Warrior Cats - Das Flüstern der Freiheit (Zeiten der Finsternis)

star goldstar goldstar goldstar goldstar gold greyFemaleMale
64 Fragen - Erstellt von: Selina Sakura - Aktualisiert am: 2016-03-11 - Entwickelt am: - 15.419 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.33 von 5.0 - 6 Stimmen

Das Leben, in das Lichtpfote hineingeboren wurde, scheint vollkommen gegen sie zu sein. Die Junge Kätzin wächst in einem Clan auf, in dem die Katzen aufgrund ihrer körperlichen - und nach Ansicht der Kater - geistigen Schwäche unterdrückt werden. Lichtpfote erträgt es tapfer, als sie plötzlich das Schicksal vollkommen aus der Bahn wirft.

    1
    Die Clan-Regeln:
    _______________
    1.Das Wort des Anführers (in allen Fällen männlich) ist Gesetz
    2. Kätzinnen haben keine Meinungsfreiheit und dürfen sich nur mit Zustimmung eines Katers offen äußern
    3. Ab dem sechsten Monat werden Kater, sowohl Kätzinnen zu Schülern ernannt.
    4. Sobald ein Kater genug gelernt hat, wird er nach einer Prüfung zum Krieger ernannt, erhält einen Rang und darf sich eine Kätzin in seiner Ranghöhe zur Gefährtin wählen
    5. Eine Kätzin wird nach Abschluss ihrer Grundausbildung nach einer Prüfung entweder zur Königin, Jägerin oder Kämpferin ernannt. Von da an darf sie als Gefährtin gewählt werden.
    6. Eine Kätzin muss in ihrem Leben mindestens zwei Würfe Junge bekommen
    7. Töten, Verrat und Ungehorsam werden je nach Bedeutung mit Verbannung oder Todesstrafe bestraft. Kätzinnen sind hierbei im Nachteil.
    8. Eine Katze hat ihrem Gefährten bedingungslos zu gehorchen. Ansonsten wird sie bestraft.
    9. Freie Liebesbeziehungen zwischen und in den Verschiedenen Rangstufen werden nicht toleriert.
    10. Allein der Heilposten ist sowohl für Kater, als auch Kätzinnen erreichbar. Ein Heiler darf eine Gefährtin haben, eine Heilerin dagegen keinen Gefährten.
    11. Königinnen dürfen das Lager nicht verlassen und müssen ständig Junge bekommen und sich um die Jungen der höheren Katzen kümmern


    Der Steckbrief
    ____________
    Du willst in dieser FF mitwirken? Dann fülle Bitte folgenden Steckbrief aus und stelle ihn in die Kommentare.

    Name:
    Geschlecht:
    Alter:
    Rang: (Bitte nicht zu viele hohe Ränge)
    Aussehen:
    Charakter:
    Gefährte/in (Wunsch):
    Junge:
    Stärken:
    Schwächen:
    Befürwortest du die Unterdrückung?:
    Besondere Eigenschaften:
    Charakter-Lied: (Muss nicht zwangsläufig angegeben werden, ich würde mich aber freuen)
    Möchtest du in der Geschichte vorkommen?:
    Darf dieser Charakter im Lauf der Geschichte sterben?:

    Extra: (Für Katzen, die von außerhalb in den Clan möchten - auch hier Bitte nicht zu viele -)
    Wie möchtest du gefunden werden?:
    Vergangenheit:


    Infos:
    -------
    - Dieser Clan kennt den Sternenclan nicht. Nichteinmal die Heiler wissen davon. Der einzige der je beim Sternenclan war ist Bussardsten, um seine neun Leben zu empfangen. Es weiß also auch niemand, dass er mehr als nur ein Leben hat
    - Es gibt keine Ältesten. Eine Katze bleibt solange im Dienst, bis sie tot umfällt.

    - VIELE DER BILDER IN DIESER GESCHICHTE WURDEN VON RARI GEZEICHNET. SEHT AUF JEDEN FALL BEI IHR VORBEI
    http://www.testedich.de/quiz37/quiz/1441723684/Bilder-eben-Halt-ich-nenne-es-lieber-Illustrationen

    Auch Kirschblüte hat mir Bilder gemalt: http://www.testedich.de/quiz37/quiz/1443009208/Warrior-cats-Katzenbilder



    Die Hierarchie der Katzen: Der Tannenclan

    Anführer: BUSSARDSTERN – großer, dunkelbrauner Kater mit gelben Augen

    Zweiter Anführer: SCHRAMMENSCHLAG – schwarzer Kater mit blauen Augen

    Heilerin: SAMENFLUG – kleine, hellbraune Kätzin mit grünen Augen; Mentorin von MOORPFOTE

    Krieger (Kater):
    Erste Rangstufe: (Die besten Kämpfer, Jäger etc. )
    DONNERRUF – schwarz-brauner Kater mit giftgrünen Augen
    KRÄHENSCHWINGE – sandfarbender Kater mit weißen Flecken, braune Augen
    WINDHERZ – drahtiger, weißer Kater mit grauen Streifen, hellblaue Augen
    SCHNEESCHWEIF - schneeweißer Kater mit rauchgrauen Vorderpfoten, langem und buschigem Schwanz und grünen Augen
    FARNKRALLE -goldbraun getigert mit bernsteinfarbenen Augen

    Zweite Rangstufe: (Die normalen Kämpfer, Jäger etc.)
    FICHTENZWEIG – großer, gelber Kater mit dunkelgrünen Augen
    ROSTKRALLE – rot-brauner Kater mit gelben Augen;
    ADLERFLUG – schöner, grauer Kater mit blauen Augen
    TANNENKRALLE - sehr dunkelbrauner, fast schwarzer Kater mit leicht getiegerten Fell, weißen Pfoten und dunkelgrünen Augen, Mentor von SPLITTERPFOTE
    DUNKELSTURM - dunkelgrau gestreifter Kater mit gefährlich glühenden orangen Augen, Mentor von SUMPFPFOTE
    SONNENKRALLE - großer muskulöser goldgelb färbender Kater mit dunkelgrünen Augen. Einem eingerissenem Ohr und langen Schnurrhaaren.
    BEERENFROST - cremefarbener Kater mit dunkelbraunen Pfoten und dunkelbraunen Ohren
    FINSTERHERZ - schattenhafter, rauchschwarzer Kater mit Bernsteinfarbenden Augen


    Dritte Rangstufe: (Eher schlechte Kämpfer, Jäger etc.)
    WOLKENBRUCH – weißer Kater mit roten Flecken, blaue Augen, Mentor von EICHELPFOTE
    STURMGEBRÜLL – roter Kater mit grünen Augen
    FLECHTENPELZ – schwarz-grau getigerter Kater, graue Augen; Mentor von SCHNEEPFOTE
    BERNSTEINGLUT (TAKKA) – hübscher, rostroter Kater mit schwarzen Beinen und tiefgrünen Augen



    Schüler (Kater):
    SUMPFPFOTE – rot-braun gefleckter Kater mit blauen Augen
    EICHELPFOTE – schwarzer Kater mit hellbraunen Augen
    SPLITTERPFOTE – grau-weißer Kater mir eisig blauen Augen




    Kämpferinnen: (Katzen oberster Rangstufe)
    FLECKENSTURM – bunt gefleckte Kätzin mit blauen Augen, Gefährtin von BUSSARDSTERN, Mentorin von LICHTPFOTE
    SCHATTENFANG – gelb-goldene Kätzin mit grünen Augen, Gefährtin von KRÄHENSCHWINGE
    REGENDUFT – blaue Kätzin mit bernsteinfarbenden Augen; Gefährtin von SCHRAMMENSCHLAG
    MONDSCHEIN – schöne, weiße Kätzin mit einem grünen und einem blauen Auge
    SCHWARZSTURM - große, nachtschwarze Kätzin mit weißen Vorderbeinen, langem weiß geringelten Schweif und bernsteinfarbenden Augen, Mentorin von HASENPFOTE
    FLAMMENGLUT - leicht dunkelrote Kätzin mit hellgrünen Augen, Gefährtin von DONNERRUF
    FEUERSCHWEIF - feuerrote Kätzin mit leuchtend grünen Augen und buschigen Schweif, Mentorin von FROSTPFOTE
    SCHATTENSTURM - muskulöse, pechschwarze Kätzin mit dunkelgrünen Augen, Mentorin von HIMMELPFOTE
    KIRSCHBLÜTE - dunkelrote Kätzin mit grünen Augen, Mentorin von HAUCHPFOTE

    Jägerinnen: (Kätzinnen mittlerer Rangstufe)
    NACHTGEFLÜSTER – schwarze Kätzin mit leuchtend blauen Augen, Gefährtin von ROSTKRALLE
    NEBELHAUCH – graue Kätzin mit blauen Augen, Gefährtin von ADLERFLUG
    DUNSTWOLKE – weiße Kätzin mit grünen Augen, Gefährtin von DUNKELSTURM, Mentorin von REBENPFOTE
    PFEFFERSCHATTEN - kleine, zierliche, schwarze Kätzin mit eher kurzem, schwarzen, einfarbigen, glänzendem Fell, großen, Bernstein farbigen Augen, großem Kopf, einem eingerissen Ohr.
    NACHTFELL - pechschwarzes, glänzendes Fell, weiße Schwanzspitze, himmelblaue Augen, Mentorin von EFEUPFOTE
    SILBERTEICH - Silber getiegert, Smaragd grüne Augen; Mentorin von HONIGPFOTE
    SAPHIERSEE - eher kleinere hellgraue Kätzin mit saphirblauen Augen

    Königinnen: (Kätzinnen unterster Rangstufe)
    FLIEDERDUFT – kleine hellgraue Kätzin, Gefährtin von WOLKENBRUCH
    EICHHORNFLUCHT – rote Kätzin mit grünen Augen, Gefährtin von STURMGEBRÜLL, Ziehmutter von Nebelhauchs Jungen MINZJUNGES und KROKUSJUNGES
    ROTHAUCH – rot-weiße Kätzin mit blauen Augen
    SALBEIBLATT - kleine grau-weiße Kätzin mit blauen Augen, Gefährtin von FICHTENZWEIG
    SILBERHAUCH - attraktive, silbern glänzende Kätzin mit eisblauen Augen, Ziehmutter von Flammengluts Jungen FUNKENJUNGES, ABENDJUNGES und MORGENJUNGES
    RUBINHERZ - rote Kätzin mit weißen Ohrspitzen, Schwanzspitze, rechte vordere Pfote Brust Fell, grüne Augen


    Schülerinnen:
    LICHTPFOTE – hübsche, weiß-golden getigerte Kätzin mit grünen Augen
    MOORPFOTE - kleine, graubraune Kätzin mit dunkelgrünen Augen
    HASENPFOTE – rot-braune Kätzin mit lebhaften, blauen Augen
    HIMMELPFOTE – dunkelbraune Kätzin mit bernsteinfarbenden Augen
    REBENPFOTE – grau-rot getigerte Kätzin mit grünen Augen
    HONIGPFOTE - honigfarbende Kätzin mit goldenen Sprenkeln und goldenen Augen
    HAUCHPFOTE - dunkelgrau fast schwarz mit hellgrauen Fell um die Schnauze, die Ohren haben ein mattes grau
    EFEUPFOTE - Dunkelbraun gefleckt, Bernstein farbene Augen


    Diener:
    SCHNEEBLUME - weißer Kater mit blauen Augen, auf einem Ohr taub
    Katzen außerhalb des Clans:
    PECHHERZ - großer, pechschwarzer Kater mit bläulichen Schimmer, einem weißen Fleck auf der Schwanzspitze, ein Auge stechend gelb, das andere blau
    CÄSAR – drahtiger, sandfarbender Kater mit gelben Augen, Hauskätzchen
    NOEMI – blau-graue Kätzin mit bernsteinfarbenden Augen, Streunerin
    SVENJA – Heilige Birma, Hauskätzchen
    FLÖCKCHEN – sehr junger, weißer Kater mit grünen Augen, wurde ausgesetzt


    Abendclan:
    KOTA - hübscher, rostroter Kater mit schwarzen Beinen und tiefgrünen Augen
    FROSTFLÜGEL - Sehr kleine, weiße Kätzin mit dunkelroten Streifen über den Rücken, hellblaue Augen

    2
    „Wir könnten gehen, weißt du.“ Finsterpfote saß dicht neben Lichtpfote, die betrübt Muster in den Sand zeichnete, während sie Schneepfote beim Kampftraining beobachtete. Eigentlich waren Zuschauer beim Training nicht erwünscht, doch Flechtenpelz hatte alle Katzen aufgefordert zuzusehen. Auch die Kätzinnen. Der weiße Kater bemühte sich wirklich, die Schläge seines Mentors abzufangen oder zumindest auszuweichen, doch Flechtenpelz attackierte ihn gnadenlos immer wieder von seiner tauben Seite, sodass Schneepfote bereits von Kratzern übersät war. Hilflos gab er schließlich auf sich zu wehren und kassierte einen Hieb, der ihn von den Pfoten schleuderte. „Seht euch diesen Versager an.“ Jaulte Bussardstern und seine Augen blitzen gefährlich. „Er hat kein Recht darauf Krieger zu werden. Wer ist seine Mutter?“ Lichtpfote zuckte zusammen und bemitleidete die Kätzin, die jetzt schüchtern nach vorne trat zutiefst. „Staubwirbel also. Du hast eine Missgeburt in die Welt gesetzt und dafür wirst du büßen. Hiermit erteile ich dir die Todesstrafe.“ Die braune Kätzin zog erschrocken die Luft ein und drückte sich auf den Boden. „Nein, ich werde nie wieder ein solches Junges zur Welt bringen. Ich verspreche es. Ich...“ Bussardstern schnitt ihr mit einer Scharfen Bewegung das Wort ab. „Ein weiterer Regelverstoß. Wer war ihr Gefährte?“ Fichtenzweig stand auf. „Ich.“ „Dann wirst du mein Urteil ausführen.“ Der Kater nickte, trat vor und schlug seiner Gefährtin ohne auch nur zu Blinzeln die Krallen in die Kehle. Lichtpfote schloss die Augen und hauchte unendlich leise, sodass nur Finsterpfote es hören konnte: „Ich gehe nicht. Du weißt warum.“ Finsterpfote senkte den Kopf und rückte etwas von ihr ab, zum Zeichen, dass er nicht weiter reden wollte.

    Schneepfote saß bei der Leiche seiner Mutter, die er nie wirklich kennengelernt hatte. Auch Lichtpfote kannte ihre Mutter nicht wirklich, obwohl diese die Oberste Kämpferin und Gefährtin Bussardsterns war. Sie war von Rothauch aufgezogen worden. Genau wie Schneepfote und Finsterpfote und obwohl sie keine wirklichen Geschwister waren, hatten sie sich stets als solche Gefühlt. Schneepfote stand auf und lief mit gedankenverlorenem Gesichtsausdruck zu Lichtpfote. „Es hat ihr leidgetan, dass sie mich geboren hat.“ murmelte er. Sein Blick war trüb und schwer und er begann mit seinem tauben Ohr zu zucken. Das tat er immer wenn er sich vorwürfe machte. „Du bist nicht schuld. Und Staubwirbel war es auch nicht. Bussardstern ist schuld, weil er dich nicht akzeptiert.“ protestierte Lichtpfote, die verstand, was er dachte. „Ich bin ein kläglicher Versager.“ hauchte er trotzdem, wandte sich wieder ab und verschwand im Wald. Lichtpfote blieb allein zurück. Zögerlich stand sie auf, um Fleckensturm zu suchen, die nicht nur ihre Mentorin, sondern auch ihre leibliche Mutter war. Die bunte Kätzin war voll damit beschäftigt, Bussardsterns Fell zu glätten. Als sie Lichtpfote bemerkte, schüttelte sie nur kurz den Kopf. Seufzend lief die Schülerin in den Bau der Kätzinnen, den sich die Kätzinnen aller Ränge, sowie Schülerinnen, als auch Jungen teilten. Wie auf Kommando stürzten sich sämtliche Jungen auf sie, geführt von Hasenjunges. Lachend schüttelte sie die winzigen Kätzchen ab und betrachtete Splitterjunges, der liebevoll mit seiner Schwester Rebenjunges kuschelte. Wie konnte dieser junge Kater nur einer von denen werden, die später ihre Gefährtinnen behandelten wie Dreck? Schneepfote und Finsterpfote hatten ihr als Junge beide geschworen, dass sie niemals so werden würden. Trotzdem hatte sie Angst. Hasenjunges rappelte sich auf und versuchte ihre Geschwister zu einem erneuten Angriff zu bewegen. „Sie ist ein riesiger Dachs und will Eichhornflucht töten. Wir müssen sie aufhalten!“ Mit wildem Gebrüll sprang sie Lichtpfote auf den Rücken, doch Sumpfjunges und Himmeljunges hatten offenbar die Lust verloren. „Das ist doch bloß Lichtpfote.“ maulte Sumpfjunges und lief wieder ins Nest zurück, wo Eichhornflucht ihn sanft ableckte. Unbemerkt war Salbeipfote neben Lichtpfote getreten. „Manchmal frage ich mich, wie meine Jungen wohl sein werden.“ murmelte sie leise. „Eigentlich will ich gar keine. Jedenfalls nicht von einem Kater, den ich nicht Liebe.“

    3
    Moorpfote huschte schattenhaft über den Lagerplatz, auf dem noch immer, für alle sichtbar, Staubwirbels Leiche lag. Bussardstern hatte sie als Warnung an die Kätzinnen liegen gelassen. Der saure Geschmack des Ampfers den sie trug, war nicht einmal annähernd so bitter wie ihre Gedanken. Plötzlich kreischte direkt neben ihr eine Katze schmerzerfüllt auf und Moorpfote ließ vor Schreck fast ihre Kräuter fallen. „Pass doch auf, du ...“ Eine Gestalt schälte sich aus dem Schatten und Schwarzsturm zog ihren langen Schweif unter Moorpfotes Pfote hervor. Als die Kämpferin die Heilerschülerin erkannte, blickte sie fast ein wenig schuldbewusst zu Boden, schob dann aber trotzig „Guck doch, wo du hintrittst.“ hinterher, dann stolzierte sie über den Platz und setzte sich zu Mondschein und Nachtgeflüster, die betroffen miteinander Flüsterten. Moorpfote folgte ihr unauffällig um zuzuhören. „Wir müssen etwas unternehmen.“ hauchte Mondschein kaum hörbar. „Allerdings.“ erwiderte Schwarzsturm laut. „Wenn ich Bussardstern nur sehe … ich würde ihn so gerne zerreißen, in tausend winzige Stückchen. Auf denen springen wir dann herum, bis sie zermatscht sind, dann verbrennen wir das Ganze und die Asche vergraben wir auf dem Schmutzplatz. Und das Blut, das geben wir den Hunden zu trinken und -“ Schwarzsturm unterbrach ihre Rede um ein teuflisches Lachen auszustoßen, bemerkte dann aber doch, dass Nachtgeflüster und Mondschein sie verängstigt und etwas verstört ansahen. Sie räusperte sich und sagte dann in die peinliche Stille hinein: „Na, jedenfalls muss er weg.“ Mondschein nickte langsam. „Du kannst froh sein, dass dich niemand gehört hat. Sonst wäre Staubwirbel nicht mehr länger allein.“ Wut kochte in Schwarzsturm auf. Sie würde sich ganz bestimmt nichts verbieten lassen, doch gerade als sie protestieren wollte schob sie ein Kater beiseite und sah zu Nachtgeflüster herab, wie auf ein Insekt. „Hier bist du also. Ich hätte dich nicht wählen sollen, du bist fauler als ein Haufen Fuchsdung. Und jetzt komm mit.“ Die schwarze Kätzin erhob sich langsam und hielt den Blick ängstlich gesenkt. Sie folgte ihm aus dem Lager, ohne sich umzudrehen. Schwarzsturm hätte ihren „Besitzer“ am liebsten zerrissen, doch sie wusste das Mondschein Recht hatte. Wenn sie das tat, konnte sie sich auch gleich einen Baum runter stürzen. Nein. Noch nicht. Noch. Um sich abzuregen lief sie auf und ab und peitschte mit dem Schwanz. Als ihr Wolkenbruch über den Weg lief, warf sie ihm einen Blick zu, der giftiger war, als eine Todesbeere.

    Moorpfote huschte schnell in den Heilerbau und übergab Samenflug ihren Ampfer. Ihre Mentorin sah sie warm an, sprach aber kein Wort. Samenflug sagte immer nur das nötigste. Ob sie schon immer so war, oder ob sie das Leben hier so gemacht hatte, wusste Moorpfote nicht. „Spinnenweben.“ sagte die Heilerin dann doch, mit einer sanften, bittenden Stimme, die an den Lauf eines ruhigen Flusses erinnerte. Die graubraune lächelte mild und lief wieder nach draußen. Erschrocken hielt sie an, als plötzlich Lichtpfote vor ihr stand. Wie immer war Finsterpfote wie ein Schatten hinter ihr. Manchmal bemerkte ihre Freundin nicht einmal, dass er da war. „Es ist wegen Schneepfote.“ sagte Lichtpfote eindringlich und navigierte sie in den Schatten einiger Büsche. „Ich mache mir große Sorgen um ihn. Seit … du weißt schon … ist er so merkwürdig ruhig. Ich glaube er hat etwas ganz dummes vor.“ Moorpfote zuckte nervös mit den Ohren und ihr Blick wurde dunkel vor Sorge. Sie war zwar nicht direkt mit Schneepfote befreundet, aber da er wie ein Bruder für ihre beste Freundin war, bereitete ihr die Sache Kopfzerbrechen. „Wo ist er denn jetzt.“ Lichtpfote seufzte. „Im Wald.“ „Na toll.“ Lichtpfote starrte nachdenklich Löcher in die Luft. Als Schülerin hatte sie kein Recht, das Lager ohne ihre Mentorin zu verlassen und Fleckensturm konnte sie unmöglich fragen. Sie wusste das ihre Mutter, auch wenn es schier unglaublich klang, über beide Ohren in Bussardstern verliebt war. Sie würde ihre Tochter, die sie ohnehin nicht wirklich kannte, ohne weiteres verraten. „Samenflug?“ fragte sie leise, doch Moorpfote schüttelte den Kopf.„Sie hasst es, das Lager zu verlassen, sie kommt doch nicht einmal aus dem Bau. Aber ich glaube du hast etwas vergessen. Ich darf alleine aus dem Lager, ich brauch nur Samenflugs offizielle Zustimmung. Ich könnte Schneepfote suchen.“ Lichtpfote nickte, doch Moorpfote sah ihr an, dass sie am liebsten selbst mit ihm gesprochen hätte. Doch darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen. Eilig flitzte sie zu Schrammenschlag und holte sich die Erlaubnis, dann sprintete sie durch den Wald. Schneepfote war ja dank seines auffälligen Fells unverkennbar. Sie bemerkte ihn sofort. Er saß auf dem dicken Ast einer Eiche und schlug immer wieder seine Krallen in das Holz. „Schneepfote, was machst du da?“ Der junge Kater antwortete nicht, sondern warf ihr nur einen bösen Blick zu. „Nun komm schon. Lichtpfote macht sich Sorgen und-“ „Sprich mich nicht an, du stinkende Kröte.“ Moorpfote verstummte und blickte entsetzt zu ihm hoch. Was war nur in den freundlichen, ja sogar schüchternen Kater gefahren. „Was ist denn mit dir-“ „Ich sagte, sprich mich nicht an.“ Schneepfote fauchte und sprang vom Ast. Sein Fell war in alle Richtungen gesträubt, als er sich vor ihr aufbaute. „Du hast nicht das Recht, mit mir zu reden.“ Er spuckte vor ihr auf den Boden, machte dann kehrt und verschwand im Unterholz. Moorpfote blieb verzweifelt zurück.

    4
    Schwarzsturm hatte schlechte Laune. Gewaltig schlechte Laune. Als Kämpferin war sie zwar berechtigt das Lager zu verlassen, wann sie wollte, aber sie musste sich trotzdem vorher abmelden. Und zwar bei Bussardstern höchstpersönlich. „Warum?“ schnaubte der Anführer verächtlich. Schwarzsturm riss sich zusammen und antwortete Wahrheitsgemäß. „Ich möchte die Grenzen ablaufen.“ Bussardstern zuckte mit den Schultern um musterte sie kalt. „Pechherz! Begleite sie!“ Der angesprochene Kater zischte etwas, was seine Meinung zu diesen Auftrag mehr als deutlich machte, gehorchte dann aber doch und lief hinter Schwarzsturm her in den Wald. „Wegen dir musste ich das Training ausfallen lassen, das ist dir schon klar, oder?“ zischte er sobald sie außer Sichtweite waren. „Ich hab dich nicht gebeten mitzukommen, also halt den Rand.“ fauchte die Kätzin und ließ ihre bernsteinfarbenden Augen gefährlich blitzen. Pechherz überholte sie und baute sich vor ihr auf, sodass sie anhalten musste. „Für eine Kätzin hast du eine ganz schön große Klappe. Gefährlich, wenn du mich fragst.“ Schwarzsturm blickte in seine Augen, die verschiedene Farben hatten und sie jedes Mal verwirrten. Als hätte er zwei Seelen. Sie hielt seinem kalten Blick stand und bohrte ihre Krallen in die Erde. „Ich bin lieber tot, als Gefangen.“ Erschrocken hielt sie inne. Sie hatte sich gehen lassen. Ein leuchten erschien in Pechherz Augen und verschwand sofort wieder, wie eine Welle. Die Andeutung eines Lächelns spielte in seinen Zügen, dann drehte er sich um. „Ich dachte du wolltest zur Grenze.“ Schwarzflut verbiss sich ihren Kommentar dazu nur mühsam, schließlich hatte ER sie doch aufgehalten. Außerdem hatte sie zur Grenze gehen wollen, um allein zu sein. Das sie nun begleitet wurde beförderte ihre Laune endgültig in den Keller. Grummelnd lief sie hinter Pechherz her, der in einem Tempo durch den Wald stürmte, als würde er gejagt. An der Grenze war - wie immer - nichts los. Die umliegenden Felder waren inzwischen abgemäht worden und die Stoppeln die übrig geblieben waren leuchteten golden in der Sonne. In weiter Ferne lagen die Bauernhöfe friedlich wie eh und je. Eigentlich bräuchte man die Grenzen gar nicht bewachen. Höchstens alle paar Monde verirrte sich ein Streuner hierher und selbst die waren nicht sonderlich kämpferisch. Schwatzsturm ignorierte Pechherz und lief zurück ins Territorium, das Hauptsächlich aus dunklen Nadelwald, aber auch einem kleinen Mischwald bestand. Sie hatte kein genaues Ziel und sie achtete auch nicht auf potenzielle Beute, dafür waren die Jägerinnen zuständig. Plötzlich bremste sie scharf ab und Pechherz rannte volle Kanne in sie hinein. „Was zum ...“ Fast wäre sie über Schneepfote gestolpert, der sie aus seinen blauen Augen eisig Musterte. „Pass gefälligst auf, wo du hinläufst.“ knurrte er und schlich davon. Schwarzsturm zog die Augenbrauen hoch. Hatte es den kleinen also doch noch erwischt. Fast hatte sie geglaubt er würde zu den Katern mit Grips gehören.

    Lichtpfote beobachtete mit trüben Blick Schrammenschlag, der gerade eifrig von Regenduft geputzt wurde. Sie wusste das die blaue Kätzin eigentlich ganz andere Pläne gehabt hatte, aber sie war ja sein “Eigentum“, also hatte sie ihm zu gehorchen. Lichtpfote wurde von Bussardsterns lauten Jaulen aus ihren düsteren Gedanken gerissen. „Alle Katzen des Tannenclans haben sich umgehend auf dem Platz zu versammeln. Neugierig ging sie in die Mitte des Lagers und setzte sich zu den anderen Kätzinnen, die grundsätzlich auf der linken Seite sitzen mussten. Die Kater versammelten sich auf der Rechten. Staubwirbels Leiche lag immer noch in der Mitte des Kreises, den sie bildeten, doch das kümmerte anscheinend niemanden. Bussardstern stellte sich einfach auf ihren toten Körper und hatte sichtlichen Genuss daran, seinen Clan dadurch zu überragen. „Ein Schüler und eine Schülerin sind bereit ihren vollen Namen und ihren Rang zu erhalten. Als erstes Stachelpfote. Tritt vor.“ Der hübsche, goldene Kater drängte sich selbstbewusst vor und hielt den Kopf stolz gehoben. „Ich selbst war bei seiner Prüfung anwesend. Er ist ein besserer Kämpfer und Jäger als sein eigener Mentor Rostkralle geworden. Darum hat er es verdient als Krieger der obersten Rangstufe im Clan aufgenommen zu werden. Sein voller Name ist von nun an Stachelfrost.“ Der Name ging kurz als Murmeln durch die Menge und der frisch ernannte Stachelfrost strahlte förmlich. Lichtpfote wusste nicht wirklich ob sie sich für ihren leiblichen Bruder freuen sollte. Mit gemischten Gefühlen betrachtete sie ihn und kam schließlich zu dem Schluss, dass er verabscheuenswert war. Schließlich hatte er sie schon als Junges behandelt wie Dreck. „Willst du dir eine Gefährtin nehmen?“ Stachelfrost schüttelte den Kopf und trat in den Ring zurück. Bussardstern machte eine kurze Pause, bis er mit gelangweilter Stimme weitersprach. „Also gut, dann kommen wir jetzt zu der Schülerin. Salbeipfote, nach vorne.“ Die kleine Kätzin machte ein paar Schritte nach vorne und starrte peinlich berührt auf den Boden. „Fleckensturm hat ihre Prüfung übernommen und mir berichtet, dass sie weder passabel Kämpfen, noch Jagen kann. Also ernenne ich sie hiermit zur Königin. Sie wird von nun an Salbeiblatt heißen. Erhebt jemand Anspruch auf sie?“ Eine kurze Stille entstand, in der Salbeiblatt die Augen fest zusammenkniff und einfach nur hoffte, dass niemand sich für sie interessierte. Doch sie wurde enttäuscht. „Ich will sie.“ Fichtenzweig trat vor und musterte sie wie ein Stück Beute. Salbeiblatts Blick wurde dunkel, als etwas in ihr zerbrach. Vor ihr Blickte sie Staubwirbel aus toten Augen an, und doch war ihr, als würde sie darin eine Spur Mitleid erkennen. „Also gut. Salbeiblatt ist Fichtenzweigs Gefährtin, jeder andere der sie anrührt wird bestraft. Ich erwarte bald den ersten Wurf. Die Versammlung ist beendet. „

    5
    Flammenglut setzte sich mit zusammengebissenen Zähnen neben Schwarzsturm. In ihren Augen glühte ein hellgrünes Feuer. Bei den Gedanken an Donnerrufs Geruch musste sie sich fast übergeben. Schwarzsturm sagte nichts, doch sie fühlte mit ihrer jüngeren Freundin. Sie hatte wirklich großes Glück, dass sie bisher noch niemand gewählt hatte. Und das sollte auch schön so bleiben. Flammenglut reinigte mit schnellen Zungenstrichen ihr dunkelrotes Fell, doch als sie bemerkte, dass Schwarzsturm erschauderte, hielt sie inne. „Ist etwas.“ Die schwarze Kätzin schüttelte sich noch einmal. „Kennst du dieses widerliche Gefühl, wenn du angestarrt wirst?“ Flammenglut verstand und sah sich unauffällig um. „Es ist Pechherz. Aber er sieht irgendwie … traurig aus.“ Schwarzsturm fuhr herum und starrte mit dem bösesten Blick, den sie auf Lager hatte, zurück, doch der Krieger grinste nur und sah weg. „Der soll mir nur vom Hals bleiben. Anscheinend funktioniert mein Abwehrmechanismus nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.“ Ihr Blick wurde abgelenkt, als Dunstwolke wie verprügelt ins Lager schlich und sich neben ihre Freundin Nebelhauch setzte. Wenige Herzschläge kam auch Dunkelsturm zurück und gesellte sich laut lachend zu Tannenkralle und Wolkenbruch. Der weiße Kater mit den auffallend roten Flecken fiel in das Gelächter ein, doch Tannenkralle sagte irgendwas und ging davon. Zu ihrer Überraschung steuerte er direkt auf eine kleine Gruppe Jägerinnen zu und setzte sich zu ihnen. „Lass uns hingehen, ich will wissen, was der vor hat.“ flüsterte Schwarzsturm und Flammenglut nickte nicht minder neugierig. Unauffällig gesellten sie sich zu den anderen. Schwarzsturm erkannte in Nachtgeflüsters Blick, dass diese ebenso irritiert war, wie sie selbst. „Was … möchtest du?“ fragte sie verwirrt und der dunkle Kater blinzelte. „Die Gesprächs Themen der anderen Öden mich langsam an. Ich habe gehofft bei euch wäre es interessanter.“ „Sieh mal einer an, ein Kater der sich dazu herablässt mit Kätzinnen zu sprechen.“ raunte Schwarzsturm giftig. Tannenkralle erwiderte ihren Blick mit kühler Gelassenheit. „Also, worüber redet ihr so? Über Junge oder euren Gefährten oder gar … Freiheit?“ Es wurde still unter den Kätzinnen, die jetzt verschwörerische Blicke tauschten. „Voll ins Schwarze, richtig?“ hauchte Tannenkralle leise, dann stand er auf und schlenderte, als wäre nichts gewesen, zu Windherz, der immer etwas abseits stand. Flammenglut und Schwarzsturm sahen ihm verdutzt nach, dann schlich sich ein leises Lächeln über ihre Gesichter. Etwas veränderte sich. Sie konnten es fühlen.

    Lichtpfote saß mit Finsterpfote und Moorpfote im Schatten und beobachtete Schneepfote, der sie bisher eiskalt ignorierte. Niemand bemerkte das Moorpfotes Blick eine ganz andere Gestalt suchte. Als sie ihn schließlich entdeckte schlug ihr Herz ein wenig höher und ihr Atem wurde kaum merklich schneller. So war es schon immer gewesen, seit der Kater völlig unvermittelt im Lager aufgetaucht war. Damals war sie noch ein Junges gewesen und doch … hatte sie diese Regung ihres Herzens gespürt, die ihr jetzt so furchtbar wehtat. Doch es war Hoffnungslos. Sie war eine Heilerin und daher unerreichbar. Außerdem sah Tannenkralle sie ja nicht einmal an. Moorpfote wusste nicht das in den Herzen ihrer Freunde ähnliche Gefühle brannten. Sie bemerkte nicht die Art, wie Lichtpfote Schneepfote ansah, aber Finsterpfote merkte es und es tat ihm weh. Und Schneepfote … Schneepfote wusste nicht was er fühlen sollte. Er wusste nicht das Lichtpfote für ihn nicht geflohen war, es zumindest nie versucht hatte. Weil sie wusste das er den Clan liebte, obwohl er so sonderbar war. Einfach weil das sein Zuhause war. Und Finsterpfote ging nicht, weil Lichtpfote blieb. So waren ihre Schicksale aneinander gekettet.

