Balto - Revenge!

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4 Kapitel - 18.377 Wörter - Erstellt von: Rosie Mayer - Aktualisiert am: 2015-09-25 - Entwickelt am: - 426 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Nahezu endloses Glück für Star: Nicht nur, dass der konservativ eingestellte Steele endlich aus Nome verschwunden ist, Balto und er sind seit diesem Tag das Traumpaar schlechthin. In Nome werden sie von allen gefeiert und geliebt und wollen zeitnah auch den nächsten großen Schritt wagen: Eine Hochzeit. Zusammen mit Nikki und Kaltag, welche ihre Liebe inzwischen auch öffentlich ausleben, stellen sie die ersten Planungen an. Doch bald werden sie von der Vergangenheit eingeholt: Star glaubt, während eines Spazierganges Steele zu sehen, der ihn beobachtet. Bald darauf erhält er ein Paket mit skurrilen Inhalten. Ist Steele wirklich zurückgekehrt, um sich zu rächen?

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Rückblende
Zwei Jahre. Zwei wundervolle, glückliche Jahre lang bin ich nun schon mit ihm zusammen. Zwei Jahre voller Sehnsucht, voller Wärme, Zärtlichkeit, Nähe und vor allem voller Liebe. Wenn ich daran zurückdenke, wie unsicher ich damals war, als das mit uns angefangen hat, erscheint es mir umso unfassbarer, dass wir nun schon so lange ein Paar sind. Umso erstaunlicher, dass es mit uns so perfekt funktioniert. Umso unerklärlicher, dass er sich ausgerechnet für mich entschieden hat. Vor allem, da er in Nome grundsätzlich als Mädchenschwarm schlechthin gilt. Und ich bin sicher, dass sich auch so mancher Mann schon einmal vorgestellt hat, wie es wohl wäre, mit ihm zusammen zu sein. Er ist einfach perfekt. Der perfekte Mann, von dem jeder, der sich nach Liebe sehnt, heimlich träumt. Wenn er nur will, dann kann er jeden bekommen, egal ob Mann oder Frau. Aber er hat sich für mich entschieden. Für mich. Auch wenn ich nun seit zwei Jahren morgens neben ihm aufwachen und abends neben ihm einschlafen darf, kommt es mir trotzdem immer noch vor wie ein Traum. Ein endloser, perfekter Traum, aus dem ich nie mehr aufwachen will. Aber ich weiß natürlich, dass es kein Traum ist. Er und ich – wir sind wirklich ein Paar. Und das seit nunmehr zwei Jahren. Zwei Jahre, in denen ich so viele neue Erfahrungen machen durfte. In denen ich Dinge und Gefühle entdecken durfte, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt oder dass ich sie empfinden kann. Er hat mir in dieser Zeit so unendlich viel gegeben, mir so viel gezeigt und mir viel beigebracht. Vor allem aber hat er mich spüren lassen, was Liebe eigentlich ist. Das war die bisher schönste und emotionalste Erfahrung, die ich mit ihm machen durfte.
Doch eines nach dem anderen: Ich heiße Star und bin hier in diesem Dörfchen namens Nome geboren worden. Bisher verlief mein Leben eigentlich ohne besondere Vorkommnisse und ich war ein Durchschnittstyp wie jeder andere auch. Doch vor knapp zwei Jahren wurde dann meine ganze Welt von einer Sekunde auf die andere auf den Kopf gestellt. Das lag daran, dass ich mich verliebt hatte. Eigentlich ein Grund, um sich zu freuen, doch der Haken an der Sache war, dass ich diese Gefühle für einen anderen Mann empfand. Ich war somit also schwul. Eine Feststellung, mit der das Grauen seinen Lauf nehmen sollte. Denn als Steele, mein ehemaliger bester Freund, dahintergekommen ist, nahm der Albtraum seinen Lauf. Ich wusste, dass er Homosexualität über alle Maßen verabscheut und habe mich deshalb so lange ich konnte bemüht, die Sache vor ihm geheimzuhalten. Leider bin ich aufgeflogen, als er mich mit meinem Freund beim Schmusen erwischt hat. Von da an hatte ich keine ruhige Minute mehr. Er hat uns aufgelauert und uns bedroht und Beschimpfungen, die weit unter der Gürtellinie lagen, waren an der Tagesordnung. Lange habe ich mit mir gerungen, bis ich mich schließlich