Die Kunst der Krähe

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2 Kapitel - 1.932 Wörter - Erstellt von: Selina Sakura - Aktualisiert am: 2015-08-11 - Entwickelt am: - 688 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Lennja ist die Tochter des Königs von Olileanya. Doch es scheint, als hätte er ein Geheimnis vor ihr. Warum sonst sollte er sie im Schloss einsperren. Während Lennja ihre Freiheit sucht, kämpft Johanna um ihr nacktes Überleben...

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    PROLOG

    Es war Februar. Die Bäume waren kahl und kalt, Wind fegte über Schneebedeckte Straßen. Der Schnee reflektierte das Licht des Mondes wieder, machte die Nacht heller und schenkte ihr die Schönheit einer eisigen Frau. Es waren keine Leute unterwegs, man sah keine Farben, hörte nichts. Es war still -viel zu Still. Die Fensterläden der ärmlichen, kleinen Häuser, die sich zu beiden Seiten der Straße zusammendrängten als hätten sie Angst vor der Ruhe, waren geschlossen. Es war ein kleines Dorf, weit abgelegen, umsäumt von dunklen Wäldern und hohen Bergen, in denen so mancher mutiger Wanderer für immer Verschwand. Flügelschläge, eine Taube flog auf, weiß, wie zum Zeichen des Friedens, aufgescheucht von kaum hörbaren, leichten Schritten. Die Schritte eines jungen Mädchens. Sie hatte langes, hellblondes Haar und trug ein zerschlissenes, braunes Kleid. Ihr Gesicht war der Erde zugewandt. Heiße Tränen fielen aus tiefblauen Augen und brannten sich durch den Schnee, wie der Schmerz des Mädchens in sein Herz. Es lief zu einem der Häuser, zur Tür. Es klopfte leise. Die alte, trügerische Stille antwortete ihr. "Mach auf!" flehte sie. Tränen ersticken ihre Stimme. "Du hast es mir versprochen. Ich weiß das du mich hörst. Oh, lass mich nicht im Stich. " Stille. "Bitte. Sie werden bald kommen. Sie werden nach mir Suchen und sie werden mich finden, wenn du mir nicht hilfst." Nichts. Panik stieg in ihrer Stimme auf, als sie fernen Hufschlag hörte. "Sie kommen. Lass mich rein. Nein, denk nicht an das Geld. Bitte. Lass mich nicht allein." Rufe wurden laut. Das Mädchen wischte sich seine Tränen ab, es war zu spät sich zu verstecken. Die Reiter wurden sichtbar, es waren sechs. Sie trugen violette Uniformen und auf der Brust prangte das Zeichen des königlichen Hauses, eine Schlange. "Da ist sie!" schrie der vorderste Reiter, ein dicker Mann mittleren Alters mit fuchsrotem Bart. Sein Haar konnte das Mädchen nicht sehen, denn es war unter einem goldenen Helm verborgen, doch sie vermutete, dass es ebenso rot war. Der Mann sprang ab, lief auf sie zu und packte sie am Arm. Sie schrie, aber sie wehrte sich nicht. "VERRÄTER!" Der Soldat holte aus und schlug das zarte Ding einfach nieder. Dann fesselte er sie und legte sie quer auf sein Pferd. Ein anderer Mann, harger wie ein Strichmännchen, ging zur Tür und klopfte. "Aufmachen! " krächzte er, seine Stimme verriet das er krank war. Die Tür öffnete sich ein wenig. Ein Junge sah heraus. Seine Haare waren schwarz wie Rabenfedern und seine braunen Augen waren gerötet, als hätte er geweint. "Hier ist dein Lohn, für den Tipp. " keuchte das Strichmännchen, drückte dem Jungen eine Goldmünze in die Hand und hustete Schleim. Der Blick des Jungen wanderte von der Münze zum Körper des Mädchens. Eine Träne lief über sein Gesicht. Der kranke Soldat wandte sich ab und lief zu seinem Pferd. Sie ritten in die Richtung davon, aus der sie gekommen waren. Der Junge sah ihnen nach. "Ih, Johanna. Es tut mir so leid. Es war ... ich, ich musste es machen. Sonst überlebt sie nicht. " Er wusste, dass sie ihn nicht hören konnte, aber er wollte es einfach gesagt haben. Johanna würde es verstehen. Sie wusste doch wie sehr er das Geld brauchte, oder? Die Reiter verschwanden am Horizont. Der Junge drehte sich um und lief zurück ins Haus. Die Stille herrschte weiter. Eisiger uns Böser als zuvor.

