Balto - Deine Spuren in mir

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3 Kapitel - 13.471 Wörter - Erstellt von: Rosie Mayer - Aktualisiert am: 2015-09-25 - Entwickelt am: - 474 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Kodi und Star sind ein festes Paar geworden und nutzen jede gemeinsame Minute voll aus. Balto hat mittlerweile die Tatsache akzeptiert, dass sein Sohn homosexuell ist und Star in sein Herz geschlossen. Darüber hinaus gesteht Star Kodi eines Abends, wie er sich wirklich fühlt und was er sich von ihm wünscht. Das Glück der beiden scheint perfekt zu sein, bis Star eines Tages einen merkwürdigen Brief erhält. Zusammen mit Kodis Eltern wollen die beiden der Sache auf den Grund gehen und entdecken schließlich, dass Kodi einen Rivalen hat, der sich im Schutz der Dunkelheit versteckt hält...

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„Kleiner Prinz“. So wie jeden Morgen weckte mich Star sanft mit einem zärtlichen Kuss. Verschlafen blinzelte ich ihn an und lächelte. „Guten Morgen“, erwiderte ich müde und legte meine Pfoten um seinen Hals. „Hat mein Prinz denn gut geschlafen?“, fragte er, während er mir über den Kopf streichelte und sich eng an mich schmiegte. Ich nickte und küsste ihn auf die Wange. „Wenn du bei mir bist, muss ich ja gut schlafen, mein Engel“, antwortete ich lächelnd. Star erwiderte mein Lächeln und blickte verlegen zur Seite. „Wirklich?“, fragte er nach. Ich nickte und setzte mich langsam auf. „Absolut“, antwortete ich und streichelte dem kleinen Husky sanft über die Schulter. Ich wusste, dass Star sich immer als der Schwächste von allen fühlte und wenig Vertrauen zu sich hatte. Deshalb versuchte ich zu jeder sich bietenden Gelegenheit, sein Selbstbewusstsein so gut ich nur konnte zu stärken. Denn er war mutig und stark, das wusste ich, er traute sich nur leider nicht, aus sich herauszugehen. Er gab sich stets schüchtern und zurückhaltend, auch wenn ich ganz genau wusste, dass mehr in ihm steckte als das. Er verhielt sich manchmal sehr scheu, oftmals mehr als er eigentlich war. Trotzdem und vielleicht gerade deshalb liebte ich ihn so sehr. „Ich liebe dich“, flüsterte ich ihm ins Ohr und stand schließlich auf. Wieder lächelte er verlegen, fast wie ein kleines Kind. Und genau dieses Lächeln mochte ich so an ihm. Nicht, weil es so schüchtern wirkte, sondern vielmehr, weil es mir einmal mehr bewusst werden ließ, welches Glück ich doch hatte, einen wie Star als Freund zu haben. Vor allem nach den Strapazen, die wir durchmachen mussten, bis wir unsere Liebe endlich frei ausleben konnten. Wenn ich an all das zurückdenke, was damals passiert ist, bin ich umso glücklicher, dass es zwischen ihm und mir nach wie vor so wunderbar funktioniert. Denn kurz bevor ich ihn damals kennengelernt habe, hatte ich einen großen Streit mit meinem Vater, in dem es eben um genau dieses Thema ging: Eine feste Beziehung. Damals habe ich es absolut nicht eingesehen, warum er unbedingt so darauf versessen war, mir einen festen Partner zu verschaffen. Als ich ihm dann angedeutet habe, dass ich mich vielleicht die ganze Zeit nach dem falschen Geschlecht umschaue, hat er völlig die Beherrschung verloren und mich geschlagen. Aus Wut und Unverständnis über diese Reaktion bin ich dann von zu Hause weggelaufen und habe mich in einer Scheune in der Nähe