Leben und Liebe in Mittelerde - Teil 26

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2 Kapitel - 1.419 Wörter - Erstellt von: Tariel - Aktualisiert am: 2015-07-16 - Entwickelt am: - 1.065 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Die Suche beginnt, jedoch völlig anders als sie es sich vorgestellt hatte.

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Ich trug, außer einem Schwert, welches in meinem Gürtel steckte und einem kleinen Lederbeutel voller Geldstücke, nichts bei mir. Mehr Gepäck konnte ich mir nicht erlauben, da ich sonst nur langsam vorankam. Gebannt beobachtete ich die Umgebung, um mögliche Gefahren ausmachen zu können und vor allem, um mich von der Müdigkeit, die schwer auf meinem Körper lastete und meinen Gedanken abzulenken.
Gleich nach dem kurzen Treffen mit meinem Bruder war ich auch schon wieder aufgebrochen, ich durfte keine weitere Zeit verlieren. Jede Minute, ja, jede Sekunde konnte Eldarions Tod bedeuten und Eldarions Tod würde zugleich mein eigener sein. Ihm gehörte der Platz in meinem Herzen, der zurzeit leer stand. Es war eine schmerzende Leere, sie war mir schmerzlich bewusst.
Mit jedem Schritt befürchtete ich umso mehr, dass meine Knie einfach nachgeben könnten und ich mitten im nichts verloren war. Hier gab es tatsächlich nichts als Gras und vereinzelt stehende Bäume. Die Sonne war gerade eben hinter dem fernen Horizont verschwunden, das Licht schwand allmählich. Wie sollte ich hier, irgendwo im nirgendwo, ein Lager für die Nacht finden? Würde ich mich hier niederlassen, wäre ich der Nacht und ihren Geschöpfen schutzlos ausgeliefert. Die Chance hier alleine zu überleben, stand gleich null. Verdammt!
Leise rauschte der Wind in den Blättern der Bäume und ließ mich aufhorchen. Hatte ich mir das nur eingebildet, oder war da gerade tatsächlich ein Schatten von einem Baum zum nächsten gehuscht? Zögernd zog ich mit zitternden Fingern mein Schwert aus dem Gürtel, schwer lag es in meiner Hand. Wie lange vermochte es mein müder Körper es noch sich zu wehren, sollte ich nun tatsächlich angegriffen werden? Plötzlich trat jemand aus dem Schatten der Bäume. Die Kapuze seines rabenschwarzen Umhangs hatte er sich tief ins Gesicht gezogen, doch eine aufkommende Windböe riss sie der Gestalt vom Kopf. Ich verengte meine Augen zu schmalen Schlitzen, um den ehemaligen Schatten in der Dunkelheit besser erkennen zu können. Der Umhang wurde vom Wind nach hinten gerissen. Die schwarzen Haare des hageren Mannes fielen ihm in die Stirn, doch er schenkte ihnen keine weitere Beachtung, sondern zog schweigend einen langen Dolch unter seinem Umhang hervor. Verdammt, der wollte tatsächlich kämpfen? Hatte ich denn überhaupt noch ausreichend Kräfte für einen Kampf? Unsicher ging ich ebenfalls in Angriffsstellung und starrte auf meinen Gegner. Ich wusste, ich konnte den bevorstehenden Kampf nicht gewinnen, dafür hatte ich eindeutig zu wenig Übung mit dem Schwert und auch keinerlei Erfahrung hatte ich damit gemacht. Die Klinge des Dolches blitzte im kalten Mondlicht auf, ich konnte meinen Blick nicht von der Klinge abwenden. Ich spürte, wie meine Knie weich wurden und drohten nachzugeben, doch ich zwang mich standzuhalten. Nein, so leicht würde es ich ihm ganz bestimmt nicht machen! Mein Leben war mir viel zu viel wert, um es nun einfach achtlos wegzuwerfen. Langsam und mit erhobenem Haupt schritt der hochgewachsene Mann auf mich zu und wirbelte den Dolch in der Luft umher. Wollte er mir damit etwa Angst einflößen? Wenn ja, dann hatte er es bereits geschafft. Meine Zähne klapperten, doch ob es wegen der Kälte oder der Angst war, konnte ich nicht genau sagen. Ich packte das Schwert fester, meine Finger liefen weiß an, doch ich verbiss mir jeglichen Schmerzenslaut, ich musste tapfer sein.
Der Mann blieb wenige Schritte von mir entfernt stehen und streifte sich den Umhang ab, welchen er achtlos beiseite warf und ebenfalls in Angriffshaltung ging. Meine Finger verkrampften sich um den kalten Schwertgriff. Das Mondlicht warf bizarre Schatten auf das Gesicht meines Gegners und plötzlich erkannte ich, mit wem ich es hier zu tun hatte. Ich erkannte das blasse Gesicht, die hagere Gestalt des Mannes wieder. Es war der Mann, den ich und Eldarion durch die Weiße Stadt gejagt hatten, der Mann, der vor uns geflohen war und vermutlich hatte auch er uns in eine Falle gelockt. Er war an allem schuld! Er war schuld daran, dass ich nicht mehr bei Eldarion war, er war schuld daran, dass ich beinahe wieder im Palast meines Vaters eingeschlossen wurde. Natürlich, er wollte mich nur beschützen und es ging ihm ausschließlich darum, dass ich mich nicht in Gefahr brachte, doch ich wusste, was wirklich in ihm vorging.
Aber nun war es nicht mein Vater, der mir Sorgen bereitete, nun stand mir ein Kampf bevor, ein ziemlich ungerechter Kampf, um genau zu sein. Der Wind trug die Stimme des hageren Mannes zu mir herüber: „Willst du wirklich kämpfen? Willst du dich nicht lieber gleich ergeben? Du weißt, wie das enden wird, wenn du dich wehrst. Ich bekomme dich so oder so.“ Unsicher biss ich mir auf die Unterlippe, bis ich Blut schmeckte. Er hatte Recht, ich würde nicht lange durchhalten und egal wie, er würde der Gewinner sein. Gegen ihn hatte ich in diesem Zustand keine Chance. Zögernd schüttelte ich den Kopf und klammerte mich noch fester an den Griff des Schwertes. Nein, ich würde mich ganz sicher nicht freiwillig ergeben, würde mich ihm niemals unterwerfen, wenn ich eine andere Wahl hatte und die hatte ich, auch wenn sie aussichtslos erschien, ich würde sie nützen.
Gleichgültig zuckte mein Gegenüber mit den Schultern und grinste gehässig.
„Ich hätte dir eine Wahl gelassen und du hast deine Wahl getroffen, doch glaube mir, es war keine weise Entscheidung“, meinte er und lachte kurz auf, bevor er mit einem erschreckend lauten Schrei auf mich zusprang und ich der Klinge seines Dolches im letzten Moment ausweichen konnte. Ja, vielleicht hatte er Recht, es war keine besonders kluge Entscheidung gewesen, doch ich würde mein Schicksal niemals kampflos hinnehmen.
Die Klinge des Dolches zischte erneut durch die Luft, doch diesmal war es zu spät, um auszuweichen.

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