    6
    Ein kleines Bild:/ So würde Finsterpfote als Anime-Charakter aussehen.

    7
    Feuerschweif lief zusammen mit Flammenglut, Schattensturm und Tannenkralle als Aufseher die Grenze ab. Die Stimmung war recht ausgelassen und die Kätzinnen sprachen aus was sie dachten, denn sie wussten, dass Tannenkralle sie nicht verraten würde. Im Gegenteil. Er beteiligte sich an dem Gespräch und brachte sie oft zum Lachen. Und die Kätzinnen lachten, war wirklich selten. Feuerschweifs Augen glühten regelrecht, wenn sie lachte und ihr Blick wanderte auffällig oft zu dem dunklen Kater. Schließlich stupste Schattensturm sie spielerisch an und grinste vielsagend, woraufhin sie wirklich versuchte, sich etwas unauffälliger zu benehmen. Auf die Grenzen achtete eigentlich niemand so genau, bis sie ein eindringliches heulen aufhorchen ließ. „Kota, du Idiot, wo bist du, verdammt noch mal. Wenn du nicht sofort rauskommst, bring ich dich gleich zweimal um!“
    Auf dem Feld irrte ein großer, ausgesprochen hübscher, rostroter Kater umher. Mal lief er in die eine Richtung, mal in die andere, bis er schließlich wie festgefroren stehenblieb und die Nase in den Wind streckte. Er hatte die Clankatzen gewittert. Tannenkralle trat als erstes aus den Schatten der Nadelbäume und Feuerschweif folgte ihm vielleicht eine Spur zu hastig. Auch Flammenglut und Schattensturm folgten, aber sie hielten sich kampfbereit, mit gesträubte Fell im Hintergrund. Der Kater kam langsam näher und blieb in einigen Abstand stehen. „Weißt du, dass hier das Tannenclan Territorium beginnt? Halte dich von den Grenzen fern, oder wir vertreiben dich mit den Krallen.“ sagte Tannenkralle eindringlich und der Kater wedelte Abwehrend mit dem Schweif. „Wow, wow immer schön ruhig bleiben, ja. Ich befinde mich nur auf diesem endlos weitem, stacheligen Feld mitten in der prallen Sonne, weil ich meinen Waschlappen von Bruder Suche. Habt ihr ihn zufällig gesehen? Er sieht ungefähr … haargenau so aus wie ich.“ Schattensturm starrte den Kater an, als wäre er von einem anderen Planeten und Flammenglut konnte sich nur mit Mühe ein kichern verkneifen, denn in diesem Moment tauchte hinter dem Kater ein anderer auf, der wirklich exakt genauso aussah. „Du kannst mich nur einmal umbringen, Spatzenhirn.“ grummelte dieser und sein Bruder sprang vor Schreck in die Luft. „Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst nicht einfach hinter mir auftauchen! Du hörst echt nie auf mich.“ „Muss ich das? Ich bin der ältere von uns beiden.“ „Die paar Sekunden, das ist doch ...“ Tannenkralle räusperte sich und der beide fuhren herum. „Ach wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt.“ plapperte der Zweitgeborene munter weiter. „Ich bin Takka und dieser ewig mies gelaunte Eisbrocken ist mein Bruder Kota.“ „Ich bin kein Eisbrocken, ich bin nur nicht verrückt.“ fügte Kota trocken hinzu. Tannenkralle nickte langsam und grinste amüsiert. „Ich heiße Tannenkralle und die drei sind Schattensturm, Feuerschweif und-“ „Ich kann mich alleine Vorstellen!“ unterbrach ihn Flammenglut und trat einen Schritt vor. „Gestatten, Flammenglut.“ Nun waren es die beiden Brüder die verdutzt aussahen. „Was für HÄSSLICHE Namen.“ sagte Kota aus irgendeiner Regung heraus und Takka warf ihn einen bösen Blick zu. „Vielleicht ein … ganz, kleines bisschen sonderbar. Muss das so sein? Also ich meine ich habe noch nie eine Katze getroffen die Schattensumpf oder Tannen … baum hieß, aber wenn das so sein muss, also ich-“ Jetzt konnte sich Flammenglut endgültig nicht mehr halten und brach in schallendes Gelächter aus, in das alle übrigen sofort einfielen.

    Schwarzsturm glitt geschmeidig durch das Unterholz, den Kopf stolz gehoben und mit funkelnden Augen. Sie war in Gedanken vertieft und merkte nicht, dass sie nicht allein war. Schließlich blieb sie stehen und richtete ihren Blick gen Himmel, der tiefblau und Wolkenlos war. So endlos weit. Neidisch beobachtete sie die Vögel die in Schwärmen hin flogen, wo sie wollten. Die waren frei. Wie gerne wäre sie auch ein Vogel. Ein knacken ließ sie herumfahren und sie ging sofort in ihre Kater-Abschreck-Position. Sie ließ die Schultern fallen und ihren Rücken hängen und senkte den Kopf. Das einzige was sie nicht unterdrücken konnte, war das wilde Funkeln ihrer Augen. „Schleichst du mir nach?“ zischte sie und bleckte drohend die Zähne und fixierte Pechherz wütend. „Ich verschwende meine Zeit nicht damit, einer Kätzin wie dir zu folgen. Ich hab dich nur zufällig gesehen.“ Seine Stimme war kühl, doch in seinen Augen schwenkte Unsicherheit. „Ich habe eine Erlaubnis, also verkrümele dich jetzt mal ganz schnell.“ Pechherz erwiderte nur kühl: „Nur allzu gerne.“ Und verschwand wieder in der Dunkelheit der Tannen, doch in Wirklichkeit konnte er nur daran denken, wie er sie eben gesehen hatte. Stolz, elegant und stark, mit dem Blick einer gefangenen Kriegerin.

    8
    So, heute mal ein Bild von Lichtpfote. (Sie hat lange Haare, die hinten in einem geflochtenen Zopf zusammengefasst sind. )

    9
    (Bild von Rari, Der Kampf zwischen Krähenschwinge und Takke und Stachelfrost und Kota)

    Moorpfote strich allein durch den Wald, der trotz der Hitze, angenehm kühl war. Eine wunderschöne Blume wuchs an einem Stamm empor und streckte ihre zarte, Rosafarbende Blüte dem Licht entgegen. Doch die Heilerschülerin beachtete sie nicht. Ihre Augen waren dunkel und traurig. Feuerschweif und Tannenkralle verstanden sich ja wirklich prächtig. Natürlich, Tannenkralle war nicht berechtigt sie zur Gefährtin zu nehmen, aber trotzdem … seine Aufmerksamkeit galt ihr. Moorpfotes Träume zerplatzten wie Seifenblasen. Wie hatte sie sich auch einbilden können, dass ...“ „Takka, Achtung da ist ein -“ WUMMS! „... Baum.“ Stimmen rissen sie aus den Gedanken. Auf den Knall folgte ein langgezogenes Stöhnen. „Hättest du das nicht früher sagen können?“ „Wir sind hier im Wald, du Mäusehirn. Da gibt es schon mal Bäume.“Vorsichtig schlich Moorpfote näher und entdeckte zwei vollkommen identisch aussehende Kater. Einer der beiden schüttelte mit schmerzerfülltem Gesicht den Kopf. Plötzlich blickte der andere auf und sah ihr direkt in die Augen. Erschrocken machte sie ein paar Schritte zurück, doch der Kater senkte nur höflich den Kopf, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. Der andere, der sie jetzt auch entdeckt hatte, sprang auf und lief grinsend auf sie zu. „Wir suchen Tannenbaum. Wir wollen bei diesem Clan-Dings mitmachen.“ „ER will unbedingt mitmachen.“ fügte der Ernste hinzu. Moorpfote lächelte etwas eingeschüchtert, fand dann aber doch die Sprache wieder. „Äh, dann kommt einfach mit. Ich bringe euch zu Bussardstern.“ Der eine prustete bei dem Namen leise, riss sich dann aber doch zusammen und nickte. Moorpfote wartete nicht weiter, sondern rannte einfach los, in Richtung Lager. Hinter sich hörte sie das Trommeln der Pfoten der beiden anderen. Kaum im Lager angekommen, prallte sie auch fast mit Bussardstern, der anscheinend gerade gehen wollte, zusammen. Mit einer Vollbremsung konnte sie gerade noch so stoppen. Hinter ihr waren auch die beiden anderen eingetrudelt und Bussardstern musterte sie kommentarlos. „Was wollt ihr?“ Der Ernste erwiderte den kalten Blick des Anführers mit einem kühl und in seinen Augen spiegelte sich Überlegenheit, während der andere munter los redete und sich an den drohenden Unterton gar nicht zu stören schien. „Ich bin Takka und das ist mein Bruder Kota. Wie wollen bei diesem Clan-Dings mitmachen. Weil im Dorf unten ist echt nichts los und wir brauchen echt mal Abwechslung und ...“ Bussardstern schnaubte und blickte verächtlich. „Wenn ihr die Kriegerprobe besteht, dürft ihr Mitglied dieses Clans werden. Wenn nicht …“ Der Ernste sah nun wirklich interessiert aus und seine Augen glitzerten wild. „Was sollen wir tun?“ Bussardstern lächelte und winkte Stachelfrost und Krähenschwinge, die sich vor den beiden aufbauten. „Ihr müsst sie nur besiegen. Alles ist erlaubt. Los!“ Noch bevor einer der beiden etwas erwidern konnte, stürzten sich Krähenschwinge auf Takka, der überrascht in Abwehrhaltung fiel. Auch Stachelfrost sprang vor und hob die Pfote um Kota die Krallen ins Genick zu schlagen, doch der Kater war bereits ausgewichen und sofort zum Angriff übergegangen. Seine Technik war vollkommen anders, als die der Krieger. Blitzschnell schossen seine Pfoten vor und zurück und er führte Schläge aus, die scheinbar völlig sinnlos waren und dafür Stachelfrost umso mehr verwirrten. Außerdem stand er nie still, sein gesamter Körper war ständig in Bewegung, was es schwer machte ihn gezielt zu treffen. Plötzlich wirbelte er herum und machte einen gewagten Rückwärtssalto auf Stachelfrosts Rücken. Der Krieger ließ sich sofort fallen, um den Kater abzuschütteln, doch Kotas Krallen hatten sich bereits tief in seine Seiten gebohrt. Unfähig sich noch zu rühren, gab Stachelfrost auf. Takka und Krähenschwinge kämpften noch. Der sandfarbende Krieger hatte sich am Rücken des fremden Katers festgebissen und es sah schlecht für ihn aus. Hektisch versuchte er, den Krieger mit den Krallen zu treffen, doch seine Schläge gingen ins Leere. Takka warf seinen Bruder einen verzweifelten Blick zu und dieser nickte kaum merklich. Entschlossen warf sich der vorlaute Kater zur Seite und schaffte es tatsächlich, Krähenschwinge am Schweif zu packen und dieser ließ locker. Fauchend kugelten die beiden Kater auf Kota und Stachelfrost zu, bis sie die beiden förmlich überrollten. Ein wildes Gewirr aus Katzen entstand und es war schwer, den Überblick zu behalten. Schließlich kämpfte sich Krähenschwinge frei und sofort stürzte auch der vermeintliche Takka vor und hieb plötzlich mit gefährlicher Genauigkeit auf ihn ein. Sein Bruder hielt noch immer Stachelfrost am Boden. Niemanden fiel auf, dass dieser Kota es nur mit Mühe schaffte, seinem ernsten Blick stand zu halten.

    10
    Und, wer hätte es gedacht, Schneepfote.
    (Bei diesem Bild hat mein Kugelschreiber langsam den Geist aufgegeben, also kann es sein, dass ich etwas aggressiver gezeichnet habe XD)

    11
    Als es dem wirklichen Kota schließlich gelungen war, auch Krähenschwinge zu besiegen, nickte Bussardstern nur kühl und seine Augen blitzten ärgerlich. Er hatte eigentlich nicht wirklich vorgehabt, die beiden aufzunehmen, aber jetzt blieb ihm wohl keine andere Wahl. „Also gut, ihr seid beide im dritten Rang aufgenommen. Takka heißt von nun an Bernsteinglut und Kota Scherbenkralle. So das war's.“ Bussardstern trottete gelangweilt davon und verschwand im Wald. Die beiden frisch ernannten Krieger blieben ratlos in einem Ring aus Katzen zurück. „Ja … und jetzt?“ fragte Takka aka. Bernsteinglut und sah sich zweifelnd um. Da entdeckte er Tannenkralle in der Menge und lief zielstrebig auf ihn zu. Für den dunklen Krieger gab es kein Entkommen. „Hallo Tannenbaum. Kannst du uns erklären wie es hier so zugeht?“ Einen Moment lang schien der Krieger zu überlegen, doch dann sagte er nur eindrücklich „Tannenkralle!“ und ging davon. Ziellos lief Takka quer durch das Lager und Kota folgte ihm. Er war längst nicht so unbeschwert wie sein Bruder. Etwas hier Stimmte ganz und gar nicht, das hatte er längst gemerkt. Plötzlich hörte er aus dem Waldstück hinter den Bauen lautes Gelächter. Er kannte diese Art von Lachen nur allzu gut und seine Nackenhaare stellten sich auf. Er ließ Takka allein weitergehen und schlich sich näher, bis er einzelne Gestalten erkannte. Es war eine Gruppe Kater, die einen Kreis um eine zierliche, kleine Kätzin gebildet hatten und sie mit Schlamm und Schimpfwörtern bewarfen. Der Anführer dieser Truppe war der Kater, mit dem er eben noch gekämpft hatte. Wie hieß er doch gleich? Stachelfrost, oder zumindest so ähnlich. Die kleine Kätzin wehrte sich nicht, sondern zuckte nur hilflos zusammen, wenn sie abgeworfen wurde. Langsam erhob sich Kota aus seiner Kauernden Position und ging auf die Kater zu. Als ihn niemand beachtete machte er einen gigantischen Satz vor die Kleine und fing dabei noch eine gewaltige Portion Matsch ab. „Hört auf!“ sagte er leise, mit einer Stimme die Wasser gefrieren ließ. Stachelfrost zögerte. Er hatte schon einmal gegen diesen Kater verloren, aber diesmal hatte er auch die anderen Kater auf seiner Seite. Trotzdem winkte er nach einer Zeit verächtlich ab und stolzierte davon. „Sie ist es nicht wert, wegen ihr einen Kampf anzufangen.“ Die anderen folgten ihm wie Schäfchen und innerlich verachtete Kota sie dafür. Was für hirnlose Marionetten. Langsam drehte er sich zu der Kleinen um, die ihn aus hellblauen Augen ängstlich und fragend ansah. „Wie heißt du?“ fragte Kota zögernd. Er war nicht sonderlich gut darin, ein Gespräch zu beginnen. „Frostpfote.“ flüsterte die Kleine so leise, dass ihre Stimme fast vom Wind verschluckt wurde. „Ich heiße hier im Clan Scherbenkralle, aber eigentlich ist mein Name Kota.“ Ein merkwürdiges Drängen stieg in ihm auf, und bevor er wusste, was er überhaupt sagte, waren die Worte schon aus ihm herausgesprudelt. „Und ab heute werde ich dich beschützen.“

    12
    Ich saß allein in der hinteren Hälfte des Lagers und beobachtete die Katzen. Wie Figuren eines gigantischen Spiels bewegten sie sich vor mir hin und her. Die einen Lachten, die anderen verkniffen sich die Tränen. Ich sah wie sich gleich zwölf Kater auf eine Schülerin stürzten und das Licht ihrer Seele zertraten. Wer zog die Fäden? Wer steuerte diesen Irrsinn und ließ die einen Leiden und die anderen Lachen. Ich wusste es nicht, aber ich wusste, dass ich mich nicht an diese Regeln halten würde. Es war mir egal, dass es mein Leben kosten würde, denn mein Leben bedeutete mir nichts. Es waren die winzigen Herzen, die in mir zu Schlagen begannen, die mich zurück hielten und gleichzeitig drängten. Ich konnte die Tritte ihrer Pfoten spüren und ich bildete mir ein, ihre Stimmchen im Wind zu hören. Ich liebte sie, obwohl ich sie nie gewollt hatte. Vielleicht war das mein Schicksal. Unveränderlich und mit bitterem Ende. Aber es würde nicht das meiner Kinder werden. Ich wusste das nun die Zeit für sie gekommen war, zu Atmen. Als sich die Dunkelheit über den Ort legte, der nie mein Zuhause gewesen war, schlich ich davon. Ich war ein Schatten und verschmolz perfekt mit meiner Umgebung. Niemand wurde auf mich Aufmerksam, doch ich wusste, dass einer mich sah. Als ich die Felder erreichte, begann ich zu rennen. Ich flog mit dem Wind, der mich zu tragen schien. Regen kam auf und peitschte auf mich herab. Der Donner grollte und Blitze zuckten, doch ich hatte keine Angst. Ich wollte nie wieder Angst haben. Ich erreichte den ersten Bauernhof. Im Schein der Blitze wirkten die Mauern riesenhaft und Schatten jagten über die Wände wie verlorene Seelen. Die Stufen die zur Tür führten, waren aus groben Stein und schrecklich kalt. In dieser Nacht bekam ich meine Jungen. Ich erlitt alle schmerzen für sie und als ich sie das erste Mal sah, wollte ich für immer bei ihnen bleiben. Sie beschützen, vor allem Unrecht dieser Welt, doch ich konnte nicht, denn mein Schicksal wartete auf mich. Ich gab ihnen zu trinken, zum ersten und zum letzten Mal. Ich sang ihnen das Lied meiner Seele und bevor sie einschliefen, versprach ich ihnen, irgendwann zurück zu kehren. Ich weiß noch wie eines der Kleinen mich ansah, als könnte es in mein Herz sehen. Ich drehte mich um und ging, ließ meine Kinder zurück. Ich setzte mich mitten aufs Feld und wartete. Es hatte aufgehört zu regnen, als sie kamen. Es war Zeit für mich, den letzten Weg anzutreten, der sich für mich eher wie eine Brücke anhörte, als das Ende. Der Tod kam und holte mich.

    Am nächsten Morgen:

    Alle waren bestürzt, als sie von der gescheiterten Flucht hörten, doch die Kätzinnen waren mehr als entsetzt. Für sie war auch der letzte Funke Hoffnung gestorben. Kupferlicht war die schnellste Katze des Clans gewesen und selbst sie hatte es nicht geschafft zu entkommen. Noch schlimmer war der Zustand, in dem man sie zurück ins Lager brachte. Ihr Körper war in winzige Stücke gerissen worden, man konnte nicht mehr erkennen, dass sie einmal eine Katze gewesen war. Ein Ungeheuer musste das getan haben, so war man sich einig. Keine Katze versuchte seit je her zu fliehen, solange sie nicht lebensmüde war. Keine der Kätzinnen wusste, dass Kuperlicht nicht die Freiheit gesucht hatte. Und niemand wusste, dass die Bäuerin am Morgen zwei halberfrorene Kätzchen auf ihren Stufen gefunden hatte.

    Das alles trug sich zu, kurz bevor Schwarzsturm das Licht der Welt erblickte.

    13
    (Bild von Rari, Fleckensturm und ihr Gefährte Bussardstern)

    Schwarzsturm sah auf, als Flammenglut mit schmerzerfülltem Gesicht auf sie zukam. Ihr Fell war zerzaust und sie blutete aus einer Wunde an der Flanke. Auch diesmal sagte Schwarzsturm nichts, sondern begann nur, den hellroten Pelz ihrer Freundin zu richten. „Ich muss dir etwas erzählen.“ flüsterte Flammenglut leise, als sie sich etwas erholt hatte. Schwarzsturm ahnte nichts Gutes. „Junge?“ „Junge.“ „Hast du Angst?“ Die Kätzin zögerte. „Ein bisschen. Ich … ach ich weiß einfach nicht, was ich fühlen soll. Ich habe sie nicht gewollt, aber sie tragen auch mein Blut in sich. Und trotzdem habe ich Angst, sie könnten so werden wie Donnerruf oder Fleckensturm.“ Schwarzsturm schüttelte bei dem Namen heftig den Kopf. Sie verstand einfach nicht, wie eine Katze sich in einen solch widerlichen Kater verlieben konnte. Wie konnte es jemanden gefallen, der Sklave eines anderen zu sein? Doch die bunte Kätzin las ihrem Gefährten jeden Wunsch von den Augen ab und hatte schon drei Würfe Junge zur Welt gebracht. Die ersten waren zwei Kätzinnen gewesen, beide waren inzwischen tot. Doch Fleckensturm schien das nicht zu kümmern. Schwarzsturm verachtete sie zutiefst. „Weißt du schon, wem du sie anvertraust?“ Flammenglut nickte traurig. Als hochrangige Kätzin musste sie ihre Jungen an eine Königin abtreten, sobald sie geboren waren. Das bedeutete, dass sie nicht einmal die Chance hatte, einen gewissen Einfluss auf die Kleinen auszuüben. Aber sie hatte da schon jemanden im Auge. „Erinnerst du dich an Silberhauch?“ Gespielt entrüstet sah Schwarzsturm sie an. „Natürlich, was denkst du denn von mir. Sie ist drei Monde nach mir geboren, wir haben damals immer Moosball gespielt …“ Sie seufzte leise, als sie sich an die alten Zeiten erinnerte. „Am liebsten würde ich wieder ein Junges sein … Aber zurück zum Thema. Du willst die Jungen also Silberhauch geben?“ Flammenglut nickte. „Sie war schon immer eine gute Kämpferin und Jägerin. Ich wette sie wäre Kämpferin geworden, wenn damals nicht Bussardstern über sie gestolpert wäre. Sie hat ein gutes und starkes Herz und ich denke, sie wird sich gut um die Kleinen kümmern.“ Schwarzsturm musste fast kichern, als sie an Bussardsterns überraschtes Gesicht dachte, als er plötzlich über Silberpfote gestolpert war und direkt im Matsch landete. Die Schülerin konnte wirklich nichts dafür, aber sie hatte wohl Glück gehabt, dass er sie nicht ganz anders Bestraft hatte. „Du hast eine gute Wahl getroffen. Bei ihr sind die Jungen sicher.“ Stimmte die schwarze Kämpferin ihrer Freundin zu. Plötzlich wurde sie von Schritten aufgeschreckt. Donnerruf spazierte mit höhnischen Grinsen auf die beiden zu und legte sich dicht neben seine Gefährtin, die sich ein Würgen verkneifen musste. „Kannst du sie nicht einmal in Ruhe lassen?“ zischte Schwarzsturm mutig, doch der Kater beachtete sie nicht. Flammenglut warf ihr trotzdem einen dankbaren Blick zu. „Bring mir jetzt was zu essen, ich hab Hunger. Und wenn es wieder nur so eine halb vertrocknete Maus ist, kannst du was erleben.“ Flammenglut huschte mit wütend zusammengebissenen Zähnen davon und auch Schwarzsturm wollte sich in den Bau der Kätzinnen zurück ziehen, als ihr jemand in den Weg trat. Stachelfrost grinste sie herablassend an und lachte triumphierend auf. „Stell dich schon mal darauf ein, in naher Zukunft meine Gefährtin zu werden. Dein Temperament gefällt mir wirklich außerordentlich gut. Aber keine Sorge, du wirst nicht lange auf mich warten müssen. Ich werde jetzt gleich mit Bussardstern sprechen.“ Er grinste ihr noch einmal hochmütig zu und stolzierte dann davon. Schwarzsturm sah dem viel jüngeren Kater mit einer Mischung aus Ekel, Verachtung und Entsetzen hinterher.

    14
    (Bild von Rari, Schwarzsturm und Stachelfrost, mit dem wütenden Pechherz im Hintergrund)

    Gähnend trat Schwarzsturm aus dem Bau der Kätzinnen. Hinter sich hörte sie Flammenglut und Silberhauch tuscheln und plötzlich fiel ihr ein, dass ja bald sie selbst diejenige sein könnte, die eine Königin für ihre ungewollten Jungen auswählte. Die Sonne erwärmte das Gras und ließ den Tau glänzen, bis es schließlich in Nebeln verdampfte. Das Lager begann lebendig zu werden. Eine Gruppe Jägerinnen wollte losziehen, mit einem Kater als Betreuer, als Bussardsterns viel zu lautes Jaulen sie zum Anhalten bewegte. „Alle Katzen des Tannenclans haben sich umgehend auf dem Platz zu versammeln!.“ Wie konnte ein Morgen besser anfangen? Grummelnd lief Schwarzsturm auf den Platz und setzte sich zu den Kätzinnen. Sie fühlte sich, als wäre sie zu ihrem eigenen Todesurteil angetreten. Von der anderen Seite blinzelte Stachelfrost ihr zu und sie verzog angewidert das Gesicht. „Heute sind sechs Jungen sechs Monde alt geworden und bereit zu Schülern ernannt zu werden. Es sind drei Kater und drei Kätzinnen. Wir beginnen mit den Katern. Sumpfjunges, Eicheljunges und Splitterjunges, tretet vor.“ Eichhornflucht und Fliederduft ordneten ihren Schützlingen noch rasch das Fell, bevor sie sie sanft nach vorne schoben. Bussardstern nickte und fuhr fort. „Sumpfjunges, bis du Krieger wirst, wird man dich Sumpfpfote nennen. Dein Mentor ist Dunkelsturm.“ Der Kater trat vor, berührte seinen Schüler mit der Nase und der Kleine setzte sich mit stolzgeschwellter Brust neben ihn, zu den Katern. Wenig später war Eicheljunges zu Eichelpfote geworden und hatte Wolkenbruch zum Mentor erhalten und Splitterjunges zu Splitterpfote, mit Tannenkralle als Mentor. Nun waren die weiblichen Jungen an der Reihe „Hasenjunges, Himmeljunges und Rebenjunges, tretet vor!“ Die Kätzchen traten vor und blickten sich ängstlich um. „Hasenjunges, du heißt jetzt Hasenpfote und deine Mentorin wird … Schwarzsturm. Himmeljunges, du bist von nun an Himmelpfote und deine Mentorin wird Schattensturm. Und Rebenjunges, du bist jetzt als Rebenpfote Dunstwolkes Schülerin.“ Schülerinnen und Mentorinnen hatten keine Zeit, um sich zu begrüßen und Bussardstern scheuchte sie mit einer Schwanzbewegung wieder zu den anderen Kätzinnen. Hasenpfote setzte sich dicht neben Schwarzsturm und sah voller Stolz zu ihr auf. Auch Schwarzsturm freute sich. Sie mochte die wilde, kleine Kätzin. „Ach noch was, Schwarzsturm ist von nun an Stachelfrosts Gefährtin. Jeder andere, der sie anrührt wird bestraft. Die Versammlung ist beendet.“ Schwarzsturms Freude verschwand schlagartig und Hasenpfote schenkte ihr einen Mitleidigen Blick.
    Der Kater kam direkt zu ihr herüber und drückte sich an sie, als wäre sie die Liebe seines Lebens. „Wir werden bestimmt viel Spaß zusammen haben.“ flüsterte er. „Wohl kaum.“ erwiderte Schwarzsturm und wandte sich ab, nur um direkt in Pechherz verwirrende Augen zusehen. Der Kater starrte allerdings nicht sie an, sondern Stachelfrost. Und das mit einem Blick, der Vögel tot vom Himmel fallen ließ. Es war ihm deutlich anzusehen, dass er Schwarzsturms Gefährten am liebsten in der Luft zerreißen würde und Schwarzsturm wünschte sich aus vollem Herzen, dass er es tun würde.

    15
    In Pechherz brodelte es nur so vor Wut. Er würde nicht zulassen, dass irgendjemand seiner Schwarzsturm etwas antun würde. Schon gar nicht dieser Wiederling Namens Stachelfrost. Er würde mit ihr reden. Vielleicht würde sie es wagen mit ihm abzuhauen. Trotz des Ungeheuers. Oder sie würde ihn auslachen. Vielleicht mochte sie ihren Gefährten ja sogar. Er konnte sich das zwar nur sehr schwer vorstellen, trotzdem kam er ins Schwanken. Er war vollkommen ratlos. Pechherz drehte sich um und stolperte zurück. Fast hätte er Bernsteinglut über den Haufen gerannt, der wiederum Tannenkralle hinterherrannte und ihn Vollschwafelte. Es schien, als wäre der dunkle Kater auf der Flucht. Dieses Bild brachte ihn ein wenig zum Lächeln, doch kurze Zeit später entdeckte er Hasenpfote und sofort waren seine Gedanken wieder bei Schwarzsturm. Das diese auch ihn, aus dem Schatten heraus, beobachtete, bemerkte er gar nicht.

    Frostpfotes Beine zitterten. Sie hockte wie üblich weit abseits im Lager. „Frostpfote! Wir finden dich!“ rief eine Stimme fast lockend. Seit die Jungen Schüler geworden waren, hatten sie sich zu einer Bande zusammengeschlossen, die es sich zum Auftrag gemacht hatte, ihr Leben schwer zu machen. Eichelpfote sah sich suchend um und lachte laut, als er sie entdeckte. Frostpfote verfluchte ihr helles Fell und huschte schnell davon, doch Splitterpfote trat ihr in den Weg. Von der anderen Seite tauchte Sumpfpfote auf. Sie saß in der Falle. „W-Was wollt ihr denn v-von mir?“ stotterte sie ängstlich und spähte nach ihrer Mentorin, die sie manchmal verteidigte, doch sie konnte Feuerschweif nirgends entdecken. „Du sitzt in der Falle.“ stellte Eichelpfote das offensichtliche fest. Dann machte er einen Schritt auf sie zu und ließ seine Krallen vor ihrer Nase tanzen. Frostpfote schluckte und kauerte sich zusammen. Der Schlag traf sie hart und mit ausgefahrenen Krallen. Sie schrie auf, als Blut aus den Kratzern auf ihrer Flanke strömte. Eichelpfote lachte und weidete sich an seiner Macht über sie. Sumpfpfote fiel laut in das Lachen mit ein, dann sprang er vor und rempelte sie hart an, sodass sie in den Sand fiel. „Ist sie nicht Schneepfotes Schwester?“ grölte Eichelpfote vielsagend. Frostpfote rappelte sich wortlos auf. „Schlag dieser Versagerin zusammen, Eichelpfote!“ schrie Sumpfpfote hitzig und sofort stürzte sich der Kater auf sie. Er hatte zwar noch nicht lange Kampfunterricht, aber da Frostpfote sich nicht wehrte hatte er leichtes Spiel. Seine Krallen bohrten sich in ihren Rücken und zerrissen ihre Seiten. Die Kätzin schloss die Augen und ließ es über sich ergehen. Doch Plötzlich verschwand das Gewicht und ein lautes Fauchen ertönte über ihr. „Verschwindet sofort und wagt es nicht, ihr noch einmal zu nahe zu kommen oder ich bringe euch um.“ Sie erkannte Kotas Stimme. Vorsichtig öffnete sie die Augen und sah gerade noch, wie die Schüler das Weite suchten. Kota warf ihr ein kurzes, unsicheres Lächeln zu, das vermutlich aufmunternd wirken sollte und lief in Richtung Heilerbau davon. Wenig später kam Samenflug zu ihr und brachte sie in ihren Bau. Sanft begann sie ihre Wunden zu reinigen und Frostpfote fühlte sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich beschützt und beachtet. Der Gedanke an ihren Retter zauberte ein seltenes Lächeln in ihr Gesicht.

    16
    (Bild von Rari, Tannenkralle und Feuerschweif: D)
    Lichtpfote machte vorsichtig ein paar Schritte auf Schneepfote zu. Er beachtete sie nicht und sah demonstrativ zur Seite, aber lief auch nicht weg. „Schneepfote … ich bitte um die Erlaubnis zu sprechen.“ Er sah sie immer noch nicht an. „Erlaubnis erteilt.“ Lichtpfote seufzte erleichtert und setzte sich neben ihn. „Also … ich wollte dir nur sagen … dass ich dich vermisse. Warum redest du nicht mehr mit uns?“ Schneepfote schnaubte nur. „Wenn du nichts Vernünftiges sagen willst, dann geh wieder.“ „Aber … DU bist mir wichtig. Bitte rede doch mit mir, ich -“ „Geh jetzt.“ Lichtpfote verstummte und kämpfte mit den Tränen. „Ich liebe dich.“ hauchte sie kaum hörbar und rannte davon, um sich bei Moorpfote auszuweinen. Schneepfote sah ihr mit leeren Augen nach.


    (Wer ab hier eine passende Hintergrundmusik sucht, dem empfehle ich Der Schwan von Joshua Bell)

    Tannenkralle war aus dem Lager geflohen, um endlich Ruhe vor Bernsteinglut zu haben, der ihn seit seiner Aufnahme, scheinbar als großes Vorbild ansah. Doch hier im Wald hatte er endlich seinen Frieden. Die Vögel zwitscherten aufmunternd in den Bäumen und Lichtstreifen bahnten sich ihren Weg durch das dichte Blätterdach. Im Schatten war es angenehm kühl, trotz der Sommerlichen Hitze. Tannenkralle streckte sich zufrieden auf seinem Stein aus, der noch von der Morgensonne warm war und dämmerte rasch ein. Plötzlich ließ ihn ein Rascheln direkt hinter ihm aufschrecken. Er sprang auf die Pfoten und wirbelte herum. „Takka, lass mich endlich …. Oh...“ Er sah direkt in Feuerschweifs leuchtend grüne Augen. „Was machst du denn hier?“ sichtlich verwirrt setzte er sich wieder. Die Kätzin sah beschämt zu Boden. „Ich bin heimlich aus dem Lager geschlichen und dir gefolgt. Aber wenn ich dich störe … Ich kann sofort wieder gehen.“ Tannenkralle schüttelte kurz den Kopf und schenkte ihr ein mildes Lächeln. „Ist in Ordnung, bleib ruhig hier. Ist sowieso gerade langweilig geworden.“ Er rückte ein Stück und wies einladend auf die freie Stelle neben sich. Zögernd sprang Feuerschweif zu ihm hoch und legte sich neben ihn. Eine Weile herrschte peinliches Schweigen, bis Tannenkralle sich schließlich erbarmte und zuerst begann zu sprechen. Seine Stimme war leise und fast sanft. „Sag, warum bist du mir gefolgt.“ Er hörte sie schlucken, doch dann sammelte sie all ihren Mut und sah ihn fest an. „Ich bin dir gefolgt, weil ich dir etwas sagen wollte. Also … I-Ich ...“ Sie kam ins Stocken, aber Tannenkralle wartete geduldig, bis sie ihre Gedanken geordnet hatte. „Also … Seit du da bist und seit du mich ansiehst, als wäre ich genauso wichtig, wie jede andere Katze auf der Welt … habe ich nur einen Wunsch. I-Ich möchte immer für dich da sein, für immer an deiner Seite bleiben. Mein Herz … leuchtet, wenn du mit mir sprichst und es tut so schrecklich weh, wenn ich dich nicht finden kann. Also bitte, erlaube mir, an deiner Seite zu sein, wohin du auch gehst und ich Verspreche dir, ich werde dich niemals verlassen.“ Feuerschweif schwieg und starrte konzentriert auf einen Käfer, der sich gerade mit einem Blatt abmühte, während sie auf seine Antwort wartete. Tannenkralle ließ ihre Worte auf sich wirken und ein Leuchten trat in seine Augen. „Ich sehe dich nicht an, als wärst du genauso wichtig wie alle anderen. Ich sehe dich an, als wärst du die Schönste und Stärkste Kätzin dieser Welt, die mir kostbarer ist, als es mein Leben je sein könnte. Und ich würde mir nichts mehr wünschen, als dich bei mir zu haben.“ Feuerschweif sah mit glühenden Augen auf, dann begann sie zu schluchzen.„Bitte sag mir, dass das kein Traum ist. Sag mir, dass es stimmt, was du eben gesagt hast. Womit? Womit in aller Welt … habe eine Kätzin wie ich, jemanden wie dich verdient?“ Tannenkralle drückte sich an sie und schnurrte beruhigend. „Es Stimmt. Und ich verspreche dir, dass auch ich dich niemals allein lassen werden … weil ich dich liebe.“

    17
    (Dieses Bild ist von Kirschblüte und zeigt Hasenpfote)


    Als Feuerschweif sich durch die Lücke im Dornenwall, hinter dem Lager zwängten, leuchteten ihre Augen vor Glück. Aus den Augenwinkel bemerkte sie ihre Schülerin Frostpfote, die sich öfters hier verkroch. Sie nahm sich fest vor, in Zukunft mehr mit ihr zu Trainieren. Am liebsten hätte sie laut aufgelacht, doch dann bemerkte sie ihre Freundinnen Schwarzsturm und Flammenglut, die eng beieinander saßen und nicht sonderlich glücklich aussahen. Zögernd lief sie auf die beiden zu und Schwarzsturm grinste sie schief an und zwinkerte. Manchmal fragte sich Feuerschweif, wie es Schwarzsturm gelang, sie jedes Mal zu durchschauen. „Freut mich.“ flüsterte die schwarze Kätzin und begann eine ihrer weißen Vorderpfoten zu putzen. Doch so heiter und freudig ihre Stimme auch geklungen hatte, Feuerschweif fiel die Wunde an ihrer Seite auf. Wortlos setzte sie sich neben sie und begann sie vorsichtig zu säubern, genauso, wie Schwarzsturm es immer bei Flammenglut machte. Die schwarze Kätzin schnurrte und sah sie dankbar an. Feuerschweif sah auf, als Tannenkralle ins Lager kam, durch den offiziellen Eingang, aber mit dem gleichen Leuchten in den Augen. Einer der Zwillinge sprang sofort auf ihn zu und der Kater stolperte mit entsetzten Gesicht ein paar Schritte zurück, kam aber, als er zu sprechen begann, wieder näher und seine Miene nahm einen ernsten und Wichtigen Gesichtsausdruck an. Es musste sich also um Kota handeln. Die beiden tuschelten vertraulich und huschten schließlich wieder aus dem Lager. „Wann trainieren wir wieder?“ Feuerschweif sprang vor Schreck fast in die Luft und starrte Frostpfote überrascht an. Noch nie war ihre Schülerin von alleine auf sie zugekommen. Irgendwas in den Augen der Kleinen Kätzin hatte sich verändert, auch wenn noch immer Zerbrechlichkeit und Sensibilität von ihr ausging. „Na, am besten … jetzt?“ Feuerschweif lächelte. „Darf ich mich anschließen? Bitte Schwarzsturm.“ Wieder erschreckte sich die feuerrote Kätzin fast zu Tode und wirbelte zu Hasenpfote herum. Was war nur mit den Schülerinnen los? Schwarzsturm lächelte mild. „Wenn Feuerschweif und Frostpfote nichts dagegen haben?“ Feuerschweif und Frostpfote schüttelten fast gleichzeitig den Kopf und Hasenpfotes Augen leuchteten auf. „Wer als erste in der Trainingsgrube ist!“ brüllte sie und stürmte quer durch das Lager davon. Frostpfote zögerte kurz, doch als ihr Feuerschweif aufmunternd zunickte, stürmte auch sie davon. Die Trainingsgrube der Schülerinnen lag direkt neben dem Lager, damit die Kater sie im Auge behalten konnten. Der Weg war also nicht sonderlich weit. Frostpfote holte Hasenpfote ein und die beiden kamen gleichzeitig an. Hasenpfote strahlte sie an. „Du bist ja irre schnell! Noch nie hat es jemand geschafft mich einzuholen.“ Frostpfote lächelte schüchtern. Sie war es nicht gewohnt so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. „Ich mag dich, Frostpfote. Willst du meine Freundin sein? Darf ich dich Frosti nennen? Ach Bitte!“ Jetzt fehlten der Kätzin endgültig die Worte. Noch NIE hatte sie eine Freundin oder zumindest etwas in der Art gehabt. Sie nickte und starrte die jüngere Kätzin, die daraufhin glücklich begann um sie herumzuspringen, mit großen Augen an. Inzwischen waren auf Feuerschweif und Schwarzsturm eingetroffen. „Hey, Aufgepasst!“ jaulte Feuerschweif und die beiden Schülerinnen sahen mit gespitzten Ohren auf. „Als erstes möchte ich, dass ihr mir einige Kampftechniken zeigt. Frostpfote, stell dich doch bitte in die Ecke, zwischen den Dornenwall und der Tanne dort. Und Hasenpfote, du versperrst ihr den Weg... Prima! So Frostpfote, jetzt zeig mir, wie du in einer solchen Situation reagieren würdest.“ Frostpfote dachte angestrengt nach. Was muss ich tun, wenn ich in die Enge getrieben werde? Das hatte sie auf jeden Fall schon mal geübt, nur was war das genau? Ach ja! Sie plusterte ihr Fell auf um größer zu wirken und sprang direkt auf Hasenpfote zu, die erschrocken einen halben Schritt zurückwich. Dann deutete sie einen Ausbrecher nach links an, wirbelte aber im letzten Moment in die andere Richtung und machte einen großen Satz an Hasenpfote vorbei. Noch im Flug deutete sie einen Schlag auf die Flanke ihrer vermeintliche Gegnerin an und landete, zwar etwas unsicher, auf allen Vieren. „Das war ja super!“ staunte Hasenpfote ehrfürchtig und auch Feuerschweif nickte stolz. „Das hast du wirklich gut gemacht. Aber achte darauf, dass du sicherer landen musst. Im Notfall musst du sofort reagieren und weiter kämpfen können.“ Frostpfote nickte und ihre Augen blitzten Stolz. Noch nie hatte ihr das Training so viel Spaß gemacht. „Jetzt meine Aufgabe, Schwarzsturm!“ bettelte Hasenpfote und hüpfte aufgeregt auf und ab. Schwarzsturm grinste. „Ich möchte, dass ihr einen Nahkampf nachstellt. Was tust du, wenn du am Boden festgehalten -“ Sie brach ab, als Stachelfrost auf sie zukam. „Was willst du?“ fauchte sie und ihre Stimmung sank innerhalb von wenigen Sekunden auf den Tiefpunkt. „Meine Schultern sind verspannt. Massiere mich! Und zeig endlich mal ein bisschen Liebe deinem Gefährten gegenüber. Schließlich behandle ich dich immer noch besser als so mach anderer.“ Schwarzsturm fauchte. Von wegen! Entschuldigend verabschiedete sie sich und wurde bei Hasenpfotes Traurigen Blick noch wütender. Sie sollte Zeit mit ihrer Schülerin verbringen, statt einem Kater die Schultern zu massieren. So ein Weichei! Sollte ihn seine Verspannung doch umbringen.

