Das Biest und der Tyrann - Teil 23

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 4.326 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-09-16 - Entwickelt am: - 1.427 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nach der dreiwöchigen Sommerpause geht es weiter. Ich kann euch schon einmal versprechen, dass es bei Grit und Kid nicht langweilig wird.

    1
    Kids Sicht
    Ich beobachte Grit grinsend. „Warum hält das denn nicht?“, meckert sie. John und Kalle haben sich ihre Löffel an die Nase gehängt. Grit versucht vergeblich ihren eigenen Löffel an der Nase kleben zu lassen. John grinst breit, während er sie beobachtet. Kalle kann ein Lachen nicht mehr unterdrücken und prustet los. Dabei fällt ihm sein Löffel runter. Grit leckt ihren Löffel noch einmal an und drückt ihn gegen die Nase. Diesmal hält er. „Ha!“, sagt sie und grinst. „Ich habe es auch endlich geschafft.“ Ich lache und zeige ihr einen Daumen hoch. Wir bleiben noch ne ganze Zeitlang am Tisch sitzen. Heute ist aber auch echt so ein Ruhetag. Es gibt nicht besonders viel zu tun außer so den üblichen Alltagsdingen. Bis wir auf der nächsten Insel ankommen dauert es auch noch ne ganze Weile. „Wir sollten uns echt nach draußen setzen. Draußen ist es viel schöner“, sagt Grit schon zum zweiten Mal. Beim ersten Mal kam nicht besonders viel Begeisterung. Auch diesmal sind nicht wirklich alle überzeugt. Vor allem, weil sich niemand bewegen will. Aber jetzt kommt die Idee doch ganz gut an. „Meinetwegen“, sage ich und zucke mit den Schultern. Grit steht sofort auf. Wir anderen lassen uns Zeit. Ich bin heute ziemlich träge irgendwie. Nach dem Spektakel von heute Morgen, bin ich irgendwie in den Energiesparmodus übergegangen. „Oh man!“, stöhnt Grit. „Bei eurer Geschwindigkeit schlafe ich gleich ein. Ich muss mich bewegen!“ Sie springt ein bisschen auf der Stelle und läuft dann nach draußen. Ich schüttle grinsend den Kopf. „Sie ist immer so aufgedreht“, stellt John fest und lacht. Wir stehen gemütlich auf und schlendern zur Tür. Draußen sehe ich wie Grit ausgelassen übers Deck turnt. Sie macht Radschlag, Flick Flak und diverse Überschläge. Meine Güte! Die Kleine hat es echt drauf. Ich wusste gar nicht, dass sie so gut ist. Beeindruckt setze ich mich auf die Treppen. Die anderen folgen. „Wird ihr nicht schlecht dabei?“, fragt Kalle fasziniert. Auf dem Deck unterbrechen mehrere ihre Arbeit und schauen sich nach Grit um. Ich strecke mich aus und genieße die Sonne. Es ist so ein schöner Tag.

    Grit und ich sitzen nach dem Abendessen noch ein wenig draußen. Die Nachtluft ist angenehm klar und frisch. „Weißt du, früher bin ich oft durch mein Fenster aufs Dach geklettert, um die Sterne zu beobachten“, erzählt Grit, während sie die Sterne anguckt. „Dann fühlte ich mich immer schwerelos. Ich habe geträumt, dass ich irgendwo anders bin. Auf dem Meer, auf einer fernen Insel, im tiefsten Dschungel oder ganz oben auf den Wolken. Es gibt keinen Platz an dem ich in meinen Träumen noch nicht gewesen bin. Dann könnte ich immer flüchten. Konnte ein Leben führen, in dem mir niemand alles vorschreibt. Aber jetzt…“ Grit macht eine Sprechpause. „Jetzt gibt es keinen Platz mehr, an dem ich lieber wäre.“ Ich lächle und ziehe Grit weiter an mich ran. „Mir geht es auch so“, sage ich leise und küsse sie auf den Kopf. Ich sitze an die Reling gelehnt und Grit sitzt zwischen meinen Beinen und lehnt sich an mich. Sie spricht immer mit so einem melancholischen Unterton, wenn sie von ihrer Vergangenheit erzählt. Was ist ihr da bloß alles passiert? Ich meine, meine Kindheit war auch nicht rosig, aber so ist das halt als Waisenkind. Bei Grit muss das aber mit der Familie zu tun haben. „Grit?