des Waldes versteckt. Und an diesem Abend habe ich auch Star kennengelernt, denn wie sich später herausstellte, hatte ich mich geradewegs in seinem Heim einquartiert. Jeder andere hätte mich bestimmt in hohem Bogen hinausgeworfen, doch er nicht. Er hat mich gefragt, was mich überhaupt in diese Gegend führt und sich Zeit für mich und meine Probleme genommen. Als ich ihm meine ganze Leidensgeschichte erzählt habe, war er sehr betroffen und berührt und hat mich bei sich übernachten lassen. Wir haben dann noch lange über meine Probleme gesprochen und uns irgendwie Hals über Kopf ineinander verliebt. Von daher bin ich eigentlich ziemlich froh, dass alles so gekommen ist und ich mich mit meinem Vater gestritten habe, denn wäre das nicht passiert, hätte ich Star vermutlich niemals kennengelernt. Mittlerweile haben Dad und ich uns ausgesprochen und er hat inzwischen die Tatsache akzeptiert, dass ich schwul bin. Seitdem verstehen wir uns besser als jemals zuvor und er hat mir auch angeboten, dass ich jederzeit zu ihm kommen kann, wenn ich Probleme habe oder einfach jemanden brauche, mit dem ich in Ruhe reden kann. Er hat Star mittlerweile in sein Herz geschlossen und aufs Herzlichste in unserer Familie aufgenommen. Darüber bin ich wirklich überaus froh, denn auch wenn ich inzwischen erwachsen geworden bin, bin ich mit meiner Familie nach wie vor eng verbunden und wir sehen uns so oft wir nur können. „Kodi?“. Stars Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Langsam drehte ich mich zu dem kleinen Husky um und lächelte. „Ja?“, wollte ich wissen. „Woran denkst du?“, wollte er wissen und nahm mich an die Pfote. „Nichts weiter“, antwortete ich. „Nur daran, wie unbeschreiblich glücklich du mich machst“. Star wurde rot. „Wirklich?“, fragte er wieder, so wie jedes Mal, wenn ihm ein Kompliment sehr unangenehm war. Ich nickte und gab ihm einen Kuss. „Wirklich“, flüsterte ich ihm ins Ohr und richtete mich dann wieder auf. „Aber nun sag mal, was würdest du denn heute gerne frühstücken?“. „Ich weiß nicht“, antwortete er schulterzuckend. „Was möchtest du denn gerne, kleiner Prinz?“. So nennt er mich schon, seit wir zusammengekommen sind und ich finde diesen Spitznamen unglaublich süß. Ich bin zwar bei weitem kein Prinz, weder vom Aussehen, noch vom Charakter her, doch trotzdem gefällt mir dieser Kosename sehr, weil Star mir dadurch nur noch mehr beweist, wie sehr er mich liebt. Übrigens, vor allem vom Aussehen her passen Star und ich überhaupt nicht zusammen. Ich bin groß und sportlich gebaut, habe glattes rot-weißes Fell, dunkelgrüne Augen und spitze Ohren. Star dagegen ist eher klein und schmal, hat graues, flauschiges Fell, hellblaue Augen und schlaffe, rundliche Ohren. Grob geschätzt bin ich gut doppelt so groß wie er, obwohl er knapp zwei Jahre älter ist als ich. Das ist ihm oft etwas unangenehm und er schämt sich auch manchmal dafür, da er der Auffassung ist, dass der Ältere stets den Jüngeren beschützen und ihm Halt geben muss. Oft ist er sich unsicher, ob er das auch in jeder Situation tun kann, doch ehrlich gesagt ist mir das nicht wichtig. Ich liebe Star so wie er ist und um ehrlich zu sein macht ihn seine schüchterne und manchmal unsichere Art für mich umso liebenswerter. „Ich weiß es nicht“, antwortete ich schließlich, nachdem ich ausgiebig überlegt hatte. „Überrasch mich“.

