Das Biest und der Tyrann - Teil 19

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1 Kapitel - 4.110 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2015-07-20 - Entwickelt am: - 1.299 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Kids Sicht
    Sobald wir sicher aus diesem komischen Sturm raus sind, drehe ich mich um und steige die Treppen herunter. „Mika“, sage ich laut und betrete den Navigationsraum, dicht gefolgt von meinem Navigator. „Schließ die Tür“, weise ich an. Mika gehorcht und tritt näher an mich und den festen Logport ran. „Erzähl mir alles was du über die nächsten drei Inseln weißt“, befehle ich und setze mich in einen Sessel. Bequem lege ich meine Beine hoch und verschränke meine Hände hinterm Kopf. Mika schaut sich den Logport an und schaut dann auf eine Karte. „Also“, setzt er an. „Diese hier“ Er zeigt auf die ganz linke Insel, deren Nadel sich etwas unregelmäßig bewegt „ist die Insel Imku. Bis dahin sind es ungefähr drei Tage. Vielleicht auch vier. Es gibt da oft Erdbeben, deshalb bewegt sich die Nadel auch so unregelmäßig. Viele Bewohner leben in Armut und bewältigen mit Kriminalität ihre Probleme. Das ist die Insel Moran.“ Er zeigt auf die zweite Nadel, welche sich in langsamen Wellen bewegt. „Ziemlich klein. Über die Insel weiß ich so gut wie nichts. Man dürfte wohl ungefähr eine Woche dahin brauchen. Angeblich ist da aber ein riesiger Schatz versteckt. Die dritte Insel sollten wir wahrscheinlich meiden.“ Mika schaut sich die vollkommen ruhige dritte Nadel an. „Es ist ein riesiger Marinestützpunkt.“ Ein Marinestützpunkt? Ich horche neugierig auf. „Erzähl mir mehr darüber!“, sage ich sofort. Mika zuckt mit den Achseln. „Es leben dort nur wenige Bürger. Die meisten Bewohner gehören zu der Marine oder arbeiten für sie. Der Stützpunkt wird gerne von hochrangigen Marinetypen aufgesucht. Im Vergleich zum Hauptquartier ist das natürlich nichts, aber sie haben sich eine richtige Festung errichtet. Jeder Pirat, der es wagt die Insel zu betreten, wird sofort gefangen genommen.“ Mika hält einen Moment inne und scheint zu überlegen. „Wobei, das ist nicht ganz richtig. Man wird gefangen genommen, sobald man die Insel wieder verlässt. Die Bewohner der Insel haben sich beschwert, da ihr Einkommen extrem gesunken ist, seitdem die Marinebasis erbaut wurde. Piraten sollen dort also erst ihr Geld ausgeben und dann gefangen genommen werden. Eigentlich ziemlich clever.“ Was für ein Scheiß! Wie soll das funktionieren, wenn das bekannt ist. Ich runzle die Stirn. „Und warum machen Piraten keinen Bogen um die Insel, wenn das so bekannt ist?“, frage ich skeptisch. Mika schmunzelt. „Das ist ja überhaupt nicht bekannt“, antwortet er geheimnisvoll. „Und woher weißt du davon?“ Er zuckt mit den Schultern. „Kontakte!“, antwortet er. Ich lasse es unkommentiert. Frage einen Piraten niemals nach seinen Kontakten! „Wir nehmen Kurs auf die Marinebasis. Wie hieß die Insel noch gleich?“ „Manta!“, antwortet Mika und fährt etwas verunsichert weiter. „Warum, wenn ich fragen darf, suchst du dir ausgerechnet die Insel aus?“ „Nein darfst du nicht!“, antworte ich bestimmt und stehe auf. Ich nicke ihm verabschiedend zu und gehe aus dem Raum raus. Während ich übers Deck gehe, höre ich hinter mir den Befehl: „Steuer Backbord. Kurs Nord-West.