“, frage ich vorsichtig. „Was ist in deiner Kindheit vorgefallen? Warum ist dein Verhältnis zu deinem Vater und Onkel so schlecht?“ Es ist eine gefährliche Frage. Es könnte gut sein, dass es verschiedene Emotionen hervorruft. Ich hoffe ich treffe keinen allzu wunden Punkt. Grit atmet tief durch, sagt aber nichts. Ich lehne mich zur Seite und schaue sie an. „Du musst mir auch nicht antworten“, sage ich ruhig. Es dauert einen Moment bis Grit schließlich etwas sagt. „Ich habe mit dem Teil meiner Vergangenheit abgeschlossen“, sagt sie schließlich. „Es bringt nichts es immer wieder aufs Neue durchzukauen.“ Wo sie Recht hat, hat sie Recht. „Aber warne mich das nächste Mal bitte, wenn wir einen Verwandten aus deiner Vergangenheit treffen. Dann weiß ich wenigstens was los ist“, füge ich im sarkastischem Ton hinzu und schaukle Grit ein bisschen hin und her. Sie kichert. „Keine Sorge!“, sagt sie. „Das dürfte wohl nicht mehr der Fall sein.“ Wir sitzen noch eine Weile hier draußen. Ich mache mir nicht so viel aus den Sternen, aber Grit. Jedes Mal, wenn sie eine Sternschnuppe sieht, zeigt sie aufgeregt in die Richtung, wo sie sie gesehen hat. „Kid? Was begeistert dich?“, fragt Grit plötzlich. „Ich meine, ich finde die Sterne unglaublich, ich liebe das Meer und genieße die Berge. Was begeistert dich?“ Grit bewegt sich und dreht sich ein bisschen mir zu, so dass sie mein Gesichtsausdruck sehen kann. „Das Meer! Seit ich denken kann, ist es immer ein Teil meines Lebens gewesen. Ich kenne alle seine Launen. Es hat so unglaublich viel Kraft. Das ist es, was mich fasziniert. Die Kraft, wenn sich im Sturm riesige Wellenberge aufbauen und gegen den Rumpf des Schiffes schlagen. Die Macht wenn ein Schiff unter dieser kraft begraben wird und zersplittert. Das ist was mich staunen lässt.“ Mein Herz pocht. Ich liebe das Meer. Es ist meine große Leidenschaft. Grit dreht sich wieder weg und kuschelt sich in meine Arme. Meine zweite große Leidenschaft ist sie. Die Frau, welche ich hier in meinen Armen halte. „Lass uns rein gehen“, sagt Grit nach einiger Zeit, in welcher wir nur das leise Rauschen des Meeres und unseren eigenen Herzschlag gehört haben. „Alles klar“, antworte ich. Wir stehen auf und gehen in die Kajüte. Ich habe meinen Arm um Grit gelegt und halte sie fest an mich gedrückt. In der Kajüte zieht Grit sich ihren Pulli aus und geht ins Bad. „Wehe du machst Seife auf meine Zahnbürste“, drohe ich ihr im Spaß. Sie dreht sich im Türrahmen um und kichert. „Mal schauen“, sagt sie grinsend. „Übrigens“, sage ich und grinse ebenfalls. „Du siehst sexy aus!“ Sie wird schlagartig rot, zeigt mir den kleinen Finger und verschwindet hinter der Tür. Ich lache. Es ist zu lustig, wie sie reagiert, wenn ich ihr ein Kompliment mache. Ich ziehe mir gemütlich meine Jogginghose an und lege meinen Waffengurt neben das Bett. Wie immer. Als Grit aus dem Bad kommt, gehe ich rein und putze meine Zähne. Zum Glück ohne Seifengeschmack. Grit kommt wieder rein und setzt sich auf den Badewannenrand. „Wann kommen wir eigentlich auf der nächsten Insel an?“, fragt sie. Ich zucke mit den Schultern. „Keine Ahnung!“, antworte ich und spüle meinen Mund aus. „Mika wusste das auch nicht ganz genau, aber er meinte, dass es wohl nicht länger als eine Woche dauern wird. Also werden wir vielleicht Übermorgen oder so ankommen.“ Während wir reden gehen wir zum Bett. „Achso!