überwinden konnte und beschlossen habe, das so nicht länger hinzunehmen. Mein Freund und ich haben jegliche Warnungen und Drohungen in den Wind geschlagen und unsere Liebe öffentlich ausgelebt. Steele hat das natürlich gar nicht in den Kram gepasst. Aber das war uns egal. Wir haben seine Bedrohungen ignoriert und uns trotz anfänglicher Bedenken getraut, zusammen zum Paarabend zu gehen. Der Paarabend ist das gesellschaftliche Ereignis in Nome. Einmal im Monat treffen sich sämtliche Liebespaare in der großen Scheune, um gemeinsam zu feiern, zu tanzen und den anderen ihre Liebe zu beweisen. Auch mein Freund Balto und ich wollten diese Chance nutzen und sind kurzerhand dort aufgetaucht. Nach einigen Startschwierigkeiten entwickelte sich der Abend schließlich zum schönsten meines ganzen Lebens. Alle anderen Paaren haben uns für unseren Mut bewundert und uns applaudiert. Jedenfalls so lange, bis Steele die Feier gestürmt hat. Er war rasend vor Wut und ist auf mich losgegangen. Doch zu meiner großen Überraschung haben die anderen Paare uns verteidigt und beschützt. Sogar Nikki und Kaltag, zwei weitere Mitglieder aus Steeles Bande, haben sich gegen ihn gestellt und standen hinter uns. Sie haben Steele dann unmissverständlich klargemacht, dass die Zeit seiner herrschenden Ansichten ein für alle Mal vorbei ist. Das ganze ist in einem lautstarken Streit eskaliert und endete schließlich in einer blutigen Schlägerei. Zornig und erschöpft hat Steele den Kampf schließlich aufgegeben und ist auf nimmer Wiedersehen verschwunden. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört, worüber ich eigentlich auch froh bin, da ich auf einen weiteren Streit mit ihm gut verzichten kann. In Nome hat sich seit Steeles Verschwinden viel verändert. Nicht nur, dass Balto und ich seit diesem Abend das beliebteste Paar in Nome sind und absolut jeder so viel wie möglich mit uns unternehmen will, auch das Thema homosexuelle Liebe wird öffentlich diskutiert und ausgelebt. Viele Paare haben sich seither geoutet und stehen jetzt offen zu ihrer Liebe. Darunter auch Nikki und Kaltag. Wie sie Balto und mir später erzählt haben, waren sie schon lange ineinander verliebt, haben sich aber aufgrund von Steeles dominantem Verhalten nicht getraut, es öffentlich zu machen. Sie haben sich, genau wie Balto und ich, heimlich getroffen und gehofft, dass niemand sie entdeckt. Erst seit Steele weg ist gehen sie zusammen aus und küssen sich auch in der Öffentlichkeit. Auch unsere Freundschaft hat dieses Ereignis immens bestärkt. Wir vier unternehmen regelmäßig etwas zusammen. Ob Waldspaziergang, Tanzabend oder unterhaltsame Gespräche im Stadtpark, uns fällt immer etwas ein, um die Langeweile totzuschlagen und uns köstlich zu amüsieren. Zwischen Balto und mir hat sich mittlerweile auch viel geändert: Wir sind vor einigen Wochen zusammengezogen, damit wir wirklich so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen können und haben uns vor wenigen Tagen sogar verlobt. Der Nachmittag, an dem Balto mir den Antrag machte, war mitunter der schönste Moment in unserer Beziehung. Er hat sich wirklich was einfallen lassen, das muss man sagen. Und die Überraschung ist ihm gut gelungen, da ich nicht das geringste geahnt habe, bis er mir schließlich die entscheidende Frage gestellt hat. Natürlich habe ich Ja gesagt, was denn bitte auch sonst? Bisher halten wir unsere Verlobung allerdings noch geheim. Ich möchte damit bis zum nächsten Paarabend warten, damit alle von unserem Glück erfahren können und ich es nicht jedem einzeln erzählen muss, wobei es mir natürlich entsprechend schwer fällt, die Klappe zu halten, wenn ich Freunde auf der Straße treffe. Aber es sind nur noch wenige Tage bis zum nächsten Paarabend und dann kann ich mein kleines Geheimnis endlich öffentlich kundtun. Bis dahin heißt es wohl oder übel noch warten.

