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Liebe, Bäume und Masken

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1 Kapitel - 1.172 Wörter - Erstellt von: MoonbellG - Aktualisiert am: 2015-07-30 - Entwickelt am: - 516 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Morgen beginnt die Schule wieder. Was sollte sie tun? Das Mädchen wollte nicht wieder ins das "Real Life" zurück. Es klaute ihr wertvolle Zeit mit ihrem Liebsten. Machte ihr Leben schwerer, zerstörte sie. Machte aus ihr ein Flammenmeer.

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    Heute war Sonntag. Ein ganz normaler Sonntag. Und morgen? Morgen begann wieder die Realität. Der Ernst des Lebens. Das "Real Life" rief sie zurück und klaute ihr wertvolle Zeit. Wertvolle Sekunden, wertvolle Minuten und Stunden.

    Zeit die sie mit ihren Liebsten verbrachte.

    Sie war 17, er war um einiges älter.

    Sie war eine Frohnatur, er war verschlossen.

    Sie war eine Schülerin, er war ein Lehrer.

    Im Grunde waren sie so verschieden wie Tag und Nacht, wie Sonne und Mond. Und manchmal waren sie gleich, identisch, als wären sie eine Person.

    Manchmal mochten sie sich, manchmal hassten sie sich. Manchmal neckten sie sich, manchmal küssten und liebten sie sich. Und manchmal kannten sie sich nicht oder lernten sich erst kennen.

    Immer so wie das Mädchen es gerade wollte. Er tat immer das was SIE wollte. Er hatte auch keine andere Wahl, war wie ferngesteuert.

    Es waren Winterferien. Zwei lange Wochen nur für die Beiden. Natürlich nervten hier und da mal die Eltern. Natürlich wurde auch etwas mit den Freunden unternommen, aber die meiste Zeit verbrachten die beiden zusammen. Sie erlebten Abenteuer, traurige Momente, glückliche Momente, feierten Partys, trafen neue Leute...ein ganzes Leben in kürzester Zeit.

    Aber morgen ging die Schule wieder los. Das hieß: Die Liebe dieser Beiden wurde jeden Tag für eine lange Zeit unterbrochen. Durch Unterricht, Pausen, Hausaufgaben und diesem ganzen Mist.

    Im Grunde löste dies aber keine großen Gefühlsregungen bei dem Mädchen aus.

    Immerhin war er ja...

    Dann hatten die beiden eben ihre Gemeinsame Zeit während der Schulwege, während der langweiligen Momente im Unterricht, während den Hausaufgaben...im Grunde immer dann wenn sie es wollte.

    Das Mädchen lächelte. Ja. Wann immer SIE wollte konnten die beiden machen was SIE will.

    Er war kein gewöhnlicher Mann. Er war stolz, streng, eisig. Im Grunde hatte er sich eine perfekte Fassade aufgebaut. Viele hassten ihn, nicht wenige verabscheuten ihn. Aber sie...sie mochte ihn. Seine Kleidung war altmodisch oder einfach anders. Als würde er nicht in unserer Dimension leben. Er war im Allgemeinen anders. Er hatte kein leichtes Leben. Eine schreckliche Familie die ihn knechtete und einsperrte wenn er etwas tat was sie nicht für gut hießen. Sein bester Freund war vor seinen Augen getötet wurden, aber trotzdem machte er weiter. Gab nicht auf.

    Ja. Er war etwas Besonderes, einzigartig...und...er war eine Romanfigur. Das Mädchen liebte eine Romanfigur.

    Sie war nicht verrückt. Sie hatte noch alle Tassen im Schrank. Sie hatte sich einfach in eine weltweit bekannte Romanfigur verliebt.

    Und ständig träumte das Mädchen vor sich hin. Wie sie in seine Welt gelangte. Wie sie sich verliebten. Wie sie, das einfache normale und langweilige Mädchen, zu etwas Besonderem wurde. Wie sie die Welt rettete.

    Sie träumte von ihrem Happy End mit ihm.

    Und nicht nur mit ihm. In ihrer Fantasie war sie die Heldin. War sie der Mittelpunkt von allem. Dort war sie so, wie sie in der Realität gerne wäre. Dort hatte sie die Fähigkeiten, die sie in der Realität gerne hätte. Und sie erlebte Abenteuer. Manchmal die Abenteuer des Romans. Manchmal ihre selbst ausgedachten und manchmal die perfekte Mischung zwischen beiden.

    Und manchmal liebte sie jemand Anderen, lebte ein anderes Leben. War es nun eine Romanfigur, Filmfigur oder jemand aus dem realen Leben.

    Das Mädchen träumte und fantasierte sich alles so wie es ihr gefiel, so wie sie es brauchte und wollte.

    Sie war nicht verrückt. Sie konnte das reale Leben von ihrer Fantasiewelt unterscheiden.

    Aber diese Welten, diese Fantasien, diese Liebe gab ihr Kraft. Die Kraft am Morgen aufzustehen. Die Kraft sich einem neuen Tag zu stellen.

    Das richtige Leben des Mädchens war nicht schlecht. Normal. Für Außenstehende. Für sie aber war ihr Leben wie ein Baum.

    Von außen betrachtet stark, grün, vielleicht hier und da ein abgeknickter Ast oder eine kahle Stelle. Aber normal, sicher, stabil.

    Aber von innen betrachtet war der Baum mit Insekten bestückt, sie fraßen sich durch sein Innerstes. Zerstörten ihn. Eine falsche Handlung und der Baum zerbrach...sie zerbrach...Eine falsche Handlung und ihre Maske würde fallen. Die Maske welche sich das Mädchen Jahre lang erschaffen hatte.

    Die Probleme fraßen sie auf. Jeden Tag ein bisschen mehr. Und sie war allein. Wollte niemanden belasten oder sich selber nicht die Blöße geben, wie schlecht es ihr eigentlich ging. Also schwieg sie. Schaffte sich ihre Maske.

    Ihre "Liebe", ihre Fantasien halfen ihr. Betäuben die Insekten für eine Weile und ließen das Mädchen ihre ungebetenen Gäste vergessen. Manchmal für Stunden, manchmal für Tage und manchmal für Wochen.

    Und dann gab es noch das Feuer. Das Feuer welches die Insekten auftaute und den Baum zerstörte. Sie zerstörte. Das Feuer das dafür sorgte, dass ihr alles zu viel wurde. Das sie überquoll. Das sie zusammenbrach unter der Last. Still, heimlich und leise für sich.

    Denn egal wie stark das Feuer war, egal wie viele Probleme das Mädchen zerfraßen...sie litt für sich allein. Warum wusste sie nicht. Sie wollte sich so sehr jemanden anvertrauen, konnte es aber einfach nicht. Sie wollte niemanden belasten. Konnte einfach nicht über ihre Gefühle sprechen. Aber es war ihr egal. Sie konnte es eh nicht ändern.

    Morgen fing der Ernst des Lebens wieder an. Die Maske aufsetzen und los.

    Aber für heute legte sie sich ins Bett, starrte die Decke an. Sie schloss die Augen. Es wurde Zeit für ihre Welt. Für ihre Liebe. Und sie fing an zu träumen. Und das Leben zu leben von dem sie jeden Abend insgeheim wünschte und hoffte, sie würde am nächsten Morgen darin aufwachen.

    Eine Träne lief ihr über das Gesicht.

    Der Baum brannte.

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