTESTE: Meist sehr kranken, alte Katzen, die die Reise oft nicht schaffen.

    NEULINGE: Neulinge sind welche, die schon angemeldet waren und sich auch einen Rang ausgesucht haben und auch in der Geschichte waren, doch sind sie welche, die irgendwann sterben (Wenn ein Neuling stirbt, dann muss sich auch jede Katze danach richten und das geht dann auch in die Geschichte ein) Aber keine Sorge, ihr seid dann nicht aus dem Clan, ihr lebt dann einfach den Rang einer SternenClan Katze. Und ein Neuling kann als Junges, Schüler, Krieger, Königin mit ungeborenen Jungen...sterben. Dass bleibt ganz dem Neuling überlassen. Wenn ihr euch schon von Anfang an als Neuling anmeldet, dann schreibt ihr aber beides in den Rang, z.B. so:
    Rang: Ältester/Neuling

    Das war es auch von den Rängen. Aber ich bitte euch, manche Ränge sind vielleicht nicht so beliebt, aber bitte besetzt sie trotzdem! Wenn du jetzt z.B. siehst, dass uns Älteste fehlen, dann melde dich halt unter Ältesten an, und unter Neuling. Dann kannst du sterben und du hast dann wieder einen besseren Rang.
    Klar?

    Das war es! Verbesserungsschläge bitte melden!
    Ach, ja und ich schreibe eine FF, also das ist nicht nur ein RPG, ihr kommt auch in die Geschichte:)

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    Die Hierarchie des EisClans

    ANFÜHRER: Tigerstern - sehr großer, kräftiger, muskulöser, breitschultriger, dunkelbrauner Tigerkater mit bernsteinfarbenen Augen

    ZWEITE ANFÜHRERIN: Salbeiherz - zierliche Kätzin mit hellgrauem Fell und dunkelgrünen Augen ; Mentorin von Glutpfote

    HEILERIN: Echoflug - mittelgroße, magere, hübsche, schneeweiße, silbrige Kätzin, mit schwarzen Ohren und himmelblauen Augen mit einem leichten Sternenschimmer, Mentorin von Blätterschweif - kleine, geschickte, dünne Kätzin mit rotbraunem Tigermuster, rechter weißer Pfote und dunkelgrünen Augen

    STERNENCLAN KATZEN:
    Minzduft - Kätzin mit silbrigem Fell und blauen Augen
    Schneejunges - kleiner schneeweißer Kater, mit gelben Augen
    Schneestern - weiße Kätzin mit einigen Kampfnarben, braunen Pfoten, und unterschiedlichen Augen
    Tüpfeljunges - rote Kätzin mit silbernen Tupfen und eisblauen Augen

    KRIEGER:
    Smaragdfeuer - feuerroter Kater mit smaragdgrünen Augen
    Blitzkralle - großer schwarzer Kater, mit einer weißen Pfote und dunkelblauen Augen ; Mentor von Goldpfote
    Löwenglut - großer, kräftiger, goldroter Kater mit weißen Pfoten und Schnauze, dichtem Fell um den Hals und dunkelblauen bis schwarzen Augen
    Flammenblüte - hübsche, flammenfarbene Kätzin mit smaragdgrünen Augen
    Wolkenstreif - rein weißer Kater mit buschigem Schweif und hellgrünen Augen ; Mentor von Dunstpfote
    Amselfeder - kleine, schmale Kätzin mit dunkelgrau - schwarz geflecktem Fell und grünen Augen
    Kieselsturm - mittelgrosser Kater mit dunkelgrau - weiss geflecktem Fell und grünen Augen
    Donnerkralle - orangeroter Kater mit einer Narbe überm Auge und smaragdgrünen Augen

    SCHÜLER:
    Goldpfote - gold-getigerte Kater mit einer kaum sichtbaren Tigerung, weißen Pfoten und hellgrünen Augen
    Glutpfote - flammenfarbener Kater mit smaragdgrünen Augen
    Dunstpfote - große, graue Kätzin mit eisblauen Augen

    KÖNIGINNEN:
    Silberherz - schlanke silbern glänzende Kätzin mit hellblauen Augen, Mutter von Rabenjunges, Löwenjunges, Tigerjunges, und Moosjunges
    Rotschweif - magere, hübsche, schneeweiße Kätzin mit goldenen, roten und braunen Flecken, auffällig buschigem Schweif und goldenen Augen, erwartet Junge von Froststern
    Tränenfrost - kleine silberne Kätzin mit frostblauen Augen, Mutter von Ahornjunges und Eisjunges

    ÄLTESTE:
    Blaulicht - mittelgroße, magere dunkelgraue Kätzin mit silbriger Schnauze einem blauen Schimmer im Fell, weißen Pfoten und Saphirblauen Augen
    Nachtblüte - einst kräftige nachtschwarze Kätzin mit tief dunkelgrünen Augen

    NEULINGE:
    Echoflug - mittelgroße, magere, hübsche, schneeweiße, slibrige Kätzin, mit schwarzen Ohren und himmelblauen Augen mit einem leichten Sternenschimmer
    Blitzkralle - großer schwarzer Kater mit einer weißen Pfote und dunkelblauen Augen

    JUNGE:
    Löwenjunges - großer goldener Kater mit grünen Augen
    Tigerjunges - hellbrauner Kater mit schwarzen Streifen, weißem Brustfell, weißen Pfoten und eisblauen Augen
    Rabenjunges - kleine rabenschwarze Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
    Moosjunges - schwarz - weiß gefleckte Kätzin mit hellblauen Augen
    Eisjunges -silberner Kater mit eisblauen Augen
    Ahornjunges - orangerote Kätzin mit grünen Augen mit dunkleren Sprenkeln am Rand


    Die Gefährten:

    Silberherz ♥ Smaragdfeuer
    Wolkenstreif ♥ Salbeiherz
    Löwenglut ♥ Minzduft (+)
    Rotschweif ♥ Froststern (+)
    Tränenfrost ♥ Donnerkralle


    Verliebt in: >/<

    Dunstpfote > Goldpfote


    Die Geschwister:

    Salbeiherz&Blitzkralle
    Löwenjunges&Tigerjunges&Rabenjunges&Moosjunges&
    Schneejunges

    Tigerstern&Minzduft&Echoflug
    Amselfeder&Kieselsturm
    Eisjunges&Ahornjunges&Tüpfeljunges



    Wer spielt wen:

    Tigerstern: Tigerstern, Echoflug, Löwenglut, Rotschweif, Blaulicht, Flammenblüte

    Blätterschweif: Blätterschweif, Salbeiherz, Blitzkralle, Wolkenstreif, Goldpfote (Minzduft)

    (Minzduft: Minzduft)

    Silberherz: Silberherz, Smaragdfeuer, Moos, - Tiger, - Löwen,- Raben,- und Schneejunges, Nachtblüte

    Schneestern: Schneestern, Glutpfote

    Tränenfrost: Tränenfrost, Dunstpfote, Donnerkralle, Eisjunges, Ahornjunges, Tüpfeljunges

    Amselfeder: Amselfeder, Kieselsturm

    Alles klar? Dann los geht es!

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    ((cur))Froststern((ecur)) Der Wind zerzauste Froststerns weißes Fell, dass dünn seinen mageren Körper bedeckte. Seine Glieder schmerzten und er war
    Froststern
    Der Wind zerzauste Froststerns weißes Fell, dass dünn seinen mageren Körper bedeckte. Seine Glieder schmerzten und er war müde. Schon lange suchte er nach einem geeigneten Unterschlupf für die Nacht. Aber es war nichts zu finden. Weit und breit nichts als endlose Weite. Ab und zu mal ein Dornengestrüpp. Froststern hob den schweren Kopf und sah zu dem wolkenverhangenen Himmel hinauf. Er durfte jetzt keine Müdigkeit zeigen. Nicht vor seinem Clan. Er war der Anführer, er musste seinem Clan zeigen, dass er Mut hatte. Seine eisblauen Augen suchten den grauen Himmel ab. War der SternenClan immer noch bei ihnen? Schon so lange hatte er nichts mehr von ihm gehört. Er hatte keine Träume mehr bekommen. "Minzduft?", flüsterte er leise. "Echowind?" Der Wind trug seine Worte fort. Weit fort. So weit fort, wie Echowind und Minzduft es auch waren. Er wusste, sie beide wollten den Clan nicht im Stich lassen. Aber sie hatten es trotzdem getan. Minzduft war erst vor einem halben Mond gestorben. Ihr Tod hatte den ganzen Clan zutiefst erschüttert. Sie war eine fröhliche, aufgeweckte Kätzin gewesen, für alles bereit, und sie war so hoffnungsvoll auf eine neue Heimat gewesen. Und jetzt war sie nicht mehr. Tigerkralle war entsetzt über ihren Tod gewesen. Die ganze Zeit war er neben ihr gesessen und hatte zugesehen, wie das letzte Stück Leben, dass seine Schwester noch hatte, ausgehaucht wurde. Er hatte ihre Leiche begraben. Voller Trauer. Aber noch mehr hatte es Löwenpfote getroffen. Er hatte Minzduft geliebt. Der alte Schüler hatte drei Tage nichts gegessen, so schmerzhaft war Minzdufts Tod für ihn. Froststern zitterte jetzt noch, wenn er daran dachte. Aber auch Echowinds Tod war qualvoll für den Clan gewesen. Sie war eine super Jägerin gewesen. Und heilen konnte sie. Ja, das konnte sie. Wie oft hatte sie Echoflug geholfen, wenn nicht die richtigen Kräuter vorhanden waren. Jetzt war Echoflug wieder alleine bei der Arbeit. Froststern sog die kalte Luft ein und drehte sich zu seinem Clan um. Die wenigen Katzen, die der Clan noch hatte, stolperten müde hinter ihrem Anführer hinterher, die Köpfe gesenkt. Bei fast allen Katzen konnte man die Rippen unter dem Fell zählen. Direkt hinter ihm lief seine zweite Anführerin, Silberherz. Dicht an ihren Gefährten Smaragdfeuer gepresst, stolperte sie hinter Froststern hinterher. Smaragdfeuer leckte ihr über das Ohr und einen kurzen Augenblick schimmerte Hoffnung in Silberherz hellblauen Augen auf. Froststern betrachtete die beiden. So wie die miteinander umgingen, konnte es nicht mehr lange dauern und es würde neue Junge für den Clan geben. Auch wenn Silberherz noch nicht trächtig war. Froststern wusste nicht, ob er das gut oder schlecht finden sollte. So viele Junge waren schon gestorben. Silberherz würde so lange ihren Posten als Zweite Anführerin aufgeben müssen. Dabei brauchte Froststern ihre Hilfe. "Tigerkralle muss für sie einspringen.", dachte er. "Er ist immerhin einer meiner besten Krieger." Sein Blick schweifte zu einem kräftigen, dunkelbraunen Tigerkater, der als einzige Katze den Kopf aufrecht hielt. Seine ruhigen bernsteinfarbenen Augen erwiderten den Blick seines Anführers. Froststern nickte ihm zu und er holte auf. Seine Muskeln spielten unter dem dünnen Fell. "Was sollen wir tun?", fragte er Froststern. Froststern blieb stehen und blickte über seinen Clan. "Ich weiß es nicht.", murmelte er düster. "Im Moment einfach nur hoffen."

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    Tigerkralle
    Der kräftige braune Tigerkater rollte sich noch fester in seinem Nest zusammen. Obwohl immer noch Wolken den Himmel bedeckten, war die Nacht kalt und eisiger Wind fegte über die einsamen Katzen des EisClans hinweg. Spät in der Nacht hatte Froststern die alte Fuchshöhle im Dornengestrüpp als Nachtquartier gewählt. Danach waren alle Katzen müde in das abgelegte Gras gefallen. Ein nach abgestandenem Fuchs riechender Grashalm pikste Tigerkralle in die Seite. Ärgerlich schob er ihn weg. Er legte den Kopf auf die Pfoten und starrte in die dunkle Nacht. Blätter wirbelten umher, sodass es aussah, wie als fielen Sterne vom Himmel. Aber am Himmel waren keine Sterne. Tigerkralle fühlte sich einsam. Wenn nur der SternenClan ihm ein Zeichen geben könnte, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Ein Rascheln kam aus dem Dunkel und Tigerkralle fuhr herum. Seine Muskeln spannten sich unter dem dünnen Fell an. Eine kleine Gestalt trat aus dem Dunkel und legte ihm etwas vor die Pfoten. Tigerkralle kniff die Augen zusammen. Ein abgemagertes Kaninchen. Wer war das? Als die Gestalt in den Busch trat, erkannte Tigerkralle, dass es eine Katze war. Mit silbern glänzendem Fell. Silberherz. Sie setzte sich neben ihn und wickelte den Schwanz um die Pfoten. Sie zitterte. "Was hast du gemacht?", fragte Tigerkralle entsetzt, obwohl er anhand des Kaninchens daraus schließen konnte, dass sie jagen war. "Ich war jagen." Die zweite Anführerin senkte ihre Stimme. "Nachdem ich nicht schlafen konnte, dachte ich, ich tu etwas Nützliches." Tigerkralle, sah auf das Kaninchen hinab. "Toller Fang.", murmelte er trocken. Er wollte nur nett sein. Dieses Kaninchen war das kleinste Exemplar, was er jemals zu Gesicht bekommen hatte. Silberherz seufzte und legte sich in das Nest. "Du kannst es ruhig sagen.", sagte sie und schloss für einen kurzen Moment ihre hellblauen Augen. "Ich weiß selbst, dass es nicht gut war. Aber ich bin mindestens über zehn verdammte Hügel von diesem verhexten Hochland gerannt, um dieses Kaninchen zu kriegen!" Einen kurzen Augenblick lang, brummte Tigerkralle amüsiert, belustigt über den Ausdruck von Silberherz. Doch dann nickte er, und schob das Kaninchen in den Schutz der Dornen. "Schon gut. Heben wir es für Blaulicht auf." Silberherz, die immer noch die Augen geschlossen hatte, kuschelte sich an Smaragdfeuer. "Danke.", miaute sie leise, dann vergrub sie ihre Schnauze im feuerroten Fell ihres Gefährten. Tigerkralle ließ den Kopf wieder auf seine Pfoten sinken. Eine Weile war es still, bis Silberherz plötzlich sagte:"Wo ist der SternenClan, Tigerkralle? Ich vermisse Echowind. Und Minzduft." Tigerkralle brauchte ein wenig für die Antwort. "Ich auch. Sie war die beste Schwester, die eine Katze haben konnte." Ihm war klar, dass Silberherz wusste, dass diese Antwort der letzteren Katze galt. "Sie sind bestimmt noch da." Silberherz Stimme klang hoffnungsvoller, als ihr Blick, denn sie starr zum Himmel gerichtet hatte. Tigerkralle schluckte. "Aber sicher.", flüsterte er leise. Aber in diesem Moment wusste er nicht einmal selber, ob er diese Antwort wirklich so ernst meinte.

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    Silberherz
    Als eine eisige Brise in den alten Fuchsbau wehte, blinzelte Silberherz. Sie hob den von Müdigkeit schweren Kopf und sah hinaus. Es war noch früh. Die Sonne ging gerade auf. Zu früh zum losziehen. Doch saß die große weiße Gestalt von Froststern am Eingang und blinzelte in den winzigen Sonnenstrahl, der im Augenblick kurz die Wolkendecke durchbrach. Er hatte den Schwanz um die Pfoten geschlungen und drehte sich um, als Silberherz näher trat. "Silberherz." Seine Stimme klang überrascht, wie als hätte er mit ihr gerade am wenigsten gerechnet. "Froststern." Silberherz erschrak über ihre eigene Stimme, die merkwürdig heiser klang. Sie hatte so lange schon nicht mehr das Gefühl von warmen Echhörnchenblut gehabt, wenn es ihr die Kehle runterrann und sie den Bissen herunterschluckte. Sie blieb stehen, wo sie war, auch wenn der Wind ihr entgegenwehte, wie als würde er mit aller Kraft versuchen sie wegzuschieben, von dem Ort an dem sie stand. "Froststern, wir müssen weiter. Ich habe gehört wie Rotpfote im Schlaf Angst hatte. Wir müssen ihnen die Angst austreiben. So geht das nicht weiter." Froststern brauchte lange für die Antwort. Als er endlich seinen Kopf zu seiner zweiten Anführerin umwandte, kratzten seine ausgefahrenen Krallen Furchen in den weichen Boden. "Es geht nicht, Silberherz." Froststerns Blick war undurchdringlich. Seine blauen Augen durchbohrten Silberherz. Sie wandte nicht den Kopf. "Wieso nicht, Froststern?" Der weiße Kater stand auf und führte Silberherz weiter weg von dem provisorischen Nachtlager der Katzen. Dann deutete er mit seinem Schwanz an den Horizont, an dem unscheinbar und grau eine weite Bergkette auszumachen war. "Siehst du die Berge dort?" Silberherz nickte. "Wir müssen dort drüber. Wir haben keine andere Wahl. Aber es ist dort gefährlich. Zu gefährlich. Wie sollen wir Blaulicht darüber bringen? Und Rotpfote und Löwenpfote? Wolfspfote? Und was ist mit Blätterpfote? Sie kann nicht kämpfen. Man müsste sie immer schützen." Silberherz schluckte. Trotz der Geborgenheit die sie in der Nähe ihres Clans fühlte, jagten ihr Froststerns Worte Angst ein. Ein Schaudern lief durch ihr Fell. Sie versuchte sich und Froststern Mut zu machen. "Rotpfote und Löwenpfote sind alte Schüler. Du kannst sie sicher bald zu Kriegern ernennen. Wolfspfote ist...ein guter Kämpfer. Und was Blätterpfote angeht, die macht sich darüber sowieso keine so großen Sorgen. Und Blaulicht...." Silberherz musste sich eingestehen, dass sie nicht mehr weiter wusste. "Ich will mit Löwenpfote und Rotpfote noch einen Tag warten." Froststerns Blick wanderte zu den zwei mageren Katzen, die in ihren Nestern lagen. Löwenpfote sah mit seinem kräftigen Körperbau und den stämmigen Pfoten schon fast aus wie ein Krieger. Aber Rotpfote....Ihre dunkelbraun getigerte Musterung und ihr auffälliger roter Schweif machten sie so klein. So verletzlich. Ihre Brust hob und senkte sich beim gleichmäßigen Atem. "Sie kann Kriegerin werden!", sagte sich Silberherz entschlossen. "Immerhin ist sie schon fünf einhalb Monde lang Schülerin!" Froststern betrachtete einen silbergrauen, schlafenden Schüler, der neben Rotpfote lag. "Wolfspfote muss noch so viel lernen. Ich weiß, er macht es gut,...aber trotzdem. Er ist noch Schüler. Und Schüler haben nicht die Kraft eines Kriegers." Silberherz schaffte es, zustimmend zu nicken. Froststerns Blick schweifte hinüber zu einer kleinen Tigergemusterten Schülerin. "Aber wie sollen wir Blätterpfote über die Berge kriegen?" Der Anführer sprach Silberherz Gedanken laut aus. Blätterpfote war wach und sprach leise mit Echoflug, ihrer Mentorin. "Sie schafft das." Silberherz sah ihrem Anführer fest in die Augen. "Sie muss das schaffen." Froststern nickte kaum merklich. "Und wir werden einen Weg finden."
    Silberherz drehte sich um und tappte wieder in den alten Fuchsbau. Ihr war kalt. Zitternd schmiegte sie sich an Smaragdfeuer und merkte erst als er etwas sagte, dass ihr Gefährte wach war. "Du warst plötzlich weg und dann bin ich aufgewacht." Seine Zunge fuhr über ihr Ohr. Silberherz rieselte ein Schauer durch das Fell und sie presste sich fester an ihn. "Was hast du mit Froststern besprochen? Was für einen Weg werdet ihr finden?" Er hatte sie gehört! Silberherz wand sich unter ihm. "Gehen wir jagen.", flüsterte sie und schubste ihn aus der Höhle. Draußen war es kalt. Silberherz silbernes Fell plusterte sich auf und vermischte sich mit Smaragdfeuers rotem. "Was habt ihr denn geredet?", fragte Smaragdfeuer und ließ seine Krallen aus und ein fahren. "Schon so lange ist es her, dass ich sie in ein saftiges Eichhörnchen geschlagen habe." Wie zur Bestätigung knurrte Silberherz Magen. Er fühlte sich hohl an. "Es war eine Sache zwischen mir und Froststern." "Du bist zweite Anführerin und hältst so viel vor mir geheim." Smaragdfeuer blieb stehen und blitzte sie an. Silberherz sah entsetzt zurück. Hatte sie ihn gekränkt? Sie ging entschuldigend auf ihn zu. "Es tut mir Leid, ich wollte nicht...." Im selben Moment verschwand das Feuer aus Smaragdfeuers grünen Augen und seine Schnurrhaare zuckten amüsiert. "Im Gegenteil! Ich liebe dich für das, dass du so geheim tust, Silberherz." Er trat nahe an sie heran, sodass sich ihre Felle berührten. Dann vergrub er seine Schnauze in ihrem Fell. "Ich liebe dich auch, Smaragdfeuer.", flüsterte Silberherz. Und wie zur Bestätigung, schubste der feuerrote Kater sie, sodass sie rücklings in ein Gebüsch fiel. Sie hatte keine Zeit mehr sich zu beschweren, denn dann kam Smaragdfeuer und tauchte mit in das Gebüsch. Sein Augen leuchteten hell. "Was tust du denn hier im Gebüsch?", neckte er sie und Silberherz fauchte spielend. Es war so schön, mit Smaragdfeuer hier zu sein und für einen Augenblick alle schlimmen Ereignisse zu vergessen. Und auch wenn der Augenblick nur kurz war, genoss Silberherz ihn in tiefen Zügen.

    Die Bergkette kam immer näher und doch war sie noch so weit fern. Die kalte Hochebene schien kein Ende zu nehmen und wie als wolle sie die Katzen extra ärgern, pfiff auch noch ein eisiger Wind. Silberherz hätte sich zu gerne an Smaragdfeuer gedrängt, doch der lief neben Löwenpfote her und versuchte ihm zu erklären, wie man ein Hauskätzchen in die Flucht schlug. Silberherz ließ den Kopf hängen. Ihr Pfoten waren schwer und tappten über den begrasten Boden. Der Boden war so fremd. Sie wollte wieder zurück in den Wald. Zwischen die Bäume. Kiefernadeln unter den Pfoten spüren. Nicht hier draußen sein, und sich mit spitzen Steinchen die Sohle zerkratzen. Aber den Wald hatten die Zweibeiner an sich gerissen. Bestimmt standen jetzt schon die ersten Zweibeinerbauten im ehemaligen EisClan Territorium. Der Gedanke daran schmerzte Silberherz mehr, als sie zugeben wollte. Sie stolperte, fiel auf den harten Boden und rappelte sich wieder auf. Ihr Bauch schmerzte. Er war hohl. Leer. Seit Tagen hatte sie nichts Gutes mehr zwischen den Zähnen gehabt. Gerade eben musste sich der ganze Clan mit einem kleinen Eichhörnchen und zwei Mäusen zufrieden geben. Der GANZE Clan! Wie sollte das weitergehen? Silberherz ließ sich zurückfallen, vorbei an Tigerkralle und Rotpfote, bis zu Echoflug. Blätterpfote tappte neben ihr und unterhielt sich mit der Heilerin über Krankheiten. "Silberherz!", miaute Echoflug erstaunt. "Was ist denn los? Du siehst nicht gut aus." Die Heilerschülerin beäugte Silberherz nachdenklich. "Ich habe Bauchschmerzen.", erwiderte Silberherz schwach. Der Sternenschimmer in Echoflugs himmelblauen Augen verwandelte sich in Sorge. Blätterpfote platzte dazwischen. "Wacholderbeeren!" Echoflug nickte. "Aber die wachsen hier glaube ich nicht." Blätterpfote schaute traurig zu Boden. "Wir müssen eh eine Pause einlegen. Blaulicht zetert schon die ganze Zeit." Die Heilerin beschleunigte und holte zu Froststern auf, während Silberherz Blätterpfote betrachtete. Die junge Schülerin war dünn, man sah ihr an, dass sie nicht mehr konnte, aber dafür setzte sie tapfer eine Pfote vor die andere. Der Satz von Froststern hallte wieder in ihrem Kopf. "Blätterpfote kann nicht kämpfen. Man müsste sie immer schützen." Ihre eigene Antwort war gewesen: "Sie schafft das. Sie muss das schaffen." Aber im Moment war sich Silberherz sicher, dass Froststern mit seiner Aussage mehr Recht hatte, als sie selbst.