„Star? Wo steckst du, meine hübsche Königin?“. Ich hörte, wie Balto nach mir rief, als ich gerade damit zu Gange war, mich ausgehfertig zu machen. Er und ich waren heute mit Kaltag und Nikki im Park verabredet. Wir wollten uns einen schönen Tag machen und mit den beiden mal wieder richtig unbeschwert quatschen. Dazu waren wir in den letzten Tagen kaum gekommen. Das lag daran, dass wir im Moment die komplette Inneneinrichtung meiner Hütte umorganisierten und neu gestalteten. Wir sortierten meine sämtlichen Sachen aus und sahen uns auf dem Sperrmüll nach neuen Möbelstücken und Dekoartikeln um. Denn nachdem Balto bei mir eingezogen war, brauchte ich unbedingt mehr Platz für dessen Habseligkeiten und Kleidungsstücke. Nicht, dass mein Kleiderschrank nicht groß wäre, ganz im Gegenteil: Es ist der größte, den ich bisher auf dem Sperrmüll finden konnte. Trotzdem leider nicht groß genug. Er quoll regelrecht über, da ich mittlerweile eine breite Masse an diversen Outfits für die unterschiedlichsten Anlässe angesammelt hatte. Zugegeben, den Großteil dieser Klamotten hatte Balto mir geschenkt, aber gerade deswegen konnte und wollte ich nichts davon wegwerfen. Dafür verband ich zu viele schöne Erinnerungen mit den einzelnen Stücken. Egal ob Abendmode, ausgefallene Partykleidung oder schlichter Alltagstrend – in meinem Schrank war für jeden Zweck etwas dabei. Shirts und Oberteile, Jeans und Miniröcke, Westen und Jacken, Strand- und Abendkleider – wonach man auch suchte, bei mir war es unter Garantie zu finden. Und das nicht nur in allen möglichen Farbkombinationen, sondern auch in den unterschiedlichsten und ausgeflipptesten Designformen. Grob geschätzt waren mir ungefähr achthundert verschiedene Kombinationsmöglichkeiten geboten. Und das, wenn man meine Schuhe nicht mitrechnet. Balto ließ auch absolut keine Gelegenheit aus, um mich mit einem neuen Geschenk zu überraschen. Für ihn war ich seine kleine Königin. Ja, ich gebe es zu. Ich spiele die Dame in unserer Beziehung und ich genieße es in vollen Zügen. Ich mag es, wenn Balto mich seine Königin nennt und mich behandelt wie eine Frau. Körperlich bin ich zwar immer noch ein Mann geblieben, aber seelisch bin ich mittlerweile zur eleganten Dame geworden. Nicht nur, dass ich mich kleide und schminke wie eine Frau, ich habe mir auch die typischen Redens- und Verhaltensweisen einer Frau angeeignet. Selbstverständlich gehe ich auch so aus. Je nach Anlass schlüpfe ich in ein elegantes Kostüm oder ein farbenfrohes Strandkleid und werde zur Frau an Baltos Seite. Anfangs war es eine Art Spiel. Ich merkte, dass es mir gefällt, elegante Kleider oder lange Stiefel mit hohen Absätzen zu tragen und tat dies auch zu jeder sich bietenden Gelegenheit. Jedoch nur zu Hause. Aber mittlerweile mache ich das auch öffentlich. Ich schäme mich keineswegs dafür, da ich mich psychisch schon lange wie eine Frau fühle. Ich bin bei weitem kein Transvestit, ich lebe lediglich das aus, was ich fühle. Auch wenn ich zuerst Bedenken hatte, als ich gemerkt habe, dass mir das Frausein gefällt, habe ich es mittlerweile akzeptiert. Und Balto auch. Er nennt mich seitdem immer seine Königin und das finde ich echt unheimlich süß. Denn es zeigt mir, dass Balto meine weiblichen Züge und Verhaltensweisen anerkennt und akzeptiert. Auch Nikki und Kaltag haben damit keinerlei Probleme, sie sind es inzwischen gewöhnt, dass ich in Stiefeln und Kleidern herumlaufe und bewundern es sogar ein bisschen. Kurz gesagt könnte mein Leben im Augenblick nicht schöner sein. „Ich bin hier“, antwortete ich, während ich überlegte, welche Schuhe ich zu meinem schneeweißen Outfit anziehen sollte, welches aus einer Bluse mit aufgesticktem Blumenmuster und einem Minirock bestand. Dazu legte ich mir diamantbesetzte Silberohrringe mit passender Kette und ein Armband aus Süßwasserzuchtperlen an. „Hallo meine Hübsche“, sagte Balto und kam zu mir ins Zimmer. „Hey“, erwiderte ich mit einem Lächeln und begutachtete mein Sammelsurium an Schuhen. „Bist du soweit?