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    DER TRAUM DER PRINZESSIN

    Ein einsames Licht brannte in der Mondlosen Nacht. Es stammte von einer Kerze, die hoch oben, im Turmfenster einer gewaltigen Burg stand. Es schien beinahe, als würde die Dunkelheit das winzige Licht erdrücken, doch das stimmte nicht. Das schwache Licht vertrieb die Finsternis, wehrte sich tapfer und ließ die Nacht weichen. Das Mädchen, das reglos in das Flackern des kleinen Lichtes starrte, wusste das. Für sie bedeutete die Kerze Hoffnung. Sie träumte, eines Tages würde sie auf diesem Lichtstrahl hinauf fliegen, weit über die Mauern der Burg hinweg, die sie gefangen hielten. Dann würde sie frei sein, erlöst von der Traurigkeit und Düsternis, die hier herrschte. Sie würde fliehen, vor der grausamen Stille, für die sie sich selbst die Schuld war. Vor Siebzehn Jahren, als sie ihren ersten Atemzug tat, hauchte die Königin ihren letzten aus. Alles was ihr von der Mutter geblieben war, war ein Name und ein Bild … und das Loch, das im Herzen ihres Vaters entstanden war. Königin Seraphina. Obwohl sie sie nie gekannt hatte, vermisste das Mädchen sie schrecklich. Lennja war in dem Turmzimmer aufgewachsen. Hier hatte sie ihre ersten Schritte getan, hier hatte sie ihr erstes Wort gesprochen, doch sie konnte sich nicht entsinnen, auch nur einmal gelacht zu haben. Die Traurigkeit des Königs hatte sich über die Burg und ihre Bewohner gelegt, wie ein Vorhang und erdrückte das Leben im Herzen seiner Tochter. Nacht um Nacht saß sie am Fenster, im Licht der einsamen Kerze und träumte. Malte sich aus, wie es wohl wäre, durch das Gras zu laufen, die Sonne auf der Haut zu spüren. Wie es wohl wäre, nicht von kalten Mauern umschlossen zu sein. Nichts wünschte sie sich sehnlicher. Ein Windhauch fuhr mit eisigen Fingern ins Zimmer und löschte die Kerze, als würde er sie verspotten. Ließ sie einsam im Dunkeln zurück und verhöhnte sie. Lennja begann lautlos zu weinen, Tränen suchten sich ihren Weg und tropften schwer auf den Kalten Steinboden. Stunden vergingen so, doch sie hatte alles Zeitgefühl längst verloren und als sie aufsah, kämpften sich die ersten Sonnenstrahlen durch die Dunkelheit und färbten der Himmel blass-rosa. Lennja stand auf und stöhnte, als ihr ein unangenehmes Kribbeln verkündete, dass ihre Füße eingeschlafen waren. Sie stolperte durch den kleinen Raum, den sie nie hatte Zuhause nennen können, auf einen großen, Gold umrahmten Spiegel zu. Sie hatte einen Entschluss gefasst. Ein winziger Gedanke, der schon immer tief in ihr Gewachsen war, hatte Größe gewonnen. Es war schier Hoffnungsloses Vorhaben, doch einen Versuch war es wert. Die Prinzessin betrachtete ihr Gesicht, das vollkommen ausdruckslos war. Doch in ihren Smaragdgrünen, leicht schräg stehenden Augen stand feste Entschlossenheit geschrieben. Sie zog die erste Schublade ihres Nachttisches auf und entnahm ihr eine Schere. Seufzend strich sie noch einmal durch ihr Hüftlanges, sanft gewelltes rabenschwarzes Haar, dann machte sie sich ans Werk. Strähne um Strähne fiel zu Boden. Ihr Haar würde nur im Wer sein, wenn sie floh. Ein paar letzte Schnitte, schon machte sie einen ganz anderen Eindruck. Zufrieden sah sie, dass sie nun eher wie ein Junge wirkte, als wie ein Mädchen. Es fehlte nur noch die passende Kleidung. Aber das konnte noch ein wenig warten. Wichtig war, dass jetzt alles so lief, wie sie es sich gedacht hatte. Hastig kramte sie ein paar Sachen zusammen, unter anderen eine kleine, goldene Uhr, ein paar Schmuckstücke, Streichhölzer, Nadel und Faden und ein Taschenmesser, und verwahrte sie in einer Wolldecke, die sie an den Enden zusammenband, sodass ein praktisches Bündel entstand. Sie schluckte und nahm behutsam das Bild von der Wand, das sie als Baby in den Armen ihres Vaters zeigte. Ihr schlechtes Gewissen nagte schon jetzt an ihr, als sie sich seitlich neben die Tür stellte und das Bild, mit seinem schweren Rahmen erwartungsvoll über den