“ Ich gehe aufs Hinterdeck, um ein bisschen alleine zu sein. Erschöpft reibe ich mir übers Gesicht. Schon wieder eine schlaflose Nacht. Wenn Grit nicht bei mir ist, kann ich nicht schlafen und wenn sie bei mir ist, kann ich auch nicht schlafen. Aber wie hätte ich auch schlafen sollen? Ich lehne mich gegen die Reling und beobachte den dunklen Fleck aus Gewitterwolken. Grit lag in meinen Armen und war einfach wunderschön. Ich konnte ihr Herz schlagen hören und es klang wie Musik. Auf der nächsten Insel werden wir noch vorsichtiger sein müssen. Sie wird nicht alleine rumlaufen. Auf gar keinen Fall! Da wimmelt es nur so von Marinetypen. Mit Sicherheit werden sogar einige hochrangige dabei sein. Aber ich darf sie auch nicht zu nahe haben, ansonsten kommen sie noch drauf, was zwischen uns beiden läuft. Dummerweise muss ich auf diese Insel. Das war eines der wenigen Dinge, die unsere Allianz tatsächlich beschlossen hat. Die anderen beiden sind einfach nur stur und haben keine Ahnung. Ihre Vorschläge waren absoluter Dreck. Leider sind Apoo und Hawkins die einzigen, mit denen eine Allianz noch soeben funktioniert. Absoluter Scheiß! Ich seufze. „Nein!“, höre ich plötzlich von hinter mir eine leise aber klare Stimme. Ruckartig drehe ich mich um. Grit sitzt an die Wand der Kajüte gelehnt in der Sonne und schläft. Vor ihr liegt ihre auseinandergebaute Waffe. Ich muss grinsen. Sie redet mal wieder im Schlaf. Letzte Nacht hat sie mir auch alles Mögliche erzählt. Allerdings konnte ich das meiste nicht verstehen. Ich gehe auf sie zu und verdecke mit dem Körper die Sonne. Grit bewegt sich ein bisschen unruhig. „Mach das Licht wieder an“, sagt sie wieder mit klarer Stimme. Ich grinse noch ein bisschen breiter. Es ist ziemlich lustig, wie sie auf die Dinge um sich herum reagiert, wenn sie schläft. Grits Gesicht verzieht sich. „Ich habe Angst im Dunkeln“, flüstert sie ängstlich. Okay, DAS ist nicht mehr lustig. „Onkel, bitte“, flüstert sie und eine Träne rollt ihr über die Wange. Das muss jetzt aufhören. Ich gehe in die Hocke und streichle sie sanft über die Wange. Plötzlich packt Grit meinen Arm und gräbt ihre Fingernägel schmerzhaft in meine Haut. Ihr Gesicht spiegelt Angst wieder. Sie muss jetzt endlich aufwachen. „Grit!“, sage ich deutlich. Sie schlägt ihre Augen ruckartig weit auf und starrt mich an. Ihr Atem geht ungleichmäßig. „Ich bin es“, sage ich ruhig. „Kid!“ Sie schaut mich noch einen Moment an. Langsam lässt der Druck an meinem Arm nach. Grit lässt erschöpft ihre Arme fallen und lehnt ihren Kopf an die Wand. „Alles in Ordnung?“, frage ich besorgt. „Nur ein Alptraum“, antwortet Grit. Ich runzle die Stirn. „Das war nicht nur ein Alptraum. So habe ich dich noch nie erlebt.“ Ich lasse nicht so schnell locker. Da war doch noch mehr. „Er kam mir sehr real vor. Das ist alles“, antwortet sie mir, aber sie schaut mich dabei nicht an. Ich schaue sie prüfend an. Grit weicht weiterhin meinem Blick aus. Na gut! Was es auch ist, es hat mit Hawkins zu tun. Diesem Arsch werde ich den Hintern aufreißen! „Ist das, was du gesagt hast, wahr?“ Grit schweigt einen Augenblick. „Was habe ich denn gesagt?“, fragt sie schließlich. „Dass du Angst im Dunkeln hast.“ Endlich bewegt Grit ihren Kopf und schaut mich an. „Ja!“, antwortet sie kurz und knapp. Ich setze mich neben sie. „Egal was in der Dunkelheit auf dich lauert, ich werde es für dich vertreiben“, sage ich und lege meinen Arm um sie. Grit lehnt ihren Kopf an meine Schulter und ich lege meinen Kopf auf ihren. Ich schaue mich noch einmal wachsam um. In meinem Blickfeld ist aber nichts zu entdecken. Ich schließe die Augen. Es geht nicht anders. Ich muss ein bisschen schlafen.