    7
    Froststern
    Angetrieben von Hunger und Verzweiflung, jagte Froststern dem Schatten hinterher. Seine Pfoten trommelten über den Boden und er spürte die spitzen Steinchen kaum, die sich ihm in die Ballen bohrten. Sein weißes Fell klebte ihm am Körper und der Wind peitschte ihm den Regen ins Gesicht. Ihm lief das Wasser im Mund zusammen, als er daran dachte, seine Zähne in das warme Fleisch zu schlagen. Just in dem Moment, als er haarscharf einem Dornenbusch auswich, stieß er Kopf an Kopf mit einer anderen Katze zusammen. Verwirrt stolperte er über seine eigenen Pfoten und trat ein paar Schritte zurück. Eine goldene Kätzin stand vor ihm, in ihren grünen Augen spiegelte sich seine eigene Verwirrung wieder. Goldstaub musterte ihren Anführer argwöhnisch. "Froststern?", fragte sie leise. "Was ist denn los, wieso so schnell unterwegs?" Frostern brauchte einige Momente, bis er sich gesammelt hatte, dann leckte er sich ganz plötzlich verlegen seine schlammverschmierte Flanke. "Ich, tut mir Leid, Golstaub, ich dachte dein Schatten wäre Beute...Tut mir wirklich leid, ich weiß selbst nicht, was in mich gefahren ist..." Der verwirrte Ausdruck in Goldstaubs Augen verwandelte sich in Furcht, auch wenn sie es zu verbergen versuchte. Sie sah zu Boden, der Regen tropfte ihr von der Schnauze, dann drehte sie sich um und tappte zu dem völlig verdatterten Clan zurück, der das Gespräch zwischen Goldstaub und Froststern von der Ferne beobachtet hatte. Der große Kater folgte ihr vorsichtig. Und auch wenn Goldstaub ihn dabei nicht anblickte, wusste Froststern, dass die Worte der Kriegerin für ihn bestimmt waren.
    "So kann das nicht weitergehen. Wir müssen uns beherrschen, sonst wird der ganze Clan verrückt."

    Stunde um Stunde verging und Froststern tappte mit gesenktem Kopf über das Hochland, dass immer noch kein Ende nahm, sein Clan folgte ihm. Es war, wie als wolle der SternenClan sie ärgern, denn schon seit Sonnenaufgang schüttete es. Regen tropfte von Froststerns weißer Schnauze und für einen kurzen Moment sah er auf. Das Hochland schien kein Ende zu nehmen, in der Ferne sah man immer noch die Bergkette, als schwarzen Umriss. Der Anführer warf den Kopf herum und sah seinen Clan an, es hatte sich fast so etwas Ähnliches wie eine Rangordung gebildet. Ganz vorne lief der Anführer, hinter ihm meistens die hoffnungsvollen Krieger, wie Tigerkralle und Mausezahn. Dahinter kamen meistens die Schüler, Löwenpfote, Rotpfote und Wolfspfote. Dann kamen Nachtblüte und Blaulicht, oft begleitet von Goldstaub. Dann kamen die beiden Heilerinnen Echoflug und Blätterpfote und ganz hinten lief Silberherz mit ihrem Gefährten Smaragdfeuer. So war fast immer die Reihenfolge. Sie hatte sich im Laufe der langen Zeiten, die sie immer dahinwanderten gebildet. Froststern betrachtete Silberherz, seine Zweite Anführerin. Sie wurde immer schwächer, was Froststern Sorgen bereitete, doch wenn er sie darauf ansprach, winkte sie mit leuchtenden Augen ab. Der Anführer musterte sie. Es war unverkennbar, sie hatte zugenommen und zwar ziemlich. Und anhand der Tatsache, dass sie sich oft mit Echoflug aufhielt, ließ in Froststern eine Vermutung aufflammen. Er wusste nicht, ob er es gut oder schlecht finden sollte. Er schwang seinen Kopf wieder herum und kniff die Augen gegen das Regenwasser zusammen. Es wurde langsam dunkel und kälter. Vor ein paar Minuten war die Sonne untergegangen. Froststern sah sich um. Da, nicht weit, sah er ein paar Büsche in einer Gruppe zusammen stehen, die Äste weit gebogen, sodass sie nach oben hin ein Dach bildeten. Dort würde der Clan übernachten. Er führte den EisClan dorthin und blieb stehen. Die meisten ließen sich sofort seufzend in ihre provisorisch eingerichteten Nester sinken und schliefen ein. Froststern betrachtete seinen Clan, und zählte die Katzen. Plötzlich erschrak er. Silberherz fehlte! Panisch ließ er sich neben Smaragdfeuer nieder und befahl sich, Ruhe zu bewahren. "Smaragdfeuer!", flüsterte der Anführer. "Smaragdfeuer, wo ist Silberherz?" Der feuerrote Kater öffnete verschlafen ein Augen und deutete hinaus auf die Hochebene. "Ich glaub da draußen.", murmelte er und schloss die Augen wieder. Froststern war drauf und dran seinen Gedanken laut auszusprechen, ließ es jedoch dann. "Aber da draußen ist es doch nass! Es regnet!" Er schlich nach draußen, und tatsächlich, eine silberne Kätzin saß unter einem Felsen zusammengekauert und schaute hinauf zum Mond. Sie murmelte etwas vor sich hin. Froststern rannte zu seiner Zweiten Anführerin unter den Felsen und presste sich an sie. Ihr Fell war vollkommen trocken. Höchstens ein wenig kühl. Er ließ sich seine Erleichterung nicht anmerken. Silberherz, aufgeschreckt von Froststerns so plötzlichem Kommen, drehte schnell ihren Kopf. Ihre Krallen bohrten sich in die vom Regen aufgeweichte Erde. "Heiliger SternenClan!", entfuhr es ihr. "Erschreck mich ja nicht noch einmal so, Froststern!" "Tschuldige." Froststerns Scham war schnell wieder verschwunden und er betrachtete Silberherz aufmerksam. Sie hatte den Blick auf ihren angeschwollenen Bauch gesenkt, ihre blauen Augen glänzten geheimnisvoll im Licht des Mondes. Als Froststern sprach, durchbrach seine Stimme, obwohl er flüsterte, laut die Nacht. "Ich liege mit meiner Vermutung richtig, nicht wahr, Silberherz?" Silberherz hob den Kopf, ihre Augen strahlten. "Ja.", flüsterte sie. "Ich hoffe sie kommen alle gesund." Als sie den Satz zu Ende sprach, legte sich plötzlich ein dunkler Schleier über ihre Augen. "Ich hoffe sie werden in der neuen Heimat zu guten Kriegern ausgebildet. Weit entfernt von jeglichen Zweibeinern und Monstern und Donnerwegen." "Das werden sie.", versprach Froststern, ohne nachzudenken. Er wollte nur wieder den leuchtenden Ausdruck in den hellblauen Augen seiner Zweiten Anführerin sehen. Und der kehrte auch zurück. "Froststern.", plötzlich senkte sie wieder den Blick. "Ich weiß, es war mir eine große Ehre deine Zweite Anführerin sein zu dürfen,....aber....." Für einen Moment sprach sie nicht weiter. Froststern schnürte es die Kehle zusammen. Was würde kommen? "Aber...ich glaube ich kann das nicht mehr, nach den Jungen. Das Amt wieder zu übernehmen, meine ich. Ich würde es ja gerne machen, aber es tut mir Leid, Froststern, ich bin eh schon die älteste Kätzin im Clan, die je Junge zur Welt gebracht hat. Bitte, treffe eine andere Wahl. Für einen anderen Krieger, einen jüngeren, einen kämpferisch besser talentierten, der mein Amt übernimmt. Bitte, Froststern, sei mir nicht böse." Silberherz sah ihm tief in die Augen und dann verspürte der große weiße Kater plötzlich Verständnis. "Du warst eine tolle Zweite Anführerin, Silberherz. Du warst mir eine gute Helferin, aber ich kann dich verstehen." Er stand langsam wieder auf. "Ich werde jemanden anderes wählen." Der Anführer wandte sich zum Gehen, blieb aber noch stehen. Er drehte sich nicht um, als er sagte: "Aber glaube mir Silberherz, ich habe meine Wahl nie bereut."

    8
    Tigerkralle
    Es regnete nicht, aber es schneite. Ja, wahrhaftig es schneite. Bis auf die Schüler fand das aber auch keiner toll. Sie sprangen herum, wetteiferten, wer die höchsten Schneeflocken fangen konnte, wessen Fell sich schneller weiß färbte. Aber es war dadurch kälter geworden. Viel kälter. Und Beute zu finden war dadurch noch schwerer geworden. Tigerkralle sehnte sich danach, seine Krallen in ein saftiges Eichhörnchen zu schlagen, anstatt auf eisigem Boden zu tappen und gefrorenes Fleisch von alten Knochen zu kratzen. Sie sollten eigentlich gar nicht hier sein. Sondern zuhause, im Wald saftige Eichhörnchen auf weichem Waldboden zu jagen. Sich in den warmen Kriegerbau kuscheln. Aber das alles war ja nicht mehr. Bei dem Gedanken an die Zweibeiner und ihr zerstörtes Territorium, stieg in Tigerkralles Kehle ein lautes Knurren auf. Mausezahn neben ihm, sah ihn verwirrt an. Er winkte ab. Vor ihnen lief der Anführer des EisClans. Auf seinem weißen Fell sah man die Schneeflocken gar nicht, ganz im Gegensatz zu Tigerkralles dunklem Fell, auf dass sich das Weiß ganz schön abhob. Es war Morgen und sie liefen lange und lange, bis vor ihnen der erste Hügel kam. Der erste Hügel überhaupt auf dem flachen Hochland. Durch den Clan lief ein erstauntes, erleichtertes, glückliches Raunen. Hinter Tigerkralle stieß jemand einen Schrei aus. "Achtung!" Tigerkralles Kopf schnellte herum und seine Augen suchten sofort Silberherz. "Kamen ihre Jungen?" Doch Silberherz trottete gemächlich neben ihrem Gefährten her, den Kopf erhoben. "Was war dann passiert?" Sein Blick fiel auf Wolfspfote und Löwenpfote, die im Gehen miteinander rangen. Wolfspfote stieß manchmal einen Triumphschrei aus. Also waren es die Schüler, die nur gespielt hatten. Tigerkralle warf ihnen einen wütenden Blick zu und sie verstummten. Tigerkralle wandte sich wieder nach vorne, - und rannte prompt in Mausezahn hinein. "Uff!", maunzte er und stolperte zurück. "Was ist denn?" Auch Froststern war stehen geblieben. Sein Blick war voller Sorge, als er sich umwandte. "Sieh doch!", Mausezahns Stimme klang ein wenig heiser, als sie mit dem Schwanz vor sich deutete. Als Tigerkralle sich Sicht verschaffen hatte, blieb ihm für einen kurzen Moment das Herz stehen. Vor ihnen hatte sich ein reißender Fluss aufgetan. Und weit und breit keine Überquerungsstelle in Sicht. Er schluckte. Er hasste Schwimmen. Wie fast der ganze Rest des Clans auch. Und außerdem, selbst er schwimmen konnte, bei der Eiseskälte, würden sie auf der anderen Seite mit nassem Fell erfrieren. Und außerdem waren sie zu erschöpft, um überhaupt eine Pfote zu rühren. Inzwischen starrte der ganze Clan angsterfüllt auf den Fluss. Froststern ging langsam nach vorne und streckte eine Pfote aus und tauchte sie in die Strömung. Er zuckte sofort wieder zurück. Es schien kalt zu sein. Tigerkralle ließ verzweifelt den Blick über das Ufer wandern, als er einen Baumstamm erblickte. Ein paar Längen aufwärts, lag er über dem Fluss, gerade eine Pfotenlänge breit und glatt wie ein Aal, wegen des Schnees. Aber es könnte der einzige Ausweg sein. Er ging zu seinem Anführer und flüsterte es ihm ins Ohr. "Froststern, siehst du den Baumstamm dort? Es ist der einzige Weg. Ich weiß, du zweifelst wahrscheinlich genauso wie ich, aber es ist tausendmal besser, als schwimmen." Froststern, betrachtete den Baumstamm. Es schien endlos lange zu dauern, bis er schließlich nickte. Er führte seinen Clan heran. Als die Katzen herausfanden, was der Plan war, schrien sie entsetzte auf. Silberherz ging durch und beruhigte die Katzen. Als Froststern eine Pfote auf den Baumstamm setzte, wurde es mucksmäuschenstill. Froststern erhob die Stimme. "Passt ganz genau auf, wie ich es mache!", befahl er. Wenn er Angst hatte, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. "Klettert hinauf und grabt eure Krallen so fest es geht in die Rinde!" Froststern zog sich nach oben und stand nun auf dem Stamm. "Dann lasst die Krallen eurer Vorderpfoten in dem Stamm und löst vorsichtig eure Hinterbeine vom Stamm. Da der Stamm so glatt ist, könnt ihr nun immer eure Hinterbein nach ziehen. Dann wieder die Krallen der Vorderpfoten in den Stamm graben und die Hinterbeine nachziehen." Er machte es vor. Es sah ganz leicht aus. Am Ende sprang der Anführer vom Stamm. "Goldstaub!", rief er. "Kümmere dich um die Ältesten! "Tigerkralle du um die Schüler!" "Okay!", rief Tigerkralle zurück und schob die drei Schüler nach vorne. "So, sagte er. Wer will zuerst?" "Ich", meldete sich Löwenpfote eifrig und sprang behände auf den Stamm. Tigerkralle kletterte nach. Er versuchte nicht nach unten zu sehen, in die reißende Strömung. "Wolfspfote, du kommst hinter mir nach!", rief er noch über die Schulter, dann setzte er den ersten Schritt. Schritt für Schritt schob er Löwenpfote über den Baumstamm. Mit der Schnauze schob er ihn hinten am Hinterteil an. Bald hatten sie die Hälfte. Tigerkralle wagte einen Blick nach unten, doch dann wurde ihm schwindlig. "Nicht dran denken!", befahl er sich, zeig keine Angst. "Du bist für die Schüler verantwortlich! Zeig Froststern, dass er sich auf dich verlassen kann!" Er warf einen kurzen Blick über die Schulter und sah, dass Wolfspfote nachkam. Nur noch ein Schritt, dann war er unten. Und tatsächlich, er hatte es geschafft. Erleichtert, festen Boden unter den Pfoten zu spüren, hob er den Kopf. Rotpfote war auf dem Stamm, Mausezahn dicht hinter ihr. Die Schülerin schob sich Schritt für Schritt nach vorne, - und sah nach unten. "Nicht nach unten sehen!", rief Löwenpfote noch, da hatte Rotpfote schon das Gleichgewicht verloren. Sie schrie, als sie sich einmal um den Stamm drehte und dann nur noch mit der Vorderpfote am Stamm hing. Die Strömung zerrte an ihren Hinterbeinen und versuchte sie in den Fluss zu ziehen. "Hilfe!", schrie Rotpfote. "SternenClan! Hilfe!" Mausezahn war die erste, die reagierte, sie sprang vor und grub ihre Zähne in Rotpfotes Nackenfell. Doch alleine schaffte sie es nicht, die schwere Schülerin nach oben zu ziehen. Sie drohte selbst das Gleichgewicht zu verlieren. Ohne lange nachzudenken, war Tigerkralle wieder auf dem Stamm. Er rutschte so schnell es ging voran, zu Rotpfote und half Mausezahn, sie nach oben zu zerren. "Hör auf zu schreien!", knurrte er, mit Fell zwischen den Zähnen, das tut in den Ohren weh! Rotpfote hörte auf zu Schreien und wimmerte nur noch, als die beiden Krieger sie nach oben zerrten. Sie selbst bohrte ihre Krallen in den Stamm und hievte sich hinauf. Keuchend stand sie auf dem Baumstamm und schwankte. Tigerkralle grub seine Schnauze in ihr nasses Fell. "Alles ist gut. Komm vorsichtig rüber." Er leitete die zitternde Schülerin über den Stamm, zum Ende, wo Löwenpfote zu ihr gelaufen kam und seine Schnauze in ihr Fell presste. Tigerkralle bedankte sich bei Mausezahn. Die Kriegerin neigte den Kopf. "Würde ich doch für jeden tun.", miaute sie. Tigerkralle wartete, und wartete. "SternenClan, mach dass alle heil rüberkommen!", betete, er nachdem Blaulicht und Nachtblüte schwankend auf dem Stamm standen. es schafften alle. Froststern wollte so schnell wie möglich weiter, doch es war jetzt hügeliger, das Hochland neigte sich dem Ende zu und alle Katzen waren erschöpft. Gerade, als Tigerkralle Froststern empfehlen wollte eine Pause zu machen, geschahen mehrere Dinge gleichzeitig. Jemand schrie, dann war ein dumpfes Geräusch zu hören und dann noch mal ein Schrei. "Silberherz!"

    9
    Tigerkralle
    Unruhig wanderte Tigerkralle hin und her. Immer wieder schweifte sein Blick zu Silberherz, die in einer Ecke lag, von Echoflug und Blätterpfote umringt. Nicht lange war es her, dass Silberherz nach der Überquerung des Flusses plötzlich zusammengebrochen war. Zusammen mit Smaragdfeuer hatte Tigerkralle sie in dieses Zweibeinerdorf getragen, was der Platz war, der am Nächsten gelegen hatte. Dort hatten sie dann diese alte Zweibeinerbaute entdeckt. Das Dach war eingestürzt, der Boden war feucht und es roch modrig. Aber wenigstens waren die Katzen dort vor dem eisigen Wind geschützt, der draußen mal wieder über die Ebene fegte. Seitdem, tigerte der Clan unruhig in der Baute umher. Schließlich lief Tigerkralle zu Echoflug. "Wie geht es Silberherz?", fragte er leise, mit einem Blick zu der Kätzin die erschöpft in der Ecke lag. Ihre Augenlider flackerten und ihr Brustkorb hob und senkte sich hektisch. "Sieh doch selbst!", fauchte Echoflug. Erschrocken trat Tigerkralle einen Schritt zurück, beobachtete aber immer noch die beiden Heilerkatzen, bis Echoflug schließlich wütend zu ihm herumwirbelte. "Was stehst du hier unnütz in der Gegend herum und beobachtest uns?", fauchte sie. Ihre Krallen kratzten über den Steinboden. "Warum tust du nichts nützliches? Jagen, zum Beispiel! Also, worauf wartest du?" Sie machte einen Schritt auf ihn zu und er wich erschrocken zurück. "Tut mir Leid...", murmelte er und drehte sich um. Er hatte seine Schwester noch nie so wütend erlebt. Wahrscheinlich war sie nur in Sorge um Silberherz. Sie sah wirklich nicht gut aus. Tigerkralle sah sich um. Jagen hatte er vorhin schon ausprobiert. In diesem blöden Zweibeinerort fand man nichts, außer dem widerlich stinkenden Zweibeinerfutter, was die Zweibeiner in irgenwelchen Behältern aufbewahrten, die sie vor ihren Bauten stehen hatten. "Ich werde Rotpfote etwas beibringen!", dachte er schließlich und ging auf die Schülerin zu, die mit Wolfspfote und Löwenpfote in eienr Ecke saß und immer wieder zu Silberherz hinüberschielte. "Rotpfote!", Tigerkralle winkte sie mit dem Schwanz zu sich. "Ich will dir noch ein paar Kampftechniken beibringen." Rotpfote sprang auf und eilte ihrem Mentor entegegen. "Oh ja!", rief sie erfreut. "Komm!" Tigerkralle führte seine Schülerin durch die Dunkelheit aus der alten Zweibeinerbaute hinaus, vor den Eingang. Der Standplatz der beiden Katzen wurde ein wenig von einer Zweibeinerlampe erhellt, die am Rand des Donnerweges stand. "Greif mich an!", forderte Tigerkralle Rotpfote auf. Die Schülerin duckte sich, machte einen Satz nach vorne, drehte sich jedoch im Flug, damit Tigerkralle nicht mehr ausmachen konnte, wo sie ihn schlagen wollte. Er versuchte sie zu verfolgen, drehte sich ebenfalls und machte sich bereit. Schwer landetete Rotpfote auf seinem Rücken und machte sich daran, mit eingezogenen Krallen seinen Nacken zu bearbeiten. Tigerkralle knurrte, sprang in die Luft und drehte sich, damit Rotpfote in loslassen musste. Sie landetete auf dem harten Boden, direkt gegenüber von Tigerkralle, der sie jetzt angriff. Er peilte ihre rechte Schulter an, schlug jedoch, kurz vor ihr, einen Haken nach links und schlug auf sie ein. Rotpfote zog den Kopf ein, stellte sie auf die Hinterbeine, damit Tigerkralle von ihr abließ. Der drehte sich blitzschnell und griff sie von hinten an, Rotpfote sprang jedoch taktisch klug in die Luft, drehte sich und landete wieder auf seinem Rücken. Tigerkralle wollte gerade zur Gegenwehr ansetzen, als ihn ein Schrei aus dem Inneren der Zweibeinerbaute zusammenfahren ließ. Rotpfote sprang sofort von seinem Rücken und zusammen rannten sie in die Zweibeinerbaute. Der Schrei war von Wolfspfote gewesen und Tigerkralle hatte sich nicht verhört. Er hatte geschrien, sodass es jeder mitgekriegt haben musste, auch die die es nicht wollten. "Silberherz ihre Jungen kommen!"