    18
    (Bild von Rari, Schneepfote, die Striche stehen für die Taubheit)

    In Finsterpfotes Blick lag eine Trübe Hoffnungslosigkeit. Seit Schneepfote durchgedreht war, interessierte sich Lichtpfote überhaupt nicht mehr für ihn. Es zerriss ihn fast und doch er sagte nichts. Wieso sollte er Lichtpfotes Situation auch noch komplizierter machen? Sie hatte genug zu tun. Das die Kätzin ihn nicht Liebte, ließ sein Herz brennen und trotzdem war er nicht eifersüchtig auf Schneepfote. Wenn Lichtpfote ihn so sehr mochte, dann sollte das ebenso sein. Dann würde er eben für immer ein Schatten bleiben, der treu hinter ihr stand und sie vor jeder Gefahr mit seinem Leben beschützen würde. Wenn sie einen Bruder brauchte, bei dem sie sich ausweinen musste, er würde da sein. Er würde immer das sein, was sie brauchte. Vielleicht würde er ihr eines Tages helfen, ihre Jungen aufzuziehen … Je leuchtender die Liebe in Lichtpfotes Augen wurde, wenn sie Schneepfote ansah, desto mehr wich das Leben aus Finsterpfote. Irgendwann hatte er begonnen sich zu hassen. Und je tiefer es sank, desto höher wollte er sie heben. Denn in seiner Finsternis war sie das einzige Licht.

    Lichtpfote folgte Schneepfote schon seit Beginn des Morgens, wie ein Hund seinen Herrn. Sie hoffte, dass er, wenn er sah, wie viel Mühe sie sich gab, wieder mit ihr reden würde. Doch er ignorierte sie noch immer und würdigte ihr keines Blickes. Irgendwann nahm sie ihren ganzen Mut zusammen und trat auf ihn zu. Er hatte sich eine Maus vom Frischbeutehaufen genommen und blickte nicht auf, obwohl er ihre Schritte gehört haben musste. „Schneepfote, ich-“ „Heeeey, Schneepfote! Guckst du mir beim Training zu? Bitte!“ Rebenpfote rempelte sie von hinten grob an und sprang vergnügt zu Schneepfote. „Hmm … In Ordnung.“ grummelte er und stand auf um ihr zu folgen. „Weißt du was ich heute gesehen habe? Frostpfote hat im Kampftraining gegen Hasenpfote verloren. Wie kann man denn Bitte gegen Hasenpfote verlieren?“ Sie lachte unerträglich laut und auch Schneepfote grinste breit. Lichtpfote sah ihn ungläubig an. Natürlich, er hatte sich verändert, aber noch nie hatte er sich über seine eigene Schwester lustig gemacht. Rebenpfote lief zur Trainingsgrube vor, nicht ohne sie noch einmal ordentlich anzurempeln und Schneepfote folgte ihr lachend, ohne einen Blick an sie zu verschwenden. Wie erstarrt blieb Lichtpfote allein zurück. „Möchtest du?“ sie drehte sich um und erkannte Finsterpfote hinter sich. Wie konnte er nur so lautlos sein? Zwischen den Zähnen trug er einen kleinen Vogel, den er ihr vor die Pfoten legte. „Den habe ich selbst gefangen. Ich habe bald Prüf-“ Lichtpfote winkte ab. „Ich habe keinen Hunger.“ murmelte sie und nun war es Finsterpfote der allein zurück blieb.

    Schattensturm und Silberhauch saßen nebeneinander vor dem Bau der Kätzinnen und beobachteten die sinkende Sonne. „Hast du das Gerücht über Feuerschweif gehört?“ fragte Silberhauch plötzlich, sah aber konzentriert weiter in den Sonnenuntergang. „Ja, schon. Wenn es stimmt kann sie wirklich glücklich sein.“ Die pechschwarze Kätzin seufzte betrübt. „Es ist bestimmt schön geliebt zu werden.“ murmelte Silberhauch. „Ich meine WIRKLICH geliebt zu werden.“ „Warst du denn schon einmal verliebt?“ Die silberne Kätzin antwortete nicht und so schwiegen die beiden eine Weile. Schattensturm wollte gerade gehen, als sie doch noch etwas sagte. „Es ist dumm sich zu verlieben. Es tut weh. Merk dir das. Was auch immer geschieht, verliebe dich niemals.“ Schattensturm sah sie überrascht von der Heftigkeit, mit der sie die Worte gesprochen hatte, fragend an. „Sag mal, was ist eigentlich in letzter Zeit mit dir los? Irgendetwas bedrückt dich doch. Denkst du ich merk das nicht?“ Silberhauch seufzte wehmütig und sah Schattensturm direkt in die Augen. „Du hast Recht. Ich hätte es dir schon längst sagen sollen. Es ist wegen Flechtenpelz. Er hat angekündigt, dass er mich zur Gefährtin nehmen will.“ Schattensturm sog scharf die Luft ein. „Nicht dieser alte, widerliche Kater. Das ist ja grauenvoll!“ Silberhauch seufzte noch einmal. „Was soll ich denn tun? Ich habe mich solange versteckt und jetzt ist es trotzdem passiert. Schattensturm, ich will das einfach nicht.“ Schattensturm fehlten die Worte. Tröstend leckte sie ihrer Freundin über den Kopf. „Es wird schon noch alles gut werden. Irgendwann. Hoffentlich.“

    19
    (Bild von Rari, Schwarzsturm und Mondschein, wie sie den Fuchs verjagen)

    Flammengluts Bauch war prall und schwer geworden, von den Jungen, die sie in sich trug. Noch immer konnte sie nicht ganz begreifen, dass sie tatsächlich Donnerrufs Kinder gebären sollte. Vielleicht würde ein Wunder geschehen und sie bräuchte den Kleinen nie erzählen welch Schmachvolles Blut in ihren Adern floss. Flammenglut war fest davon überzeugt, dass eine Katze nicht von Grund auf Böse sein konnte und sie schwor sich, dass sie alles versuchen würde, um dieses Böse gar nicht erst aufkeimen zu lassen. Vor dem Bau der Kätzinnen sichtete sie Silberhauch, die mit geschlossenen Augen tief die frische Luft einsog. In den letzten Tagen war es bitterlich heiß gewesen, doch nun kündigten Blauschwarze Wolken am Horizont vom lang ersehnten Regen. Während sich Flammenglut zu Silberhauch gesellte, schlich eine andere Kätzin mit gesenktem Kopf durch das Lager. Eigentlich hatte Frostpfote keinen Grund traurig zu sein. Feuerschweif hatte sich in letzter Zeit rührend um sie gekümmert und mit Hasenpfote hatte sie so viel erlebt, wie lange nicht mehr. Trotzdem war sie nicht vollständig glücklich, sie wusste selbst nicht warum. Etwas Unbestimmbares fehlte ihr und hinterließ ein merkwürdig leeres Loch in ihrem Herzen, dass es ihr unmöglich machte, vollkommen zufrieden zu sein. Und dieser Tatsache quälte sie schon den ganzen Tag. So viele Monde war sie unglücklich und einsam gewesen, aber niemals hatte sie ein solches Gefühl in sich gespürt. Abgelenkt horchte sie auf, als hitzige Stimmen vom Wind zu ihr getragen wurden. Die Katzen die sprachen schienen sich im Dickicht hinter dem Lager zu verstecken, ein beliebter Treffpunkt für Kätzinnen. Und da dieser Treffpunkt eigentlich nicht sonderlich legal war, hatte bisher auch niemals jemand so laut gesprochen. Lautlos schlich sie näher, bis sie erkannte, dass es sich um Moorpfote und Lichtpfote handeln musste. Die hatten offensichtlich Streit und Lichtpfote unterbrach Moorpfote immer wieder mit lauten Rufen, während diese mit ruhiger Stimme auf sie einredete. Von dem was Moorpfote sagte, verstand sie nur einige Satzfetzen: „ ...Rücksicht ...Egoistisch...ich hab doch auch ...Prüfung...“ „Jetzt hör auf solchen Unsinn zu reden.“ keifte Lichtpfote schrill dazwischen. „Ihm geht es super und von wegen ich denke nur an mich. Wer macht sich denn die ganze Zeit Sorgen, he?“ Jetzt war es Moorpfote anscheinend zu viel. Sie schnaubte etwas Unverständliches und verließ mit zornigem Gesicht das Versteck. Frostpfote bemerkte sie gar nicht, aber das war sie Kätzin sowieso gewöhnt. Sie zuckte die Schultern und huschte wieder auf den Lagerplatz, bevor sie wohl möglich doch noch aufflog. Sie lief ein paar Schritte auf den Kätzinnen-Bau zu, während sie versuchte ihre Gedanken von eben noch einmal aufzugreifen. Als sie aufsah, blickte sie direkt in Kotas tiefgrüne Augen. Der Kater stand auf der anderen Seite des Lagers und hatte offensichtlich gerade zu ihr hinüber gesehen. Noch bevor sie es tun konnte, senkte er hastig den Blick und Frostpfote stolperte etwas verwirrt weiter. Sie konnte sich einfach nicht erklären, warum ihr Herz plötzlich Saltos zu schlagen schien.

    „Fuchs, Fuchs, Fuuuuuuuuchs!“ Der ruf schallte laut durch das Lager und Schwarzsturm war sofort hellwach. Eine kleine, schwarze Kätzin kam atemlos auf den Platz gestürmt. Schwarzsturm erinnerte sich daran, dass sie Pfefferschatten hieß. Sie selbst hatte nicht sonderlich viel mit ihr zu tun, aber sie hatte sie schon öfters mit Nachtgeflüster und Salbeiblatt gesehen. Aber noch viel wichtiger war, was die Jägerin dort geschrien hatte. FUCHS. Das bedeutete, dass sie endlich einmal wirklich gebraucht wurde. Der Nachteil einer Kämpferin war es, dass es einfach nur wenig zu tun gab. Und während die Jägerinnen ständig unterwegs waren, wurden sie nur für die Grenzpatrouillen gebraucht … und Situationen wie diesen. Einen Fuchs vertreiben, dass war die Aufgabe einer Kämpferin. Schwarzsturms Augen leuchteten und während sie ihr Gewicht ungeduldig von einer Pfote auf die andere verlagerte. „Nimm mich, nimm mich, nimm mich!“ flüsterte sie vor sich hin, als Fleckensturm sich endlich auf dem Lagerplatz aufgebaut hatte. Als Oberste Kämpferin war es ihre Aufgabe die Katzen auszusuchen, die die Ehre hatten, endlich wieder einmal richtig zu kämpfen. Flammenglut senkte enttäuscht den Blick. Ihr war klar, dass sie als Hochschwangere nicht infrage kam. Feuerschweifs Augen dagegen glänzten hoffnungsvoll. „Mondschein, Schwarzsturm, Regenduft, Feuerschweif und Schattensturm.“ rief Fleckensturm endlich und stürmte schon los. Schwarzsturm hätte am liebsten laut aufgejubelt und Feuerschweif und Schattensturm ging es nicht anders. Schnell wie ein Gedanke waren sie mitten im Wald. Ab hier war Vorsicht geboten. Wie Schatten folgten sie dem üblen Fuchsgeruch, bis sie das Tier schließlich entdeckten. Es war ein kräftiges, männliches Exemplar in den besten Jahren und mit dichten, blutroten Pelz. Die schwarzen Knopfaugen huschten angespannt hin und her, er hatte sie bereits bemerkt. „Angriff!“ jaulte Fleckensturm und sprang tollkühn auf den Rücken des Tieres, nur um sofort wieder abgeschüttelt zu werden. Schwarzsturm sprang mutig direkt vor den Fuchs um ihn an einem Ausbruch in Richtung Lager zu hindern und wich Pfeilschnell seinem wütenden Schnappen aus. Feuerschweif nutzte diese Ablenkung um den Fuchs mit scharfen Krallen von rechts zu attackieren, doch als er sich zu ihr umwenden wollte, tat Schattensturm auf der anderen Seite das gleiche. Verwirrt biss das Tier mal dahin mal dorthin, erwischte aber nur die leere Luft. Mondschein wagte einen zweiten, gewagten Sprung auf den Rücken des Fuchses und es gelang ihr tatsächlich, sich tief in sein Fleisch zu Krallen. Ihre Nadelspitzen Zähne bohrten sich in seinen Nacken, bis das Blut floss. Der Fuchs wurde panisch und jaulte ängstlich. Schwarzsturm hieb ihm noch einmal ordentlich auf die Nase, bevor der Rote sich eilig aus dem Staub machte. Die Kämpferinnen verfolgten ihn noch bis zur Grenze und Schwarzsturm war sich vollkommen sicher, dass sie ihn nie wieder sehen würden. Schade eigentlich.

    20
    Flammenglut kam verschlafen blinzelnd aus dem Bau der Kätzinnen. In ihrem Bauch rumpelte es ungewohnt, als würden sie winzige Pfötchen von innen treten. Der Gedanke brachte sie zum Lächeln. Sofort war Donnerruf an ihrer Seite. Er schien nicht sonderlich glücklich zu sein, in den nächsten Tagen auf sie verzichten zu müssen und setzte umso mehr Energie in seinen Plan, aus seinen Jungen einen vollen „Erfolg“ zu machen. „Sorge ja dafür, dass es möglichst viele Kater werden.“ raunte er zum bestimmt hundertsten Mal und Flammenglut antwortete zum hundertundersten mal „Das kann ich nun wirklich nicht beeinflussen.“ Manchmal beeindruckte sie die Dummheit ihres Gefährten tatsächlich. Wie konnte er nur glauben, dass sie die Macht darüber hatte, das Geschlecht ihrer Jungen zu bestimmen. Sie schnaubte und stolzierte so gut es eben ging zu Schwarzsturm und Hasenpfote hinüber. Die beiden redeten darüber, wie man seinen Lagerplatz am besten versteckte. Flammenglut war neu, dass das in den Lehrplan einer Schülerin gehörte, aber sie sagte nichts und setzte sich stumm um zuzuhören. „Am besten verschleierst du deinen Geruch, wenn du durch einen stärkeren Duft davon ablenkst. Das kann zum Beispiel Fuchsdung sein oder aber auch stark riechende Kräuter. Es ist wichtig, dass du auch daran denkst. Du kannst deinen Lagerplatz noch so gut verstecken, solange man dich riecht, bist du nicht sicher.“ Hasenpfote sah Schwarzsturm mit großen Augen an. „Aber wieso sollte ich mein Lager überhaupt verstecken wollen. Ich bin darf doch sowieso nicht in den Wald.“ Sie sagte das mit einem maulenden Unterton, der Flammenglut an ihre eigene Zeit als Schülerin erinnerte. „Man weiß nie. Merk es dir einfach. Vielleicht brauchst du es einmal. Je mehr du weißt, desto besser.“ sagte Schwarzsturm leise und ihre Augen glitzerten kurz traurig. Hasenpfote gab sich mit dieser Antwort zufrieden und sah sofort wieder unbesorgt aus. „Darf ich jetzt mit Frostpfote fangen spielen?“ „Geh nur.“ Wie ein Blitz verschwand die lebhafte Kätzin zwischen den Bauen. Flammenglut aber sah Schwarzsturm mit einem fragenden, bedeutungsvollen Blick in die Augen und die schwarze Kätzin senkte kurz den Kopf. „Etwas wird passieren. Ich kann es spüren, wie einen nahenden Sturm.“

    Takka schlenderte durch den Wald. Er fragte sich, was in seinen Bruder gefahren war. Seit einer Weile war er wie ein Fremder geworden. Ständig versuchte er ihn vor irgendetwas zu warnen. Aber da war doch nichts, zumindest nichts, um das man sich Gedanken machen müsste. Na gut, er verstand noch immer nicht, warum Tannenbaum das Weite suchte, sobald er ihn sah … oder warum ihn die Katzen ständig verbesserten, wenn er ihre Namen sagte. Aber wie konnte man sich solche Namen auch merken. Wie hatten sie ihn noch einmal genannt? Irgendwas mit Stein und Glimmer. Steingeglimmer? Na ja, war ja auch egal. Ein Rascheln ließ ihn aufhorchen. Etwa einen Sprung weit entfernt pickte eine Waldtaube nach Insekten, die für sein Auge unsichtbar in der Erde verborgen waren. Er hatte ewig nicht mehr gejagt. Er ließ sich in eine halbwegs passable Jagdkauer sinken und schlich sie so an, wie Kota es ihm einmal gezeigt hatte. Allerdings streifte er mit dem Pelz einen Farn, der verräterisch Raschelte. Die Taube ruckte auf und öffnete alarmbereit die Flügel. Jetzt oder nie! Mit einem gigantischen Sprung katapultierte er sich in die Luft und … schlug volle Kanne gegen etwas Hartes. „Seit wann schießen Bäume plötzlich aus dem Boden?“ stöhnte er und verzog wehmütig das Gesicht. Doch das, wogegen er geprallt war, war keineswegs ein Baum. Er sah in die großen, verschreckten Bernstein-Augen einer schwarzen Kätzin. Erschrocken starrte er sie an, bis er schließlich doch die Worte wiederfand. „Tut mir leid, ich wollte dich keinesfalls als Baum beleidigen.“ Sie schmunzelte schüchtern und machte ein paar Schritte zurück, als müsste sie einen Sicherheitsabstand einhalten. „Wie heißt du doch gleich?“ fragte Takka und hoffte inständig, dass sich das Schwindelgefühl, das von der Beule auf seinem Kopf ausging, bald legen würde. „Pfefferschatten.“ sagte die Kätzin leise. „Pfeffer ...schatten. Das ist ja der reinste Zungenbrecher!“ Sie schluckte und zuckte angespannt mit ihrem eingerissenen Ohr. „Kann sein.“ „Weißt du zufällig wie ich heiße?“ „Bernsteinglut.“ sagte sie leise und Takka grinste triumphierend auf. „Wusste ich doch, dass es irgendwas mit Stein und Glimmer war. Also Pfeffermühle, es tut mir wirklich leid, dass ich die Taube verjagt habe.“ „Pfefferschatten. Ist schon in Ordnung. Ich habe sowieso schon ein Eichhörnchen und eine Maus. Das reicht fürs erste.“ Takka lachte auf. „Ach so, verzeih mir Pfeffer...feld, aber ich kann mir eure Namen generell einfach nicht merken.“ Die Kätzin kicherte jetzt doch leise und wandte sich zum um. „Pfefferschatten. Ich gehe jetzt ins Lager zurück, bevor mich irgendwer vermisst. Bis dann.“ Sie stürmte davon, doch hinter sich konnte sie den Kater noch „Ist es Okay, wenn ich dich einfach nur Pfeffer nenne?“ brüllen hören.

    21
    Schwarzsturms nachtschwarzes Fell sträubte sich in alle Himmelsrichtungen. Wie so oft in letzter Zeit war der Auslöser ihres Wutausbruchs niemand anderes als Stachelfrost. Der Kater hatte sie allen Ernstes gefragt, ob sie mit ihm SPAZIEREN gehen wollte. Als ob. Blitzschnell rief sie alle möglichen Ausreden ab, aber ihr fiel einfach keine mehr ein. Stachelfrost grinste schon siegessicher, als sich plötzlich Pechherz zwischen sie drängte. „Schwarzsturm, du bist heute zur Patrouille eingeteilt, hast du das etwa vergessen? Wir müssen sichergehen, ob der Fuchs wirklich weg ist. Typisch Kätzinnen. Nichts in der Birne.“ keifte er und Schwarzsturm wollte schon eine kalte Rückmeldung zu seinem Sprachgebrauch geben, als ihr auffiel, dass sie ihm lieber dankbar sein sollte. Denn sie wusste nichts von einer Fuchs-Patrouille und wenn es eine gab, war sie sicher nicht eingeteilt. „Tut mir leid.“ stotterte sie überrascht. „Du hast recht, die hab ich glatt vergessen.“ Pechherz schnaubte nur und winkte ihr mit dem Schweif. „Komm jetzt. Mondschein und Schattensturm sind schon vor gelaufen.“ Das ließ sich Schwarzsturm nicht zweimal sagen. Sie versuchte krampfhaft ein triumphierendes Kichern zu unterdrücken und hüpfte schlagartig gut gelaunt in den Wald. Als sie außer Sicht – und Hörweite waren, schloss sie zu ihm auf und musterte ihn forschend von der Seite. Er trabte gleichmäßig weiter und stierte stur geradeaus. „Warum hast du mir geholfen?“ flüsterte Schwarzsturm leise, aber eindringlich. Eine Weile blieb er stumm, doch schließlich gelang es ihm doch, mit einiger Überwindung einige Worte auszustoßen. „Ich will nicht … das er dich zerbricht.“ Die schwarze Kätzin überlegte und zuckte kaum merklich zusammen, als ein schwerer Regentropfen auf ihrem Pelz landete. „Glaubst du denn, dass es so leicht ist, meinen Willen zu brechen?“ Ihre Stimme klang ein wenig herausfordernd. Zerbrechlich hieß in ihren Augen Schwäche und sie war alles andere als das. Pechherz konnte man seinen angestrengten Gedankengang förmlich ansehen. „Nein, das nicht. Ich glaube, dass du sogar sehr stark bist. Aber ich kann nicht mitansehen, wie er dich erniedrigt. Er nimmt sich, was ihm nicht gehört und das gefällt mir ganz und gar nicht.“ Schwarzsturm lachte. „Du hast Recht. Ich gehöre niemanden, nur … dem Wind.“ Die letzten Worte musste sie jaulen, denn ein dumpfes Donnern hatte eingesetzt und der Regen platzte erbarmungslos auf sie herab.

    Ein bedrohliches Donnern riss Kota aus dem Schlaf. Es erinnerte ihn an etwas. Es war eine blasse Erinnerung, fast unwirklich. Das musste schon ewig her gewesen sein. Da war ein Augenpaar. Er konnte nicht genau zuordnen, was für eine Farbe sie hatten. Die fremden und zugleich vertrauten Augen musterten ihn mit einer unglaublichen, intensiven Liebe. Eine Liebe, die bereit war über Leichen zu gehen. Donner, Regen, Blitze. Der würzige Geruch, der im Wald aufstieg, die schwüle Luft. All das ließ dieses Bild in ihm aufsteigen. Doch es blieb nur wenige Sekunden, wurde mal scharf, mal unscharf und ehe er es verarbeiten konnte, war es auch schon verschwunden. Verwundert schüttelte er den Kopf, doch die Erinnerung kehrte nicht zurück. Also streckte er sich gähnend und sah sich blinzelnd nach Takka um, doch der war nirgends zu sehen. Manchmal fragte er sich, wo sein Bruder all die Energie hernahm. Er selbst war ein unverbesserlicher Langschläfer, aber Takka war schon vor den Vögeln wach, obwohl er meistens erst dann einschlief, wenn sie Sterne am höchsten standen. Noch einmal schüttelte Kota den Kopf und trottete dann hinaus in den Regen, der sofort auf ihn einhämmerte, als würde er ihn zusammenschlagen wollen. Aus irgendeinen Grund mochte er den Regen. Er wollte sich gerade dem durchnässten Frischbeutehaufen zuwenden, um vielleicht doch noch das ein oder andere trockene Stück zu erhaschen, als sein Blick auf eine kleine, triefend nasse Gestalt vor dem Kätzinnen-Bau fiel. Obwohl ihr Fell durch den Regen dunkel wirkte erkannte er Frostpfote sofort. Er zögerte kurz, überwand sich dann aber doch und lief zu ihr. „Was machst du hier draußen im Regen. Geh lieber in den Bau, bevor du krank wirst.“ Fostpfote warf ihm einen traurigen Blick zu. „Rebenpfote und Himmelpfote lassen mich nicht rein. Und den anderen ist das scheinbar egal.“ „Was ist mit Hasenpfote?“ „Sie hat sich heimlich raus geschlichen, um jagen zu üben.“ Kota runzelte die Stirn. „Komm mit.“ murmelte er und lief zielstrebig auf den Lagerausgang zu. „Ich darf doch nicht raus.“ widersprach Frostpfote kleinlaut. „Na und?“ Ein schiefes Grinsen zog sich über sein Gesicht. Er führte sie tief in den Nadelwald. Unter einer großen Tanne hatte er sich schon vor einiger Zeit eine Art privaten Bau angelegt. Ab und zu brauchte man eben eine Auszeit von Takka. Vielleicht sollte er bei Gelegenheit einmal Tannenkralle den Vorschlag machen. Als Frostpfote zögernd vor dem improvisierten Eingang stehen blieb, schenkte er ihr ein aufmunterndes Lächeln. „Da drin ist ganz sicher keine Rebenpfote.“ Die Schülerin hielt noch einen Moment inne, schlüpfte aber dann doch in die düstere, aber gemütliche Höhle, die die Tannenzweige bildeten. Kota hatte sich hier ein warmes Nest aus trockenen Moos und einigen Federn gebaut. Sie setzte sich unsicher in eine Ecke daneben, aber der Kater, der eben auch herein geschlüpft war, deutete ihr mit einem Nicken, es sich ruhig gemütlich zu machen. „Leck erst mal dein Fell trocken, sonst erkältest du dich noch.“ Ironischer Weise musste Frostpfote in genau diesem Moment Niesen, machte aber keine Anstalten auf ihn zu hören, sondern blickte ihn nur verwirrt an. Kota verdrehte die Augen, setzte sich neben sie und begann selbst mit kräftigen Zungenstichen ihr Fell zu trocknen.

    22
    (Dieses Bild ist von Kirschblüte und zeigt Flammenglut mit ihren Jungen)


    Es war früher Morgen. Das Gewitter hatte sich über Nacht gelegt, zurückgeblieben war allein der würzige Geruch und die Pfützen, die fast kleine Seen bildeten. Die ersten Sonnenstrahlen ließen das nasse Gras glitzern und kühler Dunst stieg gen Himmel. Und obwohl noch immer hellgraue Wolken alles blau verdeckten, wirkte der Tag doch freundlich und ruhig. Die Katzen schlummerten noch in den Bauen, als die friedliche Stille durch einen schrillen Schmerzensschrei unterbrochen wurde. Sofort waren sämtliche Kätzinnen und Krieger wach. Samenflug stürmte aus dem Heilerbau hinüber in den Bau der Kätzinnen, denn von dort war das Schreien gekommen. Moorpfote folgte ihrer Mentorin rasch, nur um gleich wieder auf den Lagerplatz zu stürmen, wo Bussardstern schon mit zusammengekniffenen Augen auf eine Erklärung wartete. Moorpfote hielt so viel Abstand wie möglich und senkte den Kopf, ehe sie deutlich zu sprechen begann. „Es war Flammenglut. Sie bekommt ihren ersten Wurf Junge, die Schmerzen haben sie überrascht. Sie wird nicht mehr so laut Schreien.“ „Das will ich ihr aber auch geraten haben.“ brummte der Kater grimmig. „Ich werde Donnerruf sagen, dass seine Gefährtin keinen Schmerz gewöhnt ist.“ Er grinste noch einmal höhnisch ehe er zurück in den Anführerbau tappte, in dem auch Fleckensturm schlief. Die übrigen Kater taten es ihm gleich und verschwanden wieder, um vielleicht doch noch ein paar Minuten zu schlafen. Moorpfote huschte zurück in den Bau der Kätzinnen. Feuerschweif und Schwarzsturm saßen dicht neben ihrer Freundin und flüsterten ihr Mut zu. Flammenglut biss mit Schmerzerfüllten Gesicht auf einen Stock, der beinahe zu zerbrechen drohte. Samenflug hatte sich über sie gebeugt und massierte behutsam ihren Bauch. „Es sind drei.“ sagte die Heilerin mit ihrer leisen Stimme und kaum war das letzte Wort gesprochen, fiel auch schon das erste Junge in das weiche Moos. Mit einem lautem Knacken zerbrach der Stock und Schwarzsturm schob Flammenglut hastig einen neuen ins Maul, bevor sie wieder zu schreien anfing. Samenflug winkte Moorpfote näher und zeigte ihr, wie man das winzige Junge warm und trocken zu lecken hatte. Dann schob sie es an den Bauch der hellroten Kätzin. Keinen Augenblick später folgten auch schon die beiden Geschwisterchen des Ersten. Schnell hintereinander schnappten sie nach Luft, wurden getrocknet und an Flammengluts Bauch geschoben, wo sie gierig tranken. Dies war das erste und letzte Mal, dass sie so nah bei ihrer wahren Mutter sein durften. Der Schmerz war aus Flammengluts Zügen gewichen. Voller erstaunen sah sie auf die kleinen Jungen, die tatsächlich ihre sein sollten. Und bevor sie es selbst verstand, liebte sie diese Geschöpfe mehr, als alles andere auf der Welt.

    Frostpfote fragte sich, ob man sie vermissen würde. Hasenpfote bestimmt und vielleicht auch Feuerschweif. Eigentlich wollte sie gar nicht zurück ins Lager. Am liebsten wäre sie den Rest ihres Lebens hier geblieben, in Kotas gemütlichen Bau, der so herrlich nach ihm roch. Hier fühlte sie sich sicher und geborgen. Kota schlief noch, obwohl die Sonne den Nebel längst vertrieben hatte. Sein rostrotes Fell senkte sich bei jedem Atemzug gleichmäßig. Ich werde etwas zu essen fangen, dachte sie, nachdem sie ihn eine Weile beobachtet hatte und schlich sich nach draußen. Die angenehm frische Luft begrüßte sie und das Gras unter ihren Pfoten war noch feucht. Der Wald wirkte ablehnend, mit seinen Nadelbesetzten Bäumen, doch sie wusste, dass sie genügend Beute finden würde, wenn sie aufmerksam genug war. Und tatsächlich, nachdem sie ein gutes Stück Weg zurückgelegt hatte, entdeckte sie ein Amsel, die pickend auf dem Waldboden saß. Schnell schloss sie die Augen und rief sich alles in Erinnerung, was ihr Feuerschweif übers Jagen erzählt hatte. Konzentriert drückte sie sich auf den Boden und schlich sich näher. Sie hatte Rückenwind, aber das war bei Vögeln nicht so wichtig. Noch zwei Schritte, noch einer … JETZT! Sie sprang und landete auf dem kleinen Vogel, bevor der auch nur die Gelegenheit bekam, seine Flügel auszubreiten. Mit einem raschen Biss beendete sie sein Leben und sah stolz auf ihre erste Beute hinab. Schade, dass das Feuerschweif und Hasenpfote nicht gesehen hatten. Gut gelaunt nahm sie das Tier auf und spazierte eilig zurück zum Tannenbau, um Kota von ihrer ersten erfolgreichen Jagd zu berichten. Als sie endlich ankam, streckte sich der Kater gerade verschlafen und blinzelte ihr müde entgegen. Eifrig erzählte sie ihm ihre Geschichte und schob ihm schließlich mit ernster Miene die Amsel hin. „Ich hab sie für dich gefangen.“ Kota lächelte und schnurrte leise. „Das hast du sehr gut gemacht. Aus dir wird noch eine der besten Jägerinnen, die der Clan je gesehen hat.“ Während er aß dachte Frostpfote nach. Zögerlich fragte sie schließlich: „Als du hierhergekommen bist, bist du da einem Monster begegnet?“ Kota sah ernst auf. „Ich bin tatsächlich einem sehr grausigen Monster begegnet. Aber ich begegnete ihm nicht auf dem Weg hierher, sondern hier direkt. Ich habe wirklich noch keine so verabscheuenswerte Katze wie Bussardstern gesehen.“

    23
    (Dieses Bild ist von Kirschblüte und zeigt Pechherz, wie er Stachelfrost umbringt)


    Schattensturm lag neben Nachtfell im kühlen Gras vor dem Bau der Kätzinnen. Das Wetter hatte schlagartig von trocken und heiß auf feucht und kühl gewechselt. Vielleicht war das der Grund, warum Flechtenpelz, sehr zu Freuden auf Seiten Silberhauchs, zusammengeklappt war. Die silberne Kätzin war dem alten Kater schon am Abend zuvor eingeteilt worden, doch erst heute Morgen war das öffentlich bekannt gegeben worden. Und kurz darauf war der Kater ohne ersichtlichen Grund in sich zusammengebrochen. Nun hatte sich Samenflug um ihn zu kümmern. Auch Nachtfell war ein wenig schwindelig, darum war sie auch heute nicht mit den anderen Jägerinnen ausgezogen. Plötzlich stupste sie Schattensturm mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung an. „Wir werden beobachtet.“ hauchte sie ohne die Lippen zu bewegen. Wie zufällig legte sie ihren Schweif so, dass er auf Beerenfrost und Sonnenkralle deutete. „Mein Vorschlag: Plan D. “ erwiderte Nachtfell auf die gleiche Art und Weise. Sie hatten es sich zum Spiel gemacht, den Katern auszuweichen und mehrere Notfallpläne zu allen möglichen Situationen erstellt. Schneller Rückzug über den Schmutzplatz, das hieß Plan D. Schattensturm nickte und stand schwerfällig auf. Sie streckte sich kurz, damit der Aufbruch nicht zu plötzlich wirkte und spazierte los. Nachtfell wartete noch kurz, dann sprang auch sie auf. „Warte auf mich! Ich komme doch mit.“ Erst als sie sich von hinten zurück in den Bau geschlichen hatten, begannen sie leise zu kichern, woraufhin ihnen Flammenglut einen eisigen Blick zuwarf. Sie saß neben Silberhauch, an deren Bauch ihre Jungen friedlich schliefen. Silberhauch sah traurig aus. „Sie sollten bei dir schlafen, nicht bei mir.“ flüsterte sie. Flammenglut antwortete nicht. Nichts wünschte sie sich sehnlicher als das. Nachtfell und Schattensturm schlichen sich leise in den Hintergrund zurück. Obwohl sie nichts sagten, wussten sie, dass sie dasselbe dachten: Eines Tages wird es mir genauso gehen wie Flammenglut.

