Luise und der Herzog

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3 Kapitel - 2.227 Wörter - Erstellt von: Elbenzopf - Aktualisiert am: 2015-09-09 - Entwickelt am: - 680 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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Schlossbesichtigungen waren noch nie ihre Lieblingsbeschäftigung gewesen, sie konnte dem Ganzen keinen Reiz abgewinnen. Aber ihre Freunde waren da anderer Meinung gewesen und haben für sie solch eine Tour gebucht.
"Zu ihrer linken sehen sie die Tür zu den privaten Gemächern des Herzogs Karl August III." sprach die surrende Stimme des Reiseleiters. So was, dachte sie, dass hier ein Herzog leben kann und trotzdem Menschenmengen in seinem Haus duldet. Wahrscheinlich ist er eh taub und senil. Gelangweilt sah sie aus dem Fenster. Dort unten erkannte sie eine Brücke die auf eine Insel im See führte. Die großen Bäume versperrten fast komplett die Sicht auf die Insel, aber sie konnte trotz allem eine große graue Säule erkennen. Was das wohl sein mag? Auf jeden Fall war es interessanter, als die Führung, denn der Reiseleiter erläuterte in dem Moment die Sanierung der Toiletten. Viel lieber würde sie auf eigene Faust das Schloss erkunden, in die Gruft steigen und die Gemächer des Herzogs besuchen. Doch das war alles abgesperrt. Kurzerhand beschloss sie, das Schloss zu verlassen und auf die Insel zu gehen.
Am Himmel hingen regenschwere Wolken und der Wind raschelte in den Blättern der alten Bäume um sie herum. Als sie über die Brücke mit verziertem Geländer schritt, entdeckte sie die Säule wieder. Von dieser war das oberste Stück abgebrochen und der Rest wurde von einer steinernen Wurzel umschlungen. Bei genauerem Hinsehen, erkannte sie, dass es sich um eine in Stein gehauene Schlange handelte. Am Fuße der Säule war ein großer, grauer Steinquader aus dem sich ein Sarg mit kreuzförmiger Erhebung hob. Allem Anschein nach, war hier jemand begraben. Am Ende des Sarges war der Satz "Gott ist die Liebe" in den Stein gehauen. Der Sockel der Säule war an jeder Ecke mit einem Schafskopf versehen und allgemein verteilte dieses Grab eine dunkle und bedrückende Stimmung.
Normalerweise war sie nicht abergläubisch, doch irgendwas an diesem Ort verleitete sie dazu ein Gebet für den Verstorbenen zu sprechen. Sie sank auf die Knie und faltete ihre Hände. Leise in Gedanken sprach sie zu Gott und betete, dass die Seele des Begrabenen in Frieden ruhe. In dieser Haltung saß sie noch einige Zeit vor dem Stein und bemerkte nicht, wie sich jemand näherte. Als sie aufstand und die Gestalt erblickte, machte sie vor Schreck einen Sprung zur Seite. Neben ihr stand ein Mann, er war hochgewachsen und trug einen Bart, der mit den dunklen Haaren auf seinem Kopf sein Gesicht vorteilhaft umrahmte. Jedoch ließ dieser ihn viel älter aussehen. Seine dunklen Augen sahen sie neugierig an. Er war, geschätzt Mitte Dreißig und trug sehr elegante Kleidung. Wo kam er denn her? war die erste Frage, die sie sich stellte. "Wo kommen sie denn her, meine Dame?" erkundigte er sich freundlich bei ihr. Durch den Schreck war sie noch etwas verwirrt und antwortete:" Ich..über die Brücke." Der Mann lachte leise:" Das ist auch der einzige Weg hierher. Sicherlich gehören Sie der Besichtigungsgruppe an. Diese Insel ist allerdings nicht für Besucher betretbar. Wieso sind Sie also hier?" Einigermaßen beruhigt erwiderte sie, dass die Tour sie gelangweilt habe und sie dann diese Säule gesehen hatte. "Wissen sie wer hier begraben liegt?" fragte sie schließlich. "Der Herzog Karl August II. Mein Vater." "Ah, Karl August II....aber...Sie...und...sind sie dann der Herzog der in dem Schloss wohnt?" Unwillkürlich kam ihr das Bild von einem alten, tauben Herren wieder ins Gedächtnis. Der Mann vor ihr ist aber das genaue Gegenteil dazu. "Ganz recht. Ich bin Herzog Karl August III." Der Mann deutete eine Verbeugung an. Staunend platzte sie sogleich mit der nächsten Frage heraus:" Aber stören Sie...Euch..nicht die ganzen Leute in ihren..eurem Schloss?" "Lassen wir erst einmal diese Förmlichkeiten. Ich bin August. Und die Leute stören mich nicht, solange sie meine privaten Gemächer nicht aufsuchen." "Ach so, ich bin Luise" "Luise, freut mich." Er gab ihr einen leichten Handkuss. "Wenn der Dame die Führung nicht gefallen hat, hätte sie vielleicht Interesse an einer, vom Herzog persönlich, geleiteten Besichtigung?" sprach er und hielt ihr den Arm hin. Sie hakte sich unter und es ging los.

Zuerst gingen sie durch die Stallungen und August zeigte ihr seine Stute Lia. Dann ging es in den Kerker und von dort aus in die Gutskirche und die Gruft, wo seine Vorfahren in Särgen lagen. Zum Abschluss der Tour ging es in die persönlichen Zimmer des Herzogs. Davor stand gerade eine Reisegruppe und er zog Luise schnell hinter die nächste Ecke, um nicht von den Leuten gesehen zu werden. Später in seinem Zimmer gab es Tee und Kuchen. August und Luise saßen an einem kleinen Tisch und amüsierten sich prächtig. Als es draußen langsam dunkel wurde, musste sich Luise auf den Heimweg machen. Eigentlich wollte sie noch nicht gehen, aber sie konnte unmöglich die ganze Nacht bei dem Herzog bleiben. Nach einer netten Verabschiedung mit Küsschen hier, Küsschen da, lud August Luise zu einem Abendessen am Wochenende ein. Hier im Schloss. Dankend nahm sie an und war die ganze Woche über aufgeregt wie ein kleines Kind.

Als der Abend gekommen war, stand Luise stundenlang vor dem Spiegel, um das richtige Outfit zu finden. Im Spiegel sah sie letztendlich eine junge Frau in einem dunkelvioletten Abendkleid. Nun war sie zufrieden. Sie steckte ihre misch-blonden Haare hoch und machte sich auf den Weg.
Herzog Karl August III begrüßte sie freudig mit einem Kuss auf die Wange. Es wurde ein wunderschöner Abend und erst nach Mitternacht hieß es für die junge Dame Abschied nehmen.
Diese Treffen wiederholten sich meist jedes Wochenende. Manchmal, wenn er oder sie keine Zeit hatten, sehnten sie sich schon das nächste Treffen herbei.

Kommentare Seite 1 von 1
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miss tirius ( 28316 )
Abgeschickt vor 629 Tagen
Dramatisch und soooo romantisch! Weiter so! ;-)