“, sagt Grit gähnend und krabbelt unter die Bettdecke. „Ich bin sooooo müde!“ Bevor ich mich hinlege, mache ich noch das Licht aus. Grit liegt auf dem Bauch, das Gesicht zu mir gedreht. Ich lege mich auf die Seite und schaue sie an. Ein paar Dreads versperren mir den Blick in ihre hübschen Augen. Ich streiche sie zur Seite. Sie seufzt. „Weißt du Kid“, fängt Grit an. An ihrer Stimme erkenne ich, dass sie wieder in ihrem trunkenen Schlafzustand ist. Ich fange an zu grinsen. Was gleich kommt, ist bestimmt wieder richtig sinnvoll. „Ich dachte immer, in einer Beziehung muss man so… also ich weiß nicht… halt so jede freie Minute miteinander verbringen und immer gleiche Meinung sein und so. Weißt du? Halt so… ich weiß nicht. Aber irgendwie ist es“ Grit gähnt. „Irgendwie ist es überhaupt nicht so, sondern ganz anders. Es ist viel angenehmer. Weil… ich weiß halt, dass… wie soll ich das sagen? Ich weiß halt, dass ich das nicht muss. Verstehst du? Du zwingst mich nicht dazu und das… das macht mich… das…“ Grits Augen fallen zu und die letzten Worte bleiben ihr im Hals stecken. Ich lächle. Auch wenn sie sich nicht ganz einfach ausgedrückt hat, habe ich schon verstanden: Sie liebt mich! „Ich liebe dich auch!“, flüstere ich. So! Für mich ist es jetzt auch an der Zeit zu schlafen. Ich streichle Grit noch einmal über die Wange, dann schließe ich die Augen.

    Ein Türknallen. Ein Schreien. Ich greife zu meiner Waffe. Ziehe, ziele und feure ab. Grit schreit erschrocken auf und zuckt zusammen. Im Türrahmen sinkt ein fremder Pirat zu Boden. Ich bin hellwach. Was ist hier los? „Wir werden angegriffen“, sage ich ernst, springe auf und ziehe mich in Windeseile um. „Hier!“ Ich werfe Grit ihren Knarrengürtel zu, der am Stuhl hing. „Ich wecke die anderen!“ Grit kann sich endlich aus ihrem Schockzustand bewegen und krabbelt schnell aus dem Bett. Ich laufe zum Männerschlafsaal. Jemand Fremdes steht an der Tür und ist gerade dabei, diese zu öffnen. Ich knall ihn ab und reiße die Tür selber auf. „AUFSTEHEN! WIR WERDEN ANGEGRIFFEN!“, brüll ich. Sofort kommt Bewegung in die Männer. Einige schnappen sich nur die Waffen und laufen mir entgegen, andere ziehe sich noch schnell eine andere Hose an. Ich renn raus aufs Deck. Warum haben Steve und Tino nicht Alarm gegeben? Die beiden hatten heute Nacht doch Nachtwache. Auf dem Deck befinden sich bereits recht viele feindliche Piraten und es werden immer mehr. Zum Glück bin ich nicht alleine. Auch aus meiner Crew finden sich immer mehr ein. Ich gehe sofort zum Angriff über. Mit meiner Teufelskraft ziehe ich sämtliche gegnerischen Waffen an und forme daraus eine riesige Faust. Die ersten Gegner lassen sich damit leicht aufhalten und wegschlagen. Grit turnt im gegnerischen Feld herum und schaltet einen nach dem anderen aus. Das Deck ist ein einziges Schlachtfeld und das, obwohl die Sonne noch nicht einmal aufgegangen ist. Es ist eine erbitterte Schlacht. Hart und zäh. Piraten kämpfen aggressiver als Marinesoldaten. Naja, als die meisten Marinesoldaten. Endlich gelingt es uns, die Piraten wenigstens ein bisschen zurückzudrängen. Ich habe Grit schon eine gewisse Zeitlang nicht mehr gesehen. Ich frage mich auch, was da oben im Krähennest los ist. Es bereitet mir ganz schöne Sorgen. In einer kurzen Kampfpause, schaue ich sorgenvoll zu Korb hoch. WAS? Das ist doch nicht etwa Grit, oder? Jemand klettert die Strickleiter zum Korb hoch. „Verdammte scheiße!“, fluche ich und bewege mich dichter zur Strickleiter. Es ist ganz eindeutig Grit, die mit einem Rucksack zum Krähennest klettert. „GRIT!