    Stachelfrost setzte sich mit einem breiten Grinsen im Gesicht neben Schwarzsturm. „Keine Ausrede heute. Komm mit!“ Schwarzsturm zuckte zusammen. Früher oder später musste das ja kommen. Unter Stachelfrosts kalten Blick stand sie langsam auf, während ihr Blick hastig nach jemanden suchte, der sie ein weiteres Mal aus dieser misslichen Lage retten könnte, doch da war niemand. Das grinsen des Katers wurde noch breiter. Fluchend trottete sie schließlich hinter ihm her in den Wald. Auf einer kleinen Lichtungen blieb er stehen und fuhr herum. Schwarzsturm senkte den Kopf und fauchte. In ihren Augen stand tiefe Abneigung. Stachelfrost setzte sein süßestes Lächeln auf. „Sag mir, dass du mich liebst!“ „Gar nichts werde ich.“ Schwarzsturm konnte es nicht fassen. Wie gerne würde sie ihm die Krallen in den Hals rammen. Stachelfrosts Lächeln verschwand wie weggewischt. „So? Dann musst du es auf die harte Tour lernen.“ Er sprang sie an und packte sie im Nackenfell, um sie zu Boden zu drücken. Schwarzsturm stieß eine Mischung aus fauchen und kreischen aus und schlug wild um sich, doch sie traf nur die Luft. Gerade als sie dachte, sie hätte verloren, verschwand das Gewicht plötzlich und Stachelfrost ging in ein blubberndes Gurgeln über. Der Grund dafür waren ein Paar Nadelspitzer Zähne, die sich gerade in seine weiche Kehle bohrten. Die Zähne gehörten niemand anderes als Pechherz. In den verschiedenfarbigen Augen des Kater stand blanker Hass. Blut rann durch das goldene Fell und tropfte dick und schwer auf den Waldboden. Langsam wurden Stachelfrosts Augen glasig, doch Pechherz ließ nicht locker. Schwarzsturm starrte die Szene geschockt an. Sie wusste einfach nicht was sie fühlen sollte. Sollte sie sich freuen, für immer von Stachelfrost befreit zu sein oder sollte sie sich vor dem unbeschreiblichen Hass und dem Blutdurst seines Mörders fürchten. „Er ist tot, Pechherz.“ flüsterte sie leise. Erst jetzt schien sich der Kater an ihre Anwesenheit zu erinnern. Er ließ die Leiche achtlos fallen, als hätte er nie etwas anderes getan. „Komm mit mir, Schwarzsturm. Irgendwo da draußen werden wir ein besseres Leben finden.“

    24
    Schwarzsturm antwortete nicht. Sie war hin und hergerissen, doch schließlich siegte die Vernunft. „Pechherz, ich gehöre nicht zu der Sorte Katzen, die ihre Freunde im Stich lassen. Ich werde jetzt ins Lager zurückgehen und allen sagen, was du getan hast.“ Pechherz wollte sie hitzig unterbrechen, doch sie brachte ihn mit einem einzigen Blick zum Schweigen. „Ich werde es allen erzählen, aber vorher gebe ich dir die Zeit zu verduften. Lauf einfach soweit du kannst nach Westen. Ich werde irgendwann nachkommen. Aber nicht allein, sondern mit allen anderen, die das Leben hier satt haben. Ich kann Hasenpfote, Feuerschweif und Schattensturm doch nicht einfach im Stich lassen. Und was ist mit Flammenglut und ihren Jungen. Wir werden warten müssen, bis sie alt genug für eine solche Reise sind. Aber ich verspreche dir, dass ich dich finden werde. Und dann fangen wir, alle zusammen, irgendwo in der Ferne ein neues Leben an.“ Die letzten Worte hatte sie mit einer Sanftheit und Zuversicht gesprochen, die vom Herzen kam. Pechherz sah ihr tief in die Augen. „Ich liebe dich.“ flüsterte er und Schattensturm lächelte als Antwort, mit der Weisheit einer Katze, die hinter die Kulissen sah. Unausgesprochene Worte füllten die Stille zwischen ihnen. Pechherz grinste Schief. „Ich werde auf dich warten. Und wenn ich auch als alter Kater ende, der die Sterne anheult.“ Dann drehte er sich um und rannte in einem gleichmäßigen Tempo in die Richtung der westlichen Grenze. Es war klug von ihm nicht los zu sprinten, er hatte noch einen langen Weg vor sich. Schwarzsturm blieb zurück und wartete. Erst als der Tag sich zum Abend neigte stand sie auf, reckte ihr Gesicht in den Wind und lauschte einer Stimmenlosen Botschaft. Dann setzte sie einen entsetzten Gesichtsausdruck auf und jagte zurück ins Lager, um dort die unheilvollen Worte mit aller Kraft heraus zu brüllen. „PECHHERZ HAT STACHELFROST ERMORDET!“

    Frostpfote war jetzt schon fast zwei Tage außerhalb des Lagers und mit jeder Sekunde die verstrich wollte sie weniger zurück. Niemand hatte nach ihr gesucht, nicht einmal Hasenpfote. Kota hatte sich um sie gekümmert. Er hatte ihr sogar Kampftechniken beigebracht, die eine Kätzin unter keinen Umständen beherrschen durfte. Sie hatten zusammen außerhalb des Lagers gejagt und es war kein Monster aufgetaucht, um sie zu verschlingen. Womöglich war das eben doch nur ein altes Märchen gewesen. Frostpfote saß am Rand des großen Feldes, da wo die Bauernhöfe beginnen und spürte Kotas warmen Körper dicht neben sich. Hinter den großen Zweibeiner Nestern, weit in der Ferne, schien sich die Erde wie wildes Wasser zu wellen. Am Horizont ragten Berge in den Himmel, die voll von Bäumen waren. Nur hin und wieder Ragten die höchsten Spitzen aus diesem grünen Meer heraus, Schnee lag auf ihnen. Der Himmel leuchtete rote-orange, noch nie hatte sie so etwas Schönes gesehen. Erst jetzt viel ihr auf, dass das Lager des Tannenclans in einem ziemlich tiefen Tal lag. Kein Wunder, dass sie nie soweit hatte sehen können. Ihr war, als hätte ihr jemand die Augen geöffnet. Das hier war die Welt, in der sie leben wollte. Nie wieder in dieses Loch zurück … „Kota, lass uns gehen.“ Der Kater sah sie an und lächelte. „Hast du keine Angst? In den Bergen leben viele wilde Tiere, der Weg könnte sehr gefährlich werden.“ Frostpfote erwiderte seinen Blick stark und liebevoll. „Vor nichts in der Welt möchte ich mich je wieder fürchten. Und das kann ich auch gar nicht, solange du an meiner Seite bist.“ Noch nie hatte sie sich so kraftvoll und frei gefühlt. Auch in Kotas Blick erschien Entschlossenheit. „Lass uns gehen.“ Frostpfote hätte am liebsten laut aufgejault vor Freude, doch sie hielt sich zurück. Da fiel ihr etwas ein. „Was ist mit Takka?“ Kotas Augen blinkten erst amüsiert und dann geheimnisvoll. „Wir sind wie eine Seele. Er weiß immer wo ich bin, er würde mich selbst am Ende der Welt noch finden. Und ich ihn. Er wird mir irgendwann folgen.“ Frostpfote stand auf, um sofort los zu rennen, doch er hielt sie noch einmal zurück. „Warte. Ich habe dich noch nie so mutig und stark gesehen. Du bist erwachsen geworden. Ich bin kein Anführer, aber ich finde Bussardstern ist das auch nicht. Darum werde ich dir jetzt einen Kriegernamen geben. Denn in meinen Augen bist du das geworden. Eine tapfere, unerschütterliche Kriegerin.“ Frostpfote hielt inne. „Eine … Kriegerin?“ Seine Stimme war ernst, als er mit der Zeremonie begann, doch der Blick seiner Augen war unendlich sanft. „Frostpfote, ich, Kota, ernenne dich zur ersten Kriegerin des Abendclans. Von nun an werde ich dich Frostflügel nennen, denn wie ein Adler hast du deine Schwingen geöffnet und bist über dich hinausgewachsen.“ Frostflügel konnte das Gefühl das in ihr brodelte nicht beschreiben und so senkte sie den Kopf, damit er die Tränen nicht sah, die sie vor Glück und Rührung weinte. Eine Frage jedoch hatte sie noch. „Abendclan?“ fragte sie, als sie sich einigermaßen beruhigt hatte. Kota grinste, er sah plötzlich viel jünger und entspannter aus. „Weißt du, wir haben zwar diesen Clan verlassen, aber wir sind trotzdem im Herzen noch Clankatzen. Und jetzt sind wir beide die Wurzel eines neuen Clans, einem, der viel besser sein wird, als der Tannenclan. Bei uns wird es keine Unterdrückung geben, Kätzinnen und Kater werden auf einer Stufe stehen. Wir werden völlig neue Regeln aufstellen. Noch sind wir zwar nur zu zweit, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Takka mit einigen anderen folgen wird. Vielleicht finden wir auch auf dem Weg noch welche, die sich anschließen wollen, mal sehen. Der Name ist mir übrigens spontan eingefallen, als ich den Sonnenuntergang betrachtet habe.“ Frostflügel lachte herzlich auf und mit diesem lachen verließ sie all die Angst und die Hoffnungslosigkeit, mit der sie groß geworden war. Jetzt war sie frei. „Und wer von uns ist der Anführer?“ fragte sie grinsend und Kota stupste sie neckisch mit der Pfote an. „Wir sind beide Anführer!“
    Die beiden lachten gleichzeitig, auf dieselbe Art und Weise und dann liefen sie los, Seite an Seite, einer neuen, verheißungsvollen Zukunft entgegen.

    25
    Schattensturm beobachtete besorgt Feuerschweif. Seit ihre Schülerin Frostpfote verschwunden war, schien sie keine Ruhe zu finden. Man nahm an, dass sie entweder von Kota entführt worden, oder von Pechherz verschleppt worden war. Man konnte der feuerroten Kätzin ihre Selbstvorwürfe ansehen, während sie unruhig vor dem Bau hin und her lief. Sogar Tannenkralle warf alle Vorsicht bei Seite um mit ihr zu sprechen. Der dunkle Kater hatte sich meistens von seiner heimlichen Gefährtin ferngehalten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Jetzt setzte er sich trotzdem zu ihr und zwang sie so anzuhalten. Beruhigend redete er auf sie ein. Langsam kam Schattensturm näher. Sie war sich nicht sicher, ob das, was die beiden besprachen, für ihre Ohren bestimmt war. Sie tat, als wolle sie in den Bau und strich betont langsam an den beiden vorbei, vielleicht konnte sie doch noch das eine oder andere Wort aufschnappen. Doch die beiden verstummten, bis sie im Bau verschwunden war. Enttäuscht setzte sich Schattensturm in ihr Nest. Auch hier herrschte diese unruhige Atmosphäre. Pfefferschatten und Nachtfell flüsterten miteinander und Flammenglut hatte sich dich neben Silberhauch gezwängt, um möglichst nah bei ihren Jungen zu sein. Als Donnerruf eintrat herrschte sofort ruhe. Nur selten betrat ein Kater diesen Bau. Und wenn sie es doch taten, dann immer aus demselben Grund. „Zeig mir die Jungen.“ herrschte er Silberhauch an, die widerwillig ein Stück zur Seite rückte. Die Jungen begannen zu fiepen und suchten blind nach ihrer Wärme. Flammengluts Fell sträubte sich nach allen Seiten, ihre Zähne waren gebleckt und ihre Muskeln angespannt. Sie war bereit sich jeden Moment vor ihre schutzlosen Kleinen zu werfen und zu kämpfen. Donnerruf knurrte. „Nur ein Kater.“ Er stupste den kleinen weißen Kater mit den Orange gestreiften Flecken abschätzend an. „Wie hast du ihn genannt.“ „Funkenjunges.“ hauchte Flammenglut. Donnerruf nickte langsam. „In Ordnung. Er sieht jetzt schon stark aus.“ Er wandte sich den beiden Kätzinnen zu. „Was ist mit dieser?“ Er rollte ein schlankes, dunkelrot getigertes Junges auf die Seite. „Abendjunges.“ „In Ordnung. Kein Kater, aber sie wird auf jeden Fall einmal eine schöne Kätzin. Die andere?“ „Morgenjunges.“ Donnerruf betrachtete die kleine Orange-rote Kätzin kritisch. Plötzlich zuckte er zusammen. „Was ist das? Sie hat keine Krallen! So eine Schande.“ Silberhauch sah betroffen zu Boden. Sie wusste was jetzt kommen würde. „ So ein Schwächling hat es nicht verdient zu leben. Sie wird nie Kämpfen und Beute fangen können. Vermutlich kann sie nicht einmal Jungen bekommen.“ Er packte die Kätzin grob im Nacken und schüttelte sie, sodass ihr kleiner Kopf hin und her geschleudert wurde. Schattensturm sprang zeitgleich mit Flammenglut nach vorne. „Lass sie ihn Ruhe!“ heulte Schattensturm, während Flammenglut ihm die Krallen über die Seite zog. Donnerruf schüttelte Morgenjunges nur noch heftiger. Die Kleine Kätzin quietschte in Todesangst auf. In diesen Augenblick stürmte Tannenkralle hinein. „Lass sie sofort runter, Donnerruf. Ich verspreche alle Verantwortung für sie zu tragen und an ihrer Stelle doppelt so viel Beute zu fangen.“ Donnerruf hielt inne, dann ließ er das Junge fallen. „Du bist wirklich ein Mäusehirn, Tannenkralle. Aber na gut. Wenn du nichts Besseres zu tun hast, als eine Missgeburt zu beschützen. Sollst du sie eben haben.“ Damit wandte sich der Kater ab und stolzierte davon. Sofort stürzte sich Flammenglut auf das wimmernde Morgenjunges und leckte sie tröstend ab. „Alles ist gut, meine Kleine. Jetzt wird alles gut. Sie nahm das Junge hoch und legte es zurück an Silberhauchs Bauch, wobei ihr ein Stich durchs Herz fuhr. Das waren IHRE Jungen. Tannenkralle blieb unschlüssig stehen. Schattensturm sprach aus, was Flammenglut nicht zu sagen vermochte. „Vielen Dank, Tannenkralle. Das werden wir dir nie vergessen.“ Tannenkralle neigte den Kopf, Feuerschweif war an seiner Seite aufgetaucht. „Donnerruf weiß eben den Wert des Lebens nicht zu schätzen. Vielleicht wird ihm das einmal selbst das Leben kosten.“

    Takka saß im Lager und starrte wie hypnotisiert in den Wald. Pfefferschatten blieb verwundert neben ihm stehen. „Ist alles in Ordnung? Du bist doch sonst nicht so ernst.“ Der Kater zuckte erschrocken zusammen, anscheinend hatte sie ihn aus tiefen Gedanken gerissen. „Ach du bist es, Pfeffer. Es ist tatsächlich etwas … kompliziert.“ Er zögerte und sie machte verlegen einen Schritt zurück. „Es ist schon in Ordnung, du musst es mir nicht erzählen.“ Doch Takka schüttelte heftig den Kopf. „Melde dich bei Bussardstern ab. Wir gehen in den Wald. Ich möchte versuchen, es dir zu erklären.“ Pfefferschatten war einen Moment verwirrt, doch im nächsten war sie schon davon gehuscht. Wenig später kehrte sie aufgeregt zurück. Takka stand auf und rannte vor, doch Pfefferschatten war schnell und hatte ihn bald eingeholt. An einer hohen Eiche hielt er an. Er setzte sich und die Kätzin folgte seinem Beispiel. Erwartungsvoll sah sie ihn an. „Und?“ Takka öffnete die Augen, die er zusammengekniffen hatte. „Es ist Kota. Er ruft nach mir.“

    26
    Frostflügel und Kota liefen immer weiter Richtung Nordosten, während Pechherz beharrlich weiter nach Westen wanderte. Der schwarze Kater hatte sich kaum Schlaf oder gar eine Pause gegönnt, so war er sehr erschöpft, als er schließlich in einen kleinen Zweibeinerort gelangte. Auf den Donnerwegen brausten Monster ungeheuer laut an ihm vorbei und die riesigen Steinnester ragten hässlich und grau, wie Makel zwischen den gepflegten Gärten in den Himmel. Diese Größe und Unbekanntheit machte Pechherz Angst und er hatte gerade beschlossen, den Ort auf einen Umweg zu umgehen, als ihm die Katze auffiel. Sie hatte ein samtiges Cremefarbendes Fell mit Staubbraunen Abzeichen im Gesicht und an der Pfoten. Als sie sich ihm zu wandte erkannte er, dass ihre Augen von einem ungewöhnlich tiefen und kraftvollem blau waren, wie zwei Bergseen. Ihr schien der Lärm der Monster nichts auszumachen. Neugierig kam sie Näher. „Du bist neu hier, richtig? Mein Name ist Svenja. Ich wohne im dem Garten dort drüben. Wer bist du?“ Er musterte sie noch etwas verwirrt, dann begann er los zu stottern. „...Pechherz. Also mein Name ist Pechherz. Und ich komme aus einem Clan … im Wald.“ Ihre Augen blinkten amüsiert. „Also, Pechherz aus dem Wald, du siehst furchtbar müde aus. Komm ruhig mit in meinen Garten. Ich habe einen ganz weichen Korb und von meinem Futter ist auch noch etwas übrig.“ Pechherz behagte die Vorstellung überhaupt nicht, andererseits war er kurz davor zusammenzubrechen, so müde war er und auch sein Magen knurrte wütend. Seufzend gab er der verlockenden Pause nach. „Na gut, aber nicht für lange. Ich muss bald weiter.“ Svenja strahlte und sprang furchtlos über den Donnerweg und schließlich mit einem eleganten Satz auf den Zaun. Sie ist schön, aber kein bisschen wie Schwarzsturm, dachte Pechherz und lächelte in sich hinein. Dann folgte er der Kätzin, die freiwillig bei Zweibeinern lebte. Das Futter, das sie ihm anbot schmeckte nicht im Geringsten so gut, wie eine frische Maus, doch er aß trotzdem ein paar Happen. Dann zeigte sie ihm ihren Neonpinken Korb, der innen mit flauschiger Schafwolle gefüllt war und obwohl ihn der Geruch störte, musste er ehrlich zugeben, noch nie so bequem geschlafen zu haben.

    Als Pechherz aufwachte, sah er direkt in Svenjas Augen. Sie schien darauf gewartet zu haben, dass er endlich die Augen aufschlug. Er streckte sich genüsslich, während er mit den Fragen der Kätzin bombardiert wurde. „Was ist ein Clan? Und was esst ihr im Wald? Wo schlaft ihr, wenn es regnet? Und warum bist du jetzt nicht mehr dort? Wo willst du denn überhaupt hin?“Pechherz blinzelte verschlafen. „Ganz ruhig, nicht alles auf einmal. Also ein Clan ist eine Art Lebensgemeinschaft vieler Katzen. Wir haben einen Anführer und einen Heiler und dann natürlich noch Krieger und Jägerinnen, Kämpferinnen und Königinnen mit Jungen. Und normalerweise essen wir so was wie Mäuse, Vögel oder ab und zu Kaninchen. Wir schlafen in Bauen, die sind Wasserdicht und ich bin jetzt nicht mehr dort, weil das nicht gut für meine Gesundheit wäre. Und wo ich hin will, weiß ich noch gar nicht so genau.“ Svenja sah ihn nachdenklich an. „So ein Leben ist bestimmt spannend, oder?“ Pechherz zuckte mit den Schultern. „Mal mehr, mal weniger, aber es ist bestimmt besser, als das Leben eines Hauskätzchens.“ Die Augen der Kätzin begannen aufgeregt zu glühen. „Meinst du … Meinst du ich könnte auch in einen Clan?“ Der schwarze Kater zögerte, dann schüttelte er energisch den Kopf. „In deinem eigenen Interesse sage ich dir, geh lieber nicht dorthin.“ Svenja sah zu Boden und begann ihren Napf zwischen den Pfoten hin und her zu schieben. „Warum nicht?“ fragte sie schmollend. „Weil Kätzinnen dort nicht als besonders Wertvoll gesehen werden.“ Als sie verstand, riss sie erschrocken die Augen auf. „Sind denn alle Clans so?“ Pechherz hielt inne. Gab es überhaupt andere Clans? „Keine Ahnung, ist mir aber auch egal. Ich muss jetzt weiter. Vielen Dank für das Essen und den Schlafplatz.“ Damit sprang er über den Zaun und rannte ohne sich umzusehen davon.

    27
    „Wie, er ruft dich?“ fragte Pfefferschatten verwirrt. Takka stockte und suchte nach Worten. „Also, ich weiß auch nicht. Ich spüre es einfach. Er ist irgendwohin unterwegs und erwartet, dass ich ihm folge.“ „Aber wie sollst du ihm denn folgen, wenn du gar nicht weißt, WO er überhaupt ist?“ Die Kätzin sah ihn ungläubig an und scharrte mit den Vorderpfoten im Sand. „Na ja, also sagen, wohin er gegangen ist, kann ich wirklich nicht, aber ich bin mir sicher, dass mich, wenn ich jetzt losgehen würde, meine Pfote genau in die richtige Richtung tragen würden.“ Pfefferschatten schnaubte. „Und jetzt willst du ihm nur wegen irgendeinen Gefühls hinterherlaufen, obwohl du gar nicht sicher sein kannst, dass es stimmt. Vielleicht will er auch gar nicht, dass du ihm folgst.“ Takka sah sie flehend an. „Bitte Pfeffer, du musst mir einfach glauben. Und … komm mit.“ Die schwarze Kätzin sah ihn entgeistert an. „Was? Aber wieso … und ...hä?“ „Ich mag dich wirklich, Pfeffer. Außerdem sehe ich doch, wie es hier zugeht. Bitte, komm mit mir.“ „Aber ...“ Sie sah in seine flehenden Augen und schluckte. „Ich werde es mir überlegen, in Ordnung? Schließlich ist das doch eine ganz schön schwere Entscheidung.“ Takka nickte langsam. „Aber lass dir nicht zu viel Zeit. Ich werde auch noch andere fragen, ob sie mitkommen wollen.“

    Schwarzsturm fühlte sich wie eine Spionin auf geheimer Mission, als sie sich im Lager nach ihrem ersten “Opfer“ umsah. Da entdeckte sie Silberteich, eine junge Jägerin, die gerade in ein Gespräch mit Nachtfell vertieft war. Wie Zufällig schlenderte sie zu ihnen und drängte sich zwischen sie. Dann blickte sie geheimnisvoll von einer zu anderen. „Ich muss euch etwas fragen.“ sagte sie leise und sofort war die Neugier der beiden geweckt. „Worum geht es?“ fragte Nachtfell und bemühte sich krampfhaft, ihre Stimme gesenkt zu halten. „Hört ihr es?“ fragte Schwarzsturm ohne Zusammenhang und grinste schief, als sie die verdutzten Gesichter sah. „Nein, was sollen wir hören?“ Silberteich spitzte angestrengt die Ohren, aber sie konnte beim besten Willen nichts außer den Wind hören, der die Zweige der Tannen leicht bewegte. Schwarzsturms Bernstein-Augen blitzten, als sie sich weiter vorbeugte und und die beiden ernst ansah. „Das Flüstern der Freiheit. Ich kann es hören. Versammlung um Mitternacht, die Ecke der Königinnen.“ Verdutzt legte Silberteich den Kopf schief. „Was? Aber worum geht es-“ „Das erfahrt ihr dann.“ unterbrach sie die schwarze Kätzin die ihr ein freches Lächeln zuwarf und dann mit federnden Schritten davonlief. „Flüstern der Freiheit?“ Nachtfell hob den Kopf und schloss die Augen. Ganz langsam schlich sich ein Lächeln auf ihre Lippen.

    Flammenglut hatte die Kinderstube, seit ihre Lieblinge geboren waren, nicht einmal verlassen. Auch jetzt saß sie wieder dicht neben Silberhauch und sah verträumt auf Morgenjunges und Abendjunges herab, die sich unbeholfen zu putzen versuchten. Funkenjunges lag noch schlafend an Silberhauchs Bauch. Ich will das nicht, dachte Flammenglut nun zum hundertsten mal. Es sind doch MEINE Jungen … Ohne nachzudenken schob sie Silberhauch zur Seite und begann Funkenjunges sanft zu putzen, bis er sie aus, vom Schlaf verklebten, Augen müde anblinzelte. „Mein Kleiner ...“ Silberhauch sah ihr traurig zu. „Flammenglut.“ Die rote Kätzin reagierte nicht, sonder lächelte ihren Töchtern aufmunternd zu. „Nur weiter so. Ihr schafft das!“ „Flammenglut.“ wiederholte Silberhauch diesmal eindringlicher. Flammenglut senkte den Blick, ihre Augen waren wässerig. „Fleckensturm hat dich schon zweimal zur Patrouille eingeteilt und du hast dich jedes mal gedrückt. Irgendwann wird selbst sie misstrauisch.“ Silberhauch trat zwischen sie und die Jungen und sah sie mitfühlend an. Flammenglut biss die Zähne zusammen, trotzdem entwich ein Schluchzen ihrer Kehle. Sie drehte sich um und stürzte aus dem Bau. Geblendet vom Sonnenlicht taumelte sie noch ein paar Schritte. „Warum …?“ hauchte sie leise.

    28
    Frostflügel starrte den fremden Kater, der in sie hinein gerannt war ängstlich an, während Kota abwehrend sein Fell aufplusterte, doch der Fremde machte nur eine Abwehrende Geste und machte ein paar Schritte zurück. „Habt ihr eine Kätzin gesehen. Ungefähr so groß ...“ Er zeigte knapp über seine Schulter. „Blau-grau, wundervolle grüne Augen?“ Kota schüttelte den Kopf und auch Frostflügel verneinte. „Hast du sie verloren?“ Der Kater schüttelte heftig den Kopf. Seine Augen huschten nervös hin und her. „Ich bin auf der Flucht. Mein Name ist übrigens Klay … Oh nein, da ist sie.“ Er starrte entsetzt auf eine Stelle hinter Frostflügel. Sofort wirbelte diese herum und sah direkt in die Augen der gesuchten Kätzin. „Klay, mein Kleiner. Hast du etwa Angst vor mir? Komm schon, wir wollten doch zum See …?“ Sie grinste und stolzierte elegant zu ihm hinüber. „Lee, also … Ich bin dann mal weg.“ Er machte einen großen Satz zur Seite und sprintete davon. „Das bringt nichts, Klayilein. Ich finde dich sowieso.“ rief Lee mit singender Stimme und wendete sich dann Kota und Frostflügel zu. „Mein werter Gefährte hat es wohl plötzlich eilig.“ Sie lachte und blinzelte die beiden neugierig an. „Und, wer seid ihr? Es kommen nur selten Katzen in diese Gegend.“ Frostflügel schluckte. Ihr war die Kätzin nicht ganz geheuer, Kota schien allerdings nicht sonderlich beeindruckt. „Hallo Lee. Erkennst du mich nicht wieder?“ Die Kätzin kniff die Augen zusammen und lachte dann überrascht auf. „Kota? Oder Takka? Ich tippe mal auf Kota. Was suchst du denn hier? Und wer ist deine Begleitung?“ Sie zwinkerte Frostflügel amüsiert zu. „Kota ist richtig. Das ist Frostflügel. Sie wurde in einem Clan geboren. Ich war auch eine Weile dort. Jetzt suchen wir ein neues Zuhause.“ „War wohl nicht so toll dort.“ kommentierte Lee und musterte Frostflügel noch einmal von oben bis unten. „Ist sie deine Freundin?“ Frostflügel spürte wie ihr das Blut in den Kopf stieg. Woher kannte Kota diese merkwürdige Kätzin bloß? Als der rostrote Kater nickte begann ihr Herz zu flattern. „Schön das du auch mal die große Liebe gefunden hast, alter Junge.“ Sie grinste noch einmal und verschwand dann ohne Abschied zwischen den Bäumen.

    Pechherz folgte einem Sandweg über eine schier endlose Wiese. Hoch am Himmel kreiste ein Raubvogel. Er schnaufte bereits und seine Pfoten schmerzten so sehr, dass er glaubte, jeder Schritt könnte sein letzter sein. Doch immer wenn er drauf und dran war aufzugeben, rief er sich Schwarzsturms lächeln in Erinnerung und lief gleich ein bisschen schneller. Als endlich die Schemen eines Zweibeinernestes in der Ferne auftauchten, war die Sonne bereits weiter gewandert uns versank als glühender Feuerball am Horizont. Mit zitternden Beinen schlich er sich näher heran und erkannte dann erfreut, dass es verlassen war. Der verwilderte Garten roch würzig nach Kräutern, doch mit denen kannte er sich nicht aus, also ließ er sie links liegen. Der Eingang ragte wie ein geöffnetes Maul vor ihm auf. Er benötigte alle Überwindung, bis er schließlich eintrat. Von der Öffnung in der Decke suchte Dämmerlicht seinen Weg auf den Boden, der verstaubt und löchrig war. An manchen Stellen wuchs sogar wieder Gras. Es roch muffig nach verrottenden Holz und er rümpfte die Nase. Doch dies war wohl oder übel der sicherste Ort für sein Nachtlager. Er suchte sich eine Ecke aus, die im Schatten lag und baute sich ein notdürftiges Nest aus gelben Gras. Zufrieden streckte er seine blutigen Pfoten von sich und schloss die schweren Augen. Plötzlich hallte ein schauderhaftes Stöhnen durch den Raum und er war sofort wieder auf den Beinen. „Wer ist da?“ jaulte er und versuchte das zittern in seiner Stimme zu verbergen. Eine Gestalt trat aus der Dunkelheit in einem der verschwindenden Lichtflecken. Erstaunt riss Pechherz die Augen auf. „Svenja?“

    29
    Die Kätzin keuchte und fiepte bei jedem Schritt leise auf. Ihre Ballen waren aufgescheuert und wund. „Wie kannst du nur so weit laufen?“ stöhnte sie und ließ sich neben ihn fallen. „Was machst du überhaupt hier?“ fragte Pechherz und kniff die Augen zusammen. „Ich bin dir gefolgt.“ Erklärte Svenja das offensichtlich und der Kater verdrehte die Augen. „Ja soviel war mir auch klar. Du weißt genau was ich meine. WARUM bist du mir gefolgt?“ Sie schloss die Augen und wartete, bis sich ihr Atem beruhigt hatte, ehe sie antwortete. „Es ist langweilig immer nur im Dorf zu sein. Jeden Tag dasselbe, das ist doch zum Einschlafen. Da begleite ich dich lieber auf deine Reise ins Nirgendwo.“ „Ich will aber nicht, dass du mitkommst.“ sagte Pechherz kühl und schlug mit dem Schweif. „So ein Leben ist eh nichts für ein Hauskätzchen. Geh nur wieder in dein kuscheliges Nest zurück.“ „Warum willst du mich nicht dabei haben.“ Svenja sah ihn schmollend aus großen Augen an. „Das geht dich gar nichts an. Von mir aus kannst du hier für eine Nacht bleiben, schließlich hast du mir das auch erlaubt, aber morgen möchte ich dich nicht mehr sehen.“ Pechherz ließ sie links liegen und baute sich in einer anderen Ecke ein neues Nest. „Aber -“ „Ruhe jetzt. Ich bin müde und habe morgen noch einen langen Weg vor mir. Und du auch.“ „Heißt das, ich darf doch mitkommen?“ fragte Svenja hoffnungsvoll und Pechherz konnte sich nur mit großer Mühe ein grinsen verkneifen. „Es heißt, dass du morgen den ganzen langen Weg zu deinem Zweibeinernest zurückgehen wirst.“ Die Kätzin seufzte ergeben, gab dann aber ruhe. Doch sie hatte keineswegs vor, zurück zu gehen.

    Mitternacht brach an. Der Mond leuchtete groß und voll am Himmel und warf ein fahles Licht in den Bau der Kätzinnen. Schwarzsturm war als erste wach. Wie ein Schatten huschte sie hinüber in den abseits liegenden Teil des Baus, in dem seit neusten auch Flammenglut schlief. Als sie sich neben die Rote Kätzin setzte, war diese sofort wach. „Komm meinen Jungen nicht zu nahe oder ich … Oh, du bist es.“ Flammenglut fuhr die Krallen wieder ein und setzte sich, um ihr gesträubtes Fell zu glätten. Offensichtlich hatte sie einen Albtraum gehabt. Durch ihr Gebrüll waren auch die anderen aufgewacht und ein verschlafenes Tuscheln erhob sich unter den Katzen. Salbeiblatt trat aus dem Schatten und setzte sich neben Silberhauch, die sich gähnend streckte, darauf bedacht, die Jungen nicht zu wecken. Minzjunges und Krokusjunges erwachten allerdings, als Eichhornflucht sich aufsetzte und quengelten lautstark. Nachtfell und Silberteich huschten in Begleitung von Pfefferschatten und Dunstwolke herbei. Rebenpfote, Himmelpfote und Hasenpfote folgten ihnen. Auch die meisten Kämpferinnen waren aufgewacht. Feuerschweif, Mondschein und Schattensturm gesellten sich zu Schwarzsturm, während sich Schattenfang und Regenduft still in den Hintergrund setzten. „Sind alle da?“ hauchte Schwarzsturm leise. Zum Glück schlief Fleckensturm bei Bussardstern im Anführerbau. „Nebelhauch wollte nicht.“ murmelte Nachtgeflüster leise und starrte auf ihre Pfoten. „Lichtpfote ist auch nicht da. Ich glaube sie ist gar nicht im Bau.“ fügte Rebenpfote hinzu. „Worum geht es denn jetzt eigentlich?“ fragte Silberteich aufgeregt und die anderen Kätzinnen nickten zustimmend. „Also.“ begann Schwarzsturm und machte eine kurze Pause, um die Aufregung zu steigern, bevor sie fortfuhr. „Wie ihr alle wisst ist Pechherz verschwunden. Und ja, er hat Stachelfrost wirklich umgebracht, aber auch nur, weil er mich beschützen wollte.“ Das hoffte sie zumindest. „Er ist fortgelaufen und sucht eine neue Heimat für uns. Ich bin nur hiergeblieben, um mit euch darüber zu reden. Ich sage euch, das ist unsere Chance. Wir werden einen Aufstand anzetteln und fliehen. Wir werden ein wundervolles neues Zuhause finden, wo wir alle in Frieden und Freiheit leben können. Die Kater behandeln und schlecht, das wisst ihr und ich weiß, dass ihr es Leid seid. Wir werden uns Rächen für das, was sie uns angetan haben und nichts wird uns halten können. Wir werden ihnen für alle male Beweisen, wie stark eine Kätzin sein kann.“ Eine drückende Stille folgte, dann wisperte Feuerschweif leise: „Nicht alle Kater sind schlecht. Tannenkralle zum Beispiel.“ „Sie hat Recht. Takka, ich meine Bernsteinglut, ist auch nicht böse.“ warf Pfefferschatten ein und lächelte leicht. „Ja, wir müssen uns einig darüber werden, wer unser Feind ist. Bussardstern auf jeden Fall.“ sagte Schwarzsturm nachdenklich. „Und Donnerruf.“ miaute Flammenglut mit wütenden Augen. „Fichtenzweig.“ murmelte Salbeiblatt leise, ihre Stimme triefte vor Hass. „Dunkelsturm.“ „Schrammenschlag.“ Die Stimmung heizte sich auf und die Augen der Kätzinnen begannen zu glühen. Schwarzsturm unterbrach den Ausbruch mit einem leisen Jaulen. „In Ordnung. Beginnen wir lieber damit, wer NICHT unser Feind ist. Bernsteinglut und Tannenkralle. Noch jemand?“ „Windherz.“ warf Schattensturm mit gesenkten Blick ein. „Und Schneeschweif.“ sagte Rothauch. „Apropos Schnee. Schneepfote und Finsterpfote sind auch in Ordnung.“ Rebenpfote grinste schief. „Dieses neue Zuhause.“ flüsterte Salbeiblatt nach einer Weile. „Ist es sicher, dass es ALLE erreichen werden?“ Die Kätzin strich über ihren von Jungen geschwollenen Bauch. Schwarzsturm zuckte mit den Schultern. Sie kannte die Antwort nicht.