Kopf hoch. Zehn Sekunden. Ihre Finger zitterten nervös, während die Standuhr beinahe unerträglich laut tickte. Zwei. Ein Schlüssel im Schloss. Die Tür öffnete sich. „Einen wunderschönen Morgen, eure königliche -“ Mit einem lauten Wumms, lies Lennja das Bild auf ihr Kindermädchen herabsausen. Der Rahmen traf sie direkt am Kopf und zersprang. Die Leinwand klatschte lose auf den Boden, und das arme Kindermädchen folgte sogleich. Die Prinzessin verzog das Gesicht und murmelte eine Entschuldigung, auch wenn sie das Mädchen sowieso nicht mehr verstand. Schnell nahm sie ihr Bündel auf, doch gerade als sie durch die Tür huschen wollte, fiel ihr Blick noch einmal auf die Leinwand. Eine Ecke war abgeknickt. Durch den Rahmen, war ihr das nie aufgefallen. Erstaunt bückte sie sich und starrte entgeistert auf das vollständige Bild. Ein paar Sekunden vergaß sie zu atmen, dann schüttelte sie heftig den Kopf, rollte die Leinwand zusammen und rannte aus dem Zimmer. Der düstere Gang führte in zwei Richtungen. Rechts ging sie jeden Morgen, begleitet von dem bedauernswerten Kindermädchen in den Speisesaal, wohin es links ging, wusste sie nicht. Unentschlossen huschte ihr blick hin und her, bis sie sich für links entschied, anders ging es ja wohl kaum, auch wenn sie dazu riskieren musste, in einer verhängnisvollen Sackgasse zu landen. Sie folgte dem Gang bis zu einer schweren Tür aus Eichenholz. Probeweise ruckelte sie daran und tatsächlich ließ sie sich mit ein wenig Mühe öffnen. Es war ein großes, Lichtdurchflutetes Zimmer, mit einem großen offenen Balkon. An der Wand über dem riesigen Himmelbett hing ein Gemälde, das Königin Seraphina mit ihrem Mann König Owen. Eben diesen Mann, den Lennja zu verachten gelernt hatte. Auf der Ordentlich gefalteten Bettdecke lag dicker Staub und die Prinzessin begriff, dass dies das Zimmer ihrer Mutter gewesen sein musste. Eine dumpfe Traurigkeit erfüllte sie, als sie in das Gemalte Gesicht der Mutter blickte, das ihrem so ähnlich war. „Lennja! Was hast du hier zu tun?“ Eine tiefe, hasserfüllte Stimme hinter ihr, ließ sie erstarren. Sie wusste sofort, wer das war. Deshalb war das Zimmer nicht verschlossen gewesen. Weil er das war. Owen. Sie drehte sich nicht um, sondern stürmte Reflexartig auf den Balkon, der, wie sie jetzt feststellte, nur ein Teil der äußeren Burgmauer war. Sie lehnte sich vor und konnte in schwindelerregender tiefe den Burggraben ausmachen, der mit schmutzigen, widerlich stinkenden Wasser gefüllt war. Noch bevor sie überhaupt zu Ende gedacht hatte, stand sie bereits auf der Mauer. Sie drehte sich noch einmal um und sah direkt in die Blauen, blutunterlaufenen Augen ihres Vaters, dann sprang sie. Unendlich schnell brauste der Wind an ihr vorbei. Lennja hielt die Augen fest geschlossen und hoffte nur, dass sie nicht allzu schmerzhaft aufkommen würde. Gerade als sie glaubte, sie würde noch ewig fallen, traf sie auf das Wasser und tauchte unter. Das „Wasser“ war dickflüssig und lag widerlich warm auf ihrer Haut. Mit ein paar kräftigen Schwimmschlägen beförderte sie sich an die Oberfläche und holte keuchend Luft.

Kommentare Seite 1 von 1
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Wacalover ( 54568 )
Abgeschickt vor 92 Tagen
Bitte schreib weiter. Die Geschichte ist der Hammer!!!!!!!!!!!!!!!!
Höhlenstimme ( 54568 )
Abgeschickt vor 239 Tagen
Du musst umbedingt weiterschreiben!!!!!!! Was ist mit Johanna passiert? Wer ist der Junge? Und was war auf dem Portrait abgebildet?!!!!!!!!!!!
gd ( 90746 )
Abgeschickt vor 243 Tagen
Test test... sorry
H�hlenstimme ( 35193 )
Abgeschickt vor 249 Tagen
Wann schreibst du weiter?
Die Geschichte ist genial!!!!!!!
Dark Dragon ( 88047 )
Abgeschickt vor 556 Tagen
Bitte schreib weiter, du schreibst richtig gut!
Rari ( 39062 )
Abgeschickt vor 594 Tagen
Auch schonmal Applaus für das 2. Kapitel! (Bin ich die Einzige die das gut findet?)
Rari ( 32563 )
Abgeschickt vor 618 Tagen
Klingt vielversprechend. Auf jeden fall spannend!