“, fragte er und stellte sich neben mich. „Hm“, antwortete ich geistesabwesend, da ich mich absolut nicht entscheiden konnte, welches Paar ich nehmen sollte. „Ich habe keine passenden Schuhe“, erwiderte ich und wandte mich ihm zu. „Geh barfuß“, entgegnete er und kicherte. „Balto“, sagte ich in ernstem Ton und schüttelte leicht den Kopf. „Was denn? Mache ich doch auch“, sagte er mit unschuldiger Miene. Das stimmte. Balto war immer barfuß, egal welches Wetter draußen herrschte. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie er das bei diesen eisigen Temperaturen, die wir hier im Moment hatten, durchhielt. „Ach Star, du Süße“, flüsterte er und legte mir die Pfoten um die Schultern. „Was?“, erwiderte ich. „Ich friere nun mal leicht“. „Natürlich“, erwiderte er mit einem Lächeln. „Dann helfe ich dir mal beim Suchen. Wir wollen doch nicht, dass deinen hübschen Füßchen etwas passiert“. Ich lächelte leicht verlegen. „Hübsch?“, fragte ich. „Alles an dir ist hübsch, mein Engel“, antwortete Balto und streichelte mir über die Wange. „Absolut alles“.

Nachdem ich mich nach endloser Suche schließlich für ein Paar weiße Pumps entschieden hatte, machten Balto und ich uns auf den Weg in den Park. Ich war unendlich aufgeregt, vor allem deshalb, weil ich nicht wusste, ob ich die Tatsache, dass Balto und ich verlobt waren, noch länger für mich behalten konnte. Ich hatte Balto allerdings hoch und heilig versprochen, vor dem nächsten Paarabend kein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren und hoffte, dass ich in der Lage war, dieses Versprechen auch einzuhalten. Nikki und Kaltag warteten bereits auf uns und winkten uns zu. „Hey Star, hey Balto“, riefen sie und fielen uns zur Begrüßung um den Hals. „Hey“, erwiderten Balto und ich zeitgleich. „Alles gut bei euch?“, wollte Nikki wissen, als er die Umarmung löste. „Wow“, stieß Kaltag hervor, noch ehe wir überhaupt dazu kamen, auf Nikkis Frage zu antworten. „Star...“, sagte er und schnappte demonstrativ nach Luft. „Du siehst einfach bombastisch aus“. „Ähm, danke“, antwortete ich mit einem verlegenen Lächeln. „Du bist bestimmt das hübscheste Mädel von ganz Nome“, fuhr er fort. Dann griff er nach meiner Pfote und küsste sie sanft. „So zart und schön wie eine Rose. Deine Augen, so hell wie zwei Sterne. Dein Duft, so lieblich und süß wie ein Garten“. Ich kicherte verlegen und wurde rot. „Ach du“, sagte ich. „Charmeur“. „Meine Schönheit“, setzte er fort und fiel vor mir auf die Knie. „Ich bin nicht würdig, einem so wunderbaren Engel gegenüberzustehen“. Wieder kicherte ich verlegen. „Komm, hör auf“, sagte ich. „Ich meine es ernst“, versicherte er mir. „So eine Schönheit wie du verdient nur das Beste“. „Flirtest du etwa mit mir?“, fragte ich und kicherte erneut. „Möglicherweise ja, möglicherweise nein“, antwortete Kaltag und kicherte ebenfalls. „Hey, die Süße gehört zu mir“, unterbrach uns Balto und grinste mich an. „Nicht wahr, meine Königin?“. „Absolut“, stimmte ich zu und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Keine Angst“, entgegnete Kaltag. „Ich bin auch glücklich vergeben“. Dann wandte er sich an Nikki. „Stimmt doch, oder?“. „Mhm“, sagte Nikki lächelnd und umarmte Kaltag. „Also, was meint ihr? Drehen wir eine Runde im Park?“, fragte Balto und legte mir die Pfote auf die Schultern. „Sicher, gern“, stimmte Kaltag zu. „Wir wollten euch sowieso noch was erzählen“. „So?“, fragte ich neugierig. „Was denn?“. „Wartet es ab“, antwortete er mit einem Grinsen. „Wir verraten es euch schon noch“.