    10
    Froststern
    Wie von der Tarantel gestochen, sprang Froststern auf. Gerade eben noch, war er nervös vor einer Maus gesessen, die nicht aus mehr, als einem Gerippe bestanden hatte. Er ließ von ihr ab und sprang zu der Ecke, in der Silberherz lag. Wolfspfote stand schon neben ihr, zusammen mit Löwenpfote. Der ganze Clan war aufgeschreckt und summte jetzt wie ein Bienenstock. Tigerkralle, der gerade draußen mit Rotpfote trainiert hatte, kam in die Baute gesaust, Blaulicht und Nachtblüte wechselten erschrockene Blicke und Smaragdfeuer gab es verzweifelt auf, zu versuchen, näher an Silberherz heranzukommen, denn Blätterpfote verbot es ihm. Nervös sah Froststern sich um. Wo war Echoflug. Gerade eben hatte er die Heilerin doch noch neben Blätterpfote gesehen und jetzt stand hier nur ihre Schülerin. "Wo ist Echoflug?" fragte Löwenpfote. Blätterpfote drehte sich zu ihm um, in ihrem Blick lag Verzweiflung und auch unübersehbar, Angst. "Sie ist gerade eben gegangen, Kräuter suchen, für Silberherz Geburt." Sie drehte sich wiederum, ihre Pfoten zitterten. "Vielleicht sollten wir sie suchen gehen.", ließ sich Blaulichts kratzige Stimme vernehmen, doch Frostsern verneinte energisch. "Nein, nicht dass wir uns noch alle in diesem Zweibeinerort verlaufen! Alle bleiben hier!" Ängstliches Gemurmel erhob sich unter seinen Clanmitgliedern, dass jedoch sofort verebbte, als sich Silberherz vor Schmerzen krümmte und aufschrie. Froststern fuhr seine Krallen aus. Silberherz Lider flackerten, sie atmete hektisch. Schnell hastete der Anführer zu seiner Maus, packte sie und lief wieder zu Silberherz zurück. "Vielleicht sollte sie etwas essen...", sagte er leise, Blätterpfote nickte dankend. "Hier, Silberherz, iss etwas, bitte! Du brauchst die Kraft für die Geburt!" Silberherz verdrehte die Augen merkwürdig und beugte sich nach Luft schnappend, vor. Sie nahm einen winzigen Bissen und schluckte ihn schwer hinunter, ohne zu kauen. Dann ließ sie sich wieder nach hinten fallen, sie schüttelte nur stumm den Kopf. "Dann iss wenigstens ein paar Blätter Borretsch!", miaute Blätterpfote verzweifelt und schob der Königin ein verdorrtes grünes Blatt vor die Pfoten. "Das hat Echoflug heute ausgegraben. Iss es!" Wieder beugte sich Silberherz vor und aß dieses Mal die Hälfte des Blattes. Froststern atmete ein wenig erleichtert auf. "Hoffentlich sind alle Jungen gesund!", dachte er immer wieder. "Wie....viele werden es?", fragte Smaragdfeuer leise. Blätterpfote drückte mir ihrer Vorderpfote ein wenig auf Silberherz angeschwollenen Bauch. "Es werden...", plötzlich unterbrach sie sich. Sie hob den Kopf und in ihren Augen lag plötzlich Erstaunen. Und Ehrfurcht. Froststerns Krallen kratzten über den Steinboden. Was tat Blätterpfote da? Sie muss sich doch um Silberherz kümmern! Er sah sich um. Der ganze Clan war Blätterpfotes Blick gefolgt. Die Schülerin schien etwas vor sich hin zu murmeln und dann senkte sie wieder den Blick. Trotz allem sah Froststern, dass jetzt statt Verzweiflung und Furcht, Selbstvertrauen und Gewissheit in ihrem Blick lagen. Viel mehr Selbstvertrauen. Als sie noch einmal die Pfote auf Silberherz Bauch drückte, zitterte sie nicht mehr. Froststern senkte ein wenig den Blick. Was hatte Blätterpfote gesehen? War ihr der SternenClan erschienen? Oder hatte sie ihn gehört? Hatte der ehemalige Heiler Eichenherz sie besucht? Oder gar Minzduft, die junge Kriegerin? War der SternenClan dann doch immer noch bei ihnen? Er zitterte ein wenig und drehte sich zu Tigerkralle um, der unmittelbar neben ihm stand. Seine bernsteinfarbenen Augen glänzten und auch er schien in Gedanken versunken. Froststern drehte sich wiederum, gerade prüfte Blätterpfote noch einmal die Anzahl der Jungen. "Fünf.", murmelte sie. Und dann sagte sie es noch einmal lauter. "Fünf. Es werden fünf Junge." Der Clan sog erschrocken die Luft ein und Froststern erstarrte. Neben ihm wiederholte Smaragdfeuer ängstlich die Worte. "Fünf Junge sind zuviel für Silberherz." Froststern konnte dem nur zustimmen. Silberherz war schon eine ältere Kriegerin. Und jetzt bekam sie fünf Junge? "Heiliger SternenClan!", brummte Nachtblüte. Ihre Stimme kam irgendwo aus dem Inneren des Katzenhaufens. Nochmal drückte Blätterpfote mit den Pfoten auf Silberherz Bauch. "Du schaffst das!", flüsterte sie. "Das erste müsste gleich da sein." Der Clan hielt die Luft an. Auch Froststern erstarrte in der Bewegung. Plötzlich schrie Silberherz auf, dann keuchte sie und plötzlich lag das erste Junge neben ihr, auf dem Moos, dass sie Tags zuvor für Silberherz gesammelt hatten. Gespannt wartete Froststern auf Blätterpfotes Kommentar. Sie leckte und rubbelte das Junge trocken und legte es Silberherz an den Bauch. Es war schwarz wie die Nacht und hob sich kaum vom Fell ihrer Mutter ab. "Es ist ein gesunde Kätzin!", flüsterte die Heilerschülerin und Froststern spürte, wie leicht er sich plötzlich fühlte. Das erste Junge war gesund! Smaragdfeuer trat vor und diese Mal ließ Blätterpfote ihn vor. Er kauerte sich neben seine Gefährtin und leckte ihr über den Kopf. "Sie ist so schön, wie du!", flüsterte er und presste sich an sie. Froststern blinzelte. Noch vier Junge. Es war noch nicht geschafft. Im selben Moment schrie Silberherz noch mal. "Es...kommt noch ein....s!" Ihre Stimme war kaum zu hören. Kraftlos und schwach. Froststern musste versuchen, seine Angst um Silberherz zu kontrollieren. Sie hätte mehr Beute bekommen müssen, vor der Geburt, warf er sich vor. "Es ist ein weißer Kater!", wurde er von Blätterpfote unterbrochen. Er sah auf und beim Anblick des winzigen Jungen, das blind nach einer Zitze suchte wurde ihm warm ums Herz. Es waren schon zwei. Nur noch drei. Blätterpfote wandte sich Smaragdfeuer zu. "Sie schafft das. Nur Geduld." Der Kater nickte und betrachtete die Jungen liebevoll. "Ich...bin so froh....", begann Silberherz, aber Blätterpfote drückte ihre Schnauze sachte zu Boden. "Nicht reden.", befahl sie, als sich Silberherz abermals verkrampfte, ein unterdrückter Schrei entfuhr ihr, als ein goldenes Junges neben ihr ins Moos plumpste. "Noch ein Kater...", murmelte Blätterpfote, nachdem sie ihn zu seinen Geschwistern gelegt hatte. Froststern musste sich bemühen, sich nicht zu sehr zu freuen. "Es kommen noch zwei.", dachte er. "Noch zwei..." Er hatte gerade zu Ende gedacht, als Silberherz sich aufbäumte und stöhnte. "Noch....ein...s.." Blätterpfote packte das schwarz - weiß gefleckte Junge mit den Zähnen und legte es auch an Silberherz Bauch. "Es war eine Kätzin....", murmelte sie und starrte auf Silberherz, die sich unter dem letzten Jungen aufbäumte und schließlich erschöpft, mit halb geschlossenen Augen liegen blieb. Froststern fühlte eine Welle der Erleichterung über ihn hereinstürzen, als die Heilerschülerin verkündete, dass das hellbraun - schwarz gestreifte Junge ein gesunder Kater war. Der Clan stöhnte auf und Wolfspfote jubelte. Jetzt drehte sich Blätterpfote um. "Jetzt geht am besten wieder.", miaute sie. Froststern sah die Erleichterung und sogar ein bisschen Stolz in ihren Augen. "Silberherz ist erschöpft und sie und ihre Jungen brauchen jetzt ihre Ruhe. Beschäftigt euch derweil anderweitig. Ihr werdet noch viel Zeit haben, die sechs zu besuchen." Der Clan zerstreute sich, nur Smaragdfeuer und Froststern blieben bei Silberherz und der Heilerschülerin. "Du hast das gut gemacht, Blätterpfote. Ich bin stolz auf dich.", sagte Froststern und neigte den Kopf vor ihr. Blätterpfote richtete sich stolz auf. "Danke.", miaute sie verlegen. "Aber ich war ja auch schon bei zwei Geburten dabei." "Trotzdem.", schaltete sich jetzt auch Smaragdfeuer ein. "Du hast dich wie eine echte Heilerkatze verhalten. Ich hatte gar nicht solche Ruhe bewahrt." Blätterpfote neigte auch dankend den Kopf in Richtung des feuerroten Kriegers und wandte sich dann wieder der Königin zu. "Silberherz, du musst den Rest Borretsch essen. Er wird deine wenige Milch anregen, die du zurzeit hast." Silberherz beugte sich vor und kaute mühsam den Borretsch, dann fiel sie wieder zurück. Nervös beobachtete Froststern die Königin und ihre Jungen. Silberherz war so schwach. "Sie schafft es doch, oder?", flüsterte er Blätterpfote zu. Die kratzte ängstlich mit ihren Krallen über den Steinboden. "Ich hoffe.", miaute sie schließlich. Plötzlich kam eine schnaufende Stimme von hinten. Die drei Katzen wirbelten herum und sahen Echoflug auf sich zukommen. In ihrem Maul baumelten ein paar Kräuter. "Heiliger SternenClan, Blätterpfote!", rief sie, nachdem sie das Büschel abgelegt hatte. "Geht es allen gut? Löwenpfote hat mir am Eingang alles berichtet!" Sie drängelte sich an Froststern vor bei und duckte sich vor Silberherz. "Ja, es geht allen gut, Echoflug. Es sind fünf Junge, alle gesund. Drei Kater und zwei Kätzinnen. Nur Silberherz ist sehr schwach und sie hat nur wenig Milch. Ich habe ihr den wenigen Borretsch gegeben, den du heute ausgegraben hast, aber sie hat es nicht geschafft ein wenig Maus zu essen. Sag mal, Echoflug hast du irgendwelche Kräuter dabei, die sie Stärken könnten?" Die Schülerin durchwühlte den Haufen. "Oh gut, hier ist noch Borretsch und Wacholderbeeren! Genau das brauchen wir!" Sie packte die Beeren und legte sie vor Silberherz hin. "Hier iss die, dann kommst du wieder zu Kräften." Silberherz kaute die Beeren und alle vier Katzen beobachteten sie dabei. "Hm, nicht schlecht...", stöhnte Silberherz schließlich. Ihre Stimme war wieder etwas klarer geworden und ihre Augen hatte sie ganz geöffnet. Erschöpft lehnte sie sich an ihren Gefährten und beobachtete die Jungen. "Sie sind alle so schön!", flüsterte sie. Zustimmend nickte Froststern. Wenn er die fünf kleinen Jungen betrachtete, die alle kräftig saugten und Silberherz mit ihren winzigen Pfoten traten, wurde ihm ganz warm ums Herz. "Wollt ihr ihnen keine Namen geben?", fragte Echoflug, die sich inzwischen wieder von ihrem Schock erholt hatte. "Wie wollen wir sie nennen?", fragte Silberherz ihren Gefährten. Der leckte ihr über die Ohren. "Meine Jungen heißen so, wie du sie nennst!", miaute er liebevoll. "Dann...heißt die schwarze Kätzin, Rabenjunges.", flüsterte Silberherz. Smaragdfeuer nickte und deutete auf den goldenen Kater. "Löwen....junges.", stöhnte Silberherz und Echoflug sah sie besorgt an. Silberherz achtete nicht auf die Heilerin und nickte zu dem weißen Kater. "Der hier wird Schneejunges heißen. Und der hellbraun - schwarz gestreifte Kater heißt Tigerjunges." Sie schnaufte hektisch und drückte sich noch fester an ihren Gefährten. Smaragdfeuer deutete auf die schwarz - weiße Kätzin und Silberherz blinzelte nachdenklich. "Moosjunges?", fragte Smaragdfeuer schließlich nach einer Weile und Silberherz nickte. Froststern trat einen Schritt weiter nach vorne. "Es sind wunderschöne Namen.", sagte er und Blätterpfote nickte zustimmend. "Ich....bin aber so...müde...", flüsterte Silberherz. "Leg dich schlafen.", miaute ihr Gefährte sanft und Echoflug nickte. "Lasst sie alle am besten jetzt in Ruhe. Auch du, Blätterpfote. Wenn sie geschlafen hat, dann geht es ihr bestimmt besser. Wir sollten jetzt eh alle schlafen." Sie betrachtete die Königin und dann beugte sich Blätterpfote zu ihr. Die beiden Heilerinnen flüsterten miteinander und irgendwann kam Blätterpfote auf Froststern zu. "Froststern....", begann sie und der Anführer hob den Kopf. "Ich glaube wir müssen hier für eine Weile bleiben. Wir können nicht losgehen, ehe es Silberherz nicht besser geht oder ihre Jungen nicht die Augen geöffnet haben!" Nach einer Weile nickte Froststern. "Gut wir bleiben hier. Gebt mir aber Bescheid, sobald wir losgehen können, der Zweibeinerort ist mir nicht ganz geheuer." "Klar, Froststern." Die kleine Schülerin neigte den Kopf und lief dann zu ihrer Mentorin, die gerade die Kräuter schützend unter einem Felsvorsprung verstaute. Jetzt erst bemerkte Froststern, wie müde er eigentlich war. Der ganze Clan hatte sich schon zum Schlafen gelegt und auch er wankte jetzt zu einem Platz unter einem Dornenbusch. Er drehte sich ein paar Mal und ließ sich dann müde fallen. Mit einem letzten Blick zu Silberherz und ihren Jungen, schlief er schließlich ein.

    11
    Silberherz
    "Nein! Sieh nur, Löwenjunges hat die Augen geöffnet!" "Ist doch gar nicht wahr, du Spatzenhirn! Noch keines hat die Augen geöffnet!" "Aber gerade hatte er sie offen!" Silberherz blinzelte und erkannte verschwommen die Konturen des alten Zweibeinerbaus. Zuerst wusste sie nicht, wo sie war oder was passiert war, doch als sie kleine Pfoten spürte, die sie an ihren Bauch traten und sie das Atmen von anderen Katzen hörte, wusste sie wieder, dass sie vor ganz genau einem Tag, fünf Junge zur Welt gebracht hatte. Sie riss die Augen ganz auf, was jedoch unangenehm war, da ihr ein eisiger Wind direkt ins Gesicht blies. Sie kniff die Augen wieder ein wenig zusammen und sah, wer sie geweckt hatte. Löwenpfote und Rotpfote saßen vor ihr und stritten darüber, ob Löwenjunges gerade die Augen geöffnet hatte oder nicht. Erst, als Silberherz amüsiert schnurrte, zuckte Rotpfote zusammen und wandte sich zu Silberherz. "Oh, tut mir Leid, wir wollten dich nicht wecken...." Sie klang unsicher. "Ist nicht so schlimm.", gähnte Silberherz und legte wieder den Kopf auf die Pfoten. In Wirklichkeit hätte sie aber gerne noch ein wenig geschlafen. Hier draußen in der Kälte auf einem harten Steinboden zu liegen, wo einem der Wind das Fell zerzauste und einzelne Regentropfen ins Gesicht blies, war sehr unangenehm. Sie senkte den Kopf und betrachtete ihre Jungen. Tigerjunges war ebenfalls schon wach und suchte nach etwas zu trinken. Seine winzigen Pfoten traten Silberherz und sie beugte den Kopf nach vorne und leckte ihm über den Kopf. Tigerjunges ließ ein Fiepen verlauten und grub sich dicht in das Fell seiner Mutter. Silberherz schnurrte und betrachtete die anderen Jungen. Schneejunges konnte man nicht sehen, er hatte sich soweit in ihr Bauchfell eingegraben, dass man gerade noch eine weiße Schwanzspitze erkennen konnte. Moosjunges, Löwenjunges und Rabenjunges lagen eng zusammengekuschelt zwischen Silberherz Pfoten und schliefen tief und fest. "Sie sind wunderschön." Silberherz hob den Kopf und erkannte ihren Anführer. "Es sind übrigens tolle Namen, die du dir für sie hast einfallen lassen.", murmelte Froststern. "Danke.", schnurrte Silberherz. "Silberherz,...", begann Froststern nach einer Weile zögerlich. "Du hast doch gesagt, ich soll einen anderen Zweiten Anführer ernennen, nicht wahr?" Die Königin nickte verwirrt. "Ja....?" "Ich glaube meine Wahl ist getroffen." Froststern deutete mit der Schnauze auf eine Katze, die neben Rotpfote lag und vor sich hindöste. Silberherz schielte an ihm vorbei, wobei sie sich ein wenig verrenken musste, was wiederum einen hochtönigen Protest bei Tigerjunges und Schneejunges hervorrief. Als sie erkannte, wer es war, schnurrte sie. "Ja, das habe ich mir gedacht, ich hatte gehofft, du würdest ihn nehmen." "Er wird es sicherlich gut machen." "Ja..."stimmte Silberherz ihm nachdenklich zu. "Wann wirst du ihn ernennen?" "Heute bei Mondaufgang." Wieder nickte Silberherz, dann sagte sie ganz plötzlich: "Du, Froststern, es tut mir Leid, dass ich euch so lange aufhalten muss, aber bevor meine Jungen nicht laufen können, wird es schwer, weiterzuziehen. Ich würde euch nur hindern." "Was?" Froststern sah sie verwirrt an. "Du bist doch kein Hindernis. Ich verstehe das schon und eine Pause für unseren Clan schadet auch nicht, das merke ich. Löwenpfote und Rotpfote haben wieder mehr Zeit und können mit ihren Mentoren trainieren und Nachtblüte und Blaulicht können sich mal vom langen Marsch erholen. Und unsere Heilerinnen haben Zeit, mal nach Kräutern Ausschau zu halten. Also ist es eigentlich gar nicht so schlecht, mal für längere Zeit hierzubleiben." "Du hast Recht.", stimmte ihm Silberherz zu. "Ich werde Echoflug mal fragen, wie lange es wohl noch dauert, bis meine Jungen die Augen geöffnet haben."

    "Wie lange es noch dauert, bis deine Jungen die Augen geöffnet haben und anfangen zu laufen?" Echoflug sah Silberherz erstaunt an. Es war ein paar Stunden später und Froststern hatte entschieden, den ganzen Clan mit auf die Jagd zu nehmen. Zurückgeblieben waren nur die beiden Heilerinnen, Blaulicht, Nachtblüte, Löwenpfote und Mausezahn. Und jetzt hatte Silberherz Echoflug zu sich gerufen und die beiden Kätzinnen betrachteten amüsiert die fünf Jungen, die übereinander, untereinander oder nebeneinander lagen und versuchten zu schlafen. Gerade rangelte sich Schneejunges, als unteres aus dem Haufen und kuschelte sich blind wieder an Silberherz. Die anderen vier Jungen purzelten übereinander und blieben alle woanders liegen. Silberherz sammelte sie mit ihrem Schwanz wieder ein und zog sie zu sich hin. "Das müsste eigentlich jetzt bald passieren.", miaute Echoflug und sah die Jungen nachdenklich an. "Aber nur keine Hast, das kommt schon noch früh genug." Mit diesen Worten, ging Echoflug davon und Silberherz blieb wieder zurück. Sie betrachtete die Jungen. Tigerjunges war ohne Zweifel der Kräftigste von allen. Er war jetzt schon wieder auf den Beinen und quiekte erwartungsvoll. "He, Tigerjunges, Kleiner, überanstreng dich nicht." Silberherz leckte ihm die Flanken und in diesem Moment blinzelte Tigerjunges, bis er ganz die Augen aufgerissen hatte. Für einen Moment schaute er mit großen Augen und aufgerissenem Maul erstaunt auf Silberherz hoch, dann quiekte er noch einmal. "Silberherz!" Mit Schwung rannte der kleine Kater auf sie zu und raste ungebremst in ihren Bauch. Silberherz schnurrte und ihre Augen leuchteten. "Du hast deine Augen geöffnet, Kleiner!" "Und die anderen?" Tigerjunges legte den Kopf auf eine Seite und betrachtete seine Geschwister. "Die haben sie bestimmt auch bald offen!", miaute Silberherz. "Dann geh ich jetzt das Lager erkunden!" Tigerjunges wollte schon losmarschieren, doch Silberherz zog ihn zurück. "Nicht so voreilig! Bevor deine Geschwister nicht die Augen geöffnet haben, gehst du mir nicht aus meiner Nähe!" Tigerjunges schmollte und kletterte auf Silberherz Rücken. "Das kann noch Ewig dauern!" Er vergrub seine winzigen Pfoten in Silberherz Fell und begann auf ihrem Rücken herumzuhüpfen. Silberherz schnurrte. "Sind meine Augen grün?", fragte der kleine Kater schließlich nach einer Weile. Sanft holte Silberherz ihn von ihrem Rücken hinunter und miaute. "Nein, mein Kleiner, deine Augen sind blau wie das Eis." "Schön!", quiekte Tigerjunges. "Bestimmt, hat keiner so schöne Augen, wie ich!" "Doch!", kam plötzlich Protest und als Silberherz aufsah, sah sie, wie Moosjunges unbeholfen versuchte aufzustehen. "Moosjunges! Du hast die Augen geöffnet!" Vor Freude stolperte Tigerjunges von Silberherz Rücken und flog über die Pfoten seiner Mutter, bevor er dann vor Moosjunges auf dem Bauch landete. "Na das musst du noch üben!", schnurrte Silberherz und betrachtete die hellblauen Augen von Moosjunges. "He, deine sind auch blau!", miaute Tigerjunges. "Silberherz, sieh mal!" "Ich weiß." Stolz leuchtete in den Augen der Königin, als sie Löwenpfote auf sich zukommen sah. "Silberherz!", miaute der Schüler. "Haben Moosjunges und Tigerjunges also die Augen offen?" "Ja." Die Kätzin betrachtete liebevoll ihre Jungen. "Und wer ist das?", fragte Moosjunges und neigte den Kopf zur Seite. "Löwenpfote, ein Schüler." "Uiiii!", kam es plötzlich von Tigerjunges, der mit Schwung von Silberherz Rücken rutschte und gegen Löwenpfotes Vorderpfoten knallte. "Löööwee! Genau, wie mein Bruder!" Belustigt zuckten Löwenpfotes Schnurrhaare. "Bist du immer so übermütig?" "Ich denke schon!", antwortete Silberherz und zog Tigerjunges mit dem Schwanz zu sich heran. "Nicht so schnell, Kleiner. Bei so etwas entschuldigt man sich." "Tschuldige!", fiepte Tigerjunges und kletterte schon wieder auf Silberherz Rücken. Silberherz schüttelte nur den Kopf und sah zu Moosjunges, die vor Rabenjunges kauerte. "Rabenjunges!", rief die Kätzin und Rabenjunges blinzelte. "Moosjunges?", flüsterte sie. "Silberherz! Auch Rabenjunges hat die Augen geöffnet! Sie sind bernsteinig!" "Und deine sind blau. Ich dachte schon meine sind auch blauuuu...." Mit einem erschrockenen Quieken stolperte Rabenjunges auf dem Weg zu Silberherz der Länge nach über Schneejunges, der vor Schreck weit die Augen aufriss und seine Schwester anstarrte. "Huch!", maunzte Rabenjunges. "Ich habe Schneejunges dazu gebracht die Augen zu öffnen! Sieh nur, Silberherz!" Silberherz schnurrte glücklich, als sie die gelben Augen, des Katers sah. Der drehte sich jetzt verwirrt im Kreis. "Moosjunges, Rabenjunges, Tigerjunges, Silberherz, und....?" Schneejunges stockte und starrte Löwenpfote geschockt an. "Das ist Löööwenpfote, wie Löööwenjunges!", kam es von Tigerjunges, der mit einem Plumbs vor Schneejunges landete. Erschrocken machte Schneejunges einen Satz auf Silberherz zu. "Ein Schüler, genau, wie wir bald!", kam es von Moosjunges, die unbeholfen auf Silberherz Rücken kletterte. Sie rutschte immer wieder ab, bis Silberherz die Schnauze unter ihr Hinterteil schob und sie nach oben hievte. Oben verlor Moosjunges das Gleichgewicht, quiekte erschrocken und landete Hals über Kopf vor Löwenjunges, der sich ärgerlich umdrehte, aber ohne die Augen zu öffnen. "He!", beschwerte sich Moosjunges. "Warum kriegt Rabenjunges es hin, Schneejunges die Augen auf zu machen, aber ich nicht? Das ist nicht fair!" Sie gab Löwenjunges einen Stoß. "Löwenjunges! Lööwenjuuuunges!" Tatsächlich machte Löwenjunges seine grünen Augen auf, aber ziemlich wütend, sodass gleich eine halsbrecherische Verfolgungsjagd um Silberherz rum begann, in die Tigerjunges plötzlich laut fiepte: "Alle haben die Augen offen! Jetzt dürfen wir das Lager erkunden. Silberherz hat uns nämlich nicht gelassen, bevor wir nicht alle die Augen offen hatten. Also los! Alle hinter mir her!" Unbeholfen und stolpernd, hüpften die fünf Jungen nach draußen auf den großen leeren Steinboden. Löwenpfote und Silberherz sahen ihnen amüsiert nach. "Junge zu haben ist schon anstrengend!", seufzte Silberherz und ließ den Kopf auf die Pfoten fallen. "Ich glaube ich muss schlafen." "Tu das.", erwiderte Löwenpfote und entfernte sich, belustigt mit den Schnurrhaaren zuckend. Er hatte noch nicht einmal die Hälfte der Zweibeinerbaute durchquert, da war Silberherz auch schon eingeschlafen.

