Der Herr der Ringe - Die Vergessene Tochter (Kapitel 12)

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1 Kapitel - 1.995 Wörter - Erstellt von: Pho3nixx - Aktualisiert am: 2015-08-07 - Entwickelt am: - 929 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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"Sauron!" wiederholt Faramir meine Worte, doch liegt hinter ihnen eine Frage und keine Aussage. "Genau," sage ich leicht grummelnd
"Sauron!" wiederholt Faramir meine Worte, doch liegt hinter ihnen eine Frage und keine Aussage. "Genau," sage ich leicht grummelnd und erhebe mich von meinem Platz. "Seine Kreaturen werden bald hier sein, und wenn du sie nicht aufhältst, Faramir, dann tut es niemand!" Wissend nickt mein Gegenüber mir zu und erhebt sich ebenfalls von seinem Stuhl. "Ich werde nach Osgiliath reiten und sie aufhalten," gibt er im Gehen von sich und steuert auf die hölzerne Türe zu. "Ich werde Vater beweisen, dass er auf mich zählen kann, auch wenn Osgiliath überrannt wurde. Meine Männer und ich werden heute noch aufbrechen." Mit diesen Worten greift er nach der Türklinke, doch halte ich ihn noch rechtzeitig auf. "Nein!" rufe ich und komme mit hektischer Gestik auf ihn zu. "Du musst hier bleiben! Wenn Osgiliath bereits überrannt ist schickst du deine Männer und dich in den sicheren Tod!" Pippin, welcher bis jetzt noch still auf seinem Stuhl saß, steht nun neben mir und sieht Faramir ernst an. "Sie werden nicht von Osgiliath kommen. Wenn ihr erst einmal dort seid, schafft ihr es niemals rechtzeitig zurück, um die Stadt zu retten! Faramir, du KANNST nicht gehen! Du DARFST nicht! Vater braucht dich!" "Ja! Und er braucht mich in Osgiliath! Ich werde dort hinreiten und ihn stolz machen, wenn ich zurückkehre," kontert mein Bruder und sieht mich aus beinah kalten Augen an. "Nur wirst du nicht zurückkehren...," murmle ich leise zu mir selbst, reiße die Türe achtlos auf und gehe mit stammen Schritten auf den Ausgang zu.

"Karliah! Wo willst du hin!" höre ich Pips Stimme hinter mir, doch verlangsame ich mein Tempo nicht, auch wenn es beinahe einer Flucht gleicht. "Ich reite nach Rohan!" fauche ich den kleinen Hobbit an, auch weiß ich, dass er nichts für meines Bruders Sturheit kann. 'Liegt wohl in der Familie...,' denke ich still bei mir und erreiche schlussendlich den Ausgang. "Nach Rohan!" möchte Pippin sichtlich perplex wissen, doch nicke ich nur stumm und schlage den direkten Weg zurück zum Palast ein, da ich noch immer mein Kleid trage und unbewaffnet bin. "Jemand muss ihnen Bescheid geben, dass sie nach Gondor aufbrechen müssen! Sofort!" Meine Worte sind direkt und dulden keinen Widerspruch des Hobbits, denn ich werde Reiten, völlig gleich, wer es mir verbieten sollte, doch gerade, als wir an einem Wachturm Minas Tiriths vorbeilaufen, wandert mein Blick entschlossen zu der Spitze des Gemäuers, auf welcher ein riesiger Stapel trockenen Holzes liegt.

"Das Leuchtfeuer der Weißen Stadt...!" hauche ich leise und ein breites Lächeln schleicht sich auf meine Lippen, während ich Pippin zu meiner Rechten verschwörerisch angrinse. "Wie gut kannst du klettern?" will ich von dem kleinen Mann wissen, doch sein Blick weicht dem meinen aus und er sieht an dem hohen Turm hinauf. "Nein!" sagt er abwehrend und macht einen Schritt zurück, doch ich nicke mit weit aufgerissenen Augen bejahend und ziehe in näher zu mir. "Bitte! Das ist der einzige Weg, den Rohirrim rechtzeitig Bescheid zu geben! Ich werde sie am Dunharg treffen und mit ihnen gemeinsam gegen die Orks kämpfen, während du und Gandalf euch um Denethor kümmert!" Ich sehe in Pips Augen, dass er am liebsten 'Nein' sagen und davonlaufen würde, doch scheint ihn irgendetwas vom Gegenteil zu überzeugen und fest entschlossen stellt er sich an die Mauer des Turmes und greift mit einer Hand nach einem der Steine. "Sei vorsichtig!" sage ich noch leise, hauche dem Hobbit einen Kuss auf die Wange und hechte flink durch die Gassen der Stadt, bis hoch zum Palast, wo ich zu meinem Erstaunen nicht einmal Wachen vorfinde.