“, schreie ich. Sie hält kurz inne. „KOMM DA SOFORT RUNTER!“ Sie ist absolut ungeschützt. Weiß sie nicht, wie leichtsinnig das ist. Will sie sich umbringen und damit mich gleich noch dazu? „ICH KANN NICHT!“, schreit sie zurück und klettert weiter. Scheiße! Ich kann ja verstehen, dass sie die Lage da oben checken will, aber es ist so töricht. Auf dem Weg zu Korb hat sie absolut keinen Schutz. Ich drehe mich wachsam um. Es hat keinen Sinn. Ich werde sie nicht zur Umkehr bewegen können. Jetzt werde ich sie beschützen müssen. Ich wusste es. Eine Kanonenkugel fliegt direkt auf Grit zu. Ich ziehe sie mit meinen Kräften an und stoße sie dann wieder in Richtung feindliches Schiff ab. Angreifer erledige ich schnell, damit ich nicht zu sehr abgelenkt werde. Ich schaue hoch zum Korb. Grit klettert gerade über die Korbwand. Immerhin! Das hätte sie schon einmal geschafft. Hoffentlich zielt niemand auf den Mast oder den Korb. Ich kämpfe weiter. Immer mit einem Auge wachsam den Korb beobachtend. Plötzlich höre ich einen Schrei. Eindeutig von Grit. Ich schaue sofort hoch zum Korb. Grits Kopf erscheint über der Korbwand. Was ist passiert? „Er ist tot! Tino ist tot!“, höre ich ihren Ruf. Sogar auf diese Entfernung kann ich erkennen, dass sie weint. Scheiße! „Und Steve?“, rufe ich hoch. „Sehr schwer verletzt!“, antwortet Grit. Ich wehre einen Angriff ab und werfe den Angreifer über Bord. Was soll ich nur tun? Ich kann sie da jetzt nicht runterholen und die anderen beiden auch nicht. „HALTET AUS!“, rufe ich Grit zu. Ihr Kopf verschwindet wieder im Korb. Ich kämpfe verbittert weiter. Jeden Angriff, der dem Krähennest gilt, wehre ich ab. Ich sehe, wie immer mehr Männer aus meiner Crew verletzt das Schlachtfeld verlassen. Plötzlich dreht das andere Schiff ab und segelt davon. Es sind aber noch feindliche Piraten auf unserem Schiff. So ein beschissener Kapitän. Wie kann er nur seine eigenen Leute im Stich lassen? Ich nehme eine Kanonenkugel und feuere sie mit Repel aufs gegnerische Schiff, welches davon schwer getroffen wird. Die verbliebenen Piraten kämpfen verbittert weiter, aber sie wissen, dass es aussichtslos ist. Ich gucke wieder zum Korb, um sicher zu sein, dass alles in Ordnung ist. Es ist eindeutig nicht alles in Ordnung. Einige Piraten klettern gerade zum Ausguck hoch und sind schon ziemlich weit oben. „Diese beschissenen Pisser! Was fällt denen ein?“, fluche ich laut. Grit ist halb aus dem Korb gelehnt und knallt einen nach dem anderen ab. „VERPISST EUCH!“, schreit sie laut. Sie ist da oben bestimmt verzweifelt. Scheiße man! Ich kann ihr nicht wirklich helfen. Zu mindestens nicht mit Steve und Toni. Aber ich kann immerhin ein paar der Piraten abknallen. Ich habe allerdings nicht mehr viele Patronen. So! Das wars! Mehr Schuss habe ich nicht. Grit wirft ihre eine Waffe in den Korb und zieht die zweite. Sie hat gleich auch keine Kugeln mehr. Verdammt! Sie wirft ihre zweite Waffe in den Korb und schaut sich panisch um. Es sind immer noch Piraten da, welche zum Korb hochklettern. Ich muss ihr irgendwie helfen. Eine Pistole habe ich nicht mehr, aber ein Messer. Ich nehme es in die Hand und stoße es magnetisch ab. „GRIT!“, rufe ich ihr zu. Sie schaut runter und sieht das Messer. Als es bei ihr ankommt greift sie es. Jetzt muss sie allerdings warten, bis die Piraten näher kommen. Das wird blutig. Oh scheiße! Ich werde panisch. Auf der anderen Seite klettern auch einige Piraten zum Korb hoch. Ich muss ihr jetzt irgendwie helfen. „KILLER! STULLE! STEUERBORD! THOMAS! BACKBORD! WIR MÜSSEN GRIT BESCHÜTZEN!