    12
    Tigerkralle
    Müde saß Tigerkralle da und starrte in die Nacht hinaus. Gerade eben war er zusammen mit dem ganzen Clan auf Jagd gewesen. Die einzige Ausbeute waren zwei Mäuse und ein mageres Erdhörnchen gewesen. Die Maus hatte Silberherz bekommen, die andere Maus und das Erdhörnchen Nachtblüte und Blaulicht. Tigerkralle leckte sich das Fell und schlang seinen Schwanz eng um die Pfoten. Es war eiskalt und der Boden war von einer dünnen Schneeschicht bedeckt. Tigerkralle hob den Kopf und sah durch das Loch im Dach der Zweibeinerbaute zum Himmel hinauf. Es waren keine Sterne zu sehen. Nur dicke graue Wolken, die morgen ihren Schnee herauslassen würde, wie Echoflug sagte. Der Kater blinzelte. War da nicht doch ein kleines Pünktchen oben am Himmel? Er kniff die Augen zusammen und starrte angestrengt nach oben. Doch tatsächlich, ein winziger Stern blinkte am Himmel durch einen Riss in der Wolkendecke. Auch der Mond schien immer heller. Er war gerade erst aufgegangen. "Mondaufgang.", dachte Tigerkralle. "Im alten Lager wären jetzt vielleicht neue Krieger ernannt worden. Oder Jungen zu Schülern gemacht." Trauer überfiel Tigerkralle wie eine Welle. Das alte Territorium erschien vor seinem Auge. Der dichte Laubwald, mit den lichten Blättern und den begrasten Lichtungen. Der kleine Bach, der im Sommer kühlend und erfrischend über die Steine floss. Die Wurzelhöhle, groß genug um darin mehreren Schülern Kampftechniken beizubringen. Und der Mondfelsen, weit weg, fast schon auf den Bergen im Nadelwald mit den großen Kiefern. Immer bei Halbmond reisten Echoflug und Blätterpfote zu dem Felsen um sich mit dem SternenClan die Zunge zu geben. Am nächsten Tag waren sie erschöpft aber meistens glücklich wieder zurück, mit einer neuen Botschaft vom SternenClan. Doch es gab einen Tag, an dem waren sie schneller als sonst. Der SternenClan habe gesagt es wird etwas schlimmes passieren und eine große Reise wird kommen, hatte Echoflug ihnen damals berichtet. Und dann waren die Monster gekommen, die Zweibeiner mit ihren kläffenden Hunden und haben das EisClan Territorium dem Erdboden gleichgemacht. Tigerkralle kratzte über den Steinboden, als Bilder des zerstörten Territoriums die alten verdrängten. Riesige Laubbäume, wie sie fielen und krachend auf der Erde aufschlugen. Stinkende Monster die große Furchen in ihrer Erde hinterließen und bis zur Kinderstube vordrangen. Der Bach, der ausgetrocknet und kahl im Territorium lag. Und dann hat Froststern beschlossen aufzubrechen, ein neues Territorium zu suchen, wo sie sicher waren. Und dann hat die Reise begonnen. Tigerkralle wurde jäh aus seinen Gedanken geschreckt, als ein lauter Ruf durch die Zweibeinerbaute schallte. Ein alter vertrauter Ruf. "Alle Katzen die alt genug sind, um ihre eigene Beute zu machen, fordere ich auf, sich hier vor mir zu versammeln!" Tigerkralle und viele andere Katzen blickten überrascht auf, als sie ihren Anführer rufen hörten. Froststern saß in einer Ecke und wartete geduldig, bis sich sein Clan um ihn versammelt hatte. Überrascht folgte Tigerkralle den anderen Katzen und ließ sich neben Blitzkralle nieder. Der Schwanz des schwarzen Katers schlug unruhig hin und her, während Silberherz verzweifelt versuchte ihre Jungen in Schach zu halten. "Eine Versammlung!", quiekte Rabenjunges. "Auf zu Froststern!" "Oh ja!" Tigerjunges sprang übermütig auf und stolperte über Löwenjunges der sich fauchend vor seinem Bruder aufbaute. Gleich darauf gab es eine wilde Rangelei unter den Jungen, während Silberherz sie sanft einsammelte. "Ihr bleibt schön hier. Von hier hört man gut und sieht gut." Die Jungen schmollten, blieben aber wo sie waren. Als sich das Gemurmel der Katzen gelegt hatte, sprach wieder Froststern. "Wie ihr wisst, war unsere bisherige Zweite Anführerin Silberherz." Er machte eine kleine Pause und der Clan murmelte zustimmend. "Jedoch hat sie mich kurz vor der Geburt ihrer Jungen gebeten zurück zutreten." "Was?" Blitzkralle sah Tigerkralle an. Auch Tigerkralle konnte nicht glauben, was er da hörte. "Silberherz? Zurückgetreten?" Überall hörte Tigerkralle das gleiche ungläubige Staunen. "Ja.", sagte Froststern. "Und ich habe ihren Wunsch erfüllt und werde jetzt einen neuen Zweiten Anführer ernennen." Der Clan wurde mucksmäuschenstill. Jeder wartete auf Froststerns Entscheidung. "Ich habe einen meiner besten Krieger genommen. Einen, wo ich weiß, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Einen mutigen und tapferen." Eine kleine Pause entstand in der der Clan ihrem Anführer unruhig lauschte. "Ich werde das Amt Tigerkralle weitergeben!"

    13
    Tigerkralle
    Es dauerte ein wenig bis Froststerns Worte zu Tigerkralle hindurchdrangen. Erst als alle ihn anschauten und zustimmendes und überraschtes Gemurmel von seinen Clan Kameraden kam, war sich Tigerkralle bewusst, dass Froststern gerade eben ihn zu seinem zweiten Anführer gemacht hatte. Überrascht und ein wenig verwirrt stand er auf und neigte den Kopf vor Froststern. "Danke...", begann er ein wenig stotternd. Doch je mehr er sagte, desto sicherer wurde er im Wählen seiner Worte und langsam durchbrach Stolz die Wand seiner Verwirrtheit. "Ich werde mein Bestes geben, und dir als Zweiter Anführer ehrwürdig dienen." "Das hoffe ich.", erwiderte Froststern und schnippte kurz mit dem Schwanz. "Die Versammlung ist hiermit beendet. Legt euch schlafen." Manche Katzen trollten sich zu einem Platz aber andere drängten sich um Tigerkralle und beglückwünschten ihn. "Alles Gute, Tigerkralle." "Tigerkralle der neue Zweite Anführer des EisClans!" "Tolle Wahl!" "Ich wusste, dass Froststern ihn zum Zweiten Anführer macht! Oder war es doch Silberherz´ Wunsch?" Von überall hörte Tigerkralle Glückwünsche. "Danke!", sagte er freundlich. "Ich habe damit gar nicht gerechnet, aber ich werde das Amt gut ausführen." Langsam zerstreuten sich die Katzen. Jeder suchte sich einen eigenen Platz zum Schlafen. Als langsam Ruhe einkehrte, ging Tigerkralle zu Silberherz. Die Königin lag in einer Ecke und führte eine Diskussion mit Tigerjunges, der natürlich als einziger von seinen Geschwistern immer noch wach war. "Dabei habe ich gedacht er macht Smaragdfeuer zum Zweiten Anführer!", schmollte er gerade und bearbeitete Silberherz Vorderpfote mit seinen winzigen Krallen. "Wenn ich einmal der größte Krieger des Clans bin, macht Froststern mich zum Zweiten Anführer, schließlich bin ich auch ein Tiger!" Die Brust des kleinen Jungen schwoll an und Silberherz gab ihrem Kater einen kleinen Stups. "Das weiß ich doch, Tigerjunges.", schnurrte sie. "Aber auch große Krieger brauchen ihren Schlaf, sonst werden sie nie Zweite Anführer." Darauf gähnte Tigerjunges einmal ausgiebig und kuschelte sich neben seine Schwestern Rabenjunges und Moosjunges. Tigerkralle trat näher. Als Silberherz ihn sah, leuchteten ihre Augen. "Tigerkralle! Ich wusste, dass Froststern dich zum Zweiten Anführer macht! Und es war eine gute Wahl!" Tigerkralle senkte den Kopf. "Danke Silberherz", miaute er. "Warum bist du eigentlich zurückgetreten?" Jetzt war es an Silberherz den Kopf zu senken. "Ach, ich hab mich einfach nicht mehr wohlgefühlt in dem Amt und als ich trächtig war und die ganze Verantwortung...Das war mir einfach zu viel." Sie sah wieder auf und Tigerkralle nickte zustimmend. "Klar...." Er sagte eine Weile nichts, bis er dann wieder nickte. "Okay, naja, eigentlich wollte ich das nur wissen. Schlaf gut Silberherz." "Ebenfalls.", gähnte die Königin und rollte sich zusammen. Tigerkralle verließ sie und ging zu Rotpfote und Löwenpfote die aneinandergekuschelt schliefen. Tigerkralle schmiegte sich an Löwenpfote und schloss die Augen. Schon bald war er eingeschlafen....und er träumte.

    Die Wiese war verschneit und Tigerkralles Pfotenballen waren nass. Er stapfte durch den Schnee. Ihm war klar, dass das nur ein Traum war, und deshalb hielt er Ausschau nach irgendeinem Anzeichen des SternenClans. "Minzduft!", rief er laut. "Minzduft! Bist du hier?" "Ja, ich bin hier, Tigerkralle.", kam plötzlich eine Stimme von hinten. Tigerkralle wirbelte herum und sah die vertraute silbrige Gestalt seiner Schwester. "Minzduft!", sagte er glücklich und drückte seine Schnauze in ihr Fell. Die Augen seiner Schwester leuchteten. "Tigerkralle.", miaute sie sanft. "Du bist nun Zweiter Anführer. Herzlichen Glückwunsch. Ich bin stolz auf meinen Bruder." "Danke, Minzduft.", sagte Tigerkralle. "Ich wusste, dass du da bist. Wieso besuchst du mich?" Minzduft zögerte nicht mit der Antwort. "Das hier ist ein kurzer Traum, Tigerkralle.", sagte sie. "Aber ihr müsst weiterreisen. Lange seid ihr in dem Ort nicht mehr sicher. Du musst Froststern davon überzeugen, hörst du?" Tigerkralle nickte verwirrt. "...wieso...?", fragte er, aber die Gestalt seiner Schwester verblasste schon. "Es ist nur ein kurzer Traum, Tigerkralle.", sagte sie nocheinmal. "Aber du bist nun sein Zweiter Anführer. Sag ihm, dass ihr weitermüsst. Bitte...." Minzduft verblasste. Tigerkralle stand bloß da und nickte immer noch. "Ja, Minzduft.", flüsterte er. "Ich werde es ihm sagen, warum auch immer." Dann stürzte er in ein schwarzes Loch.

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    Froststern
    Eine weitere heftige Windböe fuhr Froststern durch das dichte weiße Fell. Er zitterte und wünschte sich wieder in den Anführerbau im alten Territorium anstatt auf diesem kalten steinigen Boden des Zweibeinerbaus zu liegen. Blinzelnd öffnete er die Augen. Er konnte nicht einschätzen, ob die Sonne noch gar nicht aufgegangen war oder ob sie bloß hinter den dicken Wolken verschwunden war. Dichte Schneeflocken wehten ihm ins Gesicht und er richtete sich auf. Müde streckte er sich und leckte sich das Brustfell. Gerade überlegte er, wo er heute seinen Clan zum Jagen führen würde, als eine Gestalt vor ihn trat. Er hob den Kopf und erkannte Tigerkralle, seinen neu ernannten Zweiten Anführer. Der dunkel getigerte Kater senkte den Kopf. "Froststern?", fragte er. "Können wir reden?" "Äh, klar." Der Anführer nickte und machte Tigerkralle im Windschatten Platz. Der Kater setzte sich und fuhr die Krallen ein und aus. "Wegen was ist er bloß so nervös?", dachte Froststern und bedachte ihn mit einem neugierigen Blick. "Es ist so...", setzte Tigerkralle an und holte Luft. "Wir müssen den Zweibeinerort sofort verlassen. Sofort. Wir müssen weiterziehen!" Froststern, der sich gerade mit einer Pfote hinter dem Ohr kratzen wollte, hielt in der Bewegung inne. Langsam ließ er seine Vorderpfote sinken und starrte den Zweiten Anführer an, der energisch nickte. "Was genau, willst du damit sagen, Tigerkralle?", fragte Froststern langsam. "Wir sind hier doch sicher und eine Pause schadet dem Clan nicht." "Ich weiß, ich weiß!", sagte Tigerkralle. "Aber Silberherz geht es gut und ihren Jungen auch....man muss sie vielleicht tragen, aber es wird nicht mehr lange dauern und sie können selbst laufen. Glaub mir, Froststern, bald sind wir hier nicht mehr sicher. Es gibt keine Beute, und wir müssen meilenweit laufen, um vielleicht ein Erdhörnchen zu erwischen. Und außerdem können jeden Moment welche von uns krank werden. Und Echoflug und Blätterpfote finden keine Kräuter hier in der Gegend! Froststern, bitte, glaub mir!" Inzwischen flehte Tigerkralle fast. Froststern sah zu Boden. Insgeheim gab er Tigerkralle Recht, aber er verstand nicht, warum sie hier nicht mehr sicher sein sollten. Klar, Zweibeiner, aber die hatten ihn auch noch nie was getan. Er hob wieder den Kopf. "Und woher willst du das so genau wissen?" Jetzt senkte Tigerkralle den Blick. Die Antwort war leise, aber Froststern verstand sie trotzdem. "Von Minzduft." Froststern blinzelte. Er sah auf den Boden, hob den Kopf und senkte ihn wieder. Schließlich richtete er sich ganz auf und sah seinem Zweiten Anführer tief in die Augen. "Wir brechen bei Sonnenhoch auf!"

    15
    Silberherz
    Den Kopf gesenkt setzte die silberne Kätzin müde eine Pfote vor die andere. Eisiger Wind peitschte ihr Schnee ins Gesicht, dessen Flocken schmolzen und in kleinen Rinnsalen in ihre Augen liefen. Vor Kälte waren ihre Pfoten taub und sie spürte die Krallen kaum, die Moosjunges in ihren Rücken bohrte. Erschöpft hob Silberherz den Kopf, doch sofort hatte sie Eissplitte in den Augen und schnell senkte sie ihn wieder. Der Clan kam nur langsam voran. Noch vor Sonnenhoch hatte Froststern sofortiges Aufbrechen verlangt, und sich auch nicht von den düsteren Schneewolken die am Horizont aufgezogen waren, davon abbringen lassen. Niemand wusste so recht warum er so energisch und so schnell es ging den Zweibeinerort verlassen wollte, aber eines war klar: Man sah Tigerkralle und den beiden Heilerinnen trotz der Erschöpfung und Müdigkeit an, dass sie darüber erleichtert waren. Ganz im Gegensatz zu Silberherz. Ihre Jungen waren erstens zu schwach um einen so weiten Weg zurück zu legen und zweitens versanken sie mit ihren kurzen Beinen im tiefen Schnee. Deshalb war Silberherz ihren Clankameraden sehr dankbar die sich freiwillig meldeten eines ihrer Jungen zu tragen. Vor ihr liefen Smaragdfeuer und Blitzkralle, jeweils Schneejunges und Rabenjunges auf dem Rücken. Hinter ihr hörte sie Tränenfrosts und Salbeiherz´ Schnaufen, die Tigerjunges und Löwenjunges auf dem Rücken trugen. Schon lange hatten die beiden Freundinnen es aufgegeben zu quatschen. Silberherz wusste wie anstrengend es für ihre Clankameraden war, ihre Jungen zu tragen, da sie mit ihren inzwischen anderthalb Monden nicht mehr die leichtesten waren. "Wann sind wir in unserem Territorium?", hörte sie Schneejunges von Blitzkralles Rücken jammern. Der Kater drehte sich um und warf Silberherz einen vielsagenden Blick zu. Sie hob müde die Schultern. Sie wusste welche Frage Blitzkralle ihr hatte stellen wollen. "Wann sagst du es ihnen?" Sie wusste es selbst nicht. "Auf jeden Fall noch bevor sie Schüler sind!", hatte sie neulich die gleiche Frage, dieses Mal von Jaguarzahn gestellt, beantwortet. "Das ist klar!", hatte der Kater erwidert. Mit spätestens vier Monden werden sie eh realisieren, dass sie kein Zuhause haben." Stumm hatte die Königin genickt. "Bald.", versprach sie sich gerade. "Bald erzähle ich es ihnen. Ich muss ihnen gestehen, dass sie kein Territorium haben. Das sie auf der Suche nach ein neues sind. Weil das alte von Zweibeinern zerstört worden war. Ich werde ihnen sagen müssen, dass sie nie ihr altes Territorium kennenlernen werden und nie dort jagen werden." Sie seufzte leise und warf einen Blick auf Flammenblüte, die Königin die ihr eigenes Junges, Glutjunges, auf dem Rücken trug. Sie lief neben ihr und versank immer tiefer im Schnee. Glutjunges war inzwischen fünf Monde alt und war noch im alte Territorium geboren worden. Aber nicht in einer Kinderstube. Sondern in einem Notlager, so könnte man es nennen, unter einer Eiche während einem Gewitter. Fast war Glutjunges schon Schüler und er war erheblich schwerer. Gerade als sie sich fragte, wann sie doch rast machen könnten, schallte ein Ruf von Tigerkralle nach hinten. Der Clan machte Halt und Silberherz hob ihren schweren Kopf. "Rast!", stöhnte neben ihr Flammenblüte. "SternenClan gib uns Rast!" "Soll ich einmal Glutjunges tragen?", erbot sich Jaguarzahn, der plötzlich neben den Königinnen erschienen war. Flammenblüte nickte und Glutjunges kletterte von dem Rücken seiner Mutter auf den breiten von Jaguarzahn. Silberherz drückte sich an ihre Freundin und spürte wie sie zitterte. Gemurmel hob sich unter den Katzen und bald tönte es auch nach hinten zu den Königinnen und Ältesten. "Löwenpfote hat zwei alte Dachsbäue entdeckt.", verkündete Smaragdfeuer und sah Silberherz besorgt an. "Danke SternenClan!", murmelte Silberherz und sah mit geschlossenen Augen zum Himmel. Und es war, wie als würde sie zwei warme Körper neben sich spüren, die flüsterten: "Wir sind immer bei dir, Silberherz. Halte durch, du schaffst das!"

    Der Dachsbau war eng aber es war dadurch wärmer. Eingekuschelt zwischen Smaragdfeuer und Salbeiherz fühlte sich Silberherz sicher. Sie spürte den gleichmäßigen Atem ihrer Jungen und lauschte dem heulenden Wind, der draußen über die Hochebene pfiff. Bald fielen ihr die Augen zu.

    Warmes Licht schien durch das helle Blätterdach des lichten Laubwaldes und Silberherz saß vor dem Schülerbau und verfolgte einen Schmetterling. Sie sah sich um. Die Kinderstube, der Anführerbau, der Kriegerbau, der Heilerbau und der Frischbeutehaufen. Sie war im alten Territorium! Jemand kam aus dem Schülerbau und machte maunzend einen Buckel. Staunend sah Silberherz den dunklen Kater an, der jetzt soviel älter war. Das war Blitzkralle, aber als Schüler! "Das ist ein Traum!", dachte sie! "Ein schöner Traum!" Sie sah an sich hinunter. Flauschiges silbernes Fell und ein buschiger Schwanz. Sie war auch Schülerin. Blitzkralle kam auf sie zu und riss das Maul zu einem gewaltigen Gähnen auf. "Morgen Silberpfote, hast du Salbeipfote gesehen?" Silberherz´ Herz machte einen Satz. Sie erinnerte sich an den Tag! Und plötzlich wollte sie nicht mehr Schülerin sein! Der Tag war ihr in schrecklicher Erinnerung geblieben! Sie wollte hier raus! "Minzduft! Elementherz!", rief sie mit einer quietschigen Schülerstimme. Pötzlich spürte sie zwei Körper neben sich. "Minzduft? Elementherz?" Tatsächlich. "Wir sind bei dir, Silberherz.", flüsterten sie und schmiegten sich an sie. Und plötzlich war sie wieder Silberherz. Die Silberherz. Die Königin und Kriegerin. Sie stand mit Minzduft und Elementherz am Rande des Lagers und betrachtete sich als Schülerin, wie sie mit Blitzkralle sprach. Traurigkeit schnürte ihr die Kehle zu und sie drehte sich zu den beiden SternenClan Katzen um. "Warum zeigt ihr mir das?", flüsterte sie. "Das ist doch der Tag...der Tag...." Sie holte mühsam Luft. "Der Tag, an dem Farnkralle gestorben ist, oder?" Minzduft nickte einfühlsam und drückte sich an sie. "Wir sind bei dir, Silberherz!", flüsterte Elementherz. Farnkralle. Ihr Mentor. Sie war so sehr an ihm gehangen und dann an diesem Tag, an diesem Morgen, wo sie sich gerade völlig ahnungslos und fröhlich mit Blitzkralle unterhielt, da hatte sie ihn gefunden. Am Rande des Donnerwegs. Mit verdrehtem Bein und Blut. Sie schluckte. Ihre Kehle war plötzlich furchtbar trocken. "Bleib stark!", flüsterten die SternenClan Katzen und Minzduft und Elementherz verblassten. "Nein!", schrie Silberherz. "Kommt zurück!" Aber sie bekam keine Antwort. Reglos stand sie am Rande ihres Lagers und betrachtete Silberpfote, Blitzpfote und Salbeipfote, wie sie mit ihren Mentoren das Lager verließen. Ahnungslos. Sie hasste dieses Wort. Sie hasste es ahnungslos zu sein.
    Müde trottete sie davon. Warum diese Erinnerung? Warum ausgerechnet diese Erinnerung?

    Sie wachte durch aufgeregtes Gemurmel auf. Müde blinzelte sie und erkannte verschwommen Smaragdfeuer und Flammenblüte. "Was ist denn?", fragte sie und richtete sich auf. Als sie die Umrisse genauer erkannte begegnete sie Flammenblütes und Smaragdfeuers besorgten und ängstlichen Blicken. Rein aus Reflex suchte sie ihre Jungen ab. Da war Tigerjunges, Moosjunges, Rabenjunges, Löwenjunges und..... Sie stand so hektisch auf, dass ihre Jungen wütend protestierten. Sie schnappte nach Luft. "Schneejunges!", keuchte sie. "Wo ist Schneejunges?"