"Wo sind denn alle...?" frage ich mich im Gehen, während ich eine schwere Türe aufziehe und den Ost-Flügel betrete, wo die Gemächer der Königsfamilien liegen. "Ach..., auch egal. Ich muss mich nur beeilen." Mit flinken Schritten, während ich versuche mich möglichst lautlos fortzubewegen, erreiche ich schlussendlich das Zimmer Faramirs - zumindest hoffe ich, dass es noch stets sein Zimmer ist, doch als ich es betrete und der sanfte Duft von Rosen in meine Nase steigt schleicht sich augenblicklich ein Lächeln auf meine Lippen und aller Zweifel verfliegt mit einem Blinzeln. Es ist ganz sicher sein Zimmer, denn als mein Blick zu seinem Nachttisch wandert, fällt mir direkt ein Armband aus Rosenquarz in die Augen. "Er hat es noch immer...," hauche ich leise und unwillkürlich steigen mir Tränen in die Augen.

Ich habe es ihm geschenkt, als ich ungefähr acht Jahre alt war. Boromir und er waren mit Imrahil, unserem Onkel, für ein paar Tage in Edoras zu Besuch. Imrahil hatte etwas wichtiges mit Théoden zu besprechen, wurde mir gesagt und die beiden Brüder haben ihre Chance genutzt und sind mit ihm gereist, da sie seit längerem schon, ihre Schwester sehen wollten. Es war das erste Mal, dass ich mich daran erinnern kann, sie gesehen zu haben und wir haben uns auf Anhieb verstanden. Während Boromir mir immer häufiger Streiche gespielt hat und ich ihn genau aus diesem Grund nie missen wollte, war Faramir eher der ruhigere der beiden und ich konnte mich mit ihm über alles unterhalten, was mir auf dem Herzen lag. Wir hatten schon akzeptiert, dass Denethor mich nicht in Minas Tirith haben wollte und genau aus dem Grund, habe ich beiden ein kleines 'Andenken' an mich geschenkt. Für Boromir war es eine Kette mit einem kleinen Anhänger aus Holz, welcher zu einem Pferdekopf geschnitzt wurde, welcher das Wappen Rohans wiederspiegelt, während ich Faramir ein Armband aus kleinen Brocken Rosenquarz gebastelt habe.

Es war der erste Tag, den sie in Edoras waren und Boromir, Faramir und ich haben augenblicklich die Umgebung erkundet, da ich selbst noch nie wirklich außerhalb der Stadtmauern war. Wir hatten uns einfach hinausgeschlichen, ohne dass es jemand bemerkte, bis wir eine kleine Höhle unweit der Hauptstadt erreichten. Sie war umgeben von den Blumen, welche normalerweise auf den Gräbern der Verstorbenen gebettet werden, doch diese wuchsen in freier Natur und ich war die erste, die einen Schritt in die Höhle wagte - Boromir folgte ohne zu Zögern, doch zögerte Faramir und rung mit sich selbst, da er genau wusste, wie viel Ärger wir kriegen würden, wenn jemand bemerken sollte, dass wir fort waren. Doch bevor er auch nur zu einem Wort ansetzen konnte, zog ich ihn schon an seinem Ärmel hinter uns her und wir betraten den wohl wunderschönsten Ort, den ich je erblickt habe. Die gesamte Höhlendecke war verziert mit unzähligen glitzernden Steinen, während ein kleiner 'Fluss' sich durch die Mitte der Höhle schlängelte und in einem winzigen See endete. Und während Boromir den Ort hier eher langweilig fand, konnten Faramir und ich gar nicht von den Steinen ablassen, welche trotz beinah völliger Dunkelheit noch immer glitzernden, wie tausend Sterne. "Es ist wunderschön hier...!" gab Faramir damals mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen von sich und es waren genau eben diese Worte, welche ich nicht ausgesprochen habe, doch die in dem Augenblick meine Gedanken beherrscht hatten.

Und von diesem Tag an konnte ich meine Gedanken nie gänzlich von dieser Höhle ablassen, ebenso wie mein Bruder, sodass ich einen Tag vor der Abreise der Drei beschloss, die Höhle erneut aufzusuchen und meinem Bruder ein Armband aus Sternen zu schenken...