“, weise ich laut an. Ich gehe nach Backbord. Thomas ist einen Moment später auch da. „Hol diese Arschlöcher da runter!“, sage ich grimmig. Ich wehre jeden Piraten ab, der es wagt zu nah zu kommen. Killer und Stulle machen auf der anderen Seite das gleiche. Wir können so nicht jeden Piraten treffen, der schon unterwegs nach oben ist, aber immerhin erleichtern wir Grit so die Arbeit ein wenig. Eine Gruppe Piraten greift an und versucht zur Strickleiter zu kommen. Ich erledige jeden. Nur einer entwischt mir und schafft es auf die Strickleiter. Ich packe ihn grob und schleudere ihn zurück aufs Deck. Er bleibt liegen. „Käpt’n! Ich kann sie mit meinem Gewehr nicht mehr erreichen. Sie sind zu hoch.“ Ich nicke grimmig. Ein Schrei ertönt. Von Grit! Ich schaue reflexartig nach oben. Grit rangelt mit einem Angreifer und hat ihr Messer fallen lassen. Ich schieße es mit meinen Teufelskräften wieder nach oben und ersteche damit den Angreifer. Grit zieht das Messer aus dem Körper und verteidigt weiter den Korb. Unablässig sticht sie auf die Angreifer ein. Ständig dreht sie sich von einer Seite des Korbes zur anderen. Ein Pirat nach dem anderen fällt von oben herunter. Ich muss mich aber wieder dem Kampf hier unten widmen. Killer und ich stehen Rücken an Rücken und gehen systematisch nach außen. Der Kreis wird immer größer. Geschafft! Ich schmeiße den letzten Angreifer über Bord. Ein prüfender Blick bestätigt mir, dass kein lebender feindlicher Pirat mehr auf dem Deck ist. Ich schaue hoch zum Korb. Dort ist alles ruhig. Kein Pirat, aber auch keine Grit mehr zu sehen. „Killer! Werft die Ratten über Bord“, weise ich an und laufe zu einer der Strickleitern. Schnell klettere ich nach oben. Ich muss wissen, wie es Grit geht. Sie ist bestimmt total erschöpft. Je höher ich komme, desto mehr Blut klebt an den Seilen. Der Korb ist total rot. Ich komme oben an. Grit sitzt zitternd da und hält das Messer fest umklammert. Ihre ganzen Arme und ihr Oberkörper ist mit Blut beschmiert. Auch ihr Gesicht ist rot von Blut. Im Korb drinnen sind auch Blutspritzer. Tino liegt auf der einen Seite, Steve auf der anderen. Grit hat in notdürftig verbunden. Der Rucksack liegt offen neben ihm und ein paar Verbände sind da drin zu sehen. Ich klettere in den Korb. „Hey Grit!“, sage ich vorsichtig. Sie schaut erschrocken auf. Ihre Augen sind weit geöffnet. Sie hat eindeutig einen Schock. „Gib mir das! Es ist alles in Ordnung!“, sage ich ruhig und nehme ihr vorsichtig das Messer aus der Hand. Sie umklammert es mit unglaublicher Stärke. Ich streiche ein paar Mal vorsichtig über ihre Hand. Langsam entspannt sie sich ein wenig und lässt das Messer los. Ich streichle ihr über die Wange. „Es waren so viele“, murmelt sie. „Ich habe sie alle umgebracht. Ich habe Toni und Steve nicht im Stich gelassen.“ „Schsch!“, mache ich. „Du hast das gut gemacht.“ Ich hebe sie vorsichtig hoch. Sie muss jetzt unbedingt weg von hier und sich das Blut abwaschen. Plötzlich findet Grit den Weg zu ihren Emotionen zurück. Sie fängt an zu schluchzen und schlingt ihre Beine um meine Hüfte und ihre Arme um meinen Hals. Sie vergräbt ihr Gesicht an meiner Schulter und weint. „Ist ja gut“, beruhige ich sie und streichle ihr über den Rücken. „Es ist vorbei!“ „Er ist tot!“, bringt sie unter Schluchzern hervor. „Ich weiß“, sage ich traurig. „Wir werden ihm einen ordentlichen Abschied bereiten!