„Oh, diese verdammten Schuhe“. Wir schlenderten nun schon eine gute halbe Stunde durch den Park und meine Füße schmerzten entsetzlich. Ich hatte in der Hektik wie üblich vergessen, dass mir die weißen Pumps viel zu klein und darüber hinaus zu unkomfortabel waren. „Was hast du denn, meine Hübsche?“, fragte Balto und blieb besorgt stehen. „Ach, diese Schuhe bringen mich um“, stöhnte ich. „Dann zieh sie doch aus“, entgegnete Kaltag, der ebenfalls stehen geblieben war. „Spinnst du?“, erwiderte ich. „Weißt du eigentlich, wie kalt es heute ist?“. „Meine arme Süße“, sagte Balto und schlang seine Arme um mich. „Was hast du vor?“, fragte ich irritiert. „Na was schon? Ich trage dich, mein hübscher Liebling“, antwortete er und hob mich hoch. „So kann ich dich doch keinen Schritt mehr laufen lassen. Sonst verletzt du dir womöglich noch deine empfindlichen Füßchen“. „Ooch“, stießen Kaltag und Nikki wie aus einem Munde hervor. „Das ist aber süß“, setzte Kaltag hinzu und lächelte. „Balto“, sagte ich verlegen. „Das ist wirklich nicht nötig. Ich...“. „Doch, doch. Es ist nötig“, beharrte er und streichelte mir über die Wange. „Meine Königin soll sich doch nicht wehtun“. „Ooch, ist das süß“, wiederholte Kaltag gerührt. „Wenn das doch auch mal jemand für mich täte“, setzte er hinzu und wandte sich mit flehendem Blick an Nikki. „Erwartest du jetzt etwa, dass ich dich trage, oder was?“, fragte dieser und lachte. „Aber nein, aber nein“, antwortete er und hob abwehrend die Arme. „Ich sage ja nur, es wäre schön“. „Ach komm her“, erwiderte Nikki und nahm Kaltag auf den Arm. „Du verrückter Spinner“. Er küsste ihn auf die Wange und zwinkerte. „Ach, das wäre doch wirklich nicht nötig“, sagte Kaltag und lachte. „Ja, ja, natürlich“, entgegnete Nikki und stimmte in sein Lachen mit ein.
„Wollen wir uns ein wenig setzen?“, fragte Balto, als wir bei einer Bank ankamen. „Werde ich dir zu schwer?“, fragte ich und tat so, als wäre ich darüber deprimiert. „Ach was, mein Engel. So habe ich das doch nicht gemeint“, antwortete er. „Weiß ich“, entgegnete ich kichernd. „Also?“, fragte Balto noch einmal. „Klar, gerne“, antwortete ich und Nikki und Kaltag stimmten mir zu. „Wolltet ihr uns nicht etwas erzählen?“, fragte ich, als wir uns setzten. „Ja, wollten wir“, antwortete Kaltag mit einem stolzen Grinsen im Gesicht. Er streckte seine rechte Pfote aus und hielt sie mir entgegen. „Ta-ta-ta-ta“, sagte er und kicherte. Erst jetzt sah ich den Diamantring, der an seiner Pfote steckte. In der ganzen Wiedersehensfreude war er mir vorhin gar nicht aufgefallen. „Wir sind verlobt“, trällerte Kaltag fröhlich und grinste noch breiter. „Was? Ihr auch?“, stieß ich ungewollt hervor, noch ehe ich etwas dagegen tun konnte. „Dann herzlichsten Glückwunsch“. „Auch?“, fragte Nikki nach. „Ähm, ich... ich meine... ähm...“. Mir war klar, dass ich ihnen jetzt wohl oder übel sagen musste, dass auch ich mich verlobt hatte, auch wenn ich Balto mein Wort gegeben hatte, vor dem nächsten Paarabend nichts zu verraten. Ich blickte zu ihm auf, mit meiner typischen „Es-tut-mir-Leid“-Miene. „Sag es ihnen ruhig“, flüsterte er mir ins Ohr und lächelte. „Was ist los?“, wollte Kaltag wissen. Ich streckte ihm meine Pfote entgegen, genau wie er es getan hatte und lächelte stolz. „Wir sind auch verlobt“, antwortete ich. „Oh Star, herzlichen Glückwunsch“, riefen Nikki und Kaltag zeitgleich aus und fielen mir um den Hals. „Das freut mich so für euch“, setzte Nikki hinzu. „Danke. Ich freue mich genauso für euch“, antwortete ich. „Sorry“, sagte ich noch einmal und wandte mich an Balto. „Bist du mir sehr böse?