    30
    Die Regentropfen glitzerten wie Diamanten in Frostflügels Fell. Schon den ganzen Tag fiel ein kühler Nieselregen und die grauen verkündeten, dass es auch nicht so schnell aufhören würde. Sie hatten gerade mal den ersten Berg erreicht, doch ihre Pfoten waren bereits wund und empfindlich. „Lass uns eine Pause machen.“ murmelte Kota leise und Frostflügel warf sich sofort mit einem erleichterten Seufzer ins Gras. Noch nie in ihrem Leben war sie so weit gelaufen. Sie hatte vorher ja noch nicht einmal wirklich das Lager verlassen. Kota legte sich neben sie und streckte seine verspannten Muskeln. Seit sie die merkwürdige Kätzin Namens Lee getroffen hatten, ging Frostflügel eine Frage nicht mehr aus dem Kopf und nun hatte sie endlich die Gelegenheit, sie zu stellen. „Was heißt das, ich bin deine Freundin? Und bin ich wirklich ´Die Liebe deines Leben´?“
    Sie senkte den Kopf und konzentrierte sich darauf, ihre Pfoten sauber zu lecken, während sie auf eine Antwort wartete. Und wartete. Kota ließ sich alle Zeit der Welt und sie wurde mit jeder Sekunde Aufgeregter. Und Aufgeregter . Schließlich überwand sich der Kater dann doch. „Es stimmt, was Lee gesagt hat. Ich liebe dich tatsächlich. Wann das angefangen hat, weiß ich selber nicht so genau. Aber es ist so. Möchtest du meine ...Gefährtin werden, Frostflügel?“ Seine Stimme klang ruhig und sachlich, doch als Frostflügel aufsah, bemerkte sie, dass seine rechte Pfote unkontrolliert zuckte, während er das Gesicht abgewandt hielt. „Tu doch nicht so cool, du bist doch total Nervös!“ jaulte sie von plötzlicher Leichtigkeit erfasst, vergaß ihre schmerzenden Pfoten und stürzte sich auf ihn. Kota parierte ihre wilden Schläge locker, bis sie schließlich lachend auf dem Rücken lag. Er beugte sich grinsend über sie und hielt sie an den Schultern fest. „Also gut.“ hauchte er ihr ins Ohr. „Ich liebe dich, also werde meine Gefährtin.“ Sie sah verträumt zu ihm hoch und flüsterte: „Ich liebe dich auch. Und ich wäre nichts lieber als das.“ Dann stieß sie ihm die Hinterläufe in den Magen und taumelte kichernd davon.

    Lichtpfote hatte sich aus dem Lager geschlichen, um ihre Ruhe zu haben. Seit dem Streit mit Moorpfote hatte sie ein schlechtes Gewissen und konnte kaum mehr schlafen. Betrübt schlich sie durch den ihr unbekannten Wald, bis zu einer alten, kräftigen Eiche, deren Äste zum klettern förmlich einluden. Sie spannte die Muskeln an und machte einen gewagten Sprung auf den untersten Ast. Beinahe wäre sie abgerutscht, doch sie schaffte es noch gerade so ihr Gleichgewicht wiederzufinden. Sie balancierte bis zum Stamm und setzte sich dann. Ihr fiel auf, das die Rinde vor ihr bereits ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden war. Sie zog die Krallenspuren kräftig nach, und nach einer Weile stellte sie fest, dass sie sich bereits deutlich entspannter fühlte. Lichtpfote lächelte in sich hinein und richtete sich vorsichtig wieder auf, um zu Boden zu springen. Sie musste jetzt mit Moorpfote reden. Bestimmt war das alles nur ein Missverständnis. Motiviert hetzte sie in Richtung Lager zurück, als sie im vollen Tempo in Schneepfote hinein rannte. „Lichtpfote, was machst du denn hier draußen?“ Zu ihrer Überraschung schien der Kater gar nicht so gereizt und ignorant wie sonst zu sein. „Ich musste Nachdenken und mich ein bisschen abreagieren. Ich habe mich mit Moorpfote gestritten.“ Schneepfote verzog das Gesicht. „Weißt du was für Sorgen sich Finsterpfote gemacht hat, als er gemerkt hat, dass du nicht da warst? Er ist jetzt irgendwo im Wald und sucht dich.“ Sie senkte schuldbewusst den Blick. „Aber ich war doch gar nicht so lange weg.“ „Du hättest wenigstens Bescheid sagen können.“ fuhr sie Schneepfote ungewollt etwas zu Heftig an. „Komm jetzt.“ Schweigend trotteten sie zurück ins Lager. Vor dem Bau der Kätzinnen hielt Schneepfote inne. „Ich habe mir auch Sorgen gemacht.“ murmelte er und stürmte dann davon. Lichtpfote lächelte strahlend als sie sich in ihr Nest kuschelte. Finsterpfote hatte sie ganz vergessen.

    31
    Finsterpfote irrte fröstelnd durch den wahrlich finsteren Nadelwald. Wie lange suchte er Lichtpfote jetzt schon? Er konnte es nicht genau sagen. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen. War er an diesem Baum nicht eben schon vorbeigelaufen? Er stolperte ein paar Schritte rückwärts, nur um sich kurz darauf wieder zu beruhigen und weiterzugehen. Im Dunkeln sah eben alles gleich aus. Er streckte die Nase in den kühlen Wind, der wie der eisige Atem eines riesigen Tieres um die Bäume fegte. Zum Bestimmt hundertsten mal senkte er betrübt den Kopf. Keine Spur, kein Geruch, kein gar nichts. Aber irgendwo musste sie doch sein. Er erschauderte bei dem Gedanken, dass sie vielleicht verletzt irgendwo herumlag, zu schwach um nach Hilfe zu rufen. Vielleicht war der Fuchs zurückgekehrt. Etwas schneller und entschlossener Trabte er weiter, obwohl er längst nicht mehr wusste, wo er überhaupt war.

    Als Lichtpfote erwachte wanderte ihr erster Gedanke zu Schneepfote. Er hatte sich Sorgen um sie gemacht! Mit verträumten Lächeln stolzierte sie aus dem Bau. Die anderen Kätzinnen waren längst wach und saßen flüsternd dicht beieinander, als hätte sich seit letzter Nacht etwas verändert. Salbeiblatt saß mit einem seltsamen Blick abseits. Lichtpfote kümmerte sich nicht weiter darum, sondern suchte gewohnheitsmäßig nach Moorpfotes graubraunem Fell. Erst als die die kleine Kätzin vor dem Heilerbau entdeckte, fiel ihr der Streit ein. Sie seufzte. Dann würde sie eben erst mit ihr darüber reden. Sie flitzte zu ihrer Freundin und setzte sich neben sie. Moorpfote wandte demonstrativ den Kopf ab. „Hallo Moorpfote. Es tut mir leid, dass wir uns gestritten haben. Du hattest Recht, mit dem was du gesagt hast. Ich hoffe wir können wieder Freunde sein.“ Es folgte eisige Stille, dann sah sich Moorpfote mit glühenden Blick zu ihr um. Lichtpfote zuckte zusammen. Ihre Freundin wurde nur sehr selten wütend, so hatte sie sie noch nie gesehen. „Hast du mir überhaupt zugehört?“ Die Stimme der Kätzin überschlug sich und sie musste sich zusammenreißen um nicht zu schreien. „Ich habe mit dir über Finsterpfote geredet. Ja, das ist der bedauernswerte Kater, der seit deiner Geburt immer für dich da war und den du anscheinend ganz vergessen hast. Von wegen ihm geht’s gut! Von wegen du kümmerst dich um ihn! Er hat heute seine Ernennungszeremonie, aber das hast du ja nicht gewusst, richtig? Und weißt du was? Er ist nicht da! Weil er dich Mäusehirn suchen wollte! Aber das hast du bestimmt auch vergessen.“ Moorpfote schnaubte und kniff die Augen zusammen, um sich zu beruhigen. Lichtpfote sprang auf. „Mäusedreck!“ Mehr brachte sie nicht hervor. Die Heilerschülerin sah fassungslos zu ihr hoch. „Wie konntest du nur so lange meine beste Freundin sein.“ Ihre Stimme war zu einem Tonlosen Zischen übergegangen und in ihren Augen spiegelte sich eine Mischung aus Zorn und Enttäuschung. Sie sprang auf und ließ Lichtpfote stehen. Die Kätzin senkte verschämt den Kopf und verachtete sich selbst dafür, dass sie sich nur fragte, ob auch Schneepfote heute Zeremonie haben würde.

    32
    „Hier bist du also.“ irritiert sah Windherz auf seinen verdreckten, durchnässten und am ganzen Körper zitternden Schüler hinunter. „Was denkst du dir denn dabei, einfach abzuhauen? Und das auch noch kurz vor der Zeremonie.“ Finsterpfote putzte sich rasch ein paar Blätter aus dem Pelz. „Ich habe doch Lichtpfote gesucht. Ist sie -“ „Lichtpfote ist sicher und wohlbehalten im Lager.“ Windherz schnaubte und wandte sich ab. „Komm jetzt, bevor Bussardsterns Laune endgültig am Boden ist.“ Er flitzte zwischen den Bäumen davon und Finsterpfote folgte ihm, noch halb benebelt. Er war so müde, dass er ständig über seine eigenen Pfoten stolperte. Lichtpfote war also wieder im Lager? Das war gut.
    Als sie endlich ankamen, hatte sich der Clan bereits vollständig versammelt. Die Katzen starrten ihn an, als wäre sein Fell plötzlich Schuppen gewichen und Rebenpfote musste ein Prusten unterdrücken. Bussardstern musterte ihn kalt. „Wie schön, dass du doch noch hier her gefunden hast. Dann können wir ja endlich fortfahren. Finsterpfote, hierher!“ Er wies in die Mitte des Kreises. Der Kater gehorchte nur Widerwillig. Er hasste es so viel Aufmerksamkeit zu haben. „Finsterpfote, ich du hast dich bei deiner Prüfung gut geschlagen und bewiesen, dass du deinem Mentor ebenbürtig geworden bist. Allerdings scheinst du unter einem fehlenden Orientierungssinn zu leiden. Daher wirst du nur im zweiten Rang aufgenommen. Du wirst von nun an Finsterherz heißen. Ich hoffe ich kann in Zukunft auf mehr Zuverlässigkeit rechnen.“ Finsterherz nickte und schlich sich verstohlen zu den anderen Katern. „Schneepfote, tritt vor.“ Bussardstern begutachtete den Kater mit einem hämischen Grinsen. „Zuerst habe ich überlegt, dich zu den Königinnen zu stecken, aber dort würdest du uns vermutlich gar nicht von Nutzen sein.“ Er lachte dröhnend und der Kater zog den Kopf ein, als wäre er geschlagen worden. „Schließlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auch die Kätzinnen etwas Aufmerksamkeit verdient haben. Von nun an wirst du Schneeblume heißen und den Kätzinnen als Diener bereitstehen. Das heißt, dass du alles tun wirst, was sie dir sagen. Und wenn du Glück hast, bieten sie dir sogar einen Platz in ihren Bau an.“ Allgemeines Gelächter erhob sich, während die meisten Lichtpfote und Finsterherz entsetzt zu ihren Freund hinüber sahen, der sich beschämt und wie verprügelt davonschlich. „Schneeblume, bleib doch hier!“ brüllte Fleckensturm über das Lachen hinweg. „Du kannst gleich mal das Moos im Anführerbau wechseln.“ Donnerruf und Wolkenbruch grölten laut. Schneeblume drehte sich um und preschte in den Wald. Womit hatte er das verdient?

    33
    Pechherz war schon vor Sonnenaufgang wach. Verstohlen blinzelte er zu Svenja hinüber, die fest zu schlafen schien. Er lächelte kurz in sich hinein und schlich sich dann aus dem Nest. Die Sterne verblassten gerade und der Himmel war schon nicht mehr ganz so schwarz. Die Wiese verschwamm irgendwo in der Ferne mit dem Horizont und Pechherz stöhnte deprimiert. Er war doch gestern schon so weit gelaufen. Er rief sich das Bild von Schwarzsturm in Erinnerung und rannte los. Schon nach wenigen Minuten allerdings, ließ er sich wieder in seinen gleichmäßigen Trab fallen. Die ersten Sonnenstrahlen arbeiteten sich empor und der Himmel begann sich in sanfte rot und rosa Töne zu verfärben. Er war noch gar nicht weit gelaufen, als seine Pfoten zu schmerzen begannen, wie am Abend zuvor. Doch an eine Pause war noch nicht zu denken, erst musste er die Strecke die er sich vorgenommen hatte zurücklegen.

    Als Svenja erwachte, war Pechherz´ Nest bereits kalt. Ärgerlich schnaubte sie auf und stürmte nach draußen, wo sie vom frischem Morgenlicht erwartet wurde. Von dem schwarzen Kater war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Doch so leicht würde sie nicht aufgeben. Sie begutachtete das Gras nach Spuren und suchte nach einer Duftspur in der Luft, doch sie konnte nichts finden. Schließlich gab sie frustriert auf und warf sich in eines der duftenden Kräuterbeete. Der Himmel über ihr war blau und fast wolkenlos. Sollte sie doch in ihren Garten zurückkehren? Oder sollte sie das verrückte wagen? Sie hob ihre Vorderpfoten über sich und betrachtete sie abwechselnd. Langeweile oder Abenteuer?

    Frostflügel kämpfte sich die nächste Steigung hinauf. Der Weg war inzwischen ziemlich steinig und steil geworden und obwohl sie gerade erst aufgebrochen waren, war sie schon ganz außer Atem. Kota dagegen rannte den Berg förmlich hinauf und sie hatte wirklich mühe ihm zu folgen. „Jetzt … warte … doch ...mal.“ keuchte sie. Der Kater drehte sich kurz nach ihr um und grinste. „Rast machen können wir, wenn wir oben sind. Komm schon!“ Frostflügel nahm all ihre Kraft zusammen und sprang so weit sie konnte, nur um festzustellen, dass sie mit weniger Aufwand genauso gut zwei Schritte hätte machen können. Sie quälte sich weiter und wünschte sich aus vollsten Herzen, dass sie wirklich Flügel hätte. Dann könnte sie einfach losfliegen und ihre armen Pfoten hätten mal eine Pause. „Gleich hast du es geschafft!“ jaulte Kota bemüht motivierend von oben, doch der Weg schien ihr noch endlos zu sein. Als sie dann doch lebendig den Gipfel des ersten Berges erreicht hatte, sackte sie kraftlos zusammen – und sprang sofort wieder auf. „MÄUSEDRECK!“ Sie starrte entsetzt auf die Weiten, die noch vor ihr lagen. Im Vergleich zu diesen Bergen, war das hier bestenfalls ein Ameisenhaufen. „Das kann doch nicht wahr sein.“ Jammernd ließ sie sich wieder fallen und kniff die Augen fest zusammen. Als sie sie wieder öffnete hatte sie nichts verändert.

    34
    Ein Flüstern lag im Wind, bedrohlich und zischend. Das Feld wurde nur von der Mondsichel beschienen. Kein Lebendiges Wesen war weit und breit zu sehen. Kein Lebendiges. Zwischen den gelben Stoppeln standen um die fünfzig Katzen, mit durchscheinenden Pelzen und ausdruckslosen Gesichtern. Sie standen nebeneinander in einer langen Reihe und sahen auf die Kätzin, die jeden einzelnen grimmig anstarrte. Plötzlich trat ein lebendiger Kater zu ihnen und die Augen der fahlen Kätzin leuchteten sichtlich auf. „Ist es also doch passiert?“ der Kater schnaubte, doch es hörte sich eher an, als würde er ein lachen unterdrücken. Die Kätzin nickte. „Flutenstrom, erzähl was du herausgefunden hast!“ Ihre Stimme klang eisig und scharf. Ein kleiner Kater trat hämisch grinsend vor. „Sie planen den Ausbruch. Früher oder später musste es ja soweit kommen. Sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben!“ Bussardstern nickte und winkte sie hinter sich her. „Ich halte mein Versprechen. Das Lager gehört nun dir, Wasserschrei.“ Er senkte den Kopf vor der Anführerin, die ihm nur ein falsches Lächeln zuwarf und dann mitsamt ihrer Schar zum Lager stürmte. Bussardstern folgte ihnen, doch bevor er in das Dickicht des Waldes trat, sah er sich um. Eine einsame Katze stand mitten auf dem Feld. Ihre Pfoten schwebten ein ganzes Stück über dem Boden und sie strahlte in einem Licht, das nur ein gutes Herz erzeugen konnte.

    Schwarzsturm erwachte durch einen gellenden Schrei. Als erstes glaubte sie, es wäre Flammenglut, die ihre Jungen bekam, aber dann fiel ihr ein, dass Morgenjunges, Abendjunges und Funkenjunges ja schon auf der Welt waren. Im Dämmerlicht des Baus erkannte sie, dass auch die anderen Kätzinen aufgewacht waren. „Rubinherz? Bist du das?“ Kirschblüte, eine junge Kämpferin machte ein paar Schritte auf die Silhouette der Kätzin zu, die im Eingang stand und schwer atmete. Rubinherz reagierte nicht. Kirschblüte drängte sich an ihr vorbei und spähte nach draußen, nur um entsetzt wieder zurückzuspringen. „Was ist denn nun da draußen?“ fragte Schwarzsturm ungeduldig und machte einen Satz auf die beiden zu, doch als sie das Angst verzerrte Gesicht der Kämpferin sah, zögerte sie. „Siehst du was?“ Schattensturm schlich vorsichtig näher. Schwarzsturm schluckte. Was konnte denn so schlimm sein? Sie wollte aus dem Eingang treten, doch Hasenpfote warf sich ihr vor die Füße und quiekte ängstlich. „Bitte geh da nicht als erstes raus. Vielleicht ist da das Monster!“ Sie zitterte am ganzen Körper. Das Wort Monster löste eine Panikattacke unter den Kätzinnen aus. „Es ist gekommen um uns zu fressen!“ heulte Honigpfote und drückte sich eng an ihre Freundin Hauchpfote, die nur erschrocken vor sich hin starrte. „Wir müssen die Jungen beschützen!“ Flammenglut baute sich über ihren Kleinen auf und fauchte wild. Silberhauch sprang auf und tat es ihr gleich. Nachtfell und Schattensturm sahen Schwarzsturm fragend an, die daraufhin laut jaulte. Sofort trat Ruhe ein. „Da draußen ist bestimmt kein Monster. Vielleicht wäre Kirschblüte oder Rubinherz so nett uns zu erklären, was da los ist?“ Kirschblüte musste sich sichtlich zusammenreißen, um zu sprechen. Ihr Blick war noch immer auf einen Punkt außerhalb des Baus fixiert und ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Katzen. Viele Fremde Katzen. Und sie sind … durchsichtig.“ „Was? Du willst mir sagen, dass da unsichtbare Katzen herumlaufen? Hast du einen von diesen merkwürdigen Pilzen gefressen, die Samenflug immer pflückt?“ Silberteich schüttelte irritiert den Kopf. „Jetzt lass mich mal.“ Schwarzsturm drängte sich an ihrer Schülerin vorbei und trat nach draußen – wo sie wie festgefroren stehenblieb. Über fünfzig Augenpaare waren auf sie gerichtet. Jetzt verstand sie auch, was Kirschblüte mit durchsichtig gemeint hatte. Tatsächlich konnte sie durch die Katzen hindurch die Bäume auf der anderen Seite erkennen. Sie riss sich zusammen. „Wer seit ihr und was wollt ihr hier?“ Sie hoffte, das keiner das Zittern in ihrer Stimme bemerkte. Eine der merkwürdigen Katzen sprang vor. Ihre Fell leuchtete rot, obwohl die Farbe wie ausgewaschen wirkte. „Es ist amüsant euch zuzuhören.“ bemerkte sie spitz und rang sich ein bösartiges Lächeln ab. „Nun ja, der Fairness halber werde ich mich vorstellen. Mein Name ist Eisenwind und ich bin tot.“ Sie sprach diese Worte aus, als gäbe es nichts normaleres auf der Welt, als tot in einem fremden Lager herumzuspazieren. Schwarzsturm verschluckte sich fast an ihrem schnellen Atem. Eine Armee aus toten Katzen?

    35
    (Dieses Bild ist von Rari und zeigt Fleckensturm und Tupfenwirbel kurz vor dem Körpertausch)


    Die anderen Kätzinnen drängten sich hinter Schwarzsturm aus dem Bau und starrte entsetzt auf die geisterhaften Umrisse. Flammenglut war die erste, die sich wieder gefasst hatte. „Also Eisenwind. Was wollt ihr von uns. Ich könnte mir weit bessere Orte zum Leben vorstellen.“ Sie stockte kurz. „Ach ich vergaß, ihr lebt ja sowieso nicht mehr.“ Eisenwind verzog keine Miene, ihr Gesicht war vollkommen ausdruckslos geworden. „Das ist es aber, was wir wollen. Wir wollen leben.“ Kirschblüte fasst sich ein Herz und jaulte: „Und was haben wir damit zu tun? Lasst uns in Ruhe!“ Eisenwind betrachtete ungeniert das dunkelrote Fell der Kätzin. „Fast wie meines, damals.“ Sie riss sich von dem Anblick los und beantwortete Kirschblütes Frage so ruhig und sachlich, als würde sie nur irgendeine Jagdtechnik vorstellen. „Wisst ihr, um wirklich zu leben, braucht man einen Körper.“ Sie schaute kurz auf, als erwartete sie, dass bereits alle verstanden hätten, worauf sie hinaus wollte, doch die Kätzinnen starrten nur verständnislos zurück. Unwirsch fuhr sie fort. „Ihr habt Körper, wir nicht. Versteht ihr? Wir haben einen Weg gefunden, dass zu ändern. Die Sache hat nur einen Hacken … Aber ist ja auch egal. Da wir ja eine Freiwillige haben, können wir euch auch gleich zeigen, wie es geht. FLECKENSTURM! Tupfenwirbel, dein Einsatz.“ Eine der Geisterkatzen sprang vor. Sie hatte ähnlich buntes Fell wie Fleckensturm und grinste bereits ungeduldig. Als Fleckensturm dagegen wirkte so ängstlich und verloren wie noch nie. Ihr Blick huschte immer wieder zu Bussardstern, der ihr beruhigend zunickte. „Also gut, stellt euch gegenüber und berührt euch mit der Nase.“ Fleckensturm und Tupfenwirbel taten, wie ihnen geheißen. „Fleckensturm, sprich mit nach: „Ich, Fleckensturm, schenke diesen Körper Tupfenwirbel. Ich bin mir meinem eigenen Schicksal bewusst und damit einverstanden.“ Fleckensturm zitterte und ihre Augen waren weit aufgerissen. „Das tue ich für dich.“ flüsterte sie und lächelte Bussardstern schwach zu, bevor sie die Worte langsam nachsprach. Tupfenwirbels schwammige Gestalt verschwand vollkommen. Ein eisiger Wind kam auf. Langsam sah die bunte Kätzin an sich hinunter und begann dann breit zu grinsen. „Es hat funktioniert. Es ist wahr!“ Schwarzsturm hielt entsetzt die Luft an. Das war nicht mehr Fleckensturm. Das war Tupfenwirbel. Aber warum und … wie? Und vor allem …. „Siehst du Fleckensturm irgendwo?“ Sie hielt zwischen den schummrigen Katzen nach Fleckensturms Geist Ausschau, der sie konnte ihn nirgends entdecken. Kirschblüte sah sie irritiert an. „Wer ist Fleckensturm?“ Ein eisiger Schauer lief über den Rücken der schwarzen Kätzin. Das konnte doch nicht sein! „Diese Kätzin dort. Wer ist sie?“ Sie deutete auf Fleckensturms Hülle. Kirschblüte lachte und schüttelte verwirrt den Kopf. „Aber Schwarzsturm, das weißt du doch! Das ist Tupfenwirbel, Bussardsterns Gefährtin. Ich frage mich, was die toten Katzen mit ihr vorhaben.“ Einen Moment überlegte Schwarzsturm, ob die Kätzin sie verkohlen wollte, doch als Honigpfote im Hintergrund zustimmend nickte, wurde ihr die Realität schauderhaft bewusst. Das war nicht der richtige Moment für Scherze. Fleckensturm war verschwunden. Nicht nur fürs Auge, sondern auch aus den Köpfen. Aber warum? Und warum konnte SIE sich noch sehr wohl erinnern? Das ergab doch alles keinen Sinn!

    36
    Auch die Kater schienen sich mit den Neuen im Lager nicht wohlzufühlen. Die schauderhaften Katzen hatten sich niedergelassen, als hätten sie schon früher hier gelebt. Man hatte alle Kätzinnen zurück in ihren Bau getrieben und den Eingang mit Dornen verschlossen. Tupfenwirbel hielt mit seligem Lächeln wache. Sie war offenbar sehr zufrieden mit Fleckensturms Körper. Schwarzsturm starrte ins Leere und verhedderte sich in ihren vielen Fragen. Warum ausgerechnet die Kätzinnen? Die Körper der Kater könnten sie doch genauso gut benutzen, oder? Und warum wusste plötzlich niemand mehr, das einmal eine Katze Namens Fleckensturm existiert hatte? Oder vielmehr, warum wusste sie es schon? Vielleicht war sie ja doch nicht die einzige. Sie schlich sich zu den Schülerinnen hinüber, die miteinander flüsterten. „Hasenpfote, was meinst du, ist mit Fleckensturm passiert?“ Hasenpfote legte den Kopf schief. „Von wem redest du?“ „Ich kenne auch niemanden, der so heißt. Hast du das nicht vorhin schon Kirschblüte gefragt? Was hat es mit dieser Katze auf sich?“ Honigpfote blickte sie aus großen Augen an. Lichtpfote schüttelte erstaunt den Kopf und auch Himmelpfote und Rebenpfote wussten nichts. Die einzige, die noch nichts gesagt hatte, war Hauchpfote. Nachdenklich kaute die Schülerin auf irgendetwas herum. Als sie bemerkte, dass sie alle ansahen, zuckte sie erschrocken zusammen. „Was?“ Schwarzsturm legte all ihre Hoffnung in die Kätzin. „Fleckensturm …?“ Noch einmal zuckte Hauchpfote zusammen und sie schien einen Moment nach Worten zu suchen. „Du auch?“ fragte sie schließlich und Schwarzsturm hätte ihr vor Erleichterung am liebsten das Gesicht abgeschleckt, doch sie hielt sich Rücksichtsvoll zurück. Sie war also doch nicht allein.

    Tannenkralle beobachtete die „Anderen“ aus zusammengekniffenen Augen. Etwas Stimmte nicht, das konnte er spüren, obwohl er sich noch nicht sicher war, was es war. Die Kater hielten sich größtenteils zurück und bewegten sich nur mit äußerster Vorsicht durch das Überfüllte Lager. Ein paar Wenige Krieger allerdings plauderten mit den Fremden, als wären sie lang erwarteter Besuch. Sonnenkralle und Beerenfrost gehörten dazu, genauso wie Donnerruf. Tannenkralle schlich sich hinter den Bau der Kätzinnen. Vielleicht konnte er durch irgendeine Lücke mit Feuerschweif sprechen. Er hatte sie schon vermisst, bevor die Anderen kamen und das er sie jetzt nicht einmal mehr sehen konnte machte ihm schwer zu schaffen. Zu seiner Enttäuschung war der Bau sogar noch zusätzlich mit Lehm abgedichtet worden. Es bestand keine Chance, dass die Kätzin ihn hören konnte und Tupfenwirbel brauchte er gar nicht erst zu fragen, ob sie ihn hineinlassen könnte. Er fühlte sich merkwürdig in der Gegenwart dieser Katze und obwohl er sie kannte, kam sie ihm fremd vor. Er fragte sich, was mit ihr geschehen war, als sie gerufen wurde. Missmutig drückte er seine Nase gegen die Wand des Baus, als könnte er Feuerschweif auf der anderen Seite spüren. Er hätte so gern mit ihr gesprochen, ihr Mut gemacht. Aber sie war eine starke Katze, sie würde auch ohne ihn zurecht kommen. Vielleicht hatte er sich auch gewünscht, dass sie ihn ansah, mit ihren Blick, in dem so viel Kraft und Hoffnung lag. Um ihm Mut zu machen. Er wandte sich ab und lief mit gesenkten Kopf ins Lager zurück.

    Feuerschweif drückte ihre Nase gegen die Innenseite des Baus. Sie konnte ihn weder hören, noch riechen oder sehen, noch spüren. Sie wusste einfach, dass er da war. Sie lächelte. Sie würden schon einen Ausweg finden, sie war sich ganz sicher.

    37
    Ein Bild von Kota (Es wird ein Doppelbild, ich zeichne Takka noch dazu)

    38
    Svenja hatte sich für das Abenteuer entschieden und war ohne Plan einfach los gerannt. Er schwerer Fehler, wie sie jetzt feststellen musste. Ihr Magen knurrte wie wild und sie hatte jegliche Orientierung verloren. Die Grasfläche zog sich noch immer wie ein unendliches Meer, grünes Meer dahin. An manchen Stellen wuchsen ihr die Halme sogar über den Kopf, dann konnte sie überhaupt nichts sehen. Manchmal sah sie Kaninchen, die vor ihren unterirdischen Höhlen genüsslich am Gras knabberten und einmal hatte sie sich Versucht heranzuschleichen, doch die Tiere hatten sie sofort bemerkt und waren unter der Erde verschwunden, ehe sie auch nur in Sprungweite gekommen war. Svenja fragte sich, ob sie überhaupt in der Lage gewesen wäre, eines zu töten. Einmal hatte sich eine Meise in ihren Garten verirrt und irgendwie war es ihr tatsächlich gelungen sie zu fangen, doch als sie auf den kleinen, hilflosen Vogel hinab sah, der verzweifelt mit den Flügeln schlug, hatte sie es nicht über sich gebracht, ihm das Leben zu nehmen. Zuhause hätte sie um diese Zeit längst einen vollen Napf mit köstlichen Futter bekommen, nur für sich allein. Beim Gedanken daran, knurrte ihr Magen so laut, dass sie zusammenzuckte und stehen blieb, aus Angst, dass sie jemand gehört hatte, doch da war niemand. Seufzend setzte sie sich. Hinter ihr war das Zweibeinernest längst am Horizont verschwunden und auch der Weg, dem sie eine ganze Weile gefolgt war, hatte sich aufgelöst. Noch konnte sie umkehren. Das würde zwar bedeuten, dass sie den ganzen Weg wieder zurückgehen musste, aber sie würde immerhin nicht verhungern. Allerdings würde sie auch nur wieder ihr langweiliges, altes Leben erwarten. „Ich hab dir doch gesagt du sollst nach Hause gehen!“ sie fuhr herum. Hinter ihr stand Pechherz und vor seinen Füßen lag ein totes Kaninchen. „Oh ...ich ...“ Sie starrte abwechselnd schuldbewusst zu Pechherz und gierig zu dem Kaninchen. „Dreh um und geh jetzt!“ Pechherz Stimme war eindringlich und ungeduldig und auch ein wenig genervt. Doch das verstärke Svenjas Trotz nur noch. „Ich komme mit, ob du es nun willst oder nicht.“

    39
    (Dieses Bild ist von Rari und zeigt Morgenjunges mit einem ihrer Bälle vor Flammenglut, Funkenjunges und Krokusjunges im Vordergrund und einer beliebigen Kätzin im Hintergrund)

    Schwarzsturm saß neben Hauchpfote und war vollkommen ratlos. Ein Gewirr aus Fragen hing in der Luft und so lange sie auch rätselten, sie schafften es nicht, auch nur eine zu beantworten. Warum kamen sie ausgerechnet jetzt? Warum sperrten sie nur die Kätzinnen ein? Wie funktionierte der Körpertausch? Wohin war Fleckensturm verschwunden? Und wieso konnte sich niemand mehr an sie erinnern? Hauchpfote seufzte ergeben und spielte halbherzig mit dem Moosball, den ihr Morgenjunges mit viel Liebe gebaut hatte. Seit Flammengluts Jungen die Augen geöffnet hatten, war es nicht mehr so still im Bau. Funkenjunges spielte am liebsten mit seinem neuen Freund Krokusjunges. Die beiden verstanden sich prächtig und verwandelten mühsam aufgeräumte Ecken innerhalb weniger Sekunden wieder zum Schlachtfeld. Abendjunges hatte sich mit Minzjunges zusammen getan und seit einiger Zeit hatten sie es sich zu Aufgabe gemacht, keine Katze länger als ein paar Minuten in Ruhe zu lassen. Und Morgenjunges war so gutherzig und naiv geworden, dass es einem fast die Tränen in die Augen trieb. Irgendwie schien sie zu spüren, dass es den Katzen hier keineswegs gut ging. Sie war den ganzen Tag damit beschäftigt ihre Geschenke zu bauen. Sie formte Bälle aus Moos, und brachte sie den Katzen, die ihrer Meinung nach die meiste Aufmerksamkeit brauchten. Hauchpfote hatte inzwischen drei Stück und Schwarzsturm sogar fünf, trotzdem war es immer wieder rührend, wenn die Kleine auf ihren kurzen Beinchen angetrippelt kam, mit einem Häufchen Moos, das fast so groß war wie ihr Kopf und ihr die Sicht versperrte. Dann legte sie ihre Last vor den Pfoten der betroffenen Katze ab und strahlte sie an. „Für dich! Alles wird wieder gut.“ Ihren ersten Ball hatte sie für Flammenglut gemacht. Die Kätzin war daraufhin förmlich zusammengebrochen und hatte sich bei ihrer Tochter bedankt, als hätte sie ihr das größte Geschenk auf Erden gemacht. Als Morgenjunges bemerkte, wie glücklich sie ihre Gabe gemacht hatte, gründete sie ihr kleines Unternehmen. Jeden einzelnen Moosball widmete sie ihre volle Aufmerksamkeit und Liebe und obwohl sie inzwischen nichts anderes mehr machte, war sie ihrer Arbeit noch nie halbherzig begegnet. Einmal hatte Honigpfote sie gefragt, ob es ihr nicht langsam zu langweilig wurde, doch da hatte sie nur gelacht. „Aber Honigpfote, ich mach das doch nicht für mich, sondern für euch. Damit ihr wieder lächeln könnt.“ Dann war sie davon gestürmt und Honigpfote hatte ihr liebevoll hinterher gesehen. „Sie ist wirklich ein besonderes Junges.“ murmelte Schwarzsturm leise und Hauchpfote lächelte still in sich hinein, während sie das Bällchen zwischen ihren Pfoten rollen ließ.