“ Der Doc muss unbedingt hier hoch und Steve richtig versorgen. „Komm, ich nehme dich Huckepack“, sage ich. Grit klettert auf meinen Rücken und hält sich fest. Ich spüre wie sie noch immer weint. Langsam klettere ich über die Korbwand und runter aufs Deck. Killer kommt mir sofort entgegen. „Steve muss unbedingt vom Doc behandelt werden. Für Toni ist es zu spät. Sorg dafür, dass die beiden da aus dem Korb rauskommen“, weise ich an. Killer nickt und wendet sich ab. Ich trage Grit weiter zu meiner Kajüte. Im Badezimmer lasse ich sie runter. „Du musst dich waschen!“, sage ich ihr in beruhigendem Ton. Ich hoffe der Ton ist wirklich beruhigend. Normalerweise versuche ich Leuten Angst zu machen und nicht sie zu beruhigen. Grit steht da so verletzlich. „Kid“, flüstert sie. „Ich habe Angst alleine.“ Sie zittert immer noch am ganzen Körper. „Du brauchst keine Angst haben“, sage ich ruhig. „Ich bin doch bei dir. Es ist jetzt alles gut.“ Das letzte war gelogen. Es ist nicht alles gut. Tino ist tot. Wir haben einen treuen Gefährten verloren und einen zweiten hätten wir fast verloren. Ich hoffe der Doc kann ihn wieder zusammenflicken. Grit muss jetzt erst einmal sauber und warm werden. Ich schiebe sie vorsichtig in die Dusche, stelle diese auf warm und mache sie an. Das Blut wird weggewaschen. Langsam fängt sie an mit Seife sich zu waschen. Das warme Wasser tut ihr gut. Ich gehe ans Waschbecken und wasche mich ebenfalls. Als ich Grit getragen habe, wurde ich auch mit Blut beschmiert. „Geht es jetzt wieder?“, frage ich Grit in ruhigem Ton. Sie nickt stumm. „Brauchst du mich noch?“ Sie schüttelt den Kopf. „Die anderen brauchen dich jetzt mehr als ich“, sagt sie leise. Ich nicke. „Ich komme so schnell es geht wieder. Mach keinen Scheiß während ich weg bin.“ Sie schüttelt den Kopf. Ich gehe aus dem Bad und Richtung Speisesaal. Es ist bereits Vormittag. Mir ist schlecht. Das fehlende Frühstück macht sich bemerkbar. Aber ich kann jetzt nichts essen. Ich habe keinen Hunger. Vor der Tür zum Speisesaal bleibe ich stehen. Ich muss erst zum Doc. Es geht nicht anders. Ich drehe ab und gehe weiter zum Krankenzimmer. Vor der Tür bleibe ich stehen und klopfe leise an. „Herein!“, höre ich die gedämpfte Stimme des Docs. Ich öffne die Tür. Steve liegt im Krankenbett, Tino liegt, mit einem Tuch zugedeckt, an einer Seite des Raumes und der Doc sitzt in seinem Schreibtischstuhl und hält eine Flasche in der Hand. Es sieht aus wie Sake. Ich schließe die Tür hinter mir und trete näher heran. Steve schläft und scheint so weit in Ordnung zu sein. „Wie ist es gelaufen?“, frage ich leise. Der Doc setzt die Flasche an und trinkt einen großen Schluck. „Wurde von einer Kugel getroffen und war nur bewusstlos. Hat viel Blut verloren. Ist aber nicht schlimm“, erklärt er ebenfalls leise. „Aber Tino“, er trinkt wieder etwas. „Sauberer Kopfschuss. Mitten ins Hirn. Der hatte keine Chance.“ Wir schweigen. Ich strecke meine Hand nach der Flasche aus. Der Doc reicht sie mir. Ich setze die Flasche an und trinke ein paar Schlucke. Es gibt keine Worte zu sagen im Moment. Toni war ein guter Kumpel. Er war treu und ein fairer Kämpfer. Ich reiche dem Doc die Flasche zurück und drehe mich zum Gehen. „Bis später“, verabschiede ich mich. Diesmal gehe ich tatsächlich in den Speisesaal rein. Als ich die Tür aufstoße, sind alle Augenpaare auf mich gerichtet. Es herrscht Stille. Man hört nur ein paar wenige Leute miteinander Flüstern. Die Stimmung ist drückend. Vermutlich hat es sich schon rumgesprochen. „Männer!“, sage ich laut. „Ihr habt heute gut gekämpft. Es waren viele Angreifer und es war ein Überraschungsangriff, aber wir haben sie nach allen Regeln der Kunst fertig gemacht.