“. „Ach was, nein“, antwortete er uns streichelte mir über den Kopf. „Natürlich nicht“. Ich lächelte. „Aber ich hätte eine Bitte an euch“, wandte er sich an Nikki und Kaltag. „Wärt ihr so lieb, noch nichts zu verraten? Wir würden es den anderen gerne selbst sagen“. „Selbstverständlich“, versprach uns Kaltag. „Kein Wort wird über meine Lippen kommen“. „Über meine auch nicht“, pflichtete Nikki ihm bei. „Ich verspreche es“. „Und? Habt ihr euch schon Gedanken über die Hochzeit gemacht?“, wollte Kaltag wissen. „Naja“, antwortete ich. „Ehrlich gesagt noch nicht“. „Ach Star, du wirst bestimmt eine zauberhafte Braut“, schwärmte er und lächelte. „So? Meinst du?“, fragte ich verlegen. „Mit Sicherheit“, antwortete er. „Das wirst du“, stimmte Balto ihm zu. „Das wirst du ganz bestimmt, meine Schönheit“. Ich räusperte mich vor Verlegenheit. „Und ihr?“, wechselte ich das Thema. „Was ist mit eurer Hochzeit?“. „Nunja, um ehrlich zu sein haben wir uns schon unsere Gedanken gemacht“, antwortete Kaltag. „Wir haben schon alles nötige abgesprochen und besorgt, wir müssen nur noch einen Termin festlegen“. „Oh“, stieß ich überrascht hervor. „Können wir euch behilflich sein?“. „Aber nein, aber nein“, antwortete Nikki. „Wir machen das schon. Sollen wir euch denn bei euren Vorbereitungen helfen?“. „Nun, ich müsste noch mein Kleid besorgen“, antwortete Kaltag. „Nikki und ich haben abgesprochen, dass ich die Braut werde“. „Och, schön“, sagte ich lächelnd. „Natürlich würde ich dir da helfen, wenn ich darf“. „Aber natürlich, gern“, entgegnete er. „Hey, da kommt mir doch glatt eine Idee. Warum machen wir keine Doppelhochzeit?“. „Eine Doppelhochzeit?“, fragten Balto und ich gleichzeitig. „Ja, aber natürlich. Das wäre es doch. Ich meine, ihr wollt doch heiraten, oder?“. „Ja“, antwortete ich zustimmend. „Na also. Worauf dann warten?“, erwiderte er. „Hm“, sagte ich und überlegte. Auf der einen Seite hatten Balto und ich uns erst kürzlich verlobt und wollten keinesfalls überstürzt handeln. Andererseits liebten wir uns sehr und konnten uns ein Leben ohneeinander nicht vorstellen. Warum sollten wir also nicht die Gelegenheit nutzen und uns das Ja-Wort geben? „Balto“, sagte ich. „Warum nicht?“. „Du möchtest, ja?“, fragte Balto nach. „Naja, Kaltag hat doch Recht. Wir lieben uns doch. Worauf sollen wir also warten?“, antwortete ich. „Das heißt, du möchtest?“, fragte er noch einmal. „Ja“, antwortete ich. „Dann möchte ich auch“, erwiderte er mit einem Lächeln. „Wirklich?“, fragte ich euphorisch. „Wirklich“, antwortete er und gab mir einen Kuss. „Du hast ja Recht. Wozu sollen wir denn noch warten, wenn wir es gleich tun können?“. „Oh... Balto“, stieß ich gerührt hervor und spürte, wie mir ein paar Freudentränen über die Wangen kullerten. „Ooch“, sagten Nikki und Kaltag und nahmen mich in den Arm. Jetzt brach ich in regelrechtes Heulen aus. Ich war überwältigt. Einfach überwältigt. Balto bewies mir durch diesen Schritt einmal mehr seine grenzenlose Liebe. Das war das schönste Geschenk, das er mir machen konnte. „Na, na“, flüsterte Kaltag und streichelte mir über den Kopf. „Ist ja gut“. „Tut – tut mir Leid. Ich freue mich einfach so“, sagte ich, nachdem ich mich etwas gefangen hatte und wischte mir die Tränen aus den Augen. „Hey, kein Grund sich zu entschuldigen“, erwiderte Kaltag. „Du bist eben emotional“. „Und genau das macht dich ja so süß“, fügte Balto hinzu und drückte