    Ich spüre ganz eindeutig eine Bewegung. Jemand bewegt meinen linken Arm. Grit sitzt nicht mehr neben mir. Da! Was war das? Eine Berührung an meiner Wange. Es war nur ganz flüchtig, aber ich hab es gespürt. Jetzt ist alles wieder ganz ruhig…

    Da ist ein ganz komischer Geruch. Schlagartig reiße ich die Augen auf und ziehe mein Messer. Ich schnelle nach vorne. „AHHH!“, höre ich ein kurzes Kreischen. Grits aufgerissene Augen sind direkt vor meinen. Oh shit! Fast hätte ich sie angegriffen. Ich lasse mich zurück fallen. Grit sitzt im Schneidersitz vor mir. Sie erholt sich rasch von dem Schrecken. Ich lasse mein Messer sinken. „Was ist denn mit dir los?“, fragt sie belustigt und legt den Kopf schräg. Ich stecke das Messer weg und schnuppere ein bisschen umher. Was riecht hier denn so komisch? Grit verfolgt meine Bewegungen mit neugierigen Blicken. Kommt das vielleicht von oben? Huch! Grit nimmt mein Gesicht in ihre Hände und zwingt mich sie anzusehen. Sie legt eine Hand auf meine Stirn. „Ist alles in Ordnung?“, fragt sie besorgt. „Natürlich!“, antworte ich. „Hier riecht irgendetwas ganz komisch.“ „Es gibt gleich Mittag!“, erklärt Grit. Ich versuche noch einmal den Geruch zu identifizieren. „Das ist es nicht“, sage ich bestimmt und schüttle den Kopf. „Das ist ganz eindeutig kein Essen“, murmle ich. „Was ist es nur?“ Grit knetet nervös ihre Hände. „Oh!“, sagt sie leise. „Ich glaube, ich weiß was du riechst.“ „Und was?“, frage ich nach. „Ähm… also…“ Sie räuspert sich. „Ich habe Thomas vorhin ein bisschen in der Küche geholfen und dabei zwei Töpfe in Brand gesetzt“, gibt sie kleinlaut zu. Bitte was? Ich schaue sie ein bisschen ungläubig an. Bisher hatte sie doch noch nie Probleme in der Küche gehabt. „Wie hast du das denn hingekriegt“, frage ich verwundert. „Naja“, erzählt Grit und kratzt sich verlegen am Kopf. „Ich kann halt echt nicht kochen. Gemüse schneiden und mal die Suppe umrühren geht ja noch, aber richtig etwas kochen… Thomas hat mich dann rausgeschmissen. Ich glaube der ist jetzt echt sauer auf mich.“ Ich lache laut los. Grit schlägt mich. „Das ist gar nicht lustig!“ Lachend halte ich mir die getroffene Stelle. „Doch… doch, eigentlich ist das schon ziemlich lustig“, bringe ich hervor. So etwas ist jedem bestimmt schon mindestens einmal passiert. Und jedes Mal haben die Köche geflucht und den Übeltäter zum Mond gejagt. Die Essensglocke erschallt übers Deck. „Keine Sorge! Morgen hat Thomas es schon wieder vergessen. Womöglich feiert ihr beiden schon heute Abend wieder fröhlich zusammen“, sage ich aufmunternd und rapple mich hoch. Ich reiche Grit meine Hand und ziehe sie hoch. „So! Und jetzt gehen wir zum Essen.“ Grinsend drehe ich mich um und gehe zur Treppe. „Ohhh! Woah! Mensch Grit! Warne mich das nächste Mal doch bitte vor“, sage ich überrascht. Sie umklammert mit ihren Beinen meine Taille und hält sich mit den Armen an meinem Hals fest. „Los Pferdchen! Lauf“, ruft Grit vergnügt und haut mit ihrer Hand leicht auf meinen Oberkörper. Ich lache auf und gehe die Treppen runter. Sie ist ein absolutes Fliegengewicht. Als wir bei der Tür zum Speiseraum ankommen, drückt sie die Klinke mit ihren Füßen runter und stößt die Tür auf. Der