Nachdem Star und ich ausreichend gefrühstückt hatten, machten wir uns auf den Weg zu meinen Eltern. In den letzten zwei Wochen hatten wir kaum die Zeit gefunden, sie zu besuchen, was vor allem daran lag, dass wir unser Zuhause derzeit umgestalteten und dies dementsprechend viel Aufwand bedeutete und eine Menge Zeit in Anspruch nahm. Star hatte zu mir gesagt, dass er mir unser Zusammenleben so komfortabel wie möglich gestalten möchte und ließ mich deshalb über das neue Design der Inneneinrichtung bestimmen. An sich war ich mit allem zufrieden, denn Stars Hütte bot mir alles, was ich mir nur wünschen konnte. Einen schicken Wohnraum, eine große Küche und ein stilvolles und elegantes Schlafzimmer. Was wollte ich denn bitte noch mehr? Das einzige, worum ich ihn gebeten hatte, war ein Bild von uns beiden über dem Bett aufzuhängen, da es zum einen der Einrichtung den letzten Schliff verlieh und wir zum anderen so immer daran erinnert wurden, was wir aneinander hatten und wie glücklich wir zusammen waren. Auf dem Weg zu meinem Elternhaus machte ich mir Gedanken darüber, wie es Mom und Dad wohl gehen mochte. Wir hatten seit unserem letzten Besuch nichts mehr von ihnen gehört, weshalb ich vermutete, dass sich nichts wirklich wichtiges ereignet hatte. „Hey Kodi“. Star riss mich aus meinen Gedanken und nahm meine Pfote. „Hm?“, fragte ich gedankenversunken und wandte meinen Blick in seine Richtung. „Ich... ähm...“. Er zögerte. „Was ist los, Liebling?“, wollte ich wissen und forderte ihn mit einer kurzen Bewegung auf, stehen zu bleiben. „Ach nichts“, antwortete er schließlich mit einem Schulterzucken. Dabei legte sich ein freches Grinsen auf sein Gesicht. „Was ist?“, wollte ich neugierig wissen. „Warum grinst du so?“. „Nichts weiter“, antwortete er. „Ich habe nur eine kleine Überraschung für meinen Prinzen“. „So?“, fragte ich. Diese Aussage hatte meine Neugier noch mehr geweckt. „Welche denn?“. „Abwarten“, antwortete er und zwinkerte. „Das wirst du dann schon sehen“. Mit diesen Worten marschierte er weiter und drehte sich um, als ich ihm nicht folgte. „Was ist denn?“, wollte er wissen und nahm meine Pfote. „Welche Überraschung?“, wiederholte ich interessiert und fing ebenfalls an zu grinsen. „Das Zauberwort heißt Geduld“, antwortete er und kicherte. „Aber ich hoffe, dass sie dir gefällt“. Er ging weiter und ich folgte ihm zögernd, während ich darüber nachgrübelte, was er sich wohl dieses Mal für mich ausgedacht hatte. Star liebt es über alles, mich zu überraschen und ich liebe es, von ihm überrascht zu werden. Was konnte er wohl diesmal für mich haben? Er hatte mir doch schon jeden nur erdenklichen Wunsch erfüllt. Trotzdem wartete ich geduldig und bohrte nicht weiter nach, da ich sowieso wusste, dass er nichts verraten würde. Mom saß gerade vor der Hütte und unterhielt sich mit Dad, als wir bei ihnen ankamen. „Kodi, mein Schatz“, rief sie, als sie uns bemerkte und rannte auf uns zu. „Hey Kodi“, sagte sie und schloss mich fest in den Arm. „Wie geht es dir, Schatz?“. Auch Dad kam nun zu uns herüber und drückte Star und mich fest an sich. „Na ihr zwei“, sagte er und lächelte. „Alles gut bei euch?“. „Immer doch“, antwortete ich und wandte mich an Star. „Nicht wahr, Engel?“. Dad lächelte verschmitzt, als ich das sagte. „Hast du das gehört?“, fragte er und wandte sich an Mom. „Sein kleiner Engel. Ist doch süß, oder?“. Mom nickte zustimmend, während wir ihr nach oben zur Hütte folgten. „Nun erzählt mal, was treibt ihr denn die ganze Zeit?“, wollte Dad wissen und setzte sich. „Wir bekommen euch ja kaum noch zu Gesicht“. „Dad, wir waren doch erst vor zwei Wochen hier“, antwortete ich und lachte. „Zwei Wochen sind eine lange Zeit“, entgegnete Mom und zwinkerte. „Ach komm“, erwiderte ich und drückte sie noch einmal fest an mich. „Es ist so“, beteuerte sie. „Wir vermissen dich schrecklich, Kodi“. Ich lächelte geschmeichelt. „Ich vermisse euch auch“, erwiderte ich und klopfte ihr auf den Rücken. „Aber ihr wisst ja, ihr dürft immer zu uns kommen, egal zu welcher Zeit“. „Außerdem“, fügte Star hinzu, „der Weg bis zu unserer Hütte ist ja nicht weit“. Mom lächelte. „Danke Schatz“, sagte sie, während sie mich streichelte. „Nichts zu danken“, entgegnete ich mit einem Lächeln. Wir unterhielten uns noch über dies und das, was es eben zu erzählen gab. Dann setzten wir uns alle vier eng zusammen und verstummten eine Zeit lang, bis Star schließlich das Schweigen brach. „Kodi“, setzte er an. „Du weißt, ich habe vorhin zu dir gesagt, dass ich eine Überraschung für dich habe“. Er stand auf und kam zu mir herüber. „Ja?