Mit einem berührten Lächeln auf den Lippen, sowie Tränen der Freude in meinen Augen, streiche ich mit meinen Fingerspitzen ganz sanft über die beinahe durchsichtigen Steine. Das Armband ist viel zu klein, als dass man es noch tragen könnte, doch waren wir damals alle noch Kinder und ich hatte nie so weit in die Zukunft gedacht, sodass es nun unbenutzt auf dem Nachttisch Faramirs liegt. Ich schüttle kurz mein Haupt, um die Gedanken an die Vergangenheit zu vertreiben und konzentriere mich wieder auf das Wesentliche. Mit raschen Schritten stehe ich bereits nach kurzer Zeit vor dem Schrank meines Bruders und öffne die hölzernen Türen. Ich kämpfe mich durch unzählige Hemden und Hosen durch, welche fein säuberlich auf Kleiderbügeln hängen und ertaste mit meinen Händen ein Schwert, sowie Stiefel und weichen Stoff. "Perfekt!" sage ich leise zu mir selber und greife mit meiner zweiten Hand bis zur Rückseite des Schrankes, um die Ausrüstung hervorzuholen.

Ein dunkelblauer Wams, auf der Vorderseite mit dem Weißen Baum Minas Tiriths bestickt, eine schwarze Hose, sowie schwarze Stiefel und ein Anfängerschwert liegen nun in meinen Händen und ein erleichtertes Lächeln liegt auf meinen Lippen. Die Ausrüstung von Faramir müsste noch aus der Zeit stammen, in welcher er ungefähr sechzehn, siebzehn war, doch das genügt mir, denn meine doch recht kleine Gestalt erledigt den Rest, sodass ich - trotz meiner weiblichen Rundungen - mehr oder weniger problemlos in das Oberteil, wie die Hose passe. Nur die Stiefel, sind etwas zu locker um die Waden, doch das soll vorerst nicht mein Problem sein.

Mit einem Handgriff sind Grütel und Schwertscheide angelegt, sowie das Schwert getestet. "Nicht das allerbeste, aber mehr kriege ich im Augenblick nicht," sage ich zu mir selber, verstaue das Schwert und binde mir mit flinken Handgriffen einen lockeren Zopf. "Dann mal los...," murmle ich leise, atme einmal tief durch, sodass das Oberteil an meiner Brust doch ziemlich spannt und laufe zielstrebig aus dem Zimmer hinaus, nachdem mein Blick noch einmal auf das Armband gefallen ist und setze meinen eigentlichen Weg zu den Stallungen fort. Die fragenden und forschenden Blicke einiger Passanten, aber auch Wachen entgehen mir auf dem Weg durch die Stadt nicht, doch ignoriere ich diese gekonnt und je näher ich dem äußersten Ring komme, desto lauter werden aufgeregte Rufe und Befehle einiger Wachen, weswegen ich meinen Schritt unbewusst verschnelle.

"Das Leuchtfeuer! Es brennt!" ruft eine der mir entgegenkommenden Wachen und sieht mir dabei fest in die Augen. Mein Blick schweift augenblicklich zu dem Wachturm und ein Grinsen schleicht sich auf meine Lippen. 'Er hat es also geschafft!' denke ich mir still und lege eine ernste Miene auf, um weder mich, noch den Hobbit in irgendeiner Weise zu verraten. Unbemerkt in der Aufruhe, schleiche ich mich in die Stallungen und hole Hasufel aus seiner Box, sattel und trens ihn mit raschen Handgriffen und springe auf seinen Rücken, sobald ich ihn aus der Stallgasse geführt habe.

"He! Ihr könnt nicht einfach fort! Sofort stehen bleiben!" keift eine Wache mich an, doch nutze ich meine Gelegenheit, dass die Stadttore noch ein kleines Stück weit geöffnet sind und treibe Hasufel augenblicklich an, sodass er direkt in einen Jagdgalopp fällt und noch gerade so aus der Stadt 'entkommt', bevor die schweren Tore sich endgültig schließen und so treten wir unseren Weg zum Dunharg an, wo wir vielleicht sogar eher eintreffen, als die Rohirrim...
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Der Herr der Ringe - Die Vergessene Tochter (Ka...
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2015-08-03
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Herr der Ringe

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Annabeth ( 7.221 )
Abgeschickt vor 501 Tagen
Bitte, schreib weiter!!! Die Geschichte ist so toll:-*
Morgoth25 ( 40.65 )
Abgeschickt vor 525 Tagen
Wieder ein Meeeega Kapitel. Ich bin gespannt, wie es weiter geht :D
Tinuviel Ithildraug ( 42.89 )
Abgeschickt vor 528 Tagen
Weiter schreiben!!! Ich bin wieder total gespannt.