    40
    Kota sah mit besorgter Miene hinter sich. In letzter Zeit schien er unter Verfolgungswahn zu leiden. Frostflügel hielt genervt an. „Okay, jetzt sagst du mir aber endlich mal, was heute mit dir los ist. Ich bin ja auch schon ganz nervös.“ Der Kater zuckte zusammen, als hätte sie ihn bei irgendwas ertappt, schüttelte aber nur den Kopf. „Alles in Ordnung. Es ist nur so ein Gefühl …“ Frostflügel setzte sich ohne einen weiteren Kommentar hin und sah ihn erwartungsvoll an. Als er nicht reagierte, sondern sie nur irritiert ansah, seufzte sie. „Komm, wir machen jetzt Pause und du erzählst mir was das für ein Gefühl ist.“ Kota verzog das Gesicht, widersprach aber nicht uns setzte sich neben sie. „Hm … Es ist nur so eine Art ziehen im Herz. Irgendetwas stimmt mit Takka nicht. Aber ich weiß nicht was! Vielleicht ist er krank oder er wurde verletzt. Außerdem habe ich das Gefühl, dass er uns noch nicht gefolgt ist. Das ist merkwürdig. Irgendetwas muss passiert sein. Etwas schlimmes.“ Jetzt, wo er es ausgesprochen hatte, begann sich ernsthafte Sorge in seinem Blick zu spiegeln. Frostflügel dachte angestrengt nach. „Bist du dir auch sicher, dass du heute nicht nur zu viel gelaufen bist und du deshalb einfach nur fertig bist?“ Kota schüttelte heftig den Kopf. „Und was schlägst du jetzt vor? Willst du den ganzen Weg zurückgehen, oder was?“ Sie lachte über den Scherz, verstummte aber sofort, als sie Kota demonstrativ auf den Boden starren sah. „Kota …?“ Er schenkte ihr ein schuldbewusstes, schiefes Lächeln. „Oh nein! Das kann doch nicht dein ernst sein! Das quält man sich diese Berge hoch und runter, für nichts und wieder nichts! Und am Ende hat Takka dann nur einen kleinen Husten.“ Sie stöhnte frustriert. „Du musst ja nicht den ganzen Weg zurück. Von mir aus kannst du auch bei Lee und Klay bleibe, während ich nachsehe, ob alles in Ordnung ist.“ Frostflügel lächelte sarkastisch. „Na Danke. Nein, entweder wie gehen beide zurück oder wir gehen wir beide weiter. Aber ich bleibe auf keinem Fall bei dieser merkwürdigen Kätzin, während du möglicherweise in Gefahr bist.“ Jetzt war es Kota der seufzte. „Na gut, dann kommst du eben mit. Aber du wartest beim Feld. Ich möchte nicht, dass du noch einmal in die Nähe des Lagers kommst. Ist das Okay?“ Er sah sie flehend an und sie gab nach. „Also wirklich, den ganzen Weg zurück ...“

    41
    „Ich habe solchen Hunger …!“ stöhnte Efeupfote leise. Seit sie eingesperrt wurden, hatten sie noch nichts zu essen bekommen. Honigpfote sah schwach zu ihr auf. „Eine Maus, einen Vogel oder sogar ein Kaninchen … Ich würde am liebsten den ganzen Wald leer futtern.“ „Untersteh dich!“ lachte Efeupfote und streckte sich noch ein bisschen weiter. Sie versuchte er mit Humor zu nehmen, doch die Situation wurde bereits zu einem ernsthaften Problem. „Worauf warten sie?“ dachte Hauchpfote laut. Schwarzsturm, die neben ihr saß, neigte leicht den Kopf. „Ich versteh das auch nicht. Wenn sie unsere Körper wollen, ist es nicht gerade sinnvoll, und verhungern zu lassen.“ „Das haben sie bestimmt auch gar nicht vor.“ mischte sich Feuerschweif ein. In letzter Zeit versuchte die rote Kätzin an allen Ecken und Enden gute Laune zu stiften. Mit eher weniger Erfolg. Einige der Kätzinnen hatten sich anscheinend damit abgefunden, in naher Zukunft zu sterben und saßen nur noch eng beieinander in der dunkelsten Ecke und murmelten Zeug vor sich her, mit ausdruckslosen Augen. Im Prinzip hätte man sie auch für Geisterkatzen halten können. Schwarzsturm hatte schmerzlich feststellen müssen, dass auch Mondschein zu dieser Gruppe gehörte.
    Hauchpfote kuschelte sich neben der schwarzen Kätzin zusammen und schloss die Augen. Das war die beste Art, dem knurrenden Magen zu entkommen. Schon bald war sie in einem Zustand zwischen Schlaf und Dämmern, sie begann zu träumen. Sie lief über eine endlose Wiese, die im Mondlicht wie Silber glänzte. Die Gräser fühlten sich unter ihren Pfoten hart und scharf an und der Himmel war bis auf den Mond, der sein fahles Licht auf die Erde warf, tiefschwarz. Ein merkwürdiger, eisiger Wind, der aus dem Nichts zu kommen schien zerrte an ihrem Fell. Die Stille war vollkommen, das einzige Geräusch in der Nacht, war ihr heftiges Atmen. Sie wollte schneller rennen, doch es war, als käme sie nicht von der Stelle. Es dauerte eine Weile, bis sie merkte, dass sich etwas verändert hatte. Als sie aufsah, war der Mond so rot wie Blut.

    „Hauchpfote!“ Sie erkannte Schwarzsturms sorgenvolle Augen über sich und atmete erleichtert aus. „Es ist alles in Ordnung. Der selbe Albtraum wie jede Nacht ...“ „Du hast geschrien.“ Efeupfote sah von der anderen Seite ängstlich zu ihr hinunter. „Ich wünschte du könntest zu Samenflug gehen. Sie wüsste bestimmt etwas gegen Albträume.“ murmelte Lichtpfote betroffen. Hauchpfote setzte sich auf und erkannte peinlich berührt, dass alle sie ansahen. Sogar die Katzen der Ecke hatten aufgehört zu tuscheln. „Wieder der rote Mond?“ fragte Schwarzsturm langsam. Hauchpfote nickte.

    42
    Pechherz trottete mit genervten Gesicht voran, hinter ihm strahlte Svenja mit der Sonne um die Wette. Er hatte schließlich doch nachgegeben. Sollte sie doch mitkommen. Früher oder später würde sie es bereuen, da war er sich ziemlich sicher. „Pechherz, woher wissen wir eigentlich, wann wir da sind?“ fragte Svenja vergnügt. Er drehte sich nicht einmal zu ihr hin. „Das werde ich dann schon spüren.“ Die Kätzin zuckte mit den Schultern und Fragte eifrig weiter. „Und die andere? Wie soll sie dir folgen? Sie weiß doch gar nicht, wo du hin bist.“ Ihre Fragen begannen ihn zu nerven, vor allem, weil sie ihn selbst unsicher machten. „Sie findet mich schon. Und jetzt keine Fragen mehr, das kostet nur Energie.“ Svenja hielt für fast zwei Minuten den Mund, dann vergaß sie die Aufforderung wieder. „Pechherz, zeigst du mir wie man jagt?“ Er schloss kurz die Augen, um die Ruhe zu bewahren. „Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.“ „Und warum sind Wolken eigentlich weiß? Ich meine, in Rosa hätten sie viel hübscher ausgesehen.“ Er fuhr herum und funkelte sie wütend an. „Ich. Weiß. Es. Nicht. Sonst noch Fragen?“ Sein Blick war so eisig, dass sie ein paar Schritte zurück stolperte, ehe sie hastig den Kopf schüttelte. „Gut.“ Zufrieden lief er weiter und tatsächlich hatte sein Blick Wunder gewirkt. Svenja hielt bis in den späten Nachmittag den Mund.

    43
    Salbeiblatt zog sich in die hinterste Ecke des Baus zurück. Ihr Bauch war bereits stark angeschwollen und glaubte bereits den Herzschlag der Kleinen in sich zu spüren. Sie wusste nicht was sie davon halten sollte. Einerseits hasste sie Fichtenzweig, andererseits war da Morgenjunges. Das winzige, orange-rote Kätzchen, dass alle Herzen im Sturm erobert hatte. Doch wie wahrscheinlich war es, dass noch einmal ein solches Junges geboren werden würde? Was wenn ihre Jungen genauso wie Fichtenzweig wurden? Dann hätte sie zusätzliche Feinde geboren. Neidisch betrachtete sie Flammenglut, die sich eng um ihre Kleinen gelegt hatte, während diese selig schliefen. Seit ihnen sowieso niemand mehr Beachtung schenkte, hatte sich Silberhauch zurückgezogen. Die silberne Kätzin hatte traurig gewirkt, wahrscheinlich hatte sie die Jungen bereits wie ihre eigenen angesehen. Salbeiblatt zuckte zusammen, als sie Nachtfell zu ihr gesellte. Überrascht sah sie auf. „Du sahst … so alleine aus. Stört es dich, wenn ich mich zu dir setze?“ Die Kätzin sah sie aus ihren himmelblauen Augen zögerlich an. „Ist schon in Ordnung.“ murmelte Salbeiblatt und rückte ein Stück beiseite. Nachtfell quetschte sich neben sie. Ihr Fell war angenehm warm und erst jetzt fiel ihr auf, wie kalt es bereits geworden war. „Der Winter naht.“ sagte Salbeiblatt leise, um irgendetwas zu sagen. Sie war nicht so gut darin, ein Gespräch zu beginnen. Nachtfell nickte und lächelte leicht. „Ich habe über Hauchpfotes Traum nachgedacht. Was wenn es wirklich einen roten Mond gibt? Meine Mutter hat mir damals davon erzählt. Es ist eine Art Grusel-Märchen, aber es laufen Tote Katzen im Lager herum. Es kann alles möglich sein.“ Salbeiblatt beugte sich interessiert vor. „Deine Mutter? Wer war sie? Oder lebt sie noch?“ Die schwarze Kätzin schüttelte den Kopf. „Nein, sie lebt schon lange nicht mehr. Sie wurde durch Schattensturm und mich so geschwächt, dass sie nur noch wenige Monde lebte. Sie hieß Dunkelblüte und sah angeblich genauso aus wie ich.“ Nachtfell lächelte schief. „Möchtest du die Geschichte hören?“ Salbeiblatt nickte. Die Anwesenheit der Kätzin tat ihr gut. „Also gut. Vor langer, langer Zeit, weit fort von hier lebte ein Clan, dessen Anführer … eine Kätzin war. Alles war ganz anders als hier. Die Kätzinnen durften das Lager verlassen wann immer sie wollten und sie konnten selbst bestimmen, ob sie Jungen wollten oder nicht. Und auch die Kater waren anders. Sie nahmen die Katze zur Gefährtin, die sie wirklich liebten und auch nur, wenn diese ihre Gefühle erwiderte.“ Erstaunt zuckte Salbeiblatt mit einem Ohr. „Hast du nicht gesagt, es wäre ein Grusel-Märchen?“ Nachtfell schnaubte. „Geduld. Ich bin doch noch gar nicht fertig. Jedenfalls war alles so, wie man es sich nur erträumen kann. Es gab Beute in Massen und die Anführerin war sanft und gütig und dennoch so stark wie ein Blitzschlag. Es gab auch noch andere Clans, mit denen lebten sie in Frieden. Doch dann, eines Nachts, wurde der Mond so rot, als würde er bluten. Von da an wurde alles anders. Der Winter brach mit ungeahnter Macht ein und die Mäuse und Vögel flohen. Allein die Katzen blieben zurück, doch auch zwischen ihnen veränderte sich etwas. Ein Kater lebte in diesem Clan. Sein Herz war dunkler als mein Fell und er hasste jede Kätzin wie die Pest, denn seine Mutter hatte sich nicht gut um ihn gekümmert. Als der Mond am Himmel verblutete, tötete er die Anführerin und ihren Nachfolger, sowie alle Kätzinnen, die einen Gefährten hatten oder Jungen erwarteten. Natürlich brachte er auch die Kater gegen sich auf, doch er war ein guter Redner und bald WOLLTEN sie ihm glauben, dass sie etwas besseres und stärkeres als die Kätzinnen waren. Viele Verbündeten sich mit ihm. Die, die sich immer noch wehrten, wurden umgebracht. Der böse Kater wurde der neue Anführer des Clans. Er veränderte die Regeln und wandte sich von den anderen Clans ab. Meine Mutter sagte dazu: Die Sterne werden ihm das nie verzeihen. Ich weiß nicht, was sie damit meinte, aber es hört sich gerecht an.“ Salbeiblatt, die nachdenklich geschwiegen hatte, sah jetzt ängstlich auf. „Und was könnte ein zweiter Blutmond für Flogen haben?“ Nachtfell lächelte jetzt. „Der erste war der Anfang, der zweite wird das Ende. Ich habe mit Schwarzsturm gesprochen. Wir werden kämpfen.“

    44
    (Als extra ein Bild meiner Maus Muffin XD)


    Tannenkralle mit Windherz, Takka, Farnkralle und Schneeschweif unter der großen Eiche im Wald. Noch vor Sonnenaufgang hatten sie sich aus dem Lager geschlichen, um die Lage zu besprechen. Allerdings sah das ganze ziemlich hoffnungslos aus. Schon seit einer Ewigkeit dachten sie über einen Befreiungsplan für die Kätzinnen nach, der nicht in einem Blutbad endete. „Vielleicht reicht es, wenn wir Bussardstern darum bitten, unsere Gefährtinnen zurückzubekommen.“ schlug Schneeschweif vor, doch Tannenkralle winkte ab. „Keiner von uns hat offiziell eine Gefährtin ...“ Schneeschweif seufzte frustriert. „Und wenn wir sagen, dass wir und eine aussuchen wollen?“ fragte Farnkralle. Diesmal war es Takka der schnaubte. „Dann würde vielleicht eine einzelne Kätzin für ein paar Minuten frei sein.“ Tannenkralle runzelte die Stirn. „Vergesst nicht, dass sie nicht wehrlos sind. Vielleicht ist eine Chance alles was sie brauchen. Vielleicht kann eine freie Kätzin viel bewirken.“ Er lächelte, als er an das wilde glühen in Feuerschweifs Augen dachte. Eine Pause entstand. Das Risiko, dass es nichts bringen würde, war hoch, aber eine gewisse Chance bestand. Allerdings sah diese auch nicht gerade Blutfrei aus. „Wir sind Krieger.“ sprach Farnkralle aus, was alle dachten. „Dann kämpfen wir eben. Dafür sind wir doch geboren.“ Tannenkralle nickte langsam. Wenn es sich nicht vermeiden ließ, würde es Tote geben. Das Problem dabei war nur, dass sie selbst mit den Kätzinnen in der Unterzahl waren. „Wir müssten uns Verstärkung suchen.“ Er dachte an seinen Bruder Sonnenkralle und ein grollen stieg in seiner Kehle auf. Wie konnte sein eigener Wurfgefährte nur so anders sein als er? „Vielleicht würden die Katzen auf den Höfen -“ „Hauskätzchen? Na Super! Da können wir auch gleich Kaninchen zum Kämpfen überreden.“ Takka verzog enttäuscht das Gesicht, während Windherz grinsend den Kopf schüttelte. „Sag mal, wen würdest du eigentlich wählen, Schneeschweif?“ fragte Farnkralle neugierig. Der Schweif des Katers zuckte, als er nachdachte. „Schattensturm.“ flüsterte er schließlich sichtlich geniert. Farnkralle lachte leise. „Ich werde Nachtfell wählen.“ Er grinste breit, doch an dem warmen leuchten in seinen Augen erkannte Tannenkralle, dass er es ernst meinte. „Windherz?“ Schneeschweif sah zu dem verschweigenden Kater hinüber. „Schwarzsturm.“ erklärte dieser kurz und knapp. Tannenkralle kniff die Augen zusammen. „Weißt du nicht, dass sie und Pechherz-“ Windherz winkte Schulterzuckend ab. „Ich wähle sie nicht, weil ich sie liebe oder so, sondern weil sie eine sehr gute Kämpferin ist. Sie wird ihre Chance gut nutzen. Außerdem ist sie längst so etwas, wie die Anführerin der Kätzin geworden. Die anderen werden tun, was sie sagt.“ Schneeschweif nickte lächelnd. „Das ist eine kluge Entscheidung. Was ist mit die, Tannenkralle?“ Der dunkle Kater senkte ertappt den Kopf. „Ich werde keine Kätzin auswählen.“ Takka grinste wissend. „Ich werde auch keine aussuchen.“ Überrascht sah Tannenkralle auf. „Aus ähnlichen Gründen?“ Der rostrote Kater nickte. „Pfeffer ist eine zwei. Aber ich würde nie eine andere auswählen, als sie. Ich weiß, dass es sie verletzen würde.“ Erstaunt von dem plötzlichen Einfühlungsvermögen der Katers zuckte Tannenkralle mit dem Ohr. „Dann werden wir uns also auf einen Kampf vorbereiten.“ Schloss er die Versammlung. „Wenn Bussardstern ja sagt.“ warf Farnkralle zögernd ein. „Hoffen wir, dass er es tut.“

    45
    Frostflügel jammerte nicht mehr, obwohl ihre Pfoten kurz vorm absterben standen. Kota hatte ihre merkwürdige Ruhe längst bemerkt und erkundigte sich bereits zum fünften mal, ob bei ihr wirklich alles in Ordnung sei. Wie immer lächelte sie nur müde. Es tat ihr wirklich leid, gegen seinen Willen handeln zu müssen, aber auch sie hatte beschlossen nach ihrem Bruder zu sehen. Wen Takka in Gefahr war, dann Schneepfote höchstwahrscheinlich auch. Obwohl sie ihn eigentlich nie wirklich kennen gelernt hatte, spürte sie nun das seltsame Verlangen, für ihn da zu sein. Und was konnte ihr schon passieren? Dank Kotas Unterricht konnte sie jetzt mindestens so gut kämpfen, wie alle anderen Kätzinnen auch. Außerdem hatte sie mit Eichelpfote noch eine Rechnung offen. „Irgendetwas ist doch mit dir. Nun sag schon, ich bin doch nicht blind.“ grummelte Kota. Er war letzter Zeit wieder sehr ernst geworden. „Es ist nichts. Wirklich.“ beteuerte Frostflügel ein weiteres mal. Sie grub ihre Krallen fest in den losen Sand und spürte erfreut, dass ihr diese Mischung aus Klettern und Laufen nicht mehr sonderlich schwer viel. Schon am Abend zuvor hatte sie bemerkt, dass sich feste Muskeln unter ihrem Pelz abzuzeichnen begannen. Da würde Hasenpfote Augen machen. Sie lächelte bei dem Gedanken, mit der Kätzin zu trainieren. Aber Hasenpfote hatte nicht nach ihr gesucht. Ihre Enttäuschung darüber lag noch immer schwer in ihr. Zumindest das hätte sie doch von ihrer besten Freundin erwarten können, oder?

    Hauchpfote erwachte mit einem Schrei. Schon wieder. Ihr Traum wurde immer eindringlicher. Doch diesmal war etwas anders gewesen. Sie war nicht länger allein. Sie hatte zwar niemanden gesehen gesehen und doch hatte sie die Anwesenheit anderer Katzen gespürt. Davon musste sie Schwarzsturm berichten. „Es ist schrecklich dir dabei zuzusehen.“ Hauchpfote sah auf, direkt in Efeupfotes besorgte, bernsteinfarbende Augen sah. Die dunkelgraue Kätzin zuckte mit den Schultern. „Ich kann nichts dagegen tun.“ murmelte sie müde. Der Schlaf schien ihr eher Energie zu stehlen, als ihr Ruhe zu spenden. „Ich muss mit Schwarzsturm sprechen.“ fügte sie nach kurzem Schweigen hinzu. Efeupfote zuckte zusammen. „Das geht gerade nicht. Sie … trainiert mit Honigpfote und Hasenpfote. Da hinten, siehst du?“ Sie deutete hinter sich und Hauchpfote setzte sich benommen auf, um besser sehen zu können. Da der Bau sehr groß war, hatten die Kätzinnen genug Raum, um sich zu Bewegen, aber zum trainieren war es dann doch ein bisschen zu eng. Trotzdem stand Schwarzsturm mit den beiden Schülerinnen in einem Ring aus Kätzinnen und zeigte ihnen mit entschlossenen, leicht verbitterten Gesichtsausdruck einige Schlagkombinationen. Hauchpfote wusste was das bedeutete. „Sie werden kämpfen?“ Efeupfote nickte. Ihr Blick wurde ängstlicher. „Du hast Angst, richtig? Aber das brauchst du nicht! Wir werden das schon schaffen.“ sagte Hauchpfote mit fester Stimme, obwohl sie selbst nicht wirklich daran glaubte. Auch Efeupfote sah nicht sonderlich Überzeugt aus. „Also ich mach da jetzt mit.“ Entschlossen sprang sie auf und ihre dunkelblauen Augen blitzten, als sie sich zu Honigpfote und Hasenpfote durch drängelte. Schwarzsturm lächelte sie ermutigend an und wiederholte ihre Übung. Da trat auch Silberhauch demonstrativ vor und wiederholte die Bewegung verbissen. „Für die Jungen.“ sagte sie. Flammenglut stellte sich neben sie und ihr Blick schien wahrlich in Flammen zu stehen. „Für die Zukunft.“ Kirschblüte und Nachtfell sahen sich an und beide sahen die Hoffnung in den Augen der anderen. „Für die Freiheit!“ jaulten sie

    46
    Finsterherz fand Schneeblume auf einer umgestürzten Tanne sitzend, tief im Nadelwald. Der weiße Kater hatte ihm den Rücken zugekehrt. „Schneeblume, ich-“ „Ich brauche dein Mitleid nicht, Finsterherz.“ Schneeblume sprach ohne sich umzudrehen, mit klangloser, leerer Stimme. „Ich bemitleide dich nicht. Ich beneide dich!“ Finsterherz blieb auf einigen Abstand stehen und wühlte mit seinen Pfoten die lockere Schicht vertrockneter Nadeln auf. Schneeblume lachte freudlos, drehte sich aber noch immer nicht zu ihm um. „Um was solltest du mich denn beneiden? Um meine Taubheit? Um meine Grandiose Stellung im Clan?“ „Ich würde liebend gern ein tauber Diener sein, wenn mir Lichtpfote dafür ihre Aufmerksamkeit schenken würde.“ fauchte der rauchschwarze Kater und hielt verlegen inne, als er erkannte, was er gerade gesagt hatte. Schneeblumes taubes Ohr zuckte, als er nachdachte. „Ich liebe Lichtpfote … wie eine Schwester.“ Eine Pause entstand, in der Finsterherz nicht wusste, was er sagen sollte. Doch bevor er etwas erwidern konnte, fuhr der weiße Kater schon fort. „Obwohl ich das von dir nicht sagen kann. Lichtpfote war es, die uns verbunden hat. Aber jetzt ist sie nicht hier. Ich werde dir sagen, wofür ich dich halte. Du bist der Versager von uns beiden. Ich habe dich schon immer verachtet.“ Finsterherz brauchte eine Weile, bis die Worte zu ihm durchgedrungen waren. „Ich, ein Versager?“ Er stieß ein kurzes, fassungsloses Lachen aus. „Ich wäre eine Eins geworden, wenn ich mich nicht verlaufen hätte.“ Schneeblume hatte ihm noch immer den Rücken zugewandt. „Es ist egal, wie gut du kämpfen kannst oder wie viel Beute du fängst. In Wirklichkeit bist du ein nichts. Du hast keine Meinung und keinen Willen. Du folgst Lichtpfote wie ein dummes Junges seiner Mutter folgen würde. Du bist ihr lästig, merkst du das nicht? Du warst ja nicht einmal in der Lager, ihr zu sagen, was du für sie fühlst. Wenn du stirbst wird man gar nicht merken, dass du fort bist. Und nach ein paar Monden wird sich niemand mehr auch nur an deinen Namen erinnern. Ich sage dir, Bussardstern hat dir einen schlechten Namen gegeben. Dein Herz ist nicht Finster. Wenn es das wäre, dann hättest du wenigstens einen Charakterzug. Finsterschatten hättest du heißen sollen, denn das ist es, was du bist. Ein jämmerlicher Schatten, der verschwindet, wenn das Licht auf ihn fällt. Und wenn er weg ist, weiß niemand, dass es ihn überhaupt gegeben hat.“ Die Stille die auf Schneeblumes Worte folgte war unerträglich. Der weiße Kater hatte mit einer harten Stimme gesprochen und jedes Wort war kalt wie Eis in Finsterherz Herz gedrungen. Die Beine des dunklen Katers zitterten und in seinen Bernstein-Augen loderte ein nie dagewesenes Feuer. „Ich bin kein Nichts.“ fauchte er, dann warf er sich herum und stürmte in den Wald zurück. Schneeblume rührte sich erst, als seine Schritte längst verklungen waren. Er wandte sich um und starrte auf die Stelle am Boden, in die sich die Krallen des schwarzen Kater gebohrt hatten. Er lächelte müde und seine Augen waren matt und schwer von Trauer. „Tut mir leid, kleiner Bruder. Es ist an der Zeit, dass du aufwachst.“

    47
    Finsterherz saß mitten im Lager, zwischen den toten Katzen. Niemand achtete auf ihn. Seine braune Augen waren schwarz geworden und glühten in einem seltsamen Licht. Sein Blick folgte jeder Bewegung, nichts entging ihm. Er hörte jeden Atemzug, jedes Wort, es spürte die Vibrationen der leisesten Schritte im Boden. Noch nie hatte er sich so präsent gefühlt wie heute. Er bemerkte Eichelpfote, der seinen Blick über ihn streichen ließ, als wäre er gar nicht da. „Ich bin ein Schatten.“ hauchte Finsterherz. Er spürte das Blut, das durch seine Adern floss, seinen langsamen Herzschlag, seine angespannten Muskeln, noch nie hatte er sich seinem Körper so verbunden gefühlt. Er erhob sich mit einer fließenden Bewegung, doch er hielt sofort inne, als er sie bemerkte. Windherz, Schneeschweif und Farnkralle bahnten sich lautstark einen Weg in den Anfühererbau, wo sie aus seinem Sichtfeld verschwanden. Wie Ungewöhnlich. Sein ehemaliger Mentor war doch sonst nicht so nervös. Finsterherz wartete ohne auch nur einen Muskel zu rühren auf ihren Rückzug. Endlich, die Sonne war schon ein ganzes Stück gewandert, verließen sie den Bau wieder, mit einem ziemlich angenervten Bussardstern an ihrer Seite und steuerten direkt auf den Bau der Kätzinnen zu. Den Bau der Gefangenen, wie Finsterherz ihn insgeheim nannte. Der Anführer wechselte ein paar Worte mit Tupfenwirbel, die schließlich zur Seite trat und ihm half, das Brombeergestrüpp weg zu zerren. Zehn Herzschläge später verließen drei Kätzinnen den Bau. Schwarzsturm, Nachtfell und Schattensturm. Finsterherz kümmerte sich nicht um sie. Sein Blick wurde von der dunklen Öffnung, aus der sie getreten waren, magisch angezogen. Wieder wurde er ganz ruhig. Er atmete kaum, als er näher glitt, den Blick nun starr auf seine Beute gerichtet. Keiner sah ihn kommen, keiner hörte seine Pfoten, die immer schneller auf den Boden trommelten. Und dann sprang er. Wie in Zeitlupe flog er durch die Luft, mit weit ausgefahrenen Krallen. Er sah Bussardsterns Ohren zucken, bemerkte Nachtfell, die erschrocken herumwirbelte, hörte den gedehnten Schrei, der aus Sonnenkralles Kehle drang. Und dann war sie da. Schneller als das Licht warf sie sich vor Bussardstern und seine Krallen bohrten sich wie Messer in ihre Kehle. Tupfenwirbel. Er begrub sie unter sich und biss zu, wie er es bei einem Hasen tun würde. Erst als er bitteres Blut schmeckte sah er auf. Alle starrten ihn an. Ein Herzschlag. Bussardsterns Augen weiteten sich entsetzt. Zwei Herzschläge. Tupfenwirbel hauchte unter ihm ihr Leben aus. Drei Herzschläge. Dann hatte Schwarzsturm sich gefangen. Ihr Kampfschrei gellte in seinen Ohren, als sie sich auf Sonnenkralle stürzte, der zur Falschen Zeit in der Nähe der falschen Katze stand. Um ihn herum brach das Chaos aus. Das Geheul mischten sich in seinen Ohren zu einem dumpfen Tosen. Er sah auf die Tote unter sich. Sie war die Falsche. Bussardstern hätte sterben sollen. „Finsterherz!“ Lichtpfote? Er sah auf, doch da war nur ein wildes Gewirr aus Farben, viel zu schnell, als das er einzelne Katzen ausmachen könnte. Und dann sah er sie. Ihre Augen, die ihm direkt ins Herz zu sehen schienen. Die Augen, die das sahen, was hinter dem Schatten war. Augen, so golden wie die Untergehende Sonne. Honigpfote.

    48
    Schwarzsturm hatte angegriffen, bevor sie richtig verarbeitet hatte, was gerade geschehen war. Ihre Schläge trommelten auf Sonnenkralle nieder, ehe dieser auch nur die Gelegenheit hatte, sich umzudrehen. Erst als das Goldgelbe Fell des Katers bereits von Blut gesprenkelt war, ging auch er zum Angriff über. Scheinbar mühelos schüttelte er sie ab, wie eine lästige Fliege, dann wirbelte er herum und zog ihr seiner langen Krallen über die Nase. Schwarzsturm jaulte auf und sprang zurück, gerade noch rechtzeitig, um einem Schlag zu entgehen, der auf ihre Brust gerichtet war. Sonnenkralle machte einen Satz nach vorne, drehte sich dabei seitlich und schlug mit seinem Schweif, um sie von den Pfoten zu reißen, doch reflexartig vollführte sie einen Sprung nach oben und zog ihre Krallen über seine ungeschützte Seite. Dickes Blut strömte aus der Wunde, was den Kater wütend fauchen ließ. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ihm eine Kätzin so zusetzen könnte. Noch einmal wagte er einen direkten Angriff. Diesmal erwischte er Schwarzsturm knapp am Hinterbein und brachte sie so aus dem Gleichgewicht. Als sie wieder am Boden aufkam, sackte das Bein unter ihr weg. Keuchend landete sie auf der Seite. Bevor sie wieder aufspringen konnte, war Sonnenkralle über ihr und grinste boshaft zu ihr hinunter. Doch die schwarze Kätzin ließ sich davon nicht aus der Fassung bringen, sondern schlug von unten auf seinen Bauch ein, während sie sich bemühte, seinem Griff zu entkommen. Ärgerlich knurrend riss der Kater ihr die Krallen quer durch das Gesicht. Blut tropfte in ihre Augen und versperrte ihr die Sicht, doch sie war noch lange nicht am Ende. Mit einer Hinterpfote stieß sie ihn so fest sie konnte von sich, woraufhin es ihr gelang, sich blitzschnell unter ihm hervor zu rollen. Halbblind griff sie sofort wieder an, bevor er sich vollends aufrichten konnte. Sie erwischte ihn am rechten Ohr und zerfetzte es. Ihr viel sein linkes, bereits aus früheren Kämpfen eingerissenes Ohr und schmunzelte. So herrschte wenigstens wieder Symmetrie. Ihre Augen brannten schmerzhaft und sie hob eine Pfote, um das Blut fort zu wischen. Sonnenkralle nutzte ihre fehlende Deckung sofort und verpasste ihr einen Kinnhaken, der ihren Kopf zurückwarf. Jaulend sprang sie zurück und rempelte gegen eine andere Katze. Inzwischen konnte sie kaum noch Umrisse erkennen. Wenn sie doch nur eine kleine Pause hätte. Wieder hob sie die Pfote und wieder traf sie Sonnenkralles Schlag und ließ sie noch weiter zurück taumeln. Verzweifelt hielt sie die Luft an. Jetzt hatte sie zwei Möglichkeiten. Entweder blind wegrennen oder blind angreifen. Aber wenn sie wegrannte würde er ihr folgen, um sie zu töten. Wenn sie angriff würde er sich leicht gegen sie verteidigen können … und sie töten. Kein Unterschied im Ergebnis. Da wollte sie lieber wie eine wahre Kämpferin sterben. Ohne zu sehen wohin, sprang sie ab. Eine halbe Ewigkeit schien sie in der Luft zu schweben, bevor sie mit viel zu viel Schwung gegen seinen Körper krachte. Doch das hatte den Vorteil, dass er ausrutschte und unter ihr zu Boden ging. Wie besessen hämmerte Schwarzsturm auf ihn ein, bis er sich nicht mehr rührte. War das eine Falle? Probeweise hielt sie inne. Nichts. Ganz langsam hob sie ihre Pfote. Nichts geschah. Dann wischte sie sich schnell über die Augen. Endlich ließ das brennen nach. Sie blinzelte ein paar Mal, bis sie wieder erkannte, was um sie herum geschah. Direkt vor ihr verteidigten sich Hauchpfote und Efeupfote gemeinsam gegen eine der Geisterkatzen, während Feuerschweif gemeinsam mit Tannenkralle gegen Beerenfrost kämpfte. Zögernd sah Schwarzsturm nach unten. Sonnenkralles Fell war unter dem Blut kaum auszumachen, doch er atmete noch. Wahrscheinlich hatte er sich bei seinem Sturz den Kopf gestoßen. Schwarzsturm starrte auf seine ungeschützte Kehle. Jetzt könnte sie ihn töten. Sich rächen für all die Jahre Gefangenschaft. Doch sie tat es nicht. Stattdessen stand sie auf und sah sich nach einem neuen Gegner um.

    49
    Lichtpfote war im Bau der Kätzinnen zurück geblieben, zusammen mit Silberhauch, Flammenglut, Eichhornflucht und sämtlichen Jungen. Schützend hatten sie einen Ring um die Kleinen gebildet, die sich in der Mitte ängstlich zusammen drängten. „Mama, warum sind die Katzen so böse?“ fragte Morgenjunges mit zitternder Stimme und zuckte bei jedem Schrei aufs Neue zusammen. Flammenglut warf ihr einen Blick zu, der beruhigend wirken sollte, aber auch sie selbst zitterte am ganzen Körper. „Sie haben nur eine kleine … Meinungsverschiedenheit.“ „Das geht bestimmt gleich vorbei.“ fügte Eichhornflucht sanft hinzu, doch in ihren Augen stand die selbe Angst. „Und wieso ist jetzt ein Loch in der Wand?“ wollte Abendjunges unbekümmert wissen. „Ja stimmt. Es zieht.“ maulte Krokusjunges und drängelte sich gegen seine Schwester Minzjunges. „Damit wir raus kommen.“ erwiderte Lichtpfote trocken. Sie fragte sich, was Moorpfote gerade tat. Ob sie mitkämpfte? Wohl kaum. Plötzlich erklang hinter ihr ein unterdrücktes Stöhnen und sie wirbelte mit klopfenden Herzen herum, doch es war nur Salbeiblatt, deren Augen fiebrig glänzten. „Salbeiblatt, du … du blutest ja!“ flüsterte Eichhornflucht ängstlich. Jetzt bemerkte auch Lichtpfote das dicke Blut, das an den Beinen der Kätzin hinunterlief. „Wir müssen Samenflug holen.“ Flammenglut betrachtete die hochschwangere Königin entsetzt. Salbeiblatt schien sie gar nicht zu hören. Sie seufzte nur leise und starrte ausdruckslos vor sich hin. „Sie wird zusammenbrechen!“ rief Silberhauch schrill und sprang gerade noch rechtzeitig vor, um die Kätzin zu stützen. Behutsam ließ sie sie ins Moos sinken, das sofort Blutrot wurde. „Was machen wir jetzt nur.“ Verzweifelt spähte Eichhornflucht aus dem Bau, doch draußen tobte der Kampf noch immer. Sie konnte Kirschblütes Rücken sehen, als diese eine Schemenhafte Gestalt vom Eingang fernhielt. Lichtpfote schluckte. Sie wollte da nicht raus. Doch die Entscheidung wurde ihr abgenommen, als Kirschblüte jaulend verschwand und sich zwei düstere Schatten in den Bau drängten. „Bleib weg, Donnerruf!“ knurrte Flammenglut und sträubte ihr Fell. Eichhornflucht erstarrte, als sie ihren Gefährten Sturmgebrüll erkannte. Donnerruf lachte gefühllos und fixierte Flammenglut kalt. „Es sind meine Jungen und ich finde, du solltest bestraft werden.“ Ohne Vorwahrung sprang Sturmgebrüll vor und schlug Eichhornflucht zur Seite. Die Kätzin prallte unsanft auf den Boden und blieb atemlos liegen, während ihre Jungen ungeschützt blieben. Sofort war der Kater bei ihnen. Er riss Minzjunges unsanft aus dem Nest und brach ihr ohne zu zögern das Genick. Ein leises Knacken verkündete, dass Krokusjunges dasselbe Schicksal ereilte. „Neeeeeeeeeeeeeeeein!“ Ein Schrei aus purer Verzweiflung ließ Lichtpfote das Blut gefrieren. Erschrocken sah sie zum Eingang, in dem Nebelhauch aufgetaucht war und sie erinnerte sich, dass sie die wahre Mutter der Jungen gewesen war. Unbeschreiblicher Hass flammte in den Augen der Kätzin, als sie sich auf Sturmgebrüll stürzte und sich in seiner Kehle verbiss. Flammenglut nutzte die Ablenkung und packte Funkenjunges. Blitzschnell schoss sie davon und versteckte ihn im Nest einer Kämpferin. Dann kehrte sie genauso schnell zurück und tat dasselbe mit Abendjunges. Als sie Morgenjunges holen wollte, stand Donnerruf über der Kleinen und grinste hämisch. Flammenglut zögerte keine Sekunde, sondern warf sich brüllend auf ihn, doch ihre Krallen streiften nur seinen Pelz. Der Kater wirbelte herum und sprintete davon, aus dem Bau hinaus und verschwand im Kampfgetümmel. Flammenglut wollte erleichtert ausatmen, als sie bemerkte, das Morgenjunges mit ihm verschwunden war. Entsetzt starrte sie auf die Stelle, an der eben noch ihr Junges gesessen hatte, dann fasste sie sich wieder und Wut trat in ihre Augen. „Silberhauch, kümmere dich um Abendjunges und Funkenjunges!“ zischte sie, dann nahm sie die Verfolgung auf. Lichtpfote hatte sich nicht vom Fleck gerührt, doch nun sah sie sich langsam um. Eichhornflucht lag noch immer regungslos am Boden, Silberhauch hatte sich eng um Flammengluts Jungen gelegt und Nebelhauch stand mit ausdrucksloser Miene über Sturmgebrülls Leiche und starrte auf ihre toten Jungen. Stille war eingekehrt, die nur von dem Geschrei draußen unterbrochen wurde. „Nebelhauch.“ Salbeiblatts Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch die graue Kätzin hörte sie und wendete kaum merklich den Kopf. Lichtpfote trat vorsichtig an die Königin heran und wäre am liebsten sofort wieder zurückgesprungen. Salbeiblatt lag in einer Lache aus ihrem eigenen Blut, doch zwei winzige Fellbündel lagen neben ihr und drohten in der Flüssigkeit zu ersticken. Wie ein Schatten war Nebelhauch neben der Schülerin aufgetaucht und streckte sich, um die Kleinen zu retten und sanft sauber zu lecken. Salbeiblatts trübe, blaue Augen folgte ihr bei jeder Bewegung. Unter dem Blut wurden zwei Jungen sichtbar. Ein Kater, mit schwarzem Fell und roter Schwanzspitze und ein Kater mit dem Grau-weißen Fell seiner Mutter. Salbeiblatt sah Nebelhauch tief in die Augen, sie war viel zu erschöpft um zu sprechen. Doch Nebelhauch verstand sie. „Dunkeljunges und Kriegerjunges.“ sagte sie mit schwacher Stimme. Salbeiblatt lächelte sanft und formte ein lautloses „Danke“ mit den Lippen. Dann schloss sie ihre Augen für immer.