“ Ich mache eine Sprechpause und hole tief Luft. „Trotzdem ist euch vermutlich nicht nach jubeln zumute. Mir ja auch nicht. Die Piraten haben sich ein Opfer geholt. Sie haben Toni getötet.“ Ich lasse wieder eine Pause und jeden mit seinen Gedanken alleine. „Wir werden ihn nachher richtig verabschieden.“ Zustimmendes Gemurmel. Ich gehe festen Schrittes nach draußen. Es ist herrliches Wetter. Fast schon spöttisch scheint die Sonne und erhellt das Schlachtfeld. Das Deck ist mit Blutspritzern beschmiert und es liegen Stofffetzen und Waffen herum. Die Reling ist an einigen Stellen beschädigt und es liegen noch immer einige Leichen rum. Killer, Heat und Wire sind beschäftigt die leblosen Körper über Bord zu werfen. Stillschweigend geselle ich mich zu ihnen und helfe mit. Als wir fertig sind, lehnen wir uns an die Reling. „Was für ein Kampf!“, sagt Wire schließlich. Heat nickt. „Der hat von uns allen ziemlich viel gefordert“, füge ich hinzu. „Am Meisten von Toni“, sagt Killer. Wir schweigen. Er hat Recht. Toni hat das Wertvollste gegeben. Sein Leben. „Wie geht es eigentlich Grit? Sie hat die beiden verteidigt wie eine Löwin“, fragt Heat schließlich. „Sie stand unter Schock. Ich glaube sie hat gar nichts mehr wahrgenommen, einfach nur auf die Angreifer eingestochen, um sich und die beiden anderen zu verteidigen. Sie wäscht sich jetzt das ganze Blut ab“, erkläre ich. Jetzt habe ich das Bedürfnis zu schauen, ob mit ihr alles in Ordnung ist. „Ihr habt gut gekämpft, Männer. Ich bin euch sehr dankbar“, lobe ich sie, wie ich auch die anderen gelobt habe. Ich drücke mich von der Reling ab und gehe. Nicht durch den Speiseraum, sondern den kleinen Umweg durch die Gänge. Als ich in die Kajüte komme, zieht sich Grit gerade einen Pullover über. Sie schaut mich an und lächelt traurig. „Wie geht es dir?“, frage ich wieder in einem ruhigen Ton. Sie zuckt mit den Schultern. „Wie es einem halt so geht, wenn man stur auf Menschen einhackt um sich und die Kameraden zu schützen“, erklärt sie stumpf. Sie lächelt, verzieht aber schnell das Gesicht und fängt an zu weinen. „Es war schrecklich!“, schluchzt sie. Ich gehe schnell auf sie zu und nehme sie in meinen Arm. „Es kamen immer mehr und ich habe einfach auf sie eingestochen. Überall war Blut. Und dann war Toni auch tot und Steve wirkte auch wie tot. Ich wollte nur da weg!“, bringt sie unter Schluchzern hervor. „Schsch“, mache ich. „Jetzt ist es vorbei. Das Blut ist abgewaschen und du hast neue Kleidung an. Du bist nicht mehr in dem Korb und der Kampf ist vorüber. Es ist alles vorbei.“ Grit scheint sich tatsächlich ein wenig zu beruhigen. „Danke Kid“, flüstert sie. „Wofür denn? Ich muss mich eher bei dir bedanken, dass du Steve und Toni nicht im Stich gelassen hast“, erwidere ich. „Danke, dass du für mich da bist“; sagt sie leise. Ich streichle sie über die Schulter. „Grit, ich liebe dich. ich werde immer da sein, wenn du mich brauchst“, erkläre ich. Sie kuschelt sich in die Umarmung. „Ich liebe dich auch!“

Kommentare Seite 6 von 6
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.

Neuer Kommentar da? / Seite neu laden

Bahar ( 99888 )
Abgeschickt vor 167 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen
Hikari ( 52165 )
Abgeschickt vor 178 Tagen
Nein würde ich nicht Ronja , aber deswegen iSt es so blöd weil es genau wirklich die spannendste stelle ist
Ronja ( 57034 )
Abgeschickt vor 178 Tagen
Ich weiß, ich weiß. Würdest du schlecht über mich denken, wenn ich dir sage, das war mit Absicht? Fortsetzung folgt bald...