“, fragte ich neugierig. „Kodi“, setzte er fort. „Du weißt, du bist etwas ganz besonderes für mich. Jeder Tag, den ich mit dir verbringen darf, ist etwas einmaliges für mich. Ein Leben ohne dich kann und möchte ich mir nicht mehr vorstellen“. Er kniete sich vor mich hin und nahm mich an die Pfote. Ich bemühte mich so gut es ging, jetzt bloß nicht loszuflennen. „Mein Prinz“, setzte Star fort. „Du weißt, dass große Ansprachen mir nicht liegen. Deshalb frage ich dich geradeheraus ohne langes Drumherum: Möchtest du mich heiraten?“. „Oh Star“, rief ich bewegt und fiel dem Husky weinend um den Hals. „Ist das ein Ja?“, fragte er und streichelte mir über die Wange. Ich nickte berührt. „Natürlich“, heulte ich überglücklich und klammerte mich an ihm fest. „Kodi“, sagte Mom, ebenfalls berührt legte mir die Pfote auf die Schultern. Ich schloss sie heulend in den Arm. „Alles Gute, Schatz“, flüsterte sie mir ins Ohr und klopfte mir auf den Rücken. Dann ging sie zu Star hinüber und nahm ihn ebenfalls in die Arme. „Viel Glück“, hörte ich sie ihm zuflüstern und drehte mich dann zu Dad um. Dieser saß nach wie vor schweigend da und lauschte geduldig unseren Worten. „Kodi“, sagte er schließlich und nahm meine Pfote. „Kann ich dich bitte kurz sprechen?“. Er ging voraus und bedeutete mir mit einem Wink, ihm zu folgen. Sein Tonfall machte mir irgendwie Gänsehaut und ich schluckte schwer. „N-natürlich“, stotterte ich und folgte ihm schließlich. Wir liefen ein paar Meter, während wir uns schweigend ansahen. „Was ist los, Dad?“, wollte ich wissen. Er blieb abrupt stehen und fiel mir um den Hals. „Was willst du denn besprechen?“, fragte ich noch einmal, seine Umarmung erwidernd. Dad antwortete nicht, sondern drückte mich nur noch fester an sich. Dabei stieß er ein leises Wimmern aus. „Dad, weinst du etwa?“, fragte ich nach kurzem Zögern. „Kodi“, winselte er, während er sich langsam aus unserer Umarmung löste. Er lächelte mich unter Tränen an. „Dad, was ist los?“, wiederholte ich meine Frage und nahm seine Pfote. „Ich bin so unglaublich stolz auf dich, mein Sohn“, antwortete er schließlich und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. „Ich bin so glücklich, dass du endlich deine große Liebe gefunden hast. Und glaub mir, ich wünsche euch beiden von Herzen alles Glück dieser Welt“. Berührt von Dads Worten liefen mir ebenfalls Tränen übers Gesicht. „Ich habe dich so lieb, Kodi“, sagte Dad und streichelte mir über den Kopf. „Vergiss das bitte nie“. „Dad“, winselte ich und klammerte mich an ihm fest. „Ich dich auch“. „Ich hoffe, dass du mit Star so glücklich wirst wie ich mit deiner Mom bin“, setzte er fort. „Ich wünsche euch beiden nur das Beste für euer Glück. Seid bitte immer ehrlich zueinander. Lasst euch gegenseitige Freiheit, aber lasst euch nicht allein. Hört einander zu und nehmt Rücksicht auf die Interessen des anderen. Wenn ihr euch so liebt, wie ihr seid, dann bin ich mir ganz sicher, wird euer Glück für immer halten“. Ich schluchzte noch lauter, als Dad seine Ansprache beendete. „Komm“, flüsterte er mir zu und lächelte. „Dein Engel wartet bestimmt schon auf dich“. Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zur Hütte und ich folgte ihm.
„Alles in Ordnung?“, wollte Mom wissen, als wir bei ihr ankamen. „Sicher, alles gut“, antwortete Dad lächelnd. „Ich musste Kodi nur kurz etwas wichtiges sagen“. Dann ging er zu Star hinüber und nahm ihn in den Arm. „Alles Gute, Kleiner“, sagte er und drückte den Husky fest an sich heran. „Danke Balto“, erwiderte dieser berührt. „Und wehe dir, wenn du meinen Kodi unglücklich machst“, setzte Dad mit ernstem Ton hinzu. „Dad“, rief ich verlegen. „Keine Angst, Balto“, beteuerte Star. „Das wird nicht passieren. Stimmt's, kleiner Prinz?“. „Natürlich“, stimmte ich ihm zu. „Wir werden bestimmt unglaublich glücklich miteinander“. „Sind wir das nicht schon?“, fragte er und tat so, als würde ihn diese Aussage kränken. „Sicher sind wir das“, antwortete ich und gab ihm einen Kuss. „Und das werden wird auch bleiben. Für immer“.