    16
    Silberherz
    Panisch stand Silberherz auf. Eine heftige Windböe fegte Schnee in den alten Dachsbau und die Königin musste erstmal blinzeln, bis sie wieder schauen konnte. Sie spürte einen warmen Schwanz auf der Schulter. Als sie sich umdrehte, erkannte sie Flammenblüte. "Wir finden ihn schon!", sagte sie und nickte aufmunternd. Doch Silberherz kniff panisch die Augen zusammen. "Aber wo könnte er sein? Er kann doch nicht einfach so mitten in der Nacht im Schnee verschwinden! Er wäre tot!" Ihre Stimme klang schrill. "Vielleicht ist er in den anderen Dachsbau zu Froststern und Tränenfrost und Blitzkralle...und allen anderen, die da drüben übernachtet haben.", sagte Smaragdfeuer, doch Silberherz hörte ihn kaum. Sie stolperte ins Freie und wurde von der Wucht des Windes fast von den Pfoten geblasen. Schwankend versuchte sie den anderen Dachsbau auszumachen, doch sie konnte kaum eine Mauselänge weit sehen, so dicht war der Nebel und das Schneegestöber. Plötzlich spürte sie einen warmen Körper neben sich und zuerst dachte sie es sei Smaragdfeuer oder Flammenblüte, aber als sie sich umdrehte erkannte sie die glitzernde Gestalt von Minzduft. Ihre Pfoten berührten den Boden nicht und ihre Schnurrhaare zuckten, wie als würde sie sich über etwas lustig machen. "Minzduft!", keuchte Silberherz. "Was...wo ist Schneejunges?" Minzduft blinzelte sie nur einmal aus ihren blauen Augen an, aber sie sagte nichts. "Wo ist er?" Silberherz stolperte weiter durch den Nebel, ohne zu ahnen, wo sie überhaupt hinmusste. Wieder antwortete Minzduft nichts, doch dann glaubte sie durch den Nebel Stimmen wahrzunehmen. Minzduft hatte sie zum anderen Dachsbau geführt. Sie rannte schneller und blieb keuchend vor dem Eingang stehen. Sie erkannte etwas verschwommen die Gestalten von Tränenfrost, Rotpfote und Blitzkralle. "Aufwachen!", schrie sie, doch der Wind trug ihre Stimme fort. "Aufwachen!", schrie sie noch einmal und diesesmal hob Rotpfote ihren Kopf. "Schneejunges! Ist er da?" "Wie, was?" Blitzkralle setzte sich müde auf und blinzelte sie an. Hektisch schaute Silberherz sich um, doch Minzduft war fort. "Blitzkralle! Tigerkralle! Froststern! Wo ist Schneejunges? Er ist nicht bei mir!" Blitzkralle richtete sich ganz auf und sah sich um. "Ich hätte nicht gemerkt, dass er hier rein ist...", sagte er. Silberherz zwängte sich in den Eingang und schnupperte nach allen Seiten. Kein Geruch von Schneejunges. "Er kann doch nicht weg sein!", heulte sie und taumelte wieder hinaus. Blitzkralle und Froststern folgten ihr. "Wir finden ihn!, sagte Blitzkralle. Die gleichen Worte wie Flammenblüte. Schwer atmend eine Pfote vor die andere setzend, stapften die drei Katzen durch den Schnee und lauschten. Plötzlich glaubte Silberherz etwas zu hören. "Silber....Silb..erherz!" "Er ist da!", schrie sie und rannte los, aus der Richtung wo sie das Geräusch gehört hatte. Froststern und Blitzkralle folgten ihr. Suchend sah sie sich um. "Schneejunges! Schneejunges!" "Er ist hier!", rief plötzlich Froststern und Silberherz lief zu ihm hin. Eine kleine Gestalt kauerte vor ihm im Schnee. "Schneejunges!" Silberherz stürzte vor und Schneejunges kam taumelnd auf sie zu. "Eine...Ma..maus...", sagte das Junge. "Silberherz...ich hab dir eine Maus gefangen!" "Oh, Schneejunges!" Silberherz leckte ihrem Jungen den Schnee aus dem Fell. "Wie konntest du mitten in der Nacht einfach hinaus in den Schnee gehen? Du hättest tot sein können!" Schneejunges legte die Maus in den Schnee. Und dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Ein schwarzer Schatten stürzte vom Himmel und packte Schneejunges. Schneejunges stieß einen kreischenden Schrei aus und schlug wild um sich. Dann sprang Froststern und riss den Adler zu Boden. Silberherz sprang nach vorne und befreite das wimmernde Junge aus den Krallen. Schneejunges lag still im Schnee, heftig atmend und sein Blut färbte den Schnee rot. Blitzkralle und Froststern kämpften vergeblich mit dem Adler. Sie hörte das Kratzen der Krallen, aber nahm es nicht so richtig war. Für sie war nur noch Schneejunges wichtig. "Bleib bei mir, Kleiner!", flüsterte sie und leckte seine Wunden. "Du bist zu jung. Komm steh, auf du schaffst das." Sie schob ihre Schnauze unter Schneejunges und hievte ihn hoch, doch der Kleine sackte wieder zusammen. "Ich kann nicht...", wimmerte er und sein Atem kam stoßweise. "Minzduft hat es...mir gesagt...Silbe..rherz...die..m..a.us war f..ür di...iiich...." Er tat einen letzten Atemzug und dann blieb er still liegen. "Nein!" Silberherz stieß einen Klagelaut aus und hörte nicht auf, Schneejunges Fell zu lecken. "SternenClan, wieso hast du das getan! Womit habe ich das verdient?" Sie wandte den Kopf, plötzlich unendlich müde. Wankend kam Blitzkralle angetaumelt. Aus seinen Wunden strömte Blut. "Silberherz.."keuchte er. "Es tut mir Leid..aber Froststern..er hat ..ein Leben...verloren.." "Nein!" Voller Schock und Trauer starrte Silberherz durch den Nebel. "Ist er...tot?" "Nein." Blitzkralles Stimme klang heiser. "Aber komm, wir müssen die beiden zum Dachsbau bringen." Er wollte Silberherz beim Aufstehen helfen, aber sie fühlte sich plötzlich unendlich schwach. Ihr Fell und ihre Trauer zog sie nach unten. "Ich kann nicht...", flüsterte sie, wie eben Schneejunges. "Aber du musst." Blitzkralles Stimme kam wie aus weiter Ferne. "Nein..." Silberherz ließ sich auf den kalten Schnee sinken. "Nein...Schneejunges..." Sie blinzelte und dann wurde alles schwarz. Zurück blieben nur Schneejunges Leichnam, der bewusstlose Froststern und Blitzkralle, der geschockt auf seine drei Clangefährten sah.

    17
    Froststern
    Froststern blinzelte und öffnete die Augen. Er hörte das leise Plätschern eines Baches und Bienen summen. "Blattfrische?", dachte er verwirrt und setzte sich auf. "Wo bin ich?" Er blinzelte noch einmal und dann erkannte er zwei Katzen. "Minzduft! Elementherz!", sagte er erleichtert! "Ich bin im SternenClan! Aber...", er stutzte. Neben den beiden vertrauten Katzen erkannte er eine kleine Gestalt, die jetzt auf ihn zukam. "Schneejunges!", keuchte Froststern erschrocken. "Ich dachte...ich hab dich gerettet! Ich...nein, du darfst nicht tot sein! Du warst doch noch zu jung!" Verzweifelt sah er auf das kleine Junge hinab. Schneejunges reckte jetzt seinen Kopf hoch, und berührte mit seiner Schnauze Froststerns Fell. "Du wolltest mein Leben retten, Froststern, und hast dafür dein eigenes geopfert. Ich bin stolz auf dich." "Aber du bist tot!" "Ich musste sterben. Minzduft wusste es auch. Es war an der Zeit." Froststern blickte traurig auf das Junge. "Aber die ganze Reise...und das neue Territorium..das hättest du doch alles noch sehen sollen! Und wie verkraftet das Silberherz?" "Sie wird es schaffen. Sie war immer eine gute Mutter und für meine Geschwister wird sie immer eine gute bleiben. Sag ihnen von mir Lebwohl, Froststern. Du bist ein guter Anführer, aber ich wandle jetzt mit dem SternenClan." Schneejunges drehte sich um und rannte davon. "Schneejunges...", flüsterte Froststern. "Froststern.", hörte er Minzdufts sanfte Stimme. "Du hast ein Leben verloren. Du hast jetzt nur noch eines. Du musst gut darauf achtgeben, wenn du deinen Clan noch sicher zum Ziel leiten willst, ja?" Er spürte ihren warmen Körper und nickte stumm. "Du hast noch die Kraft, Froststern.", hörte er Elementherz sagen. "Also nutze sie. Und pass auf dich auf." "Und jetzt kehr wieder zu deinem Clan zurück.", sagte Minzduft. "Er braucht dich." Froststern nickte nur und dann schloss er die Augen.

    Er spürte den kalten Schnee und die eisige Nässe, die sein Fell aufsog. Der SternenClan war verschwunden. Er war wieder draußen im kalten Schnee. Jemand beugte sich über ihn. "Froststern? Froststern? Bist du wach?" Blitzkralle. Mühsam hob er dne Kopf. "Ja, ich bin wach"., stöhnte er und versuchte aufzustehen. Aber sobald er sich auch nur ein wenig aufrichtete, schoss ein Schmerz durch alle seine Glieder. "Geh in den Bau, komm." Blitzkralle half seinem Anführer und gemeinsam stolperten sie zum Bau, vor dem sich bereits der ganze Clan gesammelt hatte. Sie alle hatten mitgekriegt, was passiert war. Vor Smaragdfeuer blieb Froststern stehen. "Es...tut mir Leid.", sagt er abgehackt. "Schneejunges...er...ach Smaragdfeuer, es tut mir so leid." Geschocktes Gemurmel breitete sich unter dem Clan aus. Smaragdfeuer presste sich an seine übrigen Jungen. "Er ist gut im SternenClan aufgehoben.", sagte er schroff. Im selben Moment kam eine weitere Katze angetaumelt. Es war Silberherz. Im Maul trug sie eine kleine schlaffe Gestalt. "Nein!", hörte Froststern Flammenblüte heulen. Smaragdfeuer sprang auf und drückte sich an seine Gefährtin. Sie zitterte. "Alles ist gut.", flüsterte er beruhigend und schlang seinen Schwanz um ihren. Sanft legte Silberherz das Junge ab. "Womit habe ich das verdient? Wieso hat der SternenClan mir das angetan?" Ein ängstliches Fiepen ertönte und Rabenjunges lief zu Schneejunges. "Schläft er?", fragte sie mit schief gelegtem Kopf und stupste ihren Bruder an. "Schneejunges! Schneejunges! Wach auf! Wir müssen doch weiter!" Leise schnurrend, schob Silberherz ihre Tochter zurück. "Nein, Kleines, er schläft nicht." "Was?", sagte Rabenjunges und dann fuhr sie ihre winzigen Krallen aus. "Aber er muss mit uns gehen! Mit uns, das hat er uns versprochen!" "Genau!", schaltete sich Tigerjunges ein. "Er wird immer mit euch gehen, meine Kleinen.", sagte Silberherz und ließ sich am Eingang nieder. "Nur nicht auf die Weise, wie sonst." "Lasst mich durch!", sagte da eine Stimme und Froststern erkannte Echoflug und dahinter Blätterpfote, die sich den Weg durch die Katzen bahnten. Vor Schneejunges blieb Echoflug stehen. "Wir werden ein wenig Totenwache halten und ihn hier begraben.", sagte sie leise und Blätterpfote trat neben sie. Dann wandte sich Echoflug zu Blitzkralle und Froststern. Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. "Froststern!", keuchte sie. "Deine Wunden!" Wie aufs Stichwort wurde Froststern schwummrig und er brach zusammen. Blitzkralle war weniger verletzt und blieb deshalb schwankend stehen. "Blätterpfote!", rief Echoflug panisch. "Such Spinnweben, such Kräuter, irgendwas wird sich wohl finden lassen!" Erschrocken rannte die Heilerschülerin los und kam wenige Minuten später mit einer Pfote voll Spinnweben, und ein wenig vor Frost erstarrten grünen Blättern zurück. "Ich hab nur Kerbel und ein wenig Ginster gefunden.", nuschelte sie und legte es ab. "Kerbel könnten wir für Blitzkralles Kratzer benutzen, aber für Froststerns Wunden reicht das nicht aus!" Der Clan blieb starr sitzen und beobachtete die vier Katzen. "Kümmert euch zuerst um Blitzkralle...", hörte Froststern sich sagen. "Er darf nicht sterben." "Nein!", jaulte Echoflug energisch. "Blätterpfote, nimm die Spinnweben und den Kerbel und verarzte Blitzkralle. Ich werde mich um Froststern kümmern." Froststern spürte plötzlich einen warmen Körper neben sich und eine Zunge, die sein Fell leckte. Es war Silberherz. "Danke.", flüsterte sie leise. "Du hast dein Leben für Schneejunges gegeben. Danke, Froststern." Froststern wollte etwas sagen, aber aus seinem Maul kam nur ein Röcheln. Er hatte das Gefühl, es würde ewig dauern, bis Echoflug sich um ihn gekümmert hatte, aber bald hörte er ihre Stimme. "Froststern, ich hab soviel getan, wie ich konnte. Überanstrenge dich nicht, deine Wunden sind nicht geheilt." Froststern hob den Kopf und musste ein paarmal blinzeln um etwas zu erkennen. "Alle Katzen die hier versammelt sind...", begann er schroff und mit krächzender Stimme. "Alle Katzen des EisClans. Wir haben heute einen jungen Kater verloren, der noch zu jung war um zu sterben. Wir werden alle um ihn trauern und diese Nacht Totenwache für Schneejunges halten." Der Clan murmelte zustimmend und Froststern erhob sich mühsam und schleppte sich zu Schneejunges. Echoflug und Blätterpfote hatten ihn ein wenig mit Ginster eingerieben und nun glänzte das weiße Fell des Jungen in der Dunkelheit. "Wir hatten die eigentlichen Kräuter für die Totenwache nicht da.", hörte er Echoflug leise murmeln. "Ich hoffe Ginster geht auch." "Ja, klar.", hörte Froststern sich wieder murmeln und dann kauerte er sich vor den Leichnam des Jungen. Neben ihm lag sein Zweiter Anführer. Tigerkralle hatte die Schnauze im Fell des Jungen vergraben und seine bernsteinfarbenen Augen leuchteten traurig in der Dunkelheit. "Wir müssen besser aufpassen.", murmelte er, während Froststern seine Schnauze in Schneejunges weißem Fell vergrub. "Noch mehr Katzen zu verlieren, das dürfen wir nicht. Sonst zerfällt unser Clan, bevor wir am Ziel sind." "Wie Recht du hast.", wollte Froststern sagen, aber er brachte es nicht fertig. Deswegen dachte er nur weiter. "Aber wo ist unser Ziel, Tigerkralle? Wo ist es? Wie können wir ein Ziel haben, wenn wir selbst nicht wissen, wo es ist?"

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    Tigerkralle
    Seufzend öffnete Tigerkralle die Augen. Ihm war kalt und seine Beine waren ganz steif vom langen Liegen. Traurig schaute er auf Schneejunges herab. Sein Fell war glatt und roch ein wenig nach Ginster. Merkwürdig vertraut. Er sah sich im Dachsbau um. Viele Katzen waren schon wieder verschwunden. Das hieß, er hatte ganz schön lange Totenwache gehalten. Froststern lag in einer Ecke, alle viere von sich gestreckt, Echoflug neben ihm. Panik packte Tigerkralle, als er zu seiner Schwester lief. "Er ist doch nicht....", begann er geschockt, doch Echoflug schüttelte den Kopf. "Nein ist er nicht...aber die Chancen stehen schlecht... Ich habe ein paar Mohnsamen gefunden und jetzt schläft er, aber weiter konnten wir ihm nicht helfen. Wir können nicht sagen was passieren wird..." Sie blickte in traurig an. "Sein Schicksal liegt in den Pfoten des SternenClans." "Nein!", jaulte Tigerkralle in den Himmel hinaus. "Minzduft, lass ihn nicht sterben!" Keine Antwort. "Wir haben doch schon Schneejunges verloren...", murmelte er furchtbar traurig. Echoflug nickte. "Ich weiß. Die Blattleere ist härter als sonst und die Reise war zu lang für das kleine Junge von Silberherz." Tigerkralle blinzelte und reckte sich, um sein Schulterfell glatt zu lecken. Dann wandte er sich ab und ging vor den Dachsbau. Zu seinem Erstaunen saßen schon Nachtblüte und Blitzkralle davor. Dicke Schneeflocken legten sich auf ihr dichtes Fell, sodass es ganz weiß wurde. Tigerkralle setzte sich daneben und schwieg. Dunkel konnte man am Horizont die Berge erkennen. Es war, wie als würden sie immer näher kommen. "Bald werden wir bei den Bergen sein.", murmelte er leise. "Es wird gefährlich sein, sie zu überqueren, aber uns bleibt nichts anderes übrig..." Blitzkralle nicht und schüttelte sich kurz. "Die Berge sind gefährlich.", sagte Nachtblüte mit ihren etwas tiefen Stimme. "Ich war einmal dort oben, als Schülerin. Ich durfte die Heiler begleiten, weil sie ein Kraut suchten, was nur in den Bergen wuchs. Damals war eine Krankheit in unserem Clan ausgebrochen und nur mit diesem Kraut konnte man sie behandeln. Ich war eine der wenigen, die noch nicht krank war und deswegen durfte ich mitkommen. Wir kamen allerdings aus einer anderen Richtung und brauchten nicht so lange. Damals war es jedoch Blattgrüne und in den Bergen war es furchtbar heiß. Haselfell ist an einer Kante zu Tode gestürzt." Nachtblütes Augen verdunkelten sich und Tigerkralle hörte Blitzkralles leises Atmen. "Wir waren dann nur noch zu zweit. Buchenfall und ich. Wir hatten die Kräuter gefunden, aber ohne Haselfell sind wir zurückgekehrt. Wir waren damals ter sicheren Überzeugung, dass der SternenClan sie zu Tode hat stürzen lassen, aber jetzt weiß, dass einfach die Berge so gefährlich sind, dass man dort zu Tode stürzt, wenn man nicht aufpasst." Sie nickte. "Wir werden noch mehr Katzen auf dieser Reise verlieren, wenn wir nicht vorsichtiger sind." Mit diesen Worten stand Nachtblüte auf und verschwand im Bau. Blitzkralle und Tigerkralle starrten schweigend in die dunkle Nacht. "Arme Nachtblüte.", knurrte Blitzkralle nach einer Weile. "Was sie schon alles durchgemacht hat." Tigerkralle stimmte stumm zu, als er in der Dunkelheit zwei Gestalten erkannte, die auf sie zukamen. Er spannte automatisch die Muskeln an. Blitzkralle hatte die beiden ebenfalls entdeckt. "Wenn es Füchse sind...", begann er, doch er wurde unterbrochen. "Wir sind keine Füchse.", sagte Löwenpfote und blieb vor den beiden Katern stehen. "Echoflug hat uns auf Kräutersuche geschickt.", schaltete sich Rotpfote ein. "Wir haben ein wenig gefunden und sogar noch ein Streifenhörnchen überrascht." Tigerkralle schnurrte. "Das habt ihr gut gemacht, Froststern wird stolz auf euch sein." Er stand auf, schüttelte sich und folgte den beiden Schülern in den Bau zu Froststern. Löwenpfote legte das Streifenhörnchen und Rotpfote die Kräuter ab. Froststern hob den Kopf, seine Augen leuchteten. "Löwenpfote, Rotpfote, das habt ihr so gut gemacht. Ich bin stolz auf euch. Es ist höchste Zeit, euch zu Kriegern zu ernennen." Die beiden Geschwister wechselten einen freudigen Blick. "Tigerkralle." Froststern wandte sich krächzend an seinen zweiten Anführer. "Ich bin zu schwach, ich kann es nicht. Bitte, tu du es. Bitte ernenne die beiden jetzt zu Kriegern. Sie sind soweit." Tigerkralle wurde nervös. Froststern war zu schwach und er sollte eine Kriegerzermonie machen? Die erste seines Lebens? "Ich mache es, Froststern.", sagte er fest. Er ging in die Mitte des Lagers und sprang auf einen kleinen Felsvorsprung. Erst ein wenig zaghaft, aber dann ziemlich sicher, rief er so laut, dass es alle hören konnten: "Alle Katzen, die alt genug sind, um ihre eigene Beute zu machen, fordere ich auf, sich hier unter diesem Stein zu versammeln." Erstauntes Gemurmel erhob sich unter den Clankatzen und Tigerkralle wartete geduldig bis alle versammelt waren. "Werden wir Schüler? Werden wir Schüler?", hörte er eine quietschende Stimme und dann hörte er Silberherz. "Nein, werdet ihr nicht. Komm zu mir zurück, Tigerjunges." Tigerkralle ließ seinen Blick über die ausgehungerten Katzen schweifen. Sie wirkten so klein. Nicht wie ein Clan. "Es ist hier zwar nicht unser Lager..", begann er, "Aber Froststern ist der Meinung es sei an der Zeit zwei Schüler zu Kriegern zu ernennen. Löwenpfote, Rotpfote, tretet vor." Der Clan murmelte und aufgeregt traten die beiden vor. Tigerkralle hob seinen Kopf zum Himmel und rief mit lauter Stimme: "Ich, Zweiter Anführer des EisClans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese Schüler herabzublicken. Sie haben hart gearbeitet um eure edlen Gesetze zu erlernen und der SternenClan möge sie als Krieger des EisClans willkommen heißen!" Der Clan wurde mucksmäuschenstill, als seine Stimme durch den alten Bau hallte. Er wandte sich Löwenpfote zu. "Löwenpfote, versprichst du, das Gesetz der Krieger zu achten und deinen Clan zu schützen, selbst, wenn es dein Leben kostet?" Löwenpfote, der vor Aufregung seinen Schwanz steil nach oben gestellt hatte, hob den Kopf und sprach: "Ich verspreche es." "Dann gebe ich dir mit der Kraft des SternenClans deinen Kriegernamen. Löwenpfote, von nun an wirst du Löwenglut heißen. Der SternenClan ehrt deinen Mut und deine Geduld und wir heißen dich als vollwertigen Krieger des EisClans willkommen." Löwenglut trat ein wenig vor und leckte respektvoll Tigerkralles Schulter. Dann wandte sich der Zweite Anführer Rotpfote zu. Er sprach ehrenvoll die gleichen Worte und Rotpfotes "ich verspreche es", war laut zu hören. "Dann gebe ich dir mit der Kraft des SternenClans deinen Kriegernamen.", erwiderte Tigerkralle. "Rotpfote, von nun an wirst du Rotschweif heißen. Der SternenClan ehrt deine Tapferkeit und deine Treue und wir heißen dich als vollwertige Kriegerin des EisClans willkommen!" Er legte seine Schnauze auf Rotschweifs Kopf und sie leckte ihrerseits respektvoll seine Schulter. Dann trat sie einen Schritt zurück und die beiden frisch ernannten Krieger wurden mit ihren Namen gerufen. Laut rief Tigerkralle mit. "Löwenglut! Rotschweif!" Durch die Stille der Nacht hallten die Worte nur so und sie waren noch weite Kilometer bis zu den Bergen zu hören.

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    Silberherz
    Silberherz war kalt. Ein eisiger Wind fegte Schnee in den Bau und sie zitterte. Die Kälte kroch ihr bis unter die Knochen und sie konnte sich nicht mehr rühren. Ein bisschen Wärme spendete ihr Gefährte Smaragdfeuer, der eng an sie gepresst, neben ihr lag. Außerdem hatte sie ja noch ihre Jungen. Die vier hatten sich zusammengekuschelt und schliefen an der Flanke ihrer Mutter, im dichten Fell. Im Bau war es still. Draußen war es Nacht und alle Katzen schliefen. Nur Silberherz nicht. Sie war ganz plötzlich in der Nacht aufgewacht, und konnte seitdem nicht mehr einschlafen, obwohl ihr vor Müdigkeit immer wieder die Augen zufielen. Ihr Blick ruhte auf ihren Jungen und sie spürte einen Stich im Herzen, wie immer, wenn sie sah, dass Schneejunges nicht bei ihnen lag, und ihr schmerzlich bewusst wurde, wie sehr sie den kleinen Kater vermisste. Noch heute, nach der Totenwache, hatten sie und Silbersturm den kleinen beerdigt. Im Schnee hatten sie ihn vergraben und Silberherz bekam das Bild nicht mehr aus dem Kopf, wie sich sein weißes Fell mit dem Schnee vermischte und die Flocken seinen toten Körper immer weiter bedeckten, bis er schließlich verschwand. Danach hatte sie noch lange an seinem Grab verweilt, bis Smaragdfeuer ihr befahl in den Bau zu kommen, bevor sie erfror. Dort hatte sie dann kurz Froststern besucht. Der Anführer hatte auf der Seite gelegen, sein weißes Fell vor Erde und Dreck ganz schmutzig. Seine Augen waren blass und sein Atem ging röchelnd. Entsetzt starrte Silberherz auf ihren Anführer und wandte sich an Echoflug und Blätterpfote, die daneben standen und ihm in kleinen Happen, grüne gefrorene Blätter einflößten. "Tut doch was!", flehte sie und Echoflug wandte die Augen zu Boden, voller Trauer, Schmerz und Scham. "Er hat so viel Blut verloren, Silberherz. Und wir finden die richtigen Kräuter nicht. Alles zugeschneit. Jetzt haben wir nur Gänsefingerkraut gefunden und ein paar steife Blätter Ringelblume, die aber kaum etwas nützen. Wegen der Kälte ist der ganze Saft in den Blättern nicht mehr enthalten." Sie warf ihr einen kurzen Blick zu. "Wir tun unser Bestes.", flüsterte jetzt Blätterpfote. Ihre Stimme klang heiser und sie mied es Silberherz in die Augen zu schauen. Vor ihren Pfoten lag ein einziges grünes verblasstes Blatt Ringelblume. Silberherz brachte nicht mehr als ein Nicken zustande. Sie wollte nicht auch noch Froststern verlieren. Sie traute sich nicht die beiden Heilerkatzen zu fragen, wie viele Leben der Anführer noch hatte, ihre Gesichter sagten alles. Es waren so wenig, dass dieser Blutverlust den Kater töten könnte. Die Kätzin wandte sich ab. Sie wollte jetzt alleine sein. Mit hängendem Kopf stapfte sie in eine Ecke. Dort rauften ihre Jungen. Als sie Silberherz sahen, sprangen sie auf sie zu. "Silberherz!" Mit Gebrüll warf sich Tigerjunges auf sie und hieb mit seinen Krallen auf sie ein. "Ich bin Tigerkralle der mutigste Krieger des EisClans und du hast keine Chance gegen mich!" Silberherz musste sogar ein wenig schnurren, als sie sah, wieviel Spaß ihre Jungen hatten. Sie war froh, dass sie nicht mitkriegten, was um sie herum passierte. Obwohl sie doch mit ihren inzwischen vier Monden alt genug waren, um zu verstehen, dass es um Leben und Tod ging. "Na, dann, Tigerkralle, du mutiger Krieger. Wenn du deine Mutter nicht umbringen willst, dann gehst du jetzt von mir herunter." Tigerjunges ließ von ihr ab und sprang auf den Boden, während Silberherz sich in einer Ecke niederließ. "Erzähl uns was!", rief Moosjunges freudig. "Genau! Vom alten Territorium!" Silberherz blinzelte und betrachtete ihre Jungen. "Es war wunderschön dort.", sagte sie. "Vor allem in der Blattfrische, wenn die Vögel gezwitschert haben und die Sonnenstrahlen durch das lichte Blätterdach gefallen sind." Sie versank in Erinnerungen. "Aber auch in der Blattleere habe ich mich wohlgefühlt. Der Schnee hat die Erde bedeckt und der kleine Bach ist jedes Mal zugefroren. Wenn man auf der Jagd war, hat man Spuren hinterlassen." Sie zog Löwenjunges sanft am Schwanz zu sich heran, der an einer aus dem Boden herausragenden Wurzel zerrte. "Einmal, da war ich Kriegerin, da ist meine Schülerin Tränenpfote kopfüber in eine Schneeverwehung gefallen." Sie schnurrte bei der Erinnerung. "Die hat nachher ausgeschaut wie eine wandelnde Schneeflocke." "Du warst Tränenfrosts Mentorin?", quiekte Tigerjunges überrascht und suchte mit den Augen nach der Kätzin. Silberherz nickte. "Und das Lager?", fragte Rabenjunges aufgeregt und schaute Silberherz aus ihren bernsteinfarbenen Augen an. "Erzähl uns was von dem Lager!" "Es war von Brombeersträuchern umsäumt.", murmelte Silberherz leise. "Auf einem alten Baumstumpf in der Mitte ist Froststern immer gesprungen, wenn er eine Versammlung einberufen hat. Der Frischbeutehaufen war eine kleine Kuhle in der Erde. Der Kriegerbau stammte aus dichten in sich verhakten Zweigen und Astgabeln...." Sie schloss müde ihre Augen. "Und die Kinderstube war so gut geschützt, dass selbst der größte Dachs sie nicht hätte einrennen können...." Sie hörte ihre eigene Stimme und über all den Erinnerungen, schlief sie einfach ein - bis sie eben plötzlich in der Nacht wieder aufwachte.