mich fest an sich. „Danke“, flüsterte ich, während ich mich an sein Fell kuschelte. „Star, mein süßer Engel“, entgegnete er und stand auf. Dann kniete er sich vor mich und nahm meine Pfote. „Star, du bist das Beste, das mir in meinem Leben passieren konnte. Das wunderbarste Wesen, das ich je kennenlernen durfte. Und ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich das Glück habe, mein Leben mit dir teilen zu dürfen. Jeden Moment, den ich mit dir verbringe, empfinde ich so klar und intensiv wie nie vorher. Erst, seit du in meine Welt kamst, weiß ich, wofür ich lebe. Du bist so unglaublich ehrlich und reinherzig. Seit es dich gibt, hat mein Leben einen neuen Sinn und mein Herz einen neuen Grund, für den es schlägt. Du bist mein Licht, Star. Ohne dich wäre meine Welt kalt und leer. Danke für jede Sekunde, die du mit mir teilst. Ich liebe dich, meine Königin“. Als Balto mit seiner Ansprache endete, brach ich erneut in lautes Schluchzen aus. Auch Nikki und Kaltag waren bewegt und ihnen liefen ein paar Tränen über die Wangen. „Balto“, heulte ich überglücklich und fiel ihm um den Hals. „Ich liebe dich, Star“, flüsterte er mir ins Ohr. „Und ich werde dich für immer lieben, das verspreche ich dir“.

„Balto, bitte komm doch mal her“. Ich stand im Bad und machte mich gerade bettfertig. Dabei ließ den heutigen Tag noch einmal Revue passieren. Balto wollte mich heiraten. Er wollte mich wirklich heiraten. Er war bereit, mit mir den nächsten großen Schritt zu wagen und bewies mir dadurch noch mehr, wie sehr er mich doch liebte. Ich dachte an die Worte, die er zu mir gesagt hatte und bemühte mich dabei, nicht wieder loszuflennen. Aber es gelang mir nicht. Ich brach vor Freude wieder in lautes Schluchzen aus. In diesem Moment kam Balto ins Badezimmer. „Star! Meine Süße, was ist denn passiert?“, fragte er besorgt und rannte zu mir. „Alles in Ordnung? Hast du dir wehgetan?“. Ich antwortete ihm nicht, sondern fiel ihm stattdessen überglücklich um den Hals. Natürlich hatte er absolut keine Ahnung, dass ich nicht aus Schmerz, sondern aus Glück weinte. „Mein Engel, was hast du denn nur? Warum weinst du denn so?“, fragte er noch einmals, während er mich streichelte. „Ich liebe dich“, antwortete ich schluchzend. „Ich liebe dich auch, mein hübsches Mädchen“, erwiderte er. „Aber was hast du denn? Was ist passiert?“. „Nichts“, antwortete ich und bemühte mich, mich wieder zu fangen. „Ich bin nur so unglaublich glücklich“. „Och“, flüsterte Balto mir ins Ohr und streichelte mir sanft über den Kopf. „Es – es tut mir Leid“, sagte ich, nachdem ich mich beruhigt hatte. „Ich wollte nicht wieder losheulen. Aber du machst mich so glücklich, da kann ich nicht anders. Entschuldige, wenn ich dich beunruhigt habe. Das wollte ich nicht“. „Ach Süße“, flüsterte er und küsste mich auf die Wange. „Dann ist alles in Ordnung, ja?“. „Ja“, antwortete ich und nickte zustimmend. „Gut“, erwiderte er und lächelte. „Bist du dann so weit?“. „Ja, ich komme gleich“, antwortete ich und warf noch einen Blick in den Spiegel, den Balto und ich vom Sperrmüll geholt hatten. „Wie sehe ich aus?“, fragte ich und wandte mich wieder Balto zu. „Unvergleichlich schön“, antwortete er und nahm mich an die Pfote. „Jetzt komm. Ich möchte noch etwas mit dir besprechen“. „Okay“, entgegnete ich und folgte ihm nach draußen ins Wohn- und Schlafzimmer. „Was ist denn los?