Geruch, den ich hinten auf dem Deck gerochen habe, schlägt mir jetzt kräftig in die Nase. Es sind zwar alle Fenster offen, aber ganz rausgezogen ist der Gestank noch nicht. „Mensch Grit! Hast du die gesamte Küche in Brand gesteckt? Das riecht ja schrecklich“, sage ich sarkastisch. Meine Nase kann ich leider nicht zuhalten. Ich muss ja Grit irgendwie tragen. Killer kommt uns entgegen. „Lass die Tür gleich offen. Der Gestank ist immer noch nicht ganz abgezogen. Hab gehört du bist Schuld daran?“, sagt Killer und guckt bei der letzten Frage Grit an. Ich kann ihr Gesicht nicht sehen, aber ich nehme an, dass sie rot wird. „Joa“, gibt sie verlegen zu. Killer lacht. „Halb so schlimm! Ist mir auch schon mal passiert. Ich glaube sogar zweimal schon“, sagt Killer belustigt und klopft ihr auf die Schulter. „Ich mach das mit der Tür“, sagt er noch und geht an uns vorbei. Ich gehe grinsend weiter. „Scheint als hätte dein Anschlag schon die Runde gemacht“, sage ich. Grit seufzt. „Ja! Das befürchte ich auch“, seufzt Grit. „Wie auch immer“, setzt sie fröhlich hinzu. „Es gibt ja trotzdem essen.“ Ich ziehe ihren Stuhl nach hinten. „So! Da wären wir! Alle absteigen bitte.“ Grit klettert von mir runter und stellt sich auf den Stuhl. Sie setzt sich hin und ich schiebe den Stuhl an den Tisch ran. Ich setze mich auf die andere Seite auf meinen Platz.

    „Hat ja doch noch ganz lecker geschmeckt“, sagt Kalle grinsend, als er den letzten Rest Nudeln zerkaut. „Jetzt hör aber mal auf! Wie lange soll ich mir das denn noch anhören?“, fragt Grit etwas genervt. John und Kalle haben sich während des gesamten Mittagessens über sie lustig gemacht. Langsam reicht es! Das wird sogar für mich nervig. „Männer!“, setzte ich an, aber Grit hebt die Hand. „Schon oke, Kid!“, beruhigt sie mich. „Ja genau, Kid. Ist schon in Ordnung. Wir meinen es ja nicht böse. Wir wollen nur, dass es ihr kein zweites Mal passiert“, sagt John grinsend und Kalle nickt leicht kichernd. „Wisst ihr“, sagt Grit und fasst beiden in den Nacken. „Ich schätze das sehr. Natürlich sorge ich mich auch um euch. Ich will ja nicht, dass ihr ein zweites Mal diese Maßnahme treffen müsst.“ Sie zieht die beiden Köpfe vor ihrem Körper zusammen und verpasst so beiden eine Kopfnuss. „Ahh!“, stöhnen John und Kalle, als sie nach einem dumpfen Schlag die Köpfe wieder auseinanderziehen. Grit lächelt, während sich meine Männer die Stirn halten. Die in der Nähe sitzenden Männer grölen vor Lachen. „Kid, sag doch was“, stöhnt Kalle. Ich zucke mit den Schultern. „Da müsst ihr jetzt durch. Habt ihr verdient!“ Grit trinkt selbstzufrieden aus ihrem Becher. „Kid, du weißt schon, dass du deine Jungs besser erziehen musst. Die haben keine Manieren Frauen gegenüber“, sagt sie vorwurfsvoll. Oho! Da lehnt sich jemand aber weit aus dem Fenster. „Ist das so?“, frage ich sarkastisch. Grit nickt und greift nach dem Wasserkrug. „Ja!“ Gerade als Grit den Krug greifen will, rutscht er ein Stück von ihr weg. Naja, er ist halt aus Metall. „Vielleicht sollte ich DICH besser erziehen“, sage ich grinsend. Grit kneift die Augen zusammen und greift wieder zum Krug. Wieder rutscht er ein paar Zentimeter von ihr weg. Ich halte meine Hand unauffällig neben mir, aber Grit weiß natürlich, wer den Krug steuert. „Ohhh komm schon!