    Irgendwann musste Silberherz wieder eingenickt sein, denn als sie das nächste Mal ihr Augen aufschlug, waren schon viele Katzen wach. Aber es war trotzdem unnatürlich still. Sie setzte sich auf und drückte ihre Jungen an die Wand, damit sie ruhig weiterschlafen konnte. Ein merkwürdiges Gefühl beschlich Silberherz, als sie nach vorne zu der Katzengruppe ging. Sie stieß die Luft aus. Angst machte sich in ihr breit. "Froststern...ist er...noch lebendig?" Sie traute sich das Wort tot nicht laut auszusprechen. Salbeiherz, die ihr am nächsten stand, wandte den Kopf. In ihren dunkelgrünen Augen stand soviel Furcht und Trauer, dass Silberherz ihrem Blick nicht standhalten konnte. "Nein.", flüsterte die Kätzin leise, aber ihre Stimme zitterte. "Aber Echoflug..." Sie brach ab. Silberherz wollte die Kriegerin zu nichts drängen und so schob sie sich mit pochendem Herzen durch die Katzen, bis sie vor Froststern stand. Er atmete schwer, seine Augen waren noch blasser als gestern und aus einem Riss an seinem Hinterbein sickerte Blut, was Blätterpfote vergeblich versuchte zu stoppen. Sein Fell war vefilzt und als er Silberherz sah, wollte er etwas sagen, aber es kam nichts anderes heraus, als ein Röcheln. Er sah elend aus. Zitternd stupste Silberherz die Heilerin an, die bis jetzt nur stumm dagestanden war. Sie wandte den Kopf. "Wir haben alles getan, was wir konnten." Ihre Stimme klang heiser und ihre Augen waren stumpf vor Trauer. "Aber über Nacht hat sich sein Zustand verschlechtert. Wir haben keine Kräuter mehr. Nicht einmal ein wenig geschmolzenen Schnee, wollte er haben. Alles Weitere liegt in den Pfoten des SternenClans." Panisch legte sich Silberherz auf den Boden und presste sich an Rotschweif, die vor Angst am ganzen Körper zitterte. Die junge Kriegerin hatte die Schnauze in seinem Fell vergraben und murmelte unaufhörlich Worte vor sich hin. "Lass ihn nicht sterben, SternenClan!", murmelte Silberherz. "Nein, nein, nein!" Plötzlich spürte sie einen weiteren Körper neben sich. Als sie aufblickte erkannte sie Tigerkralle, blanke Angst stand in seinen Augen und er schmiegte sich an sie. Sie konnten sich jetzt nur gegenseitig trösten. Was anderes war jetzt nicht möglich. Und so hatte sich der ganze EisClan um ihren Anführer versammelt, voller Trauer und Schmerz, und warteten ab. Irgendwann, es kam Silberherz vor wie eine Ewigkeit, hob Froststern noch einmal seinen Kopf. "Es tut....mir so leid......", begann er zu krächzen und die Katzen starrten ihren Anführer an. "Ich muss euch....ver...lassen..." Jedes Wort kostete ihn Unmengen von Anstrengung und das wusste Silberherz. Aber er nahm das auf sich, um sich noch einmal aufrichtig von seinem Clan zu verabschieden. ".....Der SternenClan...er hat gesagt...ich soll euch...zum...Zii..el führen.....aber ich kann nicht me...hr... Ich war soo... lange...Anführer des EisClans und ich....ich hätte...euch so gerne zu unserem....neuen...neuen...Zuhause geführt...aber es ist zu spä..ät...Tigerkralle...wir euch ein...gu..uter Anführer sein....und er wird...euch zum....Ziel führen....führen.....ver...sprochen..." Das letzte Wort sagte er so kraftlos, dass man ihn kaum noch verstand und dann sank seine Schnauze leblos zu Boden.

    20
    Tigerkralle
    Zuerst war Tigerkralle so geschockt, dass er unfähig war sich zu rühren, geschweige denn etwas zu sagen. Er lag bloß da und starrte auf den toten Körper von Froststern, der noch vor einer Minute gesprochen hatte. Jeder anderen Katze im Clan schien es genauso zu gehen. Erst als Echoflug die Stimme erhob, wurde der Clan unruhig. "Er ist tot.", flüsterte Echoflug, sie schien wie gelähmt. Nach ihren Worten begannen die Katzen sich zu rühren. "Froststern!", hörte Tigerkralle Silberherz flüstern. "Er darf nicht tot sein!", sagte Rotschweif, die mit aufgerissenen Augen auf ihren Anführer starrte. Tigerkralle sagte nichts. Seine Kehle war wie zugeschnürt und er hatte das Gefühl er würde keine Luft bekommen. "Nein.", dachte er. "Nein, nein, nein, nein. Nicht Froststern. Nicht hier. Nicht so." Und dann jaulte er all seinen Schmerz dem Himmel entgegen. "SternenClan! Nein! Was hast du getan!" Seine Stimme brach und er sank voller Trauer und Verzweiflung wieder auf den Boden. "Minzduft!", heulte er. "Wie hast du ihn uns nehmen können? Wie?" Er stupste seinen Anführer an, wie als könnte e dadurch wieder aufwachen. Dann stolperte er auf. Er musste hier raus. Aus dem Bau. Blind vor Trauer lief er durch die Katzen, die alle ihren Schmerz zeigten. Vor dem Bau ließ er sich in den Schnee sinken und starrte in den Himmel, der sich langsam rot färbte. Die Sonne ging auf und ein neuer Tag brach an. Wie als wäre nichts gewesen. Wieder heulte er auf. Froststern hätte sie zum Ziel führen sollen. Nicht er. Froststern. Und jetzt war er tot. Hatte sie einfach verlassen. Seinen Clan, dem er solange gedient hatte. Mit trüben Augen starrte er in die aufgehende Sonne. Plötzlich hörte er Schritte hinter sich. Er drehte sich um und sah Rotschweif auf sich zu taumeln. In ihren weit aufgerissenen goldenen Augen stand das blanke Entsetzen. "Er ist tot!", stammelte sie und stolperte neben ihn in den Schnee. Tigerkralle drückte sich an die junge Kriegerin. Sie hatte Froststern geliebt, das wusste er. Für sie musste es noch ein viel größerer Schmerz sein, ihn zu verlieren. "Es tut mir so leid.", brachte er heraus. Rotschweif sagte kein Wort. "Er hätte mich zur Kriegerin machen sollen.", flüsterte sie. "Er hat es mir versprochen." Tigerkralle lehnte sich schweigend an sie. "Er hat mir versprochen, bei mir zu bleiben, bis wir im neuen Territorium sind!" Ein Zittern lief durch ihren mageren Körper. "Und..jetzt..." Sie brach ab und versenkte ihre Pfoten im Schnee. "Ich habe ihn geliebt.", murmelte sie schwach. "Er hat mich geliebt. Es wird nie wieder dasselbe sein." Mit diesen Worten richtete sie sich auf und verschwand wieder im Dachsbau. Tigerkralle schaute ihr müde hinterher. Sie würde lange brauchen um über Froststerns Tod hinweg zu kommen. Plötzlich war er furchtbar wütend. "Da siehst du, was du angerichtet hast, Minzduft!", zischte er seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. "Du hast ihn sterben lassen!" Plötzlich spürte er einen Luftzug und erstarrte in der Bewegung. Eine silberne Kätzin tauchte vor ihm auf. Es war tatsächlich Minzduft. Sie blinzelte ihn an und Tigerkralle fuhr mit den Krallen durch die Luft. "Du bist meine Schwester!", fauchte er. "Ich habe dich verloren und jetzt Froststern. Rotschweif ist auch nicht mehr dieselbe. Siehst du was du getan hast?" Minzduft trat einen Schritt zurück und plötzlich erkannte Tigerkralle die Traurigkeit in den blauen Augen seiner Schwester. Und dann senkte er den Kopf. Minzduft trat wieder vor. "Es war nicht unsere Absicht, Tigerkralle.", murmelte sie. "Aber du bist jetzt Anführer. Du musst deinem Clan zeigen, wie stark du bist." Dann verblasste sie und Tigerkralle starrte auf einen leeren Fleck im Schnee und vermisste seine Schwester plötzlich mehr als je zuvor. Dann straffte er die Schultern und richtete sich auf. Minzduft hatte Recht. Er war jetzt Anführer. Er musste stark sein. Langsam betrat er den Bau. Es war ruhiger geworden und die meisten Katzen hatten sich zum Trauern in einsame Ecken zurückgezogen. Er kam an Salbeiherz und Tränenfrost vorbei, die sich gegenseitig stützten, aber beide mit trübem Blick ins Leere starrte. Als er vorbeikam, sahen sie beide weg. Unruhig ging Tigerkralle weiter. Als nächstes lief er an Silbersturm vorbei. Sie hatte die Augen geschlossen und sah aus wie tot. Tigerkralle mied es, sie anzusehen. Dann sah er Silberherz, Flammenblüte und Smaragdfeuer. Die beiden Königinnen hatten ihre Jungen zu sich herangezogen und trauerten schweigend. Smaragdfeuer lehnte an der Wand und betrachtete voller Trauer Froststern. Tigerkralle schluckte und ging weiter zu den beiden Heilerinnen. Sie richteten Froststerns Körper für die Totenwache. Besser gesagt nur Echoflug. Blätterpfote kauerte in einer Ecke und hatte sich zusammengerollt wie ein kleines Junges. In ihren Augen stand so viel Schmerz und Trauer, dass Tigerkralle sie kaum anblicken konnte. "Echoflug.", flüsterte er. Sie blickte auf. "Tigerkralle.", erwiderte sie leise. Und für einen kurzen Augenblick schmiegten sich die beiden Geschwister aneinander, bevor Tigerkralle sich wieder zu ihr hinunterbeugte. "Meine neun Leben....?", fragte er. Weitersprechen musste er nicht. Echoflug hielt inne und schwieg kurz. "Blätterpfote und Ich werden zusammen mit dir morgen Nacht nach Froststerns Totenwache etwas Abstand zu diesem Bau gewähren und uns in den Wald verkriechen. Wir hoffen, dass wir auch ohne Mondstein Kontakt zum SternenClan aufnehmen können." Sie seufzte leise und Tigerkralle nickte. Dann entfernte er sich leise, um nicht noch länger auf Froststerns toten Körper starren zu müssen. Den Rest des Tages verbrachte Tigerkralle in einer Ecke neben Blitzkralle kauernd, still seiner Trauer nachzuhängen. Als dann die ersten Sterne am Silbervlies erschienen, zwang er sich, auf den kleinen Felsvorsprung zu springen. "Katzen des EisClans!", erhob er die Stimme und der Clan wurde still. "Wir haben heute früh unseren Anführer Froststern verloren und möchten ihm nun unsere letzte Ehre erweisen, in Gedanken daran, dass er uns immer ein guter Anführer gewesen ist." Er neigte den Kopf und sprang hinab, zu Froststerns Leichnam, um für ihn Totenwache zu halten.

    21
    Blätterpfote
    "Ist das alles meine Schuld? Ist das wirklich alles meine Schuld?" Immer wieder sausten die gleichen Gedanken durch Blätterpfotes Kopf und immer wieder war es die gleiche Antwort. "Ja. Es ist deine Schuld Blätterpfote. Hättest du mehr Kräuter gefunden, wäre er nicht gestorben." Und jedesmal wollte sie aufheulen wie ein kleines Junges, dass nach seiner Mutter suchte. Der Schmerz schlug und schnappte nach ihr, wie ein Hund und jedesmal tat es mehr weh. Zugleich die Trauer, dass sie nicht mehr getan hatte und Froststerns Körper tot zu sehen. Dieses Ereignis erinnerte sie an ihre Zeit als Junges. Obwohl sie noch so klein war, lief es wie ein Film vor ihren Augen ab.

    Blätterjunges schlich sich leise an ihren Bruder Kieseljunges an, der vor der Kinderstube saß und sich putzte. Gedankenverloren starrte er in die Ferne, von wo man das wilde Gebrüll der Zweibeinermonster vernehmen konnte. Dann das Krachen eines Baums und Blätterjunges zuckte unvermeindlich zusammen. Schon viele Sonnenaufgänge war es her, als die Morgenpatrouille festgestellt hatte, dass Zweibeiner mit ihren riesigen Monstern in den Wald eindrangen und alles zerstörten. Seitdem war der Clan nicht mehr ruhig. Froststern saß mit seiner Zweiten Anführerin Silberherz und seinen besten Kriegern Tigerkralle, Blitzkralle und Tränenfrost die ganze Zeit zusammen, um verzweifelt zu versuchen, herauszufinden was sie tun sollten. Sie waren noch zu keinem Entschluss gekommen und die Zweibeinermonster näherten sich unaufhaltsam dem Lager des EisClans. Blätterjunges machte sich riesige Sorgen was aus ihrem Territorium werden sollte, und aus ihrer Familie. Deswegen versuchte sie auch gerade ihren Bruder etwas aufzuheitern. Sie sprang mit wildem Gefauche auf ihn und riss ihn zu Boden. Zuerst erschrak er fürchterlich, doch dann drehte er sich um und stieß sie von den Pfoten. "Du bist einfach keine gute Kämpferin, Blätterjunges.", sagte er. "Werd Heilerin." Sofort setzte sich Blätterjunges aufrecht hin. "Das will ich auch!", verkündete sie. "Ich bin der Meinung, ich kann den Katzen viel besser helfen, wenn ich mich mit Kräutern auskenne, als wenn ich kämpfen müsste." Kieseljunges schnaubte und wandte sich ab, bloß um wieder in die Ferne zu schauen. "Du wirst schon sehen, ich werde der beste Krieger überhaupt. Mich wirst du nie heilen müssen." Geknickt wandte sich Blätterjunges ab. Ihr Bruder war schon immer ein furchtbarer Angeber gewesen, er wollte immer prahlen und der Beste sein und deswegen mochte ihn niemand. Außer Blätterjunges. Obwohl sie sich einen Bruder wünschte, mit dem man unbeherzt spielen und fröhlich sein konnte, mochte sie ihren Bruder. Sie würde nie zulassen, dass ihm etwas passierte. In seinem Eifer dachte er einfach nicht nach, was er tat und dass sollte ihm an dem heutigen Tag noch zum Verhängnis werden.
    Es war Nacht und Blätterjunges lag dicht an die trächtige Flammenblüte geschmiegt, da ihre eigentliche Mutter bei der Geburt von ihr und Kieseljunges gestorben war. Die liebevolle Königin Flammenblüte hatte sich ihrer angenommen und die beiden großgezogen, bis sie mit ihren fünfeinhalb Monden nun schon fast Schüler waren. Doch plötzlich hörte Blätterjunges ein Rascheln und sie hob überrascht ihren Kopf, als sie sah, wie eine kleine dunkle Gestalt sich aus dem Nest erhob. "Kieseljunges!", zischte sie. "Was machst du?" Ihr Bruder bahnte sich einen Weg nach draußen und ging aus der Kinderstube. Blätterjunges erhob sich vorsichtig, um Flammenblüte nicht zu wecken und rannte ihm dann hinterher. Auf der Lichtung war es still, in der Nacht ruhten sich die Zweibeinermonster zum Glück aus. Kieseljunges drehte sich zu seiner Schwester um. "Ich werde unseren Wald retten!", brüstete er sich. "Ich werde sie vertreiben!" Blätterjunges schnaubte und zuerst dachte sie, es sei ein Scherz, aber als Kieseljunges sich tatsächlich umwandte und zum Ausgang des Lagers ging, packte sie das eiskalte Entsetzen. "Nein!", rief sie. "Warte! Wie willst du das denn anstellen? Du wirst sterben!" "Niemand kann mich hindern!", erwiderte Kieseljunges und ging weiter. "Schon gar nicht du, eine Heilerin!" Er spuckte das Wort aus, wie eine Made, die er ausversehen mitgefressen hatte. Geschockte blieb Blätterjunges stehen. Das hatte sie zutiefst verletzt. Ihr eigener Bruder hatte sie bloßgestellt. Sie kämpfte gegen die aufsteigende Traurigkeit an und musste tatenlos zusehen, wie ihr Bruder im Wald verschwand, von dem er nie wieder zurückkehren würde.


    "Blätterpfote?" Echoflugs Stimme riss sie aus ihrer Träumerei. Sie riss den Kopf hoch. "Ja?" Sie blinzelte und sah, dass Tigerkralle neben ihrer Mentorin stand. "Wir werden Tigerkralle zu dem....der..." Blätterpfote merkte, dass die Heilerin verzweifelt das passende Wort suchte. "Zu dem Ort begleiten, wo wir versuchen werden Kontakt zu dem SternenClan aufzunehmen.", sprang ich ihr halbherzig bei. Sie nickte dankbar. "Genau. Tigerkralle hat Smaragdfeuer derweil die Kontrolle überlassen." Blätterpfote nickte. "Komm." Sie winkte mit dem Schwanz und Tigerkralle und ihre Schülerin folgten ihr hinaus in die Nacht. "Wie weit werden wir gehen?", fragte Tigerkralle. "Soweit, bis wir den passenden Ort gefunden haben.", erwiderte Echoflug leise. Blätterpfote suchte mit ihren Augen die Dunkelheit ab. Sie wollte, dass Echoflug stolz auf sie war, deswegen hielt sie Ausschau nach einem Fleck der Aussah, als könnte man dort mit dem SternenClan sprechen. Doch nichts an dem sie vorbeikamen, schien dazu einzuleuchten. Obwohl...."Hier!", rief sie plötzlich und deutete mit der Schnauz auf einen kleinen Höhleneingang an einem Felsen. Echoflug ging näher hin und beschnupperte den Eingang. "Das ist ein guter Ort. Das hast du gut gefunden, Blätterpfote." Die Heilerschülerin nickte und zu dritt betraten sie die dunkle Höhle. "Wir werden uns einfach in die Mitte legen und Tigerkralle zwischen uns nehmen.", verkündete Echoflug leise und ließ sich vorsichtig nieder. Blätterpfote tat es ihr gleich und Tigerkralle zwängte sich zwischen die beiden Heilerinnen, sodass Blätterpfote sei warmes Fell spüren konnte. "Schließ einfach die Augen, Tigerkralle.", befahl Echoflug ihrem Bruder. "Blätterpfote und Ich werden versuchen den SternenClan zu dir zu leiten." Blätterpfote nahm die Worte ihrer Mentorin nur noch leise wahr, sie hatte schon die Augen geschlossen um nach dem SternenClan zu suchen.