“. „Bitte setz dich“, forderte er mich auf und nahm auf dem Sofa Platz, welches wir ebenfalls vom Sperrmüll hatten. Ich setzte mich neben ihn und wartete gespannt darauf, was er zu sagen hatte. „Es geht um die Hochzeit“, begann er und legte mir die Pfote um die Schultern. „Okay, was ist damit?“, wollte ich wissen. „Wir können nicht heiraten“, antwortete er. Für einen kurzen Augenblick setzte mein Herz aus. „W-was?“, fragte ich zögernd. „Wir können nicht heiraten“, wiederholte er ernst. Dann legte sich ein breites Grinsen auf sein Gesicht. „Jedenfalls nicht ohne Hochzeitskleid“. Erleichtert atmete ich auf. „Das war gemein“, sagte ich. „Mich so zu erschrecken“. „Tut mir Leid, meine Hübsche“, entschuldigte er sich. „Schon in Ordnung“, entgegnete ich. „Jedenfalls, wegen dem Hochzeitskleid“, setzte er fort. „Ja?“, fragte ich nach. „...habe ich mir mal meine Gedanken gemacht, während du im Bad warst“. Er stand auf, griff hinter die Sofalehne und holte eine große Schachtel dahinter hervor. „Was ist das?“, wollte ich wissen. „Bevor ich es dir zeige, musst du mir versprechen, dass du versuchst, nicht wieder zu weinen“, antwortete er und setzte sich wieder zu mir. „Ich werde es versuchen“, erwiderte ich und sah ihn gespannt an. „Als du im Bad warst bin ich schnell mal in die Stadt geeilt und habe in ein paar Altkleidercontainern rumgewühlt“. Er überreichte mir die Schachtel und lächelte. „Ist das etwa ein...?“, setzte ich an, verstummte jedoch, als ich den Deckel der Schachtel abnahm. Darin lag ein schneeweißes, wallendes Brautkleid. „Oh...“, stieß ich bewegt hervor und versuchte, meine Freudentränen zurückzuhalten. Vorsichtig nahm ich das Kleid aus der Schachtel und faltete es auseinander. Es hatte alles, was mein Herz begehrte. Einen Schleier und eine lange Schleppe mit Spitzen. Auf das Kleid selbst waren weiße Rosen aus Seide aufgenäht. „Gefällt es dir, meine Königin?“, fragte Balto und sah mich erwartungsvoll an. „Oh...“, stieß ich erneut hervor und spürte, wie mir ein paar Tränen übers Gesicht liefen. „Hey, du hast versprochen, nicht zu weinen“, sagte Balto und lächelte mich an. „Ich weiß“, rief ich aus und fing an, vor Freude zu schluchzen. „Komm her, meine Hübsche“, flüsterte Balto mir zu und schloss mich samt dem Kleid in meiner Hand in die Arme. „Ist ja gut“, flüsterte er und drückte mich eng an seinen Körper heran. „Danke“, sagte ich unter Freudentränen und gab ihm einen Kuss. „Für dich würde ich doch alles tun, meine Königin“, entgegnete er und streichelte mich. „Jetzt packst du es aber besser wieder weg, wir wollen doch nicht, dass es schmutzig wird“. „Ja, natürlich“, erwiderte ich und legte das Kleid zurück in die Schachtel. Dann kuschelte ich mich eng mit Balto zusammen und wir schmusten noch lange. „Sag mal“, setzte ich an, nachdem wir schon einige Zeit wortlos und eng aneinandergekuschelt dasaßen. „Ja?“, fragte er und sah mich an. „Bringt es nicht Unglück, die Braut vor der Hochzeit im Kleid zu sehen?“, wollte ich wissen. „Naja, im Kleid“, antwortete er. „Aber du hattest es ja nicht an“. „Stimmt“, sagte ich und nickte. „Außerdem ist das mit dem Unglückbringen nur Geschwätz“, setzte er hinzu. „Bist du sicher?“, fragte ich nach. „Absolut sicher“, antwortete er. „Dann haben wir also kein Unglück?“, wollte ich wissen. „Nein“, antwortete er und schüttelte den Kopf. „Mach dir keine Sorgen. Das ist alles nur Gerede. Da ist überhaupt nichts dran“. Bereits einige Zeit später sollte ich jedoch feststellen, dass da doch etwas wahres dran war. Wir sollten Unglück haben. Und was für ein Unglück.

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