“, sagt sie genervt. Jedes Mal, wenn sie nach dem Krug greift, schiebe ich ihn weg von ihr. Mittlerweile ist der Krug so weit weg, dass sie ihn im Sitzen nicht mehr erreicht. Grit steigt kurzerhand auf ihren Stuhl, stützt sich auf den Tisch auf und lehnt sich nach vorne. Ich grinse dick und fett. Hartnäckig ist sie ja. Das muss man ihr lassen. Rechts von ihr steht ein anderer Wasserkrug, aber sie will mich natürlich besiegen. Der Krug rutscht immer weiter und Grit lehnt sich immer weiter nach vorne. Ich sehe schon fast, wie sie auf die Teller fällt, aber noch hält sie sich. Grit schnaubt, zieht sich kurz zurück und stützt sich dann auf Johns Kopf ab. Sie klettert über ihn rüber und folgt dem Krug. Ich fange an lauthals zu lachen. Aber Grit lässt sich nicht aufhalten. Sie klettert über leere Stühle und besetzte Stühle. Ich lasse den Krug anhalten. Grit greift danach. Ich lasse ihn auf die rechte Tischseite wandern. Grit stützt sich auf dem Tisch auf und langt rüber zum Krug, aber ich lasse ihn zurück auf die linke Seite wandern. Gleich wird sie wieder danach greifen. Grit bewegt sich. Ich schiebe den Krug auf die rechte Seite. Ach Mist! Sie hat mich reingelegt. Grit ist auf die rechte Tischseite gesprungen und sich den Krug geschnappt, sobald ich ihn rübergeschickt habe. Triumphierend hält sie ihn hoch und kommt auf mich zu. Sie legt ihren rechten Arm über meine rechte Schulter. Ihr Kopf taucht auf der anderen Seite neben meinem Kopf auf. „Tja! Ich bin einfach zu schnell für dich!“, säuselt sie mir ins Ohr, dreht mit ihrer linken Hand ihr mein Gesicht zu und streichelt sanft über meine Wange. Sie lächelt, als sie mir dann noch einmal leicht auf die Wange haut und sich dann zurückzieht. Kaltes Wasser ergießt sich über meinen Kopf. War ja klar! Ich wusste es, aber ich war wohl ein bisschen zu sehr abgelenkt. „Was hatte ich noch einmal am zweiten Tag zu dir gesagt? Du siehst aus wie ein begossener Pudel? Also so siehst du jetzt auf jeden Fall aus“, sagt Grit lachend hinter mir. Ich kann mir das vor meinen Männern leider nicht gefallen lassen. Der ganze Raum ist sowieso schon von Gelächter erfüllt. Ich stehe auf und gehe zu Grit. Sie steht mit vor der Brust verschränkten Armen da und grinst mich an. Als ich sie erreiche, packe ich sie locker bei der Hüfte und werfe sie mir über die Schulter. Grit kreischt überrascht und versucht sich zu befreien. Meine Männer johlen. Wie schön, dass sie immer noch wissen, wer ihr Käpt’n ist. Ich grinse. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Grit sie alle auf ihrer Seite hat. Ich meine, ich kann es ja verstehen. Ich bin auch absolut und total auf ihrer Seite. Sie verdreht jedem den Kopf. Ich trage Grit nach draußen. „Was soll ich bloß mit dir machen, huh? Vielleicht sollte ich dich ins Meer werfen“, überlege ich laut. „Zu mindestens mal kurz eintauchen.“ Ich gehe zur Reling. „Ja ich glaube, das sollte ich tun“, sage ich und nicke. Grit schlingt ihre Arme um meinen Bauch und hält sich sehr fest. Verdammt noch einmal! Ich kann kaum ihre strampelnden Beine festhalten. Huch! Wo ist sie denn jetzt hin? Grit ist tatsächlich entwischt. Ich drehe mich um. Sie steht genau vor mir. „Respekt, aber das wird dich nicht vor meiner schrecklichen Rache retten. Und du weißt, ich bin sehr sehr rachsüchtig“, sage ich sarkastisch. Grit verlagert ihr Gewicht auf ein Bein und stemmt ihren rechten Arm in die Hüfte. „Ach ja?