    22
    Tigerkralle
    Kaum hatte Tigerkralle seine Augen geschlossen, umfing ihn vollkommene Dunkelheit. "Schließ einfach die Augen.", hatte Echoflug gesagt. "Blätterpfote und Ich werden versuchen, den SternenClan zu dir zu leiten." Doch Tigerkralle glaubte nicht, dass er schon schlief. Er spürte noch den kalten Boden unter seinen Ballen und die warmen Körper der beiden Heilerkatzen neben sich. Langsam schlug er noch einmal die Augen auf. Stimmt, er schlief noch nicht. Er lag noch in der Höhle. Er drehte sich zu Echoflug und Blätterpfote um, doch die beiden rührten sich nicht. "Vielleicht geht es wirklich nicht ohne Mondstein.", dachte Tigerkralle unbehaglich. Dann würde er seine neun Leben nicht bekommen. "Ach, Fuchsdung!", sagte er zu sich selbst. "Ich versuche es einfach noch einmal." Dann schloss er noch einmal die Augen. Wieder umfing ihn Dunkelheit. Doch dieses Mal hatte er ein komisches Gefühl der Leere in sich. Er öffnete die Augen. Die Höhle war verschwunden. Stattdessen stand er auf einer dunklen Lichtung im Wald. "SternenClan?", rief er. Keine Antwort. Tigerkralle drehte sich auf der Lichtung. "Es klappt nicht!", dachte er, als plötzlich ein Schatten hinter einem Busch auftauchte. Dann noch einer. Und noch einer. Eine Welle der Erleichterung überflutete Tigerkralle. Er erkannte Minzduft. Und Schneejunges. Froststern. Und war der große dunkelgraue Kater nicht Nebelkralle, Nachtblütes Bruder? Tigerkralle blinzelte. Er verspürte ein seltsames Glücksgefühl, wie als hätte er alte Freunde wieder getroffen, nachdem sie sich lange Zeit nicht gesehen hatten. Der SternenClan war hier. Er war die ganze Zeit bei ihm gewesen. Bei dem Clan. Und als die Katzen allesamt "Willkommen Tigerkralle!", riefen, fühlte er sich so heimisch wie noch nie zuvor. Froststern trat vor. Der Anblick seines ehemaligen Anführers schmerzte Tigerkralle, aber er zwang sich, seinem Blick Stand zu halten. Froststern neigte den Kopf. "Tigerkralle.", begann er. "Als ich mein letztes Leben verloren habe, habe ich mein Amt auf dich übertragen und jetzt ist es an der Zeit dir deine neun Leben und deinen neuen Namen zu geben." Die Katzen nickten alle und schauten ihn mit leuchtenden Augen an. Als Froststern zurück trat, kehrte Stille auf der Lichtung ein und Tigerkralle wusste, dass er nun nacheinander seine neun Leben erhalten würde. Nervös wartete er darauf, dass die erste Katze vortrat. Es war ein großer schwarzer Kater mit bernsteinfarbenen Augen und Tigerkralle glaubte Bernsteinkralle zu erkennen. Den Vater von Nachtblüte. Bernsteinkralle legte seine Schnauze auf Tigerkralles Kopf. Wie Frost und Flamme versenkte die Berührung ihm das Fell, aber er konnte nicht zurückzucken. Seine Pfoten waren so schwer wie Stein. Sein ganzer Körper war erstarrt. "Mit diesem Leben gebe ich dir Mitgefühl.", sagte Bernsteinkralle mit einer tiefen Stimme. "Urteile mit dem Herzen, ebenso wie mit dem Verstand." Energie so stark wie ein Blitzschlag durchfuhr Tigerkralle und Bernsteinkralle trat zurück. Er keuchte. Sein erstes Leben. Er hatte noch acht vor sich. Als nächstes trat der ehemalige Heiler Mondstreif vor. Seine graublauen Augen leuchteten weise. Als er seine Schnauze auf Tigerkralles Kopf legte, sprach er mit einer ruhigen Stimme: "Mit diesem Leben gebe ich dir Ausdauer. Nutze sie um weiterzumachen, selbst wenn du meinst, sämtliche Hoffnung und Kraft hätten dich verlassen." Ein dumpfer Schmerz durchfuhr Tigerkralle. Er spannte die Muskeln an und biss die Zähne zusammen. "Halte es aus.", flüsterte Mondstreif. "Hab Vertrauen in deine eigene Stärke." Er hatte das Gefühl als spränge er mit kribbelndem Fell aus eiskaltem Wasser, bereit den ganzen Weg zu den Bergen zu rennen. Er hatte das zweite Leben hinter sich. Für das dritte Leben trat Blütensturm, Silberherz´Schwester vor. Die gescheckte Kätzin berührte seinen Kopf, bereit Tigerkralle das dritte Leben zu geben. "Mit diesem Leben gebe ich dir Humor. Nutze ihn, um Lasten deines Clans zu erleichtern und die Stimmung deiner Clan Gefährten aufzuhellen, wenn Verzweiflung droht." Etwas blendendes, Flackerndes kam auf Tigerkralle zu und jedes Haar in seinem Pelz stellte sich auf. "Du wirst wissen wann du Humor zu deiner Hilfe nutzen kannst.", sprach Blütensturm weiter. Mit ihren fröhlichen blauen Augen schien sie ihn anzustrahlen, ehe sie zurücktrat und Nebelkralle den Vortritt ließ. Nachtblütes´Bruder legte seine Schnauze auf Tigerkralles´Kopf. "Mit diesem Leben gebe ich dir Hoffnung.", sprach er ruhig. "Selbst in der finstersten Nacht wird sie da sein und dich erwarten." Energie wie Feuer durchströmte Tigerkralle und unwillkürlich sah er ein Bild vor sich. Er rannte durch die Berge und sah ein helles Licht vor sich. "Ob das Hoffnung ist?", fragte er sich still, als das Bild auch schon wieder verblasste. Nebelkralle war zurückgetreten und Froststern trat vor. Er legte seine Schnauze auf Tigerkralles Kopf. "Mit diesem Leben gebe ich dir Mut.", sagte er. "Du wirst wissen, wie du ihn nutzt." Sein Blick war voller Wärme und Dankbarkeit. Tigerkralle spürte Befriedigung durch seinen Körper strömen und wusste, dass er ihm gut gedient hatte. Als er zurücktrat, kam eine hellgraue Kätzin. Es war Himmelsauge, seine Mentorin. Tigerkralle spürte einen Stich, als er sie auf sich zukommen sah. Die Erinnerungen an sie waren nicht verblasst. "Mit diesem Leben gebe ich dir Geduld.", flüsterte sie. Ihr Blick war klar und ihre Stimme freundlich. "Du wirst sie brauchen." Ihre Nase strich über seine Ohren und Friede durchströmte ihn. Sie trat zurück und eine kleine weiße Kätzin gab ihm sein siebtes Leben. Flockenpfote war als Schülerin an Grünem Husten gestorben. "Mit diesem Leben gebe ich dir Vertrauen. Glaube an deinen Clan und an dich selbst. Zweifel nie daran, dass du den richtigen Weg kennst, den du nehmen musst." Ihre Stimme war noch ziemlich hoch. Als sie zurück trat, lief Minzduft auf Tigerkralle zu. Ihm tat das Herz weh als er fühlte wie die Nase seiner Schwester seinen Kopf so sanft berührte wie zu ihren Lebenszeiten, als sie ihn immer getröstet hatte, wenn er traurig war. "Mit diesem Leben gebe ich dir Liebe. Liebe deinen Clan, wie du deine Geschwister liebst, denn jetzt sind sie alle deine Familie." Die besorgten Gesichter seiner Clan Gefährten kamen ihm in den Sinn und sein Körper fühlte sich an, wie als würde er von den Wänden der Höhle zerquetscht werden. Er rang nach Luft, dachte er müsste ersticken, bis plötzlich Licht in seinem Herzen zu explodieren schien, sich in seinem Körper ausbreitete und hinter seinen Augen brannte. Nach Luft schnappend, stand er bebend auf seinen Pfoten und sah Minzduft, wie sie zurücktrat. Sie sah ihn ruhig an und gab ihm wieder die Kraft sich zu beruhigen. Jetzt blieb ihm nur noch das letzte Leben und er wusste von wem es kommen würde. Schneejunges trat vor und reckte sich, um ihm seine Schnauze auf den Kopf zu legen. "Du hast viel geopfert und jetzt schreitet dein Clan auf einem sicheren Pfad voran." Er spürte den Atem des Jungen. "Mit diesem Leben gebe ich dir Stolz, damit du deinen eigenen Wert erkennst und den deines Clans." Hitze versenkte Tigerkralles Fell und er glaubte er würde in Flammen stehen. "Nutze alle neun Leben gut für deinen Clan.", murmelte Schneejunges ruhig. "Wir werden bei jedem Schritt bei dir sein. Du bist schon vor langer Zeit auserwählt worden und der SternenClan hat seine Wahl nie bereut!" Als Schneejunges zurücktrat, richtete sich Tigerkralle auf. Er hatte seine neun Leben erhalten und er war stolz darauf. Als die Katzen um ihn herum nun ihre Stimmen erhoben und ihn bei seinem neuen Namen riefen, stürzte ein Gemisch aus mehreren Gefühle auf ihn ein und er stand da und war einfach froh nicht alleine zu sein. "Tigerstern! Tigerstern! Tigerstern!"

    23
    Silberherz

    Müde legte Silberherz den Kopf auf ihre Pfoten und starrte in die Dunkelheit. Schon seit Anbruch der Nacht waren Blätterpfote, Echoflug und Tigerkralle fort. "Wenigstens Blätterpfote hätten sie uns da lassen können!", knurrte Blaulicht von einem Ende des Baus her. Stumm stimmte Silberherz der Ältesten zu. Wenn jetzt etwas passieren würde, könnten sie Blätterpfote gut gebrauchen. Der ganze Clan saß beisammen und wartete schweigend auf die Rückkehr der drei Katzen. Hin und wieder brach jemand das Schweigen. Bis vor kurzem hatten Silberherz´Junge "Adlerattacke" gespielt, doch jetzt schliefen sie eng aneinander gekuschelt. Glutjunges, der mit seinen sechs Monden, jetzt schon fast Schüler war, drängte sich zitternd in sein provisorisches Moosnest. Flammenblüte streckte sich und gähnte herzhaft. "Am liebsten würde ich schlafen.", sagte sie mit einem sehnsüchtigen Blick auf Silberherz´Junge. "Aber das wollen wir alle und mindestens zwei müssen Wache halten." Salbeiherz nickte zustimmend und putzte ihre Pfote. "Du kannst ruhig schlafen, Flammenblüte. Ich kann Wache halten." "Ich auch.", hob Silberherz an. Sie war sich sicher, jetzt nicht schlafen zu können. Erstens nagte der Hunger schlimmer denn je an ihren Eingeweiden, zweitens war ihr viel zu kalt und drittens machte sie sich zu viele Sorgen um die Heilerkatzen und Tigerkralle. Flammenblüte nickte dankbar und rollte sich zusammen. Glutjunges, warf einen Blick auf sie und Silberherz konnte sehen, dass er mit sich rang, sich neben sie zu kuscheln, oder selbst zu schlafen, wie es Goldpfote und Klippenpfote taten. Silberherz blinzelte ein wenig mitfühlend, dann stand sie auf und richtete sich für die Wache. Die Jungen übergab sie Smaragdfeuer. Salbeiherz wartete schon auf sie und zusammen sahen sie noch ein paar Minuten auf den schlafenden Clan. "Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man nicht alleine alles verlieren muss.", flüsterte Salbeiherz leise und Silberherz nickte. "Du hast Recht. Ich hätte Froststerns und Schneejunges Tod nicht alleine durchgestanden." "Oder alleine das Zuhause verlieren." Silberherz nickte und war in dem Moment unendlich dankbar, dass sie Salbeiherz vertrauen konnte. Dass sie allen Clankameraden vertrauen konnte. Zusammen setzten sich die beiden Kätzinnen vor den Bau und starrten in die Nacht. Der Wind zerzauste ihnen das Fell und trieb ihnen Tränen in die Augen. Vor ihnen erhoben sich die drohenden Felswände der Berge näher denn je und senkten Dunkelheit über das Grasland auf denen die beiden Katzen saßen. "Nur noch ein halber Tagesmarsch und wir müssen auf die Berge.", murmelte Silberherz. Sie spürte, wie Salbeiherz neben ihr begann mit ihren Krallen Gras auszureißen. "Aber wir werden es schaffen. Wir müssen es schaffen." "Ja.", erwiderte Silberherz, aber ihre Stimme klang merkwürdig heiser. "Aber es werden mehr Gefahren auf uns warten, als wir uns vorstellen können." Sie schauderte und dachte daran, wie der riesige Raubvogel auf Schneejunges herabgestürzt war und zwei Katzen das Leben genommen hatte. "Was meinst du, wie lange wir brauchen werden, Silberherz?", fragte Salbeiherz ihre Freundin. Langsam schüttelte Silberherz den Kopf, wohl wissend, das Salbeiherz das in der Dunkelheit nicht sehen konnte. Sie hob den Kopf in den Nacken und starrte die Berge hinauf, bis zur Spitze. "Ich weiß nicht. Einen halben Mond bestimmt." Die hellgraue Kriegerin zitterte. "Die Vorstellung, dass...." Sie brach ab. Silberherz wandte den Kopf in die andere Richtung, gen Wald. Sie wollte das Ende von Salbeiherz´Satz nicht hören, nicht einmal denken. Aber wie sollte sie dagegen ankommen. Es war doch bloß die Wahrheit. Und vor der Wahrheit konnte man nicht fliehen. Man konnte sie auch nicht jagen, wie eine Maus. Man musste sich ihr stellen und gegen sie kämpfen. Aber töten konnte man sie nicht. Man konnte ihr höchstens Verletzungen zufügen, sodass sie ein paar Tage außer Gefecht gesetzt war. Oder die Wahrheit gewann. Aber egal, wie der Kampf ausgehen würde, das ganze würde wieder von vorne beginnen. Es war ein Teufelskreis. Die Wahrheit war ein einziger Kreis aus dem es kein Entkommen gab und Silberherz entschied sich dafür, gegen sie zu kämpfen. "Die Vorstellung, dass wir dort noch einmal jemanden verlieren ist nicht auszumalen." Das war die Wahrheit. Und die Wahrheit gewann. Schreckliche Bilder von Schneejunges und Froststerns toten Körpern drängten sich in ihren Kopf und sie keuchte auf. "Silberherz?", fragte Salbeiherz besorgt. "Stimmt etwas nicht?" "Nein...", murmelte Silberherz und versuchte die Bilder zu verdrängen. "Ich...mir ist glaube ich nur ein wenig kalt." "Dann geh lieber wieder rein und weck Tränenfrost. Sie kann mit mir Wache halten." "Nein, geht schon, es...." Ein Geräusch ließ Silberherz verstummen und die beiden Kätzinnen erstarrten. "Was war das?", flüsterte Salbeiherz. "Ich weiß nicht.", erwiderte Silberherz leise und lauschte. Da war es wieder, ein Knurren. Leise, aber gerade so, dass die beiden Kätzinnen es hören konnten. Silberherz spannte alle Muskeln an, bereit sich zu verteidigen. Auch Salbeiherz fuhr die Krallen aus und sprang auf. "Wer ist da?", fragte sie bedrohlich. Keine Antwort. Nur der Atem von den Katzen war zu hören. Und dann ging alles ganz schnell. Silberherz drehte den Kopf, um noch einmal besser zu lauschen, da sprang ein Schatten aus dem Gebüsch, knurrte bedrohlich und starrte die Katzen mit funkelndem Blick an. Dann sprang er auf, wie von der Tarantel gestochen - direkt auf Salbeiherz zu.

    24
    Blätterpfote

    Es kam Blätterpfote wie eine Ewigkeit vor, als sich Tigerkralle endlich rührte. Ihre Glieder waren vom ewigen Sitzen schon ganz steif und die Kälte war ihr bis unter die Knochen gekrochen. Als Tigerkralle schließlich zu Blinzeln begann und sich hochstemmte, war das für Blätterpfote wie eine Erlösung. Sie streckte ihre Vorderpfoten und machte einen Buckel. Auch Echoflug leckte ihre Schulter. Ein wenig Mondlicht fiel in die Höhle und erst jetzt fiel Blätterpfote auf, wie mager sie alle waren. Zuhause im Wald, war Tigerkralle ein stämmiger, kräftiger Kater gewesen, doch jetzt war er dünn und die Rippen stachen hervor. Auch bei Echoflug konnte man die Rippen zählen. Die Heilerschülerin wagte es nicht, an sich herunterzuschauen. Wann war das letzte Mal, dass sie etwas Richtiges gegessen hatte? Etwa die Maus, die Smaragdfeuer ihr angeboten hatte? Oder den Wühler, den sie sich mit Mauspfote geteilt hatte? Beides war schon lange her und bei dem Gedanken an saftiges Fleisch, wurde Blätterpfote ganz schummrig. Sie schüttelte den Kopf und sah wieder auf. Jetzt war garantiert nicht der richtige Zeitpunkt, um in Gedanken zu versinken. Tigerkralle hatte sich jetzt ganz erhoben. "Ich habe meine neun Leben erhalten.", sagte er und seine Stimme klang etwas heiser. "Und jetzt heiße ich Tigerstern." Respektvoll neigte Blätterpfote den Kopf. "Tigerstern.", wiederholte Echoflug und nickte. "Dann ist dir der SternenClan erschienen?" Tigerstern nickte und erleichtert hob Blätterpfote wieder den Kopf. Der Gedanke, dass Minzduft, Froststern und Schneejunges sie immer noch beschützten, gab ihr Hoffnung. "Dann sollten wir wieder zum Clan zurückkehren.", sagte Tigerstern. "Nicht, dass noch etwas passiert." "Einen Moment noch.", sagte Echoflug. "Ich muss noch etwas Wichtiges erledigen, dann können wir gehen." Verwundert wandten sich Tigerstern und Blätterpfote der Heilerin zu. Die nickte nur ruhig. "Blätterpfote, trete zu mir.", sagte sie und überrascht kam Blätterpfote dem Befehl ihrer Mentorin nach. Echoflug legte ihr den Schwanz auf die Schulter und Blätterpfote legte sich hin. "Der SternenClan hat mir gezeigt, dass es an der Zeit ist, Blätterpfote ihren richtigen Heilernamen zu geben." Sie machte eine kleine Pause und ein Schauer voll Freude und Aufregung rieselte durch Blätterpfote hindurch. Sie würde eine vollwertige Heilerin werden! Sie spürte Tigersterns Blick und glaubte zu sehen, wie seine Augen freundlich leuchteten. Als Echoflug ihre Stimme erhob, schallte sie von den Wänden der Höhle wieder und kam in vielen Echos zurück. Blätterpfote schauderte. "Ich, Echoflug, Heiler-Katze des EisClans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diese Schülerin herabzuschauen. Sie hat hart gearbeitet, um das Wissen einer Heiler-Katze zu erlernen, und mit eurer Hilfe wird sie ihrem Clan viele Monde lang dienen." Es war für einen kurzen Moment still und draußen hörte man den Wind pfeifen. Ehrfürchtig wartete Blätterpfote auf die Worte ihrer Mentorin. "Blätterpfote, versprichst du die Wege einer Heiler-Katze zu gehen, dich von den Rivalitäten zwischen dem Clan und anderen fernzuhalten und die kranken Katzen aller Klassen zu versorgen, selbst wenn es dein Leben kostet?" "Ich verspreche es.", hauchte Blätterpfote und zitterte leicht. "Dann gebe ich dir mit der Kraft des SternenClans deinen Namen als Heiler-Katze. Blätterpfote, von diesem Augenblick an wirst du Blätterschweif heißen. Der SternenClan ehrt dein Geschick und deinen Wissensdurst. Du hast schon vielen Katzen das Leben gerettet und warst mir eine grosse Hilfe auf der Reise!" Als Echoflug aufhörte zu sprechen, hatte sich Blätterschweif noch nie in ihrem Leben so glücklich gefühlt. Sie hatte ihren Namen bekommen und sie würde vielen Katzen das Leben retten, das war ihr Ziel. Als Tigerstern und Echoflug ihre Stimmen erhoben und ihren Namen riefen, überkam sie plötzlich riesiges Heimweh nach dem Wald. Und dem Mondsee, an dem sie eigentlich ihren Namen hätte bekommen sollen. Doch sie blieb tapfer stehen und hörte mit leuchtenden Augen auf ihren neuen Namen. "Blätterschweif! Blätterschweif!" "Danke.", erwiderte sie und senkte den Kopf. In Echoflugs Augen lag so viel Stolz und Tigerstern betrachtete sie so liebevoll, das ertrug sie nicht. So viel Liebe auf einmal war sie nicht gewohnt. "Den Namen hast du dir verdient.", sagte Tigerstern und Echoflug nickte schnurrend. "Komm lass uns gehen." Blätterschweif folgte den beiden Katzen in die Dunkelheit. Ihre Pfoten versanken im Schnee und waren binnen Sekunden völlig taub. "Gehen wir überhaupt in die richtige Richtung?", fragte sie nach einer Weile besorgt. Sie konnte nirgends in der Ferne einen Bau erkennen. Die Hochebene erstreckte sich nach allen Seiten und hinter ihnen waren die Berge. Tigerstern nickte jedoch. "Der SternenClan führt uns.", sagte er und zuversichtlich angetrieben ging er weiter. Blätterschweif senkte den Kopf gegen den Wind und legte die Ohren an. Deshalb, konnte sie auch nicht den Bau sehen, als sie ankamen, aber das Geschrei war schon von weitem zu hören. Erschrocken riss sie den Kopf hoch. Gejaule war zu hören und Krallen, die etwas rissen. "Um der SternenClan Willen!", brachte sie hervor. "Das ist ein Kampf!", rief Echoflug entsetzt. "Unser Clan ist angegriffen worden!" Tigerstern beschleunigte das Tempo, aber trotzdem kamen die drei Katzen nur mühsam voran, da sie so tief im Pulverschnee versanken. Doch schon bald hatten sie es geschafft. "Wir kommen!", rief Tigerstern und rannte auf den Bau zu. Doch plötzlich drang ein Wimmern an ihre Ohren und die drei Katzen blieben stehen. Dann war ein Ruf zu hören. Unverkennbar, die Katze war verzweifelt und verängstigt. "Blätterpfote! Echoflug! Kommt her, schnell! Salbeiherz ist verletzt!"

    25
    Tigerstern

    Mit dem sicheren Gedanken, Echoflug und Blätterschweif würden sich um Salbeiherz kümmern, stürzte er in den Bau. Füchse. Füchse waren die Angreifer. Und es waren viele Füchse. "Tigerkralle, äh, Tigerstern!", rief Flammenblüte und als er sich umdrehte, rannte sich auf ihn zu. "Glutpfote! Er kann noch nicht kämpfen! Wir müssen ihn wegbringen!" Tigerstern sah sich nach dem jungen Schüler um. Er hatte sich auf dei Hinterbeine gestellt und versuchte somit Füchse abzuwehren, aber man sah ihm an, dass er Angst hatte. Tigerstern stürzte auf ihn zu und grub seine Zähne in Glutpfotes Nackenfell. "Komm mit!", keuchte er und rannte aus dem Bau. "Dort drüben, versteckst du dich bei Echoflug und Blätterschweif." Glutpfote nickte und stolperte auf den Busch zu. Dann wandte sich Tigerstern wieder ab und lief auf Flammenblüte zu. "Keine Sorge!", rief er ihr zu. "Glutpfote ist bei Echoflug und Blätterschweif in Sicherheit!" "Aber sie können auch nicht kämpfen!", sagte Flammenblüte verängstigt. "Ihm geht es gut!", sagte Tigerstern hartnäckig und im selben Moment schrie er auf. Ein Fuchs hatte seine Zähne in sein Vorderbein geschlagen. "Du Biest!", knurrte er und hieb mit den Krallen auf ihn ein. Jaulend ließ der Fuchs los, um sich jedoch im nächsten Moment schon wieder auf ihn zu stürzen. Blitzschnell drehte sich Tigerstern, und sprang auf den Rücken des Fuchses. Mit den Vorderpfoten drückte er seine Schnauze auf den erdigen Boden und mit den Hinterpfoten zerkratzte er ihm den Rücken. Der Fuchs jaulte und wand sich unter seinen Pfoten, bis Tigerstern ihn freigab und er mit eingezogenem Schwanz davonsauste. Heftig atmend sah Tigerstern sich um. Löwenglut bearbeitete zusammen mit Rehschweif einen großen Fuchs, der nicht die geringste Angst vor den beiden Kriegern zu haben schien. Wolkenstreif schlug einen kleinen Fuchs in die Flucht und Mauspfote und Goldpfote schlugen sich für Schüler ziemlich wacker. Es schien nirgends Probleme zu geben, obwohl....Sein Blick fiel auf Salbeiherz, die gerade in den Bau gehumpelt kam und von einem Fuchs attackiert wurde. Silberherz rannte ihr hinterher, wahrscheinlich hatte sie ihre Jungen ebenfalls in die Obhut der Heilerinnen gegeben. Tigerstern rannte zu Salbeiherz und half ihr gegen den Fuchs. "Verdammter SternenClan, du bist verletzt!", knurrte er, während er die Flanke des Fuchses mit den Krallen bearbeitete. "Echoflug und Blätterpfote hatten keine Kräuter, also bin ich wieder kämpfen gegangen. Ich muss euch schließlich helfen, anstatt daneben zu liegen und zuzusehen, wie die Füchse euch in die Flucht schlagen!" Sie kniff die Augen zusammen und stellte sich auf die Hinterbeine. Sie schien große Schmerzen zu haben. Tigerstern wollte gerade etwas sagen, als im selben Moment ein weiterer Fuchs seine spitzen Zähne in Tigersterns Schwanz grub. Er schrie auf, und schlug blind nach dem Fuchs. Es tat höllisch weh. Doch der Fuchs ließ nicht locker und der Fuchs, gegen den er zuvor noch gekämpft hatte, nutzte die Chance und rammte seine Pfoten in seinen Bauch. Er kippte rücklings um und wäre sicher in das geöffnete Maul des Fuchses gefallen, hätte nicht eine weitere Katze ihn von Tigerstern gezerrt. So fiel er auf die weiche Erde und konnte sich trotz seiner brennenden Schmerzen in der Schwanzspitze, wieder aufrichten und gemeinsam mit Salbeiherz den Fuchs in die Flucht schlagen. Erst dann drehte sich Tigerstern um, um zu sehen, wer in vor dem Fuchs gerettet hatte. Es war Rotschweif. Sie hatte den Fuchs in die Flucht geschlagen und schwankte jetzt ein wenig. Tigerstern stützte sie. "Rotschweif?", fragte er besorgt. "Ist alles in Ordnung?" Rotschweif nickte, schüttelte den Kopf und nickte wieder. "Komm, ich bring dich zu Echoflug." Rotschweif widersprach nicht, sondern kam einfach mit. Tigerstern zerrte sie am Nackenfell ein wenig mit. Irgendwie kam sie ihm schwerer vor als sonst, aber das musste ein Irrtum sein. Wieso sollte sie schwerer sein? Mehr zu essen bekam sie ja wohl eher nicht. Auf dem Weg zu dem Versteck der beiden Heilerkatzen, wurden sie von all den Füchsen überholt. Sie hatten die Flucht ergriffen. Der Clan hatte gewonnen. Aus dem Busch kamen Stimmen, dann tauchte Echoflug auf und trieb die Jungen von Silberherz zum Bau. "Blätterpfote...", murmelte Rotschweif. Die junge Heilerin kam hinter dem Busch hervor. "Blätterschweif.", sagte sie und Tigerstern hörte den Stolz ein wenig hervor. Doch bei Rotschweifs Anblick wurden Blätterschweifs Augen dunkel vor Sorge. "Was ist?" "Ich fühle mich nicht gut...ich habe Bauchschmerzen." "Du hast Glück.", sagte Blätterschweif, drehte sich um und tauchte mit drei einzelnen Beeren wieder auf. "Wir haben sogar etwas Wacholderbeeren aus dem Schnee gegraben." Sie gab sie Rotschweif und besah sie dann gründlich. Dann schnupperte sie an ihr und in ihren Augen blitzte etwas auf. Sie richtete sie auf und wirkte etwas angespannt. "Wann hast du das letzte mal etwas gegessen?" "Erst vor kurzem. Eine Maus mit Löwenglut geteilt.", sagte Rotschweif. Blätterschweif schluckte. "Kann...", begann sie stockend. "Kann es möglich sein, dass du trächtig bist?""