Hikari ( 52165 )
Abgeschickt vor 179 Tagen
OMG! SO ETWAS DARF MAN KEINEM ANTUN😱 an der spannendsten
Stelle einfach aufhören.......Bitte schreib schnell weiter!!!!!!!
P.S.
Respekt, ich könnte Soetwas nicht . Mach weiter so😉
alegssa ( 22446 )
Abgeschickt vor 183 Tagen
Ich hab schon so gespannt gewartet. Bitte schreib schnell weiter 😍😍
Bahar ( 10063 )
Abgeschickt vor 185 Tagen
Respekt du kannst schreiben wie ne Profi.
P.S
Mich hast du schon als Bewunderer
angle of life ( 63895 )
Abgeschickt vor 186 Tagen
Coool der neue Teil ist echt so toll 😊
Ich finde die Story eine von den besten ! Bitte mach schnell weiter!
Ich möchte gern wissen wie es weiter geht. Mach weiter so!
loliee ( 10932 )
Abgeschickt vor 256 Tagen
Das ist DIE BESTE ff, die ich bis jetzt gelesen hab, um ehrlich zu sein;)
♥☺♥☺♥☺♥☺♥☺
Monkey D Woosmann ( 89282 )
Abgeschickt vor 265 Tagen
cool der neue Teil
SAKURA ( 64916 )
Abgeschickt vor 292 Tagen
Wann kommt der 36 Teil die Geschichte is voll cool
Ronja ( 14911 )
Abgeschickt vor 309 Tagen
Ich find es super cool, dass du dir so Gedanken machst, wie es wohl weitergeht. Ob Grit Königshaki hat weiß ich nicht so genau. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß. Sie überrascht einen immer wieder ;)
Gol D. Lea ( 64467 )
Abgeschickt vor 309 Tagen
Bittttee schreib weiter ich finde diese geschichte so cool ich hätte
sogar eine Idee wie es weiter gehen könnte ; nähmlich das die kid piratrn
in einen kampf mit der marine haben aber da dabei auch der admiral
kuzan oder wie der heisst dabei ist könnnen die kid piraten nicht gewinnen
Den sie sind dan alle auch schon stark mitgenommen und als dan dieser
Admiral dan kid und die anderen töten will setzt dan Grit Königshawki frei
Und besiegt sie dan weil du hast schon so mit dem Hawki angefangen das
Sie und kid es trainieren da wäre das glaube ich eine coole wenden das dan
Grit Königshawki erweckt aber es ist deine FF es wäre jetzt nur von mir
Ein Vorschlag.
Bahar ( 00301 )
Abgeschickt vor 335 Tagen
Ist nicht schlimm aber es würde mich freuen wenn
du bald weiter schreiben könntest den das ist
meine aler Liebste Geschichte überhaupt ❤️😍😂😜
Vicky ( 55748 )
Abgeschickt vor 361 Tagen
OK danke für die Info
Ronja ( 58949 )
Abgeschickt vor 362 Tagen
Hey Vicky. Bisher sind es nur 33 Teile. Schreibe grade den nächsten aber bin in letzter Zeit kaum zu Hause. Deshalb dauert es ein bisschen 😊
Vicky ( 40966 )
Abgeschickt vor 365 Tagen
Hallo Ronja wie viele Teile giebt es den insgesamt ? Die fanaction war so cool ich bin jezt bei 33 giebt es noch mehr ?
Lu ( 48365 )
Abgeschickt vor 378 Tagen
Ich finde die story echt cool obwohl ich mir garnicht mag😃! Bitte schreib weilet
Rika Nara/Weasley ( 16164 )
Abgeschickt vor 385 Tagen
Ach so, bei Kid kann man ja nie wirklich wissen
wie er gerade so drauf ist :-) Schreib bitte
schnell weiter. Bei so SCHÖNEN Geschichten
kann ich es immer NICHT ABWARTEN. :-)
Ronja ( 45778 )
Abgeschickt vor 386 Tagen
@Rika Nara/Weasley Kid hat nur eine Ansage gemacht. Es wurde niemand zusammengeschrien ^^
Rika Nara/Weasley ( 60541 )
Abgeschickt vor 387 Tagen
Wieso musste Kid denn laut werden, wer hat denn
[BEEP] gebaut? :-) Wie immer schönes Kapitel.
Mach bitte schnell weiter. :-)