“, fragt sie und schaut mich herausfordernd an. „Das werden wir ja sehen.“ Sie sieht mal wieder sehr sexy aus, wie sie da so steht. Aber das will sie jetzt nicht hören. Sie will jetzt lieber ein bisschen spielen. Ich grinse. Kann sie gerne haben. „Hol mich doch, wenn du dich rächen willst“, sagt Grit grinsend. Ja, als ob! Aber irgendwie muss ja der Anfang gemacht werden. Ich gehe langsam auf sie zu. In meinen ersten Schlag packe ich eine Menge Kraft. Er wird Grit sowieso nicht treffen. Sie biegt sich zur Seite und die Faust saust an ihr vorbei. Während ich meinen Arm wieder zurückhole, bringt sich Grit mit einem Sprung hinter mich. Ich drehe mich schnell um. Wusch! Ihr Fuß landet mitten in meinem Gesicht. „Meine Güte!“, stoße ich aus und versuche mein Gleichgewicht wieder zu finden. Ich richte mich auf. Grit springt auf mich zu. Diesmal trifft sie mich nicht. Ich ducke mich, greife nach ihren Beinen und werfe sie zu Boden. Grit schlägt auf und rollt sich dann ab. Sie kommt zum Stehen und fletscht die Zähne. Ich gebe ein Grollen ab. Grit setzt sich in Bewegung und sprintet auf mich zu. Sie geht auf den Boden und versucht mich zu grätschen, aber ich drehe mich über meine rechte Schulter aus der Schusslinie. Plötzlich springt sie mich von hinten an. Mit festem Griff umklammert Grit meinen Hals und versucht durch ihr Gewicht, mich nach hinten zu ziehen. Sie ist zwar nicht schwer, dafür ist ihr Griff aber umso stärker. Verdammt noch einmal! Irgendwie muss ich dieses Biest doch von meinem Hals runterkriegen… „AHHHHH!“, rufe ich laut und lasse mich nach hinten fallen. Irgendwann muss Grit loslassen. Sie löst zwar den Griff, kann aber nicht rechtzeitig entkommen. Ich falle auf sie. Hoffentlich verletzt sie sich nicht allzu sehr. Ich habe schon versucht nicht mit dem ganzen Gewicht auf sie zu fallen. Grits Zehen bohren sich in meinen Rücken. Vor Schmerzen mache ich ein Hohlkreuz und sie entwischt. Schnell springe ich wieder auf die Füße. Ich schau mich um. Wo ist sie hin? Da! Sie läuft die Treppe zum Heck hoch und verschwindet der Kajütenwand. Alles klar! Ich dehne meine Nackenmuskeln und lasse die Fingerknöchel knacken. Jetzt gibt es keinen Ausweg mehr Grit. Es führt nur die eine Treppe da hin. Ich gehe die Treppe hoch und versuche nicht ganz so viele Geräusche zu machen. Mit erhobener Faust drehe ich mich schnell um die Ecke. „Scheiße!“, fluche ich leise. Wo ist sie jetzt schon wieder hin? Das kann doch nicht sein. Hektisch sehe ich mich um, aber das Hinterdeck ist leer. Was ist das? Ich bleibe stehen und lausche. Irgendetwas fliegt durch die Luft. „Wuah!“ Grit landet schreiend auf meinem Rücken und presst ihre Beine kräftig in meine Seiten. Schläge prasseln auf meinen Kopf ein. Ich versuche mit meinen Händen meinen Kopf zu schützen, aber es ist fast unmöglich. Ihre Fäuste treffen mich trotzdem. Jetzt reicht es! Ich packe sie und werfe sie über meinen Kopf nach vorne. Grit fliegt kreischend über mich rüber und knallt auf den Boden. Diesmal zögere ich keine Sekunde und nagle sie am Boden fest. „Sieht aus, als hätte ich gewonnen“, verkünde ich grinsend. „Schon wieder!