    26
    Silberherz

    "Verzieht euch!", knurrte Silberherz und schlug zusammen mit Kieselsturm auf den Fuchs ein, bis auch er als letzter den provisorischen Bau der Katzen verlassen hatte. Kaum war der letzte Schatten der Angreifer verschwunden, herrschte gespenstische Stille in dem alten Dachsbau. Nur das Keuchen der Katzen war zu hören. Mühsam rappelte sich Silberherz auf. Sie spürte wie warm und klebrig das Blut ihre Flanke hinunterlief. Hastig begann sie ihre Wunde zu lecken. Im Kampf hatte sie sich eine Kralle ausgerissen und ein paar Kratzer geholt. Es hätte schlimmer sein können. Auch Kieselsturm schien nicht mit schweren Verletzungen zu kämpfen. "Dir geht es soweit gut?", fragte er und Silberherz nickte. Dann sah sie sich um. Sie hatte nicht viel mitbekommen, aber anscheinend waren Tigerkralle, Blätterpfote und Echoflug wieder zurückgekehrt. Sie hatte ihre Jungen bei ihnen in einem Busch versteckt. "Kieselsturm?", fragte sie. "Kannst du nach Salbeiherz sehen? Sie war vorher schon verletzt und hat trotzdem gekämpft. Ich würde gerne meine Jungen holen." Kieselsturm nickte, leckte sich noch einmal kurz die Hinterpfote und suchte mit den Augen das Lager ab. Silberherz lief aus dem Bau und suchte mit den Augen nach dem Busch. Als sie ihre Pfoten in den Schnee setzte, atmete sie erleichtert auf. Die Abkühlung tat gut, vor allem für die Pfote mit der gerissenen Kralle. Hinter einem Busch kamen gedämpfte Stimmen hervor und Silberherz ging darauf zu. "Echoflug? Blätterpfote?", fragte sie, als sich plötzlich eine Katze an ihr vorbeidrängte. "Sie heißt jetzt Blätterschweif.", murmelte die Katze. Silberherz konnte den Umriss nur schemenhaft erkennen. "Rotschweif?", fragte sie dann überrascht. "Was ist los?" Rotschweif blieb stehen, sie sah Silberherz nicht an. Mit ihren Pfoten trat sie nervös auf und ab. "Ich, tut mir Leid...Ich wollte Froststern,...er..." Sie wollte gerade wieder weitergehen, als sie noch einmal stehen blieb und sich umdrehte. Ihre goldenen Augen leuchteten in der Dunkelheit. "Ich bin trächtig.", erwiderte sie. Silberherz war einen Moment erstmal sprachlos. Dann stupste sie ihre Clankameradin glücklich an. "Aber das ist doch toll! Wer darf sich denn freuen?" Rotschweif sah zu Boden. Sie schluckte und einen Moment legte sich ein Schatten über ihre Augen. "Ich wünschte, Froststern könnte sich freuen.", flüsterte sie schließlich mit zitternder Stimme. Silberherz tat es weh, ihre Clangefährtin so traurig zu sehen. Beruhigend legte sie ihr den Schwanz um die Schulter. "Bestimmt freut er sich. Er sieht dich und eure Jungen wird er auch sehen. Und bestimmt freut er sich, dass seine Jungen eine so tolle Mutter haben." Rotschweif blickte Silberherz dankbar an. Dann rieb sie sich mit der Pfote über ihr blutendes Ohr. "Ich freu mich ja auch, aber deine Geburt...." "Hey.", sagte Silberherz. "Mach dir keine Sorgen. Du hast doch schon mehrere Geburten erlebt, meine war halt etwas...naja...schwierig. Außerdem bin ich viel älter als du und fünf Junge waren auch ganz schön viel." Die junge Kriegerin sah wieder auf. "Du hast Recht. Danke Silberherz." Mit diesen Worten drehte sie sich um und stapfte in Richtung Bau. Silberherz sah ihr mit zuckenden Schnurrhaaren hinterher.

    "Garantiert werden wir Schüler!" Löwenjunges begann schon eifrig sein Fell zu putzen. Rabenjunges stupste ihn an und verdrehte die Augen. "Du dämlicher Fellball!", sagte sie. "Tigerkralle wird Smaragdfeuer zum Zweiten Anführer ernennen!" "Wieso ausgerechnet Smaragdfeuer?", fragte Silberherz ihre Jungen. "Na, weil er unser Vater ist!", schaltete sich Tigerjunges ein. Silberherz schnurrte belustigt und auch Amselfeder, die zu ihnen hinüberblickte, zuckte mit den Schnurrhaaren. "Wo ist Moosjunges?", fragte Rabenjunges plötzlich und sah sich um. "Die hilft Blätterpfo - äh, Blätterschweif und Echoflug.", erklärte Silberherz und zog ihre Tochter beim Schwanz etwas näher zu sich heran. Tigerkralle, der gerade eine Versammlung einberufen hatte, stand auf einem kleinen Erdehügel und wartete, bis der Clan ruhiger wurde. Die beiden Heilerkatzen gingen herum und versorgten die Katzen mit den wenigen Kräutern, die sie hatten. Auch Silberherz hatte eine Packung Spinnweben auf der Flanke. "Katzen des EisClans...", begann Tigerkralle schließlich nach einer Weile. "Ich bin in Begleitung der beiden Heilerkatzen, zu einer kleinen Höhle etwas abseits in Richtung der Berge gezogen, in der ich zu unserem Glück meine neun Leben und meinen neuen Namen erhalten habe. Ich heiße jetzt Tigerstern." Erleichtert begann Silberherz zusammen mit den anderen Katzen, den Namen ihres Anführers zu rufen. Sie hatte schon die Sorge gehabt, es würde nicht klappen. Nachdem sich die Stimmen gelegt hatten, sprach Tigerstern weiter. "Und auch Blätterpfote hat ihren vollwertigen Heilernamen erhalten, sie heißt jetzt Blätterschweif." Als die Krieger ihren Namen riefen, richtete sich die junge Heilerin stolz auf und auch Echoflugs Augen leuchteten. "Ich hatte jetzt lange genug Zeit, um mir Gedanken darüber zu machen, welche Katze ich zu meinem Zweiten Anführer ernennen soll." Er machte eine kleine Pause, der Clan wartete gespannt und Rabenjunges und Tigerjunges flüsterten gleichzeitig: "Smaragdfeuer!" "Sch!", ermahnte Silberherz sie tadelnd und zwang sie zur Aufmerksamkeit. "Ich konnte mich lange nicht zwischen zwei mutigen, jungen Kriegern entscheiden, habe aber dann gemerkt, dass die entscheidende Katze das Amt sehr gut ausführen wird und mir ein würdiger Nachfolger sein wird. Salbeiherz wird die neue Zweite Anführerin des EisClans sein!" "Ich hab es mir gedacht.", flüsterte Amselfeder schnurrend neben ihr und Silberherz konnte dem nur zustimmen. "Sie ist eine gute Wahl!", erwiderte sie und freute sich für die Freundin, während der Clan laut Salbeiherz´Namen rief. "Menno.", grummelte Tigerjunges und auch Rabenjunges zog eine Grimasse. "Wetten wir, dass Smaragdfeuer der zweite Krieger war?", sagte Tigerjunges frech und schaute Silberherz herausfordernd an. "Wetten wir, dass Smaragdfeuer eine bessere Wahl gewesen wäre?", schloss sich Rabenjunges ihrem Bruder genauso frech an. Dafür bekamen beide einen Klaps von Silberherz. "Ihr könnt es nicht lassen, oder? Salbeiherz macht das bestimmt gut!" Die neue Zweite Anführerin jedoch, schien damit nicht gerechnet zu haben. Überrascht stand sie auf und schien im ersten Moment nicht genau zu wissen, was sie sagen sollte. Aber dann neigte sie ehrwürdig den Kopf. "Es ist mir eine Ehre, Tigerstern, deine Nachfolgerin sein zu dürfen. Ich werde mich bemühen und das Amt gut ausführen." Da sie Schmerzen in ihrer rechten Vorderpfote hatte, setzte sie sich schnell wieder. Tigerstern nickte freundlich. "Das will ich hoffen.", sagte er und sprang von dem kleinen Erdhügel. "Ruht euch aus, morgen beginnen wir den Aufstieg über die Berge!" Die Katzen begannen sich nach und nach jeder seinen Platz zum Schlafen zu suchen. Aber nicht, nachdem sie nicht Salbeiherz gratuliert hatten. Überall hörte Silberherz Glückwünsche. "Super!" "Das machst du gut!" "Ich wusste, Tigerstern würde dich wählen!" "Du warst eine gute Wahl!" "Weiß jemand, wer der zweite Krieger war?" Nach und nach löste sich die Gruppe auf. Pumasprung, der Salbeiherz zwar gratuliert hatte, saß jedoch alleine in einer Ecke. Er hatte eine Grimasse geschnitten. Silberherz wusste, dass er gemeint hatte, er würde Zweiter Anführer werden. "Ich wusste es!", sagte Wolkenstreif immer wieder und leckte seiner Gefährtin über den Kopf. "Ist ja gut.", sagte Salbeiherz amüsiert, als sie Silberherz sah. "Hey, Glückwunsch!", sagte Silberherz. "Danke.", erwiderte die frischgebackene Zweite Anführerin. "Ich war ja wirklich überrascht, aber sie scheinen alle so überzeugt von mir zu sein, dass es ja nur gut gehen kann!"

    27
    Blätterschweif

    Blätterschweif träumte, ein leichter Windhauch streiche durch die Baumwipfel. Sie streckte sich, und als sie die warme, weiche Erde unter den Pfoten spürte, überkam sie ein tiefes Glücksgefühl. Endlich war sie wieder Zuhause. Im alten Territorium. Die Sonne fiel durch die Zweige auf ihr rotbraunes Fell. Über ihr zankten sich zwei Vögel so heftig, dass Blätter von den Ästen fielen und im Sonnenlicht durch die Luft tanzten. Blätterschweif hob ausgelassen die Vorderpfoten und schlug nach ihnen. "Blätterschweif?" Das war Echoflug. "Blätterschweif!" "Geh weg." Blätterschweif vergrub die Schnauze zwischen den Pfoten. "Ich will noch ein bisschen schlafen." Nein, sie wollte nicht in der kalten Einöde des Hochlands aufwachen. Schon der bloße Gedanke, weiterzuwandern über die endlose Wiese, durch den tiefen Schnee, in dem sie mit den Pfoten einsank, war ihr zuwider. Sie wollte nicht gegen den beißenden Wind ankämpfen, der ihr die Ohren steif fror und ihr wie Kiefernnadeln in das Fell stach. "Lass mich in Ruhe.", murmelte sie und wünschte, sie könnte ihren Traum vom warmen Territorium weiterträumen. "Wach auf." Eine Pfote stieß sie in die Rippen. Blätterschweif öffnete blinzelnd die Augen. Über ihr stand Echoflug. Ihr schneeweißes Gesicht mit den schwarzen Ohren blickte auf sie herab, ihre himmelblauen Augen funkelten. "Wir müssen weiter." Blätterschweif seufzte. "Ich komme." Sie rappelte sich auf und gähnte ausgiebig. Dann schaute sie sich genauer um. Der Clan wappnete sich für die Weiterreise. Heute begannen sie den Aufstieg auf die Berge. "Hast du ein paar Kräuter?", fragte Blätterschweif ihre Mentorin. "Leider nein." Echoflug seufzte. "Ich fühle mich überhaupt nicht wohl, diesen Anstieg auf die Berge zu beginnen und keine Kräuter dabei zu haben." Blätterschweif nickte zustimmend. "Verdammte Blattleere.", knurrte sie und ging dann zu Amselfeder und Salbeiherz, der neuen Zweiten Anführerin. Sie stand neben Tigerstern und sprach mit ihm. Er nickte und winkte den Clan mit seinem Schwanz ein wenig zu sich heran. "Löwenglut, Rotschweif, ihr passt auf die Ältesten auf!" Die jungen Krieger neigten die Köpfe und gingen zu Nachtblüte und Blaulicht. "Kieselsturm, Amselfeder, Tränenfrost und Smaragdfeuer ihr haltet nach Gefahren Ausschau! Flammenblüte, du kommst zu mir vor." Die folgenden Katzen nickten und kamen Tigersterns Anweisungen nach. "Der Rest des Clans achtet auf Jungen und Schüler und natürlich auf sich selbst und den Weg. Salbeiherz und Wolkenstreif, ihr bildet den Schluss!" Der Clan teilte sich in folgende Grüppchen und Blätterschweif ging zusammen mit Echoflug zu Silberherz hinüber, die auf ihre Jungen einredete. "Ich kann alleine die Felsen hochklettern, das wirst du schon sehen!", hörte die Heilerin Tigerjunges schon von weitem prahlen. Sie schnurrte amüsiert. "Silberherz." Blätterschweif nickte der Königin zu. "Wie wäre es, wenn ich hinter deinen Jungen gehe und du vor ihnen? Ich kann sie auffangen, falls sie rutschen und du kannst ihnen die großen Felssprünge hinauf helfen." Silberherz nickte. "Danke, Blätterschweif, das ist nett." "Ich brauche aber keine Hilfe!" Tigerjunges stellte sich gerade hin und sah die junges Heilerin herausfordernd an. "Du gibst immer bloß an!", sagte Moosjunges kopfschüttelnd. "Irgendwann wirst du dir schon noch von Blätterschweif helfen lassen!" Tigerjunges gab seiner Schwester einen Schubs und sie stolperte nach hinten. "He!", rief Rabenjunges und stellte sich neben ihre Schwester. "Was sollte das?" "Das war nicht absichtlich.", Löwenjunges trat Tigerjunges bei. "War es wohl!", rief Moosjunges, die sich inzwischen wieder aufgerappelt hatte. Schon bald waren die vier Jungen in eine wilder Kabblerei verwickelt. Blätterschweif sah amüsiert zu Silberherz, die seufzend mit den Augen rollte. "Na wenn das mal gut geht."

    Eine Weile ging es flach an den steilen Felswänden der Berge entlang, während Flammenblüte und Tigerstern einen geeigneten Weg nach oben suchten. "Tigerstern ist sich sicher, dass wir über die Berge müssen, oder?", fragte Echoflug schließlich nach einer Weile. Silberherz nickte und blickte sie steile Felsflanke entlang. "Ja, da war er sich von Anfang an sicher." "Woher will er das denn so genau wissen?", fragte Glutpfote, der hinter ihnen lief. Blätterschweif zuckte mit den Schnurrhaaren. "SternenClan?" Keiner antwortete und insgeheim wusste Blätterschweif, dass sie alle das selbe dachten. "Wollen wir es mal hoffen." Mit gesenktem Kopf trabte sie weiter, als sie plötzlich ein überraschtes Quieken hörte. Sie sah auf und bemerkte, dass Moosjunges in eine Schneewehe gefallen war. Nichts war mehr von ihr zu sehen. Silberherz ihre Augen weiteten sich entsetzt und sie begann zu graben. Ein wenig später, kam sie wieder aus dem Schnee, zusammen mit einem völlig weißen Moosjunges. Das Junge schüttelte sich und Blätterschweif atmete erleichtert auf. Echoflug schnurrte. "Mach das ja nicht noch einmal.", mahnte Silberherz ihre Tochter und Moosjunges maunzte protestierend. "Das war keine Absicht!" "Ich weiß.", schnurrte Silberherz und stupste die kleine Kätzin weiter. Nach einer Weile wurde der Clan langsamer und als Blätterschweif aufsah, bemerkte sie, dass die ersten begannen einen Felsvorsprung zu erklimmen. Tigerstern und Flammenblüte hatten einen Weg gefunden. Jetzt begann der eigentliche Aufstieg auf die Berge.

Kommentare Seite 20 von 20
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Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 208 Tagen
UND ICH KANN NICHT MEHR!!! Ich habe schon oft darüber nachgedacht mit TD aufzuhören und eine grosse Pause zu machen...😓😪
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 208 Tagen
Ich hab halt keine ZEIT!!!! Ich hab kein Passwort, kann euch nicht eintragen!!!! Was soll ich schon machen! 😤 TUT MIR LEIDT MINZI!! ICH HABE DIR VERSPROCHEN DENN CLAN AM LEBEN ZU BEHALTEN!!! ABER ICH HABE KEINE ZEIT MEHR! Ich hoffe du kommst bald wieder on... :'((😔😿😿😭
Farnpfote ( von: Farni )
Abgeschickt vor 215 Tagen
LEUTE DER CLAN WIRD NICHTS WENN NIEMAND AKTIV IST!!!!!
Mottenflug, Mondkralle, Grasschweif & Kri ( von: Farni )
Abgeschickt vor 216 Tagen
Name: Mondkralle
Rang: Krieger
Geschlecht:  Männlich
Alter: 23 Monde
Mentor: Nein
Aussehen: grauer Kater mit schwarzen Flecken und tiefblauen Auhen
Charakter: wie Mottenflug
Gefährte: Nein
Junge: Nein
Stärken: kämpfen, schwimmen
Schwächen: klettern, balance
Deine größte Angst: Seine Geschwister zu verlieren
Deine größte Hoffnung: Ein neues Zuhause
Wann, - und wie wollt ihr sterben: Noch nicht, erst später, er wird von einem Monster überfahren

Die anderen Steckies kommen auch bald, ich hab halt im Moment nicht soooo viel Zeit um Stecker zu schicken... -_ -
Feuerflug aka Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 217 Tagen
Hey @Roti und natürlich schaffen wir das ;) Kann euch aber leider nicht eintragen, weil Minzi keine Zeit hat :((

Juuuuhhhhuuuuuu*~* @Silbi
Rotpelz ( von: Farni )
Abgeschickt vor 220 Tagen
( Ich habe auchmal hergefunden, Feuer. Den Clan können wir zu viert wieder aufbauen! Wetten!?)

Name: Mottenflug
Rang: Kriegerin
Geschlecht: Weiblich
Alter: 23 Monde
Mentor: Nein
Aussehen: kleine graue Kätzin mit grünen Augen
Charakter: zickig, störrisch, stur, harte Schale weicher Kern, liebevoll, nett,
Gefährte: vielleicht...
Junge: Nein
Stärken: durchs Gestrüpp schleichen und klettern
Schwächen: hohe und weite Sprünge, hat Angst vor Wasser
Deine größte Angst:  Eine Überschwemmung und das ihre Geschwister sterben
Deine größte Hoffnung:  Eine neue Heimat zu finden
Wann und wie willst du sterben: Erstmal nicht, später wenn sie alt ist an einem Hundeangriff

(Ich schicke nachher noch mehr Steckies^^)
Silberherz ( 27965 )
Abgeschickt vor 222 Tagen
Sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry sorry
Mir geht's jetzt wieder einigermaßen gut. Ich kann jetzt auch mal wieder on 😓
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 224 Tagen
(Ja, wäre cool, aber oft kommt eben niemand :'( )
Regenflug ( 50044 )
Abgeschickt vor 231 Tagen
Soll ich irgendwas machen. Wegen dem Clan, mein ich.
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 232 Tagen
(Jay*~* Du bist natürlich dabei :D)
Regenflug ( 08743 )
Abgeschickt vor 233 Tagen
Name: Regenflug
Rang: Krieger
Geschlecht: Kater
Alter: 29 Monde
Mentor: Ja
Aussehen: muskulöser, dunkelgrau getigerter Kater mit schwarzer Schnauze und dunkelblauen Augen, eine recht große Narbe am Rücken
Charakter: treu, mutig, humorvoll, hoffnungsvoll, freundlich, stur, manchmal etwas kühl, direkt
Gefährtin: ja, vielleicht
Junge: eher nicht, aber wer weiß
Stärken: klettern, Ausdauer
Schwächen: sprinten, schwimmen
Deine größte Angst: dass meine Schwester (Jagu[BEEP]weif) stirbt
Deine größte Hoffnung: eine neue Heimat finden

Name: Jagu[BEEP]weif
Rang: Kriegerin
Geschlecht: Kätzin
Alter: 29 Monde
Mentor: Ja
Aussehen: schwarze Kätzin mit dunkelgrauen Ringen und weißen Pfoten, grüne Augen
Charakter: freundlich, humorvoll, treu, etwas schüchtern, willensstark
Gefährte: gerne
Junge: ja, vielleicht
Stärken: sehen, klettern
Schwächen: schwimmen, rennen
Deine größte Angst: nie ein Zuhause zu finden und dass Regenflug stirbt
Deine größte Hoffnung: ein neues Zuhause zu finden

Hi Tigerstern
Tiger ( 45620 )
Abgeschickt vor 233 Tagen
Also muss ich jetzt ganz allein, dass hier leiten...?😞 Na toll... Ich habe auch nicht immer Zeit...😬😁
Schimmerstern ( 14933 )
Abgeschickt vor 237 Tagen
Meiner Schwester Silberherz geht es leider seelisch sehr schlecht. Wenn es ihr besser geht, macht sie hier aber weiter
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 255 Tagen
HAAALLLOOOO?????? D''':
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 262 Tagen
(Benutzt bitte die Steckivorlage -.-)
Emilia321 ( von: Emilia321 )
Abgeschickt vor 263 Tagen
Kommt ganz augerregt in das Lager "Hallo zusammen"...
Ich bin...
Name: silberjunges
Geschlecht: weiblich
Rang: junges (will später junge haben)
Alter: 5 Monde
Grund des plötzlichen Besuches: meine Mutter würde auf brutale Art und Weise umgebracht... Ich bin Dan in den Wald geflohen. Ich wollte, da jetzt niemand mehr da zu euch kommen.
Stärke: spielen und anderen auf die Nerven zu gehen bin au ziemlich lehrreich.
Schwächen: vertraue zu schnell.. ( hab den Mörder meiner Mutter sozusagen eine Einladung gegeben zum die umzubringen)
Charakter: verspielt, ziemlich ernst für ein Junges, liebevoll zu allen, mutig, naiv
Aussehen: Klein, samtweiches silbernes Fell ich hab dunkelgrüne Augen die manchmal so dunkel sind das man denken könnte sie wären schwarz... Langes Fell.

(Fehlt noch was?)
Tiger ( 45620 )
Abgeschickt vor 264 Tagen
Echo:*rutsche aus*
Tiger:*habe ein komisches Gefühl*
*Silberherz* ( von: *Silberherz* )
Abgeschickt vor 269 Tagen
(OKAY JETZT STIRBT ENDLICH ECHOFLUG! XD)
Tigerstern ( 45620 )
Abgeschickt vor 272 Tagen
(Ja. Aber zuerst muss ja Echo sterben :( )
*Silberherz* ( von: *Silberherz* )
Abgeschickt vor 272 Tagen
(Ernennt Tigerstern die Jungen jetzt endlich mal zu Schülern? ;))