Nachdem Star und ich uns mit meinen Eltern ausgiebig über unsere Verlobung unterhalten und die beiden uns noch einmal von Herzen viel Glück gewünscht hatten, hatten wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Star war dann im Badezimmer verschwunden, um sich, wie er sagte, für mich schön zu machen. Auch wenn ich ihm erklärt hatte, dass er sich für mich nicht extra aufbrezeln musste und ich ihn auch so unheimlich hübsch fand, hatte er unbedingt darauf bestanden. Seit einer guten Dreiviertelstunde war er nun schon damit zu Gange, sich herzurichten und schön zu machen. Diese Zeit hatte ich gut genutzt, denn ich war kurz in die Stadt geeilt, um ein Geschenk für ihn zu besorgen. Nachdem er sich mit dem Heiratsantrag solche Mühe gegeben hatte, hatte er sich, wie ich fand, eine kleine Aufmerksamkeit verdient. Lange hatte ich überlegt, worüber er sich freuen könnte und hatte mich schließlich dazu entschlossen, ihm ein Abendkleid zu besorgen. Ich wusste nicht, woran es lag, aber ich sah in ihm eine mehr feminine als maskuline Seite. Vermutlich hing es mit seiner von Natur aus schüchternen und zurückhaltenden Art zusammen. Selbstverständlich war mir bewusst, dass er körperlich immer ein Mann bleiben würde. Aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er sich seelisch als Frau fühlte. Für diese Vermutung gab es diverse Anzeichen. Wenn wir zum Beispiel miteinander schliefen, war immer ich derjenige, der die Befehle gab, der ihm sagen und zeigen musste, was er zu machen hatte. Oder wenn wir zusammen ausgingen, trug er stets weibliche Accessoires, wie beispielsweise einen glitzernden Schal oder eine Halskette. Auch wenn wir ab und zu nur kuschelten, war klar und deutlich zu erkennen, dass er die Frau in unserer Beziehung war, denn er schmiegte sich immer zärtlich an meinen Körper und genoss es, wenn ich ihn dabei streichelte. Deshalb entschied ich kurzerhand, ihn darauf anzusprechen und ihn, sofern es sein Wunsch war, die weibliche Rolle in unserer Beziehung spielen zu lassen. Irgendwie gefiel mir der Gedanke, ihn als Mädchen zu sehen und zu behandeln. Vor allem glaube ich deswegen, weil es so gut zu seiner schüchternen Persönlichkeit passte. Mir gefiel auch die Vorstellung, dass, obwohl ich gut zwei Jahre jünger war als er, ich in Zukunft derjenige sein würde, der die starke und selbstbewusste männliche Rolle übernahm. Dass ich derjenige sein würde, der ihm Trost spendete, wenn er ihn brauchte und der ihn beschützte, wenn er sich wehrlos fühlte. Sofern er das überhaupt wollte natürlich. „Star?“, rief ich ins Badezimmer und klopfte vorsichtig an die Tür. „Liebling?“. „Komm rein“, antwortete er schließlich. Zögernd öffnete ich die Tür und trat ins Bad. Er stand gerade vor dem Spiegel und machte sich die Haare. „Was gibt es, Kodi?“, fragte er und drehte sich zu mir um. „Kann ich dich kurz sprechen, Süße?“, sprudelte es aus mir heraus, noch ehe ich etwas dagegen unternehmen konnte. Star blickte mich irritiert an. „Was?“, fragte er schließlich. „Was hast du gerade gesagt?“. „Ähm...“. Ich wusste gar nicht so recht, wie ich ihm das jetzt erklären sollte. „Hast du gerade Süße zu mir gesagt?“, fragte er nach und lächelte leicht verlegen. Ich nickte zögernd. „Star, ich denke, wir beide sollten uns dringend unterhalten“, antwortete ich und ging auf ihn zu. Er räusperte sich. „Worüber?