“ Grit guckt grimmig. Autsch! Überrascht lasse ich Grit los. Sie hat mir eine heftige Kopfnuss verpasst, die ihr selbst wohl auch ziemlich zugesetzt haben dürfte. Ein kräftiger Schlag landet in meiner Magengrube. Keine Zeit zum Aufstehen! Muss zurückschlagen! Wir rangeln und prügeln auf dem Boden und wälzen uns hin und her. Sie ist verdammt zäh! Das muss ich immer wieder feststellen. Und ausdauernd nervig ist sie auch. Aber auch verdammt süß! Batsch! Mich trifft ein heftiger schlag auf die Wange. Scheiße! Ich muss mich konzentrieren und darf mich nicht ablenken. Es dauert eine Weile, bis ich die Gelegenheit habe Grit wieder festzunageln. Diesmal liegt sie auf dem Bauch und ich gehe sicher, dass sie nicht wieder einen unerwarteten Schlag machen kann. „Du bist besiegt!“, sage ich ihr schwer atmend. Grit keucht. Ich nehme ihr die Möglichkeit frei atmen zu können. „Okay, okay“, gesteht sie ebenfalls schwer atmend. „Aber geh endlich von mir runter.“ Ich gebe sie frei und lege mich auf den Rücken alles von mir gestreckt. Hechelnd versuche ich wieder zu einem normalen Atemrhythmus zurückzufinden. Ich drehe meinen Kopf zur Seite. Grit liegt ebenfalls auf dem Rücken und hat Arme und Beine von sich gestreckt. Ihr Kopf ist von der Anstrengung rot. Ich schaue wieder in den Himmel. Es sind kaum Wolken zu sehen. Der Himmel ist in einem gleichmäßigen hellblau und wenn man ganz genau hinsieht, dann… huch Grit! Ich erhole mich schnell von dem Schrecken und grinse. „Was machst du denn hier?“, frage ich sie. Grit liegt auf meinem Oberkörper und grinst mich an. „Irgendwann gewinne ich gegen dich. Vielleicht schon beim nächsten Mal“, sagt sie entschlossen. Ich nicke. „Das glaube ich dir. Und ich werde dich ganz sicher nicht mit Absicht gewinnen lassen, nur weil du die schönste und attraktivste und einfach tollste Frau bist, der ich je begegnet bin.“ Während ich das sage grinse ich, aber ich meine es total ernst. Grit wird rot. Aber diesmal nicht vor Anstrengung. Sie ist mal wieder verlegen. An solche Komplimente muss sie sich wohl oder übel gewöhnen müssen, wenn sie mit mir zusammen ist. Ich grinse noch breiter. Grit bewegt sich, hält aber abrupt inne. Sie kaut auf ihrer Lippe rum, beugt sich etwas weiter vor und hält wieder an. Plötzlich bewegt sie sich ganz schnell nach vorne und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Sie stützt sich auf meinen Brustkorb, springt auf und läuft schnell weg. Es ist seltsam zu sehen, dass Grit vor so etwas Angst hat. Ich lächle und verschränke die Hände hinterm Kopf. Wenn sie sich schon fast nicht traut mir einen Kuss auf die Wange zu geben, während niemand zuschaut, wie schwer wird es für sie sein, wenn wir irgendwann mal Sex haben? Ich denke sie wird sich schon noch Schritt für Schritt in unserer Beziehung wohlfühlen. Wenn die Aufregung über das Neue langsam abklingt, wird sie immer vertrauter werden mit diesem ganzen Beziehungsding. Ich hoffe, dass sie mich dann auch noch liebt…

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