    50
    Flammenglut sprang aus dem Bau und stolperte vom Sonnenlicht geblendet über ihre Pfoten. Das Geschrei war Ohrenbetäubend laut. Als sich ihre Augen endlich angepasst hatten, stolperte sie entsetzt zurück. Der Boden des Platzes war mit Blut getränkt, Katzen lagen bewegungslos am Boden. Sie erkannte Dunstwolke, mit einer riesigen Wunde am Hals und wie zum Schlaf geschlossenen Augen. Im Durcheinander sah sie Schwarzsturm, die einen verbitterten Kampf mit Schrammenschlag führte. Hasenpfote war ihr zur Hilfe geeilt. Obwohl die Kater mit den Geisterkatzen zahlenmäßig überlegen waren, schlugen sich die Kätzinnen gut, doch schon bald entdeckte sie erschrocken den Grund dafür. Nicht einmal die Hälfte der durchscheinenden Katzen kämpfte. Die meisten hatten sich rund um das Lager versammelt uns sahen auf das geschehen, als wäre es inszeniert. Flammenglut schluckte. Sie wurde nicht schlau aus diesen Gestalten. Sie besann sich und suchte Donnerruf zwischen den Kämpfenden, doch sie konnte ihn nirgends ausmachen. Dafür bemerkte sie Silberteich, die von Rostkralle und Dunkelsturm gleichzeitig angegriffen wurde. Es war ziemlich offensichtlich, dass die Kätzin mit der Situation stark überfordert war. Verzweifelt wehrte sie die Schläge oberflächlich ab, doch ihr Fell war bereits an vielen Stellen zerrissen. Flammenglut biss die Zähne zusammen. Sie musste ihrer Clankameradin helfen, auch wenn das bedeutete, dass sie für Morgenjunges zu spät kommen könnte. Wütend stürzte sie sich auf Rostkralle, um ihm die Krallen über den breiten Rücken zu ziehen. Der Kater ließ von Silberteich ab, die ihr rasch einen dankbaren Blick zuwarf. Flammenglut deutete an, von links anzugreifen, wirbelte aber im letzten Moment doch zur anderen Seite und traf ihren Gegner an der ungeschützten Flanke. Rostkralle jaulte und schlug ein paar mal unsauber nach ihr, doch sie konterte geschickt, sprang über ihn hinweg und riss ihm von hinten die Beine weg. Als der Kater stürzte, sprang sie hoch, konzentrierte ihre gesamte Kraft in ihre rechte Pfote und schlug ihn auf die Stelle zwischen seinen Augen. Sein Kopf sackte zu Boden und sie wusste, dass er in nächster Zeit nicht aufwachen würde. Sie drehte sich zu Silberteich um und bemerkte zufrieden, dass sich die Kätzin tapfer schlug und langsam die Oberhand gewann. Hecktisch ließ Flammenglut ihren Blick wieder über das Kampffeld gleiten, doch sie konnte weder Donnerruf, noch Morgenjunges entdecken. Langsam spürte sie die Angst in sich aufsteigen. Ihr Gefährte hatte die Kleine doch schon von Anfang an töten wollen. Doch wieso hatte er es nicht gleich im Bau getan? Für ihn wäre das doch viel … praktischer gewesen. Sie erschauderte und sprang auf und ab, um einen Blick über das Getümmel zu erhaschen, doch sie blieb Erfolglos. „Flammenglut!“ Die panische Stimme ließ sie zusammenfahren. Es war Himmelpfote, die sich ganz allein gegen eine Geisterkatze verteidigte, die viel größer war, als sie selbst. Ohne nachzudenken, eilte sie der Schülerin zur Hilfe und ließ eine ganze Reihe Schlagkombinationen auf die unbekannte Kätzin niedersausen, doch zu ihrem entsetzten erkannte sie, dass diese keine Probleme hatte, sie abzuwehren. „Sie spielt nur mit uns!“ flüsterte sie Himmelpfote atemlos zu, was sie endgültig durchdrehen ließ. Schreiend warf sich die Schülerin auf den Schatten, und bohrte ihre Zähne in ihre Kehle. Flammenglut war fast überrascht, dass Himmelpfote nicht durch den Körper der Katze hindurch fiel. Aus der Wunde am Hals der Kätzin jedoch, begann silbriges Blut zu rinnen. Der Angriff war überraschend und völlig unerwartet für sie gewesen. Ihre Kontur verblasste und jetzt fiel Himmelpfote tatsächlich auf den Boden. Die Katze verschwand vor ihren Augen vollständig, doch ehe sie zu Atem kommen konnten, nahm eine andere Geisterkatze den Platz der gefallenen ein und stürzte sich Himmelpfote.

    51
    Fünfzig Kapitel Jubiläums Extra: D

    Hier habe ich eine Übersicht der Songs erstellt, die ich den einzelnen Charakteren zugeordnet habe: (es ist noch nicht ganz fertig)

    Himmelpfote: Lafee- Ring frei
    Frostflügel: Echosmith – Cool Kids
    Pechherz: Bring me the Horizon – Can you fell my heart
    Hauchpfote: Wake me up when September ends/ Death Note – L´s Theme
    Salbeiblatt: Django Unchained – Freedom / Ben Cocks- So cold
    Mondschein: Evanescence – the change
    Kota: SDP- Ich muss immer an dich denken / Linkin Park – Nobodys Listening
    Lichtpfote: Juli – ich verschwinde / Birdy – Strange Birds
    Windherz: Johnny Cash – Hurt
    Schneeblume: Linkin Park – Until it breaks / Blue Stahli - Metamorphosis
    Fleckensturm/Tupfenwirbel: Evanscence- my heart is broken
    Tannenkralle: Lafee - 7 Sünden / So wie du bist - Dame
    Finsterherz: Woodkid – run boy run/ Xavier – sie sieht mich nicht / Unheilig – Sternbild
    Moorpfote: Anna F. - too far
    Eisenwind: Evenescence – snow white queen
    Eichelpfote: Aggro Santos – Candy
    Wolkenbruch: Culcha Candela – Move it
    Sonnenkralle: Skillet – Madness in me
    Takka: SDP – Nervensäge
    Bussardstern: Slipknot – Duality / Linkin Park – Keys to Kingdom
    Klay: Cro – bad chick
    Donnerruf: Skillet- Circus for a psycho
    Nebelhauch: Evanescence - Missing
    Morgenjunges: 3OH!3 – I´m not the one
    Flammenglut: Avril Lavigne – heres to never growing up/ Linkin Park – When they come for me
    Wasserschrei: Avril Lavigne – Hello Kitty
    Sumpfpfote: Sido – Der Himmel soll warten
    Hasenpfote: Sung Joon – Jaywalking
    Farnkralle: Flo Rida – How I feel
    Honigpfote: Adele – Set fire to the rain
    Beerenfrost: Linkin Park – War
    Schwarzsturm: Linkin Park – Victimized / Two steps from hell – wrath of sea / Nickleback - Animals
    Kupferlicht: Gladiator – Now we are free
    Feuerschweif: All The Right Moves
    Schattensturm: Paradise City - Guns N Roses
    Kirschblüte: Kim Jaejoong – Mine
    Nachtfell: PVRIS – White Noise
    Efeupfote: Firefox Ak – Boom Boom Boom
    Silberhauch: Lorde – Yellow Flicker Beat
    Silberteich: Auf uns - Andreas Bourani
    Rubinherz: Ich ging wie ein Ägypter




    52
    Frostflügel folgte Kota mit einigem Abstand durch das kleine Zweibeinerdorf. Bisher hatte er sie nicht bemerkt, trotzdem wurde sie immer nervöser, je näher sie dem Lager kamen. Schließlich lag das Feld vor ihr. Kota war nur noch ein kleiner, roter Punkt kurz vor dem Waldrand. Sie wartete, bis er ganz verschwunden war, ehe auch sie los rannte. Fluchend stolperte sie über einen Stein, fing sich aber schnell wieder. Als sie endlich den Waldrand erreichte, war sie völlig außer Atem. Keuchend setzte sie sich erst einmal, um ihren Herzschlag zu beruhigen. Doch plötzlich hörte sie Schritte, die zielstrebig und schnell auf sie zusteuerten. Frostflügel, die mit Kota rechnete, sah sich verzweifelt nach einem Versteck um, doch es war zu spät. Der Kater, der aus dem Gebüsch vor ihr brach, würdigte ihr allerdings keines Blickes, sondern rannte an ihr vorbei übers Feld. „Donnerruf?“ flüsterte Frostflügel verwundert. Dann fiel ihr auf, dass er etwas im Maul trug. Ein kleines, oranges Fellbündel, das jämmerlich Fiepte. Sie hatte keine Gelegenheit mehr, ihn aufzuhalten, sondern starrte ihm nur mit offenen Maul hinterher. Etwas Stimmte da ganz und gar nicht. Wieso sonst sollte ein Kater, der die Unterdrückung unterstützte, mit einem Jungen davonlaufen, das allen Augenschein nach weiblich war. Schnell drehte sie sich um und rannte auf das Lager zu. Schon bald konnte sie die ersten Schreie ausmachen. Kota hatte Recht. Sie kämpfen, deshalb konnte Takka ihnen nicht folgen. Vorsichtig nährte sie sich dem Kampfplatz, inzwischen war das Schreien zu einem Ohrenbetäubenden Geheul angestiegen. Vorsichtig schlich sie sich zur Rückseite des Lagers und suchte die Stelle, durch die sie sich oft nach draußen geschlichen hatte. Tatsächlich war das Loch immer noch nicht ausgebessert worden. Sie schlüpfte hindurch. Noch versperrte ihr der Bau der Kätzinnen die Sicht. Ihr fiel auf, dass sie Wände verstärkt worden waren. Irgendetwas musste passiert sein. Sie presste sich ganz dicht an die stabile Wand und schob dann langsam ihren Kopf vor, um um die Ecke zu spähen. Das erste was sie sah, was Fliederdufts Leiche, die sie aus leeren Augen anklagend anstarrte. Entsetzt sprang Frostflügel zurück. Ein eisiger Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Zitternd wagte sie einen zweiten Versuch und achtete angestrengt ihren Blick von der Stelle fernzuhalten, an der die Kätzin lag. Ein Schrei, ganz in ihrer Nähe ließ sie aufhorchen. Es war Hasenpfote, die ganz allein gegen eine Katze kämpfte, die … ganz offensichtlich nicht lebendig war. Obwohl sie ziemlich lebendig kämpfte und sie ihre Krallen auch ziemlich lebensecht in Hasenpfotes Schulter bohrten. Doch Frostflügel konnte durch ihren Körper hindurch sehen. Eine halbe Ewigkeit starrte sie die fremde Katze an, dann schrie Hasenpfote erneut. Sie war an der Kehle getroffen worden und blutete gefährlich. Ohne nachzudenken sprang Frostflügel vor ihre alte Freundin und wehrte den nächsten Schlag der Fremden ab, der der Schülerin wahrscheinlich den Rest hatte geben sollen. Hinter sich hörte sie Hasenpfote erstaunt aufatmen hören. „Frostpfote? Ich dachte du wärst entführt worden …?“ Frostflügel konnte sich ein schwaches Lächeln nicht verkneifen. Geschickt sprang sie vor und zurück. Durch die sinnlose Wanderung hatte sie eine erstaunliche Ausdauer entwickelt und dank Kotas Training waren ihre Schläge sicher und gefährlich. Blitzschnell sprang sie vor, als die Katze gerade ihre Deckung vernachlässigte, schlängelte sich zwischen ihre Pfoten hindurch und schlug ihr die Zähne in die Kehle. Erstaunt bemerkte sie, dass das Blut der Fremden Silber war. Die Katze verblasste und verschwand vor ihren Augen. „W-wer sind die?“ fragte sie entsetzt, als eine neue Katze die Stelle ihrer unglücklichen Vorgängerin einnahm. Hasenpfote, die sich anscheinend von ihrem Schock erholt hatte, trat neben sie und half ihr, die Schläge abzuwehren. „Sie sind einfach im Lager aufgetaucht. Niemand weiß so genau, was sie eigentlich wollen.“ Noch verwirrter kämpfte Frostflügel weiter, als ihr plötzlich etwas einfiel. „Ich heiße jetzt Frostflügel.“ sagte sie mit stolz in der Stimme. Verwundert sah Hasenpfote sie an. „Hä, von wem ...“ „Erzähl ich dir später.“

    53
    Honigpfote riss sich nur mühsam von Finsterherz überraschten Blick los. Reden konnten sie später, jetzt hieß es kämpfen. Entschlossen rannte sie auf ihn zu, steuerte dann aber im letzten Moment zur Seite und warf sich auf Krähenschwinge, der sich von hinten an den Kater angeschlichen hatte. Überrascht jaulte dieser auf und schüttelte sie ab, doch sie hatte bereits erreicht, was sie wollte. Finsterherz fasste sich wieder und bemerkte den Hinterhalt. Bevor Krähenschwinge sie schlagen konnte, hatte er seine Pfote abgefangen und ihm seine Zähne in die Schulter gebohrt. Honigpfote sprang wieder auf den Rücken ihres Angreifers und trommelte auf seine Ohren ein. Schwarzsturm hatte erzählt, dass das den Gleichgewichtssinn störte und tatsächlich begann der Kater zu schwanken. Ob das tatsächlich an ihren Schlägen lag oder an Finsterherz Biss konnte sie nicht genau sagen. Sie stieß ein lautes Jaulen aus, um den Sieg zu verkünden, doch ihre Freude währte nicht lange. Während Krähenschwinge floh, wurden sie bereits von einer der seltsamen Katzen angegriffen. Es war einer der wenigen Kater. Seine Krallen bohrten sich in Finsterherz Seite, als dieser noch seinem besiegten Gegner hinterher sah. Honigpfote schrie entsetzt auf und wischte dem Kater ihre Krallen durchs Gesicht, doch dass schien ihm nichts auszumachen. Finsterherz sah wütend aus und gab den Kater eine wohl gezielte Ohrfeige. Zuerst war Honigpfote ein wenig verwirrt darüber, doch dann erkannte sie die Taktik dahinter. Der Kater stolperte verdutzt ein wenig zur Seite und rempelte dabei Beerefrost an, der sowieso schon von allen Seiten attackiert wurde und überstürzt reagierte. Weil er mit einem weiteren Gegner rechnete, wirbelte er herum und donnerte dem Kater ohne zu zögern seine Krallen in den Hals. Erst als der Kater verblasste, bemerkte er bestürzt seinen Fehler, doch es war zu spät. Tannenkralle, warf Beerenfrost zu Boden und Feuerschweif war sofort über ihm. Zufrieden wandte Finsterherz sich ab und suchte nach einem neuen Gegner, doch er sah alles andere als glücklich aus. Honigpfote ahnte, dass er sich vorwürfe machte, weil er diesen Kampf angezettelt hatte. „Es wäre früher oder später sowieso passiert.“ sagte sie beruhigend, doch Finsterherz sah nicht sonderlich überzeugt aus. „Hast du Lichtpfote gesehen?“ fragte er stattdessen. Das gab Honigpfote einen Stich und sie senkte rasch den Blick, um ihre Verletzbarkeit zu verbergen. „Sie ist im Bau geblieben, um Flammenglut und Silberhauch bei den Jungen zu helfen.“ Erinnerte sie sich. Sie verstand immer noch nicht, warum die Schülerin nicht mitkämpfen wollte. Sie konnten jetzt wirklich jede Katze gebrauchen. „Willst du sie suchen?“ fragte sie, als Finsterherz nicht reagierte, doch der Kater schüttelte zu ihrer Erleichterung den Kopf. „Komm, wir helfen Schattensturm.“ Er deutete auf die schwarze Kätzin, die sich mit wild glühenden Augen gegen drei Angreifer gleichzeitig verteidigte. Sie schlug sich gut, doch sie war deutlich überfordert. Honigpfote lächelte still. Sollte Lichtpfote doch bei den Königinnen hocken. Sie würde jetzt an Finsterherz Seite kämpfen.

    54
    Nebelhauch starrte auf Salbeiblatts Leiche, dann sah sie zu ihren Jungen hinüber, die mit leeren Augen und verdrehten Hälsen am Boden lagen, wie zerbrechliches Spielzeug, das achtlos hingeworfen wurde. Schließlich glitt ihr Blick zu den beiden Lebendigen Jungen zurück, die hilflos fiepend nach ihrer Mutter suchten. Doch Salbeiblatt war tot. „Sie hat sie dir überlassen.“ sagte Silberhauch leise, während sie Abendjunges und Funkenjunges beruhigte. Nebelhauch beobachtete Dunkeljunges, der sich verzweifelt an Kriegerjunges drückte. Ihr Blick wanderte noch einmal zu Krokusjunges und Minzjunges zurück und unbegreiflicher Schmerz erfüllte ihr Herz. „Meine Jungen.“ Ihr Blick wurde warm, als sie Salbeiblatts Kinder an sich zog und begann, sie sanft abzulecken. Silberhauch lächelte traurig. „Dies ist kein guter Ort für Jungen mehr.“ sagte Lichtpfote betrübt. „Zu viel tot.“ Sie setzte über Sturmgebrülls Körper hinweg und spähte vorsichtig aus dem Eingang, doch es hatte sich nichts verändert. Der Kampf hatte sich lediglich etwas in den hinteren Teil des Platzes verlagert. „Wir sollten hier weggehen.“ murmelte sie leise. Nebelhauch reagierte nicht, sondern summte nur leise vor sich hin, während sie am ganzen Körper zitternd über die Jungen strich, die die Milch tranken, die für Minzjunges und Krokusjunges bestimmt gewesen war. Silberhauch schüttelte den Kopf. „Ich bleibe mit Flammengluts Jungen hier. Sie würde in die Luft gehen, wenn sie zurück kommt und die anderen beiden auch noch weg sind.“ „Außerdem wäre es feige jetzt wegzurennen. Geh nach draußen und kämpfe, Lichtpfote. Silberhauch und Nebelhauch kommen schon klar.“ Es war Eichhornflucht, die sich stöhnend aufrappelte. Lichtpfote wollte ihr widersprechen, doch ihr fiel kein plausibler Grund ein, außer, dass sie überleben wollte und das wollten alle. Eichhornflucht drängte sich an ihr vorbei, sie konnte sich kaum auf den Beinen halten und Lichtpfote wusste nur zu gut, dass sie als Königin auch in ihrer Bestform nicht besonders gut kämpfen konnte. Doch die Augen der Kätzin waren erfüllt von Hass und Wut, die sie gefährlich machte. Ohne zu zögern warf sich die rote Kätzin in das Kampfgetümmel, um ihren ersten, richtigen Kampf anzutreten. Lichtpfote machte ein paar Schritte auf den Eingang zu, drehte sich aber auf halber Höhe noch einmal um. Silberhauch warf ihr einen eindringlichen Blick zu. „Sogar Moorpfote kämpft da draußen.“ sagte sie leise. Lichtpfote wollte fragen, woher sie das wusste, doch dann viel ihr das Temperament ihrer ehemals bester Freundin ein. Niemals würde sie zusehen wie andere sterben, ohne nicht alles getan zu haben, um sie zu retten. Sofort fühlte sie sich schuldig. Sie sprang nach draußen und kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. Kirschblüte hatte ihre Stellung vor dem Bau wieder eingenommen. Etwas weiter weg kämpfte Mondschein neben Nachtgeflüster und Tannenkralle arbeitete perfekt mit Feuerschweif zusammen. Sie entdeckte Finsterherz in der Masse, der zu ihrer Verwunderung mit Honigpfote zusammen war. Und da waren auch Farnkralle und Windherz, die gegen drei Geisterkatzen kämpften. Keiner schien alleine zu sein. Nur sie. Sie wollte sie gerade einer Gruppe Schülerinnen anschließen, als sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung bemerkte. Es war Schneeblumes leuchtend weißer Pelz, der sich stark von den dunklen Fell seiner Partnerin abhob. Es war eine dunkelgraue Kätzin, die sie noch nie gesehen hatte. Zweifellos stammte sie nicht aus dem Clan und sie gehörte auch nicht zu den Geisterkatzen. Trotzdem verstanden sich die beiden wortlos, genau wie sie es bei Tannenkralle und Feuerschweif gesehen hatte.

    55
    Schwarzsturm wusste beim besten Willen nicht, wie lange sie noch kämpfen konnte. Oranges Licht zwischen den Bäumen kündete von einem wahrscheinlich traumhaften Sonnenuntergang, doch waren bereits überall im Lager Schatten aufgetaucht, die den Beginn der Nacht voraussagten. Es wurde Zeit das sich der Kampf entschied. Die Bewegungen der Kätzin wurden mit jedem Schlag kraftloser und ihre Beine begannen unter ihr zu zittern. Hasenpfote, die zusätzlich auch noch sehr viel Blut verloren hatte, taumelte nur noch hinter ihrer Mentorin her, ohne ihr ein große Hilfe zu sein. Schwarzsturm war beeindruckt, dass sie sie überhaupt noch auf den Beinen hielt. Es war noch gar nicht so lange her, das die kleine Kätzin ein Junges gewesen war. Bei dem Stichwort warf sie einen besorgten Blick zum Bau, doch es schien soweit alles in Ordnung zu sein. Kirschblüte stand, zitterte aber und sah ähnlich erschöpft aus wie Schwarzsturm sich fühlte. Sie brauchten jetzt einfach eine Pause, das führte doch sonst zu nichts. Zu ihrer Befriedigung sah auch die Gegenseite nicht mehr so selbstsicher aus. Viele der Kater waren verwundet oder hielten sich nur noch mit Mühe auf den Beinen. Jedoch hatten sie die Geisterkatzen auf ihrer Seite, deren Zahl zwar gesunken war, aber die dafür allesamt noch kampfbereit wirkten. „RÜCKZUG IN DEN WALD!“ brüllte Schwarzsturm so laut sie konnte und sofort wendete sich die Richtung des Kampfes. Feuerschweif und Tannenkralle drängten einen letzten Gegner zurück, dann verschwanden sie mit großen Sprüngen im Wald. Aus allen Ecken des Lagers lösten sich Katzen aus den Schatten. Nachtfell taumelte auf Schwarzsturm zu, bedeckt von Wunden, doch das meiste schienen nur Kratzer zu sein. Die Katze an ihrer Seite, Schwarzsturm identifizierte sie nur mit Mühe als Silberteich, war deutlich schlechter davongekommen. An ihrer Schulter war das Fleisch so tief aufgerissen, dass der Knochen sichtbar wurde und die Kehle der Kätzin sah aus wie eine einzige Wunde. „Wir müssen sie zu Samenflug bringen.“ ordnete Schwarzsturm entsetzt an, doch Nachtfell schüttelte den Kopf. „Samenflug ist tot. Sie hat Silberteich das Leben gerettet.“ Traurig blinzelte die Kätzin zu Boden. „Dann sollten wir dafür sorgen, dass sie nicht umsonst gestorben ist. Moorpfote?“ „Sie lebt. Samenflug hat sie zu Beginn des Kampfes zur Heilerin ernannt. Sie heißt jetzt Moorschweif.“ Schwarzsturm nickte knapp. „Bring Silberteich in Sicherheit. Ich versuche Moorschweif zu finden.“ „Das wird nicht nötig sein.“ verkündigte eine Stimme hinter Schwarzsturm. Sie fuhr herum. Moorschweif stand aufrecht, mit brennendem Blick. Zwei weitere, schwerverwundete Katzen lehnten sich an sie, doch auch sie selbst war über und über bedeckt mit Kratzern.

    56
    Als Efeupfote Schwarzsturms ruf hörte, flitzte sie sofort zum Hinterausgang des Lagers, um von dort aus in den Wald zu gelangen. Doch gerade als sie glaubte, entkommen zu sein, stellte sich ihr eine der Geisterkatzen in den Weg. Hektisch sah sie sich nach Unterstützung um, doch die meisten Katzen waren bereits durch den Hauptausgang geflohen. Die Fremde grinste höhnisch und warf sich auf sie, doch Efeupfote war inzwischen viel zu sehr geschwächt zum kämpfen. Stöhnend ließ sie sich auf den Boden sinken. Das Gewicht der Kätzin drückte ihr die Luft aus der Lunge. Halbherzig versuchte sie, sich unter ihrer Gegnerin hervor zu winden, doch es gelang ihr nicht. Sie wurde seltsam müde und alles schien ihr plötzlich so … egal. Fast wünschte sie sich, für immer liegen bleiben zu können. Die Welt um sie herum verschwamm zu einer seltsam grauen Masse. Langsam schloss sie die Augen. Doch plötzlich war das Gewicht verschwunden und der Traum vorbei. Alles um sie herum war mit einem mal viel zu laut. „Efeupfote, steh auf!“ zischte jemand, ganz dicht bei ihrem Ohr. „Will … nicht.“ grummelte sie leise. „Los, mach die Augen auf.“ Das Flüstern wurde drängender und sie spürte, wie jemand an ihre Schulter ruckelte. „Lass mich.“ „Efeupfote, reiß dich endlich zusammen!“ Nun war die Stimme hart und ließ keinen Widerspruch zu. Widerwillig schlug sie die Augen auf. Vor ihr saß eine Katze. Sie konnte nur verschwommene Umrisse aus machen, bis sie den eisig blauen Blick des anderen bemerkte. „Splitterpfote …?“ Der Kater schnaubte leise, aber es klang eher erleichtert, als genervt. „Na Endlich. Komm schon, wir müssen hier weg.“ Er drängte sich neben sie und half ihr aufzustehen, doch sobald sie einigermaßen aufrecht war, wurde ihr wider schwarz vor Augen. Splitterpfote schlüpfte blitzschnell unter sie, sodass sie quer über seinem Rücken lag, als er sich aufrichtete, nur ihre Pfoten striffen ganz leicht den Boden. Langsam und Vorsichtig schob er sich durch den winzigen Ausgang und hätte sie dabei fast fallen gelassen, doch im letzten Augenblick fand er das Gleichgewicht wieder. „Ich dachte … du ...böse …?“ murmelte Efeupfote, bereits im Halbschlaf. „Ich bin nicht böse.“ sagte er beruhigend, doch seine Augen trübten sich. „Jedenfalls nicht zu dir.“ fügte er nach einer Weile hinzu, doch da war sie bereits eingeschlafen.

    57
    Honigpfote huschte dicht neben Finsterherz durch das Unterholz, wie auf ein unsichtbares Zeichen trugen sie ihre Pfoten wie von selbst zu der großen Eiche. Auch die meisten anderen Katzen hatten sich dort versammelt. Es sah schrecklich aus. Moorschweif rannte zwischen den am Boden liegenden Katzen hin und her und versuchte die schlimmsten Wunden mit Kräutern zu verarzten, die sie notdürftig im Wald gefunden hatte. Schwarzsturm saß mit zerrissenem Pelz neben ihrer Schülerin Hasenpfote. Die kleine Kätzin atmete nur noch schwach und ihre Augen waren trüb geworden. Feuerschweif und Tannenkralle lagen dicht aneinandergedrängt etwas abseits, doch sie hielten die Ohren wachsam gespitzt und ihre unruhigen Blicke verrieten ihre Nervosität. „Sie werden uns keine Pause gönnen.“ Honigpfote wandte den Kopf und erkannte Kirschblüte, die mit Flammenglut flüsterte. Vor den Pfoten der roten Kätzin saßen zwei Jungen, die sich ängstlich umblickten. „So doof sind selbst die nicht.“ Flammenglut nickte langsam, doch sie schien nicht wirklich zuzuhören. Immer wieder spähte sie in die Ferne, als erwarte sie jemanden. Honigpfote hielt nach anderen Schülern Ausschau, doch als sie niemanden außer Hasenpfote entdeckte, hielt sie sich an Finsterherz, der sich zu Farnkralle und Schneeschweif gesellte. „Windherz?“ fragte er mit brüchiger Stimme. Honigpfote erinnerte sich, dass dieser Kater einmal sein Mentor gewesen war. Farnkralle schüttelte langsam den Kopf. „Er wollte Bussardstern folgen. Er ist … tot.“ Finsterherz nickte nur und sah sich weiter um. Inzwischen war es sehr still geworden, nur hin und wieder fluchte jemand oder schluchzte verzweifelt auf. Die letzten Katzen kämpften sich ihren Weg durchs Dickicht. Erfreut erkannte Honigpfote Splitterpfote, der die bewusstlose Efeupfote trug. Sie schien in einem sehr schlechten Zustand zu sein, aber sie hatte überlebt. „Sie haben uns umzingelt.“ Die Worte waren kaum mehr als ein Flüstern, trotzdem lagen sie viel zu schwer in der Luft. Honigpfote suchte in der Menge nach dem Sprecher, doch sie konnte ihn nicht finden. Jede Katze die noch stehen konnte ging in Abwehrhaltung. Schwarzsturm stellte sich schwankend vor ihre im sterben liegende Schülerin und plusterte ihr rot durchtränktes Fell auf. Flammenglut und Nebelhauch schoben ihre Jungen zusammen und bildeten einen schützenden Ring um sie. Der Angriff kam plötzlich und vollkommen unerwartet. Im Nachhinein konnte Honigpfote gar nicht sagen, was genau passiert war, alles ging viel zu schnell. Plötzlich war Sonnenkralle aus dem Unterholz gesprungen, ganz allein hatte er sich auf die nächstbeste Katze gestürzt. Weitere Angreifer blieben aus. Der Kater musste einen Alleingang unternommen haben. Bevor auch nur irgendjemand die Situation verstehen konnte, ertönte ein lauter Schrei, daraufhin ein dumpfer Aufprall. Stille. Dann wieder ein Schrei, doch diesmal war er zornig und verzweifelt. Eine Katze stürzte sich auf Sonnenkralle und riss ihn zu Boden, dann war wieder alles Ruhig. Honigpfote wagte kaum zu Atmen. Ein schluchzen kam von der Stelle, an der der Kampf stattgefunden hatte. Langsam schlich sie näher. Als erstes sah sie Sonnenkralles Leiche. Der Anblick erschreckte sich nicht sonderlich. Sie hatte zu viele Freunde sterben sehen. Dann erkannte sie den Umriss einer Katze, die sich über den Körper einer anderen gelehnt hatte. Erst jetzt bemerkte sie, wie dunkel es geworden war. „Pfefferschatten, bist du das?“ fragte eine Stimme rechts von ihr. Die Kätzin fiepte leise auf. „Es ist Takka.“ stammelte sie. Ihre Stimme klang ungläubig. Jetzt erkannte auch Honigpfote Pfefferschattens Geruch, der von dem Gestank des Blutes fast überlagert wurde. Jemand drängelte sich unsanft an ihr vorbei. „Takka? Takka, wach auf!“ Die Stimme war hart und ließ keine Widerrede zu. Kota. Er war also zurück gekommen. Doch nichts rührte sich. Pfefferschattens schluchzen wurde lauter. „Hey, Brüderchen.“ Takkas Stimme war unendlich leise, doch jeder auf der Lichtung hörte ihn. „Ich hab dich lieb. Tut mir leid, ist alles nicht so nach Plan gelaufen.“ Honigpfote spürte, wie sich der Körper neben ihr verkrampfte. „Ich … Tannenbaum, pass auf Pfeffer auf, ja?“ Die Stimme der Katers ging in einem Gurgeln unter. „Glaub ja nicht, du könntest einfach so abhauen.“ Pfefferschattens Stimme zitterte. Doch es war zu spät. Takka starb und in dem Moment, als sein Atem zum letzten mal als Eiswölkchen in den Himmel stieg, ging ein Blutroter Mond auf. Honigpfote starrte wie verzaubert nach oben. Dann explodierte die Welt um sie herum.