“, fragte er schließlich, so als hätte er keine Ahnung, worum es ging. „Ich glaube, das weißt du“, antwortete ich und lächelte. „Komm schon, lass uns rüber ins Wohnzimmer gehen“. Er folgte mir zögernd und an seinem Blick erkannte ich, dass es ihm gar nicht behagte, was ich mit ihm vorhatte. Ich setzte mich auf das alte Sofa im Wohnzimmer, welches er vom Sperrmüll geholt hatte, wie er mir einmal erzählte und bedeutete ihm mit einem kurzen Wink, neben mir Platz zu nehmen. Er zögerte, kam meiner Aufforderung aber schließlich, wenn auch etwas widerwillig, nach. „Was ist los, Kodi?“, wollte er wissen und tat noch immer so, als hätte er nicht den leisesten Schimmer, was ich von ihm wollte. „Star, ich möchte dich etwas fragen“, begann ich schließlich. „Aber du musst mir versprechen, dass du mir eine ehrliche Antwort gibst, okay?“. „Okay“, antwortete er und schluckte schwer. Ich atmete tief durch und stellte ihm dann schließlich die eine Frage, die mir schon lange auf der Zunge brannte. „Bist du ein Mädchen?“, wollte ich wissen und beobachtete dabei jede seiner Körperbewegungen. Seine Arme begannen zu zittern, seine Atmung wurde schneller und ich konnte förmlich sehen, wie sich sein Magen verkrampfte. Sein Blick vermittelte einen Ausdruck von Schuld, so als hätte er etwas unrechtes getan. Er fühlte sich offensichtlich ertappt. „Keine Angst“, flüsterte ich ihm ins Ohr und nahm seine zitternde Pfote. „Du darfst ganz ehrlich sein“. „Kodi, ich...“. Star konnte den Satz nicht beenden, bevor er in Tränen ausbrach. „Hey“, flüsterte ich und nahm ihn in den Arm. „Ja, es stimmt“, schluchzte er aufgelöst. „Ich fühle mich als Mädchen. Das ist schon mein ganzes Leben lang so. Ich habe es schon immer geliebt, Kleider oder hochhackige Schuhe zu tragen und mich zu schminken. Ich weiß, dass es nicht normal ist. Ich...“. Ich legte ihm meine Pfote auf die Lippen, um ihn zum Schweigen zu bringen. „Star, hey Kleine“, flüsterte ich ihm beruhigend zu und streichelte ihn sanft. „Was?“, fragte er. „Was hast du gerade gesagt?“. „Kleine“, wiederholte ich und lächelte ihn an. „Aber... aber Kodi...“, stotterte er unsicher. „Keine Angst, Star“, flüsterte ich ihm beruhigend zu. „Heißt das, dass du mir nicht böse bist?“, wollte er wissen. „Aber Süße, warum sollte ich dir denn böse sein?“, entgegnete ich. „Du fühlst dich eben als Mädchen. Das ist für mich überhaupt kein Problem. Und wenn es dein Wunsch ist und es dich glücklich macht, dann darfst du natürlich gerne die Frau in unserer Beziehung spielen“. „Wirklich? Meinst du das ernst?“, fragte er nervös nach. Ich nickte zustimmend. „Aber sicher, meine Kleine“, antwortete ich und zwinkerte. „Dann hast du es schon die ganze Zeit über gewusst?“, fragte er und sah mich durcheinander an. Wieder nickte ich. „Ich hatte da so eine Vermutung“, erwiderte ich und nahm Star fest in den Arm. „Und für dich ist es kein Problem, wenn ich...“. „Wenn du deine weibliche Seite auslebst?“, unterbrach ich ihn. „Natürlich nicht, Süße. Wenn es dich glücklich macht und du dich in dieser Rolle besser zurechtfindest“. „Und es macht dir nichts aus, wenn ich mich beim Ausgehen mal schminke?“, fragte er weiter. Ich schüttelte verneinend den Kopf. „Wenn du dich dann wohler fühlst“, antwortete ich. „Dann zieh es durch, meine Kleine. Du weißt, ich liebe dich so wie du bist, egal ob nun als Mädchen oder als Junge“. Star fiel mir weinend um den Hals. „Danke“, flüsterte er mir überglücklich ins Ohr. „Nichts zu danken, meine Süße“, antwortete ich, während ich ihn streichelte. „Möchtest du mich denn trotzdem noch heiraten?“, fragte er, als er sich wieder etwas beruhigt hatte. „Natürlich, mein Engel“, antwortete ich. „Weil ich dich über alles liebe. Und daran wird sich nie etwas ändern“.

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