    58
    Kota starrte auf den Körper seines Zwillings. Mit Takka war ein Teil seiner selbst gestorben, zerbrochen in tausend Stücke. Er hörte nichts mehr, sah nichts mehr, fühlte nichts mehr. Alles war plötzlich in weite Ferne gerückt. Pfefferschattens Weinen verklang in seinen Ohren und mischte sich mit dem Schlagen seines Herzens. Das einzige, was ihn daran erinnerte, am Leben zu sein. ER war noch am Leben. Und plötzlich zerriss die Stille. Aus Dunkel wurde Licht und aus Ruhe brüllender Lärm. Das muss der Schmerz sein, dachte Kota, doch sein Herz fühlte sich noch immer so taub an, wie der Rest seines Körpers. „KOTA!“ Ein Schrei voller Panik riss ihn in die Wirklichkeit zurück. Er blinzelte, doch es blieb blendend hell. Doch von irgendwo her drang Frostflügels Verzweiflung an sein Ohr. „Kota, was ist das? Es ist so hell! Sterben wie? Ist das der Tod?“ Der Kater kniff noch einmal fest die Augen zusammen, doch es brachte nichts. Das Licht machte ihn blind. „Was ist das?“ Das war die Stimme einer Schülerin ganz dicht an seinem Ohr. „Da war doch eben noch der Mond ...“ Kota blieb seltsam ruhig und starrte in das pulsierende, weiße Leuchten. Und dann spürte er sie. Ihre Anwesenheit war schmerzlich und grell, voller Verzweiflung und doch erfüllt von unendlicher Liebe. „Mein Junges. Mein geliebter, kleiner Sohn.“ Ihre Stimme schien von überall zu kommen. Er spürte sie als Vibration in seinen Muskeln und konnte ihre Trauer schmecken, ihre Angst riechen. „Mutter?“ Seine Stimme klang brüchig und klanglos. Stille. Aber dann flaute das Licht ab und langsam wurde es wieder dunkler. Trotzdem dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis Kota wieder die Umrisse der anderen Katzen ausmachen konnte. Es sah Frostflügel, ihr weißes Fell war blutverschmiert, hob sich aber trotzdem auffällig von der plötzlichen Dunkelheit ab. Verdammt, hatte er ihr nicht gesagt, sich vom Lager fernzuhalten? Seine Wut verpuffte wie, als er die Katzen bemerkte und er fragte sich, wie es ihm gelungen war, sie so lange zu übersehen. Es waren viele. Wie ein Meer aus Sternen umringten sie die Verzweifelten und verletzten Clankatzen. Ihre Pelze schimmerten im Schein des blutroten Mondes, doch das war nichts im Vergleich zu den Scherben aus reinem Licht, die sich in ihren Fellen verfingen und wie tausende, winzige Sternschnuppen um ihre Pfoten wirbelten. Kota konnte die Ruhe und Liebe, die sie ausstrahlten, fast aus der Luft greifen. Doch da war noch mehr. Langsam senkte sich sein Blick. Takka lag unverändert da. Das Blut an seiner Kehle war inzwischen geronnen und zeugte von der Brutalität, mit der er getötet worden war. Einen Widerspruch dazu bildete allerdings sein Gesicht. Es war so entspannt, als würde er nur friedlich schlafen. Langsam sah Kota hoch, um ihr direkt in die Augen zu blicken. Unendliche Traurigkeit war tief in ihrer Seele verankert, trotzdem erkannte er auch die Liebe, mit der sie ihn ansah. „Ich wollte euch beschützen.“ Ihre Stimme war wie ein Flüstern im Wind. Kota schwieg. Er glaubte nicht, das er das, was er fühlte, in Worte fassen könnte. Dafür trat Schwarzsturm vor. Ihre Stimme klang verständnisvoll und warm, als sie sprach. „Wer seid ihr? Warum seid ihr gekommen?“ Kupferlicht wandte sich zu der schwarzen Kätzin um und schenkte ihr ein sanftes Lächeln. „Wir sind der Sternenclan. Wir sind die Seelen der Verstorbenen. Unsere Aufgabe war es, über euch zu wachen.“ Schwarzsturm sah sie irritiert an. „Wenn ihr uns beschützen solltet, wo wart ihr dann so lange. Wir hätten euch schon vor Monden gebraucht.“ „Damals geschah etwas schreckliches.“ erwiderte Kupferlicht leise. „Eine Kätzin gebar zwei Jungen, deren Herzen voller Hass und Dunkelheit waren. Grund dafür, war ihre Mutter selbst. Sie ließ ihre Kinder verkommen und sorgte dafür, dass diese Finsternis in ihren Herzen tiefe Wurzeln schlug. Es waren ein Kater und eine Kätzin. Wir allerdings ließen uns täuschen. Wir sahen die größte Gefahr in dem kleinen Kater. Und tatsächlich war er auch derjenige, der später die Kätzinnen versklavte und den Clans in das verderben riss. Wir hätten ihm nie die neun Leben eines Anführers gegeben, aber -“ „Ein Anführer bekommt … neun Leben?“ unterbrach Schwarzsturm sie entsetzt. „Also hat Bussardstern ...“ Kuperlicht nickte traurig. „Wir achteten nur auf den Kater und übersahen seine Schwester, die in seinem Schatten ihre dunklen Pläne schmiedete. Sie ließ sich kurz vor dem großen Kampf von ihrem Bruder töten, um in den Sternenclan zu gelangen. Wir durchschauten ihre List viel zu spät. Sie hatte ihren Hass viel zu tief in ihrem Herzen verborgen, wir konnten ihn nicht sehen. Für uns war sie nur eine bedauernswerte Kätzin, die ihrem eigenen Bruder zum Opfer gefallen war. Wie dumm wir doch waren. Als ihr Bruder an die Macht kam, überreichte sie ihm die neun Leben. Natürlich kamen wir dahinter und verstießen sie in den Wald der Finsternis, doch es war zu Spät. Kreuzstern war nun der Anführer des Clans. Doch der Plan seiner Schwester war noch nicht vollendete. Sie hetzte den Wald der Finsternis – das ist der Ort, an dem die Seelen der Katzen gebunden sind, wenn sie ein böses Herz hatten – gegen uns auf. Es folgte ein weiterer großer Kampf, hoch im Himmel. Die Katzen des Sternenclans traf ihr Angriff völlig unvorbereitet. Sie trauerten noch immer um das Schicksal der Kätzinnen und Ausgestoßenen. Der Wald der Finsternis jedoch war so stark wie noch nie. Sie verdrängten uns und hielten uns gefangen. Es war als wären wir von Meterhohen Wänden umgeben. Wir konnten euch nicht mehr sehen und ihre vergaßt uns. Doch noch immer was Wasserschreis Plan noch nicht vollständig aufgegangen. Sie wollte den Katzen der Finsternis ihre Körper zurück geben und noch etwas anderes. Etwas, das ihnen selbst fehlte. Mut durch Hoffnung. Willenskraft, die sich an einen winzigen Funken klammerte. Wenn sie etwas solches Fühlen könnten, stände ihnen die Welt offen. Keiner könnte sie mehr in ihre Schranken weisen. Also wartete Wasserschrei viele Generationen lang darauf, dass sich irgendwann Rebellion in den Herzen der Kätzinnen bildete. Und tatsächlich, bei euch hatte sie Glück. Sie zog mit ihren Anhängern in euer Lager ein, doch es gab noch ein großes Hindernis für sie. Der Körpertausch funktioniert nur mit der Einwilligung beider Seiten. Sie musste euch also irgendwie dazu bringen, eure Körper und euren Mut freiwillig herzugeben.“ „So wie Fleckensturm.“ murmelte Schwarzsturm andächtig. Kupferlicht riss erstaunt die Augen auf. „Du weißt von Fleckensturm? Das ist außergewöhnlich. Normalerweise hättest du alles über sie vergessen müssen oder durch Erinnerungen mit Tupfenwirbel austauschen müssen.“ Schwarzsturm nickte. „Ich bin nicht die einzige. Auch Hauchpfote wusste noch von ihr.“ Die Kätzin schwieg kurz, dann fragte sie zögernd: „Und warum hat sich Tupfenwirbel dann trotzdem für Bussardstern geopfert? Sie liebte ihn doch gar nicht, oder doch?“ Kupferlicht lächelte. „Nein, Tupfenwirbel liebte Bussardstern tatsächlich nicht. Aber sie trug noch einen Teil von Fleckensturm in sich. Ihr Mut. Und der beruhte einfach nur auf ihrer Liebe zu Bussardstern und war so stark, dass Tupfenwirbel sich ihm nicht widersetzen konnte.“ Kupferlicht schwieg kurz, bevor sie mit gequälter Miene fortfuhr. „ Ich will die Geschichte zu Ende bringen. Wir waren noch immer gefangen, aber wir spürten die Veränderung. Ich … Ich konnte meine Kleinen nicht sehen, aber ich wusste immer, wie es ihnen ging. Als Takka starb, da ...“ Die Stimme der Kätzin versagte. Schwarzsturm fuhr mit sanfter Stimme für sie fort. „Da war deine Wut und deine Liebe so groß, dass sie stark genug war, diese Wand zu durchbrechen und den Sternenclan zu befreien. Habe ich recht?“ Kupferlicht nickte. „So war es. Der Clan der Finsternis hat sich zurückgezogen. Sie kommen nicht mehr gegen uns an. Wir lassen uns nicht mehr einsperren. Von nun an werden wir wieder über euch wachen.“ „Ja von nun an werden wir über euch wachen.“ Die Stimme klang dünn und hoch und plötzlich schlängelte sich ein winziges Kätzchen hinter Kupferlicht hervor. „Minzjunges!“ Nebelhauch hatte aufgeschrien und starrte ihre kleine Tochter zu Tränen gerührt an. „Ja, wir sind immer bei dir.“ bestätigte Krokusjunges fröhlich und trat neben seine Schwester. Schwarzsturm schluchzte laut auf, als Hasenpfote auf sie zukam. Der Pelz der kleinen Kätzin war wieder glatt und ihre Wunden verheilt. Sternenlicht spielte um ihre Pfoten. Kota verschlug es die Sprache, als plötzlich Takka neben seiner Mutter erschien und stürmte zu ihm, um sich dicht an ihn zu drängen. „Du bist nicht fort.“ flüsterte er leise. Takka schüttelte grinsend den Kopf. „Aber Brüderchen, wie könnte ich dich denn alleine lassen.“ Auch die anderen Katzen fanden für immer verloren geglaubte Verwandte und Freunde wieder. Nachtfell und Schattensturm unterhielten sich mit ihrer Mutter Dunkelblume und Staubwirbel stand plötzlich neben Frostflügel.

    59
    Nachtfell blinzelte, doch Dunkelblume blieb und lächelte sie und ihre Schwester sanft an. Noch immer konnte sie kaum glauben was gerade geschehen war. Eben hatten sie noch gekämpft und jetzt … Ganz langsam drängte sich ein Wort in ihr Bewusstsein, das ihren Herzschlag beflügelte und sie ihre Schmerzen vergessen ließ. Sie waren frei. Noch schien es unwirklich, wie die Morgendämmerung nach einer unendlichen Nacht. „Wir sind … frei.“ flüsterte sie, was ihre Gedanken beherrschte, so zögernd, als würde sie eine fremde Sprache sprechen. Schattensturm blickte sie an, erst verwundert, dann begreifend und nahm die Wahrheit in sich auf. All ihr hoffen, all ihr Mut, ihre Opfer, das alles war nicht umsonst gewesen. Und dann überkam überwältigende Freude ihr Herz, so stark und so mächtig, dass es ihnen Tränen in die Augen trieb. „WIR SIND FREI! FREI! ENDLICH FREI!“ Die Worte explodierten förmlich in ihren Kehlen und malten neue Träume in die Luft, ungeahnte Möglichkeiten. Plötzlich hatten sie eine Zukunft. Eine nach der anderen fielen die Katzen in das Siegesgeschrei ein, Kater wie Kätzin, Kämpferin wie Königin, Tannenclan wie Sternenclan. Ihr heulen entsprang tief in ihrer aller Herzen und erfüllte die Stille der Nacht mit dem Lied der Hoffnung und des Sieges. Erst als der rote Mond dem Morgen wich, der den Himmel in ein goldenes Meer verwandelte, kamen sie zur Ruhe. Und mit der Vernunft kehrten auch die Fragen zurück. Schwarzsturm war die erste, die sprach. „Was geschieht nun mit uns? Ich habe Pechherz versprochen ihm nach Westen zu folgen. Auf den unendlichen Wiesen werden wir ein neues Territorium finden, mit genug Beute für alle.“ Frostflügel schüttelte energisch den Kopf und stellte sich der Kätzin ohne zu zögern entgegen. „In den Bergen würde es uns besser gehen. Wir wären dort geschützter und -“ Bevor sie sich in Rage reden konnte fiel ihr Tannenkralle ins Wort. „Ich werde mit Feuerschweif zum Meer gehen. Wir alle würden dort eine neue Heimat -“ Pfefferschatten drückte sich nach vorne. Ihre Augen waren immer noch schwarz vor Trauer, doch sie schien bei Verstand zu sein. „Takka wollte immer in den Nadelwäldern bleiben. Wieso sollten wir von hier fortgehen? Es ist gut hier, es gibt genug Beute-“ „Takka wollte mir und Kota folgen!“ warf Frostflügel wütend ein. „Er wäre mit uns in die Berge gekommen.“ „Das weißt du doch gar nicht. Du hast IHN nicht gekannt!“ brüllte Pfefferschatten. Bevor der Streit eskalieren konnte, rief Kupferlicht sie mit einem lauten Rufen zur Ruhe. „Wie euch sicherlich aufgefallen ist, hat jeder von euch andere Ansichten über eure Zukunft. Doch deswegen müsst ihr euch doch nicht gleich die Köpfe abreißen, lasst mich erst einmal sprechen. Tatsächlich gibt es eine Prophezeiung, die der Sternenclan schon vor langer Zeit empfangen hat. Sie besagt, dass eine verfaulte Pflanze vier Samen hervorbringen würde, die sich vom Wind fort treiben ließen, bis sie schließlich ihre wahre Heimat gefunden hätten und dort feste Wurzeln schlagen würden. Ihr müsst euch nicht zu einer Sache einigen. Das wäre nicht gut, denn es wäre für viele von euch so, als würde man sie von neuen gefangen nehmen. Nein, ihr sollt eure neue Freiheit auskosten und dorthin gehen, wo euer Herz euch hinführt, bis ihr einen Ort findet, der es würdig ist, eure Heimat zu sein. Das bedeutet, dass wir heute den Grundstein für die vier neuen Clans legen.“ Frostflügel nickte zustimmend. „Kota und ich, wir haben schon einen neuen Clan gegründet.“ Sie lächelte schief. „Den Abendclan. Na ja, ich weiß nicht, ob man es jetzt schon einen Clan nennen kann. Wir haben keinen Anführer und keinen Heiler, aber …“ Kupferlicht lächelte sanft, dann trat sie vor Frostflügel und sah ihr tief in die Augen. „Du bist eine ungewöhnliche Kätzin, Frostflügel. Dein Leben lang warst du klein und traurig. Du hattest so viel Angst und deine Hoffnung schien längst verloren. Doch jetzt, jetzt stehst du hier, Aufrecht und Stolz. Du hast deine Angst überwunden und damit wahren Mut gezeigt. Du bist zu deinen Clankameraden zurückgekehrt und hast an ihrer Seite gekämpft, ohne an dich selbst zu denken. Und darum erkläre ich dich hiermit zur Anführerin des Abendclans.“ Frostflügel riss überrascht die Augen auf. „Aber … das kann ich doch nicht. Ich-“ „Du kannst das.“ Frostflügel begegnete Kotas warmen Blick und sofort wurde ihr warm ums Herz. „Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht um meinen Clan zu beschützen und ihm eine gute, kluge und starke Anführerin zu sein.“ sagte sie und diesmal klang ihre Stimme fest. Kupferlicht lächelte sie ermutigend an. „Dann gebe ich dir ein Leben der Hoffnung. Nutze sie gut, um deinen Clan vor dem Aufgeben zu bewahren.“ Sie beugte sich vor und berührte sanft Frostflügels Nase. Die weiße Kätzin fühlte sich plötzlich von einer Energie durchflossen, die Herz brennen ließ wie Feuer. Als es vorüber war, keuchte sie, von der Wucht dieses Gefühls getroffen. Ein alter, grauer Kater mit gelben Augen trat vor und neigte kurz den Kopf vor ihr. „Mein Name ist Streifenfell. Ich war vor langer Zeit der Heiler des Tannenclans. Ich schenke die ein Leben voll Weisheit, nutze sie, um die richtigen Entscheidungen für deinen Clan zu treffen.“ Diesmal fühlte Frostflügel nur einen sanften Druck in ihren Kopf, während durch ihre Adern ein Gefühl des Alters und der Reife floss. Als nächstes trat Dunkelblume vor, die ihr kurz warm zulächelte. „Ich gebe dir ein Leben der Liebe. Nutze sie gut, um deinen Clan zu beizustehen.“ Frostflügel hatte nicht mit dem Schmerz dieses Lebens gerechnet und sie konnte sich nur knapp ein Stöhnen verkneifen, als es sie schier von innen zerriss. Nacheinander erhielt sie noch sechs weitere Leben, dann stand sie unendlich erschöpft, aber so Stolz und glücklich wie noch nie, wieder Kupferlicht gegenüber. „Frostflügel, ab diesen Augenblick heißt du Froststern. Der Sternenclan wird dir zur Seite stehen, wenn du deinen Clan in die Berge führst.“ „Froststern, Froststern!“ brüllte Kota und auch die anderen vielen in seine Rufe mit ein. Froststern lächelte und genoss zum ersten Mal in ihrem Leben diese Aufmerksamkeit. Als sich die Menge beruhigte wandte sich Kupferlicht Schwarzsturm zu. „Schwarzsturm, in dir schlägt das Herz einer wahren Kämpferin. Dein Mut ist unerschütterlich und deine Stärke kaum in Worte zu fassen. Trotzdem denkst du auch an die Schwächeren und bist nie Hochmütig geworden. Du hättest mit Pechherz weg laufen können, doch du bist geblieben, um deinen Freunden zur Seite zu stehen und sie in die Freiheit zu führen. Darum wirst du die Anführerin des Sonnenclans sein.“ Schwarzsturm keuchte, sah sich dann aber mit funkelnden Augen um. „Wenn der Sternenclan es so will, werde ich mein Leben daran setzten meinen Clan eine Gerechte und Starke Anführerin zu sein.“ Kupferlicht nickte feierlich. „Dann gebe ich dir ein Leben voller Selbstlosigkeit. Nutze sie gut, um mit deinem Clan zu fühlen und ihn zu verstehen und zu beschützen.“ Sie beugte sich vor und berührte die Nase der schwarzen Kätzin, die fast zurück getaumelt wäre. Schmerzvoll zuckte Schwarzsturm zusammen, doch sie ertrug es stumm. Kupferlicht trat zur Seite und Hasenpfote nahm ihre Stelle ein. „Du bist mir eine gute Mentorin gewesen.“ flüsterte sie leise, bevor sie lauter Fortfuhr. „Ich gebe dir ein Leben der Ausdauer, damit du nicht müde wirst, für deinen Clan da zu sein. Dieses Leben war weniger schmerzhaft und Schwarzsturm genoss die Energie, die warm durch ihren Körper strömte. Erst als auch sie ihre neun Leben empfangen hatte, trat Kupferlicht ihr wieder gegenüber. „Schwarzsturm, von nun an wirst du Schwarzstern heißen. Sei dem Sonnenclan eine gute Anführerin und führe ihn auf das weite Grasland. „Schwarzstern, Schwarzstern!“ begrüßten sie die Katzen laut. Schwarzstern selbst strahlte überglücklich in die Menge und strotze nur so vor Energie. Nun wandte sich Kupferlicht Tannenkralle zu, der etwas abseits neben Feuerschweif stand und verwundert aufsah. „Tannenkralle, du bist ehrlich und stark. Du hättest deine Position ausnützen können, doch das hast du nie getan. Stattdessen hast du dich allen anderen gegenüber gestellt und ihnen deine Meinung deutlich gemacht, obwohl du dabei riskiert hast, ausgestoßen oder sogar getötet zu werden. Darum wirst du der Anführer des Wasserclans werden.“ Unsicher sah Tannenkralle zu Feuerschweif, doch die nickte ihm stolz und aufmunternd zu. „Du bist der Richtige dafür.“ Entschlossen trat er vor und sah Kupferlicht ernst in die Augen. „Ich werde alles geben, um meinem Clan ein wahrer und rücksichtsvoller Anführer zu sein.“ Kupferlicht lächelte und überreichte auch ihm das erste Leben. Erst als der tosende Schmerz des neunten verklang, stellte sie sich wieder vor den Kater. „Tannenkralle, von nun an wird man dich Tannenstern nennen. Du wirst den Wasserclan zum Meer führen. Der Sternenclan wird mit dir sein.“ „Tannenstern, Tannenstern!“ brüllte Feuerschweif los und drückte sich stürmisch an ihren Gefährten, der ihr lachend über das Fell strich. Als sie sich wieder beruhigt hatten, lief Kupferlicht zu Pfefferschatten und sah ihr tief und mitfühlend in die Augen. Einen Moment lang schwiegen die Kätzinnen, verbunden durch ihre gemeinsame, tiefe Trauer. „Pfefferschatten, du hast Takka genauso geliebt wie ich.“ sagte sie leise, aber mit klarer Stimme. „Doch du hast dich nicht verloren und die Realität im Auge behalten. Du wirst dem Regenclan eine gute Anführerin sein.“ „Ich werde alles tun, was ich kann.“ flüsterte Pfefferschatten leise. Diesmal war es nicht Kupferlicht, die ihr das erste Leben gab, sondern Takka. Er lächelte ihr zu und berührte sie sanft an der Schulter, bevor er ihr ein Leben der Kraft gab. Als aus Pfefferschatten Pfefferstern geworden war, kehrte Ruhe ein. Alle sahen nun gespannt zu den vier Anführern. „Es liegt nun an euch. Entscheidet selbst, welchem Clan ihr euch anschließt. Und vergesst nie: Von nun an wacht der Sternenclan über euch.“ sagte Kupferlicht leise. Dann verblasste sie und mit ihr auch alle anderen Sternenclan-Katzen

    60
    Lichtpfote saß gedankenverloren etwas abseits von den anderen. Ihre Augen blickten ratlos ins Leere. Äußerlich wirkte sie völlig ruhig, aber in ihr tobte ein Sturm. Wohin sollte sie gehen? Mit Froststern in die Berge oder sollte sie mit Pfefferstern hier bleiben? Was sollte nur aus ihr werden? Konnte sie wirklich eine Kämpferin werden, wenn sie ihre Clankameraden im Stich gelassen hatte? Sie dachte an Eichhornflucht, die bis zum Ende gekämpft hatte, obwohl sie genau wusste, wie es für sie ausgehen konnte. Und jetzt war sie tot. Aber sie war wie eine Heldin gestorben, während sie selbst als Feigling weiter lebte. Lichtpfote wünschte, sie wäre wenigstens verwundet worden, aber ihr Fell war nur ein wenig dreckig. Sogar Moorschweif hatte sich nicht versteckt. Vielleicht sollte ich einfach weglaufen, dachte sie wütend, während die Tränen in ihren Augen brannten. Das kann ich ja so gut. Und Schneeblume? Wer war diese merkwürdige Kätzin? Lichtpfote schluckte, um sich zu beruhigen, aber es nützte nichts. Wut auf diese Fremde schoss in ihr hoch und einen Augenblick lang war der Hass in ihr so überwältigend, dass es sie selbst erschrocken die Luft einsog. Finsterherz kam ihr in den Sinn. Wenn Schneeblume sie wirklich nicht wollte, vielleicht … Sie brach den Gedanken ab. Am liebsten hätte sie sich selbst die Krallen durchs Gesicht gezogen. Was war nur mit ihr falsch? Wie konnte sie nur so etwas denken, nachdem sie ihn … so verletzt hatte? Am liebsten hätte sie laut geschrien, aber aus ihrer Kehle drang nur ein ersticktes Schluchzen. Und plötzlich schmiegte sich ein warmer Körper an sie und Moorschweifs vertrauter Geruch stieg ihr in die Nase. Jetzt konnte Lichtpfote endgültig nicht mehr an sich halten und begann Hemmungslos in das weiche, immer noch blutige Fell ihrer Freundin zu weinen. „Warum bin ich nur so selbstsüchtig, Moorschweif? Ich wollte das doch alles gar nicht. Ich wollte Finsterherz doch nicht weh tun, er war doch ...“ Sie schluchzte laut auf. „Er war doch mein bester Freund, mein großer Bruder, mein Beschützer! Wie konnte das nur passieren? Wieso bin ich so blind gewesen? Ich will doch nur ...“ „Schhht! Ich weiß, ich weiß.“ flüsterte Moorschweif leise in ihr Ohr. Die Stimme der Heilerin war sanft und warm. „Und du! Wieso habe ich nicht auf dich gehört? Du bist doch meine beste Freundin. Ich habe dich im Stich gelassen. Es tut mir so leid.“ Lichtpfote verkrampfte sich unter den Krämpfen, die ihren Körper schüttelten. „Liebe macht blind. Hör zu, ich … ich war wirklich sauer auf dich, aber ich verzeihe dir. Und ich bin mir sicher, dass Finsterherz das auch tun wird. Aber du, Lichtpfote, du musst jetzt auf dein Herz hören. Finde deine wahre Bestimmung.“ Moorschweif lächelte geheimnisvoll und wandte sich ab, um zurück zu ihren Patienten zu huschen. Im letzten Moment sah sie sich noch einmal um. „Ach so, ich werde mit dem Sonnenclan gehen.“ Dann verschwand sie zwischen den verletzten Katzen und ließ Lichtpfote verwirrt zurück. „Meine … Bestimmung?“

    61
    Ein Tag war vergangen, seit die Katzen des Sternenclans verschwunden waren. Es war ein Tag voller Entscheidungen und Aufregung gewesen und auch die Wunden, die sie aus dem Kampf davon getragen hatten, machten den Katzen schwer zu schaffen, doch nun war es so weit. Ein lautloser Ruf trieb sie zusammen, um sich ein letztes Mal zu sehen, bevor sie aufbrechen würden. Inzwischen hatte sich jede Katze entschieden, mit welchem Clan sie gehen würde. Schwarzstern stand in der Mitte des alten Lagers, auf dem Platz auf dem einst Bussardstern gestanden hatte und starrte voller Verachtung auf die Erde zu ihren Füßen. Niemand wusste wohin der ehemalige Anführer verschwunden war, doch Schwarzstern hoffte vom ganzen Herzen, dass er von einem Fuchs erwischt werden würde. Eine dunkelgraue Kätzin kam auf sie zu und setzte sich schweigend neben sie. Hauchschattens Augen glänzten matt, doch sie schenkte ihrer Anführerin ein knappes Lächeln. Schwarzstern war froh, dass sich die Schülerin ihr angeschlossen hatte. Doch jetzt war sie keine Schülerin mehr, sondern eine Kriegerin. Das war das neue Gesetz. Jeder durfte nun Krieger werden, sowohl Kätzin, als auch Kater. Die Ränge hatten sie abgeschafft, denn es war wichtig, dass sie ein Team waren und niemand auf den anderen herab sah. Alle Schüler, die den Kampf überlebt hatten, waren also zu Kriegern geworden. Efeuschatten hatte sich zusammen mit Splitterwind dem Abendclan angeschlossen, Honiglicht war zu Finsterherz in den Wasserclan gegangen, der überraschender Weise auch eine neue Heilerin gefunden hatte. Lichtwirbel hatte verkündet, einen Traum gehabt zu haben, in dem sie über einem Meer aus Kräutern schwebte. Moorschweif hatte diese Botschaft lächelnd bestätigt. Und nun war die Zeit des Abschieds gekommen. Die vier Anführer hatten sich in der Mitte des alten Lagers versammelt und die Katzen hatten einen Kreis um sie gebildet. Nun herrschte eine Stille, die zerbrechlich schien wie Glas. Schließlich erhob sich eine Stimme. „Lasst uns noch einmal der Toten gedenken.“ Nebelhauch, die gesprochen hatte, stand langsam auf und sah mit schmerzerfüllten Augen in den Himmel. „Meine beiden Kleinen, Minzjunges und Krokusjunges, ich liebe euch so sehr und ich verspreche euch, dass ich euch nie vergessen werde.“ Ihre Stimme schwankte und schien kurz davor zu brechen, doch sie blieb stark. „Salbeiblatt, ich werde deine Jungen großziehen, als wären es meine eigenen. Niemals wird ihnen etwas Böses geschehen.“ Nebelhauch sah noch zwei weitere Herzschläge in den Himmel, als warte sie auf eine Antwort, doch dann setzte sie sich doch wieder. Dafür stand Hauchschatten auf. „Hasenpfote, Himmelpfote und Rebenpfote, ihr habt das größte Opfer gebracht, das eine Katze ihren Freunden bringen kann. Ihr habt für die Freiheit mit eurem Leben bezahlt und seit wie Helden gestorben. Niemals werden wir euch vergessen.“ Hauchschatten lächelte traurig, als ein warmer Wind durch ihren Pelz fuhr. „Niemals.“ Dann setzte sie sich. Nun erfüllten weitere Namen die Luft und füllten die Stille mit einer tiefen Sehnsucht und Trauer. „Schattenfang, Nachtgeflüster, Fliederduft, Mondschein, Dunstwolke, Windherz, Eichhornflucht, Rothauch … niemals, niemals wollen wir euch vergessen.“ Als die Stille die Macht wieder an sich riss, stand eine letzte Kätzin auf und im Licht der Sonne, strahlte ihr rotes Fell, als würde sie bei lebendigem Leib verbrennen. „Morgenjunges.“ flüsterte Flammenglut, während sie gegen die Tränen kämpfte. „Wo immer du auch bist … Ich liebe dich.“

    62
    Honiglicht sah Finsterherz traurig an. „Warum kannst du sie nicht einfach vergessen? Warum?“ Sie verschluckte sich fast an ihren Tränen und ihre Augen schimmerten wie flüssiges Gold. Finsterherz traute sich nicht, in diese Augen zu sehen, die wie Sonnen in seiner Dunkelheit schienen. Er wusste selbst nicht, wovor er sich so sehr fürchtete. „Du hättest in einen anderen Clan gehen können! Jetzt musst du sie jeden Tag sehen. Sie hat dich abgewiesen, Finsterherz! Sie liebt dich nicht!“ Finsterherz blinzelte müde. „Ich will sie beschützen.“ Er spürte wie etwas in Honiglicht zerbrach und merkte erstaunt, dass auch sein eigenes Herz plötzlich von eisigen Klauen zerquetscht wurde. „Bitte … Bitte ...Bitte.“ Ihre Stimme war kaum mehr ein Flüstern, das zitterig gegen den Wind ankämpfte. „Du musst mich nicht lieben. I-ich … Bitte, lass mich einfach an deiner Seite sein.“ Ihr schluchzen ließ seinen Kopf brennen und er kniff gequält die Augen zusammen. „Sieh mich wenigstens an.“ murmelte sie. Es waren die letzten Worte einer Besiegten, er konnte ihr diesen Wunsch nicht abschlagen. Als er ihre Augen sah, wäre er am liebsten geflohen, weit, weit weg. Das Licht war verschwunden, geblieben war ihr nur dunkle Verzweiflung. Der Schmerz war wie tausend Nadelstiche in seinem Körper, bohrte sich einen Weg durch sein Herz, seine Organe, hinauf in seine Kehle und entlud sich in einem Tonlosen Schmerzensschrei. Was er sah, war ein Spiegelbild seiner selbst.

    ENDE DES 1.TEILS

    63
    Vielen Dank an alle, die mir so lange treu gewesen sind und mich immer wieder mit liebevollen Kommentaren aufgebaut haben. Danke an alle, die meiner Geschichte mit ihren Charakteren Leben eingehaucht haben. Danke an alle, die sogar Bilder für mich gemalt haben.

    Nur Dank eurer Hilfe konnte ich diese Geschichte zu Ende bringen! Ihr seid die Besten!

    64
    Den zweiten Teil findet ihr hier:

    http://www.testedich.de/quiz38/quiz/1448544304/Warrior-Cats-Der-Weg-der-Krieger-Zeiten-der-Finsternis

Kommentare Seite 20 von 20
Klicke hier um ein Kommentar zu schreiben - Wenn du Mitglied bei testedich bist logge dich bitte hier ein
Sie haben die Möglichkeit den Text zu gestalten.
((bold))Fett((ebold)) ((cur))Kursiv((ecur)) ((unli))Unterstrichen((eunli))
((big))groß((ebig)) ((small))klein((esmall))
((green))grün((egreen)) ((maroon))dunkelrot((emaroon)) ((olive))graugrün((eolive)) ((navy))marineblau((enavy)) ((purple))violett((epurple)) ((teal))teal((eteal)) ((gray))grau((egray)) ((red))rot((ered)) ((blue))blau((eblue)) ((fuchsia))fuchsia((efuchsia))
Bitte beachten Sie, dass Sie immer beide Codes, z.B. ((bold)) hier der Text der fett sein soll ((ebold)), gebrauchen, mit dazwischen den Text.

Neuer Kommentar da? / Seite neu laden

Beere ( 06471 )
Abgeschickt vor 194 Tagen
Name: Samtfell
Geschlecht: w
Alter: 30 Monde
Rang: Könnigin unterer Rang
Aussehen: Schwarz Weiße kätzin
Charakter: liebevoll und fürsorglich
Gefährte/in (Wunsch): /
Junge: (1 Wurf) Ginsterjunges(M) (2Wurf) Nesseljungs(W)
Stärken: sich um Junge kümmern und Klettern
Schwächen: Jagen und Kämpfen
Befürwortest du die Unterdrückung?: nein aber was soll ich machen ich wünsche mir das meine Tochter Nesseljunges ein freies leben leben darf
Besondere Eigenschaften: /
Charakter-Lied:/
Möchtest du in der Geschichte vorkommen?: Ja klar
Darf dieser Charakter im Lauf der Geschichte sterben?: jap aber nicht zu schnell
NachthimmelmitSternen ( 45966 )
Abgeschickt vor 393 Tagen
Ich liebe deine Fan Fiction. Sie ist die Beste Warrior Cats Fan Fictio, die ich je gelesen haben. Ich musste heulen und hatte sogar einen Heulkrampf, als Hauchschatten sich ein letztes mal von Hasenpfote, Himmelpfote und Rebenpfote veranschiedet hat, als ihre Freunde. Der Hintergrund war hammer und deine Art des Schreibens. Vielen Dank für diese Fan Fiction. Ich hab immer noch überall Tränen im Gesicht.😢
Selina ( 99853 )
Abgeschickt vor 438 Tagen
Na toll, einfach meine ganzen Bilder gelöscht :( Na ja, so ist halt Technik.
Dankeschön Feuerwind und Sonnenherz XD
Rari/Schwarzstern ( 09531 )
Abgeschickt vor 439 Tagen
Schön, dass das hier noch von so vielen Leuten entdeckt wird :3

Ach ja, und die Bilder in den Kapiteln gehen manchmal hops, wenn man was ändert...

It's a mystery...
S'o'n'n'e'n'h'e'r'z ( 83475 )
Abgeschickt vor 440 Tagen
Höhö ich bemerke gerade, dass ich den 2. Teil vor dem ersten gelesen habe.Deswegen war der Anfang so verwirrend 😂😂😂
Trotzdem einfach der Hammer! 👏👏👏
Bring das als Buch raus und ich kaufe es!👍👍👍
@Dämmerstern Ruhe das juckt keinen mit deiner blöden Werbung die du überall verbreitest.
Feuerwind ( 71558 )
Abgeschickt vor 464 Tagen
Mit fehlen die Worte... Die Grschichte war einfach der HAMMER! So lebensecht!Ach wo sindbeigentlich die Blider?
Sel ( 96394 )
Abgeschickt vor 483 Tagen
Vielen Dank für das Kompliment, Frostflügel XD
Frostflügel ( 22951 )
Abgeschickt vor 483 Tagen
Die Geschichte ist echt der Hammer! Ich hab sie in einem Aufwasch durchgelesen. Ich hab mitgefiebert, ich hab sogar geheult! Und das passiert bei mir nur in richtig guten Geschichten! Ich, ich weiß echt nicht, was ich sagen soll! Das ist wie ein Film! Man sieht Bilder vor sich und ich konnte einfach nicht aufhören. Du hast mein größtes Kompliment! Respekt!!!

(Ich les jetzt mal den zweiten Teil! Bis morgen werd ich das nicht mehr aushalten! :D )
Daemmerstern ( 48573 )
Abgeschickt vor 484 Tagen
http://www.testedich.at/quiz39/quiz/1454139619/Der-Wellenclan-20
Selina ( 96287 )
Abgeschickt vor 506 Tagen
Dankeschön :D Es gibt auch einen zweiten Teil. Den Link dazu findest du im letzten Kapitel .
Sammy ( 07240 )
Abgeschickt vor 507 Tagen
Ich finde deine Geschichte richtig gut! Ich bin entzückt!
Selina ( 47719 )
Abgeschickt vor 508 Tagen
Danke schön Lily :D

Bin etwas irritiert, weil alle Bilder weg sind :/
Lily SkyQueen ( 22149 )
Abgeschickt vor 509 Tagen
Bin dein größter Fan😍😃😉😉🌺🌹😍❤💘
Lily SkyQueen ( 22149 )
Abgeschickt vor 509 Tagen
OHA:-)
Du schreibst so meeegaaaaaaaaaa cooole Geschichten...
Sel ( 04818 )
Abgeschickt vor 529 Tagen
Hey Distelpfote, diese FF ist leider schon fertig. Du kannst dich aber beim zweiten Teil anmelden, dann kommst du auch vor.

Hier:

http://www.testedich.de/quiz38/quiz/1448544304/Warrior-Cats-Der-Weg-der-Krieger-Zeiten-der-Finsternis
Distel ( 55182 )
Abgeschickt vor 529 Tagen
Name Distelpfote
Alter 9 Monde
Aussehen kleine starke schwarze kätzin schlank mit Muskeln und stechend grünen Augen
Charakter nett freundlich bisschen frech gute Kämpferin und Jägerin intelligent
Rang Schülerin später kämpferin
Gefährte (Wunsch) ähh
Darf sterben nein
Darf vorkommen ja
Sel ( 74983 )
Abgeschickt vor 529 Tagen
Danke Mellon. Freut mich. Sie spielt zur selben Zeit, aber an einem anderen Ort :D
Flammenglut,Abendpfote&Funkenpfote ( 91912 )
Abgeschickt vor 533 Tagen
@Mellon Stimmt wirklich, das hier ist für mich auch manchmal ein richtiger Lichtblick, wen ich durch die Rpgs und FFs gucke und dann lese "Ich bin schneeflokeenstern und habbe den bambus clan in alaska gegründett" Als übertriebenes Beispiel...
mellon ( 76057 )
Abgeschickt vor 534 Tagen
OMG! Deine FF ist besser als das Buch!!!!!!!!!
Ich kann gar nicht in Worte fassen wie gut du schreibst!!!!!!!!!!!
An ein paar Stellen war ich den Tränen nah, wirklich! Kleiner Tipp :mach weiter so! (Sonst beiße ich dich.)
Meine lieblingsfigur ist flammenglut. Irgendwie hat man sie gut kennen gelernt. Ich mag Morgenjunges aber auch sehr . Die ist irgendwie süß.
Spielt die Geschichte eigentlich vor oder nach dem ersten Warrior Cats?
Tannenstern ( 11361 )
Abgeschickt vor 537 Tagen
Sorry ich hatte viel zu tuen und lange kein Wlan echt gut ich schaue direkt beim 2 Clan vorbei ;) Echt toll wie du es geschafft hast diesen Clan würdevoll zu ende zu bringen!